Immerwährende Hilfe

 

27. Juni

 

Immerwährende Not – immerwährende Hilfe. So entspricht es sich im Leben der Menschen. Der Menschen immerwährendes Sündigen gebar die immerwährende Not. Gottes immerwährende Liebe antwortete mit immerwährender Hilfe.

Immerwährende Not! Wer könnte sie leugnen? Krankheit und Tod, Armut und Hunger, Unglück und Krieg, so schaut es aus den Augen der Menschen, so künden es die Blätter Tag für Tag. Das Studium der Geschichte ist ein Studium menschlicher Not. So musste es auch kommen, seitdem der Mensch den Weg seines Glücks zu Gott hin verlor. So wird es immerfort bleiben, solange er diesen Weg der Sünde nicht verlässt.

Immerwährende Gottesliebe! Immerwährende Hilfe! Schon bei der ersten Menschen erster Not trat sie auf: „Feindschaft will ich setzen zwischen dir und der Frau, zwischen deiner und ihrer Nachkommenschaft. Sie wird dir den Kopf zertreten, und du wirst ihrer Ferse nachstellen.“ Ist es nicht bezeichnend, dass schon in diesem Protoevangelium, d.h. in Gottes erster Frohbotschaft, bei Gottes erster Hilfe, Maria erscheint? Denn so belehrt uns unser Glaube: Nicht Eva sei letzthin hier gemeint, die schuldig gewordene Frau, in der keine Todfeindschaft zu Satan sich mehr errichten ließ, Maria sei es vielmehr, die sündenlose Frau, die mit ihrem jungfräulichen Fuß der Schlange den Kopf zertritt. So tauchte in der Morgendämmerung menschlichen Lebens und menschlicher Not tröstend und helfend Maria auf.

So blieb es auch. Immer deutlicher zeichnete Gottes Prophezeiung das Bild der großen Helferin. In zahlreichen Vorbildern und Typen ist es dargestellt. Die zwei stärksten seien nur genannt: die tapfere Judith und die rettende Esther. Hinhorchen wollen wir auf das tröstende Jungfrauzeichen des Isaias, aufgerichtet in großer Not: „Siehe, die Jungfrau wird empfangen und einen Sohn gebären, und sein Name wird sein: Gott mit uns.“ Und nochmals lässt Gottes Wort die große Helferin aufleuchten. Wer kennte nicht der Geheimen Offenbarung großes Zeichen: Die Frau mit der Sonne umkleidet, den Mond unter ihren Füßen, mit zwölf Sternen geziert?

Immer wieder die siegreiche Frau, immer wieder die Mutter mit dem Kind. Sie wendet die Not. Die Geschichte unserer Kirche hat es tausendfach bezeugt. Noch tausendfacher kann die Geschichte der Seelen davon berichten. In immerwährender Not – die immerwährende Hilfe der himmlischen Frau. Der Ratschluss Gottes hat es so gewollt. Der Gläubigen frommer Sinn hat es erfasst. Darum hat sich selten ein Marienbild so schnell, so fest, so tief die Verehrung der Christen erobert als die Mutter von der Immerwährenden Hilfe.

 

Kirchengebet

 

Herr Jesus Christus, du hast deine Mutter Maria, deren wunderbares Bild wir verehren, uns zur Mutter gegeben, die uns ständig zu Hilfe kommen will. Lass uns, wir bitten dich, ihre mütterliche Hilfe eifrig erflehen, damit wir die Frucht deiner Erlösung immerdar an uns erfahren mögen.

 

Zur Geschichte des Festes: Nur wenige Bilder sind so populär geworden wie gerade dieses Bild von der Immerwährenden Hilfe. Von der Insel Kreta wurde es im Jahr 1499 nach Rom gebracht. In einer Kapelle in der Via Verulana blieb das Bild gänzlich unbeachtet. Im Februar des Jahres 1863 predigte der Jesuitenpater Blosi in der Kirche al Gesù über die Gottesmutter, kam dabei auf dieses Bild zu sprechen und rief aus: „Maria sehnt sich danach, dass dieses Bild der Vergessenheit wieder entrissen werde!“

Pius IX. überließ es nun den Redemptoristenpatres, die im Jahr 1866 einen Ehrenplatz in ihrer Alphonsuskirche gaben und für die Verehrung der Immerwährenden Hilfe eiferten. Der Papst erkannte den segensreichen Einfluss dieser Verehrung und gab seine Zustimmung zu einem Muttergottesfest unter dem Titel „Maria von der Immerwährenden Hilfe“ mit eigenem Messformular und eigenen Tagzeiten. Die Verehrung der „Immerwährenden Hilfe“ wurde so sehr vom gläubigen Volk gepflegt, dass ihr Bild in sehr vielen Pfarrkirchen einen Platz gefunden hat, und gerade vor diesem Marienbild wird viel gebetet.

 

(„So feiert dich die Kirche“, Prof. Dr. Carl Feckes, Maria im Kranz ihrer Feste, Steyler Verlagsbuchhandlung, 1957)