Marien-Bilder im Feuer

 

Das Gnadenbild auf dem Hradschin zu Prag

 

(Aus: Prag und seine Umgebung, Sebastian Willibald Schießler, 1813)

 

Das Marianische Gnadenbild bei den Kapuzinern auf dem Hradschin zu Prag ist um das Jahr 1550 von den Calvinisten zu Rottenburg am Neckar in das Feuer geworfen, zwölf Stunden lang darin unverletzt erhalten und etwa nach zehn Jahren einem Diener des Kaisers geschenkt worden.

 

Als dieser Diener es den Kapuzinern verehrte, und dasselbe mit vielen Zeichen und Wundern leuchtete, ließ es Kaiser Rudolph den Kapuzinern abnehmen und in seiner Hofkapelle aufstellen. – In der folgenden Nacht, als die wohlehrwürdigen Kapuziner zur Mette läuteten, kam das heilige Muttergottesbild selbst zu dem Kloster, zog stark an dem Glöcklein der Pforte, und wurde von den andächtigen Vätern mit Freuden empfangen und seiner seitherigen Stätte wiedergegeben. Der Kaiser ließ es zwar wieder zurückfordern und zur Sicherung des hochwerten Besitzes in seine Kunstkammer verschließen. Es kehrte aber in der folgenden Nacht und auf die vorige Weise zurück, und wurde im Kloster mit noch viel größerer Freude aufgenommen.

 

Der Kaiser beließ es nun in der Klosterkirche.

 

Seitdem glänzte es mit vielen Mirakeln, veränderte vielmal seine Gestalt und gab manchem Gläubigen sein zukünftiges Glück oder Unglück zu erkennen. 

 

Das Marienbild zu Aufkirchen

 

(Aus: Bayerns Hochland zwischen Lech und Isar, Johann Nepomuk Ingerle, München, Fleischmann, 1863)

 

Von dem reizend gelegenen Landhäuschen bei Assenbuch am Würmsee schlängelt sich ein ziemlich steiler und dabei schattenloser Weg auf die luftige Höhe zur Wallfahrt Aufkirchen. Die Stationen des Leidensganges Jesu Christi, in jüngster Zeit auf Kosten des königlichen Baurates Himbsel vollendet, zieren den von andächtigen Pilgern vielbetretenen Pfad. An den vierzehn Bet-Stätten sind auf Naturfelsen und auf marmornem Sockel in gemauerten Nischen die kunstvollen Bilder in erhabener Arbeit aus gebrannter Erde aufgestellt.

 

Vor Jahrhunderten stand nicht weit vom Gestade, rings von den ehrwürdigen Schauern einsamer Walddämmerung umfangen, eine schmucklose Kapelle. Ein bleiches Marienbild, durch die sanften Gesichtszüge so recht geeignet, in den empfindsamen Gemütern hart Bedrängter Vertrauen zu erwecken, zog große Scharen frommer Waller heran. Viele fühlten sich gestärkt oder fanden Erleichterung in ihren Nöten, und der Zudrang wurde um so größer. Für die wachsende Menge wurde das Kirchlein zu klein. Selbst manches ex voto hierher gespendete Bild schwankte als Zeuge erhörter Herzenswünsche draußen an den Zweigen der Bäume, weil die Wände des Heiligtums keinen Raum mehr boten. – Kaum aber ward der Wunsch nach einem größeren Gotteshaus rege, so lagen – als Beweis des tief religiösen und opferwilligen Sinnes der damaligen Zeit – in wenig Wochen die Mittel bereit. Der Landesfürst Albrecht IV. der Weise, und seine Gemahlin Kunigunde, wie auch Herzog Sigmund, der sich schon durch die Erbauung der Münchener Frauenkirche ein großartiges Denkmal setzte, leisteten ebenfalls ergiebige Beiträge zum Gelingen des löblichen Unternehmens. Alle Vorbereitungen waren getroffen. Da entstand ein heftiger Streit über den Ort, wo die neue Marien-Kirche stehen sollte. Ein kluger Priester wusste hierüber Rat zu geben und erklärte: die Wahl des Platzes einer höheren Fügung zu überlassen. Der Vorschlag wurde angenommen. Man lud den Grundstein auf einen Wagen, spannte zwei Ochsen vor, trieb diese gegen die Anhöhe, und überließ sie dann gänzlich ihrem Zug. Nach kurzer Zeit blieben die Tiere stehen. Der Stein wurde abgeladen, und hier der Tempel von Aufkirchen zu Ehren der allerseligsten Jungfrau erbaut. Gar viele wunderbare Ereignisse sollen während der Erbauung des Gotteshauses sich zugetragen haben.

 

Im Herbst des Jahres 1625 brach ein Feuer aus. Die Glut verzehrte alle Altäre, und so groß war die Hitze, dass das Blei der Fenster schmolz. Das Gnadenbild Marias blieb unbeschädigt, aber die ihm zur Seite stehenden Engelsfiguren wurden von den Flammen ergriffen, und bis heute erinnern die halbverbrannten Leiber der Himmelsknaben dicht bei der Pforte den Eintretenden an das wundervolle Ereignis.

 

Die Rettung der Madonna aus solcher Not begünstigte nicht wenig den Aufschwung der Wallfahrt.

 

Das Marienbild zu Radna

 

(Aus: Die Gnadenbilder Ungarns von Jordanszky)

 

Als im Jahr 1695 der türkische Sultan Mustafa nach der Wiedereroberung der Festung Lippa die ganze Gegend am Fluss Marosch mit Feuer und Schwert verheerte, ist auch die Kapelle in Radna ein Raub der Flammen geworden. Die Türken haben erst alles Gerät aus der Sakristei und von den Altären samt dem Marianischen Altarbild in der Mitte der Kirche auf einen Haufen geschleppt und angezündet, dann verbrannten sie auch die Kapelle. Allein das Marienbild, obwohl es nur auf Papier gemalt war, ist mitten unter den Flammen unversehrt geblieben, nur dass es vom Rauch ein wenig braun wurde, wie man es noch heutzutage bemerkt. – Bei dieser Gelegenheit sind zur allgemeinen Verwunderung, bei einer vollkommenen Windstille die brennenden Schindeln über die Marosch gegen Lippa geflogen und haben dort unter den staunenden Türken eine jämmerliche Niederlage verursachte, so dass der türkische Befehlshaber die gottesräuberischen Mordbrenner zu verhaften und hinzurichten befahl. – Eben damals geschah es auch, dass, als ein Spahi oder türkischer Reiter gegen die Kirche in der Absicht geritten kam, dieselbe aufs Neue anzuzünden, sein Pferd in einen Stein, der wie Wachs sich erweichte, versunken ist und nicht weiter fortschreiten konnte. Besagter Stein mit den eingeprägten Fußzeichen kann man noch heute in der Kirchenmauer sehen.

 

Nicht lange darauf wurde Radna durch den am 26. Januar 1699 durch Kaiser Leopold I. mit den Türken zu Carlowitz geschlossenen Frieden vom türkischen Joch befreit.

 

Viele Augenzeugen der damaligen Zeit versicherten, dass sie oft nächtlicher Weile um das Gotteshaus mit dem im Feuer wunderbar erhaltenen Marienbild, eine solche Beleuchtung gewahrten, als wäre die ganze Kirche in Flammen gestanden. Selbst die Türken von Lippa und die griechischen nicht-unierten Bewohner der Umgegend haben diesen anhaltenden Glanz gesehen, weshalb die frommen Gläubigen Anlass nahmen, ihnen die erhabene Würde, Huld und Macht der heiligen Muttergottes zu verkündigen. Hieraus entstand der Gebrauch, dass sich nach der Kirche von Radna nicht allein Katholiken und unierte Griechen und Wallachen, sondern auch Nicht-Unierte in großer Anzahl begaben. Auch wurden viele Beispiele in das Gedenkbuch eingetragen: dass von diesem geheiligten Bild Marias mehrere nicht-unierte Griechen, ja sogar einige Türken mit außerordentlichen Gnaden von Gott durch die Fürbitte Marias beschenkt worden sind, die alsdann auch zum wahren Glauben der heiligen katholischen Kirche sich bekehrten. 

 

Marias Schutz gegen Feuersbrünste

 

(Aus einem alten „fliegenden Blatt“)

 

In dem wohlehrwürdigen Frauenkloster St. Lorenz in Wien befand sich ein Bildnis der allerseligsten Jungfrau Maria, das, nicht zwei Ellen hoch, aus Holz geschnitzt und mit mancherlei Farben geschmückt ist, daselbst in einem Sessel sitzend, den Urheber aller Gnaden, Jesus Christus, ihr mannasüßes Söhnlein, auf ihrem Schoß hält. Das Haupt der Mutter ist mit einem weißen Häublein bedeckt, und die beiderseits nächst dem Hals über die Brust herabwallenden Haare sind in Zöpfen geflochten. Das Jesuskind ist ohne Häubchen, und seine Händlein sind ausgestreckt und eine Binde umschlingt die Mitte des Leibes.

 

Von diesem Bildnis wird durch mehr denn anderthalb hundert Jahre her beständig im Stift bei St. Lorenz einstimmig gar viel Wundersames erzählt. Alle reden aus dem Mund ihrer Vorfahren, dass es auf ihrem Chor so lange andächtig verehrt worden sei, bis jener unglückliche Tag angebrochen, an dem von den grausam wütenden Feuersflammen das Gotteshaus und Frauenstift ergriffen wurde. Alle waren damals beflissen, was sie retten konnten, dem verzehrenden Feuer zu entreißen, doch – niemand war eingedenk, das Marianische Bild in Sicherheit zu bringen. Es ist solches demnach von den Flammen ergriffen worden, es blieb aber, außer den Fußsohlen des Christkindleins und der über die Füße der heiligen Muttergottes herabhängenden Kleidung, also unverletzt, dass es sogar von dem Rauch nicht entstellt wurde. Von wem aber das Bild auf die Wendeltreppe unweit des Zimmers der Frau Oberin aus dem Chor übertragen und daselbst niedergesetzt worden sei, weiß man nicht. Eine vor dem Feuer flüchtige Chorfrau sah es hier und es soll mit den Worten sie angeredet haben: „Tochter, alles sucht man zu retten, nur mich nicht!“ worauf sie das Bild auf ihre Arme nahm und in vollkommene Sicherheit brachte. – Nach gedämpfter Feuersbrunst suchte man alsbald mit Essig, Salz und anderen Mitteln die verletzten Teile des Bildnisses von dem Kohlenruß zu reinigen, aber vergebens. Man legte ihm deshalb Kleider an, so dass dem Beschauer die heilige Muttergottes als stehend erscheint.

 

Von dieser Zeit an ist Maria als eine besondere Beschützerin in verschiedenen Feuersbrünsten befunden worden, denn die Erfahrung hat es öfters gelehrt, dass wenn das Feuer schon zum Dach ausgebrannt, man dieses Bildnis demselben entgegengehalten und das heilige Kreuzzeichen darüber gemacht hat, die Flammen sich nicht nur allein augenblicklich geschwächt gezeigt, sondern auch nach und nach gänzlich erloschen seien.

 

Diese Wohltat ist vor etlichen Jahren einer Vorstadt Wiens zuteilgeworden, in der bei hellem Tag eine schädliche Feuersbrunst ausgebrochen war. Sobald man dieses Marianische Bildnis von einer Kuppe des Stiftes bei St. Lorenz dem Feuer entgegengehalten, die Lauretanische Litanei vor ihm durch die Chorfrauen gebetet und jenes weiße Häublein, das man dem Bildnis auf das Haupt zu legen pflegte, durch einen Klosterdiener hinausgeschickt und in die Mitte der wütenden Glut geworfen worden, - so sind die Flammen nicht nur gleich schwächer geworden, sondern gar bald gänzlich erloschen. Das Häublein wurde aber bei der Hinwegräumung des Schuttes unverletzt und so weiß befunden, als wenn es niemals in der Mitte der Flammen gewesen wäre.

 

Ein anderes Mal, als eben die Chorfrauen beim Mittagsmahl versammelt saßen, brach jäh ein Feuer auf dem Chor aus, das damals mit einer eisernen Tür verschlossen war. Sobald die Chorfrauen davon hörten, eilten sie sogleich, ihr liebes Marienbild zu retten. Sie fanden es aber – bei der verschlossenen Tür – auf der letzten Staffel vor derselben stehend und das Feuer bereits gelöscht, als wenn sich Maria an ihrem Bildnis von den Flammen nicht mehr berühren lassen wollte.