Maria, Mutter der Göttlichen Vorsehung

 

Samstag vor dem 3. Sonntag im November

 

Mutter der Göttlichen Vorsehung! Wie traut und beruhigend das klingt! Was mag es uns zu sagen haben?

 

In allererster Linie möchte es uns wohl darauf aufmerksam machen, wie Mariens irdisches Leben von Gottes ausgesuchtester Vorsehung geleitet war. Man kann sie sich doch am wenigsten fortdenken von einem Menschenkind, das eigens zur Ausführung der Pläne Gottes erdacht und zur Vollendung seiner feinsten Werke erschaffen worden war. Denken wir etwa bloß an Mariens Sündenlosigkeit. Durch eine Welt zu pilgern, die so sehr im Argen liegt, das St. Paulus meint, man müsse aus ihr herausgehen, wenn man mit dem Bösen keine Berührung mehr haben wollte, durch eine solche Welt viele Jahrzehnte hindurchzupilgern, wie Maria es tat, ohne mit dem geringsten Sündenstäublein sein Herz zu belasten, kann gar nicht gedacht werden, es sei denn, Gott sende eigens seine Engel, damit der Auserwählten Fuß an keinen Stein sich stoße, unbeschadet über Schlangen und Skorpionen gehe und inmitten von Drachen und Löwen unverletzt verweilen könne.

 

Niemand anders hat Maria im heiligen Josef jenen Ehegemahl zugeführt, mit dem sie in jungfräulicher Liebe verbunden sein konnte, als die Vorsehung des Allerhöchsten. Darum hat die christliche Phantasie diese Wahl mit entzückenden Geschichten ausgeschmückt, und zahlreiche Künstler haben es auf ihren Bildern so gezeichnet. Wie sehr bedurfte doch die Jungfrau von Nazareth, die die Eltern nach ihrem maßgebenden Willen und des Landes Sitte verehelichen wollten, der göttlichen Vorsehung, da sie still im Herzen ihrem Gott sich gelobt hatte. Wie vertrauend empfahl die junge Mutter die Zeichen ihrer heiligen Schwangerschaft dem göttlichen Wegführer, als sie im Gesicht ihres heiligen Bräutigams die Merkmale seines Bedenkens nicht mehr übersehen konnte. Unsere Maler haben gerne die Engel gezeichnet, die die Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten vor dem Mordstrahl des Herodes beschützen sollten. Wie mag die besorgte Mutter sich und ihr Kind der göttlichen Vorsehung empfohlen haben, als sie es auf der traurigen Rückkehr zum Tempel in Sehnsucht suchte. So wird es noch mehrfach in ihrem Erdenleben gewesen sein, da es von Leid und Schmerz gekennzeichnet ist. Wer könnte sich daher liebend in Mariens Leben vertiefen, ohne sich ganz vertrauend der göttlichen Vorsehung anheimzugeben, wie sie es tat?

 

Mutter der Göttlichen Vorsehung hat vielleicht einen noch tieferen Klang. Ist denn je aus Gottes Vorsehungsplänen etwas Vorzüglicheres und Feineres hervorgegangen als Mariens Kind, der Menschheit Erlöser? Wird es doch deswegen der Bote des großen Ratschlusses genannt, jener göttlichen Beratung über der Menschen Fall und Wohl, dem das menschgewordene Erbarmen Gottes in Mariens Mutterschoß zu verdanken ist. Es ist so, als ob Maria in ihrem Schoß Gottes gesamte Vorsehung umschlossen und mütterlich gehegt hätte. Mutter der Göttlichen Vorsehung! Wie traut und fein!

 

Ist sie es nicht auch heute noch, da ihr der Herr das Amt der Gnadenausteilung anvertraute? Bahnt sie nicht gleichsam im Himmel droben der göttlichen Vorsehung um unserer Seelen Heil die Wege? Durchdringt sie deren Pläne nicht mit ihrem fürbittenden Gebet? Vertraut darum nicht das Christenherz Mariens Schutz seine Wege an, die es bei der Mutter der Göttlichen Vorsehung am besten empfohlen weiß?

 

Kirchengebet

 

Gott, deine Vorsehung täuscht sich in ihren Anordnungen nicht. Wir bitten dich flehentlich, halte auf die Fürbitte Mariä, der seligen Jungfrau und Mutter deines Sohnes, alles Schädliche von uns fern und gewähre uns all das, was uns heilsam ist.

 

Zur Geschichte des Festes: Ein Fest zu Ehren der „Mutter der Göttlichen Vorsehung“ ist schon vor 1660 bekannt. Die Theatiner in Lissabon feierten es. 1831 wurde die Erlaubnis der Festfeier auf alle Kirchen der Theatiner ausgedehnt. – Aber auch in Genua war das Fest nicht unbekannt.

 

Seit dem Jahr 1732 eiferten vor allem die Barnabiten für die Verehrung Unserer Lieben Frau von der Vorsehung. 1744 wurde eine Erzbruderschaft unter diesem Titel gegründet, die in der Kirche S. Carlo ai Catinari in Rom ihre Zentrale hat, wo sich ein Gnadenbild Unserer Lieben Frau von der Vorsehung befindet. Aber nicht überall wird das gleiche Bild verehrt. Sogar die einzelnen Altäre dieser Erzbruderschaft zeigen in verschiedenen Kirchen auch verschiedene Bilder. – In Messina in Sizilien wurde bereits 1610/11 eine Kirche gebaut, die der Gottesmutter unter diesem Titel geweiht ist. Sie ist das Votivgeschenk der Stadt für die Errettung aus großer Hungersnot, die durch eine langanhaltende Dürre verursacht war. Von Rom aus wurde auch die Erlaubnis zu einem entsprechenden Marienfest gegeben, das aber auf Messina beschränkt blieb. – Verschiedene religiöse Genossenschaften, die der Vorsehung geweiht sind, feiern auch das Fest der „Mutter der Göttlichen Vorsehung“.

 

(Prof. Dr. Carl Feckes, So feiert dich die Kirche, Steyler Verlagsbuchhandlung, 1957)