Jesus, der für uns gekreuzigt worden ist

Tod Jesu (Fünftes schmerzensreiches Geheimnis)
Tod Jesu (Fünftes schmerzensreiches Geheimnis)

 

Der für uns gekreuzigt worden ist

 

Die bildliche Darstellung umfasst einige Vorgänge nach bereits erfolgtem Tod des Herrn. Von den Zeichen, die diesen Tod begleiten, ist besonders das Eröffnetwerden der Gräber angedeutet. Die Jungfrau sieht mit gebrochenen, doch unverwandten Augen zum Gekreuzigten hinauf. Der Zenturio, der laut seiner Heiligkeit und göttlichen Würde Zeugnis gibt, tritt in diesem Moment, wie billig, am ausdrucksvollsten hervor. In der Ferne gegen die Stadtmauern hin sind noch einige der Geängstigten und Rückkehrenden zu sehen, und zwar solche, deren Bestürzung keine bleibende Reue wirkte, und deren Rückkehr keine Umkehr war auf bessere Wege.

 

Johannes 19,17-30: Sie nahmen also Jesus und führten ihn hinaus. Er trug selbst sein Kreuz und ging hinaus an den Ort der Schädelstätte, die auf hebräisch Golgatha heißt. Dort kreuzigten sie ihn und mit ihm noch zwei andere zu beiden Seiten, Jesus aber in der Mitte.

Pilatus ließ auch eine Aufschrift anfertigen und ans Kreuz heften. Sie lautete: "Jesus von Nazareth, König der Juden." Diese Aufschrift lasen viele Juden; denn der Ort, wo Jesus gekreuzigt wurde, lag nahe bei der Stadt; sie war hebräisch, römisch, griechisch geschrieben. Da sagte die jüdischen Hohenpriester zu Pilatus: "Schreibe nicht: König der Juden, sondern: Er hat gesagt: Ich bin der König der Juden."

Pilatus entgegnete: "Was ich geschrieben habe, bleibt geschrieben."

Nachdem die Soldaten Jesus gekreuzigt hatten, nahmen sie seine Kleider und machten vier Teile daraus, für jeden Soldaten einen Teil; dazu kam noch der Leibrock. Der Leibrock aber war ohne Naht, von oben her in einem Stück gewebt. Da meinten sie denn: "Wir wollen ihn nicht zerschneiden, sondern darum losen, wem er gehören soll." So sollte sich das Schriftwort erfüllen:

"Sie teilten meine Kleider unter sich und warfen über mein Gewand das Los."

So taten die Soldaten.

Beim Kreuz Jesu standen seine Mutter, die Schwester seiner Mutter, Maria, die Frau des Kleophas, und Maria Magdalena. Als Jesus seine Mutter und den Jünger, den er liebte, dastehen sah, sprach er zu seiner Mutter: "Frau, siehe da dein Sohn!" Dann sprach er zu dem Jünger: "Siehe da deine Mutter!" Von jener Stunde an nahm der Jünger sie zu sich.

Jesus wusste, dass nunmehr alles vollbracht sei, und so sprach er, damit die Schrift erfüllt würde: "Mich dürstet." Es stand da ein Gefäß voll Essig. Man füllte nun einen Schwamm mit Essig, steckte ihn auf einen Hysopstängel und hielt ihn an seinen Mund. Sobald Jesus den Essig genommen hatte, sprach er: "Es ist vollbracht." Dann neigte er sein Haupt und gab seinen Geist auf.

 

Zehn Sätzchen, von denen jeweils eins vor jedem Ave gelesen werden kann:

 

1. Aufs neue blutet Jesu gegeißelter Leib, als er der Kleider beraubt wurde, und seine Seele weint. Er kostet nur von dem Betäubungstrank. Er will mit vollem Bewusstsein für uns seinen Tod opfern und sterben.

 

2. Jesus wird auf dem Kreuz ausgestreckt. Raue Nägel werden durch die rechte Hand, durch die linke Hand und durch seine Füße getrieben. Wie liegt mein Heiland da, leichenblass, stöhnend, blutüberspritzt, unter unaussprechlichen Schmerzen. Von seinen Lippen kommt keine Klage, sondern nur das innige Gebet: "Vater, verzeih ihnen, sie wissen nicht, was sie tun!"

 

3. Das Kreuz wird aufgerichtet und leuchtet zum ersten Mal über die Erde. Die größte Stunde der Weltgeschichte ist da.

 

4. Jetzt wird unsere Erlösung am Kreuz gewirkt. Wie Jesus täglich spricht bei der Wandlung, lieblich verhüllt in Brots- und Weingestalt, so spricht er hier in unverhüllter, furchtbarer Kreuzigung: "Das ist mein Leib, der für euch hingegeben wird. Das ist mein Blut, das Blut des Neuen und ewigen Bundes, das für euch und für viele vergossen wird zur Vergebung der Sünden."

 

5. Unter dem Kreuz stehe auch ich. Ich sehe, wie weiter und weiter die Wundmale seiner Hände und Füße werden. Ich sehe, wie seine Brust sich hebt. Ich sehe, wie die Todesblässe sein Angesicht überzieht. Ich sehe seine brechenden Augen auf mich gerichtet. Ich höre, wie sein Mund spricht: "Mich dürstet" . . . nach dem Heil deiner Seele.

 

6. Um ihn lästern seine Feinde, spottet der Schächer, verteilen die Soldaten seine Kleider. Im Herzen Jesu wohnt auch jetzt nur Liebe und Verzeihung. Keiner darf an Jesu Liebe zweifeln. Er ist die göttliche Liebe mitten im Hass der Welt. Ich will sein Jünger sein.

 

7. Die Sonne ist verfinstert. Der Heiland leidet in größter Verlassenheit und Pein. Der Vater hat allen Trost von ihm genommen.

 

8. Maria, die liebste Mutter, steht beim Sterbebett ihres geliebtesten Kindes. Alle Hammerschläge, alles Leid, aller Spott dringen furchtbar wie Schwerter durch ihr Mutterherz. So opfert und leidet sie für uns. Der Heiland sorgt noch in Todesschmerzen für seine Mutter. Er gibt ihr in Johannes einen neuen Sohn, in uns neue Kinder.

 

9. Jesus stirbt. Vorbei ist die Kreuzesnot. Jubelnd ertönt sein Ruf: "Es ist vollbracht." Sein letztes irdisches Wort geht zum Vater: "Vater, in deine Hände empfehle ich meinen Geist."

 

10. O lass dein Blut und deine Pein an mir doch nicht verloren sein! Jesus, verlass mich nicht in meiner Todesstunde! Erbarme dich der heute Sterbenden!