Maria von der Fürbitte

 

Samstag nach Allerheiligen

 

Eine der tröstlichen Wahrheiten unseres heiligen Glaubens ist die Lehre von der Gemeinschaft der Heiligen. Sie verbindet uns mit den Armenseelen des Fegfeuers wie mit den seligen Bewohnern des Himmels. Aber sie verbindet nicht in Unverbindlichkeit, sondern in einem tatkräftigen Mit- und Füreinander. Wie glücklich sind wir doch, dass die seligen und reinen Himmelsbewohner keineswegs vornehm von uns armen Sündern Abstand zu nehmen suchen. Wie trostreich für uns, dass sie nicht so trunken sind von der Seligkeit Gottes, dass sie nichts mehr für uns übrig haben. Ganz im Gegenteil, sie sind in der Liebe zu Gott aus echter Nächstenliebe um uns besorgt und hängen an uns wie liebste Freunde. Freudig werfen sie beim Vater im Himmel ihre Mühen und Verdienste für uns in die Waagschale.

 

In den Kreis dieser himmlischen Fürbitter trat mit ihrer leiblichen Aufnahme in den Himmel auch Maria ein. Wenn es wahr ist, dass die Macht des Fürbittgebetes der Heiligen sich nach dem Maß ihrer Gnade und ihrer Liebe richtet, dann muss die selige Jungfrau einen ersten Platz in dieser Reihe einnehmen. Hat doch niemand eine solche Fülle der Gnaden aufzuweisen. Kann doch niemand mit ihr wetteifern in der Liebe zu Gott und dem Nächsten. Hat doch niemand für das Reich Gottes so viel Leid und Mühe getragen wie die Schmerzensmutter und Gehilfin des Erlösers.

 

Diese besondere Stellung Mariens im Kreis der himmlischen Fürbitter bringen wir zum Ausdruck, wenn wir sie bezeichnen als die mütterliche und die allmächtige Fürbitterin.

 

Mütterlich ist ihr Fürbitten. Mütterlich, weil sie dem Herrn als der Frucht ihres Leibes sich bittend nähert. Wahrlich, Jesus müsste keine echte, keine göttlich-große Kindesliebe in sich tragen, wenn er nicht ohne weiteres seiner bittenden Mutter gütigst gewährte, um was sie fleht. Mütterlich im Bezug auf uns. Denn sie ist unter dem Kreuz unter den größten Schmerzen unsere Mutter geworden. Hat aber nicht jedes echte Mutterherz um so mehr Liebe, Besorgtheit, Opfergeist für ihr Kind, je mehr dessen Geburt und Erziehung ihr gekostet hat? Wie teuer werden wir daher dem Mutterherzen Mariens sein! Wie treu und entschieden wird sie sich für uns einsetzen. Man möchte es in menschlicher Sprechart so ausdrücken: Eine solche Mutter lässt sich nicht abweisen, bis ihre Bitte für uns erhört worden ist.

 

So ist es für den glaubenden Christen undenkbar, dass Maria nicht erhört werden könnte. Und darum hat man sie genannt: die fürbittende Allmacht.

 

Wenn schon unseren Christenherzen unsere Verstorbenen, die Armenseelen, so nahe stehen, dass unter uns mit besonderem Eifer für sie gebetet wird, dann dürfen wir der himmlischen Mutter Fürbitte für ihre leidenden Kinder im Fegfeuer gewiss sein. Wie mag ihr Herz sich danach sehnen, recht bald mit diesen ihrer Kinder in der Seligkeit ihres Sohnes vereint zu sein!

 

Kirchengebet

 

Allmächtiger ewiger Gott, du willst, dass die selige Jungfrau Maria als Mutter deines eingeborenen Sohnes dem Menschengeschlecht zu Hilfe eile, lass uns, wir bitten dich, auf ihre Fürbitte hin alle teuflische Ansteckung meiden und mit reinem Geist dir dienen.

 

Zur Geschichte des Festes: Die gnadenvollen Hände unserer himmlischen Mutter stehen nicht nur den Kindern der streitenden Kirche offen, sondern auch denen der leidenden Kirche. Es wundert uns darum nicht, wenn die Marienliebe des gläubigen Volkes ein eigenes Fest geschaffen hat, das der Fürbitte Mariens für die Armenseelen gewidmet ist. In den verschiedensten Diözesen wird es gefeiert, besonders seitdem es am 30. Juli 1830 den Redemptoristen von Rom erlaubt worden war. Gerade der heilige Alphons, der Gründer dieses Ordens, war ein besonderer Eiferer für die Verehrung Mariens von der Fürbitte.

 

In Rom wird in der Kirche des heiligen Dominikus und Sixtus eine Ikone „Maria von der Fürbitte“ verehrt. Nach einer alten Tradition soll dieses Bild vom heiligen Lukas stammen. Engelhände hätten es vom Orient nach Rom gebracht. Auf Wunsch Honorius` III. ist es am 24. Februar 1219 von Dominikus feierlich in die Kirche des heiligen Sixtus übertragen worden. Historisch beglaubigt ist jedenfalls die Krönung dieses Bildes im Jahr 1679 durch das Vatikanische Kapitel. – Die Wahl des ersten Samstages im Allerseelenmonat für dieses Fest „Maria von der Fürbitte“ ist bezeichnend für den Festcharakter.

 

(„So feiert dich die Kirche“, Prof. Dr. Carl Feckes, Maria im Kranz ihrer Feste, Steyler Verlagsbuchhandlung, 1957)