Heilige des Tages

 

Man kann die Taten der Heiligen und der Martyrer nicht lesen, ohne im Innersten angerührt zu werden. Sie sind unsere Vorbilder. Die Menschen, die einen anderen Weg gehen, als den der Heiligkeit und der Nachfolge Christi, sind schnell verzweifelt und ohne Hoffnung. Es gibt keinen Mittelweg für die Ewigkeit! Es gibt entweder die Glückseligkeit oder die Unglückseligkeit. Die Glückseligkeit ist der Lohn der Nachfolge Jesu und Mariä und aller Heiligen, die Unglückseligkeit der Lohn der Sünde und Lauheit. Wer auf Erden sich um Heiligkeit bemüht, wird zu der Zahl der Heiligen im Himmel dazugerechnet. Ich werde demnach in der Ewigkeit sein, der ich im Leben gewesen bin. Und für die Wahrheit dieser Gedanken steht eine Wolke von unendlich vielen Zeuginnen und Zeugen.

Matthias Hergert

 

19. Juli

 

Der heilige Arsenius, Diakon und Einsiedler in Ägypten,

+ 19.7.449 – Fest: 19. Juli

 

Arsenius, von Geburt ein Römer, war aus einer mit mehreren Senatorenhäusern verwandten Familie entsprossen. Er wurde mit großer Sorgfalt erzogen, und von Kindheit an bewies er glühenden Eifer für die Tugendübung. Er erwarb sich vielseitige Kenntnis der griechischen und lateinischen Literatur, und drang tief in den Geist der göttlichen Schriften ein. Da er den geistlichen Stand erwählt hatte, erhielt er die Diakonenweihe, und ging sodann in Rom mit einer Schwester die Wege der Gottseligkeit.

 

Kaiser Theodos der Große, der angelegentlich einen Mann suchte, dem er die Erziehung seiner Kinder anvertrauen könnte, wandte sich an Kaiser Gratian, und bat ihn, sich über die von ihm zu treffende Wahl mit dem römischen Bischof zu besprechen. Dieser redete zu ihm von Arsenius auf eine so vorteilhafte Weise, dass er daraus schloss, er müsse alle Eigenschaften besitzen, die Theodosius zu verlangen schien. Gratian schickte ihn daher nach Konstantinopel. Der Kaiser empfing ihn mit großen Ehrenbezeigungen, erhob ihn zur Senatorenwürde, und befahl, ihn als den Vater seiner Kinder, zu deren Vormund und Lehrer er ihn ernannte, zu ehren. Er wies ihm ein prachtvolles Gefolge an, und gab ihm zu seinem Beruf hundert prachtvoll gekleidete Diener.

 

Als eines Tages der Kaiser die Prinzen während der Studienzeit besuchte, und sie sitzend antraf, während Arsenius stehend mit ihnen redete, wurde er darüber nicht nur augenblicklich ungehalten, er nahm sogar seinen Kindern auf einige Zeit ihre Ehrenzeichen, und befahl, dass sie während der Lehrstunden stehen und Arsenius sitzen sollte.

 

Arsenius hatte stets einen unwiderstehlichen Hang zur Abgeschiedenheit; und dieser Hang verstärkte sich von Tag zu Tag wegen des Prunkes und der Zerstreuungen, die mit seinem Amt verbunden waren. Titel und Ehrenstellen waren ihm eine unerträgliche Bürde. Endlich fand er um das Jahr 396 eine Gelegenheit, die Bande, die ihn an den Hof knüpften, zu zerbrechen. Als Arcadius, eines der kaiserlichen Kinder, einen bedeutenden Fehler begangen hatte, ahndete er denselben mit unerbittlicher Strenge. Dies verdross den jungen Prinzen, und er wurde nur noch halsstarriger. Arsenius nützte diesen Anlass, um den seit Jahren her gemachten Plan, die Welt zu verlassen, in Ausführung zu bringen. Als er eines Tages nach seiner Gewohnheit ein inbrünstiges Gebet verrichtete, um den Willen Gottes zu erkennen, vernahm er eine Stimme, die ihm zurief: „Arsenius, fliehe die Gesellschaft der Menschen, und du wirst leben.“ Ohne Verzug befolgte er den Befehl des Himmels, bestieg ein Schiff, das eben nach Alexandrien absegelte: von da ging er in die Wüste Scete, um sich dem Einsiedlerleben zu widmen. Dieses trug sich um das Jahr 394 zu. Arsenius hatte damals sein vierzigstes Jahr erreicht, nachdem er elf an dem Hof zu Konstantinopel zugebracht hatte.

 

Da er in allen Dingen nur Gott zu gefallen suchte, verdoppelte er seinen Gebetseifer, um noch besser zu erkennen, was der Herr von ihm verlangte. Als er nun eines Tages betete, hörte er eine Stimme, die ihm abermals sagte: „Arsenius, fliehe, schweige, ruhe; dieses sind die Grundlagen des Heils“; nämlich: dies sind die Hauptsachen, die man befolgen muss, um das Heil zu erlangen. Zufolge dieser zweimal wiederholten Ermahnung, verschloss er sich in eine weit entlegene Zelle, um keine Besuche annehmen zu müssen; sogar seine eigenen Brüder sah er nur selten. Wenn er in die Kirche ging, die ungefähr dreißig Meilen von seiner Wohnung entfernt lag, stellte er sich hinter einen Pfeiler, um von niemanden bemerkt zu werden und selbst niemanden zu sehen.

 

Indessen ließ Theodosius, der durch des Arsenius Flucht äußerst bestürzt war, zu Wasser und zu Land die genauesten Nachforschungen anstellen, um ihn zu entdecken: bald darauf aber musste er sich in das Abendland begeben, um den Tod Valentinians II. zu rächen, und einen Aufruhr zu dämpfen, an dessen Spitze Eugenius und Arbogast standen. Er starb zu Mailand 395 an der Wassersucht, und hinterließ das morgenländische Reich seinem Sohn Arcadius. Dieser Fürst gab die Stelle eines ersten Ministers einem gewissen Rufin, der Präfectus Prätorio war, und ihm, da er sein Hofmeister gewesen, niederträchtig geschmeichelt hatte. Doch vergaß er auch den Arsenius nicht, und wollte ihn an den kaiserlichen Hof berufen, um dessen weise Räte zu befolgen. Als er erfuhr, dass er in der Wüste Scete sich aufhalte, schrieb er ihm einen Brief, um sich in dessen Gebete zu empfehlen; auch überließ er ihm die Einkünfte von Ägypten, um damit die Klöster zu versehen, und die Armen zu unterstützen, wie er es für dienlich halte: der Heilige aber, der allen zeitlichen Vorteilen das Glück in der Einsamkeit zu leben vorzog, in der er ohne Zerstreuung seine Sünden beweinen, und sich zum Hintritt in die Ewigkeit vorbereiten konnte, begnügte sich damit, dass er dem Gesandten des Kaisers mündlich antwortete: „Ich bitte Gott, dass er uns allen unsere Sünden verzeihen möge. Was die Verurteilung des Geldes anlangt, bin ich keineswegs geeignet, dieses Geschäft über mich zu nehmen, weil ich der Welt abgestorben bin.“

 

Was ihm beim Eintritt in die Wüste begegnete, verdient zur Erbauung des Lesers hier angeführt zu werden. Als er das erste Mal vor den Ältesten oder den Obern der Mönche von Scete erschien, und nun Erlaubnis erhielt, unter ihrer Leitung Gott zu dienen, übergaben sie ihn der Aufsicht des heiligen Johannes, der Zwerg genannt. Dieser setzte sich abends mit seinen Brüdern nieder, um die geringe Mahlzeit zu genießen, den Arsenius aber ließ er stehen mitten in der Versammlung, ohne seiner zu achten. Dieses war in der Tat eine harte Prüfung für einen Hofmann; allein sie hatte in ihrem Gefolge eine zweite, die noch weit empfindlicher war. Unter der Mahlzeit nimmt der heilige Johannes ein Stück Brot, wirft es Arsenius vor die Füße, und sagte ihm ganz gleichgültig und trocken, er möge es essen, wenn er Lust dazu habe. Arsenius wirft sich auf die Erde nieder und isst es in dieser Stellung. Der heilige Johannes, durch ein solches Betragen entzückt und erbaut, ließ es bei dieser Prüfung bewenden, und nahm ihn freudig auf. „Kehrt nun heim“, sagte er dann zu den Brüdern, „in eure Zellen mit dem Segen des Herrn. Betet für uns. Dieser Mann passt für das Einsiedlerleben.“

 

Arsenius zeichnete sich vor allen Einsiedlern aus durch seine Demut und seinen Eifer. Im Anfang erlaubte er sich, ohne jedoch daran zu denken, gewisse Dinge, an die er in der Welt gewohnt war, und die, wiewohl an sich ganz unschuldig, dennoch etwas Leichtsinn und Behaglichkeit zu verraten schienen, wie z.B. die Gewohnheit, die Füße übereinander zu legen. Die Alten, die ihn überaus hochschätzten, wollten ihn nicht in einer öffentlichen Versammlung, wo die Brüder zur Konferenz eingeladen waren, darauf aufmerksam machen. Allein der Abt Pemen oder Pastor bediente sich folgender List: Er kam mit einem Mönch überein, dass dieser jene Stellung einnehme, und dann von ihm darüber zurechtgewiesen würde, als sei sie der Eingezogenheit zuwider: was auch geschah. Der Mönch hörte die Rüge geduldig an, ohne ein Wort zu seiner Entschuldigung zu sagen. Arsenius merkte wohl, dass es ihm auf mittelbare Weise gelte; und von nun an hatte er ein aufmerksames Auge auf sich selber, und suchte sich zu bessern.

 

Unter allen Mönchen von Scete war keiner so ärmlich gekleidet wie er. Er wollte dadurch jene äußere Pracht sühnen, in der er vordem am Hof gelebt hatte. An den Werktagen flocht er Matten aus Palmblättern, und hatte stets ein Tuch auf seinem Schoß, um die Tränen, die beständig seinen Augen entflossen, abzuwischen. Niemals schüttete er das Wasser aus, in das er seine Palmblätter tauchte, mochte es auch einen noch so widerlichen Gestank von sich geben, sondern füllte es nur mit frischem auf. Als ihn jemand um die Ursache dieses Benehmens fragte, erwiderte er: „Durch diesen üblen Geruch muss ich mich abtöten für die Sinnlichkeit, die mich bewogen hatte, wohlriechende Dinge zu gebrauchen, als ich noch in der Welt lebte.“ Um seinen von ihm sogenannten alten Geschmack an überflüssigen Sachen zu sühnen, beschränkte er sich auf die unbedingteste Armut, so dass er in einer Fieberkrankheit einige ihm nötige Unterstützung anzunehmen sich gezwungen sah. Er dankte Gott, dass er ihn würdig erachtet, in seinem Namen von den Gläubigen unterstützt zu werden. Seine Krankheit war von langer Dauer, und der Priester der Einöde ließ ihn in seine Wohnung, die nahe bei der Kirche war, tragen. Man brachte ihn auf ein kleines Bett von Tierhäuten, und legte ein Kissen unter sein Haupt. Als ihn einer der Mönche besuchte, nahm er Ärgernis daran, dass er ihn so liegend fand, und fragte, ob dies der Abt Arsenius sei. Der Priester zog ihn auf die Seite, und befragte ihn, welches Geschäft er im Dorf getrieben habe, bevor er Mönch wurde. „Ich war Hirte“, entgegnete dieser, „und konnte kaum meine Labsucht erschwingen.“ Da antwortete der Priester: „Sieh da den Abt Arsenius; als er noch in der Welt lebte, war er Vater der Kaiser. Er hatte in seinem Gefolge hundert Sklaven in Seide gekleidet, und mit goldenen Armbändern und Gürteln geschmückt; er hatte ein weiches und prächtiges Lager. Du aber, in der Welt ein Hirte, befandest dich weit unbequemer als jetzt.“ Der gute Mönch, durch diese Worte gerührt, warf sich nieder und sagte: „Verzeih mir, mein Vater, denn ich habe gesündigt; ich erkenne, dass Arsenius auf dem wahren Weg der Demut wandelt.“ Dann entfernte er sich innigst erbaut.

 

Einer der kaiserlichen Hofbeamten brachte eines Tages dem Arsenius das Testament eines verwandten Senators, der vor seinem Ableben ihn zum Erben eingesetzt hatte. Der Heilige nahm das Testament, und wollte es zerreißen, hätte nicht der Beamte sich zu dessen Füßen geworfen, und ihn gebeten, dieses nicht zu tun, weil er sonst Gefahr liefe, sein Leben zu verlieren. Arsenius zerriss es also nicht; weigerte sich aber, das ihm zugedachte Gut anzunehmen: „Ich bin“, sagte er, „vor meinem Verwandten gestorben; ich kann demnach unmöglich sein Erbe sein.“

 

Wiewohl man keine genaue Kenntnis seiner Fastenübungen hat, so lässt sich dennoch denken, dass sie außerordentlich streng mussten gewesen sein. Man schickte ihm für das ganze Jahr nur ein gewisses Maß Getreide, das die Ägypter Thallin nennen (Das Thallin war ein kleines Maß aus Palmblättern gefertigt, dessen man sich für die Pflanzen bediente). Nicht nur kam er damit aus, sondern teilte noch seinen Jüngern davon mit, wenn sie ihn besuchten. Brachte man ihm eine Erstlingsfrucht, so kostete er sie, und dankte Gott dafür; doch aß er davon nur so viel, als nötig war, um dem Vorwurf der Sonderbarkeit vorzubeugen. Bei strenger Enthaltsamkeit genügt der Natur ein kurzer Schlaf. Daher brachte Arsenius oft ganze Nächte im Gebet zu. Wenn seine Kräfte erschöpft waren, schlief er einen Augenblick sitzend, worauf er wieder seinen Übungen sich unterzog. Daniel, einer seiner Jünger, berichtet uns, er habe an den Samstagen, beim Sonnenuntergang, begonnen mit aufgehobenen Händen zu beten, und sein Gebet des andern Morgens erst beschlossen, wenn die Sonnenstrahlen in sein Angesicht zu leuchten anfingen. Seine Liebe zu dieser heiligen Übung, wie auch die Furcht vor den Gefahren der Eitelkeit, flößte ihm den glühendsten Eifer für die gänzliche Absonderung von der Welt ein. Er hatte zwei Jünger, die bei ihm lebten, und die auswärtigen Geschäfte führten: der eine hieß Alexander, der andere Zoilus. In der Folge bekam er einen dritten, namens Daniel. Alle drei wurden berühmt durch ihre Heiligkeit und Klugheit. Im Leben der Väter der ägyptischen Wüsten wird ihrer oft gedacht.

 

Arsenius sah ungerne die Fremden, die ihn zu besuchen kamen, indem er, wie er sagte, nur deshalb von seinen Augen Gebrauch machen wollte, um den Himmel zu schauen. Eines Tages begab sich Theophilus, Patriarch von Alexandrien, mit einem Hofbeamten und einigen anderen Personen, in seine Zelle, und bat ihn sich über geistige Gegenstände mit ihm zu unterhalten: da fragte er sie alle, ob sie entschlossen wären, das zu halten, was er ihnen sagen würde. Sie antworteten bejahend. Da sagte der Heilige: „Wohlan! So bitte ich euch, mich, an welchem Ort meinen Aufenthalt ihr erfahren möget, ruhig zu lassen, und auch selber die Mühe zu ersparen, mich aufzusuchen.“ Als ihn der Patriarch Theophilus ein anderes Mal fragen ließ, ob er ihm seine Tür öffnen würde, wenn er ihn zu besuchen käme, erwiderte Arsenius: „Ja, wenn er allein kommt; bringt er aber andere Personen mit sich, so bleibe ich nicht hier, sondern ziehe an einen anderen Ort.“

 

Eine römische Matrone, namens Melania, hatte eigens die Reise nach Ägypten unternommen, um Arsenius zu sehen, und sah ihn durch Vermittlung des Patriarchen Theophilus, als er eben aus seiner Zelle ging. Sie hatte ihn nicht sobald erblickt, als sie sich ihm zu Füßen warf. Da sagte ihr der Diener Gottes: „Eine Frau soll nie ihr Haus verlassen. Du hast eine weite Reise gemacht über das Meer, um in Rom sagen zu können, du habest Arsenius gesehen, und dadurch in den anderen dieselbe Neugier zu erregen.“ Melania, die immer noch auf den Knien lag, und ihre Augen zu erheben sich nicht getraute, beschwur ihn, ihrer zu gedenken, und für ihr Seelenheil zu beten. „Ich bitte Gott,“ erwiderte Arsenius, „dass ich niemals an dich denken möge.“ Melania, durch diese Antwort sehr niedergeschlagen, kehrte zurück nach Alexandrien. Der Patriarch redete ihr aber Trost zu, indem er ihr die letzten Worte des Heiligen dahin auslegte: „Er betet,“ sagte er, „er möchte deine Person vergessen, weil du eine Frau bist; anlangend deine Seele, so zweifle nicht, dass er sie inständig dem Herrn empfehlen werde.“

 

Nie besuchte Arsenius seine Brüder. Er begnügte sich damit, dass er in ihrer Gemeinschaft den geistlichen Konferenzen beiwohnte. Als der Abt Markus eines Tages im Namen sämtlicher Einsiedler von ihm wissen wollte, warum er also ihre Gesellschaft fliehe, entgegnete er: „Gott weiß, wie sehr ich euch alle liebe. Ich fühle aber, dass ich nicht zugleich mit Gott und mit den Menschen sein kann. Es ist mir also nicht erlaubt, den einen zu verlassen, um mit den anderen zu reden.“ Dieses hinderte ihn aber nicht, seinen Brüdern Tugendlehren zu erteilen, und wirklich haben wir von ihm noch verschiedene Apoghtegmen, die sich unter denen der Väter befinden. Man hörte ihn oft sagen: „Es hat mich immer ein wenig gereut, dass ich mich mit den Menschen unterhalten, nie aber, dass ich das Stillschweigen beobachtet habe.“ Häufig führte er jene Worte im Mund, die der heilige Euthimius und der heilige Bernhard in der Folge stets wiederholten, um sich zur Tugend anzueifern: „Arsenius, warum hast du die Welt verlassen, und warum bist du hierhergekommen?“ Als man ihn eines Tages fragte, warum er, da er doch in den Wissenschaften so bewandert sei, sich Unterricht und Lehren von einem Mönch erteilen lasse, der nie mit einem Fuß das Feld der Literatur betreten habe, erwiderte er: „Ich kann die Wissenschaften der Griechen und Römer, bin aber noch im Alphabet der Wissenschaft der Heiligen, in welcher dieser vermeinte Unwissende ein vollendeter Meister ist.“ Ungeachtet seiner tiefen Kunde der göttlichen Schriften und der Grundsätze der christlichen Vollkommenheit, vermied er jede Gelegenheit zum Reden, indem er vorzog, von anderen sich unterweisen zu lassen, um nicht in die Sünde der Eitelkeit zu fallen; und dies ist der Grund der Demut und aller übrigen Tugenden.

 

Evagrius von Pontus, der, nachdem er sich zu Konstantinopel durch seine Gelehrsamkeit hohen Ruhm erworben, und zuerst nach Jerusalem begeben hatte, von wo er 385 in die Wüste von Nitria gezogen war, drückte in Gegenwart des Heiligen sein Befremden aus, dass so viele Gelehrte keine Fortschritte in der Tugend machen, während eine Menge Ägypter, die nicht einmal lesen könnten, eine so erhabene Stufe der Beschaulichkeit erschwingen. Da gab ihm Arsenius folgenden Aufschluss: „Die Ursache, warum wir in der Tugend nicht voranschreiten, ist, weil wir uns mit jenem äußeren wissenschaftlichen Punkt begnügen, der nur geeignet ist, das Herz aufzublähen, während jene guten Ägypter ihre Schwäche, ihre Blindheit, ihr Elend wahrhaft erkennen, und dieser Erkenntnis zufolge mit glücklichem Gelingen an der Erlangung der Tugend arbeiten.“ Oft begegnete es dem heiligen Arsenius, dass er mit betränten Augen ausrief: „Herr, verlasse mich nicht, ich habe nichts getan, was dir wohlgefällig sein könnte. Allein ich beschwöre dich durch deine unendliche Barmherzigkeit, mir beizustehen, auf dass ich nun anfange, dir als treuer Knecht zu dienen.“

 

Die Alten haben, wenn sie mit ihm redeten, vorzüglich bemerkt, dass er fast beständig Tränen vergoss. Diese entquollen jener Sehnsucht, womit er ohne Unterlass der glorreichen Ewigkeit entgegenharrte, und jenem Geist der Zerknirschung, mit dem er unaufhörlich die Fehler seines vergangenen Lebens, und die kleinen Vergehen, die täglich seiner Schwachheit entschlüpften, beweinte. Er fand aber in seinen Tränen eine unaussprechliche Wonne, wie man leicht ablesen konnte von der wundervollen Heiterkeit, die immerdar sein Antlitz bestrahlte. Übrigens haben alle Heiligen dasselbe erfahren. „Wenn du von Tränen hörst“, sagt der heilige Chrysostomus bei dieser Gelegenheit, „so denke dir nur nicht das Bild des Harmes; sie sind süßer als alle Süßigkeiten, die man in der Welt genießen mag.“ Der heilige Augustin drückt sich auf dieselbe Weise aus: „Die Tränen der Andacht haben eine Süßigkeit, welche die falschen Freuden der Bühne nicht gewähren.“ Der heilige Johannes Climakus legt wunderschön die Früchte der Tränen dar, die die Diener Gottes vergießen, und sagt unter anderem: „Ich bin erstaunt, wenn ich die Wonne betrachte, womit eine heilige Zerknirschung unsere Seele überschüttet. Wie mögen demnach wohl fleischliche Menschen nur Traurigkeit und Betrübnis darin erblicken? Gleich dem Wachs, das den Honig umschließt, enthält sie eine unversiegbare Quelle himmlischer Süßigkeiten. Gott besucht und tröstet unsichtbarer Weise die im heiligen Schmerz zermalmten Herzen.“

 

Arsenius gab folgende Antwort einer Person, die ihn über die Mittel befragte, die sie anzuwenden habe, um einer heftigen Versuchung, welche unreine Gedanken in ihr erweckten, los zu werden: „Was taten die Madianiten? Sie schmückten ihre Töchter, und führten sie den Israeliten vor, ohne jedoch diesen irgendeine Gewalt anzutun. Die treuen Diener Gottes, die die Madianiten mit Strenge behandelten, und in ihrem Blut ihre Treulosigkeit und frevelnde Absichten wuschen, fielen nicht in das Laster. Tue also desgleichen in Bezug auf deine bösen Gedanken, dränge sie mutig zurück, und züchtige dich selber, dass du auch nur durch eine unwillkürliche Empörung des Fleisches versucht worden bist.“

 

Dieser große Heilige lebte in steter Erinnerung an den Tod und das Gericht: daher rief Theophilus, Patriarch von Alexandrien, der sich immer zu sehr mit Geschäften überhäuft hatte, vor seinem Hinscheiden aus: „Glückseliger Arsenius, dass du diesen Augenblick stets vor Augen hattest!“

 

Die beständigen Tränen, die Arsenius vergoss, hatten ihn nicht entstellt; es strahlte sogar aus seinem Äußeren etwas Himmlisches, das aus der Ruhe seiner Seele, und aus jener nie unterbrochenen Vereinigung mit Gott durch die Bande des Gebetes herrührte. Man bewunderte an ihm eine gewisse anmutige Schönheit, über die jene milden Züge von Würde und Sanftmut, die er bis in seinen Tod behielt, neuen Glanz verbreiteten. Er war schlank und wohl gebildet. In seinem hohen Alter aber beugte ihn etwas die Bürde der Jahre. Er hatte weiße Haare und einen schneeweißen Bart, der bis auf den Gürtel hinabfloss. Der heilige Johannes Climakus, der ihn als ein vollendetes Muster aufstellt, vergleicht ihn mit einem Engel, und sagt, dass, wenn er mit so großer Sorgfalt die Gesellschaft der Menschen floh, es darum geschah, um nicht etwas Kostbareres – seinen Gott – der seine ganze Seele erfüllte – zu verlieren. Zufolge jener Abschälung von der Erde, behauptet Arsenius, die Hauptpflicht eines Mönches bestehe darin, dass er sich nicht in zeitlichen Angelegenheiten mische, und sich niemals erkundige, was in der Welt vorgeht.

 

Er hatte sein vierzigstes Jahr erreicht, als er den Hof verließ. Eine gleiche Anzahl Jahre brachte er in der Wüste Scete zu, ausgenommen, dass er um das Jahr 395 sie auf einige Zeit verlassen musste, wegen der Einfälle der Maziken, eines wilden Volkes in Lybien. Nachdem die Gefahr vorüber war, kam er wieder in seine Zelle zurück, wurde aber um das Jahr 434 abermals genötigt, bei einem zweiten Einfall derselben Barbaren, die mehrere Einsiedler ermordeten, die Flucht zu ergreifen. Anfänglich zog er auf den Felsen Troe, auch Petra genannt, unweit von Memphis, und zehn Jahre später nach Kanope bei Alexandrien. Da er aber die Zerstreuungen, die ihm die Nähe dieser großen Stadt verursachte, nicht ertragen konnte, kehrte er wieder nach Troe zurück, wo er auch starb.

 

Als er seinem Ende sich nahe fühlte, sagte er seinen Jüngern: „Ich bitte, eure Liebe, mir eines zu gewähren, dass ihr nämlich nach meinem Tod beim heiligen Opfer meiner gedenkt. Möchte ich doch, wenn ich in meinem Leben etwas getan habe, das meinem Gott wohlgefällig sein sollte, ihn durch seine Barmherzigkeit besitzen!“ Da seine Jünger sehr betrübt waren, als er zu ihnen redete wie einer, der auf immer Abschied nimmt, fügte er bei: „Meine Stunde ist noch nicht herangekommen, ich werde euch davon Kunde geben. Wenn ihr aber zulasst, dass man irgendetwas von mir als eine Reliquie aufbewahrt, so werdet ihr dafür verantwortlich sein vor dem Richterstuhl Jesu Christi.“ Da sie in Verlegenheit waren, wie sie ihn mit den üblichen Zeremonien begraben könnten, sagten sie ihm, in Tränen zerfließend: „Was sollen wir tun, Vater! Denn wir wissen nicht, wie man die Toten bestattet?“ – „Bindet mir“, erwiderte er ihnen, „einen Strick an den Fuß, schleift dann meinen Leichnam auf die Bergspitze, und lasst ihn allda liegen.“ Da er in den letzten Zügen liegend weinte, befragte ihn einer der Brüder um die Ursache. „Warum weinst du, mein Vater?“ sagte er ihm. „Du fürchtest dich also zu sterben, gleich anderen Menschen?“ – „Ich bekenne“, antwortete er ihnen, „dass ich vor Schrecken erbebe, und dass mich diese Furcht nie verlassen habe, seit ich in der Einöde wohne.“ So fürchten selbst die wahren Diener Gottes seine Gerichte. Allein dieses Gefühl begleitet immer eine wonnevolle Zuversicht auf das göttliche Erbarmen. Es ist mehr oder weniger lebhaft, je nach der Wirkung des heiligen Geistes, der seine Gaben zum Heil der Auserwählten verschiedenartig austeilt. Dieser Furcht ungeachtet, gab daher Arsenius in ungetrübter Ruhe seinen Geist auf. Sein glückseliger Tod ereignete sich um das Jahr 449. Er war fünfundneunzig Jahre alt, und hatte fünfundfünfzig in den Wüsten zugebracht. Als ihn der Abt Pemen sterben sah, rief er mit betränten Augen aus: „Glücklicher Arsenius, dass du, solange du auf Erden warst, über dich weintest! Die hier nicht weinen, werden ewig weinen drüben im anderen Leben.“

 

Die durch ihre Tugenden preiswürdigsten Ordensmänner haben in allen nachfolgenden Jahrhunderten Arsenius als das vollendetste Muster der Vollkommenheit angesehen. Der große heilige Euthimius suchte ihm in allen seinen Übungen nachzuahmen, und dessen Demut, Milde, Gleichmut, Wachsamkeit, Zerknirschung, Enthaltsamkeit, Liebe zur Einsamkeit und zum Gebet, Gottes- und Nächstenliebe, Eifer, Bescheidenheit, und jene Tugendheldenmütigkeit, die mit solchem Glanz in allen seinen Werken strahlte, in sich abzubilden.

 

Der heilige Arsenius wird im römischen Martyrologium unter dem 19. Juli genannt.

 

Die heilige Makrina, Nonne und Ordensstifterin in Kappadokien,

+ 19.7.379 (Dezember 379) – Fest: 19. Juli

 

Makrina war das erstgeborene Kind des heiligen Basilius des Älteren, und der heiligen Emmelia. Nach dem Tod ihres Vaters weihte sie Gott ihre Jungfräulichkeit, und leistete ihrer Mutter große Dienste bei der Erziehung ihrer Brüder und Schwestern. Von ihr lernten der heilige Basilius der Große, der heilige Petrus von Sebaste, und der heilige Gregor von Nyssa, frühzeitig die Welt verachten, und ihre Gefahren fürchten, das Wort Gottes mit Nutzen anhören, und das Gebet lieben.

 

Sie stiftete mit ihrer Mutter zwei Klöster im Pontus, die eine kleine Strecke voneinander entlegen waren. Dasjenige, das sie für die Männer bestimmte, wurde anfänglich vom heiligen Basilius geleitet, dann vom heiligen Petrus, ihrem Bruder. Makrina gab dem zweiten, das von Frauen bewohnt wurde, sehr weise Regeln. Sie führte daselbst die Liebe und den Geist der Armut, die Abschälung von der Welt, die Abtötung, die Demut, und beständiges Gebet, verbunden mit dem Psalmengesang, ein.

 

Die heilige Makrina litt sehr an einem Krebsübel, womit der Herr sie heimsuchte. Endlich wurde sie durch die Kraft des heiligen Kreuzzeichens, das ihre Mutter über sie machte, geheilt.

 

Nach dem Tod der heiligen Emmelia verteilte Makrina ihre Güter unter die Armen und lebte wie die übrigen Nonnen ihres Klosters, das heißt, sie erwarb sich durch Handarbeit die nötige Nahrung. Als der heilige Gregor von Nyssa in ihrer letzten Krankheit sie besuchte, fand er sie, wiewohl sehr abgezehrt durch das Fieber, auf Brettern liegen. Sie schöpfte ungemeinen Trost aus den frommen Zusprüchen ihres Bruders. Ihr Eifer wurde aufs Neue belebt, und sie betete noch alle Tugendübungen, mit denen die Kranken zum Heimtritt sich vorbereiten. Hierauf verschied sie im Frieden des Herrn, nachdem sie sich zuerst mit dem Zeichen des Kreuzes bewaffnet hatte.

 

Die Armut des Klosters war so groß, dass man nur einen gänzlich abgenutzten Schleier fand, um den Leib der heiligen Makrina zu bedecken, als man ihn zu Grabe trug. Der heilige Gregor aber warf über ihn seinen bischöflichen Mantel. Die Dienerin Gottes hatte bei Lebzeiten eine Art Halsgehänge, an das ein Ring und ein eisernes Kreuz geknüpft war, getragen. Der heilige Gregor schenkte das Kreuz einer Klosterfrau, namens Vestiana. Den Ring aber, der hohl war, und ein Stückchen des wahren Kreuzes enthielt, nahm er für sich.

 

Der Ortsbischof und der heilige Gregor wohnten dem Leichenbegängnis der heiligen Makrina bei, wie auch die Geistlichkeit, und Mönche und Nonnen, die in zwei Chöre abgeteilt waren, Kerzen in der Hand trugen, und Psalmen sangen. Der Leichnam der Heiligen wurde in der Kirche der vierzig Märtyrer, die eine Meile entfernt von dem Kloster lag, getragen, und in dem Gewölbe, wo schon der der heiligen Emmelia ruhte, beigesetzt.

 

Die heilige Makrina starb im Monat Dezember 379; ihr Fest aber wird von den Griechen und Lateinern am 19. Juli begangen.

 

Der heilige Symmachus, Papst und Bekenner von Rom,

+ 19.7.514 – Fest: 19. Juli

 

Der heilige Symmachus, in Sardinien geboren, folgte 498 dem Papst Anastasius nach, unter dem er Erzdiakon der römischen Kirche gewesen war. Seine Wahl wurde aber von dem Patrizier Festus gemissbilligt. Wir lesen aber auch bei Theophanes, dass dieser Festus im Sold des Anastasius, des Kaisers von Konstantinopel, eines großen Begünstigers der Eutychianer stand, und beim Vorgänger des Symmachus die Bestätigung des Henotikum von Zeno, und eines Beschlusses zu Gunsten des Eutychianismus betreiben sollte. Da er alle Hoffnung aufgab, bei dem Heiligen dies zu bewirken, fand er Mittel, durch seine Anhänger dem Laurentius, Erzpriester zur heiligen Praxedis, einige Stimmen zu verschaffen. Symmachus und Laurentius wurden an demselben Tag geweiht, der eine in Konstantins Dom, der andere in der Liebfrauenkirche. Theodorich, der König von Italien, obgleich ein Arianer, befahl jedoch der ersten Wahl, und welche die meisten Stimmen habe, sich zu fügen. Infolge dieses Befehls wurde Symmachus als rechtmäßiger Papst erklärt. Er berief nach Rom einen Kirchenrat, dem dreiundsiebzig Bischöfe und siebenundsechzig Priester beiwohnten. Darin wurde beschlossen, um künftig allem Getriebe des Ränkegeistes vorzubeugen, dass alle jene, die bei Lebzeiten des Papstes jemanden ihre Stimme versprechen, oder irgendeiner Versammlung diesen Gegenstand zur Frage bringen würden, ihres Amtes entsetzt und exkommuniziert werden sollten, und dass man nach des Papstes Tod jenen als rechtmäßig anerkenne, dem die meisten Stimmen der Geistlichkeit zugefallen seien. Laurentius unterschrieb diesen doppelten Beschluss an der Spitze der Priester, die dem Konzil beiwohnten, und wurde infolge auf den bischöflichen Stuhl von Nuceria erhoben.

 

Einige Zeit nachher ließen Festus und Probin durch eine gewisse Anzahl Geistlicher und Senatoren, die sie gewonnen hatten, Laurentius nach Rom zurückberufen, wodurch die Spaltung wieder erneuert wurde. Und dies war die erste, die die römische Kirche betrübt hat, wie mehrere Geschichtsschreiber berichten, wiewohl Novatian alles in Bewegung gesetzt hatte, um eine solche hervorzubringen. Da die Schismatiker den heiligen Symmachus mehrerer Laster beschuldigten, ließ Theodorich eine Synode versammeln, um die Sache zu untersuchen. Die Bischöfe von Ligurien, Aemilien und Venetien reisten über Ravenna nach Rom. Bei dem Besuch, den sie dem Gothenkönig abstatteten, stellten sie ihm dringend vor, es sei Sache des Papstes, eine Synode zu berufen, diese Gerechtsame gehöre dem Primat seines Stuhles, den er vom heiligen Petrus empfangen habe, und die ihm zudem auch durch die Konzilien bestätigt worden sei. Sie fügten noch bei, es sei bisher unerhört gewesen, dass man einen Obern vor den Richterstuhl seiner Untergebenen gefordert habe. Allein Theodorich bewies ihnen aus den Briefen des Symmachus, dass dieser Oberhirte mit der Berufung des Konzils einverstanden sei. Auch liest man im Pontifikale, dass die Synode von Symmachus zusammen berufen worden ist.

 

Die Eröffnung dieses Konzils, das zu Rom gehalten wurde, geschah im Monat September des Jahres 501. Symmachus wurde der ihm angeschuldigten Laster unschuldig erklärt. Ferner erließ man den Befehl, jene als Glaubensspalter zu bestrafen, die ohne seine Einwilligung Messe lesen, den Urhebern des Schismas aber zu verzeihen, wofern sie dem Papst Genugtuung leisten würden. Als der Beschluss in Gallien anlangte, wurden alle Bischöfe dieses Landes darüber betrübt, und beauftragten den heiligen Avit, Bischof von Vienne, im Namen aller nach Rom zu schreiben. Dieser richtete seinen Brief an Faustus und Symmachus, die beide die Konsularwürde bekleidet hatten. Er beschwerte sich darin, dass der Papst, der bei dem Fürsten verklagt wurde, von den Bischöfen, die sich einer solchen Ungerechtigkeit hätten widersetzen sollen, gerichtet worden sei. „Man begreift nicht leicht,“ sagt er, „wie ein Vorgesetzter, umso mehr das Oberhaupt der Kirche, von seinen Untergebenen gerichtet werden könne.“ Indessen lobt er das Konzil, dass es der Unschuld des Kirchenoberhauptes Zeugnis gegeben. Auch bittet er den Senat, die Ehre der Kirche zu handhaben, und nimmer zu gestatten, dass die Schafe sich gegen ihre Hirten auflehnen.

 

Der durch seine Tugenden und seine reichen Almosen berühmte Diakon Paschasius hatte gegen Ende seines Lebens das Unglück, die Spaltung, von der hier die Rede ist, zu begünstigen, aber einzig darum, weil er sich hatte täuschen lassen. Man liest bei Gregor dem Großen, dessen Erzählung auf das Ansehen einer besonderen Offenbarung sich stützte, dass er diesen Fehler nach seinem Tod im Fegfeuer abbüßen musste, dass er aber durch das Gebet des heiligen German, des Bischofs von Capua, daraus befreit wurde. Andere Schriftsteller melden, er habe sein Vergehen zu Ende seines Lebens bereut, oder wenigstens habe seine Einfalt seine Sünde vermindert. Paschasius schrieb ein gelehrtes Werk über die Gottheit des Heiligen Geistes: unrichtig aber schreibt man ihm ein anderes über denselben Gegenstand, das seinen Namen führt, zu; es ist von Faustus von Riez verfasst worden.

 

Papst Symmachus ließ dem Kaiser Anastasius melden, er könne keine Kirchengemeinschaft mit ihm pflegen, solange er den Acacius unterstütze. Der Fürst hatte eine solche Drohung erwartet. Auch ließ er bei seiner Thronbesteigung keinen Brief an den Papst ergehen, so wie es eigentlich üblich war. Um sich zu rächen, beschuldigte er ihn des Manichäismus, ob es gleich weltkundig war, dass er die Anhänger dieser Ketzerei aus Rom verbannt hatte. Auch unterließ er keine Gelegenheit, ihm entgegenzuwirken, denn er befürchtete seinen Eifer gegen die Akephalen, deren erklärter Beschützer er war. Der heilige Papst schrieb seine Rechtfertigung, in der er mit jener Würde sprach, die dem christlichen Priestertum so wohl ansteht; und erließ zugleich an die morgenländischen Bischöfe einen Brief, sie zu ermahnen, die Verbannung und alle Arten von Verfolgungen zu leiden, eher als von der Wahrheit abzufallen.

 

Als König Trasimund mehrere orthodoxe Bischöfe Afrikas nach Sardinien verbannte, sorgte Symmachus für ihren Unterhalt, und schickte ihnen alle Jahre Geld und Kleidung. Unter den Werken des Hennodius befindet sich auch noch ein Brief, den er ihnen schrieb, um sie zu trösten. Diesem Schreiben hatte er zugleich Reliquien der heiligen Märtyrer Romanus und Nazarius beigegeben.

 

Seine Liebe zu den Unglücklichen erkaufte eine Menge Gefangener. Auch versah er mehrere Kirchen von Rom mit dem nötigen Schmuck. Der Kreuzkapelle gab er ein goldenes Kreuz, das zehn Pfund wog, und in das er ein Stückchen des geheiligten Stammes einfassen ließ, an dem der Welterlöser sein Blut vergoss. Er schenkte der St. Paulskirche ein Ziborium oder einen Tabernakel, auf dem das Bildnis unseres Heilandes und das der zwölf Apostel eingeprägt war. Er war es auch, der, laut des Pontifikals, verordnete, in der Messe an Sonntagen und den Festen der Märtyrer den Hymnus Gloria in excelsis zu singen. Er starb am 19. Juli 514, nachdem er fünfzehn Jahre und acht Monate auf dem römischen Stuhl gesessen hatte.

 

Der selige Johannes von Dukla, polnischer Franziskaner-Priester,

+ 29.9.1484 – Gedenktag: 29. September / 19. Juli

 

Der gottselige Johannes mit dem Beinamen Dukla, von der polnischen Stadt, in der er das Lebenslicht erblickte, widmete sich von seiner Jugend an dem Dienst Gottes unter den Söhnen des heiligen Franziskus, Konventualen genannt. Auf den Rat des heiligen Johannes von Capistran, der damals in Polen predigte, schloss er sich später an die von der Observanz an. Man bemerkte an ihm besonders eine lebhafte Liebe für seine Regel, eine große Sorgfalt den Frieden, die Reinheit und den Gehorsam in ihrer Vollkommenheit zu unterhalten. Er hatte sich die allerseligste Jungfrau zum Vorbild gewählt, die er besonders verehrte, und er bemühte sich sein ganzes Leben lang ihr nachzuahmen. Seine Predigten bewirkten mehrere ausgezeichnete Bekehrungen. Einige Zeit vor seinem Tod verlor er das Gesicht, dessen ungeachtet fuhr er fort, sein heiliges Amt bis zu seinem seligen Hinscheiden auszuüben, das am 29. September 1484 in Leopoldstadt erfolgte. Clemens XII. genehmigte seine Verehrung, und gestattete den Polen, so wie den Litauern, ihn als einen ihrer Patrone zu verehren. Sein Fest wird bei den Franziskanern am 19. Juli begangen. 

 

Die selige Stilla von Abenberg, Jungfrau, Kirchenstifterin,

+ 21.7.1141 ? – Gedenktag: 19. Juli

 

Die selige Stilla stammt aus dem in der Geschichte des Mittelalters vielgerühmten und angesehenen Geschlecht der Grafen von Abenberg, deren Burg heute noch erhalten ist in dem fränkischen Städtchen Abenberg südlich von Nürnberg. Die Abenberger, verwandt mit den Hohenzollern und Wittelsbachern, hatten auch auswärts große Besitzungen wie in Schweinfurt und Berchtesgaden und übten die Schirmvogtei über Bamberg aus. Stilla wurde um das Jahr 1100 geboren. Fromme Eltern müssen an ihrer Wiege gestanden haben. Wir finden Glieder aus ihrer Familie als würdige Angehörige des Bamberger Domkapitels und als Äbte von Heilsbronn. Einer ihrer Brüder ist der heiligmäßige Bischof Konrad I. von Salzburg, der im Investiturstreit entschieden die Rechte der Kirche verteidigte. Graf Wolfram II., ein anderer Bruder, hatte in Abenberg ein Benediktinerkloster errichtet und ausgestattet.

 

Umgeben von Reichtum und Glanz, ging Stillas Streben schon in der Jugendzeit nicht nach irdischer Größe; Gott dienen schien ihr das höchste Lebensglück. Diese glühende Gottesliebe, aber auch die Absicht in anderen diese Liebe zu Gott und den Heiligen zu entfachen, bewog sie, aus eigenen Mitteln auf dem der elterlichen Burg gegenüberliegenden Hügel eine Kirche zu Ehren des heiligen Petrus zu erbauen und reichlich auszustatten. Im Kloster Marienburg, das 1491 von Fürstbischof Wilhelm von Reichenau an der Peterskirche errichtet wurde, zeigt man noch einen kostbaren Kelch, der ein Geschenk der Dienerin Gottes sein soll. Hier an dieser ehrwürdigen Stätte, die der heilige Bischof Otto von Bamberg 1136 feierlich geweiht hatte, weilte Stilla wohl täglich im Gebet und folgte mit Andacht dem heiligen Messopfer.

 

Doch wahre Gottesliebe äußert sich gewöhnlich auch in anderen Formen. So war Stilla auch ein lieber Engel der Armen und Kranken. Das war ihre liebste Beschäftigung: die Hütten der Armen besuchen, Kinder lehren, Kranke pflegen und überhaupt jede Not lindern. Die glänzendste Blüte aber, die aus dem Edelreis der Gottesliebe hervorsprosse, war ihre Tugendliebe, besonders ihre strahlende Keuschheit. Um sie zu schützen, verzichtete sie gerne auf äußere Vergnügungen, ihr Name schon war ein Abbild ihrer schlichten, kindlichen Seele. Wie die alte Legende berichtet, gelobte sie auf den Rat ihres Vetters, des heiligen Otto von Bamberg, in ihrem Heiligtum ewige Keuschheit. Indem sie den Schleier nahm, vermählte sie sich dem himmlischen Bräutigam. So führte sie, wenn auch in der Welt lebend, ein wahrhaft klösterliches Leben im Dienst Gottes. Ihr Plan, neben ihrer Kirche ein Frauenkloster zu errichten, ähnlich wie ihr Bruder ein Männerkloster in Abenberg gegründet hatte, blieb ihr Herzenswunsch, der leider nicht mehr ausgeführt werden konnte. Gott rief seine treue Dienerin zu sich in den Himmel.

 

Stillas heilige Überreste wurden nicht in de Familiengrabstätte der Grafen von Abenberg in Heilsbronn, sondern in ihrem Kirchlein St. Peter bestattet, wo noch immer ihr Grab in hohen Ehren gehalten wird. Bald nach ihrem Tod begann ihre Verehrung. Es bildete sich eine große Wallfahrt an ihr Grab, zumal viele wunderbare Erhörungen bekannt wurden. So wurde St. Stilla gewissermaßen vom Volk seliggesprochen. Diese Verehrung wurde zuerst stillschweigend von der Kirche anerkannt. Bald schon wurde ein Altar zu Ehren Stillas in ihrer Kirche geweiht. Im Jahr 1685 wurde nach dem Brand der alten Kirche in der neuen wieder ein Altar zu ihrer Ehre konsekriert.

 

Trotz vieler widriger Zeitereignisse blieb die Verehrung Stillas in nächster und weiterer Umgebung lebendig. Sie überdauerte die so viel zerstörende kirchliche Umwälzung des sechzehnten Jahrhunderts, die fast die ganze Umgebung Abenbergs vom katholischen Glauben losriss, sie ist durch die Säkularisation von Kirche und Kloster nicht erstorben. Seit 1921 ist auch das halbzerstörte frühere Augustinerinnenkloster Marienburg neben der Stillakirche wieder neu erstanden; stilltätige Franziskanerinnen haben die Wache am Grab der Seligen übernommen. In den Jahren 1893-1897 war bereits durch Bischof Franz Leopold von Eichstätt der Anerkennungsprozess über die seit unvordenklichen Zeiten in der Diözese Eichstätt ununterbrochen geübte Verehrung der seligen Stilla zu einem glücklichen Ende geführt worden. Nach weiteren genauen und langwierigen Untersuchungen fand dieses Urteil auch die Bestätigung des päpstlichen Gerichtes, dem der Heilige Vater Pius XI. am 12. Januar 1927 endgültig die kirchliche Rechtskraft verlieh. Eine große, sehr eindrucksvolle Festfeier zu Ehren der Seligen führte in den Tagen vom 21. bis 24. Juli 1927 gegen 7000 Teilnehmer aus allen Teilen des deutschen Vaterlandes, ja sogar aus Amerika, der Schweiz und aus Rom, nach Abenberg. Einmütig kam die laute Freude zum Durchbruch, dass wieder einmal eine Heilige aus einer urdeutschen Familie die kirchliche Anerkennung gefunden hat; frohe Zuversicht auf die wirksame Fürbitte der stillen jungfräulichen Wohltäterin des Frankengaues ließ aller frommen Verehrer Herzen kräftiger schlagen.

 

Wie ein Stern (= stella), wenn auch nicht erster Größe, aber von frohanmutender Lieblichkeit, leuchtet St. Stilla heute wie vor Jahrhunderten in unvermindertem Glanz. Durch ihre praktische Frömmigkeit und Nächstenliebe ist sie ein strahlendes Vorbild besonders auch für unsere Zeit. Im Hinblick auf eine versuchte Erklärung des Namens Stilla aus unserer heimischen Mundart, wie sie Jakob Gretscher, der große Ingolstädter Theologe, gewandte Sprachkenner und fruchtbare, überaus demütige Schriftsteller aus der Gesellschaft Jesu (+ 1625), und sein etwas jüngerer Ordensgenosse Rader, der Verfasser eines „Heiligen Bayerns“, überliefern, die das Wort Stilla auf die Eingezogenheit und das Stillschweigen der Seligen, „einer beim weiblichen Geschlecht seltene Tugend“, zurückführen, erscheint sie nicht weniger als Beispiel sanftwerbender Frauentugend.

J. Sperber, Stadtpfarrer, Abenberg

 

Der ehrwürdige Petrus Haas, Zisterzienser von Schönthal,

+ 19.7.1644 – Gedenktag: 19. Juli

 

Wie ein schlimmer Wettersturm brauste der Dreißigjährige Krieg über die deutschen Klöster hin. Eine große Zahl sank in Schutt und Asche, die friedlichen Bewohner wurden gemartert und verjagt. Aber eins muss man zu ihrem Lob sagen: die Heimsuchung traf sie innerlich erstarkt, etwaige böse Nachwehen der sogenannten Reformation waren überwunden und überall herrschte neues religiöses Leben. Und so erblühte im Wettersturm manch stille Blume, deren Duft uns jetzt noch entzückt, wenn einmal der Schutt der Vergessenheit von ihr weggeräumt wird. Pater Petrus Haas ist eine Blume dieser Art. Im Klostergarten zu Schönthal a. d. Jagst in Württemberg hat sie einst geblüht und geduftet. Sein Andenken stand bei seinen Mitbrüdern in hohen Ehren als das eines gottbegnadeten Heiligen, bis die Klosteraufhebung es gänzlich verblassen ließ. Was dem Leser der Legende hier erzählt wird, ist alten Aufzeichnungen entnommen, die ein Mitbruder des heiligmäßigen Mannes gegen Ende des neunzehnten Jahrhunderts veröffentlicht hat.

 

Petrus war ein Gnadenkind. Schon bevor er am 4. Februar 1608 zu Neustadt a. d. Saale das Licht der Welt erblickte, wollten Nachbarsleute am Bett der Mutter eine Kerze aufflammen gesehen haben. Als dann seine Mutter bei der Geburt in Bedrängnis kam, weihte sie ihre gesegnete Frucht Gott und der seligsten Jungfrau und tat das Versprechen, ihr Söhnlein für den Dienst am Altar zu erziehen. Bald offenbarte der Junge eine leidenschaftliche Liebe zu den Büchern. Man schickte ihn deshalb an das Gymnasium der Jesuiten nach Würzburg. Seine Fortschritte im Studium schrieb er ganz der Hilfe von oben zu. Einmal war sogar trotz seines Fleißes Gefahr, dass er nicht in die nächste Klasse aufsteigen durfte. Da rief er von Herzen zu Maria – und der entscheidende lateinische Prüfungsaufsatz fiel zur Verwunderung aller geradezu glänzend aus. Maria war überhaupt sein ein und alles. Bei den Erscheinungen, die ihm später beim Chorgebet oder allein zuteilwurden, spielte die Vision der seligsten Jungfrau die Hauptrolle. Von den Heiligen hatte er die am liebsten, die eifrige Marienverehrer gewesen waren, so vor allem den heiligen Bernhard, seinen Ordensvater, und den heiligen Aloysius, nach dessen Beispiel er mit dreizehn Jahren im Dom zu Würzburg das Gelübde der Jungfräulichkeit ablegte. Ihn bat Petrus auch besonders um die Berufsgnade und am Fest dieses Heiligen (1625) war es, wo der fromme Jüngling unzweideutig von Gott den Ruf in den Ordensstand vernahm. Ohne Säumen trat er bei den Zisterziensern in Schönthal ein, das, um 1153 gegründet, sich zu einer mächtigen Abtei entwickelt hatte. Am 10. Juli 1626 legte Peter Haas Profess ab. Als er anschließend in der Sakristei zur schmerzhaften Mutter betete: „Dich als Mutter zeige!“, hörte er deutlich die Stimme des Gekreuzigten: „Dich als Sohn erzeige!“ Die folgenden Jahre waren überhaupt reich an außergewöhnlichen Gnaden.

 

Das Studium der Theologie wurde jäh unterbrochen durch den Einfall der Schweden, die nach der Schlacht bei Leipzig (17. Oktober 1631) sich über das unglückliche Frankenland ergossen. Ein Teil des Konvents verließ auf Anordnung des Abtes Sigismund das Kloster und suchte sich anderswo ein Unterkommen. Frater Petrus, der bereits zum Diakon geweiht war, begab sich mit mehreren Mitbrüdern nach Schwäbisch-Hall. Inzwischen wurde aus Schönthal eine „Kloake der Bosheit“. Die Häretiker nahmen Besitz davon, entweihten die Kirche, warfen die heiligen Hostien den Hühnern als Futter vor und die Reliquien den Hunden auf der Straße. Die zurückgebliebenen Patres wurden aufs schimpflichste behandelt und dann vertrieben. Es dauerte nicht mehr lange, und die Patres, die sich nach Hall geflüchtet hatten, wurden von Bürgern des Städtchens verraten und von schwedischen Offizieren verhaftet, gegen ein Lösegeld aber wieder freigelassen. Von da an begann für Frater Petrus Haas und einen Mitbruder Christoph Haan ein unstetes Wanderleben. Am 6. März 1632 empfingen beide in Eichstätt die Priesterweihe, am 13. April feierten sie in Aldersbach bei Passau ihre Primiz. Dann machten sie sich auf den Weg nach Süden, nach Tirol, in die Schweiz und über den St. Gotthard, wo sie während eines Schneesturms übernachteten, in die Lombardei und hierauf den gleichen Weg wieder zurück. Unter unglaublichen Beschwerden irrten sie von Kloster zu Kloster, bald freundlich bewirtet, bald barsch abgewiesen. Bezeichnend für ihre unbesiegbare Frömmigkeit ist, dass sie auf der ganzen Reise keinen Tag weder das Breviergebet noch die Darbringung des heiligen Messopfers unterließen. Das war mitunter ein großes Opfer. Schließlich fanden die beiden Patres ein Plätzchen als Beichtväter bei den Zisterzienserinnen zu Eschenbach in der Schweiz. Pater Petrus blieb hier, bis er im November 1634 in sein Kloster heimkehren durfte.

 

Die weiteren Lebensschicksale des ehrwürdigen Dieners Gottes sind schnell erzählt. Im Jahr 1636 wurde der junge Mönch zum Prior und Novizenmeister bestellt. Als Arbeitsfeld war ihm damit in erster Linie der geistliche Garten der Klosterfamilie anvertraut. Acht Jahre wirkte er mit der ganzen Hingabe seiner seeleneifrigen Liebe im Dienst seiner Mitbrüder, bis ein allzu früher Tod seinem Leben ein Ziel setzte. Ein Schlaganfall, der ihn des Gebrauchs seiner Glieder beraubte, war das erste Warnungszeichen. Im Gehorsam gegenüber seinem Abt, seinen einstigen Reisegefährten Christoph Haan, suchte er das Bad in Schwalbach auf, sagte aber vor der Abreise bis auf die Stunde genau sein Hinscheiden voraus. Am 18. Juli 1644 feierte ein Mitbruder im Zimmer des lutherischen Gasthauses, das er in Schwalbach bewohnte, in aller Heimlichkeit die heilige Messe und reichte ihm die heilige Wegzehrung, am nächsten Vormittag hauchte er in den Armen seines Vaters und Abtes seine Seele aus. Die Abteikirche von Eberbach gewährte seiner sterblichen Hülle ein Plätzchen vor dem Altar des geliebten Ordensvaters St. Bernhard. Die Grabschrift lautete: Am 19. Juli 1644 entschlief im Herrn der hochwürdige Pater Petrus Haas, Prior von Schönthal, leuchtend durch Reinheit des Lebens, Gottesfurcht und Eifer für seinen Orden.

 

„Leuchtend durch Reinheit des Lebens, Gottesfurcht und Eifer für seinen Orden“: In Hinsicht auf Pater Petrus waren diese rühmenden Worte kein leerer Schall. Einige Ergänzungen zum Erzählten aus unserer Quelle bestätigen es. „Über die himmlischen Gunsterweise, die diesem wahrhaft religiösen Diener Gottes zuteilwurden, wird sich niemand wundern, der die Reinheit seines Gewissens, die beständige Richtung seines Geistes auf den Himmel, die flammende Glut seiner Andacht, seine feurigen Begierden, die aus der Tiefe seines reinen Herzens hervorbrechenden Stürme der Liebe zu Jesus, Maria und zum heiligen Bernhard beobachten konnte. . . Dem Fasten und dem Gebet war er in höchstem Maße ergeben. Seine häufigen Geißelungen und sonstigen unzählbaren Abtötungen kennt nur der himmlische Vater. Mit welchem Eifer er an der Wiederherstellung der ursprünglichen Strenge sowohl im ganzen Orden als besonders in der oberdeutschen Kongregation und in Schönthal gearbeitet hat, davon zeugen seine heißen Gebete und vor Gott vergossenen Tränen, seine große Traurigkeit, als nach achtzehnjährigen Bemühungen seine Hoffnung auf eine Erneuerung des Ordens gescheitert war. . . Die kleinsten Verletzungen und Übertretungen der Regel konnte er bitterlich beweinen und scharf rügen. Er zog sich, wie das allen Heiligen so begegnete, deshalb manchen Widerspruch und manche Verfolgung zu. Doch litt er das mit größter Freude. Wurde er doch dadurch gleichförmig seinem Heiland. Mit dem heiligen Bernhard liebte er überhaupt das „Myrrhenbüschlein“ und ging mit der Gottesmutter opferbereiten Herzens den Kreuzweg.“

 

„Überall hatte er Gottes Gegenwart vor Augen und es war ihm zur zweiten Natur geworden, von den geschaffenen Dingen sofort zum Schöpfer emporgelenkt zu werden. . . Er war von Gott mit mystischer Einsicht begabt, wie das aus seinen Predigten und Aufzeichnungen hervorgeht. In prophetischem Geist sah er vieles voraus, sagte er vieles vorher, offenbarte er manch verborgenes Geheimnis. Die Gabe der Tränen war ihm besonders beim heiligen Messopfer eigen, wo besonders nach der Wandlung und Kommunion die Wallung des Herzens sich in hervorgestoßenen Seufzern und Schluchzen kundgab. Zum Altar trat er nur mit Furcht und Zittern. Sein Gewissen hatte ganz die Natur eines gesunden Auges, das auch das kleinste Stäublein oder Sandkörnlein von Unvollkommenheit nicht ertragen konnte. Eine überlegte lässliche Sünde betrachtete er bei einem Ordensmann als ein Sakrileg und eine Verletzung des Gelübdes der Bekehrung der Sitten. . . So kann man sich nicht wundern, dass Gott in einer Seele, die die kleinste Sünde so verabscheute und floh, auch seinen Gnadentau herniederfallen ließ.“

 

Das war das Bild des Pater Petrus Haas, wie es im Herzen seiner Mitbrüder nach hundert Jahren noch lebte, es war das Bild eines Heiligen. Sie trachteten deshalb, auch den Leib des ehrwürdigen Dieners Gottes wieder in ihre Mitte zu bekommen. 1720 wurde er von Eberbach nach Schönthal überführt und im Kapitelsaal unter dem Thron des Abtes beigesetzt. Den Novizen aber wurden als heiligstes Vermächtnis des Gottesmannes seine letzten Worte überliefert, die er an alle richtete, welche in Zukunft ins „schöne Thal“ kommen würden:

 

„Liebet, gehorchet, seid treu bis zum Tode! Lebet wohl, lebet in den Wunden Jesu, an der Brust unserer Mutter Maria, unter dem honigfließenden Schatten des heiligen Bernhard!“

 

Gebet am 19. Juli

 

Gütigster Jesus, der Du in Deiner Kirche so viele Heilige als Apostel Deiner brennenden Liebe erweckt hast, erfülle Deine Dienerinnen und Diener mit demselben Eifer der Liebe, damit sie um Deinetwillen freudig mit ihrem Besitztum und ihrer Person sich dem Dienst Deiner heiligsten Mutter Maria und der Armen weihen: der Du mit Gott dem Vater lebst und regierst in Einigkeit des Heiligen Geistes von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 

 

Gebet des heiligen Arsenius

 

Herr, verlass mich nicht. Ich habe nichts getan, was Dir wohlgefällig sein könnte. Ich bitte Dich aber dringend durch Deine unendliche Barmherzigkeit, steh mir bei, damit ich jetzt anfange, Dir treu zu dienen. Amen.

 

Andacht am 19. Juli:

 

Das Thema im Juli:

Von der Einfalt

"Seid arglos wie die Tauben." (Matthäus 10,16)

 

Es gibt eine Art Einfalt, die dahin wirkt, dass man die Augen allen Empfindungen der Natur und allen menschlichen Rücksichten verschließt und sie immer auf die Wahrheiten des Glaubens heftet, um sie zur Richtschnur seines Verhaltens zu nehmen. So ein Mensch fragt in allen seinen Werken, Worten und Gedanken, zu jeder Zeit und an jedem Ort den Glauben um Rat, und tut nichts, außer nach seinem Ausspruch. Dies fürwahr ist eine wunderbare Einfalt." (Der heilige Vinzenz von Paul)

"Tue all deine Werke bei deinem Grab!" sprach ein großer Diener Gottes. Diesen heilsamen Rat befolgte der heilige Bernhard. Bevor er etwas tat, befragte er sich: "Wenn ich nach einigen Augenblicken sterben müsste, würde ich wohl das Werk tun, das ich nun tun will?"

Immer dachte der heilige Aloysius, er stände am Rand der Ewigkeit, und forschte dann, ob, was er im Begriff sei zu tun, auf die glückselige Ewigkeit Bezug habe. Sein Wahlspruch war: "Was nützt dies für die Ewigkeit?"

Eine Person, die immer auf heilige Weise handeln wollte, schrieb sich einen Ausspruch auf ein Täfelchen, das sie immer vor Augen hatte. Dieser Ausspruch lautete: "Bevor du ein Werk beginnst, bedenke, was daraus erfolgen soll!" - Ein anderer betrachtete ohne Unterlass, dass das gegenwärtige Leben der Gang eines Verbrechers, dem sein Urteil verlesen wird, vom Gefängnis bis zur Richtstätte ist.

 

Lass mich, o Herr, die heiligen Wahrheiten des Glaubens nie aus den Augen verlieren; ohne Unterlass sollen sie meine Betrachtung und die Richtschnur meines Lebens sein! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 19. Juli

 

"In Geschäften und schwierigen Verhältnissen sammelt euch alsbald in Gott

und alles wird euch klar und leicht werden."

 

sel. Heinrich Seuse OP

1298 bis 25.1.1366

 

Betrachtung am 19. Juli - Vom irrenden Gewissen

 

O gib mich, Herr, nicht preis des Herzens Gier,

Das immer nur Verbotenes begehrt.

Dein Licht verscheucht und die Vernunft verkehrt,

Und Gräuel liebt anstatt des Lebens Zier.

 

1. Das Gesetz Gottes ist die Richtschnur unseres Lebens, und wir wenden es nach unserem Willen und Gewissen an. Ist unser Wille aufrichtig, dann ist unsere Anwendung getreu. Herrscht aber irgendeine verborgene Leidenschaft in unserem Herzen, dann geben wir diesem heiligen Gesetz gern eine falsche Deutung, und bereden uns, es verpflichtet bei dieser und jener Gelegenheit nicht so streng. Dies geschieht zwar anfangs nicht ohne Angst, doch beruhigt man sich zuletzt, und kommt endlich sogar auf den Wahn, man führt ein gerechtes Leben. Dies ist ein falsches Gewissen, das beständig irre führt, beständig in der Sünde stehen bleibt und dabei meint, es tut recht. 

 

2. Darum ordnen wir unser Gewissen nach der Geradheit des göttlichen Gesetzes, und nicht nach unseren sinnlichen Begierden, sonst werden wir bald alles für erlaubt halten, was uns erfreulich und nützlich erscheint, und immer wird unser Herz unsere Vernunft nach sich reißen. Denn ist einmal das Gewissen mit der Begierlichkeit einverstanden: was erlaubt dann der Mensch sich nicht alles? Welches Laster beschönigt er dann nicht? Welcher Zustand aber ist je schrecklicher, als der Friede in der Sünde? Herr, mein Gott, bewahre mich vor dieser schrecklichen Finsternis, und durchdringe mein Herz mit deinem Licht und mit deiner Wahrheit, auf dass ich mein Gewissen, nach der Richtschnur deines heiligen Gesetzes, gerade ordne. 

 

3. Ein falsches Gewissen ist in Dingen, die die Leidenschaften nicht angehen, über Kleinigkeiten ängstlich, in Dingen aber, wo die Leidenschaft einfließt, achtet es die gröbsten Sünden als unbedeutend. Es steigt die Mücke und verschlingt das Kamel. Also machten die Pharisäer sich ein Gewissen daraus, in das Richthaus des heidnischen Richters zu gehen, kein Gewissen jedoch, den Herrn Jesus zu kreuzigen, ob sie auch die genauesten Anzeichen hatten, dass er der Messias war. Wenn dein Gewissen, das Licht deiner Seele, verfinstert ist, notwendig werden dann alle deine Werke Finsternis sein. Niemals mehr kann ein weites Gewissen auf dem schmalen Himmelsweg gehen. "Für die Unreinen und Ungläubigen aber ist nichts rein, sogar ihr Denken und ihr Gewissen sind unrein." (Titus 1,15)

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>> Heiligen-Legende <<

 

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>> Heiligen-Legende <<

 

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Die heilige Kümmernis

 

Im Mittelalter war St. Kümmernis (auch St. Wilgefort genannt) eine hochverehrte Heilige in Südtirol, zu der die Gläubigen mit allen geistigen und leiblichen Nöten (Kümmernissen) kamen, besonders Liebende nahmen gerne ihre Hilfe in Anspruch.

Legende: St. Kümmernis war die Tochter eines heidnischen Königs von Sizilien. Sie bekehrte sich zum christlichen Glauben. Der Vater wollte sie mit einem heidnischen König verheiraten, doch die Heilige weigerte sich. Darauf ließ der Vater in den Kerker werfen und mit glühenden Zangen peinigen um sie umzustimmen. Doch St. Kümmernis bat Jesus, er möge sie so verunstalten, dass kein Mann sie zur Ehe begehre. Jesus erhörte sie und gab ihr das Aussehen eines Mannes. Der Vater, der darob erzürnt war, ließ sie mit einem elenden Rock bekleidet ans Kreuz schlagen. St. Kümmernis lobte Gott und predigte drei Tage lang vom Kreuz das Christentum, so dass sich sogar ihr Vater bekehrte. Zur Sühne baute er eine Kirche und ließ darin das Bild seiner Tochter aufstellen. 

 

Gebet

 

zur heiligen Jungfrau und Martyrin Wilgefort oder Kümmernis

in einem besonderen Anliegen zu sprechen (18. Jahrhundert)

 

O du glorwürdige Martyrin und auserwählte Gespons Jesu Christi, heilige Kümmernis! mit großem Vertrauen fliehe ich zu dir, und mit herzlicher Andacht rufe ich dich um deine Hilfe und Fürbitte an. Du weißt und siehst in Gott, in was für einem großen Anliegen ich stecke, und wie mein betrübtes Herz mit so viel Qual und Kümmernis erfüllt ist. Dieses mein großes Herzeleid lege ich vor deinem Kreuze nieder, und bitte, du wollest es mit gnädigen Augen ansehen, und die Betrübnis lindern. Du kannst mich gar leicht von dieser meiner Qual erretten, weil dir dein liebster Bräutigam Jesus Christus keine billige Bitte zu versagen versprochen hat; denn, als du am Kreuz hangend ihn batest, dass er alle Notleidende, die deine Marter ehren, und dich um deine Fürbitte anrufen werden, von ihren innerlichen und äußerlichen Anliegen und Betrübnissen erretten wolle, hat er deine Bitte erhört, und dein Begehren durch eine himmlische Stimme bekräftigt. Eja dann, o liebe heilige Kümmernis! ich bitte dich, durch deine heilige Jungfrauschaft, durch dein heiliges tugendhaftes Leben, und durch deine schmerzliche Annagelung an das Kreuz, erhöre meine demütige Bitte, und tröste mich in meiner großen Betrübnis; ich werde nicht nachlassen zu dir zu seufzen, und dich mit meinem ungestümen Bitten und Begehren zu plagen, bis du dich endlich meiner erbarmst, und mich von meiner Herzens-Betrübnis erledigst. Ich verspreche dir entgegen, dass ich gegen dich allzeit ein dankbares Gemüt tragen, dich lieben und ehren werde. Verlasse mich nur nicht, o meine auserwählte Patronin! sondern sende mir einen Trost, den ich von dir hoffend mich deinem Schutz und Gnade ganz und gar ergebe. Amen.

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