Maria Trost

 

Samstag nach dem Fest des hl. Augustinus (28. August)

 

In jenen trauten Stunden, in denen Jesus Abschied nahm von seinen Jüngern, in denen er in die bangen Augen der Seinen schaute, die es nicht fassen konnten, dass der Meister von ihnen gehe, wusste er ihnen keinen besseren Trost zu bieten als die Verheißung des Heiligen Geistes. „Ich will den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben.“ Von diesem Beistand versprach er ihnen, dass er die Traurigkeit von ihnen nehmen werde, dass er sie zu starken Zeugen seiner Wahrheit mache und durch sie die Welt davon überzeuge, dass es eine Sünde, eine Gerechtigkeit und ein Gericht gebe. Er solle bei ihnen bleiben, bis jene frohmachende Stunde für sie anbreche, in der er selbst zu ihnen zurückkehre, um niemals mehr von ihnen zu gehen. Seitdem heißt der Heilige Geist: der große Beistand unserer Kirche und unserer Seelen, der Tröster-Geist.

 

Daran muss man denken, wenn man vernimmt, dass der seligsten Jungfrau Name mit jenem Wort verbunden wird, dessen Klang allein schon Balsam für verwundete Herzen ist, dem Wort „Trost“. Kann auch Maria unser Trost genannt werden? Wer könnte es bezweifeln, da sie doch die Mutter unseres Erlösers ist! Es gäbe keine Hoffnung, keine Rettung, keine Freuden für uns arme Sünder, wenn Mariens Mutterschaft den nicht gezeugt hätte, der unser Friedensfürst, unsere Seligkeit geworden ist. So bietet uns Maria in der Heilsordnung Gottes die Sicherung unserer Hoffnung und die Bürgschaft unserer Freude. Maria ist also der Trost der Welt. Von da aus begreifen wir, dass Herzen, die glaubten verzweifeln zu müssen, die selige Jungfrau so begeistert gepriesen haben, dass man vermuten möchte, sie hätten sich vielleicht vertan zwischen ihr und ihrem Sohn. Darum jubeln Christenherzen auf, wenn man der Jungfrau Geburt gedenkt, ja, wenn allein schon jenes Augenblickes gedacht wird, da sie im Schoß ihrer Mutter empfangen ward. Mit ihrem Erscheinen scheint alles anders zu werden, alles neu, alles besser. Weshalb? Weil sie nicht anders gedacht werden kann als nur auf ihrem Sohn, den Erlöser, hin. Maria darum unser Trost.

 

Maria bleibt unser Trost. Maria als die himmlische Mutter ist nun gemeint als die fürbittende Allmacht, als die Mutter der nie versiegenden Barmherzigkeit. So ist sie unser großer Trost, unser Beistand. Denn solange ihr Mutterherz noch schlägt, solange ihre Mutterlippen zum Vater der Erbarmung rufen, solange ihre Mutterhände sich ausstrecken zur Hilfe hin, solange hat Verzweifeln keinen Sinn, solange hat Hoffnung sicheren Platz. Maria Trost!

 

Kirchengebet

 

Herr Jesus Christus, Vater der Erbarmungen und Gott allen Trostes: Hier auf Erden verehren wir eifrig und freudig deine reinste Mutter unter dem Titel Maria vom Trost. Gewähre uns deshalb gnädig, dass wir uns ihrer immerwährenden Gemeinschaft im Himmel erfreuen.

 

Zur Geschichte des Festes: Dieses Marienfest wurde zuerst im Augustinerorden gefeiert. Der Zusammenhang ist folgender: Mit der Verehrung des Ordensgründers, des heiligen Augustinus, war engstens verknüpft die Verehrung der heiligen Monika. Man gedachte in Ehrfurcht der Tränen dieser heiligen Mutter, die durch die Bitterkeit ihres eigenen Leides ihren Sohn Augustinus für das Reich Gottes gewonnen hatte. Nun lag es bei der bekannten Marienliebe des Augustinerordens sehr nahe, auch des Leides und der Tränen jener heiligsten aller Mütter zu gedenken, die uns den Erlöser geboren und – unter dem Kreuz stand – in mütterlicher Leidensgemeinschaft ihn geopfert hat.

 

Die Einführung des Festes geht auf Papst Gregor XII. zurück. Er vereinigte die „Bruderschaft des heiligen Augustinus und der heiligen Monika“ (deren Mitglieder einen Gürtel trugen) mit der „Bruderschaft Unserer Lieben Frau vom Trost“. Dieser neuen Bruderschaft gab er als Titularfest: Maria vom Trost. 1805 wurde dieses Fest über den Orden der Augustinereremiten hinaus für ganz Etrurien erlaubt und nahm von da aus seinen Weg in weite Teile der Kirche. 

 

(Prof. Dr. Carl Feckes, "So feiert dich die Kirche", Maria im Kranz ihrer Feste, 1957, Steyler Verlagsbuchhandlung)