Heilige des Tages

 

Man kann die Taten der Heiligen und der Martyrer nicht lesen, ohne im Innersten angerührt zu werden. Sie sind unsere Vorbilder. Die Menschen, die einen anderen Weg gehen, als den der Heiligkeit und der Nachfolge Christi, sind schnell verzweifelt und ohne Hoffnung. Es gibt keinen Mittelweg für die Ewigkeit! Es gibt entweder die Glückseligkeit oder die Unglückseligkeit. Die Glückseligkeit ist der Lohn der Nachfolge Jesu und Mariä und aller Heiligen, die Unglückseligkeit der Lohn der Sünde und Lauheit. Wer auf Erden sich um Heiligkeit bemüht, wird zu der Zahl der Heiligen im Himmel dazugerechnet. Ich werde demnach in der Ewigkeit sein, der ich im Leben gewesen bin. Und für die Wahrheit dieser Gedanken steht eine Wolke von unendlich vielen Zeuginnen und Zeugen.

Matthias Hergert

 

23. April

 

Der heilige Georg, Hauptmann und Martyrer von Nikomedia,

+ 23.4.303 - Fest: 23. April

 

Georg war noch ein Kind, als sein Vater um des Glaubens willen hingerichtet wurde. Dass er der Sohn eines Martyrers war, galt ihm zeitlebens als eine Ehre ohnegleichen, und um nichts in der Welt hätte er es über sich gebracht, das Andenken des Heldenvaters dadurch zu schänden, dass er sich wie ein lauer Christ ohne Kraft und Saft aufführte.

 

Wegen seines hohen Mutes zog es den jungen Mann zu den Soldaten, und Soldat war er dann mit Leib und Seele. In einer Schlacht wurde Kaiser Diokletian auf den prachtvollen Krieger aufmerksam, der so männlich zu Pferde saß und so trefflich zu fechten musste. Deshalb zog ihn der oberste Kriegsherr an seinen Hof und überschüttete ihn mit Ehren und Auszeichnungen. Zwanzigjährig war Georg bereits Oberst. Eine glänzende Laufbahn tat sich vor ihm auf. Bald würde er wohl General werden und schließlich Feldherr, und am Ende würde er vielleicht, wie es damals Brauch war, von den Soldaten, die ihn vergötterten, zum Kaiser ausgerufen werden.

 

Doch das wäre ein vergänglicher irdischer Ruhm gewesen. Georg sollte sich einen noch weit herrlicheren Ruhm erwerben, denn wie sein Vater, so wurde auch er ein Martyrer.

 

Weise und gerecht hatte Kaiser Diokletian zwei Jahrzehnte lang segensvoll über das Römische Reich geherrscht. Nicht zu seinem Schaden hatte er die Christen in Ruhe gelassen. Am Ende seiner Regierung jedoch, nach unerhörten Siegen über viele Völker, gelüstete es ihn, auch noch die christliche Kirche zu vernichten und den Glauben an Christus mit Stumpf und Stiel auszurotten. Es war die größte Dummheit, die er begehen konnte, denn das Christentum ist für ewige Zeiten unausrottbar. Diokletian war leider so dumm.

 

Eines Morgens hingen an den Stadttoren, an den Amtsgebäuden und an den Kasernen große Plakate, auf denen verkündet wurde, dass die Christen aller Rechte und Würden enthoben seien, die Gotteshäuser müssten niedergerissen und die heiligen Bücher verbrannt werden, die Priester und Bischöfe seien zu verhaften, und alle Gläubigen hätten den Götzen Weihrauch zu streuen. Dem, der sich weigere, ständen Kerker, Folter und Tod bevor.

 

Auch Georg las die kaiserliche Verordnung, und während er las, loderte hell in seinem Herzen der Zorn auf. Spornstreichs begab er sich zum Kaiser und hielt ihm mit feurigen Worten das Unrecht vor, das er gegen die Christen begehe. Er selbst sei auch ein Christ und bereit wie sein Vater, für den wahren Glauben zu sterben.

 

Was der kühne Christusjünger begehrte, wurde ihm sogleich gewährt. Der aufs höchste erzürnte Kaiser ließ den ehemaligen Liebling noch am gleichen Tag foltern und enthaupten, und dadurch erhielt auch Sankt Georg wie sein Vater die herrlichste Ehre, die es für einen Christen geben kann.

 

Welch ein Held war doch der heilige Georg!

  

Der heilige Adalbert, Bischof von Prag und Martyrer zu Tenkitten,

+ 23.4.997 - Fest: 23. April

 

Adalbert oder Adelbert, aus einer der edelsten Familien in Böhmen entsprossen, wurde im Jahr 956 geboren und erhielt in der heiligen Taufe den Namen Woytiech, was in der slawischen Sprache so viel wie „Heereshilfe“ bedeutet. Sein Vater hieß Slaviks und war der Sohn eines Grafen von Libycze. Nach dem Willen der Eltern sollte Adalbert einst ihren adeligen Namen fortpflanzen. Aber Gott, der etwas anderes mit ihm vorhatte, ließ in seiner frühesten Kindheit eine Krankheit bei ihm zu, die ihn an den Rand des Grabes brachte. Die Eltern, in der Angst ihr Liebstes zu verlieren, nahmen ihre Zuflucht zur allerseligsten Jungfrau Maria, legten das kranke Söhnlein auf ihren Altar und gelobten, es im geistlichen Stand dem Dienst des Allerhöchsten widmen zu wollen, wenn Maria durch ihre mächtige Fürbitte ihm die Gesundheit wieder verschaffe. Ihr Gebet wurde erhört und der Junge wurde vollkommen gesund. In Anbetracht ihres Versprechens sendeten die Eltern den Jungen, sobald er das entsprechende Alter erreicht hatte, auf die damals hochberühmte Schule in Magdeburg, die der gelehrte Mönch Aderich leitete. Der junge Woytiech machte glänzende Fortschritte und gewann die Zuneigung des Erzbischofs Adalbert, der ihm in der heiligen Firmung als Pate seinen eigenen Namen beilegte. Diesen führte er von nun an beständig.

 

Im Jahr 979 kehrte Adalbert in seine Heimat zurück und brachte eine für jene Zeit ansehnliche Büchersammlung, insbesondere aus den Werken der heiligen Kirchenvätern bestehend, mit dahin. Zwei Jahre danach empfing er in Prag durch den Bischof Dittmar die geistlichen Weihen. Anfangs war sein Leben nicht so, wie es sich für einen Geistlichen gehört. Er liebte die Freuden der Welt mehr, als es sein Stand erlaubte, und vergeudete damit viel Zeit nutzlos. Doch bewahrte ihn der Herr durch seinen besonderen Schutz vor dem Unglück, in schwere Sünden zu fallen, und öffnete ihm durch ein erschütterndes Ereignis die Augen, dass er den Abgrund erkannte, vor dem er stand. Der Bischof von Prag erkrankte plötzlich und wurde auf dem Totenbett von nagenden Gewissensbissen über seine laue Amtsführung und seine Liebe zu Ehren und Reichtümern gepeinigt. Von schrecklicher Angst vor dem Gericht des Herrn ergriffen, stöhnte er verzweifelnd: „Wehe mir, ich unglückliches Schlachtopfer des Todes werde dem Ort nicht entgehen, wo das Feuer nicht erlischt und der Wurm nicht stirbt!“ Diese Szene, deren Augenzeuge er war, machte den tiefsten Eindruck auf Adalbert und bahnte ihm den Weg zur Heiligkeit. Auf der Stelle fasste er den Entschluss, den Eitelkeiten der Welt für immer zu entsagen und in Zukunft ein wahrhaft geistliches Leben zu führen. Und somit legte er eine Generalbeichte ab – sicher der beste Anfang einer gründlichen Besserung -, beweinte mit heißen Tränen der Reue alle Fehler, die er begangen hatte, und unterzog sich den strengsten Bußübungen.

 

Als nach Dittmars Tod zur Wahl eines Nachfolgers geschritten wurde und nicht nur Geistlichkeit und Volk, sondern auch Herzog Bodeslaus der Fromme mit allen Großen des Reiches sich zu diesem Zweck versammelten und Gott anriefen, „er möge ihnen zu erkennen geben, auf wen sie ihre Wahl lenken sollten,“ da kamen alle einstimmig überein, dass ihr Landsmann Adalbert der Würdigste für den bischöflichen Stuhl sei. Dieser aber, nicht weniger erstaunt als betrübt, wollte die Wahl durchaus nicht annehmen und berief sich auf seine Jugend, die ihn unfähig mache, andere zu leiten, da er vielmehr selbst noch eines Leiters bedürfe. Allein alle Entschuldigungen blieben fruchtlos. Die Wahl ging am 19. Februar 983 wirklich vor sich und es wurden gleich nach deren Beendigung Abgeordnete nach Verona an den Kaiser gesendet, um dessen Genehmigung einzuholen. Adalbert, der sich schmeichelte, der Kaiser werde ihn nicht bestätigen, war selbst unter den Gesandten. Aber seine Hoffnung wurde enttäuscht, die Wahl genehmigt und er von dem eben anwesenden Erzbischof Vigellis von Mainz, seinem Metropoliten, zum Bischof geweiht. Von dieser Stunde an bis zu seinem Tod sah man ihn nie mehr lachen. Fragte man ihn nach der Ursache, so erwiderte er: „Es ist freilich eine glänzende Sache, eine Insel auf dem Haupt, einen Stab in der Hand und einen goldenen Ring am Finger zu tragen; allein an jenem großen Gerichtstag wird sich zeigen, wie schwer alle diese Dinge sind.“

 

Seinen Einzug in Prag hielt er voll Demut und Bescheidenheit mit bloßen Füßen und das Volk bezeigte laut seine Freude darüber, einen so heiligen Oberhirten erhalten zu haben. Unverzüglich traf er alle Anordnungen, um das ihm gesteckte Ziel zu erreichen. Dem Gebet und dem Gottesdienst, den bischöflichen Verrichtungen und den übrigen Berufsgeschäften wurden gewisse Stunden festgesetzt und alle Augenblicke weise benützt; „denn“, sagte Adalbert, „was ich einst zu meiner Kurzweil getan habe, ist jetzt eine tiefe und schmerzende Wunde für mein Herz“. Dem neuen Bischof war eine große Aufgabe gegeben. Das Christentum hatte in Böhmen nur erst schwache Wurzeln gefasst; noch hingen viele dem Heidentum an und die meisten Christen zeigten nur wenig Sinn für ein Leben im Geiste Jesu, sondern schadeten ihrem Glauben durch Laster aller Art. Adalberts eifrigstes Streben ging nun dahin, den Aberglauben aus seinem Bistum völlig auszurotten und unter den Christen die Tugenden des Glaubens, der Liebe, der Keuschheit und Mäßigkeit zu erwecken. Dabei ging er durch sein eigenes Leben mit dem schönsten Beispiel voran. Er zerlegte die Einkünfte seines Bistums in vier teile. Der erste war für den Unterhalt seiner Kirche bestimmt, der zweite für die Verpflegung der Chorherren, der dritte für die Unterstützung der Armen und den vierten behielt er für sich und die Bedürfnisse seines Hauses. Aber auch hiervon verschenkte er das meiste an die Notleidenden und speiste überdies jeden Tag zwölf Arme zu Ehren der zwölf Apostel und eine noch größere Zahl an Festtagen. Keinen Bedürftigen ließ er ohne Gabe von sich gehen. Eines Tages, als ihn eine arme Frau auf der Straße um ein Almosen ansprach, bestellte er sie für den folgenden Tag in seine Wohnung, da er nichts bei sich hatte. Kaum aber hatte die Bettlerin sich einige Schritte entfernt, so bereute er seine abschlägige Antwort, rief sie zurück und reichte ihr eines seiner Kleidungsstücke mit den Worten: „Nimm dieses für ein Almosen! Denn wer weiß, ob ich morgen noch lebe.“ Für sich verwendete der Heilige nur das Allernotwendigste. In seinem Zimmer stand ein einfaches Bett, aber nicht einmal darin schlief er, sondern auf dem bloßen Erdboden. Seinen Leib tötete er durch strenges Fasten und lange Nachtwachen ab. Beinahe jeden Tag predigte er und besuchte die Kranken und Gefangenen.

 

Leider blieben alle seine Bemühungen fruchtlos. Ein allgemeines Sittenverderbnis hatte im Land überhandgenommen; Vielweiberei und blutschänderische Ehen waren nicht selten, die Festtage wurden nicht gefeiert, die sonstigen Kirchengebote nicht geachtet, die schändlichsten Laster ohne Scheu begangen. Selbst die Geistlichkeit, die sich dem Verderben hätte entgegen setzen sollen, lebte in sündhaften Verbindungen, und so stand der Heilige beinahe ganz verlassen und musste Böses aller Art ertragen. Die Böhmen beschwerten sich über die allzu große Strenge ihres Oberhirten, trotzten ihm, ja sie erregten gegen ihn zu Prag einen Aufruhr, wobei sie alle Ehrfurcht vergaßen und ihn öffentlich verhöhnten. Überzeugt, dass er es mit einem unverbesserlichen Volk zu tun habe, das seinen Ausschweifungen durchaus nicht entsagen wolle, entschloss er sich, Böhmen zu verlassen, wo er doch nichts Gutes wirken konnte, und ging 989 mit bekümmertem Herzen nach Rom, um die Gräber der heiligen Apostel zu besuchen und sie um ihre Fürbitte anzusprechen. Zugleich stellte er dem Papst Johann XV. seine traurige Lage vor und erbat sich von ihm die Erlaubnis, von seinem Bistum wegbleiben zu dürfen. Dann gedachte er, das heilige Land zu bereisen. Aber die Benediktiner von Monte Cassino, die er deswegen befragt hatte, rieten ihm davon ab, und so kehrte er nach Rom zurück, wo er mit seinem Bruder Gaudentius im Kloster des heiligen Bonifatius das Ordenskleid nahm. Hier betrachtete er sich als den Niedrigsten der Genossenschaft und verschmähte keine Gelegenheit, die einfachsten Dienste zu verrichten, so dass niemand in dem jungen Mann einen Bischof ahnte.

 

Beinahe fünf Jahre war seit der Entfernung des Heiligen aus seinem Sprengel verflossen, als die traurige Lage der Kirche Prags den Herzog von Böhmen bewog, ihn durch den Erzbischof von Mainz vom Papst wieder zurück zu begehren. Der Heilige Vater erwog die Gründe und Verheißungen der Abgeordneten aus Böhmen und Adalbert musste im Jahr 994 aus Gehorsam mit ihnen heimziehen: Doch hatte er den Vorbehalt eingelegt, dass er seine Herde wieder verlassen dürfe, wenn sie sich nicht williger und leitsamer als zuvor beweisen würde. Kaum hatte sich die Nachricht von Adalberts Rückkehr in Prag verbreitet, als die Einwohner ihm in Menge entgegeneilten. Sie empfingen ihn mit den lebhaftesten Freudenbezeugungen und versprachen, sich seiner Unterweisung gehorsam zu fügen. Sobald er aber mit dem früheren Ernst auf Zucht, Ordnung und christliches Leben drang, wurde unter den Trotzigen die alte Unzufriedenheit lebendig. Zum anderen Mal verließ Adalbert Böhmen und ging wieder nach Rom in sein Kloster zurück.

 

Er hatte diesmal den Weg nach Italien durch Ungarn genommen, voll heiligen Eifers, die dortigen Heiden zu bekehren. Er kam dahin, als dem König Geisa eben ein Söhnlein geboren worden war. Adalbert taufte es und gab ihm den Namen Stephan; und dies ist derselbe Stephan, der in der Folge Begründer des Christentums in Ungarn und Heiliger wurde. Einige Schriftsteller erwähnen diese Mission in Ungarn sechs Jahre früher, nämlich in der Zeit, wo der Heilige seinen Sprengel zum ersten Mal verließ. Bald nach seiner Ankunft in Rom wurde er Prior seines Klosters und genoss die Auszeichnung, von Otto III. besucht zu werden, der nach Italien gekommen war, um sich zum Kaiser krönen zu lassen. Dieser fand solche Erbauung in dem geistreichen Gespräch und dem ganzen Benehmen Adalberts, dass er sich nur schwer wieder von ihm trennte. Inzwischen bewog das wiederholte Mahnen und Drängen des Erzbischofs von Mainz den Papst, unseren Heiligen abermals in sein Bistum zurückzusenden. Adalbert leistete Gehorsam, obwohl er wusste, dass alles vergeblich sein würde. Die Bewohner von Prag, weit entfernt, ihn wie früher zu empfangen, gerieten in Wut, als sie Kunde von seinem Kommen erhielten. Und damit nicht zufrieden, ermordeten sie sogar mehrere seiner Verwandten, plünderten ihre Güter und zündeten ihre Schlösser an. Von diesen Gräueln benachrichtigt, verließ Adalbert die Straße nach Prag und begab sich zu seinem Freund Boleslaus, dem Sohn des Herzogs Micislaus von Polen. Dieser Fürst schickte einige Zeit darauf Gesandte nach Prag und ließ die Bewohner fragen, ob sie Adalbert als ihren Bischof aufnehmen und ihm den schuldigen Gehorsam leisten wollten? Höhnisch antworteten die Böhmen, sie seien arge Sünder, Adalbert aber ein großer Heiliger, und somit taugten sie so wenig zusammen, wie Feuer und Wasser. „Überdies“, fügten sie bei, „ist es durchaus nicht die Sorge für unser Seelenheil, das den Bischof zu uns zu kommen drängt; seine einzige Absicht ist, den Tod seiner Verwandten zu rächen, und darum mag er keines guten Empfangs von unserer Seite gewärtig sein.“

 

So war Adalbert seiner Pflichten den Böhmen gegenüber ledig und entschloss sich jetzt, von der ihm vom Papst erteilten Erlaubnis, den Heiden das Evangelium zu predigen, Gebrauch zu machen. Er durchwanderte zuerst Polen und führte einen großen Teil dieses Landes der Kirche Christi zu. Danach ging er mit seinen Gefährten Benedikt und Gaudentius nach Preußen, dessen Bewohner, ursprünglich Sarmaten, die wildesten unter allen nordischen Heidenvölkern waren. Sie kümmerten sich wenig um die Schönheit der Tempel, beteten ihre Götzen in Eichenhainen an und opferten ihnen ihre Gefangenen. Gleichwohl gelang es Adalbert, durch sein eindringliches Wort in Danzig wunderbare Bekehrungen zu erwirken. Von dieser Stadt begab er sich auf eine kleine Insel, um auch dorthin die Leuchte des Glaubens zu tragen. Hier aber wurde er von den Heiden mit tausend Unannehmlichkeiten überhäuft, ja einer von ihnen ergriff ihn von hinten, als er eben den Psalter betete, und versetzte ihm mit einem Ruder einen so harten Schlag, dass er halbtot zu Boden sank. Als er wieder zu sich gekommen war, dankte er Gott, der ihn gewürdigt hatte, an der Schmach Jesu teilzunehmen, und setzte seinen Stab weiter. Aber wohin er kam, wurde er mit Schimpf und Misshandlungen empfangen, und endlich befahlen ihm die Heiden unter Androhung des Todes, ihr Land sofort zu verlassen. Der Gewalt weichend zog der Heilige sich zurück. Aber als er eines Tages, von der Reise ermüdet, in der Gegend, wo jetzt das Städtlein Fischhausen erbaut ist, einige Augenblicke zur Ruhe sich hinsetzte, wurde er von einem Schwarm Heiden überfallen und samt seinen Genossen gefangen genommen. Da opferte Adalbert in inbrünstigem Gebet Gott sein Leben auf und flehte für seine Feinde um Vergebung. Zu seinen Gefährten sprach er, sie zur Standhaftigkeit ermunternd: „Meine Brüder, die Macht dessen, für den wir leiden, ist größer, als jede andere Macht. Seiner Größe ist keine gleich. Keine Güte misst sich mit der seinigen!“ Kaum hatte er geendet, so durchbohrte eine Lanze, von dem Götzenpriester Siggo geworfen, sein Herz. „Freue dich nun“, schrie ihm der Mörder zu, „jetzt geht dein Wunsch, für deinen Jesus zu sterben, in Erfüllung!“ Noch sechs andere bohrten ihre Lanzen in seinen Leib, und so vollbrachte der Heilige sein glorreiches Martyrium am 23. April 997. Die Heiden schnitten dann den Kopf vom Rumpf und steckten ihn auf einen Pfahl. Benedikt und Gaudentius schleppten sie als Gefangene mit sich fort.

 

Boleslaus löste den Leichnam Adalberts gegen eine große Summe aus und setzte ihn einstweilen in der Abteikirche zu Tremezno bei, von wo er aber schon im folgenden Jahr in die Domkirche von Gnesen übertragen und dort zur öffentlichen Verehrung ausgestellt wurde. Im Jahr 1039 nahmen ihn die Böhmen, nachdem sie sich der Stadt bemächtigt hatten, hinweg und führten ihn nach Prag ab. Der heilige Adalbert wird allgemein der Apostel der Preußen genannt.

 

Die selige Richardis, Gräfin von Ebersberg,

+ 23.4.1013 – Gedenktag: 23. April

 

Eine Tochter des Markgrafen Marquard von Kärnten, wurde sie in aller Gottesfurcht erzogen und dem frommen Grafen Ulrich zur Ehe gegeben. Auch in der Ehe diente sie dem Herrn in Wachen und Beten und speiste und pflegte ihn in den Armen und Notleidenden. Sie war ihrem ganzen Haus das Vorbild eines gottseligen Lebens und ihrem Mann eine beständige Aufforderung zum Fortschreiten auf dem Weg christlicher Vollkommenheit. Die meiste Zeit lebte sie in dem Schloss ihres Gemahls zu Inchhofen ein zurückgezogenes Leben.

 

In ihrem sechzigsten Lebensjahr verlangte sie nach Ebersberg zu ziehen, um fürderhin daselbst zu wohnen. Ihr Gemahl fragte um die Ursache dieser Ortsveränderung und erhielt die Antwort: Es wird bald offenbar werden, wenn wir nach Ebersberg kommen. Richardis vertraute sich nämlich mit dem Gedenken an eine nahe Scheidung von dieser Welt und wollte ihre Tage in Ebersberg beschließen. Kurze Zeit nach ihrer Ankunft daselbst begab sie sich in das Gartenhaus und gedachte der ernsten Wanderung in die Ewigkeit. Plötzlich stand vor ihren Augen eine erhabene Frau, die sie so anredete: „Warum bist du betrübt und was hast du für Sorgen? Siehe, gar bald wirst du mit mir am Ort seliger Wonne sein. Bereite dich zu deiner Abreise! Stärke dich mit der heiligen Wegzehrung! Bald wirst du von meinem Sohn den Lohn empfangen für alles, was du ihm in den Armen und für sein heiliges Haus getan hast.“ Durch diese Erscheinung der Mutter des Herrn wurde Richardis wunderbar getröstet. Sie erzählte von ihr ihrem Beichtvater und bereitete sich zum Tod vor.

 

Nach ihrer Anordnung mussten alle Jahre am Tag ihres Todes so viele Brote an die Armen verteilt werden, als man von sechs Metzen Mehl backen konnte. Zum Brot mussten ihnen auch Eier und Speck gegeben werden. So verfügte sie über das Vermögen, das ihr noch zu Gebote stand. So setzte sie den Herrn selbst in seinen armen Brüdern und Schwestern zum Erben ein. Sie starb am 23. April 1013. Ihr Leib wurde in der Kirche des heiligen Sebastian in Ebersberg begraben. 

 

Der selige Ägidius von Assisi, Franziskanermönch, Mystiker,

+ 22.4.1262 – Gedenktag: 23. April

 

Als der heilige Franziskus ein neues Leben in Gott zu führen anfing, schlossen sich ihm bald auch Jünger an. Der dritte der Jünger war der selige Ägidius, ein Mann, der sich in den weltlichen Dingen zwar wenig, aber im christlichen Tugendleben um so besser auskannte.

 

Es ist nun einmal so, dass jeder Mensch ein Steckenpferd hat, und der selige Ägidius macht in dieser Hinsicht keine Ausnahme. Sein Steckenpferd war die Arbeit, er konnte bei aller Frömmigkeit, die er übte, keine Stunde müßig sein. Es war eine Eigenart von ihm, und der Grund, warum er so handelte, ist darin zu suchen, dass er sich das Brot, das er aß, vorher durch Arbeit verdienen wollte. Der Selige war also ein anständiger, rechtlich denkender Mann.

 

Als sich nun Ägidius einst längere Zeit zu Rom aufhielt, ging er nach dem Besuch der heiligen Messe am Morgen in die nähere Umgebung der Stadt, sammelte dürres Holz und verkaufte es für wenige Pfennige, um auf diese Weise den Lebensunterhalt zu verdienen. Zur Erntezeit las er Ähren auf dem Acker, aber stets nur so viel, wie er für den Tag brauchte, und als ihm einmal ein Bauer eine volle Garbe geben wollte, wies er das Geschenk zurück mit dem Bemerken, dass er keine Scheune besitze, in der er die Garbe aufbewahren könne. Zuweilen flocht er auch Körbe zum Verkauf. Überhaupt nahm er jede Arbeit an, die man ihm anbot, half beim Dreschen, trug zur Zeit der Weinlese Trauben in die Trotte, holte das reife Obst von den Bäumen und tat andere Dinge mehr, nur um kein unverdientes Brot essen zu müssen.

 

Es war da zu Rom ein Kardinal mit Namen Nikolaus, der den seligen Ägidius wegen seines gottinnigen Lebens überaus schätzte. Mehrfach lud der hohe Herr den schlichten Bruder zu Tisch, aber Ägidius lehnte die Einladung stets dankend ab. Eines Tages ließ er sich jedoch erweichen, er wolle kommen, sagte er, und mit dem Kardinal speisen, aber nur unter der Bedingung, dass er von den Gerichten des Gastgebers nicht zu essen brauche, sondern das eigene Brot verzehren dürfe, das er sich in den Morgenstunden verdient habe.

 

Mit diesem Vorschlag war Kardinal Nikolaus einverstanden, und es speisten die beiden miteinander. Der eine aß, was ihm aufgetragen wurde, Suppe, Gemüse und Fleisch, während der andere sein Brot kaute. Dabei redeten sie miteinander über dies und das. Immer wieder musste der Kardinal über die gotterleuchtete Weisheit staunen, die aus dem einfältigen Bruder sprach. Zum Schluss des Mahles bat dann der hohe Herr den seltsamen Gast, täglich auf die gleiche Weise bei ihm zu essen, und weil sich Ägidius dem Begehren höflicherweise nicht widersetzen konnte, sagte er zu. Jeden Mittag suchte er fortan den Kardinal auf und aß mit ihm in der geschilderten Art.

 

Da geschah es eines Tages, dass es die Nacht vorher und den ganzen Vormittag wie aus Kübeln regnete. Unter diesen Umständen war es dem Bruder Ägidius einfach nicht möglich, Brennholz zu sammeln und sich dadurch das Brot für den Tag zu verdienen. Trotzdem stellte er sich, diesmal ohne Brot und ein Stündchen vor der festgesetzten Zeit, ein. Der Kardinal stand bereits an der Tür, um ihn zu empfangen und sagte schalkhaft: „So, Brüderchen, heute bist du aber einmal mein Gast und isst, was ich dir vorsetzen lasse.“ Ägidius jedoch schüttelte den Kopf, lächelte überlegen, und schon war er dem Gastgeber entschlüpft. In die Küche rannte er zum Koch und sprach zu ihm: „Du, Koch, deine Küche sieht aus wie ein Saustall. Für ein Stück Brot mache ich sie dir so sauber, dass du vom Boden essen kannst.“ Natürlich war der Koch einverstanden, und der Bruder schrubbte und scheuerte die Küche und empfing nach getaner Arbeit als Lohn das ausbedungene Stück Brot, das er dann am Tisch des Kardinals verzehrte. Auf diese Weise war also der selige Ägidius von Assisi seinem Vorsatz, nur verdientes Brot zu essen, treu geblieben. 

 

Der heilige Gerhard von Toul, Bischof,

+ 23.4.994 – Fest: 23. April

 

Gerhard wurde zu Köln von angesehenen Eltern geboren. Frühzeitig widmete er sich den Übungen der Frömmigkeit und Buße. Darauf trat er in die Genossenschaft der Kleriker, die den Dom in Köln versahen und die Vorschriften der regulierten Chorherren befolgten. Als ihm das Amt eines Kellermeisters aufgetragen worden war, stand er ihm mit großer Weisheit vor. Am Hof des Kaisers war er sowohl wegen seines Verdienstes als seiner seltenen Tugenden sehr geschätzt.

 

Nach dem Tod Gauzelins, des Bischofs von Toul, wurde sogleich Gerhard am Anfang des Jahres 963 von Bruno, dem Erzbischof von Köln, Herzog von Lothringen und erster Minister des Kaisers Otto, seines Bruders, zu dessen Nachfolger bestimmt. Aus Gehorsam gegen seine Obern nahm er diese Würde an, ließ jedoch nicht im mindesten von seinem ersten Frömmigkeitseifer ab. Jeden Tag betete er dreizehn kanonische Horen ab und verband noch die Tagzeiten der Mönche mit denen der Chorherren, aus einer in dieser Zeit sehr üblichen Andacht. Nach der Heiligen Schrift las er kein Buch mit größerem Vergnügen als die Lebensbeschreibungen der Heiligen. Einen Teil der Nacht brachte er im Gebet und in Betrachtung über die den Tag hindurch gelesenen Inhalte zu, um so desto größeren Nutzen daraus zu schöpfen. Die seltenen Fähigkeiten, die ihm Gott zum Predigtamt verliehen hatte, weihte er stetem Unterricht der ihm anvertrauten Herde. Auch gesellte er sich eifrige Priester zu, die er als Missionare aufs Land schickte.

 

Für die Würde des öffentlichen Gottesdienstes, der ein Hauptteil der Religion ist, bewies er stets einen überaus großen Eifer. Er ließ die Kathedrale in Toul aufbauen und versah sie mit beträchtlichen Einkünften. (Die Kirche, wie man sie noch sieht, wurde 1447 gebaut.) Auch dem Kloster St. Avre, (Dieses Kloster ist am Ende des 5. Jahrhunderts vom heiligen Aper, dem Bischof von Toul, gestiftet worden.) nicht weniger dem, die sein Vorgänger, unter dem Namen des heiligen Mansuet oder Mansuy, des ersten Apostels des Touler Landes, gestiftet hatte, schenkte er ansehnliche Güter. Das Kloster St. Martin, das an der Maas gelegen war, hatte sich ebenfalls seiner Freigebigkeit zu erfreuen. In der Stadt Toul stiftete er ein Hospital und die Kirche von St. Gangolf. In sein Bistum zog er griechische und schottische Mönche an, die wegen ihrer Tugend und Wissenschaft damals eines hohen Rufes genossen. Die einen und die anderen legten Schulen an, aus denen mehrere große Männer hervorgingen. Der Schutz, den Gauzelin und Gerhard den Gelehrten angedeihen ließen, belebte wieder die Studien, die während eines Zeitraums von 60 Jahren in Lothringen mehr als an irgendeinem Ort blühten. Da diese Studien hauptsächlich die Religion zum Gegenstand hatten, übten sie starken Einfluss auf die Sitten. Und die Frömmigkeit wurde um so gründlicher, je erleuchteter sie war.

 

Der heilige Gerhard liebte die Gelehrsamkeit nur insofern sie mit der Demut und den anderen Tugenden gepaart war. Seine einzige Sorge ging sodann dahin, dass diejenigen, die zum geistlichen Stand bestimmt waren, vorzüglich durch alle Übungen des inneren Lebens geführt wurden. Die Erfahrung hatte ihn gelehrt, wieviel hieran gelegen sei.

 

Im Jahr 981 machte er eine Wallfahrt nach Rom. Das nachfolgende Jahr gab ihm Gelegenheit, Beweise seiner werktätigen Liebe abzulegen. Da seine Diözese von Hunger und Pest heimgesucht wurde, unterzog er sich ganz dem Dienst der Armen. Er wurde ihnen ein zärtlicher Vater und suchte allen ihren leiblichen und geistigen Bedürfnissen abzuhelfen.

 

Ungeachtet der von der bischöflichen Stelle unzertrennlichen zahllosen Beschäftigungen, besonders wenn man seine Pflichten gehörig erfüllen will, erübrigte dieser heilige Bischof doch noch Zeit genug, um sich den Übungen des beschaulichen Lebens zu widmen. Er tötete durch geheime Bußübungen seinen Leib ab und unterließ kein Mittel, das ihm geeignet schien, die Andacht und die Sammlung in seiner Seele zu unterhalten. Er starb am 22. oder 23. April 994, im 31. Jahr seines bischöflichen Amtes. Der heilige Papst Leo IX. setzte ihn im Kirchenrat zu Rom 1050 feierlich unter die Zahl der Heiligen. Und als er sich in Toul befand, wo er vorher Bischof war, befahl er, seinen Leichnam zu erheben und ihn auf eine angemessene Weise aufzubewahren. Dies geschah am 30. Oktober desselben Jahres.

 

Pater Bartholomäus vom heiligen Gabriel

Gedenktage und Lebensskizzen hervorragender

Mitglieder des Karmelitenordens

 

Am 23. April 1792 wurde zu München der lobwürdige Pater Bartholomäus vom heiligen Gabriel plötzlich und unerwartet aus dem Kreis seiner Wirksamkeit herausgerissen. Pater Bartholomäus, Joseph Lumayr, wurde am 25. Februar 1734 zu Luvecca in Polen geboren und legte am 10. März 1754 in Schongau seine Profess ab. Nachdem er sechs Jahre als Prior in München überaus segensreich gewirkt hatte, wurde er zum Provinzial und nach Ablauf dieses Amtes abermals zum Münchener Prior erwählt. Ein plötzlicher Tod bereitete zum größten Leidwesen der Untergebenen seinem wahrhaft väterlichen Wirken ein Ende. Der Chronist rühmt von ihm, dass er in erster Linie darauf bedacht war, das Band der religiösen Vollkommenheit stets fester zu knüpfen, d.h. die gegenseitige Liebe mehr und mehr zu fördern und durch eindringliche Belehrung allen recht tief einzuprägen, von welcher Bedeutung das Blühen der klösterlichen Zucht sei. Pater Bartholomäus besaß die christliche Liebe selbst in hohem Grad, ja so vollkommen, dass er sich durch keine Voreingenommenheit leiten ließ. Sein Wohlwollen den anderen gegenüber war so groß, dass er alle Bitten seiner Untergebenen, soweit es irgend möglich war, gewährte und wenn er gezwungen war, etwas zu versagen, dies mit möglichster Schonung tat. Mit dem Hinweis es sei ihm selbst leid, so handeln zu müssen, und durch gute Begründung überzeugte er seine Mitbrüder, dass er nur ihr Bestes wolle. In besonderer Weise bewies er seine Liebe den Kranken. Er besorgte ihnen nicht nur das Notwendige, sondern nach Möglichkeit auch alles Zweckdienliche, weil er glaubte, dass dasjenige was er für die Kranken ausgebe am besten verwendet werde. Die Folge war ein stetes Erstarken der gegenseitigen Liebe, die den häuslichen Frieden und die klösterliche Zucht mächtig fördert. Mehr als seine Belehrungen wirkte überdies sein Beispiel, das alle mit fortriss. Dies beobachteten selbst die Weltleute, die sich deshalb in Scharen zu seinem Beichtstuhl drängten. Auch verschiedenen Frauenklöstern ließ Pater Bartholomäus sein segenreiches Wirken zuteil werden, wie den Frauen auf dem Berg am Laim, den Servitinnen und unseren eigenen Schwestern, die sich sehr an ihm erbauten und den doppelten Geist der Liebe und des Eifers für die Ordenszucht von ihm ererbten. Sein Tod erfolgte rasch und unvermutet durch einen Schlaganfall im Refektorium, während der Abendmahlzeit, zum großen Schmerz seiner Untergebenen.

 

Gebet am 23. April

 

Wir bitten dich, o allerheiligste Königin Maria, um der Gnade willen, durch die dich Gott so hoch erhoben hat, und durch die er dir mit seinem Beistand alle Dinge möglich macht, bewirke bitte, dass die Fülle der Gnaden, die du verdient hast, uns dereinst deiner Herrlichkeit teilhaftig mache. Lass es dir angelegen sein, o allbarmherzigste Königin, uns das große Gut zu erlangen, um dessentwillen Gott in deinem keuschen Schoß Mensch werden wollte. Säume nicht, unser Gebet zu erhören. Wenn du deinen Sohn nur bittest, so erhört er dich augenblicklich. Es genügt, dass du unsere Seligkeit willst, und dann können wir nicht verloren gehen. Was könnte wohl deine Barmherzigkeit vermindern? Ach, wenn du nicht Mitleid mit uns hast, da du die Mutter der Barmherzigkeit bist, was wird aus uns werden, wenn dein Sohn dereinst als Richter erscheint. Amen.

 

Zu Jesus Christus

 

O Jesus, der Du uns durch Dein heiliges Leiden ein Lehrer und ein Vorbild der wahren Geduld geworden bist, schenke uns, dass wir durch seine Betrachtung alle unsere Leiden mit standhafter Geduld tragen, der Du lebst und regierst Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

In dem berühmten Zisterzienser-Kloster zu Los bei Lille in Flandern wurde im Jahr 1581 das in dieser Kirche befindliche Mutter-Gottes-Bild, die heilige Maria von der Gnade genannt, durch ein neues Wunder berühmt, da ein vom Schlag mehrmals schon getroffener Einwohner von Lille, namens Jakob Buscon, durch die Fürbitte der seligsten Jungfrau von neuen Anfällen befreit worden ist. 

 

Andacht am 23. April:

 

Das Thema im April:

Von der Geduld

"Und wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht würdig." (Matthäus 10,38)

 

"Habe redlich Geduld, wenn du im Umgang mit Menschen Widerspruch und Widerstand leidest. Derlei Widerwärtigkeiten dienen als Übungen in den Tugenden, die der Herr uns empfohlen hat." (Der heilige Franz von Sales)

Ein großer Diener Gottes hatte es gern, wenn ihm widersprochen wurde. "Dies ist ein großer Gewinn," sprach er, "dadurch zeigt man mir oft, dass ich Unrecht habe, und nimmt mir die Gelegenheit, Eigenliebe zu hegen; überdies auch ist es mir weit verdienstlicher, diejenigen übernatürlicher Weise zu lieben, die mir beweisen, dass sie nicht denken wie ich."

Der heilige Franz von Sales sagte zu jemand, der in einer Unterredung mit ihm seinen Hass gegen ihn deutlich aussprach: "Wenn Sie mich auch nicht lieben, so liebe ich Sie darum dennoch; und rissen Sie mir auch ein Auge raus, so würde ich Sie mittelst des andern mit Güte ansehen!"

Es war ein Altvater der Wüste, der, wenn er hörte, dass ein Bruder ihm übel nachgeredet hatte, sich alsogleich aufmachte, und ihm, wenn er nicht weit von dort wohnte, ein Geschenk brachte. Wohnte er aber weit von dort, so sandte er ihm das Geschenk durch andere.

 

Lass, o Herr, alle bösen und schmählichen Worte, die gegen mich gesprochen werden, zu meiner Heiligung dienen, und verleihe mir, dass ich dadurch zu Akten der Demut und der Nächstenliebe angeregt werde! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 23. April

 

"Mit der Liebe Gottes erlangen wir mehr,

als mit allen Andachtsübungen und aller Bußstrenge."

 

gottsel. Johannes Tauler OP

1300 bis 16.6.1361

 

Betrachtung am 23. April - Bei den Füßen des Kreuzes

 

Deiner Liebe will ich leben,

Ewig bin ich, Jesus, dein,

Der für mich du dich gegeben

In so bittrer Todespein.

 

1. O Abgrund der göttlichen Ratschlüsse, welche erschaffene Fassungskraft wird je in deine Tiefen eindringen: Am Kreuz sehe ich den Sohn des lebendigen Gottes durch sein blutiges Opfer der unendlichen Majestät Gottes eine Huldigung darbringen, die allein die Schuld aller Geschöpfe aufwägt. Mit dieser göttlichen Huldigung aber vereinigen die seraphischen Geister und alle Auserwählten ihre Anbetungen, weil sie nur durch dies Opfer der ewigen Majestät wohlgefällig werden. Mein Herz erschrickt bei dem Anblick der unendlichen Gerechtigkeit, die ein solches Opfer für die Sünde fordert, und den unendlich geliebten Sohn des ewigen Vaters zermalmt, weil er im Gewand der Sünder unser Bürge geworden ist. Beim Anblick des gekreuzigten Gottmenschen wird die ewige Strafe mir begreiflich, die der Beleidigung der unendlichen Majestät Gottes bereitet ist.

 

2. Wer muss nicht vor den Schrecknissen der ewigen Gerechtigkeit und der Verdammnis erbeben, die wir durch zahllose Sünden verdienen. Doch sieh, es ruft uns die Liebe Jesu durch alle seine Wunden, Vertrauen zu fassen, da er am heiligen Kreuz die Schuldschrift des ewigen Todes zerreißt, und mit der Freiheit der Kinder Gottes alle beschenkt, die an ihn glauben, und in den Quellen seiner Erlösung schöpfen wollen. O mein Erlöser, wie vieles sagt mir dein heiliges Kreuz. Dieses göttliche Buch predigt mir Furcht und Liebe, es ist meine Wissenschaft, mein Licht und mein Trost. Es führt in Zweifeln mich zu Entschlüssen, und zwar oft gegen mich selbst, da ich es nicht vermag, seiner unüberwindlichen Beredsamkeit zu widerstehen.

 

3. Prägen wir das Bildnis unseres geliebten Gekreuzigten tief ins Herz. Bei seinem Anblick werden alle Entwürfe unseres Hochmuts, alle Gier nach vergänglichen Gütern verschwinden. Denn wer könnte bei dem Anblick eines armen, verachteten, gekreuzigten Gottmenschen, der aus Liebe zu uns stirbt, noch solchen Dingen nachstreben. Ein beständiger Vorwurf für uns wäre sein Leiden und sein Tod, der uns beschämen und uns zur Verdammnis gereichen würde. O mein gekreuzigter Heiland, dein heiligstes Leiden sei meine Betrachtung im Leben, mein Trost im Tod, meine Liebe in der Ewigkeit. Psalm 73,26b: "Gott ist der Fels meines Herzens und mein Anteil auf ewig."

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>> Heiligen-Legende <<

 

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>> Heiligen-Legende <<

 

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Die heilige Kümmernis

 

Im Mittelalter war St. Kümmernis (auch St. Wilgefort genannt) eine hochverehrte Heilige in Südtirol, zu der die Gläubigen mit allen geistigen und leiblichen Nöten (Kümmernissen) kamen, besonders Liebende nahmen gerne ihre Hilfe in Anspruch.

Legende: St. Kümmernis war die Tochter eines heidnischen Königs von Sizilien. Sie bekehrte sich zum christlichen Glauben. Der Vater wollte sie mit einem heidnischen König verheiraten, doch die Heilige weigerte sich. Darauf ließ der Vater in den Kerker werfen und mit glühenden Zangen peinigen um sie umzustimmen. Doch St. Kümmernis bat Jesus, er möge sie so verunstalten, dass kein Mann sie zur Ehe begehre. Jesus erhörte sie und gab ihr das Aussehen eines Mannes. Der Vater, der darob erzürnt war, ließ sie mit einem elenden Rock bekleidet ans Kreuz schlagen. St. Kümmernis lobte Gott und predigte drei Tage lang vom Kreuz das Christentum, so dass sich sogar ihr Vater bekehrte. Zur Sühne baute er eine Kirche und ließ darin das Bild seiner Tochter aufstellen. 

 

Gebet

 

zur heiligen Jungfrau und Martyrin Wilgefort oder Kümmernis

in einem besonderen Anliegen zu sprechen (18. Jahrhundert)

 

O du glorwürdige Martyrin und auserwählte Gespons Jesu Christi, heilige Kümmernis! mit großem Vertrauen fliehe ich zu dir, und mit herzlicher Andacht rufe ich dich um deine Hilfe und Fürbitte an. Du weißt und siehst in Gott, in was für einem großen Anliegen ich stecke, und wie mein betrübtes Herz mit so viel Qual und Kümmernis erfüllt ist. Dieses mein großes Herzeleid lege ich vor deinem Kreuze nieder, und bitte, du wollest es mit gnädigen Augen ansehen, und die Betrübnis lindern. Du kannst mich gar leicht von dieser meiner Qual erretten, weil dir dein liebster Bräutigam Jesus Christus keine billige Bitte zu versagen versprochen hat; denn, als du am Kreuz hangend ihn batest, dass er alle Notleidende, die deine Marter ehren, und dich um deine Fürbitte anrufen werden, von ihren innerlichen und äußerlichen Anliegen und Betrübnissen erretten wolle, hat er deine Bitte erhört, und dein Begehren durch eine himmlische Stimme bekräftigt. Eja dann, o liebe heilige Kümmernis! ich bitte dich, durch deine heilige Jungfrauschaft, durch dein heiliges tugendhaftes Leben, und durch deine schmerzliche Annagelung an das Kreuz, erhöre meine demütige Bitte, und tröste mich in meiner großen Betrübnis; ich werde nicht nachlassen zu dir zu seufzen, und dich mit meinem ungestümen Bitten und Begehren zu plagen, bis du dich endlich meiner erbarmst, und mich von meiner Herzens-Betrübnis erledigst. Ich verspreche dir entgegen, dass ich gegen dich allzeit ein dankbares Gemüt tragen, dich lieben und ehren werde. Verlasse mich nur nicht, o meine auserwählte Patronin! sondern sende mir einen Trost, den ich von dir hoffend mich deinem Schutz und Gnade ganz und gar ergebe. Amen.

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