Marien-Diener

 

Der heilige Karl Borromäus

 

Der heilige Karl Borromäus, Kardinal und Erzbischof von Mailand, nährte in seinem Herzen die kindliche Andacht zu Maria. Außerdem, dass er täglich den Rosenkranz und die Tagzeiten Marias, auf den Knien liegend, betete, fastete er auch jedes Mal an dem Tag vor einem Fest Unserer Lieben Frau Niemand zeigte mehr Sorgfalt, ihr beim Zeichen der Angelus-Glocke seine Verehrung zu erweisen, als er, denn wie daheim, so fiel er auch in den Straßen auf die Knie, und befand er sich zu Pferde, dann stieg er herab, um seiner Gebets-Pflicht zu genügen.

 

Die Verehrung der allerseligsten Jungfrau suchte er nicht nur bei seinen Geistlichen, in seinen Seminarien und in den Klöstern eifrigst zu befördern, sondern auch über die ganze Stadt und Diözese auszudehnen. Und in allen Pfarrkirchen musste an jedem Abend eine Antiphon zum Preis der heiligen Gottesgebärerin gesungen werden, wozu man das Volk durch Glockenläuten einlud.

 

In seiner Kathedrale hatte er eine Kapelle und Bruderschaft des heiligen Rosenkranzes und bemühte sich, sie auch in alle Pfarrkirchen einzuführen.

 

Für jeden ersten Sonntag des Monats bestimmte er, dass man eine Prozession halte, bei der ein Bildnis Marias mit aller Pracht umhergetragen wurde. Er wollte, dass sie die Beschützerin aller frommen Stiftungen sein möge, die er in seiner Diözese gründete. Und gleichfalls verordnete er, dass man im ganzen Erzbistum den Namen „Maria“, so oft man ihn aussprechen hörte, auch mit äußeren Zeichen der Hochachtung verehre.

 

Über dem Hauptturm einer jeden Pfarrkirche seines bischöflichen Sprengels ließ er ein Bild der heiligen Jungfrau aufstellen, um dadurch dem Volk anzuzeigen: dass man dereinst in den Tempel der ewigen Glorie nicht eingehen könne, ohne die Vermittlung derjenigen, die die Kirche die „Pforte des Himmels“ nennt. –

 

(Aus: Leben des Heiligen von J. P. Guissano)

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Die selige Margaretha vom heiligen Sakrament

 

Gott, der die Vorerwählung der allerseligsten Jungfrau Maria von der seines eingeborenen Sohnes Jesu Christi nicht trennen wollte, hatte sie vor der Sünde des ersten Menschen bewahrt, damit sie eine würdige Muttergottes wäre. Er beabsichtigte selbst, dass unser unglücklicher Stammvater, der durch die Sünde des Ungehorsams die Unschuld verloren hatte, sie als die erste Quelle seines Heils betrachtete, und darum verhieß auch der Herr: sie werde der Schlange den Kopf zertreten und von ihr werde der Samen alles Segens geboren werden, Jesus Christus. Das Evangelium erhebt überdies ihre Glorie so hoch, dass es uns bezeugt: „der Sohn Gottes war ihr untertan“. Und die Heiligen lehren uns, dass Maria in der göttlichen Bildung des mystischen Leibes des Gottmenschen, unseres Erlösers, nicht allein dem Haupt, sondern zu seinem Hals angeordnet wurde, also zugleich auch der Kanal ist, durch den alle Gnaden den Gliedern zufließen.

 

Es darf uns daher nicht wundern, wenn Gott, nachdem er Maria mit einer so erhabenen Größe und Macht begabt hat, auch allen erleuchteten Heiligen sie als sein Meisterwerk zu verehren eingeflößt habe. Es darf auch nicht unser Erstaunen erregen, wenn er sie mit ihr, wie mit ihrer Herrin, ihrer Mutter und Wohltäterin, in Verbindung gesetzt hat, und wenn die ganze Kirche, geleitet vom Heiligen Geist, tagtäglich eine neue Sorgfalt offenbar werden lässt, Maria durch ihr Lob, ihre Ehrfurchtserweise, durch Anrufungen und Dankbarkeitsbezeugungen zu ehren.

 

So geschah es denn auch unter der Leitung desselben Heiligen Geistes, dass die gottselige Schwester Margaretha vom heiligen Sakrament, aus dem Orden der Karmeliterinnen im Kloster zu Beaune, mit der gebenedeiten Gottesgebärerin in einen besonderen Bund trat, und dass Maria sie nicht allein für eine Tochter des Berges Karmel, sondern überdies noch für eines der kostbarsten Werke der Gnade, und gänzlich der „Kindheit Jesu“ geweiht ansehen sollte, denn Margaretha wurde ja die Stifterin der „Genossenschaft der Diener des Kindes Jesu“.

 

Dieses göttliche Jesuskind, das sie als Braut angenommen hatte, stellte sie von ihren ersten Jahren an unter den Schutz seiner Mutter. Margaretha, dieses der Gnade so treue Kind, verweilte seit ihrem siebenten oder achten Jahr gewöhnlich zwei oder drei Stunden vor dem Bildnis Unserer Lieben Frau in der großen Kirche zu Beaune, und die glaubwürdigsten Personen bezeugten: sie haben sie dort oft bei langem Gebet in tiefem Stillschweigen gesehen, wie sie ihre Augen zu der allerseligsten Jungfrau Maria erhoben hielt, und einen solchen Strom von Tränen vergoss, dass das Pflaster damit bedeckt wurde. Und dann schien sie so von Gott erfüllt, dass niemand es wagte, sie anzureden oder sie in ihrem Gebet zu unterbrechen.

 

In allen Ereignissen oder Anliegen nahm Margaretha ihre Zuflucht zu Maria. Und als ihr der Tod ihre leibliche Mutter entrissen hatte, ging sie sogleich in die Kirche zu Unserer Lieben Frau, und bat die Königin des Himmels, sie als ihre Tochter anzunehmen. Dies gefiel auch Maria, der „Trösterin der Betrübten“, so wohl, dass sie sich ihr in großer Majestät zu erkennen gab. Und indem Margaretha versprach, sie als ihre Mutter anzusehen, versicherte sie Maria: sie werde umso mehr Sorge tragen, ihr in der Erfüllung der Absichten ihres Sohnes Hilfe zu leisten. – Von dieser mächtigen Beschirmerin erflehte Margaretha, gewöhnlich mit schleunigstem Erfolg, Beistand, wenn sie von den Versuchungen des bösen Feindes bestürmt wurde und gar Schweres zu leiden hatte. Maria war es, die ihr am Tag ihres Eintritts in den Orden die Arme reichte, und Hoffnung auf ihre Huld und ihre Hilfe gab. Margaretha ließ der „Mutter der göttlichen Gnade“ in ihrem Oratorium, das sie zu „Unserer Lieben Frau von der schnellen Hilfe“ nannte, ein Bild besonders weihen, weil sie von ihr für andere und für sich tausenderlei Gnaden erlangt hatte. Margaretha verehrte sie noch in ihrem Todeskampf unter dem Titel: „Unsere Frau von der Gnade“, indem sie eins der Marianischen Bildnisse neben ihr Bett stellen ließ, und sich inbrünstigst mit einem Kloster ihres Ordens im Geist vereinigte, das an demselben Tag das Fest: „Unsere Frau von der Gnade“ feierte. Maria war es, bei der sie, wie ein Kind bei der Mutter, ihre Zuflucht nahm. Und sie versicherte: „dort habe sie stets ihren Schutz und ihre Kraft gefunden“.

 

Lange vor den Festen der allerseligsten Jungfrau bereitete sich Margaretha besonders vor, um sie im Geist der Kirche auch auf heilige Weise zu begehen. So viel als möglich oblag sie den Marianischen Andachtsübungen und guten Werken mit den Schwestern vom weißen Schleier, die sie am liebsten zur Genossenschaft hatte, weil sie am einfältigsten und die Geringsten des Hauses waren. Vor den Bildnissen der heiligen Gottesgebärerin brannte sie Kerzen und Weihrauch, und nie ging sie vor ihnen vorüber, ohne sich auf die Knie niederzuwerfen, zur demütigsten Begrüßung die Erde zu küssen und ein andächtiges Ave Maria zu sprechen. Kein Tag verging, an dem sie nicht eine große Anzahl Gebete – Maria zu Ehren – verrichtete. Was aber alles übertrifft, und was sich nicht beschreiben lässt, war ein gewisser Eifer des Geistes und eine heilige Freude, die auf ihrem Angesicht wie rosiges Himmelsleuchten strahlte, wenn sie von dieser göttlichen Mutter sprach, von der sie so erhabene Gnaden offenbarte, dass man daraus leicht auf die innigliche Liebe, die sie für Maria in ihrem Herzen hegte, und auf die besonderen Offenbarungen, mit denen sie hierüber war begnadet worden, zu schließen vermochte.

 

Durch ihr kindlich-sinniges Aufschauen zu der Muttergottes in der Herrlichkeit – feierte Margarethas Geist oft und öfter, und zwar zu ihres Herzens süßestem Seligsein – „Maria-Himmelfahrt“.

 

(Aus: Leben derselben von Dr. P. Amelotte)

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Die Schwester Monika

 

Schwester Monika, geborene Margaretha von Busbach, Witwe von Wiltheim, Gründerin der Kongregation Unserer Lieben Frau in der Stadt Luxemburg, trug in sich eine große und aufrichtige Liebe zu Gott. Aber gerade deshalb musste sie auch alles lieben, woran die Strahlen seiner Heiligkeit sich abspiegeln. Was ist jedoch unter allem Erschaffenen heiliger, als Maria – das Kunstwerk aus Gottes Hand, würdig erachtet in seinen Augen, das Heiligtum des menschgewordenen Gottessohnes zu werden, die Arche des Neuen Bundes, ganz golden, auch nicht vom Schatten der Sünde jemals getrübt, die, als Mutter des Erlösers, nun Königin des Himmels und der Erde ist? Und wer zu den Gnadenschätzen und Ehren des Königs der ewigen Herrlichkeit gelangen will, er wende sich an dessen Freunde, die lieben Heiligen, namentlich aber an dessen hochgebenedeiter Mutter, und durch ihre gnädige Fürsprache und Vermittlung wird ihm die Tür dazu erschlossen.

 

Von ihren zartesten Jahren an nährte deshalb auch die fromme Monika eine recht liebende Verehrung gegenüber der heiligen Jungfrau Maria. Wie sie innerlich ihr Herz zu einem Muttergottes-Altärchen geweiht hatte, so suchte sie auch nach außen der Königin der Engel jegliche Ehre zu erweisen. Monika schmückte mit möglichster Sorgfalt ihre Bildnisse und Altäre, fastete an den Samstagen und an den Vorabenden ihrer Feste, betete gern ihren Psalter, hatte eine ungemeine Ehrfurcht vor ihrem Namen, sprach ihn nie vergeblich aus, ließ ihn in ihren Gedanken weilen, und half gar eifrig an der Hebung und Beförderung der frisch aufblühenden Marien-Verehrung ihrer Vaterstadt. Maria trug sie stets die Anliegen ihres Herzens vor. Mit ihr war sie zu Rate gegangen, bevor sie in den Ehestand eintrat, ihr verdankte sie den Beruf zum Klosterleben, und, vor ihrem Bildnis in den Staub niedergeworfen, empfahl sie ihr so zärtlich diesen Auszug aus dem Ägypten der Welt und ihren Eintritt in das gelobte Land des Ordens. Sie schätzte sich überglücklich, einer Kongregation, die den Namen dieser himmlischen Mutter trug und unter ihrem besonderen Schutz stand, anzugehören, sowie deren geistlichen Töchtern dienen zu können.

 

In dem Kloster begann Monika alle ihre geistlichen Übungen mit dem Namen und unter dem Schutz Marias, mit ihr begrüßte und schloss sie den Tag. Sie verstand es, weil von der Liebe Andacht gedrängt, gar wohl, mit der Anbetung, die sie dem Gottmenschen Jesus Christus, ihrem Erlöser und Seligmacher, darbrachte, die Mariä schuldige Verehrung zu vereinigen. Täglich betete sie den heiligen Rosenkranz, aber alle die erhabenen Geheimnisse, die sich an diese hehre Gebetsweise knüpfen, wollten ihren Geist immer in tiefere Betrachtung derselben hineinziehen. Begann sie, so stellte sie sich Maria in ihrer jungfräulichen Schönheit vor, oder dachte sich am Fuß des Throns ihrer himmlischen Herrlichkeit, wie der Erzengel, wollte auch sie die Hochgebenedeite grüßen, sie betete daher: „O heiliger Engel Gabriel, erwirke mir die Gnade, dass ich mit großer Inbrunst die Königin Maria grüße!“ Gleich beim ersten Vaterunser vereinigte sie die drei Kräfte ihrer Seele mit den drei göttlichen Personen. Zum Schluss betete sie wiederum: „O heiliger Engel Gabriel, ich bitte dich, grüße die Jungfrau Maria für mich, und meinerseits opfere ihr diesen Rosenkranz auf als Danksagung für alle großen durch sie empfangenen Wohltaten!“ – Man fand auch, in dem von Monikas Hand geschriebenen geistlichen Buch, die Lauretanische Litanei. Nach jedem der kostbaren Titel, womit in der Litanei die göttliche Mutter verehrt und angerufen wird, weiß Monika eine eigene Bitte für sich beizufügen. Der Erläuterung halber mögen hier einige stehen. Z.B. „Heilige Maria, bitte für uns! Gib auch mir die Gnade, dass ich deinen Namen allzeit heilige! – Heilige Gottesgebärerin, bitte für uns! Gib auch mir Gnade, dass ich innerlich neu geboren werde! – Heilige Jungfrau aller Jungfrauen, bitte für uns! Gib auch mir ein jungfräuliches Herz! – Mutter Christi, bitte für uns! Nimm auch mich auf zu deinem Kind! – Allerreinste Mutter, bitte für uns! Gib auch mir reine Ohren, reine Augen und eine reine Zunge, auf dass ich dich mit ihnen würdig loben kann!“ – In solcher Weise bat Monika, die allerkeuscheste, allerunversehrteste, allerunbefleckteste, allerlieblichste und wunderbarliche Mutter um einen keuschen Leib, ein unversehrtes Herz, eine unbefleckte Seele, innige Liebe zu Gott und dem Nächsten, einen wunderbaren Eifer, ihm zu dienen, und um alles, was da wahrhaft heilig und selig macht. – Unter vielen anderen Bitten richtete sie auch diese an die Mutter des Herrn: „O heilige Maria, du bist der Ursprung aller Gnaden! Verleihe mir eine große Begierde zu dem Brunnen des lebendigen Wassers! Hilf mir bekämpfen und überwinden alle Anfechtungen der Sünde! Vergolde mein Herz und gestalte es zu einem Tempel Gottes! Schenke mir Gnade, dass mein Herz sich erhebe zu der Tür des Herzens Jesu! O Morgenstern, bringe Licht in mein Herz und scheuche hinweg alle Finsternis der Sünde! Verleihe, dass ich meine Hoffnung auf dich baue und meine Zuflucht zu Dir nehme! Errege in mir eine heiße Sehnsucht nach meinem Bräutigam Jesus Christus, dass ich gerne mit ihm dulde! Lass mich ruhen in deinem Schatten, o Jungfrau Maria, mein ganzes Leben lang! Mache mich heilig, Gott wohlgefällig!“ –

Besonders fesselten die Schmerzen der heiligen Muttergottes das Herz Monikas in heiliger, mitfühlender Betrachtung. Sah sie ihren Blutbräutigam in seinen Martern, so ging sie im Geist, zerrissenen, auch schwertdurchbohrten Herzens, mit Maria neben ihm her auf der via dolorosa. Mit Maria stand sie auch gern unterm Kreuz, in die traurigste Traurigkeit versenkt, die verweinten Augen zu ihrem Sohn, dem Lamm Gottes am Kreuz, hingewandt, und flehte gleichfalls herzergreifend:

 

„Drücke deines Sohnes Wunden,

So wie du sie selbst empfunden,

Tief in meine Seele ein!“ –

 

An ihren Festtagen wusste Monika aber auch die freudigen Geheimnisse aus Marias Leben mitfreudig zu erwägen. In der Oktav ihrer Himmelfahrt besonders erhob sich ihr Geist in betrachtendem Flug bis zu jenem Thron, auf den die allerheiligste Dreifaltigkeit das Kunstwerk ihrer Allmacht und Gnade niedersetzte. Sie sah die dreifache Krone, mit der Maria gekrönt wurde, und sie betete: „O heilige Jungfrau Maria, gib mir die Gnade, dass ich vermählt werde mit deinem Sohn, dass ich lebe als eine wahre Witwe, dass ich bewahre die ewige Jungfrauschaft und mir durch meinen frommen Wandel die Pilgerung hienieden stets zum Vorhof des Himmels werde!“ –

 

Noch ist zu bemerken, dass Monikas Verehrung auch zum heiligen Joseph, den Nährvater des göttlichen Christkindes, des keuschen Gemahls und Schutzherrn der allerseligsten Jungfrau auf Erden, mit der Verehrung Marias gleichen Schritt hielt. – Monika wusste, wie hoch St. Joseph von Gott selbst verehrt wurde, auserkoren und aufgestellt als der Pfleger, als der Schutzengel Jesu in Kindes- und Jugendjahren. Der darum auch unter den Heiligen im Himmel gewiss einen hohen Platz einnimmt und beim König der Engel viel vermag. Monika meinte – und mit Recht – St. Joseph dürfe nicht in der Gesellschaft von Jesus und Maria fehlen, er ist ja reich an Gütern der Gnade und gleichsam gesetzt als Verwalter über Gottes Haus, denn von ihm spricht ja die Heilige Schrift: „Geht zu Joseph!“ – Sie hat in ihrem geistlichen Tagebuch auch verschiedene Andachten zum heiligen Joseph aufgezeichnet, unter andern zu seinen sieben Freuden und sieben Schmerzen. –

 

(Aus: Leben derselben von Hubert Weber)

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Die Dominikanerin Metzi Sidwibri

 

Im Kloster der Dominikanerinnen zu Töß, in der Schweiz, verbanden die Schwestern mit dem Gottesdienst und Chorgebet auch noch andere Andachten. Im Chor und im Kreuzgang waren Heiligenbilder aufgestellt, unter diesen das Eccehomo-Bild, das Bild der Muttergottes, und in einer Nebenkapelle stand das Bild Epiphania: Maria mit dem Jesuskind und die heiligen drei Könige mit ihren Opfergaben. – Vor diesen Bildern verrichteten die Schwestern ihre besonderen Gebete und verbanden damit auch Venien (Abbitten = Ein Hinstrecken des ganzen Körpers auf die Erde, als Zeichen der tiefsten Demütigung und Anbetung).

 

Zu Ehren der allerseligsten Jungfrau Maria wurde täglich das Offizium Unserer Lieben Frau gehalten. Ihr weihten die Schwestern vor allen Heiligen die höchste Verehrung. Um von der Huld ihrer Fürbitten bei Gott diese oder jene Gnade zu erwirken, beteten sie an bestimmten Tagen andächtig eine bestimmte Anzahl „Ave Maria“, oft fünfzig, oft drei Mal so viel, was sie dann einen „Psalter“ nannten. Diese „Ave Maria“ beteten sie in der Weise eines Rosenkranzes ab, sie zählend an Ringlein eines Kranzes, den sie in der Hand hielten und betrachteten dabei die Geheimnisse des Lebens, Leidens und der Verherrlichung Jesu und Mariä.

 

Unter den Dienerinnen der heiligen Gottesgebärerin zeichnete sich besonders Schwester Metzi Sidwibri aus. Sie fand sich öfters im Chor bei Unserer Lieben Frau Bildnis ein, verneigte sich da, und sah über sich – wie jemand, der irdische Dinge nicht mehr beachtet. Wenn man sie dann fragte, weil sie so oft und so lange Zeit vor dem Muttergottesbild kniete: „ob Maria nie mit ihr rede?“ antwortete sie in ihrer kindlichen Andacht: „Sie redet oft mit mir und lächelt mich an.“ – Zuweilen lief sie im Chor umher, als wäre sie vor Andachtsfreuden außer sich, und kam, wenn man das „Salve Regina“ sang zu den Schwestern und rief: „Singt, singt, die heilige Mutter Gottes ist hier!“ Und die Schwestern waren auch überzeugt davon, dass sie ihr erschienen sei, denn ihre Gebärden waren wie ein seliges Frohlocken und ihr Antlitz leuchtete wie in himmlischer Verklärung. –

 

(Aus: Deutsche Mystik im Prediger-Orden von Dr. C. Greith)

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Der selige Dominikaner-Prior Hermann

 

Der selige Bruder Hermann, erster Prior des Dominikanerklosters zu Friesach in Kärnten, war inniglich von Andacht und Liebe zur heiligen Muttergottes erfüllt, deren Andenken er stets, wie ein frisches Vergissmeinnicht-Blümchen, in seinem Herzen trug.

 

Marias wunderbare Schönheit an Leib und Seele pflegte er im Einzelnen zu betrachten, und betete zur Verehrung eines jeden Vorzugs ihres Leibes und einer jeden Tugend ihrer Seele einmal den Gruß des Engels: „Ave Maria!“ – So verehrte er die Heiligkeit ihres Herzens, die Majestät ihres Angesichts, die unbeschreibliche Reinheit ihres keuschesten Schoßes, der den eingeborenen Sohn Gottes getragen hatte, ihre jungfräulichen Brüste, die ihn genährt haben, ihren rosigen Mund, mit dem sie das holdselige Christuskindlein so oft geherzt und geküsst hatte, ihre lilienweißen Arme und Hände, mit denen sie das Kind so liebreich umfangen und getragen hatte, usw. – Dann ging er an die Beschauung ihrer inneren Schönheit, der Tugenden nämlich, die ihre heiligste Seele geziert haben. Und er bewunderte so: ihren festen Glauben, ihre tiefste Demut, ihre brennendste Liebe, ihre engelhafte Unschuld und Reinheit, ihre unbefleckte Jungfräulichkeit in der Mutterschaft, ihre unüberwindliche Geduld usw.

 

Diese seine ihm eigentümliche Marianische Andacht beschloss Bruder Hermann stets mit der Bitte an den Herrn und den Worten: „Allerliebster Jesus, mache mich würdig, deine und meine Mutter, die schönste und preiswürdigste von allen, mit dem Mund zu loben, mit dem Herzen zu lieben und zu verehren und ihr in den Werken nachzufolgen!“ –

 

(Aus: Blumen aus dem Garten des heiligen Dominikus von P. F. Ratte)

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Der heilige Petrus Kanisius aus der Gesellschaft Jesu

 

Der heilige Petrus Kanisius, Profess-Priester der Gesellschaft Jesu, nährte und unterhielt in seinem Herzen die zärtlichste Andacht, mit der er der allerseligsten Jungfrau huldigte. Diese Andacht sah er für eines der wirksamsten Mittel an, die ein Mann besitzt, in dessen Beruf es liegt, die Ehre und Anbetung des göttlichen Sohnes dieser Mutter zu befördern und zu verbreiten. Immer war daher sein Herz durchdrungen von den erhabensten Gesinnungen der Ehrfurcht und Hingebung zu dieser glorreichen Himmelskönigin. Und dieselben Gesinnungen suchte er durch seine Unterredungen, durch seine Predigten und Bücher allen Gläubigen einzuflößen. Er führte die Unschuldigen zur Makellosen, die Gefallenen zur Zuflucht der Sünder, die Büßer zur Trösterin der Betrübten, die Bedrängten zur Hilfe der Christen, alle zur Mutter der Gnaden. – Den Kirchen aber und Kapellen, die ihrem Namen geweiht waren, verschaffte er Ablässe und andere Gnaden und Auszeichnungen. Besonders tat er dies für die berühmte Wallfahrtskirche Unserer Lieben Frau von Alten-Oettingen. – Im Verhältnis der Gnaden, die er durch die Fürsprache der Gebenedeiten des Herrn empfing, wuchs auch seine Dankbarkeit. – Alle Tage pflegte er ihr zu Ehren den heiligen Rosenkranz zu beten, und in seinem hohen Alter legte er ihn beinahe nicht mehr aus der Hand. Er rechnete es sich zur besonderen Ehre, alle zu ihrer Verherrlichung eingeführten Andachtsübungen mitzubegehen. Und sie erwiesen sich in seinen Augen als umso wichtiger, gerade weil sie der Mutter des Welterlösers galten. –

 

(Aus: Leben des Seligen von P. Georg Patiß)

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Der selige P. Jakob Rem aus der Gesellschaft Jesu

 

Der selige P. Jakob Rem, in Bregenz geboren, trat als zwanzigjähriger junger Mann in die Gesellschaft Jesu. In späteren Jahren ist er nach Ingolstadt geschickt worden, und weil sein Herz in seltener Liebe zur unbefleckt empfangenen und allzeit reinen Jungfrau und Gottesmutter entbrannt war, errichtete er, ihre Ehre zu vermehren, im Jahr 1595 eine „Marianische Versammlung“ oder „Colloquium“, wie man es genannt hat, unter der Anrufung der dreimal wunderbaren Mutter, deren Titel ihn allezeit in solche Liebesglut versetzte, dass er, wenn er in der Lauretanischen Litanei ausgesprochen wurde, vor Inbrunst der Andacht in die Höhe erhoben und wohl drei Schuh hoch über der Erde frei schwebend erblickt wurde. Eine solche Begebenheit ist noch in Figura in einer hinteren Ecke des Bürgersaales dargestellt. Über das alles war er ein sonderbarer Freund der Keuschheit, so dass er nicht mit Unrecht eine „Blume der Jungfräulichkeit“ genannt werden konnte. Er besaß auch im hohen Grad die Gabe der Prophezeiung und war wegen seines heiligen Lebenswandels weit und breit berühmt. Gar häufig hat er bei dem hochheiligen Geheimnis der Messe sich in der Luft schwebend gezeigt. Er wurde auch nicht selten von den armen Seelen im Fegfeuer um Hilfe angerufen. Natürlich war dieser Sohn Marias, und darum ein Gefäß der Heiligkeit, dem höllischen Feind ein Dorn im Auge, und er peinigte ihn durch die allerärgsten Versuchungen. So ist an der Tür ein Bildlein der heiligen Muttergottes unter Glas zu sehen, das der gottselige Mann in seinem Brevier hatte und der Teufel ihm an drei verschiedenen Stellen zerreißen wollte, wie es sich P. Rem eigenhändig aufschrieb. – In der Vorhalle zur rechten Seite, wenn man hineingeht, ist ein hölzernes Kästlein mit dem Bild des P. Rem. Nach Öffnung des Kästleins sieht man seine Gebeine gar armselig gefasst. Sie verdienten wohl eine reichere Zierrat und etwas mehr Wertschätzung. Auf der Stiege zum Chor ist das Originalbild des seligen P. Rem: sein schier farbloses, ganz abgemagertes Antlitz zeigt deutlich die Strengheit seines Lebens und seiner Enthaltsamkeit. Zudem schaut aber dennoch eine froh-fromme Milde aus seinen Augen, die einem ganz wohl tut und heilig stimmt. Unter dem Bildnis befindet sich eine Inschrift in lateinischer Sprache, die ihm ein sehr ehrenvolles Andenken hinsichtlich seines treuen Mariendienstes widmet. –

 

Der „Bürgersaal“ ist im Land Bayern der vortrefflichste und schönste und eine besondere Zierde der Stadt. – Im Jahr 1732 war P. Franz Seedorf, Professor der Theologie und Präses der „lateinischen Congregation“, ein gar unternehmender und seeleneifriger Mann. Dieser P. Seedorf kaufte einen freien Platz, an die Heilig-Kreuz-Kirche angrenzend, mit der Absicht, ein eigenes Oratorium für seine Bruderschaft darauf zu bauen. So entstand der ausnehmend schöne „Bürgersaal“, der bis zum Jahr 1736 vollendet war. Überaus kunstreich ist der Plafond von den Gebrüdern Asam gemalt, die Verehrung der glorreichen Himmelskönigin in allen vier Weltteilen vorstellend. Die Ölgemälde an den Seitenwänden, so die vornehmsten Verehrer Marias aus der Heiligen-Legende enthalten, sind von nicht minder berühmten Meistern als von Götz, von Wohler gemalt. Über alles Lob erhaben sind auch die Stuckatur- und Holzschnitz-Arbeiten und wert etwas genauer betrachtet zu werden. – In der Sakristei wird eine prachtvolle Monstranz aus Silber, Perlen und kostbaren Steinen aufbewahrt, die gar kunstreich die Seeschlacht bei Lepanto darstellt, die die Christen durch die Hilfe Mariä siegreich gegen die Türken geschlagen hat. Sie ist aus dem Sturm der Säkularisation noch gerettet worden bis auf den Fuß, der entwendet und durch einen kupfernen ersetzt wurde. Eben dort ist auch ein Crucifix von Elfenbein zu sehen, ein Geschenk des hochberühmten Generals Johann Tzerklas Grafen von Tilly.

 

Nach dem Jahr 1800 trat die „lateinische Congregation“ dieses Oratorium an die Bruderschaft „Maria vom Siege“ ab, die, im Jahr 1612 gestiftet, zu anfangs in dem St. Georgi-Kirchlein, am Kaiserheimer Haus, alsdann in einem eigenen Betsaal ihren Sitz hatte, der zur linken Hand der Frauenkirche stehend, nun ein Wohnhaus geworden ist. –

 

(Aus: Das alte Ingolstadt von Ludwig Gemminger)

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Petrus von Berulle, Kardinal

 

Petrus von Berulle war ein durch Tugend und Wissenschaft ausgezeichneter Priester und innigster Freund des heiligen Franziskus von Sales.

 

Unter seinen Tugenden leuchtet besonders die Liebe und Verehrung gegenüber der allerseligsten Jungfrau und Muttergottes Maria hervor. In den Jahren, die er als junger Student im Collegium bei den Jesuiten verbrachte, erwies er sich nicht nur als eines der eifrigsten Mitglieder des Marianischen Sodalität, sondern brachte es auch durch seine inständigsten Bitten bei den Vorgesetzten dahin, dass er mit der Sorge für die Kapelle betraut war, worin die Versammlungen und Gottesdienste dieser Verbrüderung zu Ehren Marias gehalten wurden. Damit verknüpfte sich die Reinigung der Kirche und der Geräte, die Verzierung des Altars und die Vorbereitung zu jeglicher Festlichkeit. Er tat alles mit Geschick, Freude und Eifer, denn es galt ja der Ehre seiner himmlischen Mutter; und er scheute sich nicht, mit eigener Hand den Kehricht fortzuschaffen.

 

Nach seiner Erhebung zur Würde eines Kardinals, hatte er nichts Eiligeres zu tun, als Maria die Ehre aufzuopfern, die ihm aus dieser Würde erwuchs. Und kaum war er mit dem römischen Purpur bekleidet worden, so besuchte er alsbald die Kirche Unserer Lieben Frau zu Paris, sich Jesus und Maria in seinem neuen Kleid vorstellend und sich ihnen als lebendige Opfergabe, die in allem dem göttlichen Willen unterworfen sei, darstellend.

 

Er ist es auch, der im Jahr 1613 eine Kongregation in Frankreich stiftete und einführte unter dem Namen „Oratorium Jesu und Marias“. – Schon der Name, den er ihr gegeben hatte, zeigt, dass er sie dem Schutz der heiligen Muttergottes übertragen hat, und die Regeln, die er ihr zuschrieb, dass die Gefühle aufrichtigster Verehrung gegenüber Maria sie beleben und durch sie verbreitet werden sollten. – An der Vorderseite aller Häuser des Oratoriums ließ er, gleich einem Wappenschild, die allerheiligsten Namen „Jesus“ und „Maria“ anbringen, umschlossen von einer Dornenkrone, die, nach dem Gedanken des frommen Stifters, seinen Söhnen zur Erinnerung dienen möchten: Alles für Jesus und Maria zu leiden und ihre Ehre – trotz aller Hindernisse und Mühsale, die ihnen in diesem Bemühen begegnen würden, nach Kräften zu verbreiten. – Außer den anderen Offizien und Gebeten, setzte er auch fest, dass täglich am Abend auf eine sanfte und rührende Weise die „Litanei der heiligen Jungfrau Maria“ gesungen werde und dass ihr pünktlich alle Bewohner des Hauses, mit Ausnahme bei wichtigen Verhinderungsfällen, beiwohnten. Nach der Regel sollte dieser Gesang öffentlich sein, d.h. so, dass auch Personen, die der Genossenschaft nicht angehörten, sich an dieser frommen und erbauenden Übung beteiligen durften.

 

Auch erzählt man, dass ihm, zum Lohn für seine eifrige und erfolgreiche Frömmigkeit, mehrere Male die heilige Jungfrau Maria mit dem göttlichen Kind erschienen sei. –

 

Er starb im Jahr 1620 im Ruf der Heiligkeit. –

 

(Aus: Leben des P. von Berulle von Donius d'Attichy)

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St. Philippus Neri, Stifter des Oratoriums

 

 

Die allerseligste Jungfrau und Gottesmutter Maria ist, wie St. Bernhard uns lehrt, der Nacken, durch den alle geistlichen Güter von Christus, dem Haupt, in den mystischen Leib der heiligen Kirche ausströmen. Der heilige Philipp Neri, Apostel von Rom und Stifter der Kongregation des Oratoriums, war ihr daher so innig ergeben, dass er ihren Namen beständig im Mund hatte, indem er sie „meine Liebe und mein Trost!“ nannte, und sie überall als die Spenderin aller Gnaden verkündigte, die die göttliche Güte den Menschenkindern zuteilwerden lässt.

 

Seine Liebe zu Maria war so zärtlich, dass er von ihr zu reden pflegte, wie kleine Kinder von ihrer Mutter reden, indem er sie geradezu „Mama mia! meine Mama!“ nannte. Er besuchte sehr oft ihre Bilder in den Kirchen von St. Maria del Popolo, von St. Agnes auf der Piazza Navona, von St. Maria in Trastevere und anderswo, und verweilte vor ihnen lange Zeit, indem er die Fülle seiner Andacht zu ihr freien Lauf ließ. Er brachte oft ganze Nächte im Gebet und in den schönsten Unterredungen mit ihr zu. – Einst war Philipp zu St. Hieronymus bedenklich krank, und die Ärzte hatten befohlen, dass er bei Nacht nicht allein gelassen werden, sondern immer jemand im Zimmer bei ihm bleiben sollte. In einer Nacht wachte P. Anton Lucci bei ihm; und da es Sommer war und das Zimmer äußerst klein, so wirkte die Hitze so drückend, dass er glaubte, er könne die Nacht durch nicht auf seinem Posten aushalten, und sich deshalb seiner Pflicht nicht sehr gerne unterzog. Dennoch brachte er die Nacht so angenehm, ja erbaulich zu, dass er, als man am Morgen das Ave Maria läutete, wähnte, es sei die Abendglocke, so schnell war ihm die Nacht vorübergegangen, denn der Heilige, nicht vermutend, dass jemand da sei, der ihn hören könne, unterredete sich immer mit der glorreichen Himmelskönigin in so zärtlichen Ausdrücken, dass es wirklich schien, als ob sie gegenwärtig wäre und er sich mit ihr persönlich unterhalte.

 

Er hatte auch zwei Schuss-Gebetlein, die er Maria zu Ehren beständig anwendete. Das erste lautete: „Jungfrau Maria, Muttergottes, bitte zu Jesus für mich!“ Manchmal verlängerte er es auch so: „Bitte Jesus, deinen Sohn, für mich Sünder!“ Das zweite bestand in den Worten: „Jungfrau Mutter Maria!“ denn er sagte, in diesen Worten sei alles mögliche Lob der heiligen Jungfrau kurz enthalten, einmal, weil sie bei ihrem Namen „Maria“ genannt werde, und man ihr jene zwei hohen Titel gäbe: „Jungfrau“ und „Mutter“, und dann jenen anderen unaussprechlich hehren: „Muttergottes“. Schließlich werde die heiligste Frucht ihres Leibes genannt „Jesus“, ein Name, dessen Erwähnung schon die Macht habe, dass Herz mit großer Liebe zu erfüllen. – Aus diesen zwei Gebeten lehrte er seine Pfarrkinder einen Rosenkranz bilden, und das eine oder andere mit dem Vaterunser dreiundsechzigmal zu wiederholen. Er selbst trug fast immer den Rosenkranz in der Hand, um diese Andacht zu verrichten, die Gott so angenehm war, dass viele von denen, die sie vollzogen, bekannten: in ihren Versuchungen eine große Stärke daraus gezogen zu haben.

 

St. Philippus bezeugte, dass er von der heiligen Mutter Gottes undenkliche Gnaden empfangen habe und insbesondere, dass er im Gebet vor einem Bildnis Marias von fürchterlichen Anfällen befreit wurde, womit der böse Feind ihn zu schrecken suchte. Die Erinnerung an diese Wohltaten, die er von ihr empfangen hatte, entschwand nie aus seinem dankbaren Herzen; und als man die Altäre in der Kirche der Kongregation aufrichtete, befahl er: dass man auf jeden von ihnen ein Geheimnis unseres Erlösers male und dass auch die Muttergottes in dem Geheimnis mitbegriffen werden sollte. – Daher beschlossen auch die Väter, nach der Seligsprechung des Heiligen, als sie sein Bildnis in seiner Kapelle aufzustellen hatten, dass das Bild der Gebenedeiten des Herrn gleichfalls in ihr angebracht werde, zum steten Gedächtnis: dass er – wie ein zweiter heiliger Bernhardin von Siena – sie so inniglich geliebt habe.

 

Als man die Kirche baute, hatte Johann Anton Lucci, der die Aufsicht bei dem Werk führte, ein Stück von dem Dach über einem Teil der alten Kirche stehen lassen, wo sich ein uraltes Gemälde der heiligen Muttergottes befand, das beim Volk hochverehrt war, dasselbe, das nun dem Hochaltar zur Zierde gereicht. Er hatte dies getan, damit man unter ihm die heilige Messe zelebrieren und die Eucharistie aufbewahren könne. – Eines Morgens schickte St. Philippus in aller Eile nach ihm und ließ ihn ersuchen, das Dach augenblicklich hinweg nehmen zu lassen, weil er gesehen habe: dass es in der eben vergangenen Nacht herabgefallen sein würde, wenn die glorreiche Jungfrau Maria es nicht mit ihren eigenen Händen gehalten hätte. Johann Anton schritt mit einigen Arbeitern ungesäumt zur Ausführung des Befehls und fand, dass der Hauptbalken sich von der Mauer getrennt hatte, und augenscheinlich ohne alle Stütze in der Luft schwebte, so dass alle, die es sahen, dies für ein Wunder erklärten.

 

Die Mutter des Herrn vergalt die Andacht des heiligen Philippus zu ihr, indem sie ihm eine Kirche gab, die ihrem lieblichen Namen geweiht war: damit der Sohn, der ihr so kindlich fromm stets diente, nicht von seiner Mutter getrennt sein möchte. Und ehe er starb, begnadete sie ihn noch mit ihrer wunderbaren Erscheinung, die ihn mit solcher Liebe und Freude erfüllte, dass er in der kurzen Zeit, die er noch lebte, nicht aufhören konnte, immer wieder auszurufen: „O meine Söhne, seid treue Verehrer der heiligen Muttergottes, liebt Maria!“ –

 

(Aus: Das Leben des Heiligen P. F. W. Faber)

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Januarius Maria

 

Pater Januarius Maria, ein Schüler des heiligen Alphons von Liguori, der auch im Ruf der Heiligkeit starb, liebte, gleich nach Gott, Maria über alles, und verehrte ganz besonders ihre unbefleckte Empfängnis. Um die Andacht zu dieser „Königin aller Heiligen“ zu verbreiten, teilte er eine große Menge von Skapulieren und Rosenkränzen aus: deshalb fand er – während der in der Kongregation üblichen Erholungsstunde nach dem Mittags- und Nachtessen – seine schönste Beschäftigung im Anfertigen von Skapulieren und Rosenkränzen.

 

Auch widmete er die herzlichste Verehrung dem Namen der heiligen Muttergottes. – Da er einst eine von einem sonst sehr eifrigen Priester gehaltenen Predigt über das allerheiligste Altarsakrament gehört hatte, war er von der Rede sehr befriedigt, aber er konnte nicht ohne Traurigkeit daran denken, dass er nicht ein einziges Mal den geliebten Namen „Maria“ ausgesprochen hatte. Darum bat er ihn dringend, in seinen künftigen Predigten den Namen der allerseligsten Jungfrau fortan nicht auszulassen, indem er ihm versicherte: er würde durch sein Wort dann weit mehr Früchte des Heils für sich und seine Zuhörer gewinnen. – Er freute sich seines Namens „Januarius Maria“ außerordentlich, und verhehlte nie seinen schmerzlichen Unwillen gegen denjenigen, der ihn nur mit dem Namen „Januarius“ anredete, ohne jenen „Maria“ beizusetzen.

 

Im Monat September, in dem die Feste „Maria Geburt“ und „Maria Namen“ gefeiert werden, pflegte er seine Freunde zu bitten, mit ihm der heiligen Muttergottes zu danken, dass sie ihm in diesem Monat die Gnaden, um die er gebeten hatte, immer gewährt habe. –

 

Ihm war es zur Gewohnheit geworden, des Nachts vor dem Schlafengehen den Rosenkranz um den Arm zu wickeln, um sich seiner liebenswürdigen Königin auch während der Nacht zu erinnern. Er vertraute auch einem seiner Freunde, dass er in seinen allerschwersten Mühen und Kämpfen gegen die Hölle sich immer außerordentlich gestärkt fühle, wenn er in den Händen den Rosenkranz halte.

 

Überall predigte er mit der höchsten Freude die Glorie Marias. In allen seinen Predigten empfahl er ihre Verehrung, und wirkte mit allen Kräften dahin, dass neuntägige Andachten (Novenen) zu ihrer Ehre gefeiert wurden. -

 

(Aus: Aufzeichnungen über die Redemptoristen-Congregation)

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Der selige Kapuziner-General Laurentius

 

 

Der selige Laurentius von Brundusium, General des Kapuziner-Ordens, verband mit der Liebe zu Christus, dessen Leiden ihn beständig zu Tränen rührte, eine zarte Verehrung der göttlichen Mutter, der allerseligsten Jungfrau Maria.

 

Um seiner Andacht zu dieser Königin der Engel und der Menschen genügen zu können, erlaubten ihm die Päpste, Clemens VIII. und Paul V., auch an den Tagen, an denen ein Festum duplex einfiel, die Marianische Votiv-Messe zu lesen, und er machte von diesem Privilegium täglich, außer an den größten Festen des Herrn, Weihnachten, Ostern, Pfingsten usw. Gebrauch.

 

Ihr zu Ehren fastete er an allen Samstagen und an den Vorabenden ihrer Hauptfeste bei Wasser und Brot, eine Übung, die er weder bei den anstrengendsten Reisen, noch bei den heftigsten Gichtleiden unterließ.

 

Seine kindliche Liebe zu Maria würde unbefriedigt geblieben sein, wenn er sich nicht bemüht hätte, ihre Tugenden nachzuahmen. Besonders versuchte er ihrer tiefen Demut und ihrer unverletzten Reinheit nachzufolgen. Er erwies sich stets als der Demütigste von allen und bewahrte eine engelhafte Reinheit. Trotz seiner großen Talente hatte er für sich selbst nur Gefühle der Geringschätzung und Verachtung. Im Hinblick auf die Mutter Jesu unter dem Kreuz, ertrug er die bittersten Spottreden, die schwärzesten Verleumdungen, die schimpflichsten Beleidigungen. Er suchte und ergriff mit aufrichtigstem Verlangen die Demütigungen. Er wich mit demselben Eifer den Würden und Ämtern aus, mit denen andere sie suchen. So viel wie möglich die Ehrenbezeugungen der Großen vermeidend, gefiel er sich nur in der Niedrigkeit. Indem er das heiligste und tadelloseste Leben führte, erachtete er sich als den größten Sünder. Und die Demut des Laurentius blieb sich immer gleich, war immer groß und heldenmütig, weil treu gepflegt mit der Liebe zu Maria.

 

Diese zarte Andacht zu der Gebenedeiten des Herrn, die ihn selbst erfüllte, versuchte er auch anderen einzuflößen. In Neapel, Verona und in anderen Städten, wo er die Fastenpredigten hielt, predigte er, außer der gewöhnlichen Predigt am Vormittag, nachmittags stets über die Größe, Verehrung, Anrufung und Nachahmung Marias.

 

Diese gute Mutter zeigte ihm auch, wie wohlgefällig ihr sein Dienst sei, dadurch, dass sie ihm große Gnaden von ihrem Sohn erflehte. Ihr verdankte er in einem Augenblick die Kenntnis der hebräischen Sprache. Als er nämlich das Hebräisch-Studium begann, deren Schwierigkeiten schon St. Hieronymus erfahren hatte, bat er voll Vertrauen Maria, die „Hilfe der Christen“, sie möge ihm behilflich sein, die großen Hemmnisse, auf die er stieß, zu überwinden. Seine Bitte wurde von der „Vermittlerin der göttlichen Gnaden“, wie St. Bernhard sie nennt, erhört, denn er sank in einen leichten Schlummer und fand sich, aus ihm erwachend, mit der vollkommenen Kenntnis der hebräischen Sprache ausgerüstet. Ihr verdankte er auch die Heilung eines heftigen und gefährlichen Brustübels, das ihn während seiner Noviziats-Zeit gar sehr peinigte.

 

Ihr verdankte er die in so wunderbarer Weise geschehene Rettung seines Lebens in der blutigen Schlacht der Kaiserlichen gegen die Türken. Ihr verdankte er das Wunder, durch das er jenem Säbelhieb entging, den ein Türke nach seinem Kopf führte, und von dem man nur eine kaum bemerkbare Narbe noch erkannte.

 

Im Jahr 1613 auf einer Reise nach Rom unterwegs, verweilte er die ganze heilige Fastenzeit hindurch in Loretto, um dort seiner Andacht zur allerseligsten Jungfrau zu genügen, deren mächtigen Beistand er so oft in den Kämpfen gegen die Häresie und gegen die Feinde des christlichen Namens überhaupt erfahren hatte. In dem „Heiligen Hause Marias“ zu Loretto brachte Laurentius, während seines Aufenthaltes, stets am frühen Morgen das heilige Messopfer dar, und diente dann bei all den übrigen heiligen Messen, die noch gelesen wurden, um ja recht lange am Altar der Gnadenvollen andachtsvoll und dankbar verweilen zu können. –

 

(Aus: Leben des Laurentius von Brundusium von P. L. von der Schulenburg)

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Carl Odescalchi, Kardinal

 

 

Der Fürst Balthasar Odescalchi, Kardinal und Generalvikar von Rom, Erzbischof von Ferrara, Herzog Bracciano und Ceri im Kirchenstaat und von Sirmien in Ungarn, später Mitglied der Gesellschaft Jesu, von dem einst seine durch ihn gar glückliche Herde ausrief: „Er ist der Engel des Friedens, der Vater der Armen, unser heiliger Carl; glücklich die Mutter, die ihn in ihrem Schoß trug!“ – erwies sich in allem als ein echter geistlicher Sohn Marias, und suchte durch sein Wort und sein Beispiel und die sorgfältigste Pflege ihrer Feste auch andere zu ihrer Verehrung anzuregen und das Vertrauen der Gläubigen auf die hehre Fürbitterin der Menschen bei Gott zu beleben.

 

Er stellte die Stadt Ferrara unter die Obhut der göttlichen Mutter. In feierlicher Weise krönte er zu St. Paul das wundertätige Gnadenbild der Madonna del Carmine und trug es durch die volksreichsten Straßen der Stadt, damit diejenige im Himmel, auf die es hinweist, über die Einwohner Ferraras alle Segnungen des himmlischen Vaters erflehe. – Der Domkirche widmete er das Standbild „Unserer Lieben Frau von den sieben Schmerzen“, und stattete deren Altar aus unter der Bedingung, dass an jedem Sonntag das Gebet zu der schmerzhaften Mutter gehalten und darauf mit dem allerheiligsten Sakrament der Segen erteilt werde. Er selbst verfasste dazu die Gebete und versah sie mit einem Ablass.

 

Er pflegte Maria immer „seine Mutter“ zu nennen und hatte – nach unserem göttlichen Heiland – sein ganzes Vertrauen auf sie, als eine „gute Mutter“ gesetzt. Er erklärte, unzählige Gnaden für Seele und Leib empfangen zu haben, und insbesondere verdanke er es ihrer Hilfe, dass es ihm endlich gelungen war, alle Hemmnisse zu beseitigen, um in die Gesellschaft Jesu einzutreten. – Als er eines Tages mit einem Pater von der Verehrung der heiligen Muttergottes redete, sagte er: „Pater, ich glaube gern, dass andere Maria mehr lieben als ich; aber im Vertrauen auf sie übertrifft mich gewiss niemand!“

 

In allen geistlichen Vorträgen, die er hielt, unterließ er es niemals, die Vorzüge Marias zu verherrlichen, und seinen Zuhörern es dringend anzuempfehlen, in allen geistlichen und zeitlichen Nöten und in allen Zweifeln die Zuflucht zu ihr zu nehmen, da sie ja die Mutter der Barmherzigkeit sei. –

 

Besonders bestrebt war er auch, die Andacht zu ihrer unbefleckten Empfängnis zu befördern. Täglich betete er die kleinen Tagzeiten zu Ehren dieses gnadenreichen Geheimnisses; und mochten ihn auch noch so viele und dringende Beschäftigungen in Anspruch nehmen, dann fand er doch immer noch einige Zeit, um diesen Dienst zu Ehren der heiligen Muttergottes zu verrichten.

 

Jeden Samstag beobachtete er strenges Fasten, und an den Tagen vor den Festen der allerseligsten Jungfrau verband er damit auch die strenge Abstinenz (In Italien bestand noch der Unterschied zwischen einfacher und strenger Abstinenz. Letztere verbietet nicht nur den Genuss von Fleischspeisen, sondern auch noch von Milch, Butter, Käse und Eiern.); und diese harte Enthaltsamkeit setzte er nicht einmal bei den Missionen aus, trotz der großen Anstrengungen.

 

Auf seinen bischöflichen und Missions-Wanderungen betete er täglich ein besonderes, langes Reisegebet und mehrere „Litaneien der allerseligsten Jungfrau“, viele „Vaterunser“, zu Ehren verschiedener Schutzheiligen, mehrere Male das „Aus der Tiefe“ für die Verstorbenen und Gebete zum heiligen Schutzengel. – Außerdem betete er bei jeder Stadt und bei jedem Dörfchen, das man berührte, drei Mal das „Ehre sei dem Vater“ zum Preis des allerheiligsten Sakraments, ein „Gegrüßet seist du, Maria“, zur heiligen Muttergottes, ein „Engel des Herrn“ zum heiligen Schutzengel und ein „Requiem“ für die Verstorbenen.

 

In jeder Lage seines Lebens, und beim Gedenken an das Heil der Lebenden und die Peinen der armen Seelen und bei jeder schweren Bedrängnis der Kirche pflegte er dringend und andachtsvoll zu beten: „Maria hilf!“ –

 

(Aus: Leben desselben von Dr. Friedrich von Hurter)

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Der heilige Pfarrer von Ars

 

Die Andacht des im Jahr 1859 gestorbenen heiligen Johann Baptist Vianney, des Pfarrers von Ars in Frankreich, zur allerseligsten Jungfrau Maria war eine so innige, zarte und hohe, dass man sie wahrhaft bewundernswert nennen darf. Doch unter all den vielen Ehrentiteln, mit der wir ihre Güte und Macht erbitten, wandte er sich vorzugsweise an Maria, als die „Mutter der Barmherzigkeit“ und die „Zuflucht der Sünder“.

 

Als er nach dem Antritt des Pfarramtes zu Ars alsbald seine Sorge der Vergrößerung der kleinen Kirche daselbst zuwendete, beschäftigte er sich gleich anfangs damit, eine Kapelle zu Ehren der heiligen Jungfrau Maria zu errichten. Diese Kapelle, die man zur Rechten, nach der Mittagsseite hin, sich erheben sieht, war geschmückt mit einer schönen Statue der gebenedeiten Himmelskönigin, von natürlicher Größe, wie sie, in der Form von Strahlen, mit ihren mildreichen Händen reiche Schätze geistlicher Gnaden spendet. Auf ihrer jungfräulichen Brust sieht man ein großes goldenes Herz mit den Namen aller Familien von Ars. Seit dem 1. Mai 1836, dem heiligen und trostvollen Gedächtnistag, an dem der liebevolle Hirt durch eine allgemeine und feierliche Weihe seine ganze Herde – Maria, der unbefleckt empfangenen und allzeit unbefleckt gebliebenen Jungfrau, darbrachte, nahm die Pfarrei eine ganz neue Gestalt an und gewann jenen religiösen Charakter, der sie noch heute unter allen Pfarreien der Diözese auszeichnet.

 

In dieser besonders geliebten Kapelle der heiligen Jungfrau feierte der fromme Pfarrer jeden Samstag die heilige Messe und betete dort für die armen Sünder mit jener engelhaften Inbrunst, die so oft auch auf die größten unter ihnen die mitleidsvollen Blicke der Mutter der Barmherzigkeit herabzog. Zu diesem allgemein verehrten, vor der Kanzel aufgestellten Bild Marias, wandte er sich mit Vertrauen je am Schluss seiner Christen-Lehre, um zum Heil der armen Sünder, der Kranken, der Schwachen, der Abwesenden, der Zuhörer seine Gebete an sie zu richten, indem er sie alle und sich selbst unter den gnädigen Schutz dieser Patronin stellte. An sie wandte er sich auch stets am Schluss seines Abendgebetes. Dorthin, zu den Füßen dieser guten Mutter der Gnade und Erbarmung, schickte er die Pilger, um ihre eigene Bekehrung oder die der teuren Personen, für die sie Marias Schutz anzuflehen gekommen waren, zu erbitten. Wer könnte ermessen, welche Ströme von Tränen der Reue, der Liebesglut und der Dankbarkeit vor diesem so sehr verehrten Bild Marias schon vergossen worden sind! –

 

(Aus: Der Pfarrer von Ars J. B. Vianney von M. de Montrond)

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