Inhalt:

 

1. Himmel

2. Herz Jesu

3. Heiligsprechung

4. Heiligenverehrung

5. Hoffnung

6. Hass der Welt gegen die christliche Religion

7. Hochachtung

8. Himmelfahrt Mariens

9. Hummel - Berta Hummel

10. Hölle

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1. Himmel

  

1. „Der Himmel ist alles Wert!“

 

Während der Christenverfolgung in China 1839 wurde auch eine Mutter mit ihrem fünfzehnjährigen Sohn vor den Mandarin geführt. Der Sohn wurde zuerst vernommen. Er hatte nur eine Antwort: „Ich bin ein Christ!“ Da spannten sie ihn auf die Folter, streckten ihm die Glieder und schlugen ihn so fürchterlich, dass er blutüberströmt liegen blieb. Seine Mutter stand daneben. Sie konnte den Schmerz über das furchtbare Leiden ihres Kindes nicht verbergen. Da sprach der Mandarin zu ihr: „Du bist doch eine grausame Mutter, eine wahre Rabenmutter bist du! Mit einem einzigen Wort könntest du dein Kind retten. Stattdessen siehst du kalten Blutes zu, wie dein Kind hingemartert wird.“ Der Mutter wollen die Worte das Herz zerreißen. Sie ist Mutter, aber sie ist auch Christin. So schwankt sie hin und her. Da ruft ihr Sohn ihr aus seinen Schmerzen zu: „“Mutter, weine nicht, der Himmel ist alles wert!“ Da schaut die Mutter zum Himmel auf und ruft: „O Herr, verzeih mir, dass ich einen Augenblick schwankte! Ich bin ein solches Kind nicht wert. Ja, Kind, um des Himmels willen geh mutig in den Tod. Ich segne dich. Mein Gebet folgt dir, meine Liebe, mein Mutterauge, bis es gleich dem deinigen im Tode bricht.“

 

2. Ein letztes Wort.

 

Die fromme Dichterin Luise Hensel sprach kurz vor ihrem Tod (+ 1876): „Bald ist es aus. Wie freue ich mich, meine teuren Freunde und Verwandten, die mir vorangegangen sind, wiederzusehen. Wenn ich dort bin, werde ich für euch alle beten.“

 

3. Ein inniger Wunsch.

 

Aus dem Kolleg der Jesuiten zu Kalksburg bei Wien schrieb ein Zögling in einem Brief vom 25. Oktober 1925 an seine ungläubige Mutter folgenden Schlusssatz: „Viele herzliche Handküsse von Deinem Sohn, der oft an Dich denkt, für Dich betet, Dich liebt und der dich wiederfinden möchte in dem Reich, dem er zustrebt.“

 

(Aus: Homiletisches Handbuch, Anton Koch, 1950, Band 11, Seite 452)

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2. Herz Jesu

 

Dem Herzen Jesu singe!

 

Ich hatte bitteren Kummer und ich hatte niemand, dem ich mich hätte aussprechen können; niemand, dem ich meine Seelenkämpfe und Stürme hätte anvertrauen mögen.

Ein Gefühl gänzlicher Verlassenheit überkam mich bei dem Gedanken, dass das Elternhaus mir täglich fremder und fremder geworden sei seit dem Tod meiner guten Mutter. An Vergnügungen, wie sie ein 18jähriges Mädchen wohl sucht, das nur ganz für die Welt erzogen, fehlte es nicht. Sonst aber blieb ich mir ganz selbst überlassen und täglich wurde es leerer und öder in meinem Herzen, an das die Gnade schon manches Mal vergeblich angeklopft hatte, bald leise, bald laut.

 

In dieser Seelenstimmung verließ ich eines Tages das Haus und unwillkürlich lenkte ich meine Schritte zum Gotteshaus. Dort, wo ich allsonntäglich die Liturgie mit anderen jungen Mädchen zusammen auf der Orgelbühne sang, wohin ich immer mit so freudigem Eifer eilte, wenn ein Konzert die Kirche bis zum letzten Platz füllte: dort wird es vielleicht still werden in meinem Innern, so dachte ich. Es drängte mich hin zu Gott, mit ihm wollte ich allein sein; er war es, den ich suchte, aber in Dunkelheit, und den ich nicht fand. „Verschlossen!“ kam es enttäuscht und tonlos über meine Lippen, als ich die Hand auf das schwere Schloss der Kirchentür legte; denn die Kirchen sind ja untertags verschlossen.

 

Fast mechanisch schritt ich weiter auf der schon im Abenddunkel liegenden Straße, mit den Tränen kämpfend, die heiß emporstiegen. Ich achtete nicht darauf, wie weit ich schon gegangen sei. Plötzlich aber blieb ich stehen, um den vollen Akkorden einer Orgel zu lauschen. Vergebens suchte ich beim Schein der Laterne die Kirche, in der eine solche doch nur sein kann; nur ein offener, dunkler Torbogen lag vor mir, in den ich eintrat. Ein enger Hofraum zeigte eine Tür, die nur angelehnt war; von dorther kam die Musik.

Leise schob ich die Tür ein wenig auf, durch eine zweite Tür schimmerte Licht und kurz entschlossen trat ich ein. – Welch eine glückliche Fügung! Ich stand in einer katholischen Kirche. – Dass eine solche sich in der kleinen, ganz protestantischen Stadt befand, hatte ich gar nicht gewusst.

 

Das Kirchlein selbst war eng und klein, aber sauber und freundlich wie ein Schmuckkästchen und die ewige Lampe vor dem kleinen Hochaltar erhellte mit ihrem rosigen Schimmer den düsteren Chor. Auf einem kleinen Seitenaltar stand eine Herz-Jesu-Statue und diese selbst war festlich geschmückt.

 

Eben setzte die Orgel wieder aufs neue ein und nun hörte ich, dass oben geübt wurde. Es musste nur ein kleiner Chor junger Mädchen sein. Die Altstimmen waren überwiegend stark; auch eine dritte Stimme fehlte nicht. Aber der Sopran klang schwach und wenig durchgreifend.

 

Trotzdem ergriff mich die süße Melodie des Liedes, sie klang mir in die Seele hinein. Wieder und immer wieder aufs neue übte man dasselbe Lied. Bald konnte ich es auch. Bei dem jubelnden Schluss eines jeden Verses hätte ich einstimmen mögen, um mit meiner vollen Stimme, die Gott mir gegeben hat, zu helfen, dass es doch noch jubelnder klingen möchte.

Dieser stille Wunsch sollte kein bloßer Wunsch bleiben. Gewissermaßen zu meiner Ermutigung knistert droben auf der Orgelbühne unter den Taktschlägen des Dirigenten ein loses Blatt. Nun flattert es langsam näher und näher von oben herab und fällt zu meinen Füßen zur Erde nieder.

 

Freudig bücke ich mich. „Dem Herzen Jesu singe,“ lese ich unter der einzigen Gasflamme; mit starker Schrift steht es über den schlecht geschriebenen Noten, aber ich lese sie schon. Wieder klopft der Taktstock oben – wieder dasselbe Lied.

 

Ich kann es nicht lassen, nicht länger in der Kehle zurückhalten, was aus tiefster Brust emporsteigt, und so singe ich denn aus voller Kehle und freue mich, dass es klingt. Die zweite Strophe wird mit gleicher Begeisterung gesungen. Ich höre lebhafte, gedämpfte Stimmen und nun kommt mit hastigen Schritten jemand die Treppe, die zur Orgelbühne führt, herunter. Eilig will ich mich zur Tür wenden, aber im nächsten Augenblick steht ein junges Mädchen meines Alters vor mir und sagt in etwas schüchternem, aber freundlichem Ton: „Ach, liebes Fräulein, der Herr Lehrer lässt Sie bitten, doch heraufzukommen und mit uns zu üben. Wir müssen das Lied morgen zur ewigen Anbetung hier singen. Aber unsere beste Sängerin ist krank geworden und wir sind nur so wenige. Herr Lehrer hat es sogleich herausgehört, dass Sie unten mitsangen.“ Ich war sehr verlegen und wollte auch nicht verraten, wer ich sei. Im Städtchen waren wir noch wenig bekannt, weil mein Vater vor kurzem erst dorthin versetzt worden war.

 

Aber das Lied, das schöne Lied, es war zu verlockend für mich, ich musste es können, wenn ich auch Protestantin war. – So stand ich denn gleich darauf in der letzten Reihe der kleinen Mädchenschar bei der Orgel. Meine anfängliche Verlegenheit verbarg ich hinter dem Notenblatt und sang tapfer mit.

 

„Also morgen pünktlich um 6 Uhr!“ sagte der Lehrer zum Schluss. Offenbar hatte er die Absicht, auf mich zuzukommen; ich bemerkte es. Jedoch, um dies zu verhindern, war ich die erste, die eilends die Kirche verließ.

 

Seltsam, - mit welcher Stimmung war ich doch gekommen und wie ging ich von dannen! Hatte ich mir das Leid von der Seele gesungen? Es schien so. Noch immer klang es jubelnd in mir nach:

 

„Gelobt, gebenedeit

Soll sein zu jeder Zeit

Das heiligste Herz Jesu,

In alle Ewigkeit.“

 

Und leise sang ich es vor mich hin, während ich durch die dunklen Straßen nach Hause eilte. Was die ewige Anbetung recht sei, wusste ich nicht. Ich dachte auch nicht viel darüber nach; aber mitsingen wollte ich das Lied für jeden Fall.

 

So kam es denn, dass ich am folgenden Tag wieder zwischen meinen jugendlichen Gefährtinnen auf der Orgelbühne stand, die mich, freundlich lächelnd, mit etwas neugierigen Mienen empfingen.

 

Wie so gerne hätte ich einen Blick hineingetan in das hellerleuchtete Kirchlein von oben herab, aber ich stand ganz im Hintergrund. Ich hörte unten den Priester beten und die Andächtigen antworten; ich sah am Hochaltar die Kerzen blinken, aber den guten Gott, den erbarmenden Heiland in der Monstranz, sah ich nicht. Wohl aber wird sein allsehendes Auge auf mir geruht haben. Ja, der mich da wieder mit so deutlicher Stimme gerufen hatte, er sah mich auch.

 

Nun kam unser Lied an die Reihe. Wie schön es klang, so frisch und jubelnd! Denn auch die erkrankte Sängerin hatte sich wieder eingefunden.

 

„Da haben sich aber der liebe Herrgott und die Engel im Himmel gefreut,“ sagte der Lehrer mit wohlwollendem Lächeln, als die letzte Schlussstrophe verklungen war. Er ahnte nicht, dass ein Ruf der Gnade mit diesem Lied ertönte – hinein in ein armes, zagendes und irrendes Menschenherz.

 

Leise und unbemerkt hatte ich mich wieder entfernt. Als ich aber auf der stillen, öden Straße stand, überkam mich plötzlich ein Empfinden, das ich nicht in Worte zu bringen vermag. Ich hätte lachen und weinen mögen zugleich.

 

Zu der stillen, freudigen Zuversicht, die mich plötzlich erfüllte, schlich sich ein Weh in meine Seele, das bitterstem Heimweh gleichkam und das mir geblieben ist, bis zu dem Tag, an dem ich endlich nach langem Ringen und Kämpfen aufgenommen wurde in den Schoß der heiligen katholischen Kirche. Einige Jahre darauf, nachdem ich anderswo verheiratet war, besuchte ich auf einer Reise auch das kleine, liebe Städtchen wieder. Mein guter Mann, der mich begleitete, erfüllte gern meine Bitte, mit mir das traute, liebe Kirchlein aufzusuchen, in dem ich einst so freudig mitgesungen hatte, obwohl ich gänzlich fremd war. Nun war ich nicht mehr fremd, denn überall, wo immer eine ewige Lampe glüht, sind wir zu Hause und die Kirchtür ist uns nicht verschlossen.

 

Deshalb störte es auch jetzt nicht die heilige Stille, als auf der Orgel das liebste meiner Lieder, das ich hier zum ersten Mal gesungen hatte, in jubelnden Akkorden gespielt wurde:

 

„Dem Herzen Jesu singe

Mein Herz in Liebeswonn`!“

 

Nach meiner Konversion hatte ich nach und nach all die schönen Lieder und Gesänge gelernt, die so viel beitragen zur Verherrlichung des Gottesdienstes. Anfangs war es mir immer hart gewesen, dass ich nur schweigend zuhören musste, wenn in der Kirche gesungen wurde. Aber ein Lied konnte ich, und als ich zum ersten Mal als Katholikin in stiller Anbetungsstunde vor dem heiligsten Sakrament kniete und mit den Augen des Glaubens das Herz erkannte, das für die ganze Welt in heißer Liebe sich erschloss, da sang ich mit wahrem Herzensjubel den Lobgesang mit, den die andächtige Menge anstimmte:

 

„Dem Herzen Jesu singe

Mein Herz in Liebeswonn`,

Durch alle Wolken dringe

Der laute Jubelton.“

 

und nie soll in meinem Herzen verklingen das dankende:

 

„Gelobt, gebenedeit

Soll sein zu jeder Zeit

Das heiligste Herz Jesu,

In alle Ewigkeit.“

        

Das heiligste Herz Jesu

 

Wie den schönen Maimonat, so begrüßt jedes katholische Herz auch den Junimonat mit inniger Freude. Weckt das zarte, hehre Bild der Maikönigin himmlische Frühlingswonne in unserer Seele, so entzündet die strahlende Sonne des göttlichen Herzens in uns das Feuer heiliger Begeisterung und dankbarer, opferwilliger Gottesliebe.

 

Den Kindern der Rosenkranzkönigin ist der Junimonat in besonderer Weise ein Monat heiliger Freude und himmlischer Gnade. Werden doch sie zum heiligsten Herzen Jesu, der Quelle aller Freude und aller Gnade, hingeleitet an der Hand derjenigen, der der nächste Zutritt zu derselben gebührt, die gleichsam den Schlüssel zu dieser Quelle in den Händen trägt. Steht nicht Maria dem Herzen ihres göttlichen Sohnes am nächsten, und ist nicht auch ihr Rosenkranz wirklich ein Schlüssel zum göttlichen Herzen Jesu? Er lehrt uns doch all die Geheimnisse der Liebe und des Opfers dieses göttlichen Herzens kennen; er zieht zugleich fortwährend die Strahlen der Gnade aus dieser Gnadensonne in unsere armen Herzen hinein.

 

Wollten wir darum zweifeln, dass gerade der Rosenkranz der beste Führer zum göttlichen Herzen Jesu sei, so brauchten wir uns nur daran zu erinnern, dass die heilige Maria Margareta Alacoque, deren sich der liebe Heiland bedienen wollte, um die Schätze seines göttlichen Herzens der heutigen Welt so besonders zu eröffnen, von Kind an sich eifrig im Rosenkranzgebet geübt hat; durch den Rosenkranz also hat der liebe Heiland sie gleichsam vorbereitet, die Offenbarung seines heiligsten Herzens zu empfangen. Oder erinnern wir uns daran, dass Papst Leo XIII., der die ganze katholische Welt aufgefordert hat, sich in feierlicher Weise dem göttlichen Herzen Jesu zu weihen, derselbe Papst ist, der vorher die ganze katholische Welt aufgefordert hatte, den Rosenkranz eifrigst zu beten. Oder denken wir ein wenig darüber nach, was der heilige Rosenkranz sei und was das göttliche Herz Jesu sei, so werden wir bald finden, dass das Rosenkranzgebet ein vorzügliches Mittel zur Betrachtung und Verehrung des göttlichen Herzens Jesu ist.

 

Wenn wir aber als Kinder der Rosenkranzkönigin ein besonderes Anrecht auf die Gnaden des Junimonates haben, so haben wir gewiss auch die besondere Pflicht, den Junimonat hindurch das göttliche Herz Jesu noch mehr als sonst zu verehren. Wir brauchen darum nicht notwendig viele neue Gebete zu verrichten, wohl aber sollen wir in diesem Monat beim Rosenkranzgebet selbst immer wieder auf dies göttliche Herz hinschauen, um dasselbe dankbar zu verehren, von ihm zu lernen und von den Flammen seiner Liebe entzündet zu werden. O wie wird die Königin vom heiligen Rosenkranz uns helfen, wenn wir im Juni also den Rosenkranz beten! Ich glaube, wir werden es erfahren, dass unser Herr zwar die Schlüssel des Himmelreiches dem heiligen Petrus übergeben hat, den Schlüssel zu seinem heiligsten Herzen aber seiner liebsten Mutter, der Rosenkranzkönigin.

 

Suche im Bild vom heiligsten Herzen Jesu die Züge dessen, den es darstellen will. Auf der Wolke in der Glorie steht voll Majestät, aber doch auch voll Milde der Erlöser und was sein göttliches Herz mit Wunde, Dornenkrone, Kreuz und Flammen dir sagen will. Dasselbe sagt dir sein Blick und sagen dir seine ausgebreiteten Arme. Spricht er hier aus der Tiefe seines hohepriesterlichen Herzens wiederum das hohepriesterliche Gebet für die Seinigen wie am Vorabend vor seinem bitteren Leiden, oder ist es sein mildes Vaterherz, das uns liebreich mahnend zuruft: Lernet von mir Sanftmut und Demut des Herzens! Oder ist es das Herz des treuesten, edelsten Freundes, weit und groß, erbarmungsvoller als das Mutterherz, das uns einlädt: „Kommet alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid, und ich will euch erquicken!“ Es ist wohl alles dies zugleich und noch mehr: die unendlich reiche Liebe eines Gottes, der menschliche Natur und ein menschliches Herz hat annehmen wollen, um uns armen Sündern seine Liebe zu offenbaren und unser armes Herz, das in törichter Liebe so unglücklich geworden ist, durch die Liebe zu ihm zu reinigen, zu heiligen und ewig glücklich zu machen.

Ein schönes Bild kann, ja soll uns besonders im Junimonat helfen, dass wir fleißig an das göttliche Herz unseres Erlösers denken. Ich wüsste noch ein anderes Mittel, das uns hierzu gerade beim Rosenkranzgebet recht schön helfen kann. Andere Geheimnisse als die gewöhnlichen beim Rosenkranzgebet einführen zu wollen, ist wohl nicht zu empfehlen; es ist auch überflüssige Mühe, weil in den bekannten 15 Geheimnissen (seit dem Heiligen Vater Johannes Paul II. 20 Geheimnissen) alle anderen enthalten sind, die wir sonst eventuell verehren möchten. Ebenso sollte man für gewöhnlich in das „Ave Maria“ keine fremdartigen Einschaltungen machen. Aber nach den einzelnen Gesätzen des Rosenkranzes, also jedes Mal nach dem „Ehre sei dem Vater“ darf man immer irgend eine passende Einschaltung hinzufügen, z.B. ein entsprechendes Stoßgebetchen zum heiligsten Herzen Jesu ganz ausgezeichnet zu jedem der 15 Rosenkranz-Geheimnisse. Besonders würde sich das Stoßgebetlein eignen: „Ehre, Liebe und Dank dem heiligsten Herzen Jesu.“ Für dieses Gebet hat der Heilige Vater Pius X. (8. Januar 1908) einen Ablass bewilligt, so oft man es verrichtet.

Dies mache dir zur Gewohnheit, du wirst dann um so leichter dich daran erinnern, dass an deinem Rosenkränzlein ein geheimnisvolles Schlüsselchen zum heiligsten Herzen Jesu hängt.

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3. Heiligsprechung

 

Nicht immer wurde die Heiligsprechung der Diener Gottes in der feierlichen Weise vorgenommen, wie sie heute zu geschehen pflegt. Im christlichen Altertum wurden die Namen derjenigen Blutzeugen, die um des Namens Christi willen im standhaften Bekenntnis ihres Glaubens den Martertod erlitten hatten, vom Papst und den Bischöfen in das Verzeichnis der im Kanon der Heiligen Messe zu nennenden Heiligen eingetragen. Daher nennt man die Heiligsprechung auch Kanonisation. Die Bischöfe schickten sich gegenseitig die Martergeschichten von denen, die in ihrem Bistum als Heilige verehrt wurden, zu. Auf diese Weise wurde die Verehrung dieser Heiligen nach und nach allgemein. Als die Christenverfolgungen aufhörten, fingen die Bischöfe an, auch das heilige Leben und die Wunder ausgezeichneter Bekenner aufzuzeichnen. Um solchen hervorragenden Dienern Gottes die Auszeichnung der kirchlichen Verehrung zu verschaffen, wandte man sich entweder an den Papst oder auch an den Diözesanbischof mit der Bitte, die Errichtung eines Altares zu ihrer Ehre oder die Feier der Heiligen Messe über ihrem Grab gestatten zu wollen. Gab der Papst diese Ermächtigung, so galt sie als Heiligsprechung und hatte Kraft für die ganze Kirche. Gab sie der Bischof, so galt sie nur als Seligsprechung, d.h. als Erlaubnis, den Heiligen innerhalb der Grenzen des betreffenden Bistums verehren zu dürfen. Diese Art, heilig und selig zu sprechen, dauerte bis in das zehnte Jahrhundert. Papst Johann XV. (985-996) führte die jetzige Form der Heiligsprechung ein. Die römischen Päpste haben zu allen Zeiten die Heiligsprechung als ein Werk betrachtet, das mehr vom Urteil Gottes, das sich durch Wunderzeichen kundgibt, als von menschlicher Ansicht abhängt. Sie haben sie deswegen stets mit größter Behutsamkeit und mit der reifsten Überlegung behandelt. So verordnete Papst Alexander III. (1159-1181), dass man niemand mehr öffentlich als einen Heiligen verehren solle, der nicht nach dem Ausspruch der römischen Kirche als solcher anerkannt sei. Weil aber mehrere Bischöfe in ihren Sprengeln die Verehrung einiger im Ruf der Heiligkeit verstorbenen Diener Gottes ihrem Volk doch erlaubten und somit eine Art Seligsprechung vornahmen, so entschied Papst Urban VIII. im Jahr 1625 diesen Punkt unabänderlich dahin, dass er alle Selig- und Heiligsprechungen dem apostolischen Stuhl vorbehalte.

 

Die Andersgläubigen machen sich gern über die Heiligsprechung lustig, aber es gibt in der ganzen Welt keinen Gerichtshof, wo man mit solcher Sorgfalt und Genauigkeit verfährt, wie in Rom bei der Untersuchung der Heiligkeit eines Dieners Gottes. Die Heiligkeit seines Lebens, sowie der Tatbestand von Wundern, die auf die Fürbitte des Dieners Gottes gewirkt sind, muss durch die zuverlässigsten Zeugen erwiesen sein, ebenso wird gründlich untersucht, ob in jener Tatsache eine übernatürliche Wirkung anzuerkennen sei. Die erfahrensten Ärzte werden zu Rat gezogen, ein öffentlicher Anwalt macht alle erdenklichen Einwürfe, und solange diese nicht vollkommen gelöst sind, fällt der Päpstliche Stuhl kein Urteil über die Wirklichkeit der Wunder.

 

Mit welcher Strenge man bei dem ganzen, oft viele Jahre dauernden Prozessen zu verfahren pflegt, mag folgende Begebenheit dartun: Kardinal Lambertini, der später unter dem Namen Benedikt XIV. die Kirche regierte, war eben mit Durchlesung eines solchen Prozesses beschäftigt, als zwei vornehme englische Protestanten ihn besuchten. Während der Unterredung wurde er plötzlich abberufen. Er bat seine Gäste, auf ihn zu warten und fügte bei: „Wenn Sie diese Akten prüfen wollen, so werden Sie die Zeit weniger lang finden.“ Der Vorschlag wurde gern angenommen, und während der ziemlich langen Abwesenheit des Kardinals wurde alles durchgesehen und geprüft. „Was halten Sie von diesen Verhandlungen?“ fragte der Kardinal bei seiner Rückkehr. „Wenn die Person, von der hier die Rede ist, nicht heiliggesprochen wird, so kann niemand heiliggesprochen werden“, antworteten die beiden Engländer. – „Finden Sie also die Beweise hinreichend?“ – „Mehr als hinreichend.“ – „Nun so wissen Sie denn“, versetzte der Kardinal, „dass wir von allen diesen Wundern kein einziges als gültig angenommen haben, weil sie nach unserem Urteil noch nicht genügend erwiesen sind.“

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4. Heiligenverehrung

 

Seitdem die Lehre Luthers Eingang fand, wurden viele Kirchen in vielen Städten und Dörfern dem katholischen Gottesdienst entzogen, und die Gräber der Heiligen in diesen Kirchen werden von den Protestanten nicht besucht, um den ehemaligen Patron um seine Fürbitte anzurufen, sondern man staunt höchstens die kunstreichen Grabdenkmale an, wenn sie nicht zerstört wurden, und manche drücken ihr spöttisches Bedauern aus, dass solche Denkmale, Kirchen und Kapellen einst einem „einfältigen“ Heiligen geweiht waren. Da bis heute noch von Seiten unserer Glaubensgegner manche Einwendungen gegen die Verehrung der Heiligen erhoben werden, so lohnt sich sicher die Mühe, sie hier zu beleuchten.

 

1. Die Gegner der katholischen Kirche beschuldigen sie eines unchristlichen Götzendienstes. Mit Unrecht, denn niemals hat die Kirche gelehrt, dass man den Heiligen göttliche Ehre erweisen dürfe. Keine Kirchenversammlung, kein Katechismus, kein Religionshandbuch hat im Lauf der christlichen Jahrhunderte je eine Anbetung der Heiligen gelehrt. Den dreieinigen Gott allein beten wir an, die Heiligen verehren wir nur. Zwischen Anbetung und Verehrung ist aber ein Unterschied, wie zwischen Himmel und Erde, zwischen Schöpfer und Geschöpf. Ehrt man in der Welt die Frauen und Männer, die sich durch Wissenschaft, Kunst und große Taten auszeichneten, feiert man ihre Geburtstage, preist man ihre Verdienste und setzt man ihnen Standbilder, warum soll es der Kirche verwehrt sein, die Tugend und Heiligkeit zu ehren, worin die wahre Größe des Menschen besteht? Gott verehren wir um seiner selbst willen, die Heiligen um Gottes willen, weil sie durch seine Gnade groß geworden sind. Verkündet die sichtbare Welt Gottes Macht, Weisheit und Güte, so offenbart sich in den Heiligen Gottes Gnade und Heiligkeit. „Gott ist wunderbar in seinen Heiligen.“ Indem wir die Heiligen ehren, verherrlichen wir umso mehr denjenigen, durch den sie heilig geworden sind. – Liegt in der Anrufung der Heiligen vielleicht ein Misstrauen gegen Gott? Nein, von Gott erwarten wir alles. Aber warum sollten wir die Fürsprache seines treuen Dieners verschmähen? Wendet sich doch ein Bürger gern an einen verdienten Staatsmann, um durch seine einflussreiche Fürsprache eine Hilfe zu erhalten. Sollte nicht das Gebet eines erprobten Heiligen bei Gott mehr vermögen, als das Bitten eines Sünders? Der heilige Jakobus (5,16) antwortet: „Das Gebet des Gerechten vermag viel bei Gott.“

 

2. Man wirft der katholischen Kirche vor, durch die Verehrung der Heiligen werde Jesus Christus gering geschätzt, und man will nur ihn als Mittler gelten lassen. Welch ein ungerechter Vorwurf! Wo wird die Gottheit Christi treuer geglaubt? Wo wird seine Mittlerschaft lauter verkündigt, als in der katholischen Kirche? Niemals hat die katholische Kirche gelehrt, ein Heiliger, etwa Petrus oder die Mutter Gottes könne für unsere Sünden genugtun. Nur Christus verdanken wir unsere Erlösung und einstige Verherrlichung. Wie könnten wir jemals die Begnadigten an die Stelle des Gnadenspenders, die Erlösten an die Stelle des Erlösers setzen? Fleht Mose für sein Volk um Abwendung der Strafe, mahnt Paulus die Gläubigen, dass sie ihm mit ihren Gebeten bei Gott helfen möchten, warum sollten die Verklärten weniger vermögen?

 

3. Unsere Gegner behaupten noch, die Menschen auf Erden ständen in keinem mit den Heiligen und diese könnten nicht wissen, was auf Erden vorgeht. Ihnen antwortet der göttliche Heiland: „Ihr irrt und versteht weder die Schrift noch die Kraft Gottes. Gott ist kein Gott der Toten, sondern der Lebendigen.“ (Mt 22,29,32) Wir alle sind Glieder eines Leibes, dessen Haupt Christus ist. So gewiss die Heiligen mit ihrem Haupt jenseits verbunden sind und bleiben, so gewiss stehen sie auch mit uns auf Erden in Verbindung. Sollte das Band der Liebe zwischen uns zerrissen sein? Sie haben auf Erden für ihre Brüder und Schwestern gebetet, gekämpft, gearbeitet, sollten sie ihrer jetzt vergessen? Nein, ihre Liebe ist noch größer geworden, seitdem sie zum Urquell der Liebe gelangt sind. – Aber wissen die Heiligen um uns? Hören sie unsere Gebete? Gott hat seinen auserwählten Dienern schon auf Erden oft eine wunderbare Kenntnis gegeben. Er ließ die Propheten in die Zukunft schauen; er offenbarte dem Petrus die Herzen von Ananias und Saphira; er entrückte Paulus in den Himmel; er öffnete das Geistesauge des heiligen Johannes, dass er das himmlische Jerusalem und die Zukunft der Kirche sah. Soll Gott nicht bei den Verklärten ein Gleiches und unendlich mehr tun können? Die Bekehrung des Sünders ist eine innere Tat, und doch versichert Jesus selbst, dass „unter den Engeln des Himmels Freude ist über einen einzigen Sünder, der Buße tut.“ Wie Gott den Heiligen unsere Gebete und Anliegen mitteilt, wird uns dereinst klar werden. – Die Verehrung der Heiligen ist somit vollkommen gerechtfertigt. Danken wir Gott, dass er uns in den Heiligen erprobte Vorkämpfer gegeben hat. Ahmen wir ihrem Tugendleben nach. Arbeiten, kämpfen, leiden wir, wie sie. Rufen wir sie recht oft um ihre Fürbitte an, damit auch wir unsere Laufbahn glücklich vollenden und einstens in ihrer Gesellschaft die ewigen Wonnen genießen mögen.

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5. Hoffnung

 

Die christliche Hoffnung

 

Wir werden in Tränen geboren, wir leben unter Dornen, wir sterben in Schmerzen. Dies ist unser Lebenslauf. Wenn uns nicht die Erwartung eines glückseligeren Loses aufrechterhielte, wie unaussprechlich groß wäre unser Unglück. Die Hoffnung allein ist noch unsere Stärke und Stütze, sie tröstet uns in allen Leiden des Lebens, sie versüßt uns alle Bitterkeit des Todes, sie eröffnet uns die Aussicht auf ewige Güter. Die christliche Hoffnung. Wundern wir uns darum nicht, dass viele Märtyrer die grausamsten Quälereien freudig ertrugen, die Hoffnung ewiger Freuden überwand die kurzen Leiden des hinfälligen Lebens.

 

1. Die Hoffnung gibt Trost in allen Leiden. Was ist unser Leben auf Erden? Eine fortlaufende Kette von Leiden und Traurigkeiten. Unser Weg ist mit Dornen und Kreuzen besät, Tränen sind unser täglich Brot, wir schwimmen in einem Strom von Bitterkeiten, unsere Großeltern und Eltern verlassen uns, unsere Freunde verraten uns, die Kinder gehen ihrer Wege, unsere Pläne missraten, die Gesundheit weicht der Krankheit, die Freude dem Leid, die Ruhe der Verwirrung. Leiden sind das Erbteil der Kinder Adams und Evas. Von der Wiege bis zum Grabe, vom Zepter bis zum Bettelstab, zu allen Zeiten, unter allen Ständen gibt es Leiden. Könnten wir heimlich die Familien in den Palästen wie in den Hütten der Armen belauschen, wie viele Klagetöne, Seufzer und Jammer würden wir hören. Wie viele bekümmerte Väter, trostlose Mütter, misshandelte und vernachlässigte Kinder, in Tränen schwimmende Ehefrauen, Kranke auf ihrem Schmerzenslager, Arme in Dürftigkeit, Gefangene in Fesseln, verzweifelnde Unglückliche würden wir antreffen. – O Gott der Güte! Lässt du keinen Lichtstrahl in diese Finsternis dringen? Ja, doch! Du gibst uns die Hoffnung als lindernden Balsam in unserem Elend. Welch ein Trost, wenn wir uns sagen können: noch umfängt uns die Nacht dieser Zeit, noch leben wir in diesem Tal der Tränen, noch weinen und klagen wir in Not und Verzweiflung, aber nur noch kurze Zeit! Lust und Trauer, Freude und Bedrängung, alles nimmt ein Ende. Warum sollen wir uns niederbeugen lassen? Einst kommt der Tag, wo das Maß der vergänglichen Übel voll ist und wo die endlosen Freuden beginnen. O Hoffnung der Ewigkeit! Du wischst die Tränen von meinen Augen und machst mein Leid erträglicher. Wer weiß, wie bald der ersehnte Tag anbricht? Noch habe ich Sünden zu büßen, noch muss ich die Krone verdienen, noch muss ich pilgern in der Fremde, aber in der Ferne winkt mir schon das liebe Vaterhaus, wo der gütigste Vater seine Arme nach mir ausbreitet. Gern will ich den Leidenskelch trinken, den mir die christliche Hoffnung versüßt.

 

2. Die christliche Hoffnung verscheucht die Schrecken des Todes. Dem Heiden und Ungläubigen ist der Tod ein Sinnbild der Vernichtung und deshalb stellt er ihn dar als eine erlöschende Fackel, als eine zertrümmerte Säule, als eine dunkle Nacht, der kein Morgen mehr folgt, aber dem gläubigen Christen erscheint der Tod als ein Gottesbote, der ihn aus dem Land der Trübsal in die glückliche Heimat hinüberführt. Die christliche Hoffnung hebt den schwarzen Schleier von dem ernsten Grab und zeigt uns eine schöne, unermessliche Zukunft. Im Licht der christlichen Hoffnung verschwinden die Schrecken des Todes, denn wir haben nichts verloren, wenn wir Gott und seine Freundschaft bewahrt haben. Was uns der Tod raubte, finden wir viel reichlicher und schöner jenseits des Grabes wieder. Der Augenblick des Todes ist der Anfang eines neuen Lebens. Wir verlassen ein mühseliges und sterbliches Leben, um ein freudenvolles und unsterbliches zu gewinnen. Mit unserer Geburt steigt die Seele in ein Gefängnis, mit unserem Tod erhält die Seele die Freiheit der Kinder Gottes. – Wohl trennt uns der Tod von allem, was uns auf Erden lieb und teuer war, aber die christliche Hoffnung erleichtert auch diesen Schmerz. Du klagst bitter über den Tod deines geliebten Vaters, deiner geliebten Mutter, aber gönne ihnen doch die Ruhe im Vaterschoß Gottes. Du stehst weinend am Grab eines guten Freundes, aber sei getrost, du wirst ihn wiedersehen. Du Mutter kannst dich nicht finden in den Verlust deines liebsten Kindleins, aber dein Kind lebt ja im höchsten Glück. Trauernde Frau, dein Herz ist tief verwundet durch den Heimgang deines guten Mannes, aber du wirst wieder mit ihm vereinigt werden, wenn du dich nur noch kurze Zeit geduldest, und dann gibt es keine Trennung mehr. Wer du auch bist, lass die Hoffnung nicht fahren, betrachte dein Ziel, schau auf die Krone. In dieser schönen Erwartung magst du die Widrigkeiten als Gnaden, die Schwierigkeiten als Gunstbezeugungen, die vergänglichen Schmerzen und Krankheiten als die Quelle unveränderlicher Güter, den Tod selbst nur als den Übergang zu einem unsterblichen Leben hinnehmen. – O Gott der Güte! Deine Verheißungen sind die Unterpfänder wunderbarer Hoffnung. Kräftige sie in uns durch den Glauben, belebe sie durch die Liebe. Gib, dass wir sie durch unsere Werke, durch unsere Gebete, durch ein heiliges Vertrauen auf deine Güte und durch gänzliche Hingabe an deine Vorsehung aufrechterhalten. Noch einige Jahre der Prüfung und des Kampfes auf Erden, und wir werden im Triumph zum Himmel emporsteigen. Amen.

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6. Hass der Welt gegen die christliche Religion

 

Der Geist Gottes und der Geist der Welt stehen miteinander im Widerspruch und lassen sich ebensowenig miteinander vereinigen, wie Feuer und Wasser. Der Geist Gottes will den Menschen zu edlen Taten, zu schönen Tugenden begeistern und als Lohn den Himmel mit all seinen Freuden schenken, der Geist der Welt will das irdische Leben möglichst ausnutzen und allen Leidenschaften frönen, weil er entweder an seine Ewigkeit nicht glaubt oder die Stimme des Gewissens und des Verstandes im Sinnentaumel erstickt. Der Geist Gottes hat die Religion der Wahrheit und Liebe zum Segen der Völker zu verbreiten gesucht, aber der Geist der Welt fördert Lüge, Gottlosigkeit und Verderben, und würde, wenn es in seiner Macht stände, mit einem Schwertstreich alle christliche Religion aus der Welt schaffen. Ergründen wir, woher der Hass der Welt gegen die christliche Religion kommt und wie wir ihn bekämpfen können.

 

1. Seitdem unsere Stammeltern trotz der Warnung Gottes dem Lügengeist Gehör gaben und von der verbotenen Frucht aßen, folgten die meisten Menschen mehr den sündhaften Leidenschaften, als dem göttlichen Gebot. Das ganze Heidentum ist eine Ausgeburt der Hölle, nur ein geringer Teil der Menschheit betete noch in Glaube und Liebe den wahren Gott an. Christus erschien als Erlöser der sündigen Welt und sendete seine Apostel als Boten der Wahrheit und als Spender seiner Gnaden, und wunderbar waren ihre Erfolge. Die ersten Christen hatten alles gemeinsam und waren ein Herz und eine Seele. Wie segensreich hat die christliche Religion in allen folgenden Jahrhunderten gewirkt. Die wilden Völkerschaften wurden in friedliche Landbebauer umgewandelt, die Sitten gemildert, die blutigen Altäre in Stätten des Friedens, die Wüsten in ein Paradies umgeschaffen, die Sünder zu Heiligen bekehrt. Woher kommt nun der Hass gegen eine Religion, die so viel Glück und Segen verbreitet, so viel Armen und Leidenden Trost und Hilfe bringt? Es kommt daher, weil das Ziel und Streben des Christen von dem der Welt gänzlich verschieden ist. Der Christ verfolgt ein ewiges, die Welt ein irdisches Ziel. Die Welt sucht ihr Ziel durch Entfesselung irdischer Triebe und Leidenschaften, der Christ durch ihre Unterdrückung und Beherrschung. Im Christentum gilt der Grundsatz, wie ihn der heilige Apostelschüler Klemens in seinem Sendschreiben an die Korinther ausspricht: „Einer sei dem anderen untergeben nach der Gnadengabe, die einem jeden verliehen ist. Der Starke verachte nicht den Schwachen, der Schwache erweise Achtung dem Starken. Der Reiche gebe dem Armen, der Arme danke Gott, dass er ihm einen gab, der seinem Mangel abhelfe. Der Weise zeige seine Weisheit nicht in Worten, sondern in guten Taten. Der Demütige gebe sich nicht selbst Zeugnis, sondern lasse einen anderen von sich zeugen. Wer enthaltsam ist, erhebe sich deshalb nicht, sondern wisse, dass es ein anderer ist, der ihm die Gabe der Enthaltsamkeit verliehen hat. Da wir alles von unserem Schöpfer haben, sollen wir ihm alles danken.“ Wie stehen diese Ermahnungen zur Enthaltsamkeit und Selbstverleugnung, zur Demut und Dankbarkeit in Widerspruch mit der Habsucht, Eigensucht und Hoffart der Welt. Können wir uns da wundern, dass die Kinder der Finsternis die Kinder des Lichtes anfeinden? „Wer aus Gott ist, hört auf Gottes Wort. Darum hört ihr nicht darauf, weil ihr nicht aus Gott seid.“

 

2. Fragen wir nun, wie wir den Hass der Welt gegen die Religion Jesu Christi bekämpfen sollen. Die Heiligen handelten nach dem Wort des Herrn: „Wer mich vor den Menschen bekennen wird, den will ich bekennen vor meinem Vater, der im Himmel ist.“ Auch wir müssen unseren Glauben freimütig bekennen und ihm gemäß leben, wenn wir Anteil an Christus haben wollen. „Niemand kann zwei Herren dienen. Ihr könnt nicht Gott und dem Mammon zugleich dienen.“ „Ich bin der Herr, dein Gott. Du sollst keine fremden Götter neben mir haben.“ Und der göttliche Heiland hat das Grundgesetz seiner Religion in dem Hauptgebot zusammengefasst: „Du sollst den Herrn deinen Gott lieben aus deinem ganzen Herzen, aus deiner ganzen Seele, aus deinem ganzen Gemüt und aus allen deinen Kräften.“ Also ganz will Gott den Menschen haben mit Leib und Seele, mit allen seinen Kräften und Fähigkeiten. Ebenso erklärt er: „Wer nicht für mich ist, ist gegen mich. Wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut.“ Als Alexander der Große den Darius, König von Persien, besiegt hatte, ließ der ihm die Hälfte seines Reiches anbieten. Alexander aber ließ ihm zurücksagen, in einem Königreich könnten ebensowenig zwei Könige regieren, wie zwei Sonnen am Himmel leuchten können. Er wolle nicht einen Teil, sondern das ganze Königreich. Sollte nun der unumschränkte Herr des Himmels und der Erde, dem wir mit Leib und Seele angehören, zufrieden sein, wenn wir uns ihm nur halb schenken? Nie und nimmer. „Wisset ihr nicht“, schreibt der heilige Jakobus, „dass die Freundschaft dieser Welt Feindschaft gegen Gott ist? Wer also Freund dieser Welt sein will, der wird ein Feind Gottes.“ (Jak 4,4)

Du musst dich demnach entscheiden: entweder für Gott oder für die Welt, entweder für Christus oder für Belial. Ein ernstes furchtbares Entweder-Oder, denn es entscheidet über eine glückselige oder unglückselige Ewigkeit. Dienst du der Welt oder dem Satan, so wird ewige Finsternis und Hölle dein Anteil sein. Dienst du aber Gott, so wird dir ewige Himmelsfreude beschieden. Leben und Tod ist dir vorgelegt. Wähle das Leben. Amen.

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7. Hochachtung

 

Über die Hochachtung, die wir Maria schulden

 

„Maria, von ihr wurde Jesus geboren, der der Christus (der Messias) genannt wird.“

Mt 1,16

 

Nach Gott, dem allein als dem höchsten, vollkommensten Wesen jene allerhöchste Hochachtung und Verehrung gebührt, die die Kirche mit dem besonderen Namen Anbetung bezeichnet, schulden wir unstreitig Maria die höchste Hochachtung, die nur immer einem Geschöpf zukommen kann. Damit nun diese Hochachtung gegenüber Maria sich unserem Geist und Herzen immer tiefer einpräge und sich in unserem Leben immer vollkommener bekunde, erwägen wir mit gläubigem Sinn:

 

I. worauf sich diese Hochachtung gründet und

II. wie wir diese Hochachtung ihr bezeugen können.

 

I. Die Hochachtung gegenüber Maria gründet sich auf die außerordentlichen Vorzüge, wodurch Gott sie vor allen übrigen Geschöpfen ausgezeichnet hat. Diese Vorzüge sind so zahlreich und erhaben, dass deren bloße Aufzählung schon genügt, um uns die größte Hochachtung gegenüber der Himmelskönigin zu verleihen.

 

1. Der erste Vorzug Marias ist ihre unbefleckte Empfängnis. Nach der unfehlbaren Lehre der Kirche wurde Maria mit Rücksicht auf die überreichen Verdienste ihres göttlichen Sohnes durch eine glorreiche Ausnahme in ihrer Empfängnis vor aller Makel der Erbsünde bewahrt und zugleich durch solch eine Überfülle von Gnaden geheiligt, dass sie alle Engel an Heiligkeit weit übertraf.

 

2. Der zweite Vorzug Marias ist ihre reinste Jungfräulichkeit. Sie war eine Jungfrau und zwar allezeit. Aus freier Wahl weihte sie durch ein Gelübde ihre Jungfräulichkeit Gott dem Herrn und ist so das Vorbild und die Königin jener unabsehbaren Schar reiner Jungfrauen geworden, die wie duftende Blüten den Garten der Kirche schmücken.

 

3. Der dritte Vorzug Marias ist ihre jungfräuliche Mutterwürde. Maria ist Jungfrau und Mutter zugleich. Wie ihr göttlicher Sohn Mensch wurde, ohne aufzuhören, Gott zu sein, so wurde Maria Gottes Mutter ohne Beeinträchtigung ihrer unversehrten Jungfräulichkeit. Als jungfräuliche Mutter steht sie aber einzig in der ganzen Weltgeschichte da.

 

4. Der vierte Vorzug Marias ist ihre Muttergotteswürde. Maria ist nicht nur eine jungfräuliche Mutter, sie ist die Mutter Gottes im wahren und strengen Sinn des Wortes, weil sie Jesus Christus, den in ihrem reinsten Schoss Mensch gewordenen Sohn Gottes, geboren, der in seiner göttlichen Person die göttliche und menschliche Natur geheimnisvoll vereinigt. Diese ihre über alle Vorstellung hohe Würde erhebt sie zum Höhepunkt aller denkbaren geschaffenen Größe. Der Heilige Geist hat daher ihre ganze Hoheit und Verehrungswürdigkeit treffend ausgedrückt, indem er von ihr sagt: „Maria, von ihr wurde Jesus geboren, der der Christus (der Messias) genannt wird.“ (Mt 1,16

 

5. Der fünfte Vorzug Marias ist ihre tätige Teilnahme am Erlösungswerk. Maria hat den göttlichen Erlöser in ihrem reinsten Schoss empfangen, ihn geboren, gepflegt, ernährt, erzogen, ja ihn auf dem Kalvarienberg für unser aller Heil geopfert. Durch dieses ihrem Mutterherzen so schmerzliche Opfer aber hat sie zu unserer Erlösung tätig mitgewirkt und ist so in gewissem Sinn die Mithelferin unserer Erlösung geworden.

 

6. Der sechste Vorzug Marias ist die im Bereich der Schöpfung ganz einzige Stellung, die sie zufolge ihrer Muttergotteswürde einnimmt. Durch diese Würde ist sie in eine so innige Beziehung zum dreieinigen Gott getreten, dass eine noch innigere zwischen dem Schöpfer und dem puren Geschöpf nicht denkbar ist. Niemand hat, wie sie als Gottesmutter, einen so hohen Anteil am Werk unserer Erlösung. Als Gottesmutter erhielt sie so außerordentliche und zahlreiche Gnaden, wie sie keinem geschaffenen Wesen außer ihr zuteil geworden sind. Somit hat sie nicht ihres Gleichen. Alles Endliche steht tief unter ihr, über ihr steht nur der unendliche Gott.

 

7. Der siebente Vorzug Marias ist ihre Würde als gemeinsame Mutter aller Christgläubigen, denn der am Kreuz sterbende Heiland hat sie uns allen, die wir an ihn glauben, in der Person seines vielgeliebten Jüngers, zur Mutter gegeben.

 

8. Der achte Vorzug Marias ist ihre außerordentliche Heiligkeit. Durch stets treue Mitwirkung mit ihrer überschwänglichen Gnadenfülle hat sie sich zur höchsten Stufe der Heiligkeit erhoben, die nur der unendlichen Heiligkeit Gottes, des Urquells und Spenders aller Heiligkeit, nachsteht.

 

9. Der neunte Vorzug Marias ist die Unverweslichkeit ihres jungfräulichen Leibes und ihre wundervolle Aufnahme mit Leib und Seele in den Himmel.

 

10. Der zehnte Vorzug Marias ist ihre Erhöhung über alle Chöre der Engel, ihre Verherrlichung und Krönung im Himmel, wo sie im Strahlengewand ihrer Herrlichkeit als Königin zur Rechten ihres Sohnes thront.

 

11. Der elfte Vorzug Marias ist das wirksame und liebevolle Mittleramt, das sie durch ihre mächtige Fürbitte für uns bei Gott ausübt.

 

12. Der zwölfte Vorzug Marias ist ihre Verherrlichung auf Erden. Überall, wo Jesus, der göttliche Erlöser, angebetet wird, wird auch Maria, seine göttliche Mutter, verehrt. Wo immer der lebendige Glaube an Jesus herrscht, brennt auch Verehrungseifer und Liebe zu Maria.

 

Wenn du nun, christliche Seele, diese Ehrenvorzüge Marias mit fromm-gläubigem Sinn betrachtest, so wird dich ohne Zweifel große Freude ergreifen, du wirst bekennen, dass diejenige, die Gott selbst so hoch bevorzugt und geehrt hat, eine ihren Vorzügen entsprechende Hochachtung und Verehrung verdiene, und in deinem Herzen muss eine heilige Begierde erglühen, auch weiterhin Maria, der so hochbegnadeten Jungfrau, eine ausgezeichnete Hochachtung und Verehrung zu erweisen. Du sollst also auch hören, wie du Maria diese ausgezeichnete Hochachtung erweisen könntest.

 

II. Wir können unsere Hochachtung gegenüber Maria auf vielfache Weise bezeigen:

 

1. Dadurch, dass wir öfters mit Vorliebe ihre Ehrenvorzüge betrachten. Diese Betrachtung ist eine Huldigung des Geistes, die für Maria höchst ehrenvoll, ihr wohlgefällig ist, und die zugleich das Gefühl der Hochachtung ihr gegenüber, das durch die lebendige Kenntnis ihrer Vorzüge angeregt wird, stets erhalten, ja immer tiefer im Herzen einprägen wird.

 

2. Dadurch, dass wir die Gefühle tiefer Ehrfurcht, kindlicher Freude wegen ihrer hohen Vorzüge, zuversichtlichen Vertrauens auf ihren mächtigen Schutz in uns zu erwecken und zu beleben trachten, dass wir sie innig lieben und das sehnlichste Verlangen hegen, sie von allen erkannt, geschätzt, geehrt und geliebt zu sehen.

 

3. Dadurch, dass wir ihr auch äußerlich unsere Huldigung darbringen, durch fromme Lobpreisung ihrer Ehrenvorzüge, durch andächtige Gebete oder Lobgesänge zu ihrer Ehre, durch vertrauensvolle Anrufung ihrer Mutterhilfe, durch das demütige Bekenntnis unseres gänzlichen Unvermögens, sie je nach Würde loben und preisen zu können.

 

4. Endlich dadurch, dass wir uns ernstlich bestreben, sorgfältig alles zu meiden, was ihr missfallen könnte, und bereitwillig das zu tun und zu üben, was wir als ihr wohlgefällig erkennen. Nichts aber wird ihr Mutterherz mehr freuen, als der edle Wetteifer, ihr inneres und äußeres Tugendleben in uns nachzubilden. 

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8. Himmelfahrt Mariens

 

Die leibliche Aufnahme Mariens in den Himmel

       

Für die Katholiken bedeutete es keine Überraschung, als sie hörten, dass Papst Pius XII. die Absicht hat, am Montag, dem 30. Oktober 1950, ein geheimes Konsistorium abzuhalten, um anzukündigen, dass er am folgenden Mittwoch, dem Allerheiligenfest, im Petersdom das Dogma von der leiblichen Aufnahme der Gottesmutter in den Himmel verkünden wolle. Diese Nachricht wurde schon seit 100 Jahren erwartet. Bittgesuche von überallher strömten nach Rom, den überlieferten Glauben der Katholiken, dass die Gottesmutter mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen wurde, auch formell zum Dogma, d.h. zum Glaubenssatz zu erheben.

 

Was im vierten Geheimnis des glorreichen Rosenkranzes gesagt ist, wurde seit den frühen Jahrhunderten der christlichen Zeit Anlass zu einem der größten Feste der Kirche. Unter dem Namen „Dormitio“ oder der Schlaf Unserer Lieben Frau war es der byzantinischen Kirche vom 6. Jahrhundert an bekannt und seit dieser Zeit auch in Ägypten und Syrien verbreitet. In Rom bestand dieses Fest seit der Mitte des 7. Jahrhunderts. Von dort gelangte es nach Spanien und Frankreich. Zwar besteht noch einiger Zweifel, ob es in dieser frühen Zeit schon im heutigen Sinn gefeiert wurde, aber man kann als sicher behaupten, dass es in der westlichen Kirche vom 11. oder 12. Jahrhundert an als Fest Mariä Himmelfahrt das Andenken der Wiedervereinigung der Seele der Gottesmutter mit ihrem Leib bedeutete. Bezeichnend ist auch der folgende Umstand: überall sammelte man eifrig die Reliquien der Heiligen. Seit den ältesten Zeiten aber hat keine christliche Kirche je behauptet, Reliquien des Leibes der Muttergottes zu besitzen.

 

Im Jahr 1863 begann die Königin Isabella II. von Spanien auf Veranlassung ihres Beichtvaters, des zu den Ehren der Altäre erhobenen Antonio Maria Claret, mit der Übung, den Heiligen Stuhl um eine Dogmatisierung dieses überlieferten Glaubens der Christen zu bitten, eine Sitte, die sich bald überall verbreitete. Es scheint durchaus natürlich, dass diese Bewegung in Spanien ihren Anfang nahm, dem Land, in dem einst im 17. Jahrhundert der Maler Murillo so oft die Himmelfahrt Marias darstellte. Papst Pius IX. erklärte in seiner Antwort an die spanische Königin, die leibliche Aufnahme der Gottesmutter sei in der Tat nur die Folge ihrer Unbefleckten Empfängnis, aber die Zeit für eine Dogmatisierung sei noch nicht gekommen.

 

Inzwischen wurden über 8 Millionen Bittgesuche aus der ganzen Welt dem Heiligen Stuhl übermittelt. Am 1. Mai 1946 sandte Pius XII. an alle Bischöfe der gesamten Kirche ein Rundschreiben und ersuchte sie um ihre Meinung über die Dogmatisierung. Eine überwältigende Mehrheit sprach sich dafür aus.

 

Das Dogma von der Unbefleckten Empfängnis war das letzte der von der Kirche verkündeten Dogmen. Heute erkennt man leicht die Weisheit des Heiligen Stuhles, das neue Dogma trotz so vieler Bittgesuche nicht im 19. Jahrhundert zu verkünden. Das 19. Jahrhundert war das Jahrhundert eines selbstbewussten und unerschütterten Materialismus, der von der gebildeten Welt ausging. Im 20. Jahrhundert, das in diesen Dingen bereits reifer ist, werden die Menschen nicht mehr länger von so groben Vorstellungen verwirrt, als bedeute die Himmelfahrt der Gottesmutter eine Reise durch die Stratosphäre in Millionen von Lichtjahren. Viele neue Erkenntnisse, von der Begrenzung der menschlichen Sinneswahrnehmungen, von dem Stückwerk unseres Wissens vom Weltall, von der Relativität haben die alte Idee beseitigt, dass es deshalb keinen Himmel geben könne, weil man ihn geographisch nicht festlegen kann.

 

Die leibliche Aufnahme der Muttergottes bleibt jedoch ebenso wie die Auferstehung unseres Herrn und der Satz des Glaubensbekenntnisses von der Auferstehung der Toten ein Geheimnis und ein Teil der göttlichen Offenbarung. Aber Christen, die die Auferstehung und die Himmelfahrt unseres Herrn im Glauben annehmen, können in dem neuen Glaubenssatz der leiblichen Aufnahme der Mutter des Herrn in den Himmel keine zusätzlichen Schwierigkeiten sehen. Niemand kann das apostolische Glaubensbekenntnis in voller Überzeugung beten und gleichzeitig erklären, er habe gegen die Lehre der leiblichen Aufnahme der Muttergottes in den Himmel Einwendungen vom Standpunkt der Vernunft aus. Solche Einwendungen dagegen können nur ein Zeichen dafür sein, dass man überhaupt zögert, eine übernatürliche Religion anzunehmen.

 

Die Kirchenväter erklären die Jungfräulichkeit und Mutterschaft Mariens als ein Zeichen dafür, wie sehr sie über den normalen Gesetzen der Auflösung stand und wie eng ihre Verbindung mit Christus war, woraus sich ihre Ausnahme von den Wirkungen des Todes als ganz natürliche Folge ergebe. Alle sind sich auch darin einig, dass die Tatsache der Unbefleckten Empfängnis der Gottesmutter zum Schluss führen muss, dass sie nicht in der gleichen Weise dem Tod unterlag wie die gewöhnlichen sündigen Menschen. In der Tat führt die katholische Glaubensüberlieferung unbedingt zu dem Schluss, dass es zwischen der Unbefleckten Empfängnis und dem Ausgenommensein vom körperlichen Zerfall einen Zusammenhang geben muss.

 

Es kann keinen Zweifel geben, dass der neue Glaubenssatz in den ganzen Rahmen des christlichen Glaubens hineinpasst. Und so besteht für den Verstand des Christen keine Schwierigkeit zu glauben, dass Gott das, was er tun will, auch tun kann. Die Schwierigkeiten kommen nur aus den modernen materialistischen Gedankengängen. Wenn es heute schwer ist, unsere Zeitgenossen davon zu überzeugen, dass die Muttergottes in den Himmel aufgenommen wurde, so kommt das nur daher, dass es überhaupt schwer ist, sie von der ganzen christlichen übernatürlichen Lehre einschließlich der Wunder und der Auferstehung unseres Herrn zu überzeugen. Die Hauptschwierigkeit liegt eben bereits in den Eingangsworten des christlichen Glaubensbekenntnisses, in dem Satz „Ich glaube“. Wer aber glaubt, dass Maria wirklich die Mutter Gottes war, für den ist es nicht schwer zu glauben, dass sie auch leiblich in den Himmel aufgenommen wurde.

 

Die großen Verkündungen von Glaubenslehren der Kirche haben in der Regel das Bestreiten irgendeiner Glaubenswahrheit als Hintergrund. Auf den ersten Blick möchte es nun so scheinen, als ob heute bei der neuen Dogmatisierung kein solches Bestreiten irgendeiner Glaubenswahrheit vorliege. Aber heute ist es keine bestimmte Lehre der Kirche, welche die modernen Menschen leugnen, sondern vielmehr die ganze Grundlage der christlichen Lehre, die man ablehnt. Darum gilt es, die Macht Gottes wieder zu unterstreichen und wieder darauf hinzuweisen, dass Er die Dinge lenken kann, wie Er will.

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9. Hummel - Berta Hummel

 

Als Berta Hummel vor 77 Jahren (1928) die Kunstschule in München besuchte, erklärten ihre begeisterten Lehrer, es würde keine zweite mehr wie sie geben. Trotzdem nahmen aber die Nachahmer und Nachahmerinnen Hummels von Jahr zu Jahr so zu, dass die Kunsthandlungen Schilder aufstellen mussten „Echte Hummel-Sachen zum Verkauf“, während andere Läden nur den Namen Hummel gebrauchten, um damit Bilder jeder Art von hübschen pausbackigen Kindern zu bezeichnen.

 

Berta Hummel wurde am 21. Mai 1909 in Massing in Niederbayern geboren. Diese Gegend war auch die Heimat des hl. Konrad von Parzham, eines Kapuzinerlaienbruders, den Berta Hummel auch auf einem Bild darstellte.

 

Berta war das drittälteste von sechs Kindern. Sie war immer ein lebhaftes, geschäftiges Kind, selbst eine kleine Hummel. Ihr Vater Adolf, ein Kaufmann, war selbst ein Kunstliebhaber, der in der Schule künstlerische Anlagen gezeigt hatte, sich aber damit begnügte, seine Liebe zur Kunst dadurch zu zeigen, dass er seiner Familie ein Heim schuf, in dem man Zeichen und Bilder schätzte.

 

Die Familie war gut katholisch; die Eltern bemühten sich, aufgeschlossene, geweckte und glaubensstarke Jungen und Mädchen zu erziehen. Berta erinnerte oft daran, wie jeder Papierabfall, jedes Stück Kreide, jede Kleinigkeit, die nicht zu etwas anderem benutzt wurde, den Kindern zum Malen gegeben wurde.

 

Wenn irgendeine Familienfeier war, erfreuten die Kinder ihre Eltern mit mühsam geschaffenen kindlichen Arbeiten. Frau Viktoria Hummel erzählte oft, dass Berta, als sie noch klein war, es nie über sich bringen konnte, schwarz-weiße Bilder nicht farbig auszumalen.

 

Alle Hummel-Kinder liebten zu malen, aber Berta liebte es am meisten. Sie war geradezu versessen darauf, alles was sie sah zu malen. Sie brauchte Papier und Farbstifte genauso wie Brot und Luft. Als sie neun Jahre alt war, träumte sie davon, wie sie später erzählte, eine große Künstlerin zu werden, und ihr Kopf war voller Ideen, die sie ausführen wollte: ihre Schwester beim Blumenpflücken, ihren Vetter vor einer Kapelle am Weg, die Dorfkinder beim Spiel.

 

Von 1916 bis 1921 besuchte Berta die Volksschule, die von den Armen Schulschwestern in ihrem Ort geleitet wurde. Auch dort schon ragte sie unter ihren Gefährtinnen hervor. Die Schwestern erinnern sich noch daran, wie sie nie untätig sein konnte, immer neue Pläne hatte und darauf aus war, eine Abwechslung in den ruhigen Gang des Schullebens zu bringen.

 

Zuerst verfertigte Berta, die etwas scheu und schüchtern war, ihre Zeichnungen im geheimen. Eines Tages wurde sie an die Tafel gerufen. Dort malte sie die Kinder ihrer Klasse, wie sie beim Spiel waren. Ihre Schulkameradinnen waren entzückt. Sie erkannten ihre eigenen Gesichtszüge und ihre Kleider. Bald verbreitete sich in der Schule und im ganzen Ort die Nachricht, dass Berta Hummel ungewöhnlich begabt sei und Familienbilder von allen zeichnen könne. So waren es zuerst die Kinder selbst, die den Namen Hummel bekannt machten. Nach Schulschluss scharten sie sich um Berta und baten sie, sie abzumalen, und brachten die Ergebnisse den entzückten Eltern heim. Bald baten alle Leute des Dorfes sie um kleine Zeichnungen, und die Schwestern ließen von ihr die Schulzimmer ausschmücken und Post- und Glückwunschkarten malen. Ihr Vater war besonders entzückt über diesen Erfolg seiner Tochter. Er war schon immer stolz gewesen auf einen Großonkel, der Priester gewesen war und dessen Grabstein im Dorffriedhof von einem „beliebten Priester und einem begabten Künstler“ kündete. So entschlossen sich die Eltern. Berta jede Möglichkeit zur Ausbildung ihres Talentes zu geben.

 

Der erste Weltkrieg brach aus, als Berta noch in der Schule war. Vater Hummel wurde eingezogen. Während der langen Jahre seiner Abwesenheit schrieben ihm die Kinder fleißig Briefe, und Berta fügte kleine Zeichnungen über das Leben in der Familie bei. Als im Jahr 1921 Vater Hummel wieder als Zivilist zu Hause war, war es seine größte Sorge, Berta nun möglichst schnell zum Kunststudium kommen zu lassen. So sandte man Berta in das nahe Institut der Englischen Fräulein, wo es berufliche Kunstklassen gab. Berta blieb dort 6 Jahre. Ihre Lehrerinnen erkannten ihr großes Talent, ließen ihr eine besondere Ausbildung zuteilwerden und gaben sich außerordentliche Mühe bei der Beurteilung ihrer Werke. Sie erhielt stets die Note 1, die nur Schülerinnen von ausgesprochenen Fähigkeiten gegeben wurde.

 

Im Jahr 1927 wurde Berta, die nun 18 Jahre alt war, von ihren Eltern nach München, dem Mittelpunkt der deutschen Kunst, gebracht und in eine berühmte Kunstschule geschickt. Auch dort zeichnete sie sich unter den anderen Studenten, die wie sie besonders begabt waren, aus.

 

Das Leben in München war für die heranwachsende Künstlerin sehr heiter und anregend. Das kleine Dorfmädchen stürzte sich mit wahrem Heißhunger auf alles, was ihm geboten wurde. Da gab es Kunst in allen Arten, alte, moderne, klassische, experimentale und bizarre. Berta studierte alle Kunstarten und wusste aus allem etwas zu lernen. Sie hatte ihre Freude an Kino, Theater, Konzerten, am gesellschaftlichen Leben und an hübschen Kleidern.

 

Der Name Hummel und ihr Werk wurde, schon als sie noch Studentin war, in ganz Deutschland bekannt. Die führenden Kreise des gesellschaftlichen Lebens der Künstler feierten sie und machten ihr den Hof. Ihre Mitstudenten und -studentinnen, die stolz über ihren Erfolg waren, freuten sich auch über ihre stets gleiche Güte und Freundlichkeit, ihren sprühenden Geist und jenen Hauch lieben Humors, der sich in ihren Werken zeigte.

 

Das Leben in München war flott und locker. Berta aber war trotz ihres Verständnisses für Spaß und ihrer Liebe zu schönen gesellschaftlichen Darbietungen immer ernst veranlagt. So beschloss sie, dem wirbelnden Leben des Vergnügens und der Gesellschaft zu entsagen und zog sich in eine ruhige Pension zurück, die von Schwestern geleitet wurde, um noch mehr zu studieren.

 

Um jene Zeit kamen zwei Franziskanerinnen in die Kunstklasse, die Berta besuchte. Der Professor, der wusste, dass Berta katholisch war, bat sie, die Schwestern herumzuführen und einzuweisen. Das war eine Aufgabe, die Frl. Hummel gerne hatte. Schon geraume Zeit dachte sie an das Ordensleben, und dieses Zusammensein mit den Schwestern gab ihr nun Gelegenheit, mehr darüber zu erfahren. Als sie die Kunstschule beendete und die Zukunft sich reich und verlockend vor der jungen Künstlerin ausbreitete, gab sie ihren Entschluss bekannt, ins Kloster einzutreten. Das veranlasste einen Aufruhr unter ihren Lehrern. „Was, so ein Talent soll im Kloster verkümmern? Warten Sie damit noch etwas, Fräulein, bis Sie erst einmal Ihren Erfolg ausgekostet haben. Besonders im Anfang ist dies so befriedigend. Sie haben der Welt so viel zu geben.“

 

Aber Berta kannte ihren wahren Beruf genau. Sie verließ München und trat im Jahr 1932 in das bekannte Franziskanerinnenkloster Sießen ein. Im Jahr 1934 nahm sie den Schleier und erhielt den Klosternamen Schwester Innocentia. Von da an führte Berta Hummel das stille Leben einer deutschen Franziskanerin.

 

Aber ihr Ruhm sollte durch ihren Eintritt in das Kloster nicht leiden. Ihre Bilder, die überall unter dem Namen Hummel-Bilder bekannt waren, wurden von ihrem Kloster aus in die ganze Welt gesandt. Die einfache Schwester war die Verbindung zwischen den Besten in Deutschland und der Welt draußen in all den Jahren der Naziherrschaft. Aber in diesen langen, traurigen Jahren hörte man wenig von der Künstlerin, die in der Stille des Klosterlebens verschwand. In der Weihnachtswoche 1946 aber, als die fröhlichen kleinen Zeichnungen von Stadt zu Stadt, von Volk zu Volk und von Erdteil zu Erdteil gingen, erschien in den Zeitungen der ganzen Welt eine kleine Mitteilung über die deutsche Künstlerin:

 

„Schwester Maria Innocentia Hummel, die bekannte Künstlerin, starb nach einer Krankheit in einem Franziskanerinnenkloster im besetzten Deutschland.“ 

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10. Hölle

 

1. Ein spät entdecktes Problem.

 

Rudolf Binding, der bekannte Dichter, erhielt von seinem Vater, einem bedeutenden Juristen, eine nicht gerade religiöse Erziehung. Welchen Standpunkt der Gelehrte einnahm, offenbaren die Worte, mit denen er seine Enzyklopädie des Rechts einleitete: „Alles Recht ist von Menschen für Menschen gemacht.“ Eines Tages aber vor seinem Tod (+7.4.1920) sagte der alte Professor zu seinem Sohn: „Nun habe ich, wie ich wohl sagen darf, so ziemlich alles, was an Problemen und Arbeiten ich mir zur Aufgabe meines Lebens gemacht habe, bewältigt; ich bin zeitlebens den Untaten und den Strafen nachgegangen, mit denen die Menschen auf Erden die Verbrechen belegen. Heute nun bin ich auf ein Problem gestoßen, an das ich in meinem Leben noch nie gedacht habe: das Problem der ewigen Strafe.“

 

2. Ein Blick in die Hölle.

 

Im großen Frauensaal eines Krankenhauses lag ein schwerkrankes Mädchen im Sterben. Plötzlich stieß sie einen gellenden Schrei aus und rief: „Schwester beten Sie!“ Im gleichen Augenblick wurde sie im Gesicht und an den Händen ganz schwarz und blau und begann entsetzlich zu weinen. Eine Besprengung mit Weihwasser brachte vorübergehend Beruhigung, dann aber erneuerte sich der Anfall schlimmer als zuvor. Die Kranke schrie mit markerschütternder Stimme: „Schwester, ich bin in der Hölle!“ Kein Zureden der Schwester half. In ihre guten Worte gellten fortwährend die kreischenden Rufe des Mädchens: „Ich bin verdammt! Ich bin verloren!“ Eine Viertelstunde lang tobte der schauerliche Kampf, dann sank die Kranke mit dem Ruf: „Wehe mir, ich habe es auch verdient: ich habe ein so schlechtes Leben geführt und gehöre in die Hölle!“ erschöpft in die Kissen. Alles im Saal war totenstill. Nach und nach erholte sich die Sterbende und wandte sich mit lauter Stimme an die übrigen Kranken: „Jetzt hört, was ich euch erzähle. Ich muss es euch sagen, wie es mir erging. Es wurde auf einmal so finster um mich herum; nie in meinem Leben habe ich so etwas Schwarzes gesehen. Und je tiefer ich sank, um so heißer wurde es – zum Schluss entsetzlich heiß. Schwester, schauen Sie mich doch an, ich muss ja ganz verbrannt sein! Das Feuer aber bei all dieser Hitze war fürchterlich schwarz. Ich aber sank immer tiefer in die grauenvolle Hitze . . . Da sah ich plötzlich ein riesengroßes Kreuz, das mich vor Angst erzittern machte. Ich wollte mich daran halten, aber es war, als rutschen meine Hände kraftlos davon ab. Auf einmal sah ich die Schwester neben mir und wie ein Blitz war ich wieder in der Höhe.“ (Es war der Augenblick, wo die Schwester sie mit Weihwasser besprengt hatte.) Nachdem die Sterbende in ihrer Erregung eine Weile um Atem gerungen hatte, richtete sie sich auf und wandte sich mit durchdringender Stimme und großem Nachdruck von neuem an die Kranken: „Ich sage euch, es gibt eine Hölle! Hört, auch ich habe einmal geleugnet, dass es eine Hölle gibt. Aber merkt euch: Eine Sterbende, die die Hölle selbst geschaut hat, sagt es euch jetzt: es gibt eine Hölle! Für euch ist es noch nicht zu spät, ihr könnt euch noch retten! Aber ich habe die Hölle verdient, ich habe alle Schlechtigkeiten begangen. Weh mir, ich bin verloren!“ Die Schwester beruhigte sie mit dem Hinweis auf die Sterbesakramente, die sie doch empfangen habe. Die Kranke erwiderte tonlos: „Ich, die Sterbesakramente? Da weiß ich nichts davon.“ Sie hatte sie sehr gleichgültig und gedankenlos empfangen. Man wollte nun den Spitalseelsorger holen – er war nicht da. So betete die Krankenschwester der Sterbenden Reuegebete vor, die sie mit großer Inbrunst nachbetete. Als ihr die Schwester dann das Sterbekreuz zum Kuss reichte, umfasste sie es begierig und rief: „O, das ist das wahre, das rechte Kreuz! Nicht das entsetzlich düstere Kreuz, das ich in der Hölle gesehen habe!“ Sie ließ es nicht mehr aus den Händen und küsste es noch oft mit tiefer Inbrunst. Dann sagte sie noch zur Schwester: „Schwester, Sie kommen soviel zu den Kranken; o, sagen Sie es doch allen: Es gibt eine Hölle! Und wenn ich noch fünfhundert Jahre lebte, ich könnte es nie mehr vergessen, wie es da aussieht.“ Um sechs Uhr abends hatte der erste Anfall begonnen, nach Mitternacht rang die Kranke noch einmal schwer mit den Mächten der Finsternis, am frühen Morgen des nächsten Tages war sie tot – nach der festen Hoffnung der Schwestern gestorben in Gottes Erbarmung. (Der Bericht beruht auf brieflicher Mitteilung einer Augenzeugin an einen Priester. Dieser ließ das Ganze von seiner leiblichen Schwester, die eben damals – 1917 – im gleichen Krankenhaus wirkte, nachprüfen. Von ihr wurde die Darstellung in allen Einzelheiten vollauf bestätigt. Die Kranken im Saal seien von dem Erlebten so erschüttert gewesen, dass alles schluchzte, selbst noch als der Chefarzt zur Visite kam. Noch Jahre danach sagte eine damalige Patientin: „Wenn ich hundert Jahre alt werde – das vergesse ich nicht!“)

 

3. Wie weit es bis zur Hölle ist.

 

Ein junger reicher Herr besuchte einmal ein Kohlenbergwerk. Ein Bergmann wurde ihm als Führer beigegeben. Je tiefer sie in den Schacht hinabfuhren, desto größer wurde die Wärme, und endlich brach der Schweiß aus allen Poren aus. „O!“, rief der junge Herr mit einem Fluch aus, „hier ist`s aber heiß! Ich möchte nur wissen, wie weit es von hier noch bis zur Hölle ist.“ „Genau weiß ich die Entfernung nicht“, entgegnete der Bergmann trocken, „aber wenn das Seil von unserem Förderkorb reißt, sind Sie unter Umständen in dreißig Sekunden dort.“ Das Wort saß. Es wurde dem jungen Mann der Anlass zu ernster Besinnung und damit zu einer aufrichtigen Umkehr.

 

(Aus: Homiletisches Handbuch, Anton Koch, 1950, Band 11, Seite 449)

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