Fest der Heiligen Familie

 

Heute: Sonntag nach dem Weihnachtsfest

Früher: Sonntag nach dem Dreikönigstag (12. Januar)

 

Die Feier am Fest der Heiligen Familie bewegt sich hauptsächlich um eine kleine Bemerkung am Schluss des Evangeliums vom Festtag, wo es heißt: "Dann kehrte er mit ihnen nach Nazareth zurück und war ihnen gehorsam."

 

Die Stadt Nazareth, wo die Heilige Familie zu Hause war, lag gut fünfhundert Meter hoch in einer Talwiege, rundum von mäßigen Höhen umhütet. Kornfelder gab es dort und Weingärten und Obstwiesen mit Feigen-, Dattel- und Apfelbäumen. Im Ort selbst erhob sich die Synagoge und rundherum lagerten sich wie Kücklein unter den schützenden Flügeln der Henne die einzelnen Häuser, die mit ihrem weißen Kalkanstrich dem Städtchen ein sauberes Aussehen gaben.

 

Dort lebte der göttliche Heiland mit Maria und Josef nahezu dreißig Jahre lang. Das Haus, in dem die drei heiligen Personen wohnten, unterschied sich in keiner Weise von den Gebräuchlichkeiten der Nachbarn. Es war ein Viereck, gleich lang wie hoch, mit flachem Dach und enthielt nur ein Erdgeschoss mit zwei Zimmern, dem Wohnraum und dem Schlafraum. Reben rankten an den Hauswänden empor. Zur linken Hand draußen im Freien befand sich der Ofen, in dem das Brot gebacken wurde, und auf der rechten Seite lag der Hühnerhof. Noch weiter rechts sah man die bescheidene Schreinerwerkstatt des heiligen Josef. Einige Apfelbäume überschatteten das gesamte Anwesen. Ein schönes Fleckchen Erde war die Heimat Jesu auf jeden Fall.

 

Den Heiland selbst, von dem es in der Heiligen Schrift heißt, dass er der Schönste unter den Menschenkindern war, muss man sich vorstellen als kräftige schlanken jungen Mann in langem, ortsüblichem Gewand mit ausgeweiteten Ärmeln. Hüftlings wurde das Kleid mit einem Gürtel gehalten. Langes Haar umrahmte das edelgeformte Antlitz, aus dem zwei seelenvolle Augen Liebe und Güte auf alle ausstrahlten, die des göttlichen jungen Mannes Wege kreuzten, und wenn er, der von hohem, geradem Wuchs war, federnden Ganges daherschritt, konnte man meinen, er sei ein König. Tatsächlich war er auch ein König, der König aller Könige, Gottes Sohn und Gott selbst.

 

Der Sohn Gottes aber war als Mariens Sohn und als des Zimmermanns Lehrling und Geselle seiner Mutter und dem Pflegevater untertan. Wer gehorcht, bekennt damit, dass er unter demjenigen steht, dem er gehorcht. Wer gehorchte denn in Nazareth? In Nazareth gehorchte derjenige, der die Weisheit selbst ist, der Herr aller Dinge, dem alle Menschen Gehorsam schulden. Der gehorchte wem? Der gehorchte zwei Menschen, die ohne Zweifel große Vorzüge besaßen, deren Verstand aber mit dem seinen weniger verglichen werden kann als ein Funke mit der Sonne, Wie gehorchte er? Voll Freude, überall und stets, Diener war derjenige, durch den die Könige herrschen. Wie hehr und herrlich ist doch der Gehorsam der Kinder gegen die Eltern, weil sich der König der Könige nicht scheute, seiner Mutter und dem Pflegevater untertan zu sein! Mit heiligem Neid haben damals die anderen Mütter in Nazareth auf Maria und Josef geblickt, deren Sohn, obwohl er als Gott weit über ihnen stand, ehedem und heute noch allen Kindern das Beispiel gab, wie ein gutes Kind den Eltern folgsam sein soll.

 

Doch noch eine zweite Lehre gibt der junge Mann Jesus aus Nazareth. Bis zum dreißigsten Lebensjahr arbeitete er nämlich, er, der Sohn Gottes und der Erlöser der Welt, an der Hobelbank. Nicht spielend arbeitete er nach Laune und Lust, sondern ernst und beharrlich, auf Bestellung hin, im Dienst der Auftraggeber. Wie schwer mag ihm oft die Arbeit gefallen sein! Wie mögen seine Hände ausgesehen haben, diese harten, schwieligen Schreinerhände! Wieviel Schweiß wird er in der Hitze des Südens vergossen haben! So adelte der Heiland die körperliche Arbeit, und seitdem der Gottessohn schreinerte, ist Arbeit keine Schande mehr, und alle, die körperliche Arbeit verrichten, sind vom hohen Adel des Zimmermannssohns zu Nazareth.

 

Von der Heiligen Familie

 

In der Heiligen Familie haben wir ein einzigartiges Vorbild für alle Familien. Wir hören von der Hingabe des Vaters. Er ist für seine Familie zu allem bereit. Er folgt der Weisung des Engels, die allein auf das Wohl des Kindes hinzielt. Wie schwer mag Josef der Gehorsam gefallen sein! Nach Ägypten fliehen zu müssen bedeutet: du musst dein Haus verlassen und deine Arbeit beenden, du musst in die Fremde ziehen und Gefahren und Ungewissheiten aushalten. Dann der Befehl für die Heimreise. Josef tut wieder alles für das Kind. Maria und Jesus sind in seiner Sorge geborgen. Wieviele nützliche Lehren können wir aus den wenigen Handlungen ziehen, die wir vom heiligen Josef wissen. Wie fest muss sein Glaube gewesen sein, mit welchem er die Menschwerdung des göttlichen Wortes, dieses wunderbarste aller Geheimnisse, glaubte, ungeachtet dessen, was die Sinne dagegen sagen mochten! Wie arm und zufrieden lebte er als Handwerker von der Arbeit seiner Hände, obwohl er doch den König der Herrlichkeit in seinem Haus und die Mutter Gottes, die Königin der Engel, zur Gemahlin hatte. Mit einem Wort: Alles war groß an dem heiligen Josef!

 

Seit Jahrhunderten bitten die Menschen den heiligen Josef um eine gute Sterbestunde. Wir haben keinen Zweifel, dass er selbst in den Armen von Jesus und Maria seinen Geist aufgab. Gibt es einen schöneren Tod? Daher ruft man auch den heiligen Josef an um die Gnade eines guten Todes.

 

Die heilige Theresia wählte den Heiligen zum Hauptpatron ihres Ordens. Sie drückt sich folgendermaßen aus: "Ich wähle den glorwürdigen heiligen Josef zu meinem Vater, und empfehle mich ihm in allen Dingen. Ich erinnere mich nicht, je etwas durch seine Fürbitte von Gott begehrt zu haben, das ich nicht auch erhalten hätte. Ich habe noch keinen Verehrer des heiligen Josef gekannt, der nicht merkliche Fortschritte in der Tugend gemacht hätte. Seine Fürsprache bei Gott ist von wundertätiger Kraft für alle jene, die ihn mit Vertrauen anrufen."

 

Ein altes Gebet sollte auch das unsere werden: "Heiliger Vater Josef! ich bitte dich, stehe mir bei, wenn ich sterbe, und erlange mir die Gnade, dass Jesus und Maria mir in meinem letzten Hinscheiden zu Hilfe eilen, und meine Seele zu Sich in die ewige Wohnung aufnehmen wollen!"

 

Matthias Hergert

 

Wenn der heilige Glaube uns lehrt, dass die Sünde der Stammeltern die menschliche Natur mehr oder weniger beschädigt hat, kann es nicht wundernehmen, dass sich dies in der Urzelle des menschlichen Lebens, in der Familie, besonders stark ausgewirkt hat. Wer es unternähme, die Geschichte der Familie in den Jahrzehntausenden menschlichen Daseins zu schreiben, müsste eine recht traurige Geschichte schreiben. Traurig vor allem für die Frauen und die Kinder, weil beide oft in voller Willkür den Launen und Gelüsten des Mannes und Vaters preisgegeben waren. Erinnert sei nur an die schmachvolle Vielweiberei und die grausame Kindestötung.

Darum hat die Familie in besonderer Weise die Wiederherstellung einer gottgewollten und beglückenden Ordnung notwendig. Gottes Segen musste in reichster Fülle gerade ihr zuteilwerden. Nur wenn die Familie gesund ist, kann ein Volk gesund sein. Nur ein geheiligtes Familienleben garantiert das Blühen des Gottesreiches auf dieser Erde.

Darum dünkt es uns nicht abwegig, dass Gottes Sohn als Glied einer Familie diese Erde betreten wollte, ja die meiste Zeit seines irdischen Lebenswandels in ihrem Schoß verbracht hat. Was bedeutet die kurze Zeit seines öffentlichen Auftretens gegenüber den drei Jahrzehnten zu Nazareth! Ausdrücklich macht sogar die Heilige Schrift darauf aufmerksam, dass der zwölfjährige Jesus, als ihm nach jüdischer Auffassung Selbstständigkeit zustand und er dies durch sein eigenwilliges Verbleiben im Tempel bekundete, freiwillig wieder nach Nazareth in den Schoß der Familie zurückkehrte. Der Heiland der Welt muss also dort unendlich Wichtiges zu tun gehabt haben. So ist es. Betend, opfernd, arbeitend wollte er in der Heiligen Familie zu Nazareth die Urzelle des Menschengeschlechtes, die Familie, reinigen, entsühnen, heiligen, segnend.

Wenn es wahr ist, dass die Mutter das Herz der Familie ist, dann muss ein bedeutsamer Anteil des Opferns und Segnens des Familienkindes Jesus der Mutter zugeflossen sein, der Mutter Maria. Es lag dem Erlöser daran, sie zu einer unerreichbar feinen und unübertroffen guten Familienmutter zu gestalten. Dann konnte von der großen Fülle dieses ganz reinen und gnadenvollen Herzens einer heiligen Familie Gnade um Gnade überströmen in die Herzen christlicher Mütter, auf dass sie das rechte Herz einer gottwohlgefälligen Familie würden. So konnte Maria heranwachsen zum hellleuchtenden Vorbild aller Familienmütter. Die christliche Geschichte ist voll der Zeugnisse, wie segensreich in dieser Hinsicht das Vorbild Mariens gewirkt hat.

Sind die Herzen unserer christlichen Familien, die Mütter, durch ihren marianischen Eifer heilig und gesund, dann wird sich dies – von wenigen Ausnahmen abgesehen – auch auf den Mann und die Kinder heilsam auswirken.

 

Kirchengebet

 

Herr Jesus Christus, du warst Maria und Josef untertan und hast das häusliche Leben durch unaussprechliche Tugenden geheiligt; lass uns unter dem Beistand der beiden durch das Vorbild deiner Heiligen Familie unterwiesen werden und die ewige Gemeinschaft mit ihr erlangen.

 

Zur Geschichte des Festes: Es lässt sich nicht genau feststellen, wie weit die Verehrung der Heiligen Familie zurückreicht. Im 17. Jahrhundert ist sie bereits weit verbreitet, vor allem in Italien, in Frankreich und Belgien. Der Jesuitenmissionar P. Chaumonet gründete in Kanada in damaliger Zeit sogar Vereinigungen zu Ehren der Heiligen Familie. Papst Leo XIII. erkannte in der Verehrung der Heiligen Familie ein vorzügliches Mittel für die notwendige soziale Erneuerung, für die Rettung der christlichen Familie vor den modernen Gefahren. Die erhabene Lebensgemeinschaft dieser drei heiligsten Personen sollte allen Familien als Vorbild dienen und alle zur Nachahmung aneifern. Die im Jahr 1861 in Frankreich gegründete Vereinigung christlicher Familien erhielt die päpstliche Approbation. Als Festtag wurde der 12. Januar festgesetzt. Heute wird das Fest fast allgemein am Sonntag innerhalb der Epiphanie-Oktav gefeiert. Benedikt XV. schrieb 1921 das Fest für die ganze Kirche vor.

 

(„So feiert dich die Kirche“, Prof. Dr. Carl Feckes, Maria im Kranz ihrer Feste, Steyler Verlagsbuchhandlung, 1957)