Lieder und Gedichte 5

 

Inhalt

 

1. Zum Schutzfest des heiligen Joseph

2. Passionslied

3. Das Stabat Mater

4. Wenn`s Abend wird

5. Wallfahrt zur schmerzhaften Mutter

6. An Jesus am Kreuz

7. Herr, bleib` bei uns

8. Die Wallfahrt

9. Zur Maienkönigin

10. St. Augustin

11. Der Abend im Gebirge

12. Zum Fest Christi Himmelfahrt

13. Das Waldvöglein

14. Rechts oder links?

15. Zur Maienkönigin

16. Sie sieben Schmerzen der heiligen Jungfrau

17. Pfingsten

18. Seligkeit in Jesus

19. Christentreue

20. Das arme Kind

21. Zur hochheiligen Dreifaltigkeit

22. Seufzer zu Jesus

23. Der heilige Bonifazius

24. Die Liebe Jesu

25. Zum Fest des hl. Johannes des Täufers

26. Das Bild des Gekreuzigten

27. Hymnus - Nach Thomas von Aquin

28. Zu Jesus im heiligen Altarsakrament

29. Psalm

30. Christi Leiden und Tod

31. Zum Fest Mariä Heimsuchung

32. Geduldig im Leiden!

33. Am Abend

34. Mariä Himmelfahrt

35. Der verlorene Sohn

36. Maria-Buchen

37. Die Sprache der Blumen

38. Skapulierfest

39. St. Johannes

40. Maria-Andacht

41. Die reine Liebe

42. Glück des Verlassenseins

43. Zum Fest des heiligen Laurentius

44. Mariä Himmelfahrt

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1. Zum Schutzfest des heiligen Joseph

 

 

Sankt Joseph, o sieh! will die Menschheit ein Spiel

Des bösen Verderbers werden?

Stets taumelt sie ferner dem himmlischen Ziel,

Mit Wahrheit und Glauben sie längst zerfiel

Und dünket selbst Gott sich auf Erden.

 

Was nützt der Erfolg nun, so glänzend und groß,

Der dem Erdenverstand ward beschieden? -

Was nützt er, wenn in der Verwerfung Schoß

Die Seele einst findet ihr ewiges Los,

Wo Qual ihr harret statt Frieden.

 

Und nimmer noch rastet der Frevler Schar,

In der Gläubigen Reihen zu werben. -

Du Heiliger, schütze uns immerdar,

Führ` uns auf dem Pfade, der recht ist und wahr,

Und halte uns fern das Verderben.

 

Dir, der einst das göttliche Kindlein beschirmt, 

Dir folgen wir, stark im Vertrauen;

Ob auch das Gewölk der Drangsal sich türmt,

Ob sündige Macht uns im Diesseits umstürmt:

Einst lässest du Frieden uns schauen!

 

R. Grein

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2. Passionslied

 

In jener letzten der Nächte,

Da Ich am Ölberg gebetet,

War Ich von Blutschweiß gerötet,

Goss ihn in Strömen für dich:

Weh! und wer weiß, ob wohl je

Du auch nur denkest an Mich!

 

Lass es die Engel dir sagen,

Wie viele Streiche und Wunden,

An eine Säule gebunden,

Schweigend Ich litte für dich:

Weh! und wer weiß, ob wohl je

Du auch nur denkest an Mich.

 

Da Ich, als König verspottet,

Schmerzlich mit Dornen gekrönet,

Angespien ward und verhöhnet,

Dacht` Ich nur immer an dich:

Weh! und wer weiß, ob wohl je

Du auch nur denkest an Mich.

 

Schmählich zum Tode verdammet,

Hart mit der Kreuzlast beschweret,

Blutig vom Dornkranz versehret,

Schleppt` Ich zum Berg Mich für dich:

Weh! und wer weiß, ob wohl je

Du auch nur denkest an Mich.

 

Ach! an das Kreuzholz geheftet,

Nägel in Armen und Beinen,

In einem Meere von Peinen

Wollte Ich sterben für dich:

Weh! und wer weiß, ob wohl je

Du auch nur denkest an Mich.

 

Als grimmer Speer in der Seite

Weit mir das Herz hat gespalten,

Quoll draus mit Liebesgewalten

Wasser des Lebens für dich:

Weh! und wer weiß, ob wohl je

Du auch nur denkest an Mich.

 

Schau all` die Striemen und Wunden,

Siehe nun, ob Ich dich liebe,

Wenn mir kein Blutströpflein bliebe,

Das Ich nicht hingab für dich:

Weh! und wer weiß, ob wohl je

Du auch nur denkest an Mich.

 

Sterbend noch fleht` Ich zum Vater,

Dir deine Schuld zu erlassen;

Selbst Meine Mutter dir lassen

Wollt` Ich als Mutter für dich:

Weh! und wer weiß, ob wohl je

Du auch nur denkest an Mich.

 

Himmel und Erde voll Schrecken

Haben den Schmerz mitempfunden,

Als in der letzten der Stunden

Ich bin verschieden für dich:

Weh! und wer weiß, ob wohl je

Du auch nur denkest an Mich.

 

Was blieb zu tun Mir noch übrig,

Wenn Ich aus Lieb` ohne Schranken

Selber Mich gab ohne Wanken,

Ganz Mich dahin gab für dich?

Weh! und wer weiß, ob wohl je

Du auch nur denkest an Mich.

 

Ward dir Genosse und Bruder,

Da Mich Maria gebare;

Täglich noch auf dem Altare

Werd` Ich auch Speise für dich:

Weh! und wer weiß, ob wohl je

Du auch nur denkest an Mich.

 

Wenn Ich zum Lös`geld am Kreuze

Für deine Schuld Mich gegeben,

Will Ich im ewigen Leben

Selber der Lohn sein für dich:

Weh! und wer weiß, ob wohl je

Du auch nur denkest an Mich.

 

Dacht` Ich im Sterben noch deiner,

Werd` Ich im Himmel nicht minder,

Herrschend als Weltüberwinder,

Immer noch denken an dich:

Weh! und wer weiß, ob wohl je

Du auch nur denkest an Mich.

 

Aus dem Italienischen von M. Diepenbrock

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3. Das Stabat Mater

 

Schaut die Mutter voller Schmerzen,

Wie sie mit zerriss`nem Herzen

An dem Kreuz des Sohnes steht;

Wie sie traurig, seufzend ringet,

Tiefes Wehe sie durchdringet,

Durch die Seel` ein Schwert ihr geht.

 

O wie bitt`rer Qualen Beute

Ward die hochgebenedeite

Mutter, die den Herrn gebar.

Wie sie zittert, wie sie zaget,

Um den Eingebornen klaget,

Der sich gibt den Leiden dar!

 

Wessen Augen kann der Zähren

Bei dem Jammer sich erwehren,

Der die Mutter Christi drückt?

Wer nicht innig sich betrüben,

Der die Mutter mit dem lieben

Sohn in solcher Not erblickt.

 

Für die Sünden Seiner Brüder

Sieht sie, ach! wie Jesu Glieder

Schwerer Geißeln Wut zerreißt;

Sieht den holden Sohn erblassen,

Trostberaubt, von Gott verlassen,

Still veratmen Seinen Geist.

 

Gib, o Mutter, Quell der Liebe,

Dass ich mich mit dir betrübe,

Mich erschüttere dein Weh!

Lass mich mit recht heißen Trieben

Meinen Gott und Heiland lieben,

Dass Er gnädig auf mich seh`!

 

Drück, o heilige, die Wunden,

Die dein Sohn für mich empfunden,

Tief in meine Seele ein!

Ach das Blut, das Er vergossen;

Ist für mich dahin geflossen,

Lass mich teilen Seine Pein.

 

Lass mich herzlich mit dir weinen,

Mich durch`s Kreuz mit Ihm vereinen,

Sterben all` mein Lebenlang!

Unterm Kreuze mit dir stehen,

Unverwandt hinauf zu sehen,

Sehn` ich mich mit Liebesdrang.

 

Lass von Christus mich nicht scheiden,

Seinem Tod und Seinen Leiden,

Ich auch schlage Wunden mir.

Jungfrau, herrlichste von allen,

Zürne nicht, lass dir gefallen,

Dass ich traure tief mit dir.

 

Gegen aller Feinde Stürmen

Lass mich Christi Kreuz beschirmen,

Seine Gnade leuchte mir!

Deckt des Grabes düstre Höhle

Meinen Leib, so nimm` die Seele,

Herr, in`s Paradies zu dir!

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4. Wenn`s Abend wird

 

Beim Aveläuten geht die Welt zur Ruh,

Ein goldener Sternenmantel deckt sie hutsam zu.

Fern rauscht das Meer ein wachsam Schlummerlied,

Ein leises Dankgeflüster durch die Lande zieht.

 

Wie ruh` ich, Gott, in dir so wohl und warm,

Viel wohler als das Kind im Mutterarm;

Selbst wenn mich Fährlichkeit und Tod umstellt,

Noch mehr mich deine Lieb` umfangen hält.

 

Mag diese schöne Welt auch einst zergeh`n

Und dieser Leib schon bald in Staub verweh`n,

Dein Lebensodem lebt und webt in mir,

Nicht zum Vergeh`n, zum Werden weilt er hier.

 

Die Sonne sank in herrlich goldener Pracht,

Ein fernes, schönes Land ist unter ihr erwacht.

Durch Grabesnacht bist du, o Herr, zum Licht gestiegen,

Dein ewig Leben wird den Tod besiegen.

 

H. I. Laris

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5. Wallfahrt zur schmerzhaften Mutter

 

Sieh, bis zur Felsenspitze

Zum hohen Wolkensitze

Kam, Jungfrau, ich zu Dir;

Ob schwere Donner brausten

Und Sturmeswinde sausten:

Nicht bangen ließ ich mir.

 

Hier stimmen stille Schauer

Zu meines Herzens Trauer,

O Jungfrau süß und mild!

Frei darf ich vor Dir Reinen

Und ohne Zeugen weinen

Bei Deinem Gnadenbild.

 

Denn nimmermehr, o Hehre!

Verspottest Du die Zähre

Erpresst von tiefem Schmerz;

Nie darf sie sich entfernen,

Du hast ja leiden lernen,

Ein Schwert durchdrang Dein Herz.

 

Tief hat es Dich durchdrungen,

Du Lilie dornumrungen,

Des Paradieses Zier!

Wohl ward, o Tiefbetrübte!

Der göttliche Geliebte

Zum Myrrhenbüschlein dir.

 

Wer soll nicht mit Dir weinen,

Sieht man den ewig Reinen,

Der, Huldin! Dir entspross,

Die Liebe und das Leben,

Das Du der Welt gegeben,

Erblasst in Deinem Schoß!

 

So litt kein Herz wie Deines,

Denn nimmermehr liebt` Eines

So wie Dein Mutterherz;

Nicht blumiges Getriebe,

Schmerz krönte Deine Liebe,

Und Liebe Deinen Schmerz.

 

Nicht mehr die Süße nennen,

Die Deine Leiden kennen,

Sie nennen: Bitt`re, Dich;

Denn, ach! ein Meer von Schmerzen

Wogt tief in Deinem Herzen,

Wo jede Freude wich.

 

Die Du in Schmerz versunken,

Den bittern Kelch getrunken,

Der Leiden Myrrhensaft:

Durch Deines Herzens Wunden

Lass mild mein Herz gesunden

In neuer Liebeskraft.

 

Trost gebe mir Dein Bildnis

In dieser trüben Wildnis,

O meine Königin!

Und ob ich auch muss scheiden,

Es schweben Deine Leiden

Mir stets vor treuem Sinn!

 

Silbert

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6. An Jesus am Kreuz

 

In einer Wallfahrtskirche

 

Vor Deinem Kreuze nieder

Sink` ich, o Jesus, hier,

Schau` an die wunden Glieder,

Schau` liebend auf zu Dir:

Und aus dem frommen Bilde

Neigst Du so liebend Dich

Herab, und blickst so milde,

So zärtlich auch auf mich.

 

Wie hangst Du übergossen,

O Jesus, so mit Blut!

Es ist für mich geflossen

Dein Blut, o höchstes Gut.

Für mich hast Du gelitten,

Für mich mit Angst und Not

Am Oelberg einst gestritten,

Geopfert Dich zum Tod.

 

Und wenn ich Sünder frage:

Wer hat Dir dies getan?

O Jesus, sieh, ich klage

Mich selber reuig an.

Ich machte Solches dulden

Dich, unschuldsvolles Lamm!

Ich schlug durch meine Schulden

Dich an den Kreuzesstamm.

 

D`rum lieg` ich voll der Schmerzen,

Voll bitt`rer Reu` vor Dir,

Und wein` aus ganzem Herzen

Vor Deinem Bilde hier.

Weh mir ob meiner Sünden!

Verzeih`, Erlöser, mir,

O lass mich Gnade finden,

Verstoß mich nicht von Dir!

 

Du gibst Gefangnen wieder

Der Freiheit süßes Licht,

Die Bande fallen nieder,

Die schwere Fessel bricht.

O mache von den Ketten

Der Sünde frei auch mich!

Wer kann davon mich retten,

Geschieht es nicht durch Dich?

 

Du öffnetest den Blinden

Die Augen einst voll Huld.

Verblendet von den Sünden,

Umnachtet durch die Schuld,

Fall` ich nun bittend nieder:

O Jesus, gib auch mir

Das Licht der Seele wieder,

Und führe mich zu Dir!

 

Treib` auch aus mir den Bösen,

Wie Du so oft getan,

Und eil`, mich zu erlösen,

Ich ruf` Dich flehend an.

O Arzt für alle Wunden,

O aller Kranken Heil,

Sieh schwach und krank, voll Wunden

Mein Herz, und sei sein Heil!

 

Lass auf mich niedertauen

Dein kostbar, sühnend Blut;

Die offnen Wunden schauen

Lass mich, mein einzig Gut!

Stets will ich auf Dich sehen,

Und liebend folgen Dir.

O Jesus, hör` mein Flehen,

Und weiche nicht von mir!

 

P. Zingerle

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7. Herr, bleib` bei uns

 

Herr, bleib` bei uns, denn es will Abend werden,

Der Tag hat sich geneiget;

Schon senkt die Nacht hernieder sich auf Erden,

Und alles ruht und schweiget.

Ihr Tage und Nächte, lobet den Herrn,

Ihr Sterne des Himmels, lobet den Herrn,

Lobet und preiset Ihn hoch,

Alle ihr Werke des Herrn.

 

Herr, bleib` bei uns, denn dunkel wird`s auf Erden,

Nachttau hernieder steiget;

Müd` ist das Herz und duldet viel Beschwerden,

Wenn sich Dein Trost nicht zeiget.

Ihr tauenden Lüfte, lobet den Herrn,

Ihr Wolken des Himmels, lobet den Herrn,

Alle ihr Engel des Herrn,

Lobet und preiset den Herrn!

 

Herr, bleib` bei uns, dann mag es Abend werden,

Tut nur Dein Licht uns scheinen!

Der Du im Himmel wohnest und auf Erden,

Gern bleibst Du bei den Deinen.

Ihr Diener des Herrn, lobet den Herrn,

Ihr Priester des Herrn, lobet den Herrn,

Alles was lebet und liebt,

Lobet und preiset den Herrn!

 

Herr, bleib` bei uns, lass uns nicht zaghaft werden,

Wenn Nacht und Grau`n sich zeigen!

Du guter Hirt, Du weidest Deine Herden,

Bis sich die Schatten neigen.

Ihr Armen und Kleinen, lobet den Herrn,

Ihr Herzen voll Demut, lobet den Herrn,

Alle ihr Christen zumal,

Lobet und preiset den Herrn!

 

Herr, bleib` bei uns, Der einstens Dich zur Erden

Erbarmend hast geneiget,

Getragen uns`re Schmerzen und Beschwerden,

Als Bruder Dich erzeiget!

Ihr Engel und Erzengel, lobet den Herrn,

hr Cherub und Seraphim, lobet den Herrn,

Lobt eure Königin hoch,

Preiset die Mutter des Herrn!

 

Herr, bleib` bei uns, bis dass von dieser Erden

Wir einstens müssen scheiden;

Herr, sieh auf uns, damit wir selig werden,

Eingeh`n in Deine Freuden.

Ihr Wunder der Liebe, preiset den Herrn,

Ihr Seine Erbarmungen, preiset den Herrn,

Lobet und preiset den Herrn

An dem Altare des Herrn.

 

Herr, bleib` bei uns, denn es will Abend werden,

Der Tag hat sich geneiget!

Bei Tag und Nacht, im Himmel und auf Erden

Sich Deine Hoheit zeiget!

Dir Gott sei die Ehre, dem Vater und Sohn

Und heiligen Geiste auf himmlischen Thron,

Wie Er von Anbeginn war

Jetzo und immerdar!

 

Herr, bleib` bei uns, denn es will Abend werden,

Der Tag hat sich geneiget.

Wenn Du uns rufst hinweg von dieser Erden,

Erbebt das Herz und schweiget.

Ihr Seelen der Gerechten, lobet den Herrn,

Ihr seligen Büßer, lobet den Herrn,

Bittet, ihr Freunde des Herrn,

Bittet für mich bei dem Herrn!

 

Herr, bleib` bei uns, bald wird es dunkel werden,

Bald wird der Tag sich neigen,

O wollest doch, Herr Himmels und der Erden

Mir Sünder Gnad` erzeigen!

Ihr hohen Apostel, lobet den Herrn,

Ihr glorreichen Märtyrer, lobet den Herrn,

Bittet, ihr Engel des Herrn,

Bittet für mich bei dem Herrn!

 

Herr, bleib` bei uns, lass neuen Tag uns werden,

Wenn sich Dein Licht wird zeigen;

O wollest mild, Herr Himmels und der Erden,

Dein Antlitz zu uns neigen!

O heiligste Jungfrau, Mutter des Herrn,

O heiliger Joseph, Pfleger des Herrn,

Vielgeliebte des Herrn,

Bittet für mich bei dem Herrn!

 

Herr, bleib` bei uns, denn es will Abend werden,

Bald wird der Tag sich neigen;

Lass dem Entschlaf`nen Freud` und Friede werden,

Ihm ewig Licht sich zeigen!

Ihr Chöre der Engel, lobet den Herrn,

Ihr Chöre der Jungfrau`n, lobet den Herrn,

Seligste Mutter des Herrn,

Bittet für ihn bei dem Herrn!

 

J. E. Veith

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8. Die Wallfahrt

 

Legende

 

Ein Pilger wallt auf rauen Wegen

Im Muschelrock, mit nacktem Fuß,

Trotz steilen Felsen, Dorngehegen

Und betet still des Engels Gruß.

Und wie ihn auch mit glüh`ndem Pfeile

Die hohe Sommersonne sticht,

Er wandelt fort in frommer Eile

Und wanket und ermüdet nicht.

 

Er will vor Abend noch erreichen

Den lang ersehnten Wallfahrtsort;

Berühmt durch viele Wunderzeichen,

Thront segensvoll ein Bildnis dort.

Es ist der Hochgebenedeiten

Und Gottes, ihres Sohnes, Bild,

Seit grauen, undenkbaren Zeiten

Des ganzen Landes Schutz und Schild.

 

Erstanden ist er erst vom Bette,

Auf dem er mit dem Tode rang;

Schon war für ihn an heil`ger Stätte

Gott ausgesetzt mit Glockenklang.

Da rief er sie an, die noch allen

Geholfen, mit erstarrtem Mund;

Zu ihrem Bilde hinzuwallen

Gelobt` er ihr und ward gesund.

 

Und einen Kelch ließ er dann bilden,

Von Silber ganz, durch Künstlerhand,

Auf welchem zartgeformt und gülden

Die Königin des Himmels stand.

Zu ihren Füßen war zu lesen,

Wie er einst hoffnungslos erkrankt,

Durch ihre Fürbitt` schnell genesen,

Und ihr mit diesem Kelch gedankt.

 

Er brachte seine letzte Habe

Für dieses Kleinod freudig dar,

Und trägt nunmehr die fromme Gabe

Zu seiner Retterin Altar.

Er zieht mit brünstigen Gebeten

Durch Staub und Regen, Moor und Wald;

Den heil`gen Boden zu betreten,

Sie selbst zu schauen hofft er bald.

 

Schon siehet er, mit frohem Beben,

Fernleuchtend in der Sonne Glut,

Des Tempels Türme sich erheben,

Worin das Gnadenbildnis ruht.

Er folgt dem Glanze dieser Sterne,

Der ihm des Pfades Richtung zeigt,

Als an des Horizontes Ferne

Ein Berg von Wolken aufwärts steigt.

 

Ein Riese jetzt in grauser Schnelle,

Steht furchtbar das Gewitter da.

Erloschen ist der Zinnen Helle,

Die jubelnd schon der Pilger sah.

Der Riese schwingt die dunkeln Flügel,

Er wirft sein feuriges Geschoss

Und ringsum flammen Wald und Hügel

Und alle Stürme werden los.

 

Und wie ein Gießbach braust der Regen

Dem Pilger dumpf in`s Angesicht,

Doch kämpft der Pilger ihm entgegen

Und wanket und ermüdet nicht.

Vereinten Grimms, wie Ungeheuer,

Doch machtlos, greifen einen Mann

Der Lüfte Sturm, der Blitze Feuer,

Des Himmels dunkle Wasser an.

 

So dringt er bis zu einem Flusse,

Der, hoch vom Regen angeschwellt,

Mit mächtig tosendem Ergusse

Von Felsenwänden niederfällt.

Doch hier ergreift ihn banges Zagen,

Den Fluss hinüber führt sein Weg,

Und keine Brück` ist dort geschlagen,

Hinüber leitet nur ein Steg.

 

Behutsam drückt er seine Gabe

Noch fester an die fromme Brust. -

"Wird mir der Strom auch hier zum Grabe,

Ist Ihr mein Wille doch bewusst!"

So ruft er aus und zu ihr betend

Wagt er den Gang mit kühnem Sinn,

Den schmalen morschen Steg betretend,

Ist`s ihm, als führ` ein Engel ihn.

 

Doch hat er noch des Brettes Mitte,

Umspült von Wellen, nicht erreicht,

Als unter seinem mut`gen Schritte

Ein Pfahl des Stromes Andrang weicht.

Der alte Pfeiler bricht zusammen,

Der Pilger stürzt, die wilde Flut

Umschäumt ihn, wie ein Meer von Flammen

Erleuchtet von der Blitze Glut.

 

Schon hebt er nur noch untersinkend

Das Haupt aus nassem Grab hervor

Und hält den Silberkelch erblinkend,

Kaum noch mit matter Hand empor,

Als plötzlich ihm ein heller Schimmer

In`s halberlosch`ne Auge bricht,

So milde strahlen Blitze nimmer,

Das ist ein andres höh`res Licht.

 

Und in dem Glanze schwebt, getragen

Von Engeln, eine Königin,

Und purpurrote Wolken schlagen

Um ihre Füße spielend hin.

In ihrem Arme ruht ein Knabe,

Der sanft an ihre Brust sich drückt

Und auf den Mann und seine Gabe

Im Strome, lächelnd, niederblickt.

 

Und zu dem Pilger niederwallen

Lässt sie des Mantels goldnen Saum;

Er fasst ihn an mit Dankeslallen,

Er traut den eignen Händen kaum,

Und mit dem Kleide fortgezogen

Schwimmt er dem andern Ufer zu,

Klimmt dort hinauf und sieht die Wogen

Jetzt hinter sich in stiller Ruh.

 

Doch wie er aufwärts blickt, enthoben

Ist schon das himmlische Gesicht

Und nur der Mond noch schwebet droben

Und schaut ihm sinnig in`s Gesicht.

Er wirft sich auf dem Grase nieder,

Er dankt mit weinendem Gebet,

Doch ach! so müd sind seine Glieder,

Dass er dem Schlaf nicht widersteht.

 

Und als er aufwacht, blickt die Sonne

Schon über das Gebirg herein,

Und alles tönt und duftet Wonne

In ihrem bunten Morgenschein.

Frei wieder atmend, neu gestärket,

Erhebt der Pilgersmann das Haupt,

Doch kurz ist seine Lust, er merket

Alsbald, dass ihm der Kelch geraubt.

 

So kann ich Ihr nicht einmal danken,

Die mich in keiner Not verließ,

Die den Ertrinkenden, den Kranken

Zweimal dem Tode schon entriss!

Was ich im Sturm für sie gerettet,

Den gier`gen Fluten selbst entwand,

Das stiehlt mir, da ich sanft gebettet

Entschlafen, eines Räubers Hand.

 

So klagt er, lenkt mit schwerem Herzen

Zur Straße wieder ein und sieht

Des Domes Zinne fast mit Schmerzen,

Die hell im Morgenstrahl erglüht.

Er stößt auf eine Menschenmenge,

Mit Muschelhüten all` bedeckt;

Vielleicht hält betend im Gedränge

Sein frecher Räuber sich versteckt.

 

Und schon vernehmen sie ein Läuten,

Das nah und immer näher schallt.

Den Ruf zum Hochamt wird`s bedeuten,

Es schlägt die achte Stunde bald.

Und sehnsuchtsvoll, mit schnellem Schritte,

Ist jetzt der Flecken schon ereilt,

In dessen gnadenreicher Mitte

Die Königin des Himmels weilt.

 

In seinem Umfang steht, getragen

Von Säulen rings, das heil`ge Haus,

Aus dem hervor zwei Türme ragen

Hoch in des Himmels Blau hinaus.

Inwendig knien vor den Altären

Die Pilgerscharen, bunt gemengt;

Ja selbst bis zu den höchsten Chören,

Ist heut die Kirche voll gedrängt.

 

In diesem Dom mit ernster Miene,

Im Arme den geliebten Sohn,

Prangt, überwölbt vom Baldachine,

Die Heilige auf goldnem Thron,

Ein uralt Bild, das einst vom Himmel,

so sagt man, sich herniederließ,

Der Götzen heidnisches Gewimmel

Von ihren blut`gen Sitzen stieß.

 

Und rundum, an der Wand bezeugen

Zahllose Tafeln ihre Huld;

Abtragen wollte so ein Reigen

Geretteter des Dankes Schuld.

Besiegter Feinde Fahnen prangen

Ihr, die den Sieg dem Heere gab,

Und ihr geweihte Lampen hangen

Mit ew`gen Lichtern rings herab.

 

Und alle Fürsten, die geboten

In diesem Lande fromm und mild,

Gelobten sterbend ihre toten,

Gebrochnen Herzen diesem Bild.

In Silberurnen all zusammen

Umstehen sie den Hochaltar

Und bringen goldne Liebesflammen

Der Mutter ihres Schöpfers dar.

 

So wie der Pilger in den Tempel

Hereintritt, schüchtern um sich blickt

Und siehet ihrer Huld Exempel

In tausend Bildern ausgedrückt,

Ergreift ihn wieder bitt`re Wehmut,

Er denkt an seines Kelches Raub

Und Kniet mit andachtsvoller Demut

Unweit des Tores in den Staub.

 

Auf einmal höret er erklingen

Vom Chore heiligen Gesang,

Getragen, wie auf mächt`gen Schwingen,

Von feierlichem Orgelklang,

Indessen auf dem Hochaltare,

Der herrlich strahlt in Festespracht,

Das Opfer wird, das wunderbare,

Geheimnisvolle, dargebracht.

 

Und wie das Hochamt ist vollendet,

Die Weihrauchwolke sich verzieht,

Der Priester vom Altar sich wendet

Und alles noch stillbetend kniet,

Erhebet plötzlich auf dem Chore,

Erst leis` und schüchtern zwischen Zwei`n,

Doch bald vernehmlich jedem Ohre

Ein Streit sich über Mein und Dein.

 

Die Augen der Gemeinde wenden

Hinauf sich in neugier`ger Hast

Und sehn von beider Zänker Händen

Ein schimmerndes Metall gefasst.

Und plötzlich fällt ein Kelch hernieder,

Hinabgeschleudert mit Gewalt,

G`rad vor den Pilger, dass es wieder

Vom glatten Marmorboden hallt.

 

Es ist sein Kelch! Von Wonne trunken

Misstraut er, ob er wirklich sah,

Bleibt auf die Knie noch gesunken,

Erzählt dem Volk, was ihm geschah;

Und alles staunt in heil`ger Freude

Den Pilger an und den Pokal,

Ergreift die Räuber, fesselt beide

Und reißt sie vor das Tribunal.

 

"Wir fanden ihn am frühen Morgen

Im tiefen Schlaf, an Stromes Rand,

Der Kelch war unterm Kleid verborgen,

Und ward von uns ihm rasch entwandt.

Doch weil ihn jeder haben wollte,

Entspann sich zwischen uns ein Streit;

Damit ihn keiner haben sollte,

Warf ich ihn weg, betört von Neid." -

 

Gott hat sie selber euch entrissen,

Die Gabe, die ihr Ihm geraubt!

Jetzt trifft in Kerkers Finsternissen

Gerechte Strafe euer Haupt! -

Der Richter sagt`s, der heil`ge Becher

Wird auf den Altar hingestellt,

Und kündet Gott, dem ew`gen Rächer

Verwegnen Raubes, aller Welt.

 

Ed. von Schenk

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9. Zur Maienkönigin

 

Hab Dank, Erhabene, für all die Freud`,

Die einst durch dich wir neugeschenkt empfangen;

Der Vöglein Sang, der Blumen duft`ges Prangen,

Die Pracht, die rings der holde Mai uns beut.

 

Mit Adams Kindern hat einst die Natur,

Vom Fluch belastet, lang geseufzt, getrauert;

Auch sie hielt der Verstoßung Leid durchschauert

Und Klagelaut durchzitterte die Flur.

 

Da kamest du, von Ewigkeit ersehn,

Und schon dem sünd`gen Elternpaar verheißen;

Du kamst, des Unheils Ketten zu zerreißen,

Und ließest Glück und Frieden neu erstehn.

 

Wenn jetzt das zarte Maiengrün uns lacht,

Wenn Schönheit, Pracht und Frohsinn sich entfalten,

So preist darin das All dein huldvoll Walten

Und feiert deine Güte, deine Macht.

 

Und freudig stimmen unser Herzen ein,

Dir, o Maria, Preis und Dank zu sagen;

Mög` linder Frühlingshauch es aufwärts tragen,

Dein Segen uns dafür beschieden sein!

 

R. Grein

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10. St. Augustin

 

An dem Meeresufer ging

Augustinus eins lustwandelnd,

Mit den höchsten Gegenständen

Sich beschäftigend in Gedanken.

Was er sinnt, blieb unergründlich

In dem endlichen Verstande:

Wie in Gott ein einig Wesen

Drei Personen doch umfange.

Als er, kühn hierüber grübelnd,

Seinen Blick zur Seite wandte,

Sah er einen Knaben sitzen

Neben sich im Meeressande.

Eine Muschel in dem Händchen,

Sitzt der Knabe unverwandten

Blicks und schöpfet emsig Wasser

Aus des Meeres stillem Rande.

"Kind!" spricht Augustin, "was machst du

Hier allein am öden Strande?

Ich besorge, dass zu Hause

Dich vermissen, die Verwandten."

"Nicht umsonst," versetzt der Kleine,

"Bin ich hier; bin hergegangen,

Um das grenzenlose Meer

In dies Grübchen einzufangen."

"Spare, Kind," sprach Augustinus,

"Dir die Mühe; dein Verlangen

Ist unmöglich. Wenn du schöpftest,

Bis Jahrtausende vergangen,

Bringst du doch, das große Meer

Auszuschöpfen, nie zu Stande."

Drauf der Knabe: "Ganz wie ich,

Vater! scheint Ihr mir zu handeln,

Wenn Ihr Euch das Wesen Gottes

Zu ergründen unterfanget;

Denn so wenig ich das Meer

In dies Grübchen hier im Sande

Schöpfen kann mit meiner Muschel,

Schöpfte ich auch noch so lange, -

Werdet Ihr das ewge Wesen

Gottes, ohne Maß und Schranken,

Je erforschen, auch im kühnsten

Aufschwung sterblicher Gedanken."

Augustinus stand verwundert, 

Und demütig nun erkannte,

Dass ja Gott nicht Gott sein würde,

Wär` es jemals ganz verstanden.

Antworten wollt` er dem Kinde,

Doch er stand allein am Strande,

Seinen Blicken war`s entschwunden,

Als sie höh`re Wahrheit fanden.

Seit dem Tag hat Augustinus

So mit Mund als Schrift gestanden:

Sich`rer als Verstehn sei Glauben,

Gott sei nur von Gott verstanden.

 

M. Diepenbrock

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11. Der Abend im Gebirge

 

Glutrot malen

Abendstrahlen

Wald und Hain

Und des kahlen

Berg`s Gestein.

 

Goldne Sträuche,

Esp` und Eiche -

O wie schön

Sie im Teiche

Sich beseh`n!

 

Doch was hallte

Dort im Walde

Für ein Tritt?

Ach, der alte

Eremit!

 

Dort, wo Rüstern

Schau`rlich flüstern,

Wankt in Ruh

Er der düstern

Klause zu.

 

Aus dem tiefern

Grün der Kiefern

An dem Bach,

Ragt von Schiefern

Blau das Dach.

 

Der Kapelle

Kreuz glänzt helle,

Wie aus Gold

Ob der Zelle

Traut und hold.

 

O dort wohnen -

Fern von Thronen -

Glück und Ruh`,

Dich zu lohnen,

Tugend, du!

 

Gottes Frieden

Fühlt hienieden

Schon die Brust -

Abgeschieden

Eitler Lust.

 

Horch - das kleine,

Helle, reine

Glöcklein schallt -

Und im Haine

Wiederhallt!

 

Andacht regend,

Kummer legend,

Tönt`s mit Macht -

Sagt der Gegend

Gute Nacht.

 

Und nun schweiget

Alles - zeiget

Heiligtum;

Tauschwer neiget

Sich die Blum;

 

Heil`ge Stille,

Ach, erfülle

Auch mein Herz!

Sänft`ge, stille

Lust und Schmerz.

 

Ch. v. Schmid

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12. Zum Fest Christi Himmelfahrt

 

Du bst, o Herr, hinaufgegangen

Zu deines Vaters Herrlichkeit;

Zum Himmel fuhrst du auf mit Prangen

Aus dieser Erde Leid und Streit.

Dein Rettungswerk, es war vollbracht;

Und mochten auch die Feinde schmähen,

Sie mussten zitternd sich gestehen

Des Auferstand`nen Gottesmacht.

 

Den Glauben der erwählten Schar

Mit Trostesreden du belebtest,

Eh` ihrem Blick du immerdar

Hinauf zum Gottesreich entschwebtest.

Und damals ward durch Engelsmund

Gesagt: "Der Herr wird einst erscheinen

Und alles zum Gericht vereinen,

Was lebte auf dem Erdenrund.

 

Dies Wort, o Jesus, lass allzeit

In unsern Herzen widerhallen,

Lass uns in diesem Erdenstreit

Stets suchen Gottes Wohlgefallen.

Das Reich, das ewig droben ist,

Lass treu uns zu erlangen streben,

Dass wir vereint mit dir dort leben

Nach gut durchwallter Daseinsfrist.

 

R. Grein

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13. Das Waldvöglein

 

Von einem frommen Ordensmann

Will ich ein Lied jetzt singen,

Der, Jungfrau, dich so lieb gewann,

So lieb vor allen Dingen,

Dass, was er redet immerfort,

So war doch stets sein erstes Wort:

Gegrüßt seist du, Maria!

 

Er hat ein klein Waldvögelein

Mit buntem Hals und Schwingen,

das saß bei ihm im Kämmerlein

Und konnt so lieblich singen,

Und wie er spät und frühe sprach,

So sang das Vöglein ihm stets nach:

Gegrüßt seist du, Maria!

 

Das Vöglein in dem engen Haus,

Das sah den Wald ergrünen,

Da flog es in den Wald hinaus,

Der ihm so schön geschienen,

Und wie es in dem Freien war,

Da sang das Vöglein silberklar:

Gegrüßt seist du, Maria!

 

Der Bruder ging ihm traurig nach

Und wollt das Vöglein fangen,

Es hüpfte fort durch Busch und Haag.

Und schlüpfte durch die Stangen,

Und von der Erde auf es flog

Und in den Lüften sang es hoch:

Gegrüßt seist du, Maria!

 

Da senkte sich so schnell wie Blitz

Ein wilder Aar hernieder,

Und fasste mit den Krallen spitz

Das Vöglein beim Gefieder,

Da ward dem Vöglein gar so bang,

In größter Not es kläglich sang:

Gegrüßt seist du, Maria!

 

Und vor dem Ruf erschrickt der Aar

Und öffnet schnell die Krallen,

Maria half da wunderbar,

Er ließ das Vöglein fallen,

Und zu Mariens Preis und Dank

Viel heller noch das Vöglein sang:

Gegrüßt seist du, Maria!

 

Der Bruder in dem Garten stand

Voll Trauer und Verlangen,

Das Vöglein flog auf seine Hand

Und ließ sich selber fangen;

Da kehrt er froh ins Kämmerlein

Und singt mit seinem Vögelein:

Gegrüßt seist du, Maria!

 

Maria, liebste Mutter mein!

Ließt du den Aar nicht töten

Das unvernünft`ge Vögelein,

Das sang in großen Nöten,

Dann lässt du auch den Sünder nicht,

Der reuig und von Herzen spricht:

Gegrüßt seist du, Maria!

 

Guido Görres

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14. Rechts oder Links?

 

Die Stunde naht! - Es scheiden sich die Geister;

Herauf zieht eine neue, - ernste Zeit!

Ein Kampf entbrennt um unsern Herrn und Meister;

Um Christus! - heißt die Losung weit und breit!

 

Um Christus! - der zum Eckstein ist geworden

Für alle Völker! - Ost, West, Nord und Süd;

Für den die Märtyrer sich ließen morden!

Der selbst - für dich, o Mensch - am Kreuz verschied;

 

Der seine Lehre - dir, o Mensch - verkündet

Zu deiner Rettung! - deiner Seele Heil;

Und seine heil`ge Kirche hat gegründet;

Die mir um alles in der Welt nicht feil!

 

Die, schützend, stets o Mensch - an deiner Seite,

Gleich einer liebevollen Mutter schritt;

Zwanzig Jahrhunderte hindurch im Streite,

Bald tröstend - und bald helfend - mit dir stritt!

 

Die Kirche -, die auf Felsengrund erbauet!

Die - sturmerprobt und wetterhart zugleich:

Ich denk`, wer seiner Kirche nicht vertrauet,

Verwirft sein Anrecht auf das Himmelreich!

 

Wohlan, mein Christ! - So rüste dich und raffe

Dich auf - zur mutig kühnen Mannestat!

Und kämpfe ohne Furcht! - Wer seine Waffe

Nicht führt, - gar preisgibt - feig` ist der Soldat!

 

Sei wahrhaft, fromm, - und lerne fleißig beten;

Auf dass dein Inn`res treu und furchtlos sei!

Mit Gottesfurcht - dem Feind entgegentreten

Gibt Mut - und macht von Menschenfurcht dich frei!!

 

Selbstlos. - Mit festem, unbeugsamem Willen!

So menge dich hinein ins Kampfgewühl;

Den Willen deines Schöpfers zu erfüllen!

Das sei dein heiligstes und höchstes Ziel.

 

Wer rastet, rostet! - Soll sie sich entfalten,

Die Blüte deines Herzens - der Juwel.

Ans Licht mit ihm!!! - Zum kräftigen Gestalten.

Aus deiner Meinung mache keinen Hehl.

 

Und Gott mit dir! - Willst du nicht unterliegen,

Mein Volk, sei einig! - Schar` dich mit Vertrau`n

Ums Kreuz! - In diesem Zeichen wirst du siegen!

Brauchst nur zu wollen! - Gläubig aufzuschau`n!

 

Horch` auf! - Wie schön die Kirchenglocken klingen,

Kaum küsst der Lenz, - der Morgen -, die Natur;

Da wird es Mittag, - Abend -, und das Singen

Verstummt! - Schnell läuft sie ab die Weltenuhr.

 

Auch Abend wird es in der Weltgeschichte!

"Rechts oder links" das Urteil lautet dann!

Ach, bleibe bei uns - Herr! - Mich gnädig richte,

Damit ich dann vor dir bestehen kann.

 

Alois Frankenhausen, Düsseldorf

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15. Zur Maienkönigin

 

In Maienpracht

Die Flur uns noch lacht,

Sie mahnt uns, den Sinn zu erheben

Zum himmlischen Zelt,

Zur Jungfrau erwählt`,

Durch die uns das Heil ward gegeben.

 

Ja, hebe, o Herz,

Dich himmelwärts,

Der Hehren dein Dankwort zu bringen;

Im Jubelschall

Mit dem grünenden All

Lass fromm ihr dein Loblied erklingen!

 

Du aber, nimm hin,

Was gläubiger Sinn,

Maria, als Dank dir will spenden,

Schenk` Schutz uns und Licht,

Dass töricht wir nicht

Das Herz zum Vergänglichen wenden.

 

Bald weichet die Freud`,

Die Staub hier uns beut,

Die wonnigen Lieder bald schweigen.

Wenn die Pracht der Welt

Verwelkend zerfällt,

Will ernst sie nach droben uns zeigen.

 

Richt` ganz unsern Sinn,

O Maria, dorthin

Vom Glück, das so flüchtig genossen.

Der Mai schon entflieht,

Die Pracht, sie verblüht:

Dein Mutterherz bleibt uns erschlossen.

 

R. Grein

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16. Die sieben Schmerzen der heiligen Jungfrau

 

Christi Leiden hast du vorgelitten,

Als dein lieberfülltes Mutterherz

Simeon mit scharfem Schwert durchschnitten,

Dir verkündend seinen Todesschmerz:

Lasse meine Schuld mich tief beklagen,

Die so harte Wunden dir geschlagen.

 

Musstest aus der lieben Heimat fliehen,

In die Fremde, ins Ägypterland,

Mit Sankt Joseph, mit dem Kindlein ziehen

Einsam durch der Wüste heißen Sand:

Lass mich gehn, o Mutter! dir zur Seiten,

Wolle du durch`s Leben mich geleiten.

 

Deinen Sohn verlorst du ohne Schulden,

Deine Liebe suchte ihn so bang,

Musste harren, musste schmerzlich dulden,

Schmachten ohne Trost drei Tage lang:

Sei Maria mir zum Stern erkoren,

Hab ich ihn durch meine Schuld verloren.

 

Mit der Dornenkrone hart geschlagen,

Sahst du ihn zur Leidensstätte gehn,

Sahst das schwere Kreuz ihn blutend tragen

Und die Feinde höhnisch ihn umstehn:

Wolle, Jungfrau! du mein Herz erquicken,

Weil die Last der Leiden mich erdrücken.

 

Schmerzensreiche! die das Kreuz umfangen,

Der Herz der schärfste Dolch durchzückt,

Als die Hammerschläge dumpf erklangen

Als sein heilig Blut hernieder glitt:

Lass mich mit Johannes bei dir weilen

Lass als Sohn mich deine Liebe teilen.

 

Deines Heilands, deines Sohnes Leiche

Mund, zerrissen, blutend, kalt und bloß,

Nahmen sie vom Kreuz, o Jammerreiche!

Du o Jungfrau, nahmst sie auf den Schoß:

Habe meiner vor dem Tod Erbarmen,

Lass mich ihn im Sakrament umarmen.

 

Die getrauert, ach! so tief im Herzen,

Eine Rose von dem Sturm entlaubt,

Als das Grab die Mutter voll der Schmerzen

Ihres höchsten Gutes, ach! beraubt:

Keine Sünde soll mir ihn entreißen,

Ewig will ich Dich im Himmel preisen.

 

Guido Görres

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17. Pfingsten!

 

Du kehrest wieder, o heiliger Geist,

Zu deiner sterblichen Herde,

Du, der uns die Pfade zum Lichte weist,

Dass alles erneuert werde!

Ja, göttlicher Tröster, sei uns gegrüßt;

Das Heil der Seelen gefährdet ist,

Und Hoffart und sündig Verlangen

Hält zahllose Geister befangen.

 

Verblendet wähnet der Adamssohn

Als Herrscher, als Gott sich erhoben;

Er leugnet der Ewigkeit Strafe und Lohn

Und das göttliche Walten da droben.

Das Herz ist der Welt und der Weltlust geweiht,

Und sucht in der Sünde das Glück dieser Zeit;

Mit sündigen Lebenswonnen

Scheint Hoffnung und Heil ihm verronnen.

 

O ruf` sie vom gähnenden Abgrund zurück,

Wend` um sie auf bessere Pfade,

Du Tröster, erhelle der Irrenden Blick

Und öffne die Herzen der Gnade!

Ja, lenke uns alle zum Himmel hinan,

Dass ewig die Menschheit dort preisen dich kann.

Das Ewige lass uns erwägen,

Dass treu wir`s erstreiten, gib Segen!

 

R. Grein

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18. Seligkeit in Jesus

 

Wenn ich Ihn nur habe, 

Wenn Er mein nur ist,

Wenn mein Herz bis hin zum Grabe

Seine Treue nie vergisst:

Weiß ich nichts von Leide,

Fühle nichts, als Andacht, Lieb` und Freude.

 

Wenn ich Ihn nur habe,

Lass ich alles gern,

Folg` an meinem Wanderstabe

Treugesinnt nur meinem Herrn;

Lasse still die andern

Breite, lichte, volle Straßen wandern.

 

Wenn ich Ihn nur habe,

Schlaf` ich fröhlich ein,

Ewig wird zu süßer Labe

Seines Herzens Flut mir sein,

Die mit sanftem Zwingen

Alles wird erweichen und durchdringen.

 

Wenn ich Ihn nur habe,

Hab` ich auch die Welt;

Selig, wie ein Himmelsknabe,

Der der Jungfrau Schleier hält.

Hingesenkt im Schauen,

Kann mir vor dem Irdischen nicht grauen.

 

Wo ich Ihn nur habe,

Ist mein Vaterland;

Und es fällt mir jede Gabe

Wie ein Erbteil in die Hand:

Längst vermisste Brüder

Find` ich nun in seinen Jüngern wieder.

 

Novalis

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19. Christentreue

 

Wenn alle untreu werden,

So bleib` ich Dir doch treu;

Dass Dankbarkeit auf Erden

Nicht ausgestorben sei.

Für mich umfing Dich Leiden,

Vergingst für mich in Schmerz;

Drum geb` ich Dir mit Freuden

Auf ewig dieses Herz.

 

Oft muss ich bitter weinen,

Dass Du gestorben bist,

Und mancher von den Deinen

Dich lebenslang vergisst.

Von Liebe nur durchdrungen,

Hast Du so viel getan,

Und doch bist Du verklungen,

Und keiner denkt daran.

 

Du stehst voll treuer Liebe

Noch immer jedem bei;

Und wenn Dir keiner bliebe,

So bleibst Du dennoch treu;

Die treuste Liebe sieget,

Am Ende fühlt man sie,

Weint bitterlich und schmieget

Sich kindlich an Dein Knie.

 

Ich habe Dich empfunden,

O! lasse nicht von mir;

Lass innig mich verbunden

Auf ewig sein mit Dir.

Einst schauen meine Brüder

Auch wieder himmelwärts

Und sinken liebend nieder,

Und fallen Dir ans Herz.

 

Novalis

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20. Das arme Kind

 

Der Wald war dürr, der Weg war nass,

Und einsam ging ein Mägdlein blass,

Es schien kein Stern, kein Lied erklang

Und traurig war des Mägdleins Gang.

 

Ihm war das Herz gar sorgenbang,

Es weinte süß, und weinte lang.

Nicht Lerche pfiff noch Nachtigall,

Der Wind nur pfiff mit lautem Schall.

 

Und riss er leicht am Haselreis,

Dann weint das Mägdlein still und leis.

Und bricht der Sturm die Eich entzwei,

Dann weint das Mägdlein laut und frei!

 

So kömmt es hin zur Waldkapell,

Und knieet dort an heil`ger Stell!

Dem Kummer lässt es freien Lauf,

Und hebt die Hände schluchzend auf.

 

Mir ist, o Gott, so bang und weh,

Nur Leid und Weh ich vor mir seh.

Ach gestern ging bei Kerzenschein

Zu Grab der liebe Vater mein.

 

Der Mutter Herz vor Gram zerbrach,

Sie folgte heut dem Vater nach.

Die Mutter gab mir Milch und Brot,

Der Vater Kleider weiß und rot.

 

Sie starben, ach! die Eltern mein,

Nun bin ich armes Kind allein!

Der Hunger drückt, der Wind ist kalt,

Die Not ist groß, mein Kleid ist alt.

 

Drum reicher Christ vom Himmel Du,

O leg Dein Mägdlein auch zur Ruh.

So klagt`s und weint`s aus Herzensgrund,

Bis stiller Schlaf ihm schloss den Mund.

 

Da ward ihm leicht und wohl und süß,

Als wär`s in Gottes Paradies.

Ein Lied mit Flöt` und Harf erklingt,

So lieblich wie kein Vogel singt.

 

Von vielen Lichtern klar und hell

Erstrahlet rings die Waldkapell.

Und statt der kalten Winterluft

Weht warmer Himmelsblumenduft.

 

Da steht vor ihm so licht und klar

Der Herr in einer Heiligenschar.

Sie trugen ihrer Reinheit Preis

Ein Kleid wie Alpenschnee so weiß.

 

Den Martern und dem Leid zum Lohn

Auf ihrem Haupt die Sternenkron`,

Und in der Hand den Palmenzweig,

Der schmückt den Sieg fürs Himmelreich.

 

Doch wie ein Licht aus dunkler Nacht

So strahlte vor des Herren Pracht.

Und wie er sich zum Mägdlein neigt,

Da Lied und Flöt` und Harfe schweigt.

 

Wohl starben dir die Eltern dein,

Doch bist du nicht mein Kind allein.

Sei frohen Muts und blick auf mich.

Denn sieh! dein Vater, der bin ich.

 

Denn alles ist in meiner Hut

Mein Vateraug auf allem ruht.

Ich gab als reichen Schatz und Hort

Den Armen der Verheißung Wort.

 

Und wer dir schenket Brot und Kleid

Und Trostes Wort in bittrem Leid;

O sieh! ich bot ihm reichen Lohn,

Ich bot dafür die Himmelskron`.

 

Sei fleißig, treu und fromm und gut,

Und halte stets mein Wort in Hut,

Dann sollen meine Engel dir

Zur Seite stehen für und für.

 

Drum weine nicht, und blick auf mich,

Dein Vater, liebes Kind! bin ich.

So sprach der Herr und schwand hinauf,

Da wacht das Kind vom Schlafe auf.

 

Es war ihm wohl, es war ihm warm,

Verschwunden war sein bitt`rer Harm.

Nach Hause kehrts mit festem Gang;

Es war nicht mehr sein Herz so bang.

 

Und riss der Wind am Haselreis,

Dann sprach das Mägdlein still und leis:

"Ich bin nicht auf der Welt allein,

Im Himmel wohnt der Vater mein."

 

Und wenn der Sturm die Eiche brach,

Dann hell und laut zum Sturm es sprach:

"Ich bin nicht auf der Welt allein,

Im Himmel wohnt der Vater mein."

 

Guido Görres

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21. Zur hochheiligen Dreifaltigkeit

 

Dreiein`ger Gott, wer könnte dich ergründen!

Nie wird der Menschen Klügeln dich verstehen;

Nur Glaube lässt dich wie im Spiegel sehen,

Wie Welt und Himmel deinen Ruhm verkünden.

 

In deinem Walten, Höchster, wir dich finden,

Durch dich die Sterne ihre Bahnen gehen,

Du spendest Sonnenglanz und Sturmeswehen,

Dein Wort belebt und lässet Leben schwinden.

 

Da ziemt uns nicht, zu deuteln und zu fragen;

Wir sollen trachten, deinen heil`gen Willen

Zu ahnen und im Glauben zu erfüllen.

 

Dann dürfen nach enteilten Erdentagen, 

Wenn fromm das Pilgerleben wir beschließen,

Im Licht wir deine Anschauung genießen.

 

R. Grein

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22. Seufzer zu Jesus

(Nach dem heiligen A. M. von Liguori)

 

Gott, Du unermess`ne Liebe,

Meines Lebens süßes Leben,

Mein Geliebter, mein Bestreben,

Licht und Flamme meiner Brust,

Bräutigam und ew`ge Lust.

 

Dir, o Jesu, mein Gebieter!

Gilt mein Seufzer, gilt mein Sehnen,

Meiner Liebe heiße Tränen;

Ewig wächst des Herzens Glut

Nach Dir, hochgeliebtes Gut!

 

Weinen will ich, immer weinen,

Dass ich, Gott vor Dir gesündigt;

Weinend sei es Dir verkündigt,

Dass ich irrend, undankbar,

Dass ich ein Verräter war.

 

Mich ergreift`s, wie Todesschauer

Gehts, o Teurer! mir zu Herzen,

Wie am Kreuz in tiefe Schmerzen,

Wie Dich in des Todes Nacht

Meine Sünde hat gebracht.

 

Wirke, meine süße Hoffnung,

Dass ich Dein verbleib` in Treue,

Dass ich alles Arge scheue,

Lieber sterben, als fortan

Wieder tun wie ich getan.

 

Sieh`! wie mich von allen Seiten

Feinde Tag und Nacht umringen,

Lass mein Rufen zu Dir dringen:

Nimm dies, Herr! es zu erfreu`n

In der Seitenwunde Dein!

 

Fess`l mich mit Deinen Ketten,

Schließe mich, Du Treuer, Bester!

Enger stets an Dich und fester,

Dass ich bis an`s Ende treu,

Innig Dir verbunden sei!

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23. Der heilige Bonifazius

 

Aus dem Osten brach ein Strahl

Leuchtend in die Nacht,

Der die Lieb` in Menschenbrust

Herrlich angefacht.

 

Gottgesandte Männer ziehn

Kühn für Jesus aus,

Leiten, was verloren war,

Zu des Vaters Haus.

 

Immer neu entzündet sich

Liebevolle Glut,

Opfernd für das Wort vom Kreuz

Erdenlust und Gut.

 

Liebe bahnet sich den Pfad

Kühn durch Todesgraun,

Liebe gürtet ihre Brust

Stark mit Gottvertraun.

 

Bonifaz hat auch

Christi Kreuz erwählt,

Und mit des Erlösers Trost

Seinen Sinn gestählt.

 

Und in Deutschlands Wäldernacht

Bringet er das Licht,

Das den Himmel mit der Erd

Mild zusammenflicht.

 

Falscher Glaube hat den Geist

Deutschen Volks betört,

Dass es in der Eiche Kraft

Seinen Gott verehrt.

 

Wo ein Baum gen Himmel ragt,

Mächtig, stark und schön,

Wähnt es, seines Donnergotts

Heiligtum zu sehn.

 

Bonifazius ist nur

Durch sein Kleid geschützt,

Wo der Tod von Schwert und Spieß

Ihm entgegenblitzt.

 

Wilder Männer lautes Drohn

Schreckt den Boten nicht,

Freudig hofft er Himmelslohn,

Fallend durch die Pflicht.

 

Herrlich grünt ein Riesenbaum

In der Katten Land,

Wo unheil`ger Priester Schar

Sich zusammenfand.

 

Bruderblut benetzt den Stamm,

Färbt den Boden rot.

Feinde, zu der Götzen Lust,

Trifft der Opfertod.

 

Fallen muss das Heiligtum,

Stürzen und vergehn,

Soll der Götze in den Staub,

Und der Gott erstehn.

 

Der Apostel zieht heran,

Flammen in der Hand;

Zischend fährt die Flamme auf,

Prasselnd frisst der Brand.

 

"Trifft ein Blitz den Frevler nicht?

Schreckt kein Donner ihn?"

Es zerstäubt das Heiligtum,

Schwarze Dämpfe fliehn.

 

Tag wird um den Blutaltar,

Und der Götze liegt,

Und die Lüge stirbt im Brand,

Und die Wahrheit siegt.

 

A. W. Möller

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24. Die Liebe Jesu

 

Voll Liebe brennt dein Herz,

O Jesu, immerdar.

Du trägst den größten Schmerz

Für uns, die Sündenschar.

 

Am Kreuz hast offenbart

Du deiner Liebe Glut,

Hast, was verschuldet ward,

Getilgt mit deinem Blut.

 

Die Schmerzen, Not und Pein

Ertrugst du mit Geduld.

Nur du weißt es allein,

Wie schwer der Menschheit Schuld.

 

Für uns erlittest dies

Du hier im Tränental,

Dass wir im Paradies

Einst bei dir leben all.

 

Die Seele froh gedenkt

Der Liebe, die er hegt.

Der sich für uns geschenkt

Und uns so liebreich pflegt.

 

Er bleibt uns nah im Leid,

Wenn treulos weicht die Welt;

In prüfungsschwerer Zeit

Nur er uns Treue hält.

 

Ja, er ist uns zur Seit`

In aller Angst und Not;

Er schenkt uns Seligkeit

Nach einem guten Tod!

 

Wer so die Lieb` des Herrn

Betrachtet und erkennt,

Der wird ihm folgen gern,

Ihn lieben ohne End`.

 

J. Clasen

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25. Zum Fest des hl. Johannes des Täufers

 

Was eilet das Volk an des Jordans Strand!

Wer ist`s, der Buße dort predigt?

Ist es der Helfer, vom Himmel gesandt,

Der aus Schuld und Verwerfung errettet das Land:

Der da heilt, was von Sünde beschädigt?

 

Der schlichte Büßer, wie ernst muss sein Wort

Zum Herzen der Hörenden hallen!

Es reißet zur Reue und Umkehr sie fort,

Zeigt den Sünder als Baum, der tot und verdorrt,

Der Schneide der Axt schon verfallen. 

 

Die Pharisäer nahen alsbald

Zu forschen, zu tadeln, zu streiten.

Doch die Antwort ihnen entgegenhallt:

"Der Ruf bin ich, der in der Wüste erschallt,

Des Kommenden Pfad zu bereiten."

 

Ja, du heiliger Mahner, so furchtlos, so treu;

Die Welt ist zur Wüste geworden!

Denn verwirrt sind die Geister, erstorben die Reu`;

O ruf` sie zur Umkehr, mache es neu,

Was verheert von den höllischen Horden.

 

Der Herr wird erscheinen! Das ist gewiss;

Und wir sollen es zitternd erwägen.

Das Herz drum dem Wirken der Gnade erschließ,

Und führ` aus Verstockung und Finsternis

Die Sünder durch Buße zu Segen!

 

R. Grein

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26. Das Bild des Gekreuzigten

 

Der Leib mit Blut bedecket,

Das Haupt voll Todesschweiß,

Die Hände ausgestrecket,

Die Brust vor Ängsten heiß;

Das Herz in Todespresse,

Die Augen im Vergeh`n,

Die Lipp` in Todesblässe,

Die Glieder voller Weh`n;

Die Füße wie im Glühen,

Zerfleischt der Rücken ganz,

Die Seel` in Sterbens Mühen,

Die Stirn durchbohrt vom Kranz;

Der Mund in letzten Zügen,

Das Herz im letzten Stoß,

Der Geist im Weiterfliegen,

- Und schon in Gottes Schoß:

Dies Bild von Jesu Schmerzen

Und seiner Todsgestalt

Sei tief in unsre Herzen

Geprägt und ausgemalt.

"Wir wollen mit ihm leiden,

Des Vaters Willen tun,

Und bis zu dem Verscheiden

In Seiner Liebe ruh`n."

Das sei der Kinder Schwur

Am Fuß vom Kreuz-Altar.

Dies will der Vater nur

Von seiner Kinderschar.

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27. Hymnus - Nach Thomas von Aquin

 

Preiset Lippen das Geheimnis

Eines Leibs voll Herrlichkeit;

Eines Bluts, dem Schätze weichen,

Das zum Lösegeld der Welt

Er, der holden Mutter Sprosse,

Er, der Völker Heil, vergoss.

 

Uns geschenket, uns geboren

Aus der reinsten Jungfrau Schoß;

Wandelt er voll Huld auf Erden,

Streut des Wortes Samen aus;

Krönt mit wundervoller Stiftung

Seiner schönen Tage Schluss.

 

In der Nacht des letzten Mahles

Saß von Brüdern er umringt;

Aß mit ihnen von dem Lamme

Nach dem heiligen Gesetz;

Reichte dann des neuen Bundes

Höh`re Speis den Zwölfen dar.

 

Er nahm Brot und sprach mit Segen:

Esset, denn dies ist mein Leib;

Nahm den Kelch und sprach mit Segen:

Trinkt mein Blut in meinem Bunde!

Und gedenket mein, ihr Freunde

Stets bei eurem Liebesmahl.

 

Lasst uns dann voll Ehrfurcht feiern

Dies erhabne Sakrament!

Hier sind keine alten Bilder,

Neu ist unser Liebesmahl,

Und der Glaube muss enthüllen,

Was dem schwachen Sinn entgeht.

 

Dir, o Vater! in den Himmeln,

Dir, o eingeborner Sohn!

Schallen unsre Dankeslieder:

Kraft und Segen strömt von euch.

Geist des Vaters, Geist des Sohnes,

Dir gebühret gleicher Ruhm.

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28. Zu Jesus im heiligen Altarsakrament

 

Könnt` ich dich, o Heiland, preisen,

Wie die heil`ge Engelschar,

Singen schöne, fromme Weisen

Dir, dem Herrn auf dem Altar.

 

Möcht` dich lieben und dir dienen

Wie die Heil`gen fromm und rein,

Und in Glauben, Lieb` und Demut

Dir ein heil`ges Leben weihn!

 

Könnte ich doch dar dir bringen

Harfenspiel und Zitherklang,

Könnt` ich dir zu Füßen singen

Eines Davids Lobgesang!

 

Meine höchste Freude wäre,

Alle Menschen, alt und jung,

Brächten dir, vereinigt alle,

Eine große Huldigung.

 

Und der Himmel stieg hernieder,

Und des Himmels heil`ge Schar

Knieten mit uns, anzubeten

Dich, o Gott, auf dem Altar!

 

Aber einst wird`s sich erfüllen,

Einst am Ende aller Zeit

Wird versammelt deine Herde,

Preisen dich in Ewigkeit.

 

Margarete Feuerhoff

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29. Psalm

 

Wenn ich, o Schöpfer! Deine Macht,

Die Weisheit Deiner Wege,

Die Liebe, die für alle wacht,

Anbetend überlege,

 

So weiß ich, von Bewunderung voll,

Nicht wie ich Dich verehren soll,

Mein Gott, mein Herr, mein Vater!

 

Mein Auge sieht, wohin es blickt,

Die Wunder Deiner Werke.

Der Himmel, prächtig ausgeschmückt,

Preist Dich, Du Gott der Stärke.

 

Du hast an ihm die Sonn` erhöht,

Und kleidest sie mit Majestät,

Du rufst dem Heer der Sterne.

 

Wer misst dem Winde seinen Lauf,

Wer heißt die Himmel regnen?

Wer schließt den Schoß der Erde auf,

Mit Vorrat uns zu segnen?

 

Du Gott der Macht und Herrlichkeit!

Gott! Deine Güte reicht so weit,

So weit die Wolken gehen.

 

Dich predigt Sonnenschein und Sturm,

Dich preisen Berg` und Meere;

O Menschen, ruft der kleinste Wurm,

Bringt meinem Schöpfer Ehre!

 

Es ruft der Baum in seiner Pracht,

Die Saat ruft: uns hat Gott gemacht;

Bringt unserm Schöpfer Ehre!

 

Des Menschen Leib, den Deine Hand

So wunderbar bereitet,

Des Menschen Geist und Sein Verstand,

Der ihn zum Guten leitet;

 

Der ganze Mensch, der Schöpfung Preis,

Ist selbst der herrliche Beweis

Von Deiner Güt` und Größe.

 

Erheb` ihn ewig, o mein Geist,

Erhebe Seinen Namen.

Gott unser Vater sei gepreist,

Und alle Welt sag` Amen!

 

Und alle Welt Ehr` Gott den Herrn,

Und hoff` auf Ihn und dien` Ihm gern.

Wer wollte Gott nicht dienen!

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30. Christi Leiden und Tod

 

Lass Deinen Geist mich stets, mein Heiland! lehren,

Dein göttlich Kreuz im Glauben zu verehren,

Dass ich getreu in dem Beruf der Liebe

Mich christlich übe.

 

Das Gute tun, das Böse flieh`n und meiden,

Herr! diese Pflicht lehrt mich Dein heilig Leiden.

Wer könnte wohl das Böse sich erlauben,

Und an Dich glauben?

 

Und sollt` ich nicht, wenn Leiden hier auf Erden,

Wenn Kreuz und Not mich trifft, gelassen werden,

Da Du so viel für uns, die wir`s verschuldet,

Liebreich erduldet?

 

Wie könnte ich wohl meine Brüder hassen,

Für welche Du dein Leben hast gelassen?

Wie Du, will ich auch meine Feinde lieben,

Die mich betrüben.

 

Ich will nicht Hass mit bitterm Hass vergelten,

Wenn man mich schilt, nicht rächend wieder schelten.

Du Heiliger, Du Herr und Haupt der Glieder,

Schaltst auch nicht wieder!

 

Ein reines Herz, gleich Deinem edeln Herzen,

Dies ist der Dank für Deines Kreuzes Schmerzen,

Und Gott gibt uns die Kraft, in Deinem Namen,

Dir nachzuahmen.

 

Ich bin versöhnt, o Herr, in Deinem Blute;

Erkauft hast Du mich Dir mit Deinem Blute!

Du hast mir Heil, da Du für mich gestorben,

Am Kreuz erworben!

 

Ja selig bin ich hier schon durch den Glauben;

Nun wird mir nichts, nichts meine Krone rauben;

Nun werd` ich dort, von Herrlichkeit umgeben,

Einst ewig leben.

 

Herr! gib, dass Deinen Pfad ich stets betrete,

Im Glauben kämpfe, ringe, wache, bete,

Wie Du mein Kreuz geduldig auf mich nehme,

Nie Dein mich schäme. 

 

Lockt böse Lust mein Herz mit ihrem Reize,

So schrecke mich zurück Dein Wort vom Kreuze;

Und werd` ich matt im Laufe guter Werke,

So sei mir`s Stärke!

 

Seh` ich Dein Kreuz den Klugen hier auf Erden

Ein Ärgernis und eine Torheit werden,

So sei mir`s doch, trotz allen frechen Spottes,

Die Weisheit Gottes!

 

Wenn endlich, Herr! mich meine Sünden kränken,

So lass Dein Kreuz mir wieder Frieden schenken!

Dein Kreuz sei, wenn ich sterbe, wenn ich leide,

Mir Trost und Freude!

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31. Zum Fest Maria Heimsuchung

 

Lass mich mit dir gehen

Jenen Bergpfad, rau und weit;

Lehre mich bestehen

Jede Schwierigkeit;

Steh, o Reinste, mir zur Seite,

Dass der Tugend Bahn ich schreite.

 

Reine Liebe spende

In die kranke Seele mir;

Licht und Segen sende

Meinem Wirken hier,

Dass für immer sei mein Leben

In des Nächsten Dienst gegeben.

 

Hält der Stolz, der fade,

Hemmend mich vom guten Werk:

Mahnend und voll Gnade

Mich dein Vorbild stärk`,

Hilf, dass ich in Demut walle,

Stets der Allmacht mehr gefalle.

 

Ja, zur Höh` so ferne,

Hehre, lass mich mit dir gehn,

Lass, dass recht ich lerne,

Mich dein Beispiel sehn.

O, ins Herz will ich`s verschließen,

Frommer Tugend stets beflissen.

 

An der Hand mich leite,

Wehre den Gefahren all;

Wenn ich wank` und gleite,

Schirme mich vorm Fall.

Lass mit dir den Pfad, den rauen,

Pilgern mich zu Himmelsauen!

 

R. Grein

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St. Andreas

 

32. Geduldig im Leiden!

 

Ich weiß ein inhaltschweres Wort,

Es birgt in sich nicht Erdenfreuden;

Doch birgt`s des Friedens sichern Hort.

Das Wörtlein heißt: "Geduldig leiden!"

 

Und wird das Herz dir manchmal schwer,

Sehnst du dich, von der Welt zu scheiden,

So bete still: "Wie du willst, Herr!

Ich will ja gern geduldig leiden!"

 

Und schimmert tröstlich dir kein Stern

In sturmdurchtobten Erdenzeiten,

O schaue auf zum Kreuz des Herrn;

Dann kannst auch du geduldig leiden!

 

Zum Heiland dort am Kreuze blick,

Mag auch die Welt dich achtlos meiden.

Trag voll Ergebung dein Geschick,

Sprich: "Dir zuliebe will ich leiden."

 

Alexander Prospero

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33. Am Abend

 

Nun falt` ich dankend die Hände,

Da niedersinket die Nacht.

Mit reicher Gnadenspende

Hast du, o Gott, mich bedacht.

 

Mit all den Engeln dort oben,

Die loben dich jegliche Stund`,

Will ich, o Vater, dich loben

Nun froh aus des Herzens Grund.

 

Mein Herz in das deine versenke,

Mein Jesus, nimm`s gnädiglich auf,

In treuer Liebe es lenke

Im irdischen Lebenslauf.

 

Den Menschen schenk` all deinen Frieden,

Beschütze sie all in der Nacht,

Den Armen, den Kranken, den Müden,

Zeig` allen der Liebe Macht.

 

F. W. Wierleuker

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34. Mariä Himmelfahrt

 

Von heil`gen Aethers lichtem Glanz umflossen,

Schwebt sie hinauf, von Engeln sanft gehoben;

Ihr himmlisch Auge lächelnd blickt nach Oben,

In sel`gen Anschauens Gluten hingegossen.

 

Zur Himmelsblume ist sie aufgesprossen,

Das Irdische vor ihrem Blick zerstoben;

Von höchsten Seligkeiten schon umwoben,

Ist sie in Demut ganz und Lieb` zerflossen.

 

Ein blau Gewand umwallt die Hochverklärte,

Die Arme zu des Sohnes Sitz sie hebet,

Von süßer Lust des Wiedersehens durchbebet.

 

So zieht sie zu dem Himmel von der Erde,

Die höchste Kron` hat herrlich sie errungen,

An Gottes Thron der Sehnsucht Glut bezwungen.

 

J. P. von Hornthal

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35. Der verlorene Sohn

 

Verlassen will ich dieses wüste Land,

Die schmutz`ge Weide dieser niedern Tiere;

In Deine Arme kehr` ich aus der Irre

Zurück, o Vater! dem ich Tor entrannt.

 

Wohlan! zum Vaterhaus den Schritt gewandt!

Es schließt ja keinem Rufenden die Türe:

Dort hüllt mich, der ich jetzt in Lumpen friere,

Mein Vater in ein königlich Gewand.

 

Bekennen will ich meine Schuld mit Reue;

Und wenn ich gleich, weil ich mein junges Leben

So schnöd` vergeudete, zu gehn mich scheue,

 

So muss doch der Gedanke Mut mir geben:

Verlorst die Kindschaft du, die Vatertreue

Verliert Er nie; der Vater wird vergeben. 

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36. Maria-Buchen

 

Was soll in jener Bäume Schatten

Die andachtsvolle Gruppe dort,

Die blinde Frau mit ihrem Gatten,

Die Kinder an dem wald`gen Ort?

 

Sie flehen am Marienbilde

Zu Ihr, der Segenspenderin;

In Trübsal wird die allen Milde

Vielleicht auch ihre Helferin.

 

Ach, wie sie fromm die Hände falten,

Die Augen all so tränennass!

Wie malt sich Schmerz im Blick des Alten,

Wie ist die blinde Mutter blass!

 

Weh, wenn auf segensreiche Fluren

Des Krieges Lärm sich weit erstreckt,

Und rau des Friedens Blumenspuren

Mit Blut und Brand und Mord bedeckt.

 

Weh, wenn aus rauchendem Gemäuer

Verzweifelnd der Bewohner flieht,

Und alles, was ihm noch so teuer,

In hellen Flammen lodern sieht!

 

Weh, wenn an ihres Gatten Leiche

Des Weibes Schrei zum Himmel dringt,

Um ihr verlornes Kind die Bleiche

Verzweiflungsvoll die Hände ringt!

 

So ward aus seiner stillen Hütte

Auch Vater Wolfgang einst verjagt;

Er zieht davon mit wankem Schritte,

Das Herz von schwerem Gram zernagt.

 

Die Knie brechen ihm zusammen;

Entsetzlich, was die Augen sahn:

Fern lodern blutigrote Flammen

Vom Dach des Hauses himmelan!

 

Wer aber - grässliches Entdecken! -

Wer malt mit Farben, wer erzählt

Mit Worten jetzt des Vaters Schrecken,

Als ihm sein ältster Knabe fehlt!

 

Er eilt zurück; von hundert Stimmen

Brüllt näher ihm das Mordgeschrei;

Er fühlt, dass, widerstehn den Grimmen,

Ein nutzlos Unternehmen sei.

 

Zum Himmel ruft er um Erbarmen,

Als er sich so im Jammer sieht,

Und packt mit riesenstarken Armen

Die Seinen alle, stöhnt - und flieht.

 

So wanderten am Bettelstabe

Die Armen nun von Ort zu Ort,

Und lebten karg von milder Gabe,

Und zogen immer weiter fort.

 

Und als sie jetzt in öder Wildnis

Des dunkeln Weges langsam ziehn,

Erblicken sie der Heil`gen Bildnis,

Vor dem sie betend niederknien.

 

So stand, geweiht zur Andachtsstunde,

(O teure Heimat!) süß und mild

In ihres Gärtchens Hintergrunde

Ein steinern Muttergottesbild.

 

Und müde von der langen Reise

Ruhen sie im kühlen Waldgeheg,

Indessen wischt ein Schlummer leise

Des Grames tiefe Furchen weg.

 

Erwachend aus dem schönen Traume

Fleht drauf die Gattin: "Weile hier!

Bau eine Hütt` in diesem Raume,

Denn so befahl`s die Heil`ge mir."

 

"Hier sollst den Sohn du wiedersehen,"

So lispelte sie mild herab:

"Und - soll`s im Leben nicht geschehen,"

So deut`` ich mir ihr Wort; - "im Grab."

 

Der Jahre mehr denn zwanzig eilten

Ob Wolfgangs Haupte langsam hin;

Gebet und Schmerz und Sehnsucht teilten

Sich in das Herz der Dulderin.

 

Da klopft in mitternächt`ger Stunde

Einst an der Tür ein Wandrer an,

Der dort verloren sichre Kunde

Des Weges auf der schnee`gen Bahn.

 

Und gastlich nimmt ihn auf die Hütte,

Beut Obdach, beut ein kärglich Mahl

(So will`s die alte, schöne Sitte)

Bei einer Lampe düsterm Strahl.

 

"Ach Herr, in jenen Schreckenstagen -

Ihr ward wohl damals noch ein Kind -

Als man die Schlachten wild geschlagen,

Verlor ich Hab` und Gut und Kind!"

 

"Auch ich verlor die Eltern beide,

Ein Schwesterlein, ein Brüderpaar,

(Der Fremdling sprach`s mit tiefem Leide)

Ich selber schwebt` in Todsgefahrt."

 

"Nur einen rührten meine Klagen,

Er nahm mich mit, ließ mich erziehn,

Hat immer Vatersorg` getragen,

Und ihm verdank` ich, was ich bin."

 

"Ich bin ein Arzt. Des Himmels Segen

Hat mich beglückt. Am Wanderstab

Such` ich die Eltern allerwegen,

Und find`am Ende wohl ihr Grab."

 

"Von allem nichts als das nur weiß ich,

Dass in dem Garten stand ein Stein,

Ein Bildnis, wo die Mutter fleißig

Gebetet oft mit mir allein."

 

"Ach, dürft` ich doch sie wiederfinden!

Nach langer Trennung kehren ein

In`s Vaterhaus! Wie wollt` der Blinden

Ich Arzt und Stab und Stütze sein!"

 

"Du bist`s! Mein Sohn! Lass dich umfangen,

Mein liebes, totgeglaubtes Kind!

Nach zwanzig Jahren - ewig langen!

Ach, weh mir, dass ich jetzt noch blind!"

 

Und in die Mutterarme presste

Sie heiß den totbeweinten Sohn;

Da ward die Nacht zum Freudenfeste,

Und langem Dulden schöner Lohn.

 

"Sie hat mir treulich Wort gehalten,

Auf die ich hoffend stets gebaut!" -

So wunderbar ist Gottes Walten;

Glückselig, wer Ihm ganz vertraut!

 

Als einst in wilden Fiebergluten

Im Knaben Tod und Leben stritt,

Da sah man Muttertränen fluten,

Sie schwemmten Licht und Augen mit.

 

Und kunstgewandt und unverdrossen,

Ob auch die Hand zu zittern schien,

Hat wieder er dem Licht erschlossen,

Die einst erblindeten um ihn.

 

Da kehrten sie zur Heimat wieder,

Aus welcher sie der Krieg vertrieb,

Als längst mit seinem Ölzweig nieder

Der Friede dort sich ließ und blieb.

 

Und bauten drauf an jener Stelle,

Tief in dem Forste, dankentbrannt,

Der Helfrin eine Waldkapelle,

Maria-Buchen jetzt genannt.

 

Johanna

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37. Die Sprache der Blumen

 

Noch glänzet die bunte Sommerpracht

In Wiese und Wald dir entgegen,

Der Blüten farbiger Schmelz dir lacht

Im Garten, auf Äckern, an Wegen.

 

Bald schimmert es weiß, bald purpurn und blau,

Um Auge und Sinn zu bestricken;

Rings scheint`s uns zu flüstern: "O komm doch und schau!

Wir leben, uns prächtig zu schmücken."

 

Doch entfleuchen der Nächte zwei oder drei -

Wo sind da die glühenden Farben?

Ach, die Blätter sind fahl und die Blüten dabei,

Die im kühlen Hauche erstarben!

 

Und aus welkenden Kelchen Klage erschallt,

Und wir glauben den Ruf zu verstehen:

"Wie weichet doch Pracht und Freude so bald! -

Wir glänzten, um schnell zu vergehen!"

 

Und nun höret, was der Psalm von uns spricht:

"Dem Blumen des Feldes wir gleichen." -

Doch winkt uns Erblühen im himmlischen Licht,

O trachten wir, es zu erreichen.

 

R. Grein

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38. Skapulierfest

 

Lass fromm und gläubig mich das Zeichen tragen,

Maria, das mir deine Huld gegeben

Als Schutz und Leuchte diesem Pilgerleben,

Als Waffe in versuchungsreichen Tagen.

 

So ausgerüstet, darf ich nicht verzagen,

Wenn Feindesmächte dräuend rings sich heben. -

Doch zügle, Mutter, mein verkehrtes Streben,

Lass nie vermessen mich zu sünd`gen wagen.

 

Nur dann wirst du mir Gnadenbeistand leihen,

Nur dann wird ganz dein Schutz mir angedeihen,

Wenn ich gleich dir der Tugend Pfade schreite.

 

Das will ich! Schenk` mir Kraft dazu hienieden,

Rein will ich wandeln, sei`s im Seelenfrieden,

Sei`s in Gefahren und umtobt vom Streite.

 

R. Grein

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Der hl. Johannes gibt der Gottesmutter die hl. Kommunion

 

39. St. Johannes

 

Als längst zur Wohnung sel`ger Geister,

Zum Himmel unser Herr und Meister

Dem Todestal entflohen war,

Da trugen frei von Furcht und Zagen

Die Jünger unter Müh und Plagen

Des Herrn Wort zur Heidenschar.

 

Sie zu befrein von Wahn und Sünden,

Dem Schwachen Gottes Wort zu künden,

War ihr Geschäft nach Jesu Rat.

Johannes auch, den Christus liebte,

Und den sein Hingang tief betrübte,

Verehrt` den Herrn durch Wort und Tat.

 

Und froh in seines Alters Tagen

Durft` sich der treue Jünger sagen,

Wie Jesu Sache siegreich ist.

Viel Götzentempel sind zerstöret,

Der Christen Schar sich täglich mehret,

Es herrschet überall der Christ.

 

Und die Gefesselten im Staube

Erhebt zur Herrlichkeit der Glaube,

Den er gesäet mit stillem Sinn.

Und überall, wo er gelehret,

Ward er als Vater hochgeehret,

Zog ihn sein Herz zu Brüdern hin.

 

Einst kam auf seinen Lehrerwegen

Ein zarter Jüngling ihm entgegen,

Der seinem Herzen wohlgefiel.

Und von den finstern Vorurteilen

Sein Herz durch Christi Lehr` zu heilen,

Zeigt` er ihm seines Glaubens Ziel.

 

Und übergab ihn einem Lehrer,

Dass er zum wahren Gottverehrer

Ihn durch die Taufe nähme auf;

Doch dieser, dass er nicht betrübte

Den Jüngling, den Johannes liebte,

Ließ seiner Neigung freien Lauf.

 

Und wie die Flamm`, der niemand wehret,

Bald alles angreift und zerstöret,

Verwildert dieses Jünglings Geist.

Verführung zieht ihn von den Wegen

Der Tugend, er verschmäht den Segen,

Den Christi Lehre ihm verheißt.

 

Er wird der Führer wilder Horden,

Der frech im Rauben und im Morden

Des Menschenadels Hoheit höhnt -

Als nach Beschwerden und Gefahren

Johannes nun nach langen Jahren

Sich hin zum lieben Jüngling sehnt.

 

Er kommt und hört, - und tiefe Schmerzen

Entbrennen in dem sanften Herzen,

Das nun umsonst den Jüngling sucht.

"Den ich zum Liebling mir erkoren,"

Spricht er zum Freund, "hast du verloren;

Die Liebe heischet strenge Zucht."

 

Doch von des Lasters Sklavenketten

Den Jüngling wieder zu erretten,

Verzweifelt seine Liebe nicht.

Der Räuberhorden Spur zu finden,

Entführt zu Waldes finstern Gründen

Die Liebe ihn und Christenpflicht.

 

Er wandert mit dem Pilgerstabe,

Des hohen Lehrers ganze Habe,

Dahin auf ödem, rauem Steg.

Da kommt, warum er längst gebeten -

Zwei blutbefleckte Räuber treten

Dem müden Wandrer in den Weg.

 

Zum Führer bringen sie ihn gerne,

Der kennt den Meister schon von ferne,

Und, längst gewohnt an Raub und Blut,

Ihm, unerschrocken in Gefahren,

Dem Muster seiner wilden Scharen,

Entsinket plötzlich jetzt der Mut.

 

Er zittert, flieht und kann nicht weilen.

Johannes möcht` ihn gern ereilen -

Doch kraftlos er zu Boden sinkt.

Zum Himmel hebt er seine Hände,

Dass er des Jünglings Schritte wende,

Dass er von ferne ruft und winkt.

 

Mit ausgebreitet offnen Armen

Fleht er zum Himmel um Erbarmen

Für den, den seine Seele liebt.

Und siehe, der Verlorne kehret

Zum Lehrer, den er noch verehret,

Der dem Verirrten gern vergibt.

 

Den fasst ein namenloses Sehnen,

Aus seinen Augen brechen Tränen,

Er weint sie an des Lehrers Brust.

Und zärtlich hält ihn der umfangen,

Und Tränen netzen seine Wangen,

Johannes weint vor Schmerz und Lust.

 

Den reuevollen Jüngling führet

Der sanfte Lehrer tiefgerühret

Nun in der Kirche Schoß zurück.

Denn vom Verderben und vom Staube

Erhebt die Liebe und der Glaube

Verlorne zu des Himmels Glück.

 

Hermann Usener

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40. Maria-Andacht

 

Du bist mir stets so gut, so hold erschienen,

Ich hatte dich so innig lieb und gern;

Dem Kinde lachten deine sanften Mienen,

Dem Jüngling bist du reiner Liebe Stern.

Dich fand ich überall im Leben wieder,

Dir klangen meine ersten frommen Lieder;

Und ohne dich war alle Freude tot,

Die mir das fremde Erdenleben bot.

 

Ich sah von reinem Glanze dich umwoben

In Demut einsam in der Zelle knien;

Sah über Engelchöre dich erhoben,

Als mit der Botschaft Gabriel erschien;

Sah mit den Armen dich in sel`gem Bangen

Dein göttlich Kind mit Mutterlust umfangen,

Und sah dich endlich, bitterm Schmerz geweiht,

Am Kreuze stehn in namenlosem Leid.

 

O Quell der Liebe, Brunnen sel`ger Schmerzen!

So hell, so milde, wie ein Abendstern!

Sei du des Jünglings vielbewegtem Herzen

Mit deiner Mutterliebe nimmer fern.

Du hast mein Süßestes, mein ganzes Leben,

Du hast den lieben Heiland mir gegeben,

Und dass du mir den Heiland hast gebracht,

Das hat dich mir so lieb und süß gemacht.

 

E. Michelis

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41. Die reine Liebe

 

Nicht fühl` ich Dich zu lieben mich gezogen,

O Gott, durch die verheißnen Himmelsfreuden;

Noch hat, was Dich beleidiget zu meiden,

Die Furcht der Höllenqualen mich bewogen.

 

Du selber bist`s, Der mir mein Herz entzogen,

Blutbräut`gam! seh` am Kreuze ich Dich leiden,

Seh` Dich verhöhnt in Angst und Not verscheiden,

Vergießend all Dein Blut in reichen Wogen.

 

An solcher Lieb` ich meine Lieb` entzünde;

Und wär` der Himmel nicht, ich müsste lieben;

Und wär` die Hölle nicht, ich flöh` die Sünde.

 

Säh` Höll` und Himmel ich in nichts zerstieben,

Dass Lohn nicht mehr, nicht Strafe mehr bestünde,

Die Lieb` um Liebe wär` mir dennoch blieben.

 

Nach dem heiligen Franz Xaver

von M. Diepenbrock

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42. Glück des Verlassenseins

 

Wohl ist es schön, zu stehen

In trauter Freunde Reih`n,

Doch schöner ist`s, zu gehen

In weiter Welt allein.

 

Mensch! bist du ganz verlassen,

Klag keinen Augenblick!

Da kannst du erst dich fassen,

Kannst gehn in Gott zurück.

 

Es täuscht die Welt, die trübe,

Dir immer Aug` und Ohr;

Die innre Welt der Liebe

Eröffnet dir ihr Tor.

 

In ihr lebst du versunken

In Gottes Angesicht,

Die andern, erdetrunken,

Gewahren deiner nicht.

 

Ja! möchten sie dich lassen

In deinem Innern stumm,

Verlassen, ganz verlassen,

Bis deine Zeit ist um.

 

In Tiefen unberühret

Wächst einsam das Metall;

Wo`s nachtet und gefrieret,

Sich bildet der Krystall.

 

Justinus Kerner

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43. Zum Fest des heiligen Laurentius

 

Dich beugte nicht der Feinde wildes Toben,

Nicht der Befehl, der wider dich ergangen, -

Für Gott zu dulden war dein fromm Verlangen,

Der Gottesliebe Glut zog dich nach droben.

 

Sie stärkte dich, in Qualen Gott zu loben,

Sie hielt dir fern das grause Todesbangen,

Als auf dem Rost, von Not und Pein umfangen,

Du littest, von der Lohe wild umwoben.

 

Lass, heiliger Laurentius, dein Leiden

In Kummer, Not und Drangsal uns betrachten,

Dein Vorbild gibt uns Mut, den Schmerz zu tragen.

 

Lass unser Herz für Gott in Liebe schlagen,

Dass alles Irdische wir hier verachten,

Und nur erstreben, selig einst zu scheiden.

 

R. Grein

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44. Mariä Himmelfahrt

 

Nach schmerzlichem Erdenwallen,

Rief mahnend der Tod dich ab.

Sein Machtgebot gilt allen:

Die Blume musste fallen;

Dein Leib sank ins schaurige Grab.

 

Der Ort - voll Moder und Schrecken,

Darf er den Leib so rein

Verheeren, zerstören? bedecken?

Will Gott ihn nicht erwecken,

Der Unschuld den Lohn zu verleihn?

 

O ja, Gott winkte von droben

Hinunter ins düstere Grab. -

Da schwebtest du, Reinste, nach oben,

Wo Himmelschöre dich loben,

Und Jesus die Krone dir gab.

 

Die Macht, die dein Sohn dir gegeben,

Maria, sie ist unser Heil.

Du hilfst, wenn in Leid wir erbeben,

Bist Leitstern dem irdischen Leben,

Durch dich wird uns Segen zuteil.

 

O richte Herz doch und Sinnen

Zu Gott aus dem Staube der Zeit,

Leit` unser Tun und Beginnen,

Lehr` uns`re Seelen gewinnen

Das Glück in der Ewigkeit!

 

R. Grein

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