Ermahnung zur oftmaligen Betrachtung der vier letzten Dinge

 

Vorrede

 

Wir lesen im Buch Jesus Sirach (7,36) die denkwürdigen Worte, in deren tiefen Sinn wir alle eindringen sollen: "In allen deinen Werken gedenke deiner letzten Dinge, und du wird niemals sündigen!"

 

Geht etwa diese Ermahnung des Heiligen Geistes nur einige Christen an? - Allen Menschen gilt dieselbe Ermahnung, an alle ist sie gerichtet. - Oder ist vielleicht diese Ermahnung nur ein guter Rat? Und auf was will der sich stützen, der behaupten will, dass dies kein Gebot ist, das uns gegeben wurde?

 

Durchdenken wir besser alle Worte dieser heilsamen Ermahnung.

 

"Gedenke!" Das heißt: Vergiss nicht, denke daran, überlege ernsthaft! - "Gedenke der letzten Dinge!" Gedenke, was auf alle Menschen am Schluss ihres Lebens wartet! Gedenke des Todes, des Gerichts, der Hölle des Himmels! - Des Todes, der unvermeidlich ist, des Gerichts, das schrecklich oder gnädig sein wird, der Hölle oder des Himmels, wo du ewig wohnen wirst. Denn es gibt keinen Mittelweg. Alle Menschen werden eine ewige Wohnung, entweder im Aufenthalt der Freude, des Glücks und der Liebe oder der Strafen bekommen. 

 

"Gedenke deiner letzten Dinge!" Es genügt nicht überhaupt und im Allgemeinen über den Tod, das Gericht, die Hölle oder den Himmel nachzudenken. Anwenden auf sich selbst muss jeder diese Gedanken. Dir selbst musst du sagen: Ich werde sterben, dies ist außer jedem Zweifel, und ich weiß zwar nicht, wann das geschehen wird, soviel aber weiß ich ganz sicher, dass es bald geschehen wird! Werde ich in der Liebe meines Gottes sterben? - Ich weiß es nicht! Vielleicht sterbe ich in dem furchtbaren Zustand der Sünde! - Ich werde gerichtet werden! - Im Augenblick meines Todes selbst werde ich vor dem Richterstuhl Jesu Christi erscheinen, Rechenschaft werde ich Ihm geben von allem, und sogleich wird das Urteil vollzogen werden. - Wehe mir, wenn ich in der Sünde sterbe. Die Hölle, wo die Unglückseligen schmachten und jammern wegen ihrer Qualen, wird dann mein Anteil sein! - Aber Heil mir, wenn ich im Augenblick meines Todes meinen Gott liebe! Dann wird das Haus meiner Ewigkeit im Himmel sein, wo ich Gott, und mit Ihm alle Güter zugleich besitzen werden! Aufgenommen werde ich dort, sobald ich vollkommen rein bin. Wie selig sind diejenigen, die im Augenblick ihres Todes nichts mehr abzubüßen haben! Ohne Verzögerung gehen sie in die Gesellschaft der Engel und Heiligen ein und genießen die glückselige Anschauung Gottes!

 

"Gedenke deiner letzten Dinge in allen deinen Werken!" Es genügt nicht, an deine Werke zu denken, wenn du gerade gute Werke tust, damit du sie auf heilige Weise tust. Der Heilige Geist verlangt, dass du an deine Werke denkst, auch wenn du die alltäglichsten Werke verrichtest, damit du sie aus heiligen Gründen tust, weil sie Gott gefallen sollen und für dich selbst einen Wert bekommen. 

 

Wenn du auf diese Weise an deine letzten Dinge bei all deinen Werken denkst, was für Gutes wird für dich daraus entstehen? "Du wirst niemals sündigen!" Niemals! Wenn du auch tausende Jahre lebtest, nie würdest du eine Todsünde begehen. Ja auch nicht lässlich wirst du mit Vorsatz sündigen. Begehst du aber aus menschlicher Unvollkommenheit einige leichte Fehler, so werden in solchem Fall diese in gewisser Hinsicht dir zum Nutzen gereichen, weil sie dich in der Demut erhalten, und dir Anlass geben werden, deinem Gott mit noch mehr Eifer und Liebe zu dienen. 

 

Könnte man nicht folgerichtig behaupten, dass Gott, der die Güte selbst ist, vielleicht die besondere Gnade, keine lässliche Sünde zu begehen, dem Menschen schenken wird, dessen ständige Erinnerung seiner letzten Dinge von großer Liebe und demütigem Gebet begleitet ist, da geschrieben steht: "Gedenke deiner letzten Dinge bei allen deinen Werken, und du wirst niemals sündigen?"

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Erste Betrachtung

 

"Liebt die Welt nicht, und hängt euer Herz an nichts, das von dieser Welt ist, denn die Welt geht vorüber." (Der heilige Johannes)

 

Der heilige Nikolaus von Tolentino, der diese Worte tief erwogen hatte, hegte eine so große Verachtung gegen alle Eitelkeiten der Welt, dass er sprach: "Nur der Ewigkeit will ich gedenken, nach der seligen Ewigkeit allein will ich trachten, die niemals vergeht!"

 

Gäbe ich auch tausend Leben, die selige Ewigkeit zu gewinnen, so wäre dies noch wenig, denn wo ist zwischen Endlichem und Unendlichem Vergleich und Verhältnis! So sprach eine, von der Gnade gerührte Seele, die sich sehnte, die Welt zu verlassen, um sich allein der Ewigkeit zu weihen. 

 

Pater Carl von Lothringen seufzte von frühester Kindheit auf nach der glorreichen Unsterblichkeit. Sein Wahlspruch war: "Nichts Sterbliches für ein unsterbliches Herz! Nur nach dem Himmel soll unser Ehrgeiz zielen, wo wir unsterblich sein werden."

 

So oft die heilige Theresia beim Hochamt die Worte singen hörte: cujus gegni non erit finis (dessen Reich kein Ende haben wird), wurde sie bis zur Entzückung erfreut, dass das Reich des allerhöchsten Herrn, dem sie diente, keine anderen Grenzen als die Ewigkeit kennt.

 

Auch wurde diese Heilige wunderbar bei dem Gesang eines Liedes ergriffen, das so anfing: "Wie traurig ist`s, von Gott verbannt zu sein!" - "Ach," rief sie aus, "ewig verbannt zu sein von Gott, von seiner Anschauung, von seiner Liebe, von seiner Glorie, von seiner Glückseligkeit! Ach, wie niederschmetternd ist dieser Gedanke für einen Verworfenen! - Erschaffen war ich, Gott zu schauen, zu lieben, zu besitzen, und nun bin ich durch meine Schuld ewig von Ihm getrennt! Nie werde ich Gott lieben, nie Ihn lieben können! Statt Ihn zu lieben, werde ich Ihn hassen, und ohne Unterlass durch entsetzliche Flüche lästern."

 

Unbegreiflich war es dem heiligen Leo, wie Menschen, die sich für vernünftig hielten und zwischen dem Himmel und der Hölle standen, die Hölle, in der die Verdammten im ewigen Feuer begraben sind, dem Himmel vorziehen konnten, wo die Glückseligen, mit der Krone der Unsterblichkeit gekrönt, auf ewigem Thron herrschen.

 

Ach, mein Gott, gelebt habe ich das Leben eines Sünders. Wirke, ich bitte Dich, ein Wunder Deiner Gnade und verleihe mir, dass ich des Todes Deiner Heiligen sterbe! Freilich habe ich einen so kostbaren Tod nicht verdient. Oft machte ich mich unwürdig für ihn durch meine Sünden, jedoch nehme ich den Tod im Geist der Buße an, und opfere Dir, diese Gnade zu erlangen, alle guten werke der Gerechten, alle Leiden, die die heiligen Märtyrer und alle anderen Heiligen um Deiner Liebe willen erlitten haben, sowie auch die unendlichen Verdienste der Leiden und des Todes Jesu Christi, meines Erlösers, der für mich gestorben ist. Nimm, o Gott, huldreich das Opfer an, das ich Dir in Liebe darbringe! Ich opfere Dir alles was ich bin und habe, meinen Leib und meine Seele, meine Augen und ihre Blicke, meine Zunge und alle ihre Worte, meine Hände und alle ihre Werke, meine Füße und alle ihre Schritte, meine Einbildungskraft und alle ihre Bilder, mein Gedächtnis und alle seine Erinnerungen, meinen Geist und alle seine Gedanken, meinen Willen und alle seine Begierden, mein Herz und alle seine Neigungen. Ich bitte Dich um den Himmel. Aber ich bringe Jesus Dir dar, der sich für mich geopfert hat! 

 

O heilige Maria, Mutter Gottes und meine geliebte Mutter, bitte für mich nun und in der Stunde meines Todes. Amen. 

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Zweite Betrachtung

 

"Wenn du je einen Menschen hast sterben sehen, so bedenke, dass auch du auf demselben Weg vorübergehen wirst!" (Der selige Thomas von Kempis)

 

Was gibt es wohl, dem man nicht widerstehen könnte? - Nur dem Tod vermag niemand zu widerstehen! Wer widerstand je dem Tod, der gewöhnlich früher kommt als man denkt, und beinahe immer, wenn man am wenigsten mit ihm rechnet?

 

Ein wahrhafter Christ sprach: "Ich trete jeden Augenblick zur Pforte der Ewigkeit!" Ich wache über alle Gedanken meines Geistes, über alle Regungen meines Herzens, über alle meine Werke, damit ich nichts tue, das der glückseligen Ewigkeit mich unwürdig mache, noch auch mich davon abwende. Immer stehe ich am Rand der Ewigkeit, denn in jedem Augenblick kann ich dahin abgerufen werden. Die Ewigkeit hängt von dem Augenblick des Todes ab, und der Tod kann im nächsten Augenblick mich mit sich fortnehmen.

 

Eine fromme Seele, die sich beständig zum Tod bereithalten wollte, hatte folgenden Spruch in allen Zimmern ihrer Wohnung aufgehängt: "Die Kunst heilig zu sterben, ist von so hoher Wichtigkeit, dass man sie, um sie gut zu vollbringen, sein ganzes Leben hindurch lernen muss. Alles ist verloren, und auf ewig verloren, wenn man diese Kunst nicht glücklich ausübt." Sie betrachtete sich gleich einem Verbrecher, der in der Tiefe eines schwarzen Gefängnisses jeden Augenblick seines Todesurteils gewärtig ist.

 

O Jesus, mein König und mein Gott, ich bitte Dich durch die Wunde Deines heiligen Herzens, das der grausame Speer nach Deinem Tod öffnete, sei in der Stunde meines Todes mir barmherzig! O Maria, Mutter der Barmherzigkeit und der Gnade, deren Seele das Schwert des Schmerzes durchdrang, als du bei den Füßen des Kreuzes zu deinem sterbenden Sohn und Herrn aufblicktest, diesem deinem mütterlichen Herzen empfehle ich nun und immer alles was ich habe und bin, meinen Leib und meine Seele, meine Gedanken, Wünsche und Absichten, meine Worte und Werke, mein Leben und meinen Tod. O sei in dem entscheidenden Augenblick meiner Ewigkeit meine Zuflucht, mein Trost und meine Stütze! Erbitte mir, dass ich in der Liebe und Gnade deines göttlichen Sohnes sterbe, und leite mich unter deinem Schutz in den Hafen des Heils!

 

Heilige Maria, Mutter Gottes und meine geliebte Mutter, bitte für mich jetzt und in der Stunde meines Todes!

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Dritte Betrachtung

 

"Selig die Toten, die im Herrn sterben!" (Psalm)

 

Ein eifriger Missionar sprach: "Wenn du im Herrn sterben und ewig selig werden willst, so musst du noch vor deinem Tod sterben. Absterben musst du jeder Sünde, jeder Eitelkeit, ehe du von dieser Welt in die andere, von der Zeit in die Ewigkeit hinüber gehst."

 

Ein sehr andächtiger Ordensmann starb einst plötzlich am frühen Morgen, als er sich der geistlichen Lesung widmete. Da nun der Sakristan in seine Zelle trat, ihn zu erinnern, es sei die Stunde da, wo er die heilige Messe lesen sollte, fand er ihn tot, und berichtete diesen Vorfall sogleich den Religiosen des Klosters, die, über diese Nachricht erschrocken, herbeieilten. Sie sahen aber zu ihrer Verwunderung, dass das Buch, in dem der Verblichene gelesen hatte, offen war, und dass sein Zeigefinger auf die Worte hinwies: "Selig sind die Toten, die im Herrn sterben!"

 

Der heilige Nikolaus von Tolentino, ein Religiose des Augustiner-Ordens, glühte von so lebendiger Sehnsucht nach dem Tod, dass er die Worte des Apostels oftmals wiederholte: "Ich verlange aufgelöst zu werden und bei Christus zu sein!" In der Stunde seines Todes wurde ihm der Trost zuteil, die Worte aus dem Mund Christi zu hören: "Du guter und getreuer Knecht, geh ein in die Freude des Herrn, deines Gottes!"

 

Ein großer Diener Gottes pflegte den Tag hindurch öfters also zum Herrn zu flehen: "Mein Gott, ich bitte Dich um Deiner Barmherzigkeit willen, nimm mich aus dieser Welt hinweg, wenn ich eben im glückseligen Stand Deiner Gnade bin, wenn Deine Allwissenheit voraussieht, dass ich bei längerem Leben noch eine tödliche Sünde verschulden und in die Hölle fallen würde!"

 

Ein weiser Mann sprach zu seinem Jünger: Steige oftmals im Geist in dein Grab, damit du deine Augen von der Eitelkeit abwendest, und dich hütest, Gott zu beleidigen. Durch dies sehr einfache und leichte Mittel wirst du dir jeden Tag eine unsterbliche Krone im Himmel erwirken.

 

O Jesus, mein geliebter und liebevoller Erlöser, Deine heilige Seele heilige mich, Dein glorreicher Fronleichnam rette mich, Dein kostbares Blut berausche mich, Dein schmähliches und schmerzhaftes Leiden stärke mich, Deine Ohren seien aufmerksam auf mein Gebet, Deine heiligen Wunden seien meine Zuflucht; der Feind meines Heils fliehe bei Aussprechung Deines heiligen Namens! O rufe in meiner Todesstunde mich zu Dir und verleihe mir, dass ich mit Deinen Heiligen Dich liebe und lobe in alle Ewigkeit. Amen.

 

Heilige Maria, Mutter Gottes und meine geliebte Mutter, bitte für mich jetzt und in der Stunde meines Todes!

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Vierte Betrachtung

 

"Es ist grobe Täuschung und ein unglückseliger Irrtum, zu hoffen, dass du auch, ohne ein christliches Leben zu führen, heilig sterben wirst." (Tertullian)

 

Die ehrwürdige Mutter Victoria sprach sterbend zu den Nonnen ihres Ordens: "Meine lieben Töchter, bereitet euch, so lange ihr es leicht könnt, zu dem furchtbaren Übergang von der Zeit in die Ewigkeit! Alle einzelnen Augenblicke sind kostbar. Alle einzelnen Tage sind Tage des Heils. Die ganze Zeit eures Lebens ist eine Zeit der Gnade, in der ihr euch eure Krone sichern könnt. Hütet euch ja, den geringsten Teil dieser unschätzbaren Gabe zu verlieren. Nie könnt ihr zu große Sorgfalt auf eine so wichtige Angelegenheit verwenden, noch euch allzusehr darauf vorbereiten."

 

Wehe mir Unglückseligen! sprach ein Sünder auf seinem Totenbett, ich trete ab von dieser Welt, ohne dass ich wusste, weshalb ich gekommen war. Nun sehe ich es ein, aber zu spät! Noch hätte er Zeit gehabt, sich zu bekehren. Leider benützte er sie nicht!

 

Ein Staatsminister klagte in diesem furchtbaren Augenblick und sprach: "Ach, auf die Bogen ganzer Ballen Papier habe ich meinen Namen geschrieben, hätte ich ihn doch auch in das Buch des Lebens geschrieben! So leicht hätte ich dies tun können, und ich Tor, ach, ich habe es nicht gewollt!"

 

Der heilige Franziskus Borgia sagte, man sollte sich jeden Tag vierundzwanzigmal zum Tod bereit halten.

 

Es ist schwer, beständig des Todes zu gedenken, wenn man beständig von Gegenständen umgeben ist, die von der Erinnerung an ihn abwenden. So sprach ein Weltmann. Ein Diener Gottes aber antwortete ihm: Vielmehr erinnert Sie alles an den Tod, überall sehen Sie ihn. Danken Sie bei Ihrem Erwachen Gott, dass Er Ihnen noch einen Tag gibt, dessen Ende Sie vielleicht nicht erleben werden. Im Bett aber denken Sie, dass der Schlaf ein Bild des Todes, dass ihr Bett das Vorbild des Sarges ist, in den man Sie bald legen wird, und dass dann Fäulnis und Würmer Ihre Decke sein werden. Denken Sie bei Ihrer Mahlzeit, dass sie vielleicht Ihre letzte ist, beim Schlag der Uhr, dass Sie nun dem Tod um eine Stunde näher sind, und dass sie Rechenschaft geben werden, wie Sie diese und alle Stunden Ihres Lebens verlebt haben. Zu solcher Zeit pflegte die heilige Theresia zu sagen: Gott sei gepriesen, dass ich nun wieder eine Stunde weniger auf Erden zu leben habe! Sprechen Sie bei allen Ihren Handlungen mit dem heiligen Bernhard: Wenn ich wüsste, dass ich nach dieser Handlung sterben muss, würde ich sie tun? und wie würde ich sie tun? 

 

Die des Todes beständig eingedenk sind, reinigen ihr Gewissen, ist aber das Gewissen rein, dann fürchtet man den Tod nicht, wie der Verfasser der Nachfolge Christi sehr schön erinnert. Ich fürchte den Tod nicht, weil ich immer bereit bin zu sterben! sprach der heilige Martinus.

 

O Jesus, der Du um meiner Erlösung willen in einem armen Stall zur Welt kommen, in Arbeit und Drangsalen leben, mit Schmerz erfüllt werden, die bittersten Peinen erleiden und an einem Kreuz sterben wolltest, ich bete zu Deiner Barmherzigkeit, erlass mir meine Sünden und die Strafen, die ihnen gebühren! Verleihe mir, heilig zu leben und zu sterben, behüte mich vor der Hölle und führe meine Seele dahin, wohin Du die Seele des reuigen Schächers geführt hast!

 

Heilige Maria, Mutter Gottes und meine geliebte Mutter, bitte für mich, jetzt und in der Stunde meines Todes!

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Fünfte Betrachtung

 

"Herr, Dein Wille geschehe! Selig jene, die in der Stunde ihres Todes vollkommen mit dem heiligen Willen Gottes übereinstimmen! Nimmermehr kann der ewige Tod ihnen schaden." (Der heilige Franziskus von Assisi)

 

Bereite dich zum Tod durch gänzliche Übergabe in den heiligen Willen Gottes für nun und immer. Als ein Ordensmann von glänzenden Tugenden Ximenes mit Namen, auf seinem Totenbett befragt wurde, ob er nicht eine große Sehnsucht nach dem Himmel empfände, zeigte er durch seine Antwort auf sehr erbauliche Weise, wie ehrfürchtig er dem göttlichen Wohlgefallen untergeben war. "Nichts anderes will ich," sprach er, "als dass der höchst heilige Wille Gottes vollkommen an mir erfüllt wird. Dies habe ich dem Herrn längst versprochen!"

 

Ein großer Diener Gottes nahm kurze Zeit vor seinem Tod sein Kruzifix, wendete einen Blick voll Liebe zu den Wunden des göttlichen Heilandes und sprach: "Mein Herz ist bereit, o Gott, mein Herz ist bereit! Was gibt es im Himmel, und was außer Dir suche ich auf Erden, o Gott meines Herzens und mein Anteil in Ewigkeit!" Dann drückte er das Kruzifix an seine Brust und sprach: "Mein Geliebter ist mir ein Myrrhenbüschlein! - Mein Geliebter ist mein, und ich bin sein!" - Auch erfreute er sich, dass diese Worte seinem Herzen tief eingeprägt seien, und mit großer Freude wiederholte er sie: "Ich will, dass der Wille Gottes so sehr vollkommen an mir erfüllt wird!" Mehrmals sprach er dann: "Ich bin bereit, bis an das Ende der Zeiten zu leiden, den Willen Gottes zu tun!"

 

Der Herr erschien eins der heiligen Gertrudis, die an einem hitzigen Fieber schwer erkrankt darnieder lag, und er stellte ihr anheim, nach ihrem Gefallen Gesundheit oder Krankheit zu erwählen. Die Heilige aber überließ ihren Willen gänzlich den Händen ihres himmlischen Bräutigams und sprach: "Herr, mein Gott, ich verlange von ganzem Herzen, dass Du durchaus nicht Rücksicht auf meine Neigung nimmst, sondern in allen Dingen, die mich angehen, immer Deinen unendlich lobwürdigen und mir höchst angenehmen Willen erfüllst!"

 

Als der gottselige Pater Balthasar Alvarez vernahm, dass der Arzt sich nicht deutlich aussprechen, sondern ihm verheimlichen wollte, dass seine Krankheit ihn unvermeidlich zum Tod führt, sprach er zu ihm: "Redet freimütig und wisset, dass ich das Leben nicht achte und den Tod nicht fürchte, denn nichts will ich, außer den Willen Gottes!"

 

Wer Gottes ist, wie er es sein soll, der erträgt die Mühsale des Lebens mit Geduld, und nimmt den Tod mit Freuden an. Als der heilige Cyprianus erfuhr, dass das Todesurteil über ihn gefällt war, weil er von Christus Zeugnis gegeben hatte, erhob er die Hände und sprach: "Lob und Preis sei Gott, der in seiner unendlichen Güte von den Banden dieses sterblichen Leibes mich befreit!"

 

Ein frommer Christ hatte den Vorsatz gefasst, jede Stunde zu sprechen: "Mein Gott und Herr, bereit bin ich, zu verlieren, zu tun, zu leiden und anzunehmen, was immer dir wohlgefällig sein wird, denn ich liebe Deinen höchst lieblichen Willen. Und wäre ich nicht in dieser Stimmung, so bitte ich Dich, mich so zu stimmen!"

 

O Jesus, mein allerhöchster Herr, Du Liebe und Wonne meiner Seele, ich bitte Dich durch die fünf hochheiligen Wunden, die Deine Liebe für uns empfangen wollte, stehe Deinen Dienern bei, die Du mit Deinem Blut erkauft hast, und erbarme Dich unser, sowohl im Leben als im entscheidenden Punkt unseres Todes und in der Ewigkeit! Bekehre, reinige, heilige und rette uns!

 

Heilige Maria, Mutter Gottes und meine geliebte Mutter, bitte für mich jetzt und in der Stunde meines Todes!

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Sechste Betrachtung

 

"Seit mein Erlöser den Kelch der Leiden und des Todes trinken wollte, ist er mit Süßigkeit und Trost für die Freunde Gottes erfüllt, und enthält keine Bitterkeit mehr." (Der heilige Franziskus von Sales)

 

"Der Tod ist der Sold der Sünde," spricht der Apostel. So nimm denn also die Leiden und den Tod als Strafe deiner Sünden an, denn sehr billig ist dies. So oft du eine Todsünde begangen hast, verdienst du den ewigen Tod, und so oft du eine lässliche Sünde begangen hast, das Reinigungsfeuer, das ohne Vergleich peinlicher ist als der Tod.

 

Die heilige Mechthild wollte im Geist der Buße auf ausgestreuter Asche und mit einem härenen Bußkleid bedeckt sterben. "Es geziemt sich nicht wohl," sprach sie, "dass ein Christ anders als im Bußkleid und in der Asche stirbt!"

 

Ein frommer Christ, der drei ganze Jahre hindurch die unausstehlichsten Schmerzen des Podagra (Gichtanfall) mit unüberwindlicher Geduld erlitt, sprach oft mit zerknirschtem und gedemütigtem Herzen: "Herr, züchtige mich, so lange es Dir gefällig ist, indes ich im Geist der Buße zu Dir sprechen werde: Mein Gott, erbarme Dich meiner, nach Deiner großen Barmherzigkeit!"

 

Das Verlangen, Gott nicht mehr zu beleidigen, regte einen frommen Ordenspriester an, oftmals zu beten: "Herr, setze meinem Leben ein Ziel, da ich meinen Sünden kein Ziel setze! Gib mir Verzeihung meiner Sünden und Geduld, solange ich in dieser Welt bin, auf dass Du in der anderen mir barmherzig sein kannst!"

 

Ehre und Verherrlichung sei nun und immerdar bis zur Vollendung der Zeiten Dir, o höchst erhabene, höchst heilige, höchst Mächtige und höchst barmherzige Dreieinigkeit für die gebenedeite Menschwerdung Christi und für seine anbetungswürdigen Wundmale. O kostbare und heilsame Wunden meines liebevollen Jesus, ich begrüße euch mit aller Ehrfurcht und Dankbarkeit, die der Allmacht Gottes, des Vaters gebührt, der es zuließ, dass sein eingeborener Sohn euch zu unserer Zuflucht empfing; - der Weisheit des Sohnes, der euch für uns ertrug; - der Güte des Heiligen Geistes, der durch euch das große Werk unserer Erlösung vollendete! O schmerzhaftes Leiden! O Tiefe der Wunden! O Blut der Versöhnung, das in Strömen floss! O höchst bitterer Tod! Bei eurem Anblick gebe Gott uns einen heiligen Tod und das ewige Leben!

 

Heilige Maria, Mutter Gottes und meine geliebte Mutter; bitte für mich jetzt und in der Stunde meines Todes!

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Siebente Betrachtung

 

"Wie schön ist es zu sterben, wenn man gut gelebt hat!" (Der heilige Augustinus)

 

Der Priester, der dem Tod des heiligen Franz von Sales beiwohnte, lud ihn ein, mit unserem Heiland zu sprechen: "Vater, wenn es möglich ist, so gehe dieser Kelch an mir vorüber, ohne dass ich ihn trinke! Der Heilige aber antwortete: "Herr, Dein Wille geschehe, und nicht der meinige!" Und diesen Worten fügte er bei: "Der Kelch der Leiden ist nicht bitter für die, die Gott dienen, seit Christus ihn getrunken hat!"

 

Die Stifterin des ersten Klosters zur Heimsuchung Mariä in der Stadt Paris verfasste bei Annäherung des Todes ihr geistliches Testament in folgenden Worten: "Mein letzter Wille ist, mein Leben in der Erfüllung des heiligen Willens meines Gottes zu beschließen, den ich um die Gnade bitte, dass ich in seiner Liebe sterbe. Sterbend will ich sein göttliches Wohlgefallen anbeten. Ich verurteile meinen elenden Leib zur Fäulnis und Zerstörung durch Würmer, der göttlichen Gerechtigkeit dafür genug zu tun, dass ich ihn zu einem Werkzeug der Sünde machte. Aber ich übergebe meine Seele den Händen Gottes in Vereinigung mit Jesus Christus, meinem Heiland, und bitte Ihn, sie in sein kostbares Blut zu tauchen, um sie zu reinigen, und Gott seinem ewigen Vater wohlgefällig zu machen."

 

Fürchtet ihr Euch vor dem Tod? So fragte man einen heiligen Ordensmann auf seinem Totenbett. Er antwortete: "Gott sei Dank, ich fürchte den Tod nicht, denn ich bin mit sehr guter Meinung bewaffnet. Ich sterbe für die Verherrlichung Gottes."

 

Man sagte einst einem vollkommenen Christen, der dem Tod nahe war: Es ist heute, nach der Meinung der Ärzte, der letzte Tag Ihres Lebens! Hierauf gab er eine Antwort, die alle Umstehenden bis zu Tränen rührte. "O welche frohe Botschaft bringt ihr mir da," rief er aus. "Preiset den Herrn mit mir dafür! Wo werde ich heute sein? Wo werde ich sein! Bei Jesus und Maria!" Seit vielen Jahren hatte er täglich das kurze Gebet gesprochen: "O höchst geduldiger Jesus, verleihe mir die Gnade, Dir zu Liebe und für Deine Ehre, Deiner heiligen Mutter zu Liebe und zu ihrer Verherrlichung zu sterben!" 

 

Herr, mein Gott, nimm diesen armen Sünder barmherzig auf, der sich Dir opfert! Nur einen Leib und eine Seele habe ich, und ich weihe sie Dir beide. Aus väterlicher Güte hast Du mich erschaffen, und als ich verloren war, durch den schmählichen Tod Deines eingeborenen Sohnes mich losgekauft. Dir allein, mein Gott, gehört alle Ehre, Macht und Herrlichkeit. Du allein hast eine unumschränkte Oberherrschaft über alle Deine Geschöpfe. Mein Heil liegt in Deinen Händen. Du bist vermögend, mich vollauf zu beseligen, und wie wolltest Du es nicht wollen, Du der gütigste aus allen Vätern! O errette mich, ich flehe darum zu Dir durch Deine unendliche Barmherzigkeit, auf die ich hoffe und vertraue.

 

Heilige Maria, Mutter Gottes und meine geliebte Mutter, bitte für mich jetzt und in der Stunde meines Todes!

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Achte Betrachtung

 

"Kannst du nicht ein wirklicher Märtyrer werden, so sei es dem Verlangen nach." (Der heilige Augustinus)

 

Dies war das sehnsüchtigste Verlangen des heiligen Franz von Xaver. "Wer wird mir geben," rief er aus, "dass ich für Dich sterbe, o mein Erlöser, und alle Völker der Erde dahin führe, dass sie Dich kennen!" Nur zwei Dinge wünschte sich dieser große Heilige: alle Völker zur Erkenntnis Jesu Christi zu führen, und dann als Märtyrer zu sterben, weil er Ihn verkündigt hätte.

 

Der heilige Franz von Borgia schrieb dem Pater Lainez, er empfinde in seinem Herzen ein wundersames Verlangen, sein Blut für den Glauben und die katholische Religion zu vergießen, und bat ihn, er möchte durch sein Gebet ihm von Gott die Gnade erbitten, dass sein Verlangen in Erfüllung käme. Könne ihm aber dies große Glück, dessen er sich allerdings unwürdig achte, nicht zuteil werden, so bitte er ihn, ihm die Gnade einer so großen Sehnsucht nach der Marter zu erbitten, dass diese Sehnsucht die Stelle der Marter vertrete. 

 

Ein anderer Jünger des heiligen Ignatius, der in der Pestzeit starb, während er den Pestkranken Hilfe reichte, sprach, er fürchte sich sehr, zu sterben, wenn er der Strenge der göttlichen Gerichte gedenke, dennoch aber weihe er sich täglich als ein Brandopfer dem Tod, weil er hoffe, durch das Opfer seines Lebens, das er Gott darbringe, Barmherzigkeit zu erlangen. Glücklich würde ich mich achten, sprach er, für Ihn, oder an der Pest, oder für den Glauben zu sterben. Wenig ist mir an der Todesart gelegen, wenn ich nur als ein Gott wohlgefälliges Opfer falle. 

 

Der heilige Franz von Assisi sprach: "Göttlicher Heiland, lass mich aus Liebe zu Deiner Liebe sterben, der Du aus Liebe zu meiner Liebe gestorben bist!"

 

Der heilige Edmund zeichnete oftmals den Namen Jesus auf seine Stirn, damit er durch diesen heiligen Namen die Gnade aller Gnaden erlangte, nämlich in der Liebe Gottes zu sterben. Der heilige Dionysius von Rom sprach diesen heiligen Namen ohne Unterlass in den Qualen aus, die der Tyrann ihm antun ließ, und er sprach: Ein siegreicher Name ist dieser Name dem, der ihn ausspricht!

 

Ahmen wir jenem eifrigen Religiosen nach, der vierundzwanzig Mal am Tag die süßen Namen Jesus, Maria und Josef aussprach, seine Todesstunden diesen drei mächtigen Patronen zu empfehlen.

 

Auch ist es ein trefflicher Gebrauch, jeden Morgen und jeden Abend Stirn, Mund und Herz mit dem erlauchten Zeichen des Kreuzes zu bezeichnen, und dies kurze Gebet eines großen Dieners Gottes zu sprechen: "Jesus der Gekreuzigte sei in allen meinen Worten! Jesus der Gekreuzigte sei in allen meinen Regungen! Er sei in allen meinen Werken und in allen Kräften meiner Seele und meines Leibes jetzt und in der Stunde meines Todes!"

 

O Jesus, mein Herr und mein Gott, durch die Bitterkeit, in die Deine heiligste Seele versenkt war, und durch den namenlosen Schmerz, den Du am Kreuz erlittest, als diese Deine gebenedeite Seele von ihrem heiligen Leib schied, erbarme Dich meiner Seele zu jeder Zeit, besonders aber, wenn ich vor Deinem Richterstuhl erscheinen werde, der den Sündern furchtbar ist!

 

Heilige Maria, Mutter Gottes und meine geliebte Mutter, bitte für mich jetzt und in der Stunde meines Todes!

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Neunte Betrachtung

 

 

"Ich muss mit einer Taufe (nämlich mit meiner Bluttaufe) getauft werden, und ich bin sehr bedrückt, solange sie noch nicht vollzogen ist!" (Jesus Christus) 

 

Der heilige Augustinus ermahnte, den Kelch des Todes mit Mut zu trinken, den wir alle trinken müssen. Wenn wir sterben, sprach er, haben wir nur mit einem besiegten Feind zu kämpfen, da der Sohn Gottes mit einem sterblichen Leib sich bekleidete, den Tod zu töten. Durch Seinen Tod tötete Er, der das Leben ist, den Tod. Deshalb auch rief der heilige Paulus aus: "O Tod, wo ist dein Stachel?"

 

Ein sehr frommer Christ, der die Annäherung seines Todes fühlte, sprach mit großem Trost die Worte Jesu Christi aus: "Ich gehe zu meinem Vater! - Ich gehe zu Demjenigen, der mich gesandt hat! Ich gehe zu Gott, dem liebevollsten aller Väter. Ich gehe zu Dem, der mich auf die Erde gesandt hat, dass ich von da in den Himmel gehe!"

 

Der Pater Theodoricus Canisius wurde vom Schlag gerührt, als er die Nachricht vom Tod seines Bruders, des großen Canisius erhielt, der den berühmten Katechismus verfasste, der seinen Namen trägt. Bei diesem Schlagfluss verlor er im Augenblick das Gedächtnis und vergaß alle Dinge, außer die Namen Jesus und Maria. Sieben Jahre hindurch war er in diesem Zustand, und konnte seine Hand zu nichts gebrauchen, außer das Kreuz zu machen, noch auch seine Zunge, außer die süßen Namen Jesus und Maria anzurufen. Als er aber die Letzte Ölung empfangen hatte, da löste sich seine Zunge und er konnte noch die Worte aussprechen: "In den Himmel, in den Himmel!" wodurch er seine große Sehnsucht ausdrückte, in sein wahres Vaterland zu gehen. Und, des Himmels allein eingedenk und nur für Jesus und Maria atmend, starb er, nachdem er noch die erste Silbe des Namens Maria ausgesprochen hatte.

 

Seufzen wir nach der Ewigkeit, gleich dem, der da sprach: "Mit jedem Augenblick gehen wir der Ewigkeit entgegen! O glückselige Ewigkeit, wann werde ich dich schauen! Mit Freude wurde ich erfüllt, als zu mir gesprochen wurde: Wir werden in das Haus des Herrn gehen.!"

 

Mein Gott, bekehre mich zu Dir und erschaffe ein neues Herz in meinem Inneren, dass ich Dich über alles, und alles übrige nur um Deinetwillen liebe! Verleihe mir auch, o barmherziger Vater, die Gnade der Beharrlichkeit, die allein diejenigen krönt, die da streiten, den Siegern den Kampfpreis erteilt und die Heiligen in den Hafen der ewigen Seligkeit einführt! Ob gib mir diese köstlichste aller Gaben, die ein pures Geschenk Deiner Hand ist, das der Tod in Sicherheit bringt, auf dass ich in Deiner Liebe lebe und sterbe!

 

 

Heilige Maria, Mutter Gottes und meine geliebte Mutter, bitte für mich jetzt und in der Stunde meines Todes!

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Zehnte Betrachtung

 

Ordne dein Haus, denn du wirst sterben!" (Unser Heiland)

 

Wer den Ort