Den du, o Jungfrau, im Tempel aufgeopfert hast

Aufopferung Jesu im Tempel (Viertes freudenreiches Geheimnis)
Aufopferung Jesu im Tempel (Viertes freudenreiches Geheimnis)

 

Den du, o Jungfrau, im Tempel aufgeopfert hast

 

Die Federzeichnung, in der diese große, vielseitige Begebenheit dargestellt wird, erklärt in ihrer edlen und einfachen Symmetrie sich selbst. Der greise Simeon steht mit dem kindlichen Erlöser zwischen der Arche des Alten Bundes und einer Säule, auf der Mose abgebildet ist; denn er selbst, sowie die Handlung, die hier vorgeht, gehört noch der Ordnung des Alten Testamentes an. Neben ihm neigt sich die erleuchtete Prophetin Hanna, Tochter des Phanuel, denn auch sie hat die Sendung, des Erlösers Ankunft zu bezeugen. An der entgegengesetzten Seite steht Josef, bereit, die beiden Turteltauben als Opfer der Armen darzubringen. Die jungfrau selbst, zu der das Kindlein in Simeons Händen liebevoll seine Augen wendet, trägt die symbolische brennende Kerze, das Sinnbild des lebendigen Glaubens und der göttlichen Gnade, die alle Menschen ruft, um sie aus der Nacht der Finsternisse in ihr wunderbares Licht zu führen.

 

Lukas 2,22-40: Die Tage der Reinigung, die das Gesetz Moses vorschrieb, waren erfüllt. Da brachten sie das Kind nach Jerusalem, um es dem Herrn darzustellen. Im Gesetz des Herrn steht nämlich geschrieben: "Jede männliche Erstgeburt soll dem Herrn geheiligt werden." Auch wollten sie das Opfer darbringen, wie es im Gesetz des Herrn vorgeschrieben ist: ein paar Turteltauben oder zwei junge Tauben.

Und siehe, in Jerusalem lebte ein Mann mit Namen Simeon. Er war gerecht und gottesfürchtig und harrte auf den Trost Israels. Der Heilige Geist war in ihm. Es war ihm vom Heiligen Geist geoffenbart worden, er würde den Tod nicht schauen, bevor er den Gesalbten des Herrn gesehen hätte. Dieser kam nun auf Antrieb des Geistes in den Tempel. Als die Eltern das Kind Jesus hinbrachten, um an ihm die Vorschrift des Gesetzes zu erfüllen, da nahm er es auf seine Arme, pries Gott und sprach:

"Nun lässt du deinen Knecht, o Herr,

nach deinem Wort in Frieden scheiden;

denn meine Augen haben dein Heil geschaut,

das du bereitet hast vor allen Völkern:

Das Licht zur Erleuchtung der Heiden,

den Ruhm deines Volkes Israel."

Sein Vater und seine Mutter waren voll Staunen über die Dinge, die von ihm gesagt wurden. Simeon pries sie selig und sprach zu Maria, seiner Mutter: "Siehe, dieser ist bestimmt zum Fall und zur Auferstehung vieler in Israel und zum Zeichen, dem man widersprechen wird. Ein Schwert wird deine eigene Seele durchdringen, auf dass die Gedanken aller Herzen offenbar werden."

Da war auch eine Prophetin Anna, eine Tochter Phanuels aus dem Stamm Aser. Sie war hochbetagt; nach ihrer Jungfrauschaft hatte sie sieben Jahre mit ihrem Mann gelebt; und nun war sie eine Witwe von beinahe vierundachtzig Jahren. Sie kam nimmer aus dem Tempel und diente Gott mit Fasten und Beten bei Tag und Nacht. Auch sie fand sich zur gleichen Stunde ein, pries Gott und redete von ihm zu allen, die auf die Erlösung Jerusalems harrten.

Nachdem sie alles nach dem Gesetz des Herrn erfüllt hatten, kehrten sie nach Galiläa in ihre Stadt Nazareth zurück. Das Kind wuchs heran und erstarkte; es war voll Weisheit, und Gottes Wohlgefallen ruhte auf ihm.

 

Zehn Sätzchen, von denen jeweils eins vor jedem Ave gelesen werden kann:

 

 

1. Die schönste Handlung des Alten Bundes wird vollzogen. Das seit Jahrtausenden ersehnte und vorhergesagte Messiaskind erscheint im Tempel. Auf Priesterarmen wird es Gott aufgeopfert. So wird es heute noch geopfert: in den Händen des Priesters bei der Wandlung, im Herzen aller Gläubigen bei der Kommunion.

 

2. Mariä Reinigung. Die reinste Mutter und Jungfrau unterzieht sich der gesetzlichen Reinigung durch das Gebet der Priester. Sie ist ein Vorbild demütigen Gehorsams.

 

3. Auch Maria opfert im Tempel ihr Kind Gott auf. Sie allein weiß, dass es nur gekommen ist, um für uns seinen Leib und sein Blut am Kreuz zu opfern.

 

4. Maria und Joseph sind das Vorbild christlicher Eltern. Möchten doch alle christlichen Eltern ihre Kinder Gott aufopfern und fürs ewige Leben erziehen. Wie sich das Jesuskind opfert für uns, so will auch ich mich dem Jesuskind aufopfern.

 

5. Der hl. Joseph opfert die Gabe der Armen, zwei junge Tauben. Des Jesuskindes Eltern wollen arme Leute sein. "Selig die Armen dem Geiste nach, denn ihrer ist das Himmelreich."

 

6. Der greise Simeon weissagt: "Dieses Kind wird ein Licht werden zur Erleuchtung der Heiden." Jesus ist durch seine Person, seine Lehre und seine Erlösung das Licht der Welt. O Jesus erleuchte auch mich! Erleuchte die Heidenwelt!

 

7. "Dein Herz wird ein Schwert des Schmerzes durchdringen." Wie erschrak Maria, als ihr das kommende Kreuz so klar vor die Seele gestellt wurde!

 

8. Den einen wird dieses Kind zur Auferstehung, den anderen zum Fall. "Wie freute sich Maria über die einen, wie trauerte sie um die andern! O Maria, bitte für mich, dass dein Kind mir zur Auferstehung werde!

 

9. Simeon und Anna sind das Vorbild des christlichen Alters. Sie waren täglich im Tempel und hofften, dass sie den Messias noch sehen würden. So sei täglich meine Hoffnung und mein Lebensziel, Jesus ewig im Himmel zu sehen.

 

10. Mein Vorsatz: Oft will ich das Jesuskind im Tempel Gott aufopfern, bei der hl. Wandlung und Kommunion. Maria hat die kostbaren Gaben des Leibes und Blutes Christi, die ich opfere und empfange, zubereitet.