2. Ökumenische Erinnerung: Konvertiten I

 

Das 500jährige Gedenken der beklagenswerten Glaubensspaltung 2017 sollte jeden Katholiken, dem es mit dem Heiligen ernst ist und der die Menschen liebt, für die Christus am Kreuz gestorben ist, tieftraurig machen, besonders wenn er sieht, wie die katholische Kirche seit Jahrhunderten verleumdet und ihre Lehre entstellt wird, so dass unzählige Menschen, die auf der Suche nach der Wahrheit sind, von ihr ferngehalten, ja zu bitterer Feindschaft gegen sie aufgestachelt und dadurch der Wahrheit beraubt werden.

 

Kein Wort aber aus dem Mund eines Katholiken hätte so viel Gewicht, wie die Worte jener unbefangenen Menschen, die selbst außerhalb der katholischen Kirche geboren und aufgewachsen sind und auf verschiedensten Wegen zur Kirche zurückgelangten. An einige dieser Konvertiten soll hier erinnert werden. 

Matthias Hergert

 

Julie Meineke,

 

die Tochter des bekannten Philologen August Meineke, finden wir auf dem Weg zur katholischen Kirche. Als ein tief religiöses Gemüt, empfand sie es schmerzlich, dass ihr zu einem eigentlich religiösen Leben nie eine Anregung geworden war. Infolgedessen war sie, wie sie selbst sagt „tot und gleichgültig gegenüber den christlichen Glaubenslehren“ geworden. 1853 kam Julie mit ihrem Vater nach Dresden und besuchte dort den katholischen Gottesdienst, der einen tiefen Eindruck auf sie machte und ihr religiöses Interesse wachrief. 1857 wurde sie in Freiburg mit Katholiken bekannt und bekam katholische Schriften in die Hand, u.a. die von Alban Stolz. Mächtig war der Eindruck, den die Lektüre dieser Werke auf sie machte. Das Innerste ihrer Seele wurde erfasst wie noch nie. Den Mangel einer eigentlichen Seelsorge im Protestantismus empfand sie nun um so bitterer, und immer klarer und überzeugender wurde ihr die Erkenntnis, dass dem Protestantismus vieles fehle, was in der Heiligen Schrift verheißen und von der katholischen Kirche den Gläubigen durch die heiligen Sakramente und die Heilige Messe geboten wurde.

 

Es folgten nun Wochen und Monate inneren Kampfes, ernsten Suchens und Ringens nach Wahrheit, Frieden und Seelenruhe. In dieser Zeit schwerer innerer Gärung entschloss sie sich, an den Verfasser der Schriften sich zu wenden, die einen so großen Umschwung in ihrem Seelenleben bewirkt hatten. Es entwickelte sich ein Briefwechsel, der über ihre am 21. Juni 1859 erfolgte Konversion hinaus bis zu ihrem frühen Tod (am 15. September 1861) weitergeführt wurde.

 

Dass Julie im Besitz der Wahrheit gefunden hatte, was sie so schmerzlich vermisste, bezeugt ihr eigener Vater in dem herzlichen Schreiben, das er unter dem 28. September 1861 an Alban Stolz richtete. Er schreibt darin unter anderem:

 

„Dass es mir anfänglich schwer wurde, meine Zustimmung dem teuren Kind zu geben . . . werden Sie begreiflich finden; als ich aber immer mehr und mehr wahrnahm, wie sie in den Lehren der Kirche, der sie nun Geist und Herz zugewandt hatte, nicht allein die größte Befriedigung fand, sondern auch immer mehr und mehr sich veredelte und von immer rastloserem Streben nach allem Guten erfüllt wurde, da fühlte ich mich glücklich in dem Glück meines Kindes und segnete die Stunde, in der ich meine Einwilligung gegeben hatte.“

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Sigmund Henrici,

 

protestantischer Prediger in Götzenhain, näherte sich der katholischen Kirche, „weil“, wie er schreibt, „in meiner seelsorglichen Tätigkeit jener Gedanke mir wahrhaft aufgedrängt wurde. Dieses war der Fall, als sogenannte „Erweckte“ zu mir kamen, um „Privatbeichte“ abzulegen und in ihrer Gewissensbedrängnis geradezu verlangten: ich solle ihnen die Sünden vergeben und „Gnade“ verschaffen, damit sie imstande wären, in Anfechtung und Versuchung zu siegen, da ihr Gebet nicht ausreiche.“

 

„Da stand ich nun“, fährt Henrici fort, „vor jener brennendsten aller Fragen, die in der Seele eines Prädikanten entstehen kann; vor jener Frage, welche Vilmar auf einer Konferenz uns in das Gewissen geworfen, vor der Frage: Habe ich die Gewalt, die Sünden zu vergeben? Wer gab sie mir? Wo wurde sie mir rechtskräftig erteilt? Dass man als Seelsorger diese Gewalt haben müsse, das wurde mir jetzt furchtbar klar; denn wenn man sie nicht hat, so kann man den Seelen nicht helfen, und dann ist alle Seelsorge hohl und eitel und ungenügend. Von da ab dachte ich darauf, selbst einmal zu beichten, und das war mir die nächste Veranlassung, das Bußsakrament der Kirche, „den Beichtstuhl der Römischen“, mir genau zu besehen, ob das hier in Wahrheit zu suchen und zu finden, was mir und andern vonnöten. Das führte mich bald weiter zum Studium der katholischen Glaubenslehre und Moral. Gott allein weiß, was ich damals durchgemacht, aber – und er sei dafür gepriesen! – ich kam doch durch und heraus aus diesem Meer voll peinigender Ungewissheiten, Zweifel und Irrtümer. Noch gedenke ich mit Jubel der Zeit, da die Schriften Tertullians, besonders seine Praescriptiones, mir klar machten, dass die römische Kirche die christliche Kirche sei, und ein Irenäus mir diese Wahrheit in das vollste Licht stellte . . .“

 

„Weiter gebracht wurde ich auf dem Weg zur katholischen Kirche durch die nicht mehr zu leugnende Tatsache, dass trotz allen Eifers, trotz der Anwendung aller ordnungsmäßig in der lutherischen Konfession sich darbietenden Heilsmittel und trotz aller sonstigen gewöhnlichen und außergewöhnlichen Experimente, zu denen ich in der peinlichsten Ratlosigkeit oft meine Zuflucht nahm, meine Pfarrkinder gerade so wie ich selbst auf dem Weg der Heilung nicht vorwärts kamen; dass die aus der reinen Lehre Luthers und den von ihm uns überkommenen Sakramenten herausfließenden Wirkungen nicht imstande waren, vor Rückfall in Sünden und Laster zu bewahren und die schreienden Gewissen zur Ruhe zu bringen. Warum beim besten Willen und entschlossenem Ringen und Beten und Glauben und Beicht- und Abendmahlsgängen – dieses Resultat? Fehlte es am Ende doch an jenen Gnaden, welche die katholische Kirche besitzen muss, da es ihr gelingt, Heilige zu erziehen? Diese und ähnliche Fragen erhoben sich Tag und Nacht in meiner Seele, erfüllten mich mit Angst, Unruhe und schmerzlicher Ungewissheit und ließen sich absolut nicht abfertigen mit jenen landläufigen Trostgründen, wie sie aus der lutherischen Sola-fides-Theorie genommen werden . . . So war es, Gott sei Dank! tausendmal Dank! mir am Ende unmöglich geworden, mich zu beruhigen angesichts des Zustandes meiner Gemeinde und meines eigenen Herzens. Das half mächtig mit zu meiner Umkehr zur katholischen Kirche: es erschütterte die lutherische Rechtfertigungslehre mit allem, was drum und dran hängt, und das ist nicht mehr und nicht weniger als das ganze Luthertum.“

 

Henrici wurde im Oktober 1856 in die katholische Kirche aufgenommen und wurde späterhin Priester.

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Ferdinand Ignaz Herbst,

 

der bekannte Konvertit, wollte protestantischer Prediger werden und hörte deshalb theologische Kollegia. Doch durch diese, sagte er, wurde er um alles gebracht, was Theologie genannt zu werden verdient. Er hatte unbewusst ein Sehnen in seinem Herzen, das besonders dem Priestertum, dem Messopfer und den Sakramenten galt. So schrieb er in sein Tagebuch:

 

„Der Mittel- und Seelenpunkt der ganzen Heilsordnung ist von vornherein an das Priestertum geknüpft . . . Nachdem wir dieses aufgegeben haben, sind wir das Allerleihaus geworden, welches sich evangelische Kirche nennt.“

 

„War ich schon durch meine philosophische Richtung geneigt, hierin (in Bezug auf die katholische Kirche) gerecht zu sein, so erwachte bald eine entschiedene Vorliebe für das Katholische in mir, als ich anfing, mit alten Erbauungsbüchern, z.B. mit der Nachfolge Christi, der Messe beizuwohnen. Da kam der Geist des Betens, um den mich die Philosophie gebracht, wieder über mich; da konnte ich meine Sünden beweinen, da fühlte ich das Wesen des Allliebenden wieder, des Gottes, der meine Jugend erfreut hatte . . .“

 

Die Heilige Messe, deren einzelne Teile Herbst nach und nach studiert und verstehen gelernt hatte, weckte in ihm allmählich Hunger und Durst nach den Sakramenten, und damit war in seiner Entwicklung zum katholischen Glauben jedenfalls ein bedeutender Fortschritt zu verzeichnen. Gegen eine Konversion jedoch erhoben sich eine Menge von Bedenken, die ihn in schwere Seelenkämpfe verwickelten. Gleichwohl lösten sich allmählich die Zweifel, und mit dem wachsenden Licht trat die Frage in den Vordergrund, woher doch der ungeheure Hass käme, mit der die katholische Kirche von Seiten der Protestanten angesehen und beurteilt wird.

 

„Wohl mag“, schrieb er, „der Anblick derselben in vieler Beziehung ein trauriger gewesen sein, als Luther im Reformationseifer erglühte. Statt diesen Eifer mit Weisheit zu mäßigen und mit allen Tugenden eines Kirchenvaters sein Werk zu betreiben, ließ er sich leidenschaftlich von ihm beherrschen, so dass er zuletzt in blinder Wut gegen die alte Hierarchie entbrannte . . . Deus vos impleat odio Papae – (Gott erfülle euch mit Hass gegen den Papst), hatte Luther den in Schmalkalden Versammelten zugerufen. Dieses odium ist das Erbe, dass Luther seinen Anhängern hinterlassen hat.“

 

Um dem Kampf in seinem Innern zu entfliehen, machte Herbst eine kleine Gebirgsreise. Doch auch hier trat der katholische Glaube wieder an ihn heran und weckte die Sehnsucht aufs Neue.

 

„Du siehst,“ schrieb er damals an seinen Freund, „es hat nichts geholfen, dass ich von den Büchern mich losriss, die mich in den Wurzgarten der urkatholischen Theologie versetzt hatten; ich finde im Gegenteil ohne Bücher noch mächtigere Anregung. Der Gott der Katholiken ist in der Tat ein sehr zutätiger Gott, so zutätig, dass man sich seiner kaum erwehren kann. Man findet ihn überall: in der Kirche, zu Hause, in Büchern, auf dem Weg; und wer ihn erst in seinem Herzen gefunden, kann nimmer von ihm lassen.“

 

Am 2. Dezember 1832 erfolgte die Ablegung des katholischen Glaubensbekenntnisses. 1834 wurde Herbst zum Priester geweiht, wodurch er seiner Erbansprüche verlustig ging. Sein Wirken in München, zuletzt als Pfarrer der großen Pfarrei in der Au, war ein gesegnetes.

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Dr. Georg Blakert,

 

protestantischer Prediger zu Alt-Morschen (Hessen), erlebte 1840 einen ihm nahegehenden Todesfall in der Familie. Bei dieser Gelegenheit machte sich ihm der Mangel an geistlichem Trost seitens der reformierten Prediger aufs schmerzlichste fühlbar. Da wurde die Frage, wie in der katholischen Kirche für Kranke und Sterbende gesorgt werde, für ihn ein Anlass, die Institutionen der Kirche genauer zu studieren. Es folgten nun Jahre des Studiums und der Überlegung, die 1857 mit Blakerts Konversion ihren Abschluss fanden. Blakert, der auch Philologe war, wurde 1858 Professor der Philologie.

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Emil Usteri,

 

reformierter Predigtamtsverweser in Kilchberg bei Zürich, wurde zunächst durch geschichtliche Studien in seiner Verehrung der sogenannten Reformatoren stark erschüttert. Später aber brachte ihn die Beobachtung mancher Zustände innerhalb des Protestantismus, besonders die Uneinigkeit und Zerrissenheit in seinen Reihen, zu der Überzeugung, dass nicht hier die wahre Kirche Jesu Christi sein könnte. Er schreibt darüber an einen Freund:

 

„Unmöglich könnte ich irgendeine der protestantischen Konfessionen und Sekten als ein göttliches Institut ansehen. Denn welches Chaos von unzählbaren Lehrsystemen und Glaubensbekenntnissen trat mir entgegen! Es war mir wahrhaftig zumute wie Nehemia, als er in das verwüstete Jerusalem einzog, aber in dem Wirrwarr der Trümmer den Weg nicht finden konnte. Die Gräfin Hahn-Hahn hat den Protestantismus ein „Babylon“ genannt . . . Mir scheint, es kann gar kein passenderes Bild gefunden werden. Babylonische Verwirrung ist ja alles, was wir sehen und hören! Wenn du mich aufforderst, diesen Tadel zu begründen, so weise ich dir einfach die Testate der Kollegien, die ich gehört habe, vor; vier Foliobogen mit dem Namen vieler großer Zelebritäten. Glaubst du, dass auch nur zwei von allen diesen Gelehrten das gleiche theologische Lehrsystem haben? Törichte Hoffnung! Was dir heute der eine mit schlagenden Gründen als Glaubenssatz dartut, das erklärt dir morgen ein anderer mit nicht geringerer Suade und mit dem gleichen Recht als unbegreiflichen Irrtum. Sollte ich noch glauben, dass eine solche Kirche voll Subjektivität, Ungewissheit und Zerrissenheit das Werk Jesu Christi sei?“

 

Auch das Fehlen der Sakramente beobachtete Usteri in seinen unheilvollen Wirkungen.

 

Noch hatte er jedoch harte innere Kämpfe zu bestehen, ehe sein Schifflein am 21. Juni 1864 in den Hafen der heiligen katholischen Kirche einlief. Schon im darauffolgenden Jahr trat Usteri in die Gesellschaft Jesu.

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Johann Probst

 

wurde auch durch die Uneinigkeit im Protestantismus zum Wendepunkt, zur katholischen Kirche geführt. Er war Lehrer an der Missionsanstalt zu Basel. Bei seinem Theologiestudium hörte er in einem und demselben Semester von den zwei Professoren de Wette und Merian Exegese des Evangeliums Johannis vortragen. Ersterer, bekanntlich ein radikaler Rationalist, gab über den Logos im 1. Kapitel der sonderbarsten und verschiedenartigsten Ansichten gleichgesinnter Theologen zum Besten, während letzterer gläubig im Logos Christum, den Erlöser der Welt, der im Anfang bei Gott war, die zweite Person der Gottheit, Gott und Mensch zugleich erkannte. Dieser offene Widerspruch in einem so hochwichtigen Punkt machte auf den jungen, aufrichtig die Wahrheit suchenden Theologen einen sehr peinlichen Eindruck, und er fragte sich oft: Wer hat denn eigentlich recht? Wo ist die Wahrheit? Wie wird sie geoffenbart?

 

Um diese Zeit fiel ihm Leibnizens „System der Theologie in die Hände, und es war ihm im höchsten Grad auffallend, dass der große deutsche Philosoph die Hauptdogmen der katholischen Religion verteidigte. Mit diesem Buch ging Probst zu einem Pastor in Basel, wurde aber kalt und vornehm abgewiesen mit der Bemerkung, das Werk sei wahrscheinlich von einem verschmitzten Jesuiten unterschoben. Von dieser Erklärung nicht befriedigt, beschloss Probst, sich nun selbst auf dem Gebiet der katholischen Theologie Auskunft zu verschaffen. Unser junger Forscher fand die katholische Glaubenslehre dem Wort Gottes, d.h. der Bibel nicht widersprechend, sondern mit derselben übereinstimmend, überzeugte sich aber auch bald, „dass die Bibel nicht die einzige absolute Glaubensquelle der christlichen Religion sei und dass ihre Aussprüche nicht dem Privaturteil einzelner, auch nicht der scharfsinnigsten Kritiker, unterstellt werden können, sondern eines autorisierten Erklärers bedürfen und dass dieser die Kirche selbst sein müsse“. Bei seinem Studium ging Probst nicht oberflächlich zu Werke. Er las mit größter Aufmerksamkeit die damals bekanntesten polemischen Schriften, erwog reiflich die beiderseitigen Ansichten, Behauptungen und Beweisführungen. Unter Gebet und reiflicher Überlegung kam er zur Erkenntnis der vollen Wahrheit, worauf er am 16. Mai 1827 konvertierte.

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Johann Jakob Maximilian Oertel,

 

in Ansbach 1811 geboren, ging als Missionsprediger nach Amerika, wo er in lutherischen Gemeinden tätig war. Aber nirgends fand er Einheit der Lehre, im Gegenteil überall Verachtung selbst vieler von ältesten Zeiten her in der Christenheit geglaubten Dogmen. Ernste Zweifel über die Richtigkeit seiner religiösen Anschauung überkamen ihn. In seiner Angst suchte er Belehrung in den heiligen Schriften, aus denen er die Kennzeichen der wahren Kirche Christi zu schöpfen sich bemühte. Aber er fand kein einziges, woran er erkennen konnte, dass die lutherische Gemeinschaft die Kirche Christi sei. Er studierte nun die Väter der ersten Jahrhunderte; aber indem er ihre Lehren mit der Lehre Luthers verglich, fand er Verschiedenheiten, deren Beseitigung und Erklärung er vergebens bei den besten protestantischen Theologen und Schriftstellern suchte. Wo war die Einigkeit der lutherischen Kirche, wo ihre Heiligkeit, ihr allgemeiner apostolischer Glaube? Keine Spur davon konnte er finden. Da führte ihn die Vorsehung zu einem würdigen katholischen Geistlichen, dem Pfarrer an er St. Marienkirche in New York, Herrn Quarter, dem er erklärte, dass er ohne Bedenken katholisch würde, wenn sich die katholische Lehre in Übereinstimmung mit den Aposteln erweisen lasse. Die katholischen Werke, die ihm nun zur Verfügung gestellt wurden, behoben allmählich seine Zweifel und beseitigten alle Vorurteile gegen die katholische Kirche, in der er die Merkmale der wahren Kirche, die er bei den protestantischen Sekten vergeblich gesucht hatte, in voller Harmonie und Schönheit fand und die er freudig mit dem Stern verglich, der die Weisen aus dem Morgenland zur Krippe Christi führte. Am Sonntag Reminiszere 1840 legte er in der St. Marienkirche das katholische Glaubensbekenntnis ab. Er starb als Redakteur der deutschen „Katholischen Kirchenzeitung“ am 21. August 1882 zu New York.

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Pierre de Joux,

 

ehemaliger Präsident des protestantischen Konsistoriums zu Nantes, konnte bei seinem auf die Totalität gerichteten Sinn das Christentum in der verkümmerten Gestalt des Protestantismus nicht genügen. War er auf der einen Seite durch den krassen unter seinen Glaubensgenossen herrschenden Unglauben dem Protestantismus entfremdet, so war er auf der anderen durch den politischen Radikalismus, dessen Ursprung aus der sogenannten Reformation des 16. Jahrhunderts herzuleiten seine Studien ihn berechtigten, der katholischen Kirche nähergebracht.

 

Schon früher hatte er die Äußerung getan: „Was mich betrifft, so würde ich einen Katholiken, der zum Protestantismus überginge, sehr tadeln, weil es dem, der das Größere hat, nicht erlaubt ist, das Geringere zu suchen; aber ich würde gegen einen Protestanten, der katholisch geworden ist, keinen Tadel hervorzubringen wissen, weil es dem, der das Geringere besitzt, wohl gestattet ist, nach dem Besitz des Größeren zu streben.“ Nachdem de Joux zwei Jahre in Rom mit eingehenden Studien über Dogma und Liturgie der katholischen Kirche zugebracht, konvertierte er 73jährig zu Paris im Jahr 1825.

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August Gustav Lasinsky,

 

der Maler, war, unbefriedigt von den Widersprüchen des Protestantismus, dem Indifferentismus verfallen. Die Verfolgung der Lutheraner in Preußen unter Friedrich Wilhelm III. erfüllte ihn mit Abscheu, und der Umstand, dass eine protestantische Regierung entgegen dem Prinzip des Protestantismus, sich nicht scheute, im 19. Jahrhundert ihre Untertanen durch Soldaten zur Annahme eines ihnen verhassten Bekenntnisses zu zwingen, weckte ihn aus seiner Lethargie. Von Kindheit an dem positiven Christentum zugeneigt, sehnte er sich nach festem Grund und Boden, konnte ihn aber im Protestantismus nicht finden. Der katholische Glaube hingegen, wie er ihm aus seinen Studien des Mittelalters entgegentrat, imponierte ihm. Er ließ sich von einem Priester in den Lehren der katholischen Kirche unterrichten, und nachdem er hier fand, was er gesucht und vermisst hatte, konvertierte er am Fronleichnamstag des Jahres 1844.

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Freifräulein Anna v. Gall

 

empfand schon in ihrer Kindheit als Zögling der Herrnhuter Brüdergemeinde in Neuwied Zweifel an der Wahrheit ihres Bekenntnisses. Die Widersprüche in ihm fielen dem begabten Kind auf. Die „Bruderkirche“ lehrt, dass manches, um als Wahrheit angenommen und geglaubt zu werden, durchaus nicht in der Hl. Schrift enthalten zu sein brauche, wenn es nur von einer Anzahl frommer und zuverlässiger Menschen hinreichend geprüft und als echt und unverfälscht erfunden worden sei. Nun hatte aber ihr Hauslehrer, ein Kandidat der Theologie, stets mit großer Hartnäckigkeit alles verworfen, was nicht in der Schrift steht. Andererseits wollte ihr die Lehre von der Rechtfertigung durch den Glauben allein nicht eingehen. Ein anderer Punkt ernsten Nachdenkens war für sie der Lehrsatz vom „unfreien Willen“, mit dem sie nicht zurechtkommen konnte. Mehr jedoch als alles andere beschäftigte sie die Abendmahlslehre. Christi Wort schien ihr so klar, dass sie jede andere Auslegung als die buchstäbliche ablehnte. Kurz vor ihrer Konfirmation war ihre Seelennot derart gestiegen, dass sie beschloss, ganz offen zu erklären, sie könne sich dieses Jahr noch nicht konfirmieren lassen, weil sie das, was sie über das heilige Abendmahl glauben sollte, durchaus nicht für wahr halten könne. Da machte ein Zwischenfall ihrem Zögern ein Ende. Reformierte Eltern einer Mitkonfirmandin wurden beim „Bischof“ in Neuwied vorstellig, ob wohl ihre Tochter sich dortselbst konfirmieren lassen könne, obgleich sie an dem Satz festhalten müsse, dass das Abendmahl ein bloßes Gedächtnismahl sei und keinerlei „geistige Verwandlung“ annehmen dürfe. Auf des Bischofs Antwort, sie könne sich sehr wohl dort konfirmieren lassen, indem das Abendmahl für einen jeden das sei, für was er es auffasse, beruhigte sich auch Anna vollständig. Sah sie sich nun doch berechtigt, an die wirkliche Gegenwart Christi zu glauben.

 

Der Empfang des Abendmahls brachte ihr eine große Enttäuschung: „Ich hatte fest darauf gerechnet, in meiner durch Gebet wohlvorbereiteten Seele die Segnungen dieses Sakramentes zu verspüren, hatte fest geglaubt, den wahren Leib und das wahre Blut Christi zu empfangen . . . Wie mir dann aber dies kleine Stückchen Brot in die Hand gegeben wurde und ich es wohl eine Viertelstunde darin behalten musste; wie es warm wurde, sich zerbröckelte, ja sogar einzelne Krümchen davon zur Erde niederfielen – ach, da hatte ich es tief empfunden, dass Gott nicht in diesem Stückchen Brot verborgen und mir unberufenen, ungeweihten Menschenkind nicht die Macht gegeben sein könne, meinen Gott so lange in der Hand zu halten! So war denn auch für mich das Abendmahl zum bloßen Gedächtnismal geworden. Ein Gefühl bitterster Enttäuschung überkam mich, und mein Herz zog sich zusammen in unsäglichem Weh!“

 

Auf diese ersten Zweifel und Kämpfe folgten die Zweifel und Kämpfe vieler Jahre, während derer der suchenden Seele unter Gebet und fleißigem Studium protestantischer und katholischer Lehrbücher die katholische Wahrheit mehr und mehr sich enthüllte. Allein die Furcht vor dem Übertritt und den damit verbundenen Opfern ließ sie immer wieder nach anderen Auswegen suchen. Und wieder war es die Feier des protestantischen Abendmahls, die den endgültigen Entschluss veranlasste. Bei der Abendmahlsfeier in Nizza begann der Prediger seine Anrede mit folgenden Worten: „Ihr, die ihr versammelt seid, um das heilige Abendmahl zu nehmen, bildet euch nicht etwa ein, dass ihr in Wirklichkeit den Leib und das Blut Jesu Christi empfangen werdet. Er sagte zwar in den Einsetzungsworten: Dies ist mein Leib, dies ist mein Blut, allein . . .“ – „Mehr hörte ich nicht mehr,“ schreibt Anna, „und wollte nicht mehr hören. In tiefinnerster Seele erschrocken, verschloss ich meine Ohren und schritt wie im Traum zum Altar; in demselben Augenblick gelobte ich feierlich, nie wieder zum Tisch des Herrn hinzutreten, es sei denn, dass ich in Wahrheit glauben dürfe, ja glauben müsse, ich empfange wahrhaftig und in Wirklichkeit den Leib und das Blut des Herrn, weil und wie er in Wahrheit sich uns mitzuteilen versprochen habe. Wo ich diesen Glauben suchen müsse und finden würde, das wusste ich, und von dieser Stunde an erlosch in meiner Seele jeder Zweifel. Ich verließ den Betsaal, den ich als noch schwankende Protestantin, aber mit dem glühenden Verlangen, Gott in mein Herz aufzunehmen und ihm treu anzuhangen, betrat, ich verließ ihn als Katholikin dem Willen und der Überzeugung nach.“

 

Diesem Entschluss folgten noch schwere äußere Kämpfe mit der Familie, die Anna sogar eine Erkrankung zuzogen. Aber die Gnade stand ihr zur Seite. Ihre Konversion und der so lange heiß ersehnte wirkliche Empfang ihres Herrn tauchte sie in ein Meer von Glück und Frieden. In der Folge söhnte sie sich mit ihren Eltern wieder aus und verschönerte deren letzte Lebensjahre. Nach dem Tod der Eltern trat sie ins Kloster und erlebte noch die Freude, ihren Bruder Fritz, Freiherrn von Gall, das katholische Glaubensbekenntnis ablegen zu sehen. Am 29. Juni (Fest der Apostelfürsten Petrus und Paulus) 1883 starb sie freudig eines seligen Todes.

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Mrs. O`Connor,

 

die Gattin eines katholischen Richters in Kalifornien, fühlte sich in ihrer Religion sehr unzufrieden, weshalb sie des Öfteren den katholischen Gottesdienst besuchte. Natürlich konnte sie die heilige Messe nicht verstehen, und da sie in ihrem Mann keinen beredten Lehrmeister fand, schaffte sie sich verschiedene katholische Bücher an, um sich zu belehren. Bald war sie über die Maßen erstaunt über die Entdeckungen, die sie von Tag zu Tag auf diesem Gebiet machte.

 

„Du hast mir ja“, sprach sie zu ihrem Gatten, „noch niemals gesagt, dass der katholische Glaube so viel vollkommener, so viel schöner und vor allen Dingen so viel richtiger ist als der protestantische?“

 

Beschämt musste Mr. O`Connor gestehen, dass er sich seit seiner Jugend nicht mehr viel um seinen Glauben bekümmert habe.

 

„O wie unrecht ist das,“ rief die wackere Frau, „wie kann man denn sein ewiges Heil so aufs Spiel setzen; unser wichtigstes Geschäft auf Erden ist doch, uns auf den Himmel vorzubereiten! Nun, glücklicherweise ist es für dich nicht zu spät, alles Versäumte nachzuholen und wiedergutzumachen. Mir aber legt Gott noch eine andere Pflicht auf, nämlich zu erforschen, auf welcher Seite die Wahrheit ist, denn unmöglich können zwei so verschiedene Religionssysteme beide die wahre Lehre Christi enthalten, welche zur Seligkeit führt.“

 

Mit großer Energie und Ausdauer verfolgte nun Mrs. O`Connor ihren Weg. Sie besuchte den nächsten katholischen Geistlichen und lud ihn zu sich ein. Die Religionsgespräche fanden in Gegenwart ihres Mannes statt und gingen bald in regelrechten Unterricht über, bei dem die Dame sich als eine gar nicht leicht zu behandelnde Schülerin erwies. Sie hatte einen sehr kritischen Geist und verlangte für jede Lehre Beweise. Einmal musste der Unterricht längere Zeit abgebrochen werden, weil sie sich der Lehre über die Transsubstantiation nicht im Glauben unterwerfen wollte. Dennoch imponierte es ihr, dass der betreffende Priester zu ihr (der steinreichen Frau) sagte: „Es tut mir leid, aber Ihretwegen kann die Kirche kein Jota an ihrer Lehre ändern; sie hat es geschehen lassen, dass ganze Reiche, wie z.B. England, von ihr abgefallen sind, aber sie ist sich und ihrer göttlichen Sendung treu geblieben.“

 

 

Nach kurzem Kampf überwand die tapfere Seele auch dieses letzte Hindernis und legte voll Freude und Dank das katholische Glaubensbekenntnis ab im Jahr 1883.

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Klothilde von Werthern,

 

gleich ihrer Mutter religiös unbefriedigt, entschloss sich, den katholischen Glauben kennenzulernen. Die Schriften von Alban Stolz, die sie zu diesem Zweck zur Hand nahm, machten großen Eindruck auf sie. Daneben unterließ sie nicht, sich mit protestantischen Predigern zu besprechen, wobei ihr auffiel, dass diese über die Lehre der katholischen Kirche gar keine richtige, sehr oft hingegen ganz verkehrte Ansichten äußerten, da sie sich eben nur aus zweiten und dritten Quellen unterrichtet hatten. Ganz besonders aber erregte es ihre Verwunderung, dass jene sich auch gar nicht bewegen ließen, ihre vorgefassten Meinungen nach katholischen Quellenwerken zu verbessern. So etwas konnte Klothilde einfach nicht begreifen. Sie war ein durchaus selbstständiger Geist. Schon als Kind hatte sie zum Schrecken ihres Hauslehrers erklärt, dass sie „vor Luther keinen Respekt habe, weil er seine Gelübde gebrochen hatte“. So verfolgte sie auch jetzt den beschrittenen Weg unparteiischer Forschung und gelangte mit Gottes Gnade glücklich ans Ziel. Ihre Konversion erfolgte zu Naumburg am Fest Mariä Verkündigung 1878.

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Prinzessin Anna v. Preußen,

 

Landgräfin von Hessen, schrieb wenige Monate nach ihrer Konversion: „. . . Halt- und ruhelos, religiös verwildert war ich herumgeworfen . . . ich fühlte nur immer einen mächtigen Drang und einen brennenden Durst, - konnte lange, lange Jahre hindurch doch meiner wachsenden Überzeugung keinen Ausdruck verleihen. – Alles baute sich scheinbar viel zu schleppend allmählich auf; aber nun nach beinahe endlosem Harren, nach schließlicher Überwindung wichtiger Hindernisse, die sich fast zwingend entgegenstemmten – nun weiß ich, dass es das Herrlichste unter der Sonne ist, der erkannten Wahrheit zu folgen.“

 

Seit dem Tag, da sie als Elfjährige (1847) mit dem Vater den Dom zu Köln besuchte, wo gerade feierliche Vesper gehalten wurde, konnte sie sich des Gedankens an die katholische Kirche nicht mehr erwehren, und es beseelte sie der Wunsch, näheres über die katholische Religion zu erfahren, der sich mit zunehmendem Alter immer steigerte. Den Religionsgesprächen, die ihr Vater mit einem befreundeten General und mit König Christian von Dänemark, welche beide große Hochachtung für die katholische Kirche hegten, führte, lauschte sie mit gespannter Aufmerksamkeit. Gar manches erfüllte sie mit Zweifeln und Unruhe. Dem Religionsunterricht folgte sie mit regem Eifer und verfehlte nicht, freimütig ihre Bedenken gegen manche protestantische Lehren zu äußern. Wechselnde Eindrücke, Unruhe und Sehnen begleiteten sie durch ihre Jugendjahre. 1853 vermählte sie sich mit dem hessischen Prinzen Friedrich Wilhelm, späteren Landgrafen von Hessen. So wechselvoll an Freud und Leid, an Familienglück und tragischen Schickungen sich der weitere Lebenslauf der edlen Fürstin gestaltete – ihr Innenleben stand ununterbrochen unter dem Sehnen nach Besserem, Höherem, unter dem Ringen nach Klarheit und Wahrheit. Ihre ungestillte Sehnsucht nach Gottesnähe, nach endgültiger Sündenvergebung, nach sicheren Unterpfändern des eigenen ewigen Heiles ließen sie immer wieder sehnsüchtig hinüberblicken nach dem Wunderland des katholischen Glaubens. Schon 1866 war die Fürstin nahe daran, katholisch zu werden. Bischof von Ketteler mahnte zur Prüfung der Glaubensgründe. Bei ihrem Gemahl stieß sie auf Widerspruch. So vergingen wieder viele Jahre des Suchens und Sehnens. 1884 Witwe geworden, ging sie nach schweren inneren Kämpfen daran, sich endlich volle Klarheit zu verschaffen. Sie besuchte den katholischen und den protestantischen Gottesdienst, um Vergleiche anzustellen, legte verschiedene Fragen sowohl katholischen als protestantischen Theologen vor und ließ sich schließlich im katholischen Glauben unterrichten. Besonders aber rang sie mit Gott im Gebet um die Gnade der Erkenntnis des wahren Glaubens. Und als es immer lichter und ruhiger in ihrer Seele wurde, da zögerte sie auch nicht mehr länger, den entscheidenden Schritt zu tun. Auf die äußeren Schwierigkeiten aufmerksam gemacht, sagte sie: „Die Hohenzollern haben und Thron, Land und Stellung genommen. Das Letzte, was mir noch bleibt, das Opfer meiner Überzeugung, bringe ich ihnen nicht.“ Ihre Konversion fand am 10. Oktober 1901 in der Kapelle des Fuldaer Priesterseminars statt.

 

Wie glücklich die hohe Konvertitin als Kind der heiligen katholischen Kirche war, davon hat sie immer wieder Zeugnis abgelegt. Sie bezeichnete ihr Konversionsjahr als das „glücklichste“. „Längst hatte ich ersehnt (in meinem Unwert), mich einmal voll noch auszuleben, das bisschen geistige Kraft, das einem innewohnt, noch mehr zu betätigen, - jetzt schwingt der Pendel wirklich anders! Das Leben ist gesteigert, in eine neue Tonart umgesetzt.“ Einige Jahre nach ihrer Konversion kann sie schreiben: „Seit meiner Konversion hat eine immer wachsende, immer reicher flutende Fülle von Liebe, Bewunderung und Dank für unsere heilige Kirche sowie für unsere Priester als Vermittler und Lichtträger sich bei mir angesammelt trotz Greisenalter und Gebrechen; verjüngt doch nichts mehr als Begeisterung und fühlt man sich seelisch erstarkt; die geliebte heilige Mutter, die Kirche, ist des Daseins Stern und Inhalt; sie nährt unser Herz, sie umschwebt und erleuchtet, wie von einer mystisch flammenden Glorie umflossen, unsere Phantasie. Bei mir, der Glücklichen, ist es in Wirklichkeit um den Abend licht geworden, und ein weit ausgebreitetes Neuland hat sich aufgetan; ganz wird es auf Erden nicht zu erschließen sein.“ Nach zehn Jahren schreibt sie: „Halte ich erinnernd Rückschau über mein katholisches Dezennium, das nun verflossen, so sehe ich es voll strahlender Glorie umschimmert: Gottes Liebessonne hat mich beschienen, gratias super gratias (Gnaden über Gnaden), ja selbst heute noch blieb ich aufnahmefähig und freudig, obwohl hochbejahrt.“ – Glieder der katholischen Kirche sein dürfen, nennt sie (1911 an Albert von Ruville) „das einzige Glück ohne Enttäuschung und jeden Opfers wert“. Das eigene Glaubensglück ließ sie gar oftmals in Wehmut und herzlichem Mitleid der Seelennot gedenken, in welcher sich viele Protestanten befinden. So schreibt sie 1910: „Ach, kennten die gutwilligen, oft zugänglichen, aber sich genierenden Andersgläubigen unsere Religion, wie sie in Wahrheit ist, wie viele würden zu uns kommen ins Vaterhaus und sich darin glücklich finden!“

 

Im Jahr 1904 hatte sich die Landgräfin in den III. Orden des heiligen Franziskus aufnehmen lassen; als Ordensschwester trug sie den Namen Elisabeth.

 

Beherzt und gottergeben sah die 82jährige Fürstin ihrem Abschied vom Leben entgegen. „Wer im Licht unserer heiligen Kirche wandelt,“ schrieb sie, „der scheut auch gewiss nicht vor Todesschatten und kennt auch kein Verzagen.“ Ihrem geschätzten Freund, P. Huß, der sie noch einmal besuchte, versicherte sie: „Wie Gott will! Er war immer so gütig; ich sterbe als einzige Katholikin in meiner Familie; eine große Gnade Gottes!“

 

Der Besuch Kaiser Wilhelms und die Versöhnung mit ihm freute die hohe Kranke ganz besonders. Es war ihr eine erwünschte Gelegenheit, um dem Kaiser nun auch mündlich die schwerwiegenden Gründe ihrer Konversion zusammenfassend darzulegen. Abschließend beteuerte sie ihm, dass sie voll und ganz das in der katholischen Religion gefunden habe, was sie in ihr gesucht hatte: Gewissensruhe, Herzensfrieden, wahres Glück, lichten, hoffnungsreichen Ausblick auf das Jenseits.

 

Am 12. Juni 1918 starb die edle Fürstin eines ruhigen, sanften, gottseligen Todes.

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Gräfin Erika Maria Pfeil

 

empfand von Jugend auf, insbesondere auch bei ihrer Konfirmation, die trostlose Leere des Protestantismus. Langsam begann sie nach Besserem zu suchen, bis sie endlich – nach 20jährigem Suchen – zur Überzeugung gelangte, dass dieses Bessere im Protestantismus überhaupt nicht zu finden sei. Da reiste sie nach Italien, um sich einmal ganz allein und ungestört die katholische Kirche anzusehen. Dortselbst ergriff sie zuerst in Florenz und später in Rom jede Gelegenheit, um sich über die katholische Kirche, die katholische Lehre, über katholisches Leben und Streben zu unterrichten. Sie wohnte dem katholischen Gottesdienst bei, besonders auch der Predigt, und machte die Bekanntschaft vieler geistig hochstehenden Katholiken des Priester- und Laienstandes. Dabei betete sie mit Inbrunst um das Licht von oben und wandte sich mit kindlicher Verehrung an die Gottesmutter. Gleichwohl wollte der endgültige Entschluss nicht heranreifen. Da wurde sie durch unvorhergesehene Ereignisse nach Deutschland zurückgerufen.

 

„Es traf mich hart,“ schreibt sie, „aber es war gut so, denn in den drei Monaten, die ich nun in Deutschland zubrachte, kam ich zu festem Entschluss. . . . Was ich während dieses dreimonatlichen Aufenthaltes in Deutschland nicht haben konnte, fehlte mir derartig, dass ich immer mehr fühlte und verstand, welchen Wert die Zugehörigkeit zur heiligen katholischen Kirche hat, mich immer lebhafter nach dieser Zugehörigkeit sehnte. Ich wusste, es wurde für mich gebetet, wusste, dass ich täglich dem Schutz der Gottesmutter empfohlen wurde, ich verließ mich auf sie. Einige Zeit war ich ja herzlich unglücklich, sowie ich aber den festen Entschluss fasste, war das vorüber, ich war erleichtert, freudig und zuversichtlich gesinnt, ruhig und zufrieden. Ich betete nun hauptsächlich darum, bald nach Rom zurückkehren zu dürfen. Mein Gebet wurde erhört. . . . Am 20. Januar 1904 war ich wieder in Rom. . . . Und nun begann die schönste Zeit meines Lebens.

 

Ich begann ernstlich zu arbeiten, auf mein Ziel loszugehen. Eine ganze Anzahl der allerbesten Bücher in verschiedenen Sprachen standen mir zur Verfügung, denn ich lernte bald hervorragende Geistliche verschiedenster Nationalität kennen, die mir zur Verfügung stellten, was mir immer wünschenswert schien. Dabei fiel es mir auf, dass auch nicht einer von diesen Priestern mir irgendwie zuredete, den entscheidenden Schritt zu tun; sie waren alle teilnehmend, ruhig und sachlich, - sie gaben mir Erklärungen, sobald ich darum bat, sie machten mich auf viele der schönen, beglückenden Wahrheiten der katholischen Kirche aufmerksam, sie kargten nicht mit den Beweisen für diese Wahrheiten, den Versuch, mich um jeden Preis hinüberzuziehen, machten sie nicht. . . .

 

Meine Überzeugung in Bezug auf die katholische Kirche, mein Verlangen, ihr anzugehören, waren indessen so stark geworden, dass ich glaubte, es wäre unrecht gewesen, dieser Überzeugung nicht endlich Folge gegeben zu haben. Ich bin eine kühle Norddeutsche, ich habe niemals leicht sehr warm oder sehr lebhaft empfunden, und es ist mir noch heutigen Tages eine Überwindung, einer tiefen Empfindung Ausdruck geben zu sollen, was ich aber in Bezug auf die katholische Kirche damals empfand, und je länger, desto mehr und desto wärmer empfinde, dafür bin ich doch dem lieben Gott so unendlich dankbar, dass ich es auch einmal in einigen kurzen Worten aussprechen möchte, wenn auch meine Worte kaum imstande sein werden, wiederzugeben, wie sehr das, was ich erfasst, gewonnen habe, mich beglückt, befriedigt und ausfüllt. Nicht um alles in der Welt möchte ich diesen Schritt nicht getan haben; die materiellen und anderen betrübenden oder schweren Folgen, die er hatte, wiegen leicht im Verhältnis zu dem, was ich gewann, das Bewusstsein, der wahren, alleinseligmachenden Kirche anzugehören, in ihr die Mittel und Wege zu haben, meine unsterbliche Seele dahin zurückzubringen, wohin sie mächtig verlangt, weil sie von dort kam, von Gott. – Einer sehr lieben, mir noch lebenden alten Tante, die natürlich nicht katholisch ist, konnte ich gelegentlich einer Unterredung über meine Rückkehr zur Kirche und deren Folgen sagen: Und doch, wenn es auch noch viel schwerer gewesen wäre, wenn ich in jeder Beziehung viel mehr verloren hätte, ich wäre dennoch ganz glücklich und zufrieden, ich bin ja katholisch!“

 

Gräfin Pfeil konvertierte am 11. Juni 1905 zu Rom. 

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Magda Alberti - Scharlau,

 

die bekannte Schriftstellerin zeigte von Kindheit auf Neigung zur Frömmigkeit. Wenn ihre Mutter mit ihr betete, dabei aber die Augen flüchtig umherschweifen ließ, so empfand das fromme Kind diese Unaufmerksamkeit schmerzlich, und gleichsam zur Sühne verfertigte sie sich ein kleines hölzernes Kreuz, das sie mit Fäden zusammenband und an einer einsamen Stelle des Gartens aufrichtete. Dorthin pilgerte sie dann täglich, um ihre Andacht zu verrichten.

 

Der Konfirmandenunterricht, von einem rationalistischen Prediger erteilt, erfüllte ihre Seele mit Zweifeln, und sie kam allmählich fast ganz um den Glauben. Sie konnte auch nicht mehr beten, und bei der großen Sehnsucht ihres Herzens nach Gott und Wahrheit verfiel sie tiefer Schwermut. Die Bekanntschaft mit einer katholischen Dame brachte ihr den ersten Trost. Mit dieser Dame besuchte sie auch erstmals den katholischen Gottesdienst. Sie schreibt darüber: „Ein sehnsüchtiges Verlangen ergriff mich bei der heiligen Wandlung . . . ich betete seit langer Zeit zum ersten Mal und fühlte, wie eine Träne auf meine Hand fiel. Ich hatte die Empfindung, als ob der liebe Gott selber zu mir spräche. Ich schloss meine Augen und glaubte, Gottes Nähe zu spüren.“ Bei jener Dame lernte Magda auch einen Priester kennen, dessen klare und gründliche Ausführungen sie wieder zum Glauben an Gott und an Christus zurückführten. Im Gegensatz zu den einander widersprechenden Lehrmeinungen unter den Protestanten hatte die geschlossene Einheit der katholischen Kirche in ihrer Glaubens- und Sittenlehre etwas mächtig Anziehendes für sie. Dennoch dachte sie noch an keinen Übertritt und reichte dem protestantischen Prediger Alberti die Hand zum Lebensbund. Bald jedoch wurde sie trotz ihrer sehr glücklichen Ehe mit dem edlen Mann gewahr, in was für eine schwierige Stellung sie als Predigerfrau in Bezug auf ihr Innenleben geraten und wie groß die Gefahr für ihre Seele war, denn sie hielt es für ihre Pflicht, sich auch in der Religion ganz an den Gatten anzuschließen. Zu ihrem Glück hörte sie nicht auf, Gott zu bitten, er möge sie die Wahrheit erkennen lassen.

 

Da geschah es, dass ihr Mann selbst ihr das „Vaterunser“ von Alban Stolz schenkte. Sie ließ sich dann auch andere Werke des gleichen Autors kommen, die einen großen Einfluss auf ihren religiösen Werdegang ausübten. Welches ist die Kirche? Diese Frage beschäftigte sie nunmehr vor allem. Alle Prediger, sowohl die gläubigen als auch die liberalen, beriefen sich auf die Schrift. Wie aber konnte man wissen, wer recht hatte? Es muss etwas geben, was den Inhalt der Schrift stützt, und das konnte nichts anderes sein als die Überlieferung. Schritt für Schritt kam unsere Konvertitin so der Wahrheit näher – doch dauerte es noch lange, bis sie ihr erstes „Gegrüßet seist du, Maria“ betete. Möhlers Symbolik machte einen gewaltigen Eindruck, besonders die darin so schön und klar dargelegte Einheit, Harmonie und Geschlossenheit der katholischen Kirche. „Die Zerrissenheit der evangelischen Kirche“, schreibt sie, „machte mich daran irre, dass sie die rechte, die wahre sei, die Kirche, die Christus auf ewigem Grund gegründet hat.“ Peinlich kam ihr die Inkonsequenz selbst der gläubigen Protestanten zum Bewusstsein, die das Wunder der Menschwerdung annehmen, aber die jungfräuliche Mutter nicht verehren wollen. Und ebenso inkonsequent und unklar erschien ihr die Lehre vom Abendmahl. Magda hatte Gelegenheit, in dieser Beziehung von den Amtsbrüdern ihres Mannes die abweichendsten Ansichten vertreten zu hören. Da nahm sie ihre Zuflucht zu den Kirchenvätern, aus denen sie sich bedeutungsvolle Stellen ausgeschrieben hatte. Und da war es Justin, der Märtyrer, der ihrer suchenden Seele Antwort gab: „Denn nicht wie gewöhnliches Brot und nicht wie gewöhnlicher Trank empfangen wir jene Gaben, sondern wie unser Heiland Jesus Christus durch das Wort Gottes Fleisch geworden und um unseres Heiles willen Fleisch und Blut gehabt, so sind wir belehrt worden, dass jene Speise, welche durch das mit seinen Worten gesprochene Gebet gesegnet ist, das Fleisch und Blut jenes fleischgewordenen Jesus sei“ (Apolog. Kap. 66). Das war die Lehre der katholischen Kirche einst, das ist sie jetzt. Immer ein und dieselbe. Das muss die Wahrheit sein. Nicht Veräußerlichung fand sie in der katholischen Kirche, sondern unvergleichlich tiefer, inniger, unmittelbarer wird in ihr durch das Wunder der Eucharistie die Verbindung des Heilandes mit der gläubigen Seele. „Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis ans Ende der Welt.“ – Wo erfüllt sich fort und fort diese königlich-große Verheißung so trostvoll und greifbar wie in dem Opfer der heiligen Messe? . . . Und diesen lebendigen Christus – in der hl. Kommunion darf unsere Seele wirklich und wahrhaft seinen Leib und sein Blut empfangen. – Ja, wie herrlich erfüllt sich in dem Opfer der heiligen Messe die Weissagung des Propheten Malachias: „Vom Aufgang der Sonne bis zum Untergang wird mein Name herrlich werden unter den Völkern, und an allen Orten wird meinem Namen geopfert und ein reines Opfer dargebracht werden.“ Dass die eucharistische Feier schon von den ersten Christen als Opferfeier begangen wurde, beweist die Stelle im Hebräerbrief 13,10: „Wir Christen haben einen Opferaltar, wovon diejenigen nicht essen dürfen, die dem Zelt dienen!“

 

Wir sehen, wie unsere Konvertitin theoretisch von der Wahrheit der katholischen Kirche überzeugt war. Aber was sollte nun werden? Wie sollte sie nun katholisch werden können, sie, die Pastorenfrau? Aus Rücksicht auf ihren Mann schob sie die Konversion immer weiter hinaus, wurde aber im Gewissen immer unruhiger. Endlich, nach langen Kämpfen willigte ihr Mann in ihre Konversion. Sie fand in Osnabrück in der kleinen Sakristei der Klosterkirche der Ursulinen statt. Am nächsten Morgen empfing sie die erste heilige Kommunion hochbeglückt und tief befriedigt.

 

Frau Alberti erlebte das große Glück, dass ihr einziger Sohn Paul konvertierte und Priester wurde. „In tiefer Demut“, schreibt sie, „beugte ich mich vor dem allmächtigen Gott, und seine Führung meines Lebens überschauend, kann ich nur dankbar aus bewegtem Herzen bekennen: Ach, Herr, ich bin nicht wert all der Gnade und Barmherzigkeit, die du an mir getan hast.“

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Helene Most,

 

geboren 1883, entstammte einer angesehenen protestantischen Familie. Eine reich veranlagte Natur, fand sie im Protestantismus weder Genügen noch Halt und verfiel schon in jungen Jahren dem völligen Unglauben. Der Tod einer geliebten Schwester führte sie dem Gottesglauben wieder zu. Sie schuf sich jetzt eine Naturreligion. Das Christentum und die Hl. Schrift verachtete sie. Einmal ging sie mit einer Freundin in eine katholische Kirche, um sich „halb tot zu lachen“. Es war während eines Gottesdienstes. Da wurde sie merkwürdig ergriffen. „Ich kniete vor Gott, ohne es selbst recht zu wissen – zum ersten Mal in meinem Leben, ergriffen, überwältigt, in wortloser Anbetung.“ – „Du,“ sagte sie hernach zur Freundin, „ich fand das nicht zum Lachen.“ – „Ich heute auch nicht,“ gab die andere etwas kleinmütig zurück. Von da an besuchte sie öfters die katholische Kirche. Es ergriff sie eine mächtige Sehnsucht, Gott ganz zu finden. Zuweilen fasste sie diese Sehnsucht so stark, dass sie sich aus dem Kreis der Ihrigen fortschlich, in ihr Zimmer huschte und sich dort auf die Knie warf, um zu beten. „Herr, gib mir die Wahrheit,“ stammelte sie immer wieder. Nun griff sie auch wieder zur Hl. Schrift und fühlte sich von ihr mächtig angezogen. Im Lehrerseminar zu Berlin befreundete sich Helene mit einer jungen Polin, die ihr einen katholischen Katechismus gab. Das kleine Buch wurde ihr eine Offenbarung. Sie schreibt darüber: „Wie die Sonne über der irdischen Welt, so ging das Licht der Wahrheit über meinem Geist auf – stetig wachsend, immer leuchtender, in majestätischer Stille und unabwendbarer Sieghaftigkeit. Vor meinen Augen hob sich in nie geahnter Herrlichkeit der gewaltige, geistige Bau, den Jesus Christus auf Felsengrund aufgebaut hat. Hier fügte sich Stein an Stein, Dogma an Dogma zu einem Ganzen von unaussprechlicher Harmonie. Hier verstand ich sie auf einmal, die geheimnisvollen Lehren, die mir im Protestantismus leerer Schall blieben . . .“

 

Nach einigem Zögern begann Helene auch, das Ave-Maria zu beten und sich dem Schutz der Mutter Gottes anzuempfehlen. Mehr und mehr reifte in ihr der Entschluss, katholisch zu werden. Allerdings machte sie sich noch allerhand Bedenken. Da fielen eines Tages ihre Augen absichtslos auf die Worte der Hl. Schrift: „Wenn ihr mich von ganzem Herzen sucht, will ich mich von euch finden lassen, spricht der Herr.“ In diesem Augenblick wurde es klar in ihrer Seele. Sie ergriff ein Blatt Papier und schrieb in heiliger Begeisterung darauf: Credo unam sanctam catholicam et apostolicam Ecclesiam. Sie fühlte sich von diesem Augenblick an katholisch, fertigte sich selbst einen Rosenkranz und suchte nach Möglichkeit dem katholischen Gottesdienst anzuwohnen. Auf den Rat eines Priesters, den sie in Pyrmont kennenlernte, wandte sie sich, nach Berlin zurückgekehrt, an einen dortigen Dominikanerpater, der ihr weiteren Unterricht im Katechismus gab. Nach vielem Beten und Fasten erlangte sie von ihrem Vater die indirekte Zustimmung zur Konversion, d.h. ihr Vater erklärte, er könne zwar seine Erlaubnis nicht geben, werde sie aber nicht verstoßen.

 

Am 24. Mai 1901 legte Helene vor dem Rosenkranzaltar in Moabit das feierliche Glaubensbekenntnis ab. Bald darauf empfing sie ihre erste heilige Kommunion. Sie schreibt darüber: „Als ich mit dem lieben Heiland in meinem Herzen auf meinen Platz zurückging, war in mir nur unaussprechliche Klarheit und eine über alle Begriffe tiefe Ruhe. Ich sah die Dinge um mich her mit großer Deutlichkeit und doch empfand ich nichts als Gott. Er war mein und ich war sein. Mein Inneres ergoss sich in ihm, wie stille und mächtige Wellen eines Stromes sich ins Meer ergießen. Ich kann darüber nicht mehr sagen. Das muss erlebt und durchkostet werden. Es schien mir, als ob mein Glaube bis jetzt ganz schwach und farblos gewesen sei, und als ob mir nun erst die Augen aufgetan wären, um das Licht Gottes zu schauen.“

 

Der Konvertitin wurden alle möglichen Motive zu ihrem Schritt unterschoben, ihr war es aber im Gegenteil eine besondere Freude, dass ihre Bekehrung nicht durch gottesdienstliche Herrlichkeit oder andere Äußerlichkeiten bewirkt wurde und dass „nichts mich belehrte als der einfältige, nüchterne, allen rhetorischen Schmuckes bare Katechismus. O dieser Katechismus mit seiner unbeugsamen, siegreichen Logik!“ . . . „Ich bin zur Kirche meiner und unser aller Ahnen zurückgekehrt, weil mir aus ihren Glaubenslehren die schmerzlich gesuchte, heiß erbetene Wahrheit Gottes entgegenstrahlte.“

 

Helene trat in der Folge (1907) in den Dominikanerorden zu Speier ein und erhielt den Namen Regina. Ihre Hingabe an Gott war eine vollständige und wurde gekrönt durch einen heiligen Tod am 4. November 1913.

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Julius Langbehn

 

Das Sehnen nach Wahrheit und Schönheit, besonders in ihrer Auswirkung auf die Persönlichkeit, hat auch den Rembrandtdeutschen Julius Langbehn zur katholischen Kirche geführt.

 

Immer hatte Langbehn ein Persönlichkeitsideal vorgeschwebt, das er im Leben nie verwirklicht gefunden, weshalb er an den Menschen immer wieder enttäuscht wurde, das er aber selbst mit ganzer Hingebung zu verwirklichen suchte. Ein tieferer Einblick in die katholische Heiligenwelt wurde für ihn zur Offenbarung.

 

Bei erster Lesung der Emmerichschen Gesichte gewann Langbehn den Eindruck, diese seien „das Geistigste und Konkreteste“, was er bisher erlebt habe.

 

„Hier ist Wunder Wirklichkeit und Wirklichkeit Wunder,“ schreibt er an seinen Freund Momme Nissen. „Freuen Sie sich! Freuen Sie sich! Feiern Sie den Tag und streichen ihn für Ihr ganzes Leben rot an, wo Sie diesen meinen Brief erhalten haben. Ich las heute Morgen die Leidensgeschichte von Katharina Emmerich, und mein Herz zittert mir noch davon, buchstäblich. Sie wissen, dass das Kindliche das Höchste in der Welt ist; hier erscheint es in konkretester Form . . . Gehen Sie geradewegs zum Großen Christus (d.h. dem Standbild am Stephansdom) und bitten ihn – für mich und Sie – um seinen Beistand in allem Vergangenen und Gegenwärtigen und Künftigen, das zu tun ist. Denken Sie an ihn und danken Sie ihm von Herzen für alles das, was er ausgestanden hat. Ganz besonders herzlich aber danken Sie ihm noch dafür, dass er sich der Katharina Emmerich offenbart hat.“

 

Kaum weniger bedeutsam für uns – berichtet sein Freund und Biograph Momme Nissen, dem ich im Folgenden das Wort lasse, - war eine zweite Freiburger Buchentdeckung Langbehns: die der Schriften der heiligen Brigitta von Schweden.

 

Höchst ungewöhnlich ist es, dass Langbehn gerade durch Seherinnen dem Glauben näherkam. Viele Männer gleicher Zielrichtung (die den katholischen Glauben nicht gründlich kennen) lehnen alle „Privatoffenbarungen“ unbedingt ab – oft freilich aus Vorurteil, ohne sie recht zu kennen, und spötteln darüber . . . Wir nahmen sie nicht ohne ernste Prüfung an. Jahrelang haben wir sie durchgesprochen, in uns durchlebt . . . Nach und nach kamen wir der ganzen Heiligenwelt nahe. Von Jugend auf abgestoßen von der Versumpfung der modernen Menschenmasse hatte Langbehn zeitlebens nach edlen Seelen gesucht, nach Menschen, in denen das Ideale Wirklichkeit geworden war, nach fassbaren Lichtgestalten, denen man folgen und sich zugesellen könnte. Heldenverehrung im weitesten Sinn des Wortes zog durch sein ganzes früheres Leben . . . Die Lebenspraxis, die er mit Rembrandt empfahl: „men, not measures“ (Männer, nicht Regeln), übte er selber. Bei den weltlichen Heroen war er jedoch oft enttäuscht. Bei ihrer näheren Betrachtung sah er, dass seine Auffassung meist edler war als sein Objekt, dass er oft nur „Schatten gesehen, vom eigenen Feuer beleuchtet“. Auch boten die heldenhaften und poetischen Charaktere aus Altertum wie Neuzeit weder einen festen Richtpunkt, noch klare sittliche Normen. Soviel Köpfe, soviel Welten. Hier lag das Ziel im Höchstmaß der Eigenentwicklung. Selbst die, die sich für das Edle opferten, kreisten doch um Erde und Menschheit und ihre eigene Seelenanlage, der sie nicht Herr wurden. Sie verblühten wie Blumen, die der Tod mäht – und dann ist die Herrlichkeit aus.

 

Als aber Langbehn auf seiner Seelensuche an die katholischen Heiligen kam, da entdeckte er bald, diese seien die reinsten und edelsten Seelen der Weltgeschichte. Sie ließen die schönsten Heldengeister an Güte, Liebe, Opfersinn, innerer Größe weit hinter sich zurück.

 

„Was sind die Kämpfe des Herakles, was die Leiden des Prometheus gegen die Kämpfe und Leiden des ersten besten Heiligen?“ – so rief er aus, als er diese Lebenswelt kennengelernt hatte. Menschen von gleicher Spannkraft wie die Heroen bauten hier auf anderem Grund. Hier war von Grund aus das ganze Sehnen auf übernatürliche Ordnung gerichtet und war durch diese bestimmt. Hier stand statt des Menschen Gott im Mittelpunkt des Geschehens. Hier hieß es: der Mensch ist nicht um eines kurzen Erdentraumes willen da, sondern für einen über diesem Leben liegenden Sinn und Zweck, - damit Gott sich an ihm, er sich an Gott erfreue. In den Heiligen fand sich nachweisbare Einwirkung des Schöpfers auf die Geschöpfe. Bei größerer Mannigfaltigkeit der Persönlichkeiten als im Heldenreich war hier geschlossenes Zusammenstehen in einem, dem Heiligen Geist: wundervolle Vereinigung zahlloser Vielheiten durch und in Gott.

 

Die Heiligen bestanden auch vor Langbehns Prüfstein, der Einfalt. Sie herrschte unter ihnen, über sie, seit 2000 Jahren in unzähligen Kristallisationen, bei Aposteln wie Laien, bei Greisen der Wüste wie bei Kindern der Weltstadt, an Fürstenhöfen des Mittelalters wie bei Gelehrten der Neuzeit, in der Klosterzelle wie im Kampfgewühl. In ihnen war die Heilige Schrift und der Christusgedanke verkörpert, restlos zu Leben und Tat geworden . . .

 

Die Geschichte zeigt uns, dass solche Heilige – als Gottes treueste Diener – Herren, die Unheiligen Sklaven ihrer Natur waren. Allerdings wogte es in Langbehn jahrelang hin und her, ehe er die „Freiheit“ nach moderner Auffassung, die Willkürbestimmung des Ich, als irrig erkannte, ehe er überzeugt war, dass die wahre Freiheit der Seele in der Lösung vom Selbstwillen, in der festen Bindung an Gott besteht, der allein vollste Freiheit ist und geben kann. Aber die wunderbare Vereinigung der Seele mit Gott, die er in dem Leben und den Schriften der Heiligen fand, legte ihm zunehmend nahe: wer ihr Ziel will, muss auch ihre, d.h. die von Gott zur Heiligung an die Hand gegebenen Mittel wollen und anwenden. Alle Heiligen lebten und starben dafür, dass die katholische Kirche die von Gott gegründete Heil- und Heiligungsanstalt der Seelen sei, dass sie jene Kräfte beherberge, die, nach Paulus, die Heiligen laut Gottes Ratschluss dem „Erstgeborenen unter vielen Brüdern“ gleichförmig machten. Und wir konnten nicht leugnen, dass die katholische Religion allen, die ihr getreu nachlebten, seien es Glaubensboten oder Barmherzige Schwestern, eine nirgends überbotene Kraft und Lust und Liebe zum Werke gab.

 

Im Rembrandtbuch heißt es: Wenn man die Welt an einem Zipfel fasst, so hat man sie ganz. Langbehn fasste die kirchliche Welt am Zipfel der Heiligen, und von da fasste er sie ganz. Seine Entwicklung vom Kultus der unreinen Persönlichkeit zu dem der reinen hin nannte er mit Recht folgerichtig und organisch. „Persönlichkeit, chemisch reine, ist Heiligkeit“, so sagte er. Persönlichkeit hat er gepredigt, und Persönlichkeit hat ihn zur Kirche geführt: die Wendung von der Helden- zur Heiligenverehrung wurde für ihn entscheidend. Wie immer schloss er vom Besonderen auf das Allgemeine, von der vollendeten Heiligkeit einzelner Kirchenglieder auf die Heiligkeit des Kirchenganzen in seiner Wesenheit. Die Wirkung der Übernatur, Wunderkraft und Prophetie in den kirchlichen Großgestalten mussten dem Lebenszentrum entstammen, an das sie durch Sakrament und Lehre unlöslich gekettet waren – dessen Haupt, Christus, ihr ein und alles war.

 

Was die Heiligen über Ursprung und Ziel des Lebens, über den Tag der Vergeltung lehrten, wofür sie den letzten Blutstropfen hingaben, das haben wir beide ernst genommen. Ihr leuchtendes Vorbild vor Augen, begannen wir eifriger als bisher katholische Kirchen zu besuchen. Nun war uns das Verständnis für katholische Lebensformen aufgegangen. Die Verehrung der Heiligen – von ihrer „Anbetung“, diesem argen Missverständnis der Unkenntnis, war natürlich keine Rede – ergab sich uns von selbst aus der Erkenntnis der Heiligen. Wir übten sie, ohne viel Worte darüber zu verlieren. Wir als gottferne Seelen flehten gerne die Gottnäheren um Hilfe an im vollen Vertrauen, sie würden sich um so lieber und wirksamer für uns einsetzen, je näher sie Gott standen. Marienverehrung erschien uns so lieblich und hilfreich, dass wir, nachdem wir einmal davon gekostet hatten, ihre Unterlassung als Entbehrung empfanden. Wir begannen ihre Altäre mit Blumen zu schmücken und begannen, sie alltäglich im Gebet zu grüßen: Ave Maria!

 

Langbehn hat sich niemals gescheut, aus neugewonnenen Erkenntnissen alle Folgerungen zu ziehen; doch dies geschah sehr bedachtsam. Ganz freiwillig wollte er Gott dienen, den St. Christphorusweg nur nach voller Überzeugung gehen. Als ich den ganzen Umfang katholischer Vorstellungen, den ich hier darlegte, durch ihn, mit ihm, aber größtenteils abwesend von ihm, kennengelernt und selbstständig in mich aufgenommen hatte, schrieb ich ihm: „Da muss man ja katholisch werden!“ Darauf meinte er noch, das sei vielleicht nicht nötig, man könne „die Kirche in sich aufnehmen, in sich eintreten lassen“. Und an Jörg schrieb er im Frühjahr 1896, wo wir vorübergehend in Linz weilten, eine Kirche, die nicht katholisch sei, erscheine ihm allerdings als ein Unding; ob es aber überhaupt nötig sei, einer Kirche anzugehören, darüber möchte er noch nicht urteilen. Eine mit dem alten Herrn geplante Besprechung unterblieb, weil der erkrankt war. Johannes Janssen war tot; so fand Langbehn im früheren Umgangskreis keinen, den er vertraulich befragen, dem er unsere Herzensgeheimnisse offenbaren wollte. Niemand ahnte, welch gewaltige Wandlung in uns vorging. Einzig und allein die unwiderstehlichen Zeugnisse des Überirdischen in der katholischen Kirche und ihrer Geschichte haben uns an ihre Pforten geführt.

 

„Ich fühle und denke katholisch, wenn ich auch der katholischen Kirche nicht – oder noch nicht angehöre,“ sagte Langbehn im Frühjahr 1899.

 

Die Vorsehung hatte uns in die Jugendgefilde zurückgeschoben (die Freunde waren damals wieder nach Schleswig gekommen), wie um dort den Ernst unserer katholischen Neigungen zu prüfen. Wollten wir dem Geist der Heimat untreu werden? Es wurde uns klar, dass es nicht geschah. Nachdem wir das Vorurteil gegen das Wort „katholisch“ einmal abgelegt hatten, erblickten und erkannten wir den bestimmenden Wert der christkatholischen Vergangenheit für den ganzen Norden. Pietätvolle Kirchenwiederherstellung, Veröffentlichung der alten Kulturdenkmäler, Lichtwarks mittelalterliche Funde und vieles mehr deckten zu jener Zeit den überlegenen künstlerischen Wert der katholischen Heimatperiode für jedermann auf. Wir aber standen damals noch allein damit, dass wir auch den moralischen Wert, der in all den Domen, Klöstern, Schnitzaltären, Bruderschaften und Wallfahrtsorten des Nordlandes ruht, unbefangen würdigten. Uns erschien das, was – undogmatisch betrachtet – dem Gemüt des Nordmenschen als „evangelisch“ gilt im Gegensatz zu dem, was ihm in der Neuzeit als „katholisch“ vorgemalt ist, als eine nordgermanische Seelentönung innerhalb des weltumspannenden christlichen Geistes. Unsere Heimatkultur zeigte diese schlichte Seelentönung ganz klar schon im Mittelalter, als unsere Väter um zwölf Generationen zurück noch katholisch waren.

 

Es gab nichts im besten Sinn Evangelischeres als des niederdeutschen Mönches Thomas v. Kempen „Nachfolge Christi“. In Overbachs Bibelbildern, in Luise Hensels Liedern schmolz sich solche Seelentönung restlos rein wieder in die Mutterkirche ein. Ebenso klar wie die neue trat der geschichtlichen Betrachtung Langbehns stets die alte Zeit vor die Seele. Hinter der Baukunst, Plastik, Malerei des mittelalterlichen Nordalbingiens sah er deren Erbauer und Beschauer als eine ganz von Christi Geist durchdrungene Menschheit vor sich, die zugleich rassiger, kerniger niederdeutsch war, als zu den Zeiten des Pietismus und Rationalismus. Wir teilten die moralische Empörung unverdorbener Nordgermanen über pflichtvergessene Priester bis zu schlechten Päpsten hinauf, über die zahlreichen Missstände gegen Ende des Mittelalters, begannen aber tief zu bedauern, ein wie großes Missverstehen und Missdeuten der Seele wie Lehre der Mutterkirche sich zugleich damit in unsere Heimat eingenistet hatten. Als Langbehn sich von der Unhaltbarkeit der im Norden gangbaren Auffassung des Katholizismus überzeugt hatte, empfand er „die außerordentliche Unwissenheit“, in der man die geborenen Protestanten über den wahren Katholizismus erhalte, als argen geschichtlichen Betrug. Entsetzlich sei es, zu denken, was hierdurch alles verlorengehe.

 

Von einer Zerstörung des religiösen Herzenslebens unserer Jugend war bei uns so wenig die Rede, dass es, mit katholischen Grundanschauungen geistig verschmolzen, erst jetzt für uns seinen vollen Wert erlangte, weil es auf den christlichen Urgrund zurückbezogen wurde. Diesem ging Langbehn in den Jahren 1896 bis 1899 nach, so weit er nur konnte. Dabei schaltete er alle theologischen Fachstreitigkeiten, von denen er „nichts verstehe“, und alle tagespolitischen Parteifragen, um die er sich „nicht kümmere“, aus. Das Leben der Kirche in ihren Heiligen hatten wir untadelhaft befunden, das verpflichtet uns, nun auch ihre Lehre gewissenhaft zu prüfen. Mehr als die Schulkatechismen bot uns der von den Österreicher Spirago pädagogisch ausgearbeitete Volkskatechismus, der die katholischen Dogmen durch Beigabe von Belegen und Beispielen anschaulich, konkret, farbig darstellte. Gleich allen evangelisch Erzogenen, die einen katholischen Katechismus in die Hand bekommen, erstaunten auch wir, darin alles viel vernünftiger, uns entsprechender, glaubenswerter zu finden, als wir ahnten. Freilich verlangten die unausweichlichen Lehrsätze Glauben, - mehr Glauben, als vom Protestanten verlangt wird. Nicht von heute auf morgen, aber im Lauf der Jahre haben wir diesen Glauben durch Denken und Lieben, durch Betrachten und Beten erlangt. Dies geschah weniger mittels eines kritischen Durchklaubens und Nachprüfens der einzelnen Dogmen, vielmehr hauptsächlich durch Erfassung der kirchlichen Wahrheit in ihrer Totalität auf das Lebenszeugnis der heiligen Glieder der Kirche, auf die Prophetie und die Wunder hin, durch die Gott sich unleugbar in ihnen beglaubigt hatte.

 

Christus hat gesagt, wer Gottes Willen tun wolle, der würde innewerden, ob seine Lehre aus Gott sei. Je katholischer wir als Nichtkatholiken zu leben begannen, desto innerlicher, desto erleuchteter wurden wir über den Zustand unserer Seelen wie über den Sinn des Lebens. An der Hand katholischer Gebetbücher lebten wir uns ein in das welttiefe Geheimnis des Messopfers und seiner erhabenen Liturgie, nahmen fleißig teil am katholischen Gottesdienst, sei es in Eutin oder in Lübeck oder in der kleinen Michaelskirche zu Hamburg. Denke ich an den Langbehn jener Tage, so steht mir der Spruch vor Augen: „Der Gerechte richtet sein Herz vom frühen Morgen an eifrig zum Herrn.“ Denn er betete, betete viel und gern – in der Kammer, auf Waldwegen, betete in den Kirchen, betete die Psalmen, das Vaterunser, den Englischen Gruß – diesen mit Trauer darüber, dass Maria dem Norden fremd geworden war. „In allerfrühester Kindheit“, sagte er, „habe ich von Mutter Maria sprechen hören, seitdem in der Heimat nicht mehr.“ Die Kunst allein schlug Brücken: in Lübeck grüßten uns viele Muttergottesbilder, zu Kirchmichl in Holstein zeigte uns der evangelische Pastor noch das Elfenbeinfigürchen der Madonna und die Marienquelle auf der Höhe, zu der einst Tausende gepilgert waren. Marienliebe formte unsere Seelen christlich, durchwärmte sie. „Woran können sich die schwankenden Schritte eines Kindes besser halten als an der Schürze der Mutter?“ fragte der Rembrandtdeutsche. Das sei doch einfach und so selbstverständlich. Er nahm gar oft den Rosenkranz zur Hand, er liebte diese vielfach missverstandene und missachtete „Kristallisation der Glaubensgeheimnisse“. Er sah hier höchste Fülle in höchste Einfachheit gefasst und betete die wunderbare Perlenkette andächtig durch.

 

Maria und die Heiligen waren für Langbehn leicht beschrittene Stufen zu seiner emporlodernden Liebe zu Christus, die in seinem Beten und Sehnen, seinem Denken und Dichten ergreifend zum Ausdruck gekommen ist.

 

Für einen Organismus ist Einheit erste und eigenste Lebensbedingung. Alles Organische, alles Lebendige, alles Göttliche beruht auf Einheit. Daher steht die Einheit der christlichen Kirche bedingungslos über allen anderen Rücksichten. Das ist eine Himmel und Erde bewegende Tatsache. – Einheit erfolgt nur durch Ordnung. Ordnung ist Unterordnung. Diese aber wird hier nur erzielt durch unbedingte Unterordnung unter den Geist der von Christus gegründeten Kirche und ihre Organe, die nicht der Person, jedoch der „Funktion und Unktion“ nach wie Christus wirken.

 

Man sollte Gott, meinte Langbehn, auf den Knien dafür danken, dass er die Kirchenfrage so gelöst habe. „Obwohl ich“, fügte er diesen Folgerungen hinzu, „die Risse und Schlacken in und an den Katholiken, einschließlich der Geistlichen – als Personen – wohl sehe, so erscheint mir doch die katholische Kirche so rein und vollkommen wie ein Tautropfen. Ich kann beim besten Willen keinen Fehler daran entdecken. Es ist eine vollkommene Geburt, es ist eine Gottesgeburt. Und Sie wissen nicht, wie kritisch ich eigentlich bin, ich prüfe, sichte, scheide, ehe ich urteile, aber wenn ich etwas bewährt gefunden habe, halte ich fest. Von der katholischen Kirche bringt mich nichts mehr los.“

 

Wie Langbehn als Mensch sich immer der Naturgesetzlichkeit unterwarf, so unterwarf er sich als Christ, sobald er ihren Ursprung aus dem Quell der Wahrheit erkannte, der Kirchengesetzlichkeit.

 

„Um Christi Liebe willen –

Muss ich sein Wort erfüllen.“

 

Das kostete ihn nun nichts mehr. Er bekannte 1899: „Wie Gott für meinen wahren Vater, so halte ich die Kirche für meine wahre Mutter, und welchen Mann sollte es entehren, vor seiner Mutter zu knien? Um ihren Segen zu bitten? In ihrem Geist zu leben? Die Wahrheit ist, dass gerade von ihr die Kraft seiner Seele, die innerste Art seines Geistes, das Beste seines Ich herkommt. Ich fühle das deutlich.“

 

In der letzten Erkenntnis lag die Entscheidung: Das Ich in die göttliche Quelle zu senken, aus der es stammt, bedeutete ihm nicht Verknechtung, sondern Befreiung von Welt und Leidenschaft und ihren Sklavenketten. In seinem Buch sagt Langbehn: „Ein Verzicht auf die eigene Individualität scheint nur berechtigt, wenn er zugunsten einer höheren und wahrhaft seelischen Weltauffassung stattfindet.“ In diesem Geist gab er seine heidnisch natürliche Persönlichkeit hin, um die christ-katholische Weltauffassung. Aber nach dem Spruch: „Wer sein Leben verliert, gewinnt sein Leben,“ wurde nun eine geklärte Persönlichkeit daraus. Hatte er früher die Absicht gehabt, als Ergänzung zu „Individualität, Freiheit, Charakter“ die Eigenschaften „Stil, Gebundenheit, Maß“ zu lehren, so betonte er jetzt: „In der Individualität, die ich im Rembrandtbuch predige – in meines Vaters Haus sind viele Wohnungen – bildet die Autorität – ein Hirt und eine Herde – die ganz notwendige Ergänzung.“

 

Um 1898 stand Langbehns Entschluss, sich der katholischen Kirche einzugliedern, fest.

 

Es kam die Zeit, wo ihm als wirkliches Bedenken gegen den Kircheneintritt nur das eine blieb: Bin ich auch rein genug, dem Allerheiligsten mich zu nahen? Aber er tröstete sich mit dem verlorenen Sohn, der doch auch freundlich – und wie freundlich – von seinem Vater aufgenommen worden sei.

 

An Bischof Keppler von Rottenburg schrieb er mit tiefem Dank: „Alles ist harmonisch verlaufen. Ich sehe wohl, dass die Herrschaft des süßen Jesus eine sehr milde ist – milder, als Menschen gut dünkt – aber er tut das Rechte. Er ist das Mark, und wir sind das Rohr. Mit seiner Hilfe muss ich sehen, Strenge und Milde gut abzuwägen, also zwischen Johannes, dem Täufer, und Johannes, dem Evangelisten, zu wandeln. Helfen Sie mir dabei, bitte, soviel wie möglich . . . Ich weiß gar nicht, wie ich dem lieben Gott dafür danken soll, dass er mich so wunderbar führt. Was sind alle Dornen der Welt gegen eine einzige Rose? Nichts. Da haben Sie mein Lebensprogramm. Und ich habe die Rose nun gefunden.“

 

Im August 1902 konvertierte Momme Nissen (deutscher Maler und Schriftsteller) zu Immenstadt. „Gleich darauf“, schreibt er, „machten Langbehn und ich eine Dankeswallfahrt nach Maria Einsiedeln in der Schweiz.“ Momme Nissen trat in der Folge in den Dominikanerorden ein.

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Albert Küchler,

 

der Kunstmaler, wurde im Jahr 1844 zur katholischen Kirche geführt, so wie im Jahr 1813 bereits mehrere bedeutende deutsche Maler in Rom konvertierten. Es waren dies Friedrich Overbeck, Rudolf und Wilhelm Schadow, Karl Vogel von Vogelstein, Ludwig Schnorr von Karolsfeld und Ernst Platner. Albert Küchler ging nach Beendigung seiner Vorstudien zu weiterer Ausbildung nach Rom. Die Bilder der alten italienischen Schule zogen ihn mächtig an. Er sagte sich, hier müsste das wahre Christentum sein, denn ohne dasselbe hätte man solche Bilder nicht schaffen können. Dieser Gedanke bewog ihn, sich die katholische Kirche näher anzuschauen.

 

1851 wurde der berühmte Maler Laienbruder im Orden der Alkantariner. Seine Zelle wurde von vielen Freunden, besonders von seinen Landsleuten, aufgesucht. 1872 auch vom dänischen Königspaar. Am 16. Februar 1886 endete sein strenges, arbeitsames Ordensleben mit einem glückseligen Tod.

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Jakob Wüger,

 

dem Kunstmaler, waren die Katakomben Roms Anlass zur Rückkehr in die katholische Kirche. Wüger kam es, wie schon so manchem Protestanten, in den Katakomben zum Bewusstsein, dass allein die katholische Kirche der christlichen Urkirche gleiche und mit ihr übereinstimme. Er konvertierte im Jahr 1865. 1870 trat er in die Benediktinerabtei St. Martin zu Beuron. Die malerische Ausschmückung der bekannten St. Mauruskapelle ist sein und seines Schülers Friedrich Steiners Werk.

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Christian Schlosser

 

zog die Liebe zur Kunst und die Begeisterung für Dante nach Rom, wo ihn das Kunstleben außerordentlich fesselte, aber auch die katholische Kirche einen so mächtigen Eindruck auf ihn machte, dass er sich im katholischen Glauben unterrichten ließ und ihn mit ganzem Herzen annahm.

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Heinrich Hübsch,

 

den berühmten Architekten und Kunstschriftsteller, führte das Studium des äußeren Kirchenbaues zu dem des Inneren. Schon seit seinem ersten Aufenthalt in Rom fühlte er eine lebhafte Hinneigung zur katholischen Kirche. Durch seine Studien über den ältesten christlichen Kirchenbau war er genötigt gewesen, das altchristliche Leben, den Glauben und die Verfassung der alten Kirche kennenzulernen und sich mit den Werken der Kirchenväter näher bekannt zu machen. Dabei überzeugte er sich, dass viele Lehren und Einrichtungen, die man für Erfindungen der mittelalterlichen Hierarchie auszugeben pflegte, in die frühesten Jahrhunderte des Christentums zurückgehen. Mit diesen Studien verband Hübsch die Lektüre neuerer apologetischer Werke, besprach diese Themata gerne mit katholischen Priestern sowohl als mit protestantischen Predigern und gewann dadurch immer mehr Klarheit. 1849 reiste er abermals nach Rom, wo er diesmal auch dogmatischen Studien oblag. Seine Konversion erfolgte 1850.

König Ludwig I. von Bayern schätzte Hübsch sehr hoch. „Hübsch war mir teuer als Mensch und als Künstler“, äußerte er bei der Nachricht seines Todes 1863.

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Augustus Welby Northmore de Pugin,

 

dem Baukünstler, war das Studium der alten Kirchenbaukunst der erste Grund zu einem Wechsel in seinen Anschauungen. Er bedurfte zu ihm der eingehendsten Studien der katholischen Liturgie und alles dessen, was mit diesem Fach zu tun hat. So konnte es nicht fehlen, dass er auch die katholische Glaubenslehre kennenlernte, wodurch seine bisher sehr feurige Anhänglichkeit an den anglikanischen Kirchenglauben ernstlich erschüttert wurde. Im Januar 1834 schrieb er an einen älteren Freund, der sich für seine Bestrebungen interessierte:

 

„Ich kann Ihnen versichern, dass ich nach sehr genauen und unparteiischen Untersuchungen vollständig davon durchdrungen bin, dass die römisch-katholische Kirche die einzig wahre sei und die einzige, in der der große und erhabene Kirchenbaustil je wieder restauriert werden kann.“ Im Jahr 1836 trat er in die katholische Kirche zurück.

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Johannes Verkade,

 

der Holländer, wurde indirekt durch die Kunst der katholischen Kirche zugeführt, indem ihn seine Kunststudien nach Paris und in die treu katholische Bretagne führten. Als Kind mennonitischer Eltern 1868 geboren, war er nicht einmal getauft worden, da die Mennoniten die Kindertaufe ablehnen. Als er achtzehn Jahre alt war, legte ihm sein Vater nahe, er solle sich konfirmieren lassen. Es gehöre zu der gesellschaftlichen Stellung eines anständigen Menschen, dass er Mitglied einer Kirchengemeinschaft sei. Der junge Mann aber weigerte sich mit den Worten: „Vater, ich habe keine Lust, nachzuschwätzen, was so ein Domineè lehrt . . . Wenn ich noch ein paar Jahre älter bin, werde ich mir schon ein Urteil über religiöse Dinge bilden.“

 

In Paris wurde Verkade zunächst in die theosophische Richtung hineingezogen. Es war ein Übergang vom Materialismus und Realismus, denn mit seinem 15. Lebensjahr hatte Verkade den Gottesglauben verloren. Nunmehr gewann er die Überzeugung, „dass es noch eine höhere Wirklichkeit gebe als die, die wir mit den Sinnen wahrnehmen, und ganz unvermeidlich kam ich“ – schreibt er – „zur Anerkennung der Seele und ihrer Unsterblichkeit in irgendeiner Form.“ Im Übrigen stand er der Religion noch sehr fern. Das Louvre „war damals mein Gotteshaus“, schreibt er selbst. Doch bei jedem Besuch des Louvre drängte sich ihm der Gedanke auf, dass es ohne Religion keine wahrhaft große Kunst gebe, dass alle große Kunst im Dienst der Religion stehe, und „diese Erkenntnis trieb mich auf die Suche nach einer religiösen Lebensanschauung.“

 

1891 lernte er den Kunstmaler Mogens Ballin, einen Juden aus Kopenhagen, kennen, der sein Freund wurde und späterhin ebenfalls konvertierte. Mit Ballin reiste Verkade in die Bretagne. Der erste Eindruck der Bretagne war ein „wonniger und weihevoller“, dass „nur ein anbetendes Niederknien der rechte Ausdruck dessen gewesen wäre, was meine Seele zu jener Stunde empfand. Aber ich war noch zu stolz, um das Knie zu beugen, und mein Drang, anzubeten, wusste noch nicht wohin“. Ein Gespräch mit Freunden führte ihn bald darauf dem Gedanken an Gott wieder zu. Im Übrigen überließ er sich dem Eindruck dessen, was er unter diesem tief gläubigen Volk sah. Er begann, der heiligen Messe anzuwohnen und brachte es schließlich sogar über sich, bei der heiligen Wandlung niederzuknien. „Ich war nicht mehr der gleiche wie früher,“ schreibt er. „Ich war schon bald katholisch. Mein Stolz war gebrochen: ich hatte gekniet.“ Ein bekehrter Freund schenkte ihm in Paris ein Leben der Heiligen und einen kleinen Katechismus. Als er im letzteren las, „da stieg“, schreibt er, „in einfachster Gestalt das Lehrgebäude der katholischen Kirche in seiner wunderbaren Folgerichtigkeit vor mir auf. . . . Ich las das Büchlein ganz durch, glücklich wie einer, der einen großen Schatz gefunden hat. Zwar glaubte ich noch nicht, aber ich war überaus froh, die katholische Kirche einigermaßen kennengelernt zu haben, und fand sie viel vernünftiger, als ich mir vorgestellt hatte.“

 

In die Bretagne zurückgekehrt, fesselte ihn eine Krankheit einige Zeit an das Zimmer. „Ich war schon so weit in meinem religiösen Leben fortgeschritten, dass ich sie als eine Buße auf mich nahm. Es kam eine selige Ruhe über mich.“ Bald wohnt er jeden Sonn- und Feiertag der Messe bei und öfters auch der Vesper. Da es ihm klar wurde, dass seine theosophischen Schriften von Hypothesen strotzten, „entschloss ich mich, selbst an die Quellen zu gehen, und las das Neue Testament ganz aufmerksam durch“. Nie aber dachte er daran, „nie und nimmer“, Kalvinist oder Mennonit zu werden: „Ich hatte außerhalb der katholischen Kirche eine zu große Zerrissenheit gefunden, um dort mein Heil suchen zu wollen. . . . Wenn ich Christ werde, so will ich es ganz werden, und das hieß für mich katholisch.“

 

Sehr richtig erkannte er auch, dass man sich nicht aus eigener Kraft zur Wahrheit durchringen könne, sondern dass die ewige Wahrheit uns zu Hilfe kommen müsse, darum fing er an mit Innigkeit um Erleuchtung zu beten und sich um einen Führer zur Wahrheit umzusehen, „denn Konversionen können sich leicht verschleppen“. Auch hier heißt es: Man muss das Eisen schmieden, solange es heiß ist. Sonst läuft der Konvertit Gefahr, einer jener Menschen zu werden, von denen der Apostel sagt, „dass sie allezeit lernen und nie zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen können“ (2 Tim 3,7). Einen solchen Führer fand er in der Person des Jesuitenpaters Le Texier. „Mit dem Verstand kam ich nun der katholischen Kirche immer näher, nur fürchtete ich die Verpflichtungen, die ich übernehmen sollte, und wahrhaft glauben konnte ich noch nicht.“ Pater Le Texier war nicht erstaunt darüber, weil eben Ungetauften die göttlichen Tugenden, also auch nicht die Tugend des Glaubens eingegossen ist. „Sind Sie einmal getauft,“ sagte er ihm, „so wird es Ihnen sehr wahrscheinlich gehen wie jenem Amerikaner, bei dessen Konversion einer meiner Mitbrüder mitwirkte und der ungefähr in der gleichen Geistesverfassung war wie Sie. Dieser Mann machte vor der Taufe allerlei Einwendungen. Nach der Taufe gab es keinen glücklicheren Menschen als ihn; alle seine Bedenken waren verschwunden, und nichts war leichter, als ihn auf seine erste heilige Kommunion vorzubereiten.“ – „Diese Worte“, schreibt Verkade, „gingen mir sehr zu Herzen, denn ich hatte ein geheimes Verlangen nach der Taufe.“ Dennoch wollte er noch nicht katholisch werden. Ein Buch, das ihm der Pater gab, überraschte ihn, als er sah, „welchen Spielraum die Kirche bei vielen Fragen offenlässt, gerade bei jenen Fragen, die mir Schwierigkeiten bereiteten. Ich lernte nun auch einige Kirchenlehrer kennen, besonders den heiligen Augustin. Als ich das Buch aus der Hand legte, sagte ich: Am Ende kann ich noch am ehesten glauben, was die katholische Kirche lehrt. Alles, was ich sonst über Religion gehört und gelesen habe, verlangt zehnmal mehr Glauben als die unerbittlich logische Lehre des Katholizismus.“ Menschliche Rücksichten hielten ihn indessen immer wieder auf. Endlich entschloss er sich ganz schnell zur Taufe und bereitete sich mit Ernst auf sie vor. Er empfing die heilige Taufe am 26. August 1892 in der Hauskapelle des Jesuitenkollegiums zu Vannes und dann auch gleich die erste heilige Kommunion.

 

„Nach der Taufe“, schreibt unser Konvertit, „war ich wie zerschlagen, aber ganz glücklich: ich glaubte. Meine Bedenken und Zweifel waren wie weggeweht. Die heilige Eucharistie hatte plötzlich eine große Anziehungskraft für mich bekommen, und ich freute mich auf meine erste heilige Kommunion. . . . Während der Messe und nach der Kommunion dankte ich in innigem Gebet. Mir schien es, ich wäre durch eine schwere Krankheit gegangen, die mich belehrt und vertieft hätte. Ich fühlte mich gesättigt, gebessert und voll Güte und Menschenfreundlichkeit.“

 

Eine große Überraschung erwartete ihn bei seinem neuerlichen Zusammentreffen mit Ballin. Der befand sich nämlich auf dem Weg zur Wahrheit und war entschlossen, sich taufen zu lassen. Er empfing die heilige Taufe am 5. Januar 1893.

 

Verkade trat in der Folge zu Beuron in den Benediktinerorden ein.

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Veit Trollmann

 

Der Vorwurf, die katholische Kirche sei eine Feindin der Wissenschaft, ist bei ihren Gegnern an der Tagesordnung. Dieser Vorwurf ist ganz und gar unberechtigt. Die katholische Kirche ist und war zu allen Zeiten eine Freundin und Förderin der Wissenschaft. Nur an dem einen hält die Kirche fest, dass ihr Gottes Offenbarung, dass ihr die absolute Wahrheit höher steht als menschliche Weisheit. Konsequenterweise muss sie verlangen, dass der Gelehrte bei seiner Forschung diese göttliche Wahrheit als Norm betrachte und in Berechnung ziehe. Wer das Unfreiheit nennt, der ist selber der Unfreieste, denn ob er sich gleich über die göttliche Offenbarung hinwegzusetzen erkühnt, steht er unter der Botmäßigkeit seiner eigenen Voraussetzungen. So stehen die Dinge.

 

Da ist es denn interessant zu konstatieren, wie viele edle Geister gerade auf dem Weg der Wissenschaft zur katholischen Kirche zurückgefunden haben. Das, was nach der Meinung der sogenannten Freidenker die katholische Kirche zu entvölkern angetan sei, hat so viele der tiefsten Denker ihr zugeführt, ein nicht zu unterschätzendes Argument.

 

Der erste Konvertit aus dem Luthertum, den noch zu Lebzeiten Luthers und Melanchthons der Weg der theologischen Forschungen zur katholischen Kirche heimführte, war der Gelehrte Veit Trollmann von Wemding, genannt Vitus Amerpachius, Professor in Wittenberg von 1530-1543.

 

Als Student an der Universität Wittenberg (1522) hatte er als junger Mann den Glauben seiner Eltern verloren, und als er zum Magister der Philosophie promoviert wurde und bald darauf seine Hochzeit feierte, war er bereits ein ganzer Lutheraner geworden. Das Jahr darauf wurde er Professor an der Universität. Von dem scharfsinnigen Gelehrten, dessen wissenschaftliche Publikationen Aufsehen erregten, erhoffte man viel für das Luthertum. Luther selbst verschaffte ihm eine Stelle am Wittenberger Konsistorium, damit er die notwendige Muße zu eingehenden theologischen Studien gewänne. Der Kurfürst Johann Friedrich von Sachsen gab ihm die Stelle, „auf dass er in Theologie mit Fleiß sollte studieren, damit wir neben den anderen Theologen in vorfallenden Religionshandlungen desto mehr geschickte Leute, welche die Sache defendieren helfen, haben möchten“.

 

Die fleißigen und tiefgründigen Studien, mit denen sich Trollmann voll Eifer befasste, führten aber zu einem ganz entgegengesetzten Resultat. Trollmann erkannte an der Hand der Lehre der Väter gar bald die Schwächen der neuen Lehre. Er legte mit aller Offenheit Luther und Melanchthon seine Zweifel vor, besonders über ihren falschen Rechtfertigungsbegriff und über ihre Stellung zum Primat des Papstes. Beide waren sehr enttäuscht, dass einer der geistvollsten Professoren der Universität ihrer neuen Lehre den Rücken kehrte, sie vermochten aber seine Beweisführungen nicht zu widerlegen.

 

„Es ist unmöglich,“ hielt ihnen Trollmann entgegen, „dass die ganze Kirche über so wichtige Dinge wie Rechtfertigung, Messe, Gelübde irrt. Nun haben aber jederzeit alle anders darüber gedacht als die Lutheraner. Folglich ist Luthers Ansicht neu, seine Kirche etwas bisher Unbekanntes und zu unterwerfen.“ Wenn Melanchthon dagegen seine Zuflucht zum Zeugnis jener nimmt, „die keine Schriften hinterlassen haben“ (!), so richtet er sich damit selbst in den Augen aller Einsichtigen.

 

Denselben Gedanken wie Veit Trollmann hatte schon der berühmte Freiburger Jurist Ulrich Zasius in einem Brief an Thomas Blamer vom 21. Dezember 1521 ausgesprochen:

 

„Ich bleibe bei den Lehren und Entscheidungen der Kirche, sollte auch das ganze Heer des Himmels mir das Gegenteil gebieten. . . . Die Schmach will ich dem Herrn der Wahrheit durchaus nicht antun, dass ich glauben könnte, er habe uns so viele Jahre, so viele Jahrhunderte hindurch getäuscht. . . . Schon mehr als tausend Jahre lehrt uns die Kirche auf der ganzen Welt durch die Stimme ihrer Lehrer, die sich einmütig auf die Heilige Schrift stützen. Ihr aber biegt das Evangelium nach eurem eigenen Gutdünken. Soll der eine Luther aller Autorität und allen Lehrern der Vergangenheit zusammen vorgezogen werden? Unsere Vorfahren, die auch weise Männer waren, würden eine solche Forderung Wahnsinn genannt haben.“

 

In der ersten Hälfte des Jahres 1543 verließ Trollmann die Universität Wittenberg und übernahm noch im gleichen Jahr eine Professur an der Universität Ingolstadt.

 

Veit Trollmann steht an der Wiege und im Herzen des religiösen Umsturzes da er als der Vorläufer jenes großen Heerzuges klar denkender Menschen, die in Erkenntnis der Zufälligkeiten und Menschlichkeiten des Werkes Luthers den Weg zum Hafen der alten Kirche gefunden haben und immer noch finden.

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Balthasar von Castelberg,

 

Propst und Dekan in seiner Vaterstadt Ilanz in Graubünden, liebte und pflegte die philosophischen Studien. Besonders mit Kant hat sich Castelberg viel und anhaltend beschäftigt. Überall aber fand er nur Irrtümer und Widersprüche. Dreißig Jahre verbrachte er im Suchen nach der Wahrheit, bis eine schwere Krankheit ihn mahnte, sie zu ergreifen, wo er sie gefunden hatte. Er konvertierte im Juli 1825 im Alter von 76 Jahren. Sein Abschiedsschreiben an die protestantische Synode enthält eine großartige Apologie der katholischen Kirche. Aber auch an sich erregte der Schritt dieses in hoher Achtung stehenden Mannes großes Aufsehen. Castelberg erlebte die Freude, dass sein Sohn Valentin von Castelberg (protestantischer Prediger) mit seiner ganzen Familie in die katholische Kirche zurücktrat.

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Friedrich Pilgram

 

bezog 1841 die Universität Halle. Er studierte Jurisprudenz, betrieb aber hauptsächlich philosophische Studien und machte sich mit den Systemen von Kant, Fichte, Spinoza und Hegel vertraut. Sein Trieb nach Wahrheit fand jedoch in den herrschenden Systemen weder Ruhe noch Befriedigung. Es kam so weit, dass er nicht nur an der Wahrheit des Denkinhaltes zweifelte, „sondern am Dasein des Denkens – des Geistes – meiner selbst, meines eigenen Daseins und Wesens, weil das alles durch nichts voraussetzungslos zu beweisen war. – Was ich da erlebt und gelitten, mag ich nicht weiter beschreiben, es waren Jahre eines an Verzweiflung grenzenden inneren Unglücks, grenzenlosen geistigen Elendes. Indes hielt mich mit der Gnade Gottes die Stärke meiner Gesundheit aufrecht.“

 

Durch das Studium der Philosophie auf das theologische Gebiet geführt, erkannte er, dass auch die christliche Religionslehre eine wirkliche Wissenschaft sei. Er studierte nun mit großem Eifer das System der christlichen Lehre, insbesondere auch das Werk des hl. Augustinus: „De civitate Dei“, sowie verschiedene Abschnitte der mittelalterlichen Theologie. Diese Studien brachten ihn der Wahrheit immer näher, bis er diese in der katholischen Lehre klar erkannte. Er konvertierte am 23. September 1846 und hat in der Folge als Schriftsteller für die Kirche äußerst fruchtbar gewirkt. (+ 1890)

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Karl Ludwig von Haller,

 

Professor des Staatsrechts an der Akademie von Bern, kam durch seine staatswissenschaftlichen Studien zur katholischen Kirche. Sein größtes Werk, die „Restauration der Staatswissenschaft“ (Winterthur, 1816-39, 6 Bände), das, in die meisten Sprachen übersetzt, für die politische Welt von außerordentlicher Tragweite sein sollte, wurde es für den Verfasser selbst in noch höherer Weise, indem ihn die zu diesem Werk erforderliche Forschung zur Wahrheit führte. Einige in einem Brief an die Seinen niedergelegten Gedankengänge sind auch für unsere Zeit so bedeutsam, dass sie dem Leser nicht vorenthalten werden dürfen. Haller schreibt u.a.:

 

„Die falschen, obschon herrschenden Theorien ekelten mich an, indem ich in ihnen die Wurzel aller Übel entdeckte. Ich musste andere Grundsätze über den Ursprung und das Wesen der gesellschaftlichen Verhältnisse aufsuchen. Es war eine einzige, zwar einfache, aber fruchtbare Idee, die mir Gott in seiner Gnade eingab, nämlich: von oben nach unten zu gehen, und wie in der Natur so auch in der Ordnung der Zeit und der Wissenschaft den Vater vor den Kindern, den Herrn vor dem Diener, den Fürsten vor den Untertanen, den Lehrer vor den Schülern zu setzen, eine Idee, die mich folgerecht auf den Plan des Buches oder zum System jener Lehre hinführte, die gegenwärtig so vieles Aufsehen in Europa macht und vielleicht bestimmt ist, die wahren Grundsätze der sozialen Gerechtigkeit wieder herzustellen und dadurch mannigfaltige Übel auf dieser Erde wieder gutzumachen.

 

Ich stellte mir also eine geistige Macht oder Autorität als vorhanden vor, den Gründer eines religiösen Systems, der Schüler um sich versammelt und sie in eine Gesellschaft einigt, um diese Lehre zu erhalten und fortzupflanzen; ihnen Gesetze und Einrichtungen gibt zur Befriedigung der verschiedenen Bedürfnisse dieser religiösen Gesellschaft, die allmählich Grundbesitz erwirbt und so selbst zu einer äußeren oder zeitlichen Unabhängigkeit gelangen kann. Als ich in der Folge die Geschichte und Erfahrung zu Rate zog, fand ich das alles in der katholischen Kirche schon verwirklicht vor, und diese einzige Wahrnehmung ließ mich ihre Notwendigkeit, ihre Wahrheit und ihre Echtheit erkennen . . . Aufmerksames und wiederholtes Lesen der Bibel überzeugte mich immer mehr, dass ich mich nicht getäuscht hatte, denn bei dem Geist der Gerechtigkeit und Unparteilichkeit, den mir Gott gegeben, konnte ich unmöglich verkennen, dass so ungemein viele Stellen der Heiligen Schrift nur Sinn haben in Bezug auf ein Reich Gottes auf Erden, das heißt auf eine Kirche oder Gesellschaft von Gläubigen, die der heilige Petrus den Leib Jesu Christi nennt, der ein Haupt und Glieder habe, dazu bestimmt, die christliche Religion zu erhalten und fortzupflanzen. Und das sind gerade jene Stellen, die unsere Geistlichen niemals anführen, weil es im protestantischen Sinn unmöglich ist, ihnen eine ungezwungene, natürliche Deutung zu geben . . .“

 

Haller begann nun auch, katholische Schriften zu lesen, daneben jedoch auch protestantische Autoren, „vorzüglich solche, die das sogenannte Kirchenrecht behandelten. . . . Sie waren es, die mich in meiner Gesinnung noch mehr bestärkt haben als die katholischen Schriftsteller. Ihre Unsicherheit, ihr ewiges Abändern, ihre Widersprüche, ihr Zurückhalten und die Zugeständnisse, die ihnen in Augenblicken der Aufrichtigkeit entschlüpften, ja endlich die Sprache der Trockenheit, der Bitterkeit und Verachtung, die sich ebenso wenig mit der Religion und christlichen Liebe verträgt, überzeugten mich, dass die Wahrheit nicht bei uns sei. Überdies war es mir bis zur Evidenz einleuchtend, was im Grunde beide Parteien gestehen, dass die kirchliche Revolution des 16. Jahrhunderts, die wir Reformation nennen, wenn wir ihre Grundsätze, Mittel und Folgen erwägen, das vollkommene Bild und der Vorläufer der heutigen politischen Revolution sei, und mein Abscheu vor der letzteren erweckte auch Abscheu und Widerwillen gegen die erstere.“

 

Nach 10 – 12 Jahren des Kampfes war Haller zur Konversion entschlossen. Sie erfolgte am 17. Oktober 1820. Seine Familie kehrte später ebenfalls zur katholischen Kirche zurück, ebenso einige Verwandte. Der jüngere Sohn Albrecht wurde Priester, eine Nichte Ordensfrau. Haller starb zu Bern am 20. Mai 1854.

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Dr. George Phillips,

 

Professor der Rechte und später Mitbegründer der Historisch-Politischen Blätter, wurde durch historische Studien und bittere Erfahrungen im Protestantismus zum Studium des katholischen Glaubens veranlasst, das seine Konversion zur Folge hatte, die am 14. Mai 1828 stattfand.

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Friedrich von Hurter,

 

der Historiker, gewann durch seine 1814 begonnene Arbeit über Innozenz III. Einblick in das innerste Leben der katholischen Kirche. Bisher hatte sich Hurter wenig mit den Dogmen der Kirche beschäftigt. Jetzt suchte er sich Licht zu verschaffen über das Verhältnis der einzelnen katholischen Lehren zu jenen des Protestantismus. Mit letzterem hatte er bereits innerlich gebrochen.

 

„Nach den Früchten, die der letztere mir getragen, und nach den gewonnenen Momenten zur Würdigung seiner hitzigsten Verfechter, und nach der tiefen Erforschung seines Ursprungs sowie seines Zustandes, war derselbe für mich eine abgetane Sache . . .“

 

Gleichwohl dachte Hurter noch nicht an eine Konversion, da er die äußeren Formen als unwesentlich erachtete. Während eines sechswöchentlichen Aufenthaltes in Paris war ihm jedoch das tiefinnerste Wesen des katholischen Glaubens immer klarer geworden. Das Werk von Innozenz III. über die Heilige Messe, in der er die „große Pulsader“ erkannte, „die das verklärte Haupt mit dem Körper, der Kirche, verbindet und das Lebensblut durch das gesamte Geäder derselben treibt“, brachte in ihm den Entschluss zur Reife, nach Rom zu reisen, um sich zu überzeugen, „ob das gesamte Tun und Wesen an dem Mittelpunkt der Kirche die Prüfung auch in der Nähe nicht zu scheuen habe“. Nachdem auch diese Prüfung, bei der sich der große Mann nicht nach der Art kleinlicher Geister an Volkseigentümlichkeiten stieß, sondern überall das Wesen erfasste, zugunsten der katholischen Kirche ausgefallen war, legte er am 16. Juni 1844 das katholische Glaubensbekenntnis ab. 

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Kenelm Henry Digby,

 

der Gelehrte Esquire, fand durch seine Studien über das Mittelalter zur katholischen Kirche und entschied sich darauf hin zur Konversion. Er legte das Resultat seiner Forschung in dem berühmten Werk „Mores catholici“ („Mores catholici, or ages of faith“, London 1844-47 10 vol., 2d Ed. 1851-55) nieder, das nach den acht Seligkeiten eingeteilt ist. Der Verfasser geht darin von der Grundidee aus, dass diese Seligkeiten, wenn jemals auf Erden, so während der Zeit des Mittelalters die Menschen beglückt haben. Digby hat für seine Beweisführung ein überaus reiches Material an Tatsachen aus der gesamten schriftlichen Hinterlassenschaft der in Frage stehenden Jahrhunderte gesammelt und vorgeführt.

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Frederick Lucas,

 

ein Jurist, der ein Quäker war, wurde ebenfalls durch Studien über das Mittelalter zur katholischen Kirche und zur Konversion geführt. Er wäre infolge seiner Studien wohl in die Oxforder Bewegung hineingezogen worden, wäre er nicht Quäker gewesen. Als solcher war er in der Feindschaft gegen die Ansprüche der „Kirche von England“ aufgewachsen. Dennoch trat er mit aller Unparteilichkeit und Ruhe an die Frage heran, ob die anglikanische „Kirche“ mit der Kirche des Mittelalters identisch sei. Indem er ihre Voraussetzung von einer allein wahren Kirche annahm, kam er jedoch nicht zu dem Schluss, dass die Idee derselben in der „Kirche Englands“ verwirklicht sei. Er erkannte klar, dass diese in dem Augenblick, als sie sich von Rom trennte, ihre Ansprüche nicht sowohl auf irgendeine ihrer eigenen Verfassung innewohnende Kraft gründete, als auf die freie Schriftforschung, auf das Recht des Privaturteils. Damit aber stellte sie sich auf gleiche Linie mit jeder obskuren Sekte. Sie verwirklichte also nicht die große Idee einer mit göttlichem Beistand und mit übernatürlichen Kräften ausgestatteten Kirche. In Rom hingegen erblickte Lucas die unveränderte und unveränderliche Kirche des Mittelalters, die mit dem Christentum identisch ist.

 

Frederick Lucas legte zu Anfang des Jahres 1839 das katholische Glaubensbekenntnis ab. Aus einem Sendschreiben, in dem er seine Konversion bespricht, interessieren uns besonders drei Stellen:

 

Erstens das Zugeständnis, dass die große Masse der Protestanten von Täuschung lebt. „In Wahrheit“, schreibt Lucas, „lebt und atmet die Masse der Protestanten in Bezug auf diesen wichtigsten aller Gegenstände in einer Atmosphäre der Täuschung. Sie haben nicht den entferntesten Begriff von der Wahrheit. Ich sage dies mit um so größerer Zuversicht, als ich, wenn die katholische Kirche wirklich so wäre, wie ich ehedem meinte, ich gegenwärtig nicht mit ihr vereinigt wäre. Aber dem ist nicht so. Sie ist nicht so, wie man sie darstellt. Sie ist fürwahr eine heilige und ehrwürdige Mutter der Gläubigen, selbst derer, die ihre Autorität nicht anerkennen, erfüllt mit aller Weisheit der Lehre und jeder heilsamen Wissenschaft.“

 

Das Zweite ist sein Hinweis auf die Geistigkeit des katholischen Gottesdienstes im Gegensatz zu den gewohnten gegenteiligen Behauptungen.

 

Das Dritte ist das Zugeständnis, dass die Glaubensspaltung nicht durch das Verderbnis in der Kirche veranlasst worden war. „Niemals gab es einen größeren Wahn als die Idee, dass die Glaubensspaltung durch den Abscheu frommer Männer vor den Verderbnissen der Kirche hervorgerufen worden sei. Wie? Konnten nicht diese frommen Männer, ein jeder für sich, fromm sein, indem sie sich hüteten, durch ihr eigenes Beispiel Anlass zur Sünde zu geben, und, wo öffentlicher Missbrauch öffentlichen Widerspruch erforderte, protestierten und nötigenfalls für ihre Frömmigkeit duldeten, ohne einen Riss in die Einheit der Kirche zu machen? Was Glaubenssachen betrifft, so wechselten in Deutschland die klügsten und gelehrtesten Protestanten jährlich ihren Glauben und stimmten zuletzt in nichts überein, als in dem Hass gegen die Kirche Gottes . . .“ „Man sollte meinen,“ sagt Lucas ironisch, „dass eine Kirche, die gut genug war für Sir Thomas More und seine Tochter Margaretha und Fisher, den Bischof von Rochester, und die sie für gut genug fanden, in ihr zu leben, und für wert, für sie zu sterben, wir sagen, dass eine solche Kirche den fleckenlosen Tranmer, den frommen Cromwell und den andächtigen Protektor Sommerset sicherlich hätte befriedigen dürfen.“

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August Friedrich Gfrörer,

 

der Historiker, wurde durch die Geschichtsforschung und speziell das Studium der Kirchengeschichte in die katholische Kirche geführt. Ursprünglich Rationalist, kam Gfrörer durch seine Forschung mehr und mehr zu positiven Anschauungen, sowie zu immer größerer Achtung vor den Institutionen der katholischen Kirche. Noch stark vom protestantischen Sauerteig durchdrungen, dachte er eine Zeitlang an eine mögliche Vereinigung der getrennten Christen auf Grund von weitgehenden Konzessionen an die Protestanten. Als jedoch seine Überzeugung von der Wahrheit des katholischen Glaubens mehr und mehr heranreifte und seine Bewunderung für die katholische Kirche stetig zunahm, sah er bald die Unmöglichkeit solcher Konzessionen ein, und nunmehr trachtete er einzig danach, in Ehren seinen Übertritt zu vollziehen. Diese Gelegenheit schien ihm im bekannten badischen Kirchenstreit gekommen. Mitten unter der härtesten Verfolgung der katholischen Kirche legte der berühmte Mann am 27. November 1853 in der St. Martinskirche zu Freiburg feierlich das Glaubensbekenntnis ab. 

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Wilhelm Karup,

 

der dänische Dichter, Sir Thomas William Allies Esq., Kaplan des Bischofs von London, und der Regierungsassessor Karl Heinrich Burchard, sowie die Referendare Seidell und Brewing, konvertierten ebenfalls auf Grund von kirchengeschichtlichen Studien zum katholischen Glauben.

 

Die verschiedenen sich widersprechenden Lehren der protestantischen Sekten drängten Karup die Frage auf: Welche von ihnen hat die wahre Lehre?

 

„Um diese Frage zu lösen, nahm ich meine Zuflucht zur Kirchengeschichte, namentlich zu den Quellenschriften der Reformation. Ich erfuhr nun zu meinem Erstaunen, dass Luther nicht als gottinspirierter Apostel mit einem bestimmten, abgeschlossenen Dogma aufgetreten war, sondern zu verschiedenen Zeiten abweichende und sich gegenseitig widersprechende Lehren vorgetragen habe; ich erfuhr, dass Heinrich VIII., der eigentliche Stifter der anglikanischen „Kirche“, anfänglich die katholische Kirche mit allem Eifer gegen die Angriffe Luthers verteidigt, später aber aus dem schmutzigsten Grund, nämlich, weil der Papst ihm nicht erlauben wollte, seine rechtmäßige Gemahlin zu verstoßen und sich mit einer anderen zu vermählen – England von der katholischen Kirche losgerissen und protestantisiert habe; ich erfuhr endlich, dass Politik weit mehr als Religion die Triebfeder zur Einführung der Reformation in den verschiedenen nordischen Ländern gewesen sei.“

 

Die weitere Frage lautete nun: Mit welchem Recht haben eigentlich Luther, Calvin und Heinrich VIII. die katholische Lehre verworfen? „So kam ich dazu, die dogmatischen Kontroverspunkte zu untersuchen.“ Hier nun wurde Karup gewahr, wie sehr die Lehren und Gebräuche der katholischen Kirche auf gegnerischer Seite entstellt, ja geradezu verzerrt und in ihr Gegenteil verwandelt wurden. „Durch spätere unmittelbare Berührung mit dem praktischen Katholizismus und durch fortgesetztes Studium wurde die Überzeugung von seiner Wahrheit . . . bei mir vollkommen reif und fest,“ war das Schlussergebnis von Karups Untersuchungen. Die Konversion fand am 12. April 1853 statt.

 

Thomas William Allies konvertierte 1850. Zum Zweck schriftstellerischer Arbeiten machte er eingehende kirchengeschichtliche Studien speziell über den Primat. Wider Erwarten – er wollte dadurch die „Kirche“ Englands vom Stigma des Schismas befreien – führten ihn selbst seine Studien – nach Rom.

 

Karl Heinrich Burchard besuchte mit zwei Freunden, den Referendaren Seidell und Brewing, öfters den katholischen Nachmittagsgottesdienst, wodurch sie sich angeregt fühlten, auch geistig und wissenschaftlich das katholische Element näher ins Auge zu fassen.

 

„Nach einem Jahr ungefähr dieses zugleich auf kirchenhistorischem, dogmatischem und katechetischem Feld betriebenen Studiums waren wir schon von der Unhaltbarkeit des Protestantismus überzeugt. Wir erblickten in ihm, nachdem in neuerer Zeit der dogmatische Inhalt entschwunden und ein unbestimmter allgemeiner Bibel- und Schriftglaube an die Stelle getreten war, eine bloße Skizze des Christentums, die eigentliche lebendige, wahrhafte Ausführung aber in der die ganze Erde und alle Zeiten umfassenden katholischen Kirche. Hier das Original, dort eine dürftige Kopie. Besonders aber entschied für unsere Überzeugung der wichtige Umstand, dass nach allen unumstößlichen Beweisen Dogma und Liturgie der heutigen katholischen Kirche mit denjenigen der ersten christlichen Kirche des zweiten und dritten Jahrhunderts im wesentlichen vollständig übereinstimmen, wie dies auch die griechische Kirche und alle schismatischen Sekten heute noch beweisen.“

 

„Mich hatte,“ schreibt Burchard, „schon sehr früh der alleinige Umstand, dass ohne lebendige höhere Bezeugung die Schrift allein die ganze Fülle der göttlichen Offenbarung unmöglich enthalten könne, diesen irrigen Standpunkt (des Protestantismus) längst verlassen machen, und die Heilige Schrift selbst, in solcher Weise in die Wüsten individuellen Denkens und Treibens hineingeworfen, schien mir im höchsten Grad profaniert.“

 

Burchard konvertierte 1821 zu Stettin. Seidell und Brewing folgten ihm im darauffolgenden Jahr in die katholische Kirche. Beide traten in den heiligen Priesterstand.

 

Geschichtliche Studien über das Zeitalter der Glaubensspaltung haben Dr. Burkhard Heinrich Freudenfeld, a. o. Professor der Geschichte und Philosophie zu Bonn, zur katholischen Kirche zurückgeführt. Er konvertierte zu Rom und trat in den Orden der Gesellschaft Jesu, wo er 1822 die feierlichen Gelübde ablegte. 

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Dr. Wilhelm Martens

 

fand in jungen Jahren durch das Studium der katholischen Dogmatik, die er als Dozent der Rechtswissenschaft zur Vorbereitung auf das Studium des protestantischen Kirchenrechts in Angriff nahm, zur Wahrheit. Was seinen letzten Widerstand brach, war die gewaltige Weissagung Malachiae (1,11) von dem reinen reinen Speiseopfer, dessen Erfüllung in der katholischen Kirche er nicht leugnen konnte.

 

„Mich durchschauerte“, schreibt er bei diesem Anlass, „die Erkenntnis, dass die katholische Kirche die wahre sei, und hinsinkend auf die Knie gelobte ich mit Tränen, die katholische Wahrheit zu bekennen.“

 

Auf Wunsch seiner Eltern nahm Martens noch Rücksprache mit verschiedenen protestantischen Autoritäten, deren Ausführungen ihn aber als ungenügend gegenüber den wuchtigen Beweisen für den katholischen Glauben nicht wankend machten. Am 19. März 1857 legte er das katholische Glaubensbekenntnis ab. Seinem Wunsch, Priester zu werden, wurde seitens seiner Familie nichts in den Weg gelegt. So zeigte er denn der juristischen Fakultät der Universität seinen Verzicht auf die bisher ausgeübte venia legendi an und begann in Münster das theologische Studium. Er hatte die Freude, seinen Vater (die Mutter war bereits gestorben) seiner Priesterweihe und Primiz anwohnen zu sehen.

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Hermann Baumstark,

 

Professor am lutherischen Predigerseminar zu St. Louis, wurde durch seine exegetischen Studien auf die Widersprüche des Luthertums mit der Schrift aufmerksam.

 

„Ich verband“, erzählt er uns, „immer bei meinen exegetischen Studien mit dem theologischen Interesse das der Erbauung, betete stets vorher um Erleuchtung, bewegte die Worte im Herzen und bekräftigte sie zum Schluss durch Anwendung auf mein eigenes Herz und Leben.“ Diesem guten Willen ward der verheißene Friede in der schließlichen Erkenntnis der Wahrheit. Zunächst jedoch geriet Baumstark durch sein Studium in Widerspruch mit der in der Missouri-Synode herrschenden theologischen Richtung, in der trotz des Grundsatzes der „freien“ Forschung allein Luthers Aussprüche und Luthers Urteile den Ausschlag gaben.

 

Baumstark verfiel den peinigendsten Zweifeln. Da kam ihm das Studium der Kirchengeschichte zu Hilfe.

 

„Indem ich die Kämpfe der katholischen Kirche dieser Zeit (des Arianismus) gegen die damaligen Häresien verfolgte, konnte ich mich der Wahrnehmung nicht entziehen, dass die damals angefochtenen (auch vom Protestantismus als solche anerkannten) Wahrheiten, die die Kirche mit göttlicher Kraft verteidigte einerseits und anderseits das im Gegensatz zum Protestantismus spezifisch Katholische, nicht etwa bloß äußerlich und zufällig nebeneinander hergingen – wie man wohl bei den Protestanten zu erklären geneigt ist -, (sondern) in inniger Wechselwirkung standen . . . Kurz, es prägte sich mir bei diesem Studium der Geschichte der alten katholischen Kirche, in die ich mich bewundernd versenkte, ein Bild von derselben ein, das der heutigen katholischen Kirche in allem Wesentlichen durchaus gleich war und die protestantischen Gemeinschaften in Geist und Richtung eher den damaligen Häresien an die Seite zu stellen schien. Und wie ich früher das Evangelium von Jesus Christus als eine Gotteskraft erkannt hatte, so trat mir jetzt auch in der katholischen Kirche eine Gotteskraft entgegen.“

 

Es folgten noch eingehendere Studien und lange, schwere Kämpfe. „Wie gerne hätte ich mich wieder auf das protestantische Schriftprinzip gestellt, wenn ich nur irgendwie mit gutem Gewissen gekonnt hätte. Aber ich sah die Unrichtigkeit und Unmöglichkeit desselben deutlich ein, ich mochte es nun betrachten, von welcher Seite ich wollte. Ich konnte nun einmal über die einfache Tatsache nicht hinwegkommen, dass Christus selbst nach den Berichten der Bibel uns Menschen nicht an die schriftlichen Worte der Apostel als der letzten Norm gewiesen hat, sondern an das Lehramt der Kirche, und dass der Natur der Sache nach unmöglich ein der Privatauslegung unterworfenes Buch die Kirche in der Wahrheit und in der Einheit erhalten kann. Und selbst wenn ich die Schrift nach eigener Auslegung wieder zu meiner Richtschnur gemacht hätte, so hätte ich doch in allen Lehrpunkten, über die sie genaueren Aufschluss gibt, nicht mehr die lutherische Auffassung, sondern die katholische für die – auch rein exegetisch betrachtet – richtigere halten müssen.“

 

 

Baumstarks Konversion erfolgte am 11. September 1869.

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Dr. Ludwig Paul Wieland Lütkemüller,

 

protestantischer Prediger zu Selchow in der Mark, kam durch das Studium der kirchlichen Verfassungsfrage zur Wahrheit. Er fand das so heftig bekämpfte Papalsystem – in der Bibel begründet. Er fand, „vom ersten Buch Mose bis zur Offenbarung des Johannes die monarchische Einrichtung des Reiches Gottes“ und für die Kirche auf Erden das monarchische Prinzip als Verfassungsprinzip vorgeschrieben. Der Primat im Papsttum und die bischöfliche Ordnung in der katholischen Hierarchie standen ihm in der Bibel „klar und deutlich“. In logischer Folgerung stand ihm daher der Anglikanismus durch Beibehaltung der Episkopalverfassung höher als alle andern protestantischen „Kirchen“, während ihm die preußische Union erst jetzt „in ihrem rechten Licht erschien, wie sie mit ihrem heillosen Indifferentismus und praktischen Unglauben schon im Prinzip Christus verschachert, wie sie kirchlich auf dem absoluten Nullpunkt steht, in ihrem Wesen kirchlicher Privilegierung die rein persönliche Willkür, in ihrem Resultat der absolute kirchliche Bankrott und unverbesserungsfähig ist.“

 

Mit der Lösung der Verfassungsfrage ergab sich für Lütkemüller aber auch die Folgerung, dass man in Glaubensdemut sich nicht selbst die Befähigung zutrauen dürfe, die Wahrheit der Heiligen Schrift vom subjektiven Standpunkt aus vollkommen zu finden. Damit ging er zu dogmatischen Untersuchungen über, die ihn glücklich in den Hafen führten. Er kehrte am Sonntag Lätare 1853 in die katholische Kirche zurück.

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Dr. Christian Gottlob Wilke

 

erhielt 1814 die Stelle eines Feldpredigers. 1819 die Pfarrei Hermannsdorf im Erzgebirge, legte aber 1838 das Pfarramt nieder, um sich ausschließlich wissenschaftlichen Arbeiten zu widmen.

 

Wilke war ein Mann von sehr umfangreichem Wissen und ein scharfer Denker. Mehrere Werke von ihm, z.B. der „Urevangelist“, erregten allgemeines Aufsehen. Indessen war Wilke durch das Studium der Kirchenväter auch immer mehr mit den Lehren der katholischen Kirche bekannt geworden. Gleich Hurter wurde er noch als Protestant ein Verteidiger der katholischen Kirche.

 

„Diese Kirche“, schrieb er schon damals, „ist ein Organismus, ein unzerstörbares, ewiges Kunstwerk. Bekanntlich hängen am Organismus und im Kunstwerk alle Teile miteinander aufs innigste zusammen, weil sie miteinander in Wechselwirkung stehen . . . Reiße eine Feder oder das kleinste Rad aus dem Uhrwerk, und die anderen Teile des Ganzen stehen bedeutungslos! Verletze ein Glied am Leib, und es wird die Gesundheit aller Glieder angetastet . . . Gleicherweise gibt die erwähnte Kirche – sofern sie aus Haupt und Gliedern, aus Gebern und Empfängern besteht und beide Teile durch das Band der Religion und des Glaubens miteinander verknüpft sind und dieses Band durch Lehre, Sitte, Regel und Vorschrift gehalten wird – die Darstellung eines Ganzen, an dem kein Teil gehemmt oder verletzt werden kann ohne Hemmung und Verletzung des anderen.

 

Der Glaube an Christus ist zugleich Glaube an die Kirche. Der Glaube des einzelnen ist der gemeinsame Glaube. Die Gemeinschaft und Gemeinsamkeit des Glaubens beruht auf des Glaubens Unwandelbarkeit. Diese beruht auf der Untrüglichkeit der Kirche. Diese Untrüglichkeit ist das Attribut und die Gabe des das Ganze beseelenden Geistes. Das kirchliche Oberhaupt bewahrt als Wächter die Einhelligkeit der Lehre und entscheidet nach der Glaubensnorm als der Kirche Organ. Ohne das kirchliche Oberhaupt ist keine Priesterschaft, ohne Priesterschaft kein Werkzeug für die sakramentalische Gnade; es ist kein Gehorsam gegen Christus, der nicht zugleich Glaube an die Heiligkeit der Kirche wäre, und umgekehrt kein Glaube an die Heiligkeit der Kirche, der nicht Gehorsam gegenüber der Kirche ist. Die Werkzeuge des auf die Glieder der Kirche einwirkenden Geistes, die Priester, sind wirkliche Seelsorger der Gläubigen, Gewissensfreunde und Führer derselben. Ihr Einfluss wird im Glauben aufgenommen, mit dem Glauben ist Vertrauen verbunden, das Vertrauen ruht auf der Gewissheit, dass das einwirkende Individuum in Christi Auftrag und im gemeinsamen Glauben der Kirche handle. Wie die Priesterschaft ihre Würde und Vollmacht vom Oberhaupt der Kirche entlehnt, so bleibt sie auch, indem sie sich im Zölibat von der Welt entfernt hält, mit diesem Oberhaupt in unzertrennlicher Verbindung. Während sie so an dieses sich anknüpft, bringt sie durch Entsagung ein Opfer, das alle Gläubigen um der Sakramente willen ehren und Verlangen . . . Ihr Verband mit dem kirchlichen Oberhaupt sichert der ganzen Kirche das Bestehen und erhält ihr die Unabhängigkeit von der weltlichen Macht, und dies wieder insofern, als sie, die mit dem Oberhaupt weit enger als mit der Welt Verknüpften, in ihrem Zusammenhang mit jenem unentbehrliche Glieder der Kirche sind. – Wer könnte ein Glied aus dieser Kette reißen, ohne Hemmung und Verwirrung in das Ganze zu bringen? . . .“

 

Wilke musste Sachsen verlassen, verlor seine Pension, wurde aber vom Grafen Arco-Valley mit seiner Familie gastlich aufgenommen. Im August 1846 legte Wilke zu Altötting das katholische Glaubensbekenntnis ab. Kurze Zeit Privatdozent in Würzburg, wurde er alsdann Redakteur. Er starb am 10. November 1854. 

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Leo Anton Konstantin Krüger,

 

Professor der orientalischen Sprachen, studierte auf einer zehnjährigen Reise durch ganz Europa die verschiedenen Volksgebräuche und namentlich auch die verschiedenen Religionen. Die Folge dieser eingehenden Prüfung war die Erkenntnis von der Wahrheit des katholischen Glaubens. Krüger konvertierte 1846 in Agram. Im blühenden Mannesalter (geboren 1817), reich und hochgebildet, konnte Krüger offenbar nur die Überzeugung, dass die Wahrheit allein in der katholischen Kirche zu finden sei, zum Rücktritt in sie bewegen. Seine Frau folgte dem Beispiel ihres Mannes in kurzer Zeit.

 

„Ich finde keine Worte,“ äußerte Krüger nach seiner Konversion, „um meine Glückseligkeit auszudrücken. Der katholische Glaube ist das Eden, das der eingeborene Sohn Gottes durch sein Blut erkaufte. Jetzt habe ich die Seelenruhe gefunden, nach der ich mich seit der Zeit, als ich meinen Verstand brauche, stets gesehnt habe.“

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Theodorian Carada,

 

von Beruf Rechtsanwalt, trat 1908 aus dem griechischen Schisma zur katholischen Kirche zurück. Stets ein gläubiger Christ, beschäftigte er sich eifrig mit Studien über die Lage der von Rom getrennten orientalischen Kirche, schrieb ein dreibändiges Werk über das orientalische Kirchenrecht und noch kleinere Werke über gleichartige Zweige der Wissenschaft. Das Ergebnis dieser Studien war seine Rückkehr zur katholischen Kirche.

 

Der beständig mit geistiger Arbeit beschäftigte Konvertit ist der festen Überzeugung, dass die orientalisch-rumänische Kirche ohne Anschluss an Rom einfach verschwinden wird. Zwei Ursachen werden dazu besonders beitragen: Die völlige Abhängigkeit der orientalischen Staatskirche von der Regierung, in deren Händen die Kirche das willenlose Werkzeug zu allen beliebigen Zielen wird, und die Demokratisierung der Kirche, die das materielle Element über das geistig-religiöse stellt. Nur, wenn die rumänische Kirche durch Verbindung mit dem Heiligen Stuhl wieder ihre wirkliche übernatürliche Unabhängigkeit gewinnt, vermag sie gerettet zu werden. Der Konvertit beweist die Richtigkeit seiner Ansicht mit einem Vergleich: Die orientalisch-rumänische Kirche ist wie ein vorzüglich angelegter Beleuchtungsapparat – alles ist erstklassig – nur fehlt der Anschluss an die Lichtquelle, und zwecks Lichterzeugung wird in die Lampen eine Talgkerze eingesetzt.

 

Nach glaubwürdiger Versicherung aus Bekanntenkreisen war dem rumänischen Gelehrten Cokulesku, Direktor des astronomischen Observatoriums in Bukarest, das ernste Studium der Astronomie Leitstern zur katholischen Kirche – ein neuer Beweis, wie die mit Frömmigkeit verbundene Wissenschaft zu Gott führt. Seine Gattin trat mit den Kindern bereits vor einigen Jahren zur katholischen Kirche über, der getreue Gatte und Vater folgte im Jahr 1926. 

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David Paul Drach,

 

der gelehrte Rabbiner, kam durch das Studium der Heiligen Schrift zum heiligen katholischen Glauben. Als Drach in den Kirchenvätern den gegen die Juden erhobenen Vorwurf fand, sie hätten an dem hebräischen Text des heiligen Buches durch Verfälschungen gefrevelt, verglich er mit peinlicher Sorgfalt den hebräischen Text des Alten Testamentes mit der griechischen Übersetzung der Septuaginta, weil dieselbe das Werk von jüdischen Schriftgelehrten ist, die alle erdenkliche Autorität haben, und aus dem Anfang des dritten Jahrhunderts vor Christus datiert. „Da in den zahlreichen voneinander abweichenden Lesarten beider Texte“, schreibt Drach, „der griechische mir fast immer als der korrektere erschien, so unternahm ich es, den Originaltext aus den letzteren, der den anderen orientalischen Übersetzungen, namentlich der syrischen, offenbar als Vorbild gedient hatte, wiederherzustellen. Ich muss hierbei bemerken, dass das Neue Testament, wenn es bei der Zitierung des Alten von dem hebräischen Text abweicht, fast überall mit der Septuaginta übereinstimmt . . . Was am meisten zugunsten des griechischen Textes spricht, ist der Umstand, dass der hl. Hieronymus, der die alte Vulgata nach dem Hebräischen und Chaldäischen – Sprachen, die er bei den jüdischen Lehrern studiert hatte – verbessert hat und dessen Übersetzung den Beifall der Juden selbst erhielt, wie der hl. Augustin bezeugt, vielmehr mit dem griechischen als mit dem jetzigen hebräischen Text übereinstimmt, was vollends beweist, dass zur Zeit jenes Kirchenlehrers der hebräische Text anders war als gegenwärtig. St. Hieronymus richtete auch an seine Gegner die Aufforderung, irgendeine Stelle des griechischen Textes anzugeben, die nicht im Original nachweisbar sei . . . Bei der aufmerksamen Prüfung des Textes, wobei ich mich zum ersten Mal in meinem Leben, um mich so auszudrücken, der Zuchtrute der rabbinischen Kommentare entwunden hatte, sah ich klar, dass alle Prophetien in gewisser Weise nur einen großen Kreis von viertausend Meilen Umfang bilden, dessen Studien sämtlich zu dem gemeinsamen Mittelpunkt führen, der da ist und nur sein kann unser Herr Jesus Christus, Erlöser der Kinder Adams . . . Nachdem ich zu diesem Grad der Überzeugung gelangt, durfte ich mein Katechumenat nicht länger hinausschieben. Gott verlieh mir den Mut dazu.“

 

In den ersten Tagen des Jahres 1843 war der endgültige Entschluss gefasst. Drach wurde am Ostersonntag mit seinen drei Kindern getauft.

 

Ein weiterer jüdischer Konvertit: Dr. Adolf Löwy, der zum Rabbinat bestimmt war, führte das Studium des Alten Testamentes zu dem Resultat, dass der katholische Glaube nichts anderes sei als die Vollendung des jüdischen, alttestamentlichen. Am 15. Mai 1843 empfing er (dreißigjährig) die hl. Taufe zu Neubistritz, Diözese Budweis.

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Rudolf Friedrich Waßmann,

 

der Maler, wurde während seines Studienaufenthaltes in Rom von einem Freund zur Lektüre von Luthers Schriften angeregt. Jener Freund mochte besorgen, dass Waßmann, dem bei seinen Studien in katholischen Kirchen die Kirchenmusik und die große Zahl der Betenden sehr gefiel, Neigung zur katholischen Kirche fassen möchte. Er ahnte nicht, dass er selbst den Freund auf den Weg zur Kirche setzen sollte.

 

Waßmann studierte also eifrig Luthers Werke. „Auch besaß ich“, so schreibt er, „eine Bibelübersetzung mit einer Vorrede dieses Mannes zu dem Brief Pauli an die Römer, die ich zum ersten Mal mit größtem Erstaunen und geringer Erbauung las. Es fiel mir wie Schuppen von den Augen. Wie! sagte ich zu mir selber, dieser Mann wagt es, aus eigener Vollmacht über Kirchenväter und Konzilien sich zu erheben und seine Lehre und Erklärung apodiktisch als unfehlbar auszugeben ohne allen Beweis. Die sola fides hatte mir nie eingeleuchtet, aber hier an der Quelle mit göttlicher Grobheit hervorgesprudelt, ward sie mir so unleidlich, dass ich urteilte, ein so aller Demut barer Mensch könne unmöglich Religionsstifter sein. O wenn die Werke des teuren Gottesmannes . . . doch mehr verbreitet wären! Wohl manchem würde der Star gestochen werden.“

 

 

Von Luther und seiner Lehre hatte also Waßmann genug. Da er aber doch irgendwo zu Hause sein wollte, begann er das katholische Glaubensbekenntnis zu studieren, kam in der Folge zur vollen Erkenntnis der Wahrheit und wurde am 2. Mai 1835 ein Glied der katholischen Kirche. Seine Frau und seine Schwiegermutter kehrten ebenfalls zur Kirche zurück.

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Augustin Arndt,

 

1851 zu Berlin geboren, entschied sich nach schweren Kämpfen für das Studium der Theologie. „In den oberen Klassen des Gymnasiums“, schreibt er, „hielten unsere Religionslehrer es für Pflicht, uns auf den „wissenschaftlichen“ Standpunkt emporzuheben. Alles Religiöse ward als Luftgebilde erklärt, kaum dass noch das Dasein Gottes und die Unsterblichkeit der Seele verschont wurden. Ein Recht Gottes auf Beobachtung seiner Gebote ward gleichfalls bestritten. Einige Jahre vermochten mich diese Phantastereien zu fesseln, dann aber empörte sich das Herz gegen das Evangelium der reinen Vernunft. Aus dem Gelobten Land in die Wüste geführt, sehnte es sich mit allen Fasern in dasselbe zurück, zurück zum Heiland, der für alle Menschen am Kreuz gestorben. Wie leicht ist solche Umkehr für den irrenden Katholiken! Der Protestant aber lebt gleichsam in zwei Welten, die miteinander streiten, und muss der eigenen Einsicht und Kraft vertrauen, um zur Wahrheit und zum Herzensglück zu gelangen.“

 

Auf der Universität schloss sich Arndt sogleich den gläubigen Professoren an, aber umsonst: „Die Zerrissenheit des Protestantismus hatte bereits zu tief in mein Leben eingeschnitten, als dass ich mich hätte blindlings führen lassen. Ich sah nirgends zweifellose Wahrheit, nirgends Einigkeit. Über die wichtigsten Sätze der Heiligen Schrift brachten die Lehrer Dutzende von Meinungen vor, die sämtlich falsch sein sollten bis auf ihre eigene, ohne dass irgendjemand ein Zwang angetan werden sollte, diese Meinung sich gleichfalls anzueignen.“

 

Die zufällige Lektüre von Alban Stolzens „Unendlichem Gruß“ weckte in Arndt das Interesse für die katholische Lehre, und nachdem er noch einen Kalender des gleichen Autors gelesen, entschloss er sich, an Stolz, den er für einen Schulmeister hielt, zu schreiben. Stolz gab Arndt den Rat, die Schriften Luthers zu studieren, welcher Rat auch sofort gerne befolgt wurde. Und – doch lassen wir Arndt selbst sprechen:

 

„Luther war mir bisher fast wie ein zweiter Christus vorgekommen, erhaben über Apostel und Märtyrer. Doch nun erbleichte der Heiligenschein, mit dem die anerzogene Meinung ihn umgeben, und seine Unbeständigkeit in seinen Ansichten zwang mich, die Geschichte der sogenannten Reformation nach den zeitgenössischen Schriftstellern zu durchforschen. Wie ganz anders stellte sich die Reformation jetzt meinem geistigen Auge dar, als die Lobpreisungen meiner Lehrer sie geschildert! Wer unter ihnen hatte Luthers Werke je vollständig gelesen, wer sie kritisch geprüft? Als ich daranging, Luthers Werke, welche ich mir in einer der ältesten Ausgaben verschafft hatte, zu durchforschen, schreckte mich zuerst die Menge und der Umfang der Bände. Je mehr ich las, desto mehr fielen mir zwei Eigenschaften des „Reformators“ auf: seine Widersprüche und seine Schmähsucht. Was nutzte es, wenn er ein großer Mann war, im Falle er nicht wahrhaft und wirklich das Evangelium verkündete . . . Sollte ich Luther aber, wie viele meiner damaligen Glaubensgenossen, nur als Befreier vom Gewissenszwang, als Bahnbrecher des Subjektivismus ansehen? Dann galt es, in diesem Leben an sicherer Wahrheit verzweifeln und der Ewigkeit geharren. Aber sagt der Heiland nicht: „Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben“?

 

Das Studium der Werke Luthers sowie ein besonderer äußerer Anlass führten mich dazu, die Geschichte der Reformation nach den Originalschriften des 16. Jahrhunderts zu studieren . . . Ich entlieh aus der kgl. Bibliothek zu Berlin Werke auf Werke, immer neues Licht verbreitete sich über die Gründe der Trennung. In wie ganz anderem Licht stellte sich jetzt die katholische Kirche dar, als ich sie bis dahin betrachtet hatte! Sie war nicht mehr die Verräterin an Christus, ihre Einrichtungen weckten eine aufrichtige Hochachtung, und ich empfand einen heiligen Neid ob der wunderbaren Einheit, die in allen ihren Lehren und Glaubenssätzen herrschte: wie in einem herrlichen Dom lag Stein auf Stein, bis das Gewölbe hoch oben durch den Schlussstein abgeschlossen war.“

 

Mit seiner Forschung verband Arndt das Gebet, bald auch die Anrufung der Fürbitte der allerseligsten Jungfrau Maria. Unterdessen war er Prediger geworden. Der innere Kampf währte fort, bis endlich die volle Überzeugung von der absoluten Wahrheit der katholischen Lehre in ihm zum Durchbruch kam. Merkwürdigerweise hatte er aber noch nicht daran gedacht, dass er nunmehr zur katholischen Kirche übertreten müsse. Eine diesbezügliche Frage seiner Mutter machte ihn erst darauf aufmerksam, brachte ihm zugleich aber auch die Erkenntnis, was ihm von der Seite seiner Familie bevorstehe. Aber eine Stimme übertönte nun alle anderen: „Der Heiland ruft. Wohin er will, dahin gehe ich!“ Arndt folgte dieser Stimme. Nach seiner Konversion trat er in die Gesellschaft Jesu ein. Er hatte den Trost, dass seine Mutter, längst mit ihm ausgesöhnt, ihm von ihrem Sterbebett aus schreiben ließ, er möge ihrer gedenken am Altar des Herrn.

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Freiherr Karl von Vogelsang,

 

Herr auf Alt-Guthendorf bei Marlow, schildert seinen katholischen Werdegang in dem Brief an einen Freund:

 

„Die Gründe meiner Konversion waren: 1. Die mir von Gott eingepflanzte Sehnsucht, zu ihm in das richtige, von ihm gewollte Verhältnis zu gelangen. Ich beschäftigte mich jahrelang mit dem Studium des Protestantismus und erkannte immer klarer, dass in ihm nicht die von Gott gesetzte Autorität, nicht die von Gott gestiftete Kirche, sondern ein Abfall von derselben sei. Ich erkannte dies zunächst weniger, indem ich die Lehren prüfte, als an der Hand der Geschichte. Es ist dies wohl auch der naturgemäße Weg. 2. Ich wollte mich der wahren Kirche Gottes unterwerfen, um ihr zu gehorchen und von ihr die Gnadenmittel zu empfangen, welche gegeben sind, um uns von unseren Fehlern zu befreien und uns Gott dadurch zu nähern. Die geistigen Bewegungen der Zeit von 1848 und die Strebungen jener unruhigen Zeit selbst beschleunigten meinen Schritt, denn ich erkannte, dass jenes unruhige Treiben keinen anderen Grund habe als die Trennung der Menschen von Gott und die deshalb unerfüllte Sehnsucht nach Befriedigung; ferner den Mangel an Liebe und Gerechtigkeit, welche durch eben diese Trennung von Gott unter den Menschen herrschend geworden seien. 3. Beherrschte mich, wie ich gestehen muss, ein gewisses mit Stolz vermischtes Freiheitsgefühl. Meine ganze Seele empörte sich gegen den Gedanken, mich jemand anders als Gott selbst und seiner von ihm gestifteten Kirche religiös zu unterwerfen, den protestantischen Landespäpsten mit ihren hin und her schwankenden Lehren – niemals! . . .

 

Sie werden über mich lachen, wenn ich Ihnen sage, was mir den letzten Anstoß gab . . . Eines frühen Morgens im Bett überdachte ich mir die Folgen einer Konversion für mich. Es konnte mir nicht verborgen bleiben, dass sie mir eine Menge äußerlicher Unannehmlichkeiten, eine Menge Verdrießlichkeiten bereiten, dass sie mich mit meinen verwandtschaftlichen und freundschaftlichen Beziehungen . . . in Kollision bringen, dass sie mich endlich aus unserem behaglichen Besitz und Leben vertreiben würde. Es beschlich mich der Gedanke: es wäre doch am besten, du akkommodiertest dich dem Landesgebrauch, dem Standesgebrauch, lebtest ruhig und behaglich in den ererbten Zuständen und quältest dich nicht mit so idealem Streben und Sehnen. Gott indessen ließ die Versuchung nur an mich herankommen, um mich die Gemeinheit der ihr zugrunde liegenden Motiv sofort erkennen zu lassen, und mit gleichen Füßen sprang ich mit dem Ausruf: Pfui Teufel! aus dem Bett, ließ gleich meine Koffer packen, bestellte mein Haus und fuhr am nächsten Tag nach Berlin, bat den damaligen Propst Ketteler, mir anzugeben, in welchem Lande ich den Katholizismus am besten kennenlernen könnte; er gab mir nach München und Tirol Empfehlungen mit, wohin ich abreiste und wenige Monate später – am Ostertag 1850 – in der Kapelle der Gesellschaft Jesu in Innsbruck das Glaubensbekenntnis ablegte.“

 

 

Vogelsang, eine jener begnadeten Seelen, die besonders berufen scheinen, der Menschheit die Erhabenheit und Heiligkeit des katholischen Glaubens durch ihren Lebenswandel vor Augen zu führen, gab allen, die mit ihm in Berührung kamen, ein erbauendes Beispiel. Auf sozialpolitischem Gebiet trat er besonders nachdrücklich für die Arbeiterschutzgesetzgebung ein. Er starb in Wien am 8. November 1890.

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Herman Agatho des Amorie van der Hoeven,

 

Advokat im Haag, wurde durch das Lesen der Bibel der Wahrheit zugeführt.

 

„Ich wollte“, sagt er, „meinen ersten Eindruck ausschließlich aus der Heiligen Schrift empfangen, die mich schon früher zu der Erkenntnis der Gottheit Christi geführt hatte. . . . Aus dieser Lektüre ging ich als ein fester Christ hervor und außerdem mit der doppelten Überzeugung, dass die Reformatoren einige der vornehmsten Lehrstücke willkürlich verworfen hatten, und dass die meisten Beschwerden, die gegen den Katholizismus erhoben werden, ebenso sehr gegen das Christentum gerichtet sind.“

 

„Mit einer solchen Erhebung der menschlichen Willkür über das Wort Gottes“, sagt er an anderer Stelle, „konnte ich nicht übereinstimmen, und ich beschloss unter erneutem Gebet den Blick zu wenden auf die katholische Kirche – ob die ganze Wahrheit bei ihr sollte zu finden sein.“

 

Das eingehende Studium katholischer Werke brachte denn auch volle Klarheit. Am 4. September 1867 wurde van der Hoeven ein Kind der Kirche. 

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Henry William Wilberforce,

 

Prediger in East-Farleigh (Canterbury), konvertierte 1850. Das ausführliche Abschiedsschreiben an seine Gemeinde enthält viele markante Stellen. Er sei Katholik geworden, sagt er, „darum, weil es Gott gefallen hat, mich allmählich einsehen zu lassen, dass die Kirche Englands nicht die wahre Kirche ist, die Gott vor 1800 Jahren zu Jerusalem gegründet hat, sondern eine neue Kirche, die erst vor drei Jahrhunderten gestiftet worden . . .“

 

Er spricht nun von den Gnadenmitteln der katholischen Kirche und fährt fort: „Diejenigen, die in anderen Kirchen sind, obgleich sie an Jesus Christus glauben und ehrenhaft leben können, besitzen keine dieser Gnaden, weil Jesus Christus sie der Kirche hinterlassen und nicht der Welt. Ich wage es daher nicht, in einer Kirche zu bleiben, die nicht die wahre ist, denn wenn ich bliebe, so würde ich mich von Jesus Christus entfernt halten . . . Ich habe diese Überzeugung stufenweise erlangt, sie hat Wurzel gefasst und ist befestigt worden in meinem Geist durch das Lesen der Heiligen Schrift und durch meine Gebete zu Gott.“

 

Wilberforce gibt dann seine Gründe noch im Einzelnen an:

 

1. Die katholische Kirche ist deshalb die allein wahre, weil sie die einzige ist, die von Christus selbst gegründet wurde, während die anderen Gemeinschaften 1600 und mehr Jahre jünger und von Menschen gestiftet sind, „die von Zeit zu Zeit sich eingebildet haben, eine vollkommenere Kirche als die alte schaffen zu können . . . Deshalb nannten sich die Sektenstifter Reformatoren . . . Aber andere sagten ihrerseits: Warum sollen wir nicht auch eine Reform machen wie die anderen? Wir können es besser machen als sie.“ Und so vermehrten sich die Sekten ins unendliche. Der Anglikaner reformiert die katholische Kirche, der Presbyterianer die anglikanische, der Independent den Presbyterianer, der Baptist den Independenten, der Quäker den Baptisten, und nun haben wir auch reformierte Quäker, so dass man sagen kann, wir werden damit aufhören, so viele Sekten zu besitzen als Familien oder Individuen. Aber inmitten aller dieser Sekten erhebt sich eine 1850 Jahre alte Kirche, die bereits Jahrhunderte vor ihnen und ihren Gründern existierte: die katholische. Steigt einige Jahrhunderte zurück: alle Christen waren katholisch.

 

2. Die katholische Kirche war nie so verderbt, dass es notwendig gewesen wäre, eine neue Kirche zu gründen. Als unser Herr Jesus Christus auf der Welt war, sagte er zu Petrus: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen. Nun ist es gewiss, dass, wenn die katholische Kirche verderbt und es notwendig gewesen wäre, eine andere an ihrer Stelle zu errichten, die Pforten der Hölle sie überwältigt hätten. Aber Jesus Christus versprach, dass dies nicht geschehen würde, und bevor die Reformatoren ihre neue Kirche verteidigen könnten, müssten sie erst beweisen, dass Jesus Christus sein Wort nicht gehalten und der Teufel über die alte Kirche obsiegt habe.“

 

3. Die Kirche konnte auch nicht in Irrtum verfallen, weil der Heilige Geist in ihr ist und sie zur Wahrheit führt. Auch das habe der Herr ihr versprochen.

 

4. Eine andere Erwägung, die beweist, dass die katholische Kirche die wahre von unserm Herrn gegründete Kirche sei, ist die, „dass sie ein Reich für sich bildet, das von allen Reichen der Welt durchaus verschieden ist. Unser Herr sagte oft, dass die katholische Kirche ein Reich für sich bilden würde, und wenn er von ihr sprach, nannte er sie das Himmelreich. Nun bildet die katholische Kirche, obwohl über alle Länder der Erde verbreitet, wirklich ein Reich für sich, denn sie wird überall durch ihre eigenen Gesetze, durch ihre eigenen Häupter und nicht durch de Könige und Volksvertretungen der verschiedenen Länder, in denen sie existiert, regiert. . . . Aber keine der protestantischen Sekten bildet ein Reich, besitzt irgend eine Art von Regierung. . . . Diese Körperschaften gleichen vielmehr einer Volksmasse als einem Reich. Und was die Staatskirche betrifft, so ist sie nur ein Teil des Staates; sie bildet einen Bruchteil des Reiches England. Das Parlament und die Gesetzgeber, die den Staat regieren, regieren auch die offizielle Kirche. Die etablierte Kirche ist in keinem anderen Sinn ein Reich als die Behörden in ihren Quartalsitzungen. Wenn sie etwas tut, was der Regierung missfällt, so vernichtet diese das, was jene getan, und damit ist die Sache erledigt . . .“

 

5. Alles hasst die katholische Kirche. Man darf sich jedem System zuwenden, nur katholisch darf man nicht werden. Der Hass gegen die katholische Kirche ist ein Beweis, dass sie die eine wahre ist. Es ist eine Erfüllung des Wortes Christi. Und es war von Anfang an so, „weil der Knecht nicht größer als sein Herr ist. Haben sie mich verfolgt, so werden sie auch euch verfolgen.“ „Gut sein und schlecht genannt werden. Gutes tun und Übles leiden, das sind die Zeichen, an denen man das Volk des gekreuzigten Jesus erkennt, und diese Zeichen sind heute wie sonst, ja mehr als jemals an der katholischen Kirche.“ Wilberforce behandelt diesen Punkt noch sehr ausführlich. Gerade er scheint es gewesen zu sein, der den Endentschluss herbeiführte.

 

Sein Bruder, Dr. Robert J. Wilberforce, konvertierte 1854. Er war gleichfalls anglikanischer Prediger gewesen.

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Luise Hensel,

 

die Dichterin, hatte von Jugend auf eine große Sehnsucht nach der Wahrheit. Was man sie lehrte, weckte jedoch nur Unruhe und Zweifel in ihrer Seele. Als sie konfirmiert werden sollte, warf sie sich in dem Augenblick, als der Wagen vor der Tür hielt, um sie zur Kirche zu bringen, vor ihrem Bett auf die Knie und machte mit Gott den Pakt, dass sie durch diese Handlung sich nur zum Christentum im allgemeinen bekennen und ihren Taufbund erneuern wolle.

 

Die Bibel führte sie nach und nach auf die Spur der Wahrheit. Wenn Gott Mensch geworden und in den Tod gegangen sei und den Heiligen Geist gesandt habe, die Kirche, die einzige Rettungsanstalt für die Menschen, zu gründen, und wenn er, die Wahrheit selbst, verheißen habe, bei ihr zu bleiben bis zum Ende der Tage, so könne dieses Werk Gottes in ein paar hundert Jahren nicht so verkommen sein in seinen Lehren und Gesetzen, dass ein sündiger Mensch wie Luther – (gegen den Luise übrigens schon früh eine Abneigung hatte, weil er, ein Mönch, eine Nonne geheiratet und rohe Tischreden gehalten hat) – von Gott den Auftrag erhalten haben sollte, seine Kirche zu reformieren, ja förmlich zu verändern und selbst die in der Bibel und im apostolischen Glaubensbekenntnis deutlich enthaltenen Heilsanstalten über Bord zu werfen. So kam das fromme Mädchen durch das Lesen der Bibel zu den gleichen Argumenten wie Wilberforce, ohne dass sie je mit Katholiken in Berührung gekommen wäre oder katholische Bücher gelesen hätte. Späterhin verschaffte sie sich einen katholischen Katechismus, in dem sie nun alle Fragen, die sie vergeblich an verschiedene protestantische Prediger gerichtet hatte, beantwortet und, was ihr besonders viel wert war, mit Bibelstellen belegt fand. Wurde hierdurch ihre Überzeugung reif, so auch ihr Wille entschieden.

 

Die Kraft, ihrer Überzeugung die großen Opfer zu bringen, die unausbleiblich bevorstanden, schrieb Luise dem Gebet der gottseligen Anna Katharina Emmerich zu. Merkwürdig ist in dieser Beziehung der Umstand, dass zur Zeit, da Luise eines Abends ihren Entschluss, in die Kirche zurückzukehren, zwischen den Gartenanlagen bei Berlin spazierend bei sich erwog und dabei einige Verse eines Liedes vor sich hinsprach, die Nonne von Dülmen ihren Seelenzustand erkannte und ihr durch Brentano sagen ließ: sie solle den Gedanken ausführen, den sie an dem bezeichneten Abend zwischen zwei Gärten durchgehend gefasst hatte, und der Vers, den sie leise dabei gesagt, solle ihr maßgebend für den ferneren Lebensweg sein, da ihr Schutzengel ihr diesen Gedanken und diesen Vers in die Seele gesprochen. Luise konvertierte 1818.

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Freiherr Hermann von Aufseß

 

hatte sich in Bezug auf das heilige Abendmahl immer an die Worte des Heilandes gehalten, wie sie in der Bibel stehen, und war dadurch ganz einfach zur katholischen Auffassung gekommen. Erst diesbezügliche Äußerungen protestantischer Prediger machten ihn unruhig, und er beschloss, von dem ihm als Protestanten zustehenden Recht der freien Forschung Gebrauch zu machen.

 

„Mit der Bibel in der Hand“, schreibt er an seinen Bruder, „habe ich alles reiflich überdacht, konnte mich aber von meinen Ideen nicht lossagen; dann erst suchte ich zu erfahren, was die katholische Kirche über diesen für mich so wichtigen Punkt lehre, und fand zu meinem Erstaunen, dass die erwähnten Prediger mich richtig beurteilt hatten. Mein protestantischer Glaube war aber seitdem erschüttert, und es drängte sich mir die Frage auf: Warum bin ich Protestant? Welche Berechtigung hat überhaupt der Protestantismus?

 

Weitere Studien des Freiherrn fanden ihren Abschluss in der am 10. April 1871 erfolgten Konversion. 

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Olga Maria Davin,

 

geb. Hager, wurde zu St. Petersburg von lutherischen deutschen Eltern geboren. Die Frömmigkeit der Russen machte tiefen Eindruck auf das intelligente Kind: „Ich dachte, ja, so muss man Gott verehren und anbeten, auf den Knien mit aller Ehrfurcht, deren der Mensch fähig ist. Auch das Bezeichnen mit dem heiligen Kreuzzeichen gefiel mir sehr; Christus ist für uns am Kreuz gestorben, dachte ich, seine Nachfolger sind eine Kreuzgemeinde, das Kreuz ist das Erkennungszeichen.“

 

Mit 12 Jahren kam Olga Maria nach Deutschland, mit 15 Jahren wurde sie konfirmiert, „ohne besondere Eindrücke zu empfangen“. Sie wurde nun eine eifrige Bibelleserin: „Ich las täglich vier Kapitel, ganz regelmäßig, zwei im Alten Testament und zwei im Neuen; wenn man so verfährt, liest man sie in einem Jahr aus. Und ich las sie viele Jahre durch und durch, gewiss sieben oder acht Mal und besonders wichtige Bücher des Neuen Testamentes und die Psalmen noch öfter.“ Mit mehreren ernst gesinnten Freundinnen gründete sie ein Bibelkränzchen. Dieser Bibelbund bestand über dreißig Jahre bis zu ihrer Konversion. Bei diesem Bibellesen gelangte sie und ihre Freundinnen bereits zu manchen katholischen Auffassungen.

 

1877 hatte sich Olga Maria verheiratet. In der Familie wurde viel auf Religion gehalten. Im Frühjahr 1890 begab sich Frau Davin wegen eines Halsleidens nach Ems. Dort hatte es ihr eine kleine katholische Kirche angetan, die sie am Ende eines Parks fand und in der sie täglich weilte. Dort machte sie die Bekanntschaft einer amerikanischen Dame, einer guten Katholikin, die ihr auch ein katholisches Buch zu lesen gab.

 

„Ich las das Buch“, schreibt sie, „und wurde wunderbar von seinem Inhalt angezogen. Wo waren die Schwierigkeiten, die unüberwindlichen Hindernisse, wo war die Scheidewand, die mich, die Protestantin, von der ursprünglichen, altehrwürdigen Kirche trennte? Ich hatte die meisten katholischen Lehren eigentlich immer geglaubt, es war nichts in dem Buch, was mir als unglaubwürdig vorkam. Einige Glaubenssätze waren mir neu, aber ich sagte mir: ist die katholische Kirche die eine wahre göttliche Heilsanstalt auf Erden, so müssen alle Lehren derselben geoffenbarte Wahrheiten Gottes sein, dann muss alles stimmen, in einem göttlichen Werk können keine Fehler sein . . .“

 

Frau Davin las und forschte nun weiter. Dem ersten Buch folgten viele andere. Bald war sie von der katholischen Wahrheit überzeugt, und doch sollte es noch 11 Jahre dauern, bis sie ihr Ziel erreichte, „weil mein Mann mein Vorhaben missbilligte und ich damals der Ansicht war, ich dürfe um der Heiligkeit der Ehe willen nichts Wichtiges gegen den Willen meines Ehegatten unternehmen . . .“

 

Nach dem Tod des Gatten, im Jahr 1901 konvertierte Frau Davin. „Nun war ich eingepflanzt in Gottes Garten, nun war ich glücklich und froh, ein Friede, wie ihn die Welt nicht kennt, lebte in meinem Herzen,“ konnte sie nach dem Empfang der heiligen Sakramente schreiben.

 

Ein Brief, den sie kurz vor ihrer Konversion an einen Verwandten, einen lutherischen Prediger, schrieb, soll uns zeigen, wie gerade die Bibel ihre Führerin zur Wahrheit wurde:

 

„Auf Ihren werten Brief vom 18. Juni 1901 habe ich folgendes zu erwidern: Zunächst muss ich Ihre Frage, ob ich hoffe, in der katholischen Kirche Frieden mit Gott, Vergebung der Sünden, Leben und Seligkeit zu finden, mit „ja“ beantworten. Sie meinen ferner, dass ich dies alles durch den Glauben an Jesus Christus habe; das dachte ich früher auch, allein sorgfältiges, langjähriges Studium mit Gebet um Klarheit hat mich dahin gebracht, an den ganzen Christus zu glauben, bzw. alles zu glauben, was er gelehrt und offenbart hat, speziell die Vergebung meiner Sünden durch das Sakrament der Buße zu suchen, welches mein Heiland zu diesem Zweck eingesetzt hat. Bitte lesen Sie Johannes 20,21-23.

 

Dass in keinem anderen Heil ist und kein anderer Name den Menschen gegeben ist, wodurch wir selig werden sollen, denn allein der Name Jesus Christus, steht auch für mich, wie für jeden katholischen Christen, unverbrüchlich fest. Wie könnte ich daran denken, meinen Erlöser zur Seite schieben zu wollen, wie Sie mir schreiben, und anstatt dessen einen römischen Priester als meinen Mittler bei Gott annehmen? Es würde auch kein Priester in der ganzen Welt zu finden sein, der die Stelle des Welterlösers einnehmen wollte und einnehmen könnte. Denn auch ich glaube mit der ganzen katholischen Kirche, dass nur ein Mittler ist zwischen Gott und den Menschen, Jesus Christus, gestern und heute und derselbe in Ewigkeit. Da er aber Apostel erwählte und denselben das Amt, das die Versöhnung predigt, übergab, setzte er sie zu Vermittlern zwischen Gott und den Menschen. Lukas 10,16: „Wer euch hört, der hört mich.“

 

Sie schreiben ferner: Sie könnten es wohl verstehen, wenn ein Katholik, der von Kind auf gewöhnt wird, nicht zu denken, nicht in der Schrift zu lesen und zu forschen, in seiner Kirche bleibt, weil er eben nichts Besseres kennt. Es ist mir völlig unverständlich, wie Sie zu diesem Schluss kommen. Ich habe gefunden, dass die katholische Kirche äußerst eifrig bemüht ist, die Jugend zum logischen Denken anzuleiten, sie im Katechismus und, soweit es heilsam ist, in der Heiligen Schrift zu unterweisen. Auch glaube ich, dass der katholische Christ deshalb in seiner Kirche bleibt, weil er sich in ihr befriedigt und glücklich fühlt, und sie ihm als treue Mutter alles gibt, was er bedarf zum frommen Leben und zum seligen Sterben.

 

(Das hier angegebene Motiv für das Verbleiben des Katholiken in der hl. Kirche ist nicht zutreffend und entspricht eben der damals noch nicht ganz überwundenen subjektivistischen Einstellung der Konvertitin. Der Katholik verbleibt – und zwar mit Bereitschaft des Lebensopfers – in der katholischen Kirche, weil sie die eine wahre Kirche Jesu Christi ist und allein die eine volle Wahrheit besitzt, die der Katholik bekennt, zu der er steht ohne Rücksicht auf Befriedigung, sondern pflichtgemäß und treu in guten und bösen Tagen. Die wahre Kirche verlassen, der Wahrheit den Rücken kehren, wäre für ihn gleichbedeutend mit Abfall, Verrat und ewigem Verderben. Der Katholik sucht nicht sich selbst in erster Linie, sondern Gott, seine Wahrheit, seinen Willen, seine Ehre und Verherrlichung. Auf Gottes gütige Anordnung hin findet er dadurch sein Glück – hier und dort. Das Geschöpf müsste auch ohne das dem sich offenbarenden Gott untertan und gehorsam sein, aber Gottes Güte hat bestimmt, dass es in der Wahrheit Glück und Heil finde. Das Motiv, das Bestimmende für den Menschen bleibt immer Gottes Ehre und Gottes Wille. Und damit es so sei, hat es Gott so schön angeordnet, dass wir keine absolute Heilsgewissheit haben, sondern die christliche Hoffnung. So folgen wir der erkannten Wahrheit in Liebe und Vertrauen und bleiben in Frieden, ob der Weg dunkel sei oder licht – die Wahrheit macht uns frei, auch frei vom Ich.)

 

Sie fahren fort: Aber wie kann ein evangelischer Christ, der die Bibel kennt und die Geschichte der Kirche, der seinen Heiland lieb hat von Herzen, wie kann der seinen Heiland und seine Kirche, die auf dem Evangelium steht, verleugnen? Hierauf erwidere ich: Bewahre mich Gott davor, dass ich jemals meinen Heiland und seine Kirche verleugne, denn seine Kirche ist eben die heilige katholische Kirche, fest gegründet auf sein Evangelium. Eine andere Sache ist es jedoch, ob ich die religiösen Änderungen, die von abgefallenen Priestern im 16. Jahrhundert vorgenommen wurden, annehme oder verwerfe. Hätte ich zur Zeit der sogenannten Reformation gelebt, ich würde mir nie und nimmermehr die kostbaren, von den Vätern ererbten Glaubenswahrheiten und Heilsgüter haben nehmen lassen. Aber ich bin nicht gefragt worden. Enterbt bin ich geboren und erzogen worden, enterbt habe ich den größten Teil meines Lebens zurückgelegt. Darin haben Sie mich richtig beurteilt, dass ich meinen Heiland stets geliebt habe und der lutherischen Gemeinde immer ein folgsames und treues Glied gewesen bin, bis mir Gottes Gnade die Augen öffnete und ich beim eifrigen Bibellesen sah, wie viele Heilswahrheiten, die die Heilige Schrift ausdrücklich lehrt, und wie viele Gnadengüter, die darin verheißen, im Protestantismus nicht mehr zu finden sind.

 

Wo sind Opfer? Priestertum? Beide sind miteinander gefallen und abgetan wie bei den Juden im Exil. Lesen Sie Daniel 12,11: Wenn das tägliche Opfer abgetan, wird ein Gräuel der Verwüstung sein. Und Hosea 3,4: Ohne Opfer, ohne Altar, ohne Heiligtum, klagt der Prophet. Wo ist Christus, der Priester, der da opfert Brot und Wein wie Melchisedek? Hebräer 5,6: Du bist Priester in Ewigkeit nach der Ordnung Melchisedeks? Hat dieser nicht auch seine sichtbaren Stellvertreter durch den Befehl Christi erhalten: Tut dies zu meinem Andenken? Matthäus 26,26-28 und Lukas 22,19-20

 

Wo ist das reine Speiseopfer, welches an allen Orten, vom Aufgang der Sonne bis zum Niedergang dargebracht werden soll, wie der letzte der Propheten angekündigt hat? Maleachi 1,10-11

 

Wo sind die sieben Sakramente, die Christus der Herr selbst eingesetzt hat zum Heil seiner Christenheit und zum Wachstum in der Gnade? Wo ist die heilige Firmung, Apostelgeschichte 8,14-17 so genau beschrieben, wie sie in der allerersten Christenheit von den Aposteln Petrus und Johannes gespendet wurde? Wo die letzte Ölung, ebenfalls sehr genau beschrieben Jakobus 5,14? Wo das Sakrament der Buße, wie aus Johannes 20,21-23 klar hervorgeht, dass der einzelne beichten muss, und dass der Priester ein Richteramt hat mit der doppelten Gewalt zu lösen und zu binden?

 

Wo sind die Geschlechter, die die gebenedeite Jungfrau und Gottesmutter Maria seligpreisen? Sie erkennen doch die Stelle Lukas 1,48 an.

 

Sie verweisen mich auf Galater 1,8. „Wenn auch . . . ein Engel vom Himmel euch ein anderes Evangelium verkündigte, als wir euch verkündigt haben, der sei verflucht.“ Allein die Stelle passt nicht auf mich, denn ich will ja kein anderes Evangelium glauben als das der Apostel. Daher trifft mich auch der Fluch des heiligen Paulus nicht. Gerade dieser Apostel war insofern mein Vorbild, als ich mich mit Fleisch und Blut nicht besprach, sondern fünf Jahre in der Stille und geistigen Abgeschiedenheit verharrte am Krankenbett meines vielgeliebten, selig entschlafenen Mannes.

 

Sie fahren fort, indem sie sagen: „Sie gewinnen nichts und verlieren alles.“ Verzeihen Sie, wenn ich da gerade umgekehrter Meinung bin und sage: Ich verliere nichts und gewinne alles. Alles, was ich bisher Positives im Glaubensleben hatte, den Glauben an Jesus Christus als den alleinigen Erlöser der Welt, den Glauben, dass Gott das Gute belohnt und das Böse bestraft, behalte ich. Dagegen empfange ich zurück alles, was mir durch die Neuerungen im 16. Jahrhundert verloren gegangen ist.“ 

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Peter H. Burnett,

 

Sachwalter in Fort Vancouver (Oregon), glaubte bis zum Alter von 32 Jahren nicht an die Wahrheit des Christentums. Zu Weihnachten 1843 wohnte er als Zuschauer der Christmette bei. Alles machte hier tiefen Eindruck auf ihn. Er fühlte sich ergriffen und glücklich. Seine Kenntnis des katholischen Glaubens war eine äußerst oberflächliche. Nie hatte er ein katholisches Werk gelesen. Gegen Ende des Jahres 1844 verfolgte er den im Druck veröffentlichten Streit zwischen dem anglikanischen Prediger Camphell und dem späteren (kath.) Erzbischof Purcell. Hier schon war er sehr erstaunt, dass sich so vieles zu Gunsten des katholischen Glaubenssystems sagen ließ, und er beschloss, die Streitfrage zwischen Protestantismus und katholischer Lehre gründlich zu prüfen.

 

Burnett verschaffte sich nun von beiden Seiten alle erreichbaren Werke und prüfte sie abwechselnd Seite für Seite. „Die Prüfung“, schreibt er, „nahm alle meine Mußestunden während ungefähr 18 Monaten in Anspruch. Dabei betete ich aufrichtig und demütig, dass ich zuerst die Wahrheit kennen lernen und dann die Gnade erhalten möchte, ihr zu folgen, wohin auch immer sie mich führen sollte. Ich prüfte sorgfältig, andächtig und ernstlich, bis ich überzeugt war, dass die alte Kirche die wahre, und zwar die allein wahre sei . . . Und ich sagte: Wenn Frieden zu finden ist hienieden, so mag ein demütiges Herz hier auf ihn hoffen. Und hierin täuschte ich mich nicht. Ich fand hier, wie der heilige Cyprian von Alters gesagt hat, das Los der Einheit und des Friedens . . .“ Die Konversion fand 1846 statt.

 

Burnett war, wie so viele Protestanten, erstaunt, dass sich ihm bei seiner Forschung ein so ganz anderes Bild des katholischen Glaubens und der katholischen Kirche darstellte als jenes landläufige, das auch ihm gezeigt worden war. In seiner umfangreichen Konversionsschrift widmet er der Entstellung der katholischen Glaubenslehre einen interessanten Abschnitt, dem hier nur einiges entnommen sei:

 

Nachdem Burnett feststellt, dass er „niemals eine solche Fülle von grober, bitterer und andauernder Entstellung angetroffen habe als bei den protestantischen Schriftstellern, wenn sie über den katholischen Glauben schreiben“, geht er der Ursache dieser Erscheinung nach. Von vornherein wurden die historischen Tatsachen gefälscht und mussten gefälscht werden, um die sogenannte Reformation und ihr Treiben (den Raub der Kirchengüter usw. usw.) zu entlasten. „Das Opfer muss herabgewürdigt werden, um den Unterdrücker zu rechtfertigen . . . Auf diese Weise wurden die Geschichtskanäle gröblich, um nicht zu sagen ruchlos, verderbt! Oder in der Sprache eines anderen Schriftstellers, die moderne Geschichte ward eine große Verschwörung gegen die Wahrheit. Dieses Verfälschungssystem schuf in den Geistern der großen Masse der Protestanten jene Art von Leichtgläubigkeit, die das sichere und unfehlbare Merkmal des Vorurteils ist, nämlich eine Geneigtheit, alles und jegliches noch so schauerliche und absonderliche Zeug über die Glaubenslehren und Gebräuche religiöser Gegner auf bloße Wiederholung einer frechen Behauptung hin zu glauben. Dieses Vorurteil erstreckte sich auf alle Klassen und wuchs auf mit den Geistlichen und mit den Gemeindemitgliedern. Die Geistlichen und Schriftsteller unter den Protestanten haben im Allgemeinen für diese Art von Hörern und Lesern gepredigt und geschrieben. Und es ist eine traurige Wahrheit, dass jene Prediger und Schriftsteller, die am bittersten und unbarmherzigsten waren, im Allgemeinen die populärsten, geehrtesten und geschätztesten gewesen sind. Dieser dem Vorurteil und der Gehässigkeit gespendete Tribut hat natürlich nur zu viele Prediger und Schriftsteller von sorglosem Charakter zu lebhafter Tätigkeit angetrieben, und sie wiederum haben auf ihre Leser und Hörer gewirkt . . . Dass diese allgemeine Beharrlichkeit in der falschen Darstellung des katholischen Glaubens und der sich auf ihn beziehenden Geschichte auch vielfach das Resultat vollständiger Unkenntnis ist . . . ist durch zahlreiche Beweise schlagend festgestellt worden . . .“

 

Einen weiteren Grund deutet Burnett mit der bedeutsamen Frage an: „Wird das katholische Glaubenssystem nicht deshalb so sehr entstellt und geschmäht, weil in ihm eine Einheit, eine Kraft, eine Schönheit liegt, die es logisch unwiderleglich machen, und weil es der Wahrheit des Christentums, gerade so wie es ist, und nicht, wie die Leidenschaften, Interessen und der Hochmut der Menschen es machen möchten, so entsprechend ist? Woher kommt es, dass jeder freche Neuerer, jeder wilde Fanatiker, jeder Religions-Demagoge, jede Sekte und die zersprengten Stücke jeglicher Sekte von Simon Magus bis auf die heutige Zeit, einer wie alle auf die alte Kirche losgestürmt haben?“ Die Kirche ist eben „so exklusiv wie die Wahrheit, so unbeugsam wie die Tatsachen. Sie hat keinen Kompromiss zu schließen, keinen anzubieten, keinen anzunehmen . . . Sie passt ihren Glauben nicht der Folge wechselnder Umstände oder menschlicher Grillen oder dem Charakter der Zeiten an. Ihre Grenzen sind für alle die gleichen. Als der große Napoleon an der Spitze seiner siegreichen Legionen sündigte, ward er exkommuniziert. Als der mächtige Heinrich VIII. sich um sie bemühte und ihrer Sache große Dienste leistete, verdiente er sich ihren Dank; als er aber seine Ansprüche überspannte und die Scheidung von seiner gesetzmäßigen, beleidigten und unschuldigen Gemahlin verlangte, wurde seine Forderung rundweg abgeschlagen, was immer die Folge sein mochte. Dankbarkeit verlangt nicht das Opfer der Wahrheit. Ihre Freunde müssen sich mit Gerechtigkeit begnügen. Mehr können sie nicht verlangen. Der wahre Glaube kann nicht und darf nicht für Individuen geopfert werden, seien sie auch noch so groß. Er lehrt, dass das Christentum nicht vervollkommnet, dass die Kirche als das Werk Christi nicht reformiert werden kann . . . Aus der Natur dieses exklusiven Systems musste diese besondere Art von Widerstand erklärt werden. Es steht zu vielen Lieblingswünschen und Neigungen im Wege, um nicht die gehässigste, unbarmherzigste Opposition hervorzurufen. Genau so ist es im Anfang des Christentums gewesen.“ 

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(entnommen aus: "Ihre Wege nach Rom", C. v. Andrian-Werburg)