Maiandachten

 

Ursprung der Maiandacht

 

Wie Maria, die huldreichste Himmelskönigin, nicht müde wird, der Menschheit immer neue Wohltaten zu erweisen, so dass jedes Jahrhundert vom Lob und Dank hierüber wiederhallt, so scheinen hinwieder auch die zahlreichen Verehrer dieser Mutter der Barmherzigkeit nicht abzulassen, immer neue Feste und Andachten zu ersinnen, um aufs Neue ihre Liebe und Ehrfurcht ihr gegenüber an den Tag zu legen.

 

Unter den vielen und unterschiedlichen Festen und Andachten, die auf diese Weise im Lauf der Zeit entstanden sind, ist eine der rührendsten und lieblichsten die Maiandacht oder der Monat Mariä. - Es war der Liebe des frommen, katholischen Volkes nicht genug, Maria, die hohe Jungfrau, täglich dreimal zu grüßen und jede Woche den Samstag ihrer Verehrung zu weihen, es wollte überdies noch einen Monat des Jahres und zwar den reizendsten und lieblichsten von allen, - den Monat Mai zu ihrer Verehrung auserwählen. 

 

Der Mensch, statt die zahllosen Gaben, womit der liebe Gott ihn überschüttet, zur Verherrlichung des Gebers mit Dank zu benützen, missbraucht sie gewöhnlich und wendet sie oft gar mit unverantwortlichem Leichtsinn zur Beleidigung seines Schöpfers und Herrn an. So macht er es auch mit dem Genuss des holden Frühlings-Monats Mai. In diesem so freundlichen Monat, wo Fluren, Täler und Berge mit neuem Grün sich bekleiden, wo köstlicher Blütenduft die Lüfte durchwürzt, wo die Vögel ihre Stimme zum Preis des Schöpfers wieder erschallen lassen, wo überall neues Leben sich regt und jedes gefühlvolle Herz über die Schönheit der Natur sich erfreut und des himmlischen Vaters Güte, Macht und Weisheit preist, - in diesem freundlichen Monat vergessen auch so viele Menschen Denjenigen, der ihnen diese Freuden bereitet, und wenden die schöne Zeit nur dazu an, um in unerlaubten Genüssen zu schwelgen und ihre Herzen mit Sünden zu beflecken. Dies war besonders am Ende des 18. Jahrhunderts der Fall, wo der Unglaube schreckliche Verheerungen anrichtete und es den Anschein hatte, als würde das Andenken Gottes ganz aus den Herzen der Menschen verschwinden. - Betrübt nun über diesen Leichtsinn, diesen Undank und diese Gottesvergessenheit haben sich in der Stadt Rom mehrere fromme Seelen, der Missionar Pater Lalomia an der Spitze, in dem Entschluss vereinigt, den Monat Mai der Verehrung der Himmelskönigin zu weihen.

 

Während im Freien gottlose Lieder ertönten, im wilden Tanz, im Spiel und Scherz ausgelassene Menschen die edle Zeit vergeudeten und Gott den Herrn beleidigten, und während Gotteslästerungen aller Art dem Mund der Ungläubigen entströmten, schmückten diese frommen Seelen den Altar der hochbegnadeten Jungfrau mit Blüten und Blumen, warfen sich vor ihm nieder, und flehten zur Mutter der Barmherzigkeit, dass sie durch ihre mächtige Fürbitte die Gottlosigkeit, den Leichtsinn und Undank sühnen, und das Erbarmen Gottes über die verblendeten Kinder der Welt herabrufen möchte. 

 

Kaum war diese neue Andacht bekannt geworden, so wurde sie überall mit Freuden von allen frommen Kindern Mariens begrüßt und es wird jetzt kaum mehr ein Bistum in der katholischen Kirche zu finden sein, wo diese segensreiche Andacht nicht in irgend einem Gotteshaus eingeführt ist oder im Kreis frommer Familien gefeiert wird. Als der Heilige Vater Pius VII. von dieser Andacht hörte, verlieh er unter dem 21. Mai 1815 allen, die den Monat Mariä halten, für jeden Tag einen Teilablass und einmal des Monats am Tag der heiligen Kommunion einen vollkommenen. 

 

 

Durch dich, o Mutter und Jungfrau, frohlockt der Himmel

und freuen sich die Engel und Erzengel. (St. Cyrill)