Gebete

 

Vom heiligen Franz von Assisi wird erzählt, dass er zuweilen ganze Nächte, von Gottesliebe durchdrungen, die Worte wiederholt hat: "Mein Gott und mein alles!" Ein solches kurzes Gebet, dass man oft am Tag wiederholt, nennt man Stossgebet. Man liest von den meisten Heiligen, dass sie irgend ein Stoßgebet liebgewonnen und unzählige Male am Tag verrichtet haben. So soll der heilige Ignatius von Loyola die Worte: "Omnia ad Dei gloriam. Alles zur Ehre Gottes" oft gesprochen haben. Der heilige Felix von Kantalizio, ein Kapuziner, dessen Leib bis zum heutigen Tag in Rom unversehrt geblieben ist, wurde vom Kapuzinerkloster in Rom 40 Jahre hindurch als Almosensammler verwendet und hatte - wie es allen Almosensammlern ergeht - nicht selten manches grobe Wort anhören müssen. Dieser Mann pflegte in solchen Fällen, wenn ihm etwas Böses widerfuhr, überhaupt bei allen frohen und traurigen Ereignissen, zu sprechen: "Deo gratias. Gott sei Dank." Das Stoßgebet "Deo gratias" ist uralt. Es soll seine Entstehung der Mutter Gottes verdanken, die diese Worte, die auch in der heiligen Messe vorkommen, oft im Munde geführt haben soll. Manche fromme Leute haben wieder das schöne Stoßgebet: "Im Namen Gottes" oder "Im Namen Jesu" oder "Gott, eil mir zu Hilfe" usw. Wer ein solches Stoßgebet oder ein anderes Gebet aus dem Gebetsschatz der Kirche öfters während des Tages verrichtet, der erfüllt die Mahnung des Apostels: "Betet ohne Unterlass!", der entspricht dem Wunsch Christi, dass man allezeit bete und darin nicht nachlasse.

Matthias Hergert