Maria von den Engeln

 

2. August

 

Engel spielen im Leben Mariens eine nicht unbedeutende Rolle. Ein Erzengel war es, der ihr jene Botschaft brachte, die für ihr ganzes Leben und Wirken von entscheidender Bedeutung war. Ein Engel löste ihr und des hl. Josef Bangen ob ihres Gesegnetseins. Ein Engel entriss ihr Kind dem Mordstrahl des Herodes und wies ihnen den Weg ins Ägypterland. Darum hat die christliche Legende das Heim der Heiligen Familie zu Nazaret gleichsam zu einem Engelsheim gemacht, in dem diese guten Geister ein und aus gehen und das tägliche Leben der heiligsten Menschen miterleben.

 

Engel sind die Boten der Ratschlüsse des Herrn. Wann aber hätten sie wichtigere Botschaften der Erde zu bringen gehabt als damals, als das große Werk der Erlösung geschah? „Und sind sie nicht alle dienende Geister“, lesen wir im Hebräerbrief, „denen zum Dienst bestellt, die das Heil erben sollen?“ Wie sollten sie da nicht vorzüglich jenen gedient haben, die uns das Heil erwerben sollten: dem erlösenden Herrn und der Mitgenossin seines Werkes? Es ist also durchaus offenbarungsgemäß, das Leben der heiligsten Jungfrau sich von Engeln umspielt zu denken. Engel waren Mariens Schutz, wie sie auch uns zum Schutz gegeben werden.

 

Aber Engel bilden auch Mariens Ehrengarde, seitdem sie als Königin des Himmels über ihnen thront. Als Königin der Engel stellt uns nach urchristlicher Überzeugung ein Anruf der Lauretanischen Litanei Maria vor. Schon die ältesten Lobredner Mariens lieben es, uns ihre Erhabenheit als Gottesgebärerin zu verdeutlichen, indem sie diese alle Chöre der Engel übersteigen lassen. „Nimm Platz, Königin!“ so fordert der heilige Germanus sie auf. „Dir, die du ein Thron bist, erhabener als selbst die Cherubim, gebührt zur Wohnung ein besonders heiliger Sitz. Dir biete ich den ersten Platz an.“ „Oder ist Maria nicht ein besonders erhabener Berg, der den Gipfel seiner Verdienste über alle Chöre der Engel hinaus, selbst bis zum Sitz der Gottheit aufgetürmt hat?“ (Pseudo-Gregor) Pius IX. hat es lehramtlich bestätigt: „Maria ist von Natur aus schöner, reicher und heiliger als selbst die Cherubim und Seraphim und das ganze Engelheer.“ Wetteifert mit solchen Worten nicht der Pinsel der Maler, die uns die Himmelskönigin zeichnen, getragen und bedient von zahlreichen Engelscharen?

 

Wie tief müssen wir uns darum verneigen, wenn wir beten: Königin der Engel, bitte für uns! Aber welch ein Vertrauen weckt es auch in unsern Herzen, wenn unsere Mutter selbst Engelscharen einsetzen kann, unsere Not zu lindern!

 

Kirchengebet

 

Gott, du wolltest den Menschen alles Gute durch deine allerseligste Mutter zukommen lassen, die du über die Chöre der Engel erhöht hast: lass uns, die wir die Erinnerung an die Weihe ihres Heiligtums festlich begehen, auf ihre Bitte hin jetzt die Verzeihung unserer Sünden und reiche Gnade erlangen und dereinst die Gemeinschaft der Seligen und die Wonnen des Himmels genießen.

 

Zur Geschichte des Festes: Dieses Fest ist das Jahrgedächtnis der Einweihung der Portiunkulakirche eine halbe Stunde westlich von Assisi gelegen (Porziuncola = Teilchen, kleiner Acker). Zur Zeit des heiligen Franziskus befand sich dort ein uraltes Kirchlein aus dem 6. Jahrhundert, das der Heilige sehr liebgewonnen hatte. Im Jahr 1211 konnte er es von den Benediktinern für sich erwerben. Da man des Öfteren wunderbaren Engelgesang darin vernahm, nannte er dieses Gotteshaus „Unsere liebe Frau von den Engeln“. Gar bald ließ er die verfallenen Teile renovieren und erbat sich in einer Marien-Erscheinung für den Weihetag (2. August 1216) als besondere Gabe den Toties-quoties-Ablass, der von diesem Kirchlein her auch den Namen Portiunkula-Ablass erhalten hat. Tatsächlich wurde seine Bitte gewährt. Dieses Privileg besagt: jeder Gläubige kann bei jedem Besuch der Portiunkula-Kirche und durch das andächtige Beten von je fünf Vaterunser, Ave Maria und Ehre sei dem Vater und einem Gebet nach der Meinung des Heiligen Vaters einen vollkommenen Ablass gewinnen. Bei seinem Tod daselbst (1226) empfahl Franziskus dieses „Lieblingsplätzchen der Gottesmutter“ der besonderen Sorge seiner Brüder. Dieses altehrwürdige Kirchlein ist inzwischen überbaut von einer prächtigen Basilika.

 

Benedikt XV. dehnte 1921 das Privileg des Portiunkula-Ablasses auf alle Tage des Jahres für alle Besucher der Basilika Unserer Lieben Frau von den Engeln aus. Bereits 1480 gewährte Sixtus IV. auch anderen Kirchen den Portiunkula-Ablass, der heute an bestimmten Tagen in allen Kirchen der ganzen Welt gewonnen werden kann, die dafür das Privileg erhalten haben.

 

Mit dem Gedankenkreis „Maria und die Engel“ hängt auch das Nationalheiligtum der Schweizerischen Eidgenossenschaft Maria Einsiedeln in etwa zusammen. Nach der Überlieferung, die in der sogenannten Engelweihbulle Leos VIII. (964) festgehalten ist, erfolgte die Einweihung dieses auf den heiligen Meinrad (+ 861) zurückgehende Marienkirchleins am 14. September 948 durch Christus selbst, der dabei von Engeln umgeben war. Dieser Tag wird dort noch jährlich mit großem Pilgerandrang hochfestlich begangen.

 

(Prof. Dr. Carl Feckes, "So feiert dich die Kirche", Maria im Kranz ihrer Feste, 1957, Steyler Verlagsbuchhandlung)