Verschiedene Abbildungen Marias

 

Wallfahrten zu heiligen Orten und Bildern finden wir in allen Ländern der katholischen Christenheit. Sie entsprechen dem Drängen des menschlichen Herzens. Die Menschen wollen sich hin und wieder dem gewöhnlichen Treiben des alltäglichen Lebens entziehen und an den Gnadenorten Gott und seinen Heiligen viel näher sein.

 

Die ältesten und wichtigsten Wallfahrtsorte waren Jerusalem, das Grab des Heilandes und die übrigen Stätten, an denen der Herr lebte und wirkte, dann Rom, die Gräber der Apostelfürsten Petrus und Paulus, dann Compostela in Spanien, das Grab des heiligen Apostels Jakobus und das heilige Haus von Loretto.

 

In der ersten Hälfte des Mittelalters gingen die Pilger zu den Gräbern und Reliquien der heiligen Märtyrer, dann zu denen anderer Heiligen. Seit der 2. Hälfte des Mittelalters begannen die Wallfahrten zu den Bildern der Gottesmutter mehr und mehr zu entwickeln. Die Zahl der Wallfahrtsorte wuchs beständig zum Ende des 15. und zu Beginn des 16. Jahrhunderts, aber noch mehr im 17. Und 18. Jahrhundert.

 

Die Zeit der fürchterlichen Bilderstürme, der Verunehrung und hasserfüllten Zerstörung der Kirchenbilder einerseits, brachte andererseits viele neue Wallfahrten hervor. Die Gläubigen wollten dadurch oft in rührender Weise Gott und den Heiligen Sühne und Genugtuung leisten. Viele halbverbrannte und zerstörte Bilder wurden liebevoll wieder hergestellt. Die renovierten Statuen genossen wieder eine umso höhere Verehrung. Es wurden auch viele neue Heiligenbilder angefertigt. Auch die Gegenreformation, die Wiedereinführung des mit Gewalt abgeschafften alten und ehrwürdigen Glaubens, unterstützte sehr die Bedeutung der Wallfahrten. Viele verirrte, enttäuschte, bekehrte und wieder zur Kirche heimgekehrte Menschen blickten zur alten Liebe zur Gottesmutter zurück. Die marianischen Andachtsübungen steigerten und vermehrten sich. In den schrecklichen Zeiten des 30jährigen Krieges und der französischen Kriegswirren richteten die Menschen naturgemäß ihre Liebe nach oben, suchten Hilfe bei Gott, bei der Gottesmutter und bei den anderen Heiligen. Die Christen vieler Orte gelobten, eine Kapelle zu bauen, eine Wallfahrt zu veranstalten, wenn Maria sie vor den Schweden oder vor den Türken oder vor anderen Gefahren schütze. Mangel an menschlicher Hilfe, eigene Hilflosigkeit zwangen gar zu eifrigem Gebet. Kopien eines fremden und berühmten Gnadenbildes wurden aufgestellt. Zahllose Lorettokapellen und Nachahmungen des berühmten Einsiedler Gnadenbildes wurden hergestellt, wie heute überall Bilder der Grotte von Lourdes ihren Platz in und bei den Kirchen haben.

Matthias Hergert