Mariä Freuden

 

5. Juli

 

Es ist gut, dass es ein Fest von den Freuden Mariens gibt. Sonst könnte das zweimalige Fest ihrer Schmerzen uns auf den Gedanken bringen, es habe keine Freuden in ihrem Leben gegeben. Eigentlich sollte man ihre Freuden dreimal feiern, denn der Mensch ist nicht zum Leid, sondern zur Freude geboren. Freilich gehört nach dem Wort des Herrn zum Christenleben Leid und Kreuz so notwendig, dass es ohne sie keine Christusnachfolge gibt. Aber der Herr hat auch gesagt: „Musste nicht Christus dieses alles leiden und so in seine Herrlichkeit, d.h. in seine Freuden, eingehen?“

 

Auch im Leben der Gottesmutter hat es Freuden gegeben. Ewig gültig sagt es uns das Magnifikat, dieser Hochgesang heiliger Mutterfreude. Freuden im Jugendleben ihres Kindes. Freuden in der heiligen Gemeinschaft mit Josef. Freuden bei den großen Wundern und den herrlichen Lehrunterweisungen des Sohnes Gottes. Freuden bei der glorreichen Auferstehung des Herrn. Nie endende Freuden, als sie mit Leib und Seele in den Himmel einging, für ewig mit ihrem Sohn vereint. Ob nicht Freude überhaupt der Grundton im Leben der Jungfrau gewesen ist? Trug sie doch stets das Bewusstsein in sich, eine Auserwählte, ja ein bevorzugter Liebling Gottes zu sein. War es dazu nicht ihr Lebensberuf, den Menschen Freude zu bringen, die untrügliche Freude des ewigen Lebens? Darum betitelt sie doch die Lauretanische Litanei mit den Worten: Ursache unserer Freude.

 

Von der Freude im Christenleben – denn ist nicht jeder Getaufte im Vergleich zu denen, die noch im Todesschatten sitzen, ein Liebling Gottes? – haben die Apostel oft Zeugnis abgelegt. Wie jubelt doch St. Paulus: „Ich bin voll des Trostes, ich bin übervoll von Freude bei aller Trübsal.“ Und er fordert uns auf: „Freut euch im Herrn! Ich wiederhole es: Freut euch!“ Ha, er verlangt sogar: „Freut euch allezeit!“

 

Im Christenleben muss daher ein Grundton der Freude herrschen. Wehleidiges, trübsinniges Christentum ist krankes Christentum. Dort fehlt der alles belebende Sonnenschein. Das Leben unserer Heiligen bestätigt es, denn sie bilden eine Galerie froher Menschen. Das frohe Leuchten ihres Antlitzes gehört zu ihnen wie der Heldenmut des Kreuztragens. Je heiliger ein Christ wird, um so froher wird er.

 

Unsere Freude kann ein gar gewichtiger Prüfstein unseres Christuslebens sein. Welche Freuden suchst du? Die rauschenden Sinnesfreuden, die den bitteren Nachgeschmack in sich haben? Die stillen Herzensfreuden, die auf dem Kreuz am besten gedeihen? Geh in die Schule der Freuden Mariens, der Ursache unserer Fröhlichkeit.

 

Kirchengebet

 

Wir bitten dich, Herr, erfülle unsere Herzen bei der Feier der hochheiligen Freuden deiner heiligsten Mutter mit himmlischer Freude, damit wir durch Verachtung der irdischen Dinge die Freuden des ewigen Lebens im Himmel erlangen.

 

Zur Geschichte des Festes: Die Verehrung der Freuden Mariä reicht noch weiter zurück als die Verehrung ihrer Schmerzen. So feierte man z.B. in Brabant seit langem am 1. September „Das Gedächtnis aller Feste und Freuden der allerseligsten Jungfrau Maria“. In der Diözese Noyon besteht eine alte Bruderschaft von den Freuden Mariä. Viele Dichter des Mittelalters machten die Freuden Mariä zum Gegenstand ihrer Hymnen und Gesänge. Besonders lebendig war die Verehrung der Freuden Mariä im Orden des heiligen Franziskus, für die namentlich der heilige Bonaventura geeifert haben soll.

 

Beliebt war vor allem der Rosenkranz zu den sieben Freuden Mariä (siebenmal zehn Ave Maria). In der Aufzählung der sieben Freuden herrschte allerdings keine Einheitlichkeit. Zumeist wurden genannt: 1. Verkündigung, 2. Heimsuchung, 3. Geburt Jesu, 4. Anbetung der Weisen aus dem Morgenland, 5. Wiederauffindung im Tempel, 6. Auferstehung Jesu, 7. Himmelfahrt.

 

Papst Pius X. gestattete 1906 eine eigene Festfeier zu Ehren der sieben Freuden Mariä.

 

(Prof. Dr. Carl Feckes, "So feiert dich die Kirche", Maria im Kranz ihrer Feste, 1957, Steyler Verlagsbuchhandlung)