Gebete

 

Inhalt:

 

1. Gruß an Maria

2. Was nützt das Gebet für die armen Seelen?

3. Kindergebete?

4. Der Engel des Herrn

5. Der hl. Beda und das Vaterunser

6. Das Salve Regina

7. Das Gegrüßet seist du Maria

8. Das Ave Maria

9. Gebet vor der hl. Kommunion

10. Gebet nach der hl. Kommunion

11. Das Regina coeli

12. Morgengebet

13. Nachtgebete

14. O mein Heiland, großer König

15. Hilf, Maria, es ist Zeit

16. Jungfrau, Muttergottes mein

17. Gebet zum hl. Josef

18. Zur Mutter mit dem Jesuskind

19. An die Himmelskönigin

20. Wir beten dich an, Herr Jeus Christ

21. Maria

22. Zur Trösterin der Betrübten

23. Gruß an Maria im Monat Mai

24. Maria befreit uns von der Schlange

25. Zum hl. Joseph

26. Karlchens Gebet

27. Die großen Antiphonen im Advent

28. Gebet der Kranken zu U.L.F. von Lourdes

29. Gruß an das heiligste Herz Jesu

30. Alles dir, o Gott, zu Ehren!

31. Hingebung

32. Schön bist du wie der Maientag

33. Vom Beten des Kindes

34. Am Maialtar

35. Allerheiligen

36. Hausspruch

37. Milde Königin, gedenke!

38. Gebet zur allerseligsten Jungfrau

39. Mein Heiland, Dank!

40. Gebet zum Jesuskind

41. Ölbergs-Andacht

42. Kleine Ablassgebete zur allerseligsten Jungfrau

43. Zur Königin des hl. Rosenkranzes

44. Morgenandacht

45. Gebet zu Jesus um seine heilige Liebe

46. Gebet um die tägliche Heiligung des Namens Gottes

47. Froher Gruß an das Kreuz Jesu in der Wohnstube

48. Morgengruß an das Herz Jesu

49. Gebet um die Vereinigung mit Jesus

50. Tägliche Aufopferung seiner selbst in den Willen Gottes

51. Gebet um fünf besondere Tugenden

52. Erweckung der göttlichen Tugenden

53. Novene zu den 7 Zufluchten

54. Tägliches Dankgebet für das Geleit des Schutzengels

55. Fromme Bitten

56. Tägliche Bitte um einen seligen Tod

57. Gebet beim Eintreten in die Kirche

58. Tägliches Gebet für die Lebenden

59. Gebet beim Gedenken an den Heiligen des Tages

60. Gebete für jeden Tag in der Woche

61. Das Vaterunser poetisch aufgesetzt

62. Gebet zur Jungfrau Maria

63. Gebet zum heiligen Schutzengel

64. Gebet zu Gott vom heiligen Martian

65. Gebet zu Maria vom heiligen Alphons von Liguori

66. Gebet zu Maria vom heiligen Bernhard

67. Bittseufzer zu Jesus, Maria und Joseph

68. Tägliches Gebet zu Maria

69. Andacht des ehrw. P. Nicolaus Zucchi SJ zu Maria gegen alle bösen Gedanken

70. Bitten zur allerseligsten Jungfrau Maria für die Wochentage

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Vom heiligen Franz von Assisi wird erzählt, dass er zuweilen ganze Nächte, von Gottesliebe durchdrungen, die Worte wiederholt hat: "Mein Gott und mein alles!" Ein solches kurzes Gebet, dass man oft am Tag wiederholt, nennt man Stoßgebet. Man liest von den meisten Heiligen, dass sie irgend ein Stoßgebet liebgewonnen und unzählige Male am Tag verrichtet haben. So soll der heilige Ignatius von Loyola die Worte: "Omnia ad Dei gloriam. Alles zur Ehre Gottes" oft gesprochen haben. Der heilige Felix von Kantalizio, ein Kapuziner, dessen Leib bis zum heutigen Tag in Rom unversehrt geblieben ist, wurde vom Kapuzinerkloster in Rom 40 Jahre hindurch als Almosensammler verwendet und hatte - wie es allen Almosensammlern ergeht - nicht selten manches grobe Wort anhören müssen. Dieser Mann pflegte in solchen Fällen, wenn ihm etwas Böses widerfuhr, überhaupt bei allen frohen und traurigen Ereignissen, zu sprechen: "Deo gratias. Gott sei Dank." Das Stoßgebet "Deo gratias" ist uralt. Es soll seine Entstehung der Mutter Gottes verdanken, die diese Worte, die auch in der heiligen Messe vorkommen, oft im Munde geführt haben soll. Manche fromme Leute haben wieder das schöne Stoßgebet: "Im Namen Gottes" oder "Im Namen Jesu" oder "Gott, eil mir zu Hilfe" usw. Wer ein solches Stoßgebet oder ein anderes Gebet aus dem Gebetsschatz der Kirche öfters während des Tages verrichtet, der erfüllt die Mahnung des Apostels: "Betet ohne Unterlass!", der entspricht dem Wunsch Christi, dass man allezeit bete und darin nicht nachlasse.

Matthias Hergert

 

 

1. Gruß an Maria

 

Ich möcht ein Blümlein werden,

Ein Blümlein, licht und klar,

Und dich, o Mutter, grüßen

Am lieblichen Altar.

Maria, Himmelsblume,

O Mutter, mild und rein,

In deinem Himmelsgarten

Lass mich ein Blümlein sein!

 

Ich möcht ein Sternlein werden,

Ein Sternlein licht und klar,

In deiner Königskrone

Am lieblichen Altar.

Maria, Stern des Meeres,

O Jungfrau, süß und rein,

In deiner Königskrone

Lass mich ein Sternlein sein!

 

2. Was nützt das Gebet für die armen Seelen?

 

„Es ist ein heiliger und heilsamer Gedanke, für die Verstorbenen zu beten, damit sie erlöst werden von ihren Sünden.“ Dieses Wort der Heiligen Schrift wollen wir uns immer wieder nachdrücklich ins Gedächtnis rufen.

 

Es ist eine wunderbare Einrichtung der göttlichen Liebe, dass sie uns in den Stand setzt, nicht bloß unserer gestorbenen Lieben zu gedenken, sondern ihnen auch noch unsere Liebe über das Grab hinaus tatkräftig zu beweisen. Bedürfen sie noch der Läuterung, damit sie eingehen können in die Freude ihres Herrn, so können wir ihnen dazu helfen durch unsere guten Werke. Wir wissen zwar nicht, dass gerade diese oder jene unserer lieben Verstorbenen unserer Hilfe noch bedürfen. Doch geht ja nicht verloren, was wir für sie tun. Sind sie schon eingegangen in die ewige Heimat, so werden sie sicher der Liebe innewerden, die wir ihnen erweisen möchten. Sie wird ihnen Freude bereiten und sie in den Stand setzen, anderen zu helfen, die es bedürfen. Wie viele treue Freunde in der anderen Welt können wir uns durch diese Werke der Barmherzigkeit machen!

 

Dass die armen Seelen im Fegfeuer manches für uns tun können, ist ein wohlbegründeter frommer Glaube. Jedenfalls erlangen sie große Macht, sobald sie erlöst und in den Himmel eingegangen sind. Da werden sie sicher ihre Freunde auf Erden nicht vergessen, sondern alle Liebe und Hilfe hundertfach vergelten. Was wir den Lebenden Gutes tun, wird nur zu leicht vergessen oder gar mit Undank vergolten. Das ist bei jenen Freunden Gottes nicht zu befürchten. Auf ihre Dankbarkeit können wir ohne Zweifel rechnen. Und sie können uns in so manchem Anliegen beistehen, in denen alle menschliche Hilfe versagt.

 

Daher ist es für uns selbst von größtem Vorteil, wenn wir beten für die armen Seelen, an die sonst niemand auf Erden denkt, sowie für jene, die ihrer Erlösung am nächsten sind. Sie werden uns besonders dankbar und, in den Himmel eingegangen, unsere Fürbitter am Thron Gottes sein.

 

Wir sollen insbesondere auch jener fleißig gedenken, die unsertwegen noch zu leiden haben. Sicherlich gibt es deren mehr, als wir denken. Wir können an ihnen die Sünden des Ärgernisses wieder gut machen und den üblen Folgen derselben für uns selbst Einhalt tun.

 

Gott liebt die armen Seelen sehr und erwartet sehnlichst den Tag ihrer Erlösung. Diesen Tag zu beschleunigen hat er in unsere Hand gelegt. Helfen wir also diesen seinen treuen Kindern, seiner Gerechtigkeit genugzutun, führen wir sie bald in seine Arme. Wie hoch wird er dieses Liebeswerk uns anrechnen und wie freigebig wird er uns vergelten. Er, der keinen Trunk Wasser unbelohnt lässt, den wir dem Nächsten aus Liebe darreichen, wird auch kein Vaterunser unbelohnt lassen, das wir für die armen Seelen beten. Insbesondere wird er dafür sorgen, dass auch wir nicht vergessen werden, wenn wir selbst im Reinigungsort der Hilfe bedürfen.

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3. Kindergebete?

 

Ave Maria

 

Clemens Brentano, einer der bedeutendsten deutschen Schriftsteller, schrieb im Jahr 1836 an seine Nichte:

 

„Als ich, früh einfach katholischer Sitte entwöhnt, ohne Segen, durch allerlei Erziehungsmethoden der Scheinwisserei und Schönfühlerei überliefert, endlich durch das Babylon des Geschmackes ohne Glauben hinirrte und in Norddeutschland außer der Kirche ohne Steuer und Mast, wie Robinson auf einer Sandbank, gestrandet war, lag ich nachts in großen Seelenleiden auf meinem Lager und dachte an die ganze wüste Schifffahrt nach der Entdeckung der neuen Welt zurück, ob denn gar kein Punkt sich finde, woher ich Rettung erschreien könne. Da gedachte ich, dass ich, als kleiner Knabe manchmal von einer gewissen Frische erweckt, nachts meine Mutter über mich gebeugt an meinem Bett sitzen sah, die das „Ave Maria“ und das Gebet an meinen Schutzengel über mich betete und mir das Kreuz auf die Stirn machte. – Daran knüpfte ich an und suchte die Kindergebete wieder zusammen: es war der einzige Faden, an dem ich mich gerettet habe; alles andere hat nichts geholfen.“

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4. Der Engel des Herrn

 

Im Jahr 1095 wurde vom Papst Urban II. im Konzil zu Clermont in Frankreich verordnet, dass man an jedem Tag früh und abends die Glocken läuten und dabei den "Englischen Gruß" beten soll. Papst Gregor IX. fügte später noch das Mittags-Glockenzeichen hinzu. Die Christen sollen beim Frühzeichen auf die Fürbitte der seligsten Jungfrau von Gott den Segen für die Handlungen des Tages erbitten, beim Mittagszeichen eine kurze Besinnung und Gewissenserforschung halten und beim Abendzeichen die Erforschung über die Geschäfte des Tages anstellen. Beim Frühzeichen soll man sich an die Auferstehung Christi erinnern, beim Mittagszeichen seines bitteren Leidens und beim Abendzeichen seiner Menschwerdung. Die Päpste Johannes XXII., Calixtus III., Paulus III., Alexander VII. und Clemens X. haben diese Andachtsübung sehr empfohlen und dafür Ablässe erteilt. Papst Benedikt XIII. hat einen besonderen Ablass jenen erteilt, die beim Glockenzeichen das "Angelus" oder den "Engel des Herrn" auf den Knien andächtig beten.

 

V. Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft

A. Und sie empfing vom Heiligen Geist.

V. Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade; der Herr ist mit dir; du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus.

A. Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.

V. Maria sprach: Siehe, ich bin die Magd des Herrn,

A. Mir geschehe nach deinem Wort.

V. Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade; der Herr ist mit dir; du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus.

A. Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.

V. Und das Wort ist Fleisch geworden

A. Und hat unter uns gewohnt.

V. Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade; der Herr ist mit dir; du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus.

A. Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.

V. Bitte für uns, heilige Gottesmutter.

A. Auf dass wir würdig werden der Verheißungen Christi.

V. Lasset uns beten. Allmächtiger Gott, gieße deine Gnade in unsere Herzen ein. Durch die Botschaft des Engels haben wir die Menschwerdung Christi, deines Sohnes, erkannt. Lass uns durch sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung gelangen. Darum bitten

wir durch Christus, unsern Herrn.

A. Amen.

V. Herr, gib den Seelen der verstorbenen Christgläubigen die ewige Ruhe!

A. Und das ewige Licht leuchte ihnen!

V. Herr, lass sie ruhen in Frieden!

A. Amen.

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5. Der hl. Beda und das Vaterunser

 

Hl. Beda d. Ehrw. (+ 25.5.735):

 

Die alten Legenden sagen, der ehrwürdige Beda sei in seinem Alter blind gewesen und erzählen folgende alte Geschichte:

 

Vor Alter blind, fuhr Beda dennoch fort

Zu predigen die neue frohe Botschaft.

Von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf wallte

An seines Führers Hand der fromme Greis,

Und predigte das Wort mit Jünglingsfeuer.

 

Einst leitet ihn sein Knabe in ein Tal,

Das übersät mit gewalt`gen Steinen.

Leichtsinnig mehr, als boshaft, sprach der Knabe:

"Ehrwürdiger Vater, viele Menschen sind

Versammelt hier, und harren auf die Predigt."

 

Der blinde Greis erhob sich alsobald,

Wählt einen Text, erklärt ihn, wandt` ihn an,

Ermahnte, warnte, strafte, tröstete

So herzlich, dass die Tränen mildiglich

Ihm niederflossen in den grauen Bart.

Als er beschließend darauf, das Vater Unser,

Wie sich`s geziemt, gebetet, und gesprochen:

 

(Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen.)

 

"Dein ist das Reich, und dein die Kraft, und dein

Die Herrlichkeit bis in die Ewigkeiten" -

Da riefen rings im Tal viel tausend Stimmen:

"Amen, ehrwürd`ger Vater, Amen, Amen!"

 

Der Knab` erschrak; reumütig kniet er nieder,

Und beichtete dem Heiligen die Sünde.

"Sohn", sprach der Greis, "hast du denn nicht gelesen?

Wenn Menschen schweigen, werden Steine schreien.

Nicht spotte künftig, Sohn, mit Gottes Wort.

Lebendig ist es, kräftig, schneidet scharf

Wie ein zweischneidig Schwert. Und sollte gleich

Das Menschenherz sich ihm zu Trotz versteinen,

So wird im Stein ein Menschenherz sich regen."

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6. Das Salve Regina

 

Es war ein Maitag vor fast 1000 Jahren, da saß ein Mönch der Abtei Reichenau im Bodensee am offenen Fenster seiner Zelle. Sonnenglanz zitterte auf den Wellen, und jeder Windhauch trug den Duft der Kirsch- und Apfelblüten; wie ein Maikranz standen die Gärten in der Runde. Da wallte das fromme Herz über. Der Mönch griff zur Feder und schrieb Buchstaben und Notenquadrate mit unbeholfenen Fingern, die es dem Geistesflug an Raschheit nicht gleichtun konnten. Er war gelähmt an allen Gliedern, der selige Hermann. Aber sein Marienlied war beflügelt. Es drang in alle Lande und bis in unsere Zeit. Wir kennen es alle, es ist das "Salve Regina, Gegrüßet seist du, Königin."

 

Sei gegrüßt, o Königin, Mutter der Barmherzigkeit; unser Leben, unsre Wonne und unsre Hoffnung, sei gegrüßt! Zu dir rufen wir, verbannte Kinder Evas; zu dir seufzen wir trauernd und weinend in diesem Tal der Tränen. Wohlan denn, unsre Fürsprecherin, wende deine barmherzigen Augen uns zu, und nach diesem Elend zeige uns Jesus, die gebenedeite Frucht deines Leibes. O gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria.

 

 

Muttergruß und Kindesbitte

 

Salve Regina! Du Meeresstern,

Salve Regina! Du Mutter des Herrn.

Salve Regina! Der Englein Lust,

Salve Regina! Soll tönen die Brust.

Salve Regina! In Kummer und Leid,

Salve Regina! In Ewigkeit.

Salve Regina! In Schmerz und im Tod,

Salve Regina! Führ Du mich zu Gott.

Salve Regina! Verlass mich dann nicht,

Bis Jesus, Dein Sohn, mir Verzeihung verspricht.

Salve Regina! Führ Du mich zum Lohn,

Salve Regina! Mit Herz und mit Mund!

 

Salve Regina! Zu jeder Stund.

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7. Das Gegrüßet seist du Maria

 

Das "Gegrüßet seist du Maria" führt zum katholischen Glauben

 

Das Gegrüßet seist du Maria" zu beten, hat der bekannte Volksschriftsteller Alban Stolz auch den Protestanten empfohlen; es sei ja der Engelsgruß, den Gott Vater auf die Erde gesandt habe. Alban Stolz schreibt: "Fass darum ein Herz und fang von heute ab an, den Englischen Gruß zu beten! Tue es nur einen Monat lang, und du wirst sehen, nach einem Monat hast du ihn so lieb gewonnen, dass du fortfährst ihn zu beten, und nimmermehr davon lässt bis zum Tag und zur Stunde deines Todes." Dieser Rat kam wie zufällig einem gelehrten protestantischen Theologen Dr. Hugo Lämmer, in die Hand. Er las auch diese Worte; er las sie mit so aufrichtigem Herzen, wie sie mit aufrichtigem Herzen geschrieben waren. Und er befolgte den Rat: Täglich betete er andächtig das "Gegrüßet seist du Maria". Nun hatte er keine Ruhe mehr; es trieb ihn, durch gründliche Studien die Wahrheit zu erforschen. Die Unruhe wurde zum Sturm in seinem Innern; denn jeden Tag sah er deutlich, dass er seither im Irrtum gefangen war. Er fand die Ruhe erst, als er in Braunsberg das katholische Glaubensbekenntnis ablegte. Dr. Lämmer wurde katholischer Priester und wirkte als Professor der katholischen Theologie in Breslau.

 

Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir.

Du bist gebenedeit unter den Frauen,

und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus.

Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder

jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.

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8. Das Ave Maria

 

„Kommst du endlich?“

 

Ein eifriger französischer Missionar, Pater de Bussy, erzählt folgende wunderbare Bekehrung, die uns die Macht Mariens im schönsten Licht zeigt:

„Eines Tages kam ein Mann zu mir und sprach: „Mein Pater! Ich möchte beichten; mein Entschluss ist gefasst.“ Ich fragte ihn: „Wie sind Sie zu diesem Entschluss gekommen? Etwa durch eine Predigt?“ Er erwiderte: „Leider habe ich schon seit vielen Jahren keine Predigt mehr gehört.“ „Etwa durch das Lesen eines guten Buches?“ „Ich habe, zu meiner Schande muss ich es gestehen, nur schlechte Bücher gelesen.“ „Vielleicht infolge der dringenden Mahnung eines guten Freundes?“ „Meine Freunde sind nicht besser als ich.“ „Oder haben Sie eine besondere Andachtsübung gehalten zu Ehren der heiligsten Jungfrau?“ Hier schwieg er einige Augenblicke und fuhr dann fort: „Ja, das könnte sein, wenn Maria sich um ein Ave Maria kümmert, das ich täglich gebetet habe. Am Tag meiner ersten heiligen Kommunion verlor ich meine Mutter. Sie ließ mich, als ich von der Kirche zurückkehrte, vor ihr Bett kommen, nahm meine Händlein in ihre kalte Hand und flüsterte voll zärtlicher Besorgnis: „Mein lieber Sohn, ich wünsche dir keine Reichtümer, denn sie nützen im Tod nichts. Was ich für dich wünsche, ist Unschuld und das Heil deiner Seele. Versprich mir in Gegenwart dieses kleinen Bildes der heiligsten Jungfrau, das dort an der Wand hängt, alle Abende ein Ave Maria beten zu wollen, um dich unter den Schutz dieser guten Mutter zu stellen.“ „Ja, Mutter“, das war meine Antwort, „ich verspreche es dir, ich werde es nicht unterlassen.“ Dieses Versprechen ist mir immer heilig gewesen. Das Ave Maria war viele Jahre hindurch meine einzige Religionsübung, wenn ich es auch nur mit den Lippen betete. Vor etwa vierzehn Tagen stöberte ich in einem alten Kasten herum. Dort fand ich das kleine Bild der allerseligsten Jungfrau. Nun trat die Erinnerung an den Tod meiner Mutter, an meine erste heilige Kommunion ganz lebhaft wieder vor meine Seele. Es durchzuckte mich wie ein Blitzstrahl. Ich fand keine Ruhe mehr. Ich muss jetzt beichten. Es ist mir, als ob Maria zu mir sagt: „Kommst du endlich?“ Du hast mich schon lange warten lassen. Und ich bin doch noch dieselbe, die mitleidsvolle Helferin der Sünder.“ Ganz zerknirscht empfing er die heiligen Sakramente.

 

Ave Maria, gratia plena,

Dominus tecum.

Benedicta tu in mulieribus,

et benedictus fructus ventris tui, Iesus.

 

Sancta Maria, Mater Dei,

ora pro nobis peccatoribus

nunc et in hora mortis nostrae.

 

Amen.

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9. Gebet vor der heiligen Kommunion

 

Heiland, Du himmlische Liebe, die alles umkleidet mit Licht,

Die nur von göttlichen Wonnen und seligen Freuden spricht;

 

Du Abglanz des hohen Gottes, der alles mit Segen erfüllt,

Vor dem der Seraph erbebend sein leuchtendes Antlitz verhüllt:

 

Du willst ins Herzchen mir steigen, in diesen armseligen Raum,

Mich kosten lassen der Liebe entzückenden Himmelstraum!

 

Du willst mit reiner Freude erfüllen mein jugendlich Sein!

So komm denn, o Liebe, o Liebe, ich warte schon lange Dein!

 

Ich habe in glühendem Flehen nach Dir mich gesehnet so lang,

Mich treibet zu Deinem Tische der Liebe inniger Drang.

 

Ich habe die Tage gezählet, die mich noch trennten von Dir;

O Gott, nun nahet die Stunde, mein Jesus, o komm doch zu mir!

 

Du liebst ja die Unschuld, die Jugend, ein reines Kindergemüt,

Das wie ein Stern der Tugend am Erdenhimmel erglüht.

 

Du wolltest die Erstlingsgaben von irdischer Herde und Flur,

Drum bring` ich Dir dar meine Kindheit und weih` sie mit heiligem Schwur.

 

O nimm sie und segne mein Leben, daß ich Dir diene mit Treu`,

Daß ich Dein Kind hienieden in Unschuld und Liebe stets sei!

 

Die Welt kann nie beglücken mein liebedürstendes Herz,

Nur Deiner Liebe Entzücken kann stillen jeden Schmerz.

 

O komm denn, mein Gott und mein alles, mich brennt der Liebe Glut;

Durchströme mein ganzes Wesen, Du süße Gnadenflut!

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10. Gebet nach der heiligen Kommunion

 

So ist es wahr, ich fühle den Herrn in meiner Brust;

Ich atme sel`ge Wonne, von der ich nie gewusst.

 

O Herr, sei mir gepriesen, Du meine Lust und Freud`!

Die Welt hat keine Ahnung von meiner Seligkeit.

 

Ich ruhe Dir am Herzen, so warm und liebentbrannt,

Es segnet mich in Liebe, o Jesus, Deine Hand.

 

Ich darf ins Aug` Dir schauen, o Jesus, welche Wonn`!

In meines Herzens Dunkel strahlt Deine Gnadensonn`.

 

Nur schweigend kann ich ruhen, o Herr, an Deinem Herz!

Mein ganzes Sein sich schwinget mit Dir nun himmelwärts.

 

Nur Dich will ich noch lieben, mein hehrer Seelenhort,

Und weit von meiner Seele wünsch` ich die Erde fort.

 

Nicht Sinnenlust und Freude von Dir mich trennen soll,

O Gott, bei Dir alleine ist mir so wohl, so wohl.

 

Nimm an mein junges Herze, es soll für Dich nur glühn,

Und stets als weiße Lilie an Deinem Herzen blühn.

 

Draus sollen immer steigen viel Düfte keusch empor;

Nie soll es trüb verschleiern der Erdenlüste Flor.

 

Ich will als Deine Blume Dir blühen immerdar;

Mein Herzchen soll Dir duften wie Weihrauch am Altar.

 

Drum bleib, o meine Liebe, doch stets in meiner Brust;

Verlaß mich nie und nimmer, Du meiner Seele Lust!

 

Ich will ja stets hienieden ein reines Kind Dir sein,

Um einst im Himmel droben mich Deiner stets zu feu`n.

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11. Das Regina coeli

 

Hl. Pfarrer von Ars (+ 4.8.1859):

 

Der hl. Johannes Vianney von Ars durch die Fürbitte der unbefleckten 

Jungfrau von unreinen Versuchungen befreit

 

In dem heiligen Pfarrer von Ars, Johannes Maria Vianney, erstrahlt eine wunderbare Reinheit. Auch ihn hatte diese wunderbare Tugend Kämpfe gekostet, er stieg aber so hoch in der vollkommenen Reinheit, dass er frei von jeglicher Versuchung und Anfechtung wurde. Der Priester Tailhades von Montpellier, der das Glück hatte, wochenlang unter dem gotterfüllten Auge des heiligen Pfarrers zu stehen, wollte einmal vom Heiligen erfahren, wie er sich das Freisein von Versuchungen wider die heilige Reinheit erwirkt habe. Wohl wusste er um die Abtötungen Vianneys, aber es ging ein solcher Glanz und innerer Behütung von diesem Priester aus, dass er ein eigenes Geheimnis hinter den verklärten Blicken vermutete. Und so erzählt er:

„Am 3. Oktober 1839 machte mir Vianney ein sehr wichtiges Geständnis. Ich fragte ihn, wie er das Freisein von Versuchungen wider die heilige Reinheit erwirkt habe. Schließlich gestand er mir, das sei ihm auf ein Gelübde hin zuteil geworden. Durch dieses Gelübde, das er vor 23 Jahren, auf seiner Vikarstelle von Ecully, abgelegt habe, hatte er sich verpflichtet, täglich einmal das „Regina coeli“ (Freu dich du Himmelskönigin) und sechs Mal folgendes Gebetchen zu verrichten: „Gepriesen sei die heiligste und unbefleckte Empfängnis der allerseligsten Jungfrau Maria. In Ewigkeit. Amen.“ Zum steten Kampf, zur Vorsicht gegen alle Gefahren und Lockungen hat er vertrauensvoll wie ein Kind das genannte Gebetchen gesprochen. Und Maria hat seinen Kampf und sein Vertrauen, hat die Opfergabe seiner Worte mütterlich belohnt, hat seine Reinheit unversehrt behütet und sogar jegliche Versuchung von ihm ferngehalten.“

 

Freu dich, du Himmelskönigin, Halleluja!

Den du zu tragen würdig warst, Halleluja,

er ist auferstanden, wie er gesagt hat, Halleluja.

Bitt Gott für uns, Halleluja.

Freu dich und frohlocke, Jungfrau Maria, Halleluja,

denn der Herr ist wahrhaft auferstanden, Halleluja.

 

Lasset uns beten. – Allmächtiger Gott, durch die Auferstehung deines Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus, hast du die Welt mit Jubel erfüllt. Lass uns durch seine jungfräuliche Mutter Maria zur unvergänglichen Osterfreude gelangen. Darum bitten wir durch Christus, unsern Herrn. Amen.

 

Der Text ist im 12. Jh. entstanden und wird seit dem Spätmittelalter in verschiedenen deutschen Übersetzungen und Varianten tradiert. Das Regina Caeli gehört zu den marianischen Antiphonen (Antiphon = Wechselgesang), die zum Abschluss des Stundengebets (nach der Komplet) gesungen werden und je nach den kirchlichen Festzeiten wechseln. Das Regina Caeli wird in der Osterzeit gesungen. Seit dem 18. Jh. wird es in der Osterzeit zum Angelus-Läuten gebetet.

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12. Morgengebet

 

Wenn ich erwach am frühen Morgen

 

Wenn ich erwach' am frühen Morgen,

Herz Jesu, dann begrüß' ich Dich,

um für des Tages Müh' und Sorgen,

Dir innig zu empfehlen mich.

 

Auf dich o Herz will ich nur schauen,

Du bist mein Stern, mein Trost, mein Licht!

Und mutig will ich Dir vertrauen;

denn deine Treue wanket nicht.

 

So nimm mein Herz Dir ganz zu eigen;

gib Du ihm Kraft zur guten Tat.

Und sollte es zur Sünde neigen,

halt' Du es fest in deiner Gnad'!

 

Von Dir soll heute nichts mich scheiden,

verbirg' in Deine Wunden mich!

Dort will ich beten, opfern, leiden

und sterben, wenn Du willst, für Dich!

 

So oft wie heut' mein Herz wird schlagen,

will ich es stets aufs neu' Dir weihn,

und jeder Pulsschlag soll Dir sagen:

"Herz Jesu, für Dich ganz allein!"

 

In Deine Liebe ich empfehle

auch alle, die mir nahestehn;

behüte sie an Leib und Seele,

lass keinen heute irre gehn!

 

Und nun gib mir den Morgensegen,

er weihe diesen Tag mir ein,

und sei mit mir auf allen Wegen,

bis ich werd' ewig bei Dir sein! Amen.

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13. Nachtgebet

 

Bevor ich mich zur Ruh begeb

 

Bevor ich mich zur Ruh begeb,

zu Dir o Gott mein Herz ich heb

und sage Dank für jede Gabe

die ich von dir empfangen habe.

 

Und hab ich heut beleidigt Dich,

verzeih mir Gott, ich bitte Dich.

Dann schließ ich froh die Augen zu,

es wacht ein Engel, wenn ich ruh.

 

Maria liebste Mutter mein,

lass mich Dir empfohlen sein.

Dein Kreuz, oh Jesu, schütze mich

vor allem Bösen gnädiglich.

In Deine Wunden schließ mich ein,

dann schlaf ich sicher, keusch und rein.

 

Müde bin ich geh zur Ruh

 

Müde bin ich, geh zur Ruh,

schließe beide Augen zu.

Vater, lass die Augen dein

über meinem Bette sein!

 

Hab ich Unrecht heut getan,

sieh es, lieber Gott, nicht an!

Deine Gnad' und Jesu Blut

macht ja allen Schaden gut.

 

Alle, die mir sind verwandt,

Gott, lass ruhn in deiner Hand.

Alle Menschen, groß und klein,

sollen dir befohlen sein.

 

Kranken Herzen sende Ruh,

nasse Augen schließe zu.

Lass den Mond am Himmel stehn

und die stille Welt besehn.

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14. O mein Heiland, großer König

 

O mein Heiland, großer König,

Du bist bei mir eingekehrt,

freudig trag' ich Dich im Herzen,

dem die ganze Welt gehört.

 

Sieh, nun sollst Du alles haben,

was in meinem Herzen ist;

alles leg' ich Dir zu Füßen,

wie Du ja mein König bist.

 

Lieber Herr, Du kamst vom Himmel

auf die Erde einst herab,

lebtest für uns Menschenkinder,

starbst am Kreuz und lagst im Grab.

 

Glorreich bist Du auferstanden,

fuhrst empor zum Firmament;

doch als Denkmal Deiner Liebe

gabst Du uns dies Sakrament.

 

Schenke mir nun deine Gnade,

hilf mir durch Dein Fleisch und Blut,

dass ich Deiner würdig werde,

lebe heilig, fromm und gut.

 

Lehr mich glauben, lehr' mich lieben,

lehr' mich kämpfen für Dein Reich,

dass mein junges Menschenleben

Deinem Leben werde gleich.

 

Christus, König aller Länder,

aller Völker, aller Zeit,

froh soll alle Welt Dir singen:

Hochgelobt in Ewigkeit.

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15. Hilf, Maria, es ist Zeit

 

Hilf, Maria, hilf doch mir,

es fleht ein armes Kind zu dir.

Du bist es ja, die helfen kann,

nimm dich, Mutter, meiner an.

Hilf, Maria, es ist Zeit,

Mutter der Barmherzigkeit.

 

Du bist mächtig, uns aus Nöten

und Gefahren zu erretten,

denn, wo Menschenhilf´ gebricht,

mangelt doch die deine nicht.

Hilf, Maria, es ist Zeit,

Mutter der Barmherzigkeit.

 

Nein, du kannst das heiße Flehen

deiner Kinder nicht verschmähen.

Zeige, dass du Mutter bist,

wo die Not am größten ist!

Hilf, Maria, es ist Zeit,

Mutter der Barmherzigkeit.

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16. Jungfrau, Mutter Gottes mein

 

Zur Mutter von der immerwährenden Hilfe

 

Jungfrau, Mutter Gottes mein,

lass mich ganz Dein eigen sein!

Dein im Leben, Dein im Tod,

Dein in Unglück, Angst und Not,

Dein in Kreuz und bitt'rem Leid,

Dein für Zeit und Ewigkeit.

 

Jungfrau, Mutter Gottes mein,

lass mich ganz Dein eigen sein!

Mutter, auf Dich hoff' und bau' ich.

Mutter, zu Dir ruf' und seufz' ich.

Mutter, Du Gütigste, steh mir bei.

Mutter, Du Mächtigste, Schutz mir leih'.

 

O Mutter, so komm, hilf beten mir!

O Mutter, so komm, hilf streiten mir!

O Mutter, so komm, hilf leiden mir!

O Mutter, so komm und bleib bei mir!

 

Du kannst mir ja helfen, o Mächtigste!

Du wirst mir auch helfen, o Gütigste!

Du musst mir nun helfen, o Treueste!

Du willst mir auch helfen, Barmherzigste!

 

O Mutter der Gnade, der Christen Hort!

Du Zuflucht der Sünder, des Heiles Port!

Du Hoffnung der Erde, des Himmels Zier!

Du Trost der Betrübten, Ihr Schutzpanier!

 

Wer hat je umsonst Deine Hilf' angefleht?

Wann hast Du vergessen ein kindlich Gebet?

Drum ruf' ich beharrlich in Kreuz und in Leid!

Maria hilft immer! - Sie hilft jederzeit!

 

Ich ruf' voll Vertrauen in Leiden und Tod:

Maria hilft immer - in jeglicher Not!

So glaub' ich - und lebe und sterbe darauf.

Maria hilft mir in den Himmel hinauf.

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17. Gebet zum hl. Josef

 

Josef, dem die höchsten Güter

Gott der Vater anvertraut,

des Erlösers treuer Hüter,

Bräutigam der Gottesbraut.

 

Du Beschirmer frommer Seelen,

die ihr Heil dir anbefehlen,

du, der Kirche Schutzpatron,

fleh' für uns an Gottes Thron!

 

Josef, sieh, von allen Seiten

wird die Kirch' des Herrn bedroht;

Satan und sein Anhang streiten

wider Gott und sein Gebot!

 

Blick, o Schutzpatron hernieder,

schirm der Kirche Haupt und Glieder:

nimmst du sie in deine Hut,

tobt umsonst der Feinde Wut.

 

Josef, führe die Verirrten

wieder auf den rechten Pfad.

O beschütze Herd und Hirten,

wenn Gefahr und Drangsal naht.

 

Schirm der Unschuld zarte Blüten,

wenn ringsum die Stürme wüten,

reich uns deine Vaterhand,

wenn wir gehn ins Heimatland!

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18. Zur Mutter mit dem Jesuskind

 

Mutter mit dem Jesuskind,

Mutter du vom guten Rat,

Da wir keinen Weg mehr finden,

Zeig uns du den rechten Pfad!

 

In deine lieben Hände

Leg ich meine ohne Bangen,

Nimm du mich mit,

Du kennst den Weg, den ER gegangen.

 

Es hat ihm niemals je gebrannt

Ein Herz so wie das deine,

Und keine Liebe hat erkannt

Wie du die seine!

 

Und seine unermessne Pein

Hat niemand so empfunden,

Du trugest tief im Herzen Dein

All seine Wunden!

 

Du warest Mutter, ihm zur Seit,

Der wankend schritt in Banden,

Und hast in namenlosem Leid

Am Kreuz gestanden.

 

Dir legten sie ihn in den Schoß,

In Weh und bittrem Klagen,

Entstellt und blutig, nackt uns bloß,

Den du getragen.

 

Und drum in deine Hände

Leg ich meine ohne Bangen,

Nimm du mich mit,

Du kennst den Weg, der ER gegangen!

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19. An die Himmelskönigin

 

O Mutter mit dem Himmelskinde,

Das jedes Leiden uns versüßt,

Und uns erlöst von Tod und Sünde,

Sei, milde Jungfrau, uns gegrüßt!

 

Sieh aus dem Himmel deiner Freuden

Auf uns herab mit Mutterblick.

Die wir in diesem Tal der Leiden

Uns sehnen nach des Himmels Glück!

 

Bitt, dass nach deinem Tugendbilde

Stets heilig unser Wandel sei,

Voll Unschuld, Sanftmut, Demut, Milde,

In allem Gottes Willen treu!

 

Dann zeigst du freundlich uns einst droben

Im Himmelreiche deinen Sohn,

Und Er, der dich so hoch erhoben,

Reicht dann auch uns die Siegeskron.

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20. Wir beten dich an, Herr Jesus Christ

 

Wir beten Dich an, Herr Jesus Christ,

Und wollen das Herz Dir ergeben,

Weil Du der ewige Heiland bist,

Und gibst durch Dein Kreuz uns das Leben!

Durch dieses hast Du die Welt erlöst

Vom tödlichen Fluche der Sünde,

Durch dieses der schuldige Mensch genest

Zu Gottes herzeigenstem Kinde!

 

Wir beten Dich an, Herr Jesus Christ,

Hier und an all jenen Orten,

Wo Du im Altar verborgen bist,

Nach Deinen urewigen Worten!

In diesem ganz göttlichen Sakrament,

Da bist Du die Sonne der Liebe,

Und wo nicht das ewige Lichtlein brennt,

Ist alles nur dunkel und trübe!

 

Wir beten Dich an, Herr Jesus Christ,

Hier – und in den Kirchen am meisten,

Wo Du so einsam, verlassen bist, -

O lass uns Gesellschaft Dir leisten!

Du weilst – ach! oft Tag und Nacht allein,

Wie muss Deine Liebe das schmerzen!

Wir kehren im Geist, Herr, bei Dir ein,

Und nahn Dir mit zärtlichem Herzen!

 

Wir beten Dich an, Herr Jesus Christ,

Hier – und an den Stätten vor allen,

Wo Du aufs Tiefste verwundet bist,

Weil tief, ach! die Menschen gefallen!

Für jede Sünde sei Sühne Dir

Geboten in Blut und in Tränen,

Was andre Dir schulden, das zahlen wir,

Wir huldigen, wenn jene Dich höhnen!

 

Wir beten Dich an, Herr Jesus Christ,

Im Geiste, im Glauben, in Wahrheit,

Weil Du unsre einzige Liebe bist,

Du Sonne der göttlichen Klarheit!

Und wenn Dich die ganze Welt verlässt,

Wir wollen stets treu Dir verbleiben,

Wir halten am heiligen Glauben fest,

Wir wollen uns ganz Dir verschreiben!

 

Wir beten Dich an, Herr Jesus Christ,

Und haben den Himmel auf Erden,

Weil Du hier in unserer Mitte bist,

Um ganz unser Eigen zu werden!

Wir beten Dich an, bis einst wir stehn

Vor Deinem Throne dort oben,

Und ewig Dein süßestes Antlitz sehn

Und ewig anbetend Dich loben!

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21. Maria

 

Reinste Jungfrau, Mutter des Herrn!

Strahlende Sonne, leuchtender Stern!

 

Wunderzypresse, Balsam im Leid!

Sichere Führerin, Kriegsheer im Streit!

 

Friedensvermittlerin, siegreiche Frau!

Königin, Herrscherin, dir ich vertrau!

 

Mutter, dich grüße ich,

Mutter, dich ehre ich,

Mutter, dir danke ich;

Mutter, dich liebe ich allezeit,

Dich lieb ich, o Mutter, in Ewigkeit!

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22. Zur Trösterin der Betrübten

 

In allen Nöten eilet

Das Kind zum Mutterschoß,

Wo jede Wunde heilet,

Und wär sie noch so groß.

 

So kann auch ich nur wenden

Den trüben Blick zu dir,

Von deinen milden Händen

Taut jede Tröstung mir.

 

Wer rief dich je vergebens,

Maria! Hoffend an?

Du Mutter alles Lebens,

Du brichst des Todes Bann.

 

Wohl kannst du Schmerz erkunden,

Wohl ist dir Leid bewusst:

Es brennen sieben Wunden

In deiner reinen Brust.

 

In unsagbaren Schmerzen

Blick ich nur auf zu dir,

Da strömt aus deinem Herzen

Schon Trost und Friede mir.

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23. Gruß an Maria im Monat Mai

 

Ich möcht ein Blümlein werden,

Ein Blümlein, licht und klar,

Und dich, o Mutter grüßen

Am lieblichen Altar.

Maria, Himmelsblume,

O Mutter, mild und rein,

In deinem Himmelsgarten

Lass mich ein Blümlein sein!

 

Ich möcht ein Sternlein werden,

Ein Sternlein licht und klar,

In deiner Königskrone

Am lieblichen Altar.

Maria, Stern des Meeres,

O Jungfrau, mild und rein,

In deiner Königskrone

Lass mich ein Sternlein sein!

 

Ich möcht ein Englein werden,

Ein Englein licht und klar,

Doch du hast mich erkoren

Für deine Kinderschar.

Ich darf dich Mutter nennen,

O Jungfrau, mild und rein:

O schönstes Glück der Erde,

Marienkind zu sein!

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24. Maria befreit uns von der Schlange

 

Maria

 

Es ward durch dich, o Reine,

Zermalmt der Schlange Haupt.

Dir danken wir`s alleine,

Dass ihr der Sieg geraubt.

 

Du bist`s, die uns gegeben,

Die Gnade und das Heil.

Ja, jedes Gut im Leben,

Durch dich wird uns zu Teil.

 

O Jungfrau, makellose,

Verlass uns Sünder nicht,

Du himmlisch holde Rose,

Tröst uns mit deinem Licht!

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25. Zum heiligen Joseph

 

Sankt Joseph, treuer Schützer mein,

Lass mich dir anbefohlen sein

In Schmerzen und in Wonne;

O reich mir deine Vaterhand

Und führe mich durchs Erdenland,

Hinauf zur ew`gen Sonne!

 

Das Kindlein, das du voller Lust

Gedrückt an deine Vaterbrust,

Lass mich es auch umfangen;

Lass mich doch stets das liebe Kind

Mit Liebe, fern von aller Sünd,

Im Sakrament empfangen!

 

Sankt Joseph, lass in Freud und Schmerz

Zum Himmelsbrot mein kaltes Herz

In heil`ger Lieb entbrennen,

Lass mit des Glaubens scharfem Blick

Im Sakrament mein höchstes Glück,

Des Himmels Pfand, erkennen!

 

Und wenn mir einst das Auge bricht,

O Vater, dann verlass mich nicht,

Reich mir die Seelenspeise;

Wenn mich ereilt der bleiche Tod,

O stärk mich mit dem Engelbrot

Zu dieser letzten Reise!

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26. Karlchens Gebet

 

Von der Schule kommt der Knabe,

Legt das Ränzlein auf den Tisch,

Mutter sorgt, dass er sich labe,

Dass die Wangen bleiben frisch.

 

Abendsonne scheint so golden,

Milde wehet Lenzes Hauch,

Wieget, schaukelt Blütendolden,

Käfer summt durch Busch und Strauch.

 

„Mutter“, spricht der Knabe traulich,

„Darf ich nicht zum Kirchlein gehen?

Klein zwar ist es, doch erbaulich,

Wirst auch bald mich wiedersehn.“

 

Mutter lächelt, nickt vergnüglich,

Pförtchen klirrt, der Knabe geht,

Eilt zum Kirchlein unverzüglich,

Das am Klostergarten steht.

 

Hahn auf Türmchens Spitze funkelt

In der Sonne lichtem Strahl,

Dichte Linden-Reih umdunkelt

Kirchlein zierliches Portal.

 

Karlchen öffnet leis die Türe,

Leise geht er durch den Gang,

Dass man nichts von ihm verspüre,

Geht der Bänke Reih entlang.

 

Geht bis nahe zum Altare,

Schön aus dunklem Holz geschnitzt,

Mit dem goldnen Engelpaare,

Das den Tabernakel schützt;

 

Knieet nieder auf den Fliesen

Mit dem Arabesken-Rand,

Die den Choresraum umschließen,

Bunt und fein aus Ton gebrannt.

 

Durch bemalte Fenster flimmert

Dicht gedämpft, der Sonne Glanz,

Ew`ge Lampe rosig schimmert,

Taucht in Glut die Englein ganz.

 

Und der Andacht Glut durchbebet

Karlchens Engelsangesicht

Wie die Hände er erhebet

Und sein fromm Gebetchen spricht:

 

„Liebster Jesus, sieh ich komme,

Dich zu sprechen hier allein,

Mutter glaubt, dass es wohl fromme,

Dir zu sagen, was ich mein;

 

Gestern hab ich`s ihr verraten,

Was mich schon so lange Quält;

Musst mit Jesus dich beraten,

Sprach sie, der weiß, was dir fehlt;

 

Sieht so gern die Kinder kommen,

Hat ja einstens hochbeglückt

Sie auf seinen Arm genommen,

An sein göttlich Herz gedrückt.

 

Drum mein Jesus, Freund der Kinder,

Hör auf Deines Kindes Flehn,

Auf die Englein auch nicht minder,

Die mitflehend um mich stehn.

 

Als ich neulich ministrierte

Hier beim Opfer am Altar

Und die Andachtsglut mich rührte,

Die ich sah am Herrn Vikar:

 

O, da fühlt ich heiß Verlangen:

Könnt auch ich ein Priester sein,

Könnt ich täglich Dich empfangen,

Und so ganz Dein eigen sein!

 

Ach, wie ist doch der so glücklich,

Dacht ich da in meinem Sinn,

Und so denk ich augenblicklich,

Schau ich nur auf Priester hin!

 

Täglich am geweihten Orte

Bringt er Gott das Opfer dar,

Täglich bei dem Wandlungsworte

Steigt Gott Sohn auf den Altar.

 

O, der darf um alles flehen,

Was er flehet, wird erfüllt;

Kann vor seinem Jesus stehen,

Unter Brotsgestalt verhüllt.“

 

Und des Knaben Augen leuchten,

Seine Wangen rosig glühn,

Tränen still die Wimpern feuchten,

Schauer heiß sein Herz durchziehn.

 

„Jesus, lass mich Priester werden,

Guter Priester will ich sein,

Oder nimm mich von der Erden

Auf zum Chor der Engelein.

 

Würd ich Priester, wollt ich flehen,

Opfern für die ganze Welt,

Täglich betend vor Dir stehen,

Alles tun, was Dir gefällt.

 

Beten, opfern für die Sünder,

Die so schwer Dein Herz gekränkt,

Für die armen Heidenkinder,

Die man in dem Fluss ertränkt;

 

Retten viele armen Seelen

Aus der Pein der Feuersglut,

Sühnen wollt ich ihre Fehlen

Durch dein heilig Opferblut.

 

Könnt ich dann zu Kranken tragen

Dich, geborgen an der Brust,

Lindern ihres Leides Klagen:

Jesus, das wär Himmelslust.

 

Himmelslust und Himmelswonne

Wär es, könnt ich Priester sein!

Aber ach! – schon sinkt die Sonne,

Muss zurück zur Mutter mein.

 

Liebster Jesus, o verleih es,

Was ich heut von Dir begehrt!“

Vom Altare tönts: „So sei es,

Was du willst, sei dir gewährt!“

 

Karlchen geht. Verklärt von Wonne

An der Tür er Abschied nimmt;

Mild umglänzt ihn Abendsonne,

Nun zum Dienst des Herrn bestimmt.

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27. Die Großen Antiphonen im Advent

 

Bewusstsein des eigenen Sündenelendes und zuversichtliches Verlangen nach Befreiung aus diesem Zustand ist die Stimmung, die im Advent, der Vorbereitungszeit auf die Geburt unseres Erlösers, in uns vorherrschen soll. Daher die gemilderte Trauer, die sich in der Messe und dem Brevier dieser Zeit kund gibt. Und je näher wir Weihnachten kommen, um so mehr empfinden wir diese unsere Hilfsbedürftigkeit, aber um so stärker ist auch unsere Sehnsucht. Dieses bange, zuversichtliche Hoffen und Harren gibt sich besonders kund in den sieben Großen oder O-Antiphonen, die an den sieben Tagen, die der Weihnachtsvigilie vorangehen – also vom 17. Dezember an – der Reihe nach einzeln bei der Vesper gebetet werden. Die Großen Antiphonen werden sie genannt, weil sie nicht nur nach dem Magnifikat ganz gebetet oder gesungen werden, sondern auch vor demselben ohne Abkürzung ihren Platz finden, was sonst nur an höheren Festen zu geschehen pflegt. Der Name O-Antiphonen rührt daher, weil jeder Ausruf mit O anfängt. Dem traurig-freudigen Inhalt entspricht die Melodie. Unter verschiedenen Titeln allerdings richten sie sich doch gemeinsam alle an Jesus, den verheißenen Messias. In lebendigem Glauben und frohem Bewusstsein, dass wir den Erlöser wirklich besitzen, den die Juden und Heiden so innig und lange ersehnten, beten wir mit Demut und Vertrauen an jedem der genannten Tage, wenn möglich vor dem heiligsten Sakrament, eine von den folgenden Antiphonen.

 

1. Antiphon: O Sapientia

 

O Weisheit, die Du, hervorgegangen aus dem Mund des Allerhöchsten, von einem Ende bis zum andern reichst und alles ordnest in Kraft und Milde, komm und lehre uns der Weisheit Bahn.

 

2. Antiphon: O Adonäi

 

O Adonäi, Du Führer des Hauses Israel, der Du dem Mose in der Feuerflamme des Dornbusches erschienen und ihm auf Sinai das Gesetz gegeben, komm und strecke Deinen Arm aus, uns zu erlösen.

 

3. Antiphon: O Radix Jesse

 

O Wurzel Jesse, Du, der Du stehst zum Zeichen der Völker, vor dem verstummen werden Könige, und den Völker anrufen werden, komm, uns zu erlösen, und säume nicht länger.

 

4. Antiphon: O Clavis David

 

O Schlüssel Davids und Zepter des Hauses Israel, der Du öffnest, und Niemand schließt, der Du schließest, und Niemand öffnet, komm und führe aus der Haft des Kerkers den Gefesselten, der da sitzt in Finsternis und im Schatten des Todes.

 

5. Antiphon: O Oriens

 

O Aufgang! Du Glanz des ewigen Lichtes und Sonne der Gerechtigkeit, komm und erleuchte, die da sitzen in Finsternis und Todesschatten.

 

6. Antiphon: O Rex gentium

 

O Völker-König und ihre Erwartung, Du Eckstein, der Du das Getrennte vereinst, komm und rette den Menschen, den Du aus Lehm gebildet.

 

7. Antiphon: O Emmanuel

 

O Emmanuel, unser König und Gesetzgeber, Du Sehnsucht der Völker und ihr Erlöser, komm, uns zu retten, o Herr und Gott.

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28. Gebet der Kranken zu U. L. Fr. von Lourdes

 

In einer Audienz vom 13. November 1907 bewilligte Papst Pius X. einen Teilablass für nachstehendes, von Bischof Schöpfer von Tarbes, in dessen Diözese Lourdes lag, verfasstes Gebet:

 

O Maria, ohne Sünde empfangen, U. L. Fr. von Lourdes, die du von allen Seiten deine Kinder zur Grotte deiner Erscheinungen ziehst: durch unzählige Wohltaten ermutigst du das kindliche Vertrauen derjenigen, welche deinem Ruf gefolgt sind. Leidend an Körper und Seele, komme ich nach Tausenden und Tausenden armer Kranken, werfe mich dir zu Füßen und flehe um die Gnade meiner Heilung. Gütigste und bei unserem Herrn alles vermögende Mutter, erwirke, dass ich von meinen Leiden befreit werde und meine wiedererlangten Kräfte in den Dienst Gottes und meiner Mitmenschen stellen kann. Wie wäre es mir so lieb, wenn ich verkünden könnte, ich habe durch deine Vermittlung die Wiederherstellung meiner Gesundheit erlangt, welche zugleich ein Beweis deiner Barmherzigkeit gegen mich, vielleicht für viele Seelen ein Beweggrund der Bekehrung würde.

Vor allem aber will ich mich deinen mütterlichen Händen überlassen. Ist es der Wille Jesu Christi, meines göttlichen Erlösers, welchem dein Wille stets gleichförmig bleibt, dass mein Leidenskelch gegenwärtig nicht vorübergehe, so wünsche ich, mit Ergebung und Liebe sagen zu können, dass das auch mein Wille ist. Gib, dass ich vom Grunde meines Herzens dieser vom Himmel gekommenen tröstlichen Wahrheit zustimme: Der allgütige Gott liebt uns unendlich, immer und überall; aber ohne Zweifel liebt er uns besonders, wenn er uns an den Leiden Christi teilnehmen lässt und uns ans Kreuz heftet.

O unbefleckte Jungfrau, liebe Frau von Lourdes, Mutter eines Gottes, welcher der Mann der Schmerzen gewesen ist: Dein göttlicher Sohn wollte dich an seiner Seite auf dem Kalvarienberg haben, während er für uns litt und starb. Er liebte dich, wie nur ein Gott seine Mutter lieben konnte, und doch wollte er, dass deine Seele von einem Schmerzensschwert durchbohrt werde, damit in den gemeinsamen unaussprechlichen Leiden deine Liebe zu ihm sich offenbare und vermehre.

Erwirke mir die Gnade, U. L. Fr. von Lourdes, Trösterin der Betrübten, Heil der Kranken, dass ich Gott immer mehr liebe in dem Maß, als meine Prüfungen währen und sich verschlimmern. Dies wäre ein größeres Wunder als meine plötzliche vollkommene Heilung. Um mir die Gesundheit wiederzugeben, würde ein von dir im Namen und mit der Macht desjenigen gesprochenes Wort genügen, der dein Sohn sowohl als dein Gott ist, während ich fühle, dass die Ergebung in die Schmerzen, die freudige Annahme der Krankheit mit ihrem Gefolge von Leiden in hervorragender Weise das Werk des Allerhöchsten ist. Ja, ich sehe, dass es für Gott gewissermaßen leichter ist, den Schmerz zu heilen, als zu bewirken, dass man denselben liebe. Doch wenn du willst, so wird meiner Schwachheit als Stütze eine übernatürliche Kraft gegeben, welche jene siegen lässt und so die Größe deiner Macht offenbart.

Mögen die durch Unterwerfung unter den göttlichen Willen geheiligten Qualen meiner Krankheit mit der Todesangst meines göttlichen Heilandes vereinigt werden; mögen meine Tränen, vermischt mit seinen Tränen und seinem Blut, meine begangenen Fehler vollständig sühnen und Gnaden der Auferstehung über die armen, durch die Sünde sterbenden oder gestorbenen Seelen herabziehen!

Die Fülle deiner Gnade, o mein Gott, möge – ich bitte dich im Namen deiner Mutter – besonders den mir durch die Bande des Blutes oder der Freundschaft nahestehenden Personen zuteil werden. Gib, dass meine Leiden vorläufig, bis es dir gefällt, ihnen ein Ende zu machen, für sie eine Quelle des Segens werden.

O Schmerzensmutter und Mutter erbarmungsvoller Güte, die du unter dem Kreuz standest, bitte für uns, damit wir würdig werden der Verheißungen Christi! Amen.

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29. Gruß an das heiligste Herz Jesu

 

Das älteste Herz-Jesu-Lied

 

Einer der volkstümlichsten Heiligen des katholischen Rheinlandes ist der heilige Hermann Josef. Schon als zwölfjähriger Junge trat er in das Prämostratenserkloster Steinfeld in der Eifel, wo er bis zum hohen Alter von 90 Jahren ein Leben der Gottseligkeit führte. In den Stunden, die ihm seine Amtspflichten übrig ließen, beschäftigte er sich mit wissenschaftlichen Studien und der Abfassung erbaulicher Schriften. Unter diesen hat besonders seine Erklärung des Hohenliedes Berühmtheit erlangt. Sie ist ein beredtes Zeugnis von des Heiligen außerordentlichen Andacht zur glorreichen Himmelskönigin, in der ihn wohl wenige Heilige des Mittelalters übertroffen haben.

Gleiche Innigkeit wie seine Abhandlungen atmen seine geistlichen Lieder. Einige von ihnen sind leider verloren gegangen, viele aber sind, wohl beglaubigt, auf uns gekommen und veröffentlicht worden. Es ist auch nachgewiesen worden, dass der schöne „Gruß an das heiligste Herz Jesu“, der mit den Worten beginnt: „Summi regis cor, aveto!“ „Lass mich, Gottesherz, dir singen!“ von diesem hochbegnadeten Sänger der göttlichen Liebe herrührt. Somit kann Deutschland sich rühmen, das weitaus älteste Herz-Jesu-Lied, das uns bekannt ist, geschaffen zu haben.

Der Gedenktag des heiligen Hermann Josef von Steinfeld ist am 7. April. Geboren ist der Heilige um das Jahr 1150 in Köln und gestorben am 7. April 1241 in Hoven bei Düren. Seine Seligsprechung fand statt am 8. März 1728 durch Papst Benedikt XIII. und seine Heiligsprechung am 11. August 1958 durch Papst Pius XII.

 

Gruß an das hlst. Herz-Jesu

 

1. Lass mich, Gottesherz, dir singen,

Frohen Herzensgruß dir bringen.

Dich voll Jubel zu umfangen,

Sehnt mein Herz sich voll Verlangen.

Lass Zwiesprach halten mich mit dir.

 

Welche Lieb` hat dich bezwungen!

Welcher Schmerz hat dich durchdrungen,

Als du ganz dich hast enteignet

Und uns liebend zugeeignet,

Dass nicht dem Tod erlägen wir.

 

2. O wie bitter, ohne Milde,

War der Tod, der herzlos wilde,

Der das Heiligtum erstrebte,

Drin des Weltalls Leben lebte,

Dich treffend, Herz voll Süßigkeit.

 

Bei dem Tod, den meinetwegen

Liebevoll du nahmst entgegen,

Richt` auf dich all mein Verlangen,

All mein Hoffen, all mein Bangen:

Nichts andres wünsch` ich weit und breit.

 

3. Durch mein Herz und meine Seele,

Voll von Sünde, Schuld und Fehle,

Möge deine Liebe dringen;

Tiefe Wunden wird sie bringen

Dem, der in Liebe dich umfängt.

 

Wasche, heile und erhelle

Und befrucht` mich mit der Quelle,

Die, der Seite einst entquollen,

Ward zum Strom, zum gnadenvollen,

Als dich die Lanze hart bedrängt.

 

4. Öffne dich gleich einer Rose,

Duftend aus dem Blätterschoße,

Und vereine meinem Herzen

Deinen Duft und deine Schmerzen.

Wer liebt, was muss der leiden nicht?

 

Weiß nicht, was er soll beginnen,

Hält in Schranken nicht die Sinnen.

Liebe kennt nicht Maß im Werben;

Tausendfachen Tod zu sterben,

Das scheut die echte Liebe nicht.

 

5. „Lebe, lebe!“ Laut ich flehe,

Meine Lieb` ich dir gestehe,

Süßes Herz! Zu meinem wende

Dich, dass dir es ganz sich spende,

Dir zugetan mit treuer Brust.

 

Dass in deiner Lieb` es lebe,

Nie in dumpfem Schlummer schwebe,

Dass zu dir es bete, weine,

Leb` in deinem Duft und Scheine,

Allzeit genießen deine Lust.

 

6. Herzensrose, lieblich breite

Deinem Duft in Näh` und Weite,

Öffne dich mit zarten Schwingen,

Lass zu mir den Balsam dringen.

Dass auch mein Herz sich dran erfreu`.

 

Zieh mein Herz zu deinem Herzen,

Dass, geheilt in Reueschmerzen,

Es nicht bleib` in ferner Weite;

Schließ es ein in deine Seite,

Dass es in dir sich finde neu!

 

7. Lass es ruhen da und weilen;

Sieh! es möcht` dein Leben teilen;

Glühend will es dich empfinden,

Will zu dir den Eingang finden,

Dass liebevoll ich denke dein.

 

Du, die Seligkeit der Deinen,

Lass auch mich dir ganz vereinen,

Lass mich eingehen in dein Leben,

Wolle nicht mir widerstreben,

O schließe in den Herz mich ein!

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30. Alles dir, o Gott, zu Ehren!

 

Jede Bitt`, die still ich flehe,

Jeden Tritt, den je ich gehe,

Jede Scholle, die ich grabe,

Jede Arbeit, die ich habe:

Alles dir, o Gott, zu Ehren,

Hier und dort dein Lob zu mehren.

 

Alle Lasten, die ich trage,

Alle Worte, die ich sage,

Alle Werke, die ich tue,

Alle Stunden, die ich ruhe:

Alles dir, o Gott, zu Ehren,

Hier und dort dein Lob zu mehren.

 

Alle Zeilen, die ich schreibe,

Jedes Glied, an meinem Leibe,

Jede Regung meiner Hände,

Tages Anfang, Mitte, Ende:

Alles dir, o Gott, zu Ehren,

Hier und dort dein Lob zu mehren.

 

Jedes Tröpflein Blut im Herzen,

Jede heiße Glut der Schmerzen,

Jede süße Freudenstunde,

Jede bitt`re Leidenswunde:

Alles dir, o Gott, zu Ehren,

Hier und dort dein Lob zu mehren.

 

Jede Speis`, die ich genieße,

Wenn ich and`re freundlich grüße,

Wenn ich nur ein Blümlein pflücke,

Mich um einen Strohhalm bücke:

Alles dir, o Gott, zu Ehren,

Hier und dort dein Lob zu mehren.

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31. Hingebung

 

Mein Herr und Gott, du willst dich schenken

Voll unbegrenzter Liebe mir,

So will auch ich in dich versenken

Mein Herz und liebend ruh`n in dir.

 

Die ganze Fülle deiner Gaben

Willst meiner Seele du verleih`n,

Sie mild mit Himmelsspeise laben

Und ganz mit ihr vereinigt sein.

 

So will ich freudig meinen Willen,

Mich selber dir zum Opfer weih`n,

Nur dein Verlangen zu erfüllen,

Soll fernerhin mein Streben sein.

 

Dein Kind will sein ich, treu ergeben,

Mein Herr und König, nimm mich hin!

Dir weihe ich mein ganzes Leben

Mit innig glaubensvollem Sinn.

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32. Schön bist du wie der Maientag

 

Schön bist du wie der Maientag,

Wenn alles blüht an Baum und Hag:

Dein Herz ist wie der Himmel rein,

Dein Aug´ der helle Sonnenschein.

Maria, sei gegrüßt!

 

Dein Seelenmai hat nie verblüht,

Blauhimmel steht dir im Gemüt:

Dein Tugendgarten wundersam

Freut einzig deinen Bräutigam.

Maria, sei gegrüßt!

 

Es pilgert auch der Engel Zahl

Gen Nazareth ins Frauental:

So schön war nicht das Paradies,

Daraus der Herr uns all verwies.

Maria, sei gegrüßt!

 

Wie danken wir dem Vater hehr

Für all dein Glück von Herzen sehr:

O, weil du ganz auf Gott gebaut,

Ward dir so viel vom Herrn vertraut.

Maria, sei gegrüßt!

 

Du hast gar starken Mutterarm,

Der hält ein Kind am Herzen warm:

O schling den Arm um alle so,

Des singen wir auf ewig froh.

Maria, sei gegrüßt!

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33. Vom Beten des Kindes

 

Wenn Kinder fromm Gebete sprechen,

Englein durch die Wolken brechen,

Sie schwingen sich nieder – und im Nu

Sind sie beim Kindlein und hören zu.

 

Die Sterne halten an im Lauf,

Der Mond reißt weit seine Ohren auf,

Die Wolken stehen still, um zu lauschen,

Der Wind vergisst für Momente sein Rauschen.

 

Die Seligen droben zum Herrgott treten,

Sie falten die Hände, frohlocken und beten,

Brausender Jubelgesang wird laut,

Der ganze Himmel zur Erde schaut.

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34. Am Maialtar

 

Süße Mutter, engelmilde,

Meiner Augen schönstes Licht,

Sieh`, ich knie` vor deinem Bilde,

Aufzuschauen wag ich nicht.

 

Eine kleine Liebesgabe

Bring` ich zitternd zum Altar;

Wenig ist es, was ich habe,

Doch die Liebe bringt es dar.

 

Schau herab mit deinem Kinde,

Holde Himmelskönigin;

Nimm das kleine Angebinde

Eines Sünders gnädig hin.

 

Nicht mit Gold und Perlenkränzen,

Mit Rubinen voller Glanz,

Kann dein Bildnis ich bekränzen;

Hab` nur einen Rosenkranz.

 

Wie die Deinen gern ihn beten,

Wenn zum Gnadenbild sie zieh`n;

Wenn das Kirchlein sie betreten,

Und dem Lärm der Welt entflieh`n.

 

Nicht mit Sträußen, reich gewunden,

Kann ich mehren deinen Ruhm;

Nur ein Blümchen hab` gefunden

Für dein stilles Heiligtum.

 

Woll` das Blümchen nicht verschmähen,

Ob auch unscheinbar und klein;

Wenn es nur von dir gesehen,

Wird es duften fromm und rein.

 

O so lass es lieblich blühen!

Sieh`, es blickt ja himmelwärts!

Lass in Andacht still erglühen

Deines armen Kindes Herz!

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35. Allerheiligen

 

Ihr Heil’gen, o ihr Frommen,

Die ihr weilt im Paradies,

Lehrt auch uns zu Jesu kommen,

Auf dem Weg, der er euch wies!

Hier durch Lieben und durch Leiden,

Durch viel Trübsal in Geduld;

Dort zum Schauen ew’ger Freuden

Durch des Vaters Lieb‘ und Huld!

 

O ihr Heil’gen, o ihr Frommen,

Die ihr mit dem Lamme geht,

Aller Trübsal nun entnommen,

Helft und siegt durch euer Gebet!

Bittet, dass die armen Brüder

Glauben hier, was ihr geglaubt;

Betet, dass sich Christi Glieder

Bald vereinen mit dem Haupt!

 

O ihr Heil’gen, o ihr Frommen,

Die ihr Christi Freunde seid,

Helft auch uns „nach Hause kommen“

In das Haus der Herrlichkeit!

Dass auch uns nach allem Leide

Und nach aller Last der Zeit

Sei gewährt des Himmels Freude

In der schönen Ewigkeit!

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36. Hausspruch

 

Kehr bei uns ein Herr Jesu Christ

wie du in Emmaus einkehrt bist,

 

nimm Herberg Du in unserm Haus

treib Sünd und Sorg zur Tür hinaus,

 

stell rundum Deiner Engel Scharen,

lass unserm Hause Heil befahren!

 

O bleib bei uns zu jeder Frist,

Du lieber Heiland Jesus Christ,

 

mit Deiner Lieb uns morgen wecke,

den Hungernden das Tischlein decke,

 

schenk Frieden uns zu aller Stund

und sind wir krank, mach uns gesund,

 

gib uns zur Arbeit Lust und Stärke,

begleite segnend unsre Werke!

 

Und neigt der Tag sich einst auf Erden

und will es mit uns Abend werden,

 

nimm du, o Herr, uns bei der Hand

und führ uns heim ins Himmelsland!

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37. Milde Königin, gedenke!

 

Gedenk, o Jungfrau, Königin,

Maria, Mutter reich an Milde,

wie du dich niemals abgekehrt

von dem, der fleht vor deinem Bilde.

 

Nein, niemals ist es je erhört,

dass weinend einer von dir ging

und dass ein leidbelad´nes Herz

von dir nicht Licht und Trost empfing.

 

O Jungfrau, sieh mich tief geneigt

und bittend deine Knie umfassen;

gedenk, wie keiner noch vernahm,

dass du ein Menschenkind verlassen.

 

Zu Füßen lieg ich weinend dir,

erdrückt von meiner großen Schuld.

Verschmähe meine Worte nicht

und hilf mir, Mutter, reich an Huld.

 

Und ging ich lange irr und wirr,

und bin ich auch ein armer Sünder:

ich eile voll Vertrau´n zu dir,

ich bin doch eines deiner Kinder.

 

Des ewigen Wortes Mutter du,

ach, hör mein Seufzen und mein Fleh´n,

o Zuflucht du und Retterin,

lass mich dein gütig Antlitz seh´n.

 

Ich harre deiner Hilfe still,

und abgrundtief ist mein Vertrauen;

ich weiß, du lässt mich sinken nicht,

o mütterlichste du der Frauen.

 

Du süße Herrin, Mutter mild,

o sprich für mich bei deinem Sohn,

gedenke meiner tiefen Not

und segne mich von deinem Thron.

 

Henriette Brey

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38. Gebet zur allerseligsten Jungfrau

 

Für apostolische Menschen

 

O Maria, schön wie der Mond, strahlend wie die Sonne, in deren Antlitz die Seligen schauen und die Engel sich widerspiegeln, mache, dass wir, deine Kinder, dir ähnlich werden. Lass unsere Seelen einen Strahl deiner Schönheit aufnehmen, der mit den Jahren nicht untergeht, sondern neu aufleuchtet in der Ewigkeit.

 

O Maria, Sonne des Himmels, erwecke das Leben wieder, wo es erstorben ist, erleuchte den Verstand, wo Finsternis ist. So oft du im Angesicht deiner Kinder widerstrahlst, gib uns einen Abglanz deines Lichtes und deiner Glut.

 

O Maria, stark wie ein Heer, verleihe den Sieg unserer Scharen. Wir sind so gebrechlich und unser Feind wütet mit solchem Übermut. Aber unter deinem Banner sind wir sicher, dass wir siegen; er kennt die Kraft deines Fußes, er fürchtet die Majestät deines Blickes. Rette uns, o Maria, schön wie der Mond, herrlich wie die Sonne, stark wie ein geordnetes Heer, das sich nicht auf Hass stützt, sondern auf die Flamme der Liebe. Amen.

 

Von Papst Pius XII. am 17. Januar 1956 mit einem Teilablass versehen.

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39. Mein Heiland, Dank!

 

Mein Heiland, Dank! Du bist für mich auf Erden gern geblieben.

O Jesus komm! Ich suche dich und will dich herzlich lieben.

Geführt von treuer Elternhand möchte ich dir bald begegnen.

Sollst mich und jedes Kind im Land wie einst die Kleinen segnen!

Bist du ein Opfer worden am Kreuz und am Altar,

Bring ich mit Werk und Worten Gott auch ein Opfer dar.

Mein Opfer mög wie deines, o lieber Heiland mein,

Dem Vater dort im Himmel auch wohlgefällig sein!

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40. Gebet zum Jesuskind

 

Du bist als Kind gekommen

Vom hohen Himmelreich,

Du machst hier all die Frommen

Den guten Engeln gleich.

 

Du willst die Unschuld hüten,

Willst rein die Herzen sehn.

Sie sollen einst als Blüten

Im Garten Gottes stehn.

 

Sternblümlein darf ich werden

Und blühn vor deinem Haus,

O zähl mich schon auf Erden

Zu deinem Himmelsstrauß!

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41. Ölbergs-Andacht

 

1. Himmlischer Vater!

 

Du hast aus Liebe zu uns Menschen deinen Eingeborenen Sohn in die Welt gesandt, ihn um unsertwillen gedemütigt, und bis in den Tod erniedrigt.

Vater, wir haben gesündigt, und viel Böses vor dir getan, und ach, wir tun desselben noch täglich mehr! Voll Wehmut und Zerknirschung kommen wir, gütigster Vater, um flehen um Gnade zu dir. Habe Geduld mit deinen strafbaren Kindern. Gedenke der schrecklichen Todesangst deines göttlichen Sohnes am Ölberg, und an alles, was er in seinem qualvollen Leiden für unser Heil erduldet hat. Um unsertwillen hat er das erduldet, um seinetwillen erbarme dich unser! Amen.

 

Vaterunser

Ave Maria

 

Seht unsern lieben Heiland liegen,

Seht, wie die Sündenlast ihn drückt;

Seht ihn in Todesängsten siegen;

Am Ölberg macht er uns beglückt.

 

Betrachtet ihn, ihr frechen Sünder!

Erwäget seinen tiefen Schmerz;

Er trinkt den Kelch für euch nicht minder:

Rührt diese Lieb´ nicht euer Herz?

 

2. Göttlicher Sohn!

 

Wir sehen dich auf dem Ölberg im Blutschweiß mit Todesblässe liegen, und hören dich beten: Vater, nimm diesen Kelch von mir; doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe!

Wieviel hat dich, liebevollster Heiland, unsere Erlösung gekostet! Unsere Sünden haben dir solche Leiden verursacht, und dir diesen Blutschweiß ausgepresst. Deine Todesangst am Ölberg, deine Gefangennahme, deine Verurteilung, die Geißelstreiche und die Dornenkrone, jede Lästerung und Verhöhnung gegen dich, jeder Schmerz in deiner Seele und jede Wunde an deinem Leib, deine Hinführung zur Richtstätte, deine Kreuzigung, dein Geistaufgeben am Kreuz, dein Gehorsam bis in den Tod – das alles ist Erlösung von unseren Sünden! Um ihrer willen erbarme dich unser! Amen.

 

Vaterunser

Ave Maria

 

Der Schmerz nimmt zu, wird immer größer;

Von seiner Stirn rinnt Schweiß und Blut.

Wie ängstigt dich, o mein Erlöser!

Der Menschenkinder Sündenflut!

 

Ein Engel Gottes steigt hernieder;

Seht, wie sein Trost ihm Mut einflößt!

Und neue Kraft belebt ihn wieder,

Er trinkt den Kelch, wir sind erlöst!

 

3. Heiliger Geist!

 

Ausspender aller göttlichen Gnaden! In Demut und Vertrauen liegen wir vor dir. Du kennst unsere Armseligkeit. Dir ist der ganze Zustand unserer Seele bekannt. Gieße deine Erbarmungen aus über uns alle; erleuchte unseren Verstand, stärke unseren schwachen Willen, und entzünde unser kaltes Herz. Deine Gnade erhalte unseren Glauben, befestige unsere Hoffnung, erwecke und entzünde unsere Liebe. Sie tröste uns in den Stunden der Trübsal, und wache über uns, so oft wir zum Bösen versucht werden. Und kommt einst die Stunde, wo wir vor den ewigen Richter gerufen werden, dann gib uns das laute Zeugnis, dass wir Gottes Kinder heißen und sind, und versüße die Leiden des Todes mit jenem himmlischen Trost, mit dem einst der Welterlöser am Ölberg erquickt worden ist.

Heiligmacher aller Heiligen! Heilige unsere Seelen, für die Jesus Christus eine so schreckliche Todesangst und den allerbittersten Tod gelitten hat. Aus Liebe zu ihm erbarme dich unser! Amen.

 

Vaterunser

Ave Maria

 

Wie kann ein Christ in Sünden lachen,

Und übertreten sein Gebot?

Die Erde bebt, die Felsen krachen,

Da Jesus stirbt den Kreuzestod;

 

Seht, wie ihn Stern und Mond bedauern,

Als dort erblasst sein Angesicht,

Man sieht die ganze Schöpfung trauern,

Ach, nur der Sünder zittert nicht.

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42. Kleine Ablassgebete zur allerseligsten Jungfrau

 

O meine Gebieterin, o meine Mutter. Dir bringe ich mich ganz dar, und um dir meine Hingabe zu bezeigen, weihe ich dir heute meine Augen, meine Ohren, meinen Mund, mein Herz, mich selber ganz und gar. Weil ich denn nun dir gehöre, o gute Mutter, so bewahre mich, beschütze mich als dein Gut und Eigentum.

 

O meine Herrin, o meine Mutter, gedenke, dass ich dein bin. Bewahre mich, beschütze mich als dein Gut und dein Eigentum.

 

Dir, o jungfräuliche Mutter, die du niemals von der Makel einer Schuld, weder von persönlicher noch von der Erbsünde befleckt warst, empfehle und vertraue ich die Reinheit meines Herzens an.

 

O Maria, die du ohne Makel in die Welt eingetreten bist, erlange mir von Gott, dass ich ohne Schuld aus ihr scheiden kann.

 

O Maria, ohne Sünde empfangen, bitte für uns, die wir zu dir unsere Zuflucht nehmen.

 

Süßes Herz Mariä, sei meine Rettung.

 

Gepriesen sei die heilige und unbefleckte Empfängnis der seligsten Jungfrau Maria, der Mutter Gottes.

 

In deiner Empfängnis, o Jungfrau Maria, bist du unbefleckt gewesen; bitte für uns den Vater, dessen Sohn Jesus, vom Heiligen Geist empfangen, du geboren hast.

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43. Zur Königin des hl. Rosenkranzes

 

O Königin des hochheiligen Rosenkranzes, die du zur Zeit, wo die Gottlosigkeit stolz sich erhebt, mit den altehrwürdigen Siegeszeichen geschmückt erscheinst, blicke doch vom Himmel, wo du, Verzeihung und Gnaden spendend, thronst, mildreich herab auf die Kirche deines göttlichen Sohnes, auf seinen Statthalter hienieden und auf alle geistlichen und weltlichen Stände in ihren gegenwärtigen schweren Prüfungen.

Beschleunige, o mächtige Besiegerin der Irrlehren, beschleunige die Stunde der Barmherzigkeit, wenn auch die Stunde der Gerechtigkeit alltäglich durch unzählige Sünden herausgefordert wird.

Mir aber, dem Armseligsten von allen, der ich vor dir auf den Knien liege, erflehe jene Gnaden, deren ich am meisten bedarf, um gerecht hier auf Erden zu leben und dereinst mit den Heiligen im Himmel zu herrschen, indessen ich mit allen Gläubigen der ganzen Welt dich begrüße und zu dir rufe: o Königin des hochheiligen Rosenkranzes, bitte für uns!

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44. Morgenandacht

 

(Vom heiligen Alphons von Liguori)

 

Mein Gott, ich bete dich an, ich liebe dich von ganzem Herzen!

 

Ich danke dir für alle Wohltaten, die du mir erwiesen hast, und besonders dafür, dass du mich während dieser Nacht so gnädig behütet hast.

 

Alles, was ich heute tun oder leiden werde, opfere ich dir auf. Ich vereinige alle meine Hoffnungen mit den Leiden Christi und Marias, und fasse den Entschluss, alle Ablässe, deren ich teilhaft werden kann, gewinnen zu wollen.

 

Ich nehme mir vor, die Sünden zu vermeiden, und ich bitte dich, mir, um Jesu willen, die Gnade der Beharrlichkeit zu verleihen. Ich nehme mir besonders vor, in allen Widerwärtigkeiten mich in deinen heiligen Willen zu fügen, und zu sprechen: „Herr, dein Wille geschehe.“

 

O mein Jesus, trage du mich heute in deinen Händen. Heiligste Jungfrau Maria, lasse mich Zuflucht unter deinem Schutzmantel finden. Und du, himmlischer Vater, hilf mir aus Liebe zu Jesus und Maria. Mein Schutzengel, und meine heiligen Fürsprecher, steht auch ihr mir bei. Amen.

 

Vater unser. Gegrüßet seist du, Maria. Erweckung des Glaubens usw.

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45. Gebet zu Jesus um seine heilige Liebe

 

(Vom heiligen Alphons von Liguori)

 

O mein gekreuzigter Jesus, ich bekenne, dass du wahrhaft der Sohn Gottes, und das du mein Erlöser bist. Ich bete dich an und danke dir, dass du für mich hast sterben wollen. Siehe, nichts schmerzt mich mehr, als dass ich dich beleidigt habe, und ich begehre nichts anderes, als deine Liebe. Du hast versprochen, dass du denjenigen erhören willst, der dich anruft. Ich bitte dich, mir, um deines schmerzvollen Leidens willen, deine heilige Liebe zu schenken. Ziehe mein Herz zu dir, gib, dass ich, von heute an, dich aus allen meinen Kräften liebe, dass ich nichts liebe, als dich, und dereinst dich im Himmel die ganze Ewigkeit hindurch lieben kann. Amen.

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46. Gebet um die tägliche Heiligung des Namens Gottes

 

(Vom heiligen Ephräm)

 

Heiliger, der du von den Heiligen in der Höhe und in der Tiefe heilig gepriesen wirst, heilige mich, o Herr, und wohne in mir, und mache mich würdig, dass ich täglich mit reiner Liebe deinen heiligen Namen heilige. Die furchtbaren Cherubim und Seraphim preisen dich, o Herr, oben in der Höhe, und weil es dir in deiner Liebe gefiel, dich auch von den Erdbewohnern verherrlichen zu lassen, so nimm das Gebet deines Anbeters auf, und schirme deine Kirche und die Schäflein deiner Herde. Amen.

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47. Froher Gruß an das Kreuz Jesu in der Wohnstube

 

(Vom heiligen Andreas)

 

Sei gegrüßt, o ehrwürdiges Kreuz, geheiligt durch den Leib Jesu Christi, der auf dir geruht hat. Wer den Glauben besitzt, erkennt die himmlische Schönheit, die in dir ist, und die große Belohnung, die jene erwartet, die in deiner Umarmung sterben. So komme ich denn mit Vertrauen und inniger Freude zu dir. Nimm mich auf als einen Jünger desjenigen, der durch dich die Welt erlöste. O liebliches Kreuz, das glänzt mit unvergleichlicher Schönheit, seitdem du zum Schmerzensbett wurdest meinem Gott und Meister, der ein König der Glorie ist. O lang ersehntes Kreuz, o immer stärker geliebtes Kreuz: Nimm mich auf in deinen Schoß, und gib mich meinem Lehrmeister wieder zurück, damit ich aus deinen Armen in die Arme desjenigen komme, der durch dich mich erlöst hat. Amen.

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48. Morgengruß an das Herz Jesu

 

(Von der heiligen Gertrud)

 

Ich bete dich an, ich lobe und grüße dich, du wunderbares und verehrungswürdiges Herz Jesu Christi, aus dem, wie aus einem honigfließenden Brunnen der Gnaden, alles Gute und alle Süßigkeit von jeher ausströmte, und noch immerhin ausströmt. Aus allen Kräften meines Herzens sage ich dir Dank, dass du mich in dieser Nacht beschützt und, an meiner Statt, Lob und Danksagung Gott dem Vater dargebracht hast. Und nun, o du meine süße Liebe, bringe ich dir mein armes und unwürdiges Herz zum Morgenopfer dar, und mit aller mir möglichen Andacht schließe ich es in dein süßestes Herz ein, und empfehle es ihm, mit der Bitte, du mögest deine Gnaden in es einsenken, und es würdigen, dass es mit deiner heiligen Liebe entzündet werde. Amen.

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49. Gebet um die Vereinigung mit Jesus

 

(Von der heiligen Gertrud)

 

Guter Jesus, vereint mit der Liebe, mit der du am Kreuz dem himmlischen Vater deinen Geist empfohlen hast, empfehle ich dir auch meinen Geist und meine Seele, und schließe sie ein in die allerheiligste Wunde deines Herzens, auf dass sie darin vor allen Nachstellungen des bösen Feindes beschützt werde. Du weißt es, o guter Jesus, und ich habe es genug erfahren, wie schwach und hinfällig ich bin, so zwar, dass ich nicht eine einzige Stunde ohne deinen besonderen Gnadenbeistand im Guten verharren, oder irgend einer Versuchung aus eigener Kraft widerstehen kann. Daher bitte ich dich, dass du, wie du eins mit dem Vater und dem Heiligen Geist bist, so auch mein Wille mit deinem Willen vereinigt sei, und du mich stärken wollest, dass er nie gegen dich sich aufzulehnen wage. Und wie in dir Gottheit und Menschheit eins ist, so lass auch Einheit in meinem Wesen sein, damit alle Glieder meines Leibes, mit allen ihren Empfindungen, an diesem Tag, aus Liebe zu dir, nichts anderes tun mögen, als was zu deinem Lob und Preis gereichen kann. Amen.

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50. Tägliche Aufopferung seiner selbst in den Willen Gottes

 

(Von der heiligen Gertrud)

 

Liebreichster Gott, abermals erkenne ich vor dir, dass ich jeder Hinsicht dein Eigentum bin, da du selbst mich erschaffen, und durch das kostbare Blut Jesu Christi, deines eingeborenen Sohnes, erlöst hast. Was ich also immer bin und habe, das opfere, weihe und übergebe ich dir gänzlich und von ganzem Herzen, durch die Kraft und Wirkung des köstlichsten Herzens Jesu, auf so vollkommene Weise, als ich erkenne, dass deine göttliche Majestät dessen würdig ist, indem ich aus allen Kräften dir zu dienen verpflichtet bin. – Ich opfere und unterwerfe und übergebe mich von dieser Stunde an in alle Ewigkeit deinem göttlichen Willen, und verlange von Grund meines Herzens über alles, dass dieser dein allerheiligster und lobwürdigster Wille in mir, hinsichtlich meiner, und durch mich, sowohl in geistigen als leiblichen Dingen, in Zeit und Ewigkeit vollkommen erfüllt werde. Dir stelle ich meinen ganzen Willen anheim, und begehre weder Wohlfahrt noch Trübsal, weder Gesundheit noch Krankheit, weder Tod noch Leben. Dies allein ist mein höchstes Verlangen, dies mein Wunsch über alle Lüste der Welt, dass dein wohlgefälligster und preiswürdigster Wille sowohl in mir als in allen deinen Geschöpfen vollbracht werde. Deshalb spreche ich mit dem Herzen und dem Mund: „Nicht mein Wille, sondern dein Wille geschehe, o liebster Vater!“ – So nimm denn diese meine gänzliche Übergabe in deine Hände, und empfange dieses freiwillige Opfer meines eigenen Willens, den ich zu einem Brandopfer dir weihe, in Vereinigung jenes großen Opfers, das dein göttlicher Sohn dir darbrachte, als er in einer schweren Todesangst zur getreuesten Erfüllung deines väterlichen Willens sich erbot. Und da ich nun ganz dein eigen bin und in Ewigkeit verbleiben will, so nimm mit Barmherzigkeit mich als dein Kind an, und verleihe mir, dass ich nie mehr mein eigen werde – weder in der Zeit noch in der Ewigkeit.

 

(Vom heiligen Ignatius)

 

Nimm denn auf, o Herr, alle meine Freiheit, nimm hin alle meine Kräfte, das Gedächtnis, den Verstand und all meinen Willen. Was ich habe oder besitze, hast du mir gegeben, und was du mir gegeben, das stelle ich alles in deine Hände zurück, und übergebe es deinem Willen, damit du es regierst. Nur die Liebe zu dir und deine Gnade gib mir, und ich bin reich genug, und verlange sonst nichts. Amen.

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51. Gebet um fünf besondere Tugenden

 

(Vom heiligen Vinzenz von Paula)

 

Gib mir, o Herr, wahre Herzenseinfalt, Demut, Sanftmut, Abtötung und reinen Seeleneifer!

Die Einfalt ist auf dich, o Gott, gerichtet, dem sie allein zu gefallen sucht.

Die Demut übt sich an mir selbst, und bewirkt, dass ich meine eigene Nichtigkeit erkenne, und die Verachtung meiner selbst liebe.

Die Sanftmut kommt dem Nächsten zum Heil, damit ich mit seinen Fehlern Geduld trage, und er auf eine gelinde Art, o Gott, zur Erkenntnis deiner und meiner Liebe gelange.

Die Abtötung ist ein notwendiges Mittel zur Sanftmut, und hilft mir, o Herr, die in deinem Dienst vorfallenden Beschwernisse starkmütig überwinden.

Der fromme Eifer versüßt jede Bitterkeit der Abtötung durch die Salbung deiner Gnade und Liebe, und bringt Trost in Leiden und Trübsal.

O Herr, gib mir diese Tugenden! Amen.

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52. Erweckung der göttlichen Tugenden

 

(Vom heiligen Augustinus)

 

Der Glaube

 

Zu dir, o Herr, ruft mein Glaube, den du mir in deiner Güte zu meiner Heiligung gegeben hast. Denn eine gläubige Seele lebt aus dem Glauben, und verharrt in der Hoffnung dessen, was sie dort in der Wirklichkeit sehen wird.

Mein Gott, zu dir ruft in diesem Glauben mein gereinigtes Gewissen und eine schöne Liebe in dem Glauben, den du, nach der Verbannung der Finsternisse und der Unwissenheit, zur Erkenntnis der Wahrheit geführt, und mir, nach der Befreiung von der Bitterkeit der törichten Welt, an deren Stelle die Schönheit deiner Liebe getreten ist, lieblich und köstlich gemacht hast. O selige Dreifaltigkeit, zu dir ruft in diesem Glauben meine laute Stimme und aufrichtige Liebe, in dem Glauben, den du von Kindheit an in mir ernährt, durch dein Gnadenlicht immer mehr erleuchtet und durch die Unterweisungen der Kirche, meiner Mutter, vermehrt und befestigt hast. Zu dir rufe ich, o selige, gebenedeite und innig geliebte Dreifaltigkeit, Vater, Sohn und Heiliger Geist! Gott, Herr, Tröster! Liebe, Gnade, und Ausspender derselben! Wahres Licht, wahres Licht vom Licht, wahre Erleuchtung! Eine Quelle, ein Fluss, ein alles befruchtender Strom! Alles von einem, durch einen und in einem! Von dem, durch den, und in dem alles ist! Ein Leben aus sich, ein Leben vom Leben und ein Beleben der Lebendigen! Die Wahrheit ist der Vater, der Sohn und der Heilige Geist! Darum sind der Vater, das Wort und der Tröster ein Wesen, eine Kraft, eine Güte und Seligkeit, durch den und in dem alle Geschöpfe, die es sind, selig sind!

 

(Vom heiligen Ludwig von Granada)

 

Die Liebe

 

Lass mich dich lieben, o Herr! Lass mich, dein Geschöpf, dich, meinen Schöpfer lieben, von dem ich alles empfing, was ich bin und habe. Zurück sollen die Fluten kehren zum Urquell, von wo sie kamen. Zurück sollen die Wirkungen zur Ursache, der sie entsprungen sind. Zurück soll das Geschöpf zu seinem Schöpfer. Dein bin ich. Dein will ich ewig sein. Nimm als deinen Diener in dein Haus mich auf, und verstoße nicht, den du für dich erschaffen hast. Wie die Äste eines Baumes aus der Wurzel desselben entsprießen, und die Wurzel sie ernährt und in ihrem Dasein erhält, so bist auch du, o Herr, der Urgrund meines Daseins, und du allein erhältst und stützt mich, dein Geschöpf. An wen also soll ich denken, wenn nicht an dich? Zu wem also soll ich meine Augen erheben, wessen soll ich mich erinnern, wen soll ich lieben, wenn nicht dich, o Herr? Wessen Hände erschufen mich? Wessen Vorsehung schützt mich? Wessen Geschöpfe dienen mir? Durch wen bin ich und lebe ich? Von wem habe ich alles, was immer ich Habe? Alles ist von dir, o Herr. Da also du die Wurzel alles Guten bist, das ich habe, und ich nur ein dürftiger Ast, der unter so vielen anderen nur durch dich lebt: was soll ich im Himmel und auf Erden betrachten, als dich, den Urquell meiner ganzen Glückseligkeit, und die verborgene Stätte, die alle meine Schätze verschließt? Ein Weinberg labt mit seinen Früchten nicht nur den, der ihn gepflegt, sondern auch jenen, der ihn bearbeitet, begossen, gereinigt und fähig zur Reife gemacht hat. Ich bin dein Erbe, o Gott, ich der Weinberg, den du mit deinen Händen gepflegt, mit den Gewässern deiner Gnade begossen, und mit deinen Strahlen erwärmt hast. Und ein anderer, als du, sollte die Früchte so vieler Mühen genießen? Dir, o Herr, sollen alle Kräfte meiner Seele, gleich eben so vielen Reben dienen, die in diesem Weinberg wachsen, dir alle fromme Begierden, die gleich eben so vielen Blumen darin blühen, dir alle Worte und Werke, die als eben so viele Früchte zu deiner Ehre und zu deinem Dienst reifen sollen. Mit Ehrfurcht sollen meine Augen zu dir Aufblicken, loben soll meine Zunge dich, untertänig sollen meine Hände dir sein, und mit Schnelligkeit sollen meine Füße auf den Wegen deiner Gebote gehen. In deiner Liebe soll, gleich in einem flammenden Feuer, mein Herz wie Wachs zerfließen. Niemals soll mein Gedächtnis deiner Vergessen, nimmer soll mein Verstand ermüden, dich zu betrachten, und in dir allein soll mein Wille sich erfreuen, und seine Glorie suchen. Dies ist der Nutzen und die Frucht dieses Weinbergs. Umgib ihn, o Herr, mit einer feurigen Mauer, und verschließe jeden Zugang, dass niemand, als du, Eingang in ihr finde. Lass mich dich lieben, o Herr, weil du allein das Werk vollenden kannst, das du begonnen hast, und weil nur du vermagst, meine Seele zur Vollkommenheit zu führen. Lieben also will ich dich, o Herr, lieben mit innigster, glühendster Liebe. Alle Gefühle und Begierden meines Herzens will ich gleich eben so vielen Armen ausstrecken, dich mit der Liebe zu umfassen, o unendlich geliebter Bräutigam meiner Seele, von dem ich alles Gute erwarte.

 

(Vom heiligen Augustinus)

 

Die Hoffnung

 

Wie selig ist eine Seele, die vom Kerker dieses Leibes aufgelöst, sich frei zum Himmel erhebt, wo sie dich, o Herr, von Angesicht zu Angesicht sieht, die von keiner Furcht des Todes mehr angefallen wird, sondern einer unvergänglichen ewigen Herrlichkeit sich erfreut. Sie ist im Besitz des guten Herrn, den sie hier lange gesucht und immer geliebt hat. Mit den lobsingenden Engelchören vereint, singt sie mit ihnen dir, o Christus, du König, du guter Jesus, durch die ganze Ewigkeit die wundervollen Gesänge einer endlosen Feier zum Ruhm deiner Herrlichkeit, und du tränkst sie mit dem Strom deiner Seligkeit.

O selige Versammlung der himmlischen Bürger! O herrliches Freudenfest aller, die aus den schmerzvollen Trübsalen unserer Pilgerschaft zu dir, zum seligen Genuss der Schönheit, zum herrlichsten Glanz und zur vollkommensten Würde zurückkehren, wo dich deine Bürger, o Herr, unablässig anschauen! Dort hört kein Ohr, was das Gemüt auch nur leise beunruhigen könnte. O, welche Lieder, welche Saitenspiele, welch ein Wohllaut! Harmonien erklingen dort unaufhörlich. Immer ertönen dort die lieblichsten Psalmen, die entzückendsten Engelstimmen, und die wundersamen Melodien, die von den Himmelsbewohnern dir zum Lob und zur Verherrlichung gesungen werden. Keine Bitterkeit und keine Zwietracht findet sich in deinem Reich, denn da ist keine Bosheit, kein Bösewicht, kein Widersacher und kein Anfechtender, keine Versuchung zu irgend einer Sünde. Da ist kein Mangel, keine Schande, kein Streit, kein Vorwurf, keine Beschuldigung, keine Furcht und Unruhe, keine Strafe und kein unentschiedenes Schwanken und keine Gewalttat, sondern der höchste Friede, lautere Liebe, ein ewiges Jubeln und Preisen Gottes, eine ohne Ende sichere Ruhe und eine fortdauernde Freude im Heiligen Geist.

O wie selig werde ich sein, wenn ich die Feierchöre des Himmels, wenn ich das der allerheiligsten Dreifaltigkeit gebührende Lob in den schönsten Psalmen hören werde! Aber noch seliger bin ich, wenn ich selbst gewürdigt werde, meinem Herrn Jesus Christus eines von den hehren Liedern Sions zu singen. Amen.

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53. Novene zu den 7 Zufluchten

 

Die sieben Zufluchten sind:

 

1. Die Heiligste Dreifaltigkeit;

2. Jesus, der Gekreuzigte;

3. Jesus, im Heiligsten Altarsakrament;

4. Maria, die hochgebenedeite Jungfrau und Gottesmutter;

5. Die neun Chöre der heiligen Engel;

6. Die Heiligen und Seligen des Himmels;

7. Die Armen Seelen des Fegfeuers.

 

An allen neun Tagen betet man folgendes Gebet:

 

Voll Vertrauen wende ich mich an euch, ihr sieben großen Zufluchten, mit der innigen Bitte um Hilfe in meinem gegenwärtigen, schweren Leid . . . . . . .

Mein Flehen wird nicht ungehört bleiben; denn noch keiner ist ohne auffallenden Beistand geblieben, der sich euch, den einzig wahren Zufluchten, anvertraut hat.

Ich danke der Hochheiligsten Dreifaltigkeit, Maria, den Engeln und Heiligen und auch den Armen Seelen für die liebevolle Hilfe.

 

Allerheiligste Dreifaltigkeit, um deiner unendlichen Liebe willen gewähre mir die Gnade, einst ewig bei dir weilen zu dürfen in immerwährender Lobpreisung und Danksagung.

 

Gekreuzigter Erlöser, um deiner bitteren Leiden willen sei mir einst gnädig im Gericht.

 

Im Heiligsten Sakrament verborgener Jesus, verleihe mir, dass ich die heilige Kommunion oft und mit großer Andacht und guter Vorbereitung empfangen darf. Erfülle mich durch dieses Heiligste Sakrament mit deiner Liebe und Gnade. Stärke meine Seele vor dem Tode mit deiner heiligen Wegzehrung.

 

Hochgepriesene Jungfrau und Gottesmutter Maria, erwirb mir zeitliches und ewiges Wohlergehen. Nach Gott setze ich all meine Hoffnung auf dich, denn du vermagst alles beim Herrn und zeigst dich mir als Mutter der Barmherzigkeit.

 

Ihr neun Chöre der Engel, erfleht mir von Gott das große Geschenk, mich einst in eurer Mitte freuen zu dürfen in alle Ewigkeit.

 

Ihr Heiligen und Seligen des Himmels, bittet unablässig für mich Sünder, damit ich einst in eure Gesellschaft aufgenommen werde.

 

Ihr Armen Seelen des Fegfeuers, bittet kraft eures Gnadenstandes bei Gott für mich. Erfleht mir das Erbarmen des Herrn, reiche Tugend und große Heiligkeit.

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54. Tägliches Dankgebet für das Geleit des Schutzengels

 

(Vom heiligen Bernhard)

 

 

Gütig bist du, o Herr, zu jenen, die auf dich hoffen, und zu der Seele, die dich sucht. Auch den Schutzengel hast du mir gegeben, dass er mein Gefährte sei. O, welch innigen Anteil nimmt er an der Freude und Wonne der Seele. Mein Engel ist es, der, einem treuen Diener gleich, die Seele überall hingeleitet, sie ohne Unterlass ermahnt, und durch häufige Eingebungen zu ihr spricht: „Erfreue dich im Herrn, und er wird dir die Bitten deines Herzens gewähren!“ Und wieder: „Erwarte den Herrn, und bewahre seine Wege!“ Dann wieder: „Wenn der Herr ausbleibt, so warte nur seiner, denn er wird gewiss kommen, und nicht zögern!“ Und zu dir selbst, mein Gott, spricht der Engel für meine Seele: „Wie der Hirsch nach dem Wasserborn verlangt, also verlangt sie nach dir, o Herr! Sie hat in der Nacht nach dir verlangt, doch dein Geist ist in ihrem Herzen. Sie hat des morgens zu dir gewacht, und den ganzen Tag über streckt sie die Hände nach dir aus. Lass sie vor dich, denn sie ruft nach dir. Kehre dich ein wenig zu ihr und lass dich von ihr bitten. Schau herab vom Himmel, und besuche die Trostlose!“ – O welch ein redlicher Führer ist mein Schutzengel, der nicht seine Ehre sucht, sondern deine Ehre, und mein Heil. Als Bote geht er hin und her zwischen dir, dem Geliebten, und mir, dem Liebenden. Wünsche trägt er hinauf von mir, und Gaben bringt er herab von dir für mich. Dich besänftigt, mich ermuntert er, er sieht ja täglich dein Angesicht, das Angesicht meines Vaters. O, ich muss große Ehrfurcht vor meinem Schutzengel haben, ich bin schuldig ihn täglich zu loben, zu verehren, ihm Dank zu sagen, und will mich hüten in seiner Gegenwart – und er ist ja stets bei mir, irgendetwas Unerlaubtes oder Schändliches zu denken, zu reden, oder zu tun. Du, o Gott, hast ja selbst meinem Engel befohlen, dass er mich auf allen meinen Wegen bewahre: und dies muss mich mit Ehrfurcht vor ihm erfüllen, wegen seiner Gegenwart, mit Vertrauen auf seinen Schutz und mit Dankbarkeit für sein Wohlwollen. – Wie soll ich dir aber vergelten, o Gott, für alles, was du mir gegeben hast? Dir allein gebührt Ehre und Glorie. Meinen Engel will ich dankbar lieben und verehren, si viel ich es im Stande und schuldig bin. Amen.

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55. Fromme Bitten

 

(Vom heiligen Thomas von Aquin)

 

Barmherziger gütiger Gott, verleihe mir, dass ich von ganzem Herzen verlange, suche, erkenne und erfülle, was dir wohlgefällig ist. Richte und ordne mein Wesen, Tun und Lassen zu deinem Lob, zu ehren und zu preisen deinen heiligen Namen. Gib mir, dass ich alles will, kann und weiß, was du von mir forderst; und dass ich alles vollbringe, was ich schuldig bin zu wirken, und was für das Heil meiner Seele gut und nützlich ist.

 

O lieber Herr, ich bitte dich, bereite mir in Glück und Trübsal einen rechten, sicheren und vollkommenen Weg zu dir, dass ich in dem Wohlergehen dir Lob und Dank sage und mich nicht erhebe, in höchster Not aber geduldig sei und nicht kleinmütig werde. Verleihe mir auch, dass mich nichts erfreue, als was mich inniger mit dir verbinden kann, und dass mich nichts betrübe, als was mich von dir losreißen könnte.

 

O mein Gott, gib, dass ich nur allein deinem Willen zu gefallen strebe. Lass mir alle zeitlichen und vergänglichen Dinge missfallen wegen Deiner, lass aber meinem Herzen erwünscht sein, was dir lieb und angenehm ist. Gib, dass ich Abscheu habe vor jeder zeitlichen Freude, die ohne dich ist, damit ich nicht ersehne, was gegen dich ist.

 

O Gott, gib mir Lust und Freude in dem Ringen – dir zu dienen. Lass mich Trübsal und Niederbeugendes in derjenigen Ruhe finden, die dir zuwider ist. Verleihe mir, gütiger Gott, dass ich mein Herz zu dir emporrichte und erhebe, dass ich mit tiefgekühltem Gram meine Gebrechen und Unvollkommenheiten überdenke, und den kräftigen Vorsatz fasse, mit deiner Gnade und Hilfe mich zu bessern.

 

O Gott, mein Gott, mache mich demütig ohne alle Falschheit, fröhlich ohne Leichtfertigkeit, rein und keusch, ehrbar, redlich und wahrhaft, damit ich dich fürchte, deine Gebote halte, meinen Nächsten liebe, ihn mit Worten und Werken zum Besserwerden leite, und dass er dir und den Regierenden gehorsam, und bei jedem Kreuz geduldig sei.

 

O liebster Heiland, gib mir ein wachsames, standhaftes Herz, dass nichts, keine bösen Gedanken, Begierden, Anfechtungen und Leiden mich von dir abwenden. Gib auch, o Gott, dass mein Verstand dich recht erkenne, mein Herz dich über alles liebe, dass ich mit aufrichtiger Dankbarkeit unaufhörlich mich der Liebe und Huld erinnere, die du mir armen Sünder erwiesen hast. Gib mir fromme Sehnsucht, dass ich dich suche; Weisheit, dass ich dich finde; ein Leben, dass dir wohlgefällt; ein Beharren im Guten, dass ich auf dich baue; eine lebendige Hoffnung, dass ich zu dir aufstrebe, und in dir atme.

 

O gnadenreicher Erlöser, gib, dass die Betrachtung deines Leidens und Kreuzes meiner Seele die höchste Tröstung und Labung sei. Gib, du vielgeliebter Herr, gütiger Gott, Jesus Christus, dass ich hier, in diesem Leben, durch eine wahre Buße mich teilhaft mache deiner Segensspenden, deiner Gnade und Barmherzigkeit, damit ich dort genießen möge deine ewige Glorie, Freude und Seligkeit. Amen.

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56. Tägliche Bitte um einen seligen Tod

 

(Vom heiligen Ludwig von Granada)

 

O Jesus, du Sohn des lebendigen Gottes, ich bitte dich durch die bitterste Todesangst, die deine Seele im Ölgarten so sehr bedrängte, durch die schauerliche Beklommenheit und Betrübnis, die dein heiliges Fleisch durchdrang, als du vor tiefstem Schmerz ausriefst: „Meine Seele ist betrübt bis in den Tod!“ – Sieh barmherzig auf das demütige Gebet, das ich mit zerknirschtem Geist und Herzen zu dir verrichte. Und stehe mir bei in der letzten Stunde, wo ich von diesem Leben scheiden muss. Kräftige mich, wenn die höchste Todesnot mein Herz und meinen Verstand zerquält, und verleihe, in diesem traurigen Kampf zwischen Leben und Tod, mir Kraft und Vertrauen auf deine Barmherzigkeit.

 

O mein liebster Herr und Meister, verlasse mich nicht in der Stunde der höchsten Gefahr, sondern gleichwie dein himmlischer Vater einen Engel vom Himmel sandte, der dich tröstete, so sende auch mir deinen heiligen Engel, der in dieser Stunde mir beistehe und mich stärke und gegen alle Anfechtungen des Feindes kräftige: auf dass weder die Bedrohung, noch was immer für ein großer und heftiger Schmerz mich zur Ungeduld verleite, sondern dass meine Seele sowohl in der Krankheit als in der Gesundheit, sowohl in der Trübsal als in der Wohlfahrt, sowohl im Tod als im Leben, deinem göttlichen Willen unterworfen und gleichförmig sei, so wie auch du, o Herr, deinen natürlichen Willen dem Willen deines Vaters folgtest, als du sprachst: „Nicht mein Wille, sondern der deine Geschehe!“

 

Ich bitte dich, o Herr, nicht um einen sanften Tod, nicht um leichte Schmerzen, nicht um eine gelinde Krankheit. Dieses alles überlasse ich deiner Milde, auf dass du schaltest und anordnest: nicht was das Fleisch verlangt, sondern was der Nutzen und die Not meiner Seele fordert. Die Gnade, um die ich, o Herr, zu dir rufe, ist, dass unter allem, was sich ereignen mag, mir Kraft und Stärke verliehen werde, damit meine Seele nicht erliege, sondern bis an den letzten Hauch des Lebens im Körper unüberwindlich bleibe, auf dass ich von der Vereinigung mit dir, die ich in dieser Pilgerschaft durch die Gnade erlangte, zu der geführt werde, die deine Heiligen in der ewigen Glorie mit dir besitzen. Amen. 

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57. Gebet beim Eintreten in die Kirche

 

(Vom heiligen Bernhard)

 

O gütigster Jesus, liebster Jesus, schönster Jesus, o Jesus du Sohn der Jungfrau Maria, der du so überreich bist an Erbarmen und Huld, gnädigster Jesus, nach deiner unendlichen Barmherzigkeit sei auch zu mir barmherzig. Gütigster Jesus, ich bitte dich durch das kostbare Blut, das du für die Sünder vergießen wolltest, wasche ab alle meine Missetaten, und blicke herab auf mich, der ich, in meinem Elend und in meiner Unwürdigkeit, demütig deine Huld erbitte, und deinen allerheiligste Namen: „Jesus“ anrufe. O Name: „Jesus!“ Du schönster, erquickender, stärkender Name, denn was heißt der Name „Jesus“ anderes, als Heiland und Erlöser. O Jesus, um deines allerheiligsten Namens willen, sei mir ein Heiland, und rette mich. Lass mich nicht verdammt werden, mich, den du aus nichts erschaffen hast, und lass meine Bosheit mich nicht verderben, mich, den meine allmächtige Güte ins Dasein gerufen hat. Erkenne an mir, was dein ist, und nimm hinweg, was dir zuwider ist. O holdseligster Jesus, erbarme dich meiner, weil die Zeit des Erbarmens noch gegenwärtig ist. Ach verdamme mich nicht zur Zeit des Gerichtes, sondern nimm mich auf in die Zahl deiner Auserwählten. O Jesus, du Heiland derjenigen, die an dich glauben, du Trost aller, die ihre Zuflucht zu dir nehmen, du wunderbare Vergebung aller Sünden: Gib mir Weisheit, Liebe, Keuschheit, Geduld und Demut, auf dass ich dich vollkommen liebe, dich lobe, dir diene, und mich nur in dir rühme, und deiner in Ewigkeit genieße mit allen, die deinen heiligen Namen, der „Jesus“ ist, anrufen. Amen. 

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58. Tägliches Gebet für die Lebenden

 

(Vom heiligen Franz von Sales)

 

O mein Gott, du kennst unsere Armut. Ich bitte darum um deinen Segen, nicht allein für mich selbst und all die zu mir gehören, sondern auch für die ganze Kirche, für den Papst, für den Bischof, für die gesamte Geistlichkeit, für unsere weltlichen Obrigkeiten, für meine Verwandten und Freunde, für alle Rechtgläubige, und überhaupt für alle Menschen. Ich bitte dich auch um Segen für deine und meine Feinde, auf dass sie mit aufrichtigem Herzen sich zu dir bekehren. Verleihe das uns allen, von dem du weißt, dass es uns nützlich und ersprießlich sei. Amen. 

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59. Gebet beim Gedenken an den Heiligen des Tages

 

(Vom heiligen Franz von Sales)

 

O Gott, himmlischer Vater, der du die unendlichen Schätze der Güte, Allmacht und Weisheit über deine Auserwählten, besonders über den heiligen N. ausgegossen hast.: Ich lobe, ehre und preise dich wegen aller Gnaden und Gaben, die du diesem Heiligen und – durch ihn – uns allen, und der ganzen christlichen Kirche so väterlich mitgeteilt hast. Zur schuldigen Danksagung, und diesem deinem innigen Freund zur Ehre, opfere ich dir auf (meine heutige Kommunion) all mein Gebet, meine Andacht und andere guten Werke, wie auch der ganzen christlichen Kirche, die dich, o Herr, am heutigen Tag in diesem Heiligen, durch das heilige Messopfer und andere Andachtsübungen verherrlicht. Und weil ich deine unendliche Majestät erkenne, und auch von der Nichtigkeit meiner Verdienste überzeugt bin, im Vergleich mit denen, die dieser Heilige N. durch seine Tugenden zu deiner Ehre erworben hat, so ehre, lobe und preise ich dich als meinen Gott und Herrn in den erhabenen Verdiensten, glorwürdigen Werken und Tugenden, die dieser Heilige hienieden vollbracht und geübt hat. Und ich vereinige deshalb mit ihnen auch meine Werke, auf dass sie dir, o Gott, um so wohlgefälliger sein mögen. O dass ich seinen großen Tugenden auch nachfolgen, und seiner Gnaden teilhaft würde. O dass ich dich also liebte und ehrte, wie es dieser Heilige getan hat. Weil du nun, o Herr, verlangst, dass wir so herrliche Muster nachahmen sollen, und du eben darum deinen lieben Heiligen so große Gnaden verliehen hast, dass auch wir solche erhoffen, und durch die Fürsprache von dir erlangen möchten, so bitte ich dich, o gütiger Herr, durch die Verdienste des heute verehrten Heiligen, du wollest auch mir deine Gnade schenken, damit ich seinem unerschütterlichen Glauben, seiner zuversichtlichen Hoffnung und inbrünstigen Liebe gewissenhaft und mit Sorgfalt nachfolge. Gib mir seine tiefe Demut, ihre seine Geduld und seinen Starkmut, sein Verachten aller zeitlichen Freuden und Lüste, und die Gleichförmigkeit mit deinem göttlichen Willen, auf dass ich nach diesem irdischen Leben gleichen Lohn empfange, und mit ihm und allen Auserwählten dich lobe, ehre und liebe in der himmlischen Freude und Seligkeit. Amen.

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60. Gebete für jeden Tag in der Woche

 

Am Montag

 

Danksagung für die Erlösung

 

(Vom heiligen Augustinus)

 

Wenn dein Wort, o mein Gott, nicht Mensch geworden wäre und unter uns gewohnt hätte: so hätte ich verzweifeln müssen über die Menge und Größe meiner Sünden, und über meine treulosen Versäumnisse. Aber nun darf ich nicht mehr zweifeln, denn als wir noch Feinde waren, sind wir durch den Tod deines Sohnes schon mit dir versöhnt worden; um wie viel mehr dann jetzt, da wir durch ihn bereits von deinem Zorn gerettet sind. Wahrlich, meine volle Zuversicht und meine ganze Hoffnung ruht auf dem kostbaren Blut unseres Erlösers, das da um unseres Heiles willen vergossen wurde. Dadurch fange ich an, neu aufzustehen, und im Vertrauen darauf habe ich die Sehnsucht, zu dir zu gelangen, nicht durch meine Gerechtigkeit, sondern durch die Gerechtigkeit deines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn. – Darum danken wir dir, o mein Gott, du gütigster und freundlichster Liebhaber der Menschen, dass du uns durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn, da wir nicht waren, durch deine Allmacht erschaffen, und da wir durch unsere Schuld verloren waren, uns wieder wunderbar erlöst und aufgenommen hast.

 

Ich danke deiner milden Güte, und preise dich vielmal aus ganzem Herzen für deine übergroße Liebe, in der du uns arme, unwürdige Geschöpfe mit so wunderbarer Güte liebtest, dass du deinen eingeborenen Sohn von deinem Himmel in unsere Mitte gesandt hast, um uns Lasterhafte, damals Kinder des Verderbens, selig zu machen. Ich sage dir Dank für seine heilige Menschwerdung und Geburt, und seine glorwürdige Mutter, aus der Jesus, um unseres Heiles willen, Fleisch und Blut anzunehmen sich herabließ, damit er, wahrer Gott aus Gott, auch aus einem Menschen wahrer Mensch würde.

 

Ich danke dir für sein Leiden, für seinen Tod am Kreuz, für seine Auferstehung und Himmelfahrt, und für seine Herrlichkeit zu deiner Rechten, denn als er am vierzigsten Tag nach seiner Auferstehung im Angesicht seiner Jünger über alle Himmel hinauffuhr, und sich zu deiner Rechten setzte, goss er, wie er es verheißen, über alle, die er als Kinder angenommen, den Heiligen Geist aus.

 

Ich danke dir für die unschuldige Vergießung seines kostbaren Blutes, durch das wir erlöst wurden, zugleich auch für das hochheilige lebendig machende Geheimnis seines Fleisches und Blutes, mit dem wir in deiner Kirche täglich gespeist und getränkt, reingewaschen und geheiligt, und der einigen höchsten Gottheit teilhaft werden.

 

Ich sage dir Dank für deine wunderbare und unaussprechliche Liebe, womit du uns Unwürdige also geliebt, und durch deinen geliebten Sohn erlöst hast, denn also hast du die Welt geliebt, dass du deinen eingeborenen Sohn dahingegeben hast, auf dass keiner, der an ihn glaubt, verloren gehe, sondern das ewige Leben erhalte. Das ist aber das ewige Leben, dass wir dich, den wahren Gott, und den du gesandt hast, Jesus Christus erkennen, durch einen wahren Glauben und dem Glauben entsprechende Werke. Amen.

 

Am Dienstag

 

Gebet wider die Versuchung

 

(Vom heiligen Ephräm)

 

Wird meine Seele vom Andrang der Versuchungen geängstigt, so flieht sie, o heiliger Gott, in deine Arme, und ruft mit Tränen zu dir – um Hilfe gegen den Feind und Verderber, und fleht dich in aller Demut an gegen den mich verfolgenden Widersacher. Da sie nun vertrauensvoll zu dir eilt, so erhöre sie ohne Verzug, und da sie mit dem innigsten Liebeseifer sich zu dir flüchtet, so suche sie nur väterlich heim, und sei ihr Beschirmer. Verschmähst du die Bedrängte, dann geht sie zugrunde, und zögerst du, in ihrer Angst ihr beizustehen, dann muss sie verschmachten. Suchst du sie aber heim mit deiner Barmherzigkeit, so ist sie gesund, blickst du sie an, so ist sie gerettet, erhörst du sie, so ist sie gestärkt. Verstoße sie also nicht, damit der Widersacher nicht meint, du hättest ihr den Scheidebrief gegeben und sie entlassen. Sei, o Herr, mein Geleit nach deinem Erbarmen, und überliefere mich nicht den Händen des Verführers. Denn siehe, von Ferne erkenne ich meine Gedanken, und finde in mir nichts Gutes, dass vor deinen Augen Erwähnung verdiente, als dieses einzige, dass ich außer dir niemand kenne. – Ich rufe daher in der Betrübnis und Zermalmung meiner Seele abermals und abermals zu dir, o Herr, und bin gezwungen, gegen meinen Feind, deine Hilfe zu erflehen. Siehe, o Herr, auf mich herab, sei meine Zuflucht, halte von mir ab die Widersacher, die in jeder Stunde mich schrecken, denn sie zerstreuen mich und reißen mich hin zu eitlem Tun. Sie legen mir Fesseln an, und lassen nicht zu, dass ich zu dir flehe. Sie wissen nämlich, dass, wenn ich mit Beten und Weinen zu dir hinaufrufe, sie nicht bestehen können. Was würde ich beginnen, wenn ich gegen einen so mächtigen Feind die Kampfstätte betreten sollte? Wohl mir Glücklichen aber, dass ich durch deine schützende Rechte, o Gott, erhalten und geschirmt werde, die dem siegenden Kämpfer überdies noch Kronen bereitet. Amen.

 

Am Mittwoch

 

Gebet um die Besserung des Lebens

 

(Vom heiligen Petrus Damiani)

 

Gedenke, o Herr Jesus Christus, dass du nicht durch Gott und nicht durch Silber, sondern um den Preis deines heiligen Blutes mich erkauft hast. Und weil du die erschlossene Quelle des Hauses David bist zur Reinwaschung des Sünders, wie sollte ich allein, o Herr, einer solchen Barmherzigkeit entbehren und außer dem Ziel deiner Erlösung stehen? Gütigster Herr, solltest du mich mit dem Kleid deiner Wiedergeburt, das du mir verliehen hast, mit der Fahne des heiligen Kreuzes, das du mir auf die Stirn gedrückt hast, in die Hände des bösen Feindes fallen und samt deinen Ehrenzeichen im ewigen Feuer gequält werden lassen? Ich kenne, o Gott, dein Erbarmen, dass, sobald ich mich vollkommen zu dir bekehre, du mich wieder aufnehmen wirst. Aber da ich so schwach und unwissend bin, dass selbst die Bekehrung durch mich, ohne dich, nicht auf gültige Weise geschehen kann, so bekehre du mich, o Gott, mein Heil, erleuchte und lenke du meine Seele, und entzünde du in mir die Flamme deiner Liebe. Und vielleicht, o gerechtester und barmherzigster Herr, sind meine Sünden so groß, dass keine Buße meinerseits genügt, um sie zu beweinen. Siehe, o Seelenarzt, meinen Körper, durch den ich Elender dich beleidigt habe: Schlage ihn, züchtige ihn, suche ihn heim, mit welchen Schmerzen es dir immer gefallen wird, denn ich bin dein Geschöpf, o mein Schöpfer. Umgib du mich mit denen Geißeln und überliefere mich nicht der Hand meiner Feinde. Oder, ist meine Sündhaftigkeit zu solchem Grad herangewachsen, dass sie nicht mehr in diesem Leben gesühnt werden kann, so lasse, bis zum Tag deines Gerichtes, mich von rächenden Strafen gequält werden, auf dass ich alsdann wenigstens als der Letzte deiner Auserwählten möge erfunden werden.

 

Aber da mein Gebet, aus einem solchen unwürdigen Mund gesprochen, nicht würdig ist, dass es zu dir aufsteige, so flehe ich zu dir, o seligste Jungfrau Maria, du Tempel des lebendigen Gottes, du Hof des ewigen Königs, du Heiligtum des Heiligen Geistes, du Gebenedeite unter den Frauen: Trage du mein Gebet deinem Sohn vor! Ja bete du selbst, flehe du selbst für mich, du, deren Bitten nicht verschmäht, du, deren Gebet vor seinem Angesicht nicht geringer geschätzt wird. Siehe, meine Herrin, ich Unglückseliger bin bei meinem Vergehen ergriffen worden und werde zur Strafe gezogen. Es erhebe sich darum die Königin der Welt, und trete hin zu ihrem Sohn, und befreie mich, den Schuldigen.

 

Eile auch du herbei, heiliger Michael, du Fürst der himmlischen Heerscharen, der du am Jüngsten Tag den Antichrist, wenn er kühn wider Gott sich erhebt, zernichten wirst, stürze ihn jetzt schon, weil er nach der Herrschaft in meinem Herzen strebt. Befreie meine Seele von der Versuchung, solange sie in diesem Körper lebt, damit du, wenn ich je sterbe, sie würdig ihrem Schöpfer vorzuführen vermögest.

– Helfe auch du mir, o heiliger Gabriel, der du beschließt die himmlischen Ehen, errette mich elenden Sünder durch dein Gebet, der du gesandt wurdest, um denjenigen zu verkünden, der in die Welt kommen sollte, damit er befreie die Sünder und Elenden.

– Heile auch du meine kranke Seele, o heiliger Raphael, der du von Sara den Satan ausgetrieben und dem Tobias seine verlorenen Augen wiedergegeben hast. Verbanne auch aus meiner Seele den bösen Geist, der strebt, sie von ihrem Bräutigam Jesus Christus zu trennen, und überströme mein blindes Herz mit dem Glanz des Lichtes.

 

Bittet für mich auch, ihr heiligen Engel alle, ihr heiligen Erzengel alle, ihr heiligen Kräfte alle, ihr heiligen Mächte alle, ihr heiligen Fürstentümer alle! Bitte für mich, o heiliger Chor der Thronen! Bitte für mich, o heiliger Chor der Cherubim! Bitte für mich, o heiliger Chor der Seraphim! Bittet für mich ihr heiligen Patriarchen und ihr heiligen Propheten alle! Es bitte für mich die richterliche Versammlung der Apostel! Es bitte für mich der glänzende Chor der Martyrer! Es sollen bitten für mich die heiligen Bekenner und die heiligen Jungfrauen alle! Ja bittet, für mich Elenden und gänzlich Verlorenen, ihr Heiligen Gottes alle! Und wo ist eine so grauenvolle Menge von Sünden, dass sie nicht durch die Fürsprache so vieler himmlischer Herrscher getilgt werden könnte? Denn nicht möglich ist, dass ihr leer wäret von Erbarmen, da ihr mit der Quelle der Barmherzigkeit untrennbar vereinigt seid!

 

Ich weiß, o Herr, dass ich nicht verdiene, die Schwelle deiner heiligen Kirche zu berühren, noch meine unseligen Augen zum Himmel zu erheben. Ich bin unwürdig, deinen gepriesenen und ruhmvollen Namen mit meinen befleckten und unreinen Lippen auszusprechen. Aber es komme, ich bitte darum, dein Geist in meine Seele, und reinige mich von allen Brandmalen. Ach, wenn die Sonne am Himmel, die nicht einmal eines deiner höheren Geschöpfe ist, solche Kräfte hat, dass sie den Schlamm tilgt, die Welt erleuchtet und den Boden befruchtet: um wie viel mehr wird dein Geist, der gleich ewig und gleichen Wesens mit dir ist, mir, diesem schon verdorrenden und entlaubten Baum, sobald er ihn zu suchen sich gewürdigt, alsbald wieder zum Leben erwecken. Auch wird es ihm nicht an Macht fehlen, ihn mit Blüten der Tugend und mit dem Schmuck reifender Früchte zu bekleiden.

 

Komm, o Herr Jesus, komm, o süßer Bewohner, in mich! Komm, ich bitte dich, und nimm mich gänzlich so in Besitz, dass fortan der böse Geist an mir keinen Anteil mehr habe. Weihe mich vollkommen zu deinem Tempel ein, denn du bist mein Herr und mein Gott, der du mit dem Vater und dem Heiligen Geist lebst und regierst von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

Am Donnerstag

 

Anbetung Jesu im allerheiligsten Altarsakrament

 

(Vom heiligen Ludwig von Granada)

 

O mein Jesus, lieben will ich dich, du, mein Gott, und mein alles. Lieben will ich dich, du, meine Stärke. Lieben will ich dich, du Kraft meiner Seele. Immerdar will ich dich leben, du unaussprechliche Freude meines Herzens. Nicht mir, dir will ich die ganze Zeit meines Lebens leben, das du, als es durch mein großes Elend verloren war, durch deine Barmherzigkeit erneuert hast. Mein Erneuerer bist du, denn du erneuerst die menschliche Natur, die durch die Sünde von Grund aus geschwächt und verderbt war. Du bist mein Befreier, denn durch die Fesseln, mit denen du selbst dich binden ließest, befreitest du mich von der Knechtschaft der Sünde, des Todes, der Hölle und des Teufels, des grausamsten aller Tyrannen. Du bist mein Erlöser, denn um den Preis deines, alle Schätze überwiegenden, hochheiligen Blutes hast du aus der Gefangenschaft mich erlöst, in die ich durch die Sünde geraten war. Du bist mein König, denn durch deinen Geist lenkst du mich, für mich kämpftest du, und gabst mir Errettung aus den Händen meiner Feinde. Du bist mein Priester, denn du flehtest, und noch stehst du vor dem Antlitz deines ewigen Vaters unablässig für mich. Du bist mein Opfer, denn dich selbst opfertest du für mich auf dem Altar des Kreuzes, damit du liebreich meine Verbrechen sühntest. Du bist mein Mittler, denn du bist Gott und Mensch: als wahrer Mensch bist du ein Freund der Menschen, als eingeborener Sohn Gottes allvermögend bei Gott, und deshalb auch allein fähig, als Mittler zwischen Gott und die Menschen zu treten. Du bist mein Haupt, und das Haupt der ganzen Kirche, denn als wahres Haupt erteilst du ihr und allen ihren Gliedern: Gnade, Leben und geistigen Sinn. Du bist meine Ehre und mein Ruhm, denn für mich wurdest du Mensch und machtest zu deinem Bruder mich, den du zum Gefährten deiner Natur erhobst. Sei gelobt und angebetet im allerheiligsten Altarsakrament in Ewigkeit. Amen.

 

Gebet wider die Verunehrungen des heiligen Altarsakramentes

 

(Von der heiligen Theresia)

 

Was ist doch dies, o du mein Herr und Gott? Entweder mache der Welt ein Ende, oder hilf so schauderhaften Entehrungen ab, die dem heiligen Altarsakrament angetan werden, denn sogar unter uns bösen Menschen gibt es kein Herz, das solches ertragen könnte. O himmlischer Vater, ich bitte dich, du wollest es doch nicht länger erdulden, dämpfe dieses weit um sich greifende Feuer, denn du kannst es tun, wenn du willst. Siehe, dein Sohn ist noch in der Welt. Lasse doch, um seiner Ehre willen, um seiner Schöne und Lauterkeit willen, so hässliche, erschreckliche und abscheuliche Übel ein Ende nehmen, denn es ist unbillig, dass seine Schöne und Lauterkeit in einer Wohnung länger bleibe, wo solche Gräuel getrieben werden. Tue es nicht wegen unser, die wir dessen nicht wert sind, sondern um deines Sohnes willen, denn wollten wir auch bitten, dass er aufhören möchte, hienieden bei uns zu bleiben: so dürften wir es schon nicht tun, weil er es von dir erhalten hat, dass du ihn für diesen heutigen Tag, der so lange dauert, als die Welt steht, hier bei uns wollest bleiben lassen, und weil sonst alles zugrunde gehen müsste. Wie würde es dann uns ergehen? Denn gibt es etwas, was dich versöhnen kann: so ist es dies, dass wir ein so kostbares Pfand bei uns haben. Es muss ja hier einmal ein Rettungsmittel erfunden werden: und dieses wolle deine göttliche Majestät verschaffen. O mein Gott, könnte ich doch inbrünstig und kräftig dich bitten, und hätte ich dir doch recht viel gedient, damit ich diese große Gnade von dir zur Belohnung meiner Dienste erbitten dürfte, weil du nichts unbelohnt lässt. Aber ich finde so etwas nicht bei mir, und vielleicht ist es meine Seele, die dich so sehr beleidigt hat, dass wegen ihrer Sünden alle diese Übel über uns kommen. Was soll ich aber tun, o mein Schöpfer, als dass ich dir dieses allerheiligste Brot vorstelle. Du hast es uns zwar gegeben, aber ich gebe es dir wieder, und bitte dich mit aller Demut, durch die Verdienste deines geliebten Sohnes, dass du mir diese Gnade erweisen wollest, denn er hat es auf so vielfältige Weise verdient. Gebiete o Herr, dass dieses ungestüme Meer sich einmal lege, und hilf uns, o Herr, denn wir gehen sonst zugrunde. Amen.

 

Am Freitag

 

Meine Erquickung kommt aus den Wunden Jesu

 

(Vom heiligen Augustinus)

 

Aus Liebe kam Gott zu den Menschen, in den Menschen, und wurde selbst ein Mensch. Aus Liebe wurde der unsichtbare Gott seinen Knechten gleich, und aus Liebe wegen unserer Sünden verwundet. In den Wunden des Erlösers finden die Schwachen und Sünder eine sichere und unzerstörbare Ruhestätte. Ich wohne da unangefochten. Durch seine Wunden habe ich Zutritt zu seiner Barmherzigkeit. Was mir nur immer mangelt, das erhalte ich von der Barmherzigkeit meines Herrn, denn sie ist reich an Segnungen, und es fehlt nicht an Öffnungen, durch die ich sie empfangen kann. Durch die geöffneten Wunden seines Leibes steht mir erschlossen das Innerste seines Herzens – das große Geheimnis der Gnade, womit er uns, vom Himmel herabkommend, heimgesucht hat. Durch diese Wunden ist mir erlaubt zu kosten, wie süß der Herr, mein Gott ist, denn er ist wahrlich süß und mild für alle, die in Wahrheit bei ihm Hilfe suchen und ihn lieben. In den Wunden Christi, unseres Erlösers, ist mir reichliche Erlösung, ein Überfluss der Gnade, und die Kraft zu einem ihm wohlgefälligen Leben gegeben worden. Plagt mich ein böser Gedanke, so fliehe ich zu den Wunden Jesu. Drückt mein Fleisch mich nieder, so richte ich mich durch die Betrachtung der Wunden meines Herrn wieder auf. Wenn der Versucher mir Fallstricke legt, eile ich zur geöffneten Seite meines barmherzigen Heilandes, und der Versucher weicht von mir. Will das Feuer der Wollust meine Glieder entflammen, so dämpfe ich es mit den Gedanken an die Wunden des Sohnes Gottes, meines Herrn. In allen meinen Anfechtungen finde ich kein so wirksames Gegenmittel, als die Wunden Jesu sind. In diesem raste ich ohne Furcht und schlafe ich sicher. Christus ist für uns gestorben. Nichts kann dem Tod so nahe sein, was der Tod Jesu nicht rettete. Im Tod meines Herrn ist meine ganze Hoffnung. Dieser Tod ist mein Verdienst, meine Zuflucht, mein Heil, mein Leben und meine Auferstehung. Ja, Gottes Erbarmen ist mein Verdienst. In den Wunden meines Seligmachers will ich leben und sterben. Amen.

 

Am Samstag

 

Gebet beim Gedanken an das Gericht

 

(Vom heiligen Augustinus)

 

Gott aller Mächte, Herr, dessen Erbarmen die Bosheit der Welt weit übertrifft, ich weiß es: öffentlich wirst du als Richter kommen. Du wirst dann nicht mehr schweigen, wenn du Himmel und Erde zum Gericht deines Volkes rufst. Und siehe, vor so vielen tausend Völkern werden dann alle meine Sünden offen liegen. Vor so vielen Heerscharen der Engel werden aufgedeckt meine Missetaten, und zwar nicht nur jene, die ich in äußerlichen Werken, sondern auch die ich in Gedanken und Worten vollbracht habe. Alle, die mir im Guten vorangegangen sind, werden vor mir Hilflosen als Richter dastehen. Von so vielen Anklägern werde ich beschämt werden, als viele ihr gutes Beispiel vor mir leuchten ließen. Mit so vielen Zeugen werde ich überwiesen werden, als viele mich zum Guten ermuntert, und mir ihre Gerechtigkeit zur Nachahmung vorgestellt haben. Mein Gott, ich weiß nicht was ich sagen soll, ich finde nichts zu meiner Rechtfertigung. Und da ich so schon gleichsam von jenem schrecklichen Gericht stehe, so ängstigt mich das Gewissen, und meine verborgenen Sünden martern mich. Die Unersättlichkeit meiner Begierden peinigt mich, und meine Hoffart klagt mich an. Der Neid verzehrt mich, und die Begierlichkeit brennt in mir. Die Wollust quält und die Unmäßigkeit entwürdigt und schändet mich. Die Verleumdung verwundet und die Ehrsucht macht mich straucheln. Der Hang nach fremden Gut verurteilt mich, und die Uneinigkeit zerstört mich. Der Zorn verwirrt mich, und der Leichtsinn schlägt mich nieder. Die Trägheit vernichtet, die Heuchelei betrügt, falsche Gunst erhebt und die Missachtung verwirft mich. Alles verdammt mich nun, dem ich mit Liebe ergeben war, und was ich einst hochpries, tadelt mich jetzt. O mein Gott, meine Stärke! Vor deinen Augen kann kein Sterblicher sich rechtfertigen. Du, meine Hoffnung, es ist nicht ein Mensch, der vor dir gerecht erfunden würde, wenn du ihn nicht mit den Augen deiner Barmherzigkeit ansiehst. Und wenn du dem Sünder nicht mit deiner Erbarmung zuvorkommen würdest, so wäre nicht einer, den du als Gerechten verherrlichen könntest. Ich glaube aber, o meine Hoffnung, was ich gehört habe, denn deine Liebe hat mich zur Buße gezogen. Ich glaube an die wunderbaren Worte deines Mundes: „Niemand kann zu mir kommen, es sei denn, dass ihn mein Vater ziehe, der mich gesandt hat.“ Da du mich denn gerufen und so liebreich unterwiesen hast, so rufe ich aus dem Grunde meines Herzens, und aus allen Kräften mit deinem geliebten Sohn zu dir, allmächtiger Vater, ich rufe mit dem reinsten Geist, dem Tröster: Ziehe mich, dass ich gern dem wunderbaren Duft deiner Salbungen nacheile. Amen.

 

Beten zur allerseligsten Jungfrau Maria

 

(Vom heiligen Franziskus von Assisi)

 

Heilige Jungfrau Maria, dir ist keine unter den Frauen in der Welt gleich, du Tochter und Magd des höchsten Königs, des himmlischen Vaters, du heiligste Mutter unseres Herrn Jesus Christus, du Braut des Heiligen Geistes. Bitte für mich mit dem heiligen Erzengel Michael, mit allen Kräften des Himmels und mit allen Heiligen deines heiligsten Sohnes, unsern geliebten Herrn und Meister. Amen.

 

Grußgebete an Maria

 

(Von der heiligen Mechthild)

 

Sei gegrüßt, o Tochter des ewigen Vaters, die er von Ewigkeit erwählt, mit großer Macht begabt, und über alle Kreaturen erhoben hat. In Demut rufe ich zu dir, o Maria, dass, gleichwie der ewige Vater dir vor allen besondere Gewalt erteilt hat, also auch du in der Stunde meines Todes mir hinreichende Stärke über den Feind meines Heils erwirken wollest, auf dass ich ihn überwinde und siegreich zu meinem Schöpfer und ewigen Herrn gelange. Amen.

Sei gegrüßt, o Mutter des eingeborenen Sohnes Gottes, die er von Ewigkeit erwählt und mit besonderem himmlischen Licht erleuchtet hat. In Demut rufe ich zu dir, o Maria, dass, gleichwie die ewige Weisheit, dich, vor allen anderen Geschöpfen, so wunderbar mit göttlichem Licht begnadet hat, also auch du in der Stunde meines Todes das gnadenreiche Licht des Glaubens mir erbittest, damit der Fürst der Finsternis auf keine Weise meinen Verstand durch Irrtum verdunkle, und vom wahren Glauben und vom rechten Weg der Seligkeit mich abwende. Amen.

Sei gegrüßt, o Braut des Heiligen Geistes, die er von Ewigkeit erwählt und mit dem Feuer seiner ewigen Liebe entzündet hat. In Demut rufe ich zu dir, o Maria, dass, gleichwie die Liebe des Heiligen Geistes so reichlich in dein Herz gegossen ward, also auch du mir durch deinen mächtigen Schutz erwirken wollest, dass, in der Stunde meines Todes, mein Herz von aller Liebe zur Welt abgezogen, und mit göttlicher Liebe erfüllt und erquickt werde, damit ich vor meinem Hinscheiden Gott mit inbrünstiger Liebe empfange und ewig besitze. Amen. 

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61. Das Vaterunser poetisch aufgesetzt

 

(Friedrich Spee SJ, 25. Februar 1591 - 7. August 1635 - heiligmäßig)

 

Eingang

 

Ach, Vater, hoch entwohnet

Ob allen Lüften weit,

Allda dir Sonn und Monet

Gar tief zun Füßen leit;

Nimm auf von mir Geringen,

Ja, nimm die Seufzer an,

So mir von Herzen dringen

Durch leere Wolkenbahn.

 

Die erste Bitte

 

Ach, würd nur stets gepriesen

Nur dein so schöner Nam,

Wann spät sich hat gewiesen

Der nächtlich Sternenkram,

Wann früh dann auch erschienen

Der täglich Glanz und Glast

Und uns mit Freuden dienen

Sonn, Mond ohn Ruh und Rast.

 

Dich alle Stund und Uhren,

Ich wollt von Herzen mein,

All deine Kreaturen

Recht lobten insgemein.

O Gott, lass dir zu Ehren

Erd, Himmel springen auf,

Will ja mich nicht beschweren,

Ichs mit dem Hals erkauf.

 

Die zweite Bitte

 

Nun stinket mir auf Erden

Die Welt und weltlich Pracht,

Nach Wagen, Kutsch und Pferden

Gold, Geld nicht geizig tracht.

Ach, nur das Reich dort oben,

Die runden Tempel dein,

Uns räum doch unverschoben

Nach diesem Leben ein.

 

Die dritte Bitte

 

Weil unterdes wir nießen

Den süßen Sonnenschein,

Wollt ich, wir nie verließen

Den mindsten Willen dein.

Gar oft ich wünsch von Herzen,

Gestrenger Herr und Gott,

Nie keiner wollt verscherzen

Auf Erden dein Gebot.

 

Die vierte Bitte

 

Dich auch wir weiters bitten

Um Nahrung, Speis und Brot,

Dass je doch bleib vermieden

Die saure Tafelnot.

Aus deiner Hand ja prasset

Die nackend Rabenzucht

Und weiß, auf dich gepasset, 

Von keiner Mangelsucht.

 

Die fünfte Bitte

 

Nicht ruck zu Sinn mit Grimmen

Die Sünd und Sündenschuld,

Uns mach in Zähren schwimmen,

Hab wenig noch Geduld.

O Gott, so du mit Augen

Die Sünd wolltst schauen an,

Würd gar für uns nicht taugen,

Nie könnten wir bestahn.

 

Die sechste Bitte

 

Das Fleisch mit süßen Pfeilen

Uns trifft in süßem Blick,

Die Welt von seiden Seilen

Uns macht gar sanfte Strick;

Der Satan uns mit Ehren,

Mit Kron und Zepter ladt,

Versuchung tut sich mehren,

Hilf, hilf, gib Rat und Tat!

 

Die siebte Bitte

 

Ja, mild und frommer Vater,

Ja, Vater, Vater fromm,

Der höllisch Drach und Natter,

Schaff, nie zu Kräften komm.

Vor seinem Gift und Flammen,

Vor Seel- und Leibsgefahr

Erhalt uns allesammen

Ohn Übel immerdar.

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62. Gebet zur Jungfrau Maria

 

(Vom heiligen Bernhard)

 

Gebenedeite Jungfrau Maria, gib kund deine Milde der Welt, gib kund deine Gnade, die du bei Gott gefunden hast. Erbitte durch dein heiliges Gebet: Gnade dem Schuldigen, Genesung dem Kranken, Kraft dem Kleinmütigen, Trost dem Betrübten, und Hilfe dem mit Gefahr Bedrohten. Auch mir, deinem Diener, der ich deinen liebsten Namen anrufe, spende durch dich, mildeste Königin, seine Gnade dein Sohn, unser Herr und Gott Jesus Christus, der in Ewigkeit gepriesen sei. 

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63. Gebet zum heiligen Schutzengel

 

(Vom heiligen Alphons von Liguori)

 

Ich danke dir, mein heiliger Schutzengel, für die heiligen Einsprechungen, mit denen du mich heute erleuchtet hast. Hätte ich doch immer deinen Rat befolgt. Fahre fort, meinen Verstand zu erleuchten, mache mir Vorwürfe, wenn ich fehle, und verlasse mich jetzt nicht, und besonders nicht in der letzten Stunde meines Lebens.

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64. Gebet zu Gott vom heiligen Martian

 

Gedenke auch, Gott, aller deiner Gläubigen und erbarme dich des christlichen Volkes. Beschütze den priesterlichen Stand, die geistlichen Gemeinden in deinem heiligen Dienst. Kräftige alle, die arbeiten, tröste die Traurigen, verleihe den Kranken Gesundheit des Leibes und der Seele, spende den Armen und Dürftigen, was ihnen zu diesem Leben notwendig ist. Gib den Pilgern und Verbannten eine fröhliche Rückkehr, und vergilt als ein gütiger Vater durch deine Gnade allen, die ich heute betrübte, ärgerte und beeinträchtigte. Bessere jene, die irren, bekehre die Ungläubigen zum Glauben. Führe die Irrgläubigen zur Einheit der heiligen Kirche, und zeige ihnen das Licht der Wahrheit. Spende den Sündern wahrhafte Buße, und verleihe den Gerechten, in ihren guten Vorsätzen auszuharren. Gib meinen Eltern, Verwandten, Freunden und Feinden, Nachbarn und Wohltätern, so wie auch allen, die für mich beten, und sich in mein Gebet empfohlen haben, alles Gute, beschütze sie vor allem Übel, und stärke sie, dass sie in deinem Dienst bleiben bis an das Ende, und, nach Verlauf dieses Elends, zu dir, dem wahren Vaterland, dem ewigen Lohn und der endlosen Glorie aller Heiligen gelangen. Amen. 

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65. Gebet zu Maria vom heiligen Alphons von Liguori

 

Mutter der Barmherzigkeit, weil du so gütig bist und so sehr wünschst, uns Elenden Gutes zu tun und unsere Bitten zu erfüllen, so nehme ich, der Elendste von allen, heute zu dir meine Zuflucht, und bitte dich, mir meine Bitte zu gewähren. Mögen andere was immer suchen, Gesundheit des Leibes, Gewinn und Vorteile auf Erden. Ich, o meine Königin, ich bitte dich um nichts anderes, als um das, was du selbst wünschst, dass ich es besitze, und was deinem heiligsten Herzen am wohlgefälligsten ist. Du bist so demütig, erlange mir also eine große Demut, und den innigen Wunsch, von anderen missachtet zu werden. Du warst so geduldig in den Leiden dieses Lebens, erlange auch mir die Geduld in den Schwierigkeiten. Du warst so erfüllt in der Liebe zu Gott, erlange mir auch die große Gabe der heiligen und reinen Liebe Gottes. Dein Herz war von Liebe zum Nächsten beseelt, mache, dass auch ich alle Menschen liebe, und besonders jene, gegen die ich die meiste Abneigung empfinde. Dein Wille war ganz mit dem Willen deines Gottes vereinigt, erlange auch mir eine vollkommene Ergebung bei allem, was Gott über mich verhängt. Du, Maria, du warst das Heiligste unter den Geschöpfen, bewirke, dass auch ich heilig werde. Dir fehlt nicht die Liebe zu uns, aber siehe, meine liebe Mutter, dieses Vertrauen und diese Sorgfalt, zu dir meine Zuflucht zu nehmen, musst du mir auch noch erlangen. Um diese beiden Gnaden bitte ich dich, und voll Zuversicht erwarte ich sie von dir. Maria, meine Mutter, meine Hoffnung, meine Liebe, mein Leben, meine Zuflucht, mein Beistand und mein Trost, stehe du mir bei. Amen. 

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Heiliger Antonius, bitte für uns!

 

66. Gebet zu Maria vom heiligen Bernhard

 

Wir heben unsere Augen zu dir empor, o Königin der Welt. Nachdem wir so viele Sünden begangen haben, müssen wir vor unserem Richter erscheinen: wer wird ihn besänftigen. Niemand ist, der es besser tun könnte, als du, o heilige Gebieterin, die du ihn so innig liebst, die du so sehr von deinem Sohn Jesus Christus geliebt wirst. Öffne denn also, o Mutter der Barmherzigkeit, die Ohren deines Herzens unseren Seufzern und unserem Gebet. Siehe, wir flüchten unter deinen Schutz; besänftige den Zorn deines Sohnes und bewirke, dass er uns wieder in Gnaden annehme. Du verabscheust den Sünder nicht, er möge auch noch so verabscheuungswürdig sein; du wendest dich nicht von ihm ab, wenn er zu dir seufzt, wenn er reuevoll dich um deine Fürbitte anfleht. Du befreist ihn mit deiner milden Hand, und bewahrst ihn vor Verzweiflung; du flößt ihm Mut ein, von neuem zu hoffen, du stärkst ihn und verlässt ihn nicht eher, bis du ihn mit seinem Richter versöhnt hast.

 

Du bist die einzige Jungfrau, in der der Heiland einen Aufenthalt fand, in der er seiner Gnaden Schätze ohne Maß niedergelegt hat. Deshalb, o heilige Jungfrau, verehrt die ganze Welt dich als den Tempel Gottes, in dem das Heil der Welt begonnen hat. Du bist der schöne Garten, in dem der Herr alle Blumen gepflanzt hat, die die heilige Kirche zieren, und unter andern das Veilchen der Demut, die Lilie der heiligen Reinheit, die Rose der Liebe zu Gott. Womit könnte man dich nur vergleichen, Mutter der Gnade. Du bist ein Paradies Gottes. In dir ist die Quelle lebendigen Wassers entsprungen, die die ganze Erde befruchtet hat.

 

Von dir ist die Rede, wenn es heißt: „Wer ist jene, die wie die aufsteigende Morgenröte hervorkommt, schön wie der Mond, auserkoren wie die Sonne!“ Du bist also in der Welt erschienen, o Maria, wie ein leuchtendes Morgenrot, denn durch das Licht deiner Heiligkeit bist du der Sonne der Gerechtigkeit vorangegangen. Der Tag, an dem du in der Welt erschienen bist, kann mit Recht ein Tag des Heils, ein Tag der Gnade genannt werden. Ja, du bist schön wie der Mond, denn gleichwie es keinen Himmelskörper gibt, der der Sonne ähnlicher wäre als der Mond, so gibt es auch kein Geschöpf, das Gott ähnlicher wäre, als du. Der Mond erleuchtet die Nacht durch das Licht, das er von der Sonne empfängt, auf gleiche Weise erleuchtest du auch unsere Finsternis durch das Licht deiner Tugenden. Doch du bist weit schöner als der Mond, denn in dir findet sich kein Flecken und kein Schatten. Du bist auserwählt wie die Sonne, ich meine die unsichtbare Sonne, die die Sonne, die uns erleuchtet, erschaffen hat. O schöne, o ganz liebenswürdige Maria, es ist unmöglich, dass jemand deinen Namen ausspricht, ohne dass du sein Herz mit deiner Liebe entzündest. Es ist unmöglich, dass diejenigen, die dich lieben, an dich denken, ohne dass der Wunsch, dich noch mehr zu lieben, in ihnen vermehrt wird.

 

O heilige Königin, hilf unserer Schwachheit. Wer wäre wohl geeigneter, sich bei Jesus Christus für uns zu verwenden, als du, die du seinen wunderbaren Umgang genießt. Rede, rede, o meine Gebieterin, denn dein Sohn erhört dich, und du erlangst alles, um was du ihn – für uns – bittest. Amen. 

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67. Bittseufzer zu Jesus, Maria und Joseph

 

Ihr drei allerheiligste und in Ewigkeit gebenedeite Personen, Jesus, Maria und Joseph. Ich grüße und ehre euch, und erfreue mich von ganzem Herzen wegen eurer großen Tugend und Heiligkeit. Wenn ich eure wunderbaren Namen höre, so freut sich mein Herz, und mein Gemüt wird in Liebe zu euch entzündet. Denn ihr seid meine allerliebsten Freunde und meine sicherste Zufluchtsstätte in jeder Trübsal und Not. Ihr drei mächtigsten Nothelfer, Jesus, Maria und Joseph. Ich rufe euch vom innersten Grund meines Herzens an, und bitte euch demütig um Hilfe und Beistand in allen meinen Ängsten und Gebrechen. Jesus, Maria und Joseph, euch empfehle ich all mein Tun und Lassen. Jesus, Maria und Joseph, euch empfehle ich mein Leben und Sterben. In eure seligen Hände und treue Bewahrung empfehle ich meine letzte Stunde, und besonders den verhängnisvollen Augenblick, an dem die ganze Ewigkeit hängt. Durch eure wunderbaren Namen und herzliche Liebe, und durch alle Freude und Leid, die ihr auf Erden miteinander gehabt und ausgestanden, bitte ich euch, verlasst mich nicht in dieser meiner Not, sondern steht mir treu bei als wahre, treuherzige Freunde. In eurer seligen Gegenwart und unter eurem Schutz und Geleit wünsche ich zu sterben und eure wunderbaren Namen dann bittend anzurufen. Weil ich aber vielleicht wegen Schwäche es dann nicht tun werde, so rufe ich euch jetzt schon im Voraus an und spreche andächtig mit Herz und Mund: Jesus, Maria und Joseph, steht mir bei. Jesus, Maria und Josef, verlasst mich nicht. Jesus, Maria und Joseph, in eure Hände empfehle ich meinen Geist. Amen. 

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68. Tägliches Gebet zu Maria

 

Allerseligste Jungfrau Maria, göttliche Mutter meines Erlösers, du meine höchste Gebieterin und meine sicherste Zuflucht, nimm mich heute unter deinen besonderen Schutz auf. Sieh, mit blindem, aber wohl gegründetem Vertrauen werfe ich mich in deine mütterlichen Arme. Sei doch, ich bitte dich inständigst, meine Stütze und meine Hoffnung in allen schwierigen Umständen, mein Trost in der Betrübnis und Not, meine Stärke in Trübsalen und Widerwärtigkeiten. Erhalte mir die Gnade, den mühsamen Lauf des Lebens glücklich zu vollenden. Streite und kämpfe für mich, und erlange mir die Krone der Unsterblichkeit. Im schrecklichen Augenblick meines Übergangs in die Ewigkeit sei mehr als je meine Mutter, meine Beschützerin und Fürsprecherin, und führe du mich selbst an den ewigen Thron deines Sohnes, meines strengen Richters, damit ich Gnade und Barmherzigkeit erlangen und dich samt ihm in alle Ewigkeit loben, preisen und verherrlichen möge. Amen. 

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69. Andacht des ehrw. Paters Nicolaus Zucchi SJ

zur allerseligsten Jungfrau gegen alle bösen Gedanken

 

Meine allerliebste Mutter, heilige Jungfrau Maria, siehe, ich, dein Pflegekind, fliehe unter deinen Schutz und Schirm gegen alle Sünden und Versuchungen. Ich schenke dir meine Augen, meine Ohren, meine Zunge, meine Hände und mein Herz, auf dass du sie vor aller Sünde bewahrst. Hilf mir, o Mutter, dass ich niemals Jesus, deinen Sohn, meinen Gott, beleidige. Wenn ich versucht werde, will ich allezeit zu dir beten und rufen: Heiligste Jungfrau, ich leide Versuchung, stehe mir bei, ich gehöre gänzlich zu Jesus und Maria, denen ich mich auf ewig geschenkt habe.

 

Bete hierauf dreimal den Englischen Gruß und:

 

Durch deine heilige Jungfräulichkeit und unbefleckte Empfängnis, o reinste Jungfrau Maria, reinige mein Herz, Leib und Seele. Im Namen Gottes des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.

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70. Bitten zur allerseligsten Jungfrau Maria für die Wochentage

 

Vom heiligen Alphons von Liguori

 

Am Montag

 

Bitten um Vergebung der Sünden

 

Du siehst hier, geliebte Mutter meines Gottes, zu deinen Füßen einen elenden Sünder, der zu dir seine Zuflucht nimmt und der auf dich vertraut. Zwar verdiene ich nicht, dass du mich auch nur eines Blickes würdigst, aber ich weiß, dass, weil dein göttlicher Sohn gestorben ist, um die Sünder selig zu machen, du nichts mehr wünschst, als ihnen zu helfen. Mutter der Barmherzigkeit, sieh auf mein Elend und erbarme dich meiner. Ich höre, wie alle dich eine Zufluchtsstätte der Sünder, eine Hoffnung der Verzweifelten, den Beistand der Verlassenen nennen: so sei denn auch meine Zuflucht, meine Hoffnung, mein Beistand. Durch deine Fürsprache musst du mich retten. Eile mir zu Hilfe aus Liebe zu Jesus. Reiche deine Hand einem Unglücklichen, der unter der Last seiner Sünden erliegt und der sich dir anempfiehlt. Ich weiß, dass es dir Trost gewährt, wenn du einem Sünder aus allen deinen Kräften beistehen kannst. Hilf mir denn also jetzt, da du mir helfen kannst. Durch meine Sünden habe ich die Gnade Gottes verloren und meine Seele in das Verderben gestürzt. Ich übergebe mich jetzt deinen Händen. Sage du mir, was ich zu tun habe, um wieder in den Stand der Gnade Gottes zu gelangen, denn ich bin entschlossen, sogleich alles zu tun, was du mir befiehlst. Gott will, dass ich mich an dich wende, er will, dass ich dein Erbarmen anflehe, damit nicht nur die Verdienste deines Sohnes, sondern damit auch dein Gebet mir helfe und mich vom ewigen Verderben errette. Ich nehme denn also zu dir meine Zuflucht, Maria, du betest für so viele andere, bitte denn auch Jesus für mich. Sage ihm, er möge mir auch vergeben, denn alsdann verzeiht er mir gewiss. Sage ihm, dass du mein Heil wünschst, denn alsdann werde ich sicher gerettet. Zeige der Welt, wieviel Gutes du denen erweist, die auf dich vertrauen. So hoffe ich. So sei es. Amen.

 

Am Dienstag

 

Bitten um die Gnade der Beharrlichkeit

 

Königin des Himmels, nachdem ich eine Zeitlang ein Diener des bösen Feindes gewesen bin, weihe ich mich jetzt für immer zu deinem Diener, und ich mache mich verbindlich, dich mein ganzes Leben hindurch zu verehren und dir stets zu dienen. Nimm du mich denn also gütig an und verstoße mich nicht, wie ich es verdient habe. Meine Mutter, auf dich habe ich alle meine Hoffnung gesetzt, von dir erwarte ich mein Heil. Ich lobe und danke Gott, der mir aus lauter Barmherzigkeit dieses Vertrauen zu dir eingeflößt hat, denn ich halte es für eine große Versicherung, dass ich dereinst selig werde. Ich Elender bin früher in die Sünde gefallen, weil ich es unterlassen habe, meine Zuflucht zu dir zu nehmen. Jetzt hoffe ich, dass mir Gott, um der Verdienste Jesu Christi und um deines Gebetes willen, vergeben hat. Aber ich kann von neuem die Gnade Gottes verlieren, denn die Gefahr hat nicht aufgehört und meine Feinde wachen noch. Wie viele Versuchungen bleiben mir noch zu besiegen. Meine liebste Königin, stehe mir bei und gestatte nicht, dass ich von neuem ein Diener der Sünde werde. Stehe du mir immer bei. Ich weiß, dass, wenn ich mich dir anempfehle, du mir beistehen wirst, und dass ich mit deinem Beistand siegen werde. Ich bitte dich also um die Gnade, dass ich dich in allen Versuchungen anrufe. Bewirke mir, dass ich bei allen Angriffen der Hölle immer zu dir meine Zuflucht nehme und ausrufe: Hilf mir, Maria, meine Mutter. Gestatte nicht, dass ich durch die Sünde von neuem Gott verliere. Amen.

 

Am Mittwoch

 

Bitten um einen glücklichen Tod

 

Maria, wie wird mein Tod beschaffen sein? Angst und Furcht befällt mich, wenn ich an meine Sünden und zugleich an den schrecklichen Augenblick denke, der über meine ewige Seligkeit, der über meine ewige Verdammnis entscheidet, wenn ich an die letzte Stunde meines Lebens denke, auf die das Gericht folgt. Meine liebste Mutter Maria, ich setze alle meine Hoffnung auf das Blut Jesu Christi und auf deine Fürsprache. Trösterin der Betrübten, verlasse du mich nicht, tröste du mich in der großen Not, in der ich mich alsdann befinden werde. Wenn schon jetzt die Gewissensbisse über die von mir begangenen Sünden, die Ungewissheit, ob Gott sie mir vergeben hat, die Gefahr, von neuem in Sünde zu fallen, und die Strenge der göttlichen Gerechtigkeit mich so entsetzlich peinigen: was werde ich dann erst in meiner Todesstunde zu erdulden haben? Ach, ohne dich würde ich verzweifeln. Erbitte mir denn also, geliebte Königin, noch ehe meine Todesstunde eintrifft, einen großen Schmerz über meine Sünden, aufrichtige Besserung und Beharrlichkeit im Dienst Gottes. Und wenn der letzte Augenblick meines Lebens gekommen ist, so hilf du mir, o Maria, meine Hoffnung, in der großen Not, die alsdann mich überfallen wird. So stärke du mich, damit ich, - beim Hinschauen auf meine Sünden, die der Geist der Finsternis mir dann vor die Augen stellen wird, nicht verzweifle. Erlange du mir die Gnade, dass ich dich dann mehr und mehr anrufe, damit, wenn ich den Geist aufgebe, ich noch zuletzt deinen und deines Sohnes Namen auf den Lippen habe. Maria, meine Augen werden dich in meiner Todesstunde suchen, lasse mich dann nicht trostlos und umsonst nach dir blicken. Stehe mir vom Himmel herab bei, damit ich von Liebe zu Gott und zu dir entflammt, dieses Leben verlasse, um dich die ganze Ewigkeit hindurch im Himmel lieben zu können. Amen.

 

Am Donnerstag

 

Bitten um den Eingang ins Himmelreich

 

Himmelskönigin, die du über alle Chöre der Engel Gott am nächsten bist, ich armer Sünder begrüße dich aus diesem Jammertal, und bitte dich, wende deine mitleidsvollen Augen mir zu, denn wo du hinblickst, da verbreitest du Gnaden. Siehe, heilige Jungfrau Maria, in wie vielen Gefahren ich mich jetzt befinde, und wie viele Gefahren, solange ich noch auf Erden lebe, mir bevorstehen, durch die ich meinen Gott, den Himmel und meine Seele verlieren kann. Aber auf dich, meine Königin, habe ich alle meine Hoffnung gesetzt. Ich liebe dich, und sehne mich nach dem seligen Augenblick, da ich dich im Himmel sehen und loben werde. O Maria, wann wird der selige Tag anbrechen, da ich die Mutter meines Herrn, meine Mutter, die so viele Sorge trug, mich vom ewigen Untergang zu erretten, erschauen werde. Hier auf Erden, geliebte Königin, bin ich undankbar dir gegenüber gewesen, aber wenn ich in den Himmel komme, dann werde ich nicht mehr undankbar sein, dann werde ich die ganze Ewigkeit hindurch dich so lieben, als es nur in meinen Kräften steht, und dann werde ich meinen Undank wieder dadurch gutmachen, dass ich die ganze Ewigkeit hindurch dich preise und dir danke. Vor allem danke ich Gott, dass er mir ein so großes Vertrauen auf das Blut Jesu Christi und auf dich einflößt. Du musst mich retten, du musst mir durch deine Fürbitte Erkenntnis und Kraft erlangen, die Gebote Gottes zu erfüllen, du musst mich in den Himmel geleiten. Das alles haben deine treuen Diener von dir erhofft, und keiner ist betrogen worden. Auch ich werde mich nicht irren, o Maria, du wirst auch mir helfen, dass ich selig werde. Bitte deinen Sohn Jesus, wie auch ich ihn jetzt darum bitte, dass er, um seines bitteren Leidens willen, in mir dieses Vertrauen erhalte und vermehre, und alsdann wird mir gewiss die Seligkeit zuteilwerden. Amen.

 

Am Freitag

 

Bitten um die Liebe zu Jesus und Maria

 

Ich erkenne, o Maria, dass du das edelste, das erhabenste, das reinste, das mildeste, das heiligste Geschöpf bist. O wenn doch alle dich kennen und lieben möchten, meine Königin, wie du es verdienst. Es tröstet mich indessen, dass im Himmel und auf Erden so viele glückliche Seelen deine Güte und Schönheit lieben. Aber es freut mich überaus, dass Gott dich mehr als alle Menschen, dass er dich sogar mehr als alle seine Engel liebt. O meine liebenswürdige Königin, auch ich armer Sünder liebe dich, aber meine Liebe ist zu schwach, ich wünschte dich mehr und inniger zu lieben. Zugleich erkenne ich auch, geliebte Mutter, wie vielen Dank ich deinem göttlichen Sohn schuldig bin, ich weiß es, dass er von uns unendlich geliebt zu werden verdient. Deshalb musst denn auch du, die du nichts inniger wünschst, als das er von allen geliebt werde, mir die Gnade einer großen Liebe zu Jesus Christus erlangen. Gott gewährt dir alles, was du verlangst, so erlange mir denn auch die Gnade, so ganz mit Gott verbunden zu sein, dass mich nichts von ihm zu trennen vermag. Ich suche weder die Güter dieser Welt, noch Ehren, noch Reichtümer, ich suche allein das, was dir zumeist gefällt, nämlich die Liebe meines Gottes. Wäre es möglich, dass du mir nicht die Erfüllung eines Wunsches erlangen willst, der dir so sehr gefällt? Du hilfst mir schon jetzt, du bittest schon jetzt für mich. Bete, bete für mich, und höre nicht auf für mich zu beten, bis dass du mich im Himmel siehst, befreit von der Gefahr, wiederum meinen Gott verlieren zu können, und sicher, ihn die ganze Ewigkeit hindurch mit dir, geliebteste Mutter, gereinigt lieben zu können. Amen.

 

Am Samstag

 

Bitten um die Fürbitte Marias

 

Heiligste Mutter, ich erkenne, wie viele Gnaden du mir schon erlangt hast, ich erkenne zugleich, wie undankbar ich dennoch gegen dich gewesen bin. Obgleich ich Undankbarer keine Wohltaten mehr verdiene, so will ich dennoch das Vertrauen auf deine Barmherzigkeit, die weit größer ist als meine Undankbarkeit, nicht verlieren. Habe Mitleid mit mir, meine mächtige Fürsprecherin, Gott hat dich ja so mächtig, so reich, so wohltätig gemacht, auf dass du uns zu Hilfe kommst. Du bist die Fürsprecherin der Elendesten und Verlassensten, die sich an dich wenden. So beschirme denn auch mich, der ich mich jetzt dir anempfehle. Sage mir nicht etwa, dass es schwer sei, mein Seelenheil zu bewirken, denn die größten Hemmnisse werden leicht überwunden, wenn du uns verteidigst. In deine Hände lege ich mein ewiges Heil. Dir übergebe ich meine Seele, sie ist dem Untergang nahe, du musst sie retten durch deine Vermittlung. Ich will zu deinen besonderen Dienern gezählt werden, stoße mich nicht von dir. Du suchst die Elenden, um ihnen zu helfen, so verlasse denn auch nicht einen armen Sünder, der zu dir seine Zuflucht nimmt. Lege du für mich ein gutes Wort ein, denn dein Sohn gewährt dir ja alles, um was du ihn bittest. Nimm du mich unter deinen Schutz, das genügt mir. Ja, wenn du mir beistehst, so fürchte ich nichts. Ich fürchte dann weder meine Sünden, denn du erlangst mir ja das Heilmittel gegen die Übel, noch den bösen Feind, denn du bist mächtiger als die Hölle, noch meinen Richter Jesus Christus, denn ein Gebet von dir besänftigt ihn. Ich fürchte nur, dass ich durch eigene Nachlässigkeit vergessen werde, mich dir anzuempfehlen, und dass ich dadurch verloren gehen werde. O meine Mutter, erlange du mir die Verzeihung meiner Sünden, die Liebe zu Jesus, die heilige Beharrlichkeit, einen seligen Tod, und endlich den Himmel. Es ist wahr, das alles sind zu große Gnaden für mich, der ich sie nicht verdiene. Indes für dich, die du von Gott so sehr geliebt wirst, dass er dir alles gewährt, um was du ihn bittest, für dich sind das nicht zu große Gnaden. So bitte denn Jesus für mich, sage ihm, dass du mir beistehen willst, alsdann hat er gewiss Mitleid mit mir. Meine Mutter, auf dich vertraue ich, und mit dieser Hoffnung will ich leben und sterben. Amen. Es lebe Jesus, unsere Hoffnung, und Maria, unsere Liebe. Amen.

 

Gelobt sei die allerheiligste Dreifaltigkeit und die allerseligste Jungfrau Maria. Amen.

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Heiliger Johannes von Gott, bitte für uns!