Heilige des Tages

 

Man kann die Taten der Heiligen und der Martyrer nicht lesen, ohne im Innersten angerührt zu werden. Sie sind unsere Vorbilder. Die Menschen, die einen anderen Weg gehen, als den der Heiligkeit und der Nachfolge Christi, sind schnell verzweifelt und ohne Hoffnung. Es gibt keinen Mittelweg für die Ewigkeit! Es gibt entweder die Glückseligkeit oder die Unglückseligkeit. Die Glückseligkeit ist der Lohn der Nachfolge Jesu und Mariä und aller Heiligen, die Unglückseligkeit der Lohn der Sünde und Lauheit. Wer auf Erden sich um Heiligkeit bemüht, wird zu der Zahl der Heiligen im Himmel dazugerechnet. Ich werde demnach in der Ewigkeit sein, der ich im Leben gewesen bin. Und für die Wahrheit dieser Gedanken steht eine Wolke von unendlich vielen Zeuginnen und Zeugen.

Matthias Hergert

 

3. Dezember

 

Der heilige Franz Xaver, Priester, Missionar,

+ 3.12.1552 – Fest: 3. Dezember

 

Wieder ist die Zeit der Adventslieder gekommen: „Tauet, Himmel, den Gerechten ...“, „Aus hartem Weh die Menschheit klagt ...“, „O komm, o komm, Emanuel ...“. Wir gedenken der langen Zeit, da unsere Vorfahren nach dem Erretter aus Sünde und Schuld seufzten. Es ist die Adventszeit für uns allerdings nur ein Gedenken, denn längst ist uns das Heil erschienen, Christus, der Herr, der sein Volk erlöste von allen seinen Sünden. Uns wurde Gnade zuteil, aber es gibt auf dem weiten Erdenrund tausend Millionen Menschen, die heute noch vom Wahn des Heidentums oder des Islams umfangen sind und deren Advent noch nicht beendet ist. Dass wir der Armen gedenken und durch Opfer und Gebet helfen, damit die Glaubensboten auch ihnen den Heiland und das Heil bringen können, deshalb stellt uns die Kirche am heutigen Tag, gleich zu Anfang des Advents, den größten Missionar der Neuzeit vor Augen, den heiligen Franz Xaver.

 

War das ein Hallo, als Ende 1534 im Sankt-Barbara-Studentenheim zu Paris ein neuer Schüler auftauchte, der hinkte, schon zweiunddreißig Jahre alt war und in der untersten Klasse bei den Zehnjährigen anfing, Latein zu lernen.

 

Ein seltsamer Kauz war er schon, der spanische Edelmann Ignatius von Loyola, ein ehemaliger Offizier, der deswegen das Lernen begann, weil er noch Priester werden wollte.

 

Wenn er nur nicht gar so fromm gewesen wäre! Die Mitschüler begnügten sich allerdings damit, den alten Knaben weidlich aufzuziehen, der seinerseits die kleinen Wichtigtuer nicht ernst zu nehmen schien und gutmütig über ihren Spott und Schabernack hinweglächelte.

 

Nur einer im Haus, auch ein spanischer Edelmann, ein hochfahrender Geist, Franz Xaver mit Namen, der ein fabelhafter Student gewesen und mit fünfundzwanzig Jahren bereits Hochschullehrer war, konnte den Landsmann überhaupt nicht ausstehen, und je mehr Ignatius sich dienstbeflissen um den Jüngeren bemühte, desto beißender spottete Xaver über den Älteren. Ignatius ließ sich jedoch durch keine noch so plumpe Abfuhr entmutigen, denn als geschulter Menschenkenner hatte er trotz der buntschillernden Eitelkeit, mit der Xaver sich gab, den inneren Wert des hochstrebenden Edelmanns erkannt und den großen Vorteil errechnet, der dem Reich Christi auf Erden erwachsen werde, wenn es ihm gelänge, den überragenden Mann für den neuen Orden, den er gründen wollte, zu gewinnen.

 

Lange hat Ignatius um Xaver ringen müssen, denn leicht ist für den Weltmenschen die Bekehrung von Eitelkeit und Ruhmsucht nicht. Viel auch hat er gebetet, und eines Tages gewann er das Spiel, jenes Spiel, das jeden Einsatz tausendfach aufwog. Die größte Eroberung, die der Seelenjäger Ignatius für Christi Reich gemacht hat, heißt Franz Xaver.

 

Franz Xaver war einer von denjenigen, die nicht mehr zurückschauen, wenn sie einmal die Hand an den Pflug gelegt haben. Zwar konnte er so wenig wie andere auch aus der Haut herausfahren, in der er steckte, denn niemand vermag sein Wesen zu ändern, und deshalb blieb auch Xaver, was er war, aber sein Ehrgeiz war nicht mehr weltlicher Ruhm, sondern Gottes Ehre und die Rettung unsterblicher Seelen.

 

Als Xaver im Jahr 1542 nach zehnmonatiger Seefahrt in Indien landete, begann ein einzigartiges Heldenleben. Franz Xaver wurde der größte Missionar der neuen Zeit, der im Dienst der Heidenbekehrung körperliche Strapazen und Anstrengungen von solchem Ausmaß auf sich genommen hat, dass man sich unwillkürlich fragt, ob die Leistungen unserer besten Sportler heute an sie herankommen. Auf hundert Flüssen fuhr sein Boot, und mit den unsicheren Nussschalen der Eingeborenen segelte er der Küste entlang durch die Inseln über das Meer von Indien nach Japan. Barfuß legte Xaver Zehntausende von Kilometern zurück durch Urwald, Sumpf und Wüste, in der brütenden Hitze Indiens und in der eisigen Kälte Japans, unter Kopfjägern und Kannibalen mit immer neuen Sprachen. Dazu quälte den Immer- und Nimmermüden ein schmerzliches Magenleiden, und alle Tage wrang ihn das Fieber förmlich aus. Schonung kannte er keine. Ob er selbst draufging, daran lag dem Champion der katholischen Weltmission nicht das Geringste, wenn er nur Seelen für Christus und den Himmel gewann.

 

Selten mag es einen Glaubensboten gegeben haben, der sein Leben so rückhaltlos in die Schanze schlug, wie Xaver es tat, nie aber gab es auch einen Missionar, der größere Erfolge erzielte als er. Xaver hat mit eigener Hand eine Million Menschen getauft.

 

Nur zehn Jahre lang hielt der heldenhafte Mann die Last aus, aber in den zehn Jahren hat er mehr gearbeitet und geleistet als wohl hundert andere zugleich. Unter den Großen im Reich Christi ist Xaver einer der größten, und es gibt keinen Ruhm, der herrlicher ist als dieser Ruhm.

 

Die heilige Attala, 1. Äbtissin von Straßburg,

+ 3.12.741 – Fest: 3. Dezember

 

„Beispiele ziehen an“, sagt ein altes Sprichwort, und es ist wunderbar, wie tief und nachhaltig die Beispiele in das Leben anderer eingreifen. Während die bösen Beispiele die guten Sitten verderben, befördern die guten Beispiele tugendreiches Streben und edle Werke. Der Bruder der heiligen Ottilia, Herzog Adalbert von Elsass, und seine fromme Gemahlin Gerlinde waren von Gott mit drei Töchtern beschenkt, die in der heiligen Taufe die Namen Attala, Eugenia und Gundelinda empfingen. Die frommen Eltern vertrauten ihre drei Töchter schon in frühester Jugend der heiligen Ottilia im Kloster Hohenburg zur Erziehung und Ausbildung an, und sie hatten sie in der Tat den besten Händen übergeben.

 

Attala nahm sich ihre heilige Tante zum Vorbild und lernte von ihr die glühende Liebe zu Gott, die stille Demut, den freudigen Gehorsam, die engelgleiche Andacht, das zärtliche Mitleid mit Armen und den Eifer in frommen Übungen. Sie legte sich mancherlei Abtötungen auf, beherrschte ihre Sinne, beobachtetes strenges Stillschweigen und hegte keinen sehnlicheren Wunsch, als ihr Leben ganz Gott zu weihen und in der armen Klosterzelle ihre Tage zu beschließen. Ihren andauernden und stürmischen Bitten gab ihr Vater endlich nach und baute ihr im Jahr 717 in Straßburg das Frauenkloster St. Stephan. In diesem Kloster wollte sie als arme Ordensschwester vor allem die Tugend des Gehorsams üben, aber auf den dringenden Wunsch der heiligen Ottilia musste Attala die Würde einer Äbtissin im neuen Kloster übernehmen. In dieser Stellung war sie ein leuchtendes Vorbild für alle Untergebene, streng gegen sich selbst, mild gegenüber anderen, unermüdlich im Dienst Gottes, mütterlich besorgt für Arme und Bedrängte.

 

Nachdem ihre Tante und Erzieherin, die heilige Ottilia, in dem hohen Alter von 103 Jahren in die Freuden des Himmels eingegangen war, verdoppelte Attala ihre bisherigen frommen Übungen, um ihr an Heiligkeit und Verdiensten möglichst ähnlich zu werden. In der Tat erreichte sie einen hohen Grad von Vollkommenheit und wirkte höchst segensreich. Reich an Tugenden und Verdiensten schloss sie am 3. Dezember 741 im 54. Lebensjahr ihre Augen zum letzten Schlummer, um im Land des ewigen Friedens und unvergänglicher Glückseligkeit wieder zu erwachen. Ihr heiliger Leib wurde fünf Wochen lang zur Verehrung ausgesetzt, ohne dass sich Spuren der Verwesung gezeigt hätten. Die „ausgezeichnete, heilige Jungfrau“ wurde vom Volk hoch verehrt. Ein Arm von ihr kam in das Kloster Hohenburg, in dem sie ihre erste Erziehung genossen und den Grund zu ihrem heiligen Leben gelegt hatte. Ihre übrigen Reliquien wurden bis zur französischen Revolution in der St. Stephanskirche zu Straßburg aufbewahrt und verehrt.

 

Der heilige Lucius, König in England und Märtyrer zu Chur, Schweiz,

+ 182 – Fest: 3. Dezember

 

Unter der Regierung des römischen Kaisers Marcus Antonius Verus und seines Bruders Aurelius Commodus lebte in Britannien König Lucius. Dieser König beobachtete das Leben der Christen in seinem Reich und fand an ihrem untadelhaften Lebenswandel, ihren reinen Sitten und hervorragenden Tugenden großes Wohlgefallen. Er schickte daher zwei Abgeordnete, Elvon und Meduin, nach Rom zum Papst Eleutherius, mit der Bitte, ihm Glaubensboten zu senden, damit sie ihn und sein Volk in der christlichen Religion unterrichteten, denn die Wunder, die die Schüler Christi unter den verschiedenen Völkern wirkten, hatten seinen Geist erleuchtet, und von der Liebe zum wahren Glauben erglühend, erreichte er das Ziel seiner Bitte. Der Papst schickte ihm zwei apostolische Männer, Fuganus und Damian, die die Menschwerdung des Gottessohnes verkündigten, ihn zu Christus bekehrten und mit einer großen Menge seines Volkes tauften. Die Glaubensboten verdrängten überall im Land das Heidentum und weihten die Götzentempel zum Dienst des wahren Gottes ein. An die Stelle der 27 Götzenpriester und 3 Oberpriester setzten sie ebenso viele Bischöfe und Erzbischöfe. Darauf sind sie wieder nach Rom gegangen, um ihre Anordnungen vom Papst bestätigen zu lassen und später mit vielen anderen Priestern nach Britannien heimgekehrt, durch deren Lehre das Volk der Briten in kurzer Zeit im Glauben Christi befestigt wurde. Lucius war der erste christliche König in Europa.

 

Einige Jahre später kam ein Pilger, namens Lucius, ein Mann von edler Gestalt und ehrwürdigem Aussehen nach Augsburg und verkündete dort das Evangelium. Dieser Lucius soll der erwähnte König von England gewesen sein, der der Krone und den Freuden und Ehren der Welt entsagte, um das Seelenglück, das er im Christentum genoss, auch anderen Völkern zu bringen. Mit großem Eifer predigte er das Evangelium und mehrere Bürger der Stadt glaubten durch ihn, unter ihnen der angesehene Campestrianus mit seinem ganzen Haus. Die übrigen Bürger verharrten im Heidentum, hassten den Fremden und verfolgten ihn mit Steinwürfen, ja sie stürzten ihn in einen Schöpfbrunnen, aus dem er halbtot von Gläubigen wieder herausgezogen wurde. Unter liebreicher Pflege erholte er sich wieder.

 

Darauf ging er am Lechfluss hinauf ins Hochgebirge und predigte überall die christlichen Wahrheiten. Unter vielen Beschwerden und Gefahren drang er durch die Gebirge bis nach Rätien, dem heutigen Graubünden, und wohnte dort, wo später die Stadt Chur entstand, in einer schwer zugänglichen Berghöhle, nach ihm Luciushöhle genannt.

 

Nachdem Lucius sieben Tage mit Fasten und Beten in dieser Felsenhöhle zugebracht hatte, begab er sich unter das Volk, um ihm den Glauben an den einen wahren Gott und seinen Sohn Jesus Christus zu verkünden, der der Weg, die Wahrheit und das Leben für jeden Menschen ist. Die Bewohner des Landes waren aber so wild und roh, dass sie von der milden Lehre Christi nichts hören wollten. Sie beteten Sonne und Mond an und erwiesen den wilden Auerochsen, die sich in ihren schauerlichen Wäldern aufhielten, göttliche Verehrung. Um sie von der Torheit ihres Götzendienstes zu überzeugen, fing der ritterliche Lucius ein paar Auerochsen, spannte sie ins Joch, belud einen Karren mit Holz und fuhr mit ihnen seiner Höhle zu. Die Heiden staunten und riefen: „Groß ist der Gott der Christen, der seinem Diener die wilden Tiere unterwürfig macht.“ Sie horchten jetzt folgsamer auf seine Predigt und viele bekehrten sich zum Glauben an Christus.

 

Emerita, die Schwester des Königs Lucius, war mit ihm im Glauben unterrichtet und getauft worden. Als ihr Bruder Britannien verlassen hatte, um den in den Todesschatten des Heidentums sitzenden Völkern das Licht der Wahrheit anzuzünden, entschloss sie sich, ihren Bruder aufzusuchen und in seiner Missionstätigkeit zu unterstützen. Nach langen Reisen fand sie ihren Bruder in der Luciushöhle. Von Jugend auf an Werke der Mildtätigkeit gewöhnt, besuchte sie die Kranken, unterstützte die Armen, tröstete die Traurigen und half den Bedrängten. Mit allem Eifer versuchte sie die Heiden von ihrem Irrwahn zu überzeugen und zum Christentum zu führen. Aber die rohen Heiden erregten einen Aufstand gegen sie, ergriffen sie, schlugen sie mit Fäusten und warfen sie in ein schauriges Gefängnis des alten Bergschlosses bei Trimmis. Am folgenden Morgen, den 4. des Christmonats, wurde sie unter wütendem Geschrei des Volkes aus dem Gefängnis geführt und verbrannt. Sie starb voll christlichen Heldenmutes und vereinte mit dem Jungfrauenkranz die Marterkrone. Die Asche und Gebeine der Märtyrin wurden gesammelt, in ein Tuch gewickelt und in der Erde verborgen. Am Marterplatz zu Trimmis wurde später ihr und dem heiligen Apostel Andreas zu Ehren eine Kirche gebaut. Die Gebeine der heiligen Emerita wurden in der Kathedralkirche zu Chur aufbewahrt und verehrt. Ihr Fest wird am Tag nach dem Fest des heiligen Lucius, am 4. Dezember, gefeiert.

 

Sobald Lucius die schauerliche Nachricht von der grausamen Hinrichtung seiner unschuldigen Schwester vernahm, eilte er mit einigen Christen unverweilt nach Trimmis, fand aber auf der Brandstätte nur noch ihre Gebeine. Tief betrübt sammelte er die Reliquien und hüllte sie in einen Schleier, der sich noch in ihrer Wohnung vorfand. Die Mörder hinderten ihn nicht, denn die besseren waren empört über das grauenvolle Unrecht, das man ihrer Wohltäterin angetan hatte.

 

Lucius arbeitete und litt noch unsäglich viel, bis er am 3. Dezember 182, von den Heiden gesteinigt, sein segensreiches Leben schloss. Der erste christliche König Europas, der erste Bischof von Chur und Apostel von Rätien, Lucius, wohnte demütig und weltverachtend in einer Felsenhöhle, aber diese wurde durch seine Gegenwart geheiligt und bald allgemein verehrt. Fromme, gottesfürchtige Leute, Kranke, Presshafte pilgerten zum Luciusbach, und erhielten durch die Fürbitte des Heiligen oft wunderbare Hilfe. Ein schönes Kloster wurde neben der uralten Kirche zu Chur gebaut und St. Luciuskloster genannt.

 

Der heilige Galganus, Einsiedler von Siena,

+ 3.12.1181 – Fest: 3. Dezember

 

Der heilige Galganus, geboren in einem Dorf bei Siena, führte in seiner Jugend ein sehr weltliches Leben. Im Schlaf zweimal ermahnt, ein Soldat Christi zu werden, kam er auf den Berg Sepio, wo er eine dritte Mahnung erhielt. Da ihm seine Eltern um dieselbe Zeit eine reiche Braut ausersehen hatten, und er sie zu besuchen einen Ritt machte, blieb das Pferd zur Hälfte des Weges plötzlich stehen und konnte durch keinen Sporn weiter getrieben werden. Tief bewegt darüber baute er sich eine Zelle und überwand da einsam lebend herzhaft alle Versuchungen. Auch seine Braut bewog er, ein Gleiches zu tun. Gott gab ihm viele Gnaden. Er sah Abwesendes wie Gegenwärtiges, blickte in die Zukunft, trieb die Teufel aus den Besessenen und stellte den Kranken die Gesundheit wieder her. Nachdem er im Jahr 1181 entschlafen war, kamen zu seinem Begräbnis die Bischöfe von Volterra und Massa, auch mehrere Äbte. Die Wunder, die an seinem Grab geschahen, bewogen den Papst, ihn heilig zu sprechen. Es wurde auch auf seinen Namen eine Kirche erbaut und eine Abtei gegründet.

 

Gebet am 3. Dezember zum heiliger Franz Xaver

 

Großer Apostel der Inder, heiliger Franziskus Xaverius, erbitte allen Priestern unserer heiligen Kirche und uns allen von Gott die Gnade einer innigen, lebendigen und starken Liebe, durch die wir in den Stand gesetzt werden, alles zu verlassen, um Gott zu gefallen und ihm allein zu dienen mit all unseren Kräften, so dass wir in Wahrheit sagen können: "O Jesus, dir lebe ich; Jesus, dir sterbe ich; Jesus, dein bin ich im Leben und im Tod!" Amen.

 

Zu Gott

 

Erbarme dich, o Gott, aller Völker, die noch im Schatten des Todes sitzen, und lass Dein heiliges Licht über sie leuchten, damit sie Dich, ihren Vater erkennen, und in Jesus, Deinem Sohn, dem Erlöser der Welt, ihr Heil finden. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Der heilige Franz Xaver war in seinen Missionen ernstlich bedacht, den Neubekehrten die Andacht zur göttlichen Mutter einzuflößen. Er hat auch ihren Schutz in seiner Todesstunde eifrig mit den Worten angerufen: "Mutter Gottes steh mir bei!" 

 

Andacht am 3. Dezember:

 

Das Thema im Dezember:

Von der Gleichförmigkeit unseres Willens mit dem Willen Gottes

 "Nicht wie ich will, sondern wie du willst!" (Matthäus 26,39)

 

"Die Vereinigung mit Gott geschieht auf dreierlei Weise: durch die Gleichförmigkeit, durch die Einförmigkeit und die Gottförmigkeit.

Die erste ist eine gänzliche Unterordnung unseres Willens unter den göttlichen in allen unseren Werken und in allen Ereignissen, und geschieht dadurch, dass wir, ungeachtet alles Widerwillens der Natur, wollen und annehmen, was Gott will. -

Die zweite ist eine innige Verbindung unseres Willens mit dem göttlichen Willen, die dahin wirkt, dass wir nicht nur alles wollen, was Gott will, sondern auch, dass wir dies einzig wollen, weil Gott es will, und uns über alles freuen, was Er will, bloß aus dem Grund, dass Gott dies angenehm ist. -

Die dritte ist eine Umbildung, die dahin wirkt, dass unser Wille in gewisser Hinsicht nur ein und derselbe Wille mit dem göttlichen ist, so dass der menschliche Wille beinahe nichts mehr als den göttlichen Willen in sich fühlt und nichts will, außer durch den unerschaffenen Willen, in den er umgewandelt wurde." (Der ehrwürdige Pater Gagliari)

Wunderbar sprach sich hierüber auch die heilige Magdalena von Pazzi aus. "Ohne einen Augenblick zu zaudern," sprach sie, "würde ich mich in die schauerlichsten Qualen stürzen, wenn ich wüsste, dass dies der Wille meines Gottes wäre." Einmal sagte sie an einem Pfingstfest, sie wünscht sehnlichst den Heiligen Geist zu empfangen, denn sie weiß, dass dieser Gott der heiligen Liebe sich ihr mitteilen will. Gar sehr seufzte sie nach dem Himmel, doch mehr noch gierte sie danach, den Willen ihres Gottes in Liebe zu tun. Diesen göttlichen Willen auf die vollkommenste Weise zu vollbringen, und dann sprechen zu können: "Dein Wille geschehe!" dahin zielte und wirkte sie ohne Unterlass.

Als einst der heilige Ignatius mit Pater Lainez und einigen anderen großen Dienern Gottes beisammen war, sprach er zu diesem Gottesmann: "Was würden Sie tun, wenn Gott Ihnen sagte: "Wenn du jetzt sterben willst, so werde ich aus dem Gefängnis deines Körpers dich erlösen und unverzüglich in die ewige Seligkeit aufnehmen. Willst du dagegen noch weiter leben, so gebe Ich dir keine Sicherheit, außer, dass Ich, wenn du auf dem Weg der Gottseligkeit aushältst, dich belohnen, wendest du dich aber davon ab, nach deinen Werken dich richten werde." Würde also der Herr Sie auf solche Weise anreden, und Sie wüssten zugleich, dass Sie, wenn Sie noch einige Jahre lebten, Großes zu Seiner Ehre ausrichten könnten, was würden Sie in solchem Fall erwählen?" - "Ich bekenne Ihnen aufrichtig," antwortete hierauf Pater Lainez, "ich würde nicht einen Augenblick schwanken, sondern erwählen würde ich, zu Gott zu gelangen, mein Heil zu sichern, und in einer so hochwichtigen Angelegenheit von allen Gefahren mich zu befreien." - "Ich dagegen," sprach der heilige Ignatius, "würde es nicht so tun, denn ich erachtete, ich könnte irgendetwas Großes für Gottes Ehre tun, würde ich zu Ihm flehen, mich deshalb noch am Leben zu lassen, und würde hierin nur auf Gott allein blicken, ohne auf mich Rücksicht zu nehmen, und ohne weder die unfehlbare Sicherheit, selig, noch die Gefahr ins Auge zu fassen, nicht selig zu werden." - Indessen war dieser Heilige vollkommen überzeugt, sein Heil wäre in diesem Fall außer aller Gefahr, seine Belohnung im Himmel aber weit größer gewesen, weil offenbar eine größere Liebe zu Gott bezeigte, wer Ihm zu Liebe die Mühsale des Lebens und die größten Gefahren bestehen, als sogleich in die ewige Seligkeit eingehen wollte.

 

Mein Gott, alles will ich, was Du willst! Freude bereitet es mir, zu tun, was Dir wohlgefällig ist! O verleihe mir, dass ich nur einen Willen mit Dir habe. Amen. 

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 3. Dezember

 

"Das Wort ist ohne Kraft,

wenn das Leben den Unterweisungen nicht entspricht,

oder selbst besser ist, als dieselben."

 

hl. Vincenz Ferrerius OP

1350 bis 5.4.1419

 

Betrachtung am 3. Dezember - Vom Übel der erblichen Schuld

 

Höre, Herr, mein heißes Flehen,

Sende Licht in meine Nacht.

Sieh, mein Herz vergeht vor Wehen,

Rette mich durch deine Macht.

 

1. Herr, mein Gott, zitternd bete ich den Abgrund deiner Gerichte an. Mein Elend, Herr, bekenne ich dir. Sieh, mehr liebe ich meine Wunden, als die Gesundheit, mehr die vorübergehende Täuschung, als die ständige, ewige Wahrheit. Ich erkenne das Gute, und - tue, ach, das Böse. Wie aber ich, so alle, die aus Adam geboren sind. Woher, mein Schöpfer, diese tiefen Wunden der menschlichen Natur? Kam diese edle Natur also verkehrt aus deiner Hand? Niemals!. Zum Flug ist der Vogel, zu schnellem Lauf der Hirsch erschaffen, und krank ist der Vogel, der zu keinem Flug, krank der Hirsch, der nicht zum Lauf sich erheben kann. Und nicht krank, nicht bis ins Innerste verwundet wäre die Seele, die du geschaffen hast, dich, unendliche Majestät, zu erkennen und zu lieben, und die zu schwach zu aufopfernder Liebe ist?

 

2. Woher diese Krankheit, dies tiefe Elend, das nicht von dir, der ewigen Liebe, kam? Angeboren sind mir und allen Sterblichen diese schweren Übel, über die ich vor dir seufze. Denn also sehe ich den Menschen, so weit die Geschichte reicht. Vor ihrer Pforte aber zeigt mir der Cherub mit dem Flammenschwert ein Menschenpaar, aus dessen Brust sie hervorgingen, und ihnen folgte der Anfang des Todes: Tränen, Wehen, Verbrechen und zweifacher Tod, als ein schreckliches Geleit, das auf alle ihre Nachkommen sich vererbte.

 

3. Unendliche Majestät, kein Schatten der Ungerechtigkeit ist in dir. Nur zu deiner eigenen ewigen Verherrlichung konntest du, aller Wesen Ursprung und Ziel, erschaffen. Und voll wurde die Summe deiner Verherrlichung, ob der Mensch stand oder fiel, denn was deiner Rechten entfloh, das fiel in deine Linke. Erleuchtet hattest du den Menschen mit dem Licht deines Antlitzes, bewaffnet mit ursprünglicher Gerechtigkeit. Aber nicht reichen konntest du die Siegeskrone dem Untreuen, der im notwendigen Prüfungskampf nicht bestand. Zur Seite hast du ihm gestanden, ihn zu krönen, wenn er siegt, zu heilen, wenn er fällt. Und deine unermessliche Barmherzigkeit bereitete dem Gefallenen einen überreichlichen Quell des Heils und der Erlösung. Rufen wir mit dem Psalmisten: "Herr, erbarme dich meiner und heile meine Seele, denn gesündigt habe ich vor dir."

 

Die heilige Kümmernis

 

Im Mittelalter war St. Kümmernis (auch St. Wilgefort genannt) eine hochverehrte Heilige in Südtirol, zu der die Gläubigen mit allen geistigen und leiblichen Nöten (Kümmernissen) kamen, besonders Liebende nahmen gerne ihre Hilfe in Anspruch.

Legende: St. Kümmernis war die Tochter eines heidnischen Königs von Sizilien. Sie bekehrte sich zum christlichen Glauben. Der Vater wollte sie mit einem heidnischen König verheiraten, doch die Heilige weigerte sich. Darauf ließ der Vater in den Kerker werfen und mit glühenden Zangen peinigen um sie umzustimmen. Doch St. Kümmernis bat Jesus, er möge sie so verunstalten, dass kein Mann sie zur Ehe begehre. Jesus erhörte sie und gab ihr das Aussehen eines Mannes. Der Vater, der darob erzürnt war, ließ sie mit einem elenden Rock bekleidet ans Kreuz schlagen. St. Kümmernis lobte Gott und predigte drei Tage lang vom Kreuz das Christentum, so dass sich sogar ihr Vater bekehrte. Zur Sühne baute er eine Kirche und ließ darin das Bild seiner Tochter aufstellen. 

 

Gebet

 

zur heiligen Jungfrau und Martyrin Wilgefort oder Kümmernis

in einem besonderen Anliegen zu sprechen (18. Jahrh.)

 

O du glorwürdige Martyrin und auserwählte Gespons Jesu Christi, heilige Kümmernis! mit großem Vertrauen fliehe ich zu dir, und mit herzlicher Andacht rufe ich dich um deine Hilfe und Fürbitte an. Du weißt und siehst in Gott, in was für einem großen Anliegen ich stecke, und wie mein betrübtes Herz mit so viel Qual und Kümmernis erfüllt ist. Dieses mein großes Herzeleid lege ich vor deinem Kreuze nieder, und bitte, du wollest es mit gnädigen Augen ansehen, und die Betrübnis lindern. Du kannst mich gar leicht von dieser meiner Qual erretten, weil dir dein liebster Bräutigam Jesus Christus keine billige Bitte zu versagen versprochen hat; denn, als du am Kreuz hangend ihn batest, dass er alle Notleidende, die deine Marter ehren, und dich um deine Fürbitte anrufen werden, von ihren innerlichen und äußerlichen Anliegen und Betrübnissen erretten wolle, hat er deine Bitte erhört, und dein Begehren durch eine himmlische Stimme bekräftigt. Eja dann, o liebe heilige Kümmernis! ich bitte dich, durch deine heilige Jungfrauschaft, durch dein heiliges tugendhaftes Leben, und durch deine schmerzliche Annagelung an das Kreuz, erhöre meine demütige Bitte, und tröste mich in meiner großen Betrübnis; ich werde nicht nachlassen zu dir zu seufzen, und dich mit meinem ungestümen Bitten und Begehren zu plagen, bis du dich endlich meiner erbarmst, und mich von meiner Herzens-Betrübnis erledigst. Ich verspreche dir entgegen, dass ich gegen dich allzeit ein dankbares Gemüt tragen, dich lieben und ehren werde. Verlasse mich nur nicht, o meine auserwählte Patronin! sondern sende mir einen Trost, den ich von dir hoffend mich deinem Schutz und Gnade ganz und gar ergebe. Amen.

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Über die Heiligen der Kirche

 

Obgleich die verklärten Freunde Gottes, die wir als Heilige ehren, schon lange vorher diese Erde verlassen haben, ehe wir sie erblickten, obgleich sie zu Tausenden schon in den ersten Zeiten des Christentums den siegreichen Tod der Blutzeugen starben, einen Tod besser als alle Leben, weil er Wiedergeburt bedeutet zum wahren Leben, obgleich diese Seligen schon lange den Tag der Verherrlichung sehen, der ewig nicht aufhört und nicht wechselt: so sind wir dennoch mit ihnen in einer zwar unsichtbaren, aber engen und heiligen Verbindung. Sie sind Freunde Gottes, und wer ist ein Christusjünger, ohne ein Freund Gottes zu sein?

Sie sind Glieder des Leibes Christi – wir sind es auch!

Was die Heiligen besitzen, das erwarten wir.

Was sie nicht mehr verlieren können, können wir erlangen.

Sie schauen von Angesicht zu Angesicht, wir schauen wie in einen Spiegel.

Sie sehen und wir glauben.

Sie besitzen und wir hoffen.

Sie lieben und – was für ein schöner Gedanke! – auch wir lieben, lieben denselben Vater.

Sie lieben weil sie heilig sind, wir lieben, um heilig zu werden.

Und diese Liebe, die die Seele des gesamten Christentums ist, sie ist das starke Band, das die Kämpfer auf Erden mit den Siegern im Himmel verbindet. Darum schreibt der heilige Paulus an die Epheser: „Ihr seid Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes“.

 

Wir wollen an jedem Tag dem Herrn für die seinen Heiligen erwiesenen Gnaden danken. Wir wollen uns bemühen, ihre Tugenden nachzuahmen. Wir sehen von der Kirche uns vor Augen gestellt die zahllose Schar der Heiligen jeden Alters, jeden Geschlechts und jeden Standes. Vereinigen wir uns mit ihnen im Lobpreis Gottes, danken wir mit ihnen dem Herrn, dass er so mächtig seine Barmherzigkeit an ihnen und an uns erwiesen hat.

 

An allen Festen, die wir zu Ehren der Heiligen begehen, bezieht sich aber die höchste Verehrung immer auf Gott. Die den Heiligen erwiesene Ehre bezweckt nichts anderes, als Gott allein zu preisen, da von ihm die Heiligen all ihre Vorzüge und Tugenden erhalten haben. Und wenn wir zu ihnen beten, wollen wir nichts anderes, als dass sie beim Herrn unsere Fürsprecher sein mögen. Die Heiligen ehren, heißt also nichts anderes, als Gott in ihnen und durch sie ehren, es heißt nichts anderes, als Jesus Christus, den Gottmenschen, den Weltheiland, den König aller Heiligen, die Urquelle ihrer Heiligkeit und Herrlichkeit ehren, denn in seinem Blut haben sie ihre Gewänder gewaschen, ihm haben sie ihre Reinheit und den Glanz ihrer Herrlichkeit zu verdanken. Ihre Tugenden betrachten wir als Nachgebilde dieses göttlichen Urbildes, als Abdrücke seiner Tugenden in ihnen durch die Ausgießung seines Geistes und seiner Gnade.

 

Jede der an Jesus Christus hervorleuchtenden Tugenden finden wir an irgendeinem Heiligen nachgebildet: Wir bewundern

sein verborgenes Leben in der gänzlichen Weltabgeschiedenheit der Einsiedler,

seine makellose Reinheit an den Jungfrauen,

seine Geduld und Menschenliebe diesen Heiligen,

seinen Eifer an jenen Heiligen,

an allen Heiligen schließlich irgend einen Grad jener Fülle aller Tugend und Heiligkeit, die nur ihm, dem Allerheiligsten, eigen ist.

 

Doch nicht nur Nachgebilde des Lebens und Geistes Jesu sind die Tugenden der Heiligen, sie sind auch der Preis seines Blutes, sie sind seine Gaben, seine Gnaden. Wenn wir also die Heiligen verehren, ehren wir den Urheber alles Guten selbst, so dass man mit Recht sagen kann, alle Feste der Heiligen sind zur Ehre Gottes und besonders zur Verehrung unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus eingesetzt.

 

Wenn wir also die Feste der Heiligen feiern, soll unsere Andacht hauptsächlich darin bestehen, dass wir Gott loben und ihm danken für die unendliche Güte, die er so glänzend an seinen Auserwählten bewiesen hat, und dass wir uns zum Lob Gottes mit diesen seligen Himmelsbürgern vereinigen.

Wie viele heilige Frauen und Männer haben der Welt und ihren Vergnügungen entsagt, um sich ganz Gott hinzugeben. Darin schöpfen alle Dienerinnen und Diener Gottes ihre Kraft, mit der sie auf dem Glaubensweg voranschritten, darin finden sie eine übergroße Freude und auch Genuss hier und in der Ewigkeit. Zwar können auch die Heiligen nicht, Gott unausgesetzt mit Mund und Herz hier auf Erden loben, aber sie streben doch nach diesem einzigartigen Ziel mit aller Sehnsucht ihres Herzens.

 

Neben den lieben Heiligen, preisen wir Gott und danken ihm schließlich für alle Geschöpfe, die er seit der Zeit, als er die Welt aus dem Nichts ins Dasein gerufen hat, und für alles Wundervolle und Schöne, das er in ihnen und für sie wirkte. Daher loben und preisen der Psalmist und die Propheten so oft die Wunderwerke des Herrn und laden alle Geschöpfe ein, seinen heiligen Namen zu verherrlichen. Vor allem aber ist der Herr wunderbar in seinen Heiligen. Mögen Reiche durch Umwälzungen zu Grunde gehen, mögen Städte zerstört und Völker vertilgt werden, der Herr hat nichts anderes im Auge, als das Heil seiner Auserwählten. Durch verborgene aber wunderbare Fügung seiner Weisheit wirkt er denen, die ihn lieben, alles zum Guten (Röm 8,28). Für sie wird er am Weltende die bösen Tage abkürzen (Mk 13,20). Zu unserer Heiligung hat er seinen Sohn auf die Erde gesandt, für uns wurde er geboren, für uns verkündete er seine Lehre, wirkte Wunder, für uns vollbrachte er die hohen Geheimnisse, setzte er die Sakramente ein, opferte am Kreuz sein Leben hin, für uns stiftete er auf Erden seine Kirche, die Gemeinschaft der Heiligen, und gab ihr seinen immerwährenden Beistand. Was für erstaunliche Werke tut der Herr, um einen Sünder zu suchen, um eine Seele zu heiligen! Aus nichts sonst leuchtet mehr die Güte und die Barmherzigkeit und die Macht Gottes hervor, als aus dem unbegreiflichen Erlösungswerk! Die Erschaffung des Weltalls kann mit dem Heil EINER Seele, das durch den Tod Jesu bewirkt worden ist, nicht verglichen werden. Gleichwie er sorgte für das Heil aller Menschen, auf dass alle, die da wollen, gerettet werden, so sorgt er täglich für das Heil eines jeden. Wer vermag es auszusprechen, wie liebevoll der Herr über jeden einzelnen seiner Auserwählten wacht, mit welchen Gaben er sie schmückt?:

Er erhebt sie zu einer erstaunlichen Würde,

er nimmt sie unter die Gesellschaft seiner Engel auf,

er macht sie sogar zu Miterben und Geschwistern seines Sohnes,

er hat sie teuer erkauft aus der Sklaverei des Teufels,

er hat sie dem Los der Verwerfung entzogen,

er hat sie von ihren Sünden gereinigt,

er hat sie mit dem Schmuck seiner Gnade und Schönheit überhäuft,

er hat sie mit Herrlichkeit gekrönt,

er hat Leiden und Tod für sie erduldet!

O unbegreifliche Güte des unendlich Gütigen und Liebevollen! „Kostbar sind vor dir, o Herr, deine Freunde, hoch erhaben ist ihr Haupt!“

Wir haben zwar keine Angst vor dem Wort des Herrn: „Seid heilig, weil ich heilig bin!“, aber:

„Des Menschen Leben auf der Erde ist ein Kampf!“ Das sprach schon der fromme, in den Prüfungen geläuterte Hiob. Dies ist es auch für uns, dies war es für die Heiligen. Täglich haben wir zu kämpfen gegen den Andrang der Versuchungen, täglich überzeugen wir uns mehr von unserer Schwachheit, von unserem Wanken im Guten, und jeden Augenblick werden unserem Heil Hindernisse in den Weg gelegt. Darum sagt auch der heilige Petrus: „Seid nüchtern und wachet; denn euer Feind, der Teufel, geht wie ein brüllender Löwe umher, und sucht, wen er verschlinge.“ (1 Petr 5,8) Schweren und harten Proben sind wir Menschen ausgesetzt. Es kommen über uns die Stunden des Leidens und der Mutlosigkeit, es fallen gewaltige Versuchungen über uns her, Neigungen, die unser Herz nicht will, und denen wir uns doch kaum entwinden können. Es wütet in unserer Seele ein Sturm, dass wir den Mut sinken lassen möchten. Aber verzweifeln wir nicht! Gott ist uns in solchen Augenblicken näher, als wir ahnen, und auf ihn gestützt ist unsere Kraft mächtiger, als wir glauben. Dies sind die Stunden, in denen der Herr uns prüft, in denen die Tugend sich bewährt, dies sind die Kämpfe, durch die wir unsere Heiligung erringen. „Wie im Feuer das Gold geläutert wird und das Silber, so der Mensch im Ofen der Trübsale, und selig der Mensch, der die Prüfung besteht; weil er sich bewährt hat, empfängt er die Krone des Lebens.“ Wer uns die Trübsale schickt, gibt uns auch den Mut sie zu tragen. Der die Versuchungen über uns kommen lässt, verleiht uns auch die Kraft, sie zu besiegen. Und der uns als seine Kämpfer unter die Fahne des Kreuzes stellt, macht uns auch teilhaftig des Sieges und der Verherrlichung des Kreuzes.

 

Und mussten denn die Heiligen keine solchen Kämpfe bestehen?

Waren sie frei von all den niederschlagenden Beschwerlichkeiten des menschlichen Lebens?

Blieben sie verschont von all der Lust zur Sünde?

Wenn das so wäre, dann könnten sie nicht heilig sein! Denn heilig wird nur, der selbst durch Gott seine Heiligung wirkt. Würdig der Verherrlichung kann nur der sein, der mit dem Sohn Gottes duldete und erniedrigt wurde. Den Lohn der Tugend kann nur der erlangen, der sie bewährte durch den Bruch des Gesetzes der Sünde und des Fleisches. Und dieses Vollbringen geben uns der Geist Gottes und das Wort Gottes.

 

Aber ist der Mensch nicht doch zu schwach für diesen Kampf und zu gebrechlich? Jesus selbst sagte ja: „Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.“ Freilich ist der Mensch schwach, und sogar schwächer als er oft meint und weiß, „aber denen," so heißt es, „die Gott lieben, gereichen alle Dinge zum Guten“. Jesus Christus sei uns alles in allem, und wir werden in allem nichts suchen und nichts finden als ihn. Anhaltendes Streben führt nach und nach zur Vollkommenheit. Nach und nach ziehen wir den alten Menschen aus und ziehen an unseren Herrn Jesus Christus. So taten es die Heiligen. Auch sie waren Menschen, wie wir, in der Sünde geboren, wie wir, mit all den Schwachheiten und Gebrechen angetan, die auch wir fühlen. „Auch ich bin nicht hart wie Stein“, sagte Hiob, „auch mein Fleisch ist nicht von Erz“. Aber diese Heiligen wendeten sich mit ganzem Herzen zu Gott. Wo ihre Natur je schwach war, da half die Hand Gottes. Wo ihre Kraft versagte, da war die Gnade. Und so taten sie Dinge, die wir nicht begreifen, weil wir den Geist nicht kennen, der in ihnen wirkte. Und so übten die Heiligen Tugenden, die wir nur bewundern, weil wir diesen Geist nicht besitzen. Sie verachteten die scheinbare Glückseligkeit der Welt und der Sünde, weil sie die wahre Glückseligkeit suchten. Sie waren glücklich, weil sie dem weltlichen Glück aus dem Wege gingen. Sie schienen sich selbst gar nicht zu mögen, weil sie sich liebten, sie schienen der Welt tot, weil sie lebten, denn sie liebten und lebten in Gott und in der Tugend.

 

Einwände:

Wir haben so viele Dinge zu tun und Beschäftigungen, die es nicht zulassen, oft an Gott zu denken.

Wir können doch nicht alle in Einöden oder Wüsten gehen, unser Leben mit Tränen und Buße zubringen, wie die Einsiedler.

Wir können uns nicht alle in Klöster einschließen, um nur der Betrachtung und dem Gebet zu leben, wie die vielen Ordensleute früherer Zeiten.

Wir können auch nicht auf Säulen stehen und dort oben unter freiem Himmel unsere Jahre dahinbüßen, wie ein Stylit.

Nein! Nicht in den Einöden und Wüsten allein wohnt die Heiligkeit, nicht in die Klöster ist sie verschlossen, nicht auf Säulen büßt sie – in den Herzen wohnt sie, in der Liebe Gottes, im christlichen Leben und Sterben.

Unser Herz ist die heiligste Einsamkeit, wenn nur Gott in ihm wohnt.

Unser Herz ist die heiligste Entsagung, wenn es entsagt der mutwilligen Sünde.

Unser Herz ist die heiligste Buße, wenn es traurig über das Böse und demütig vor Gott ist.

Nicht all die Taten der Heiligen sollen wir nachahmen, sondern ihren Sinn.

Nicht all ihre Handlungen sollen wir uns zum Beispiel nehmen, sondern mit ihrem Geist uns durchdringen.

Dies können wir in jedem Augenblick und an jedem Ort und bei jedem Tun, denn überall und immer haben wir uns selbst, überall und immer haben wir Gott.

 

Aus den zwölf Stämmen Israels (Offb 7,4 ff) und aus allen Völkern, ohne Unterschied zwischen ihnen, hat der Herr seine Heiligen erwählt. Es sind unter ihnen Menschen aus jedem Alter, weil jegliches Alter zum Himmel gelangen kann, aus jeglichem Stand, weil kein Stand, kein Beruf, keine Abstammung der Heiligkeit im Weg steht. Die einen saßen auf Thronen, die anderen lebten in dunkler Verborgenheit. Einige waren Soldaten, andere lebten im Gewirr des Handels, waren Arbeiter oder Bauern. Wieder andere waren Regierende oder hatten hohe Ämter, andere waren im Dienst der Kirche. Und wieder andere lebten als Einsiedler oder im Kloster, als Jungfrauen und Verheiratete, als Witwen und Sklaven. Mit einem Wort, es gibt keinen Stand, der nicht seine Heiligen hat. Aber wie haben sie sich geheiligt? Jeder von ihnen erfüllte seine Pflichten im Beruf und in der Familie, jeder von ihnen benützte zu seinem Heil die gewöhnlichen Gegebenheiten seines Lebens, glückliche oder unglückliche Verhältnisse, Gesundheit wie Krankheit, Ehre wie Verachtung, Reichtum und Armut. Der Herr wirkt auf unendlich vielfältige Weise. Danken wir ihm dafür von ganzem Herzen.

 

Um aber den Eifer und das Streben nach dieser Seligkeit nicht aufzugeben, dürfen wir nie das Beispiel der Heiligen aus dem Auge verlieren. Die Betrachtung ihrer Heiligkeit und Unsterblichkeit wird uns schützen vor den Angriffen des Teufels und seinen Verführungen. Sie wird in uns einen heiligen Widerwillen gegen die trügerischen Vergnügungen dieses Lebens erwecken und uns mit Mut erfüllen. Die Heiligen haben uns durch ihr Beispiel den Weg vorgezeichnet, den wir gehen müssen. Sie waren, was wir sind, Pilger auf Erden. „Elias“, sagt der Apostel Jakobus, „war ein Mensch wie wir“ (Jak 5,17), ausgesetzt denselben Schwierigkeiten. Dennoch haben sie sich alle geheiligt. Umsonst suchen wir also nach Ausreden, nach Hindernissen in unserem Leben, die wir erst überklettern müssten. Die Heiligen befanden sich in denselben Umständen, und vielleicht in noch gefährlicheren. Wie viele hatten zu kämpfen gegen die Verlockungen der Unzucht, gegen die Versuchungen der Macht und Ehre und Größe und Kariere in der Welt, gegen die Verführungen der Schmeichelei, gegen die Ungerechtigkeit der Feinde, gegen die Schrecknisse der Gefängnisse und Folter, gegen die Wut der Verfolger, gegen die Grausamkeit der Schergen? Und sie siegten nicht nur über all diese Schwierigkeiten, sondern benützten sie sogar als wirksame Mittel zum Heil, indem sie dadurch wachsamer über sich selbst, eifriger im Gebet, enthaltsamer, bußfertiger und tätiger in der Ausübung der guten Werke wurden.

 

Wie wollen wir also unsere Schwachheit oder unsere Verhinderungen entschuldigen? Die Heiligen waren aus derselben Erde gebildet, wie wir. Aber sie kannten ihre Schwächen besser als wir. Sie vermieden alles, was das Feuer ihrer Leidenschaften entflammen konnte. Sie mieden die Gelegenheiten zu Sünde. Sie begründeten sich immer mehr in der Demut. Dadurch siegten sie über sich selbst, über ihre inneren Feinde und über ihre Feinde von außen. Es liegt nur an uns, auf dieselbe Weise dieselbe Vollkommenheit zu erreichen. Das Blut Jesu Christi ist für uns, wie für sie vergossen worden. Die Gnade des Erlösers mangelt uns nicht, wie sie ihnen nicht mangelte, aber wir wollen sie oft nicht benützen. Wenn Schwierigkeiten und Hindernisse uns entgegenstehen, wenn Versuchungen uns schrecken, wenn die Feinde unseres Heils uns anzufallen drohen, verlieren wir den Mut nicht, sondern verdoppeln wir vielmehr unser Vertrauen, mit Josua zum Herrn rufend: „Der Herr ist mit uns, was sollten wir fürchten?“

 

Wenn uns die Welt verfolgt, so erinnern wir uns, dass die Heiligen sie bekämpft haben und siegreich aus allen Kämpfen hervorgegangen sind.

Wenn unsere Leidenschaften sich heftig in uns empören, so hat uns Jesus Waffen gegeben sie zu unterwerfen, und sie unter der Gewalt des Heiligen Geistes zu unterwerfen.

Was haben viele Heilige nicht alles erlitten! Aber sie widerstanden, wie der heilige Johannes der Täufer, ihren Anfällen durch Wachen, Enthaltsamkeit und stille Zurückgezogenheit. Der Herr ließ sie den Sieg über diese Feinde ihres Heils davon tragen.

Folgen wir also den Heiligen mutig nach. Lernen wir von ihnen mit Geduld unser Kreuz tragen, der Welt und uns selbst entsagen, ein Leben der Arbeit, des Gebets und der Buße führen. Wir stürzen uns ins Verderben, wenn wir einen anderen Weg gehen, wenn wir den Weg durch die weite und bequeme Pforte wählen.

 

Es gibt nur einen Gott, einen Erlöser, ein Evangelium, ein Paradies. Es gibt nur ein Gesetz, und das ist unwandelbar. Es ist ein sehr gefährlicher Irrtum zu glauben, die in der Welt lebenden Christen seien nicht gehalten, nach Vollkommenheit zu streben, oder könnten auf einem anderen Weg als die Heiligen zur himmlischen Seligkeit gelangen. Man redet sich gern nach dem Beispiel der Menschenmassen ein, es gebe einen Mittelweg zum Himmel, sozusagen einen Weg der „normalen Christen“, und auf diesem Mittelweg glaubt man mit der einen Hand auf dem Altar Gottes den Weihrauch zu opfern und mit der anderen nach der Weltlust greifen zu können. Dieser irrigen Meinung zufolge, obgleich die Welt dem Evangelium nicht folgt, bemüht man sich die Grundsätze der Welt mit den Aussprüchen des Erlösers zu vereinbaren. Als wenn im Tempel Gottes dem Laster ein Altar gebaut werden könnte. Man vergisst scheinbar, dass die von Jesus uns gegebene Lehre alle ohne Unterschied angeht, die sich als Christen bekennen. Alle müssen nach dem Geist Jesu streben und sein Leben in sich nachbilden. Davon hängt unser Heil ab, davon hängt die Teilnahme an seiner Herrlichkeit ab. In dieser Beziehung gibt es keinen Unterschied ob unter den Geistlichen, den Ordensleuten und den Weltleuten. Das Gesetz ist allgemein. Der Unterschied liegt nur in den Mitteln. Alle müssen sich heiligen und für die Welt verloren sein. Wenn man allerdings das Leben der meisten Christen untersucht, findet man da den Kampf gegen die Leidenschaften? Herrscht der Geist Jesu Christi in ihren Herzen, beseelt er ihre Handlungen? Bemerkt man in ihrem Leben nicht mehr den Geist der Welt, die Ehrabschneidung, den Neid, den Zorn, die Rachsucht, die Eitelkeit, die Weltliebe, den Stolz, die Ehrsucht? Vergeblich möchten sie vorbringen, dies seien Fehler, die jedem passieren, Fehler, von denen man überrascht wird. Es sind Leidenschaften von denen ihr Herz beherrscht ist. Vergebens werden sie sich eines geordneten Lebens, des öfteren Kirchenbesuchs oder der Spendentätigkeit rühmen, all dies ist unvollkommen: so lange ihnen die Grundlage des Glaubens mangelt, so lange ihre Leidenschaften nicht überwunden sind, haben sie jenen wahren Geist des Christentums nicht, der das Kennzeichen aller Heiligen ist.

 

Wenn wir das Leben der Heiligen Gottes betrachten, welchen Eifer, welche Gottseligkeit erblicken wir da! Mit welcher ehrfürchtigen Aufmerksamkeit hörten und erforschten sie das göttliche Wort? Mit welcher glühenden Andacht betrachteten sie das Gesetz des Herrn! Wie suchten sie ihr Leben nach jedem Wort des Evangeliums einzurichten! Mehr wussten sie, als alle Wissenschaften lehren können, wenn sie den Weg zur Seligkeit wussten, den keine Wissenschaft zeigen kann, als allein die Wissenschaft des Heils. Weiser waren sie als alle Weisen der Welt, wenn sie die Weisheit der Demut besaßen, gegen die jede andere Weisheit nichts als Torheit ist. Glücklicher waren sie, als alle Glücklichen, wenn sie das Glück der göttlichen Liebe genossen, gegen das jede Erdenfreude eine Marter ist. Und mit dieser Wissenschaft ausgerüstet, und mit dieser Weisheit erleuchtet, und von dieser Liebe beseelt, verachteten sie den Spott und die Ehren der Welt, und priesen sich selig, um des Kreuzes willen verachtet, um ihres Heilandes willen verfolgt und getötet zu werden. Aber wo ist unter uns diese Beachtung des Gesetzes des Herrn? Wo das Streben nach der Vollkommenheit des Evangeliums? Wo der unermüdliche Eifer, sich nach dem Beispiel des Gottessohnes zu bilden? Viele sind sicher erkaltet, viele schlafen, viele schämen sich auch des Evangeliums, schämen sich ihres Heilands!

 

Unrecht wäre es sich über die Strenge und Schwere des Gebots der Nachfolge Jesu Christi beklagen zu wollen. Hängt es denn von uns ab, den Weg zu erweitern, den uns der Herr als schmal angegeben hat? Man stößt ohne Zweifel auf Schwierigkeiten. Aber wer von Mut erfüllt ist, wird sie besiegen. Und sollte der Himmel, der die Heiligen so viel kostete, uns umsonst gegeben werden? Erwirbt man sich denn so ganz ohne Mühe auch nur einige zeitliche Vorteile? Nein, denn die wahre Freiheit und die Seelenzufriedenheit werden erst die Früchte der ernsthaften Nachfolge Jesu sein. Diese und andere Schätze sind dann die Stützen der Gläubigen auch in den härtesten Prüfungen.

 

Vergleichen wir einmal die mächtigen Herrscher auf Erden, die Regierenden mit einem demütigen Diener, einer demütigen Dienerin Gottes.

Die Macht, der Reichtum, die Eitelkeit und die Leidenschaften machen das eingebildete Glück der Regierenden aus. Die Menschen drängen sich, ihnen zu schmeicheln und zu gehorchen und kommen ihren leisesten Wünschen zuvor. Die Regierenden genießen das ihnen guttuende „Bad in der Menge“. Wellness der Politiker!  Die Menschen sinken vor manchen Staatslenkern in Ehrfurcht auf ihre Knie. Auf ihren Befehl rücken Kriegsheere aus, werden Länder verwüstet, oder müssen Menschen ihr Leben lassen. Ein Blick, von ihnen ausgegangen, kann schon harte Strafe sein, ein kleiner Wink, eine Belohnung. Und kaum einer wagt es, Rechenschaft von ihnen zu fordern, sondern naht sich glücklich und fühlt sich hochgeehrt, wenn Regierende sich würdigen ein sogenanntes „Selfie“ mit einem armen Schlucker vom Volk zu gestatten oder ein Autogramm zu geben. Wenn ein Regierender sich würdigt, die Huldigungen des Volkes anzunehmen, die sich dafür abmühen gleich Sklaven, dann ist in seinen Augen zu lesen, welche Art Opfer er von ihnen erwartet. Dies ist, was die Welt bewundert.

Doch nur die Dienerinnen und Diener Gottes genießen Unabhängigkeit und Freiheit. Sie sind nur mit ihrer Pflichterfüllung beschäftigt. Gefasst in widrigen Schicksalen, erheben sie sich über alle menschlichen Rücksichten, weil sie losgetrennt sind von der Welt, ohne jedoch der Liebe entfremdet zu sein, die sie hinzieht, am Glück und Unglück ihres Nächsten teilzunehmen. Angriffe und Beleidigungen bringen sie nicht aus der Fassung, sie benützen sie vielmehr als Mittel, auf dem Pfad der Nachfolge Jesu immer weiter voranzuschreiten.

Die Unruhen und Mühsale eines Regierenden steigen mit seiner Macht. Und diese Macht gibt gewöhnlich den Leidenschaften eine größere und drückendere Herrschaft. Und hängt denn übrigens seine Größe und Macht nicht selbst von den anderen Menschen ab, deren Gunst so wandelbar ist? Will er als Tyrann herrschen, so muss er versichert sein, beinahe ebenso viele geheime Feinde, als Untertanen zu haben; will er sich durch seine Milde und Freundlichkeit beliebt machen, wird er nicht ein blindes und undankbares Volk finden, dass vielleicht seine Wohltaten missbraucht. Schließen wir hieraus auf die Hinfälligkeit der weltlichen Regierenden. Haben vielleicht ihre Reichtümer besseren Bestand? Oder sind sie nicht vielmehr die Ärmsten unter den Menschen, da ihre Bedürfnisse größer und ihre Begierden unersättlicher sind? Der Reichste ist der, der am wenigsten Bedürfnisse hat, der nicht weiter begehrt, und mit der Lage, in der er sich befindet, zufrieden ist. Die Vergnügen eines Regierenden in Politik oder Wirtschaft sind eben nicht die größten, weil er sich diese leichter als andere Menschen verschaffen kann. Und in der Tat die Freuden der Welt bestehen hauptsächlich im Streben danach. Oder doch, je mühevoller das Streben war, desto höher wird ihr Wert angeschlagen. Ist ein Regierender nicht tugendhaft, so ist sein Herz der elendste Spielball der Leidenschaften, die ihn beherrschen. Tausend kummervolle Sorgen vergiften ihm jede Freude und jeden Genuss. Aman, der unter seines Königs Namen dem Perserreich gebot, verlebte seine Tage in bitterer Traurigkeit, weil der Jude Mardochäus am Thron des königlichen Palastes stets seine Knie nicht vor ihm beugte. So macht das geringste Hindernis, ihre Leidenschaften zu befriedigen, die Bösen unzufrieden und unglücklich. Ihre Vergnügen sind nur Eitelkeit. Die falsche Freude, die ihnen eine vorübergehende Befriedigung ihrer Leidenschaften gewährt, entschwindet bald, um quälenden Unruhen Raum zu geben. Und diese Unruhen sind, eben weil sie vor den anderen Menschen verheimlicht werden müssen, nur desto drückender. Wie viele, die den Gipfel menschlicher Ehren erstiegen haben, sind sich selbst eine unerträgliche Last?

 

Schließen wir hieraus mit dem heiligen Chrysostomus, dass man nicht in den menschlichen Leidenschaften das Glück suchen darf. Eine Wahrheit, die auch durch die Aussprüche der ewigen Weisheit bestätigt wird, die uns zugleich lehrt, dass nur der wahrhaft glücklich ist, der sich auf dem Weg der Nachfolge Christi befindet. Nur dieser Weg führt uns zum Glück, und gewährt uns schon auf der Erde die höchste Seelenzufriedenheit, zu der wir hier bereits fähig sind.

Wir rühmen uns, sagt der heilige Paulus, wir rühmen uns in der Hoffnung auf die Herrlichkeit der Kinder Gottes. Würde sich uns, wie einem Johannes, der Himmel sich öffnen, würden wir schauen können diese Herrlichkeit der Heiligen, die da um den Thron des Lammes stehen und heilig, heilig singen, die da rufen mit den Engeln in himmlischer Freude: Preis dem Lamm, das für uns getötet wurde, Preis und Ehre und Verherrlichung und Macht in alle Ewigkeit! Doch kein unverklärtes Auge kann die Herrlichkeit der Verklärten schauen. Kein Ohr hat es gehört, kein Auge gesehen, in keines Menschen Herz ist es gekommen, was der Herr denen aufbewahrt, die ihn lieben. Dort in dem Reich der Seligen drohen keine Gefahren mehr, lockt keine Verführung mehr zur Sünde; dort sind alle Anstrengungen, alle ängstigenden Sorgen verschwunden.

 

Selig sind dort die Armen im Geist, denn sie besitzen die Schätze des Himmels; selig dort die Sanftmütigen, wenn sie schauen denjenigen, der einst sagte: lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und demütigen Herzens; selig, die da weinten und trauerten auf der Erde, denn sie genießen den ewigen unwandelbaren Trost; selig dort, die da Durst hatten nach Tugend und Gerechtigkeit, denn sie empfangen ihren Lohn, den Lohn der Tugend aus den Händen des Richters; selig, die da Barmherzigkeit übten, denn sie preisen ewig die Barmherzigkeiten Gottes in der Gemeinschaft der Heiligen; selig, die im Leben ein reines Herz hatten, denn sie leben und lieben in dem, den kein Unreiner schauen wird; selig die Friedfertigen, denn sie sind die Kinder Gottes, denen das ewige Wort selbst Frieden auf die Erde brachte; selig dort, die da Verfolgung leiden mussten ihres Glaubens wegen, denn der Herr trocknet alle Tränen von ihrem Angesicht; selig dort alle, die da kämpften und duldeten, glaubten und hofften, die da starben um Christi willen, denn Friede und Verherrlichung ist ihr Anteil, und übergroß ihr Lohn im Himmel. Vorüber sind die Stürme der Versuchungen, und sie genießen den Lohn des Sieges. Vorüber ist der Schmerz der Prüfungen, und sie genießen die Freude der Bewährung. Vorüber sind alle die Stürme des Leidens, und sie genießen einen ewigen seligen Tag. An den sie glaubten, sie schauen ihn; auf den sie hofften, sie besitzen ihn; den sie liebten mit der Liebe der Aufopferung, sie lieben ihn mit der Liebe der Vergeltung und kosten in diesem Schauen, Besitzen und Lieben die namenlose Freude der ewigen Liebe. Möge jener herrliche ewige Tag der Vergeltung uns allen aufgehen, den keine Nacht verdunkelt, den die Herrlichkeit Gottes erleuchtet! Möge er uns aufgehen dieser wunderbare freudige Tag, der sich nicht wandelt und nicht wechselt und nicht untergeht! Er leuchte uns ewig in seiner unwandelbaren Schönheit. Ja, er leuchte uns einst, dieser große Tag, den die Heiligen schauen, er leuchte uns allen, dass wir dort in der Gemeinschaft der Heiligen bei Gott das ewige Fest feiern, die wir uns als ihre Verehrer bekennen.

 

Der heilige Bernhard sagt:

„Unser und nicht der Heiligen Vorteil ist es, dass wir ihr Andenken ehren . . . Ich denke nie an sie, ohne in mir ein glühendes Verlangen nach ihrer Gesellschaft, ihrer Glückseligkeit und ihrer Fürbitte zu empfinden. An die Heiligen denken, ist sie gewissermaßen sehen. Hierdurch finden wir uns unserem besseren Teil nach in das Land der Lebenden versetzt, wofern die Liebe dahin unsere Gedanken begleitet. Dort sind die Heiligen wirklich gegenwärtig, und wir sind durch unsere Wünsche bei ihnen. Ach, wann werden wir mit unseren Vätern vereinigt sein! Wann werden wir die Mitbürger der seligen Geister, der Patriarchen, der Propheten, der Apostel, der Märtyrer, der Jungfrauen sein? Wann werden wir den Chören der Heiligen beigesellt werden, das Andenken an einen jeden aus ihnen, ist, sozusagen, ein neuer Sporn, oder vielmehr eine Fackel, die das in unseren Seelen brennende Feuer vermehrt, so dass wir mit glühendem Verlangen nach dem Glück sie zu sehen, sie liebend zu umfassen, uns sehnen, und schon in ihrer Mitte zu sein glauben. Aus dem Ort unserer Verbannung vereinigen wir uns durch Seelenwünsche mit der ganzen Versammlung der Heiligen, bald diesen, bald jenen betrachtend. Wie groß wäre unsere Feigheit, wenn sich unsere Seelen nicht zu dieser heiligen Schar hinaufschwängen, wenn unsere Herzen nicht in beständigem Sehnen schmachteten? Die Kirche der Erstgeborenen ruft aus, und wir antworten nicht? Die Heiligen wünschen uns bei sich zu haben, und wir verachten sie . . . ? Kommen wir in glühendem Eifer den uns Erwartenden zuvor, beeilen wir uns in die uns erharrende Gesellschaft aufgenommen zu werden.“

Nach diesem spricht der Heilige von dem Verlangen nach der Seligkeit der Heiligen und von ihrer mächtigen Fürbitte:

„Erbarmt euch meiner, erbarmt euch meiner, ihr meine Freunde. Ihr kennt unsere Gedanken, unsere Gebrechlichkeit, unsere Unwissenheit und die Schlingen unserer Feinde. Ihr wisst, wie schwach wir und wie grimmig unsere Feinde sind. Ihr habt dieselben Versuchungen bestanden, ihr habt über dieselben Angriffe gesiegt, ihr seid denselben Schlingen entronnen. Was ihr selbst gelitten habt, hat euch mitleidig gemacht . . . Eure Herrlichkeit kann ohne uns nicht vollendet sein.“

Von der vielvermögenden Fürsprache der Heiligen, die wir besonders durch die Feier ihrer Feste uns verdienen sollen, sagt der heilige Bernhard Folgendes:

„Der mächtig auf der Erde war, ist es noch mehr im Himmel, vor dem Angesicht des Herrn. Wenn er während seines sterblichen Lebens die Sünder bemitleidete und für sie betete, warum sollte er jetzt nicht für uns beten, und zwar umso glühender, als er unsere Bedürfnisse und Armseligkeiten vollkommener kennt? Der Himmel hat dessen Gesinnungen nicht verändert, sondern dessen Liebe nur vermehrt. Obgleich des Leidens nicht mehr fähig, ist er doch noch allzeit des Mitleids empfänglich. Vor dem Thron der Barmherzigkeit stehend, muss er auch Barmherzigkeit fühlen.“