Maiandachten VI

 

Die Maikönigin (von G. Görres)

 

Maria, Maienkönigin!

Dich will der Mai begrüßen,

O segne seinen Anbeginn,

Und uns zu seinen Füßen.

 

Maria! dir empfehlen wir,

Was grünt und blüht auf Erden,

O lass es eine Himmelszier

In Gottes Garten werden.

 

Behüte uns mit treuem Fleiß,

O Königin der Frauen!

Die Herzensblüten lilienweiß

Auf grünen Maiesauen.

 

Vor allen sind`s der Blümlein drei,

Die lass kein Sturm entlauben:

Die Hoffnung grün und sorgenfrei,

Die Liebe und den Glauben.

 

O lass die Blumen um und um

In allen Herzen sprossen,

Und mache sie zum Heiligtum,

Drin sich der Mai erschlossen.

 

Die Seelen kalt und glaubensarm,

Die mit Verzweiflung ringen,

Die Stummen mache liebeswarm,

Damit sie freudig singen.

 

Damit sie gleich der Nachtigall

Im Liede sich erschwingen,

Und mit der Freude hellstem Schall

Dir Maienlieder singen.

 

 

 

Der Monat Mariä

oder

der Monat Mai zur Ehre der seligsten Jungfrau Maria

(von 1846)

 

 

 

Art und Weise, den Maimonat zur Ehre Gottes und Mariä zu heiligen

 

1. Man empfange die heiligen Sakramente der Buße und des Altars entweder gleich anfangs, oder doch wenigstens einmal im Verlauf des Monats.

 

2. Man bestrebe sich, der göttlichen Mutter durch Reinigung des Herzens zu gefallen, besonders befleiße man sich, eine böse Gewohnheit abzulegen, eine abgängige Tugend sich anzueignen.

 

3. Man opfere jeden Morgen alle Handlungen des Tages ihr, und durch sie ihrem göttlichen Sohn auf, und verrichte sie so gut und vollkommen, als möglich.

 

4. Wenn es geschehen kann, so wohne man täglich der heiligen Messe und der öffentlichen Andacht bei, wo diese gehalten wird, - doch kann man letztere auch für sich allein zu Hause machen.

 

5. Man verrichte entweder allein oder mit seinen Hausgenossen den heiligen Rosenkranz.

 

6. Endlich suche man die Verehrung der seligsten Jungfrau auch bei andern zu verbreiten und zu befördern, und wirke, wo man kann, zur Bekehrung eines Sünders.

 

Anmerkung: Die Maiandacht wird an einem der seligsten Jungfrau geweihten, und möglichst geschmückten Altar gehalten; ist aber ein solcher nicht vorhanden, so wird ein anderer hierfür hergerichtet, und mit einem Bild oder einer Statue Mariä versehen. Täglich wird dann an diesem Altar der heilige Rosenkranz mit Beifügung der einschlägigen Gebete abgehalten. Sind an einem Ort mehrere Priester, und steht sonst kein Hindernis im Wege, so können oder sollen auch täglich ein oder zwei Vorträge gehalten werden, wozu die den Tagesgebeten beigegebenen kurzen Lebensregeln geeigneten Stoff darbieten. Zur größeren Feierlichkeit und Andacht möchten auch Marienlieder beitragen. Im Ganzen genommen lässt sich hierüber keine allgemeine Vorschrift geben, sondern es muss diese Feier den Umständen des Orts, der Zeit und der Personen überlassen bleiben. Wenn jeder zur Ehre Gottes und seiner heiligen Mutter tut, was in seinen Kräften liegt, dann hat er genug getan!

 

Vorbereitungsgebet

 

Heilige Maria, Mutter der Gnaden, Zuflucht der Sünder, mächtige Beschützerin und getreue Retterin deiner Pfleglinge, wirf einen huldvollen Blick deiner Güte auf uns herab. Siehe, wie viele deiner Diener sich heute vor deinem Altar versammeln, um dir gleich im Anfang dieses zu deiner Verehrung bestimmten Monats ihre Huldigung darzubringen. Ja, wir sind entschlossen, diesen Monat durch einen unschuldigen, frommen Wandel, durch tägliche Ausübung der Tugend zu deiner und deines Sohnes Ehre zu heiligen, und unser Möglichstes zu tun, damit wir deines mächtigen Schutzes und deiner huldreichen Güte würdig werden. Nimm auf, o liebevolle Mutter, nimm auf unser inbrünstiges Verlangen, dir einen gefälligen Dienst zu erweisen, und erhalte uns die Gnade, dieses Vorhaben treu ins Werk zu setzen. Gewährst du uns dies Eine, so hoffen wir dadurch auch das Weitere zu erlangen, was zu unserem ewigen Heil ersprießlich ist, die Gnade, wahre Buße zu wirken, in der Tugend und Heiligkeit zuzunehmen und im Guten zu verharren bis an das Ende. Amen.

 

(Nehmen wir uns heute vor, diesen Monat hindurch mit Ernst und Anstrengung zu arbeiten an der Ablegung einer Untugend oder eines Fehlers, wozu wir mehr geneigt sind und woher uns mehr Gefahr droht; diesen Entschluss erneuern wir jeden Morgen, und flehen wir zu Maria um die nötige Gnade zur Ausführung desselben.)

 

Gebet am ersten Tag

 

(heiliger Ephräm)

 

O allerseligste und reinste Jungfrau, Mutter unseres Gottes, Königin des Lichtes! Du bist mächtig und gütig, erhaben über Engel und Menschen, reiner als die Strahlen der Sonne, ehrwürdiger als die Cherubim, heiliger als die Seraphim, unvergleichlich glorreicher, als alle Chöre des Himmels. Durch dich, o erhabene Fürstin des Himmels und der Erde, sind wir mit der schreckbaren Majestät der ewigen Gerechtigkeit ausgesöhnt worden. Göttliche Mutter, nimm uns auf, und bewahre uns durch deine Güte und deinen Schutz. Erbarme dich über uns arme Sünder, die wir durch unsere Laster, wodurch wir Jesus Christus, unseren Herrn und Richter beleidigt haben, verunreinigt sind. Du weißt ja, wie wir uns deinem Dienst geweiht haben. Lass also nicht zu, o Mutter der Barmherzigkeit, dass der Feind unserer Seelen uns überwältige. Nach Gott, unserem Heiland, haben wir keine andere Hoffnung, als bei dir, o heiligste Jungfrau. Du bist uns ein sicherer Hafen in den Stürmen dieses Lebens. Du bist unsere Schutzwehr, und ein Zufluchtsort, wo wir gefahrlos ruhen können. Mit inbrünstigem Verlangen, und mit tränenfeuchten Augen werfen wir uns zu deinen Füssen, um Beistand zu erflehen, und durch deine Fürsprache von Jesus Christus, dem Urheber unseres Lebens, zu erlangen, dass er uns unserer Sünden wegen nicht verstoße. Amen!

 

(Betrachte die schönen Tugendbeispiele Mariä, ihre Reinheit, Sittsamkeit, Demut usw. und bestrebe dich, sie nachzuahmen. Empfiehl dich jeden Morgen und Abend ihrem mütterlichen Schutz.)

 

Gebet am zweiten Tag

 

(heiliger Alfons Maria von Liguori)

 

O meine unbefleckte Königin Maria, ich freue mich mit dir, dass Gott dich mit so großer Reinheit gesegnet hat. Ich danke unserem Schöpfer, und nehme mir vor, dieses immer zu tun, dass er dich von aller Sündenmakel befreit hat; ich bin fest von dieser Wahrheit überzeugt, und bereit, wenn es notwendig wäre, mein Blut zu vergießen, um deine unbefleckte Empfängnis, diesen außerordentlichen und gnadenvollen Vorzug deiner heiligen Seele, zu verteidigen. Ich wünsche, dass die ganze Welt dich preisen möchte als jenes schöne Morgenrot, das immer mit dem göttlichen Licht geziert war; als jene auserwählte Arche des Heils, die vor dem allgemeinen Schiffbruch der Sünde bewahrt blieb; als jene versiegelte Quelle, zu der der böse Feind nie den Eingang fand, sie zu trüben; ich wünschte, dass die ganze Welt dich kennen möchte als jene weiße Lilie, die zwischen den Dornen, d.i. den Kindern Adams, wächst, die alle von der Sünde befleckt in der Feindschaft Gottes geboren werden, indessen du allein ganz rein, ganz heilig, von deinem Schöpfer aufs innigste geliebt, geboren wurdest. O meine süßeste, meine liebenswürdigste, meine unbefleckte Jungfrau Maria, blicke mit deinen barmherzigen Augen auf die Wunden meiner armen Seele, habe Mitleid mit mir und heile mich. O Maria, die du vom ersten Augenblick deines Lebens an, ganz rein und schön vor den Augen des Herrn erschienen bist, erbarme dich meiner, der ich nicht nur in der Sünde geboren bin, sondern sogar nach der Taufe meine Seele durch Sünden verunreinigt habe. Welche Gnade sollte dir Gott versagen, nachdem er dich zu seiner Tochter, zu seiner Mutter, zu seiner Braut erwählt, dich deshalb von aller Sündenmakel bewahrt, und allen Geschöpfen vorgezogen hat. O unbefleckte Jungfrau Maria, du musst, du kannst und wirst bewirken, dass ich selig werde. Amen!

 

(Befleiße dich der Reinheit, und wenn böse Anfechtungen dich befallen, so sprich folgendes Gebet):

„Durch deine unbefleckte Empfängnis und unversehrte Jungfrauschaft, o reinste Jungfrau, reinige mein Herz, meinen Leib und meine Seele, im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.“

 

Gebet am dritten Tag

 

(heiliger Anselm)

 

O hochgebenedeite Jungfrau, mache mich würdig, dich zu loben, und gib mir Stärke wider deine und meine Feinde. Verleihe mir, dass ich demütig zu dir flehe, und dich von Herzen preise. Darum bitte ich dich durch die Verdienste deiner heiligen Geburt, die der ganzen Christenheit Freude und Hoffnung, Licht und Trost gebracht hat. O heilbringender Stamm! O geheiligte Wurzel, deren Frucht in Ewigkeit hochgebenedeit ist! Erbarme dich meiner, o Königin, und stehe mir bei, auf dass deine Geburt aus Abrahams Geschlecht, Judas Zunft und Davids Stamm mir die freudige Nachlassung meiner Sünden vermittle. Bitte für mich, o weiseste Jungfrau, und deine Geburt möge wie ein Schleier decken meine Missetaten. O heilige Gottesgebärerin, schöne Lilie der Reinheit, vergiss meiner nicht bei deinem Sohn! Amen.

 

(Empfange oft und mit wahrer Andacht die heiligen Sakramente der Buße und des Altars; so wirst du dir die Früchte der Erlösung zueignen, die durch Mariä Geburt angekündigt wurde.)

 

Gebet am vierten Tag

 

(heiliger Bernhard)

 

Glorwürdiges wird von dir erzählt, o Stadt Gottes, von dir, o Gottesgebärerin! Doch ist dein Lob noch nicht erschöpft; noch stammelt jede Zunge, die dich zu preisen sich erhebt. Denn keine Sprache hienieden, die Rede von keinem Volk unter dem Himmel ist vermögend, deine Herrlichkeit genügend darzustellen, o große, o milde, o höchst liebreiche Maria! Selbst genannt kannst du nicht werden, ohne dass du das Herz entzündest, nicht gedacht, ohne dass du das Gemüt der dich Liebenden erfreust; nimmer ziehst du zu den Toren der Erinnerung ein, es sei denn in himmlischer Süßigkeit. Und nun folgen wir dir, o Herrscherin! Aus ganzem Herzen rufen wir zu dir: Hilf unserem Unvermögen, entferne unsere Schmach! Es sinke der dichte Nebel von unsern Augen, dass wir mit verklärtem Antlitz die Glorie des Herrn schauend, von seinem Geist in das endlose Meer des göttlichen Lichtes versenkt werden, und vereint in den Banden der Liebe, eins mit unserm Gott seien. Dies verleihe uns durch deine Fürbitte unser Gott und Herr, dem Lob, Preis und Dank sei von nun an bis in Ewigkeit. Amen.

 

(Rufe besonders in den Zeiten der Versuchung und der Gefahr den heiligen Namen Mariä mit Andacht und Vertrauen an. Tue dasselbe, sooft du ihr Bild ansichtig wirst.)

 

Gebet am fünften Tag

 

(heiliger Alfons Maria von Liguori)

 

O Gottgeliebte und liebenswürdige Tochter Davids, Maria! Könnte ich dir heute die ersten Jahre meines Lebens zum Opfer bringen, und mich ganz und gar zu deinem Dienst aufopfern! Allein der Frühling meines Lebens ist vorüber; ich Unglücklicher habe viele Jahre im Dienst der Welt und meiner bösen Neigungen verlebt, ohne an Gott und an dich zu denken. Gleichwohl ist es immerhin noch besser, spät, als nimmer anfangen. Siehe denn, o Maria, heute erscheine ich vor dir, heute opfere ich mich für den Rest meines Lebens zu deinem Dienst auf; heute entsage ich allen Geschöpfen, und weihe mich ganz und gar der Liebe meines Schöpfers! Dir, o meine Königin, schenke ich meinen Sinn, um immer eingedenk zu sein der Liebe, die du verdienst; dir schenke ich meine Zunge, um dich zu preisen, mein Herz, um dich zu lieben! Nimm das Opfer eines elenden Sünders gnädig auf, ich bitte dich um jenes Trostes willen, den dein Herz empfunden hat, als du dich im Tempel deinem Gott weihtest. Weil ich aber so spät anfange, so muss ich die verlorene Zeit durch desto größeren Eifer in deinem Dienst, durch desto innigere Liebe hereinzubringen suchen. Hilf, o Mutter der Erbarmung, durch deine mächtige Fürbitte meiner Schwachheit, und erlange mir von deinem Sohn die Beharrlichkeit und Kraft, dir bis an mein Ende treu zu bleiben, damit ich dich die ganze Ewigkeit hindurch preisen möge. Amen.

 

(Bringe Jesus und Maria dich zum Opfer dar, und entsage ihnen zulieb jener verkehrten Neigung oder Abneigung deines Herzens, welche Gott am meisten missfällt, und deinem Seelenheil am gefährlichsten ist.)

 

Gebet am sechsten Tag

 

(heiliger Anselm)

 

Wie lieblich bist du, o Maria, liebenden Herzens! Wie heitert das Andenken an dich die Gemüter derjenigen auf, die kindlich zu dir flehen! – Es decke deine Unschuld unsere Schulden, deine Demut unsere Hoffart; die Fülle deiner Liebe erwirke uns bei dem, der die Quelle der Liebe ist, ein reichliches Maß von Verdiensten. Du bist die Zierde der Menschheit, die Perle des Christentums, die Königin der Welt. – Unser Herz ist mit Disteln und Dornen bewachsen; möge ein Feuer durch dich vom Himmel herabgesandt, sie sämtlich verzehren! Unsere Wunden eitern zwar schon, allein wir haben einen verständigen Arzt, der sie immer noch heilen kann und will. Er vermag uns aus dem Grab der Sünde zu erwecken, wie er einst den Lazarus durch sein allmächtiges Wort aus der Fäulnis hervorgerufen hat. O barmherzige Jungfrau, lege doch bei diesem Arzt dein Wort für uns ein, weil deinen Bitten nichts versagt werden kann. Amen.

 

(Bete allezeit, d.h. nicht nur wenn du in der Kirche oder sonst wo zum Gebet gesammelt bist; sondern halte auch bei deinen Geschäften das Herz mit Gott vereinigt, und tue alles ihm zu Liebe.)

 

Gebet am siebenten Tag

 

(heiliger Germanus)

 

Wahrhaft glückselig unter allen Männern war dein Vater, o Maria! Glückselig unter allen Frauen deine Mutter! Glückselig deine heilige Familie, glückselig alle, die die Gnade hatten, mit dir verwandt zu sein. Glückselig vor allen der keusche Joseph, der würdig gefunden wurde, mit dir vermählt zu werden! Du bist mir in aller Trübsal süße Labung und Trost, du bist der himmlische Tau, der mich in der sengenden Hitze erquickt. Von dem Schoß deiner Erbarmung empfängt meine Seele in ihrer Trockenheit heilsame Erfrischung. Du bist mir ein Licht in der Finsternis, eine treue Wegweiserin, wenn ich mich verirre; du bist meine Stärke in Schwachheiten, mein Heilmittel, wenn ich von den Seelenfeinden verwundet werde. Leide ich Schaden, so vergütest du ihn, fühle ich Schmerz, so versüßest du ihn, du zerreißt meine Bande und belebst meine Hoffnung. – Möchtest du doch mein schwaches Gebet hören, meinen Seufzern einen gnädigen Zutritt zu dir gestatten, und durch mein Elend zum Mitleid gerührt werden. Amen.

 

(Sei treu in Erfüllung deiner Berufspflichten. Hast du noch einen Stand zu wählen, so wende dich durch inständiges Gebet an Maria, die Mutter des guten Rates, um Gottes heiligen Willen zu erkennen und ihm nachzukommen.)

 

Gebet am achten Tag

 

(heiliger Anselm)

 

O süßeste Jungfrau, durch die Verdienste deiner heilbringenden Verkündigung bitte ich dich, mein Gebet gnädig zu erhören. Meine Sünden sind groß, aber deine milde Gnade ist noch größer, denn du bist voll der Gnade, und der Herr ist mit dir. O Mutter der Gnade! Bewirke doch, dass deine Verkündigung, die ich im Herzen erwäge, und mit frohlockender Zunge feiere, meinem sündhaften Wandel ein Ende mache, meine Missetaten tilge, und mir eine vollkommene Reinheit der Seele erlange, so wie sie einst den erwünschten Zeitpunkt herbeigeführt hat, wo die alte Sünde getilgt, die verheißene Erlösung gebracht, und der Weg zum Leben eröffnet wurde. Hilf mir, o liebevolle Königin, Hoffnung der Lebenden, Trost der Betrübten, Stütze der Armen und unsere sichere Zuflucht, dass ich durch ein reuiges Herz, durch demütigen Sinn, durch Reinheit des Glaubens und Werke der Liebe dem Herrn zu gefallen suche, und alle Tage meines Lebens in ihm mich erfreue. Amen.

 

(Bete täglich dreimal mit Andacht das: Angelus Domini, oder „der Engel des Herrn“, wenn man das Zeichen hierzu gibt, danke Gott für die Gnade der Menschwerdung Jesu Christi, und verehre die Mutterschaft der seligsten Jungfrau.)

 

Gebet am neunten Tag

 

(heiliger Alfons Maria von Liguori)

 

O unbefleckte, heilige Jungfrau Maria, o Demütigste unter allen Geschöpfen! Du warst in deinen Augen so gering, aber so groß vor Gott, dass er dich zu der hohen Würde seiner Mutter erwählte, und deshalb dich zur Königin des Himmels und der Erde machte. – Ich armer, hoffärtiger Mensch, der ich zugleich mit so vielen Sünden beladen bin, schäme mich vor dir zu erscheinen, die du, ungeachtet deiner Vorzüge, so demütig bist. Gleichwohl wage ich es, dich mit den Worten des Engels zu grüßen: Gegrüßet seist du Maria! voll der Gnaden! Weil du voll der Gnade bist, so lass auch mich Teil daran haben. Siehe, Gott ist dein Sohn geworden, damit dein Gebet die Kraft erlangte, jeden Sünder, wer er auch sei, selig zu machen. Bitte also für uns, o Maria, jetzt, da wir noch am Leben, und so vielen Versuchungen, Gott zu verlieren, ausgesetzt sind; besonders aber bitt für uns in der Stunde des Todes, weil wir alsdann die Welt verlassen, und vor Gottes Richterstuhl erscheinen müssen. Mach, dass wir durch die Verdienste Jesu Christi, und durch deine Vermittlung selig werden, und dann, ohne Gefahr von dir getrennt zu werden, im Himmel zugleich mit dir deinen göttlichen Sohn samt dem Vater und dem Heiligen Geist eine ganze Ewigkeit loben und preisen mögen. Amen.

 

(Bewache deine Sinne und dein Herz, um die heilige Reinheit zu erhalten, und befleiße dich, durch strenge Sittsamkeit der heiligen Jungfrau ähnlich zu werden.)

 

Gebet am zehnten Tag

 

(heiliger Alfons Maria von Liguori)

 

O Königin des Himmels, und unsere Königin, die du so eilig dich auf den Weg gemacht hast, das Haus der Elisabeth durch deinen Besuch zu beglücken, o besuche auch die arme Wohnung unserer Seele! Eile, o liebende Jungfrau, denn du weißt es ja besser, als wir, wie arm wir sind, wie viele Übel uns bedrohen, von wie vielen ungeordneten Neigungen, bösen Gewohnheiten und Sünden wir gedrückt sind! Du kannst uns von allen Seelenkrankheiten heilen, und mit Gütern des Himmels unsere Armut bereichern. Suche uns heim im Leben, suche uns besonders heim in der Stunde unseres Todes, wo dein Beistand uns am nötigsten ist. Bitte für uns, o Maria, und empfiehl uns deinem Sohne! Du kennst besser, als wir, unser Elend und unsere Bedürfnisse. Erlange du uns bei deinem Sohn jene Gnaden, von denen du weißt, dass sie unseren Seelen am nützlichsten und notwendigsten sind. Wir übergeben uns ganz und gar in deine Hände, und bitten Gott, er möge uns um die Verdienste unseres Herrn und Heilandes Jesu Christi willen dasjenige gewähren, was du uns erflehst. Deine Bitten bleiben nimmer ungehört; es sind ja die Bitten einer Mutter an ihren Sohn, an einen Sohn, der dich innigst liebt und bereitwillig tut, was du von ihm verlangst. Siehe, o unsere Königin, wir wollen dir angehören, wir wollen leben voll Vertrauen auf dich, und du wirst, wir hoffen es, dafür sorgen, dass wir selig werden. Amen.

 

(Besuche statt der eitlen und gefährlichen Weltgesellschaften eine Kirche, oder einen Altar der göttlichen Mutter, oder aus Liebe zu ihr einen armen Kranken.)

 

Gebet am elften Tag

 

(heiliger Augustin)

 

O seligste Jungfrau Maria, wie vermag wohl unsere schwache Natur, die durch deine Vermittlung den Anfang ihrer Erlösung empfangen hat, dich nach Würdigkeit zu preisen? Lass dir gefallen unseren Dank, so gering er auch ist, und so wenig er deinem Verdienst entspricht; genehmige unsere Wünsche, und entschuldige durch dein Gebet unsere Sünden. Nimm auf unsere Huldigung, verleihe uns dasjenige, um was wir bitten, wende ab die Strafen, die wir fürchten. Du bist die Zuflucht der Sünder; durch dich hoffen wir Verzeihung unserer Missetaten, und erwarten unser Heil und unsere Seligkeit. Heilige Maria, stehe bei den Elenden, hilf den Kleinmütigen, stärke die Schwachen, bitte für das Volk, für die Geistlichkeit und das gottgeweihte weibliche Geschlecht, lass alle, die dein Andenken feiern, die Wirkung deines Beistandes erfahren, sei gnädig denen, die zu deiner Milde ihre Zuflucht nehmen, und erfülle ihre Wünsche. O gebenedeite Jungfrau, die du gewürdigt warst, den Erlöser der Welt, der in Ewigkeit lebt und regiert, zu gebären, flehe für das gläubige Volk. Amen.

 

(Gewöhne dich, in dem Willen deiner Eltern und Vorgesetzten den göttlichen Willen zu verehren, und ihn willig und treu zu erfüllen.)

 

Gebet am zwölften Tag

 

(heiliger Ildephons)

 

Zu dir komme ich jetzt, o unsere höchste Gebieterin, und demütigste Magd deines Sohnes. Aus Ehrfurcht werfe ich mich nieder vor dir, o unvergleichliche Mutter meines Gottes! Ich bitte dich, ermittle mir Nachlass meiner Sünden, und vollkommene Reinigung meiner Seele. Erhalte meinem Herzen neuen Eifer für die Ehre deiner Jungfrauschaft; helle auf meinen Verstand, damit ich die Vortrefflichkeit und die unendliche Güte deines Sohnes wohl erkenne; verleihe mir Kraft, die Wahrheit zu lieben; erwirke mir die Gnade, dass ich mich fest an Gott und an dich halte, deinem Sohn und dir treu diene, ihm als den Schöpfer, dir als der würdigsten Mutter meines Schöpfers; ihm als meinem Erlöser, dir als der Ursache meiner Erlösung. Denn wenn er für mich das Lösegeld bezahlt hat, so hat er es in dem Fleisch, das er von dir angenommen, ausbezahlt. O meine Mutter, schenke mir ein großes Vertrauen zu dir, und lass mich immer zu dir meine Zuflucht nehmen. Amen.

 

(Gehe oft, aber jedes Mal mit gehöriger Vorbereitung und wahrer Andacht zur heiligen Kommunion.)

 

Gebet am dreizehnten Tag

 

(heiliger Bernhard)

 

Unsere Herzen und Augen erheben wir samt unseren Händen zu dir, o Königin der Welt! – Siehe das Gewand, das uns umhüllt, das Kleid unserer Ahnfrau Eva ist es, das die Unglückliche einst auf uns vererbte, und womit sie, wie mit einem zwiefachen Mantel, das Fleisch ihrer Söhne zu ihrer Schmach umgab. – Und wer wird von diesem trübseligen Gewand der Verderbtheit uns erlösen? Die Gnade unseres Erlösers, deines Sohnes, o Maria! Der, dass er unsere Schwachheit trüge, selbst schwach wurde, und dass er der Tod unseres Todes würde, unschuldig für uns Sünder gestorben ist. Und wer ist so geeignet, zum Herzen unseres Herrn Jesus Christus zu reden, als du, o seligste Jungfrau, die du in den innigsten Umarmungen deines geliebten Sohnes Jesus im ewigen Mittag ruhst, und seines traulichsten Gespräches in voller Freudigkeit des Herzens genießt. Rede, o Herrin, denn dein Sohn hört, und was du immer verlangst, du wirst es erhalten. Rufe seinen gütigen Namen über uns an, dass wir von dem veralteten Aussatz des Fleisches und Geistes geheilt werden. Amen.

 

(Hüte dich vor lieblosen, verleumderischen und ehrabschneiderischen Reden, und suche dergleichen auch bei anderen zu verhindern. Übe dich fleißig in den Werken der leiblichen und geistlichen Barmherzigkeit.)

 

Gebet am vierzehnten Tag

 

(heiliger Petrus Damianus)

 

O Mutter meines Gottes, da ich dich kindlich grüße, bitte ich auch zugleich, dass du deine liebreichen und barmherzigen Blicke von mir nicht abwendest. Ich weiß, o erhabenste Gebieterin, dass du voll Güte bist, und uns Menschen mit solcher Liebe umfängst, die jede erschaffene Liebe übersteigt. O wie oft hast du den Zorn des göttlichen Richters besänftigt, wo er seinen strafenden Arm schon über uns ausgestreckt hatte. Alle Schätze der Barmherzigkeit Gottes sind in deinen Händen. Mögest du doch nie ablassen, bei Gott für uns zu sprechen, die du selbst Gelegenheit suchst, alle selig zu machen, und an deinen Erbarmungen teilnehmen zu lassen. Deine Herrlichkeit wird größer noch, wenn Sünder durch deine Vermittlung bei Gott Gnade und Verzeihung erlangen, und gerechtfertigt in die ewige Seligkeit eingehen. – Wende denn deine barmherzigen Augen auf uns, damit auch uns dieses Heil werde, und wir ewig deine Herrlichkeit schauen. Dies sei unser größtes Gut, unsere einzige Ehre, durch dich zur Anschauung Gottes zugelassen zu werden, nächst Gott dich ewig zu lieben, und hier unter deinem Schutz zu wohnen. Dein Sohn will dich dadurch ehren, dass er keine deiner Bitten unerhört lässt. Flehe also um diese einzige Gnade für uns. Amen.

 

(Erwecke oft, besonders in Leiden und Versuchungen Übungen des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe.)

 

Gebet am fünfzehnten Tag

 

(heiliger Bernhard)

 

O Mutter der Erbarmung! Du Mittlerin bei der Sonne der Gerechtigkeit. Siehe, vor dem furchtbaren Richter stehen wir Sünder, vor ihm, dessen zornentflammtes Schwert über unserem Haupt schwebt. Wer wird es abwenden von uns? Ach, niemand ist mehr geeignet, diesem Racheschwert des Herrn die Hand vorzuhalten, als du, geliebteste Tochter des himmlischen Vaters! Denn durch dich haben wir zuerst Gnade und Barmherzigkeit aus der Hand unseres Gottes empfangen. So öffne denn, o Mutter der Barmherzigkeit, öffne die Pforten deines mildesten Herzens den seufzenden Gebeten der Kinder Adams! Von allen Enden der Erde flüchten wir unter die Hut deines Schutzes vor dem Antlitz der Schrecken Gottes. Zu dir, o Königin, blicken weinend unsere Augen, zu dir rufen wir mit der Andacht lautestem Rufe, dass du sänftigest den Zorn unsres Herrn, deines Sohnes, den wir durch unsere Sünden entflammten, dass deine Gnade neuerdings seine Gnade uns erwerbe, die wir undankbar verscherzt haben. Neuerdings flehen wir um Heilung von ihm, durch dessen Wunden wir geheilt wurden, denn in Fäulnis und Verderben gingen unsere Narben über, und keine Gesundheit ist in uns. Siehe, o Jungfrau, und betrachte die schmerzenden Wunden unserer Seele; mit Vertrauen offenbaren wir unsere Sache dir. Amen.

 

(Erwecke jeden Abend vor dem Schlafengehen Reue über deine Sünden, und gedenke öfters deiner letzten Dinge.)

 

Gebet am sechzehnten Tag

 

(heiliger Andreas von Kreta)

 

O Mutter der Barmherzigkeit! Besänftige durch dein Gebet den gerechten Zorn deines Sohnes, und erwirke bei ihm, dass er sich über unsere allgemeine Not erbarme. Da du auf Erden lebtest, nahmst du einen kleinen Raum ein; jetzt aber da du in dem höchsten Himmel thronst, sieht dich die ganze Welt als die allgemeine Versöhnerin an. – Weil du so gütig bist, dasjenige nicht zu verachten, wodurch wir dich zu ehren suchen, o so verleihe uns für unsern ob auch schwachen Diensteifer den Beistand deines Gebetes, das uns erwünschlicher und kostbarer ist, als alle Schätze der Welt; deines Gebetes, das uns mit Gott versöhnt, und reichliche Gnaden zum Fortschreiten in der Tugend uns erwirbt; deines Gebetes, wodurch die Pläne unserer Feinde vereitelt, ihre Anschläge zernichtet, und ihre Rüstungen überwunden werden. – O Maria, auf dich setze ich mein Vertrauen; nächst Gott gründe ich auf dich meine Hoffnung. Amen.

 

(Erfülle treu die Obliegenheiten deines Standes; habe bei allen Geschäften Gott vor Augen, und bleibe in Vereinigung mit ihm.)

 

Gebet am siebzehnten Tag

 

(heiliger Alphons Maria von Liguori)

 

O Mutter der Schmerzen, Königin der Martyrer! Du hast um unseres Heiles willen so große Drangsal gelitten bei dem Tod deines Sohnes; was würde es uns aber frommen, wenn wir ewig zugrunde gingen? Erlange uns also um der Verdienste deiner Schmerzen willen, aufrichtige Reue über unsere Sünden, wahre Besserung des Lebens, und zärtliches, unaufhörliches Mitleid mit dem Leiden Jesu und deinen Schmerzen. Wenn dein Sohn und du, die ihr doch so unschuldig gewesen, so viel für uns gelitten habt, so lasst auch uns, die wir die Hölle verdient haben, etwas leiden. O unsere Gebieterin, rufen wir mit dem heiligen Bonaventura, wenn wir dich beleidigt haben, so übe Gerechtigkeit und verwunde unsere Herzen; wenn wir dir gedient haben, so bitten wir wieder, du wollest uns durch Leiden dafür belohnen. Schimpflich scheint es uns, unseren Heiland und dich, seine Mutter, verwundet zu sehen, und uns zu gleicher Zeit ohne Wunden zu erblicken. Endlich bitten wir dich, o unsere liebste Mutter, um des furchtbaren Schmerzes willen, den du ausgestanden, als du deinen geliebten Sohn das Haupt neigen und sterben sahst, erlange uns eine selige Sterbestunde. – O mächtige und liebreiche Fürsprecherin der Sünder, wir bitten dich, du wollest bei dem furchtbaren Übergang in die Ewigkeit nicht unterlassen, unserer armen, von Versuchungen bestürmten Seele beizustehen. Und weil uns dann in jenen entscheidenden Augenblicken, deinen und deines Sohnes Namen anzurufen, die ihr doch unsere ganze Hoffnung seid, vielleicht nicht vergönnt ist, so rufen wir euch schon jetzt an, damit ihr uns in der letzten Stunde beispringet, und sprechen deshalb: Jesus und Maria! Euch empfehle ich meine Seele. Amen.

 

(Ertrage mit Geduld und Ergebung jedes dir zustoßende Leiden, und opfere es, in Vereinigung mit den Leiden Jesu und Mariä, zur Genugtuung für deine Sünden Gott auf.)

 

Gebet am achtzehnten Tag

 

(heiliger Andreas von Kreta)

 

Ich grüße dich, o Gnadenvolle! Du bist die Ursache unseres wahren Trostes. Durch dich ist das Urteil unserer Verdammung widerrufen, und in ein erbarmungsvolles Wort der Gnade verändert worden! Ich grüße dich, o vortrefflichste und wahrhaft gebenedeite Jungfrau, die du zum Tempel der Herrlichkeit Gottes und zum geheiligten Palast des Königs der Himmel erwählt worden bist! Dein jungfräulicher Schoß ist das königliche Lager, in dem die Menschheit Jesu Christi mit der Gottheit so glücklich vereinigt wurde. In dir wurde Gott mit dem Menschen wieder ausgesöhnt; du bist das Kleinod des unsterblichen Lebens; der Himmel, in dem die Sonne der Herrlichkeit über dem Gesichtskreis dieses Lebens zu leuchten anfing; die himmlische Bundeslade des eingefleischten Wortes. – Ich grüße dich, Mutter und Gebärerin deiner eigenen Freude! Du bist in Wahrheit die einzig Gebenedeite, weil du vor allen deines Geschlechtes würdig warst, Mutter deines Schöpfers zu sein. Alle Geschlechter preisen dich selig, die Könige loben dich, die Fürsten huldigen dir, die Vornehmsten des Volkes tragen dir ihre Bitten vor, und die heiligen Jungfrauen rechnen es sich zur Ehre, dir zu folgen. – O Maria, wenn ich auf dich vertraue, werde ich selig sein, wenn ich unter deinem Schutz lebe, habe ich nichts zu fürchten; denn der Herr hat in deine Hände gelegt die Waffen des Heils, die er denen mitteilt, die er selig machen will. Amen.

 

(Verrichte fleißig dein Morgen- und Abendgebet, und empfiehl dich jedes Mal dem Schutz der göttlichen Mutter.)

 

Gebet am neunzehnten Tag

 

(heiliger Franz von Assisi)

 

Ich grüße dich, Maria, Mutter Gottes, immer Jungfrau, allerheiligste Königin und Gebieterin, in der die ganze Fülle der Gnaden und jede Art des Guten ist! Keine unter allen deines Geschlechtes vermag dich zu erreichen. Du bist die Tochter und Magd des himmlischen Vaters, des großen Königs. Dich hat er erwählt zur Mutter seines vielgeliebten Sohnes. Du bist die Braut des Heiligen Geistes, des Trösters. Sei gegrüßt du Palast, Tempel und Mutter unseres Herrn Jesus Christus! Ich verehre alle die Tugenden, mit denen du ausgerüstet bist. Du, die du so mild und so schön bist, bitte Jesus, deinen geliebtesten Sohn für uns, und beschwöre ihn durch seine unendlich große Barmherzigkeit, und durch die Kraft seiner heiligsten Menschwerdung und seines bitteren Todes, dass er uns verzeihe unsere Sünden. Amen.

 

(Bete täglich für die Bekehrung der Ungläubigen, und opfere dein Gebet durch das heilige und unbefleckte Herz Mariä dem Herrn auf.)

 

Gebet am zwanzigsten Tag

 

(heiliger Bonaventura)

 

O süßeste Jungfrau Maria, Himmel und Erde sind deiner Wohltaten voll! Wie wir einen höchst barmherzigen Herrn an Jesus haben, so haben wir an dir eine höchst barmherzige Mutter, denn eine Mutter von großer Gnade bist du für alle, die dich anrufen. Darum flehen wir aus vollem Herzen zu dir, und freuen uns deiner großen Barmherzigkeit. Alle Geschlechter segnen dich, weil alle Geschlechter durch dich gesegnet worden sind. Stehe uns bei, o fruchtbare Jungfrau, damit wir durch dich die Frucht des ewigen Lebens erlangen. Sei uns behilflich, o Liebste, dass der ewige Vater uns verleihe die Gnade, ohne Ende zu genießen der süßesten Frucht deines Leibes, Jesus, der mit dem Vater und dem Heiligen Geist lebt und regiert in Ewigkeit. Amen.

 

(Befleiße dich, deine Untergebenen, und andere, mit denen du umgehst, durch gute Beispiele zu erbauen, und bete oft für die Erhaltung der Unschuldigen und für Bekehrung der Sünder.)

 

Gebet am einundzwanzigsten Tag

 

(heiliger Aloysius)

 

Heilige Jungfrau Maria, unsere Führerin und unsere Königin! Siehe, wir wenden uns an dein erbarmungsreiches Herz, und übergeben dir Leib und Seele und alles, was uns angeht, und stellen es unter deine Obhut und unter deinen besonderen Schutz. Dir vertrauen wir, und deinen Händen überlassen wir alle unsere Hoffnungen und Tröstungen, alle unsere Trübsale und Bedrängnisse. Dir empfehlen wir unser ganzes Leben und vorzüglich sein Ende, auf dass durch deine heilige Fürbitte und durch deine Verdienste alle unsere Werke nach deinem und deines Sohnes Willen stets geordnet und gelenkt werden mögen. Amen.

 

(Sprich oft, besonders zur Zeit der Anfechtung zu dir selbst: Was werde ich in meiner Sterbestunde wünschen, getan zu haben? Nach der Antwort deines Gewissens magst du dann sicher handeln. Bete täglich ein Ave Maria, um die letzte Endesgnade zu erlangen.)

 

Gebet am zweiundzwanzigsten Tag

 

(heiliger Bernhard)

 

Schön, wie der Mond, wirst du genannt, o Maria! Und nicht ohne Grund wirst du mit ihm verglichen. Denn aus allen Gestirnen ist er der Sonne am ähnlichsten, und im lieblichen Silberglanz schimmert er heller als alle Gestirne. So glänzt im Himmel auch du, der Sonne deutlichstes Bild, in jungfräulicher Reinheit, lichtvoller als alle tausend Gestirne, die den Thron Gottes umglänzen. Das eingesogene Licht der Sonne ausströmend, erhellt der Mond unsere Nächte. Durch glanzvolle Beispiele von Gott dir eingeprägter Tugenden eiferst du zur Nachahmung uns an und erleuchtest die Nacht unserer Finsternisse. Du schlugst den Geist des Hochmutes unserer Stammmutter Eva mit dem Gipfel der Demut, die den Blick des Herrn so sehr auf dich zog, dass durch deren Verdienst er dich über alle Chöre der Engel zu erheben würdig hielt. Siehe, mit unseren glühendsten Wünschen geleiten wir dich zu deinem Sohn und folgten wenigstens von fern dir, o gebenedeite Jungfrau! Gib kund der Welt deine Milde, gib kund die Gnade, die du bei Gott gefunden hast. Auch uns, deinen Dienern, die wir am heutigen, festlichen und freudenreichen Tag, deinen lieben Namen anrufen, spende durch dich, o mildeste Königin, seine Gnade Jesus Christus, dem Fleisch nach dein Sohn, unser Herr und Gott, der in Ewigkeit gepriesen sei. Amen.

 

(Denke oft an die Freuden des Himmels und ermuntere dich durch diesen Gedanken zur treuen und standhaften Ausübung des Guten. Liebe die Demut und die tägliche Selbstverleugnung.)

 

Gebet am dreiundzwanzigsten Tag

 

(heiliger Petrus Damianus)

 

O heiligste Jungfrau! Komm denen zu Hilfe, die zu dir um Beistand flehen, wende dich gnädig zu uns herab. Wie wäre es möglich, dass du jetzt, da du in der Herrlichkeit so nahe am Thron Gottes bist, die Menschen vergisst, die, obgleich deiner unwürdig, doch deine Brüder und Schwestern sind? Fern sei von uns ein solcher Gedanke! Du weißt es, in welchen Gefahren du uns, nach deinem Abschied, hienieden zurückgelassen hast. Du kennst den gegenwärtigen jammervollen Zustand deiner Diener. Es kommt auch einer so edlen Mutter der Barmherzigkeit nicht zu, des Elends ihrer Kinder zu vergessen. – Gebrauche denn deine Macht zu unserer Rettung, denn derjenige, der da die Allmacht selbst ist, hat auch dich mächtig gemacht im Himmel und auf Erden. Du vermagst selbst in der Seele des an den Rand der Verzweiflung geratenen Sünders die Hoffnung des ewigen Lebens zu wecken. Du wirst auch umso barmherziger gegen uns sein, je größer die Macht ist, die der Herr dir gegeben hat. – O Maria, du kannst unsere Heiligung bewirken, wir hoffen sicher auf deine Hilfe. Amen.

 

(Wenn die Uhr schlägt, oder wenn du in irgendeine Gefahr gerätst, so sprich zuversichtlich mit dem seligen Alphons: Mater Dei, memento mei! Mutter Gottes, gedenke mein!)

 

Gebet am vierundzwanzigsten Tag

 

(heiliger Bernhard)

 

Wer wohl schwiege von deiner Erbarmung, o Jungfrau, der in seinen Nöten dich anrief, und Hilfe bei dir fand? Wir, deine geringen Diener, freuen uns deinetwegen ob deiner übrigen Tugenden, doch wegen dieser freuen wir uns vielmehr um unserer selbst willen. Wir preisen deine Jungfrauschaft, wir bewundern deine Demut, aber dem Elenden tönt die Erbarmung liebreicher; inniger umfangen wir die Erbarmung, öfter gedenken wir ihrer, rufen öfter sie an. Du verabscheust den Sünder nicht, so widerlich er auch sei; nimmer verachtest du ihn, wenn er seufzend und mit zerknirschtem Herzen dich um Vermittlung anfleht. Zurück reißt du ihn mit milder Hand vom Abgrund der Verzweiflung, und verlässt ihn nicht, bis du des Elenden Versöhnung bei dem furchtbaren Richter bewirkst. Und kein Wunder ist es, o Gebieterin, wenn dein liebevolles Herz so reichlich von dem Öl der Erbarmung überströmt, da jenes unschätzbare Werk der Erbarmung, das Gott von Ewigkeit zu unserer Rettung bestimmt hatte, von dem Urheber der Welt in dir bewirkt worden ist. – So rede denn für uns, o Gebieterin, denn dein Sohn hört dich, und was du immer begehrst, das wirst du erhalten. Amen.

 

(Bete oft mit der Kirche die schöne Antiphon: Salve Regina, und betrachte den zum Vertrauen erweckenden Inhalt.)

 

Gebet am fünfundzwanzigsten Tag

 

(heiliger Cyrillus)

 

Sei mir gegrüßt, o Maria, Mutter Gottes, ehrwürdige Beschützerin der ganzen Welt. Leuchte, die nicht erlischt, strahlende Krone der Jungfrauschaft, Zepter der wahren Lehre, sei mir gegrüßt! – Sei gegrüßt, Maria, die du in deinem jungfräulichen Schoß den Unendlichen und Unbegreiflichen trugst; durch die der allerheiligsten Dreifaltigkeit Ehre und Anbetung erwiesen wird; durch die das köstliche Kreuz des Erlösers auf der ganzen Erde erhöht ist; durch die der Himmel triumphiert, die Engel frohlocken, die höllischen Geister in die Flucht gejagt, der Versucher überwunden, das strafbare Geschöpf bis in den Himmel erhoben, die Erkenntnis der Wahrheit auf den Trümmern des Götzendienstes aufgepflanzt, die Gläubigen der Taufe teilhaftig, und mit dem Öl der Freude gesalbt werden; durch die alle Kirchen der Welt gestiftet, und die Völker der Erde zur Buße zurückgeführt worden sind. Sei gegrüßt, o Maria, durch die der einige Sohn Gottes, das Licht der Welt, jene, die da saßen im Schatten des Todes, erleuchtet hat. Amen.

 

(Weihe nach dem Beispiel vieler Heiligen den Samstag jeder Woche vorzüglicher Weise der Verehrung Mariä, und übe an diesem Tag einige Werke der Liebe, Abtötung und Gottseligkeit.)

 

Gebet am sechsundzwanzigsten Tag

 

(gottseliger Thomas von Kempen)

 

Mit Ehrfurcht, Andacht und demutsvollem Vertrauen will ich vor dich treten, o Maria, wenn ich dir den Gruß des Engels darbringen soll. Ich lege ihn hin mit gebeugtem Haupt, mit ausgespannten Armen, im zärtlichsten Gefühl der Andacht; und ich wünsche, dass alle himmlischen Geister ihn hundertfältig, und noch mehr für mich wiederholen. Alle, die deinen heiligen Namen lieben, hören mich, und merken auf meine Worte. Die Himmel erfreuen sich, und die ganze Erde werde von Staunen durchbebt, wenn ich sage: Gegrüßet seist du, Maria! Der Satan in der Hölle zittert, wenn ich wiederhole: Gegrüßet seist du, Maria! Die Traurigkeit schwindet, und neue Freude erfüllt meine Seele, wenn ich rufe: Gegrüßet seist du, Maria! Meine sinkende Liebe hebt sich, und meine Seele erneut sich, wenn ich bete: Gegrüßet seist du, Maria! So groß ist die Herrlichkeit dieses Grußes, dass es keine Worte gibt, sie auszusprechen. Neuerdings also werfe ich mich vor dir nieder, o Jungfrau aller Jungfrauen, um dir zu sagen: Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnaden! – Wer wird stillen meine Sehnsucht, dich zu ehren aus allen Kräften meiner Seele? Möchten alle meine Glieder feurige Zungen werden, um dich, o heilige Gottesmutter, zu preisen! Hingeworfen vor dir, durchdrungen von innigster Andacht und von heiliger Ehrfurcht gegen deinen Namen, opfere ich dir auf die Freude, die du empfandst, als der Erzengel Gabriel dich grüßte. Könnte ich doch mit einem Mund, rein wie Gold, und mit glühender Liebe beten: Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir. Amen.

 

(Bete wo möglich jeden Abend mit deiner Familie, oder, wenn dies nicht sein kann, allein den Rosenkranz.)

 

Gebet am siebenundzwanzigsten Tag

 

(heiliger Wilhelm, Bischof von Paris)

 

Zu dir flehe ich, o du vortreffliche Mutter meines Gottes! Nicht umsonst grüßt dich die ganze Kirche als die Fürsprecherin und die Zuflucht der Sünder, als die Mutter der Barmherzigkeit! Nein, man wird von dir, die du den Urquell aller Barmherzigkeit geboren hast, nimmer sagen können, dass du jemanden hilflos von dir entlässt. Wirst du den Sündern deine Fürsprache nicht zuwenden, da deine liebevolle Vermittlung Gott immer wohlgefällig und nimmermehr unwirksam ist? Du hast unzählige Male deine Milde gegen die elendsten Sünder bewiesen; du hast uns vollkommen überzeugt, dass wir auf deine Erbarmung sicher vertrauen, auf deine Güte hoffen, und in allen Nöten um deinen Schutz flehen dürfen. Ich bin daher versichert, du wirst viel nachdrücklicher für mich sprechen, als ich selbst imstande wäre, es zu tun, und mir größere Gnaden erwerben, als ich selbst begehren dürfte. O Mutter der Barmherzigkeit! Du hast noch keinen, der sich aufrichtig an dich wandte, von den Wirkungen deiner Güte ausgeschlossen; sollte ich der einzige Unglückliche sein, deinen Beistand, um den ich dich dringendst bitte, zu vermissen? – O Maria! Ich bin ja dein Diener; bewirke durch deine Vermittlung, dass ich selig werde. Amen.

 

(Befleiße dich, so rein und gottselig zu leben, wie es einem Diener der großen Himmelskönigin zusteht.)

 

Gebet am achtundzwanzigsten Tag

 

(heiliger Augustin)

 

Heilige Maria, Mutter Gottes und Jungfrau! Ich erwähle dich heute zu meiner Gebieterin, Beschützerin und Fürsprecherin, und bin fest entschlossen, dich nimmer zu verlassen, nimmer etwas zu reden oder zu tun, das dir zuwider wäre, und nimmer zuzulassen, dass von meinen Untergebenen gegen deine Ehre etwas geschehe. Überdies bekenne ich, dass deine heiligste Empfängnis durchaus unbefleckt und von jeder Makel der Erbsünde frei gewesen ist. Bei dieser frommen Gesinnung will ich fürderhin bleiben, öffentlich will ich mich zu ihr bekennen, und sie, so lange es mir gestattet sein wird, auch gegenüber anderen verteidigen. Nimm mich also auf zu deinem ewigen Diener, stehe mir bei in allen meinen Handlungen, und verlass mich nicht in der Stunde meines Todes. Amen.

 

(Wenn du je Zeit hast, so wohne täglich mit wahrer Andacht dem heiligen Messopfer bei.)

 

Gebet am neunundzwanzigsten Tag

 

(heiliger Bernhard)

 

Gedenke, o gütigste Jungfrau Maria, es sei ewig nie erhört worden, dass jemand, der zu dir seine Zuflucht genommen, deinen Beistand angerufen, und um deine Fürbitte gefleht hätte, von dir verlassen wurde. Durch solches Vertrauen aufgemuntert, wende ich mich zu dir, o Jungfrau der Jungfrauen, Maria, Mutter Jesu Christi. Zu dir komme ich, zu dir eile ich, vor dir stehe ich als sündiger Mensch seufzend und zitternd. Wollest nicht, o Mutter des ewigen Wortes, meine Worte verschmähen, sondern höre mich gnädig an und erhöre mich Armseligen, der ich aus diesem Tränental zu dir um Hilfe rufe. Stehe mir bei in allen meinen Nöten, jetzt und alle Zeit, besonders in der Stunde meines Todes, o gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria. Amen.

 

(Habe immer ein Bildnis Mariä in deinem Zimmer, verrichte vor ihm deine Andacht, und halte es in gebührender Ehre. An Samstagen besuche, wo möglich, eine Kirche oder einen Altar der göttlichen Mutter.)

 

Gebet am dreißigsten Tag

 

(heiliger Alphons Maria von Liguori)

 

O Maria, zärtlich liebende Mutter, ich bin ein armer Sünder, wie wird einst mein Ende sein? Wenn ich an jenen schreckenvollen Augenblick denke, wo ich vor dem Gericht Gottes erscheinen werde, und mich erinnere, wie oft ich durch meine Sünden das Urteil meiner Verwerfung selbst geschrieben habe, so bebt mein Herz und kalter Schauer durchrieselt meine Gebeine. O Trösterin der Betrübten, nimm dich mitleidig meiner an! Die göttliche Gerechtigkeit fordert Genugtuung. Was wird aus mir werden, und welches wird mein Schicksal in der Ewigkeit sein? Ohne dich bin ich verloren. Ach, erwirke mir von Gott wahre Reue über meine Sünden, und die Gnade, ihm in der Zukunft treu zu bleiben. Aber besonders dann, wenn die Schrecknisse des Todes mich überfallen werden, o Maria, meine Hoffnung, dann verlass mich nicht, dann halte aufrecht mein Vertrauen, damit das Bewusstsein meiner Missetaten mich nicht zur Verzweiflung bringe. O Königin der Barmherzigkeit! Verzeihe mir meine Keckheit, wenn ich dich bitte, dass du mich alsdann durch deine Gegenwart erfreuen wollest. Du hast dieselbe Gnade so vielen anderen erwiesen, auch ich bitte darum. Groß ist zwar die Gnade, um die ich bitte, aber noch größer ist deine Güte, womit du den Elenden zu Hilfe eilst. Auf diese deine Güte vertraue ich, o Maria! In jener Stunde werde ich deiner harren, lass mich in meiner Hoffnung nicht getäuscht werden. Amen.

 

(Gedenke oft deiner letzten Stunde, und was du dann wünschen wirst, getan zu haben, das tue jetzt. Bete täglich die Lauretanische Litanei, um durch die Fürbitte Mariä eine selige Sterbestunde zu erlangen.)

 

Schlussgebet zum einunddreißigsten Tag

 

(heiliger Germanus)

 

Heilige Maria, Mutter Gottes und unsere Königin! Du bist der einzige Trost, den Gott uns gewährt. Du allein bist jener himmlische Tau, der die Glut unserer Leiden vermindert! Du bist das Licht unserer Seele, wenn sie von Finsternis und Schrecken umgeben ist! Du bist unsere Führerin auf der Reise durch das Leben, unsere Kraft in der Schwachheit, unser Reichtum in der Armut, das Heilmittel für unsere Wunden, unser Balsam, wenn der Kummer uns Tränen auspresst, unsere Zuflucht im Elend und die Hoffnung unserer Seligkeit – durch Jesus Christus, deinen Sohn. O so erhöre denn unser Gebet und habe Mitleid mit uns, wie es der Mutter eines Gottes zusteht, der die Menschen so innig liebt. Erlange uns Erhörung unserer Bitten, indem du unsere Verteidigung und unsere Freude bist. Bewirke, dass wir würdig werden, dereinst mit dir an jener Seligkeit teilzunehmen, die du schon jetzt im Himmel genießt. Ach bewirke durch deine Fürsprache, dass wir in den Himmel kommen! O Maria, du bist mächtig, um die Sünder zu retten, und du bedarfst keiner anderen Empfehlung bei Gott, weil du ja die Mutter Gottes, unseres wahren Lebens bist. Amen.

 

 

Ave Maria (von G. Görres)

 

Maria! sei gegrüßt!

Die Gnade dich umfließt,

Du aller Frauen Zier!

Es ist der Herr mit dir;

Du bist gebenedeit,

O Jungfrau! alle Zeit;

Gelobt soll Jesus sein,

Die Frucht des Leibes dein;

O bitte für uns jetzt,

Im Tode auch zuletzt.