Heilige des Tages

 

Man kann die Taten der Heiligen und der Martyrer nicht lesen, ohne im Innersten angerührt zu werden. Sie sind unsere Vorbilder. Die Menschen, die einen anderen Weg gehen, als den der Heiligkeit und der Nachfolge Christi, sind schnell verzweifelt und ohne Hoffnung. Es gibt keinen Mittelweg für die Ewigkeit! Es gibt entweder die Glückseligkeit oder die Unglückseligkeit. Die Glückseligkeit ist der Lohn der Nachfolge Jesu und Mariä und aller Heiligen, die Unglückseligkeit der Lohn der Sünde und Lauheit. Wer auf Erden sich um Heiligkeit bemüht, wird zu der Zahl der Heiligen im Himmel dazugerechnet. Ich werde demnach in der Ewigkeit sein, der ich im Leben gewesen bin. Und für die Wahrheit dieser Gedanken steht eine Wolke von unendlich vielen Zeuginnen und Zeugen.

Matthias Hergert

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>> Heiligen-Legende <<

 

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6. Dezember

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Der heilige Nikolaus, Bischof und Bekenner von Myra in Lycien,

+ 6.12.327 - Fest: 6. Dezember

 

Am Fest des heiligen Nikolaus ist es bis Weihnachten nicht mehr lang. Nikolaus verdient wie kein zweiter die Ehre, der Vorbote des Christkinds zu sein, denn er ist wirklich ein guter Mann.

 

Nikolaus war noch jung, als im Jahr 300 seine Eltern am gleichen Tag durch die Pest zu Tode kamen. Es war bitter für den Jungen, denn Waisenkinder haben es im Leben meistens weit schwerer als andere Kinder, deren Eltern so lange Leben, bis sie groß sind.

 

Weil also Nikolaus früh an sich selbst erfuhr, wie tief Not und Unglück die Menschen quälen können, verstand er auch die Armen und Bedrückten. Und weil er dazu ein gutes Herz hatte, war es ihm sehr wichtig, anderen, die in Sorgen lebten, zu helfen, wo er nur konnte, und wo er nicht helfen konnte, da stand ihm sogar Gott durch offensichtliche Wunder bei.

 

Da war einmal zu Myra in Kleinasien, wo Nikolaus lebte, ein entsetzliches Verbrechen geschehen. Drei kleine Kinder waren getötet worden, und die Leichen hatte der Mörder in einem Fass versteckt. Als diese Tat bekannt wurde, waren die Leute entsetzt und voller Angst. Auch Nikolaus hörte von dem Mord. Sofort ging er hin und erweckte durch das heilige Kreuzzeichen die Kinder wieder zum Leben. Zur Erinnerung an dieses Wunder sieht man auf den Bildern, die den heiligen Nikolaus darstellen, ein Fass mit drei kleinen Kindern.

 

Auf anderen Bildern hat der Heilige ein Buch in den Händen, und auf dem Buch liegen drei goldene Äpfel. Damit hat es folgende Bewandtnis. Es lebte damals in Myra ein Familienvater, der drei Töchter hatte und so arm war, dass er nicht wusste, wie er die Kinder ernähren sollte. Als die Not immer größer wurde, kam dem verzweifelten Vater der schreckliche Einfall, die Mädchen zu verkaufen. Die Leute, die von dem Vorhaben hörten, schüttelten den Kopf und bekreuzigten sich. Nikolaus hörte auch von der Sache, schüttelte aber nicht den Kopf, sondern er beschloss, sogleich zu Hilfe zu kommen. Als es dunkel geworden war, ging er an dem Haus, in dem die unglückliche Familie wohnte, vorüber und warf durch das Fenster, das gerade geöffnet war, einen Beutel mit so viel Geld hinein, wie er im Augenblick besaß. Dann lief er fort, weil er nicht wollte, dass seine helfende Tat bekannt werde. Das gleiche tat Nikolaus, sobald er wieder zu Geld gekommen war, noch zweimal, bis die Familie von aller Not befreit war. Er tat dies ganz verborgen und still. Und so ist es auch zu verstehen, dass Sankt Nikolaus, der noch heute jedes Jahr an seinem Festtag die Kinder beschenkt, das schöne gute Werk immer in der Nacht tut, wenn die Kinder schlafen. Der heilige Mann will in seiner Bescheidenheit das Gute, das er verrichtet, nach echter Christenart heimlich tun. So soll es ja auch sein, denn, so sagt es die Bibel, beim Gutestun darf die linke Hand nicht wissen, was die rechte tut.

 

Auf den Bildern des heiligen Nikolaus ist neben dem Fass mit den drei Kindern, die er zum Leben erweckte, und neben den goldenen Äpfeln, die seine dreimalige Gabe an die arme Familie darstellen, auch noch ein Schiff im Sturm abgebildet. Als sich nämlich einmal ein Schiff in Seenot befand und fast unterging, erschien plötzlich auf dem Deck der heilige Nikolaus, nahm das Steuer in die Hand und führte das Schiff durch die Wellen in den sicheren Hafen. Deshalb ist Sankt Nikolaus nicht nur der Liebling der Kinder, sondern auch der Patron der Seefahrer und Reisenden auf den Meeren und auf den Flüssen.

 

Zuletzt ist der heilige Nikolaus Bischof in seiner Vaterstadt Myra geworden. Dort ist er auch am 6. Dezember 345 gestorben.

 

Aus dem "Marianischen Festkalender:

 

Man muss den heiligen Nikolaus mit vollem Recht unter die frömmsten Diener Mariens und die eifrigsten Verteidiger ihrer Vorzüge zählen. Von Kindheit an fastete er jeden Samstag bei Wasser und Brot zu ihrer Ehre, und täglich richtete er die glühendsten Gebete an sie. Die Mutter Gottes ließ ihm dafür den köstlichsten Segen und sogar viele höchst erfreuliche Gesichte zuteilwerden.

 

Als er eines Nachts im Gebet begriffen war, sah er den Heiland der Welt in großer Herrlichkeit zu sich kommen, und erhielt von dem göttlichen Meister, ein mit Gold und Edelsteinen verziertes Evangelienbuch von großem Wert zum Geschenk. Hierauf erblickte er die glorreiche Jungfrau, die sich ihm mit unendlicher Freundlichkeit näherte, und ein Pallium, wie die Erzbischöfe sie zu tragen pflegten, über die Schulter hängte. Auf diese Weise verkündigten ihm Jesus und Maria selbst, dass sie ihn für die bischöfliche Würde bestimmt hatten, zu der er bald darauf, zum Ruhm der Kirche und zum Heil der Seelen erhoben werden sollte. 

 

Beim Konzil von Nizäa war er einer der gefürchtetsten Gegner des Arianismus, und er zeigte sich hauptsächlich voller Eifer, die Mutter Gottes wegen der sträflichen Angriffe der Neuerer zu rächen. In einer der Sitzungen hatte ein unverschämter Ketzer die Keckheit, mit einer Menge gotteslästerlicher Irrtümer über Maria hervorzutreten, und ihre schönsten Vorzüge zu leugnen. Nikolaus, der ganz außer sich geriet, warf sich auf ihn, und versetzte ihm einen derben Schlag auf seinen gottlosen Mund, indem er sich glücklich pries, auf solche Weise die seiner guten Mutter zugefügte Schmach öffentlich zu rächen. Die Väter des Konzils missbilligten jedoch dieses Benehmen, und glaubten den Bischof von Myra wegen seiner Ungeduld und Übereilung zur Strafe ziehen zu müssen. Sie erklärten daher, er solle für einige Zeit des Palliums und sogar der Mitra verlustig sein. Der Heilige unterwarf sich. Es war für ihn aber äußerst schmerzlich, die Zeichen seiner Würde nicht tragen zu dürfen. Allein Maria beeilte sich, ihm zu Hilfe zu kommen, und ihn auf eine auffallende Weise zu rechtfertigen.

 

Da er eines Tages eine feierliche Messe zur Ehre der allerseligsten Jungfrau zelebrierte, zeigten sich angesichts des ganzen Volkes zwei Engel, von denen der eine ihm die Mitra aufs Haupt setzte, während der andere ihm das Pallium um die Schultern hängte. Es erschien ihm ferner in der folgenden Nacht die Mutter Gottes, und sagte ihm, sie habe ihm, zum Dank für die Züchtigung, die er dem Ketzer auferlegt habe, das Pallium und die Mitra zurückgeben lassen.

 

So gut, so erkenntlich, so zuvorkommend sogar ist Maria zu ihren Dienern. Niemals lässt sie sich an Großmut übertreffen. Nikolaus starb am 6. Dezember 327.

 

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Über den hl. Nikolaus

 

(Aus: „Katholischer Digest“, Nr. 12, Dezember 1957)

 

Für jedes Kind kommt einmal die Zeit, in der es erfährt, der hl. Nikolaus und sein Helfer Knecht Ruprecht seien nichts weiter als verkleidete Erwachsene, die den Kindern Angst einjagen, sie zum Bekennen ihrer Verfehlungen während des Jahres veranlassen und mit der Rute bestrafen sollen. Freilich, wer brav und artig gewesen sei, der habe nichts zu fürchten, sondern werde im Gegenteil noch belohnt.

 

Darin zeigt sich schon, dass es mit dem Schreckhaften dieser Gestalt – selbst der des Ruprecht – nicht gar so weit her gewesen sein kann. Und in der Tat, was wir über den Heiligen lesen, lässt uns auf einen gütigen alten Mann schließen, der niemand etwas zuleide tut, sondern vielmehr allen nur Gutes erweist – wie es von einem Bischof, und gar noch einem heiligen Bischof, mit Fug und Recht erwartet werden darf.

 

Der geschichtliche Nikolaus

 

Allerdings gab es nicht nur einen heiligen Nikolaus. Der „jüngste“ sozusagen ist der hl. Nikolaus von der Flüe aus dem 15. Jahrhundert, der Nationalheilige der Schweiz. Ein weiterer, ein Augustinermönch aus Mittelitalien, Nikolaus von Tolentino, lebte in der 2. Hälfte des 13. Jahrhunderts. Dann Nikolaus der Pilger, ein Einsiedler, Narr in Christus und Märtyrer aus dem 11. Jahrhundert. Und schließlich der selige Nikolaus Albergati, Kartäuser, Bischof und Kardinal – wie Klaus von der Flüe - aus dem 15. Jahrhundert. Diese vier haben jedoch mit dem vorweihnachtlichen Nikolaustag nichts zu tun. Unser Nikolaus war vielmehr ein heiliger Bischof – wie Nikolaus Albergati –, weshalb er uns auch im Bischofsornat am vertrautesten ist. Er lebte vom Ausgang des 3. bis zur Mitte des 4. Jahrhunderts. Sein Geburtsort Patara, ehemals eine bedeutende Hafenstadt an der Küste Kleinasiens, ist heute fast vergessen. Meilenweit im Umkreis liegen die Trümmer antiker Baudenkmäler verstreut, überwachsen von Gras, Büschen und Bäumen. Selten kommt noch ein Wanderer in die wüste Gegend. Ähnlich verhält es sich mit Myra, dem Bischofssitz des Heiligen. Auch dies war eine bekannte Hafenstadt, heute liegt es jedoch infolge der Ablagerungen der reißenden kleinasiatischen Gebirgsflüsse einige Kilometer landeinwärts. Der heutige türkische Ort heißt Demre. Eine Erdflut hat das alte Myra nahezu ertränkt. Nur vereinzelt ragt noch hier und dort ein Bauwerk aus der 4-6 m hohen Sandschicht heraus.

 

Die Kirche des hl. Nikolaus blieb vor der völligen Zerstörung bewahrt. Die kleine Christengemeinde schützte das Innere vor dem Schlamm der Flüsse. Doch steigt man heute (1957) über grasüberwucherte Stufen in das alte Kirchenschiff, eine hohe, eindrucksvolle Halle mit Resten von Malereien, hinab. Bogenfenster unterbrechen die turmhohen wuchtigen Mauern. Nur vom Eingang her und durch zwei Fenster, die noch über die heutige Erdoberfläche hinausragen, dringt etwas Licht in den Raum. Zar Nikolaus II. von Russland wollte die Kirche wiederherstellen. Die russische Revolution verhinderte die Ausführung des Plans.

 

Die Kirche wurde bereits im 4. Jahrhundert, also kurz nach des Bischofs Tod, errichtet, ein Zeichen für die hohe Verehrung, die er schon damals genoss.

 

Von der alten Schönheit zeugen nur noch wenige Reste. In einer der beiden Seitenkapellen befindet sich das alte Grabmal des Heiligen. Der mächtige Marmor-Sarkophag ist jedoch übel zugerichtet. Durch ein Loch in seiner Stirnseite haben italienische Kaufleute und Seefahrer (1087) die Gebeine herausgenommen und vor den Türken nach Bari in Sicherheit gebracht.

 

Historisches ist über Nikolaus wenig überliefert. Wir wissen nur, dass dieser „Bekenner“ in der letzten Christenverfolgung viel erleiden musste, dass er 325 beim Konzil von Nicäa war und um 350 verstarb. Nahezu alles andere ist legendär.

 

Der hl. Nikolaus in der Legende

 

Über den hl. Nikolaus in der Legende aber könnte man ganze Bücher schreiben. Ihren Anfang nahm die Nikolausverehrung in Konstantinopel. Dort entstand die Wundererzählung von der Errettung dreier Feldherren, die zum Tode verurteilt waren. Der Heilige soll dem Kaiser erschienen sein und ihn um ihre Begnadigung und Freilassung gebeten haben. Nach Erhörung dieser Bitte wurde er in der griechischen Kirche besonders verehrt.

 

Der Kult griff dann nach Italien über und breitete sich nach der Überführung (man könnte auch sagen: dem Raub) der Gebeine nach Bari rasch aus. Nikolaus wurde einer der großen Volksheiligen. Sein Grab in der am Meer gelegenen Nikolauskirche der süditalienischen Hafenstadt wurde zum Ziel für Pilger aus allen europäischen Ländern. Legende und Verehrung breiteten sich aus, und überall entstanden Nikolauskirchen.

 

Eine andere Legende erzählt, dass in einem Hungerjahr drei Getreideschiffe, die nach Rom unterwegs waren, vom Sturm in den Hafen von Myra getrieben worden seien. Nikolaus erbat sich von den Schiffsleuten 300 Scheffel Weizen mit dem Versprechen, Gott werde sie ihnen wieder ersetzen. Und wirklich, als man in Rom den Weizen nachmaß, fehlte nicht ein Körnchen.

 

Ein Wallfahrtsort in Frankreich besitzt einen Finger des Heiligen. Daran rankt sich die Legende von zwei Schülern, die auf dem Weg zu ihm von habgierigen Wirtsleuten ermordet und beraubt worden waren. Der Heilige erfuhr auf wunderbare Weise davon, machte sich auf den Weg, bat um Obdach, brachte den Wirt zum Geständnis und erweckte die beiden Schüler wieder zum Leben.

 

Ein andermal rettete er ein in Seenot geratenes Schiff vor dem Untergang und führte es dem sicheren Hafen zu.

 

Nach einer weiteren Legende hat der Heilige in seiner Vaterstadt Patara drei Jungfrauen zur Mitgift verholfen. Ihr Vater, ein in Not geratener Edelmann, konnte sie nicht standesgemäß ausstatten. In drei aufeinanderfolgenden Nächten warf deshalb Nikolaus je einen Goldklumpen durchs Fenster.

 

Der hl. Nikolaus im Volksbrauch

 

Die in den vielen Legenden zum Vorschein kommenden Eigenschaften ließen St. Nikolaus zu einem der volkstümlichsten Heiligen des Abendlandes werden. Bedeutende Künstler haben ihn in ihren Bildern verherrlicht. Aus den vielen Legenden entstanden volkstümliche Nikolausspiele, Nikolausmärkte wurden abgehalten und Nikolausritte veranstaltet.

 

Dargestellt wird der Heilige gewöhnlich als Bischof mit Mitra und Stab, drei goldene Kugeln auf einem Buch tragend; drei Broten oder Steinen, weil er Myra bzw. Bari vor Hungersnot bewahrte; mit zwei Schülern, die einem Bottich entsteigen; sowie mit Anker und Schiff.

 

Entsprechend ist er auch vielen Ständen zum Patron und in mancherlei Anliegen zum Nothelfer geworden: für die Advokaten, die Apotheker, Bäcker, Bierbrauer, Böttcher, Fährleute, Fischer, Flößer, Gefangenen, Jungfrauen, Kaufleute, Kinder, Lichterfabrikanten, Matrosen, Schreiber, Schüler, Steinbrucharbeiter, Wachszieher, Weber – für eine glückliche Heirat, Wiedererlangung gestohlener Sachen, gegen Diebe, falsches Geld usw. –

 

Die Reformation, die den Heiligenkult verwarf, versuchte, den heiligen Bischof aus dem Brauchtum zu entfernen, und übertrug seine Rolle des Geschenke Austeilenden auf das Christkind und die den Heiligen ursprünglich nur begleitende, auf heidnische Vorbilder zurückgehende und in den verschiedenen Ländern unter verschiedenen Namen auftretende Schreckgestalt, uns als Knecht Ruprecht oder Weihnachtsmann bekannt.

 

Den Nikolaus, der allein oder in Begleitung am Vorabend seines Festes durch die Lande zieht, in die Häuser kommt und nachschaut, ob die Kinder während des Jahres auch brav waren, gibt es in vielen europäischen und außereuropäischen Ländern.

 

Für uns Deutsche kommt er, wie Theodor Storm ihn sagen lässt, „von drauß` vom Walde“ her. Begleitet von seinem treuen Freund und Helfer, Knecht Ruprecht, fährt er mit seinem Schlittengespann durch die Lande. In manchen Gegenden meldet er sich schon am Tag zuvor an, indem er anklopft und Äpfel und Nüsse vor die Tür streut. Er lässt die Kinder beten, fragt den Katechismus ab, erkundigt sich nach ihrem Betragen und teilt dann seine Gaben aus: Äpfel, Nüsse, Lebkuchen, Weckmänner usw.

 

Andernorts ist es Brauch, dass Nikolaus still und heimlich während der Nacht kommt. Deshalb stellen die Kinder im Rheinland einen kleinen, aus einer Mohrrübe geschnitzten Pantoffel auf den Tisch. In der Lausitz hängen sie ihre Strümpfe ans Fenster, auch in Niederbayern stellt man Teller und Schuhe vors Fenster, in anderen Gegenden auf den Tisch oder unter das Bett. In Nordeuropa, Niederbayern, Tirol und Steiermark werden auch Papierschiffchen für die Gaben aufgestellt. Oder man stellt die Schuhe an den Kamin, weil St. Nikolaus mit Ruprecht angeblich auf einem Schimmel durch die Luft reitet und seine Gaben durch den Kamin wirft. In anderen deutschen Gegenden, ebenso in Holland, füllen die Kinder ihre Schuhe mit Heu und Hafer für das Reittier des Heiligen.

 

Im 17. Jahrhundert, als Neuyork noch Neu-Amsterdam hieß, kam St Nikolaus über Holland auch nach Amerika. Als Santa Claus bringt er dort alljährlich seine Gaben. Er fährt, wenn er mit seinem achtspännigen Renntierschlitten durch das Land kommt, durch den Rauchfang im Haus und füllt die Strümpfe der Kinder. Und wie überall in der Welt beglückt er auch dort Jahr für Jahr Millionen Kinderherzen.

 

Gebet am 6. Dezember

 

Leidensvolle Mutter Maria, wir bemitleiden dich aus innerstem Grund unseres Herzens, dass du vor dem grausamen Herodes die Flucht ergreifen und nach Ägypten wandern musstest, um dein göttliches Kind vom Tod zu retten. Rette uns um dieser Drangsale willen aus allen Gefahren des Leibes und der Seele. Amen.

 

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Nikolaus

 

O Gott, der Du den heiligen Nikolaus durch unzählige Wunder verherrlicht hast, verleihe uns durch seine Verdienste und Fürbitte, dass wir vor dem Feuer der Hölle bewahrt werden, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Andacht am 6. Dezember:

 

Das Thema im Dezember:

Von der Gleichförmigkeit unseres Willens mit dem Willen Gottes

 "Nicht wie ich will, sondern wie du willst!" (Matthäus 26,39)

 

"Eine dem Willen Gottes wahrhaft unterworfene Seele hängt mit keinem Verlangen am Irdischen; sie erkennt, dass alles außerhalb Gott Eitelkeit und Nichts ist, daher auch hat sie kein anderes Ziel und keine andere Absicht, als sich selbst zu ersterben, und sich nun und immer in allen Dingen zu entsagen." (Der selige Heinrich Suso)

Dies war die Lebensweise des heiligen Vincenz von Paul, dessen Herz von allen Geschöpfen und von sich selbst entfesselt war. Beständig richtete er sein Augenmerk dahin, dem Wohlgefallen Gottes sich gleichförmig zu bilden und die Anordnung seiner Vorsehung mit Liebe anzubeten.

Die heilige Theresia schrieb an einen ihrer Beichtväter: "Der jetzige Stand meiner Seele besteht darin, dass ich nichts will, als was Gott will. Der Wille und das Wohlgefallen Gottes vereinigten sich so sehr mit meinem Verlangen und mit meinen Neigungen, dass ich keine andere habe; ja es kommt mir sogar so vor, als könne ich keine anderen haben. Diese Stimmung ist meinem Herzen tief eingeprägt. Ich brauche nicht viele Akte der Unterwürfigkeit in den Willen Gottes zu erwecken: ich liebe alles, was Gott will und freue mich dessen aufs Höchste."

 

Mein Gott, ich bete Deinen heiligen Willen an, unterwerfe mich ihm, liebe ihn und erfreue mich, ihn zu erfüllen. Dies ist mein einziges Verlangen! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 6. Dezember

 

"Ich möchte tausendmal lieber durch die Verleumdung der Menschen

angeschwärzt und unschuldig der größten und schrecklichsten Verbrechen

angeklagt werden, als vor Gott der kleinsten Sünde schuldig sein."

 

gottsel. Johannes Tauler OP

1300 bis 16.6.1361

 

Betrachtung am 6. Dezember - Johannes predigt die Buße

 

Johannes predigt, und die Scharen eilen,

Durch Buße von der Sünde sich zu heilen.

Was hält uns ab, dabei zu sein?

Sind etwa wir von Sünden rein?

 

1. Betrachten wir diesen großen Propheten, der die Wüste verlässt, den Völkern die Buße zu predigen, die er selbst von frühester Kindheit an in höchster Strenge geübt hat. Er ist, wie der Herr der Propheten ihm selbst das Zeugnis gibt, "ein brennendes und leuchtendes Licht". Erfüllt mit dem Heiligen Geist, brennt er von heiligem Eifer für Gottes Ehre, und leuchtet durch Unschuld, Heiligkeit und Buße. Von Kindheit an in der Wüste, war Gebet und Buße seine unablässige Beschäftigung. Sein Umgang war mit Gott allein, und in seinen erhabenen Betrachtungen über die tiefsten Geheimnisse des Heils erleuchtet, verlässt er diesen schaurigen Aufenthalt nur auf Gottes Geheiß.

 

2. Schon der bloße Anblick dieses heiligen Einsiedlers ist eine eindringliche Predigt. Denn, wie der Herr von ihm bezeugt, weder aß noch trank er, und seine Speise, Heuschrecken nämlich und wilder Honig, predigt die Buße denjenigen, die ihrem Bauch als ihrem Gott dienen. Seine Kleidung aber, Kamelhaare und ein lederner Gürtel um seine Lenden, verdammt die Kleiderpracht und Weichlichkeit der Weltkinder. Darum auch wirken seine Reden erschütternd auf die Herzen. Unerschrocken bezeichnet er die heuchelnden Pharisäer als eine Natternbrut, und bedroht sie, wenn sie nicht ernsthaft Buße tun, mit dem unauslöschlichen Feuer der Hölle. Ebenso wenig fürchtet er den Zorn der Könige und stirbt mit Freuden den Märtyrertod.

 

3. Hören wir die Stimme dieses gewaltigen Predigers, der bis auf den heutigen Tag aus den Fluren des Evangeliums uns zuruft: "Bringt Frucht hervor, die eure Umkehr zeigt. Jeder Baum, der keine gute Frucht hervorbringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen." (Matthäus 3,8+10) Indessen fordert er uns zu keiner Buße auf, die mit der seinigen sich vergleichen ließe. Er fordert bloß, dass wir keine Ungerechtigkeit begehen, die Pflichten unseres Standes genau erfüllen, den Armen eine milde Hand auftun, und Jesus, das Lamm Gottes, als den eingeborenen Sohn Gottes erkennen und ihm gehorchen. Matthäus 11,12: "Seit den Tagen Johannes` des Täufers bis heute wird dem Himmelreich Gewalt angetan; die Gewalttätigen reißen es an sich." 

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>> Heiligen-Legende <<

 

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Die heilige Kümmernis

 

Im Mittelalter war St. Kümmernis (auch St. Wilgefort genannt) eine hochverehrte Heilige in Südtirol, zu der die Gläubigen mit allen geistigen und leiblichen Nöten (Kümmernissen) kamen, besonders Liebende nahmen gerne ihre Hilfe in Anspruch.

Legende: St. Kümmernis war die Tochter eines heidnischen Königs von Sizilien. Sie bekehrte sich zum christlichen Glauben. Der Vater wollte sie mit einem heidnischen König verheiraten, doch die Heilige weigerte sich. Darauf ließ der Vater in den Kerker werfen und mit glühenden Zangen peinigen um sie umzustimmen. Doch St. Kümmernis bat Jesus, er möge sie so verunstalten, dass kein Mann sie zur Ehe begehre. Jesus erhörte sie und gab ihr das Aussehen eines Mannes. Der Vater, der darob erzürnt war, ließ sie mit einem elenden Rock bekleidet ans Kreuz schlagen. St. Kümmernis lobte Gott und predigte drei Tage lang vom Kreuz das Christentum, so dass sich sogar ihr Vater bekehrte. Zur Sühne baute er eine Kirche und ließ darin das Bild seiner Tochter aufstellen. 

 

Gebet

 

zur heiligen Jungfrau und Martyrin Wilgefort oder Kümmernis

in einem besonderen Anliegen zu sprechen (18. Jahrhundert)

 

O du glorwürdige Martyrin und auserwählte Gespons Jesu Christi, heilige Kümmernis! mit großem Vertrauen fliehe ich zu dir, und mit herzlicher Andacht rufe ich dich um deine Hilfe und Fürbitte an. Du weißt und siehst in Gott, in was für einem großen Anliegen ich stecke, und wie mein betrübtes Herz mit so viel Qual und Kümmernis erfüllt ist. Dieses mein großes Herzeleid lege ich vor deinem Kreuze nieder, und bitte, du wollest es mit gnädigen Augen ansehen, und die Betrübnis lindern. Du kannst mich gar leicht von dieser meiner Qual erretten, weil dir dein liebster Bräutigam Jesus Christus keine billige Bitte zu versagen versprochen hat; denn, als du am Kreuz hangend ihn batest, dass er alle Notleidende, die deine Marter ehren, und dich um deine Fürbitte anrufen werden, von ihren innerlichen und äußerlichen Anliegen und Betrübnissen erretten wolle, hat er deine Bitte erhört, und dein Begehren durch eine himmlische Stimme bekräftigt. Eja dann, o liebe heilige Kümmernis! ich bitte dich, durch deine heilige Jungfrauschaft, durch dein heiliges tugendhaftes Leben, und durch deine schmerzliche Annagelung an das Kreuz, erhöre meine demütige Bitte, und tröste mich in meiner großen Betrübnis; ich werde nicht nachlassen zu dir zu seufzen, und dich mit meinem ungestümen Bitten und Begehren zu plagen, bis du dich endlich meiner erbarmst, und mich von meiner Herzens-Betrübnis erledigst. Ich verspreche dir entgegen, dass ich gegen dich allzeit ein dankbares Gemüt tragen, dich lieben und ehren werde. Verlasse mich nur nicht, o meine auserwählte Patronin! sondern sende mir einen Trost, den ich von dir hoffend mich deinem Schutz und Gnade ganz und gar ergebe. Amen.

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Über die Heiligen der Kirche

 

Obgleich die verklärten Freunde Gottes, die wir als Heilige ehren, schon lange vorher diese Erde verlassen haben, ehe wir sie erblickten, obgleich sie zu Tausenden schon in den ersten Zeiten des Christentums den siegreichen Tod der Blutzeugen starben, einen Tod besser als alle Leben, weil er Wiedergeburt bedeutet zum wahren Leben, obgleich diese Seligen schon lange den Tag der Verherrlichung sehen, der ewig nicht aufhört und nicht wechselt: so sind wir dennoch mit ihnen in einer zwar unsichtbaren, aber engen und heiligen Verbindung. Sie sind Freunde Gottes, und wer ist ein Christusjünger, ohne ein Freund Gottes zu sein?

Sie sind Glieder des Leibes Christi – wir sind es auch!

Was die Heiligen besitzen, das erwarten wir.

Was sie nicht mehr verlieren können, können wir erlangen.

Sie schauen von Angesicht zu Angesicht, wir schauen wie in einen Spiegel.

Sie sehen und wir glauben.

Sie besitzen und wir hoffen.

Sie lieben und – was für ein schöner Gedanke! – auch wir lieben, lieben denselben Vater.

Sie lieben weil sie heilig sind, wir lieben, um heilig zu werden.

Und diese Liebe, die die Seele des gesamten Christentums ist, sie ist das starke Band, das die Kämpfer auf Erden mit den Siegern im Himmel verbindet. Darum schreibt der heilige Paulus an die Epheser: „Ihr seid Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes“.

 

Wir wollen an jedem Tag dem Herrn für die seinen Heiligen erwiesenen Gnaden danken. Wir wollen uns bemühen, ihre Tugenden nachzuahmen. Wir sehen von der Kirche uns vor Augen gestellt die zahllose Schar der Heiligen jeden Alters, jeden Geschlechts und jeden Standes. Vereinigen wir uns mit ihnen im Lobpreis Gottes, danken wir mit ihnen dem Herrn, dass er so mächtig seine Barmherzigkeit an ihnen und an uns erwiesen hat.

 

An allen Festen, die wir zu Ehren der Heiligen begehen, bezieht sich aber die höchste Verehrung immer auf Gott. Die den Heiligen erwiesene Ehre bezweckt nichts anderes, als Gott allein zu preisen, da von ihm die Heiligen all ihre Vorzüge und Tugenden erhalten haben. Und wenn wir zu ihnen beten, wollen wir nichts anderes, als dass sie beim Herrn unsere Fürsprecher sein mögen. Die Heiligen ehren, heißt also nichts anderes, als Gott in ihnen und durch sie ehren, es heißt nichts anderes, als Jesus Christus, den Gottmenschen, den Weltheiland, den König aller Heiligen, die Urquelle ihrer Heiligkeit und Herrlichkeit ehren, denn in seinem Blut haben sie ihre Gewänder gewaschen, ihm haben sie ihre Reinheit und den Glanz ihrer Herrlichkeit zu verdanken. Ihre Tugenden betrachten wir als Nachgebilde dieses göttlichen Urbildes, als Abdrücke seiner Tugenden in ihnen durch die Ausgießung seines Geistes und seiner Gnade.

 

Jede der an Jesus Christus hervorleuchtenden Tugenden finden wir an irgendeinem Heiligen nachgebildet: Wir bewundern

sein verborgenes Leben in der gänzlichen Weltabgeschiedenheit der Einsiedler,

seine makellose Reinheit an den Jungfrauen,

seine Geduld und Menschenliebe diesen Heiligen,

seinen Eifer an jenen Heiligen,

an allen Heiligen schließlich irgend einen Grad jener Fülle aller Tugend und Heiligkeit, die nur ihm, dem Allerheiligsten, eigen ist.

 

Doch nicht nur Nachgebilde des Lebens und Geistes Jesu sind die Tugenden der Heiligen, sie sind auch der Preis seines Blutes, sie sind seine Gaben, seine Gnaden. Wenn wir also die Heiligen verehren, ehren wir den Urheber alles Guten selbst, so dass man mit Recht sagen kann, alle Feste der Heiligen sind zur Ehre Gottes und besonders zur Verehrung unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus eingesetzt.

 

Wenn wir also die Feste der Heiligen feiern, soll unsere Andacht hauptsächlich darin bestehen, dass wir Gott loben und ihm danken für die unendliche Güte, die er so glänzend an seinen Auserwählten bewiesen hat, und dass wir uns zum Lob Gottes mit diesen seligen Himmelsbürgern vereinigen.

Wie viele heilige Frauen und Männer haben der Welt und ihren Vergnügungen entsagt, um sich ganz Gott hinzugeben. Darin schöpfen alle Dienerinnen und Diener Gottes ihre Kraft, mit der sie auf dem Glaubensweg voranschritten, darin finden sie eine übergroße Freude und auch Genuss hier und in der Ewigkeit. Zwar können auch die Heiligen nicht, Gott unausgesetzt mit Mund und Herz hier auf Erden loben, aber sie streben doch nach diesem einzigartigen Ziel mit aller Sehnsucht ihres Herzens.

 

Neben den lieben Heiligen, preisen wir Gott und danken ihm schließlich für alle Geschöpfe, die er seit der Zeit, als er die Welt aus dem Nichts ins Dasein gerufen hat, und für alles Wundervolle und Schöne, das er in ihnen und für sie wirkte. Daher loben und preisen der Psalmist und die Propheten so oft die Wunderwerke des Herrn und laden alle Geschöpfe ein, seinen heiligen Namen zu verherrlichen. Vor allem aber ist der Herr wunderbar in seinen Heiligen. Mögen Reiche durch Umwälzungen zu Grunde gehen, mögen Städte zerstört und Völker vertilgt werden, der Herr hat nichts anderes im Auge, als das Heil seiner Auserwählten. Durch verborgene aber wunderbare Fügung seiner Weisheit wirkt er denen, die ihn lieben, alles zum Guten (Röm 8,28). Für sie wird er am Weltende die bösen Tage abkürzen (Mk 13,20). Zu unserer Heiligung hat er seinen Sohn auf die Erde gesandt, für uns wurde er geboren, für uns verkündete er seine Lehre, wirkte Wunder, für uns vollbrachte er die hohen Geheimnisse, setzte er die Sakramente ein, opferte am Kreuz sein Leben hin, für uns stiftete er auf Erden seine Kirche, die Gemeinschaft der Heiligen, und gab ihr seinen immerwährenden Beistand. Was für erstaunliche Werke tut der Herr, um einen Sünder zu suchen, um eine Seele zu heiligen! Aus nichts sonst leuchtet mehr die Güte und die Barmherzigkeit und die Macht Gottes hervor, als aus dem unbegreiflichen Erlösungswerk! Die Erschaffung des Weltalls kann mit dem Heil EINER Seele, das durch den Tod Jesu bewirkt worden ist, nicht verglichen werden. Gleichwie er sorgte für das Heil aller Menschen, auf dass alle, die da wollen, gerettet werden, so sorgt er täglich für das Heil eines jeden. Wer vermag es auszusprechen, wie liebevoll der Herr über jeden einzelnen seiner Auserwählten wacht, mit welchen Gaben er sie schmückt?:

Er erhebt sie zu einer erstaunlichen Würde,

er nimmt sie unter die Gesellschaft seiner Engel auf,

er macht sie sogar zu Miterben und Geschwistern seines Sohnes,

er hat sie teuer erkauft aus der Sklaverei des Teufels,

er hat sie dem Los der Verwerfung entzogen,

er hat sie von ihren Sünden gereinigt,

er hat sie mit dem Schmuck seiner Gnade und Schönheit überhäuft,

er hat sie mit Herrlichkeit gekrönt,

er hat Leiden und Tod für sie erduldet!

O unbegreifliche Güte des unendlich Gütigen und Liebevollen! „Kostbar sind vor dir, o Herr, deine Freunde, hoch erhaben ist ihr Haupt!“

Wir haben zwar keine Angst vor dem Wort des Herrn: „Seid heilig, weil ich heilig bin!“, aber:

„Des Menschen Leben auf der Erde ist ein Kampf!“ Das sprach schon der fromme, in den Prüfungen geläuterte Hiob. Dies ist es auch für uns, dies war es für die Heiligen. Täglich haben wir zu kämpfen gegen den Andrang der Versuchungen, täglich überzeugen wir uns mehr von unserer Schwachheit, von unserem Wanken im Guten, und jeden Augenblick werden unserem Heil Hindernisse in den Weg gelegt. Darum sagt auch der heilige Petrus: „Seid nüchtern und wachet; denn euer Feind, der Teufel, geht wie ein brüllender Löwe umher, und sucht, wen er verschlinge.“ (1 Petr 5,8) Schweren und harten Proben sind wir Menschen ausgesetzt. Es kommen über uns die Stunden des Leidens und der Mutlosigkeit, es fallen gewaltige Versuchungen über uns her, Neigungen, die unser Herz nicht will, und denen wir uns doch kaum entwinden können. Es wütet in unserer Seele ein Sturm, dass wir den Mut sinken lassen möchten. Aber verzweifeln wir nicht! Gott ist uns in solchen Augenblicken näher, als wir ahnen, und auf ihn gestützt ist unsere Kraft mächtiger, als wir glauben. Dies sind die Stunden, in denen der Herr uns prüft, in denen die Tugend sich bewährt, dies sind die Kämpfe, durch die wir unsere Heiligung erringen. „Wie im Feuer das Gold geläutert wird und das Silber, so der Mensch im Ofen der Trübsale, und selig der Mensch, der die Prüfung besteht; weil er sich bewährt hat, empfängt er die Krone des Lebens.“ Wer uns die Trübsale schickt, gibt uns auch den Mut sie zu tragen. Der die Versuchungen über uns kommen lässt, verleiht uns auch die Kraft, sie zu besiegen. Und der uns als seine Kämpfer unter die Fahne des Kreuzes stellt, macht uns auch teilhaftig des Sieges und der Verherrlichung des Kreuzes.

 

Und mussten denn die Heiligen keine solchen Kämpfe bestehen?

Waren sie frei von all den niederschlagenden Beschwerlichkeiten des menschlichen Lebens?

Blieben sie verschont von all der Lust zur Sünde?

Wenn das so wäre, dann könnten sie nicht heilig sein! Denn heilig wird nur, der selbst durch Gott seine Heiligung wirkt. Würdig der Verherrlichung kann nur der sein, der mit dem Sohn Gottes duldete und erniedrigt wurde. Den Lohn der Tugend kann nur der erlangen, der sie bewährte durch den Bruch des Gesetzes der Sünde und des Fleisches. Und dieses Vollbringen geben uns der Geist Gottes und das Wort Gottes.

 

Aber ist der Mensch nicht doch zu schwach für diesen Kampf und zu gebrechlich? Jesus selbst sagte ja: „Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach.“ Freilich ist der Mensch schwach, und sogar schwächer als er oft meint und weiß, „aber denen," so heißt es, „die Gott lieben, gereichen alle Dinge zum Guten“. Jesus Christus sei uns alles in allem, und wir werden in allem nichts suchen und nichts finden als ihn. Anhaltendes Streben führt nach und nach zur Vollkommenheit. Nach und nach ziehen wir den alten Menschen aus und ziehen an unseren Herrn Jesus Christus. So taten es die Heiligen. Auch sie waren Menschen, wie wir, in der Sünde geboren, wie wir, mit all den Schwachheiten und Gebrechen angetan, die auch wir fühlen. „Auch ich bin nicht hart wie Stein“, sagte Hiob, „auch mein Fleisch ist nicht von Erz“. Aber diese Heiligen wendeten sich mit ganzem Herzen zu Gott. Wo ihre Natur je schwach war, da half die Hand Gottes. Wo ihre Kraft versagte, da war die Gnade. Und so taten sie Dinge, die wir nicht begreifen, weil wir den Geist nicht kennen, der in ihnen wirkte. Und so übten die Heiligen Tugenden, die wir nur bewundern, weil wir diesen Geist nicht besitzen. Sie verachteten die scheinbare Glückseligkeit der Welt und der Sünde, weil sie die wahre Glückseligkeit suchten. Sie waren glücklich, weil sie dem weltlichen Glück aus dem Wege gingen. Sie schienen sich selbst gar nicht zu mögen, weil sie sich liebten, sie schienen der Welt tot, weil sie lebten, denn sie liebten und lebten in Gott und in der Tugend.

 

Einwände:

Wir haben so viele Dinge zu tun und Beschäftigungen, die es nicht zulassen, oft an Gott zu denken.

Wir können doch nicht alle in Einöden oder Wüsten gehen, unser Leben mit Tränen und Buße zubringen, wie die Einsiedler.

Wir können uns nicht alle in Klöster einschließen, um nur der Betrachtung und dem Gebet zu leben, wie die vielen Ordensleute früherer Zeiten.

Wir können auch nicht auf Säulen stehen und dort oben unter freiem Himmel unsere Jahre dahinbüßen, wie ein Stylit.

Nein! Nicht in den Einöden und Wüsten allein wohnt die Heiligkeit, nicht in die Klöster ist sie verschlossen, nicht auf Säulen büßt sie – in den Herzen wohnt sie, in der Liebe Gottes, im christlichen Leben und Sterben.

Unser Herz ist die heiligste Einsamkeit, wenn nur Gott in ihm wohnt.

Unser Herz ist die heiligste Entsagung, wenn es entsagt der mutwilligen Sünde.

Unser Herz ist die heiligste Buße, wenn es traurig über das Böse und demütig vor Gott ist.

Nicht all die Taten der Heiligen sollen wir nachahmen, sondern ihren Sinn.

Nicht all ihre Handlungen sollen wir uns zum Beispiel nehmen, sondern mit ihrem Geist uns durchdringen.

Dies können wir in jedem Augenblick und an jedem Ort und bei jedem Tun, denn überall und immer haben wir uns selbst, überall und immer haben wir Gott.

 

Aus den zwölf Stämmen Israels (Offb 7,4 ff) und aus allen Völkern, ohne Unterschied zwischen ihnen, hat der Herr seine Heiligen erwählt. Es sind unter ihnen Menschen aus jedem Alter, weil jegliches Alter zum Himmel gelangen kann, aus jeglichem Stand, weil kein Stand, kein Beruf, keine Abstammung der Heiligkeit im Weg steht. Die einen saßen auf Thronen, die anderen lebten in dunkler Verborgenheit. Einige waren Soldaten, andere lebten im Gewirr des Handels, waren Arbeiter oder Bauern. Wieder andere waren Regierende oder hatten hohe Ämter, andere waren im Dienst der Kirche. Und wieder andere lebten als Einsiedler oder im Kloster, als Jungfrauen und Verheiratete, als Witwen und Sklaven. Mit einem Wort, es gibt keinen Stand, der nicht seine Heiligen hat. Aber wie haben sie sich geheiligt? Jeder von ihnen erfüllte seine Pflichten im Beruf und in der Familie, jeder von ihnen benützte zu seinem Heil die gewöhnlichen Gegebenheiten seines Lebens, glückliche oder unglückliche Verhältnisse, Gesundheit wie Krankheit, Ehre wie Verachtung, Reichtum und Armut. Der Herr wirkt auf unendlich vielfältige Weise. Danken wir ihm dafür von ganzem Herzen.

 

Um aber den Eifer und das Streben nach dieser Seligkeit nicht aufzugeben, dürfen wir nie das Beispiel der Heiligen aus dem Auge verlieren. Die Betrachtung ihrer Heiligkeit und Unsterblichkeit wird uns schützen vor den Angriffen des Teufels und seinen Verführungen. Sie wird in uns einen heiligen Widerwillen gegen die trügerischen Vergnügungen dieses Lebens erwecken und uns mit Mut erfüllen. Die Heiligen haben uns durch ihr Beispiel den Weg vorgezeichnet, den wir gehen müssen. Sie waren, was wir sind, Pilger auf Erden. „Elias“, sagt der Apostel Jakobus, „war ein Mensch wie wir“ (Jak 5,17), ausgesetzt denselben Schwierigkeiten. Dennoch haben sie sich alle geheiligt. Umsonst suchen wir also nach Ausreden, nach Hindernissen in unserem Leben, die wir erst überklettern müssten. Die Heiligen befanden sich in denselben Umständen, und vielleicht in noch gefährlicheren. Wie viele hatten zu kämpfen gegen die Verlockungen der Unzucht, gegen die Versuchungen der Macht und Ehre und Größe und Kariere in der Welt, gegen die Verführungen der Schmeichelei, gegen die Ungerechtigkeit der Feinde, gegen die Schrecknisse der Gefängnisse und Folter, gegen die Wut der Verfolger, gegen die Grausamkeit der Schergen? Und sie siegten nicht nur über all diese Schwierigkeiten, sondern benützten sie sogar als wirksame Mittel zum Heil, indem sie dadurch wachsamer über sich selbst, eifriger im Gebet, enthaltsamer, bußfertiger und tätiger in der Ausübung der guten Werke wurden.

 

Wie wollen wir also unsere Schwachheit oder unsere Verhinderungen entschuldigen? Die Heiligen waren aus derselben Erde gebildet, wie wir. Aber sie kannten ihre Schwächen besser als wir. Sie vermieden alles, was das Feuer ihrer Leidenschaften entflammen konnte. Sie mieden die Gelegenheiten zu Sünde. Sie begründeten sich immer mehr in der Demut. Dadurch siegten sie über sich selbst, über ihre inneren Feinde und über ihre Feinde von außen. Es liegt nur an uns, auf dieselbe Weise dieselbe Vollkommenheit zu erreichen. Das Blut Jesu Christi ist für uns, wie für sie vergossen worden. Die Gnade des Erlösers mangelt uns nicht, wie sie ihnen nicht mangelte, aber wir wollen sie oft nicht benützen. Wenn Schwierigkeiten und Hindernisse uns entgegenstehen, wenn Versuchungen uns schrecken, wenn die Feinde unseres Heils uns anzufallen drohen, verlieren wir den Mut nicht, sondern verdoppeln wir vielmehr unser Vertrauen, mit Josua zum Herrn rufend: „Der Herr ist mit uns, was sollten wir fürchten?“

 

Wenn uns die Welt verfolgt, so erinnern wir uns, dass die Heiligen sie bekämpft haben und siegreich aus allen Kämpfen hervorgegangen sind.

Wenn unsere Leidenschaften sich heftig in uns empören, so hat uns Jesus Waffen gegeben sie zu unterwerfen, und sie unter der Gewalt des Heiligen Geistes zu unterwerfen.

Was haben viele Heilige nicht alles erlitten! Aber sie widerstanden, wie der heilige Johannes der Täufer, ihren Anfällen durch Wachen, Enthaltsamkeit und stille Zurückgezogenheit. Der Herr ließ sie den Sieg über diese Feinde ihres Heils davon tragen.

Folgen wir also den Heiligen mutig nach. Lernen wir von ihnen mit Geduld unser Kreuz tragen, der Welt und uns selbst entsagen, ein Leben der Arbeit, des Gebets und der Buße führen. Wir stürzen uns ins Verderben, wenn wir einen anderen Weg gehen, wenn wir den Weg durch die weite und bequeme Pforte wählen.

 

Es gibt nur einen Gott, einen Erlöser, ein Evangelium, ein Paradies. Es gibt nur ein Gesetz, und das ist unwandelbar. Es ist ein sehr gefährlicher Irrtum zu glauben, die in der Welt lebenden Christen seien nicht gehalten, nach Vollkommenheit zu streben, oder könnten auf einem anderen Weg als die Heiligen zur himmlischen Seligkeit gelangen. Man redet sich gern nach dem Beispiel der Menschenmassen ein, es gebe einen Mittelweg zum Himmel, sozusagen einen Weg der „normalen Christen“, und auf diesem Mittelweg glaubt man mit der einen Hand auf dem Altar Gottes den Weihrauch zu opfern und mit der anderen nach der Weltlust greifen zu können. Dieser irrigen Meinung zufolge, obgleich die Welt dem Evangelium nicht folgt, bemüht man sich die Grundsätze der Welt mit den Aussprüchen des Erlösers zu vereinbaren. Als wenn im Tempel Gottes dem Laster ein Altar gebaut werden könnte. Man vergisst scheinbar, dass die von Jesus uns gegebene Lehre alle ohne Unterschied angeht, die sich als Christen bekennen. Alle müssen nach dem Geist Jesu streben und sein Leben in sich nachbilden. Davon hängt unser Heil ab, davon hängt die Teilnahme an seiner Herrlichkeit ab. In dieser Beziehung gibt es keinen Unterschied ob unter den Geistlichen, den Ordensleuten und den Weltleuten. Das Gesetz ist allgemein. Der Unterschied liegt nur in den Mitteln. Alle müssen sich heiligen und für die Welt verloren sein. Wenn man allerdings das Leben der meisten Christen untersucht, findet man da den Kampf gegen die Leidenschaften? Herrscht der Geist Jesu Christi in ihren Herzen, beseelt er ihre Handlungen? Bemerkt man in ihrem Leben nicht mehr den Geist der Welt, die Ehrabschneidung, den Neid, den Zorn, die Rachsucht, die Eitelkeit, die Weltliebe, den Stolz, die Ehrsucht? Vergeblich möchten sie vorbringen, dies seien Fehler, die jedem passieren, Fehler, von denen man überrascht wird. Es sind Leidenschaften von denen ihr Herz beherrscht ist. Vergebens werden sie sich eines geordneten Lebens, des öfteren Kirchenbesuchs oder der Spendentätigkeit rühmen, all dies ist unvollkommen: so lange ihnen die Grundlage des Glaubens mangelt, so lange ihre Leidenschaften nicht überwunden sind, haben sie jenen wahren Geist des Christentums nicht, der das Kennzeichen aller Heiligen ist.

 

Wenn wir das Leben der Heiligen Gottes betrachten, welchen Eifer, welche Gottseligkeit erblicken wir da! Mit welcher ehrfürchtigen Aufmerksamkeit hörten und erforschten sie das göttliche Wort? Mit welcher glühenden Andacht betrachteten sie das Gesetz des Herrn! Wie suchten sie ihr Leben nach jedem Wort des Evangeliums einzurichten! Mehr wussten sie, als alle Wissenschaften lehren können, wenn sie den Weg zur Seligkeit wussten, den keine Wissenschaft zeigen kann, als allein die Wissenschaft des Heils. Weiser waren sie als alle Weisen der Welt, wenn sie die Weisheit der Demut besaßen, gegen die jede andere Weisheit nichts als Torheit ist. Glücklicher waren sie, als alle Glücklichen, wenn sie das Glück der göttlichen Liebe genossen, gegen das jede Erdenfreude eine Marter ist. Und mit dieser Wissenschaft ausgerüstet, und mit dieser Weisheit erleuchtet, und von dieser Liebe beseelt, verachteten sie den Spott und die Ehren der Welt, und priesen sich selig, um des Kreuzes willen verachtet, um ihres Heilandes willen verfolgt und getötet zu werden. Aber wo ist unter uns diese Beachtung des Gesetzes des Herrn? Wo das Streben nach der Vollkommenheit des Evangeliums? Wo der unermüdliche Eifer, sich nach dem Beispiel des Gottessohnes zu bilden? Viele sind sicher erkaltet, viele schlafen, viele schämen sich auch des Evangeliums, schämen sich ihres Heilands!

 

Unrecht wäre es sich über die Strenge und Schwere des Gebots der Nachfolge Jesu Christi beklagen zu wollen. Hängt es denn von uns ab, den Weg zu erweitern, den uns der Herr als schmal angegeben hat? Man stößt ohne Zweifel auf Schwierigkeiten. Aber wer von Mut erfüllt ist, wird sie besiegen. Und sollte der Himmel, der die Heiligen so viel kostete, uns umsonst gegeben werden? Erwirbt man sich denn so ganz ohne Mühe auch nur einige zeitliche Vorteile? Nein, denn die wahre Freiheit und die Seelenzufriedenheit werden erst die Früchte der ernsthaften Nachfolge Jesu sein. Diese und andere Schätze sind dann die Stützen der Gläubigen auch in den härtesten Prüfungen.

 

Vergleichen wir einmal die mächtigen Herrscher auf Erden, die Regierenden mit einem demütigen Diener, einer demütigen Dienerin Gottes.

Die Macht, der Reichtum, die Eitelkeit und die Leidenschaften machen das eingebildete Glück der Regierenden aus. Die Menschen drängen sich, ihnen zu schmeicheln und zu gehorchen und kommen ihren leisesten Wünschen zuvor. Die Regierenden genießen das ihnen guttuende „Bad in der Menge“. Wellness der Politiker!  Die Menschen sinken vor manchen Staatslenkern in Ehrfurcht auf ihre Knie. Auf ihren Befehl rücken Kriegsheere aus, werden Länder verwüstet, oder müssen Menschen ihr Leben lassen. Ein Blick, von ihnen ausgegangen, kann schon harte Strafe sein, ein kleiner Wink, eine Belohnung. Und kaum einer wagt es, Rechenschaft von ihnen zu fordern, sondern naht sich glücklich und fühlt sich hochgeehrt, wenn Regierende sich würdigen ein sogenanntes „Selfie“ mit einem armen Schlucker vom Volk zu gestatten oder ein Autogramm zu geben. Wenn ein Regierender sich würdigt, die Huldigungen des Volkes anzunehmen, die sich dafür abmühen gleich Sklaven, dann ist in seinen Augen zu lesen, welche Art Opfer er von ihnen erwartet. Dies ist, was die Welt bewundert.

Doch nur die Dienerinnen und Diener Gottes genießen Unabhängigkeit und Freiheit. Sie sind nur mit ihrer Pflichterfüllung beschäftigt. Gefasst in widrigen Schicksalen, erheben sie sich über alle menschlichen Rücksichten, weil sie losgetrennt sind von der Welt, ohne jedoch der Liebe entfremdet zu sein, die sie hinzieht, am Glück und Unglück ihres Nächsten teilzunehmen. Angriffe und Beleidigungen bringen sie nicht aus der Fassung, sie benützen sie vielmehr als Mittel, auf dem Pfad der Nachfolge Jesu immer weiter voranzuschreiten.

Die Unruhen und Mühsale eines Regierenden steigen mit seiner Macht. Und diese Macht gibt gewöhnlich den Leidenschaften eine größere und drückendere Herrschaft. Und hängt denn übrigens seine Größe und Macht nicht selbst von den anderen Menschen ab, deren Gunst so wandelbar ist? Will er als Tyrann herrschen, so muss er versichert sein, beinahe ebenso viele geheime Feinde, als Untertanen zu haben; will er sich durch seine Milde und Freundlichkeit beliebt machen, wird er nicht ein blindes und undankbares Volk finden, dass vielleicht seine Wohltaten missbraucht. Schließen wir hieraus auf die Hinfälligkeit der weltlichen Regierenden. Haben vielleicht ihre Reichtümer besseren Bestand? Oder sind sie nicht vielmehr die Ärmsten unter den Menschen, da ihre Bedürfnisse größer und ihre Begierden unersättlicher sind? Der Reichste ist der, der am wenigsten Bedürfnisse hat, der nicht weiter begehrt, und mit der Lage, in der er sich befindet, zufrieden ist. Die Vergnügen eines Regierenden in Politik oder Wirtschaft sind eben nicht die größten, weil er sich diese leichter als andere Menschen verschaffen kann. Und in der Tat die Freuden der Welt bestehen hauptsächlich im Streben danach. Oder doch, je mühevoller das Streben war, desto höher wird ihr Wert angeschlagen. Ist ein Regierender nicht tugendhaft, so ist sein Herz der elendste Spielball der Leidenschaften, die ihn beherrschen. Tausend kummervolle Sorgen vergiften ihm jede Freude und jeden Genuss. Aman, der unter seines Königs Namen dem Perserreich gebot, verlebte seine Tage in bitterer Traurigkeit, weil der Jude Mardochäus am Thron des königlichen Palastes stets seine Knie nicht vor ihm beugte. So macht das geringste Hindernis, ihre Leidenschaften zu befriedigen, die Bösen unzufrieden und unglücklich. Ihre Vergnügen sind nur Eitelkeit. Die falsche Freude, die ihnen eine vorübergehende Befriedigung ihrer Leidenschaften gewährt, entschwindet bald, um quälenden Unruhen Raum zu geben. Und diese Unruhen sind, eben weil sie vor den anderen Menschen verheimlicht werden müssen, nur desto drückender. Wie viele, die den Gipfel menschlicher Ehren erstiegen haben, sind sich selbst eine unerträgliche Last?

 

Schließen wir hieraus mit dem heiligen Chrysostomus, dass man nicht in den menschlichen Leidenschaften das Glück suchen darf. Eine Wahrheit, die auch durch die Aussprüche der ewigen Weisheit bestätigt wird, die uns zugleich lehrt, dass nur der wahrhaft glücklich ist, der sich auf dem Weg der Nachfolge Christi befindet. Nur dieser Weg führt uns zum Glück, und gewährt uns schon auf der Erde die höchste Seelenzufriedenheit, zu der wir hier bereits fähig sind.

Wir rühmen uns, sagt der heilige Paulus, wir rühmen uns in der Hoffnung auf die Herrlichkeit der Kinder Gottes. Würde sich uns, wie einem Johannes, der Himmel sich öffnen, würden wir schauen können diese Herrlichkeit der Heiligen, die da um den Thron des Lammes stehen und heilig, heilig singen, die da rufen mit den Engeln in himmlischer Freude: Preis dem Lamm, das für uns getötet wurde, Preis und Ehre und Verherrlichung und Macht in alle Ewigkeit! Doch kein unverklärtes Auge kann die Herrlichkeit der Verklärten schauen. Kein Ohr hat es gehört, kein Auge gesehen, in keines Menschen Herz ist es gekommen, was der Herr denen aufbewahrt, die ihn lieben. Dort in dem Reich der Seligen drohen keine Gefahren mehr, lockt keine Verführung mehr zur Sünde; dort sind alle Anstrengungen, alle ängstigenden Sorgen verschwunden.

 

Selig sind dort die Armen im Geist, denn sie besitzen die Schätze des Himmels; selig dort die Sanftmütigen, wenn sie schauen denjenigen, der einst sagte: lernt von mir, denn ich bin sanftmütig und demütigen Herzens; selig, die da weinten und trauerten auf der Erde, denn sie genießen den ewigen unwandelbaren Trost; selig dort, die da Durst hatten nach Tugend und Gerechtigkeit, denn sie empfangen ihren Lohn, den Lohn der Tugend aus den Händen des Richters; selig, die da Barmherzigkeit übten, denn sie preisen ewig die Barmherzigkeiten Gottes in der Gemeinschaft der Heiligen; selig, die im Leben ein reines Herz hatten, denn sie leben und lieben in dem, den kein Unreiner schauen wird; selig die Friedfertigen, denn sie sind die Kinder Gottes, denen das ewige Wort selbst Frieden auf die Erde brachte; selig dort, die da Verfolgung leiden mussten ihres Glaubens wegen, denn der Herr trocknet alle Tränen von ihrem Angesicht; selig dort alle, die da kämpften und duldeten, glaubten und hofften, die da starben um Christi willen, denn Friede und Verherrlichung ist ihr Anteil, und übergroß ihr Lohn im Himmel. Vorüber sind die Stürme der Versuchungen, und sie genießen den Lohn des Sieges. Vorüber ist der Schmerz der Prüfungen, und sie genießen die Freude der Bewährung. Vorüber sind alle die Stürme des Leidens, und sie genießen einen ewigen seligen Tag. An den sie glaubten, sie schauen ihn; auf den sie hofften, sie besitzen ihn; den sie liebten mit der Liebe der Aufopferung, sie lieben ihn mit der Liebe der Vergeltung und kosten in diesem Schauen, Besitzen und Lieben die namenlose Freude der ewigen Liebe. Möge jener herrliche ewige Tag der Vergeltung uns allen aufgehen, den keine Nacht verdunkelt, den die Herrlichkeit Gottes erleuchtet! Möge er uns aufgehen dieser wunderbare freudige Tag, der sich nicht wandelt und nicht wechselt und nicht untergeht! Er leuchte uns ewig in seiner unwandelbaren Schönheit. Ja, er leuchte uns einst, dieser große Tag, den die Heiligen schauen, er leuchte uns allen, dass wir dort in der Gemeinschaft der Heiligen bei Gott das ewige Fest feiern, die wir uns als ihre Verehrer bekennen.

 

Der heilige Bernhard sagt:

„Unser und nicht der Heiligen Vorteil ist es, dass wir ihr Andenken ehren . . . Ich denke nie an sie, ohne in mir ein glühendes Verlangen nach ihrer Gesellschaft, ihrer Glückseligkeit und ihrer Fürbitte zu empfinden. An die Heiligen denken, ist sie gewissermaßen sehen. Hierdurch finden wir uns unserem besseren Teil nach in das Land der Lebenden versetzt, wofern die Liebe dahin unsere Gedanken begleitet. Dort sind die Heiligen wirklich gegenwärtig, und wir sind durch unsere Wünsche bei ihnen. Ach, wann werden wir mit unseren Vätern vereinigt sein! Wann werden wir die Mitbürger der seligen Geister, der Patriarchen, der Propheten, der Apostel, der Märtyrer, der Jungfrauen sein? Wann werden wir den Chören der Heiligen beigesellt werden, das Andenken an einen jeden aus ihnen, ist, sozusagen, ein neuer Sporn, oder vielmehr eine Fackel, die das in unseren Seelen brennende Feuer vermehrt, so dass wir mit glühendem Verlangen nach dem Glück sie zu sehen, sie liebend zu umfassen, uns sehnen, und schon in ihrer Mitte zu sein glauben. Aus dem Ort unserer Verbannung vereinigen wir uns durch Seelenwünsche mit der ganzen Versammlung der Heiligen, bald diesen, bald jenen betrachtend. Wie groß wäre unsere Feigheit, wenn sich unsere Seelen nicht zu dieser heiligen Schar hinaufschwängen, wenn unsere Herzen nicht in beständigem Sehnen schmachteten? Die Kirche der Erstgeborenen ruft aus, und wir antworten nicht? Die Heiligen wünschen uns bei sich zu haben, und wir verachten sie . . . ? Kommen wir in glühendem Eifer den uns Erwartenden zuvor, beeilen wir uns in die uns erharrende Gesellschaft aufgenommen zu werden.“

Nach diesem spricht der Heilige von dem Verlangen nach der Seligkeit der Heiligen und von ihrer mächtigen Fürbitte:

„Erbarmt euch meiner, erbarmt euch meiner, ihr meine Freunde. Ihr kennt unsere Gedanken, unsere Gebrechlichkeit, unsere Unwissenheit und die Schlingen unserer Feinde. Ihr wisst, wie schwach wir und wie grimmig unsere Feinde sind. Ihr habt dieselben Versuchungen bestanden, ihr habt über dieselben Angriffe gesiegt, ihr seid denselben Schlingen entronnen. Was ihr selbst gelitten habt, hat euch mitleidig gemacht . . . Eure Herrlichkeit kann ohne uns nicht vollendet sein.“

Von der vielvermögenden Fürsprache der Heiligen, die wir besonders durch die Feier ihrer Feste uns verdienen sollen, sagt der heilige Bernhard Folgendes:

„Der mächtig auf der Erde war, ist es noch mehr im Himmel, vor dem Angesicht des Herrn. Wenn er während seines sterblichen Lebens die Sünder bemitleidete und für sie betete, warum sollte er jetzt nicht für uns beten, und zwar umso glühender, als er unsere Bedürfnisse und Armseligkeiten vollkommener kennt? Der Himmel hat dessen Gesinnungen nicht verändert, sondern dessen Liebe nur vermehrt. Obgleich des Leidens nicht mehr fähig, ist er doch noch allzeit des Mitleids empfänglich. Vor dem Thron der Barmherzigkeit stehend, muss er auch Barmherzigkeit fühlen.“