Waldgeschichten

 

Hast du am Berg, wo die Tannen stehn,

das graue, steinerne Haus gesehn?

 

Pochst du bei Tag an die dunkle Tür,

keine Stimme ruft Antwort dir!

 

Aber bei Nacht, da kommt es heraus,

da knarrt der Riegel am Hexenhaus,

 

und die Käuzchen schreien und huschen mit,

wenn die Hexe über die Schwelle tritt.

 

Neulich - es wurde schon dunkel fast -

hab' im Buschwerk ich aufgepasst.

 

Aber plötzlich - mir hat's gegraut -

da rauscht's im Ginster und Heidekraut

 

und knackt und raschelt so sonderbar -

gleich wusst' ich, dass es die Hexe war!

 

Und ich rannte bergunter mit heißem Gesicht:

Noch hast du mich nicht!

 

Und an der Schlucht, wo die Quelle springt

und heimlich zwischen den Steinen klingt,

 

wo die Brombeerranken klettern am Rand

und Wurzeln kriechen an nasser Wand,

 

da hausen die Zwerge tief im Stein

und irgendwo führt ein Tor hinein!

 

Und wie ich just da vorüberlief,

war mir's, als ob mich ein Stimmchen rief.

 

Ich schaute mich um: da hockt es im Moos,

in roter Kappe, zwei Spannen groß,

 

mit grauem Bart, so alt wie der Berg,

ein richtiger Zwerg.

 

Aber die Zwerge sind klug und schlau

und können zaubern - ich weiß genau!

 

Als ich heranschlich auf den Zehn -

husch - kein Zwerg mehr im Moos zu sehn!

 

Steif und stumm nur und rot wie Blut

reckte ein Pilz seinen Feuerhut!

 

Da war der Spaß mir denn doch zu dumm,

ich lief und sah mich nicht einmal um!

 

Der Häher, der in den Buchen saß,

kreischte mir nach, ich weiß nicht was.

 

Ein Hase äugt aus dem Grase empor

und macht mir höhnisch ein Männchen vor

 

und das Eichhorn lugte zum Grün heraus

und lachte mich aus!

 

Lulu von Strauß und Torney

 


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