Die heilige Mutter Anna

 

Betrachtungen

 

für alle Dienstage des Jahres

 

1. Annas Voreltern

2. Annas Heimat

3. Annas Eltern

4. Die Geburt Annas

5. Der Name Annas

6. Die Gestalt Annas

7. Anna im Tempel

8. Der Gatte Annas

9. Ihr Familienleben

10. Die Prüfung

11. Anna als Mutter

12. Der Name Maria

13. Die Reinigung

14. Das Opfer

15. Aufenthalt in Jerusalem

16. Das Haus

17. Des Vaters Tod

18. Am Sterbebett der Mutter

19. Annas Grab

20. Ihre Kirchen

21. Ihre Wunder

22. Ihre Wunder

23. Ihre Reliquien

24. Ihr Fest

25. Ihre Bruderschaften

26. Ihre Gnadenorte

27. Ihre Verehrer: Maria

28. Der heilige Augustin

29. Der heilige Johannes von Damaskus

30. Der heilige Thomas von Aquin

31. Der gottselige Abt Trithemius

32. Die heilige Theresia

33. Die heilige Koleta

34. Die heilige Brigitta

35. Die heilige Kirche

36. Kaiser, Könige und Fürsten

37. Länder und Städte

38. Orden und Innungen

39. Annas Kleidung

40. Verschiedene Anna

41. Anna, Patronin der Bergleute

42. Patronin der Armen

43. Patronin der Betrübten

44. Patronin der Kranken

45. Patronin der Kinderlosen

46. Patronin der Ehefrauen

47. Die hellrote Nelke

48. Die dunkelrote Nelke

49. Die gelbe Nelke

50. Die weiße Nelke

51. Die bunte Nelke

52. Die Paradiesnelke

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1. Annas Voreltern

 

Die Voreltern der heiligen Anna, wie die gottselige Katharina Emmerich berichtet, waren Essener. Diese wunderbar frommen Leute stammten von jenen Priestern her, welche in den Tagen des Mose und Aaron die Bundeslade trugen. Sie erhielten zur Zeit des Propheten Jesaja und Jeremia eine eigene bestimmte Lebensordnung. Sie wohnten hauptsächlich am Berg Horeb und Karmel. Auf dem Berg Horeb hatten sie ihre Zellen und an eine größere war ein großer Versammlungssaal angebaut. Sie trieben Ackerbau, Viehzucht und Gartenbau. Der Berg Horeb war zwischen ihren Hütten voll von Gärten und Obstbäumen. Die übrige Zeit verwendeten sie auf flechten, weben und sticken von Priesterkleidern.

 

Zur Zeit der Großeltern Annas war ihr Oberhaupt ein Prophet namens Archos. Er hatte Gesichte in der Höhle des Elias auf Horeb, welche sich auf die Ankunft des Messias bezogen. Er wusste um das Geschlecht, aus dem der Messias kommen würde; und wenn Archos den Voreltern Annas über ihre Nachkommen weissagte, sah er auch, wie die Zeit sich nahte.

 

Der Großvater Annas, ein Essener, hieß vor seiner Vermählung Stolanus. Durch seine Frau und deren Güter erhielt er den Namen Garescha. Die Großmutter Annas war von Mara in der Wüste und hieß Moruni oder Emorum, das heißt: Erhabene Mutter. Sie vermählte sich mit Stolanus auf Geheiß des Propheten Archos, welcher gegen neunzig Jahre das Oberhaupt der Essener und ein sehr heiliger Mann war, bei dem sie vor der Vermählung sich immer berieten, um nach seinen Weisungen ihre Wahl zu treffen. Wunderbarer Weise weissagten jene prophetischen Oberhäupter immer auf weibliche Nachkommenschaft, wie auch die Voreltern Anna und Anna selbst immer Töchter hatten. Es war, als sei ihrem heiligen Dienst die religiöse Heranbildung jener reinen Gefäße obgelegen, welche heilige Kinder empfangen sollten: Den Vorläufer Johannes, Christus selbst, Apostel und Jünger.

 

Archos schaute in einem Gesicht wie aus Emorum ein Rosenstock mit drei Zweigen hervorwachse und er erklärte ihr, dass sie heiraten soll und dass sie ein auserwähltes Kind gebären werde, das ein Gefäß der herannahenden Verheißung sein werde.

 

Gebet

 

O heilige Mutter Anna, Deine Geburt wurde lange und auf wunderbare Weise vorbereitet. Du gleichst hierin der Sonne, welche lange zuvor schon durch die Morgenröte ihr Erscheinen verkündet. Heilig war Dein Ursprung und dieser Glanz der Herrlichkeit erschien schon in Deinen Voreltern sichtbar und ging durch Deine getreue Mitwirkung auch auf Dich über. Welch ein Grund für mich, Dich hochzuverehren und mich an den Strahlen der Gottesfurcht und Frömmigkeit, welche schon Deine Ahnen umleuchteten, zu erfreuen. Doch diese Freude soll auch in mir eine fruchtbringende werden und meiner Seele zum Heil gereichen. Wenn auch meine Eltern und Voreltern nicht so heilig waren, wie die Deinigen, so hatten sie doch viel Gutes an sich und gar manche Tugend glänzte in ihrem Leben. Wenn Du mir beistehst, heilige Mutter Anna, werde ich im Stande sein, meinen guten Eltern nicht unähnlich zu werden, sondern in allem Guten ihnen nachzufolgen. Ich rufe daher zu dieser Nachfolge Deine mächtige Hilfe an und hoffe zuversichtlich, dass, während ich für meine Eltern mein tägliches Gebet verrichte, ich durch Dich auch aufgemuntert werde, ihre Tugenden nachzuahmen. Durch Deine Fürbitte werde ich auch die nötige Kraft erlangen und jenen Eifer, welcher rastlos fortschreitet, und jene Beharrlichkeit, welche auf dem Weg der Tugend nicht müde wird, sondern ausharret bis an das Ende. Amen. 

 

Lied

 

Einen Rosenstock sah man entsteigen

Der Großmutter heiligem Schoß;

Gott wollte dadurch ihr zeigen,

Wie ihr Kind einst würde so groß!

 

O heilige Anna, nicht prangten

Deine Ahnen durch Wunder allein,

Dahin sie durch Tugend gelangten

Und wollten Dein Vorbild sein!

 

Und Ihnen ganz nachzustreben,

Dies war Deiner Tage Bemüh'n,

Erfleh' mir die Gnade: zu leben

Für Gott, für die Tugend erglühn!

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2. Annas Heimat

 

Die Heimat der heiligen Mutter Anna war Betlehem. Der erste Anblick eines Ortes, wie Betlehem, macht einen seltsamen Eindruck auf die Seele; es ist, wie wenn plötzlich das Bild, das schon in der Kindheit der Seele vorgestellt und eingeprägt wurde, aus der innerlichen Vorstellung heraustrete und nun zu einer äußerlichen Wirklichkeit sich verwandelte - es kommt einem vor wie eine alte Heimat, ja wie ein wirklich Stein gewordener Teil der eigenen Seele; und sie fliegt grüßend mit dem Blick dem Ort entgegen, dem Ort, der dadurch noch unendlich lieber uns wird, weil er die Heimat derjenigen ist, die wir so innig verehren, der heiligen Anna.

 

Betlehem liegt zwischen zwei Hügeln auf einem Abhang, der sich in ein tiefes Tal hinabsenkt und mit Öl-, Feigen- und Mandelbäumchen reich bedeckt ist. Der kräftige Boden trägt üppige Feldfrucht und hie und da kleine winzige Wiesenstellen, frisch und zart wie grüner Samt. Die Vögel singen um Betlehem; das ist selten in Palästina. Die ganze Landschaft ist anmutig, frühlingsmäßig, ohne Glut und Glanz, unbeschreiblich passend für die liebliche Geschichte der Ruth, die sich hier zutrug; für die Kinderspiele des Hirtenknaben David, der hier seine Kindheit zugebracht hat; für die Wiegenstätte des göttlichen Kindes, für die Heimat der heiligen Anna. Ach, wie sind uns diese Hügel und Täler, diese Wiesen und Fluren so lieb und teuer, weil sie Zeuge waren ihrer Kindheit! - Sie sahen ihre frohen Spiele, sie vernahmen ihre Gebete und Gesänge, sie waren und blieben für Anna süße Erinnerungen, als sie nicht mehr in Betlehem verweilte und Tage schwerer Prüfungen und bitterer Trennungen über sie kamen.

 

Gebet

 

O heilige Anna, Du liebtest Deine Heimat und der Ort, wo Du das Licht der Welt erblickt und Deine Jugendjahre zugebracht, blieb Deinem Herzen ewig teuer. Doch Du lebtest im Glauben; alles Irdische hatte nur in Beziehung auf das Himmlische für Dich einen Wert; alle Dinge dieser Erde schautest Du nur im Licht des Glaubens. Aus diesem Grund war auch Deine Liebe zur Heimat nur der Wiederschein einer höheren Liebe, die Dein Inneres durchdrang und beseelte. Du hingst an Deinem Vaterland, weil es Dich an das ewige Vaterland mahnte; Du liebtest Deine Heimat, weil sie Dich an Deine himmlische Heimat erinnerte. Nach dem Himmel sehnte sich Dein Herz, dorthin ging all sein Verlangen und immer kehrten die Gedanken Deiner Seele wieder: Wenn mein irdisches Vaterland schon so schön ist, wie schön wird erst mein ewiges sein? Wenn ich meine Heimat hienieden schon so sehr liebe, wie soll, wie muss ich erst meine himmlische Heimat lieben und mich danach sehnen! - Diese höhere Liebe wurde Dir aber auch belohnt, diese geistige Sehnsucht vollkommen gestillt; Du weilst nun im Himmel. O erfülle, ich bitte Dich, auch meine Seele mit diesem heiligen Verlangen nach der ewigen Heimat und erflehe mir die Kraft und Gnade, dass ich hienieden fromm und tugendhaft lebe, um einst in den Himmel zu kommen, der die Heimat meiner Seele ist. Amen. 

 

Lied

 

O Bethlehem, du Städtchen,

Wo Anna's Wiege stand,

Wo sie als Kind und Mädchen

Die Lust der Jugend fand.

 

Sie hatte lieb und gerne

Den trauten Heimatort,

Und war ihr Leib ihm ferne,

Blieb doch die Seele dort!

 

Von höherem Verlangen

War dies der Widerschein,

Den Himmel zu erlangen,

Dies wollte sie allein!

 

Vom irdischen Vaterlande

Zieh, Anna, himmelwärts

Mit Deiner Liebe Bande

Im Sturme unser Herz!

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3. Annas Eltern

 

Nach den Offenbarungen der gottseligen Katharina Emmerich hießen die Eltern der hl. Anna Eliud und Jsmeria. Sie waren reich und betrieben eine große Wirtschaft. Sie hatten viele Herden; aber sie hatten nichts für sich, sie gaben alles den Armen. Sie wohnten anfangs in Sephoris, vier Stunden von Nazareth, wo sie ein Gut besaßen. Sie hatten aber auch ein Besitztum im Tal Zabulon, wohin sie in der schönen Jahreszeit mit ihrer Familie sich begaben und wo Eliud nach dem Tod der Jsmeria seinen bleibenden Wohnsitz nahm. In demselben Tal, in dem auch Bethlehem liegt, hatte sich auch der Vater Joachims, der der Gatte Annas geworden war, mit seiner Familie niedergelassen. Am längsten hielten sich ihre Eltern zu Bethlehem auf, woselbst sie gleichfalls ein Besitztum hatten und auch Anna das Licht der Welt erblickte.

 

Beide Ehegatten lebten ein sehr frommes Leben und erzogen ihre Kinder, deren sie außer Anna noch mehrere Töchter hatten, in Gottesfurcht. Ihre erste Tochter Sobe ehelichte einen Salomo und wurde Mutter der Maria Salome, die sich mit Zebedäus vermählte und die späteren Apostel Jakobus und Johannes gebar. 

 

Die Eltern gingen ihren Kindern mit dem besten Beispiel voraus, hielten streng die Satzungen des Mose und übten sich in allen guten Werken. Namentlich hatten sie eine große Liebe zu den Armen und sie machten von ihrem Reichtum den wohltätigsten Gebrauch. Kein Notleidender bat sie vergebens, ja, sie suchten die Dürftigen selbst auf und unterstützten sie auf alle mögliche Weise.

 

In der Familie lebte die frohe Hoffnung, dass aus ihr das Heil hervorgehen werde und sie tat alles, um sich dieser Gnade würdig zu machen. Der Hände Arbeit wurde durch das Gebet geheiligt, Tugend und Gottesfurcht auf das eifrigste gepflegt und mit heiliger Sehnsucht der Erfüllung der Prophezeiungen entgegengeharrt. Die Kinder hingen mit inniger Liebe an ihren frommen Eltern, waren jedem ihrer Winke gehorsam und bemüht, ihnen neue Freude und Ehre zu machen, um ja dem Plan, den die göttliche Vorsehung mit ihrer Familie hatte, nicht entgegen zu wirken und ihn zu vereiteln. Vor allem tat sich Anna durch den pünktlichsten Gehorsam und die zärtlichste Anhänglichkeit gegen ihre Eltern hervor.

 

Gebet

 

O heilige Anna, Du bist uns in allen Tugenden ein erhabenes Muster und Vorbild; besonders aber glänzt Du durch Deinen kindlichen Gehorsam und Deine aufrichtige Elternliebe. Dein Beispiel, das Du uns gegeben, eifert auch uns zur Nachahmung an. Lass uns daher, gleich wie Du, unsere Eltern lieben und ihnen stets, seien sie noch am Leben oder bereits in die Ewigkeit eingegangen, ein liebendes Andenken bewahren. Freilich haben wir oft unüberlegt und leichtsinnig ihnen Verdruss und Kummer bereitet; wir bereuen dies aufrichtig und von Herzen; aber wir wollen jetzt, durch Dein Beispiel entflammt und durch Dein Gebet unterstützt, ihre Lebenstage durch Anhänglichkeit, Gehorsam und Dankbarkeit versüßen. Wir wollen sie in zeitlicher Not nicht verlassen, mit ihren Schwächen Geduld tragen und mit den Gebrechlichkeiten ihres Alters Mitleid haben. Sind sie aber bereits in der Ewigkeit, so wollen wir, wie gute Kinder, sie nicht vergessen, ihr Grab fleißig besuchen und täglich für sie beten. O heilige Anna, wir bitten Dich, lass uns in der kindlichen Liebe von Tag zu Tag zunehmen und unsere Eltern so lieben und ehren, wie Du sie geliebt und geehrt hast, auf dass wir gleich Dir, den Lohn dieser Tugend im Himmel erlangen. Amen. 

 

Lied

 

Du hast geliebt

Und treu geübt

Der Elternliebe Tugend;

Sie war an Dir

Die schönste Zier

Und schmückte Deine Jugend!

 

O lass auch mich

Recht inniglich

Lieb meine Eltern haben,

Ob Gott sie mir

Gelassen hier,

Ob sie sind längst begraben!

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4. Die Geburt Annas

 

Da die Eltern der heiligen Anna so überaus fromm waren, so ist es selbstverständlich, dass sie auch von Gott geprüft wurden. Es heißt ja in der Hl. Schrift: Die da fromm leben wollen, werden Verfolgung leiden und: wen der Herr liebt, den züchtigt er. Ihre Prüfung war eine peinliche und in Anbetracht der Liebe, die beide Ehegatten zueinander trugen, überaus hart. Die Legende erzählt nämlich, dass die Mutter Annas ungefähr 18 Jahre unfruchtbar geblieben sei. Sie beteten inständig, gaben viele Almosen, machten fromme Gelübde, aber alles vergebens.

 

Nun sollen einmal beide Eheleute in der Nacht auf ihrem Lager Erscheinungen gehabt haben. Ismeria sah einen Engel Buchstaben neben sich an die Wand schreiben. Sie erzählte es ihrem Mann, der das gleiche gesehen hatte. Und beide erblickten beim Erwachen das Zeichen an der Wand. Es war der Buchstabe M, den Anna bei ihrer Geburt auf der Brust mit zur Welt gebracht haben soll.

 

Bald darauf fühlte Ismeria sich als Mutter und nach Umlauf der gewöhnlichen Zeit genas sie eines Kindes, dessen Ankunft sich ihnen auf so wunderbare Weise anmeldete zum Zeichen, dass der Herr Großes mit ihm vorhatte und es zu einem geheimnisvollen Ziel bestimmt sei. Gleichwie die allerseligste Jungfrau Maria vom ewigen Gott vorerwählt und bestimmt worden ist, dass sie die Mutter des göttlichen Wortes im menschlichen Fleisch werden sollte, sagt der heilige Bonaventura, so unterliegt es keinem Zweifel, dass auch Anna zur Mutter der Gottesgebärerin und Großmutter Jesu Christi dem Fleische nach von dem Allerhöchsten vorherbestimmt und erwählt worden ist.

 

Groß war der Jubel im Haus der Eltern Annas, als sie das Licht der Welt erblickte, glückwünschend nahten sich alle Verwandten und Freunde, die irdischen Räume hallten wieder von Liedern der Freude und von Lobgesängen, während in den himmlischen Gefilden die Engel jauchzten und frohlockten, die besser als alle erkannten, dass dadurch der Augenblick der Erlösung der Welt immer näher rücke.

 

Gebet

 

Mit freudig bewegten Herzen begrüßen auch wir, o heilige Anna, deine Geburt, die so viel Wonne dem Himmel, die so viel Segen der Erde gebracht hat! - Wir stimmen ein in den Jubel der himmlischen Geister und vereinigen unsere frohen Gefühle mit denen aller frommen Katholiken auf Erden, denn wir erkennen es dankbar, welch ein unendliches Glück, welch eine unaussprechliche Gnade uns armen Menschenkindern durch deine Geburt zuteil geworden ist. Die Welt war in Nacht gehüllt, kein Hoffnungsschimmer erhellte ihre Finsternis, da wurdest du geboren, und der erste Stern leuchtete am nächtlichen Himmel! Sein Glanz, sein Licht fiel auf die gebeugten Menschenherzen, richtete sie wieder auf und ließ sie vertrauensvoll in die Zukunft blicken. Das Heil näherte sich, die Erlösung zog heran, die bange Furcht verschwand und der Lebensmut kehrte wieder. Darum ist die Erinnerung an den glorreichen Tag deiner Geburt immer ein Grund der größten Freude für uns. Lass ihn uns stets würdig begehen, heilige Anna, und erflehe uns die Gnade, dass er für uns gleichfalls ein Geburtstag werde, an dem die Liebe zu dir und das Vertrauen auf dich neuerdings in unseren Herzen geboren werde. Amen.

 

Lied

 

Auf wunderbare Weise wird geboren, 

Die Gott zu solch erhabnem Ziel gewählt,

Die, deren Tochter rettete, was verloren,

Und wiederbrachte Heil der ganzen Welt!

 

Im Himmel alle Engel jubilierten,

Auf Erden alle Guten jauchzten laut,

Denn Annas Wiege Geisterhände zierten,

Gott Vater segnend auf sie niederschaut.

 

"Ich habe dich zur Mutter auserwählet

Der Jungfrau, die mein Sohn eins Mutter nennt;

Drum will ich, dass dir keine Gnade fehlet,

Dass stets der Liebe Feuer in dir brennt!"

 

O heilige Anna, bitt für mich um Gnade,

Dass ich erreiche meines Daseins Ziel,

Und nie verlass der Tugend schöne Pfade,

Den Weg nur wandle, den mein Jesus will! 

 

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5. Der Name Annas

 

Wohl nicht von ungefähr, sondern von der göttlichen Vorsehung so gewollt und gefügt, bekam das gesegnete Kind den Namen Anna. Anna heißt so viel als: Gnade. Ihre Sitten und Tugenden entsprachen auch diesem Namen; ihre Frucht wurde die Mutter der göttlichen Gnade, aus der die Quelle aller Gnaden hervorging, unser Herr Jesus Christus. 

 

Der Heilige Geist spricht durch den Mund des weisen Mannes: Gnade über Gnade ist eine heilige Frau. Die heiligste Frau, die hochheilige Mutter Anna, die Mutter der Gottesgebärerin und die Großmutter des Gottessohnes, ihr ist Gnade über Gnade verliehen worden; die Gnade der Auserwählung, die Gnade der Vorherbestimmung, die Gnade der Mittel, um einer solchen Wahl zu entsprechen.

 

Der hl. Thomas von Aquin lehrt: Die Gott zu irgend etwas auserwählt, diese bereitet und richtet er so her, dass sie zu dem, wozu sie berufen und auserwählt wurden, vollkommen passen und taugen. Anna war bestimmt, die nächste Blutsverwandte des Erlösers dem Fleisch nach zu werden. Deshalb verlieh ihr Gott die Fülle der Gnaden, deshalb rüstet er sie aus, schmückte und bereicherte er sie mit all jenen Gnaden, die sie zu solch unaussprechlicher Würde tauglich machten. Dies anzuzeigen gab ihr die göttliche Vorsehung den Namen Anna, die Gnade.

 

Sie trug ihn aber nicht umsonst; ihre Wahl und ihre Ausstattung zu dieser Bestimmung lag in Gottes freiem Willen; ihr Wille aber, ihr eigenster Wille war es, mitzuwirken mit der ihr verliehenen Gnadenfülle, ihrem Namen vollkommen zu entsprechen. Die Folge davon war ihr frommer Wandel, ihr tugendhaftes, heiliges Leben.

 

Gebet

 

Auch mich, o heilige Anna, hat Gott mit unzähligen Gnaden bereichert, auch mir hat er alle Hilfe, alle Gnadenmittel angeboten, das erhabene Ziel eines Christen: Gott zu dienen und einst selig zu werden, zu erreichen. Habe ich aber immer mit der Gnade mitgewirkt, die Mittel benützt und der gnadenreichen Liebe meines Gottes entsprochen? - O nein, muss ich beschämt und reuevoll bekennen! - Ich sehe es aber ein und will mich bessern. Ich will es anders machen, dass Gott nicht etwa seine Gnadenhand von mir zurückzieht und ich in Gefahr komme, ohne Hilfe von oben zu Grunde zu gehen. Hilf du mir bitten, o heilige Anna, die du so getreu der Gnade entsprochen und deinem Namen so viele Ehre gemacht hast, auf dass der liebe Gott immerdar mit seiner Gnade bei mir bleibe und fortfahre, neue Gnaden mir zu schenken. Ich verspreche feierlich, von nun an einen besseren Gebrauch davon zu machen und deinem erhabenen Beispiel mit allen Kräften nachzufolgen. Amen.

 

Lied

 

Gott gab dir deinen Namen

Den jede Zunge preist,

Er soll auch mich entflammen

Zur Gnade, wie er heißt.

 

Der Gnade hast entsprochen

Du allzeit voll und ganz,

Nichts gegen sie verbrochen,

Bewahrt der Tugend Glanz.

 

Du hast durch neue Ehren

Den Namen reich gemacht,

Die Gnaden zu vermehren

Dein Leben hingebracht.

 

Zu wirken mit der Gnade,

Erbitte, Anna, mir,

Sonst meiner Seel' ich schade

Und komme nie zu dir!

 

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6. Die Gestalt Annas

 

Nach den Erscheinungen, die mehrere Heilige hatten und nach den Offenbarungen, die ihnen zuteil geworden sind, bestätigt sich an der heiligen Anna der Ausspruch, dass in einem schönen Leib auch eine schöne Seele wohnt. Sie war lieblich und angenehm anzusehen; die Züge waren von großer Regelmäßigkeit, besonders lag in ihren Augen etwas ungemein Seelenvolles. Sie war schön, viel schöner als andere, jedoch nicht so schön wie ihre Tochter Maria. Als sie Mutter geworden war und in ihren späteren Jahren, nahm ihr Antlitz etwas so unaussprechlich Ehrwürdiges an, dass alle, die ihr nahe kamen, sich zu ihr hingezogen fühlten und vor ihr gern ihr ganzes Herz ausgeschüttet hätten. Sie kam allen mit unbeschreiblicher Freude entgegen, ihre Stimme klang so vertrauenerweckend, dass man sie immer wieder aufsuchte und nicht lange genug bei ihr verweilen konnte, kurz, ihre ganze äußere Erscheinung machte den wohltuendsten Eindruck, sie war ein tadellos schönes Frauenbild.

 

Und ihre Seele, wer kann an deren Schönheit zweifeln? Die Heiligen erschöpfen sich in ihrem Lob. Die hl. Brigitta sagt von ihr: Man sah Anna niemals auf den Straßen. Sie war von Jugend auf gewohnt, zu Hause zu bleiben. Nie wurde sie müßig gesehen, stets war sie beschäftigt, sie bewahrte zu Hause die Eintracht und den Frieden mit den Nachbarn. Niemanden tat sie Unrecht und verletzte die Liebe des Nächsten mit keinem Wort. Mit aller Sorgfalt bewachte sie ihr Herz und ließ auch nicht den Schatten einer Sünde zu. Die selige Maria von Agreda äußert sich folgendermaßen über sie: Anna war die keuscheste Jungfrau, die von ihrer Kindheit an mit allen Tugenden erfüllt war. Sie hatte eine tiefe, immerwährende Erleuchtung und war stets in andächtiger Betrachtung. In den Tugenden des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe war ihr niemand zu vergleichen. Ihr beständiges Gebet war, dass der Messias kommen möge. - Der gottselige Abt Trithemius erteilt ihr folgenden Lobspruch: Ihr Gang war würdevoll, ihr Antlitz vom himmlischen Frieden umleuchtet, ihre Rede war gewählt, ihr Rat überlegt, ihr ganzes Tun und Handeln heiligfromm. Tag und Nacht betrachtete sie das Gesetz des Herrn und ihre Seele weilte beständig bei Gott.

 

Gebet

 

O heilge Anna, ich bewundere die Schönheit deines Leibes und danke Gott, der dich so herrlich erschaffen und zu einem der schönsten Geschöpfe gebildet hat. Ich staune an die Lieblichkeit deiner Seele, an der Gott so großes Wohlgefallen gehabt und alle Menschen auf Erden ein solch erhabenes Beispiel aller Tugenden erhielten. Doch nicht allein bewundern will ich deine äußere und innere Schönheit, ich will sie auch nachzuahmen suchen und mich bemühen, dir von Tag zu Tag ähnlicher zu werden. Wie ein Maler, der ein Bild entwerfen soll, beständig auf sein Muster und Vorbild schaut, um es genau zu treffen, so will auch ich dich, heilige Anna, nicht mehr aus den Augen lassen, um jeden deiner Züge, um jede deiner Tugenden getreu nachzuahmen und in meinem Lebenswandel zum Ausdruck zu bringen. Unterstütze mich in diesem Streben und segne durch deine mächtige Fürbitte bei Gott mein frommes Bemühen! Amen. 

 

Lied

 

Ganz schön und ohne Fehle

War deines Leibs Gestalt,

Doch schöner deine Seele

Und deines Geist's Gestalt.

 

Voll Anmut dein Benehmen,

Pünktlich erfüllt die Pflicht,

Dein Bild muss mich beschämen,

Dir ähnlich ist es nicht!

 

Nimm weg von mir das Böse,

Bitt, dass Gott gut mir sei,

Aus Fesseln mich erlöse,

Von Sünden mich befrei!

 

Mach, dass ich dich erreiche,

Erfleh mir deinen Sinn,

Dass deinem Bild ich gleiche

Und bald dir ähnlich bin.

 

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7. Anna im Tempel

 

Anna wurde in ihrem fünften Jahr zum Tempel gebracht, wie später Maria. Sie lebte zwölf Jahre im Tempel und wurde in ihrem siebzehnten Jahr wieder nach Hause gesendet.

 

Obgleich in Israel die Jungfräulichkeit nur eine Kurze Zeit des Lebens als Tugend galt, weil sie den ehelichen Tugenden weichen musste, so genoss sie dennoch einige Vorzüge und Ehren. Gott liebte das Gebet keuscher Seelen, reiner Jungfrauen und eine Jungfrau war es, nicht eine Königin, die er erwählt hatte zum Werkzeug der Erlösung. Wenn die Propheten von Juda dem auserwählten, doch oft schwer heimgesuchten Volk das prophetische Gemälde seines Elends oder seiner Siege vorhielten, geschah es immer, dass sie Provinzen und Städte unter dem Bild einer trauernden oder frohlockenden Jungfrau vorstellen.

 

In dem befestigten Umfang des Tempels, an einer Stelle, wo nachmals die Christen in Jerusalem ein Oratorium errichteten, auf dessen Grund die Waffengefährten des tapferen Gottfried von Bouillon unter Anrufung der heiligen Jungfrau Maria eine Kirche mit vergoldeter Kuppel erbauten, die oft von den kühnen Tempelherrn mit Siegeszeichen, die sie den Sarazenen abgenommen, geschmückt wurde. An dieser Stelle erhob sich der Teil des Gebäudes für die dem Herrn geweihten Jungfrauen. Dahin führten die Eltern Annas ihre junge Tochter.

 

Die Beschäftigungen Annas im Tempel bestanden in der Teilnahme an den öffentlichen Gottesdiensten. Die Tempeljungfrauen mussten bei den Opfern mithelfen, durch ihren Gesang die Feier verherrlichen und den Schmuck und die Reinlichkeit des Hauses des Herrn besorgen. Außerdem verrichteten sie ihre eigenen Gebete, gaben sich ihrer Privatandacht hin und sangen die Morgen- und Abendpsalmen zu dem Harfenspiel ihrer Gefährtinnen und zu den Posaunen der Priester. In den freien Stunden beschäftigten sie sich mit Handarbeiten und verfertigten die mit Seide und Gold gestickten Gewänder der Tempeldiener und Hohenpriester. In all diesen Dingen tat sich Anna glänzend hervor und zeichnete sich ebenso durch ihre Frömmigkeit wie durch ihre Geschicklichkeit und ihren Kunstsinn aus.

 

Gebet

 

Wenn ich dich, o heilige Anna, im Tempel betrachte, so erbaue ich mich überaus, wie du die Tage deiner Kindheit so fromm, wie du die Zeit deiner Jugend so gottwohlgefällig zugebracht hast. Dabei überfällt mich eine große Wehmut, dass ich dir in diesem Punkt so wenig gleiche. Denn leider haben vielfach Leichtsinn und Lauigkeit meine Jugendzeit zum Missfallen Gottes gemacht; ich habe gerade damals meiner Seele durch Sünden aller Art geschadet und muss daher mit großem Leid und bitterem Reueschmerz daran zurückdenken. Dort wo ich hätte am meisten an Gott denken sollen, habe ich ihn so oft vergessen. Du warst so lange im Tempel und nanntest diese Jahre die schönsten deines Lebens. Du trugst kein Verlangen nach der Welt und wärst gerne für immer darin geblieben, und ich, ich ging gerade in meiner Jugend nicht in die Kirche, ich fühlte mich darin gelangweilt, war voll Zerstreuungen in meinem Gebet und vernachlässigte oft ganz den Gottesdienst. O wie bereue ich dies alles und wie schmerzt es mich, da ich im Geist deinen Eifer im Gebet, deine Liebe zum Haus des Herrn betrachte. Erwirke mir von Gott Verzeihung meines Leichtsinns und meiner Lauigkeit. Ich will mich ändern und besser werden. Von deiner Mutterhand geführt, will ich gerne und fleißig in den Tempel gehen, mit Andacht den Gottesdienst verfolgen, aus eigener Schuld ihn nie mehr vernachlässigen und wieder anfangen, mit Eifer und Beharrlichkeit zu beten. Amen.

 

Lied

 

Die schönste Zeit des Lebens

War nicht für dich vergebens,

Du brachtest fromm sie zu;

Sie drückte auf den Stempel

Der Tugend dir, im Tempel

Fand deine Seele Ruh!

 

Denn sehnend mit den Frommen

Nach des Messias Kommen

Schwangst du dich himmelwärts;

Und lerntest in den Tagen

Gleichmütig, still ertragen

Die Freude wie den Schmerz.

 

Um eines ich dich bitte:

Lenk, Anna, meine Schritte

Recht oft zum Tempel hin;

Du weißt, ich dich verehre,

Darum in mir vermehre

Der Andacht frommen Sinn!

 

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8. Der Gatte Annas

 

Ungefähr anderthalb Jahre nach dem Tod ihrer Mutter, in ihrem neunzehnten Jahr, heiratete Anna den Heli oder Joachim, so erzählt Katharina Emmerich. Sie hätte eigentlich einen Leviten aus dem Stamm Aarons heiraten müssen, wie ihr ganzes Geschlecht, aber wegen des Nähe des Heils musste sie Joachim aus dem Stamm Davids ehelichen, denn Maria sollte aus dem Stamm Davids sein. Sie hatte mehrere Freier und kannte Joachim noch nicht, aber sie wählte ihn auf höhere Weisung.

 

Joachim war arm. Er war mit dem hl. Joseph verwandt. Der Großvater Josephs stammte von David durch Salomo und hieß Mathan. Er hatte zwei Söhne: Joses und Jakob. Dieser war der Vater Josephs. Als Mathan starb, heiratete seine Witwe einen zweiten Mann, namens Levi, der von David durch Nathan stammte, und von diesem Levi gebar sie Mathat, den Vater Helis oder Joachims. Joachim war ein kleiner, breiter, hagerer Mann. Der heilige Joseph war in seinem Alter noch sehr schön gegen ihn. Er war aber von ungemein anziehendem Wesen, sein Charakter herrlich und sein Gemüt vorzüglich. Er hatte wie Anna etwas ganz besonderes und Eigentümliches. Es war etwas in ihnen beiden, was sie selbst nicht kannten, ein Sehnen und Erwarten, ein wunderbarer Ernst. Beide sah man selten lachen, wenn sie auch gleich nicht traurig waren. Sie hatten einen stillen, gleichmäßigen Charakter und in ihren besten Jahren schon etwas von den gesetzten, alten Leuten. So schildert den heiligen Joachim die gottselige Katharina Emmerich in ihren Gesichten. 

 

Gebet

 

O heiliger Joachim, ich komme zu dir mit großem Vertrauen, nachdem ich dein frommes Leben auf Erden betrachtet habe. Dein eigenes Leben hat dir große Verdienste erworben, aber die Gnade, dass dich Gott zum Vater der Gottesgebärerin ausgewählt hat, erhebt dich noch unendlich höher und begründet unsere Zuversicht und Verehrung gegen dich nur um so mehr. Deine nahe Verwandtschaft mit dem göttlichen Heiland, wie deine eigene Tugend und Frömmigkeit stärken und befestigen meine Hoffnung auf die Macht deiner Fürbitte bei Gott. Von diesem Vertrauen ermuntert, nehme ich meine Zuflucht zu dir, hl. Joachim, und mitte dich zusammen mit deiner hl. Lebensgefährtin Anna, um die Gnade eines frommen Lebens, einer glücklichen Sterbestunde und der ewigen Seligkeit. Amen.

 

Lied

 

O heiliger Joachim

Mein Flehen du vernimm,

Das ich an dich jetzt richte:

Du bist verkläret schon,

Der Himmel ist dein Thron,

Du weilst im ewigen Lichte!

 

Mit Anna fromm vermählt,

In Lieb ihr zugesellt,

Warst du ihr treu verbunden;

Aus eurem Bund die Welt,

Die groß und schwer gefehlt,

Die Rettung hat gefunden.

 

Du solltest Vater sein

Der heiligen Jungfrau rein,

Die uns das Heil gegeben;

Drum groß ist deine Macht,

Mein Flehen nicht veracht,

Lass tugendhaft mich leben!

 

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9. Ihr Familienleben

 

Das Haus, 


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