Ave Maria

 

Mit dem Vaterunser wird in der katholischen Kirche meist das Ave-Maria verbunden, obwohl es mit ihm eigentlich nichts zu tun hat und sich auch an Herkunft und Alter mit ihm nicht messen kann.

Die ersten beiden Teile des Ave-Maria können aber auch ihrerseits auf eine ehrwürdige Geschichte zurückblicken. Die Worte des ersten Teils: "Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir, du bist gebenedeit unter den Frauen" hat zu Maria niemand Geringerer als der Erzengel Gabriel zum ersten Mal gesprochen, und zwar in dem hochfeierlichen und für das Schicksal der Menschheit entscheidenden Augenblick, wo er Maria die Empfängnis des Erlösers verkündete. Seine Worte waren ein ehrfurchtsvoller Gruß, eine Huldigung an die künftige Gottesmutter, die wegen dieses ihres erhabenen Berufes von der Erbsünde und von jeder persönlichen Sünde freigeblieben und darum voll der Gnade war, mit der als seiner irdischen Mutter sich Gott inniger verband, als mit irgend einem anderen Geschöpf - "der Herr ist mit dir" - und die durch diesen ihren Beruf und durch diese reichen Gnadenvorzüge vor allen anderen Frauen der Welt ausgezeichnet wurde - "du bist gebenedeit unter den Frauen".

In diesen Gruß des Engels stimmte dann Elisabeth ein, als sie von ihrer jugendlichen Base heimgesucht wurde: "Du bist gebenedeit unter den Frauen -" so nahm sie sozusagen die Worte des Engels wieder auf und fügte dann hinzu: "und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes" - ein Lobpreis auf den kommenden Erlöser und auf die Gottesmutterschaft Marias, der sie ja, wie gesagt, alle ihre Gnadenvorzüge zu verdanken hatte und um derentwillen sie aller Verehrung und Benedeiung würdig ist.

Diese beiden Verse aus der Heiligen Schrift, die in der Liturgie schon in frühchristlicher Zeit verwendet wurden, benutzte das christliche Volk ungefähr seit dem Jahr 1000 auch als eigenes Gebet, das mit dem Namen Jesus abschloss: " . . . . gebenedeit ist die Frucht deines Leibes Jesus. Amen." Dem darauffolgenden Bittgebet aber begegnen wir seit dem Ende des 15. Jahrhunderts und erst seit 1568, wo es Papst Pius V. in das Brevier aufnahm, ging das ganze Ave Maria, so wie wir es heute beten, in den allgemeinen Gebrauch über.