Königin der Apostel

 

Samstag in der Oktav von Christi Himmelfahrt

 

Ein stolzer Titel! Denn unsere Kirche bezeichnet sich mit erhobenem Nachdruck als die apostolische. Legte sie nämlich darauf keinen Wert, dann wäre sie nicht mehr die wahre Kirche Christi. Christus hat seine Kirche eindeutig auf die Apostel begründet. Deswegen konnte schon der Apostel Paulus den Ephesern schreiben: „Ihr seid auf dem Fundament der Apostel und Propheten aufgebaut.“ Ihm gilt das so viel, dass er sich nicht nur mit großem Stolz als ein Apostel Jesu Christi bezeichnet, sondern eines Apostels Autorität über die der Engel stellt, wie er den Galatern schreibt.

Die Voraussetzungen für eine solche Sicht hat der Herr selbst gelegt. Denn den Aposteln hat er die Macht verliehen, die er selbst vom Vater erhalten hat. Sie sollen in seinem Reich binden und lösen. Sie sollen tun, was er im Abendmahlssaal getan hat. Sie sollen gar die Macht erhalten, die Gott vorbehalten ist: Sünden nachzulassen. Sie sollen lehren und taufen alle Völker der Erde. Sie sollen die Herde weiden, die die seinige ist. Sie sollen bei seiner Wiederkehr auf Thronen sitzen und den ganzen Erdkreis richten.

Das sind also die Apostel! So müssen wir auch ihre Nachfolger, unsere Bischöfe, sehen, da die Zwölf als sterbliche Menschen das Zeitliche segnen mussten. Apostolisch muss die Kirche bleiben, bis das Ende der Zeiten, bis die Grenzen der Erde erreicht sind.

Was hat aber Maria im Kreis der Apostel zu tun? Und wie kann man sie gar als deren Königin bezeichnen? Deswegen wohl, weil sie der Herr noch früher, noch grundlegender, noch entscheidender in den Aufbau seines Reiches einbezogen hat als jene: in ihrer Mutterschaft, in ihrem freien Fiat, in ihrem Opfer unter dem Kreuz, in ihrer universalen Gnadenvermittlung. Deswegen wohl, weil nur sie es gewesen sein kann, von der die Apostel die früheste Frohbotschaft vom Erlöser, von seiner Empfängnis, seiner Geburt, seiner Jugend erhalten haben, die sie nun von ihrem Mund weg über die ganze Erde trugen. Deswegen wohl, weil sie als Mutter gar nicht anders kann, als mit liebendem Herzen und gnadenspendender Hand das Verkünden, das Wachsen und Blühen des Gottesreiches zu begleiten, das den Aposteln und ihren Nachfolgern anvertraut ist. Deswegen wohl, weil in der übernatürlichen Welt das Beten und Opfern mehr zählt als das äußere Arbeiten und Wirken.

So erscheint Maria dem frommen Christenherzen als Apostel der Apostel oder besser: als Mutter der Apostel, als ihre Königin. Darum wird Maria mit Vorliebe von denen als ihre Patronin betrachtet, die im wahrsten Sinne des Wortes Sendboten Christi bis an die Grenzen der Erde sind: von den Glaubensboten, von den Missionaren.

 

Kirchengebet

 

Gott, du hast deinen Aposteln den Heiligen Geist verliehen, als sie zusammen mit Maria, der Mutter Jesu, beteten. Gib uns die Gnade, unter dem Schutz dieser unserer Mutter und Königin der Apostel deiner Majestät treu dienen und den Ruhm deines Namens in Wort und Tat verbreiten zu können.

 

Zur Geschichte des Festes: Bereits am 15. August des Jahres 1653 wurde in der St.-Apollinaris-Kirche zu Rom, damals Sitz des Collegium Germanicum, demnach eines Priesterseminars, ein Marienbild gekrönt, das man unter dem Titel „Königin der Apostel“ verehrte. Dieses Bild soll 1646 von einem Soldaten zu dieser Kirche gebracht worden sein, da er es vor der Vernichtung retten wollte. Es stammt aus dem 15. Jahrhundert.

Im Jahr 1890 wurde auf die Bitten der Pallottiner hin das Fest „Maria, Königin der Apostel“ von Rom erlaubt, das dann verschiedene religiöse Genossenschaften, besonders Missionsgesellschaften, übernahmen, z.B. die Lyoner Missionare, die Salvatorianer, die Redemptoristen, die Steyler Missionare u.a. – Der Tag der Festfeier war nicht überall der gleiche. Dem Römischen Seminar, das sich im 19. Jahrhundert in einem Haus befand, das an die Kirche anstieß, in der sich dieses Bild befand, wurde 1891 für den 7. Juli ein eigenes Officium bewilligt. Andere feierten das Fest am 31. Mai. Die Lyoner Missionare verlegten es im Jahr 1920 sehr sinnvoll auf den Samstag in der Oktav von Christi Himmelfahrt, um so in besonderer Weise der Gemeinschaft Mariens mit den Aposteln im Saal zu Jerusalem vor der Herabkunft des Heiligen Geistes zu gedenken. Auch in der Steyler Missionsgesellschaft hat die „Königin der Apostel“ einen Ehrenplatz erhalten. Ihr Fest wird am 11. Mai gefeiert. 

 

(„So feiert dich die Kirche“, Prof. Dr. Carl Feckes, Maria im Kranz ihrer Feste, Steyler Verlagsbuchhandlung, 1957)