Die Schule des heiligen Philipp Neri

 

Inhalt:

 

Erste Lektion: 

Von dem Beichtvater und dem Verhältnis des Beichtkindes zu ihm

 

Zweite Lektion: 

Von der heiligen Kommunion

 

Dritte Lektion:

Vom innerlichen Gebet

 

Vierte Lektion:

Von der Einführung des Familiengebetes in Privathäuser

 

Fünfte Lektion:

Von der Gegenwart Gottes

 

Sechste Lektion:

Vom mündlichen Gebet 

 

Siebente Lektion:

Um was wir zu Gott beten sollen

 

Achte Lektion:

Wir sollen uns den Gebeten anderer empfehlen

 

Neunte Lektion:

Von der Lesung geistlicher Bücher

 

Zehnte Lektion:

Von der Demut

 

Elfte Lektion:

Vom Gehorsam

 

Zwölfte Lektion:

Von der äußeren Abtötung

 

Dreizehnte Lektion:

Von der inneren Abtötung

 

Vierzehnte Lektion:

Von der Vermeidung des Müßiggangs

 

Fünfzehnte Lektion:

Von der Keuschheit

 

Sechzehnte Lektion:

Vom Geiz

 

Siebzehnte Lektion:

Von der Entsagung der Besitztümer

 

Achtzehnte Lektion:

Die Enthaltsamkeit von Geschenken

 

Neunzehnte Lektion: 

Wir sollen uns von Ehren und Würden fernhalten

 

Zwanzigste Lektion:

Von der Liebe Gottes

 

Einundzwanzigste Lektion:

Von den Andachten, die wir üben sollen

 

Zweiundzwanzigste Lektion:

Von der äußerlichen Andacht und der Vermeidung der Sonderbarkeit

 

Dreiundzwanzigste Lektion:

Von den geistlichen Übungen des Oratoriums

 

Vierundzwanzigste Lektion:

Vom Kirchenbesuch

 

Fünfundzwanzigste Lektion:

Von der fühlbaren Andacht, von geistlichen Tröstungen und Süßigkeiten

 

Sechsundzwanzigste Lektion:

Von der geistlichen Trockenheit

 

Siebenundzwanzigste Lektion:

Von den Verzückungen

 

Achtundzwanzigste Lektion:

Von den Visionen

 

Neunundzwanzigste Lektion:

Vom eitlen Ruhm

 

Dreißigste Lektion:

Von den Skrupeln

 

Einunddreißigste Lektion:

Vom Almosen

 

Zweiunddreißigste Lektion:

Vom Krankenbesuch

 

Dreiunddreißigste Lektion:

Wie wir die Verwandten des Verstorbenen trösten sollen 

 

Vierunddreißigste Lektion:

Wie die Kranken sich während ihrer Krankheit verhalten sollen

 

Fünfunddreißigste Lektion:

Von Trübsalen, Verfolgungen,

Widerwärtigkeiten und von den Leidenschaften der Seele

 

Sechsunddreißigste Lektion:

Von der Fröhlichkeit und dem Trübsinn

 

Siebenunddreißigste Lektion:

Von den Erholungen

 

Achtunddreißigste Lektion:

Vom Gespräch

 

Neununddreißigste Lektion:

Von der Zurechtweisung

 

Vierzigste Lektion:

Vom Stillschweigen und von der Zurückgezogenheit

 

Einundvierzigste Lektion:

Vom Studium

 

Zweiundvierzigste Lektion:

Vom Essen 

 

Dreiundvierzigste Lektion:

Vom Schlafen

 

Vierundvierzigste Lektion:

Von der Standesänderung

 

Fünfundvierzigste Lektion:

Von der Beharrlichkeit – ihre Notwendigkeit

 

Sechsundvierzigste Lektion:

Von der Vorbereitung auf den Tod

 

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Was bedeutet diese Schule? Gleichwie wir von einer Schule des Sokrates, des Plato, des Aristoteles etc. sprechen und darunter ihre Schüler und Anhänger verstehen, die die Lehrsätze ihrer Meister weiter entwickelten und fortpflanzten, so werden uns in dieser Schule die hervorragendsten Schüler des Heiligen vorgeführt neben ihren Lehren und Beispielen. Es ist aber noch eine Schule in einem anderen Sinn, eine Schule mit zwei Hörsälen, in denen Lektionen gegeben werden über die wichtigsten Gegenstände des christlichen Lebens, sowohl für Laien als für Geistliche.

 

Wenn wir diese Lektionen unter dem Beistand des heiligen Philipp und mit dem Segen der göttlichen Gnade zu Herzen nehmen und in diesem Leben befolgen, dann werden wir uns dereinst in der Gesellschaft des Heiligen des ewigen Lebens erfreuen.

 

Die folgenden Lehren und Vorschriften sind hauptsächlich an jene Christen gerichtet, die, nachdem sie das Leben und die Tugenden des glorreichen heiligen Philipp Neri genau betrachtet haben, eine große Andacht zu ihm fühlen, und ihn in allen ihren geistlichen und zeitlichen Nöten zu ihrem Patron und Fürsprecher bei Gott wählen wollen.

 

Es ist wohl bekannt, dass die Andacht zu den Heiligen hauptsächlich in der Nachahmung ihrer Tugenden besteht, und Seelen, die dem heiligen Philipp in Andacht ergeben sind, werden hier zu der Nachahmung seiner Tugenden aufgefordert, die sie seines Schutzes würdig machen wird. Wir dürfen daher die höchst wichtige Bemerkung nicht vergessen, dass unsere heilige Mutter, die Kirche, zum Wohl ihrer Kinder diese Nachahmung des heiligen Philipp für sie in nachstehendem Gebet erfleht:

 

„O Gott, der du den seligen Philipp, deinen Bekenner, zur Glorie deiner Heiligen erhoben hast, gib gnädig, dass wir uns das Tugendbeispiel desjenigen zu Nutzen machen, dessen Fest wir mit Freuden begehen!“

 

Möge deshalb jeder, der diesen vortrefflichen Führer auf dem Weg zum Himmel und zur Erlangung der Tugend wählen und ihm die Huldigung einer wahren Andacht darbringen will, sich bereit halten, seine Tugenden nachzuahmen und seine Lehren zu befolgen, wie sie in den nachstehenden Abschnitten dargelegt sind, die wir nun unter Anrufung des Beistandes unseres Heiligen und des Segens der göttlichen Gnade beginnen. 

 

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Erste Lektion:

Von dem Beichtvater und dem Verhältnis des Beichtkindes zu ihm

 

(Sprüche 6,20a: „Beachte, mein Sohn, auf die Gebote deines Vaters.“)

 

Der heilige Philipp ermahnt das Beichtkind, sich einen besonderen Seelenführer zu wählen, und vor seiner Wahl sich wohl zu bedenken und zu beten, damit es, wie der Heilige selbst bemerkt, „einen guten, gelehrten, klugen und erfahrenen Mann finde.“ Das Beichtkind muss daher darüber versichert sein, ob der Beichtvater diese vom heiligen Philipp geforderten Eigenschaften habe. Es ist auch nie vorteilhaft, den Beichtvater zu wechseln, und der heilige drückte darüber seine Meinung so aus: „Wer im geistlichen Leben beharren will, muss stets derselben Person beichten.“

 

Auch gefiel es ihm nicht, wenn man zu einem anderen Beichtvater ging. Ein solcher Wechsel setzt das Beichtkind in der Achtung des Beichtvaters herab und macht das Gewissen unruhig, wie namentlich von einem Pönitenten des Heiligen erzählt wird. Dieser fiel, sobald er einem anderen beichtete, in tiefe Schwermut und Gewissensangst, und um sich davon zu befreien und seine Seelenheiterkeit wieder zu erlangen, war sein einziges Mittel, zu seinem ersten Beichtvater zurückzukehren und ihm seine Untreue zu bekennen.

 

Der Heilige wollte daher nie gestatten, den Beichtvater aus unbedeutenden Gründen zu ändern, sondern er sagte: „Ist er einmal gewählt, so soll er niemals geändert werden, außer aus den dringendsten Ursachen.“

 

Das Beichtkind muss entschlossen sein, sich wie einen Leichnam in die Hände seines Beichtvaters zu legen nach dem Ausspruch jenes Dieners Gottes, Johann Baptist von Foligno, der sich so in die Hände des heiligen Philipp gab, dass er mit ihm tun konnte, was er wollte, und der die Gebote des Heiligen auf das genaueste beobachtete, mit so unaussprechlichen Nutzen für seine Seele, dass er sogar noch bei Lebzeiten „der gottselige Johann Baptist“ hieß.

 

Der Pönitent muss sich vorstellen, als ob der Heilige an ihn dieselbe Ermahnung richtete, wie an Cäsar Tommasi, der sagt: „Er ermahnte mich stets, die Sünde zu meiden, und danach zu streben, von ihr frei zu sein, wenn ich in der Gnade Gottes bleiben will.“

 

Wenn sich Gelegenheit zur Sünde bietet, sollte er an den Abscheu vor der Sünde denken, den unser Heiliger äußerte, indem er sagte:

 

„Ehe ich eine einzige Todsünde beginge, wollte ich mich lieber vierteilen lassen und des grausamsten Todes sterben!“ Wenn jemand in eine Sünde fällt, so soll er bedenken, dass seine Seele befleckt worden ist, und daher sogleich zu den Füßen seines Beichtvaters eilen, um diesen Flecken zu entfernen. Diese Hässlichkeit der Seele war den Augen des heiligen Philipp sogar äußerlich sichtbar, der eines Tages zu einer Person, die gebeichtet hatte, sagte:

 

„Mein Sohn, du hast dein Gesicht verändert, und hast nun ein besseres Aussehen,“ Worte, die der Heilige oft gebrauchte, wenn Sünder aus dem Stand der Sünde in den der Gnade Gottes zurückkehrten.

 

Sollte das Beichtkind auch öfter in denselben Fehler zurückfallen, so soll es sich doch immer mit derselben Bereitwilligkeit wieder an seinen Beichtvater wenden, denn dies war das Heilmittel, das der heilige Philipp vorschrieb, um einen Sünder von einer Sünde zu befreien, in die er so tief versunken war, dass er fast jeden Tag in sie hineinfiel. Da er aber bei jedem Rückfall stets wieder zur Beicht seine Zuflucht nahm, so wurde er, wie der Heilige selbst erklärt, in kurzer Zeit ein wahrer Engel.

 

Um jemand, der in einen schweren Fehler gefallen ist, nachdem er lange auf den Wegen Gottes gewandelt ist, zu heilen, gebe es, wie der Heilige sagte, kein besseres Mittel, als ihn zu ermahnen, dass er seinen Fehler irgend einer rechtschaffenen Person offenbare, auf die er ein besonderes Vertrauen setze, denn durch diesen Akt der Demut werde ihn Gott wieder in seinen früheren Gnadenstand einsetzen.

 

Der Heilige liebte die Gewissensreinheit und die vorbehaltlose Darlegung des Seelenzustandes dem Beichtvater gegenüber so sehr, dass er wegen dem großen Nutzen, den die Seelen aus der häufigen Beicht ziehen, sie mit Wort und Beispiel einschärfte, denn er beichtete jeden Tag unter reichlichen Tränen.

 

Niemand darf seine Geschäfte als eine Entschuldigung ansehen, denn zur Zeit des heiligen Philipp gingen viele, die beschäftigt waren, vor Tagesanbruch zur Beicht, und durch die Gnade Gottes wird es nie an Beichtvätern fehlen, die in dieser Schule ihren Unterricht holen und nach dem Beispiel des Heiligen sich in den Charakter ihrer Beichtkinder fügen, und stets zu ihrem Dienst bereit sein werden.

 

Der Heilige gibt den Rat, dass sich das Beichtkind zuerst der schweren Sünden anklagen soll, vor denen es sich am meisten schämt, da auf diese Weise der böse Feind am meisten zu Schanden gemacht und aus der Beicht der größte Nutzen gezogen wird.

 

Man darf niemals aus Menschenfurcht irgendeine Sünde, so unbedeutend sie scheinen mag, verhehlen.

 

Man darf nie zu sehr auf sich selbst vertrauen, sondern muss sich immer mit seinem geistlichen Vater besprechen und sich den Gebeten aller empfehlen.

 

Man muss einen großen Glauben an seinen Beichtvater haben und ihm die geringste Sache offenbaren, da der Herr ihn in allem, was zum Heil seines Beichtkindes von Wichtigkeit ist, niemals irre gehen lassen wird. Wenn es dem bösen Feind nicht gelingen kann, eine Person zu einer schweren Sünde zu versuchen, so bemüht er sich aus allen Kräften, Misstrauen zwischen dem Beichtvater und dem Beichtkind zu säen, denn dadurch erlangt er allmählich keinen geringen Gewinn, da der Böse, wie unser Heiliger selbst an dem Beispiel von Karl Mazzei zeigt, den Beichtvater fürchtet. In Fällen, wo das Beichtkind keinen Zutritt zu seinem Beichtvater haben kann, ist es gut, wenn es so handelt, wie es glaubt, dass es ihm wohlgefällig wäre. Aber bei der ersten Gelegenheit muss es sich mit ihm besprechen, um sich vor Irrtum zu sichern.

 

Gelübde dürfen nie ohne Zustimmung des Beichtvaters gemacht werden, und für die Gewissensruhe des Beichtkindes sowohl, als um die Last vieler Verpflichtungen zu vermeiden, hielt es der Heilige für gut, dass die Person, die ein Gelübde machen wolle, es nur bedingt tue z.B. mit den Worten: „Wenn ich mich daran erinnere“ oder dergleichen.

 

Geißelungen und andere Abtötungen ähnlicher Art dürfen nie ohne die Erlaubnis des Beichtvaters angewendet werden, denn, fügt der Heilige hinzu: „Wer sie nach seinem eigenen Ermessen anwendet, schadet entweder seiner Gesundheit, oder wird stolz, indem er sich einbildet, er habe etwas Großes getan. Wir dürfen uns nie so sehr an die Mittel halten, dass wir darüber den Zweck vergessen, der die Liebe zu Gott und dem Nächsten ist.“

 

Das Beichtkind muss seinem Beichtvater wie Gott gehorchen, und ihm alle seine Neigungen freimütig, aufrichtig und in Einfalt des Herzens aufdecken und darf ohne seinen Rat keinen Entschluss fassen. Der Heilige sagt: „Wer so handelt, darf versichert sein, dass er dereinst Gott von seinen Handlungen keine Rechenschaft ablegen muss.“ Dieser Gehorsam wurde von unserem Heiligen zuerst geübt und dann gelehrt. Obwohl er seine Unfähigkeit anführte, so wurde er dennoch aus Gehorsam Priester und nahm die Bürde des Beichthörens auf sich, anstatt nach Indien zu gehen, wohin er besonders gern in die Mission gegangen wäre, vermöge jener Liebe zu Gott, die ihn mit der Begierde erfüllte, sein Blut für den heiligen Glauben zu vergießen, nichts zu sagen von vielen anderen Akten bereitwilligen Gehorsams, die in seinem Leben aufgezeichnet sind. Wir sollten an all dem ein Beispiel nehmen und stets unserem Beichtvater gehorchen, selbst wenn er Dinge befiehlt, die den Begriffen des Beichtkindes von seiner Fähigkeit dazu widersprechen.

 

Das Beichtkind darf den Beichtvater nie zwingen, mit Widerstreben eine Erlaubnis zu geben, und in dieser Hinsicht beklagte P. Peter Consolini gar sehr den Schaden, den jetzt der Gehorsam gewöhnlich bei den Beichten erleidet, da es anstatt der tiefen Demut und des Gehorsams, den dieses Sakrament von dem Beichtkind erfordert, jetzt (um seine eigenen Worte anzuführen) häufig so eingerichtet ist, dass, während der Beichtvater einst das Beichtkind leitete, die Beichtkinder jetzt die Beichtväter leiten und sie nach ihrem Belieben stimmen wollen. Das Beichtkind muss sich hüten, das Sakrament der Buße aus eigennützigen Beweggründen zu missbrauchen, indem man zur Beichte geht, um etwas Almosen vom Beichtvater zu erhalten. Der heilige Philipp entdeckte schnell diesen Missbrauch, und da er einmal in seinem Geist erkannte, dass eine gewisse Frau nur um Brot kam, sagte er zu ihr: „Meine gute Frau, geht, und Gott sei mit euch, denn hier gibt es kein Brot für euch.“ Auch wollte er sie nicht mehr Beicht hören. 

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Zweite Lektion:

Von der heiligen Kommunion

 

Wir können von den wunderbaren Wirkungen, die die heilige Kommunion in denen hervorbringt, die häufig und würdig kommunizieren, nicht so sprechen, wie es uns im Herzen ist. Diese Wirkungen können wohl gekostet werden, lassen sich aber nie mit Worten ausdrücken. Lasset uns kosten und sehen, wie süß dieses Engelsbrot ist. Durch die häufige Teilnahme an diesem göttlichsten Sakrament haben viele Beichtkinder unseres Heiligen die höchste geistliche Vollkommenheit erreicht. Unser Heiliger selbst bezieht sich darauf in einem Brief an eine gewisse Dame, namens Fiore: „Ich wünsche, dass du blühen mögest, d.h. dass die Blume (eine Anspielung auf ihren Namen) gute Frucht hervorbringen möge, die Frucht der Demut, die Frucht der Geduld, die Frucht aller Tugenden, und dass du der Aufenthalt aller Tugenden wärest, wie es bei denen der Fall ist, die häufig kommunizieren.“ Der Heilige wollte deshalb, dass nicht nur die Priester, sondern auch die Laienbrüder das allerheiligste Altarsakrament häufig empfangen, und seiner eigenen Übung folgen sollten, die darin bestand, dass er als Laie jeden Morgen kommunizierte. Als er Priester wurde, brachte er täglich das heilige Messopfer dar, und selbst in der Krankheit kommunizierte er jeden Morgen.

 

Die nämliche Regel hinsichtlich der Zeit kann nicht allen gegeben werden, da dies von dem Belieben des Beichtvaters abhängt. Einige Pönitenten des Heiligen kommunizierten alle acht Tage, manche an jedem Fest, andere drei Mal in der Woche und einige, obwohl wenige, jeden Tag.

 

Wenn jemand kommunizieren will, so soll er seinen Beichtvater um die Erlaubnis bitten und es ihm einige Tage vorher sagen. Der heilige Philipp wünschte, dass die Beichtkinder dies drei oder vier Tage vor der Kommunion tun möchten, und er sagte auch, dass niemand ohne die Erlaubnis seines Beichtvaters kommunizieren sollte, denn wenn man häufig nach seinem eigenen Kopf kommuniziert, so kann das Anlass zu großen Versuchungen geben, denen man nicht immer Widerstand leisten kann.

 

Wir müssen uns diesem heiligen Mahl mit großer Begierde nahen, und immer mit einem besonderen frommen Beweggrund, nicht aus bloßer Gewohnheit. Dies beabsichtigte auch der heilige Philipp, der, wenn seine geistlichen Kinder ihn um die Erlaubnis baten, zu kommunizieren, zu ihnen sagte: „Sitientes, sitientes venite ad aquas!“ sie sollten zuerst einen heiligen Durst empfinden, und dann erst der Quelle des ewigen Lebens sich nahen.

 

Obwohl keine Vorbereitung auf die Kommunion jemals hinreichend genannt werden kann, so müssen wir uns dennoch hüten, uns dieser heiligen Speise leichtsinnig oder aus Gewohnheit zu nahen, sondern wir müssen alle mögliche Vorbereitung anwenden. Einige Beichtkinder des Heiligen gingen mit ihm am Samstag nachts und an den Vigilien der Feste entweder nach der Kirche der Dominikaner oder der Kapuziner, wo sie im Chor mit den Mönchen der Matutin anwohnten, und die ganze Nacht mit der Vorbereitung auf die am Morgen stattfindende heilige Kommunion zubrachten.

 

Wer zur heiligen Kommunion geht, soll dem Geist folgen, den er im Gebet hatte, und sich nicht um neue Meditationen umsehen. Er muss sich auch auf mehr Versuchungen als gewöhnlich gefasst machen. Wenn er das heiligste Sakrament empfängt, soll er dem Heiligen nachahmen, der, wenn er im Begriff stand, zu kommunizieren, mit aller Inbrunst die Worte sprach: „O Herr, ich beteuere vor dir, dass ich zu nichts gut bin, als Böses zu tun,“ und wenn er die heilige Wegzehrung empfing, so wiederholte er das Domine non sum dignus mit der tiefsten Andacht und sprach: „O mein Herr, ich bin nicht würdig, noch war ich jemals würdig. Ich habe nie etwas Gutes getan!“ Der Heilige ermahnt uns ferner, dass wir in der Kommunion um ein Heilmittel für das Laster bitten sollen, zu dem wir am meisten geneigt sind. Nach der heiligen Kommunion sollen wir eine fromme Erinnerung an die große Gnade bewahren, die wir empfingen, indem wir der himmlischen Speise teilhaftig wurden, um uns gegen die göttliche Güte recht dankbar beweisen. Darauf drang der Heilige so sehr, dass er, wenn seine geistlichen Kinder kommunizierten, sie für einige Tage nachher einen weiteren Akt der Andacht verrichten ließ, um aus dem Sakrament die gehörige Frucht zu ziehen. So mussten sie zum Beispiel das Vaterunser und Ave Maria mit ausgespannten Armen laut beten, oder er schrieb ihnen ähnliche Dinge vor. An einem Kommuniontag müssen wir versuchen, irgendein besonderes Werk der Barmherzigkeit zu verrichten. So schickte der heilige Philipp seine geistlichen Kinder nach der Kommunion in verschiedene Spitäler, um die Kranken zu besuchen und ihnen zu dienen.  

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Dritte Lektion:

Vom innerlichen Gebet

 

1. Von der Notwendigkeit und Nützlichkeit

 

Um die Notwendigkeit des Gebetes für jede Seele zu zeigen, tat der heilige Philipp häufig den Ausspruch: "Ein Mensch ohne Gebet ist wie ein stummes Tier", und Pater Augustin Manni, der die Gabe des Gebetes in hohem Grad besaß, pflegte, in Betracht der guten Wirkungen, die ein gehörig verrichtetes Gebet auf die Seele hervorbringt, zu sagen: "Denkt an Gott und betet zu Ihm, und alles ist getan!" Zur Erklärung dieser Worte fügte er hinzu: "Während wir beten, bessern wir unser Leben, bringen unser Betragen in Ordnung, und waschen alle Unreinheit ab; denn das Gebet wird nicht leiden, dass irgend ein Flecken auf unserer Seele haften bleibt." So spricht der wohlunterrichtete Schüler, und der heilige Lehrmeister sagt wiederholt: "Es gibt nichts so Furchtbares für den Teufel, als das Gebet, und nichts, dem er so viele Hindernisse in den Weg legt." Wir können alle Wohltaten nie vollständig schildern, die die Seele und sogar der Leib aus dem heiligen Gebet schöpfen. Das Gebet ist das Mittel, wodurch wir die Gnade Gottes erlangen, so dass der Heilige zu sagen pflegte: "Wenn ich Zeit habe, zu Gott zu beten, so hoffe ich jede Gunst zu erhalten, um die ich bitte." Ehe er an ein Geschäft ging, so unbedeutend es sein mochte, betete der heilige Philipp selbst und ließ von anderen beten, mehr oder weniger, je nach der Beschaffenheit des Geschäftes, das ihm bevorstand. Er unternahm nie etwas ohne Gebet, und als ihm die Besorgung der Kirche von St. Johann angetragen wurde, sagte er, er müsse zuerst beten. Durch dieses Beispiel lädt er uns ein, allem ein Gebet vorangehen zu lassen. Unter den anderen Schülern des Heiligen beobachtete Pater Juvenale diese Vorschrift genau; denn er pflegte nie ein Geschäft zu unternehmen, ohne zuerst Gott im Gebet um Rat zu fragen, und sagte: "Lasst uns nun ein wenig beten, und dann unseren Entschluss fassen!" Um uns zu dieser heiligen Übung zu ermuntern, mag es auch gut für uns sein, von einer wunderbaren äußeren Wirkung zu erfahren, die der heilige Philipp in dem Gesicht einiger Mönche in der Karthause zu Rom wahrnahm, die, wenn sie vom Gebet kamen, wirklich vom heiligen Feuer erglänzten. Wer aber kann die inneren Wirkungen schildern, womit das Gebet die Seele beglückt? Pompejo Pateri veröffentlichte, was er aus dem Mund des heiligen Philipp selbst gehört hatte, von dem er sagt: "Wenn er uns zum Gebet und zur Demut ermahnte, sagte er, die Seele kann eine solche Stufe der Andacht erreichen, dass sie ausrufen muss: "Nicht mehr, o Herr, nicht mehr!" wegen der Gnadenfülle, die Gott ihr mitteilt. Niemand kann also zu dem heiligen Philipp in die Schule gehen, wer nicht diesen wichtigen Aspekt zu seinem besonderen Studium macht, denn wie es im Leben des Heiligen heißt, er drang nie auf einen anderen Aspekt so sehr, als auf das Gebet, so wohl für uns selbst als für andere.

 

2. Wie wir das innerliche Gebet verrichten sollen

 

Die Vorschriften unseres Heiligen über das Gebet sind folgende:

 

Die Lektüre des Lebens der Heiligen ist ein großes Hilfsmittel zum Gebet und zum geistlichen Leben überhaupt.

 

Wir sollten uns einer so großen Wohltat, als die Fähigkeit zu beten ist, für unwürdig erachten.

 

Wir müssen demütig und gehorsam sein, denn als einst ein Beichtkind den Heiligen bat, ihm beten zu lehren, gab er zur Antwort: "Sei demütig und gehorsam, und der Heilige Geist wird dich unterrichten." Endlich sollen wir uns in der Abtötung üben, denn der Heilige sagte: "Wenn wir uns dem Gebet hingeben wollen ohne Abtötung, so ist es so viel, wie wenn ein Vogel, der noch nicht flügge ist, fliegen wollte." Pater Peter Consolini, der geliebte Jünger des heiligen Philipp, hat uns über das Gebet eine goldene Vorschrift hinterlassen, die es wohl verdient, mit unauslöschlichen Buchstaben den Herzen aller Gläubigen eingegraben zu werden. "Wer immer," sagt dieser vom Geist Gottes erleuchtete Mann, "recht beten will, muss sich bemühen, die Abtötung, die Demut, die Entsagung und den Gehorsam zu erlangen, denn er darf versichert sein, dass der wahre Lehrmeister eines guten Gebets der Heilige Geist ist, der da, wo diese Tugenden vorhanden sind, sein göttliches Licht einströmen lässt, während wir im Gegenteil, wo diese Tugenden nicht sind und das Herz nicht vorbereitet ist, leicht ermüden und nie im Stande sein werden, recht zu beten." Derselbe Pater sagt vom Gebet: "Die Demütigung ist eine gute Einleitung dazu."

 

Da nun die Mittel, recht zu beten, wie der heilige Philipp sie angibt, die Lektüre des Lebens der Heiligen, die Demut, der Gehorsam, die Abtötung und die Entsagung sind, so werden wir über eine jede dieser besonderen Tugenden eine Lektion geben, damit wir sie üben lernen können.

 

3. Vom angemessenem Ort für das innerliche Gebet

 

Für das innerliche Gebet kann kein besonderer Ort angewiesen werden nach dem Ausspruch des Apostels, der will, dass man an allen Orten beten soll. So betete der heilige Philipp in der Kirche, im Oratorium, auf seinem Zimmer, auf dem Berg, im Garten etc. Was aber das Gebet in einer klösterlichen Genossenschaft betrifft, so sollte dieses im Oratorium verrichtet werden. Was das Privatgebet betrifft, so sollten wir, wenn es in der Kirche verrichtet wird, dem Beispiel des heiligen Philipp folgen, der die Kirchen gerne besuchte, wo kein großer Zusammenlauf von Leuten stattfand. Das Gebet im Haus sollte an einem stillen, abgelegenen Ort, fern vom Kreis der Familie, verrichtet werden, damit wir dabei nicht leicht gestört werden. Der Heilige lehrt uns dies durch sein eigenes Beispiel, denn zum Gebet im Haus wählte er eines der höchsten und abgelegensten Zimmer, von wo er den freien Aufblick zum Himmel hatte und die Landschaft überschauen konnte. Da betete er, wiewohl er in den späteren Jahren seines Lebens oft manche Stunden im innerlichen Gebet auf dem flachen Dach der Kirche zubrachte. Der Heilige soll in diesem Stück namentlich von P. Angelo Velli nachgeahmt worden sein, der den größeren Teil des Tages und der Nacht in heiliger Betrachtung an stillen und abgelegenen Orten zuzubringen pflegte, wo er in der Einsamkeit seinen Geist durch den Aufblick zum Himmel erfrischte, und wo seine frommen Anmutungen sich frei zu Gott erhoben.

 

4. Von der Zeit des innerlichen Gebetes

 

Das Gebet muss beständig dauern. Wir müssen immer beten und dürfen niemals ablassen. Diese Vorschrift erfüllte unser glorreicher Heiliger genau, dessen Leben ein beständiges Gebet genannt werden kann. Er war so daran gewohnt, dass er die Zeit dazu nie unterschied, und zu sagen pflegte: "Wenn man nicht in der zwanzigsten Stunde (nach italienischer Zeitrechnung) d.h. gerade nach dem Mittagessen beten kann, so ist dies ein Zeichen, dass man den Geist des Gebetes nicht hat." Dennoch hatte er einige bestimmte Stunden zum Gebet. "Wenn schon der Apostel", sagt der heilige Hieronymus, "uns befiehlt, immer zu beten, und bei den Heiligen sogar der Schlaf Gebet ist, so müssen wir uns doch bestimmte Stunden zum Gebet wählen." Dies tat der heilige Philipp, der im Sommer jeden Tag morgens und abends betete, indem er sich, wenn er nicht durch ein wichtiges Geschäft oder ein Werk der Barmherzigkeit abgehalten wurde, nach dem höchsten Ort im Haus zurückzog, von wo er den freien Aufblick zum Himmel hatte und die Landschaft überschauen konnte. Im Sommer betete er am Morgen beim Erwachen; er pflegte aber nie länger zu schlafen, als vier oder höchstens fünf Stunden, und am Abend nach dem Ave Maria betete er ein und eine halbe Stunde und zuweilen zwei oder drei Stunden. Er pflegte dann ein Licht vor sein Kruzifix zu stellen, aber so, dass der Schein des Lichtes nicht auf seine Augen fiel, sondern nur auf das Kruzifix. Zuweilen blieb er im Dunkeln. Dominikus Migliacci erzählt von dem Heiligen: Ich besuchte ihn einmal spät am Abend zu St. Hieronymus, da ich mich mit ihm über einige meiner Versuchungen zu besprechen wünschte. Er tröstete mich, und gab mir ein Heilmittel an. Da er aber im Finsteren war, so wollte ich ihm ein Licht holen. Er aber schlug es aus und sagte zu mir: "Gehe, und Gott sei mit dir, ich habe nichts nötig", und damit schloss er die Tür.

 

Was das Morgengebet betrifft, so führt Pater Consolini einen Gärtner an, einen ungebildeten aber sehr frommen Mann, der vom Kardinal Baronius befragt, zur Antwort gab: "Ich bete bei der Morgendämmerung, denn wenn ich zu dieser Zeit in meinen Garten gehe, so kommt mir ein starker Wohlgeruch entgegen, den die Blumen ausduften, die dann anfangen sich zu öffnen. An ihnen nehme ich ein Beispiel und bete zu gleicher Zeit, damit ich wie meine Blumen einen lieblichen Wohlgeruch zu Gott hinaufsenden möge." Pater Consolini selbst stand bei Tagesanbruch vom Bett auf und ging nach seinem gewöhnlichen Gebet auf seinem Zimmer in die Kirche hinab, sobald der Messner die Tür geöffnet hatte. Da betete er vor dem Allerheiligsten und dann vor der Kapelle des heiligen Philipp. Er zog nämlich die ersten Stunden vor, weil er zu dieser Tageszeit den Augen anderer weniger ausgesetzt war. Man erzählt sich vom Pater Nikolaus Gigli, dass er zu allen Zeiten und an allen Orten betete, so dass er sich in den Stunden nach dem Mittagessen, die man gewöhnlich nicht für die besten Stunden zum Gebet hält, zu einer ruhigen Betrachtung oder Meditation zurückzuziehen pflegte. Denn in Nikolaus war die Natur so sehr dem Geist unterworfen, dass er seine notwendige Erholung nach der Mahlzeit eher in geistlichen als in sinnlichen Dingen suchte. Dies ist aber ein Grad des Gebets, der nicht leicht erreicht wird. Nach diesen Beispielen sollte man eine bestimmte Zeit zum Gebet haben, sowohl morgens als abends, und wir sehen, dass die göttliche Majestät den Dienst besonders wohlgefällig aufnimmt und belohnt, der ihr am Morgen dargebracht wird vor jedem anderen Geschäft. Wenn wir jedoch verhindert sind, zu einer bestimmten Stunde zu beten, so dürfen wir deshalb, weil diese Stunde vorbei ist, die Übung für diesen Tag nicht unterlassen, sondern müssen sie zu einer anderen Zeit verrichten, wie es die Gewohnheit unseres Heiligen war. Denn wenn er bei Tag am Beten verhindert wurde, so brachte er es in der Nacht wieder herein, und wenn man ihn ermahnte, sich doch auch einige Ruhe zu gönnen, so pflegte er zu erwidern: "Das Paradies wurde nicht für faule Leute bestimmt."

 

5. Von der passenden Leibesstellung beim innerlichen Gebet

 

Die Leibesstellung ist nicht ausdrücklich vorgeschrieben. Pater Consolini sagte, er habe den Heiligen stehend oder sitzend beten gesehen, und Pater Bozzio sagt: "im Winter, wenn wir in der dritten Stunde der Nacht (nach italienischer Zeitrechnung) zu Abend speisten, sah ich den gottseligen Philipp häufig sitzend beten." Er betete auch im Bett, zu dessen Häupten er ein Kruzifix und einen Rosenkranz hatte, um gleich beim Erwachen beten zu können. Der Heilige betete ferner während des Gehens, denn Fabrizio de Massimi erzählt: "Zuweilen führte er seine geistlichen Söhne in einen Weinberg oder an einen anderen Ort, und fing zu beten an, indem er entweder umherging oder sich niedersetzte. Dies ist nicht verwunderlich, denn der heilige Johannes Chrysostomus sagt: "Wenn du auch nicht kniest, oder an deine Brust schlägst, oder deine Hände zum Himmel erhebst, so wirst du doch ein gutes Gebet verrichtet haben, wenn dein Herz von Liebe zu Gott erglüht."

 

Allein obschon es wahr ist, dass der Heilige entweder sitzend oder umhergehend oder im Bett betete, so sollten doch diejenigen, die nur zu bestimmten Stunden des Tages beten, es sich deshalb nicht zur Regel machen, in so bequemer Leibesstellung zu beten. Deshalb darf man in den zum Gebet bestimmten Stunden es sich nicht so leicht gestatten, niederzusitzen. Wenn man aber krank ist, oder eine andere rechtmäßige Ursache dazu hat, dann darf man ohne Zweifel beten, wie man kann.

 

6. Von der Materie und den Punkten des innerlichen Gebets

 

Der heilige Philipp

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Vierte Lektion:

Von der Einführung des Familiengebetes in Privathäuser

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Fünfte Lektion:

Von der Gegenwart Gottes

 

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Sechste Lektion:

Vom mündlichen Gebet 

 

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Siebente Lektion:

Um was wir zu Gott beten sollen

 

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Achte Lektion:

Wir sollen uns den Gebeten anderer empfehlen

 

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Neunte Lektion:

Von der Lesung geistlicher Bücher

 

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Zehnte Lektion:

Von der Demut

 

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Elfte Lektion:

Vom Gehorsam

 

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Zwölfte Lektion:

Von der äußeren Abtötung

 

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Dreizehnte Lektion:

Von der inneren Abtötung

 

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Vierzehnte Lektion:

Von der Vermeidung des Müßiggangs

 

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Fünfzehnte Lektion:

Von der Keuschheit

 

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Sechzehnte Lektion:

Vom Geiz

 

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Siebzehnte Lektion:

Von der Entsagung der Besitztümer

 

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Achtzehnte Lektion:

Die Enthaltsamkeit von Geschenken

 

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Neunzehnte Lektion:

Wir sollen uns von Ehren und Würden fernhalten

 

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Zwanzigste Lektion:

Von der Liebe Gottes

 

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Einundzwanzigste Lektion:

Von den Andachten, die wir üben sollen

 

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Zweiundzwanzigste Lektion:

Von der äußerlichen Andacht und der Vermeidung der Sonderbarkeit

 

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Dreiundzwanzigste Lektion:

Von den geistlichen Übungen des Oratoriums

 

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Vierundzwanzigste Lektion:

Vom Kirchenbesuch

 

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Fünfundzwanzigste Lektion:

Von der fühlbaren Andacht, von geistlichen Tröstungen und Süßigkeiten

 

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Sechsundzwanzigste Lektion:

Von der geistlichen Trockenheit

 

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Siebenundzwanzigste Lektion:

Von den Verzückungen

 

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Achtundzwanzigste Lektion:

Von den Visionen

 

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Neunundzwanzigste Lektion:

Vom eitlen Ruhm

 

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Dreißigste Lektion:

Von den Skrupeln

 

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Einunddreißigste Lektion:

Vom Almosen

 

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Zweiunddreißigste Lektion:

Vom Krankenbesuch

 

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Dreiunddreißigste Lektion:

Wie wir die Verwandten des Verstorbenen trösten sollen

 

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Vierunddreißigste Lektion:

Wie die Kranken sich während ihrer Krankheit verhalten sollen

 

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Fünfunddreißigste Lektion:

Von Trübsalen, Verfolgungen, Widerwärtigkeiten und von den Leidenschaften der Seele

 

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Sechsunddreißigste Lektion:

Von der Fröhlichkeit und dem Trübsinn

 

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Siebenunddreißigste Lektion:

Von den Erholungen

 

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Achtunddreißigste Lektion:

Vom Gespräch

 

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Neununddreißigste Lektion:

Von der Zurechtweisung

 

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Vierzigste Lektion:

Vom Stillschweigen und von der Zurückgezogenheit

 

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Einundvierzigste Lektion:

Vom Studium

 

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Zweiundvierzigste Lektion:

Vom Essen

 

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Dreiundvierzigste Lektion:

Vom Schlafen

 

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Vierundvierzigste Lektion:

Von der Standesänderung

 

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Fünfundvierzigste Lektion:

Von der Beharrlichkeit – ihre Notwendigkeit

 

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Sechsundvierzigste Lektion:

Von der Vorbereitung auf den Tod

 

So lange wir gesund sind, sollen wir uns auf den Tod vorbereiten. Deshalb legte auch der heilige Philipp das Amt eines Superior nieder, indem er sagte, er sei alt und brauche Zeit, um sich auf einen guten Tod zu bereiten. Wie nun der Heilige sich den Tod immer vergegenwärtigte, so sollen auch wir ihn uns beständig vor Augen stellen. Dies wird eine der besten Vorbereitungen sein, um gut zu sterben. Wir erfahren aus dem Leben des heiligen Philipp, worin seine Vorbereitung auf den Tod bestand. Er suchte sich sein ganzes Leben lang immer mehr von allem Irdischen loszureißen, und Herz und Geist mit himmlischen Dingen zu erfüllen.

 

Wenn wir gleich nicht an der einen Krankheit sterben, so müssen wir doch zuletzt an einer anderen sterben. Wir sollen uns vorstellen, immer die Stimme des heiligen Philipp zu hören, der sagt: „Für diejenigen, die Gott gedient haben, ist der Tod überaus erwünscht und kostbar. Die wahren Diener Gottes ertragen das Leben mit Geduld und sehnen sich nach dem Tod. Könnte eine Seele sich ganz von lässlichen Sünden enthalten, so wäre es das größte Leiden für sie, in diesem Leben zurückgehalten zu werden, wegen ihrer heftigen Sehnsucht, sich mit Gott zu vereinigen.“ Um unseren Schrecken vor dem Tod zu vertreiben, ermuntert uns der Heilige, in einem geistlichen Leben zu verharren, indem er sagt: „Der Herr sendet einem gottesfürchtigen Menschen nie den Tod, ohne ihm eine Warnung von seiner Nähe zu geben, und ihm ein außerordentliches Maß von Gnade zu verleihen.“ In der Tat sagte der Heilige öfters, wenn er krank war: „Ich werde nicht an dieser Krankheit sterben, denn Gott, der mir bisher so viele Gnaden erzeigt hat, würde mich jetzt nicht so ohne alle Inbrunst lassen, wenn dies die Stunde meines Todes wäre.“ Als er einst seinem Ende nahe schien, wandte er sich mit heiterem Angesicht zu den Personen, die ihn umstanden und sagte: „Was fürchtet ihr euch? Ich habe nicht die geringste Furcht.“ Ebenso hatten diejenigen, die bei ihm in die Schule gingen, keine Furcht vor dem Tod, sondern schienen ihn vielmehr zu wünschen. Als Pater Juvenale seinem Tod nahe war und ein anwesender Pater Kapuziner zu ihm sagte: „Lasset uns zu Gott beten, dass dein Leben erhalten werden möge, so erwiderte der Diener Gottes: „Sinite me abire, melius mihi erit in paradiso.“ (Lasset mich fortgehen, besser wird mir im Himmel sein.) Wenn wir durch die göttliche Gnade im Gutestun verharrten, was wir durch die Nachahmung der Tugenden unseres Heiligen tun können, so werden wir, wenn uns der Tod angekündigt wird, mit ihm sagen können: „O mein Herr, wenn du mich haben willst, hier bin ich! O mein Herr, ich habe dich nicht erkannt, ich habe nichts Gutes getan.“ Diese Worte pflegte der Heilige mit vielen Tränen zu wiederholen. Wir können auch wie er, wenn uns die Ärzte aufgeben, sagen: „Paratus sum et non turbatus.“ (Ich bin bereit und nicht beunruhigt.) Als Baronius dem Tod nahe war, und ihm einer seiner Freunde Mut zusprach, denn er könne auf die Belohnung seiner Arbeiten hoffen, erwiderte er: „Sprich nicht so; ich fürchte und zittere, und es gibt niemand, der nicht Ursache hätte, zu fürchten, namentlich in dieser Stunde.“ Als man aber die Aussegnung der Seele begann, brach er mit großer Inbrunst in die Worte aus: „Ecce nunc tempus exultationis et laetitiae, moriamur!“ (Siehe, nun kommt die Zeit des Jubels und der Freude, lasset uns sterben!) Und er starb mit diesen wahren Zeichen der Freudigkeit, die er als ein würdiger Sohn von seinem heiligen Vater Philipp erbte, der bis zum letzten Atemzug in heiliger Fröhlichkeit verharrte.

 

Indem der heilige Philipp in den Krankheiten, die man für tödlich hielt, eine Generalbeicht ablegte, obgleich er selbst sie nicht für so gefährlich ansah, gibt er uns ein Beispiel, ihm nachzuahmen, wenn wir krank sind. Wenn wir die heilige Wegzehrung empfangen, müssen wir uns die Demut unseres Heiligen zum Muster nehmen, der bei den Worten: „Herr, ich bin nicht würdig“, sie mit großer Inbrunst wiederholte und hinzufügte: „O mein Herr, ich bin nicht würdig, ich war nie würdig, und habe nie etwas Gutes getan.“ Wir sollen uns, wie Baronius, als Vorbereitung auf einen seligen Tod in Schussgebetlein und in frommen Anmutungen zu Gott und seinen Heiligen üben. Pater Johann Ancina übte sich beständig in Akten der Reue und sprach dabei häufig die Worte: „Herr, lass mich fortgehen, befreie meine Seele aus ihrem Gefängnis! Komm, o Herr, und zögere nicht!“

 

Was die Visionen betrifft, die zuweilen denjenigen erscheinen, die im Begriff sind zu sterben, so gibt uns der heilige Philipp den Rat, den Visionen nicht Glauben zu schenken, besonders solchen, die uns noch ein längeres Leben versprechen. Diese sind meistens Vorspiegelungen des Teufels, der gern hätte, dass wir ohne Vorbereitung und mit der Hoffnung noch länger zu leben, sterben sollen. In dem schrecklichen Augenblick des Todes können wir, wenn wir dem heiligen Philipp durch Nachahmung seiner Tugenden treu ergeben gewesen sind, hoffen, die Früchte unserer Andacht zu ernten, da unser Heiliger den Sterbenden schon oft wunderbar beigestanden ist. Der Cardinal Crescentio sagt in dieser Hinsicht: „Er versprach mir und vielen anderen, in unserer Todesstunde gegenwärtig zu sein, und ich hoffe, es wird so sein, denn ich weiß, dass er meiner sterbenden Schwester erschienen ist.“ Deshalb können wir, wenn wir unsere erste Hoffnung auf das Blut setzen, das unser Erlöser für uns vergossen hat, sagen: „Ich habe kein Vertrauen auf mich selbst, aber ich hoffe, durch das Blut Christi unter dem Beistand des heiligen Philipp selig zu werden. O Maria, Mutter Jesu, und du, heiliger Philipp, steht mir bei!“ Wenn der höllische Feind uns mit Versuchungen plagt, oder uns hässliche Gesichte vorstellt, so wollen wir uns erinnern, dass schon der Name „Philipp“ den bösen Geistern schrecklich war, die flohen, wenn sie ihn hörten, und aufhörten, die Sterbenden zu versuchen.

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Aus dem Buch "Die Schule des heiligen Philipp Neri" von Pater Frederick William Faber, Superior des Oratoriums zu London, Regensburg 1861