Per Mariam ad Jesum

 

Maria bringt uns Jesus

 

Je größer die Not in einer Familie ist, desto hilfsbereiter und gütiger wird die Mutter sein. Und immer wenn wir Christen in hoher Bedrängnis sind, greift unsere himmlische Mutter wirksam ein. So war es bei der Hochzeit zu Kana, so war es in dem Glaubensdurcheinander der alten Kirche, so war es bei den gefährlichen Bedrängnissen durch die Türken, so war es in der traurigen Zeit der Glaubensspaltung, und so ist es auch heute in der modernen Zeit des Abfalls vom Glauben. Mit Recht pilgern und wallfahren wir also zu den Gnadenorten unserer mächtigen und wunderbaren Mutter, feiern ihre Feste im Kirchenjahr und beten ihr zur Ehre die wunderschönen Andachten besonders im Monat Mai und natürlich – möglichst täglich – den Rosenkranz.

 

Als vor 500 Jahren der Protestantismus die Hälfte unseres Volkes von der einen katholischen Kirche losriss und auch der treugebliebene Teil noch in der Gefahr schwebte den katholischen Glauben zu verlieren, berief und beauftragte Maria einen wahren Apostel, den Jesuitenpriester Jakob Rehm. Dieser durch und durch glühende Verehrer der Gottesmutter Maria führte zunächst in Dillingen und danach in Ingolstadt die Marianische Kongregation ein und bildete auf diese Weise begeisterte Marienapostel heran. Er wollte herausfinden, welcher Titel seiner himmlischen Mutter am liebsten wäre. Und als bei einem Treffen die Studenten die Lauretanische Litanei sangen, erschien ihm bei der Anrufung „Mater admirabilis“ lächelnd die „wunderbare Mutter“ selbst. Sogleich ließ Pater Jakob Rehm diese Anrufung stets dreimal nennen. Diese „dreimal wunderbare Mutter“ war es dann, die durch ihre jungen Anhänger den weiteren Abfall vom katholischen Glauben aufhielt und den kirchlich-katholischen Geist erneuerte.

 

In unserer Zeit, die deutlich vom Glaubensabfall geprägt ist, bitten wir nun erneut unsere himmlische Mutter um ihre Hilfe. Sie möge den Menschen, die der Kirche den Rücken gekehrt habe, den Menschen, die Gott und die Kirche beschimpfen, und den armen Menschen, die vom Glauben fast nichts mehr wissen, ihren Sohn Jesus Christus bringen. Gehen wir zu ihr und bringen wir ihr ein Opfer mit, damit wir in der Glaubensnot unseres Volkes auf ihre mütterliche und mächtige Hilfe hoffen können. Maria wird uns hören und erhören, weil wir zusammen mit all unseren Mitmenschen in unserem Land ihr vor über 60 Jahren geweiht wurden.

 

Matthias Hergert

 

Erzbischof Josef Kardinal Frings hat auf dem Katholikentag in Fulda am 4. September 1954 die Weihe Deutschlands an das Unbefleckte Herz Mariens vollzogen:

 

„Deutsche Katholiken!

 

Wir nähern uns einem der erhabensten Augenblicke des diesjährigen Katholikentages, der Weihe an das Unbefleckte Herz Mariens.

 

Zu Beginn dieses Jahrhunderts, im Jahre 1900, hat Papst Leo XIII. die ganze Welt feierlich dem Herzen Jesu geweiht, und im Jahre 1942 hat Papst Pius XII. diesen Akt seines Vorgängers ergänzt, indem er die ganze Welt dem Unbefleckten Herzens Mariens weihte. Er tat es bei der Gelegenheit des 25. Jubiläums der Mutter-Gottes-Erscheinungen in Fatima. Bei dieser Gelegenheit hat er ausdrücklich jenes Volk, bei dem die Ikonen der Gottesmutter seit alters in besonderer Verehrung stehen, d.h. das russische Volk, der Mutter Gottes geweiht. Seitdem sind viele Länder, Diözesen, Familien und Einzelchristen dem Beispiel des Heiligen Vaters gefolgt. Im Jahre 1947 war ich selbst Zeuge, wie das Land Kanada durch den Mund seines Kardinals und seines damaligen Außenministers, des jetzigen Ministerpräsidenten Saint-Laurent, sich dem Herzen Mariens weihte. Im Jahre 1949 hat England durch den in unserer Mitte weilenden Kardinal Griffin dieselbe Weihe vollzogen.

 

Etwas Ähnliches wollen wir in diesem Augenblick tun. Aus der Not unseres Volkes heraus, die wir im Osten wie im Westen empfinden, aus der traditionellen Liebe unseres Volkes zur Gottesmutter, aus der alle die herrlichen Dome und Kunstwerke zu Ehren Mariens entstanden sind, wollen wir in dieser Stunde uns und unser Volk dem Unbefleckten Herzen Mariens weihen. Antwortet mir daher auf alle Fragen und Anrufe, die ich jetzt an Euch richte!

 

Kardinal: Der Herr sei mit euch.

Alle: Und mit deinem Geiste.

Kardinal: Erhebet eure Herzen.

Alle: Wir haben sie beim Herrn.

Kardinal: Lasset uns danken Gott, unserem Herrn.

Alle: So ist es würdig und recht.

 

Kardinal: Wahrhaft, würdig ist es und recht, Dich, heiliger Vater, ewiger Gott, Herr des Himmels und der Welt, in der hohen Freude unseres Herzens zu preisen: Denn Du hast uns, die durch Adams Schuld verlorenen Evaskinder, nicht verstoßen, sondern Deinen vielgeliebten Sohn, unsern Herrn Jesus Christus, vom Himmel herabgesandt in den Schoß Mariens, der reinsten Jungfrau. Ihr, der unbefleckt Empfangenen, hast Du durch den Mund des Engels die Botschaft verkündet: Du hast sie bereitgefunden als Deine allergetreueste Magd. Preis und Dank sei Dir, dass Du sie auch uns durch Deinen Sohn zur Mutter gegeben und nach Vollendung ihrer Pilgerschaft glorreich mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen hast.

 

Zu ihr, der Zuflucht des Menschengeschlechtes, erheben wir, die Abgesandten aus allen Stämmen unseres deutschen Volkes, am Grab unseres heiligen Schutzpatrons, Deines Bischofs und Blutzeugen Bonifatius, unsere Seele voll Vertrauen.

 

Wir weihen uns ihrem makellosen Herzen, auf dass wir Dich, unseren Herrn und Gott, lieben, wie sie Dich geliebt hat: aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele, aus all unseren Kräften. Ihr weihen wir unsere Familien, ihrem mütterlichen Schutz empfehlen wir unser Volk; dieses Volk mit seinen Sünden und Nöten, mit seiner Hoffnung und Bereitschaft.

 

Also bitten wir Dich, heiliger Vater: Erfülle uns mit Deinem heiligen Geist, mit dessen Kraft Du ihre Seele überschattet hast, auf dass wir alle Tage unseres Lebens mit ihr sprechen: Siehe, ich bin die Magd des Herrn. Durch ihre mächtige Fürsprache empfehlen wir Dir das Schicksal unseres deutschen Volkes: Nimm es in Gnaden auf, mache aus uns einen Stamm Deines heiligen Volkes. Wende, o Gott des Erbarmens, unsere Not. Lass enden die Spaltung unseres Vaterlandes. Lass heimkehren unsere Schwestern und Brüder, die noch in der Fremde sind. Schenke uns die Einheit im Glauben. Lass umkehren alle, die nicht mehr wissen, dass sie Deine Kinder sind. Gib uns und der ganzen Welt Eintracht und Frieden. Durch unseren Herrn Jesus Christus, Deinen Sohn, der mit Dir lebt und herrscht in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Alle: Amen.

 

Kardinal: Dir also, allerseligste Jungfrau und Gottesmutter und Deinem unbefleckten mütterlichen Herzen weihen wir in dieser Stunde unser Vaterland und stellen es unter Deinen besonderen Schutz. Zur Bekräftigung dessen stimmt nun ein in das Weihelied:“

 

Wunderschön prächtige, hohe und mächtige,

liebreich holdselige, himmlische Frau,

der ich mich ewiglich weihe herzinniglich,

ganz mich mit Leib und mit Seele vertrau;

Gut, Blut und Leben

will ich dir geben:

alles, was immer ich hab, was ich bin,

geb ich mit Freuden, Maria, dir hin.

 

Sonnenumglänzete, Sternenumkränzete,

Leuchte und Trost auf der nächtlichen Fahrt!

Vor der verderblichen Makel der Sterblichen

hat dich die Allmacht des Vaters bewahrt.

Selige Pforte

warst du dem Worte,

als er vom Throne der ewigen Macht

Gnade und Rettung den Menschen gebracht.

 

Schuldlos Geborene, einzig Erkorene,

du Gottes Tochter und Mutter und Braut,

die aus der Reinen Schar Reinste wie keine war,

die selbst der Herr sich zum Tempel gebaut!

Du Makellose,

himmlische Rose,

Krone der Erde, der Himmlischen Zier,

Himmel und Erde, sie huldigen dir!

 

Du bist die Helferin, du bist die Retterin,

Fürstin des Himmels und Mutter des Herrn!

Spiegel der Reinigkeit, Stärke der Christenheit,

Arche des Bundes, hellleuchtender Stern!

Liebreich dich wende,

Frieden uns sende,

Mutter, ach wende die Augen uns zu,

lehr uns in Demut so wandeln wie du!