Die Schule des heiligen Philipp Neri

 

Was bedeutet diese Schule? Gleichwie wir von einer Schule des Sokrates, des Plato, des Aristoteles etc. sprechen und darunter ihre Schüler und Anhänger verstehen, die die Lehrsätze ihrer Meister weiter entwickelten und fortpflanzten, so werden uns in dieser Schule die hervorragendsten Schüler des Heiligen vorgeführt neben ihren Lehren und Beispielen. Es ist aber noch eine Schule in einem anderen Sinn, eine Schule mit zwei Hörsälen, in denen Lektionen gegeben werden über die wichtigsten Gegenstände des christlichen Lebens, sowohl für Laien als für Geistliche.

 

Wenn wir diese Lektionen unter dem Beistand des heiligen Philipp und mit dem Segen der göttlichen Gnade zu Herzen nehmen und in diesem Leben befolgen, dann werden wir uns dereinst in der Gesellschaft des Heiligen des ewigen Lebens erfreuen.

 

Die folgenden Lehren und Vorschriften sind hauptsächlich an jene Christen gerichtet, die, nachdem sie das Leben und die Tugenden des glorreichen heiligen Philipp Neri genau betrachtet haben, eine große Andacht zu ihm fühlen, und ihn in allen ihren geistlichen und zeitlichen Nöten zu ihrem Patron und Fürsprecher bei Gott wählen wollen.

 

Es ist wohl bekannt, dass die Andacht zu den Heiligen hauptsächlich in der Nachahmung ihrer Tugenden besteht, und Seelen, die dem heiligen Philipp in Andacht ergeben sind, werden hier zu der Nachahmung seiner Tugenden aufgefordert, die sie seines Schutzes würdig machen wird. Wir dürfen daher die höchst wichtige Bemerkung nicht vergessen, dass unsere heilige Mutter, die Kirche, zum Wohl ihrer Kinder diese Nachahmung des heiligen Philipp für sie in nachstehendem Gebet erfleht:

 

„O Gott, der du den seligen Philipp, deinen Bekenner, zur Glorie deiner Heiligen erhoben hast, gib gnädig, dass wir uns das Tugendbeispiel desjenigen zu Nutzen machen, dessen Fest wir mit Freuden begehen!“

 

 

Möge deshalb jeder, der diesen vortrefflichen Führer auf dem Weg zum Himmel und zur Erlangung der Tugend wählen und ihm die Huldigung einer wahren Andacht darbringen will, sich bereit halten, seine Tugenden nachzuahmen und seine Lehren zu befolgen, wie sie in den nachstehenden Abschnitten dargelegt sind, die wir nun unter Anrufung des Beistandes unseres Heiligen und des Segens der göttlichen Gnade beginnen. 

 

 

* * *

 

Erste Lektion:

Von dem Beichtvater und dem Verhältnis des Beichtkindes zu ihm

 

(Sprüche 6,20a: „Beachte, mein Sohn, auf die Gebote deines Vaters.“)

 

Der heilige Philipp ermahnt das Beichtkind, sich einen besonderen Seelenführer zu wählen, und vor seiner Wahl sich wohl zu bedenken und zu beten, damit es, wie der Heilige selbst bemerkt, „einen guten, gelehrten, klugen und erfahrenen Mann finde.“ Das Beichtkind muss daher darüber versichert sein, ob der Beichtvater diese vom heiligen Philipp geforderten Eigenschaften habe. Es ist auch nie vorteilhaft, den Beichtvater zu wechseln, und der heilige drückte darüber seine Meinung so aus: „Wer im geistlichen Leben beharren will, muss stets derselben Person beichten.“

 

Auch gefiel es ihm nicht, wenn man zu einem anderen Beichtvater ging. Ein solcher Wechsel setzt das Beichtkind in der Achtung des Beichtvaters herab und macht das Gewissen unruhig, wie namentlich von einem Pönitenten des Heiligen erzählt wird. Dieser fiel, sobald er einem anderen beichtete, in tiefe Schwermut und Gewissensangst, und um sich davon zu befreien und seine Seelenheiterkeit wieder zu erlangen, war sein einziges Mittel, zu seinem ersten Beichtvater zurückzukehren und ihm seine Untreue zu bekennen.

 

Der Heilige wollte daher nie gestatten, den Beichtvater aus unbedeutenden Gründen zu ändern, sondern er sagte: „Ist er einmal gewählt, so soll er niemals geändert werden, außer aus den dringendsten Ursachen.“

 

Das Beichtkind muss entschlossen sein, sich wie einen Leichnam in die Hände seines Beichtvaters zu legen nach dem Ausspruch jenes Dieners Gottes, Johann Baptist von Foligno, der sich so in die Hände des heiligen Philipp gab, dass er mit ihm tun konnte, was er wollte, und der die Gebote des Heiligen auf das genaueste beobachtete, mit so unaussprechlichen Nutzen für seine Seele, dass er sogar noch bei Lebzeiten „der gottselige Johann Baptist“ hieß.

 

Der Pönitent muss sich vorstellen, als ob der Heilige an ihn dieselbe Ermahnung richtete, wie an Cäsar Tommasi, der sagt: „Er ermahnte mich stets, die Sünde zu meiden, und danach zu streben, von ihr frei zu sein, wenn ich in der Gnade Gottes bleiben will.“

 

Wenn sich Gelegenheit zur Sünde bietet, sollte er an den Abscheu vor der Sünde denken, den unser Heiliger äußerte, indem er sagte:

 

„Ehe ich eine einzige Todsünde beginge, wollte ich mich lieber vierteilen lassen und des grausamsten Todes sterben!“ Wenn jemand in eine Sünde fällt, so soll er bedenken, dass seine Seele befleckt worden ist, und daher sogleich zu den Füßen seines Beichtvaters eilen, um diesen Flecken zu entfernen. Diese Hässlichkeit der Seele war den Augen des heiligen Philipp sogar äußerlich sichtbar, der eines Tages zu einer Person, die gebeichtet hatte, sagte:

 

„Mein Sohn, du hast dein Gesicht verändert, und hast nun ein besseres Aussehen,“ Worte, die der Heilige oft gebrauchte, wenn Sünder aus dem Stand der Sünde in den der Gnade Gottes zurückkehrten.

 

Sollte das Beichtkind auch öfter in denselben Fehler zurückfallen, so soll es sich doch immer mit derselben Bereitwilligkeit wieder an seinen Beichtvater wenden, denn dies war das Heilmittel, das der heilige Philipp vorschrieb, um einen Sünder von einer Sünde zu befreien, in die er so tief versunken war, dass er fast jeden Tag in sie hineinfiel. Da er aber bei jedem Rückfall stets wieder zur Beicht seine Zuflucht nahm, so wurde er, wie der Heilige selbst erklärt, in kurzer Zeit ein wahrer Engel.

 

Um jemand, der in einen schweren Fehler gefallen ist, nachdem er lange auf den Wegen Gottes gewandelt ist, zu heilen, gebe es, wie der Heilige sagte, kein besseres Mittel, als ihn zu ermahnen, dass er seinen Fehler irgend einer rechtschaffenen Person offenbare, auf die er ein besonderes Vertrauen setze, denn durch diesen Akt der Demut werde ihn Gott wieder in seinen früheren Gnadenstand einsetzen.

 

Der Heilige liebte die Gewissensreinheit und die vorbehaltlose Darlegung des Seelenzustandes dem Beichtvater gegenüber so sehr, dass er wegen dem großen Nutzen, den die Seelen aus der häufigen Beicht ziehen, sie mit Wort und Beispiel einschärfte, denn er beichtete jeden Tag unter reichlichen Tränen.

 

Niemand darf seine Geschäfte als eine Entschuldigung ansehen, denn zur Zeit des heiligen Philipp gingen viele, die beschäftigt waren, vor Tagesanbruch zur Beicht, und durch die Gnade Gottes wird es nie an Beichtvätern fehlen, die in dieser Schule ihren Unterricht holen und nach dem Beispiel des Heiligen sich in den Charakter ihrer Beichtkinder fügen, und stets zu ihrem Dienst bereit sein werden.

 

Der Heilige gibt den Rat, dass sich das Beichtkind zuerst der schweren Sünden anklagen soll, vor denen es sich am meisten schämt, da auf diese Weise der böse Feind am meisten zu Schanden gemacht und aus der Beicht der größte Nutzen gezogen wird.

 

Man darf niemals aus Menschenfurcht irgendeine Sünde, so unbedeutend sie scheinen mag, verhehlen.

 

Man darf nie zu sehr auf sich selbst vertrauen, sondern muss sich immer mit seinem geistlichen Vater besprechen und sich den Gebeten aller empfehlen.

 

Man muss einen großen Glauben an seinen Beichtvater haben und ihm die geringste Sache offenbaren, da der Herr ihn in allem, was zum Heil seines Beichtkindes von Wichtigkeit ist, niemals irre gehen lassen wird. Wenn es dem bösen Feind nicht gelingen kann, eine Person zu einer schweren Sünde zu versuchen, so bemüht er sich aus allen Kräften, Misstrauen zwischen dem Beichtvater und dem Beichtkind zu säen, denn dadurch erlangt er allmählich keinen geringen Gewinn, da der Böse, wie unser Heiliger selbst an dem Beispiel von Karl Mazzei zeigt, den Beichtvater fürchtet. In Fällen, wo das Beichtkind keinen Zutritt zu seinem Beichtvater haben kann, ist es gut, wenn es so handelt, wie es glaubt, dass es ihm wohlgefällig wäre. Aber bei der ersten Gelegenheit muss es sich mit ihm besprechen, um sich vor Irrtum zu sichern.

 

Gelübde dürfen nie ohne Zustimmung des Beichtvaters gemacht werden, und für die Gewissensruhe des Beichtkindes sowohl, als um die Last vieler Verpflichtungen zu vermeiden, hielt es der Heilige für gut, dass die Person, die ein Gelübde machen wolle, es nur bedingt tue z.B. mit den Worten: „Wenn ich mich daran erinnere“ oder dergleichen.

 

Geißelungen und andere Abtötungen ähnlicher Art dürfen nie ohne die Erlaubnis des Beichtvaters angewendet werden, denn, fügt der Heilige hinzu: „Wer sie nach seinem eigenen Ermessen anwendet, schadet entweder seiner Gesundheit, oder wird stolz, indem er sich einbildet, er habe etwas Großes getan. Wir dürfen uns nie so sehr an die Mittel halten, dass wir darüber den Zweck vergessen, der die Liebe zu Gott und dem Nächsten ist.“

 

Das Beichtkind muss seinem Beichtvater wie Gott gehorchen, und ihm alle seine Neigungen freimütig, aufrichtig und in Einfalt des Herzens aufdecken und darf ohne seinen Rat keinen Entschluss fassen. Der Heilige sagt: „Wer so handelt, darf versichert sein, dass er dereinst Gott von seinen Handlungen keine Rechenschaft ablegen muss.“ Dieser Gehorsam wurde von unserem Heiligen zuerst geübt und dann gelehrt. Obwohl er seine Unfähigkeit anführte, so wurde er dennoch aus Gehorsam Priester und nahm die Bürde des Beichthörens auf sich, anstatt nach Indien zu gehen, wohin er besonders gern in die Mission gegangen wäre, vermöge jener Liebe zu Gott, die ihn mit der Begierde erfüllte, sein Blut für den heiligen Glauben zu vergießen, nichts zu sagen von vielen anderen Akten bereitwilligen Gehorsams, die in seinem Leben aufgezeichnet sind. Wir sollten an all dem ein Beispiel nehmen und stets unserem Beichtvater gehorchen, selbst wenn er Dinge befiehlt, die den Begriffen des Beichtkindes von seiner Fähigkeit dazu widersprechen.

 

 

Das Beichtkind darf den Beichtvater nie zwingen, mit Widerstreben eine Erlaubnis zu geben, und in dieser Hinsicht beklagte P. Peter Consolini gar sehr den Schaden, den jetzt der Gehorsam gewöhnlich bei den Beichten erleidet, da es anstatt der tiefen Demut und des Gehorsams, den dieses Sakrament von dem Beichtkind erfordert, jetzt (um seine eigenen Worte anzuführen) häufig so eingerichtet ist, dass, während der Beichtvater einst das Beichtkind leitete, die Beichtkinder jetzt die Beichtväter leiten und sie nach ihrem Belieben stimmen wollen. Das Beichtkind muss sich hüten, das Sakrament der Buße aus eigennützigen Beweggründen zu missbrauchen, indem man zur Beichte geht, um etwas Almosen vom Beichtvater zu erhalten. Der heilige Philipp entdeckte schnell diesen Missbrauch, und da er einmal in seinem Geist erkannte, dass eine gewisse Frau nur um Brot kam, sagte er zu ihr: „Meine gute Frau, geht, und Gott sei mit euch, denn hier gibt es kein Brot für euch.“ Auch wollte er sie nicht mehr Beicht hören. 

________________________________________________________________________

 

Zweite Lektion:

Von der heiligen Kommunion

 

Wir können von den wunderbaren Wirkungen, die die heilige Kommunion in denen hervorbringt, die häufig und würdig kommunizieren, nicht so sprechen, wie es uns im Herzen ist. Diese Wirkungen können wohl gekostet werden, lassen sich aber nie mit Worten ausdrücken. Lasset uns kosten und sehen, wie süß dieses Engelsbrot ist. Durch die häufige Teilnahme an diesem göttlichsten Sakrament haben viele Beichtkinder unseres Heiligen die höchste geistliche Vollkommenheit erreicht. Unser Heiliger selbst bezieht sich darauf in einem Brief an eine gewisse Dame, namens Fiore: „Ich wünsche, dass du blühen mögest, d.h. dass die Blume (eine Anspielung auf ihren Namen) gute Frucht hervorbringen möge, die Frucht der Demut, die Frucht der Geduld, die Frucht aller Tugenden, und dass du der Aufenthalt aller Tugenden wärest, wie es bei denen der Fall ist, die häufig kommunizieren.“ Der Heilige wollte deshalb, dass nicht nur die Priester, sondern auch die Laienbrüder das allerheiligste Altarsakrament häufig empfangen, und seiner eigenen Übung folgen sollten, die darin bestand, dass er als Laie jeden Morgen kommunizierte. Als er Priester wurde, brachte er täglich das heilige Messopfer dar, und selbst in der Krankheit kommunizierte er jeden Morgen.

 

Die nämliche Regel hinsichtlich der Zeit kann nicht allen gegeben werden, da dies von dem Belieben des Beichtvaters abhängt. Einige Pönitenten des Heiligen kommunizierten alle acht Tage, manche an jedem Fest, andere drei Mal in der Woche und einige, obwohl wenige, jeden Tag.

 

Wenn jemand kommunizieren will, so soll er seinen Beichtvater um die Erlaubnis bitten und es ihm einige Tage vorher sagen. Der heilige Philipp wünschte, dass die Beichtkinder dies drei oder vier Tage vor der Kommunion tun möchten, und er sagte auch, dass niemand ohne die Erlaubnis seines Beichtvaters kommunizieren sollte, denn wenn man häufig nach seinem eigenen Kopf kommuniziert, so kann das Anlass zu großen Versuchungen geben, denen man nicht immer Widerstand leisten kann.

 

Wir müssen uns diesem heiligen Mahl mit großer Begierde nahen, und immer mit einem besonderen frommen Beweggrund, nicht aus bloßer Gewohnheit. Dies beabsichtigte auch der heilige Philipp, der, wenn seine geistlichen Kinder ihn um die Erlaubnis baten, zu kommunizieren, zu ihnen sagte: „Sitientes, sitientes venite ad aquas!“ sie sollten zuerst einen heiligen Durst empfinden, und dann erst der Quelle des ewigen Lebens sich nahen.

 

Obwohl keine Vorbereitung auf die Kommunion jemals hinreichend genannt werden kann, so müssen wir uns dennoch hüten, uns dieser heiligen Speise leichtsinnig oder aus Gewohnheit zu nahen, sondern wir müssen alle mögliche Vorbereitung anwenden. Einige Beichtkinder des Heiligen gingen mit ihm am Samstag nachts und an den Vigilien der Feste entweder nach der Kirche der Dominikaner oder der Kapuziner, wo sie im Chor mit den Mönchen der Matutin anwohnten, und die ganze Nacht mit der Vorbereitung auf die am Morgen stattfindende heilige Kommunion zubrachten.

 

Wer zur heiligen Kommunion geht, soll dem Geist folgen, den er im Gebet hatte, und sich nicht um neue Meditationen umsehen. Er muss sich auch auf mehr Versuchungen als gewöhnlich gefasst machen. Wenn er das heiligste Sakrament empfängt, soll er dem Heiligen nachahmen, der, wenn er im Begriff stand, zu kommunizieren, mit aller Inbrunst die Worte sprach: „O Herr, ich beteuere vor dir, dass ich zu nichts gut bin, als Böses zu tun,“ und wenn er die heilige Wegzehrung empfing, so wiederholte er das Domine non sum dignus mit der tiefsten Andacht und sprach: „O mein Herr, ich bin nicht würdig, noch war ich jemals würdig. Ich habe nie etwas Gutes getan!“ Der Heilige ermahnt uns ferner, dass wir in der Kommunion um ein Heilmittel für das Laster bitten sollen, zu dem wir am meisten geneigt sind. Nach der heiligen Kommunion sollen wir eine fromme Erinnerung an die große Gnade bewahren, die wir empfingen, indem wir der himmlischen Speise teilhaftig wurden, um uns gegen die göttliche Güte recht dankbar beweisen. Darauf drang der Heilige so sehr, dass er, wenn seine geistlichen Kinder kommunizierten, sie für einige Tage nachher einen weiteren Akt der Andacht verrichten ließ, um aus dem Sakrament die gehörige Frucht zu ziehen. So mussten sie zum Beispiel das Vaterunser und Ave Maria mit ausgespannten Armen laut beten, oder er schrieb ihnen ähnliche Dinge vor. An einem Kommuniontag müssen wir versuchen, irgendein besonderes Werk der Barmherzigkeit zu verrichten. So schickte der heilige Philipp seine geistlichen Kinder nach der Kommunion in verschiedene Spitäler, um die Kranken zu besuchen und ihnen zu dienen. 

 

________________________________________________________________________

 

Dritte Lektion:

Vom innerlichen Gebet

 

________________________________________________________________________

 

Vierte Lektion:

Von der Einführung des Familiengebetes in Privathäuser

 

________________________________________________________________________ 

 

Fünfte Lektion:

Von der Gegenwart Gottes

 

________________________________________________________________________ 

 

Sechste Lektion:

Vom mündlichen Gebet 

 

________________________________________________________________________

 

Siebente Lektion:

Um was wir zu Gott beten sollen

 

________________________________________________________________________

 

Achte Lektion:

Wir sollen uns den Gebeten anderer empfehlen

 

________________________________________________________________________

 

Neunte Lektion:

Von der Lesung geistlicher Bücher

 

________________________________________________________________________

 

Zehnte Lektion:

Von der Demut

 

________________________________________________________________________

 

Elfte Lektion:

Vom Gehorsam

 

________________________________________________________________________ 

 

Zwölfte Lektion:

Von der äußeren Abtötung

 

________________________________________________________________________

 

Dreizehnte Lektion:

Von der inneren Abtötung

 

________________________________________________________________________

 

Vierzehnte Lektion:

Von der Vermeidung des Müßiggangs

 

________________________________________________________________________

 

Fünfzehnte Lektion:

Von der Keuschheit

 

________________________________________________________________________

 

Sechzehnte Lektion:

Vom Geiz

 

________________________________________________________________________

 

Siebzehnte Lektion:

Von der Entsagung der Besitztümer

 

________________________________________________________________________

 

Achtzehnte Lektion:

Die Enthaltsamkeit von Geschenken

 

________________________________________________________________________

 

Neunzehnte Lektion:

Wir sollen uns von Ehren und Würden fernhalten

 

________________________________________________________________________

 

Zwanzigste Lektion:

Von der Liebe Gottes

 

________________________________________________________________________

 

Einundzwanzigste Lektion:

Von den Andachten, die wir üben sollen

 

________________________________________________________________________ 

 

Zweiundzwanzigste Lektion:

Von der äußerlichen Andacht und der Vermeidung der Sonderbarkeit

 

________________________________________________________________________

 

Dreiundzwanzigste Lektion:

Von den geistlichen Übungen des Oratoriums

 

________________________________________________________________________

 

Vierundzwanzigste Lektion:

Vom Kirchenbesuch

 

________________________________________________________________________

 

Fünfundzwanzigste Lektion:

Von der fühlbaren Andacht, von geistlichen Tröstungen und Süßigkeiten

 

________________________________________________________________________ 

 

Sechsundzwanzigste Lektion:

Von der geistlichen Trockenheit

 

________________________________________________________________________

 

Siebenundzwanzigste Lektion:

Von den Verzückungen

 

________________________________________________________________________

 

Achtundzwanzigste Lektion:

Von den Visionen

 

________________________________________________________________________

 

Neunundzwanzigste Lektion:

Vom eitlen Ruhm

 

________________________________________________________________________

 

Dreißigste Lektion:

Von den Skrupeln

 

________________________________________________________________________

 

Einunddreißigste Lektion:

Vom Almosen

 

________________________________________________________________________

 

Zweiunddreißigste Lektion:

Vom Krankenbesuch

 

________________________________________________________________________

 

Dreiunddreißigste Lektion:

Wie wir die Verwandten des Verstorbenen trösten sollen

 

________________________________________________________________________

 

Vierunddreißigste Lektion:

Wie die Kranken sich während ihrer Krankheit verhalten sollen

 

________________________________________________________________________

 

Fünfunddreißigste Lektion:

Von Trübsalen, Verfolgungen, Widerwärtigkeiten und von den Leidenschaften der Seele

 

________________________________________________________________________

 

Sechsunddreißigste Lektion:

Von der Fröhlichkeit und dem Trübsinn

 

________________________________________________________________________

 

Siebenunddreißigste Lektion:

Von den Erholungen

 

________________________________________________________________________

 

Achtunddreißigste Lektion:

Vom Gespräch

 

________________________________________________________________________

 

Neununddreißigste Lektion:

Von der Zurechtweisung

 

________________________________________________________________________

 

Vierzigste Lektion:

Vom Stillschweigen und von der Zurückgezogenheit

 

________________________________________________________________________

 

Einundvierzigste Lektion:

Vom Studium

 

________________________________________________________________________

 

Zweiundvierzigste Lektion:

Vom Essen

 

________________________________________________________________________

 

Dreiundvierzigste Lektion:

Vom Schlafen

 

________________________________________________________________________

 

Vierundvierzigste Lektion:

Von der Standesänderung

 

________________________________________________________________________

 

Fünfundvierzigste Lektion:

Von der Beharrlichkeit – ihre Notwendigkeit

 

________________________________________________________________________

 

Sechsundvierzigste Lektion:

Von der Vorbereitung auf den Tod

 

So lange wir gesund sind, sollen wir uns auf den Tod vorbereiten. Deshalb legte auch der heilige Philipp das Amt eines Superior nieder, indem er sagte, er sei alt und brauche Zeit, um sich auf einen guten Tod zu bereiten. Wie nun der Heilige sich den Tod immer vergegenwärtigte, so sollen auch wir ihn uns beständig vor Augen stellen. Dies wird eine der besten Vorbereitungen sein, um gut zu sterben. Wir erfahren aus dem Leben des heiligen Philipp, worin seine Vorbereitung auf den Tod bestand. Er suchte sich sein ganzes Leben lang immer mehr von allem Irdischen loszureißen, und Herz und Geist mit himmlischen Dingen zu erfüllen.

 

Wenn wir gleich nicht an der einen Krankheit sterben, so müssen wir doch zuletzt an einer anderen sterben. Wir sollen uns vorstellen, immer die Stimme des heiligen Philipp zu hören, der sagt: „Für diejenigen, die Gott gedient haben, ist der Tod überaus erwünscht und kostbar. Die wahren Diener Gottes ertragen das Leben mit Geduld und sehnen sich nach dem Tod. Könnte eine Seele sich ganz von lässlichen Sünden enthalten, so wäre es das größte Leiden für sie, in diesem Leben zurückgehalten zu werden, wegen ihrer heftigen Sehnsucht, sich mit Gott zu vereinigen.“ Um unseren Schrecken vor dem Tod zu vertreiben, ermuntert uns der Heilige, in einem geistlichen Leben zu verharren, indem er sagt: „Der Herr sendet einem gottesfürchtigen Menschen nie den Tod, ohne ihm eine Warnung von seiner Nähe zu geben, und ihm ein außerordentliches Maß von Gnade zu verleihen.“ In der Tat sagte der Heilige öfters, wenn er krank war: „Ich werde nicht an dieser Krankheit sterben, denn Gott, der mir bisher so viele Gnaden erzeigt hat, würde mich jetzt nicht so ohne alle Inbrunst lassen, wenn dies die Stunde meines Todes wäre.“ Als er einst seinem Ende nahe schien, wandte er sich mit heiterem Angesicht zu den Personen, die ihn umstanden und sagte: „Was fürchtet ihr euch? Ich habe nicht die geringste Furcht.“ Ebenso hatten diejenigen, die bei ihm in die Schule gingen, keine Furcht vor dem Tod, sondern schienen ihn vielmehr zu wünschen. Als Pater Juvenale seinem Tod nahe war und ein anwesender Pater Kapuziner zu ihm sagte: „Lasset uns zu Gott beten, dass dein Leben erhalten werden möge, so erwiderte der Diener Gottes: „Sinite me abire, melius mihi erit in paradiso.“ (Lasset mich fortgehen, besser wird mir im Himmel sein.) Wenn wir durch die göttliche Gnade im Gutestun verharrten, was wir durch die Nachahmung der Tugenden unseres Heiligen tun können, so werden wir, wenn uns der Tod angekündigt wird, mit ihm sagen können: „O mein Herr, wenn du mich haben willst, hier bin ich! O mein Herr, ich habe dich nicht erkannt, ich habe nichts Gutes getan.“ Diese Worte pflegte der Heilige mit vielen Tränen zu wiederholen. Wir können auch wie er, wenn uns die Ärzte aufgeben, sagen: „Paratus sum et non turbatus.“ (Ich bin bereit und nicht beunruhigt.) Als Baronius dem Tod nahe war, und ihm einer seiner Freunde Mut zusprach, denn er könne auf die Belohnung seiner Arbeiten hoffen, erwiderte er: „Sprich nicht so; ich fürchte und zittere, und es gibt niemand, der nicht Ursache hätte, zu fürchten, namentlich in dieser Stunde.“ Als man aber die Aussegnung der Seele begann, brach er mit großer Inbrunst in die Worte aus: „Ecce nunc tempus exultationis et laetitiae, moriamur!“ (Siehe, nun kommt die Zeit des Jubels und der Freude, lasset uns sterben!) Und er starb mit diesen wahren Zeichen der Freudigkeit, die er als ein würdiger Sohn von seinem heiligen Vater Philipp erbte, der bis zum letzten Atemzug in heiliger Fröhlichkeit verharrte.

 

Indem der heilige Philipp in den Krankheiten, die man für tödlich hielt, eine Generalbeicht ablegte, obgleich er selbst sie nicht für so gefährlich ansah, gibt er uns ein Beispiel, ihm nachzuahmen, wenn wir krank sind. Wenn wir die heilige Wegzehrung empfangen, müssen wir uns die Demut unseres Heiligen zum Muster nehmen, der bei den Worten: „Herr, ich bin nicht würdig“, sie mit großer Inbrunst wiederholte und hinzufügte: „O mein Herr, ich bin nicht würdig, ich war nie würdig, und habe nie etwas Gutes getan.“ Wir sollen uns, wie Baronius, als Vorbereitung auf einen seligen Tod in Schussgebetlein und in frommen Anmutungen zu Gott und seinen Heiligen üben. Pater Johann Ancina übte sich beständig in Akten der Reue und sprach dabei häufig die Worte: „Herr, lass mich fortgehen, befreie meine Seele aus ihrem Gefängnis! Komm, o Herr, und zögere nicht!“

 

Was die Visionen betrifft, die zuweilen denjenigen erscheinen, die im Begriff sind zu sterben, so gibt uns der heilige Philipp den Rat, den Visionen nicht Glauben zu schenken, besonders solchen, die uns noch ein längeres Leben versprechen. Diese sind meistens Vorspiegelungen des Teufels, der gern hätte, dass wir ohne Vorbereitung und mit der Hoffnung noch länger zu leben, sterben sollen. In dem schrecklichen Augenblick des Todes können wir, wenn wir dem heiligen Philipp durch Nachahmung seiner Tugenden treu ergeben gewesen sind, hoffen, die Früchte unserer Andacht zu ernten, da unser Heiliger den Sterbenden schon oft wunderbar beigestanden ist. Der Cardinal Crescentio sagt in dieser Hinsicht: „Er versprach mir und vielen anderen, in unserer Todesstunde gegenwärtig zu sein, und ich hoffe, es wird so sein, denn ich weiß, dass er meiner sterbenden Schwester erschienen ist.“ Deshalb können wir, wenn wir unsere erste Hoffnung auf das Blut setzen, das unser Erlöser für uns vergossen hat, sagen: „Ich habe kein Vertrauen auf mich selbst, aber ich hoffe, durch das Blut Christi unter dem Beistand des heiligen Philipp selig zu werden. O Maria, Mutter Jesu, und du, heiliger Philipp, steht mir bei!“ Wenn der höllische Feind uns mit Versuchungen plagt, oder uns hässliche Gesichte vorstellt, so wollen wir uns erinnern, dass schon der Name „Philipp“ den bösen Geistern schrecklich war, die flohen, wenn sie ihn hörten, und aufhörten, die Sterbenden zu versuchen.

________________________________________________________________________

 

Aus dem Buch "Die Schule des heiligen Philipp Neri" von Pater Frederick William Faber, Superior des Oratoriums zu London, Regensburg 1861