Der Marianische Samstag

Weihe an die Gottesmutter

(hl. Aloisius)

 

Heilige Maria, du bist meine Königin. Deinem heiligen Schutz, deiner besonderen Sorge und deinem mütterlichen Herzen vertraue ich mich heute und täglich und für die Stunde meines Todes an, meinen Leib und meine Seele.

Alle Hoffnung und alle Freuden, alle Besorgnisse und alle Armseligkeiten, mein Leben und das Ende meines Lebens empfehle ich dir. Durch deine Fürsprache und deine Verdienste erlange mir die Gnade, in all meinen Gedanken, Worten und Werken deinen und deines göttlichen Sohnes Willen zu erfüllen.

 

Der Samstag zu Rom

 

(aus: Rom in seinen drei Gestalten, Dr. J. Gaume, 1847)

 

Am Samstag neigt sich in Ehrfurcht jede römische Stirn. Es ist der Tag Mariä, und alle Madonnen-Bilder werden beleuchtet, und zahlreichere innigere Gebete erheben sich auf allen Punkten der Stadt aus den Herzen der Gläubigen zur Jungfrau voll der Gnade.

 

Am Morgen wird in der Kirche zu Sanct Johannes der Florentiner eine feierliche Messe gelesen, um inniglich die Fürsprache Mariens um Gottes Segen in geistigen und leiblichen Anliegen zu erflehen und um Abwendung schwerer Übel.

 

Am Abend ertönen die herrlichen Kirchen St. Maria del Pianto, St. Maria des Volkes, St. Maria in Cosmedin, St. Maria al Coppella, St. Maria des guten Rates, St. Maria in Trastevere, des heiligen Namens Mariä, St. Maria in Via lata und noch viele andere vom Lobpreis der erhabenen Jungfrau. – Doch die Menge ist für die schönste und lieblichste der Kirchen Unserer Lieben Frau, St. Maria die Größere. Unter den Wölbungen dieser wundersamen Basilika singt ein unzählbares Volk jene so erhabenen und so einfachen lauretanischen Litaneien, von denen man sagen möchte, sie seien dem Repertorium der Engel entlehnt.

 

Während Rom so die erhabenste Tochter Judas verehrt, will es nicht, dass die Juden, diese trauernden Kinder Abrahams, ohne alle Freude seien. Es ladet sie ein, seine Fröhlichkeit zu teilen, indem es ihnen das Mittel an die Hand gibt, in Maria ihre herrlichste Schwester und die Mutter ihres Gottes zu erkennen. Alle Samstage findet deshalb in der Kirche St. Engel in Pescheria eine Belehrung für die Juden statt: wenigstens das Drittel derjenigen, die über zwölf Jahre alt sind, pflegt dabei zu erscheinen. Als Prediger wird ein Dominikaner ausersehen, der Doktor der Theologie und in der Kenntnis des Hebräischen sehr bewandert ist. Er erklärt das Alte Testament und besonders die Propheten, die von der Ankunft und den Kennzeichen des Messias sprechen, und beweist die buchstäbliche Erfüllung an unserem Herrn Jesus Christus. Zahlreichere Bekehrungen als je in diesen letzten Jahren sind die Früchte dieser liebreichen Anstalt, die man Papst Gregor XIII. verdankt. – Es gibt für die Juden noch eine andere nicht minder beredte Predigt, und diese können sie alle Tage vernehmen. Am Portal der Kirche gegen das große Tor des Ghetto hin, erhebt sich ein sehr großes Kreuz. Auf den beiden Seiten des Kreuzes sind mit großen lateinischen und hebräischen Buchstaben die vom Propheten Jesaja ausgesprochenen Worte des Erlösers eingeschrieben: „Expandi manus meas tota di ad populum incredulum! Ich habe den ganzen Tag meine Hände nach einem ungläubigen Volk ausgestreckt!“ Der Jude kann in Rom sein Quartier nicht verlassen, ohne vor seinen Augen diese rührende Gestalt zu sehen, ohne diese rührenden Worte zu lesen, deren heilsame Erinnerung ihm, - wider seinen Willen – mehr als einmal mitten unter seinen Handelsbeschäftigungen begegnen muss.

 

Das Samstag-Wunder zu Konstantinopel

 

(aus: Legendenkranz von Unserer Lieben Frau)

 

Obschon es das Recht verlangt, dass sich jeglicher Christ zu allen Zeiten und in allen Stunden verpflichtet halte, Maria zu loben, so soll er dies besonders am Samstag tun: einerseits, weil nach dem alten Volksglauben die allerseligste Jungfrau an einem Samstag in den Himmel glorreich aufgenommen worden ist, und dann – eines schönen Wunders wegen, das sich in einer Stadt, Konstantinopel genannt, zugetragen hat.

 

Es sagen alle, die dort gewesen sind, der Wahrheit gemäß, von einem Münster, in unserer Lieben Frau Namen geweiht: da sei ein Bildnis Marias hingesetzt, damit die Männer und die Frauen das Bild wohl schauen mögen, wenn es gezeigt wird. Sie hat das göttliche Christkind in ihrem Schoß, wie es der Meister wollte. Das Bild ist sorgfältig gemalt und reich vergoldet, und vor ihm hängt ein wertvolles, breites Seidentuch. Niemand kann dazu gelangen, um das Bild Unserer Lieben Frau zu schauen, außer wenn die Zeit da ist, da es sich selbst zu schauen gibt. – Des Freitags nach der None, wenn sich die Sonne zum Untergang neigt und man die Vesper Unserer Lieben Frau zu singen beginnt: in derselben Stunde pflegt sich das Tuch zu erheben. Kein Mensch mag erfahren, wer es ziehe oder halte. Faltenlos erhebt es sich von selbst, und das Bild der Gebenedeiten steht offen da. So mag es sehen, wer da will, weil es eine lange Zeit bis auf den Samstag-Abend unverhüllt ist. Mit dem Beginn der Vesper aber vor dem Sonntag sieht man das Tuch sich wieder niederlassen und das Bild bedecken und verhüllen, bis die Woche um und der Freitagabend gekommen ist. Da hebt das Tuch sich wieder und fällt erst am Samstagabend nach der None.

 

Samstags-Lohn für den Fleiß in der Woche

 

(aus: „Clemens Maria Hofbauer“ von Dr. Friedrich Pösl)

 

Clemens Maria Hofbauer, der erste deutsche Redemptorist, wurde am 26. Dezember 1751 zu Taßwitz in Mähren geboren. Eine fromme Erziehung ist der köstlichste Schatz, den Eltern ihren Kindern geben können; dagegen hat Verwahrlosung und Verzärtelung des aufkeimenden Alters in gleicher Weise die traurigsten Folgen; denn ach! bei wie vielen Eltern werden Glaube, Gebet und Sittsamkeit als veraltete Dinge bei Seite gesetzt, und nur auf Gewinn, Brauchbarkeit und leibliche Geschicklichkeit gesehen, und höchstens wird ein gewisser äußerer Anstand vor der Welt gefordert, aber auch nur, um sich bei den Menschen beliebt und geltend zu machen, und sich ein irdisches glänzendes Fortkommen zu sichern.

 

Clemens Maria Hofbauer hatte das Glück, einfachen und frommen Landleuten anzugehören, die es sich auf alle Weise angelegen sein ließen, ihre Kinder für Gott – in der treuen Nachfolge Jesus und Maria – zu erziehen. Besonders war es seine Mutter, der die religiöse Erziehung ihres Clemens innigst am Herzen lag. – In seinen späteren Jahren erzählte er gern von ihrer Erziehungsweise und sprach mit großer Hochachtung von ihrer ausgezeichneten Frömmigkeit. Schon vor seiner Geburt hatte sie ihn Gott und Maria aufgeopfert, was alle Mütter tun sollten. Er lobte vor allem die kluge Strenge, mit der sie ihre Kinder behandelte. – Wenn der siebenjährige Clemens die ganze Woche recht fleißig und brav gewesen war, dann erhielt er von der Mutter zum Lohn die Erlaubnis: „am Samstag zu Ehren der heiligen Muttergottes zu fasten, und die paar Kreuzer, die er statt des Frühstücks erhielt, den Armen im Namen Marias geben zu dürfen.“ –

 

Der Mutter hatte er, nach seiner eigenen Äußerung, den Beruf zum geistlichen Stand zu verdanken, denn sie bildete ihn von Kindheit auf in diesem Geist. – Seine Eltern waren unvermögend, ihn studieren zu lassen, dennoch behauptete er allemal: er müsse, gleichviel, auf was immer für einem Weg, Priester werden. Als der Vater frühzeitig verstorben war, nahm die fromme und gottvertrauende Mutter ihr Söhnlein bei der Hand, führte es zu einem Kruzifix und sprach: „Siehe, dieser ist von nun an dein Vater! Gib Acht, dass du auf dem Weg wandelst, der ihm wohlgefällig ist!“

 

Bei einer solchen Erziehung, die den Geist des Jungen nur mit himmlischen Dingen erfüllte, mussten sich bald die erfreulichsten Früchte zeigen. Nur zu Jesus und Maria neigte sich sein reines und liebeentbranntes Herz hin, und wo er des Wortes Gottes teilhaftig werden und aus dem Born des ewigen Lebens Nahrung für seine unsterbliche Seele gewinnen konnte, dahin trieb ihn der Zug seiner heiligen Sehnsucht. Das Haus des Herrn erkor er zu seinem Lieblingsaufenthalt. Sein Geistesmanna blieb – vor einem Kruzifix oder Muttergottesaltar in Andacht zu knien, und wo immer es nur möglich, das Wort Gottes zu hören. Nie strebte er, wie andere Kinder, nach Leckerbissen und Lustbarkeiten. Dieses Trachten und diese Freude an gottseligen Beschäftigungen machte ihn aber keineswegs träge und mürrisch. Er zeigte sich im Gegenteil zu jeder Arbeit bereitwillig, und wo er irgendjemand einen Liebesdienst erweisen konnte, ergriff er, und immer in den wunderschönsten Namen „Jesus und Maria“, jede Gelegenheit. In der Schule seines Heimatortes zeichnete er sich durch Fortschritte und gute Sitten so sehr aus, dass er von seinen Katecheten und Lehrern den übrigen Schülern zum Muster vorgestellt wurde.

 

Weil seine Mutter ihn nicht studieren lassen konnte, so ging er, fünfzehn Jahre alt, nach Znaim, um dort das Bäckerhandwerk zu lernen, ohne indessen den hehren Gedanken seiner Jugend aufzugeben: doch dereinst noch Geistlicher zu werden. Bei jeglichem Samstags-Fasten, von dem er nie mehr abließ, erflehte er sich dazu den milden Beistand Marias, seiner lieben Himmelsmutter. Er vollendete seine Lehrzeit, und wurde freigesprochen.

 

Hierauf begab er sich in das nächst Znaim gelegene Prämonstratenser-Kloster Bruck, wo er einige Zeit in der Bäckerei arbeitete. – Als er dem damaligen Herrn Prälaten sein heißestes Verlangen nach dem Studium, um noch Priester werden zu können, entdeckte, nahm er ihn, nachdem er sich von seinen Fähigkeiten und seiner guten Aufführung überzeugt hatte, als Tafeldecker in den Dienst, und ließ ihn die unteren lateinischen Klassen im Kloster studieren. – Er vereinigte die Übungen der Frömmigkeit auf eine solche Weise mit seinen Studien, dass eins das andere förderte, denn nichts galt ihm das Irdische, Gott aber alles, und sein menschgewordener Sohn Jesus Christus, und dessen unbefleckt empfangene Mutter Maria. – Mit vortrefflichen Kenntnissen ausgerüstet, gelangte er, nach einer Pilgerreise nach Rom, zur Priesterweihe, danach trat er in den Redemptoristen-Orden, wurde dort Generalvikar, und wirkte überall, wo er in der Seelsorge tätig war, mit unaussprechlich reichem Segen.

 

Die Samstags-Lampe vor dem Marienbild

 

(aus: Österreichischer Volksfreund, 1865)

 

In der Stadt N. wurde einst an einem Samstag, und zwar gegen Mitternacht, an der Sakristei-Tür einer Muttergottes-Kirche stark geläutet. Eine alte Frau stand vor der Pforte und bat, eiligst mit der heiligen Wegzehrung zu einem Kranken zu kommen. Sie bezeichnete genau die Gasse und das Haus, und ging, als sich der Priester mit dem Allerheiligsten auf den Weg machte, voran, um selbst als Wegweiser zu dienen. Der Geistliche folgte ihr nach; allein plötzlich war sie ihm aus dem Gesicht entschwunden; indes bemerkte er aber auch, dass er bereits vor dem ihm so deutlich beschriebenen Haus stehe.

 

Er läutete an. – Niemand machte auf. –

 

Endlich, nach langem vergeblichen Schellen, sah ein alter Herr aus einem oberen Stockwerk heraus und rief fragend hinab: wer noch so spät ins Haus herein wolle?

 

Der Priester antwortete, er käme, um einem schwer Erkrankten, zu dem man ihn gerufen habe, die Tröstungen der Religion zu bringen.

 

„Hier im ganzen Hause ist wohl niemand krank“, entgegnete der alte Herr; „allein es regnet in Strömen, und wenn sie deshalb herauf kommen und das schlechte Wetter hier abwarten wollten, so sind Sie mir herzlich willkommen; ich selbst leide ohnehin an Schlaflosigkeit!“

 

Der Geistliche, der von dem so schnell eingetretenen Regen schon durchnässt zu werden anfing, war nun froh, einen kurzen Unterstand zu finden. –

 

Als er in das Zimmer eintrat, fiel ihm alsbald ein großes Madonna-Bild in die Augen, vor dem ein Lämpchen brannte. „Da bin ich doch in ein frommes Haus geführt worden!“ rief, angenehm überrascht, der Priester aus.

 

„Ich bin ein Weltmann, der dem Fortschritt huldigt“, sagte der alte Herr trocken, „und halte auf Bilder und Formen nichts; allein – meiner verstorbenen Mutter zu Liebe, die dieses Madonna-Bild hoch in Ehren hielt, weil sie eine fromme katholische Seele war, habe ich es aufbewahrt, und – denken Sie, ich habe sogar ihre Gewohnheit beibehalten, an jedem Samstag, wie sie zu tun pflegte, das Lämpchen selbst anzuzünden.“

 

Während dieser Rede waren sie in ein Seitenzimmer getreten. Über dem Schreibtisch hing das Portrait einer Frau in einer Tracht aus alter, längst entschwundener Zeit. Als der Hausherr bemerkte, dass der Geistliche aufmerksam das Bild betrachtete, sprach er voll Rührung, indem er mit der Hand auf dasselbe deutete: „Das war meine unvergessliche Mutter! Wie gottinnig war sie, wie inbrünstig betete sie oft vor diesem Madonna-Bild! Auch sagte sie manchmal, sie hätte für mich gebetet; ja, als sie im Sterben lag, stammelte sie noch: Mein unglücklicher Sohn, sollte ich in den Himmel kommen durch Gottes Erbarmen, dann will ich so lange um die Fürsprache der heiligen Muttergottes bei ihrem Sohn Jesus Christus für dich anflehen, bis du bekehrt sein wirst! – Ach, gar gerne hätte sie mich zu dem guten Hirten zurückgeführt; allein,“ bemerkte er lächelnd, „mir wollte die Beicht nicht behagen!“ – Indes kam er nach und nach auf einige seiner Erlebnisse zu reden. Er erzählte mit Offenherzigkeit seine Jugend- und Entwicklungsgeschichte, ebenso einige spätere Begebenheiten seines Lebens, ohne, wie es schien, seine Fehler zu verschweigen oder beschönigen zu wollen.

 

„Sie sind so sehr gegen die heilige Beicht,“ nahm endlich, als er sich ausgesprochen, der Geistliche das Wort, „und Sie haben mir soeben Ihr Inneres in solcher Weise erschlossen, dass Ihre Seele unverhüllt vor meinem geistigen Auge steht; so genau glaube ich nun Sie zu kennen, dass ich Ihnen alsbald die Absolution erteilen wollte.“

 

„O, wenn Sie das könnten!“ rief der alte Herr gerührt aus. „Es sind mehr als dreißig Jahre, dass ich die heilige Kommunion nicht mehr empfangen habe,“ sagte er kopfschüttelnd und mit bewegter Stimme, indem er wehmütig zum Portrait seiner Mutter aufsah, als dränge es ihn, sich selbst anklagen zu müssen. Plötzlich rief er, wie von einer höheren Eingebung begeistert, indem er beide Hände des Priesters erfasste: „Beim Andenken meiner frommen, unvergesslichen Mutter, ich nehme Sie beim Wort, hochwürdiger Herr! – Jetzt wäre ich in der Stimmung eine reumütige Beicht abzulegen – können Sie mir dann wirklich die Absolution erteilen? Und wenn dies wäre, o, so reichen Sie mir gleich jetzt auch die heilige Kommunion!“

 

Nachdem nun der tiefgerührte Greis in die Knie gesunken vor dem Priester, eine vollständige Beicht abgelegt und das apostolische Glaubensbekenntnis nachgebetet hatte, empfing er, wie aufgelöst ins Himmlische, mit Andacht und aller Inbrunst der Liebe das hochheilige Sakrament des Altars.

 

Als der Geistliche hierauf, nachdem er noch einige Belehrende und erhebende Worte an den Büßer gerichtet, der nun zum wahren Fortschritt, weil zur Gemeinschaft mit dem Gottmenschen Jesus Christus gelangt war, sich verabschiedete, über kam es sein Gemüt wie Engelsfriede; es war ihm, als ob das Bildnis der abgeschiedenen Mutter des Bekehrten heiteren Blickes, ja wie verklärt auf ihn herabsehe, und es kam ihm in diesem Augenblick wie bekannt vor.

 

Auf dem Heimweg dachte er in christlicher Demut über das Erlebte nach. Er lief dieselben Straßen nach seiner Wohnung, und die alte Frau, die ihn begleitet hatte, kam ihm wieder ins Gedächtnis zurück. Die Frage, wer sie gewesen und warum sie so plötzlich seinen Blicken entschwunden war, drängte sich ihm auf. Allein je mehr er über die Sache nachsann, desto mehr verwirrten sich seine Gedanken; - der alte Herr – das Porträt – immer bekannter kam es ihm vor – endlich sah er wieder jene alte Frau lebhaft in der Erinnerung vor sich stehen – und ihre Züge – nun wurde es ihm dämmernd bewusst mit einem Schauder – so hatten sie trauernd aus dem Rahmen bei seinem Eintritt in das Zimmer auf ihn herabgeblickt. – Unruhevoll war sein Schlaf, als er zu Bett gegangen war. Im Traum sah er noch seinen greisen Neubekehrten auf den Knien und hörte sein sehnsüchtiges Beicht- und Kommunionverlangen; - zwischen Schlafen und Träumen war es ihm, als würde das Sterbeglöcklein geläutet, und er betete halb schlafend für den ihm unbekannten Sterbenden, dass ihn Gottes Huld und Erbarmen begnaden und ihm ein seliges Sterbestündlein gewähren möge. – Als er am folgenden Morgen fragte, ob der weitere Verlauf der Nacht ohne Störung gewesen war, vernahm er, dass die Sterbeglocke wirklich geläutet worden war, weil – jener alte Herr, bei dem er in der vergangenen Nacht gewesen war, plötzlich durch einen Schlagfluss den Tod gefunden habe.

 

Hier hat also die treue Verehrung der allerseligsten Jungfrau Maria durch eine fromme Mutter – dem verirrten Sohn derselben noch die Gnade der Bekehrung vor seinem Ende auf eine so wundersame Weise erwirkt – vielleicht als mildester Gegendank Marias für die, ihr zu Ehren, so treulich unterhaltene – Samstags-Abend-Lampe!

"Ich bin diejenige vom Samstag!"

 

(aus: Erscheinungen der allerseligsten Jungfrau von Paul Sauceret)

 

In dem Spital der unheilbar kranken Frauen bei Santa Croce in Gerusalemme zu Rom stand ein ehrwürdiges Muttergottesbild und die Kranken pflegen an jedem Samstag in ihrer besonderen Andacht eine Lampe bei ihm anzuzünden.

 

Und folgendes wunderbare Ereignis hat sich ehedessen in besagtem Spital zugetragen:

 

Als in dem unglücklichen Jahr 1798 ein Trupp polnischer Soldaten die Stadt Terracina plünderte, drangen sie auch in den daselbst befindlichen Palast, und forderten der Maria Catalani, die dessen Hüterin gewesen, die Schlüssel ab. Da sie sich weigerte, die Schlüssel auszuliefern, wurde sie nicht nur misshandelt, sondern auch mit mehreren Bajonettstichen verwundet. Ein Säbelhieb, der sie in der Gegend der dritten und vierten Rippe auf der rechten Seite traf, wurde mit solcher Gewalt geführt, dass die Klinge zersprang und die Spitze davon in der Brust stecken blieb. Man ließ sie halbtot in ihrem Blut liegen, nachdem man sie vorher des wenigen, was sie von Wert am Leibe trug, beraubt hatte. Als sie sich aber etwas erholt hatte, schleppte sie sich, um weiteren Misshandlungen zu entgehen, in einen mit Rohr verwachsenen Graben, wo sie nach wenigen Stunden durch das Bellen eines Hundes denen, die sie suchten, verraten wurde.

 

Man brachte sie nun nach Fondi, von da nach Gacta, wo sie ihrer Genesung entgegen hoffte; doch empfand sie, auch nach ihrer Herstellung, ununterbrochen einen heftigen Schmerz an der rechten Brustseite, worin noch immer die abgebrochene Säbelspitze haftete. Es wurde als nötig erachtet, daselbst eine Eiterung zu bewirken, mittels der die Säbelspitze herausgezogen werden könnte. Diese schmerzliche Operation gelang auch glücklich und Maria Catalani genas von dieser Wunde. Indessen waren durch die vielen vorher ausgestandenen Leiden, Schrecken und peinvollen Heilungen ihre Leibeskräfte so sehr zerrüttet, dass sie, nach der Aussage der Ärzte, in einen höchst traurigen und unheilbaren Zustand versetzt blieb.

 

Nach sieben Monaten schweren Duldens gestatteten es die Umstände, sie nach Civita-Becchia zu ihrer verheirateten Tochter, und von ihr in das daselbst befindliche Spital zu bringen, das sie nach drei Monaten zwar etwas erleichtert, aber nicht geheilt, verließ.

 

Später kam Maria Catalani mit ihrer Tochter und deren Mann nach Rom, wo sie, wie seither, gleichfalls ein elendes und leidenvolles Leben führte, und ihr Übel zuletzt so überhand nahm, dass sie sich ihrem Ende nahe glaubte. Sie ließ sich deshalb in das Allerheiligen-Spital bringen, wo sie für völlig unheilbar erklärt und mit den heiligen Sterbesakramenten versehen wurde. Bei der fortgesetzten Steigerung ihres Wehes brachte man sie aus diesem in das Spital der unheilbar kranken Frauen bei Santa Croce in Gerusalemme. Hier verschlimmerte sich ihr Zustand so sehr, dass sie sich im Bett nicht mehr umwenden konnte und genötigt war, beständig in halbsenkrechter Stellung zu liegen. Die ganze rechte Seite, an der sie die gefährlichste Wunde empfangen hatte, war besonders martervoll, und die oberen und unteren Gliedmaßen so zusammengezogen, dass die allergeringste Bewegung ihr die schärfsten Stiche verursachte. Die übrigen Teile des Körpers litten an einer wassersüchtigen Aufschwellung. In Zwischenräumen von drei zu vier Tagen erfolgten Blutergüsse aus dem Mund und zuweilen aus dem rechten Ohr. Warme Speisen oder Getränke konnte sie ohne heftige Erschütterung weder genießen noch berühren. Mit einem Wort, ihre körperlichen Kräfte waren gänzlich zernichtet.

 

Maria Catalani empfahl ihre Seele Gott und der Fürbitte der heiligen Jungfrau Maria, zu der sie ein ganz besonderes Vertrauen fasste, und zu deren Ehre sie selbst in ihren flammendsten Schmerzen an einem Tag in jeder Woche sich irgendeine Entsagung auferlegt hatte.

 

Als zu Ende des August und zu Anfang des Septembers im Jahr 1816 mehrere wunderbare Wirkungen der heiligen Jungfrau Maria in Rom bekannt wurden, die mittelst ihres Bildes, das in der Kirche „della Rotonda“ verehrt wird, sich zugetragen, brachte die fromme Tochter der kranken Mutter zwei kleine Abbildungen von dem erwähnten Gnadenbild in das Spital. Voll des andächtigsten Vertrauens auf die „Helferin der Christen“ legte Maria Catalani von diesen zwei Bildchen das eine auf die Brust, wo der Sitz des Übels sich befand, das andere auf den Hals, und empfahl sich so dem väterlichen Willen des Allerhöchsten und der mütterlichen Fürsprache der heiligen Muttergottes.

 

Und es sollte auch hier Wunderbares geschehen!

 

In der Nacht zum dritten September litt Maria Catalani besondere Beunruhigungen und hatte Blutergießungen. Als aber am Morgen die Glocken das Zeichen zum „Englischen Gruß“ gaben, fühlt sie plötzlich ihr Lager sich erheben. Eine Frau lieblichen Anblicks, mit einem weißen Mantel bedeckt, ein holdes nacktes Kindlein auf dem Arm haltend, stand zur Seite ihres Bettes. In der ersten Überraschung wähnte Catalani, eine Kranke des Spitals, Clementia Caso, mit ihrem kleinen Mädchen Fortunata, vor sich zu sehen, und nannte das Kind bei seinem Namen, das durch ein verneinendes Zeichen zu verstehen gab, dass sie sich irre. Darauf redete die Erscheinung sie mit folgenden Worten an: „Steh auf, du bist genesen!“ Maria Catalani versetzte: „Wie soll ich das? Seht hier das Blut, mit dem ich diese Nacht hindurch mein Tuch angefüllt habe!“ Sie zeigte das Tuch dar und sprach, deutend auf das Muttergottesbildchen, das auf ihrer Brust lag: „Diese nur kann mir helfen!“ Als sie aber die Erscheinung genauer betrachtet hatte, und gewahr wurde, dass es nicht Clementia mit ihrem kleinen Mädchen sei, fragte sie: „Wer seid Ihr denn? Ich kenne Euch nicht!“ Sanft das Haupt neigend, erwidert die Himmlische: „Du hältst dich so fest an mir und kennst mich nicht?“ – Nach diesen Worten verschwand die Erscheinung.

 

Maria Catalani begriff den Sinn dieser Worte nicht. Sie mühte sich zu ergründen, wer diese Frau, die sie soeben gesehen hatte, wohl sein möchte, als sie zu den Füßen ihres Bettes das Bild der heiligen Jungfrau erblickte. – Noch getraute sie sich nicht zu glauben, dass die Königin der Engel selbst sie eines Besuches würdige, sondern wähnte, eine wohlwollende Seele zeigte sich hier unter verschiedenen Gestalten. – Aber der Blick des Bildes erhob sich mehrere Male und deutlich vernahm sie die Worte von dem Bild her: „Stehe auf!“ – Noch immer zweifelnd, fragte sie eine neben ihr liegende Kranke: wer das Bild hierhergestellt habe? Und als sie das Bild wieder anblickte, sah sie es deutlich die Lippen bewegen, und hörte auf das Bestimmteste die Worte: „Ich bin Diejenige vom Samstag!“ – Unmittelbar darauf verschwand die Erscheinung. –

 

Als nun die mit Ungeduld erwartete Aufseherin des Spitals, Innocenza Pantoli, erschien, erstattete ihr Maria Catalani getreuen Bericht von diesem Ereignis, und verschwieg ihr auch ihre Zweifel nicht. – Weislich riet ihr Innocenza Pantoli, jeden Wahn von Täuschung fallen zu lassen, sondern versichert zu sein: dass die heilige Muttergottes sie in ihren mächtigen Schutz aufgenommen und sie von jeglichem Übel befreien wolle. Sie ermunterte dabei die Kranke, zu versuchen, ob sie den Arm und das rechte Bein bewegen könne. Der Versuch gelang vollkommen, aber sie litt noch alle Schmerzen wie vorher.

 

Als aber die Glocken um die Mittagsstunde die Christen abermals zum „Angelus-Domini-Gebet“ ermahnten, und auch Maria Catalani die allerseligste Jungfrau mit dem „Gruß des Engels“ andächtig zu grüßen begann, - fühlte sie sich plötzlich wie von starken Händen an den Schultern gefasst und dermaßen gerüttelt, dass die Erschütterung nicht nur durch alle ihre Glieder drang, sondern selbst das Bett, in dem sie lag, erbeben machte. Zugleich hörte sie im rechten Ohr von einer klaren Stimme die Worte: „Stehe auf, Tochter, dir ist Gnade widerfahren!“ Die Kranke stieß einen lauten Schrei aus, und fühlte sich im gleichen Augenblick frei von allen Leiden. Sie sprang aus dem Bett, kleidete sich an, ging zu dem Bild der heiligen Jungfrau, das sich im anderen Teil des Spitals befand, erkannte in ihm dasselbe Bild, das sie nachts zu den Füßen ihres Bettes gesehen hatte, und verstand nun den Sinn der Worte: „Ich bin Diejenige vom Samstag!“ weil nämlich die Kranken an jedem Samstag in ihrer besonderen Andacht eine Lampe dabei anzuzünden pflegen. –

 

Innig gerührt ging sie in die Kirche, warf sich vor dem allerheiligsten Sakrament des Altares nieder, und ergoss sich im heißesten Dank gegen Gott, den Geber alles Guten, und die heilige Jungfrau, als ihre gütige und mächtige Beschützerin. –

 

Der Arzt des Spitals, Herr Professor Clementi, bekennt in seiner eidlichen Aussage, dass alle Übel, mit denen Maria Catalani seit einer langen Reihe von Jahren behaftet war, mit der Schnelligkeit des Blitzes verschwunden, und sie aus dem Zustand der unheilbarsten Krankheit – in den Zustand der vollkommensten Gesundheit versetzt worden sei. –

 

Maria Catalani genoss nun fortwährend der besten Gesundheit, und sie, die so viele Jahre hindurch der Hilfe anderer bedurfte, ja schon der Schwelle des Grabes ganz nahegekommen war, stand nun persönlich in demselben Spital als erste Krankenwärterin den Kranken bei.

 

Da nun in diesem Ereignis die Hilfe des allmächtigen Gottes auf die Fürsprache der allerseligsten Jungfrau Maria unverkennbar und unleugbar hervortrat, so haben Se. Eminenz, Cardinal Giulo Maria della Somaglia, Bischof von Frascati, Sr. Heiligkeit des Papstes Pius VII. General-Vikar in der Stadt und dem Distrikt von Rom, den Befehl erteilt: dass der Prozess darüber förmlich eingeleitet werden solle, und nachdem durch das gerichtliche Verhör der Zeugen und deren eidliche Aussage, wie auch durch genaue Untersuchung und Prüfung der Prozess-Akten die Richtigkeit des Wunders, das Gott auf die Fürbitte der allerseligsten Jungfrau und Muttergottes an der Maria Catalani gewirkt hat, außer allen Zweifel gesetzt und völlig erwiesen war, durch ein Dekret vom 2. Januar 1817 zur größeren Ehre Gottes und Marias huldreichst im Herrn erlaubt, dieses Wunder unter dem Christenvolk überall zu verbreiten und bekannt zu machen. –