Heilige des Tages

 

Man kann die Taten der Heiligen und der Martyrer nicht lesen, ohne im Innersten angerührt zu werden. Sie sind unsere Vorbilder. Die Menschen, die einen anderen Weg gehen, als den der Heiligkeit und der Nachfolge Christi, sind schnell verzweifelt und ohne Hoffnung. Es gibt keinen Mittelweg für die Ewigkeit! Es gibt entweder die Glückseligkeit oder die Unglückseligkeit. Die Glückseligkeit ist der Lohn der Nachfolge Jesu und Mariä und aller Heiligen, die Unglückseligkeit der Lohn der Sünde und Lauheit. Wer auf Erden sich um Heiligkeit bemüht, wird zu der Zahl der Heiligen im Himmel dazugerechnet. Ich werde demnach in der Ewigkeit sein, der ich im Leben gewesen bin. Und für die Wahrheit dieser Gedanken steht eine Wolke von unendlich vielen Zeuginnen und Zeugen.

Matthias Hergert

 

19. Juni

 

Die heilige Juliana Falconieri von Florenz, Nonne, Ordensstifterin,

+ 19.6.1341 - Fest: 19. Juni

 

Lange hatten die Eheleute Falconieri zu Florenz in Italien den Himmel bestürmt, bis sie im Jahr 1270 endlich erhört wurden und der liebe Gott ihnen ein Töchterchen schenkte, das sie auf den Namen Juliana taufen ließen. Groß war die Freude der Eltern, und weil sie reich waren, beschlossen sie, ihrer Dankbarkeit dadurch Ausdruck zu verleihen, dass sie eine Kirche zu Ehren der Muttergottes erbauten.

 

Als Juliana heranwuchs, zeigte es sich, dass sie ein gutes Herz besaß, voll Gottes- und Nächstenliebe. Man sah die Kleine öfters in dieser und jener Kirche der Stadt, und wer sie beobachtete, konnte feststellen, dass sie mit Andacht betete. Aufrecht kniete sie in einer der Kinderbänke, die Hände zwanglos und schön gefaltet und die Augen auf den Tabernakel gerichtet. Auch gab Juliana gern armen Kindern Almosen und verschenkte sogar die Puppen und Spielsachen, um anderen Freude zu machen. Gottlob gibt es manche Kinder, die es in der Jugend ebenso halten, wie es die kleine Florentinerin machte.

 

Juliana ist auch später brav geblieben. Als sie zu einem schönen und klugen Mädchen herangewachsen war, suchte ihr die Mutter einen vornehmen jungen Mann aus, den sie heiraten sollte, aber die Tochter mochte ihn nicht und sagte, sie wolle ihr Leben lang nur dem Heiland angehören. Da war die Mutter als christlich denkende Frau einverstanden, denn sie wusste, dass diejenigen Mädchen, die ihr Leben dem Heiland schenken, für Zeit und Ewigkeit gut versorgt sind.

 

So lange die Mutter lebte, blieb Juliana bei ihr. Nach ihrem Tod jedoch – der Vater war schon früher gestorben – verließ Juliana den Glanz des elterlichen Heims und siedelte in ein kleines Haus über, wo sin in Vereinigung mit einigen gleichgesinnten jungen Mädchen ein klösterliches Leben zu führen begann. Am Tag gingen die Frauen als Barmherzige Schwestern in die Hütten der Armen und pflegten die Kranken, wuschen und kochten für sie, hielten ihnen die Stuben und die Betten sauber und taten auch sonst alles, was den Leuten dienlich sein konnte. Bei alledem waren sie der Meinung, dass sie in den Kranken dem Heiland dienten, der gesagt hatte: „Was ihr dem Geringsten meiner Brüder tut, das habt ihr mir getan.“ Während also die Frauen am Tag dem Nächsten dienten, weihten sie den Morgen und den Abend und einen Teil der Nacht dem lieben Gott in heiligen Gebeten und Gesängen. Juliana, die erste Oberin der neuen Ordensgesellschaft, gab den Mitschwestern in allem ein leuchtendes Beispiel.

 

Darüber verging die Zeit, und Juliana hatte bereits die Siebzig erreicht, als sie sterbenskrank wurde, und weil man sah, dass sich der Tod mit eiligen Schritten näherte, wurde sie mit den heiligen Sakramenten versehen. Nur die heilige Kommunion konnte ihr der Priester wegen beständigen Brechreizes nicht mehr reichen. Um alles in der Welt aber hätte die Sterbende noch einmal den Heiland empfangen. Daher bat sie den Priester, das Allerheiligste wenigstens in ihre Zelle zu holen, damit sie den Herrn im Sakrament ein letztes Mal sehen und anbeten könne. Gern wurde ihr der Wunsch erfüllt, und als ihr der Priester die heilige Hostie entgegenhielt, entschwand sie seinen Händen. Juliana aber lachte mit strahlendem Gesicht, und mitten in diesem Lachen verschied sie. Wie sollte sie auch nicht lachen, da der Heiland sie vor ihrem Ende in wundervoller Weise noch erquickt hatte. Durch einen geheimnisvollen Vorgang, den man nicht begreift, empfing die heilige Juliana im letzten Atemzug die heilige Wegzehr. Mit allem versehen, ging sie dann in die Ewigkeit hinüber.

 

Der selige Rasso (Ratho), Graf von Andechs und Mönch zu Grafrath,

+ 19.6.954 – Gedenktag: 19. Juni

 

Wenn wir lesen, was uns das liebe Mittelalter über seine Heiligen zu erzählen weiß, so mutet und duftet uns das an wie eine bunte Au, in allen Farben prangend, durchsprudelt von einem schnell fließenden Wässerlein, das unbekannte Weisen murmelt, rings eingeschlossen vom schweigenden Dunkel des Waldes, überstrahlt von der großen, großen Sonne, - wie ein liebes Märchen, mit dem uns der selige Friede entschwand. Und doch war es Wirklichkeit und der mittelalterliche Mensch wird sie auch als raue Wirklichkeit empfunden haben wie wir unsere moderne. Freilich nicht in dem Maße und Grade, denn er hatte noch, was uns mit dem Mittelalter verloren ging, die Einheit des Menschen mit sich, mit den anderen, mit der Welt, mit der Kirche, mit Gott. Dieses Glück fühlte und schätzte der mittelalterliche Mensch nicht, ebenso wenig wie wir das Unglück unserer Zerrissenheit ermessen können. In diese Welt nun müssen wir den seligen Rasso hineinstellen. Rasso ist nicht einer jener großen Recken, an denen diese Zeit so reich ist, deren höchstes Ideal eine Heerfahrt nach Italien war oder eine blutige Fehde. Rassos Ideal war religiös eingestellt: seine großen Taten sind eine Wallfahrt ins Heilige Land und eine Klostergründung.

 

Rasso (Ratho) stammte aus dem Grafengeschlecht von Diessen. Seine Ahnen hatten auf Schloss Andechs ihren Sitz. Ihre Aufgabe war es, die Ostmark, das heutige Österreich, gegen die Einfälle der Ungarn zu schützen. Rasso musste eine imposante Erscheinung gewesen sein, seine riesenhafte Größe soll verewigt sein in dem großen, langen Stein, der auf sein Grab gesetzt wurde. Mit seinen außerordentlichen natürlichen Gaben verband er einen seltenen Eifer in seinem religiösen Streben, das er ganz und immer auf Gott allein gerichtet hielt. Zur Ehre Christi errichtete er unter dem Schutz der heiligen Apostel Philippus und Jakobus in Wörth an der Amper eine Kirche, die Bischof Ulrich von Augsburg einweihte, und zugleich ein Kloster, das er mit reichlichen Gründen ausstattete, damit dort Mönche nach der Regel des heiligen Benedikt den Dienst am Altar versehen könnten. Damit aber war Rasso nicht zufrieden. Er wollte auch die Gläubigen dem neu errichteten Heiligtum näherbringen, sie sollten von fern her zusammenströmen, um dort zu beten, um sich von dort Segen für ihre Arbeit, Hilfe in ihren Nöten zu erflehen. Zu diesem Zweck aber brauchte er Reliquien, womöglich ganze Leiber von Martyrern.

 

Rasso war nicht der Mann, der nur deshalb zur Frömmigkeit gekommen war, weil er sonst ein gebrechlicher, schwacher Mann war, nein, eine kraftstrotzende Natur, erschien er seinen Zeitgenossen ein Riese, war ein berühmter tapferer Degen, der seinen Mann stellte in der Abwehr der Ungarn, die immerfort an der Grenze lauerten und nicht selten mordend und plündernd Rassos Schutzgebiet heimsuchten. Sein Name hatte schon lange beim Kaiser einen guten Klang, wir würden sagen, er war bei ihm gut angeschrieben. Deshalb konnte er sich auch eine große Bitte getrauen, er ersuchte den Kaiser um Empfehlungsschreiben an den Papst und andere kirchliche Würdenträger für seine Wallfahrt ins Heilige Land und nach Rom. Der Kaiser händigte sie seinem treuen Recken gerne aus. Rasso warf sich voll heiligen Eifers in das Wallfahrerkleid und schlug mit Judith, der Gemahlin Herzog Heinrichs von Bayern und Sachsen, den weiten Weg nach Jerusalem ein. Dort glücklich angelangt, erwarb er sogleich drei heilige Leiber, ebenso in Konstantinopel wertvolle Reliquien. In Rom wurde er von Papst Agapitus II. in Ehren empfangen, gestärkt mit dessen Segen zog er nach Mailand weiter, wo er wiederum Reliquien erwarb. Reich beladen mit heiligen Schätzen kam er zu seinem Kloster zurück.

 

Rasso hatte dem Kaiser und seinem Volk Kraft und Treue erzeigt, hatte Kirche und Kloster gestiftet, hatte sie mit überreichen Reliquienschätzen ausgestattet, das alles ohne Eigengewinn, ohne Eigennutz, um der Ehre Gottes und des Heiles der Seelen willen, ein Lebenswerk, groß genug für sich. Doch Rasso war damit noch nicht zufrieden, sein innerster Drang war noch nicht gestillt; er hatte viel getan, viel gegeben, aber noch nicht alles, noch nicht sich selbst. Er wird Mönch, um Gott in Heiligkeit und Gerechtigkeit zu dienen, die noch übrigen Tage seines Lebens. Nachdem er noch an seinem Lebensabend in Werken heiliger Demut und Unterwerfung, des Gehorsams, der Abtötung des Fleisches, des Eigenwillens und der Eigenliebe einen unvergänglichen Schatz von Ewigkeitswerten aufgehäuft hatte, starb er still, von der Welt unbemerkt, am 19. Juni 953. Er wurde in der Kirche, die er gestiftet hatte, begraben. Zu seinem Grab wallfahrteten alljährlich lange Pilgerzüge und zahlreiche Gebetserhörungen geschahen auf seine Fürbitte hin.

 

Ohne Gepränge und Pomp hatte man den einfachen Klosterbruder bestattet. Niemand machte besonderes Aufhebens, die Welt hatte ihn schon vergessen, seit er seine Herrschaft aufgegeben und sich selbst unterworfen hatte. Still und bescheiden wandelte der schlichte Bruder durch die Klostergebäude und verrichtete Knechtsdienste, betete voll Zerknirschung, unter den anderen verschwindend, vor den Reliquien, die er einst in glänzendem Zug als Graf heimgeführt hatte. Das mochte Rasso manchmal schwer und hart dünken, doch das hatte er ja gewollt. Darum wurde es ihm süß und leicht, den einstigen Ruhm wegzuwerfen, zu verabscheuen, um von der Welt unbeachtet zu bleiben, ja verachtet zu sein. Gewiss, die äußeren Werke des christlichen Lebens, wie sie Rasso als Graf so eifrig ausgeübt hatte, sind wertvoll und bringen ihren Lohn. Aber den Wert bekommen sie doch nicht, den die innere Tugendübung im Kampf gegen sich selbst, gegen das Fleisch, gegen den zum Irdischen geneigten Geist hat. Rasso hat diese Wertung der Tugend verstanden und hat sich darum selbst aufgegeben in den drei Gelübden des Gehorsams, der Armut und Keuschheit. Gott wird auch seine kurze Zeit im Kloster mit den nach außen so armselig erscheinenden Werken höher gewertet haben als seine Kriegstaten, seine Klostergründung und seine große Wallfahrt.

 

Nicht die Welt, die schaut und lobt, gibt den Wert des Menschen an, sondern Gott, der die verborgensten Herzensfalten mit dem Lichtblick seines göttlichen Auges durchdringt.

 

P. Ansgar Friedl

 

Die selige Michelina Metelli von Pesaro,

italienische Witwe, Franziskanerin im dritten Orden,

+ 19.6.1356 – Gedenktag: 19. Juni

 

Die gottselige Michelina, geboren zu Pezaro im Herzogtum Urbino von einer angesehenen Familie, wurde in ihrem 12. Lebensjahr an einen Herrn des Hauses Malatesta, eines der ältesten in Italien, verehelicht. Sie war aber erst 20 Jahre alt, als sie ihren Gemahl, und kurz danach ihren einzigen Sohn verlor. Dieser zweifache Verlust, der ihr tief zu Herzen ging, riss sie gänzlich von der Welt ab, und bewog sie in den dritten Orden des heiligen Franziskus zu treten. Ihre Gottseligkeit erschien bald ihren Eltern als ein Tollsinn. Sie ließen sie mit Ketten belasten und in einen Turm verschließen. Als Michelina endlich wieder ihre Freiheit erhielt, widmete sie sich ganz den Werken der Nächstenliebe und machte eine Wallfahrt in das heilige Land. Sie starb dann in ihrem Vaterland, am 19. Juni 1356, 56 Jahre alt. Der Heilige Stuhl bestätigte 1737 ihre Verehrung, und setzte ihr Fest auf ihren Todestag.

 

Der gottselige Johannes-Baptist Muard,

Priester, Volksmissionar und Klostergründer,

+ 19.6.1854 – Gedenktag: 19. Juni

 

Pater Johannes-Baptist Muard war ein großer Diener Mariens von seiner Kindheit an. Als er sein achtes Lebensjahr erreicht hatte, begab er sich mit sieben bis acht anderen Jungen täglich in ein benachbartes Dorf, um dort den Unterricht des Lehrers zu genießen. Es wäre überflüssig zu sagen, dass die Meilen, die diese beiden Dörfer trennten, von unseren jungen Leuten unter lärmenden Spielen und Zerstreuungen zurückgelegt wurden, die nicht immer auf der Schwelle des Schulhauses aufhörten. Doch machte Johann Baptist eine Ausnahme: er hielt sich in einer gewissen Entfernung und beschäftigte sich während des Gehens mit Lesen, Nachdenken oder Gebet. Mehr als einmal gingen seine jungen Gefährten zu ihm zurück, und versuchten ihn zu bestimmen, an ihren leichtfertigen Unterhaltungen sich zu beteiligen. Da es ihnen aber nicht gelang, so nahmen sie sich vor, ihn bei seinen Eltern zu verklagen. Bald bot sich die Gelegenheit dazu. Sie hatten wahrgenommen, dass er oft, wenn sie ihn überraschten, etwas vor ihnen zu verstecken suchte, dessen sie nie hatten habhaft werden können. Die Mutter des jungen Muard, deren Gesinnungen man kannte, wurde also hiervon benachrichtigt. Und eines Abends, da ihr Sohn wie gewöhnlich ruhig nach Hause kam, fasste sie ihn ungestüm, und durchsuchte ihn aufs Sorgfältigste. Ihre Nachforschungen waren nicht vergebens. Sie führten zur Entdeckung des geheimnisvollen Gegenstandes: es war . . . ein kleines Stück Holz ungefähr vier Zoll lang, längs dessen zehn Kerben eingeschnitten waren.

 

Was ist das, sagte die Mutter heftig, was bedeutet dieses Stück Holz? Aber der kleine Muard senkte den Kopf und schwieg. Nun so sage doch, fuhr sie fort, wozu das Holzstück? Liebe Mutter, antwortete er unschuldig, ich gebrauche es, um den Rosenkranz daran zu beten. Da diese Frau damals nicht recht wusste, was der Rosenkranz sei, so begnügte sie sich damit, ihm einen tüchtigen Verweis zu geben, indem sie ihm einschärfte, von nun an auch so zu tun, wie die anderen.

 

Während des Laufes seiner Studien gründete er im kleinen Seminar zu Auxerre eine fromme Genossenschaft unter dem Schutz Mariens. Er verfasste die Statuten, von denen ein Artikel festsetzte, dass man alle Tage einen Teil der Tagzeiten der heiligen Jungfrau beten sollte, so dass ihrer zwei sie ganz beten konnten.

 

Als ihm später eine Pfarrei übertragen wurde, so suchte Muard nicht bloß beim Tabernakel für sich und andere die mächtigen Gnaden, die den Weg zum Himmel ebnen, man fand ihn noch häufig zu den Füßen der erhabenen Himmelskönigin, und oft sagten seine Pfarrkinder, wenn sie ihn lange Zeit vor ihrem Altar hatten auf den Knien liegen sehen, zu einander: Es ist doch merkwürdig, wie sehr unser Herr Pfarrer die heilige Jungfrau liebt! Sie täuschten sich nicht, denn er besaß in einem ausgezeichneten Grad dieses Merkmal der Auserwählung. Sein Vertrauen zur Mutter Gottes hatte etwas Zartes, Unschuldiges, Kindliches, das alle zur Andacht stimmte, die ihn zu ihr beten sahen, oder von ihr sprechen hörten. Sie war die Vertraute aller seiner Leiden, die Lenkerin aller seiner Unternehmungen, die Schatzmeisterin aller Gnaden, die er von Gott erbat, die Hoffnung seines Berufes, endlich seine gute Mutter, wie er sie in den Äußerungen seiner Dankbarkeit gerne nannte. Diese glühende Liebe zur Königin des Klerus nahm bei ihm von Jahr zu Jahr zu, und man kann sich leicht denken, welchen reichen Segen dies allen seinen Unternehmungen brachte. Glücklich die Seelen, die der ohne Sünde empfangenen Jungfrau also ergeben sind, aber glücklicher noch jene, die in ihren Fußstapfen gehen.

 

Johann-Baptist Muard, der durch sein Ordensgelübde der Pater Johann Baptist vom heiligen Herzen wurde, war vierzig Jahre alt. Sein Werk gedieh, und er sammelte die Früchte ein. Aus der Wüste La Pierre-Qui-Vire sprudelte eine Quelle von Gnaden über die Diözese, und obgleich Strapazen und Krankheiten seine feste Körper-Konstitution geschwächt hatten, so schien doch der neue Patriarch noch eine lange Laufbahn voll der Arbeit und der Verdienste vor sich zu haben, als er sich an der Schwelle der ewigen Belohnung angekommen sah.

 

Er war nach Sens gekommen, und da er die Reise nach seiner gewohnten Weise zurücklegte, d.h. überall, wo er sich aufhielt, gepredigt und Beicht gehört hatte, so wollte er in dem wiederhergestellten Kloster der heiligen Columba neben dem Grab der jungfräulichen Martyrin sich einen Tag Ruhe gönnen. Da er nun, wie er selbst erzählt hatte, vor einem Bild der allerseligsten Jungfrau betete, so klagte er, dass er unseren Herrn noch nicht so liebt wie er zu lieben verdient hat, und erinnerte Maria daran, dass sie ihm versprochen hat, ihm behilflich zu sein, dass er zu diesem Grad der Liebe gelangt. Dies geschah am Dreifaltigkeitssonntag den 11. Juni 1854. Am Abend reiste er von Sens ab, um über Auxerre und Avallon nach Pierre-Qui-Vire zurückzukehren. Da er schon an einem Luftröhrenübel litt, so hatte er sich vorgenommen, Stillschweigen zu beobachten, aber er sprach überall mit seinem gewohnten Feuer. Seine Rede war immer voll Eifer, weil er immer von Gott sprach. Zu Avallon brachte er den ganzen Tag mit Raterteilen, Beichthören und Predigen zu. Des Abends schien seine Stimme, seine Haltung, seine Ausdrucksweise ganz von heiligem Feuer beseelt. Er sprach über das Glück einer durch den Glauben, das Vertrauen und besonders durch die Liebe mit Gott geeinten Seele, und seine Zuhörer zerflossen in Tränen. Als er ins Kloster zurückkam, kämpfte er noch zwei Tage lang gegen die Krankheit, die sich verschlimmerte. Am dritten Tag musste er endlich nachgeben und sich zu Bett legen. Ein bösartiges Schweißfieber war unverkennbar zum Ausbruch gekommen.

 

Gott ersparte ihm die Schrecken und die Demütigung des Todes nicht, und er gestand, dass er nie so viel gelitten hat, so dass er einmal befürchtete, dass er es an Geduld habe fehlen lassen, indem er eine Bewegung machte, wodurch er die Langsamkeit des Bruders anzuklagen schien, der ihn bediente. In der Fieberhitze verlangte er zu wiederholten Malen die Erlaubnis, die Arme unter dem Deckbett hervornehmen zu dürfen. Dennoch konnten die heftigsten Krisen den Frieden und die Klarheit seiner Seele nicht trüben. Er bat, er ermahnte, er erließ seine letzten Anordnungen als Patriarch und manchmal als Prophet. Er empfahl seinen Brüdern eine aufrichtige Demut, die sie unter alle Welt setzen und sie veranlassen sollte, sich als die Geringsten und als die Nachzügler der Ordensfamilien zu betrachten. Er riet ihnen, die Propheten fleißig zu lesen, in denen sie eine unerschöpfliche Quelle von Belehrung, Bildern und Gefühlen finden würden, und bedauerte wiederholt, dass die Heilige Schrift in den Erziehungsanstalten zu sehr vernachlässigt würde, und dass er selbst nicht von Jugend auf in die Kenntnis des geistlichen Lebens eingeweiht worden sei. Zugleich klagte er sich demütig seiner Fehler an, und zitterte beim Herannahen der Stunde der Gerechtigkeit. Aber die Zukunft seiner Gemeinde beunruhigte ihn nicht. „Es ist das Werk Gottes,“ sagte er zu seinen Kindern, „fürchtet nichts. Gott weiß für alles zu sorgen.“ Er wollte, man solle mit ihm ohne Unterlass vom Himmel, vom erbarmenden Herzen Jesu, vom unbefleckten Herzen Mariens reden. Als schon die Sprache ihm zu versagen begann, ließ er sich den Liebesgesang des königlichen Propheten vorsagen: „Wie lieblich sind deine Gezelte, o Gott der Heerscharen! Meine Seele schmachtet nach dem Haus des Herrn.“ Und er respondierte, als wenn er seine Kräfte wiedererlangt hätte: „Mein Herz und mein Fleisch brennen von Eifer voller Freude über den lebendigen Gott.“ Das Ave Maria war sein letztes Gebet, und er konnte es nur sprechen, indem er durch eine letzte Aufbietung seines Mutes den letzten Umarmungen des Todes sich entwand. Endlich legte der Tod seine Hand auf ihn, und bald nachdem er die letzte Ölung empfangen hatte, fiel er in Fieberträume. Aber seine Fieberphantasien waren die eines Heiligen, der nicht aufhört, zu glauben, zu lieben, zu sehen und zu gehorchen. Man hörte noch: „Mein Jesus, ich liebe dich.“ Man sah ihn noch bei den heiligen Namen Jesus und Marias zusammenfahren. Dann verklärte ein unaussprechliches Lächeln sein Gesicht. Er trank aus den ewigen Quellen der Liebe.

 

Der Tod des Paters Johann Baptist verursachte eine allgemeine Trauer. Man sah bei seinem Leichenbegängnis den Zudrang, das Leid, die Verehrung, die die Gräber der Heiligen verherrlicht. Während zwei seiner Brüder ihn ohne einen anderen Sarg, ohne ein anderes Leichentuch, als seine ärmliche Kleidung, in die Grube legten, wiederholten die übrigen, zur Erde niedergebeugt, dreimal: „Erbarme dich, o Herr, dieses Sünders!“ Aber das Volk rief zu ihm im Himmel. Jeder schätzte sich glücklich, der irgendeinen Gegenstand mit sich hinwegnehmen konnte, der seinen Körper berührt hatte. Und an der Stelle, wo er ruht, versammelt sich das Volk häufig zum öffentlichen Gebet und zur Bezeugung seiner Verehrung.

 

Der gottselige Matt Talbot,

Drittordensbruder, Büßer, Patron der Trinker und Suchtkranken,

+ 7.6.1925 – Gedenktage: 7. Juni / 19. Juni

 

So wie es einen ersten Heiligen in Gehrock und Lackschuhen gibt, den seligen Contardo Ferrini, so gibt es auch einen im kalkbespritzten Arbeitskittel, den Maurer Matt Talbot, der ein ganz eigenartiges Heiligenleben geführt hat. Zunächst muss von Matt Talbot berichtet werden, dass er als junger Mann von der Heiligkeit weit entfernt war. Die Eltern, bettelarme Leute, gehörten dem Arbeiterstand an und wohnten in der irischen Hauptstadt Dublin, wo Matt, was auf Deutsch wohl Matthäus oder Matthias heißt, im Jahr 1856 geboren wurde. Obwohl der Junge einen gescheiten Kopf hatte, brachte er es nur bis zum Lesen und Schreiben. Für ein weiteres Lernen blieb keine Zeit, und mit zwölf Jahren musste er sich als Laufbursche und Handlanger das tägliche Brot selbst verdienen. Zur gleichen Zeit begann auch sein Unglück.

 

Man begeht keine Ehrabschneidung, wenn man sagt, dass das Hauptübel des irischen Volkes vor hundertfünfzig Jahren in der Trunksucht bestand. Auch Matt Talbot verfiel dem Laster. Gewissenlose Gesellen ließen es sich angelegen sein, ihn zum Trinken zu verleiten, und der Erfolg blieb ihnen leider nicht versagt. Aus dummer Großmannssucht tat Matt mit, und bald soff er wie ein Alter, und haltlos glitt er schnell in die schreckliche Sucht. Wenn ihn jeweils nach einem schweren Rausch der Katzenjammer quälte, so ekelte er sich wohl vor sich selbst und versprach der jammernden Mutter hoch und heilig, sich zu bessern, aber sein Vorsatz hielt nie länger als bis zum nächsten Lohntag. Aus dem anfänglichen Gelegenheitstrinker entwickelte sich ein Gewohnheitssäufer, der einmal sogar die Schuhe von den Füßen für billiges Geld verkaufte, nur um an Schnaps zu kommen. Das rotaufgedunsene Gesicht und die zittrigen Hände des erst vierundzwanzigjährigen jungen Mannes redete eine klare Sprache und deuteten darauf hin, dass sich bald auch an ihm das Sprichwort bewahrheiten werde: „Wer im Galopp lebt, fährt im Trapp zum Teufel.“

 

Förmlich über Nacht setzte die Wende ein, und der Trinker rührte fortan kein Glas mehr an. Wie es dazu kam, wird wohl nie geklärt werden können, aber die Tatsache, dass Matt Knall auf Fall ein anderer wurde, steht unleugbar fest. Nach außen hin gab sich der junge Maurer wie bisher. Es fiel nur auf, dass er nie mehr betrunken war, dass er aller Neckerei zum Trotz beim Umtrunk auf der Arbeitsstelle die Schnapsflasche unbenutzt vorübergehen ließ und dass er den kirchlichen Pflichten, die er zehn Jahre lang versäumt hatte, wieder treu nachkam. Im Übrigen aber blieb Matt der alte, liebe und freundliche Kamerad, der jedem half, unter der Arbeit gern ein Lied sang und alle mit seinem ansteckenden Humor auch über die trostloseste Lage hinwegbrachte. Auf diese Weise verdeckte Matt Talbot in männlich schöner Art das heiligmäßige Leben, das er im Geheimen führte und das nur durch einen Zufall erst bei seinem Tod bekannt wurde.

 

Am 7. Juni 1925 brach Matt Talbot siebzigjährig auf der Straße tot zusammen. Als man die Leiche für das Begräbnis herrichtete, stellte man fest, dass der Tote eine schwere eiserne Wagenkette um den Leib trug – eine Bußkette. Man staunte und forschte nach und stieß dabei auf ein neuzeitliches Heiligenleben von ganz eigener Prägung.

 

Was nämlich Matt Talbot in jungen Jahren durch Unmäßigkeit gesündigt hatte, suchte er in harter Buße durch den Verzicht auf die erlaubten Freuden des Lebens zu sühnen. Seit seiner Lebensbesserung gab er nicht nur das Trinken, sondern auch das Rauchen auf, las keine Zeitung mehr, verzichtete auf die Ehe, gönnte sich bei zehnstündiger Schwerarbeit täglich bloß eine volle Mahlzeit am Abend und schlief nur drei Stunden, während er den Rest der Nacht auf den Knien verbrachte. Auf diese Weise hat Matt Talbot die Verfehlungen der Jugend gesühnt, still und verborgen, herrlich und groß, und auch die Tatsache kam erst nach dem Hinscheiden an den Tag, dass er durch seine Sparpfennige vier junge Männer zu Priestern und Missionaren heranbilden ließ. Sollte die Kirche, was zu erwarten ist, Matt Talbot eines Tages zur Ehre der Altäre erheben, so hat dieser neuzeitliche Arbeiterheilige den Beweis erbracht, dass der Christ auch in der Gegenwart und auch im Arbeiterstand heilig werden kann.

 

1931 eröffnete der Dubliner Erzbischof eine Untersuchung, um die einsetzenden Forderungen nach seiner Heiligsprechung zu überprüfen. Der Seligsprechungsprozess wurde 1947 eingeleitet. 1972 wurde sein Grab in die Kirche Unserer Lieben Frau von Lourdes in dem Dubliner Stadtteil übertragen, wo Talbot sein Leben verbracht hatte. 1975 erklärte ihn Papst Paul VI. zum Ehrwürdigen Diener Gottes. 1978 wurde im Dubliner Stadtzentrum die Talbot Memorial Bridge über der Liffey eröffnet. An ihrem Südende steht seit 1988 ein Denkmal Talbots.

 

Bei nordamerikanischen Katholiken, die beruflich oder als Betroffene mit Alkoholmissbrauch zu tun haben, ist die Verehrung Talbots sehr verbreitet. In den USA tragen einige Einrichtungen der Suchtberatung und -hilfe seinen Namen. Im australischen Sydney versorgt das 1938 gegründete Matthew Talbot Hostel täglich 600 obdachlose Männer mit einer warmen Mahlzeit.

 

Siehe auch hier: https://bistum-augsburg.de/Heilige-des-Tages/Heilige/MATT-TALBOT

 

oder hier: http://www.kath-info.de/talbot.html

 

Gebet am 19. Juni

 

Erbarme dich unser, o Königin der Barmherzigkeit, und sei auf unsere Seligkeit bedacht. Lasse nicht von dir gesagt werden, o heilige Jungfrau, dass du wegen der Menge unserer Sünden nicht mächtig genug bist, uns zu helfen, denn deine Macht und deine Barmherzigkeit sind so groß, dass keine Sündenzahl ihr widerstehen kann. Ja, hilf uns! Amen.

 

Zu Gott auf die Fürbitte der heiligen Juliana

 

O Gott, der Du die heilige Jungfrau Juliana in ihrer letzten Krankheit mit dem kostbaren Leib Deines Sohnes auf eine wunderbare Art erquickt hast, verleihe uns durch ihre Verdienste und auf ihre Fürbitte hin, dass auch wir vor dem Ende unseres Lebens, mit ihm erquickt und gestärkt, zum himmlischen Vaterland gelangen, durch eben diesen Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Andacht am 19. Juni:

 

Das Thema im Juni:

Vom Gehorsam

"Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen." (Matthäus 23,3)

 

"Wenn du dir selbst nicht Gewalt antust und es nicht dahin bringst, dass es dir gleichgültig wird, ob dieser oder jener dein Vorgesetzter ist, so glaube ja nicht, dass du ein geistiger Mensch und ein getreuer Beobachter deiner Gelübde werden kannst." (Der heilige Johannes vom Kreuz)

Zu den großen Gnaden, die er von Gott empfangen hat, sprach der heilige Franz von Assisi, gehört auch die, dass er mit eben so großer Bereitwilligkeit einem Novizen, der nur seit einer Stunde in den Orden getreten wäre, als einem Alten von hohem Verdienst gehorcht hätte.

Der heilige Ignatius hatte einem Laienbruder den Auftrag gegeben, für die Gesundheit des heiligen Franz von Borgia Sorge zu tragen; und dieser Heilige gehorchte dem Bruder mit so großer Pünktlichkeit, als er seinem heiligen Ordensstifter selbst gehorcht hätte.

 

Bereit bin ich, o Gott, allen zu gehorchen, die da berechtigt sind, mir zu befehlen; wie groß immerhin ihre Fehler seien und wie widerlich auch die Art sei, mit der sie befehlen mögen. Und gehorchen will ich ihnen Dir zu Liebe, wie ich einem Heiligen, ja, wie ich Christus dem Herrn selbst gehorchen würde, denn Dich, den ewigen Vater, will ich in ihnen betrachten! Amen. 

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 19. Juni

 

"Sagt nicht, dass ihr aus Liebe zu den Armen Schätze sammelt.

Ihr wisst ja wohl, dass die Witwe im Evangelium

den Himmel für 2 Pfennige erkaufte."

 

hl. Ludwig von Granada OP

1504 bis 31.12.1588

 

Betrachtung am 19. Juni - Unfasslichkeit der göttlichen Natur

 

O Gott, du unzugänglich hohes Licht,

Was spricht von dir der Mensch, der Wurm im Staube.

Der Cherub sieht entwölkt dein Angesicht,

Und fasset ewig deine Fülle nicht;

Und sieh, es fasst sie hier der treue Glaube. 

 

1. Unendliche Majestät, ewige, unwandelbare Urschönheit, Allmacht und Weisheit, in Ohnmacht versinkt mein Geist, wenn er den Blick zu dir erhebt, dich zu erkennen, seinen Schöpfer, um durch diese Erkenntnis zu deiner heiligen Liebe sich zu erwecken. Je tiefer er in diesen uferlosen Ozean eindringt, um so mehr erblindet er in deinem göttlichen Urlicht. Denn enge Grenzen sind der endlichen und beschränkten Fassungskraft des Menschen gezogen. Deine Glorie aber übersteigt unendlich die Fassungskraft aller erschaffenen Geister, und so wenig, ja unendlich weniger reicht eine erschaffene Fassungskraft an dein unzugängliches Licht, als ein Zwerg, der seine Hand ausstreckt, die Wolken des Himmels berührt.

 

2. Was also soll die sterbliche Zunge lallen von dir, o unerfassliche Majestät, da selbst die lichten Seraphim in der schleierlosen Anschauung ihr Antlitz mit ihren Flügeln bedecken, und in sprachlosem Erstaunen dich anbeten. Was immer der erhabenste menschliche Verstand von deiner unendlichen Fülle und Herrlichkeit auszusprechen sich erkühnt, ist, wie entzückend es auch im sterblichen Wort lauten mag, dennoch weit mehr von der Wirklichkeit entfernt, als ihr entsprechend. Ja auch, was die erhabensten Geister von deiner unerschaffenen Urschönheit und Majestät erfassen, sind nur wenige Tropfen, und gegen deine in alle Ewigkeit nie zu überschauende Fülle nicht zu vergleichen.

 

3. O ewig anzubetende Majestät! Selbst die Erkenntnis des glorreichsten Geistes, den deine göttliche Allmacht erschaffen kann, würde, übersteigt sie auch die Fassungskraft aller erschaffenen Wesen, dennoch als Nichts verschwinden, da auch das allerhöchste Geschöpf von Grenzen umschrieben, und, gegen deine unermessliche Fülle verglichen, weniger als der geringste Tropfen gegen das Weltmeer ist. Dies, Herr, mein Gott, ist das unzugängliche Licht, in dem du allein wohnst, der du allein dich vollkommen erkennst, allein deine ewige Glorie und Seligkeit bist. Preis und flammender Dank dir, der du die Augen der Vernunft und des Glaubens mir verliehen hast, durch die ich wenigstens im Spiegel und Rätsel dies schaue, denn entzückt dieser Schatten schon das Herz: wie unbeschreiblich wird sein Jubel in deiner glorreichen Anschauung sein. "Ihm, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm gebühren Lob und Ehre und Herrlichkeit und Kraft in alle Ewigkeit." (Offenbarung 5,13b)

________________________________________________________________________

 

 

>> Heiligen-Legende <<

 

________________________________________________________________________

________________________________________________________________________

 

 

>> Heiligen-Legende <<

 

________________________________________________________________________

 

Die heilige Kümmernis

 

Im Mittelalter war St. Kümmernis (auch St. Wilgefort genannt) eine hochverehrte Heilige in Südtirol, zu der die Gläubigen mit allen geistigen und leiblichen Nöten (Kümmernissen) kamen, besonders Liebende nahmen gerne ihre Hilfe in Anspruch.

Legende: St. Kümmernis war die Tochter eines heidnischen Königs von Sizilien. Sie bekehrte sich zum christlichen Glauben. Der Vater wollte sie mit einem heidnischen König verheiraten, doch die Heilige weigerte sich. Darauf ließ der Vater in den Kerker werfen und mit glühenden Zangen peinigen um sie umzustimmen. Doch St. Kümmernis bat Jesus, er möge sie so verunstalten, dass kein Mann sie zur Ehe begehre. Jesus erhörte sie und gab ihr das Aussehen eines Mannes. Der Vater, der darob erzürnt war, ließ sie mit einem elenden Rock bekleidet ans Kreuz schlagen. St. Kümmernis lobte Gott und predigte drei Tage lang vom Kreuz das Christentum, so dass sich sogar ihr Vater bekehrte. Zur Sühne baute er eine Kirche und ließ darin das Bild seiner Tochter aufstellen. 

 

Gebet

 

zur heiligen Jungfrau und Martyrin Wilgefort oder Kümmernis

in einem besonderen Anliegen zu sprechen (18. Jahrhundert)

 

O du glorwürdige Martyrin und auserwählte Gespons Jesu Christi, heilige Kümmernis! mit großem Vertrauen fliehe ich zu dir, und mit herzlicher Andacht rufe ich dich um deine Hilfe und Fürbitte an. Du weißt und siehst in Gott, in was für einem großen Anliegen ich stecke, und wie mein betrübtes Herz mit so viel Qual und Kümmernis erfüllt ist. Dieses mein großes Herzeleid lege ich vor deinem Kreuze nieder, und bitte, du wollest es mit gnädigen Augen ansehen, und die Betrübnis lindern. Du kannst mich gar leicht von dieser meiner Qual erretten, weil dir dein liebster Bräutigam Jesus Christus keine billige Bitte zu versagen versprochen hat; denn, als du am Kreuz hangend ihn batest, dass er alle Notleidende, die deine Marter ehren, und dich um deine Fürbitte anrufen werden, von ihren innerlichen und äußerlichen Anliegen und Betrübnissen erretten wolle, hat er deine Bitte erhört, und dein Begehren durch eine himmlische Stimme bekräftigt. Eja dann, o liebe heilige Kümmernis! ich bitte dich, durch deine heilige Jungfrauschaft, durch dein heiliges tugendhaftes Leben, und durch deine schmerzliche Annagelung an das Kreuz, erhöre meine demütige Bitte, und tröste mich in meiner großen Betrübnis; ich werde nicht nachlassen zu dir zu seufzen, und dich mit meinem ungestümen Bitten und Begehren zu plagen, bis du dich endlich meiner erbarmst, und mich von meiner Herzens-Betrübnis erledigst. Ich verspreche dir entgegen, dass ich gegen dich allzeit ein dankbares Gemüt tragen, dich lieben und ehren werde. Verlasse mich nur nicht, o meine auserwählte Patronin! sondern sende mir einen Trost, den ich von dir hoffend mich deinem Schutz und Gnade ganz und gar ergebe. Amen.

________________________________________________________________________


Impressum | Datenschutz | Sitemap | Vertrag widerrufen