Die Lauretanische Litanei

 

Wir setzen großen Vertrauen auf Maria und erzeigen ihr höhere Verehrung als allen Engeln und Heiligen. Maria ist ja, um mit dem heiligen Ephräm zu reden, „mächtig und gütig, erhabener als alle himmlischen Geister, reiner als die Strahlen der Sonne, ehrwürdiger als die Cherubim, heiliger als die Seraphim, unvergleichlich glorreicher als alle Chöre des Himmels.“

 

1. Betrachte vor allem die Würde Mariens. Sie ist die, die den Sohn Gottes, den Herrn des Himmels und der Erde, geboren hat. Sie allein kann zu Jesus Christus sagen: „Du bist mein Sohn, ich bin deine Mutter.“ Wie wunderbar ist die Würde Mariens. Wie recht hat der heilige Petrus Damianus, wenn er ausruft: „Was ist größer, als die Jungfrau Maria, die die Größe der allerhöchsten Gottheit in der Verborgenheit ihres Leibes einschloss? Blicke hin auf die Engel, und du wirst sehen, dass alles, was größer ist, dennoch kleiner ist, als die Jungfrau, die von niemanden übertroffen wird, als nur von dem, der sie erschaffen hat.“

 

2. Betrachte die Heiligkeit Mariens. Nicht in Blei fasst man einen Diamanten, sondern in Gold. Sie übertrifft an Heiligkeit alle Heiligen. Alle Heiligen ohne Ausnahme waren mit der Erbsünde befleckt. Maria aber ist, wie uns der unfehlbare Glaube lehrt, durch eine besondere Gnade Gottes von der Erbsünde freigeblieben. Von ihr gilt das Wort des Heiligen Geistes im Hohenlied 4,7: „Meine Freundin, du bist ganz schön, und keine Makel ist an dir.“ „Was immer“, sagt der heilige Thomas von Villanova, „an irgendeinem Heiligen Ausgezeichnetes war, das ist auch in Maria. In ihr ist die Geduld des Hiob, die Sanftmut des Mose, der Glaube Abrahams, die Keuschheit Josefs, die Demut Davids, die Weisheit Salomos, der Eifer des Elias. In ihr ist die Reinheit der Jungfrauen, die Stärke der Märtyrer, die Andacht der Beichtväter, die Weisheit der Lehrer, die Liebe zur Einsamkeit der Einsiedler. Kurz, in ihr sind alle Gaben des Heiligen Geistes.“

 

3. Betrachte die Liebe, die Maria zu uns trägt. Ungleich mehr als alle Heiligen liebt Maria, Gott, ihren Herrn. Das Feuer ihrer Liebe zu Gott ist, wie sie selbst der Schwester Maria vom Kreuz offenbarte, so groß, dass es in einem Augenblick Himmel und Erde verzehren könnte. Daraus folgt, dass wir nach Gott niemand finden können, der uns mehr liebte, als Maria, unsere beste Mutter. Wie sehr uns Maria liebt, das mögen wir aus ihrer Liebe zu Jesus entnehmen. Niemand zweifelt, dass es noch niemals eine Mutter gegeben hat, die mit so inniger, feuriger Liebe an ihrem Kind hing, als Maria an ihrem Sohn Jesus. Er war ihr Augapfel, der Mittelpunkt aller ihrer Gedanken und Wünsche, ihm gehörte ihr ganzes Herz. Und diesen innigst geliebten Sohn gibt Maria für uns Sünder hin. Sie willigt ein in seinen Tod. Es lässt sich also nach der Bemerkung des heiligen Bonaventura das Wort der Schrift (Joh 3,16): „Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn hingab“, auch auf Maria anwenden und sagen: Also hat Maria die Welt geliebt, dass sie ihren eingeborenen Sohn hingab.“ „Sie beide“ (Gott und Maria), sagt der heilige Bernhard, „geben, um den Knecht zu erlösen, den gemeinschaftlichen Sohn hin.“ O Liebe unserer besten Mutter, wie unermesslich groß bist du.

 

4. Betrachte die Wohltaten, die uns durch Mariens Hände zufließen. Erkenne die Wohltat, die dir und mir und allen Menschen durch Maria zuteil wurde. Als Mutter unseres Erlösers ist sie die Ursache unseres Heils. Ohne sie wären wir heute noch Kinder des Zornes, Sklaven des Teufels, eine Beute der Hölle. So oft du also an die größte aller Gnaden, an die Gnade der Erlösung denkst, musst du auch an Maria denken, denn sie ist die Mutter unseres Erlösers. Wer vermag sodann die anderen Wohltaten zu zählen, die den Menschen durch Maria unaufhörlich zufließen? Alle Heiligen zusammen können uns bei Gott nicht so viele Gnaden erlangen, als Maria allein. Der Grund ist, weil Maria die Mutter Gottes ist, während alle übrigen Heiligen nur Diener und Dienerinnen Gottes sind. Nach manchen Kirchenlehrern können wir der seligsten Gottesmutter in einem gewissen Sinn sogar die Allmacht zuordnen. Sie ist zwar nicht allmächtig ihrer Natur nach, wie Gott, aber allmächtig durch ihre Fürbitte, durch die sie alles bei ihrem Sohn erhält. Wie könnte auch Jesus seiner Mutter eine Bitte abschlagen, da er sie innigst liebt und ihr als Menschensohn so viele Wohltaten verdankt? Maria trägt auch die zärtlichste Liebe zu uns, denn sie ist unsere Mutter. Voll Milde und Barmherzigkeit hält sie unaufhörlich ihre Augen auf uns gerichtet und teilt unter uns die Gnaden mit vollen Händen aus, die sie von Gott empfängt.

 

5. Betrachte, dass die Andacht zu Maria ein Zeichen der Auserwählung ist. Wer ein Leben im Glauben führt, oder falls er gesündigt hat, an seiner Besserung ernsthaft arbeitet und Maria eifrig verehrt, der darf zuversichtlich hoffen, dass er selig wird. Und das aus dem Grund, weil ihm Maria, diese mächtige und gütige Mutter, wenn er in Sünden ist, die Gnade der wahren Buße, und wenn er im Stande der Gerechtigkeit lebt, die Gnade der Beharrlichkeit erlangen wird. Mag dem Sünder die Bekehrung auch noch so schwer werden, er wird sie durch Mariens Vermittlung glücklich zustande bringen. Und mögen den Christen auch noch so viele Gefahren für seine Seele umringen, er wird unter Mariens Schutz ihnen entrinnen und eines seligen Todes sterben. Wer hingegen Maria nicht verehrt, ja, ihrem Dienst sich gar verweigert, der trägt ein nicht undeutliches Kennzeichen der Verdammnis an sich. Wie könnte auch Jesus Menschen lieben und aufnehmen, die von seiner Mutter nichts halten und ihr alle Verehrung versagen? Wenn du also Maria herzlich liebst und sie täglich verehrst, so trägst du ein Zeichen der Auserwählung an dir, und es ist große Hoffnung, dass du dereinst in den Himmel kommst.

 

6. Betrachte schließlich, dass alle Kirchenväter und Geisteslehrer die Verehrung der seligsten Jungfrau dringend empfehlen, und dass die Rechtgläubigen aller Zeiten sie mit dem größten Eifer verehrt haben. Wollte man das, was die Kirchenväter und Geisteslehrer zum Lob Mariens geschrieben haben, zusammenstellen, so würde daraus ein Buch werden, zu dessen Durchlesung ein Menschenalter nicht ausreichen würde. Willst du wissen, welche Verehrung Maria empfängt, so durchwandere den Erdkreis: überall wirst du Kirchen finden, die zu ihrer Ehre erbaut sind, Altäre, die ihren Namen tragen, Statuen und Monumente, die ihre Wohltaten verewigen, religiöse Vereine und Bruderschaften, die unter ihrem Schutz stehen. Schlage die Jahrbücher der Kirchengeschichte auf, und fast jedes Blatt wird dir innige Freunde und Verehrer Mariens zeigen. Alle Heiligen waren innige Verehrer der seligsten Jungfrau. So trage auch du die zärtlichste Liebe zu ihr und verehre sie täglich voll des kindlichen Vertrauens. Sie ist ja eine gar gute, liebreiche, barmherzige Mutter, liebt dich mehr, als ein Menschenherz dich lieben kann, und verwendet ihre Würde und ihre Macht zu nichts anderem, als dir Gnaden aller Art, wie du sie brauchst im Leben und Sterben, von Gott zu erlangen. Folgende Richtlinien beachte:

 

1. Wähle Maria zu deiner Mutter.

 

2. Verehre die Bilder Mariens.

 

3. Verrichte zur Ehre Mariens besondere Andachtsübungen.

 

4. Feiere mit besonderer Andacht die Feste Mariens.

 

5. Tritt in die eine oder andere marianische Vereinigung ein.

 

6. Suche die Verehrung Mariens auch unter den Mitmenschen zu verbreiten.

 

7. Ahme schließlich ganz besonders die Tugenden Mariens nach.

 

So kannst und sollst du Maria verehren. Sei von jetzt an ein gutes Pflegekind der besten und heiligsten Mutter. Verehre sie täglich mit zärtlicher Andacht, setze unbedingtes Vertrauen auf sie, empfiehl dich unaufhörlich in ihren mächtigen liebevollen Schutz, und bemühe dich, in ihre Fußstapfen zu treten und einen unbescholtenen, wahrhaft frommes Leben zu führen.

 

Die Lauretanische Litanei

 

Hat ihren Namen vom heiligen Haus zu Loretto, wo sie zuerst gebetet wurde. Dieses heilige Haus ist aber kein anderes, als das zu Nazareth, in dem Maria, die seligste Jungfrau, den Sohn Gottes vom Heiligen Geist empfing, und in dem sie auch nachher mit Jesus und Josef viele Jahre lebte. Dieses Haus, das vom Anfang her die Gläubigen hochverehrten, weihten die Apostel bald nach der Himmelfahrt Christi zu einem Betort ein, und die heilige Helena, Mutter des ersten christlichen Kaisers Constantin, ließ darüber eine prachtvolle Kirche erbauen. Von jener Zeit an strömten die Christen aus allen Ländern herbei, um die heilige Stätte, wo der Sohn Gottes die menschliche Natur angenommen und mit Maria und Josef lange Jahre gelebt hatte, zu sehen und daselbst ihre Andacht zu verrichten. Nachdem aber das heilige Land in die Hände der Ungläubigen gefallen war, hörten diese Wallfahrten auf. Da gefiel es Gott, der die Verehrung des heiligen Hauses erhalten wollte, ein großes Wunder zu wirken. Im Jahr 1291 in der Nacht zwischen dem 9. und 10. Mai wurde auf einmal das heilige Haus von der Stelle, wo es mehr als zwölfhundert Jahre gestanden hatte, durch den oben sich spaltenden Tempel von den Engeln weggenommen und aus Galiläa über Land und Wasser in das weitentlegene Dalmatien übertragen. In Dalmatien blieb das heilige Haus gegen viereinhalb Jahre, und es geschahen daselbst viele Wunder. Am 10. Dezember 1294 wurde es von den Engeln über das adriatische Meer nach Italien getragen und in der Mark Ankona in einem Wald niedergelassen. Dieser Wald gehörte einer gottseligen Frau, namens Laureta, und von ihr hat das heilige Haus den Namen „Lauretanisches Haus“ bekommen. Acht Monate später wurde es aus dem Wald auf einen Hügel versetzt, wo es noch steht, und von der ganzen Christenheit verehrt wird. In der Folge wurde über das heilige Haus eine der schönsten Kirchen erbaut. Auch bildete sich bald eine bedeutende Stadt, die Loretto heißt, und nicht weit von Rom liegt.

 

Die wunderbare Übertragung des heiligen Hauses von Nazareth nach Dalmatien und von da nach Loretto wurde gleich zu Anfang mit aller Strenge geprüft und als wahr befunden. Insbesondere hat Papst Klemens VII. eine eigene Gesandtschaft nach Dalmatien und Nazareth abgeordnet, welche das Wunder mit größter Genauigkeit untersuchte und dasselbe als unleugbare Tatsache bestätige. Die Kirche hat deshalb das Fest der Übertragung des heiligen Hauses ins Brevier aufgenommen und zu dessen Feier, die jährlich am 10. Dezember stattfindet, eine eigene Messe angeordnet. Im Brevier heißt es: „Das Haus, in dem die seligste Jungfrau geboren, und welches durch göttliche Geheimnisse geheiligt worden ist, wurde durch den Dienst der Engel von der Gewalt der Ungläubigen zuerst nach Dalmatien, hernach auf das lauretanische Grundstück der picenischen Provinz unter Cölestin V. versetzt. Dass dieses Haus dasselbe sei, in dem das Wort Fleisch geworden und unter uns gewohnt hat, ist sowohl durch päpstliche Urkunden und durch die feierlichste Verehrung des ganzen Erdkreises, als auch durch die immerwährende Kraft von Wundern und die Gnade himmlischer Wohltaten bestätigt. Auf dieses hin hat Innozenz XII., um den Eifer der Gläubigen in Verehrung der geliebtesten Mutter noch mehr zu beleben und stets zu erhalten, befohlen, dass die Übertragung des heiligen Hauses im ganzen picenischen Gebiet alljährlich festlich begangen, und mit einer Messe und einem eigenen Offizium gefeiert werden soll.“

 

Von Loretto aus verbreitete sich die Lauretanische Litanei bald über die ganze Christenheit. Sie wurde ein Lieblingsgebet aller christlichen Familien und Gemeinden, und erwies sich als ein so kräftiges Mittel zur Verehrung der seligsten Jungfrau, dass der apostolische Stuhl sich veranlasst fand, sie nicht bloß gut zu heißen, sondern auch mit vielen Ablässen zu begnadigen. Papst Sixtus V. verlieh in einer Constitution vom 11. Juli 1587 allen einen Ablass von zweihundert Tagen, so oft sie diese Litanei andächtig und mit reumütigem Herzen beten. Papst Benedikt XIII. bestätigte im Jahr 1728 diesen Ablass, und Papst Pius VII. bestätigte ihn nicht bloß, sondern erhöhte ihn zugleich auf dreihundert Tage, und verlieh überdies denjenigen, die die Litanei beten, an den gebotenen Festen nach reumütig verrichteter Beicht und Kommunion eine öffentliche Kirche besuchen, und nach der Meinung des Heiligen Vater beten.

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Dieses Bild zeigt dir einen Muttergottes-Altar, auf dem das allerheiligste Altarsakrament ausgesetzt ist. Vor ihm bete, wie es sich gebührt, Priester und Gemeinde, die durch zwei Ministranten repräsentiert ist. Ganz recht erscheint das Allerheiligste in Verbindung mit einem Marien-Altar. Maria war ja ein lebendiger Tabernakel Gottes, indem sie Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, in ihrem jungfräulichen Leib getragen hat. 

 

Gebet

 

Siehe, zu deinen Füßen, o Mutter Gottes, einen armseligen Sünder, der zu dir seine Zuflucht nimmt und auf dich sein Vertrauen setzt. Ich verdiene nicht, dass du mich auch nur eines Blickes würdigst. Aber ich weiß, dass du ein großes Verlangen hast, den Sündern beizustehen, weil dein Sohn den Tod erlitten hat, um sie selig zu machen. O Mutter der Barmherzigkeit, siehe mein Elend an, und erbarme dich meiner. Ich höre dich von allen die Zuflucht der Sünder, die Hoffnung der Verzweifelnden, die Hilfe der Verlassenen nennen. So sei denn auch meine Zuflucht, meine Hoffnung und Hilfe. An dir ist es, mich durch deine Fürsprache zu retten. Stehe mir bei um der Liebe Jesu Christi willen, reiche die Hand einem armen Gefallenen, der sich dir empfiehlt. Ich weiß, dass es dir ein Trost ist, einem Sünder zu helfen, wenn du kannst. So hilf mir denn jetzt, wo du mir helfen kannst. Ich habe durch meine Sünden die göttliche Gnade und meine Seele verloren. Jetzt aber übergebe ich mich in deine Hände. Sage mir, was ich zu tun habe, um in die Gnade meines Herrn zurückzukehren, und ich will es unverzüglich tun. Er schickt mich zu dir, damit du mir zu Hilfe kommst. Er will, dass ich zu deiner Barmherzigkeit meine Zuflucht nehme, damit nicht allein die Verdienste deines Sohnes, sondern auch deine Fürbitten mir verhelfen, selig zu werden. Zu dir also fliehe ich. Bitte Jesus für mich. Zeige an mir die Größe der Wohltaten, die du denjenigen erweist, die auf dich vertrauen. So hoffe ich, so sei es. Amen. 

(Dieses und die darauffolgenden sechs Gebete

sind mit Ablässen begnadete Wochengebete.

Wer eine Woche hindurch täglich das betreffende Gebet mit 3 Ave Maria reumütig betet -

zum Ersatz aller der seligsten Jungfrau zugefügten Beleidigungen,

gewinnt jedesmal einen Teilablass.

Papst Pius VII., 1808.)

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Du siehst hier den Herrn mit strengen Blicken, erhoben seinen Arm und im Begriff, seine strafenden Pfeile auf die Sünder herabzuschleudern. Unten erblickst du zwei Heilige, den heiligen Franziskus von Assisi und den heiligen Dominikus, die sich zu Maria wenden, bittend um Gnade für die Sünder. Du siehst schließlich, wie Maria zu Christus aufblickt, und ihn, hindeutend auf die beiden fürbittenden Heiligen, um Barmherzigkeit für die Sünder bittet. Auf dieses hin erheitert sich alsbald das Antlitz Christi, er lässt seinen Arm sinken und ist gnädig den Sündern.

 

Gebet

 

O heiligste Jungfrau und Königin des Himmels, Maria, ich, der ich einstmals ein Sklave des bösen Feindes gewesen bin, weihe mich jetzt für immer deinem Dienst, und bringe mich dir dar, um dich zu verehren und dir zu dienen die ganze Zeit meines Lebens. Nimm mich also an zu deinem Diener, und weise mich nicht zurück, wie ich es verdiente. O Meine Mutter, auf dich habe ich alle meine Hoffnung gesetzt. Ich preise Gott und sage ihm Dank, dass er mir in seiner Barmherzigkeit dieses Vertrauen auf dich verliehen hat. Es ist wahr, ich bin ehedem auf elende Weise in die Sünde gefallen. Aber ich hoffe durch die Verdienste Jesu Christi und deine Fürbitte, schon Vergebung erlangt zu haben. Doch dies genügt mir noch nicht. Ein Gedanke betrübt mich noch, o meine Mutter, und dieser ist: dass ich die Gnade von Neuem verlieren kann. Die Gefahren dauern fort, die Feinde schlafen nicht, und neue Versuchungen werden mich überfallen. Beschütze mich also, meine Gebieterin, stehe mir bei in den Angriffen der Hölle, und lass nicht zu, dass ich von Neuem Sünden begehe und deinen göttlichen Sohn Jesus beleidige. Nein, nie geschehe es, dass ich meine Seele, den Himmel und Gott neuerdings verliere. Dies ist die Gnade, o Maria, die ich wünsche, die ich verlange, die du mir erbitten musst. So hoffe ich es. Amen.

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In diesem Bild erscheint Maria mit dem Jesuskind auf einem Gnadenthron, den, ehedem Salomos Thron, Löwen bewachen. Dies sinnbildet dir die tröstliche Wahrheit, dass diejenigen, die zur göttlichen Mutter ihre Zuflucht nehmen, Schutz und Sicherheit finden und demnach nichts zu fürchten haben. Maria wird ihnen den Mut und die Stärke eines Löwen verschaffen, so dass sie über Welt, Fleisch und Teufel glänzende Siege erringen. 

 

Gebet

 

O heiligste Jungfrau Maria, Mutter der Güte und Barmherzigkeit, Schrecken und Verwirrung ergreift mich, wenn ich meine Sünden betrachte und an die Stunde meines Todes denke. O meine allerliebste Mutter, auf dem Blut Jesu Christi und auf deiner Fürbitte beruhen alle meine Hoffnungen. O Trösterin der Betrübten, verlasse mich dann nicht, und säume dann nicht, mich in dieser großen Betrübnis zu trösten. Wenn mich schon jetzt die Vorwürfe über die begangenen Sünden, die Unsicherheit der erhaltenen Verzeihung, die Gefahr des Rückfalls und die Strenge der göttlichen Gerechtigkeit so sehr ängstigen, was wird es erst dann sein? Ach, meine Gebieterin, erwirke mir, bevor noch die Stunde meines Todes angelangt ist, einen großen Schmerz über meine Sünden, wahre Besserung des Lebens und standhafte Treue gegen Gott für die noch übrige Lebenszeit. Und wenn endlich meine Todesstunde gekommen ist, dann, o Maria, meine Hoffnung, stehe mir bei in den großen Ängsten, die mich überfallen werden, und stärke mich, damit ich nicht verzweifle bei dem Anblick meiner Sünden, die der böse Feind mir vor Augen stellen wird. Erbitte mir dann die Gnade, dich beständig anzurufen, damit ich deinen lieblichen Namen und den Namen deines allerheiligsten Sohnes im Mund meinen Geist aufgebe. Dies ist eine Gnade, die du so vielen deiner Verehrer erwiesen hast. Diese verlange auch ich, diese hoffe auch ich. Amen. 

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Was dieses Bild bedeutet, wirst du ohne jede Erklärung verstehen. Unten am Bild sind lauter Engel, - es sind unsere lieben Schutzengel. Die überreichen der guten Mutter Maria unsere Bittschriften. Maria aber nimmt diese Bittschriften ganz bereitwillig in Empfang und händigt sie ihrem Sohn Jesus ein. Auch er nimmt sie gerne an, und spricht das Fiat - Es geschehe! dazu. Wie trostvoll ist dieses Bild.

 

Gebet

 

O heiligste Mutter Gottes Maria, wie oft habe ich für meine Sünden die Hölle verdient, und vielleicht wäre mein Verdammungsurteil schon nach meiner ersten Sünde vollzogen worden, wenn nicht du, o gütige Mutter, die göttliche Gerechtigkeit aufgehalten und meine Herzenshärte besiegt und mich zum Vertrauen auf dich hingezogen hättest. Und in wie viele andere Vergehen wäre ich nicht vielleicht bei den Gefahren, die mich umgeben, gefallen, wenn du, liebreichste Mutter, durch die Gnaden, die du mir erwirktest, mich nicht bewahrt hättest. Aber, meine Königin, was wird deine Barmherzigkeit, was werden mir alle deine Gnaden helfen, die du mir erwiesen hast, wenn ich mich am Ende doch noch ins Verderben stürze? Wenn es eine Zeit gab, wo ich dich nicht liebte, so liebe ich dich jetzt nach Gott über alles. So lasse denn nicht zu, dass ich mich von dir und von meinem Gott, der mir durch deine Vermittlung so große Barmherzigkeit erzeigt hat, von neuem abwende. Gib nicht zu, dass ich dich in der Hölle für immer hassen und verwünschen müsste. Würdest du es ertragen können, einen deiner Diener, der dich liebt, verdammt zu sehen? O Maria, was erwiderst du mir? Werde ich verloren gehen? Ja, ich werde verloren gehen, wenn ich von dir lasse. Aber wie könnte ich das Herz haben, je einmal von dir zu lassen? Wie könnte ich all die Liebe vergessen, die du zu mir getragen hast? Nein, derjenige geht nicht zugrunde, der sich beharrlich dir anempfiehlt, und zu dir sich flüchtet. O Mutter, überlasse mich nicht meinen eigenen Händen, sonst bin ich verloren. Mache, dass ich immer zu dir meine Zuflucht nehme. Bewahre mich, du meine Hoffnung, vor der Hölle, und vorerst vor der Sünde, die allein mich zur Hölle verurteilen kann. Amen. 

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Du siehst hier deinen im allerheiligsten Sakrament gegenwärtigen Erlöser und Gott, als hellglänzende Sonne überallhin Gnaden ausstrahlend, besonders aber auf Maria hin, zu der seine Gnade gleich einem Strom sich ergießt. Du siehst aber auch, wie Maria von dem Überfluss ihrer Gnaden uns reichlich mitteilt, indem sie die an sie gerichteten Bittschriften den Menschen voll Milde zurückgibt mit den Worten: "Eure Bitten sind genehmigt!"

 

Gebet

 

O Königin des Himmels, die du über alle Chöre der Engel erhoben bist, und Gott am nächsten thronst, ich armer Sünder grüße dich aus diesem Jammertal, und bitte dich, deine mitleidigen Augen auf mich zu richten. Bedenke, o Maria, in welchen Gefahren, den Himmel und Gott zu verlieren, meine Seele schwebt und schweben wird, so lange ich auf dieser Welt zu leben habe. Auf dich, o meine Gebieterin, habe ich alle meine Hoffnung gesetzt. Ich liebe dich, und seufze danach, dich bald im Himmel zu sehen und zu preisen. Ach, Maria, wann wird der Tag kommen, an dem ich mich gerettet zu deinen Füßen sehen werde. Wann werde ich diese Hand küssen dürfen, die mir so viele Gnaden gespendet hat. Es ist wahr, meine Mutter, ich bin die Zeit meines Lebens sehr undankbar gegen dich gewesen. Aber wenn ich in den Himmel komme, werde ich dich dort jeden Augenblick durch die ganze Ewigkeit lieben, und meinen Undank durch Lob und Dank ohne Ende ersetzen. Ich danke Gott, dass er mir ein solches Vertrauen in das Blut Jesu Christi und in deine mächtige Fürbitte verliehen hat. So viele deiner wahren Verehrer haben auf dich gehofft, und keiner von ihnen ist in seiner Hoffnung getäuscht worden. O Maria, bitte deinen Sohn Jesus, wie auch ich ihn durch die Verdienste seines Leidens bitte, dass er diese meine Hoffnung befestigen und immerfort vermehren wolle. Amen. 

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Dieses Bild zeigt dir Gott den Vater im Himmel in seiner Macht und Herrlichkeit, die Weltkugel in seiner Rechten, da er der Schöpfer Himmels und der Erde ist. Nahe bei ihm siehst du Maria, und mit Recht, denn sie ist sein vornehmstes Geschöpf, die von ihm erwählte Mutter seines Sohnes. Unten schließlich siehst du den Statthalter Christi auf Erden, die Hände ausstreckend und betend, um für sich und die ganze streitende Kirche Schutz und Gnade zu erbitten. 

 

Gebet

 

O Maria, du bist das edelste, erhabenste, reinste, schönste und heiligste unter allen Geschöpfen. Möchten doch alle dich kennen, meine Gebieterin, und dich lieben, wie du es verdienst. Mein Trost ist, dass so viele Selige im Himmel und so viele Gerechte auf Erden leben, die von Liebe zu deiner Schönheit und Güte erfüllt sind. Vor allem aber freue ich mich, dass Gott selbst dich mehr liebt, als alle Engel und Menschen zusammen. Meine liebenswürdigste Königin, auch ich elender Sünder liebe dich, aber ich liebe dich viel zu wenig. Ich sehne mich, dich viel mehr und zärtlicher zu lieben, und dies sollst du mir erbitten, weil dich lieben ein großes Zeichen der Auserwählung und eine Gnade ist, die Gott nur denjenigen verleiht, die zur Seligkeit gelangen. Ferner, o meine Mutter, sehe ich, dass ich unendliche Verpflichtung gegen deinen Sohn habe, und dass er eine unendliche Liebe verdient. Du wünschst nichts sehnlicher, als ihn geliebt zu sehen. Dir kommt es also zu, mir diese Gnade, nämlich eine große Liebe zu Jesus Christus zu erbitten. Du erlangst von Gott alles, was du willst, so erlange mir dann diese Gnade. Ich suche nicht Güter dieser Erde, nicht Ehren und Reichtümer, sondern nur das, was dein Herz selbst am sehnlichsten verlangt: meinen Gott zu lieben. Ist es denkbar, dass du mir nicht beistehen solltest in einem Begehren, das dir so sehr gefällt? Nein, schon stehst du bei mir, schon bittest du für mich. Bitte, bitte, o Maria, und lass nicht ab, für mich zu bitten, bis du mich im Himmel siehst, wo ich sicher sein werde, meinen Gott zugleich mit dir, meine teuerste Mutter, immerfort zu besitzen und zu lieben. Amen.

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Siehst du wie Gott Vater im Himmel voll des Zornes auf die sündigen Adamskinder herabblickt, und schon daran ist, sie dem Verderben zu weihen? Aber Gott Sohn, der Erlöser der Welt, besänftigt den Zorn des Vaters, indem er für die armen Sünder sein kostbares Blut vergießt. Doch auch Maria ist tätig. Sie nimmt sich mit aller Liebe um die Sünder an, und erfleht ihnen Gnade.

 

Gebet

 

O meine heiligste Mutter, ich sehe die Gnaden, die du mir erlangt hast, und sehe zugleich den Undank, mit dem ich sie dir vergolten habe. Der Undankbare ist nicht würdig, neue Gnaden zu empfangen. Aber ich will deswegen in deine Barmherzigkeit kein Misstrauen setzen. O meine Fürsprecherin, erbarme dich meiner. Du bist die Ausspenderin aller Gnaden, die Gott uns Elenden verleiht, und er hat dich deswegen so mächtig, so reich und so gütig gemacht, damit du uns zu Hilfe kommst. Ich will selig werden. In deine Hände lege ich also mein Heil, und dir übergebe ich meine Seele. Ich will in die Zahl deiner ganz besonderen Diener aufgenommen werden, weise mich nicht zurück. Du gehst umher, die Elenden aufzusuchen, um sie zu unterstützen. So verlasse denn nicht einen armseligen Sünder, der zu dir seine Zuflucht nimmt. Lege deine Fürsprache für mich ein bei deinem Sohn. Er gewährt dir alles, was du von ihm begehrst. Nimm mich unter deinen Schutz, und dies genügt mir, denn wenn du mich beschützt, fürchte ich nichts. Ich fürchte nichts von meinen Sünden, weil du mir, wie ich hoffe, die Verzeihung derselben von Gott erwirken wirst, nichts von den höllischen Geistern, weil du mächtiger bist, als die ganze Hölle, ja, ich fürchte selbst nicht meinen Richter Jesus Christus, weil eine einzige Bitte, die du für mich einlegst, ihn versöhnen wird. Beschütze mich also, meine Mutter, erlange mir die Verzeihung meiner Sünden, die Liebe zu Jesus, die heilige Beharrlichkeit, einen guten Tod und endlich die Seligkeit des Himmels. Es ist wahr, dass ich diese Gnaden nicht verdiene: allein wenn du sie mir vom Herrn begehrst, werde ich sie dennoch erhalten. Bitte also Jesus für mich. O Maria, meine Königin, auf dich hoffe ich und vertraue ich, und in dieser Hoffnung will ich ruhen, mit ihr will ich leben, mit ihr will ich sterben. Amen.

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Dieses Bild zeigt dir, wie der Heilige Geist in Gestalt einer Taube auf Maria niederschwebt, und sie als seine reinste Braut mit Gnaden erfüllt. Es zeigt dir zugleich Maria, wie sie sich in dem Augenblick, da der Heilige Geist sie so hoch begnadet und die Menschwerdung des göttlichen Wortes in ihr bewirkt, ganz und gar verdemütigt, und, in tiefste Andacht versunken, den Herrn preist. Es zeigt dir zuletzt unten eine Frau, die von Bewunderung über die Gnadenfülle und Würde der seligsten Gottesmutter mit der Frau im Evangelium ausruft: "Selig der Leib, der dich getragen hat, und deren Brust dich genährt hat!" (Lk 11,28)

 

Gebet

 

O Maria, meine liebste Mutter, ich bin ein armer Sünder, und nicht würdig, vor dem Thron der göttlichen Majestät zu erscheinen und Gnade zu finden. Wenn ich meine Sünden betrachte, mit denen ich mein Gewissen beladen habe, und bedenke, dass ich den Einsprechungen des Heiligen Geistes so wenig Gehör gegeben und seinen Gnaden zu meinem Heil so wenig benützt habe, so entsinkt mir aller Mut, und ich wage es kaum, neuerdings meine Hände aufzuheben und um Gnade zu bitten. In meiner Armseligkeit nehme ich meine Zuflucht zu dir, und bitte dich inständig, habe Erbarmen mit mir. Du bist die Mutter der Barmherzigkeit, und verstößt keinen Sünder, der Vertrauen zu dir hat, so elend er auch ist. Du bist die reinste Braut des Heiligen Geistes, besitzt seine ganze Liebe, und alles, um was du ihn bittest, gewährt er dir. Ach, bitte ihn für mich, dass er mir meine vielfältige Untreue, meinen Leichtsinn und den Missbrauch seiner Gnaden verzeihe, mein Herz zerknirsche und in ihm das Feuer der göttlichen Liebe entzünde, mich stärke in allen Versuchungen, mich entflamme zu Tugendübungen und guten Werken, und mich bis ans Ende im Stand der Gnade erhalte. O Maria, liebevollste Mutter, dies hoffe ich von dir, dies erwarte ich von deiner Güte, und will dir dafür dankbar sein zeitlich und ewig. Amen. 

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Du hast hier ein Bild vor dir, das sehr sinnvoll ist. Was bedeutet der Buchstabe A? Die heiligste Dreifaltigkeit. Denn wie dieser Buchstabe aus drei Strichen besteht und doch nur ein Buchstabe ist, so sind in der heiligsten Dreifaltigkeit drei göttliche Personen, die aber nur einen Gott ausmachen. An der Spitze des Buchstaben A ist Gott Vater und an den beiden von der Spitze ausgehenden Seiten dieses Buchstaben sind Gott Sohn und Gott Heiliger Geist. Das sinnbildet die Wahrheit, dass vom Vater der Sohn und der Heilige Geist ihren Ursprung haben, indem der Sohn von ihm gezeugt ist, und der Heilige Geist von ihm ausgeht. Im Buchstaben A stehen die Worte: Ego sum Alpha - Ich bin das Alpha oder A. Diese Worte, die Gott selbst gesprochen hat, zeigen an, dass der dreieinige Gott das Erste und Höchste ist im Himmel und auf Erden, wie das A der erste Buchstabe im Alphabet. Unten befindet sich der Buchstabe B. Was bedeutet denn das? Es bedeutet, dass, wie das B der nächste Buchstabe nach dem A ist, so Maria die nächste nach der heiligsten Dreifaltigkeit ist. Denn sie ist die Tochter des Vaters, die Mutter des Sohnes und die Braut des Heiligen Geistes, geht also an Würde allen Engeln und Heiligen vor.

 

Gebet

 

Ich verehre dich von ganzem Herzen, o heiligste Jungfrau, über alle Engel und Heilige des Himmels, als die Tochter des ewigen Vaters, und schenke und weihe dir meine Seele mit allen ihren Kräften. Ave Maria.

Ich verehre dich von ganzem Herzen, o heiligste Jungfrau, über alle Engel und Heilige des Himmels, als die Mutter des eingeborenen Sohnes, und schenke und weihe dir meinen Leib mit allen seinen Sinnen. Ave Maria.

Ich verehre dich von ganzem Herzen, o heiligste Jungfrau, über alle Engel und Heilige des Himmels, als die geliebte Braut des Heiligen Geistes, und schenke und weihe dir mein Herz mit allen seinen Gefühlen, indem ich dich bitte, mir von der allerheiligsten Dreieinigkeit alle zu meiner Seligkeit nötigen Mittel zu erlangen. Ave Maria. 

(Wer vorstehende drei Gebete andächtig betet,

gewinnt jedesmal einen Teilablass,

Papst Leo XII., 1823)

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Dieses Bild zeigt dir oben Ölzweige, von glänzenden Strahlen umgeben, und unten den Teufel, wie er voller Schrecken die Flucht ergreift und dem Abgrund zufährt. Was bedeutet das? Den Namen Marias, der in der Schrift mit ausgegossenem Öl und mit Ölzweigen verglichen wird. Das Öl leuchtet, wirkt schmerzstillend, heilt Krankheiten und macht stark. So erleuchtet Maria ihre Diener, tröstet sie, heilt ihre Leibes- und Seelenkrankheiten, und stärkt sie im Kampf mit dem bösen Feind, dass sie ihn überwinden und in die Flucht schlagen. Der Ölzweig, mit dem die Taube in Noas Arche erschien, war ein Zeichen, dass der Herr aufhöre, die Erde zu züchtigen: so besänftigt Maria Gottes Zorn und tut seinen Strafgerichten Einhalt.

 

Gebet

 

Gedenke, o mildreichste Jungfrau Maria, es ist noch niemals erhört worden, dass du jemanden verlassen hast, der zu dir seine Zuflucht nahm, deine Hilfe anrief und um deine Fürbitte dich anflehte. Von diesem Vertrauen beseelt, eile ich zu dir, o Jungfrau der Jungfrauen. O Mutter, zu dir komme ich, vor dir erscheine ich seufzend als Sünder. Verschmähe, Mutter es Wortes, meine Worte nicht, sondern höre sie gnädig und erhöre sie. Amen. 

(Sooft man dieses Gebet des heiligen Bernhard andächtig betet,

gewinnt man einen Teilablass,

wer es täglich einen Monat lang betet,

gewinnt nach würdigem Empfang der heiligen Sakramente der Buße und des Altars

und Verrichtung des Ablassgebetes ein vollkommenen Ablass.

Papst Pius IX., 1846)

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Dieses Bild kennst du wohl beim ersten Blick, es stellt die gnadenreiche Geburt Christi dar. Das göttliche Kind liegt in einer Krippe. Voll zärtlicher Andacht und Liebe blicken Maria und Joseph auf das holdselige Kind. Der himmlische Vater aber breitet seine Arme aus, die heiligste Familie schützend und segnend. Der Hauptgedanke, den dieses Bild ausdrückt, ist, dass Maria "den Eingeborenen des Vaters voll der Gnade und Wahrheit" geboren hat, dass sie also ist die Gottesgebärerin.

 

Gebet

 

O geliebteste Mutter Gottes, Maria, in welchen Abgrund des Elends bin ich gesunken, wie oft und schwer habe ich deinen Sohn, meinen Herrn und Erlöser, beleidigt. Wie vielmal habe ich schon verdient, dass er mich um meiner Treulosigkeit willen verdammte auf ewig. Aber du, beste Mutter, hast dieses Unheil von mir abgewendet und bewirkt, dass ich die Züchtigung nicht erfuhr, die ich verdiente. Ich bereue nun meine Missetaten von ganzem Herzen. Sie schmerzen mich über alles. Ich bin fest entschlossen, den Pfad der Buße zu betreten und meinen Herrn und Gott nicht mehr zu beleidigen. O Maria, hochbegnadete Mutter Gottes, verlass mich auch in der Zukunft nicht. Voller Zuversicht wiederhole ich die Worte des heiligen Bernhard: "Auf dich, meine Gebieterin, habe ich vertraut, ich werde ewig nicht zu Schanden werden, auf dich habe ich alle meine Hoffnung gesetzt, ich hoffe deswegen zuversichtlich, dass ich nicht verloren gehen, sondern dass ich selig im Himmel die ganze Ewigkeit hindurch dich lieben und loben werde." Amen. 

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Dieses Bild zeigt dir Maria, thronend über einer Lilie, dem Sinnbild der jungfräulichen Reinheit. Unter dem Schatten dieser Lilie befinden sich Jungfrauen aus allen Ständen. Dies deutet an, dass im Hinblick auf Maria, die heilige Jungfrau, und von ihrem Beispiel entflammt, unzählige Christen beiderlei Geschlechtes jungfräulich lebten, und unter ihrem Schutz die Lilie der unbefleckten Reinheit bis zu ihrem letzten Atemzug bewahrten.

 

Gebet

 

O Jungfrau der Jungfrauen, vertrauensvoll erhebe ich zu dir meine Augen und Hände, dich demütigst bittend, du wollest mir in den vielen und großen Gefahren, denen meine Reinheit ausgesetzt ist, deinen gnädigen Schutz nicht entziehen. Siehe, ich bin gar schwach, und, da ich den Feind in meinem eigenen Fleisch trage, vor dem Fall keinen Augenblick sicher. Der Satan, der weiß, was für ein kostbares Gut die unbefleckte Reinheit ist, setzt sich mit der Welt in Verbindung und will mich mit den Banden der Unlauterkeit umstricken, um mich ins ewige Verderben zu stürzen. Ach, heiligste Jungfrau, beschirme mich in so großer Gefahr, und lass nicht zu, dass ich gegen die heilige Reinheit sündige. Erbitte mir bei Jesus, deinem Sohn, keusche Augen, keusche Ohren, eine keusche Zunge, keusche Hände, einen keuschen Leib und eine keusche Seele. Flöße mir Abscheu gegen alles ein, was die Reinheit nur im Mindesten verletzt. Beseele mich mit der Furcht Gottes, dass ich auch den Schatten der Unlauterkeit fliehe, und erwirke mir die Gnade, dass ich die standesmäßige Keuschheit bis zum letzten Atemzug bewahre, damit ich würdig werde, dich mit allen reinen Seelen im Himmel zu preisen. Amen.

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Du siehst hier ein Kindlein an der Mutterbrust. Du kennst dieses Kindlein. Es ist Christus, von dem der Prophet sagt: "Ein Kind ist uns geboren, ein Sohn ist uns geschenkt, auf dessen Schultern Herrschaft ruht, und man nennt seinen Namen: Wunderbar, Ratgeber, Gott, starker Held, Vater der Zukunft, Friedensfürst." (Jes 9,6) Auch die Mutter kennst du. Sie ist Maria, von der derselbe Prophet sagt: "Siehe, die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären, und seinen Namen wird man Emanuel (Gott mit uns) nennen." (Jes 7,14)

 

Gebet

 

O Maria, Mutter Christi, ich komme zu dir mit tiefster Ehrfurcht und mit kindlichem Vertrauen. Du hast Christus geboren, den großen Propheten, das Licht der Welt: bitte für mich, dass ich stets im Licht des Glaubens wandle und alle meine Christen- und Standespflichten gewissenhaft erfülle. Du hast Christus geboren, den König des Himmels und der Erde, dessen Reich ewig währt: erlange mir die Gnade, dass ich ein guter Diener deines Sohnes sei und ihm anhange in unwandelbarer Liebe und Treue bis zu meinem letzten Atemzug. Du hast Christus geboren, den Hohenpriester in Ewigkeit, der sich für die sündige Welt am Kreuz geopfert hat, und der sein blutiges Opfer alle Tage bis zum Ende der Zeiten auf unseren Altären unblutiger Weise erneuert: wende deine barmherzigen Augen zu mir und bitte deinen Sohn, dass er mir und allen Menschen die Früchte seines großen Opfers in Gnaden zuwenden wolle. O Mutter Christi, verlass mich nicht, bis ich einmal so glücklich bin, dich mit den Heiligen im Himmel zu preisen. Amen.

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Dieses Bild zeigt dir Maria, stehend auf einem Brunnen, der sein Wasser von allen Seiten in ein großes Becken ergießt, von dessen Öffnungen sodann das Wasser ausströmt, um Land und Leute zu erquicken. Dieser Brunnen sinnbildet Maria, die Mutter der göttlichen Gnade. Sie teilt von der Fülle der Gnaden, die sie von Gott empfangen hat, den Menschen reichlich mit, damit sie der Verheißungen Christi, ihres Sohnes, teilhaftig werden.

 

Gebet

 

O Maria, Mutter der göttlichen Gnade, die du allen zurufst: "Glücklich der Mensch, der mich hört und der an meiner Tür wacht Tag für Tag, und meiner wartet an den Pfosten meiner Tür" (Spr 8,34); siehe, in meiner Armseligkeit nehme ich meine Zuflucht zu dir und rufe dich um Schutz und Hilfe an. Du weißt, dass ich in großer Heilsgefahr schwebe, und jeden Augenblick meinen Gott, meine Seele, die Gnade und den Himmel verlieren kann. Habe Erbarmen mit mir, und lass mir von der Fülle deiner Gnaden auch einen Teil zukommen, damit ich Kraft gewinne, einen guten Kampf zu kämpfen, alle Hindernisse auf dem Weg der Tugend zu überwinden und in der Treue zu meinem Herrn und Gott niemals zu wanken. Entzünde in meinem Herzen das Feuer der göttlichen Liebe, dass ich das Geschäft meines Heils mit anhaltendem Eifer besorge und in der Übung des Guten niemals müde werde. O Mutter der göttlichen Gnade, blicke mit Huld und Liebe auf mich, und sei meine Beschützerin im Leben und Sterben. Amen. 

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Dieses Bild musst du genau betrachten: denn alles an ihm ist bedeutungsvoll. Maria hält in ihrer Rechten eine Lilie und ihrer Linken das liebe Jesuskind: die Lilie sinnbildet ihre unbefleckte Reinheit, das Jesuskind ihre göttliche Mutterschaft. Beides also sagt dir, dass sie die allerreinste Mutter ist. Unter ihr siehst du den Mond und unten am Bild zwei Männer, die voller Bewunderung aufwärts blicken und auszurufen scheinen: "Wer ist die, die wie die aufsteigende Morgenröte hervorkommt, schön wie der Mond?" (Hohel. 6,9) Maria wird mit dem Mond verglichen, weil sie ob ihrer himmlischen Reinheit gleich dem Mond einen überaus lieblichen Glanz verbreitet und alles mit Bewunderung erfüllt.

 

Gebet

 

O allerreinste Mutter Maria, so unrein ich bin, wage ich es doch, mich dir zu nahen, denn ich weiß, dass du auch die Sünder liebst und nichts sehnlicher wünschst, als dass sie rein werden. So bitte denn Jesus für mich, dass er mit seinem kostbaren Blut, das er auch für mich am Kreuz vergossen hat, meine Seele reinige von allen ihren Makeln. Erlange mir die Gnade, dass ich eine aufrichtige, reumütige Beicht verrichte und fortan würdige Früchte der Buße bringe. Auch diese Gnade musst du mir erwirken, dass ich alle unordentlichen Neigungen aus meinem Herzen schaffe, alle sündhaften Regungen und Leidenschaften unterdrücke, mich von aller Anhänglichkeit an die Geschöpfe losmache und Gott meine ganze Liebe schenke. Ich erkenne, dass es nichts in der Welt gibt, was meines Strebens und meiner Liebe wert ist. Ich weiß aber auch, dass ich meiner besseren Erkenntnis oft nicht folge und mich durch meine sinnlichen Regungen und Neigungen zu vielen Fehltritten verleiten lasse. O göttliche Mutter, hilf auch diesem Übel ab, höre nicht auf, mich mit deiner alles vermögenden Fürbitte zu unterstützen, bis ich jene Reinheit besitze, die mich würdig macht, dich und den heiligen dreieinigen Gott im Himmel zu schauen. Amen.

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Alles, was du an diesem Bild siehst, sinnbildet dir Maria, die allerkeuscheste Mutter. Das erste, was du gewahrst, ist ein Baum, der zugleich blüht und Früchte bringt. Dieser merkwürdige Baum bedeutet Maria, die uns Jesus, die gebenedeite Frucht ihres Leibes, geschenkt hat, ohne aufzuhören, in jungfräulicher Reinheit fortzublühen, die also Mutter und Jungfrau zugleich ist. Der Baum steht in einem Garten, vor dem sich ein verschlossenes Tor befindet. Daneben bemerkst du noch einen Gegenstand, der einen versiegelten Brunnen darstellen soll. Dieses verschlossene Tor und dieser versiegelte Brunnen, womit Maria im Hohenlied (4,12) verglichen wird, sinnbilden wieder ihre unversehrte Keuschheit, denn ihr heiligster Leib blieb für alles verschlossen und versiegelt, was seine Jungfräulichkeit hätte verletzen können.

 

Gebet

 

O meine liebste Mutter Maria, ich wünschte vom Herzen, dir eine Freude zu machen, und meine Liebe zu dir durch ein Opfer zu betätigen, das dir besonders angenehm wäre. Weil ich weiß, dass du an reinen, jungfräulichen Seelen das größte Wohlgefallen hast, so gelobe ich dir, dass ich die Tugend der standesmäßigen Keuschheit mein ganzes Leben lang mit aller Sorgfalt bewahren werde. Aber ach, ich bin ein gar schwaches Geschöpf und keinen Augenblick sicher vor dem Fall. Ich trage einen argen Feind in mir selbst, den Stachel des Fleisches, der mir vielfache Versuchungen bereitet. Ich lebe in einer verdorbenen Welt, die nichts unterlässt, mir die kostbare Perle der Keuschheit zu rauben. Ich leide Angriffe vom Satan, der nicht müde wird, mich zu verfolgen und ins Verderben zu stürzen. Aber du, allerkeuscheste Mutter, kannst mir helfen. Dir fehlt es nicht an Macht, mich gegen alle meine Feinde zu verteidigen und ihre Angriffe zu Schanden zu machen. Zu dir nehme ich also meine Zuflucht, dich inständigst bittend, du wollest mir bei jeder unreinen Anfechtung eiligst zu Hilfe kommen und mich aufrichten, ermutigen und stärken, dass ich den Geist der Unlauterkeit allezeit besiege. Ich hoffe zuversichtlich, dass ich mich einmal unter den reinen Seelen befinden werde, die im Himmel dein Lob ewig verkünden. Amen.

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In diesem Bild siehst du zu den Füßen der heiligen Jungfrau vier höllische Ungeheuer liegen, und dies deutet an, dass Maria über die Hölle vier glorreiche Siege errungen hat. Den ersten Sieg errang sie bei ihrer Empfängnis, da sie ohne Makel der Erbsünde empfangen wurde, den zweiten, da sie Mutter wurde, ohne aufzuhören, Jungfrau zu sein, den dritten, da sie Jesus gebar, durch den sie der höllischen Schlange den Kopf zertrat, den vierten bei ihrem Tod, da ihr Leib nicht der Verwesung anheimfiel, sondern vereinigt mit der Seele in den Himmel aufgenommen wurde.

 

Gebet

 

Maria, ungeschwächte Mutter. Gedenke aller Gnaden und Vorzüge, mit denen dich Gott in deiner Empfängnis, in deinem Leben und Sterben und im Himmel so reichlich ausgestattet hat, und gedenke dann auch meiner, da ich arm, schwach und alles Guten entblößt in tiefem Elend seufze. Ich habe meinen Gott schon so oft beleidigt und verdiene nur zu sehr, von ihm auf ewig verstoßen zu werden. Ich nehme daher meine Zuflucht zu dir, o Mutter der Gnade, und bitte dich, dass du dich meiner erbarmst, und mir Vergebung der Sünden und wahre Buße erlangst. Ich lebe auf einer Erde, auf der der Fluch der Sünde lastet, und kaum vergeht mir ein Tag, an dem ich nicht von Leiden und Trübsalen heimgesucht werde. O beste Mutter, verlass mich nicht in meinen Bedrängnissen. Bitte deinen Sohn, dass er das Kreuz, unter dessen Bürde ich seufze, von meinen Schultern nehme, oder mir doch ausdauernde Geduld gebe, es mit Standhaftigkeit zu tragen, so lange es ihm wohlgefällt. Die Zahl meiner Lebenstage wird immer geringer. Bald vielleicht schlägt meine letzte Stunde, die mein Schicksal für die ganze Ewigkeit entscheidet. O Mutter meines Herrn und Erlösers, sei mir Licht, Schutz und Trost in jener verhängnisvollen Stunde, verteidige mich gegen alle Anfälle des bösen Feindes und erwirke mir die Gnade der Beharrlichkeit, dass ich einen guten Kampf kämpfe, eines guten Todes sterbe und das Glück habe, dir für deine Liebe und Barmherzigkeit im Himmel zu danken. Amen.

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Dieses Bild zeigt dir Maria, die unbefleckte Mutter, wie sie den Sohn Gottes vom Heiligen Geist empfängt. Du siehst oben den Heiligen Geist in Gestalt einer Taube, von dem gleich einer Sonne ein mächtiger Lichtstrahl ausgeht. Dieser Lichtstrahl fällt auf einen Brennspiegel. Der Brennspiegel aber sendet den Strahl auf ein Buch, in dem die Worte stehen: "Verbum caro factum est - das Wort ist Fleisch geworden." Was bedeutet dies? Es bedeutet eben das wunderbare Glaubensgeheimnis, dass Maria bei der Empfängnis des Sohnes Gottes unbefleckt geblieben und also Mutter und Jungfrau zugleich ist. Denn wie die Sonne ihre Strahlen auf einen Brennspiegel wirft und von da aus einen in die Nähe gebrachten Gegenstand anzündet, ohne den Brennspiegel selbst zu verletzen: so hat der Heilige Geist auf Maria seine Gnadenstrahlen geworfen und durch sie das Licht der Welt, Jesus Christus, angezündet, ohne dass dadurch Maria, dieser Spiegel der Gerechtigkeit, verletzt worden wäre.

 

Gebet

 

 O Maria, unbefleckte Mutter, ich bin ein schwaches Geschöpf und kann den Schatz der Reinheit jeden Augenblick verlieren. Ich nehme daher meine Zuflucht zu dir, und bitte dich demütig, mich nicht zu verlassen, sondern mir, so lange ich lebe, deinen mächtigen Schutz zu gewähren. Wache über mich, wenn ich allein bin, damit ich nichts denke und tue, was der heiligen Reinheit zuwiderläuft. Wache über mich, wenn ich unter Menschen verweile, damit meine Augen nichts sehen, meine Ohren nichts hören, meine Zunge nichts rede, was die Keuschheit verbietet. Wache über mich in der Stunde der Versuchung, damit ich mich alsbald mit heiligem Unwillen abwende von jeder unreinen Vorstellung oder Begierde, kräftig kämpfe und vollkommen siege. Wache über mich bei Tag und bei Nacht, in all meinem Tun und lassen, damit ich immer Gott vor Augen habe und die Keuschheit unbefleckt bewahre. "O meine Herrin, o meine Mutter. Dir schenke ich mich ganz, und damit ich mich dir als ganz ergeben zeige, weihe ich dir heute meine Augen, meine Ohren, meinen Mund, mein Herz, mich ganz und gar. Und weil ich nun so dein bin, o gute Mutter, so bewahre mich, beschütze mich als deine Sache und als dein Eigentum." Amen. 

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Du siehst wie das liebe Jesuskind sich voller Zärtlichkeit an seine Mutter Maria schmiegt: dies sagt dir, dass Maria von Gott innigst geliebt wird. Du siehst, wie von Maria Lichtstrahlen ausgehen und auf die Erde hinstrahlen: dies sagt dir, dass auch die Menschen mit einem Herzen voll Liebe zu ihr aufblicken. Du siehst schließlich Maria von Blumen umgeben. Dies sagt dir, dass sie Gott und Menschen eine liebliche Mutter ist.

 

Gebet

 

Liebevollste Königin, wie schön ist der Name, den dir die dich liebenden Seelen geben, da sie voll Zärtlichkeit zu dir rufen: Liebliche Mutter, du bist wahrhaft liebenswürdig, du liebste Königin meines Herzens. Deine Schönheit hat selbst deinen Gott zur Liebe zu dir entflammt. Der heilige Bonaventura sagt, dass dein Name allen, die dich lieben, so lieblich klingt, dass, wenn sie ihn nennen oder nur nennen hören, der Wunsch dich zu lieben in ihnen erwacht und vermehrt wird. Es geziemt sich also, meine liebenswürdigste Mutter, dass ich dich liebe. Aber es genügt mir nicht, dich auf eine gewöhnliche Weise zu lieben. Ich will dich auf Erden und dereinst im Himmel nach Gott über alles lieben. Nimm an diesen meinen innigsten Wunsch, o Maria, und zum Zeichen, dass du ihn liebevoll angenommen hast, erlange mir von Gott diese Liebe, um die ich dich bitte, denn je mehr man dich liebt, desto mehr liebt man auch Gott. O liebliche Mutter, ich liebe dich, und will dich lieben zeitlich und ewig. Amen. 

(Nach dem heiligen Alfons Maria von Liguori)

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Das war ein wunderbarer Dornbusch, den Mose in der Wüste sah, denn er brannte und wurde nicht verbrannt. Auf die Stimme Gottes, die aus dem Dornbusch erscholl, zog Mose seine Schuhe aus, fiel nieder und bedeckte voll Ehrfurcht sein Angesicht. (2 Mose 3,1-5) Dieser Dornbusch sinnbildet Maria, die göttliche Mutter. Denn wie die Gottheit im Dornbusch war, so war Christus, der Sohn Gottes im heiligsten Leib Mariens, in dem er Fleisch annahm. Und wie der Dornbusch brannte, aber nicht verbrannte, so wurde Maria Mutter ohne Verletzung ihrer Jungfräulichkeit. Sie ist also in der Tat eine wunderbare Mutter.

 

Gebet

 

O Maria, es ist mein schönster Trost, dich als die wunderbare Mutter verehren zu können, denn die wunderbaren Gnaden, mit denen dich die heiligste Dreifaltigkeit überhäuft hat, kommen nicht bloß dir, sondern allen Menschen zu Nutzen. Weil du eine wunderbare Mutter bist, besitzt du die Macht, mir in allen Anliegen des Leibes und der Seele die ersehnte Hilfe zu erlangen. Auch bist du überaus mild und barmherzig, und es ist Bedürfnis deines liebevollen Herzens, die Betrübten zu trösten, die Schwachen zu stärken, die Gefährdeten zu beschützen, die Kranken zu heilen, den Sündern Verzeihung zu erwirken, kurz allen Unglücklichen und Bedrängten zu helfen. O meine liebste Mutter, auch ich bin einer, der pilgert im Tal der Tränen und täglich deines Schutzes und Beistandes bedarf. Ich nehme also meine Zuflucht zu dir und bitte dich vertrauensvoll, du wollest mir stets deinen mütterlichen Schutz angedeihen lassen. Ich gelobe dir, dass ich mich für deine Güte dankbar bezeigen und von den Gütern und Gnaden, die ich durch deine Vermittlung von Gott erhalte, jederzeit einen guten Gebrauch machen werde. Mein unablässiges Streben wird sein, nach deinem Beispiel Gott in guten wie in schlimmen Tagen mit gleicher Treue zu dienen, damit ich nach diesem vergänglichen Leben eingehen darf in die Freuden des ewigen Lebens. Amen. 

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Dieses Bild zeigt dir Maria mit dem Jesuskind, das die Weltkugel mit seiner Rechten hält. Dadurch wird angedeutet, dass Jesus Christus, der Sohn Gottes, der Schöpfer der Welt, und mithin Maria die Mutter des Schöpfers sei. Unten befindet sich der königliche Sänger, der voller Staunen die Wunder der Schöpfung betrachtet und in heiliger Begeisterung dem Schöpfer lobsingt.

 

Gebet

 

O Maria, Mutter unseres Schöpfers. Furcht erfüllt mein Herz und Schamröte bedeckt mein Angesicht, wenn ich bedenke, wie undankbar ich gegen meinen Herrn und Schöpfer gewesen bin. Statt meine Gedanken auf ihn zu richten und ihm in Liebe anzuhangen, war ich nur für das Irdische besorgt und vergeudete die schönsten Jahre meines Lebens im Dienst der Welt. Ich hatte nur ein Herz für die Freuden und Güter der Erde, und kümmerte mich wenig um den Dienst Gottes und das Heil meiner Seele. Statt diese zeitlichen Dinge zur Verherrlichung meines Schöpfers zu gebrauchen, mussten sie mir vielfach zu seiner Beleidigung dienen. Und statt die Gnaden, die mir von seiner Hand so reichlich zuflossen, zu meiner Vervollkommnung und Heiligung zu benützen, wies ich sie leichtsinnig von mir und lebte in Heilsvergessenheit dahin. O liebevollste Mutter, habe Erbarmen mit mir und lasse nicht zu, dass mich dein Sohn wegen meiner Undankbarkeit und wegen des Missbrauchs seiner Güte verwerfe. Erlange mir die Gnade, dass ich von heute an mein Herz losmache von den Eitelkeiten der Welt, jede Sünde sorgfältig meide, das Geschäft meines Heils in Ordnung bringe und im Dienst Gottes bis zum Ende verharre. Amen. 

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Das Kreuz ist das gesegnete Werkzeug unserer Erlösung. Vom Kreuz herab kam das Wort: "Es ist vollbracht!" Das Bild des gekreuzigten Heilandes sagt dir also, dass Jesus unser Erlöser ist. Unter dem Kreuz erblickst du Maria, die Mutter des Gekreuzigten, mithin die Mutter unseres Erlösers. Maria erscheint in kniender Stellung, ihre Arme auf der Brust gekreuzt, voller Innigkeit und Andacht, und dies deutet an, dass sie ihren Sohn freiwillig opfert für die Menschen, und nichts sehnlicher wünscht, als die Erlösung der sündigen Welt. Vom Kreuz gehen überallhin mächtige Strahlen aus, und diese sinnbilden die Gnaden der Erlösung.

 

Gebet

 

O Maria, Mutter unseres Erlösers, ich weiß, dass du nichts sehnlicher wünschst, als dass alle Menschen die Gnade der Erlösung sich aneignen und zum Heil gelangen. Ich weiß, dass du unablässig bemüht bist, selbst die größten Sünder dem Verderben zu entreißen, und dass du voller Liebe und Barmherzigkeit umhergehst, um alle zu retten, die sich retten lassen. Darum fasse ich großes Vertrauen zu dir und bitte dich demütig, du wollest dich auch meiner liebevoll annehmen und mir deinen mächtigen Schutz im Leben und Sterben zuwenden. Ach, ich bin armselig und schwach und vor dem Fall keinen Augenblick sicher. Ich habe die Gnaden, die mir Jesus Christus, unser Erlöser, durch sein Leiden und Sterben verdient hat, schon vielmals missbraucht, und kann des Undanks mich neuerdings schuldig machen. O meine liebste Mutter, lass doch dies nicht mehr geschehen. Verteidige mich gegen die Feinde meiner Seele, lenke meinen Sinn aufs Himmlische und rüste mich aus mit Mut und Kraft, dass ich das Geschäft meines Heils mit anhaltendem Eifer besorge, standhaft den Weg der Gerechtigkeit gehe und dereinst mein ewiges Ziel glücklich erreiche. Amen. 

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In diesem Bild wird dir Maria als die allerweiseste Jungfrau vorgestellt. Sie wendet ihren Blick aufwärts, zum Zeichen, dass die wahre Weisheit von oben kommt. Sie trägt Jesus, den Gekreuzigten, auf ihrer Brust, zum Zeichen, dass sie den geboren hat, der die ewige Weisheit ist, und dass nur im Kreuz sich die wahre Weisheit findet. Vor ihr erblickst du eine brennende Lampe, das Sinnbild der Weisheit, und unter ihr die klugen Jungfrauen, ebenfalls mit brennenden Lampen, zum Zeichen, dass Maria unter allen Jungfrauen die weiseste ist und also mit Recht die allerweiseste Jungfrau genannt wird.

 

Gebet

 

O allerweiseste Jungfrau Maria, auf dich will ich meine Augen richten, um wahre Weisheit zu lernen. Durchdrungen von kindlicher Gottesfurcht, warst du unablässig bemüht, den Weg der Gebote zu gehen und beflecktest deine engelreine Seele nicht mit einem Hauch der Sünde. Erleuchtet vom göttlichen Gnadenlicht, erkanntest du, dass alles unter der Sonne Eitelkeit sei, nicht würdig deines Verlangens und Strebens. Entflammt von der heiligen Liebe, wurdest du nicht müde in der Übung des Guten und erstiegst unter allen Heiligen die höchste Stufe der geistlichen Vollkommenheit. Möchte ich dein Beispiel immer vor Augen haben und nach ihm mein Leben einrichten. Aber siehe, meine liebste Mutter, ich bin gar armselig und vermag nicht zu tun, was die christliche Weisheit mir zur Pflicht macht. Komm mir also in meiner Schwachheit zu Hilfe, und bitte Jesus, deinen Sohn, "in dem alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis verborgen sind" (Kol 2,3), er möge mich erleuchten, dass ich erkenne, was recht, gut und heilsam ist, und mich von den Blendwerken der Welt niemals täuschen lasse. Er möge mich mit der Furcht Gottes erfüllen, dass ich mich vor jeder Sünde sorgfältig in acht nehme. Er möge in meinem Herzen seine Liebe entzünden, dass ich ihm mit Eifer diene und stets an meiner Vervollkommnung und Heiligung arbeite. O Maria, ich hoffe zuversichtlich, dass du mir diese Gnade verschaffst und mich so in den Stand setzt, mein Heil zu wirken und selig zu werden. Amen. 

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Dieses Bild zeigt dir fromme Christen, die durch ihre Körperhaltung und ihren andächtigen Blick deutlich werden lassen, dass sie von tiefster Ehrfurcht zu Maria durchdrungen sind. Sie sind vier an der Zahl, und jeder von ihnen hat eine andere Tracht. Dies sagt dir, dass die seligste Jungfrau nicht bloß von einem und dem anderen Volk, sondern von den Gläubigen der vier Weltgegenden verehrt werde, und sich das Wort erfülle, das sie selbst gesprochen hat: "Von nun an werden mich selig preisen alle Geschlechter." (Lk 1,48)

 

Gebet

 

Heilige Maria, du ehrwürdige Jungfrau, ich erwähle dich heute und allezeit zu meiner Schutzfrau und Fürsprecherin, und mache dir das ernste Versprechen, dass ich dir mit aller Treue dienen werde, bis zum letzten Augenblick meines Lebens. Ich werde mich sorgfältig in Acht nehmen, etwas zu denken, zu reden oder zu tun, was deiner Ehre irgend einen Abbruch tun könnte. Ich werde vielmehr stets für deine Ehre eifern und alle meine Kräfte aufbieten, dass dich auch meine Mitmenschen verehren und lieben. Sollte es jemand wagen, gegen dich etwas Ehrenrühriges vorzubringen oder zu unternehmen, so werde ich ihn, wenn es mir anders möglich ist, zurechtweisen, und mich bemühen, ihn durch Belehrung und Ermahnung auf bessere Wege zu bringen. Ich bitte dich also demütig, o heilige Jungfrau Maria, nimm mich zu deinem beständigen Diener an, gewähre mir in allen meinen Anliegen und Versuchungen deinen gnädigen Schutz, und stehe mir bei in der Stunde des Todes, dass ich den letzten Kampf glücklich kämpfe und in Frieden scheide. Amen. 

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Dieses Bild zeigt dir einen Engel, der hinweisend auf Maria, die seligste Jungfrau, über der Erde schwebt und eine Trompete bläst. Was bedeutet dies? Es bedeutet, dass Maria die lobwürdige Jungfrau ist. Ein Engel verkündet ihr Lob zum Zeichen, dass wir ganz dem Willen Gottes gemäß handeln, wenn wir Maria preisen: er verkündet ihr Lob mit Trompetenschall, damit es die ganze Welt vernehme, und alles rufe: "Gegrüßet seist du, voll der Gnade, der Herr ist mit dir, du bist gebenedeit unter den Frauen." 

 

Gebet

 

O wunderbare Jungfrau Maria. Himmel und Erde sind deiner Wohltaten voll. Wie ich einen überaus barmherzigen Herrn an Jesus habe, so habe ich an dir eine höchst barmherzige Mutter, denn eine Mutter von großer Güte bist du für alle, die dich anrufen. Darum rufe ich aus ganzem Herzen zu dir, und freue mich über deine große Barmherzigkeit. Alle Geschlechter segnen dich, weil alle Geschlechter durch dich gesegnet worden sind. Stehe mir bei, o fruchtbare Mutter, damit ich durch dich die Frucht des ewigen Lebens erlange. Sei mir behilflich, dass der ewige Vater mir die Gnade verleihe, ohne Ende zu genießen der wunderbarsten Frucht deines Leibes, Jesus, der mit dem Vater und dem Heiligen Geist lebt und regiert in Ewigkeit. Amen.

(Nach dem heiligen Bonaventura)

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Maria erscheint in diesem Bild mit einem Herrscherstab in der Rechten, umgeben von einem Schild, von Schwertern und anderen Waffen. Sie hält den Herrscherstab in der Rechten, zum Zeichen, dass sie als mächtige Königin gebietet; sie ist mit dem Schild und Schwert und anderen Waffen umgeben, zum Zeichen, dass sie gleich einem wohlgeordneten Kriegsheer uns verteidigt, und uns den Sieg erringt über alle unsere Feinde. Das ganze Bild führt dir also Maria als die mächtige Jungfrau vor Augen.

 

Gebet

 

Ich grüße dich, o Gnadenvolle, du bist die Ursache unseres wahren Trostes. Durch dich ist das Urteil unserer Verdammung widerrufen, und in ein erbarmungsvolles Wort der Gnade umgewandelt worden. Ich grüße dich, o vortrefflichste und wahrhaft gebenedeite Jungfrau, die du zum Tempel der Herrlichkeit Gottes und zum geheiligten Palast des Königs der Himmel erwählt worden bist. Dein jungfräulicher Schoß ist das königliche Lager, in dem die Menschheit Jesu Christi mit der Gottheit so glücklich vereinigt worden. In dir wurde Gott mit dem Menschen wieder ausgesöhnt. Du bist das Kleinod des unsterblichen Lebens, der Himmel, in dem die Sonne der Herrlichkeit über dem Gesichtskreis dieses Lebens zu leuchten begann, die himmlische Bundeslade des eingefleischten Wortes. Ich grüße dich, Mutter und Gebärerin deiner eigenen Freude. Du bist in Wahrheit die einzig Gebenedeite, weil du vor allen deines Geschlechtes für würdig befunden worden bist, Mutter deines Schöpfers zu sein. Alle Geschlechter preisen dich selig, die Könige loben dich, die Fürsten huldigen dir, die Vornehmsten des Volkes tragen dir ihre Bitten vor, und die heiligen Jungfrauen rechnen es sich zur Ehre, dir zu folgen. O Maria, wenn ich auf dich vertraue, werde ich selig sein, wenn ich unter deinem Schutz lebe, habe ich nichts zu fürchten, denn der Herr hat in deine Hände gelegt die Waffen des Heils, die er denen übergibt, die er selig machen will. Amen.

(Nach dem heiligen Andreas von Kreta)

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Siehe wie Maria ihren weiten Mantel ausbreitet, in dem Christen jeden Standes, Alters und Geschlechtes Schutz finden. Dieses Bild zeigt dir Maria als die gütige Jungfrau, die gleich ihrem göttlichen Sohn voller Mitleid und Erbarmen allen Bedrängten zuruft: "Kommt zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid, ich will euch erquicken." (Mt 11,28) 

 

Gebet

 

O Mutter meines Gottes, indem ich dich kindlich grüße, bitte ich dich zugleich, dass du deine liebreichen und barmherzigen Augen von mir nicht abwendest. Ich weiß, erhabenste Gebieterin, dass du voll Güte bist, und uns Menschen mit einer Liebe umfängst, die jede erschaffene Liebe übersteigt. O wie oft hast du den Zorn des göttlichen Richters besänftigt, da er seinen strafenden Arm über uns schon ausgestreckt hatte. Alle Schätze der Barmherzigkeit Gottes sind in deinen Händen. Mögest du doch niemals aufhören, uns bei Gott zu vertreten, die du selbst Gelegenheit suchst, alle zu retten und an deinen Erbarmungen teilnehmen zu lassen. Dein Name wird noch mehr verherrlicht, wenn die Sünder bei Gott Gnade und Verzeihung erlangen, und gerechtfertigt in die ewige Seligkeit eingehen. Wende denn deine barmherzigen Augen zu uns, damit auch uns dieses Heil widerfahre, und wir deine Herrlichkeit schauen. Dies sei unser größtes Gut, unsere einzige Ehre, durch dich zur Anschauung Gottes zugelassen zu werden, nächst Gott dich ewig zu lieben, und hier unter deinem Schutz zu leben. Dein Sohn will dich dadurch ehren, dass er keine deiner Bitten ohne Erhörung lässt. Bitte also um diese einzige Gnade für uns. Amen. 

(Nach dem heiligen Petrus Damianus)

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Dieses sinnvolle Bild zeigt dir Maria mit dem göttlichen Kind, ein Herz und ein Kreuz. Das Herz ist das Sinnbild der Treue, und von Maria gilt ganz besonders das Wort der Schrift: "Du hast treu gefunden das Herz." (Neh 9,8) Das göttliche Kind auf dem Schoß Mariens und das Kreuz deuten an, dass die seligste Jungfrau mit mütterlicher Treue an Jesus hing von seiner Geburt an bis zu seinem Tod am Kreuz. In diesem Bild wird dir also Maria als getreue Jungfrau vorgestellt.

 

Gebet

 

O Mutter der Schmerzen, Königin der Martyrer, du hast um unseres Heiles willen so große Drangsal gelitten beim Tod deines Sohnes. Was würde es uns aber nützen, wenn wir ewig zugrunde gingen? Erlange uns also um der Verdienste deiner Schmerzen willen eine aufrichtige Reue über unsere Sünden, wahre Besserung des Lebens und ein zärtliches, unaufhörliches Mitleid mit dem Leiden Jesu und mit deinen Schmerzen. Wenn ihr, dein Sohn und du, die ihr doch so unschuldig gewesen, so viel für uns gelitten habt, so lasst auch uns, die wir die Hölle verdient haben, etwas leiden. O unsere Gebieterin, rufen wir mit dem heiligen Bonaventura, wenn wir dich beleidigt haben, so übe Gerechtigkeit und verwunde unsere Herzen. Wenn wir dir gedient haben, so bitten wir dich, du wollest uns durch dein Leiden dafür belohnen. Schimpflich scheint es uns, unseren Heiland und dich, seine Mutter, verwundet zu sehen, und uns zu gleicher Zeit ohne Wunden zu erblicken. Endlich bitten wir dich, unsere liebste Mutter, um des unaussprechlichen Schmerzes willen, den du ausgestanden, als du deinen geliebten Sohn das Haupt neigen und sterben sahst, erlange uns eine glückselige Sterbestunde. O mächtige und liebreiche Fürsprecherin der Sünder, wir bitten dich, du wollest bei dem furchtbaren Übergang in die Ewigkeit nicht unterlassen, unserer armen, von Versuchungen bestürmten Seele beizustehen. Und weil uns in jenen Augenblicken vielleicht nicht gegönnt ist, deinen und deines Sohnes Namen, auf denen unsere ganze Hoffnung beruht, anzurufen, so rufen wir euch jetzt schon an, damit ihr uns in der letzten Stunde beispringt, und sprechen deshalb: Jesus und Maria, euch empfehle ich meine Seele. Amen.

(Nach dem heiligen Alfons Maria von Liguori)

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Dieses Bild zeigt dir einen Engel, in der Rechten eine Wage, in der Linken einen Spiegel mit der seligsten Gottesmutter, ganz unten den höllischen Drachen. Was bedeutet das? Die Wage ist ein Sinnbild der Gerechtigkeit, der Spiegel bedeutet so viel, als Muster, Vorbild. Es wird also her Maria als Spiegel oder als erhabenstes Muster und Vorbild der Gerechtigkeit dargestellt. Auch der höllische Drache tief unten spielt keine müssige Figur. Man sagt, dass, wenn ein Basilisk sein Gift auf einen Spiegel spritzt, dieser das Gift auf ihn zurückwirft und ihn tötet. So hat Maria, dieser Spiegel der Gerechtigkeit, das Gift der Sünde, das der höllische Drache auf sie speien wollte, auf ihn zurückgeschleudert und ihm den Kopf zertreten.

 

Gebet

 

Zu dir flehe ich, o du vortreffliche Mutter meines Gottes. Nicht umsonst grüßt dich die ganze Kirche als die Fürsprecherin und Zuflucht der Sünder, als die Mutter der Barmherzigkeit. Nein, man wird von dir, die du den Quell aller Barmherzigkeit geboren hast, nimmer sagen können, dass du jemanden hilflos von dir entlässt. Solltest du den Sündern deine Fürsprache nicht zuwenden, da du lauter Liebe bist, und deine Vermittlung bei Gott alles vermag? Du hast unzähligemal deine Milde gegen die elendsten Sünder bewiesen. Du hast uns vollkommen überzeugt, dass wir auf dein Erbarmen sicher vertrauen, auf deine Güte hoffen, und in allen Nöten um deinen Schutz bitten dürfen. Ich bin daher versichert, du wirst viel nachdrücklicher für mich sprechen, als ich selbst imstande bin, es zu tun, und mir größere Gnaden erwirken, als ich selbst zu begehren wage. O Mutter der Barmherzigkeit, du hast noch keinen, der sich aufrichtig an dich wendete, von den Wirkungen deiner Güte ausgeschlossen: sollte ich der einzige Unglückliche sein, deinen Beistand, um den ich dich so dringend bitte, nicht zu erhalten? O Maria, ich bin ja dein Diener. Bewirke durch deine Vermittlung, dass ich Vergebung meiner Sünden erlange, würdige Früchte der Buße bringe und selig werde. Amen.

(Nach dem heiligen Wilhelm, Bischof von Paris)

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Dieses Bild zeigt dir Maria als den Sitz der Weisheit. Maria erscheint mit dem göttlichen Kind auf ihrem Schoß, und dies sagt dir, dass sie den Sohn Gottes, der das ewige Wort oder die Weisheit des Vaters ist, in ihrem jungfräulichen Schoß getragen hat, und dass sie mithin der Sitz der Weisheit ist. In diesem Bild siehst du auch sieben Personen mit feurigen Zungen auf ihren Häuptern, und diese sinnbilden die sieben Gaben des Heiligen Geistes, mit denen Maria erfüllt ist, und die ihre Verehrer durch ihre Vermittlung vom Heiligen Geist empfangen.

 

Gebet

 

Ich begrüße dich, Maria, Mutter Gottes, immer Jungfrau, Sitz der Weisheit, allerheiligste Königin, in der die ganze Fülle der Gnaden und alles Gute sich findet. Keine unter allen deines Geschlechtes vermag dich an Heiligkeit und Würde zu erreichen. Du bist die Tochter und Magd des himmlischen Vaters, des großen Königs. Du bist von ihm erwählt zur Mutter seines vielgeliebten Sohnes. Du bist die Braut des Heiligen Geistes, des Trösters. Sei gegrüßt, du Palast, Tempel und Mutter unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus. Ich bewundere die Tugenden, mit denen du ausgerüstet bist, und habe das sehnlichste Verlangen, sie, so viel mir mit Gottes Hilfe gegönnt ist, ebenfalls in Ausübung zu bringen. Du, die du so mild und liebevoll bist, bitte Jesus, deinen geliebtesten Sohn, für mich, und beschwöre ihn durch seine unendliche Barmherzigkeit und durch die Kraft seiner heiligsten Menschwerdung und seines bitteren Todes, dass er mir meine Sünden verzeihe und mir Gnade gebe, mein Heil zu wirken. Amen.

(Nach dem heiligen Franziskus von Assisi)

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Dieses Bild stellt dir Maria in dem gnadenvollen Augenblick vor, wo der Heilige Geist sie überschattete, und Gottes Sohn Fleisch in ihr annahm. Unten siehst du die hochgebenedeite Gottesmutter, wie sie eben zu ihrer Base Elisabeth eintritt und von dieser mit den Worten begrüßt wird: "Woher geschieht mir dies, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt? Denn siehe, als die Stimme deines Grußes in meinen Ohren erscholl, hüpfte das Kind freudig auf in meinem Leibe." (Lk 1,43-44) Wie Elisabeth und Johannes, das Kindlein unter ihrem Herzen, bei der Ankunft Mariens in die entzückendste Freude gerieten, so freuen auch wir uns über die seligste Gottesmutter, denn sie ist die Ursache unseres Heils.

 

(Im Lateinischen lautet diese Anrufung: "Causa nostrae Laetitiae - Du Ursache unserer Freude." Der Sinn ist im Grunde derselbe, denn Maria ist hauptsächlich in sofern die Ursache unserer Freude, als sie die Ursache unseres Heiles ist.)

 

Gebet

 

Gestatte, heilige Jungfrau und Gottesmutter Maria, dass ich dir mit dem heiligen Bernhard zurufe: Meine liebste Königin, du bist der Grund aller meiner Hoffnung, und mit dem heiligen Johannes Damascenus: Alle meine Hoffnung habe ich auf dich gesetzt. In deinen Händen, meine gütigste Mutter, liegt mein Schicksal. Du kannst mir alles verschaffen, was ich zur Erlangung meines ewigen Heils nötig habe, denn du bist die Ursache meines Heils. Du musst mir Verzeihung meiner Sünden, die Gnade der Beharrlichkeit, eine glückselige Sterbestunde und die Befreiung aus dem Fegfeuer erlangen. Die, die sich retten, retten sich, o Maria, durch deine Vermittlung. Selig wird, sagt der heilige Bonaventura, dem du Seligkeit verschaffen willst. Wenn du mich also retten willst, so werde ich allen Schlingen meiner Seelenfeinde entrinnen und gerettet werden. Aber du rettest alle, die mit Vertrauen, mit Demut und Zerknirschung dich anrufen. Siehe, mit gedemütigtem und zerknirschtem Herzen werfe ich mich dir zu Füßen und rufe vertrauensvoll zu dir: Heil derer, die zu dir ihre Zuflucht nehmen, rette mich. Amen. 

(Nach dem heiligen Alphons Maria von Liguori)

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Dieses Bild zeigt dir einen Kelch, durch den angedeutet wird, dass Maria ein geistliches Gefäß ist. Denn wie der Kelch nach der heiligen Wandlung das kostbare Blut Jesu Christi oder den ganzen Christus mit seiner Menschheit und Gottheit enthält, so hat in dem jungfräulichen Leib Mariens der Sohn Gottes die Menschheit angenommen und in ihm als Gottmensch gewohnt. Du siehst auch, wie der Heilige Geist in Gestalt einer Taube über Maria seine Gnaden ausströmt, zum Zeichen, dass sie voll der Gnaden ist, weshalb sie wieder ein geistliches Gefäß genannt wird.

 

Gebet

 

Heilige Maria, Mutter Gottes und unsere Königin, du bist der einzige Trost, den uns Gott gewährt. Du allein bist jener himmlische Tau, der die Glut unserer Leiden vermindert. Du bist das Licht unserer Seele, wenn sie von Finsternis und Schrecken umgeben ist. Du bist unsere Führerin auf der Reise durch das Leben, unsere Kraft in der Schwachheit, unser Reichtum in der Armut, das Heilmittel unserer Wunden, unser Balsam, wenn der Kummer uns Tränen auspresst, unsere Zuflucht in der Trübsal und die Hoffnung unserer Seligkeit durch Jesus Christus, deinen Sohn. So erhöre denn mein Gebet und habe Mitleid mit mir, wie es der Mutter eines Gottes zusteht, der die Menschen so innig liebt. Erlange mir bei Jesus, deinem Sohn, um was ich dich bitte, verteidige mich gegen meine Feinde und erfülle mein Herz mit Trost und Zuversicht. Bewirke, dass ich würdig werde, dereinst mit dir an jener Seligkeit teilzunehmen, die du im Himmel genießt. Hilf mir, dass ich einmal eines guten Todes sterbe und in den Himmel komme. O Maria, du bist mächtig genug, die Sünder zu retten, weil du die Mutter Gottes bist. Gebrauche also deine Macht und rette meine Seele. Amen. 

(Nach dem heiligen Germanus)

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Du siehst in diesem Bild Maria in einer Monstranz. Eine Monstranz ist gewiss ein Gefäß, das in Ehren gehalten werden muss, weil in ihr das hochwürdigste Gut zur öffentlichen Anbetung aufbewahrt wird. Aus diesem Grund ist auch Maria ein ehrwürdiges Gefäß, denn in ihrem jungfräulichen Leib hat Jesus Christus, der Sohn Gottes, dieses hochwürdigste Gut, Fleisch angenommen und darin neun Monate gewohnt.

 

Gebet

 

O unbefleckte, heilige Jungfrau Maria, o demütigste unter allen Geschöpfen, du warst in deinen Augen so gering, aber so groß vor Gott, dass er dich zu der hohen Würde seiner Mutter erhob, und deshalb zur Königin des Himmels und der Erde dich setzte. Ich armseliger, hoffärtiger Mensch, der ich mit so vielen Sünden beladen bin, schäme mich, vor dir zu erscheinen, die du ungeachtet deiner Vorzüge so demütig bist. Gleichwohl wage ich es, dich mit den Worten des Engels zu grüßen: Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnaden. Weil du voll der Gnade bist, so lass mich Teil an deinen Gnaden nehmen. Siehe, Gott ist dein Sohn geworden, damit dein Gebet die Kraft erlangte, jeden Sünder, wer er auch sei, selig zu machen. Bitte also für mich, o Maria, jetzt, da ich noch am Leben, und so vielen Versuchungen und Heilsgefahren ausgesetzt bin, besonders aber bitte für mich in der Stunde des Todes, weil ich alsdann die Welt verlassen und vor Gott erscheinen muss. Mache, dass ich durch die Verdienste Jesu Christi und durch deine Vermittlung selig werde, und dann ohne Gefahr, von dir getrennt zu werden, im Himmel zugleich mit dir deinen göttlichen Sohn samt dem Vater und dem Heiligen Geist ewig loben und preisen möge. Amen.

(Nach dem heiligen Alphons Maria von Liguori)

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Dieses Bild zeigt dir ein Gefäß, aus dem angezündeter Weihrauch in starken Wolken mächtig emporwallt. Der Weihrauch sinnbildet das andächtige Gebet, weshalb David betet: "Wie ein Rauchopfer steige mein Gebet vor dir auf." (Psalm 141,2a) Es wird dir somit in diesem Bild Maria als vortreffliches Gefäß der Andacht vor Augen geführt. 

 

Gebet

 

Zu dir komme ich jetzt, o unsere höchste Gebieterin und demütigste Magd deines Sohnes. Aus Ehrfurcht werfe ich mich nieder vor dir, o unvergleichliche Mutter meines Gottes. Ich bitte dich, erlange mir Nachlassung meiner Sünden und vollkommene Reinigung meiner Seele. Erhalte meinem Herzen neuen Eifer für die Ehre deiner Jungfräulichkeit. Helle auf meinen Verstand, damit ich die Vortrefflichkeit und die unendliche Güte deines Sohnes wohl erkenne. Verleihe mir Kraft, die Wahrheit zu lieben. Erwirke mir die Gnade, dass ich mich fest an Gott und an dich halte, deinem Sohn und dir treu diene, ihm als dem Schöpfer, dir als der würdigsten Mutter meines Schöpfers, ihm als meinem Erlöser, dir als der Ursache meiner Erlösung. Denn wenn er für mich das Lösegeld bezahlt hat, so hat er es in dem Fleisch bezahlt, das er von dir annahm. O meine Mutter, flöße mir großes Vertrauen zu dir ein und lass mich in allen Anliegen meine Zuflucht zu dir nehmen, damit ich jederzeit die Hilfe und Gnade finde, die mir nötig ist im Leben und Sterben. Amen. 

(Nach dem heiligen Ildephons)

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Dieses Bild stellt dir die heilige Jungfrau vor als die geistliche Rose. Maria kann gar wohl mit einer Rose verglichen werden. Die Dornen der Rose sinnbilden ihre Trübsale und Leiden. Die grünen Blätter die Hoffnung, die wir auf sie setzen. Die Blumen mit ihren roten und weißen Blättern den Wohlgeruch ihrer Tugenden, besonders ihrer Liebe und Reinheit.

 

Gebet

 

O liebste Jungfrau und Mutter Gottes Maria, auf dich setze ich alle meine Hoffnung, und bitte dich, meine Seufzer und Gebete gnädig aufzunehmen. Meine Sünden sind so groß, aber deine Milde und Barmherzigkeit ist noch größer, denn du bist voll der Gnade, und der Herr ist mit dir. O Mutter der Gnade, wende deinen barmherzigen Augen zu mir und bewirke, dass ich Vergebung meiner Sünden erlange, der Früchte der Erlösung teilhaftig werde und einmal mein ewiges Ziel glücklich erreiche. Hilf mir, liebevolle Königin, Hoffnung der Lebenden, Trost der Betrübten, Stütze der Armen und Zuflucht der Sünder, dass ich durch ein zerknirschtes Herz, durch demütigen Sinn, durch Reinheit des Glaubens und durch Werke der Liebe dem Herrn zu gefallen suche, alle Tage meines Lebens mich in ihm erfreue, und ihn dereinst im Himmel mit allen Engeln und Heiligen preise. Amen. 

(Nach dem heiligen Anselm)

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Du siehst hier einen Turm mit Schilden und verschiedenen Waffen. Dies ist der Hauptturm, den David an den Ringmauern Jerusalems zum Schutz der Stadt erbaut hat. Über diesem Turm erblickst du Maria, zum Zeichen, dass sie uns gleich einem festen Turm eine Schutzwehr ist wider alle Feinde unseres Heils, und dass wir voll Vertrauen zu ihr sagen können: "Du bist meine Hoffnung, ein fester Turm gegen die Feinde." (Psalm 61,4)

 

Gebet

 

O Maria, meine Hoffnung, du siehst zu deinen Füßen einen armen Sünder, der leider nur zu oft aus eigener Schuld ein Sklave des Satans geworden ist. Ach, wäre ich immer sogleich zu dir geeilt, hätte ich in jeder Versuchung sogleich dich um Hilfe angerufen, ich wäre gewiss niemals in eine Sünde gefallen. Doch ich hoffe, o meine liebenswürdige Königin, dass ich durch deine Vermittlung bereits aus der Gewalt des bösen Feindes befreit bin. Aber ich fürchte, ich möchte neuerdings in seine Fallstricke geraten. Ich weiß, dass meine Feinde die Hoffnung nicht aufgegeben haben, über mich wieder zu siegen. Ich weiß, dass sie neue Angriffe auf mich machen werden. O meine Mutter, meine Zuflucht, steh mir bei, ich fliehe unter deinen Schutzmantel. Gestatte nicht, dass ich abermals ein Sklave des Teufels werde. Ich weiß, dass du mir jedesmal, wenn ich dich anrufe, beistehst und mir zum Sieg verhilfst, nur das fürchte ich, dass ich in den Versuchungen dich vergesse und es unterlasse, dich anzurufen. Ich bitte dich also, o allerseligste Jungfrau, erlange mir die Gnade, dass ich immer an dich denke, und wenn ich Versuchung leide, nicht unterlasse, dir zuzurufen: Maria, steh mir bei! Maria, hilf mir! Wenn dann endlich der Tag kommen wird, da ich mit der Hölle den letzten Kampf zu bestehen habe, wenn die Stunde meines Todes schlägt. O dann, meine Königin, dann steh mir besonders bei, dann erinnere du mich selbst daran, dass ich dich oft mit Herz und Mund anrufe, damit ich meinen Lauf glücklich vollende und den Tod des Gerechten sterbe. Amen. 

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In diesem Bild siehst du einen Turm von Elfenbein und über ihm die heilige Jungfrau, wodurch angedeutet wird, dass Maria im geistigen Sinn ein elfenbeinerner Turm ist. Das Elfenbein ist von glänzend weißer Farbe, es wird dem Silber gleichgeachtet; auch ist es von großer Stärke und Dauerhaftigkeit; es sinnbildet mithin die unbefleckte Reinheit, die Würde, die Macht und die Standhaftigkeit der göttlichen Mutter, die deshalb mit Recht als elfenbeinerner Turm gepriesen wird.

 

Gebet

 

O allerseligste und reinste Jungfrau, Mutter Gottes, Königin des Himmels, du bist mächtig und gütig, erhaben über die Engel und Menschen, reiner als die Strahlen der Sonne, ehrwürdiger als die Cherubim, heiliger als die Seraphim, unvergleichlich glorreicher als alle Chöre des Himmels. Durch dich, o erhabene Fürstin des Himmels und der Erde, ist das Menschengeschlecht mit der Schrecken erregenden Majestät der ewigen Gerechtigkeit ausgesöhnt worden. Göttliche Mutter, nimm mich auf und rette mich durch deine Güte und deinen Schutz. Erbarme dich meiner, der ich durch meine Sünden, wodurch ich Jesus Christus, meinen Herrn und Richter, beleidigt habe, verunreinigt bin. Du weißt ja, dass ich mich deinem Dienst geweiht habe. Lass also nicht zu, o Mutter der Barmherzigkeit, dass die Feinde meiner Seele mich überwältigen. Nach Gott, meinem Heiland, habe ich keine andere Hoffnung, als bei dir, heiligste Jungfrau. Du bist ein sicherer Hafen in den Stürmen dieses Lebens. Du bist meine Schutzwehr und ein fester Turm, wo ich gefahrlos wohnen kann. Mit inbrünstigem Verlangen und mit tränenfeuchten Augen werfe ich mich zu deinen Füßen, um deinen Beistand zu erflehen, und von Jesus Christus, meinem Herrn und Erlöser, die Gnade zu erlangen, dass er mich meiner Sünden wegen nicht verstoße. Amen. 

(Nach dem heiligen Ephräm)

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Dieses Bild zeigt dir ein prachtvolles Gebäude, das du dir inwendig und auswendig vergoldet denken musst. Es erscheint also hier Maria unter dem Sinnbild eines goldenen Hauses. Gold ist das kostbarste Metall. Maria ist die Mutter Gottes. In ihr hat also das Kostbarste gewohnt, was es gibt im Himmel und auf Erden, sie wird darum mit Recht goldenes Haus genannt. Überdies haben im Herzen Mariens alle Tugenden gewohnt, die nach dem Ausspruch des Heiligen Geistes kostbarer sind, als alles Gold der Welt. Auch aus diesem Grund preisen wir sie als goldenes Haus. 

 

Gebet

 

O Mutter der Barmherzigkeit, besänftige durch dein Gebet den gerechten Zorn deines Sohnes, und erwirke bei ihm, dass er sich meiner erbarme und mich in meinen Nöten nicht verlasse. Da du auf Erden lebtest, nahmst du einen kleinen Raum ein; jetzt aber, da du im höchsten Himmel thronst, sieht dich die ganze Welt als die allgemeine Versöhnerin an. Weil du so gütig bist, dasjenige nicht zu verachten, wodurch ich dich zu ehren suche, so gewähre meinem, wenn auch schwachen Diensteifer den Beistand deines Gebetes, das mir erwünschter und kostbarer ist, als alle Schätze der Welt, deines Gebetes, das mich mit Gott versöhnt und mir reichliche Gnaden zum Fortschreiten in der Tugend erwirkt, deines Gebetes, das mich tröstet in jeglicher Not, die Anschläge meiner Feinde vereitelt und ihre Rüstungen überwindet. O Maria, auf dich setze ich mein Vertrauen, nächst Gott gründe ich auf dich meine Hoffnung, verlass mich nicht im Leben und im Tod. Amen. 

(Nach dem heiligen Andreas von Kreta)

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Was du hier unter dem Bild der seligsten Jungfrau siehst, stellt dir die Arche des Bundes oder die Bundeslade vor. Die Bundeslade hat freilich nicht so ausgesehen, wie sie hier abgebildet erscheint, dies tut jedoch nicht viel zur Sache, denn das ganze Bild will dir nur sagen, dass die Arche des Bundes ein Vorbild Mariens war.

 

Gebet

 

O Mutter der Erbarmung, Mittlerin bei Jesus, der Sonne der Gerechtigkeit, siehe, vor dem furchtbaren Richter stehe ich armer Sünder, vor ihm, dessen zornentflammtes Schwert über meinem Haupt schwebt. Ach, wer wird dieses Schwert von mir abwenden? Dazu ist niemand geeigneter, als du, geliebteste Tochter des himmlischen Vaters, denn durch dich hat das sündige Menschengeschlecht zuerst Gnade und Barmherzigkeit aus der Hand Gottes empfangen. So öffne denn, o Mutter der Barmherzigkeit, öffne die Pforten deines mildesten Herzens und erhöre mein Seufzen, das ich voll Vertrauen zu dir richte. Von allen Enden der Erde flüchten sich die Sünder zu dir, in der fröhlichsten Hoffnung, dass du sie gegen den strafenden Arm der göttlichen Gerechtigkeit in Schutz nimmst. Zu dir, o Königin, erhebe ich meine Augen, zu dir rufe ich mit zerknirschtem Herzen, dass du besänftigst den Zorn deines Sohnes, meines Herrn, den ich durch meine Sünden entflammt habe, und mir seine Huld und Gnade neuerdings erwirbst. O Maria, meine Mutter, meine Zuflucht, vertrauensvoll lege ich meine Sache in deine Hände und hoffe zuversichtlich, dass du mir im Leben und Sterben eine rettende Arche sein wirst. Amen. 

(Nach dem heiligen Bernhard)

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Du siehst in diesem Bild eine prächtige Pforte, die die Pforte des Himmels darstellt. Über ihr thront Maria, wodurch angedeutet wird, dass sie die Himmelspforte ist. Voller Milde breitet die seligste Himmelskönigin ihre Arme aus und ruft uns zu mit den Worten ihres Sohnes: Ich bin die Tür. Wenn jemand durch mich eingeht, der wird selig werden." (Joh 10,9)

 

Gebet

 

O mächtige Mutter Gottes, meine liebe Mutter Maria, es ist wahr, dass ich nicht würdig bin, dich anzurufen, aber da du selbst mich liebst und meine Seligkeit wünschst, so musst du mir dazu die nötige Gnade erlangen. O meine Gebieterin, stehe mir immer bei, wenn ich dich anrufe, denn in allen Versuchungen, die über mich kommen, in allen meinen Nöten will ich nicht müde werden, dich anzurufen und immer die Worte zu wiederholen: Maria, Maria! Ich hoffe, dass ich dies während meines Lebens und hauptsächlich in der Stunde meines Todes tun werde, um darauf die ganze Ewigkeit hindurch im Himmel deinen lieblichen Namen loben zu können, o gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria. O meine liebe Mutter Maria, o mein geliebter Jesus, mögen eure wunderbaren Namen immer in meinem und in dem Herzen aller Menschen leben. Möchte ich alle anderen Namen vergessen, um nur an eure verehrungswürdigen Namen zu denken, und sie immer anzurufen. O Jesus, mein Erlöser, o meine Mutter Maria, wenn meine Todesstunde, in der meine Seele diese Welt verlassen wird, nahe ist, o dann verschafft mir die Gnade, dass meine letzten Worte, die ich alsdann oft zu wiederholen wünsche, diese seien: Ich liebe euch, o Jesus und Maria. Jesus und Maria, euch schenke ich mein Herz und meine Seele. Amen.

(Nach dem heiligen Alphons Maria von Liguori)

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Dieses Bild zeigt dir Maria, deren Haupt von einem glänzenden Stern umgeben ist. Unter ihr siehst du ein Schiff auf dem Meer, einen Löwen und Nachteulen, die in wilder Flucht davon eilen. Das alles sinnbildet Maria als Morgenstern. Wenn der Morgenstern aufgeht und immer weiter heraufkommt, wir es Tag, wo dann die wilden Tiere, die zur Nachtzeit auf Raub ausgehen, in ihre Schlupfwinkel sich flüchten. Der Morgenstern wird oft auch zum Meeresstern, denn er zeigt den Schiffern den Weg, dass sie sich nicht verirren und zu Grunde gehen. So nun verscheucht Maria unsere Seelenfeinde und zeigt uns auf dem gefahrvollen Weltmeer den Weg zum sicheren Hafen des Himmels, weshalb sie mit Recht Morgenstern genannt wird.

 

Gebet

 

O heilige Jungfrau, komm mir zu Hilfe, der ich zu dir um Beistand flehe, und wende dich gnädig zu mir herab. Wie wäre es möglich, dass du mich vergisst, der ich dein Pflegekind bin? Fern von mir sei ein solcher Gedanke. Du weißt, in welcher Gefahr ich schwebe. Du kennst den betrübten Zustand meiner Seele. Es ziemt sich nicht einer so edlen Mutter der Barmherzigkeit, eines ihrer Kinder zu verlassen. Gebrauche denn deine Macht zur Rettung meiner Seele, denn derjenige, der die Allmacht selbst ist, hat auch dich mächtig gemacht im Himmel und auf Erden. Du vermagst selbst in der Seele des an den Rand der Verzweiflung geratenen Sünders die Hoffnung des ewigen Lebens zu wecken. Du wirst auch um so barmherziger gegenüber mir sein, je größer die Macht ist, die der Herr dir verliehen hat. O Maria, du kannst meine Rettung bewirken, ich hoffe sicher auf deine Hilfe. Amen.

(Nach dem heiligen Petrus Damianus)

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Dieses Bild bedarf keiner Erklärung. Unten siehst du eine Person, die auf dem Krankenbett liegt. Ihr wehmütiges Flehen und das Arzneiglas auf dem Tisch zeigen dies zur Genüge an. Über ihr erblickst du Maria, die voller Mitleid nach ihr die Hand ausstreckt, gleich als ob sie ihr zuriefe: "Sei getrost, mein Kind, ich will dich gesund machen." Das Bild stellt also Maria vor als das Heil der Kranken.

 

Gebet

 

O Maria, du wundervolle Mutter der Gnade, du Quelle des Trostes, du Hilfe der Kranken, ich komme zu dir mit herzlichem Vertrauen, und in tiefster Demut falle ich nieder vor deinem heiligen Bildnis und verehre dich als das wahre Heil der Kranken, als die barmherzige Zuflucht der Sünder, als die Trösterin der Betrübten und Helferin der Christen. Ich weiß, dass schon sehr viele Christen die begehrte Hilfe, sehr viele Betrübte den verlangten Trost, sehr viele Sünder die erbetene Verzeihung, und besonders sehr viele Kranke und Preßhafte die erwünschte Gesundheit durch deine Fürbitte erlangt haben. Deswegen habe auch ich mein ganzes Vertrauen zu dir, o Heil der Kranken, und bitte dich durch den Überfluss der Gnaden, die du von der allerheiligsten Dreifaltigkeit empfangen hast, du wollest dich meiner erbarmen und gnädig aufnehmen meine Bitte, die ich dir mit innigster Andacht vortrage. (Nenne hier deine Bitte.)

 

Ist es nun Gott wohlgefällig, gereicht es zur Ehre seines heiligen Namens und zur Vermehrung deines Lobes, o Maria, Heil der Kranken, und zum Heil meiner Seele, dass ich das erlange, um was ich dich jetzt anrufe: so bringe es vor deinen liebsten Sohn Jesus, der der wahre Heiland der Welt, der Weg, die Wahrheit und das Leben ist, auf dass ich durch dich bei ihm Gnade finde und in meiner demütigsten Bitte erhört werde. Gleichwie ich nun auf dich, Heil der Kranken, mein vollstes Vertrauen setze und zuversichtlich hoffe, dass mir diese Bitte von deinem Sohn gewährt werde, also verspreche ich auch, für diese Gnade mein ganzes Leben lang dankbar zu sein und ein Leben zu führen, das allzeit zur Ehre und zum Lob deines Sohnes gereicht, der mit dem Vater und dem Heiligen Geist als gleicher Gott lebt und regiert in alle Ewigkeit. Amen.

(Nach einem alten Wallfahrtsgebet)

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Dieses Bild zeigt dir Maria als die Zuflucht der Sünder. Unter ihr befinden sich zwei Sünder, die, hingeworfen auf ihre Knie und voller Zerknirschung, zu Maria flehen, dass sie ihnen bei Gott Nachlassung ihrer Missetaten erlange, sie aber, die Mutter der Barmherzigkeit, streckt voller Mitleid ihre Arme aus, andeutend, dass sie sich in aller Liebe ihrer annehme und Jesus bewege, zu ihnen das Wort des Trostes zu sprechen: "Habe Vertrauen, mein Sohn, meine Tochter, deine Sünden sind dir vergeben."

 

Gebet

 

O seligste Jungfrau und Mutter Gottes Maria, ich werfe mich nieder vor dir, und bekenne mich in Wahrheit als höchst elenden Sünder. Zu dir komme ich, o Zuflucht der Sünder, flehe dich an und beschwöre dich, dass du mir von deinem Sohn drei Gnaden erlangst, die mir notwendig sind zu meinem ewigen Heil. 

 

Erlange mir vor allem, o seligste Jungfrau, die Gnade, dass ich das große Unheil, das ich durch meine Sünden angerichtet habe, wahrhaft erkenne, und dass ein mächtiges Schmerzgefühl in meinem Herzen rege werde, damit ich meine Sünden bereue, wie ich soll, und sie mehr als alles Übel verabscheue.

 

Erlange mir dann die Gnade, dass ich im Innersten meiner Seele das Unrecht meiner Handlungen fühle, dass ich fühle, wie sehr ich mich von dem letzten Ziel entfernt habe, weswegen ich auf der Welt bin, indem ich in ganz verkehrter Weise lebte, und, ohne auf die Forderung des Glaubens zu achten, mich nur den sinnlichen Gelüsten hingab. Möchte ich diese meine Verirrung bis in die Tiefen des Herzens empfinden, auf dass ich mein unordentliches Leben hasse und verabscheue, mich vollkommen bessere, und mich einzig nach dem Ziel richte, zu dem mich Gott erschaffen hat: nämlich, dass ich ihm diene und meine Seele rette.

 

Erlange mir schließlich die Gnade, dass ich die Welt als das erkenne, was sie ist, als Feindin Gottes und meine Feindin, dass ich sie verabscheue, wie sie es verdient, und dass ich alle irdischen Dinge, die meine bösen Neigungen an sich locken, und alle eitlen Güter, die zur Erreichung meines Zieles mir nicht dienen, standhaft von mir weise und fern von mir halte. O Maria, liebreiche, barmherzige Mutter, erlange mir diese drei Gnaden bei deinem göttlichen Sohn, meinem Herrn und Erlöser, auf dass ich mein Heil wirke und selig werde. Amen. 

(Nach dem heiligen Ignatius von Loyola)

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In diesem Bild siehst du Maria vom Mond umgeben. Gleichwie der Mond umgeben. Gleichwie der Mond zur Nachtzeit leuchtet, so lässt Maria das Licht des Trostes in die finstere Nacht der Trübsal strömen. Unten befinden sich zwei Personen, denen du es auf den ersten Blick ansiehst, dass schwerer Kummer an ihrem Herzen nagt. Aber siehe, Maria, die gute Mutter, richtet voller Mitleid ihre Augen auf sie und reicht ihnen ihre Hand, gleich als wollte sie sagen: Seid getrost, meine Kinder, ich verlasse euch nicht.

 

Gebet

 

Wahrhaft glückselig unter allen Männern war dein Vater, o Maria, glückselig unter allen Frauen deine Mutter, glückselig deine heilige Familie, glückselig alle, die die Gnade hatten, mit dir verwandt zu sein, glückselig vor allen der keusche Joseph, der würdig gefunden wurde, mit dir vermählt zu werden. Du bist mir in aller Trübsal süße Labung und Tröst, du bist der himmlische Tau, der mich in der sengenden Hitze erquickt. Vom Schoß deiner Erbarmung empfängt meine Seele in ihrer Trockenheit heilsame Erfrischung. Du bist mir Licht in der Finsternis, eine treue Wegweiserin, wenn ich mich verirre. Du bist meine Stärke in Schwachheiten, mein Heilmittel, wenn ich von meinen Seelenfeinden verwundet werde. Leide ich Schaden, so machst du ihn gut. Fühle ich Schmerz, so linderst du ihn. Du zerreißt meine Bande und belebst meine Hoffnung. Möchtest du doch mein schwaches Gebet hören, meinen Seufzern einen gnädigen Zutritt zu dir gestatten und durch mein Elend zum Mitleid gerührt werden. Amen. 

(Nach dem heiligen Germanus,

Patriarch von Konstantinopel)

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Du siehst hier eine Fahne mit dem Bildnis der seligsten Gottesmutter in der Hand eines Kriegers, vor dem besiegte Türken liegen. Auch siehst du an einem Rand des Bildes die Segel eines Schiffes und am andern einen Streiter. Dies alles erinnert dich an den glänzenden Sieg, den die Christen in der Seeschlacht bei Lepanto über die Türken erfochten haben. Dieser Sieg wurde durch die mächtige Hilfe Mariens errungen, weshalb Papst Pius in die Lauretanische Litanei die Anrufung setzen ließ: "Du Hilfe der Christen, bitte für uns!" 

 

Gebet

 

O seligste Jungfrau Maria, wie vermag wohl unsere schwache Natur, die durch deine Vermittlung den Anfang ihrer Erlösung erhalten hat, dich nach Würdigkeit zu preisen? Lass dir gefallen meinen Dank, so gering er auch ist, und so wenig er deinen Verdiensten entspricht. Genehmige meine Wünsche und entschuldige durch dein Gebet meine Sünden. Nimm auf meine Huldigung, verleihe mir dasjenige, um was ich dich bitte, wende ab die Strafen, die ich fürchte. Du bist die Zuflucht der Sünder. Durch dich hoffe ich Verzeihung meiner Missetaten und erwarte mein Heil und meine Seligkeit. Du bist die Hilfe der Christen. Auf dich setze ich und mit mir die ganze Christenheit das vollste Vertrauen, denn du kannst, du willst uns helfen. Heilige Maria, stehe den Elenden bei, hilf den Kleinmütigen, stärke die Schwachen, bitte für das Volk, für die Geistlichkeit und für das gottgeweihte Frauengeschlecht, lass alle, die zu dir ihre Zuflucht nehmen, die Wirkung deines Beistandes erfahren, sei gnädig denen, die dich anrufen und erfülle ihre Wünsche. Um dieses bitte ich dich, o gebenedeite Jungfrau, die du gewürdigt warst, den Erlöser der Welt zu gebären, der lebt und regiert in alle Ewigkeit. Amen.

(Nach dem heiligen Augustinus)

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Dieses Bild zeigt dir Maria mit dem göttlichen Kind, das Szepter in der Rechten, die Weltkugel in der Linken, wodurch sie als die Mutter Gottes und als die Königin des Himmels und der Erde vorgestellt wird. Um sie herum und unter ihr befinden sich Engel, die voll Ehrfurcht auf sie blicken und ihr als Mutter Gottes und Königin huldigen, gleich als ob sie zu ihr sprächen: "Werde unser Herrscher, du und auch dein Sohn." (Ri 8,22) Somit führt dir das Bild Maria als die Königin der Engel vor Augen.

 

Gebet

 

Schön wie der Mond wirst du genannt, o Maria, und nicht unfüglich wirst du mit ihm verglichen. Denn unter allen Gestirnen ist er der Sonne am ähnlichsten, und im lieblichsten Silberglanz schimmert er heller als alle Gestirne. So glänzt im Himmel auch du, der Sonne deutlichstes Bild, in jungfräulicher Reinheit lichtvoller als alle tausend Gestirne, die den Thron Gottes umgeben. Dein Glanz, o hehre Gottesmutter, verdunkelt alle himmlischen Geister, denn du bist die Königin der Engel. Das aufgenommene Licht der Sonne ausströmend, erhellt der Mond unsere Nächte. Durch glänzende Beispiele von Gott dir eingeprägter Tugenden feuerst du zur Nachahmung an und erleuchtest die Nacht unserer Finsternisse. Du schlägst den Geist des Hochmuts unserer ersten Mutter Eva mit dem Gipfel der Demut, die den Blick des Herrn so sehr auf dich zog, dass er durch deren Verdienst dich über alle Chöre der Engel erhob. Gib kund der Welt deine Milde, gib kund die Gnade, die du bei Gott gefunden hast. Auch mir, deinem Diener, der sich rühmt, dein Pflegekind zu sein und deinen wunderbaren Namen Tag und Nacht anruft, spende durch dich, o mildeste Königin, seine Gnade Jesus Christus, dem Fleisch nach dein Sohn, hochgelobt in Ewigkeit. Amen. 

(Nach dem heiligen Bernhard)

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Du siehst in diesem Bild die Patriarchen des alten Bundes, wie den Abraham mit dem Opfermesser und Mose mit den Gesetzestafeln, sowie Ordensstifter der christlichen Zeit, die wegen ihrer geistlichen Nachkommenschaft ebenfalls Patriarchen oder Altväter genannt werden können. Über ihnen erblickst du Maria mit Krone uns Szepter, wodurch angedeutet wird, dass sie ist die Königin der Patriarchen.

 

Gebet

 

Meine Augen, mein Herz und meine Hände erheben sich zu dir, o Königin der Welt. Siehe, ich bin ein armseliges Kind Evas, bedeckt mit dem Gewand der Sünde. Wer wird dieses hässliche Gewand von mir nehmen, wer machen, dass ich den alten Menschen mit seinen bösen Gelüsten und Leidenschaften ausziehe, und einen neuen Menschen anziehe, der nach Gott geschaffen ist in Heiligkeit und Gerechtigkeit? Wer anders, als dein Sohn, o Maria, mein Heiland und Erlöser, der, um mich umzuwandeln und zu erneuern, die menschliche Natur angenommen und den Tod des Kreuzes erduldet hat? Und wer ist so geeignet, zum Herzen meines Herrn und Heilandes Jesus Christus zu reden, als du, o seligste Jungfrau, die du in den innigsten Umarmungen deines geliebten Sohnes im Reich der Herrlichkeit ruhst und seine vollste Liebe genießt? Rede denn, o Herrin, dein Sohn hört, und was du immer verlangst, das wirst du erhalten. Rufe seinen gütigen Namen über mich an, dass ich geheilt werde vom Aussatz meiner Sünden und in voller Kraft wandle den Weg des Heiles. Amen.

(Nach dem heiligen Bernhard)

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Dieses Bild zeigt dir den König David und die vier großen Propheten Jesaja, Jeremia, Ezechiel und Daniel. Alle diese heiligen Männer sind Propheten, weil sie Gottes Gesetz verkündet und zukünftige Dinge, besonders solche, die sich auf den künftigen Messias bezogen, geweissagt haben. Über ihnen thront Maria als Königin, zum Zeichen, dass sie die Königin der Propheten sei.

 

Gebet

 

Glorwürdiges wird von dir erzählt, o Stadt Gottes, Königin der Propheten, Mutter unseres Herrn und Erlösers. Doch ist dein Lob noch nicht erschöpft, noch stammelt jede Zunge, um deine Macht und Güte zu preisen. Keine Sprache hienieden und keine Zunge unter dem Himmel ist vermögend, deine Herrlichkeit genügend zu schildern, o große, o milde, o höchst liebreiche Jungfrau Maria. Selbst genannt kannst du nicht werden, ohne dass du das Herz entzündest, und nicht gedacht kannst du werden, ohne dass du das Gemüt der dich Liebenden erfreust, nimmer ziehst du zu den Toren der Erinnerung ein, es sei denn in himmlischer Herrlichkeit. Zu dir, o Herrscherin, richte ich meine Augen und rufe zu dir mit Demut und Vertrauen: Hilf meinem Unvermögen, entferne meine Schmach. Es sinke der dichte Nebel von meinen Augen, dass ich meine Sündhaftigkeit und Schwäche erkenne. Es wandle sich um mein Herz, dass ich meine Missetaten bereue und meine ganze Liebe Gott, dem höchsten, liebenswürdigsten Gut, zuwende. Dies verleihe mir durch deine Fürbitte, o seligste Gottesmutter, dein Sohn Jesus Christus, mein Herr und Erlöser, dem Lob, Preis und Dank sei von nun an bis in Ewigkeit. Amen. 

(Nach dem heiligen Bernhard)

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Die zwölf Männer, die du in diesem Bild schaust, kennst du: es sind die zwölf Apostel. Über ihnen erscheint Maria mit einer Krone auf ihrem Haupt, wodurch angedeutet wird, dass sie die Königin der Apostel ist. Maria ist mit einem durch zwei Linien angedeuteten Kreis umgeben. In diesen Kreis hinein musst du dir die zwölf Himmelszeichen denken. Diese zwölf Himmelszeichen sinnbilden die zwölf Apostel, die auch im Himmel der seligsten Gottesmutter als ihrer Königin huldigen.

 

Gebet

 

Sei mir gegrüßt, o Maria, Mutter Gottes, ehrwürdige Beschützerin der ganzen Welt, Leuchte, die nicht erlischt, strahlende Krone der Jungfrauschaft, Szepter der wahren Lehre, Königin der Apostel, sei mir gegrüßt.

Sei mir gegrüßt, o Maria, die du in deinem jungfräulichen Schoß den Unendlichen und Unbegreiflichen getragen hast, durch die der allerheiligsten Dreifaltigkeit Ehre und Anbetung erwiesen wird, durch die das köstliche Kreuz des Erlösers auf der ganzen Erde erhöht ist, durch die der Himmel triumphiert, die Engel frohlocken, die höllischen Geister in die Flucht gejagt, der Versucher überwunden, das strafbare Geschöpf bis in den Himmel erhoben, die Erkenntnis der Wahrheit auf den Trümmern des Götzendienstes aufgepflanzt, die Gläubigen der Taufe teilhaftig und mit dem Öl der Freude gesalbt werden. 

Sei mir gegrüßt, o Maria, durch die alle Kirchen der Welt gestiftet und die Völker der Erde zum Glauben und zum Heil gebracht worden sind.

O Maria, seligste Himmelskönigin, blicke auch auf mich mit den Augen deiner Barmherzigkeit herab, nimm mich unter deinen Schutz, verteidige mich gegen die Feinde meines Heils und leite mich mit mächtiger Hand zum ewigen Ziel. Amen.

(Nach dem heiligen Cyrillus)

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Dieses Bild zeigt dir Maria mit dem Leichnam Jesu auf ihrem Schoß. Über ihr sind zwei Herzen, das Herz Jesu und das Herz Mariä, von einem Schwert durchbohrt. Unter ihr sind die heiligen Stephanus und Laurentius und andere heilige Martyrer zu sehen. Die beiden Herzen, von einem Schwert durchbohrt, sagen dir, dass Maria alle Leiden ihres liebsten Sohnes Jesus mitempfunden hat. Der Leichnam Jesu auf ihrem Schoß deutet den Höhepunkt ihres Mutterleidens an. Die heiligen Blutzeugen unter ihr lassen sie uns als die Königin der Martyrer erkennen. 

 

Gebet

 

O meine liebe Mutter Maria, Königin der Martyrer, um meines Heiles willen hast du so viele Tränen vergossen. Was würden mir aber deine Tränen nützen, wenn ich dennoch verloren ginge? Erlange mir also um der Verdienste deiner Schmerzen willen aufrichtige Reue über meine Sünden, wahre Besserung des Lebens und fortwährendes und zärtliches Mitleid mit dem Leiden Christi und mit deinen Schmerzen. Wenn du und dein Sohn, die ihr doch beide so unschuldig gewesen seid, so viel für mich gelitten habt: so macht, dass auch ich, der ich die Hölle verdient habe, aus Liebe zu euch etwas leiden kann. O meine Gebieterin, rufe ich dir zu mit dem heiligen Bonaventura, wenn ich dich beleidigt habe, so übe Gerechtigkeit und verwunde mein Herz. Wenn ich dir gedient habe, so bitte ich dich, du wollest mich zum Lohn dafür verwunden. Schimpflich erscheint es mir, meinem Herrn Jesus und dich mit ihm verwundet zu sehen, und mich zu gleicher Zeit ohne Wunden zu erblicken. Endlich bitte ich dich noch, o meine liebe Mutter, um des übergroßen Schmerzes willen, den du empfandest, als du vor deinen Augen deinen geliebten Sohn das Haupt neigen und sterben sahst: erlange mir eine glückselige Sterbestunde. O geliebte Fürsprecherin der Sünder, ich bitte dich, du wollest bei dem furchtbaren Übergang in die Ewigkeit nicht unterlassen, meiner betrübten und von Versuchungen bestürmten Seele beizustehen. Und weil mir alsdann vielleicht die Stimme fehlen wird, um deinen und deines Sohnes Namen auszusprechen, die ihr doch all meine Hoffnung seid, so rufe ich dich und deinen Sohn jetzt schon an, damit ihr mir in meinem letzten Augenblick beistehen möget, und spreche deshalb: Jesus und Maria, euch empfehle ich meine Seele. Amen. 

(Nach dem heiligen Alphons Maria von Liguori)

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In diesem Bild siehst du Heilige des geistlichen und weltlichen Standes, die zu der über ihnen thronenden Himmelskönigin ihren Blick erheben und ihr die tiefste Ehrfurcht bezeigen. Dies sind die heiligen Beichtiger oder Bekenner, die Maria als ihre Königin verehren. Gott gebe, dass auch wir, du und ich, dereinst diesen heiligen Beichtigern beigezählt werden.

 

Gebet

 

Ich grüße dich, o Maria, du bist die Hoffnung der Christen. Nimm gnädig auf das Gebet eines Sünders, der dich zärtlich liebt, der dich auf ganz besondere Weise verehrt, der auf dich alle Hoffnung seiner Seligkeit setzt. Dir, o seligste Jungfrau, verdanke ich das Leben. Du hast mir die Gnade deines Sohnes wieder erlangt. Du bist das sicherste Unterpfand meines Heils. Ich bitte dich also, du wollest mich von der Last meiner Sünden befreien, vertreiben die Finsternis, die meinen Geist umgibt, mein Herz reinigen von allen irdischen Begierden. Hilf mir in allen Versuchungen, verteidige mich gegen alle Feinde meiner Seele, und gewähre mir stets deinen mächtigen Schutz, damit ich durch deine Vermittlung und unter deiner Leitung zur ewigen Glückseligkeit gelange. Amen.

(Nach dem heiligen Petrus Damianus)

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In diesem Bild erblickst du jungfräuliche Seelen des männlichen und weiblichen Geschlechtes. Einige von ihnen tragen Lilien, zum Zeichen, dass sie die jungfräuliche Reinheit bis zum Tod bewahrten. Andere haben Marterwerkzeuge, zum Zeichen, dass sie die Krone der Jungfrauen und der Martyrer zugleich besitzen. Über ihnen thront Maria, mit einer Blumenkrone auf dem Haupt und mit einer blühenden Lilie in der Hand, zum Zeichen, dass sie die Königin der Jungfrauen ist. 

 

Gebet

 

Heilige Jungfrau Maria, meine Mutter und meine Gebieterin, siehe, ich wende mich an dein erbarmungsreiches Herz und übergebe dir Leib und Seele und alles, was an mir ist, und stelle es unter deine Obhut und unter deinen besonderen Schutz. Dir vertraue ich und deinen Händen überlasse ich alle meine Hoffnungen und Tröstungen, alle meine Freuden und Leiden. Dir empfehle ich mein ganzes Leben und vorzüglich sein Ende, auf dass durch deine heilige Fürbitte und durch deine Verdienste alle meine Werke nach deinem und deines Sohnes Willen geordnet und geleitet werden, und ich hoffen darf, zur Zahl der Auserwählten in den Himmel zu gelangen. Amen. 

(Nach dem heiligen Aloysius)

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Dieses Bild zeigt dir die seligste Jungfrau mit den königlichen Insignien, ihre Hand auf der Weltkugel. Unter ihr aber die Heiligen des alten und neuen Bundes, als die Patriarchen, Propheten, Apostel, Martyrer, Bekenner und Jungfrauen, kurz, die Heiligen jedes Standes, Alters und Geschlechtes. Dies alles deutet an, dass Maria die Königin der Heiligen ist.

 

Gebet

 

O unbefleckte und allerreinste Jungfrau Maria, Königin der Welt, unsere allergütigste Gebieterin, du bist über alle Heiligen erhoben, du bist die einzige Hoffnung unserer Väter und die Freude der Heiligen. Durch dich sind wir mit Gott ausgesöhnt worden. Du bist die mächtigste Fürsprecherin der Sünder, ein sicherer Hafen für die Schiffbrüchigen, der Trost der Welt, das Lösegeld der Gefangenen, das Heil der Kranken, die Freude der Betrübten, die Zuflucht der Sünder, das Heil der ganzen Welt. O große Königin, Mutter meines Gottes, bedecke uns mit den Flügeln deiner Barmherzigkeit und erbarme dich unser. Wir haben uns dir übergeben, wir haben uns deinem Dienst geweiht, wir tragen den Namen deiner Diener. Darum lasse nicht zu, dass wir zu Grunde gehen.

 

O Maria, die du voll der Gnade bist, erleuchte meinen Verstand, löse meine Zunge, damit ich dein Lob verkünde, und deine Macht und Barmherzigkeit preise. Ich grüße dich, o Friede, o Freude, o Heil, o Trost der Welt. Ich grüße dich, o größtes Wunder, das jemals in der Welt ist gefunden worden. Du Himmel voll Seligkeit, du Quelle aller Gnaden, du Vermittlerin zwischen Gott und den Menschen, bitte für mich, dass ich Buße tue, Gott liebe, und selig werde. Amen.

(Nach dem heiligen Ephräm)

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Dieses Bild stellt dir Maria vor mit einer Lilie in ihrer Rechten, unter ihr die Schlange, die sie mit ihrem Fuß zertritt. Die Lilie ist ein Sinnbild der Reinheit, die zertretene Schlange aber deutet an, dass Maria niemals unter der Herrschaft des Teufels stand und daher frei ist von der Makel der Erbsünde. Vor Maria siehst du unseren Heiligen Vater (damals Pius IX.) mit einer Krone in den Händen. Dadurch, dass der Heilige Vater die unbefleckte Empfängnis Mariens als Glaubenssatz aussprach, erzeigte er der seligsten Jungfrau die höchste Ehre, und setzte ihr gleichsam die Krone auf. Um dies zu veranschaulichen, schmückte er ein Bild der unbefleckten Jungfrau, das sich über dem Hauptaltar der Domherrenkapelle in Rom befindet, mit einer goldenen, von den kostbarsten Edelsteinen besetzten Krone.

 

Gebet

 

Siehe, zu deinen Füßen, o unbefleckte Jungfrau, erfreue ich mich aufs Höchste mit dir, dass du von Ewigkeit her zur Mutter des ewigen Wortes auserwählt und von der Erbsünde bewahrt worden bist. Ich danke und lobsinge der allerheiligsten Dreifaltigkeit, die dich bei deiner Empfängnis mit solchen Vorzügen bereichert hat, und flehe dich demütigst an, mir die Gnade zu erwirken, dass ich alle sündhaften Begierden, die die Erbsünde als traurige Folgen in mir zurückgelassen hat, glücklich besiege. Hilf mir sie überwinden, und mache, dass ich nie unterlasse, meinen Gott zu lieben. Amen. 

(Aus der Novene zur Vorbereitung auf das

Fest der unbefleckten Empfängnis Mariä)

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Du siehst hier deinen göttlichen Heiland unter dem Sinnbild eines Lammes, auf das Johannes der Täufer mit den Worten hinweist: "Siehe, das Lamm Gottes, das da hinwegnimmt die Sünden der Welt." (Joh 1,29) Zugleich erblickst du die heilige Jungfrau und unter ihr die höllische Schlange mit einem Apfel in ihrem Rachen, der sie den Kopf zertritt. Endlich bemerkst du mehrere Personen, die zu Maria ihre Hände erheben und sie um Erbarmen bitten. Dies alles deutet an, dass Maria als die Mutter des göttlichen Lammes die Macht des Satans gebrochen und die Menschen von seinem Sklavenjoch befreit hat. 

 

Gebet

 

Zu dir erhebe ich meine Augen, o Königin der Welt. Nachdem ich so viele Sünden begangen habe, muss ich vor meinem Richter erscheinen. Wer wird ihn besänftigen? Ach, es gibt niemanden, der dies besser tun könnte, als du, meine heilige Gebieterin, die du ihn so innig liebst, die du so sehr von deinem Jesus geliebt wirst. Öffne also, o Mutter der Barmherzigkeit, die Ohren deiner Milde meinen Seufzern und meinem Gebet. Siehe, ich fliehe unter deinen Schutz. Besänftige den Zorn deines Sohnes und mache, dass er mich wieder in Gnaden annehme. Du verabscheust den Sünder nicht, er möge auch noch so abscheulich sein. Du wendest dich nicht von ihm ab, wenn er zu dir seufzt, wenn er reuevoll dich um deine Fürbitte anfleht. Nein, du befreist ihn mit deiner gütigen Hand und bewahrst ihn vor Verzweiflung. Du flößt ihm Mut ein, von neuem zu hoffen, du stärkst ihn und verlässt ihn nicht, bis du ihn mit seinem Richter versöhnt hast. O süße, o ganz liebenswürdige Jungfrau Maria, nimm dich meiner an, erwirke mir Verzeihung meiner Sünden, die Gnade der Beharrlichkeit und dereinst eine glückselige Sterbestunde. Amen.

(Nach dem heiligen Bernhard)

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Du siehst hier das Lamm Gottes auf einem mit sieben Siegeln verschlossenen Buch, um das die vierundzwanzig Ältesten, sodann Maria, die heilige Jungfrau, zu der unten die ganze Christenheit flehend ihre Hände faltet. Die ganze Darstellung sinnbildet die Wahrheit, dass uns nur Jesus Christus erlösen konnte, und dass wir der Frucht der Erlösung durch Maria, insofern sie die Mutter unseres Erlösers ist, teilhaftig werden.

 

Gebet

 

O Maria, meine Königin, du bist der einzige Trost, den Gott mir gewährt. Du allein bist jener himmlische Tau, der die Hitze meiner Leiden vermindert. Du bist ein Licht für meine Seele, wenn sie von Finsternis umgeben ist. Du bist meine Führerin auf meiner Reise durchs Leben, meine Kraft in meiner Schwachheit, mein Schatz in meiner Armut, das Heilmittel für meine Wunden, mein Trost, wenn ich vor Kummer weine, meine Zuflucht in meinem Elend, die Hoffnung meines Heils. Erhöre denn meine Bitten, habe Mitleid mit mir, wie es sich für die Mutter eines Gottes geziemt, der die Menschen so innig liebt. Erlange mir, um was ich dich bitte, da du unser Schutz und unsere Freude bist. Mache, dass ich würdig werde, dereinst jene große Seligkeit zu genießen, die du im Himmel besitzt. Ja, meine Königin, meine Zuflucht, mein Leben, meine Hilfe, meine Verteidigung, meine Stärke, meine Freude, meine Hoffnung, mache, dass ich zu dir in den Himmel komme, und mit den Auserwählten das Glück habe, Jesus, das Lamm Gottes, anzubeten, dem Lob und Preis sei in Ewigkeit. Amen.

(Nach dem heiligen Germanus)

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Dieses Bild zeigt dir das Lamm Gottes mit der Weltkugel, sein Blut in einen Kelch ausströmend. Gegenüber sieben Engel mit sieben Schalen, angefüllt mit dem Zorn Gottes, die sie über die Erde ausgießen. In der Mitte die göttliche Mutter, unten schließlich Könige und Untertanen, die zu Maria flehen. Der Sinn dieser bildlichen Darstellung ist: Gott verhängt über die sündige Welt Strafen über Strafen. Diesen Strafen aber tut Jesus Christus Einhalt, indem er als das Lamm Gottes die Sünden der Welt hinwegnimmt und die Menschen mit Gott versöhnt. Die Fürsten und ihre Untertanen demütigen sich unter der Zuchtrute Gottes und nehmen ihre Zuflucht zu Maria, auf dass sie ihnen Gnade erbitte.

 

Gebet

 

Ich grüße dich, o Maria, die du voll der Gnade bist, der Herr ist mit dir. Ich grüße dich, Gegenstand unserer Freude, um derentwillen unser Todesurteil widerrufen und in Segen verwandelt worden ist. Ich grüße dich, o Tempel der Herrlichkeit Gottes, heilige Wohnstätte Himmels und der Erde. Du bist die Versöhnung zwischen Gott und den Menschen. Du bist wahrhaft gebenedeit, denn du allein bist unter allen Frauen würdig erfunden worden, die Mutter deines Schöpfers zu werden. Alle Völker preisen dich selig. Wenn ich mein Vertrauen auf dich setze, o Maria, so werde ich gewiss selig. Wenn ich unter deinem Schutz stehe, so habe ich nichts zu fürchten, denn derjenige, der dich verehrt, hat sichere Waffen des Heils, die Gott nur denen zukommen lässt, die er selig machen will.

 

O Mutter der Barmherzigkeit, besänftige deinen Sohn. Als du noch auf Erden lebtest, nahmst du eine niedrige Stelle ein, aber jetzt, nachdem du über den höchsten Himmel erhoben bist, jetzt betrachtet dich die ganze Welt als den gemeinsamen Gnadenthron für alle Völker. Ich bitte dich also, heilige Jungfrau Maria, du wollest mir den Beistand deiner Fürbitte bei Gott gewähren. Deine Gebete schätze ich höher und sind mir lieber, als alle Reichtümer der Erde. Deine Gebete bewirken, dass Gott uns gnädig unsere Sünden vergibt. Sie erlangen uns eine große Fülle der Gnaden und Stärke zur Ausübung aller Tugenden. Dein Gebet hält unsere Feinde auf, es vereitelt ihre Anschläge und bewirkt, dass wir sie besiegen. Sei also, o Maria, meine Mutter, nimm mich in deinen mächtigen und liebevollen Schutz und bitte für mich, dass ich fromm lebe, heilig sterbe und selig werde. Amen.

(Nach dem heiligen Andreas von Kreta)

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