Jesus, der für uns gegeißelt worden ist

Geißelung Jesu (Zweites schmerzensreiches Geheimnis)
Geißelung Jesu (Zweites schmerzensreiches Geheimnis)

 

Der für uns gegeißelt worden ist

 

Auf der Federzeichnung ist der Gegensatz zwischen der lautlosen Ruhe und Sanftmut des Dulders, die unendlich mehr als stoischer Gleichmut ist, und der energischen Bewegung roher, liebloser Naturkraft ausdrucksvoll genug dargestellt. Die letztere erlahmt und ermüdet, und bedarf der Nachhilfe, wie es sich an dem ausruhenden Krieger zeigt, und dem andern neben ihm, der sich durch einen Labetrunk zu neuem Angriff stärkt, und zwar mit einem Selbstgefühl, als ob es bei diesem Heldenwerk auf ihn allein ankäme. Die Kraft des heiligsten Dulders ist eine unendlich höhere; er ist nicht allein, sondern der Vater mit ihm. Dicht neben dem sitzenden Mann aus der Kohorte sind einige andere schon beschäftigt, die Dornenkrone zu flechten. Die Unzufriedenheit der in den Vorhof hereinblickenden Volksfürsten und Priester erklärt sich von selbst; es ist ihnen an dieser Strafe nicht genug.

 

Jesus, der für uns gegeißelt worden ist.
Jesus, der für uns gegeißelt worden ist.

 

Johannes 18,33-40 und 19,1: Pilatus ging nun wieder in das Gerichtsgebäude, ließ Jesus rufen und fragte ihn: "Bist du der König der Juden?"

Jesus antwortete: "Fragst du das aus dir selbst oder haben andere dir über mich berichtet?"

"Bin ich denn ein Jude?" erwiderte Pilatus. "Dein Volk und die Hohnpriester haben dich mir übergeben. Was hast du getan?"

Jesus antwortete: "Mein Reich ist nicht von dieser Welt. Wäre mein Reich von dieser Welt, so würden meine Anhänger gewiss darum kämpfen, dass ich den Juden nicht ausgeliefert würde. Aber mein Reich ist nicht von hienieden."

Pilatus fragte weiter: "Du bist also doch ein König?" Jesus erwiderte: "Ja, ich bin ein König. Dazu bin ich geboren und dazu bin ich in die Welt gekommen, um der Wahrheit Zeugnis zu geben. Jeder, der aus der Wahrheit stammt, hört auf meine Stimme."

Da sagte Pilatus zu ihm: "Was ist Wahrheit?"

Nach diesen Worten ging er wieder zu den Juden hinaus und sprach zu ihnen: "Ich finde keine Schuld an ihm. Es besteht aber bei euch das Herkommen, dass ich euch zum Osterfest einen freigebe. Wollt ihr, dass ich euch den König der Juden freigebe?"

Da schrien sie wieder und riefen: "Nein, den nicht, sondern Barabbas!" Barabbas aber war ein Räuber.

Pilatus ließ hierauf Jesus ergreifen und geißeln.

 

Nachfolge Christi I.6.: Sobald der Mensch irgendeine ungeordnete Begierde hat, ist Unfriede im Hause - der Mensch uneins mit sich.

Wer sich noch nicht ganz abgestorben ist, der ist schnell versucht und schnell überwunden. Jede Kleinigkeit wirft ihn zu Boden, und geringe, schlechte Dinge überwinden ihn. Hat er aber seine Leidenschaft befriedigt, so kann ihm diese Befriedigung nicht im geringsten verhilflich sein zum Frieden, den er gesucht hat.

Also nicht dadurch, dass du deinen Begierden wie ein Knecht nachgibst, sondern dadurch, dass du ihnen wie ein gebietender Herr entgegentrittst, findest du den wahren Frieden des Herzens.

Kein Frieden in einem Herzen, das dem Gesetz des Fleisches dient oder in äußerlichen Dingen Ruhe sucht. Nur in dem Menschen ist Friede, der dem Gesetz des Geistes dient und das heilige Feuer auf seinem Herd nicht ausgehen lässt.

 

Zehn Sätzchen, von denen jeweils eins vor jedem Ave gelesen werden kann:

 

1. Die göttliche Heiligkeit steht vor dem Menschengericht. Der König der Ewigkeit vor dem Staub. Obschon als unschuldig erkannt, wird er zur grausamen Geißelung verurteilt. Das ungerechte Urteil sei für mich mahnende Erinnerung, wenn ich gekränkt werde.

 

2. Die Soldaten reißen ihm die Kleider vom Leib und binden ihn an die Geißelsäule.

 

3. Siehe, wie nun die Henker an Jesus ihr blutiges Handwerk vollziehen. - - -

 

4. Wie zerrissen ist Jesu Leib nach der Geißelung! "Von der Fußsohle bis zum Scheitel ist kein gesunder Fleck an ihm."

 

5. Wie arm und niedergeschlagen ist erst recht seine Seele, die feinste und empfindsamste aller Menschenseelen.

 

6. O grenzenlos geduldiger Jesus! Kein Wort der Klage kommt über deine Lippen. Mache auch mich ergeben und geduldig wie du!

 

7. Meine Weichlichkeit und Wollust hat an der Geißelsäule harte Strafe gefunden. Auch ich muss von heute an Werke der Entsagung und Abtötung üben. Sonst bin ich kein Schüler des Meisters.

 

8. Welches Schwert der Schmerzen geht durch das Herz der zuschauenden Mutter! Jeden Geißelhieb leidet sie mit.

 

9. Opferwilliger Jesus! Kein Opfer ist dir zu groß für das Heil meiner Seele. Gib, dass auch ich Gewalt brauche um das Himmelreich zu erlangen!

 

10. Mein Vorsatz: Harte Hände, grausamer Sinn haben dieses unerhörte Schauspiel vollzogen. Meine Hände sollen von nun an nur mehr mildtätig, mein Sinn nur voll Liebe zu meinen Mitmenschen sein!