Mariä Unbefleckte Empfängnis

 

Zur Vorfeier des Festes Mariä Empfängnis

 

1. Es geziemte sich, dass die drei göttlichen Personen der heiligen Dreifaltigkeit Maria vor der Erbsünde bewahrten. 

Es geziemte sich, dass der ewige Vater es tat, weil Maria seine erstgeborene Tochter war. Gleichwie Jesus der Erstgeborene des Herrn war: "Der Erstgeborene der ganzen Schöpfung" (Kolosser 1,15), so wurde auch Maria, die zur Mutter Jesu bestimmt war, immer als die erstgeborene angenommene Tochter des Herrn betrachtet, und deshalb war sie auch immer durch die göttliche Gnade ein Eigentum des Vaters: "Der Herr hat mich geschaffen im Anfang seiner Wege." (Sprichwörter 8,22)

Es geziemte sich, dass der ewige Vater, um seinen göttlichen Sohn zu ehren, seine Mutter vor aller Sündenmakel bewahrte. Doch auch deshalb geziemte es sich, weil diese heilige Jungfrau bestimmt war, der höllischen Schlange, die den Menschen verführt hatte, den Kopf zu zertreten, wie es in der Heiligen Schrift heißt: "Sie wird deinen Kopf zertreten." (Genesis 3,15) Wie wäre es wohl möglich gewesen, dass sie selbst vorher unter der Herrschaft des Teufels gelebt hätte? 

Überdies war Maria auserwählt worden, eine Fürsprecherin der Sünder zu sein, und deswegen geziemte es sich, dass Gott sie vor aller Sündenschuld bewahrte, damit sie nicht selbst mit der Schuld der Menschen, für die sie Verzeihung erbitten sollte, beladen sei.

 

2. Es geziemte sich, dass der göttliche Sohn eine von aller Schuld unbefleckte Mutter habe. Jesus selbst hatte Maria zu seiner Mutter gewählt. Wer würde wohl glauben, dass ein Sohn, der eine Königin zur Mutter haben könnte, sich eine Sklavin wählen würde? Überdies, sagt der heilige Augustin, müssen wir bedenken, dass das Fleisch Christi das Fleisch Mariens ist. Gewiss hätte der Sohn Gottes seinen heiligen Leib nicht von einer heiligen Agnes, von einer heiligen Gertrud oder Theresia annehmen wollen, weil diese heiligen Jungfrauen vor ihrer Taufe durch die Sündenschuld befleckt waren, und weil alsdann der Teufel Christus dem Herrn den Vorwurf hätte machen können, dass er seinen Leib von einem Geschöpf empfangen habe, das ihm eine Zeit lang unterworfen gewesen wäre.

 

3. Maria musste aber auch als die geliebte Braut des Heiligen Geistes rein und unbefleckt sein. Nachdem die Erlösung der sündigen Menschen beschlossen war, wollte der Heilige Geist, dass seine heilige Braut auf erhabenere Weise als alle anderen Menschen erlöst würde, und bewahrte sie deshalb vor aller Sünde. Er verkündigt ihr Lob und nennt sie ganz schön und sagt, dass sie immer seine Freundin gewesen und ganz rein sei: "Alles an dir ist schön, meine Freundin; keine Makel haftet dir an." (Hoheslied 4,7)

 

 

8. Dezember

 

Kaum hat das Kirchenjahr seinen Anfang genommen, da beginnt am heutigen Tag auch schon die lange Reihe der Liebfrauenfeste. Das ist ganz in der Ordnung. Jedes Kirchenjahr erinnert uns nämlich fortlaufend an die Geschichte unserer Erlösung, und in der trostvollen Erlösungsgeschichte nimmt Maria neben dem Erlöser den ersten Platz ein. Deshalb ist es recht und billig, dass wir der Hochgebenedeiten auch gleich zu Beginn des Kirchenjahres gedenken.

 

Schön und sinngemäß ist es ferner, dass das heutige Liebfrauenfest in den Advent fällt. Wir erinnern uns in diesen Tagen an die Finsternis, die viertausend Jahre lang die Erde von dem Zeitpunkt an bedeckte, da alle Menschen durch den Sündenfall im Paradies die Gotteskindschaft verloren hatten und Satansknechte geworden waren. Es war eine lange dunkle Nacht, die erst in der heiligen Weihnacht, als die Sonne, welche Christus ist, über der Welt aufstieg, zu Ende ging. Strahlend und schön leuchtet da das Licht in die Finsternis. Die Morgenröte dieses Lichtes aber ist die Immakulata, die unbefleckte, unberührte, unversehrte, allzeit reine Jungfrau Maria. Wie herrlich muss doch die Weihnachtssonne sein, wenn bereits in ihrer Morgenröte ein Ozean von Licht heranflutet! Schau dir nur das Bild von der Immakulata an.

 

In dunklen Wolken schwebt die Erdkugel, von dem Leib einer Schlange umschlungen zum Zeichen dafür, dass die Schlange, welche der Satan ist, die Welt und alles, was darauf lebt, unterjocht hat und immerwährend bedrängt. Wo aber der Fürst der Finsternis herrscht, da breitet sich mit rabenschwarzen Flügeln düstere Nacht aus.

 

Plötzlich streift ein Lichtstrahl die Finsternis, wird stärker und glänzender, und es weicht die Nacht dem Licht. In weißer Glut blüht die Sonne auf, und in der Sonne steht, über und über in Licht getaucht, von Licht umflutet, mit einem Kronreif kreisender Sterne um das Haupt, die hohe Frau Maria. Bei diesem Blick in die strahlende Morgenröte unserer Erlösung wallt das Herz in hellen Freuden auf, wenn wir mit der Kirche im Hallelujalied die Worte vernehmen:

 

„Gesegnet bist du, Jungfrau Maria, vom Herrn, dem erhabenen Gott, vor allen Frauen der Erde. Du bist der Ruhm Jerusalems, du die Freude Israels, du die Ehre unseres Volkes. Halleluja, halleluja! Ganz schön bist du, Maria, in dir ist nicht der Erbschuld Makel. Halleluja!“

 

Was aber mögen wohl Sonne, Mond und Sterne auf dem Bild der Immakulata zu bedeuten haben?

 

Die Sonne ist die heiligmachende Gnade, das Freisein von ererbter und von erworbener Schuld. Maria besaß diese Gnade. Durch eine besondere Bevorzugung Gottes blieb die zukünftige Gottesmutter vom ersten Augenblick der Empfängnis an frei von der Erbsünde, frei von jeder persönlichen Sünde, frei von der bösen Begierlichkeit. Ganz schön bist du, Maria, und ein Makel ist nicht an dir. Von Herzen wollen wir uns freuen, dass es wenigstens eine unter den Menschen gibt, über die der Satan nie Sieger war.

 

Was bedeutet ferner der Mond auf dem Immakulatabild? Der Mond ist das Sinnbild der Veränderlichkeit. In jeder Nacht wechselt er, wird größer oder kleiner. Bald erscheint er früher, bald später. Einmal steht er voll am Himmel, und ein anderes Mal ist er überhaupt nicht sichtbar. Der Mond ist das Sinnbild der Veränderlichkeit, aber über aller Veränderlichkeit steht unverrückbar fest Maria, die kein Schwanken zwischen Gut und Bös, und kein Wanken zwischen Gott und Satan kennt.

 

Der Kronreif kreisender Sterne endlich, der Mariens Haupt schmückt, ist ein Sinnbild ihrer Tugenden, denn nicht nur ist die Hochgebenedeite frei von Sünde und Schuld, sondern sie ist auch voll der Gnade, ist liebenswürdig, weise, mächtig, gütig, ist der Spiegel der Gerechtigkeit, Heil der Kranken, die Zuflucht der Sünder, die Trösterin der Betrübten und so weiter. Das bedeuten die Sterne auf dem Immakulatabild.

 

Ganz schön ist also diese Frau, die hoch über allen Frauen, über allen Männern, über allen Heiligen und über allen Engeln Gott am nächsten steht, diese Frau im Lichtmeer von Sonne, Mond und Sternen, die uns als leuchtende Morgenröte im Dunkel des Advents die nahende Weihnachtssonne anmeldet.

 

Ave Maria klare, du lichter Morgenstern!

Dein Glanz, o Wunderbare, verkündigt uns den Herrn.

Erwählt von Ewigkeit

Zur reinsten Mutter Gottes,

Zum Trost der Christenheit.

 

Von Maria, der "Zuflucht der Sünder" und dem "Heil der Kranken"

 

Wenn man jemanden lieb hat, hält man sein Bild, sein Foto in Ehren. Wenn man in verschiedene Wohnungen kommt, sieht man daher oft die Bilder der lebenden oder verstorbenen Eltern und Angehörigen an der Wand hängen. Außerdem findet man in Wohnungen katholischer Christen oft auch ein Bild des gekreuzigten Heilands und ein Bild unserer himmlischen Mutter Maria. Und wir nennen Maria mit Recht unsere Mutter, denn am Kreuz hat sie uns Christus zur Mutter gegeben mit den Worten, die er an Johannes richtete: „Siehe, deine Mutter!“ Der heilige Johannes vertrat, wie der heilige Augustinus sagt, auf dem Kalvarienberg unsere Stelle. Von den Abbildungen unserer himmlischen Mutter haben viele eine weite Verbreitung erlangt: Zum Beispiel das Mariahilf-Bild, das Bild der Schmerzhaften Mutter, das Bild der Himmelskönigin und auch das Bild der Unbefleckten Empfängnis, wie sie 1858 in Lourdes in Frankreich erschienen ist.

 

Bekanntlich erschien die Mutter Gottes damals in Lourdes einem vierzehnjährigen Mädchen Bernhardette Subiru insgesamt 18 Mal. Maria trug ein weißes Gewand, einen weißen, herabhängenden Schleier, einen himmelblauen Gürtel und am rechten Arm einen schneeweißen Rosenkranz mit goldenem Kreuz. Sie nannte sich die „Unbefleckte Empfängnis“ und ließ eine Quelle entstehen, durch deren Wasser schon tausende Menschen wunderbar geheilt wurden.

 

Das Bild der Unbefleckten Empfängnis erinnert uns vor allem an die Tatsache, dass Maria durch ein besonderes Privileg Gottes ohne Makel der Erbsünde war. Das Bild erfüllt also einen ähnlichen Zweck wie das Fest der Unbefleckten Empfängnis am 8. Dezember.

 

Das Bild der Mutter Gottes in Lourdes soll uns aber nicht nur an die Reinheit und Makellosigkeit Mariens erinnern, sondern uns auch ermahnen, die Mutter Gottes in ihrer Reinheit nachzuahmen.

 

Insbesondere sollten jene, die in schweren Sünden leben und einsehen, dass sie sich aus eigener Kraft nicht zu bessern imstande sind, zur unbefleckten Gottesmutter die Zuflucht nehmen; Maria, die „Zuflucht der Sünder“ und „Mutter der Barmherzigkeit“ würde ihnen bald die notwendigen Gnaden von Gott erbitten, die zur Lebensbesserung notwendig sind.

 

Jedoch nicht nur die Sünder, also nicht nur, die an der Seele krank sind, auch diejenigen, die am Leib krank sind, haben sich schon oft mit großem Erfolg an die „Unbefleckte“ gewendet, die ja nicht ohne Grund das „Heil der Kranken“ genannt wird. Der beste Beweis sind die tausende und abertausende Krankenheilungen am Wallfahrtsort zu Lourdes. Das Bild der Mutter Gottes von Lourdes ist also gewissermaßen eine Ermunterung für die Kranken, eine Aufforderung, auch in der Krankheit bei der „Unbefleckten“ Hilfe zu suchen.

 

Je größer unser Vertrauen zu Maria sein wird, umso sicherer und schneller wird unser Gebet zur Mutter Gottes erhört werden. Auch Christus verlangt Vertrauen. Das sehen wir aus seinen Worten, die er bei Heilungen sprach. Wie sollten wir zu Maria nicht ein großes Vertrauen haben, da wir wissen, dass sie unsere Mutter ist! Unter großen Schmerzen ist sie am Karfreitag unter dem Kreuz unsere Mutter geworden. An die Mutter aber wendet man sich nie vergebens. Wie sollten wir kein großes Vertrauen zu Maria, unserer Mutter, haben, da wir wissen, dass sie bei Gott alles erreichen kann, dass sie – wie der hl. Bernard sagt – „die fürbittende Allmacht“ ist. Wir wollen uns also der Mutter Gottes bei unseren Gebeten, die wir vor ihrem heiligen Bild verrichten, stets mit jenem Vertrauen nähern, von dem wir in einem bekannten Marienlied singen:

 

„Mutter Gottes, weit und breit schallt`s aus deiner Kinder Mitte, dass Maria eine Bitte, eine Bitte nicht gewährt, ist unerhört, nicht erhört durch alle Zeit in der ganzen Christenheit.“ Amen.

 

Matthias Hergert

 

 

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Im Advent gedenken wir mit inniger Anteilnahme der unerlösten Welt. In Gebeten und Gesängen versetzen wir uns in jene Zeit zurück, da der Erlöser noch nicht geboren war und der Mensch in der Finsternis der Sünde und des Irrtums umhertappte. Wenn wir uns in solcher Art auf das Weihnachtsfest vorbereiten, um der so notwendigen Geburt des Erlösers mit tiefem Dank gedenken zu können, dann taucht in dieser dunklen Zeit auf einmal die allerseligste Jungfrau in der Lichtgestalt ihrer unbefleckten Empfängnis auf.

 

Das hat seinen guten Grund. Denn nichts dürfte geeigneter sein, die Herrlichkeiten des gekommenen Gottesreiches uns anschaulicher und begeisternder vor Augen zu stellen als diese Gestalt der Gottesmutter. Offenbart sie sich doch darin als die Erst- und Vollsterlöste des erschienenen Weltheilandes. Maria ist die kostbarste Frucht des Erlöserblutes. Maria ist schlechthin das Ideal- und Urbild eines erlösten Gotteskindes.

 

An die Unerlöstheit, deren wir im Advent gedenken, gemahnt uns gerade die große Gnade der unbefleckten Empfängnis. Besagt diese Glaubenswahrheit doch, dass Maria kraft der vorauswirkenden Kreuzesverdienste ihres Sohnes jenes ausgezeichnete Menschenkind gewesen ist, das nicht in der Finsternis und auf dem Irrweg der Erbschuld diese Erde betreten hat. Nicht Sündenschuld, nicht Gottentfremdetheit kennzeichneten den Lebensbeginn dieses Kindes, wie es bei uns der Fall ist, die dann auf das reinigende Wasser der heiligen Taufe warten müssen. Vielmehr als Gotteskind, als Gottesbraut, im Schmuck heiliger Gnaden hat sie diese Erde betreten. Und das geschah ihr, obgleich Maria in keiner anderen Weise ihren Eltern ihr Leben verdankte als wir, obschon sie voll und ganz Adamstochter war. Diesmal aber entspross der verdorbenen Wurzel ein grünender Edelzweig, weil er dazu bestimmt war, die Quelle des Fleisches eines herabsteigenden Gottessohnes zu werden. Diese Ursprungsheiligkeit Mariens nimmt die Kirche so ernst, dass sie in dem Namen „Unbefleckte Empfängnis“ sagen will: In jenem geheimnisvollen, allem Menschenvorwitz entzogenen Augenblick, da im Schoß der Mutter zum ersten Mal davon die Rede sein konnte, dass ein neues Menschenkind da war, dass Maria da war, war sie auch schon mit der heiligmachenden Gnade geschmückt, ja mit einer Fülle von Gnaden überschüttet.

 

Und woher kam ihr dies zugeflossen? Einzig und allein aus den leiderfüllten Verdiensten ihres Sohnes am Kreuz, denn Gott ist es durchaus möglich, die Kraft von Ereignissen, die erst in der Zukunft sich abspielen, in ihrer Verdienstursächlichkeit vorwegzunehmen. Erlösungsgnaden sind alle Gnaden Mariens, auch die Gnade ihrer unbefleckten Empfängnis. Maria ist eine Erlöste wie wir, aber doch nicht ganz so wie wir. Vielmehr ist sie in einer schnelleren, tiefgreifenderen, umfassenderen Weise erlöst worden. An ihr hatte demnach das Blut Jesu Christi mehr zu leisten als an uns. Ihr Erlöstsein ist so tief, dass es zu einem Vorausbewahren vor jedem Schadennehmen wurde, das ihr kraft ihrer Adamsabstammung drohte.

 

Darum ist Mariens unbefleckte Empfängnis ein Preisgesang auf Christi Erlösung, wie er schöner und überzeugender gar nicht erklingen könnte. Deswegen passt die Gestalt der unbefleckten Jungfrau in das Dunkel und in das Sehnen der Adventszeit, weil es in anschaulicher Weise uns zeigt, was wir erhalten, wenn in uns auch nur in einem kleinen Abbild ihr tiefes Erlöstsein nachgeformt wird.

 

Kirchengebet

 

Gott, du hast durch die unbefleckte Empfängnis der Jungfrau deinem Sohn eine würdige Wohnstatt bereitet. Nun bitten wir dich: wie du sie in Voraussicht des Todes dieses deines Sohnes vor aller Makel bewahrt hast, so lass auf ihre Fürbitte hin auch uns rein zu dir gelangen.

 

Zur Geschichte des Festes: Ein Fest der Wunderbaren Empfängnis ist in der morgenländischen Kirche bereits im 8. Jahrhundert nachweisbar. Es gelangte über Unteritalien (Neapel, 9. Jahrhundert) nach Irland und England (10. Jahrhundert). Nunmehr als Fest der Unbefleckten Empfängnis gefeiert, gewann es immer mehr an Volksbeliebtheit. Als das Generalkapitel der Franziskaner in Pisa im Jahr 1263 das Fest der Unbefleckten Empfängnis für den ganzen Orden annahm, war der Bann gebrochen. Mit Sixtus IV. bestieg ein Franziskaner den Thron Petri. Bald führte dieser das Fest in der römischen Diözese ein (1476) und verlieh ihm sogar besondere Ablässe. Clemens IX. schenkte ihm eine Oktav, und Clemens XI. bestimmte 1708 das Fest für die ganze Kirche. Am 8. Dezember 1854 ergänzte er die Lauretanische Litanei mit der Anrufung: „Königin ohne Makel der Erbsünde empfangen“. Leo XIII. erhob das Fest zu einem Doppelfest erster Klasse. Anlässlich der Hundertjahr-Feier der Dogmaverkündigung proklamierte Pius XII. zum ersten Mal in der Kirchengeschichte ein „Marianisches Jahr“.

 

(Prof. Dr. Carl Feckes, So feiert dich die Kirche, Steyler Verlagsbuchhandlung, 1957)

 

 

Aus dem "Marianischen Festkalender":

 

Das Fest Mariä Unbefleckte Empfängnis

 

"Die Empfängnis Mariä lasst uns aufs Andächtigste feiern, damit sie beim Herrn Jesus Christus für uns bitten möge." (Kirchliche Antiphon)

 

Das heutige Fest ist gleichsam der Grund, worauf alle übrigen Marienfeste beruhen, weil ja hier der Beginn, der erste Anfang Mariens, das Werden Mariä im menschlichen Fleisch gefeiert wird. Bei diesem ersten Eintritt aber ins Leben schon erhielt Maria ein Vorrecht, das keinem Sterblichen widerfuhr, die Reinheit von der Erbsünde - ein Geheimnis, das, wie jeder katholische Christ weiß, stets fromme Meinung der katholischen Welt war, jetzt aber zum Glaubenssatz erhoben ist.

 

Der Vorgang dieses Begebnisses, oder wie Maria empfangen und im Mutterleib geheiligt worden ist, erzählt uns die gottselige Klosterjungfrau Maria von Agreda mit folgenden Worten:

 

Alles war vorbereitet auf die Erschaffung derjenigen, die der Welt Heil in der Welt gebären sollte. Zur Zeit ihrer Empfängnis war Anna 44 und Joachim 66 Jahre alt. In beiden Eltern waren Natur und Gnade zusammengeflossen, so aber, dass die Gnade die weitaus vorherrschende Wirksamkeit übte.

 

Neben der göttlich hinzugetretenen Kraft zeichnete diese Empfängnis auch die Abwesenheit aller Sünde und aller sündhaften Regung aus. Nach diesem von Wundern begleiteten Ursprung wurde der junge Leib der künftigen Himmelskönigin auch in vollkommenster Weise gebildet.

 

Die Empfängnis erfolgte an einem Sonntag. Nach sieben Tagen war der wunderbare Leib so völlig bereitet, dass er die allerheiligste Seele Mariens in sich aufzunehmen im Stande war. Deshalb ist der Samstag der Jungfrau Maria von der Kirche besonders geheiligt, weil an einem Samstag der Kirche durch Erschaffung und Vereinigung der Seele Mariens mit deren Leib die höchste Wohltat geschehen ist. Der Tag der Unbefleckten Empfängnis ist nicht der Tag der ersten Empfängnis ihres Leibes, sondern der Tag ihrer anderen Empfängnis, an dem ihr die Seele eingegossen worden war. Mit noch größerer Regung der Liebe, als bei der Erschaffung Adams Ähnliches vernommen wurde, sprach bei Eingießung dieser Seele die allerheiligste Dreifaltigkeit: Lasset uns Maria machen zu unserem rechten Ebenbild, zu unserer wahren Tochter und Braut, zur Mutter des Eingeborenen von der Wesenheit des ewigen Vaters. Von der Erschaffung dieser Seele an gab es keinen Augenblick, in dem ihr das Licht, die Freundschaft, die Liebe ihres Schöpfers entzogen gewesen wäre. Keine Makel, keine Dunkelheit der Erbsünde konnte sie berühren, und sie befand sich unausgesetzt in der vollkommensten und höchsten Gerechtigkeit. Den Augenblick, in dem Mariens Seele mit ihrem Körper vereinigt wurde, empfand Anna auf eine besonders ausgezeichnete Weise. Sie war sich der Gegenwart Gottes deutlich bewusst und geriet in eine von hellem Seelenjubel getragene Ekstase, die von tiefer Erkenntnis verborgener Geschehnisse begleitet war. Dieser wunderbaren Gotteswirkungen erfreute sich Anna vorzüglich, solange Maria unter ihrem Herzen ruhte. Besonders wurde dadurch Anna ein tiefes Verständnis der heiligen Schriften zuteil.

 

Mit der Seele wurden alle Gnaden und Gaben, die Maria auszeichnen sollten, ihr eingegossen. Besonders waren die drei göttlichen Tugenden: Glaube, Liebe und Hoffnung ihr in vollkommenster Weise schon damals eigen. Sie erfreute sich auch sofort einer übernatürlich eingegossenen erleuchteten Wissenschaft. Ausdrücklich hatte sie alsbald eine Erkenntnis der allerheiligsten Dreieinigkeit, wie sie keine andere Natur vollkommener haben konnte. Sie hatte auch bereits eine Bekanntschaft und selbst einen Verkehr mit den Schutzgeistern, die Gott ihr zugewiesen hatte. Mit diesen Gaben übte sie auch schon, , so weit ihre Lage es möglich werden ließ, alle die Tugenden, mit denen sie ausgerüstet war. Alle ihre Kräfte waren sogleich vom ersten Augenblick ihrer Wesenheit an dem erhabensten, edelsten Gegenstand zugewendet, der sie bewegte und an sich zog. Je mehr die leibliche Gestaltung in der Entwicklung noch zurück war, und je tiefer die körperlichen Sinne noch schliefen, desto heller und vollkommener leuchtete und wirkte das göttliche Element, das ihrer jungen Seele eingeboren war. Ich betrübte mich selbst, dass ich arme, schwache, unwissende Frau mit meinen leeren und unbedeutenden Worten das Licht nicht schildern kann, das mir in Bezug auf all diese Geheimnisse verliehen worden war. Schon die menschliche Blödsichtigkeit ist außerstande, dieses Licht völlig zu ertragen, und die Strahlen der Gottheit auszuhalten, wenn sie sich auch hinter den Wolken von Annas mütterlichem Leib verborgen halten. Mariens Zustand war schon jetzt dem der Seligkeit nahe. Doch war sie noch keine Selige, da sie erst in das Leben eintreten sollte, um ihre Pilgerfahrt zu leben.

 

 

Andacht zur Unbefleckten Empfängnis

 

Die Verehrung der heiligen Johanna-Franziska von Chantal für die Unbefleckte Empfängnis

 

Unter allen Festen der seligsten Jungfrau hegte die heilige Johanna-Franziska von Chantal eine unvergleichliche Vorliebe für ihre Unbefleckte Empfängnis, und war mit einem außerordentlichen Eifer dahin bestrebt, dass der Bischof von Genf es in seiner Diözese feiern ließ. Als sie ihre Bemühungen von keinem Erfolg gekrönt sah, wendete sie sich mit den demütigsten und inständigsten Bitten an den Dekan Superior der Liebfrauenkirche, damit er es in seiner Kirche feierlich begehen lasse, was er ihr zusagte. Alsdann sprach diese gottselige Mutter mit außerordentlicher Freude zu ihren Töchtern: "Unser guter Herr Dekan hat mir eine große Freude gemacht, denn er sagte mir, dass, wenn er selbst die große Glocke der Liebfrauenkirche läuten müsste, so werde er sie für das Fest der Unbefleckten Empfängnis wie für die hohen Feste läuten."

 

Am Ende eines Briefes an einen ehrwürdigen Abt äußerte sie folgende Worte: "Außerdem habe ich, teurer Pater, eine Bitte an Sie zu stellen: nämlich, dass Sie in Ihrer Abtei, wie in den zugehörigen Prioraten die Empfängnis der Gottesmutter mit derselben Feier begehen lassen, die bei den übrigen Festen Unserer Lieben Frau beobachtet wird, und eine Predigt veranlassen, wodurch das Volk zur Verehrung für dieses heilige Vorrecht angeleitet werden möchte: ich würde mich glücklich schätzen, wenn ich zur Verteidigung desselben mein Leben opfern könnte."

 

Eine Schwester bat sie eines Tages um die Erlaubnis, neun Tage vor und neun Tage nach diesem Fest den Rosenkranz von der Empfängnis beten zu dürfen. Dies war für diese würdige Mutter eine Veranlassung, selbst diese beiden neuntägigen Andachten, und so oft sie sonst Muße hatte, zu verrichten.

 

Verehrung des heiligen Franz von Sales für die Unbefleckte Empfängnis

 

Der Tag der Unbefleckten Empfängnis Mariä war ein werter Tag für die zarte Frömmigkeit des heiligen Franz von Sales unter allen Festen der heiligsten Jungfrau. Als er nur erst Subdiakon war, hatte er unter dem Namen Unbefleckte Empfängnis eine Bruderschaft von Büßenden errichtet. Zur Begehung dieses Festes zu Ehren Mariens bereitete er sich durch Wachen und Beten vor. Sein Eifer bewog ihn, es für seine ganze Diözese zu einem gebotenen Fest zu machen. Um sein ganzes Bistum unter den Schutz dieser unbefleckten Jungfrau zu stellen, hatte er dieses Fest für den Tag seiner Weihe gewählt. Und während dieser rührenden Feierlichkeit kam er in eine Verzückung, worin er sah, wie die heiligste Dreieinigkeit in seiner Seele alles wirkte, was die Bischöfe an seinem Leib vornahmen. Überdies gewahrte er die heilige Jungfrau, die ihn unter ihren allvermögenden Schutz zu nehmen und über ihn zu wachen versprach.

 

Verehrung des heiligen Peter Fourrier für die Unbefleckte Empfängnis

 

Als der gottselige Peter Fourrier, der Stifter des Frauen-Ordens von Unserer Lieben Frau, in eine Stadt in Lothringen kam, wo diese frommen Schwestern ein Kloster hatten, fand er alles Volk in größter Bestürzung wegen einer ansteckenden Krankheit, die sich über Menschen und Tiere erstreckte. da sie bei ihm einigen Trost suchten, forderte er sie auf, sich vertrauensvoll an die große Trösterin der Betrübten zu wenden, und fügte hinzu, er sei überzeugt, dass, wenn man auf mehrere Papierstreifen die schönen Worte schreibt: "Maria wurde ohne Sünde empfangen", die, die sie gläubig tragen würden, gewiss Trost und Linderung finden würden. Sobald diese Art der Verehrung bekannt wurde, nahmen alle in der Nähe wohnenden Personen dazu ihre Zuflucht, und die mit Gefühlen wahrer Frömmigkeit taten, sahen sich durch diese Übung der Frömmigkeit von einem Übel befreit, unter dem sie seufzten. Die Vorteile, die man in dieser Stadt daraus zog, veranlassten eine schnelle Verbreitung dieses frommen Verfahrens in mehreren anderen Städten, wo es wunderbare Erfolge mit sich brachte. Besonders zu Nemours aber erfuhr man die große Wirksamkeit dieser Verehrungsweise in Zeiten allgemeiner Bedrängnis. Als sich nach der Einnahme der Stadt die Nachricht verbreitet hatte, dass sie der Plünderung überlassen werden soll, teilte sich der Schrecken allerwärts mit und man vernahm überall nur Geschrei und Jammer. Inmitten der allgemeinen Trostlosigkeit wendeten sich, von jenem lebendigen Glauben beseelt, den die Wunder erzeugen, mehrere geistliche Genossenschaften und viele andere Personen an die heilige Jungfrau und brachten auf den äußeren Türen ihrer Häuser folgende Worte an: "Maria ist ohne Sünde empfangen worden". Dies war gleichsam das Blut des Lammes, das die Israeliten gegen das Schwert des vertilgenden Engels anwendeten. Der Befehl für die Plünderung der Stadt wurde zurückgenommen, und die Soldaten, die nur Rache atmeten, nahmen sanftere und menschlichere Gefühle an. Ein so überraschender Wechsel der Dinge wurde allgemein dem Schutz der heiligen Jungfrau zugeschrieben und trug viel dazu bei, eine große Verehrung für ihre Unbefleckte Empfängnis einzuflößen. Hier ist der Ursprung des frommen Gebrauchs zu suchen, der in mehreren Orden besteht, und gemäß dem die Mitglieder eine Medaille tragen, auf der diese die Gnadenmutter so sehr verherrlichende Worte eingeprägt sind, indem sie uns an das schönste ihrer Vorrechte erinnern. Maria ist ohne Sünde empfangen worden.

 

Die unseligen Ereignisse, die sich in unseren Tagen unausgesetzt aneinanderreihen, haben die frommen Diener Mariens veranlasst, ihren Beistand anzurufen, indem sie Unbefleckte Empfängnis auf eine besondere Art verehren. Wir haben außerordentliche Dinge gesehen. In Paris hat man sich in den Julitagen und als die Cholera schreckliche Verwüstungen daselbst anrichtete, zu Lyon in den Monaten November und April, beeilt, sich mit diesen frommen Medaillen zu versehen: "Maria ist ohne Sünde empfangen worden". Und wir haben die wunderbare Gewissheit, dass der Schutz dieser erhabenen Jungfrau denen nicht versagt wurde, die sie so glaubensvoll anriefen.

 

Der Ungläubige wird vielleicht über diese Erzählung lächeln, allein wir haben ihm nur ein einziges Wort zu erwidern. Lässt ein mächtiger Fürst seine Liebsten ohne Schutz und Hilfe, lässt er zu, dass sie beschimpft werden? Sicherlich nicht. Warum sollte denn Maria, die wir als Mutter Gottes erkennen, die, wie der Glaube uns lehrt, im Himmel allvermögend und für die Erdbewohner voll Güte ist, diejenigen nicht beschützen, die sie anrufen, indem sie ihr teuerstes und glorreichstes Vorrecht ehren.

 

 

Nachtrag zum Fest Mariä Empfängnis

 

Die Unbefleckte Empfängnis Mariä durch Offenbarungen dargetan

 

Die heilige Brigitta, so berühmt durch ihre zärtliche Verehrung für Maria und durch die Geheimnisse, die ihr vom Himmel mitgeteilt worden sind, erklärt in mehreren Büchern ihrer Offenbarungen, dass die Unbefleckte Empfängnis Mariä ihr sei geoffenbart worden, dass die heiligste Mutter Gottes ihr versichert habe, es sei eine Wahrheit, dass sie ohne Sünde empfangen worden sei.

 

Im Orden des heiligen Norbert gilt eine Überlieferung, die besagt, dass die heiligste Jungfrau ihm erschienen sei und ihn aufgefordert habe, zum Zeugnis für ihre Unbefleckte Empfängnis ein weißes Kleid zu tragen.

 

Die gottselige Johanna vom Kreuz, die heilige Hildegard, die heilige Elisabeth von Ungarn haben ähnliche Offenbarungen erhalten, wie man in ihren von gelehrten und frommen Männern verfassten Lebensgeschichten sehen kann.

 

Dem heiligen Alphons Rodriguez ist ebenfalls durch Offenbarung kund geworden, dass Maria Wohlgefallen finde an der Andacht, die er zu verrichten pflegte, und die darin bestand, dass er täglich das kleine Choramt ihrer Unbefleckten Empfängnis betete.

 

Der Verteidiger der Unbefleckten Empfängnis

 

Johann Duns, Mitglied des Ordens des heiligen Franziskus, hatte vor den Doktoren der Universität in Paris eine These über das Vorrecht der Unbefleckten Empfängnis Mariä zu verteidigen, weswegen er sie anflehte, ihm die erforderliche Geisteskraft zu schenken, um dieses glorreiche Vorrecht auf eine unumstößliche Weise geltend zu machen. Zu den Füßen eines Bildes der Gottesmutter hingestreckt, richtete er mit dem größten Vertrauen diese kurze Anrufung an sie: "Würdige mich, dich zu loben, heilige Jungfrau. Gib mir Stärke wider deine Feinde." Man erzählt, das Standbild der seligsten Jungfrau habe das Haupt geneigt, um ihm zu zeigen, wie wohl ihr seine Bitte gefalle und um ihm ihren Beistand zuzusichern. 

 

Man wendete ihm zweihundert sehr schwere Einwände zu, allein er erwiderte sie mit solcher Klarheit und Schärfe, dass er zum Zeichen des Beifalls den Beinamen Viktor, der Siegreiche, erhielt. Es geschah in Folge der glänzenden Verteidigung dieser These zu Ehren Mariens, dass die Universität zu Paris fortan das Fest der Unbefleckten Empfängnis Mariä zu feiern beschloss.

 

Einführung des Festes der Unbefleckten Empfängnis

 

Die Einführung des Festes der Unbefleckten Empfängnis reicht weit in die Geschichte der Kirche hinauf. Im Orient fand es schon im 5. Jahrhundert statt. Wir finden es in einer Sammlung am Tag des 9. Dezember, unter dem Namen Empfängnis der heiligen Anna. Der heilige Andreas von Kreta, der im 4. Jahrhundert lebte, erwähnt dieses Fest an diesem Tag ebenfalls. Der heilige Johannes von Damaskus weist im Jahr 721 im Martyrerkalender der Griechen, den er erstellte, auf das Fest der Empfängnis der seligsten Jungfrau hin, indem er beifügt, dass sie unbefleckt gewesen sei. Man ersieht auch aus einer Verordnung des Kaisers Emanuel (1150), dass das Fest in den morgenländischen Kirchen seit langem begangen wurde. Man findet auch in einigen alten Handschriften einige Aufsätze, die zu ihren Ehren von Kaiser Leo VI., zubenannt dem Weisen, verfasst waren, dessen Regierung mit dem Ende des neunten Jahrhunderts beginnt. 

 

Der gelehrte und berühmte Vicomte von Walsh sagt uns in seiner Darstellung der christlichen Feste: "Wenn man alles, was über die Einführung des Festes der Unbefleckten Empfängnis berichtet worden ist, gelesen und studiert hat, gelangt man zu der Überzeugung, dass es im Orient seinen Ursprung hat." Es war dort im 11. Jahrhundert geboten.

 

Im Abendland wurde das Fest der Unbefleckten Empfängnis zuerst im Jahr 1160, in England vom heiligen Anselm, Erzbischof von Canterbury, bei Gelegenheit eines Wunders eingeführt, das von mehreren Schriftstellern gleichzeitig erzählt wird.

 

Andere behaupten, der Ursprung dieser Feier müsse der Kirche zu Neapel zuerkannt werden, die sie im 9. Jahrhundert begangen habe. Endlich versichern normannische Schriftsteller, dieses Fest habe in der Abtei Bec im reichen und fruchtbaren Neustrien, seinen Anfang genommen, und sei von da nach Rouen gekommen, wo wir es ganz freudig vom Volk gefeiert finden, wie man in einer alten Geschichte von den Altertümern Rouens sehen kann: "Schon zur Zeit der Einführung des Festes", heißt es darin, "gründete man einen Verein der angesehensten Personen der Stadt, die wieder jährlich aus ihrer Mitte einen Mann erwählten als Vorstand der Genossenschaft, der allen Rednern das Gerüst hält, die in allen Sprachen reden, und der denjenigen vortreffliche und wertvolle Preise gibt, die das Lob der Jungfrau Maria in Betreff der heiligen Empfängnis durch Hymnen, Oden, Sonette, Balladen, Königslieder am schönsten, getreuesten und besten singen."

 

Diese normannische Feier bestand noch im 17. Jahrhundert. Wir wissen, dass die berühmte Jakobina Paskal im Jahr 1639 dabei eine Partie Verse vortrug mit dem Titel: Die Unbefleckte Empfängnis, und dass sie damit den Preis davontrug. Ihre letzten Verse waren: 

 

"Wie könnt ihr denken, dass die heil`ge Mutter,

Wär` sie ein Tempel der Unlauterkeit,

Zum Tempel Gottes wär` erhoben worden?"

 

Sieben Jahre zuvor hatte der große Corneille an diesem nämlichen Wettkampf sich beteiligt.

 

Auch die Kirche von Lyon, wo dieses Fest schon im Jahr 1145 eingeführt war, nimmt die Ehre für sich in Anspruch.

 

Im Jahr 1270 ließ Simon von Bust, Bischof zu Paris, zum ersten Mal in seiner Kirche das Officium von der Empfängnis feiern, das von seinem Vorgänger war gestiftet worden, der zu diesem Zweck dreihundert Pariser Franken hinterlassen hatte.

 

Aus allem diesem müssen wir schließen, dass das Fest der Unbefleckten Empfängnis bis in die ersten Jahrhunderte der Kirche hinaufreicht, und dass es im Abendland schon weit verbreitet war, als Papst Sixtus IV. durch seine Bulle vom 1. März 1476 alle Gläubigen aufforderte, aller Orte das Fest der Empfängnis Mariä zu begehen, die er ausdrücklich unbefleckt nannte, und zwar bei folgender Gelegenheit:

 

Im Anfang des Jahres 1476 verursachte ein plötzliches und außerordentliches starkes Schmelzen des Schnees zu Rom eine so furchtbare Überschwemmung, dass man, wie der Kardinal sich ausdrückt, die Wiederkehr der Sündflut zu schauen glaubte. Verwüstungen und ungeheure Verluste fanden statt, sowohl auf dem Land wie in der Stadt. Dies war jedoch nur das Vorspiel anderer Geißeln. Dem folgte die Pest, die in einigen Tagen diese ganz große Stadt zu einer erschreckenden Einöde machte.

 

Von dem Strom der Fliehenden mit fortgerissen, verließ der Papst selbst diese Stätte des Todes und der Verlassenheit. Um diese Geißel abzuwenden, führte er durch eine Bulle und reichliche Ablässe feierlich in der ganzen Kirche das Fest der Unbefleckten Empfängnis der seligsten Jungfrau ein.

 

Das Konzil zu Basel vom Jahr 1439, das zwar nicht als ein allgemeines betrachtet wird, zeigt uns gleichwohl, welches vor dem Erlass Sixtus IV. die Meinung der Kirche war. In seiner 36. Sitzung erklärte er förmlich, dass der Glaube an die Unbefleckte Empfängnis ein Gott wohlgefälliger, und in Übereinstimmung sei mit dem Cultus der Kirche, dem katholischen Glauben, der gesunden Vernunft und der Heiligen Schrift; dass es niemand gestattet sei, das Gegenteil zu lehren oder zu predigen, und dass ihre Feier dem Gebrauch der römischen Kirche gemäß begangen werden solle, was das Dasein dieses Festes in vielen lateinischen Kirchen beweist.

 

Im 16. Jahrhundert führte Pius V. das Offizium von der Unbefleckten Empfängnis in das römische Brevier ein, und setzte das Fest auf den 8. Dezember fest. Paul V., Gregor XV. und Alexander VII. begünstigten die Feier dieses Festes durch Privilegien und Ablässe. Gregor XVI. fügte der Litanei zu Ehren der seligsten Jungfrau folgende Anrufung bei: "O Königin, ohne die Makel der Erbsünde empfangen, bitte für uns!" Endlich ist die Verehrung der Unbefleckten Empfängnis in unseren Tagen einer der Grundbestandteile der katholischen Frömmigkeit geworden. Sie hat unter dem Segen Gottes aller Orte eine glänzende Aufnahme gefunden, und jedermann weiß, dass der Heilige Vater Pius IX. auf das Verlangen der Hirten und Gläubigen sich entschlossen hat, feierlich den Glauben der katholischen Welt zu Rate zu ziehen, und die Unbefleckte Empfängnis zum Glaubenssatz erhoben hat.

 

Der 8. Dezember 1854

 

Der Glaubenssatz von der Unbefleckten Empfängnis Mariä

 

Mit welcher Feierlichkeit die Lehre von der unbefleckten Jungfrau Maria zum Glaubenssatz erhoben worden ist, wird im Folgenden erzählt.

 

Das Fest zu Rom ist das Fest der ganzen Welt. An dessen Spitze steht das erhabene Oberhaupt der Kirche. Zweihundert Bischöfe, die von allen Enden der Welt, bis von den fernen Landstrichen Chinas, von den Wüsteneien von Amerika, von den entlegensten Inseln des Weltmeeres zusammen gekommen sind, bilden den Hof des Statthalters Jesu Christi, und umgeben ihn gleich einer strahlenreichen Krone. Zwei- oder dreihundert Prälaten, von jedem Rang, jedem Titel, jeder Tracht sind sein Ehrengeleit. Wie herrlich, diesen großartigen, unvergleichlichen Zug die große Treppe Konstantins herabsteigen zu sehen. Welche Mannigfaltigkeit, welcher Reichtum in den heiligen Gewändern. Sechs Kardinalbischöfe, siebenunddreißig Kardinalpriester, elf Kardinaldiakone, ein Patriarch vom Morgenland, zweiundvierzig Erzbischöfe, hundert Bischöfe von jedem Ritus, von jedem Land der Welt, schreiten in zwei majestätischen Reihen einher, im Chorrock und mit der Inful auf dem Haupt. Der Statthalter Jesu Christi folgt ihnen in allem Glanz seiner Pontifikal-Gewänder. Der Gesang der Litanei der Heiligen, der in der Sixtinischen Kapelle begonnen wird, wird durch den Königssaal, die Treppe Konstantins, das Peristyl und das große Schiff der Basilika fortgesetzt. Eine unzählige Menschenmenge drängt sich heran, um den Zug der Kirchenhirten zu schauen und den Segen ihres obersten Hirten zu erhalten, der voll Sammlung, betend und Freude auf den Lippen und in den Augen einherschreitet. Vor der Kapelle des allerheiligsten Sakramentes hält der Zug, und nachdem man der im Tabernakel verborgenen Gottheit seine Anbetung gezollt, schließt der Papst den Gesang der Litanei mit dem treffenden Gebet. Dann bewegt sich der Zug weiter gegen den Beichtaltar, der von kostbaren Papstkronen und Bischofsmützen, vom Kreuz und den Leuchtern, Reliquienkästchen, Blumen und Lichtern erglänzt. Er geht vor dem alten Standbild des ersten Papstes vorbei, desjenigen, der von Christus selbst die Oberleitung der Kirche empfangen, des Felsenmannes Petrus, des Fischers von Galiläa, der oberster Kirchenhirte, der Statthalter Jesu Christi, das Oberhaupt der allgemeinen Kirche geworden ist.

 

Wenn der Papst auf seinem Thron sitzt, die Bischöfe und Prälaten nach der Reihe, um ihm ihre Unterwürfigkeit zu bezeigen, und seinen geheiligten Fuß oder seine Hand zu küssen, an der der Hirtenring glänzt.

 

Der Gesang der dritten Stunde ist zu Ende, die Huldigung erstattet. Das heilige Opfer beginnt, und der Hohepriester des allgemeinen Gesetzes tritt an den Altar, um das anbetungswürdige Opfer darzubringen.

 

Das Evangelium ist in den beiden Sprachen gesungen worden. Es ist der mit solcher Ungeduld erwartete Augenblick, alle Augen sind auf den Thron des Papstes gerichtet. Eine feierliche Stille entsteht in der Versammlung. Alle Herzen erheben sich gen Himmel. Die gesamte Kirche entsendet fünf ihrer Hirten zum Thron des Statthalters Jesu Christi, um ihn zu bitten, endlich dem frommen Sinn des christlichen Volkes zu willfahren und zu bestimmen, dass das Fürwahrhalten der Unbefleckten Empfängnis Mariä ein Artikel der katholischen Glaubenslehre sei. Se. Excellenz, der Kardinaldekan des heiligen Kollegiums, von dem Patriarchen von Alexandria, dem griechischen Erzbischof, einem lateinischen Erzbischof und Bischof begleitet, hat den Auftrag, den Ausdruck des Verlangens der Kirche vor den päpstlichen Thron zu bringen und um ihre inständige Bitte vorzutragen. Der Statthalter Jesu Christi hört auf eine Bitte, die seinem Herzen ebenso angenehm als dem Verlangen seines eigenen frommen Sinnes entsprechend ist, und er erklärt, dass er noch einmal um die Erleuchtung des Heiligen Geistes bitten und den göttlichen Willen befragen will. Ohne seinen Thron zu verlassen, wirft er sich auf die Knie. Die gesamte Kirche wirft sich mit ihm nieder, und er stimmt das Veni Creator an, das von der Geistlichkeit und der ungeheuren Menge der Gläubigen weiter gesungen wird. In der weiträumigen Basilika steigt ein einstimmiges, glühendes Gebet von allen Lippen und ein allvermögendes Flehen zum Thron Gottes auf. Nach Beendigung des Hymnus erhebt sich der Statthalter Jesu Christi und singt das Gebet. Sodann beginnt er vor der gesamten katholischen Kirche, die durch vierundfünfzig Kardinäle, durch einen Patriarchen, durch zweiundvierzig Erzbischöfe, durch hundert Bischöfe, durch zweihundert oder dreihundert Prälaten niederen Ranges, durch mehrere Tausende von Priestern und Ordensherrn von jedem Ritus, aus allen Orden, jeder Tracht und wenigstens fünfzigtausend Gläubigen aller Stände, aus allen Ländern, vertreten ist, die Inful auf dem Haupt und in der Haltung des höchsten Kirchenlehrers, der gehalten ist, die religiösen Aussprüche und die Überlieferungen zu erklären und die Lehrsätze des Glaubens zu verkünden, die Verlesung des Beschlusses mit jener männlichen, wohllautenden, weichen und majestätischen Stimme, die seiner Rede einen unbeschreiblichen Reiz verleiht. Wie er nach der Anrufung der allerheiligsten Dreieinigkeit, der Apostel Petrus und Paulus zu der die Unbefleckte Empfängnis betreffende Stelle kommt, erweicht sich seine Stimme noch mehr, Tränen treten in seine Augen, und wie er die sakramentalen Worte: Wir bestimmen, beschließen und setzen fest, spricht, erstickt ihm das Wort unter seiner Gemütsbewegung, seinen Tränen und er sieht sich genötigt, inne zu halten und den Tränenstrom, der sich aus seinen Augen ergießt, zu trocknen. Gleichwohl sieht man, dass er eine letzte Anstrengung macht, um seine Bewegung zu unterdrücken, und er setzt die Verlesung mit jener festen und würdevollen Stimme fort, die dem Richter in Glaubenssachen geziemt. Das Herz tritt ihm auf die Lippen und man weiß nicht, ob er predigt oder liest, so lebendig, so gefühlvoll ist seine Stimme, und man fühlt, dass der Vater der Christenheit, der hingebungsvolle Sohn Mariens, der oberste Hirte der Kirche und der unfehlbare Richter auf dem Gebiet des Glaubens aus einem Mund sprechen, oder vielmehr, dass der göttliche Geist es ist, der durch seinen Mund spricht und mit dem Ausspruch des Lehrers der Wahrheit die Gefühle eines Maria zärtlich ergebenen Herzens verbindet. Seine Gemütsbewegung erhebt sich wieder, da er nach der Erklärung, dass der Glaube an die Unbefleckte Empfängnis zu allen Zeiten der Glaube der katholischen Kirche gewesen, dass er folglich von allen ihren Kindern angenommen werden müsse, und nachdem er die Strafen festgesetzt, denen sich diejenigen aussetzen würden, die vermessen genug wären, diesen Glauben anzufechten, auf die Darstellung der Gnaden zurückkommt, die er selbst der heiligsten Gottesmutter zu verdanken bekennt, der Hoffnungen, die er im Betreff der Entfernung der Schäden der Gesellschaft und der Kirche auf ihre Fürsprache baut, und des Glückes, das er fühlt, die Ehre derjenigen erhöhen zu können, die er stets so sehr geliebt und von der alle Güter und Gaben des Himmels ausströmen.

 

Der Papst hatte kaum das Te Deum angestimmt, als es durch die ganze Basilika tönte, und es war ein unendlicher Hymnus gerührter Dankbarkeit, ein einziger, unbegrenzter, allgemeiner Hymnus an das glorreiche Vorrecht Mariens, ein glühendes, einstimmiges Gebet, das die Artillerie-Salven und das Geläut aller Glocken der Stadt zum Himmel trugen und vor dem Thron der unbefleckten Jungfrau niederlegten. 

 

Es gibt aber in der katholischen Kirche kein schönes Fest, wenn nicht das Volk seine Hauptzierde ist. Wir haben von den Fürsten der Kirche, von allen Rangstufen der Geistlichkeit gesprochen. Wir haben die ganze heilige Hierarchie in Bereitwilligkeit und Liebe wetteifern gesehen. Allein welchen Anteil nahmen die Gläubigen, das Volk daran? Ihnen kommt es zu, ihm seinen wahren Charakter aufzudrücken. Sind die Herzen bewegt worden? Ist es wirklich eine volkstümliche, allgemeine Glaubensmeinung, die man zum Glaubenssatz erhebt, und sehnen sich die Kinder der Kirche so sehr wie man sagt danach, Maria den Titel unbefleckt in ihrer Empfängnis verleihen zu sehen? Ach! Die Antwort auf diese Frage ist gegeben, sie ist hier ganz lebendig. Seht jene Menge, die schon um sieben Uhr früh sich gegen die alte Basilika des Apostelfürsten bewegt, dessen weiten Schiffräume und sogar die sonst so menschenleeren Kapellen füllt, die sich drängt und jeden Augenblick größer wird. Da ist eine fortwährende Ebbe und Flut. Die weiten Eingänge der Basilika genügen diesen Tausenden von Gläubigen nicht mehr, die sich darauf stürzen und sie belagern. Dreißigtausend Personen sind nach der Aussage der Kundigsten in der Kirche beisammen, und die Menge, die von sieben Uhr früh bis ein Uhr nachmittags fortwährend ein- und ausströmt, beträgt wenigstens sechzigtausend Personen, die dem Fest beigewohnt haben. Und welche Sammlung in dieser Menschenmenge! Welcher Ausdruck der Zufriedenheit! Mit welchem Herzen sie betet! Wie die Kirchengebete sie anregen, rühren, und mit welcher Liebe, mit welchem Glauben sie diese Gebete der Anrufung und des Lobes singt! Und wie der übrige Teil der Bevölkerung die Kirchen der heiligen Stadt füllt, wie sehr sie bemüht ist, die Beleuchtung vorzubereiten, die die Nacht dieses schönen Tages in einen mit Sternen besäten Himmel verwandeln soll! Wie sie beim Schall der Glocken, die die Vollendung des großen Aktes verkünden, sich niederwirft und die Jungfrau ohne Makel grüßt! Wie viele heilige Gesänge sind in den Klöstern, in den Familien, in den Heiligtümern der Herzen an sie gerichtet worden!

 

Es kommt der Abend, und da bricht der Glaube, die Freude des Volkes glänzend hervor, und die ganze Stadt wird ein zu Ehren der Gottesmutter errichteter Tempel. Schon am Abend des vorangegangenen Tages begrüßten, ungeachtet des Regens und des stürmischen Himmels, Millionen Lichter die Morgenröte des kommenden Tages, am Abend des Festes aber ist die Stadt buchstäblich eine feurige Stadt. Kein Balkon, kein Fenster, keine Dachluke, die nicht ihre Lämpchen hätte. Die großen Verbindungsadern der Stadt, der Corso, die Papststraße, Ripetto sind Feuerströme, die öffentlichen Plätze, die Monumente und die Kirchen tragen feurige Gebäude. Das Kapitol funkelt und die Musikkorps begrüßen im Freien, im Namen des römischen Volkes, den Triumph der Himmelskönigin, die auch die Königin der Kirche und von Rom ist. Überall Transparente, Marienbilder, Inschriften zu ihren Ehren, überall die Worte: "Maria ohne Erbsünde empfangen." Eine zahllose Menschenmenge durchzieht die Stadt, die ganze Bevölkerung ist in den Straßen, auf den Plätzen, besonders bei St. Peter, dessen Kuppel ein strahlendes Diadem in die Lüfte hebt. Man möchte sagen, es habe eine besondere Vorsehung gewacht, um dieser Beleuchtung, deren Großartigkeit und Schönheit bekannt ist, einen ungewohnten Glanz zu geben. Eine schwarze Wolke, die einzige am Himmel, die gleichsam erschien, um an Regen, den Sturm des vorhergehenden Tages und der ganzen verflossenen Nacht zu erinnern, bildete hinter der Kuppel einen düsteren und schwarzen Hintergrund, auf dem sich jene Flammenkrone, die die ewige Stadt der Königin des Weltalls zur Huldigung brachte, wundersam hervorhob. O Nacht, schöner als der Tag! O Flammengezelte, entzündet, um das Fest unserer Mutter zu erhellen! O Königin des Himmels! Vermag die Erde dir eine schönere Krone zu bieten?

 

Dieser Art war das Fest vom 8. Dezember zu Rom, oder vielmehr war dieser Art ein Teil, vielleicht der schwächste Teil dieses unvergänglichen Festes. Übrigens ist dies nur der erste Tag, der Anfang der Feste. Schon am 10. zog eine andere Festlichkeit die ganze heilige Stadt nach St. Paul vor den Mauern. Daselbst sollte der Papst, von den zweihundert Bischöfen und der gesamten Geistlichkeit begleitet, die Basilika des Apostels der Heiden weihen, deren Einweihung somit in Verbindung stehen wird mit dem Triumph der Himmelskönigin. Und dieses zu Rom begonnene Fest wird sich durch den ganzen Erdkreis fortsetzen. Die Glocke von St. Peter wird die Glocken der ganzen Erde in Bewegung setzen, und bis in den öden Landstrichen der neuen Welt und in den entlegensten Gegenden der alten, wird das Wort des obersten Kirchenhirten wiederholt und mit Beifall aufgenommen werden. Überall wird die Unbefleckte Empfängnis verherrlicht werden.