Heilige und Selige, Gebete, Anmutungen und Betrachtungen im Oktober

 

1. Oktober

 

Der heilige Melar, Martyrer von Kornubia, England,

+ 1.10.411 - Fest: 1. Oktober

 

Vor vielen Jahren ging ich einsam auf dem großen Kirchhof in Karlsruhe umher und las viele Inschriften auf Kreuzen und Grabsteinen. Nur ein einziger Spruch hat mich angerührt und ist mir im Gedächtnis geblieben; er steht auf dem Totenkreuz eines fünfjährigen Kindes und lautet:

 

„Leb wohl, du liebes, treues Herz!

Dein kurzes Leben war ein langer Schmerz.“

 

An dieses Kind und diesen Vers erinnerte mich wieder die Legende des heiligen Melar, der auch eine so traurige Kindheit gehabt hat. Die alte Sage über ihn berichtet folgendes:

 

1. „Da im Anfang der Religion die apostolische Lehre sich über den Erdkreis bei allen Völkern verbreitete, wurde auch die Völkerschaft von Britannien zum Glauben bekehrt, und viele, die dem Herrn glaubten und die apostolischen Vorschriften befolgten, glänzten durch verschiedene Tugendwunder; zu ihrer Zahl hat auch der selige Melar nach unserer festen Überzeugung gehört.“

 

2. „Er war nämlich von edlem britannischen Geschlecht, und sein Vater, Melian, besaß das Herzogtum von Cornubia, zu dessen Zeit sieben Jahre lang kein Regen auf Erden fiel. Da aber im siebten Jahr eine Ratsversammlung der Vornehmsten des Landes gehalten wurde, wie der allgemeinen Not abzuhelfen sei, kam Rinold, vom bösen Geist getrieben, und tötete seinen Bruder Melian und riss die Regierung an sich.“

 

3. „Es hatte aber Melian einen kleinen Sohn von sieben Jahren, den der Oheim nach des Vaters Mord zu töten versuchte aus Furcht, dass, wenn der Junge übrigbleibe und zum Mannesalter käme, er ihm das Herzogtum wieder entrisse. Rinold, im Zweifel, was er machen solle, führte den Jungen mit sich nach Cornubia; dort war eine Versammlung von Bischöfen und vielen anderen zusammengekommen; auf das Bitten und Flehen der Versammelten wurde der Junge nicht getötet, sondern ihm nur die rechte Hand und der linke Fuß abgehauen. Später machte man aber dem seligen Melar eine silberne Hand und einen Fuß aus Messing; und er nahm fromm und unschuldig von Tag zu Tag in den Tugenden zu, wurde in einem Kloster von Cornubia ernährt und beschäftigte sich mit Lesen der heiligen Schriften bis zum vierzehnten Jahr.“

 

4. „Da versprach aber sein Oheim dem Pfleger Cerialtan viele Geschenke und Besitzungen, wenn er seinen Zögling töte; und sie wurden des ruchlosen Handels einig, dass Cerialtan den Kopf des Unschuldigen abhaue, dem Rinold brächte und den versprochenen Lohn erhalten solle. Als der Junge enthauptet war, sollte der Sohn des Cerialtan den Kopf unbemerkt fortbringen; da er aber über die Mauer steigen wollte, stürzte er durch Fügung des gerechten Gottes von der Mauer, brach das Genick und starb.“

 

5. „Nun fasste Cerialtan den Kopf und floh damit zu Rinold. Dieser empfing ihn mit großer Freude und sprach: „Mach dich auf und besteige den Gipfel des Berges, und so weit du das umherliegende Gebiet überschauen kannst, werde ich dir es gern zum Besitz geben.“ Jener aber stieg auf den Berg und, indem er sich umschauen wollte, wurde er des Lichtes beider Augen beraubt und starb dann eines schnellen Todes. Sein Fleisch aber wurde flüssig wie Wachs in der Nähe des Feuers.“

 

6. „Da nun der Leib des heiligen Melar an dem Ort seines Martertums begraben wurde, wurde er den folgenden Tag über dem Erdboden gefunden; und da der Körper an drei verschiedenen Orten begraben wurde und jedes Mal das gleiche geschah, so wurde Rat geschlagen. Man legte den heiligen Leib auf einen Wagen, an den zwei wilde Stiere gespannt wurden. Und sieh, die Tiere zeigten sich auf einmal zahm, zogen den Leichnam bis zu einem gewissen Ort und blieben dann stehen. Da aber der Volksmenge dieser Ort nicht gefiel als Ruhestätte des Heiligen, so legten sie Hände, Arme und Schultern an die Räder, um sie in Bewegung zu setzen; aber der Wagen war durch höhere Einwirkung so fest und unbeweglich, dass er durch keine menschliche Kunst oder Kraft vom Platz zu bringen war. Da sie nach oftmaligen Versuchen nichts ausrichteten, sagten sie Gott Dank und beerdigten an eben diesem Ort ehrerbietig den Leichnam. Die, die seinen Beistand anflehten, pflegten aber mit Gewährung der gewünschten Hilfe erfreut zu werden.“

 

7. „Drei Tage danach, als dem Rinold der Kopf des Märtyrers gebracht worden war und er ihn angerührt hatte, starb der Tyrann eines unglückseligen Todes. Der Kopf wurde zu dem übrigen Leib begraben, aber nach Verlauf von vielen Jahren in die Kirche zu Ambrisburia gebracht und als Reliquie verehrt. Einmal brachen Räuber nachts in die Kirche von Ambrisburia ein und trugen den Schrein des heiligen Melar mit sich fort; sie rissen die goldenen und silbernen Spangen hinweg und warfen dann das Behältnis mit den Reliquien in eine Höhle. Ein Priester aber, der vor Tag aufgestanden war, sah eine strahlende Lichtsäule, die vom Himmel zu der Höhle herabhing; er näherte sich dem Ort, fand den Schrein und trug ihn zur Kirche zurück.

 

Melar starb am 1. Oktober 411.“

 

So weit geht der alte Bericht. Es wird wohl jeder herzliches Mitleid mit dem armen Waisenkind fühlen, dem der Vater hingemordet wird, dem Hand und Fuß abgehauen, und dem sieben Jahre später auch noch das Leben gewaltsam genommen wird. Warum aber wird der junge Melar ein Märtyrer genannt, da er doch nicht um des Glaubens willen den Tod gelitten hat, sondern durch die Herrschsucht des unmenschlichen Rinold? Wenn ein Kind getauft ist, so ist seine Seele rein und schön vor Gott und wenn es stirbt, steht ihm nichts im Weg, alsbald in den Himmel zu kommen. Aber eine solche Kinderseele hat eben nichts aufzuweisen als das Verdienst Jesu Christi. Wenn hingegen ein Kind so weit herangewachsen ist, dass es auch Gott und den Heiland erkennt und liebt, und einen frommen Wandel führt, so ist eben eine solche Seele noch höher gestiegen und ein besonderer Gegenstand des Wohlgefallens Gottes, und wenn es stirbt, kann man es wohl um seine Fürbitte beim himmlischen Vater anrufen. Wenn aber ein unverdorbenes, gottesfürchtiges Kind erst noch schwere Leiden dulden muss, sei es infolge von Armut oder Krankheit, sei es durch böse Menschen, so sind diese Leiden nicht, wie gewöhnlich bei uns erwachsenen Menschen, ein Zuchtmittel für Sünden und Fehler, sondern sie sind ein besonderes Ehrenzeichen für das fromme Kind. Gott will ihm damit einen höheren Rang im Himmel verleihen; es soll größere Ähnlichkeit mit Christus bekommen, der auch unschuldig gelitten hat. Ein solches Kind, das mit christlicher Geduld Schweres leidet, wird von Gott mit einer unaussprechlichen Liebe geliebt und bekommt den Rang eines Märtyrers. Dies hat sich bei dem heiligen Melar auch erwiesen durch die Wunder, die bei seinen Reliquien geschehen sind.

 

Wenn du daher siehst, dass dein eigenes oder ein fremdes Kind schwer leiden muss, so lass keine Zweifel an Gottes Vorsehung oder Güte in dir aufkommen; schau im Licht des Glaubens über die Erde hinaus und bedenke, dass Gott dem Kind mit dem Kreuz gleichsam ein Guthaben, eine Verschreibung schenkt, die ihm ganz besondere Güter und Freuden jenseits zusichert. Hilf du dem Kind nur, dass es in seinem Leiden viel nach dem himmlischen Vater und Jesus Christus seine junge Seele wende; dann wirst du an ihm einen kräftigen Beistand im Himmel haben. Es scheint sogar, dass Gott solchen jungen Märtyrern gleichsam zur Freude und zum Spiel es vergönnt, zuweilen Hilfe auf die Erde zu bringen, wie christliche Eltern oft durch ihr Kind das Almosen schicken, das sie einem Armen zugedacht haben. Es wird gerade ein solches Ereignis in der Geschichte des heiligen Melar erzählt, das ich hier noch beifüge. Der heilige Melar erschien einmal dem Sakristan und sprach: „Godrich, stehe auf, das Gewölbe der Kirche hat Risse und ist nahe daran, einzustürzen.“ Dieselbe Erscheinung kam in der nächsten Nacht wieder; beim dritten Mal sprach sie: „Godrich, steh schnell auf und nimm die Bilder und den Schmuck des Altars und gehe möglichst geschwind hinaus, denn du stehst in ganz naher Todesgefahr.“ Kaum war der Sakristan zur Schwelle der Kirche hinausgetreten, so stürzte hinter ihm das Gewölbe der Decke herab und verschüttete den inneren Raum der Kirche.

 

Die heilige Theresia vom Kinde Jesu, Mystikerin, Kirchenlehrerin,

+ 30.9.1897 – Fest: 1. Oktober

 

Theresia vom Kinde Jesu, die kleine Theresia genannt zum Unterschied von Theresia der Großen, der Ordensreformatorin, unbeschuhte Karmelitin wie diese, am 2.1.1873 in Alencon geboren als jüngstes von neun Kindern, entstammte einer wohlhabenden, ganz aus dem Glauben lebenden Bürgerfamilie mit Namen Martin. Theresia war noch nicht fünf Jahre alt, als sie ihre geliebte Mutter verlor. Sie wurde sehr still und in sich gekehrt. Ihre Freude war es, ihren Schwestern zuzuhören, wenn sie ihr von Gott und dem Heiland erzählten. Sie versprach Gott, ihm niemals etwas abzuschlagen, um was er sie zu bitten scheine. Als sie einmal von der Lehrerin in der Schule gefragt wurde, womit sie sich an den freien Tagen zu Hause beschäftige, antwortete sie schüchtern: „Ehrwürdige Schwester, ich verstecke mich oft an einem kleinen, leeren Platz meines Zimmers, der durch die Vorhänge meines Bettes leicht abzuschließen ist, und dort denke ich nach . . . „ „Woran denkst du denn“, fragte lachend die Nonne. „Ich denke an den lieben Gott, an die Vergänglichkeit des Lebens, an die Ewigkeit; ich denke eben.“ Je tiefer das Kind den Wert Gottes erfasste, desto mehr wurde es auch von der Liebe Gottes ergriffen, und wie es immer klarer die Liebe Gottes begriff, die selig machen will und sucht, was sich an diese Welt verloren hat, umso mehr zog es Theresia, aus dieser Welt herauszugehen und durch Verleugnung ihrer selbst, durch Gebet und beständige Opfer ein Werkzeug in der Hand des Erlösergottes zu werden für die Rettung von Menschenseelen. Darum war es ihre Sehnsucht, ihren beiden Schwestern in den Karmel nachzufolgen, „den Priestern und Missionaren zu helfen und Jesus Christus unzählige Seelen zu gewinnen“ (Brevier). Im Karmel von Lisieux, der dem Ideal der großen Ordensreformatorin wirklich nicht entsprach, fand sie an den Geschöpfen keinen Trost und keine Hilfe. Umso mehr gab sie sich, wie ein Kind seinem Vater, Gott anheim. Umso vertrauender, liebender, hingebender suchte sie ihn unter der Hülle des Alltäglichen des täglichen Lebens. Man kann die höchste Vollkommenheit erreichen in der Tugend der Liebe, ohne außerordentliche Abtötungen, ohne auffallenden Gnadengaben, ohne große Werke zu verrichten, das war ihre Entdeckung. Heiligkeit bedeutet ihr nichts anderes als Heiligung des täglichen Lebens durch die Liebe. Diese Heiligkeit kann man überall üben: auf der Straße, am Arbeitsplatz, im Büro, im Geschäft, in der Familie, im Kloster. Dadurch, dass Theresia als Novizenmeisterin ein paar Novizinnen diesen evangelischen Weg des Kindseins vor Gott gelehrt hat, und durch ihre Lebensgeschichte, die „Geschichte einer Seele“, welche in Dutzende von Sprachen übersetzt ist, wurde diese mit 24 Jahren an Tuberkulose gestorbene Karmelitin die gefeierte Verkünderin einer allen Menschen zugänglichen Heiligkeit. Am Ende ihres Lebens hatte sie das Bewusstsein, diese Sendung zu haben: „Lieben, geliebt werden und wieder auf die Erde kommen, um die Liebe lieben zu lehren“, und das durch ihren „kleinen Weg“ des Kindseins vor Gott. „Die Vollkommenheit dünkt mir leicht: ich sehe, dass es genügt, unsere eigene Nichtigkeit zu erkennen und sich wie ein Kind in die Arme des lieben Gottes zu werfen.“ „Ich mache es wie die kleinen Kinder, die nicht lesen können: ich spreche mit dem lieben Gott ganz einfach, wie es mir mein Herz eingibt, und Er versteht mich immer.“ „Glänzende Taten vermag ich nicht zu verrichten. Ich kann nicht das Evangelium predigen oder mein Blut vergießen . . ., doch was tut`s? Meine Brüder arbeiten für mich, und ich kleines Kind knie am Thron des himmlischen Königs; ich liebe für die mit, die kämpfen.“ „Wenn alle zur Vollkommenheit berufenen Seelen, um zum Himmel einzugehen, solche Bußwerke wie die Heiligen verrichten müssten, so hätte der Herr es uns gesagt, und wir hätten sie dann hochherzig auf uns genommen. Aber er hat uns versichert, dass es dort oben viele Wohnungen gibt. Wenn es Wohnungen für die großen Seelen gibt, die Väter der Wüste und die Märtyrer der Bußübungen, so muss es auch Wohnungen für die kleinen Kinder geben. Und dort ist unser Platz.“ „Ich bin überglücklich, dass ich von dieser Welt fortgehe zum Himmel; aber wenn ich an das Wort des Herrn denke: Ich komme bald und bringe meinen Lohn mit, um jedem nach seinen Werken zu vergelten, dann sage ich mir, dass Er bei mir sehr verlegen sein wird; denn ich habe keine Werke . . . Ach, Er wird mir vergelten nach Seinen eigenen Werken!“ „O Jesus, ich flehe Dich an, senke Deinen göttlichen Blick herab auf eine große Zahl kleiner Seelen. Ich flehe Dich an, erwähle Dir in dieser Schar opfermütiger Seelen, die Deiner Liebe wert sind.“ Kurz vor ihrem Tod am 30.9.1897 sprach sie die prophetischen Worte: „Ich werde im Himmel nicht untätig bleiben. Wie glücklich wäre ich dort, wenn ich denen, die ich liebe, keine Freuden mehr auf Erden bereiten könnte. Mein Wunsch ist es, auch dann noch weiter für die Kirche und für die Seelen zu arbeiten. Der liebe Gott wird alles tun, was ich will; denn hienieden tat ich nie nach meinem Willen. Ja, ich werde Rosen regnen lassen über die Menschen.“

 

Theresia von Lisieux wurde von Papst Pius XI. am 29.4.1923 selig- und am 17.5.1925 ebenfalls von ihm heiliggesprochen. Die heilige kleine Theresia ist Patronin der Weltmission und Papst Johannes Paul II. erhob sie zur Kirchenlehrerin. 

 

Und nochmals: Die heilige Theresia vom Kinde Jesu,

Franziska Therese Martin, Karmeliterordensfrau von Lisieux,

+ 30.9.1897 – Fest: 1. Oktober

 

„Ich will mir den Himmel durch eine List gewinnen, die List ist die Liebe.“

„Der liebe Gott bedarf keineswegs langer Jahre, um das Werk seiner Liebe in einer Seele zu vollziehen. Ein einziger von seinem Herzen ausgehender Strahl kann seine Blume in einem Augenblick für die Ewigkeit erblühen lassen.“

 

Diese zwei Aussprüche der heiligen Theresia vom Kinde Jesu, dem Liebling in der Zeit der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und darüber hinaus unter den Heiligen, sind überaus bezeichnend für die Art, wie sie so schnell, mit kühnem Sprung sich zur Heiligung emporgeschwungen hat. Noch mehr erstaunlich ist es und drängt gleicherweise den Gedanken an eine „List“ auf, dass die „kleine weiße Blume“ im Garten der Kirche so rasch die amtliche Bestätigung ihres Heiligenduftes gefunden hat. Ist es doch Regel, dass zur Verhandlung über die Tugenden und Wunder eines Dieners Gottes, deren Anerkennung die Seligsprechung ermöglichen soll, erst fünfzig Jahre nach dem Tod des Seligzusprechenden geschritten wird. Die große Heilige Theresia von Avila gelangte vierzig Jahre, Ignatius von Loyola sechsundsechzig Jahre, Alphons von Liguori zweiundfünfzig, Vinzenz von Paul siebenundsiebzig Jahre nach ihrem Tod zur Seligsprechung. Freilich der Wundertäter Anton von Padua hat sie schon im ersten Jahr, der seraphische Heilige, Franziskus, und Klara von Assisi zwei Jahre, die liebe heilige Elisabeth von Thüringen vier Jahre nach ihrem Tod errungen. Der Karmelitin von Lisieux wurde 1921 mit der Bestätigung des Heldenmutes ihrer Tugenden der Titel „Ehrwürdig“ zuerkannt. Am 29. April 1923, also im fünfundzwanzigsten Jahr nach ihrem Hinscheiden, wurde sie in ungewöhnlich rascher Folge selig gesprochen und schon im Jubeljahr 1925 glänzte sie unter der großen Schar von Heiligen, denen Pius XI. die irdische Heiligenkrone aufs Haupt setzte. Und die List, durch die Theresia so überraschend schnell zu der kirchlichen Ehre gelangte und einen so ausnehmend weiten Freundes- und Verehrerkreis sich erwerben konnte, worin bestand sie? Nicht eben in ihrer heroischen Gottesliebe, ihrer kindlichen, vertrauensvollen Einfalt? Papst Benedikt XV. hat in seiner Rede, die er bei jener ersten kirchlichen Ehrung am 14. August 1921 mit so inniger Wärme und Begeisterung hielt, das Geheimnis der Heiligkeit dieses merkwürdigen Lebens ausgesprochen, nämlich die „geistige Kindheit“. Der Weg, der die fromme, junge Schwester des Karmel zur vollkommenen Tugend führte, ist der, den Jesus alle zu gehen verpflichtet mit den bestimmten Worten: „Wahrlich, ich sage euch, wenn ihr euch nicht bekehrt und wie die Kinder werdet, so werdet ihr nicht ins Himmelreich eingehen.“ In unserer Zeit des menschlichen Geistesstolzes und der Unbotmäßigkeit hat die göttliche Vorsehung, wie ehedem der Erlöser bei seinem Weilen auf Erden, ein Kind aus der Menge herausgenommen und es in die Mitte seiner Jünger, in den Gesichtskreis der ganzen katholischen Welt gestellt, um an ihm ein Beispiel zu bieten, wie alle, die Getreuen jeden Alters, Geschlechtes und Standes, hochherzig diesen Weg der geistigen Kindheit betreten müssen, um zum Vollalter Christi sich erheben zu können.

 

Wie in der leiblichen Kindheit der kleinen Erdenbürger sich nur in den Armen der Mutter sicher fühlt, der sich in aller Einfalt unbedenklich anvertraut, ebenso bedeutet und verlangt die geistige Kindheit ein kindlich-einfaltsvolles Vertrauen auf Gott und eine gänzliche Hingabe in seine Hände. Sie schließt den Stolz, die Selbstüberhebung und Selbstgefälligkeit aus. Sie ist des göttlichen Beistandes sicher. Wie Jesus die geistige Kindheit als absolute Vorbedingung für den Besitz des Himmelreiches fordert, so hat auch stets die Kirche die Helden der geistigen Kindheit gepriesen, die ihre Vollkommenheit nur aus den Geheimnissen schöpfen konnten, die ihnen Gott enthüllte. „Den Kleinen wird er sich offenbaren“ (Matthäus 11,25). Unserer „kleinen Theresia“ hat er sich geoffenbart. Durch sie offenbart er sich der Welt noch immer. Denn wenn „durch den Mund der Kleinen Gott Lob bereitet wird“, durch die Geschichte ihres Lebens, der „Geschichte einer Seele“, die Theresia im Gehorsam selbst geschrieben hat, verbreitet und kündet sie fortgesetzt Gottes Lob und reißt zur Liebe zu ihm hin, nicht weniger als unsere heiligen Gotteslehrer oder die Mutter des Karmelitenordens selbst, die große heilige Theresia, in der dem weiblichen Geschlecht die Doktorwürde der Gottesgelehrtheit zuteil geworden ist.

 

Franziska Theresia, geboren am 2. Januar 1873, war das neunte Kind des Juweliers Joseph Stanislaus Martin, eines frommen, mildherzigen Mannes in Alencon, Nordfrankreich. Die ebenso tiefreligiöse Mutter mehrte den Wohlstand der Familie durch Verfertigung der nach jener Stadt berühmten Spitzen. Schon frühzeitig, 1877, wurde sie aber dem teuren Kind durch den Tod entrissen. Um so sorglicher ruhte das Auge der himmlischen Mutter auf der kleinen Therese. Als diese im zehnten Lebensjahr an einer schweren Krankheit darniederliegend, vor Schmerzen fast dem Tod nahe, zur seligsten Jungfrau sich flehentlich um Hilfe wandte, da war es ihr, als ob die Statue der lieben Mutter Gottes sich plötzlich bewege. Vor unaussprechlicher Sanftmut, Güte und Zärtlichkeit erstrahlte Mariens Antlitz. Ein bezauberndes Lächeln drang Theresia bis auf den Grund der Seele. Das Leiden war verschwunden, die „kleine Blume“ dem Leben wieder gegeben.

 

Wie früh begann diese liebe Blume ihre Knospe zu entfalten und lieblichsten Wohlduft auszusenden! Eines Tages fragte eine der Ordenslehrerinnen das Kind, wie es an den freien Tagen sich beschäftige. Etwas furchtsam gestand es: „ich verstecke mich öfters in einem kleinen Raum meines Zimmers, den ich mit den Bettvorhängen abschließen kann, und dort denke ich.“ „Aber woran denkst du denn,“ fragte lachend die Ordensfrau. „Ich denke an den lieben Gott, an die Schnelligkeit des Lebens, die Ewigkeit; überhaupt ich denke.“ In wirklicher Betrachtung also unterrichtete der göttliche Meister liebevoll ihren Geist. Und die Liebe des Herzens begleitete ihr „Denken“. Ein „Kuss der Liebe des Heilands“ war die erste heilige Kommunion Theresiens: „Ich fühlte mich von ihm geliebt,“ schreibt die Glückliche, „und ich sagte ebenfalls zu ihm: Ich liebe dich und schenke mich dir für immer! Jesus stellte mir keine Frage, er verlangte kein Opfer. Schon seit langem hatte er und die kleine Therese einander angeschaut und verstanden. An diesem Tag konnte unsere Begegnung kein einfacher Blick mehr genannt werden, sondern eine Vereinigung.“

 

Noch aber war Therese ganz Kind und nicht frei von den Fehlern junger Mädchen. Lob vermochte auch bei ihr die liebe Eitelkeit und Selbstgefälligkeit wachzurufen. Sie war überaus empfindlich, weinte häufig über Nichtigkeiten, ob Leid oder Freud. Da hörte sie am Weihnachtsabend 1886 zufällig ein verwunderndes, schier tadelndes Wort ihres Vaters über die „zu kindliche Überraschung für ein so großes Mädchen“. Das drang ihr ins Herz, es mit einem Mal umwandelnd. Sie lernte sich selbst beherrschen, entsagen. Der bewusste Kampf um die Tugend fing an; erst schwer, wurde er bald süß und leicht. Der Heiland zog sie mit aller Kraft an sich. Nun war sie auch frei von den Skrupeln und Ängstlichkeiten wie von der großen Empfindlichkeit und ihr Geist entwickelte sich ungehindert immer mehr. Das war „die unschätzbare Gnade ihrer vollständigen Bekehrung“, wie die Heilige selbst sie nennt.

 

Beim Anblick eines Bildes des Gekreuzigten durchfuhr einmal ein so unaussprechliches Gefühl des Schmerzes das Herz der kleinen Therese, dass es zu zerspringen drohte. „O kostbares Blut, du rinnst zur Erde und niemand ist, der dich aufnimmt,“ seufzte sie. Von jetzt an tönte der Ruf des sterbenden Heilandes: „Mich dürstet!“ unablässig in ihrer Seele wider und entzündete dort ein ihr bisher unbekanntes, lebendiges Feuer, das Feuer des Seeleneifers, den Durst nach Seelen, den sie nun und mit Erfolg zu stillen sich abmühte.

 

Von jetzt an entfaltete die Kinderseele Theresias einen großen Ernst, eine außerordentliche Reife. Wollte hier der Herr in dieser schnellen Veränderung, in diesem raschen geistigen Wachstum und in der wahrhaft eiligen Arbeit, sich mit den Tugenden der geistigen Kindheit zu schmücken, nicht ein Beispiel hinstellen, wie sein göttlicher Ausspruch verwirklicht werden könne: Wenn ihr euch nicht bekehrt . . ., wenn ihr nicht werdet wie die Kleinen? Sehr bewundernswert in ihrem kindlichen Alter war auch die hohe Auffassung aller Dinge, die Gewohnheit, jegliche Schönheit, die sie an den Geschöpfen wahrnahm, auf Gott zurückzuführen und von ihm allein das Heilmittel bei eigenem und fremdem Leid zu erhoffen. Wie groß war die Schnelligkeit ihres Aufschwunges zu Gott in der Stunde der Beunruhigung und Angst! Sich wohl bewusst, dass sie sich nicht selbst genügen könne, nahm sie mit Kindeseile ihre Zuflucht zu häufigem Gebet. So vollständig war ihre Hingabe an Gott, dass sie es wagte, ihr Leben hier auf Erden mit jenem im Himmel zu vergleichen.

 

Werden wir uns noch wundern, dass für diese begnadete Jüngerin des Herrn auch die wichtigste Stunde des Lebens, die Entscheidung über den Beruf, ungewöhnlich früh sich ankündigte und beharrlich zur Erfüllung drängte! Wenn der Gärtner eine Frucht, die er vorzeitig zur Reife bringen will, mit besonderer Sorgfalt pflegt, so tut er dies nicht, um sie am Baum hängen zu lassen, sondern um sie als Schau- und Edelstück auf reiche Tafel zu bringen. Wenn in ähnlicher Absicht Jesus seine kleine Blume mit Gnaden überhäufte, so wollte er sie baldigst auf die Höhe verpflanzen, damit sie durch ihren Duft und ihre Farbenpracht, allen sichtbar, zur Freude und Gotteserkenntnis diene, auf die Höhe des Karmels, wo ihre Seelenschönheit behütet, früh vollendet und durch den Gehorsam in Wort und Schrift anderen Seelen, ja der ganzen Kirche zur Erbauung, zur Belehrung und zum unvergänglichen Ruhm gereichen sollte. Von den frühesten Jahren an war die heilige Theresia entschlossen, sich dem lieben Gott zu schenken. Mit dem 15. Lebensjahr aber wurde der göttliche Ruf so dringend, dass sie glaubte ihm nachkommen zu müssen, und wenn sie „durch Flammen gehen müsste“. Wahrhaftig, die Hindernisse schienen undurchbrechbar! Zwar war der Vater, der schon zwei seiner Töchter den Karmelitinnen in Lisieux gegeben hatte, bald zum Opfer auch seines liebsten Kindes bereit. Aber der Obere des Klosters wollte den Eintritt vor dem 21. Lebensjahr nicht erlauben. Keine ungeziemende Klage kam über Theresiens Lippen, Gott allein hörte die Seufzer der reinen Taube nach den Felsenklüften des Karmel. Eine persönliche Bitte an den Diözesanbischof in Bayeux brachte keine Entscheidung. Schweigend vertraute die Ordenspostulantin in kindlicher Hingabe ganz auf Gott, dessen Willen allein sie folgen wollte. Sie wagte aber mit einem bei einem so jungen Mädchen bewundernswerten Mut einen letzten Schritt, durch den sie glaubte Gottes Willen klar schauen und ausführen zu können. Nicht Eigenwille, sondern nur der höhere Zug, die Heldenhaftigkeit der Tugend lässt eine solche Beharrlichkeit und Standhaftigkeit im Handeln wirksam werden und erklären. Die gottinnige Jungfrau machte eine Pilgerreise nach Rom mit und ging geradewegs, trotz Abratens maßgebender Persönlichkeiten und gegen das Zeremoniell, den Vater der Christenheit selber um Erlaubnis an mit 15 Jahren in den Orden eintreten zu dürfen. „Mein Kind, befolge, was die Oberen entscheiden werden,“ war die Antwort Leos XIII. Und Theresia? Nochmals wagte sie eine Erwiderung. Sie war ganz Kind, das unbefangene, dem Drängen des Herzens folgende Kind, dem alles übrige gleichgültig ist. Tugend und Ausfluss geistiger Kindheit ist die nicht zweifelnde, fest vertrauende Hingabe an den gemeinsamen Vater aller guten Kinder, ist die anmutige Einfalt der Bitte: „O Heiligster Vater, wenn Sie Ja sagen wollten, dann würde es alle Welt auch wollen.“ Dabei legte das unschuldsvolle Kind die gefalteten Hände auf die Knie des Papstes. Mit durchdringender Stimme sprach dieser, scharf betonend: „Geh, geh! Du wirst eintreten, wenn der liebe Gott es will.“ Man musste sie emporziehen. Der gute Heilige Vater aber erhob seine Hand zum Segen und ließ noch länger liebevoll seine Augen der Gottesbraut folgen. War das nicht ein voller Misserfolg all der vielen Bemühungen? Der schöne blaue Himmel Italiens umdüsterte sich und schien mit der kleinen Therese weinen zu wollen. Alles vorbei! Nur nicht ihr kindliches Gottvertrauen! Ein Ball in der Hand des lieben Jesuskindes wollte sie sein, den das göttliche Kind werfen, drücken durfte nach Belieben. Und siehe, es geschah, „wie Gott wollte“! Noch ein kurzer Aufschub, und am 9. April 1888 wurde zu Lisieux eine gar jugendliche Karmelitin als „Theresia vom Kinde Jesu“ dem besonderen Gnadenschutz des himmlischen Kindes unterstellt, dessen Tugenden sie so zu ehren sich bestrebte.

 

Nun schritt die Heilige rasch der Vollendung entgegen. Sie tat nichts Außerordentliches, menschlich Großes: „Ich habe nie nach außergewöhnlichen Gnaden verlangt,“ so bekennt sie. Und doch war alles außerordentlich, alles groß an dieser Seele, die nur klein sein wollte. Die Tugend des Kindes von Nazareth, der Gehorsam den Oberen gegenüber war es, der sie zunehmen und groß werden ließ vor Gott und den Menschen. Gott führt die Seinen ja auf verschiedenen Wegen in den Himmel. Jeder kann die Heiligkeit erstreben, trotz aller Unvollkommenheiten. Theresia will sie auf „einem kleinen, ganz geraden, ganz kurzen Weg“ erstreben. „Ich bin zu klein, sagt sie, um die harte Treppe der Vollkommenheit emporzusteigen. Ich möchte einen Fahrstuhl finden,“ wie man ihn in großen modernen Häusern hat, um bequem in die Höhe gehoben zu werden. „Wenn jemand klein ist, so möge er zu mir kommen,“ heißt es im Buch der Sprichwörter und bei Jesaja: „Wie eine Mutter ihr Kind liebt . . ., so werde ich euch an meiner Brust tragen und auf den Knien euch liebkosen.“ „Ja, o Jesus, der Fahrstuhl, der mich in den Himmel erheben soll, sind deine Arme. Für diese brauche ich nicht zu wachsen, ich muss im Gegenteil klein bleiben und immer kleiner werden.“ Sie meint damit demütig, gehorsam werden. Indem sie so klein blieb, wuchs sie zur Größe. Sie verlegte sich auf die Übung ganz verborgener, kleiner Tugendakte. Tausenderlei Gelegenheiten suchte sie auf, sich den Mitschwestern dienstbar zu erweisen. An den am wenigsten bequemen Dingen fand sie ihre Freude.

 

Von innigstem Frieden umströmt, feierte St. Theresia vom Kinde Jesu am 8. September 1890 ihre Vermählung mit dem Himmel in der Profess. Und doch war dieses gotterwählte Kind, das seinen Beruf so heiß ersehnte und so beharrlich beschleunigte, gerade am Vorabend des großen Tages von dichtester Finsternis bezüglich ihres Berufes überfallen worden. Demütige, vertrauensvolle Eröffnung ihrer Meisterin gegenüber hatte den Feind alles Guten in die Flucht geschlagen. O wie oft siegte so die „Kleine! Gegen eine Ordensfrau empfand sie eine große natürliche Abneigung. Diese wollte sie überwinden, nicht nur durch gute Gesinnung, sondern auch durch Taten. Wenn sie darum der ihr so missliebigen Schwester begegnete, betete Theresia für sie und opferte ihr alle Verdienste auf. Wenn sie versucht war, ihr auf unangenehme Weise zu antworten, so beeilte sie sich der Unterhaltung eine andere Wendung zu geben. Wurde der innere Kampf gar zu heftig, floh die starkmütige Kämpferin wie ein furchtsames Kind ohne die Absicht merken zu lassen. So kam es, dass eines Tages jene Schwester mit strahlender Miene fragte: „Schwester Therese, wollten Sie mir wohl sagen, was Sie so sehr zu mir hinzieht? Ich begegne Ihnen nicht, ohne dass Sie mir das liebevollste Lächeln zeigen.“ O, was die Kleine anzog, das war Jesus, der auf dem Grund der Seele ihres Nächsten verborgen war, Jesus, der süß macht, was am bittersten ist.

 

Die sich so zu überwinden verstand, wurde bald für würdig gehalten, als Gehilfin der Novizenmeisterin an der Erziehung der Neulinge mitzuarbeiten. Diese hingen denn auch mit aller Liebe und größtem Vertrauen an ihrer jugendlichen Lehrmeisterin. Und welchen Weg lehrte sie die Novizinnen? „Mutter, den Weg der geistigen Kindheit, den Weg des Vertrauens und der vollständigen Hingabe. Ich will sie die kleinen Mittel lehren, die mir so ganz gelungen sind, ihnen sagen, dass hienieden nur eines zu tun ist: Jesus die Blumen kleiner Opfer zuzuwerfen und ihn so zu gewinnen.“

 

„Ich kenne nur ein Mittel, um die Vollkommenheit zu erreichen, und das ist die Liebe. Ja, lieben wir, denn dazu ist unser Herz geschaffen.“ – „O mein Gott, glorreiche Dreieinigkeit, ich verlange danach, dich zu lieben und andern deine Liebe einzuflößen, an der Verherrlichung der heiligen Kirche zu arbeiten durch Rettung der Seelen, die noch auf Erden leben, und durch Befreiung derer, die im Fegfeuer leiden.“

 

„Das einzige Mittel, um auf dem Weg der Liebe rasch voranzuschreiten, ist dieses, immer recht klein zu bleiben.“ – „Klein bleiben heißt sein Nichts erkennen, alles vom lieben Gott erwarten und sich über seine Fehler nicht allzu sehr betrüben; es heißt sich keine besonderen Verdienste aufspeichern wollen, sich über nichts beunruhigen. Klein bleiben heißt ferner, die Tugenden, die man übt, niemals sich selbst zuschreiben, sondern erkennen, dass sie ein Schatz sind, den der liebe Gott in die Hand seines kleinen Kindes legt, um sich seiner zu bedienen, wenn er dessen bedarf.“

 

„Für die großen Seelen geziemt es sich, wenn die Gewitterstürme toben, hoch über den Wolken dahinzufliegen; aber wir haben nichts weiter zu tun, als geduldig alle Widerwärtigkeiten zu ertragen. Wenn wir schließlich auch ein wenig nass werden, was schadet es, wir trocknen uns hernach im Sonnenschein der göttlichen Liebe.“ – „Ich habe es früher nicht immer fertiggebracht, immer gleichmäßig freundlich, liebenswürdig und ruhig zu sein; seit ich aber nie mehr und in nichts mich selbst suche, führe ich das denkbar glücklichste Leben.“ – „Der liebe Gott achtet die kleinen inneren Kämpfe keineswegs gering, diese gerade sind besonders verdienstlich. Der Geduldige gibt mehr als der Starke und der seine Seele beherrscht, tut mehr als der Städteeroberer.“

 

So dachte, so lehrte, so handelte die kleine Himmelsstürmerin. Und während sie demütig meinte, „nicht dem ersten, sondern vielmehr dem letzten Platz zustreben zu müssen“, erstrebte und errang sie in Wirklichkeit das Höchste.

 

Auf dem langen, schmerzlichen Krankenbett wurde die engelgleiche Jungfrau des Öfteren sichtlich durch Maria getröstet. „O wie ich die allerseligste Jungfrau liebe,“ rief sie eines Abends aus. „Wäre ich Priester, wie gut hätte ich über sie geredet! Man schildert sie als unnachahmbar, man müsste sie als nachahmbar schildern. Sie ist ja mehr Mutter als Königin. Ich habe sagen hören, dass ihr Glanz alle Heiligen in den Schatten stelle, wie die Sonne bei ihrem Aufgang die Sterne verschwinden macht. Wie sonderbar ist das doch! Eine Mutter, die den Glanz ihrer Kinder verschwinden macht! Ich, ich denke mir gerade das Gegenteil; ich glaube, dass die Jungfrau Maria die Herrlichkeit der Auserwählten um vieles vermehrt. Wie einfach scheint mir ihr Leben gewesen zu sein!“ Der kindlich-unschuldsvollen Seele scheint auch die größte Heiligkeit einfach und natürlich zu sein.

 

Wie Schwester Theresia des Öfteren um die geheimen Gedanken ihrer Mitschwestern gewusst hat, so scheint ihr, dem Vorbild der „Kleinen“, die Bestimmung nicht verborgen geblieben zu sein, die Gott ihrem Leben als Zweck gegeben hatte. Hierüber sprach sie auf dem Sterbebett: „Ich habe stets dem lieben Gott nur Liebe geschenkt, er wird mir dafür Liebe geben. Nach meinem Tod werde ich einen Regen von Rosen niederfallen lassen.“ Solche Worte möchten als das Gegenteil einer Kindesdemut erscheinen. Allein, wie Papst Benedikt XV. in seiner genannten Ansprache selber erklärt, solche Worte können nur als unter dem unmittelbaren Einfluss göttlichen Befehles gesprochen aufgefasst werden. Der Verstand des Menschen ist zu eng begrenzt, um ihm zu erlauben die Beweggründe des Allmächtigen zu verstehen, wenn er seinen Geschöpfen eingibt, was sie sprechen oder welche Ratschläge sie geben sollen. Wenn die heilige Gottesbraut versprochen hat, ihren Himmel damit zubringen zu wollen, auf Erden Gutes zu tun, Gott lieben zu lehren, so hat sie ihr Versprechen auch gehalten. „Denn die Gnaden, die ihrer Fürbitte zugeschrieben werden, sind unzählbar,“ wie der Heilige Vater öffentlich und feierlich bekannt hat. Ihm seien viele Briefe zugegangen, die von Errettung aus äußeren Gefahren durch Vermittlung der Heiligen berichten, wie auch von erfolgter Lebensänderung. Und darin vor allem besteht der versprochene Rosenregen des seligen Gotteskindes.

 

So lichtvoll und friedenspendend, wie Theresias Leben war ihr Tod am 30. September 1897. Gefragt, ob sie ergeben sei zum Sterben, antwortete sie: „O, ich finde, es bedarf der Ergebung um zu leben! Zu sterben ist für mich eine Freude . . . Die irdische Luft fehlt mir, wann werde ich die Luft des Himmels atmen!“ Im Ertragen der äußersten Schmerzen , die sie durch ihren dringenden Wunsch Seelen zu retten erklärte, gestand die Sterbende: „Es ist der ganz reine Todeskampf ohne Beimischung von Trost . . . Ich bereue es nicht mich der Liebe (nach Leiden) übergeben zu haben.“ Den Gekreuzigten anblickend, hauchte sie ihre letzte Liebesklage aus: „Nun gut! . . . Wohlan! . . . Wohlan! . . . O, ich möchte nicht weniger leiden! Oh! . . . Ich liebe ihn! . . . Mein Gott, ich . . . liebe . . . dich!“ Sie sank zurück, den Kopf zur Seite neigend. Plötzlich erhob sie sich wieder, wie von geheimnisvoller Stimme gerufen. Sie öffnet die Augen und heftet sie strahlend von himmlischem Frieden und unsäglichem Glück eine Zeitlang auf die Statue der Mutter Gottes. Dann holte „der göttliche Adler“ sie heim als köstliche Beute.

 

Wahrhaftig! Die gottinnige Seele durfte mit aller Zuversicht sprechen:

 

„Wie sollte der liebe Gott die Pforten seines Reiches seinen Kindern verschließen, die ihn so sehr geliebt, dass sie sich ihm ganz zum Opfer gebracht haben?“ – „Die Kleinen werden mit äußerster Nachsicht gerichtet werden. Es ist möglich, klein zu bleiben, selbst in den verantwortungsreichsten Ämtern. Steht nicht geschrieben, dass am Ende der Herr sich erheben wird, um allen Sanftmütigen und Demütigen auf Erden Heil zu schaffen? Er sagt nicht: richten, sondern Heil schaffen.“

 

Der heilige Remigius von Reims, Bischof,

+ 13.1.533 – Fest: 13. Januar

 

Innerhalb des alten Römischen Reiches hatte das Christentum in den ersten vier Jahrhunderten festen Fuß gefasst und war zu einem Segen für Land und Leute geworden. Dann jedoch kam die traurige Zeit der Völkerwanderung, in der von Norden und Osten her Volk auf Volk, Goten, Vandalen, Burgunder und Hunnen, heidnisch, wild und roh, auf der Suche nach neuen Wohnsitzen zum Westen und Süden drängten und Mordend und brennend alles niederrissen, was das Christentum aufgerichtet hatte.

 

In dieser Zeit wurde der heilige Remigius bereits mit zweiundzwanzig Jahren Bischof von Reims im heutigen Nordfrankreich und blieb es bis zum Tod im dreiundneunzigsten Lebensjahr. Der junge Bischof Remigius sah damals eine Welt, die er die seinige nannte, im Sturm der Völkerwanderung sang- und klanglos, glutig und blutig untergehen; aber der alte Bischof Remigius erlebte noch die Genugtuung, dass nicht ohne ihn eine neue Welt entstanden war, die germanisch-christliche Welt.

 

Es waren die Franken, die zur Zeit des heiligen Remigius im fünften Jahrhundert aus dem nördlichen Deutschland über das heutige Belgien in Frankreich einfielen. Wie in den heißen Ländern ein Heuschrecken- oder Ameisenschwarm auf seinem Zug alles zerstört, so dass kein Grashalm am Boden und kein Blatt am Baum der Vernichtung entgeht, so ähnlich hausten die brand- und mordlustigen Franken. Kirchen und Klöster gingen in Rauch auf. Städte und Dörfer verschwanden von der Bildfläche. In Blut und Tränen erstickte das Land, und der wildeste unter den Wilden war der Frankenkönig, Klodwig mit Namen.

 

Nichts nutzte es dem Bischof von Reims, dass er den Eroberer kniefällig um Schutz bat für Land und Volk. Der Barbar lachte ihn aus. Nichts auch nutzte es, dass des Königs heilige Gattin Klothilde den Gemahl um Schonung anging für die Kirchen und die Köster, denn allzu sehr zürnte der Heide dem Gott der Christen, weil ihm seine Götter den erstgeborenen Sohn durch den Tod entrissen hatten, da er auf Klothildes Drängen die Taufe des Stammhalters zuließ. Klodwig war hart und unzugänglich gegen alle Bitten von Bischof und Gattin, und da blieb nur noch das Beten übrig, und es beteten ein Heiliger und eine Heilige, lange und inständig, und wenn das geschieht, so kann es sein, dass sich Wunder ereignen.

 

Es kam der Tag von Zülpich. Die nachdrängenden Alemannen waren über die Franken hergefallen, und im Jahr 496 reifte bei Zülpich zwischen Bonn und Aachen die Entscheidungsschlacht, in der sich der Sieg nach langem Hin und Her den Angreifern zuneigte. Da rief Klodwig den Gott der Christen an und gelobte, sich mit dem Volk taufen zu lassen, wenn seine Franken vor der Vernichtung verschont blieben. Gleich wandte sich das Glück der Schlacht, die Alemannen flohen, ihr König fiel, und der ganze Stamm ergab sich auf Gnade und Ungnade dem Sieger Klodwig.

 

Das war am Tag von Zülpich, und Klodwig hielt Wort und ließ sich mit dreihundert Edlen am Weihnachtsfest 496 unter großen Feierlichkeiten vom heiligen Remigius zu Reims die Taufe spenden, und bevor über ihn das heilige Wasser floss, sprach zu ihm der Bischof die denkwürdigen Wort:

 

„Beuge, du stolzer Franke, dein Haupt und ehre, was du bisher verbrannt hast, und verbrenne, was du bisher verehrt hast.“

 

Klodwig hatte sich nach dem Wort gerichtet, und wenn er auch immer noch heidnisch dachte und oft noch heidnisch handelte, weil man trotz gutem Willen im Alter nicht mehr leicht umlernen kann, so begünstigte er doch fortan das Christentum, ließ die niedergebrannten Kirchen und Klöster wieder aufrichten und sorgte für die Ausbreitung des Glaubens. Dadurch legte er das Fundament, auf dem später das Heilige Römische Reich Deutscher Nation erstehen konnte. Deshalb aber ist das alles geworden, weil dafür ein heiliger Bischof und eine heilige Königin eifrig beteten. Solche Kraft liegt im Gebet, und an Remigius wurde zur Wahrheit, was die Heiligen Schrift weiß:

 

„Seht, das ist der Hohepriester, der in seinen Tagen Gott gefiel und gerecht befunden wurde. Zur Zeit des Zornes trat er auf als Mittler der Versöhnung… Den Segen für alle Völker gab er ihm.“

 

Remigius ist, wie so manche Heiligen zu ihrer Zeit, ein Mann von weltgeschichtlicher Bedeutung gewesen, und auch wir verdanken ihm heute noch zu einem Teil die gewaltigen Segnungen des Christentums, die das Leben erst lebenswert machen.

 

Schwester Maria Eleonora von der heiligen Theresia

Gedenktage und Lebensskizzen hervorragender

Mitglieder des Karmelitenordens

 

Am 1. Oktober verstarb 1726 zu Münstereifel im Rheinland die lobwürdige Schwester Maria Eleonora von der heiligen Theresia. Sie war am 29. Mai 1649 zu Brüssel geboren und hieß mit ihrem weltlichen Namen Maria Margareta Savonet, wurde aber gewöhnlich nach ihrem Stiefvater Ansalone genannt. Die Stellung ihres Stiefvaters, eines Hofrates des Kurfürsten Wilhelm an der Pfalz zu Düsseldorf, brachte es mit sich, dass M. Eleonora Kammerfrau der Erzprinzessin Eleonora Magdalena Theresia wurde. Hier winkte ihr ein herrliches Leben, sie zog jedoch die Einsamkeit und Armut des Karmel vor. Wohl blieb sie nach ihrem Eintritt am 16. März 1673 zeitlebens im brieflichen Verkehr mit ihrer einstmaligen Herrin, der späteren Kaiserin Eleonora, doch wünschte sie keineswegs mehr zu ihr zurückzukehren. Ihr fröhlicher Humor sprudelte im Kloster nicht weniger als ehedem am Hof. Als Krankenwärterin hatte sie Arbeit in Hülle und Fülle, so dass sie sich oft monatelang die Nachtruhe versagen musste. Doch klagte sie darum nicht, freute sich vielmehr, dem göttlichen Heiland zulieb, dessen Leiden und dessen gütiges Herz sie besonders verehrte, Opfer bringen zu können. Während sie großes Mitleid mit anderen empfand, ertrug sie die eigenen Schmerzen ohne ein Wort der Klage. Viele hatten deswegen keine Ahnung, wie reich an Tugend und Verdienst sie war, als der Herr kam, um sie zu sich zu nehmen.

 

Gebet am 1. Oktober

 

O heiligste Jungfrau und Königin des Himmels, Maria, ich, der ich einst ein Sklave des bösen Feindes gewesen bin, weihe mich jetzt für immer deinem Dienst, und bringe mich dir dar, um dich zu verehren und dir zu dienen die ganze Zeit meines Lebens. Nimm mich also zu deinem Diener an und weise mich nicht zurück. O meine Mutter, auf dich habe ich all meine Hoffnung gesetzt. Beschütze mich also, meine Gebieterin, stehe mir bei in den Angriffen der Hölle und lass nicht zu, dass ich von neuem Sünden begehe und deinen göttlichen Sohn Jesus beleidige. Nein, nie geschehe es, dass ich meine Seele, den Himmel und Gott neuerdings verliere. Dies ist die Gnade, o Maria, die ich wünsche, die ich verlange, die du mir erbitten musst. So hoffe ich es. Amen.

 

Zu Gott auf die Fürbitte der heiligen Theresia von Lisieux

 

Großer Gott, Du rufst Menschen in Deine Nähe, die nichts von sich selbst erwarten, sondern alles von Dir erhoffen. Führe uns den Weg der Demut und der Gotteskindschaft, den Du der heiligen Theresia gezeigt hast. Vollende auf ihre Fürsprache auch unser Leben in Deiner Herrlichkeit und lass uns Dein Antlitz schauen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Andacht am 1. Oktober:

 

Das Thema im Oktober:

Vertrauen

"Habt Vertrauen." (Markus 6,50)

 

"Nichts ist Gott unmöglich, denn unendlich ist Seine Macht. Nichts ist Gott schwer, denn unendlich ist Seine Weisheit. Mit unendlichem Verlangen verlangt Gott unser Heil; denn ohne Grenzen ist seine Güte. Was wäre je fähiger, uns großes Vertrauen auf Gott zu geben!" (Der ehrwürdige Laurentius Scupuli)

Der heilige Franz von Sales war von so großem Vertrauen auf Gott belebt, dass mitten unter den größten Unglücksfällen nichts wirksam war, den Frieden seiner Seele zu stören. Ich kann es mir nicht denken, sprach er, dass, wer an eine unendliche Vorsehung glaubt, die sich bis auf das geringste Gewürm erstreckt, nicht Gutes von allem erwartet, das nach ihrer Anordnung über ihn ergeht. 

Das große Vertrauen, das ein Mensch zu Gott hat, der da glaubt, dass Er bei allen Ereignissen ihm helfen kann, helfen will und zu helfen verlangt, ist Gott überaus angenehm, und tut Ihm so große Gewalt an, dass Er sich nicht erwehren kann, einen solchen mit wunderbaren Gnaden zu erfüllen; wegen der Ehre, die er ihm durch einen so vollkommenen Beweis von seiner Abhängigkeit und Liebe gibt. Diese Wahrheit offenbarte unser Herr der heiligen Gertrud, die dadurch zu dem lebendigsten Vertrauen ermutigt wurde.

 

Mein Gott, ich glaube, dass Du mir helfen kannst und willst; einzig meine Liebe forderst Du. Sieh, ich liebe Dich und vertraue auf Dich! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 1. Oktober

 

"Gebt immer allen ein gutes Beispiel;

lehrt die Tugend mit Worten und mit Handlungen.

Das Beispiel ist beredter, als alle Worte."

 

sel. Heinrich Seuse OP

1298 bis 25.1.1366

 

Betrachtung am 1. Oktober - Das Joch und die Bürde Jesu und der Welt

 

Dein leichtes Joch und deine sanfte Bürde,

O Jesu, tragen den, der fromm sie trägt;

Das Joch der Welt entehrt der Seelen Würde,

Und ihre Bürde ist mit Hass geprägt.

 

1. Worin besteht das Joch und die Bürde Jesu Christi? Darin, dass wir uns Gewalt antun, unser Kreuz ohne Murren tragen, und unsere Feinde aufrichtig lieben. Die Welt lehrt gerade das Gegenteil, und spottet derjenigen, die nicht allen ihren Gelüsten folgen. Gewiss aber ist es leichter, seine Begierden mit Gottes Gnade allmählich abzutöten, als sie jemals vollauf auszuleben, die gleich einem Feuer sind, das umso heftiger brennt, wenn mehr Brennstoff ihm aufgelegt wird. Dazu hilft auch Jesus selbst uns sein Joch tragen, und der Geist seiner Gnade wandelt alles Bittere in Lieblichkeit.

 

2. Das Joch und die Bürde Jesu bestehen in freundlichen Tugenden, in Sanftmut, Demut, Geduld und Liebe. Das Joch und die Bürde der Welt dagegen in Sünden und Lastern, in Unglauben, Fleischeslust, Geiz, Ehrsucht und Ungehorsam gegen das heilige Gesetz, eine Last, die bis zur Hölle hinabdrückt. Das Joch Jesu wird immer leichter, je länger es getragen wird. Seine Bürde ist gleich den Flügeln des Adlers, die zwar seine Schwere vermehren, die ihn aber bis in die Lüfte des Himmels erheben. Das Joch und die Bürde der Welt aber werden immer schwerer, und erfüllen zuletzt das Herz mit allen Schrecknissen der Hölle. Selig, wer das Joch Jesu trägt. Unglückselig aber in Zeit und Ewigkeit, wer das Joch der Welt sich erwählt.

 

3. Was aber erleichtert und versüßt das Joch und die Bürde Jesu? Die Liebe und die feste Hoffnung auf die künftige Seligkeit des Himmels. Und was erschwert und verbittert das Joch der Welt? Der Undank der Welt, getäuschte Hoffnungen und die Furcht vor dem künftigen Gericht, die, gegen den Willen des Sünders, in seinem Gewissen erwacht. So wunderbar wirkt die Liebe Jesu in seinen Auserwählten, dass sie ihre Trübsale nicht gegen die süßesten Freuden der Welt vertauschten, ja dass zahllose heilige Märtyrer und Bekenner ihre höchste Wonne in ihren Leiden für Jesus fanden. Gehen wir auf ihren Spuren, und erfahren werden wir die Wahrheit des Ausspruchs unseres Herrn in Matthäus 11,28-30: "Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen. Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir, denn ich bin gütig und von Herzen demütig, so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele. Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht."

 

2. Oktober

 

Der heilige Schutzengel

 

Im Sommer des Jahres 1951 machte die Familie Ferrand, Vater, Mutter, ein Kleinkind und eine sechsjährige Tochter mit dem französischen Vornamen Nicole, eine Reise mit dem D-Zug. Die Eltern waren müde und schliefen ein wenig ein. Da ging Nicole unbemerkt aus dem Abteil und schlenderte durch den Gang. Da sie zum ersten Mal mit der Eisenbahn fuhr, kannte sie sich noch nicht aus. Gerade in dem Augenblick brauste der Zug in einen Tunnel hinein, und es wurde im Nu stockfinster. Nicole schrie vor Schreck laut auf, tastete sich einige Schritte vor, fasste eine Klinke, öffnete eine Tür und stürzte hinab in die Dunkelheit des Tunnels auf die Schienen. Schrecklich!

 

Gleich darauf merkten die Eltern, dass Nicole verschwunden war. Man kann sich vorstellen, welche Angst sie ausstanden. Weil zum Glück die nächste Haltestelle nicht weit war, stiegen sie aus und meldeten dem Bahnhofsvorsteher, man hätte ihnen im Zug ihr Kind geraubt. Der Beamte befragte sie, überlegte und schickte zunächst einmal zwei Bahnangestellte an den Tunnel, damit sie nachschauten, ob das Mädchen vielleicht aus dem Zug gefallen war. Und richtig, als sie am Ziel waren, tauchte Nicole im Eingang des Tunnels auf. Sie war ein wenig verschrammt, sonst aber heil und gesund.

 

„Es ist und bleibt uns unerklärlich“, haben später die Eisenbahner gesagt, „wie das Kind den Sturz überstehen konnte. Wir können auch nicht begreifen, dass Nicole im Tunnel nicht unter die Räder kam, denn während der Stunde, die sie brauchte, um den achthundert Meter weiten Weg ins Freie zurückzulegen, kamen sieben Züge durch. Und als wir sie im Tunneleingang sahen, war sie so verstört, dass sie kehrtmachte und fast in einen Schnellzug hineingerannt wäre, der gerade heranbrauste. Wir konnten sie erst zwanzig Meter vor der Lokomotive erreichen und zur Seite reißen.“

 

Das erklärten die Eisenbahner, und nicht weniger interessant ist das, was Nicole selbst sagte, als sie erzählte:

 

„Ich machte eine Tür auf, und dann fiel ich. Es war sehr dunkel. Als ich aufwachte hatte ich Angst und weinte. Dann dachte ich, jetzt muss ich gehen, sonst sehe ich Papa und Mama nie wieder. Die Züge waren furchtbar laut, es war sehr kalt und nass. Der Rauch war so dunkel, dass ich immer wieder fiel, aber ich fand den Weg, weil ich mit den Fingern die Wand berührte. Als es hell wurde, hatte ich noch mehr Angst, weil ich nicht wusste, wo ich war und zwei Männer gelaufen kamen. Sie wollten mich fangen, und ich kehrte schnell um, aber sie bekamen mich doch.“

 

So erzählte Nicole selbst. Was kann man nun dazu sagen? Was sich die Eisenbahner nicht erklären konnten, können wir uns sehr leicht klarmachen, denn es ist offensichtlich, dass der heilige Schutzengel das Mädchen Nicole gerettet hat. Allen Menschen hat Gott in seiner Güte solche Schutzengel gegeben. Sie sollen uns an Leib und Seele beschützen, wie es die Heilige Schrift sagt: „Seinen Engeln hat Gott befohlen dir zu dienen, sie sollen wachen über dich auf allen deinen Wegen. Auf ihren Händen sollen sie dich tragen, dass niemals dein Fuß an einen Stein stößt.“

 

Es ist ein großes Glück, dass unser Vater im Himmel ausdrücklich den Kindern einen Schutzengel gegeben hat. Kinder sind oft noch unerfahren und unvorsichtig, dass keines von ihnen groß würde, wenn es keine Schutzengel gäbe, die sie vor Autos und Eisenbahn, vor Pferden und Hunden, vor Flüssen und Unwetter, vor Blitz und Stürmen treu behüten, ihnen helfen und sie aus der Not erretten würden. Nie kann man daher dem heiligen Schutzengel genug danken für seine Hilfe auf allen Wegen und Stegen Tag und Nacht.

 

Der Schutzengel behütet aber nicht nur unseren Leib, sondern bewahrt auch unsere Seele vor dem Unglück der Sünde. Das alles tut unser Freund, der Schutzengel, zu dem wir beten: „Engel Gottes, mein Beschützer, Gott hat dich gesandt, mich zu begleiten. Erleuchte, beschütze und führe mich. Amen.“

 

Maria und die heiligen Schutzengel

 

Am 2. Oktober begeht die katholische Kirche mit ihren Gläubigen das Fest der heiligen Schutzengel und gedenkt hierbei dankbar der vielfachen Gnaden und des vielfältigen Schirms, dessen sich jeder, insbesondere die Kinder, von Seite dieser Geister zu erfreuen haben, die Gott zu unserem Schutz erschaffen hat.

 

Fragen wir hier, wie verhielten sich die Schutzengel gegenüber der seligsten Jungfrau, so gibt uns die vielbegnadete Klosterjungfrau Maria von Agreda genügende Antwort. Von oben erleuchtet, berichtet sie hierüber Folgendes:

 

Der heiligen Jungfrau waren tausend Schutzengel zugeordnet. Unter ihnen taten sich mehrere in Liebe und Ehrerbietung Maria gegenüber hervor und erschienen ihr leiblich. Dies geschah in der Gestalt wunderlieblicher, schöner Knaben. Ihr Körper hatte etwas Überirdisches, Reines und glich einem leuchtenden Kristall. Ein seelenvoller, lieblicher Ernst lag über ihrer Erscheinung ausgegossen. Ein langes, bis auf den Boden herabwallendes Gewandt deckte ihre Glieder. Es schimmerte wie lauteres Gold und war wie von lichtem Sonnenschein umflossen. Auf dem Haupt trugen diese Knaben allerhand zierliche, von den lebhaftesten, schönsten Blumen geflochtene Kronen, die wunderbare Düfte ausströmten. In den Händen führten sie wohl Palmzweige. Auf der Brust trugen sie ein Symbol, den Ordenszeichen vergleichbar, die von den Rittern militärischer Orden getragen werden. In geheimnisvollen Chiffren standen auf diesen Zeichen mit verborgener Schrift die Worte: Maria, du Mutter Gottes. Maria selbst verstand diese Inschrift nicht. Von diesen Schriftzügen ging ein leuchtender Glanz aus. Die Engel zeigten Maria die Erhabenheit Gottes samt seinen Eigenschaften, sowie die Gnaden, die er ihr erwiesen, indem er sie erschaffen, auserwählt und mit so vielen Schätzen des Himmels ausgestattet hatte. Sie entflammten dadurch Maria zur Liebe Gottes. Im weiteren Verlauf der Zeit verdolmetschten sie ihr auch die verborgene Schrift, die sie in den Zeichen auf ihrer Brust führten.

 

Die siebzig Seraphim, die der Himmelskönigin beistanden, waren aus der Zahl derjenigen erwählt, die in der Andacht und Bewunderung des ewigen Wortes den höheren Eifer bezeigt hatten, denn sie hatten eine stärkere Sehnsucht, dass dieses Geheimnis durch eine reine Jungfrau bald in Erfüllung gehe. Wenn diese Seraphim sich sichtbar zeigten, geschah es in der Gestalt, in der es auch Jesaja geschaut hatte, nämlich mit sechs Flügeln. Mit zweien von ihnen bedeckten sie das Haupt und gaben durch diese Verdemütigung zu verstehen, wie sie noch nicht erleuchtet genug waren, das heilige Mysterium zu begreifen, das sie bedienen sollten. Allein sie glaubten es und priesen deshalb den heiligen, aber unbegreiflichen Ratschluss. Mit zwei anderen Flügeln bedeckten sie die Füße, die der untere Teil sind, der die Erde berührt. Hierin sollte die Königin und Frau des Himmels selbst und die menschliche und irdische Beschaffenheit ihrer Natur angedeutet werden. Aus Ehrerbietung verhüllten sie die Füße und wollten dadurch zu erkennen geben, wie sie Maria für eine allerhöchste, wegen ihrer unbegreiflichen Würde der göttlichen Majestät allernächste, über allen erschaffenen Verstand hinausreichende Kreatur hielten und ehrten. Die Bedeckung der Füße bezeichnete zugleich das Bekenntnis, dass die Seraphim, wie hoch erhaben sie auch sonst sind, mit Maria sich nicht vergleichen dürften. Mit den beiden Flügeln vor der Brust flogen sie, oder breiteten sie aus. Dies bedeutete zweierlei: Einmal die unablässige Bewegung, den beständigen Flug der Liebe Gottes und seines Lobes; und die tiefste Ehrerbietung, die sie ihm darbrachten. Sodann öffneten sie Maria das Innerste ihrer Herzen, worin wie in einem allerreinsten Spiegel die Strahlen der Gottheit aufgefangen waren und ihr entgegenleuchteten. Solange Maria noch auf der Erde lebte, konnte sich ihr die Gottheit nicht so beständig offenbaren. Darum verordnete die heilige Dreifaltigkeit, dass ihrer Tochter und Genossin die Seraphim als die unmittelbarsten und der Gottheit nächsten Geschöpfe als Beistände nahe wären, damit sie gleichsam in einem lebendigen Abbild das dargestellt erblicke, was sie nicht jederzeit im Urbild zu sehen vermochte.

 

Die zwölf Engel, die Johannes als die auf den zwölf Thronen genannten bezeichnet, erschienen Maria körperlich und waren den vorigen gleich. Nur hatten sie viele Kronen und Palmzweige für die Diener Mariens vorrätig und trugen solche in den Händen. Sie bedienten die begnadete Jungfrau und gaben ihr hauptsächlich die unaussprechliche Güte des Herrn den Menschen gegenüber zu erkennen, regten sie auch an, Gott zu loben und ihn zu bitten, seine Barmherzigkeit an den Menschen zu vollziehen. Maria wiederum bediente sich dieser Engel, um mit Einsprachen und Beistand denen zu Hilfe zu kommen, die die Himmelskönigin anrufen, oder denen sie ihren Schutz zuwenden will, wie es später mit den Aposteln häufig der Fall war.

 

Noch waren 18 besondere Engel zu Mariens Dienst verordnet, die besonders eine liebende Teilnahme für die Trübsale und Leiden des menschgewordenen Wortes an den Tag legten. Diese stellten sich der allerseligsten Jungfrau in einer bewunderungswürdigen Schönheit dar. Sie waren mit allerhand Zeichen des Leidens und anderen Geheimnissen der Erlösung geschmückt, namentlich trugen sie Kreuze von außerordentlicher Schönheit und Glanz auf Brust und Armen. Auch dieser Engel bediente sich Maria zu Botschaftern. Alle Formen, unter und mit denen die Engel sich zeigen, sind nur Sinnbilder der Vollkommenheiten und Eigenschaften dieser himmlischen Abgeordneten, die nur schwach das ausdrücken, was ich dahinter erblicke. Denn sie sind unsichtbare Strahlen der Gottheit, überaus behänd in ihren Bewegungen, mächtig in ihrer Kraft, vollkommen in ihrem Verstand, unveränderlich in ihrem Willen. Was sie einmal lernen, vergessen und verlieren sie nicht wieder. Sie sind bereits voll Gnade und Herrlichkeit ohne Gefahr, sie zu verlieren. Unkörperlich und unsichtbar nehmen sie, wenn Gott einem von uns Menschen die Gnade ihrer wahrnehmbaren Gegenwart angedeihen lassen will, einen Luftkörper an. Alle die tausend Engel, die dem Dienst Mariens gewidmet wurden, waren unter den höchsten ihrer Ordnung auserwählt. Diese Erhabenheit besteht vornehmlich in der Gnade und der Herrlichkeit. Noch heute erfreuen sie sich des Anblicks und der Gesellschaft der Mutter Gottes. Einige sind erkoren, ihre Botschafter zu sein.

 

Hier endet, was Maria von Agreda über die Schutzengel und Maria sagt.

 

Soviel auch die heiligen Schutzengel für uns tun können, und wirklich tun, Maria vermag mehr als sie, weil sie als Mutter Gottes eine höhere Macht besitzt, die Engel aber sind nur Diener des Herrn. Auch liebt Maria uns als Mutter, während die Engel nur unsere Diener, oder sozusagen unsere Brüder sind. Darum lasst uns die Schutzengel ehren und lieben. Höher aber wollen wir noch Maria, die Gottesmutter verehren und lieben, jetzt und allezeit, und auf sie unser unerschütterliches Vertrauen setzen. 

 

Bruder Hermann vom heiligen Hippolyt

Gedenktage und Lebensskizzen hervorragender

Mitglieder des Karmelitenordens

 

Am 2. Oktober 1707 ging zu Koblenz ein Laienbruder, Hermann vom heiligen Hippolyt, für den der Chronist dieses Klosters kaum Worte des Lobes genug findet, ins Jenseits hinüber. Hermann (Hermann Sigenii) war am 15. Januar 1641 zu Köln geboren und dort ins Kloster eingetreten. Er besaß eine unvergleichliche Sanftmut und eine geradezu unerschöpfliche Liebe zu den Kranken. Damit verband er ein so gemessenes Benehmen und doch wieder eine so große Anmut im mitmenschlichen Verkehr, dass Mitbrüder und Obere, wie die Laien jeden Standes und Geschlechtes sich unwiderstehlich zu ihm hingezogen fühlten. Man sagte allgemein: "Dass Bruder Hermann zum Zorn oder zum Unwillen gereizt werden könnte, ist unmöglich." Die Liebe, die ihn beseelte, hatte nicht nur im Gefolge, dass er Mitleid mit allen Leidenden fühlte, sondern dass er auch zu jedem Dienst und zu jeder Gefälligkeit bereit war, die man von ihm wünschte, ganz besonders den Oberen gegenüber. Gleich eifrig und treu wie als Krankenwärter erwies er sich als Almosensammler, als Schneider und Koch. Eben war er wieder mit der Krankenpflege betraut, als ihn selbst der Schlag traf und aufs Krankenlager warf. Der Anfall war so arg, dass man nicht zögerte, ihm die heiligen Sakramente zu spenden. Vier Tage rang Bruder Hermann mit dem Tod, bis er inmitten seiner Mitbrüder, die sich trauernd und betrübt über seinen Verlust bei ihm zusammenfanden, verschied. "Er ist sonder Zweifel ins ewige Leben eingegangen," schreibt der Chronist, "denn ich erinnere mich nicht gelesen zu haben," um mit dem heiligen Hieronymus zu reden, "dass jemand eines schlimmen Todes gestorben wäre, der gerne Werke der Liebe verrichtete; ein solcher hat ja viele Fürbitter und es ist unmöglich, dass die Gebete vieler unerhört bleiben."

 

Pater Alfons

Gedenktage und Lebensskizzen hervorragender

Mitglieder des Karmelitenordens

 

Am 2. Oktober 1846 erfolgte zu Bagdad in Kleinasien der Tod des lobwürdigen Karmelitenmissionars Pater Alfons. Pater Alfons war Oberer der Mission zu Bagdad, als daselbst im Jahr 1846 gerade eine große Choleraepidemie herrschte. Anfang August begann die Seuche in Bagdad zu wüten. Die große Hitze begünstigte ihr Umsichgreifen. Die Einwohner starben zu Tausenden. Infolgedessen war die Aufregung allgemein. Pater Alfons vervielfachte sich im Dienst an den Sterbenden. Trostlos über den unsäglich traurigen Anblick, der sich ihm überall darbot, bat er Gott inständig, das Opfer seines eigenen Lebens anzunehmen und dafür dasjenige so vieler Unglücklicher zu verschonen. Am 30. September wandte er sich am Schluss der Heiligen Messe plötzlich zu den Anwesenden und sagte mit leuchtendem Antlitz: "Fasset Mut, meine Brüder und Schwestern; die Cholera wird aufhören, sie wird ihr letztes Opfer holen." Am nächsten Morgen wurde er von der Seuche erfasst und starb am 2. Oktober, 48 Stunden nach seiner Vorhersagung. Er war wirklich das letzte Opfer. Mit seinem Tod hörte die Seuche vollständig auf. Noch heute wird das Andenken dieses Karmeliten von den Christen wie das eines Heiligen in Ehren gehalten. 

 

Stoßgebet zum heiligen Schutzengel

 

Engel Gottes, mein Beschützer, dir bin ich durch die Güte des Himmlischen Vaters anvertraut, erleuchte, beschirme, leite und regiere mich. Amen.

 

Ein Gebet für Große und Kleine

 

So oft ich atme aus und ein,

will grüßen ich den Engel mein,

und auch die Engel all der andern,

die mit mir durchs Leben wandern.

 

Zum heiligen Schutzengel

 

Du mein Schutzgeist, Gottes Engel,

weiche nicht von mir,

leite mich durchs Tal der Mängel

bis hinauf zu dir!

 

Lass mich stets auf dieser Erde

deiner Führung würdig sein,

dass ich immer besser werde,

und mein Herz stets bleibe rein!

 

Sei zum Kampf an meiner Seite,

wenn mir die Versuchung winkt;

steh mir bei im letzten Streite,

wenn mein müdes Leben sinkt!

 

Sei in dieser Welt voll Mängel

stets mein Freund, mein Führer hier!

Du mein Schutzgeist, Gottes Engel,

weiche nicht von mir!

 

Sterbegebet zum heiligen Schutzengel

 

Heiliger Engel, mein Bruder und Freund, du hast mich mein ganzes Leben hindurch an Leib und Seele beschützt. Du warst immer bei mir, hast die Höhen und Tiefen meines Lebens gesehen. Dass ich nicht aus Gottes Hand gefallen bin, verdanke ich besonders deinem himmlischen Beistand. 

Nun nähert sich mein irdisches Leben seinem Ende. An der Schwelle zur Ewigkeit rufe ich dich mit glühendem Herzen an, mir jetzt den größten Liebesdienst zu erweisen: mir im Tod beizustehen, meine Seele vor Gottes Angesicht zu geleiten und dort mein Fürsprecher zu sein.

Welches Glück wird uns beide erfüllen, wenn wir gemeinsam den allmächtigen Gott preisen dürfen in alle Ewigkeit. Amen.

 

Gebet zu Maria am 2. Oktober

 

Heilige Mutter Maria, in wie viele Sünden wäre ich schon gefallen, in welches Elend geraten, wenn deine schützende Hand mich nicht bewahrt hätte. Fahre fort, deine schützende Hand mir zu reichen und alles, was mir zeitlich oder ewig schaden könnte, fern - weit fern zu halten, damit ich so genötigt werde, stets deine Hilfe zu preisen. Amen. 

 

Zu Gott

 

O Gott, der Du Deine heiligen Engel zu unserem Schutz sendest, lass uns allezeit die Macht ihres Schutzes erfahren, und einst die Freude ihrer Gesellschaft ewig genießen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

An diesem Tag hat Papst Gregor XIII. im Jahr 1578 einen Teilablass jenen verliehen, die fünf Psalmen, deren Anfangsbuchstaben Maria ergeben, beten würden.

 

Andacht am 2. Oktober:

 

Das Thema im Oktober:

Vertrauen

"Habt Vertrauen." (Markus 6,50)

 

"Gewiss ist es, dass Gott, was uns heilsam und förderlich ist, weit inniger verlangt, als wir selbst es verlangen. Besser als wir weiß Er, auf welchem Weg das, was uns nützlich ist, uns zukommen kann. Die Wahl dieser Mittel liegt gänzlich in seinen Händen; da Er es ist, der alle Dinge ordnet und die ganze Schöpfung lenkt. Gewiss ist es, dass bei Vorfällen, die uns treffen können, das, was geschehen wird, immer das Beste für uns sein wird.! (Der heilige Augustinus)

Der heilige Franz von Sales, der wusste, dass alle Ereignisse, ohne Ausnahme, nach der Anordnung der göttlichen Vorsehung sich ergeben, verließ sich mit größerer Ruhe auf sie, als ein Kindlein auf die Mutter vertraut, an deren Brust es ruht. Er sagte, der Herr habe ihn hierüber schon von früher Kindheit an belehrt; und wenn er noch einmal auf die Welt käme, würde er die menschliche Klugheit noch weit mehr verachten, als er sie bis dahin verachtet hatte, und sich gänzlich von der göttlichen Vorsehung leiten lassen.

Wir lesen in dem Leben des heiligen Felix von Nola, dass die Feinde dieses Heiligen, die ihn suchten, um ihn zu martern, ihm selbst auf dem Markt begegneten und befragten, ob er nicht den Priester Felix kenne. Er antwortete ihnen: "Ich habe ihn niemals von Angesicht zu Angesicht gesehen." Nach dieser Antwort versteckte er sich in den Trümmern eines alten Gebäudes. Da aber diese Satansknechte danach erfuhren, dass der, der mit ihnen gesprochen hatte, sei eben jener Felix, den sie suchten, eilten sie den Trümmern zu, ihn dort zu fangen; Gott aber, der seinen Diener beschützte, ließ es zu, dass in demselben Augenblick eine Spinne den Eingang des Ortes mit einen ungeheuren Gewebe bedeckte; so dass die Feinde bei diesem Anblick es als Torheit betrachteten, zu glauben, dass ein Mensch hier hineingegangen ist, und sich wieder entfernten; auf diese Weise wurde der Mann gerettet.

 

O Gott, dessen väterliche Güte so groß für mich ist, auf Dich verlasse ich mich, wie der Säugling auf seine Mutter: denn nun und nimmer wirst Du mich verlassen, wenn ich Dir mit Liebe diene! Amen. 

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 2. Oktober

 

"Liebenswürdigster Heiliger Geist,

ich beschwöre dich,

dich nie von mir zu entfernen und mich nicht zu verlassen,

solange ich in diesem Tal der Tränen lebe."

 

sel. Heinrich Seuse OP

1298 bis 25.1.1366

 

Betrachtung am 2. Oktober - Vom festen Vertrauen auf Gott

in Versuchungen

 

Hält dir der Feind den Spiegel hin,

Dein Angesicht zu schauen,

Und fasst dich drob Ergrauen

Und der Verzweiflung schwarzer Sinn,

So brich darum den Spiegel nicht;

Doch wasche schnell dein Angesicht.

 

1. Wenn bei der Erinnerung an die Sünden deines verflossenen Lebens Angst und Schrecken dich überfallen, die deine Hoffnung auf Gottes Barmherzigkeit erschüttern, und es dir scheint, alles sei verloren, so lass mit diesen Gedanken dich in keinen Streit ein und gib ihnen kein Gehör, sondern sprich mit dem Propheten: "Ein Abgrund, Herr, ruft den andern an!" Ein Abgrund von Bosheit, Lastern und Missetaten ist mein verflossenes Leben, Herr, aber ein unendlich tieferer Abgrund ist deine ewige Barmherzigkeit, in der der Abgrund meines Elends wie ein Tropfen im Meer verschwindet. Es genügt mir dein Eid, dass du den Tod des Sünders nicht willst, sondern dass er sich bekehre und lebe.

 

2. Überlass dich auch niemals der folternden Angst, ob du zur Anzahl der Auserwählten gehörst oder nicht, und ob du bis ans Ende ausharren wirst. Denn dies sind verborgene Geheimnisse Gottes, und auch die tiefsinnigsten Gottesgelehrten können nicht in sie eindringen. Lege dein Heil mit Vertrauen in Gottes Hände, erwecke Akte seiner Liebe, arbeite für seine Ehre und weiche nicht vom Weg seiner Gebote. Unendlich besser ist es, deine Zeit auf diese Dinge, als auf jene unnützen Fragen zu verwenden, und weit mehr wirst du dein Heil dadurch sichern, als durch eine Verzweiflung, die Gott beleidigt und dich selbst peinigt. 

 

3. Drängt aber der böse Geist dich mit der Versuchung, seine Götzen anzubeten und den Lüsten des Fleisches und der Welt dich zu ergeben, weil du am Ende dennoch verdammt wirst, so antworte großmütig mit den drei hebräischen Jünglingen, Daniel 3,17-18: "Der Gott, dem wir dienen, kann uns von dem Feuerofen und aus deinen Händen erretten. Tut er es aber nicht, so wisse, dass wir dein goldenes Bild dennoch nicht anbeten." Lieben werde ich meinen Gott und ihm dienen um seiner selbst willen, auch wenn ich nicht selig würde. Diese großmütige Liebe wird den Teufel bald in die Flucht treiben, und dein Herz mit dem freudigsten Trost erfüllen. Psalm 31,15-16a: "Ich aber, Herr, ich vertraue dir, ich sage: Du bist mein Gott. In deiner Hand liegt mein Geschick."

 

3. Oktober

 

Die heilige Menna, Jungfrau von Fontenoy le Chatel bei Toul,

+ 4. Jhd. - Fest: 3. Oktober

 

Es gibt nur noch eine einzige alte Handschrift, die von dem Leben dieser heiligen Jungfrau berichtet und zwar auch nur vom Hörensagen; denn die heilige Menna war schon lange gestorben, als jemand anfing ihre Lebensgeschichte aufzuschreiben:

 

„Die selige Jungfrau Menna, würdig, von allen Rechtschaffenen gepriesen zu werden, glänzte in ihrem Dorf Segont wie ein Leuchter an finsterem Ort. Die Mutter eines so herrlichen Abkömmlings hieß Lientrud und hat eine Grabstätte in der Kirche des Apostelfürsten Petrus in der berühmten Stadt Romarichsberg. Der Vater wurde Mansuns genannt; der besaß ein ansehnliches Gut und ein vorzügliches Schloss, das aber jetzt ganz zerfallen und gleichsam vernichtet ist.

 

Die selige Menna zeigte schon bei der Geburt durch den Liebreiz körperlicher Anmut, welcher Gestalt später die Schönheit ihrer Seele sein werde. Ihr Vater, als Herr des Gebietes, ersuchte den heiligen Bischof Memmius, er möge selbst dem Kind bei dem geheimnisvollen Brunnen der Wiedergeburt Taufpate sein. Der Bischof wurde das mit Freuden. Da er aber ein Mann von wunderbarer Erleuchtung war, so erkannte er im Heiligen Geist den innewohnenden Keim der künftigen Heiligkeit und begehrte, man solle ihm das Kind wieder bringen, wenn es fünf Jahre alt geworden war. Die Eltern taten, wie sie gebeten wurden und brachten dem heiligen Paten das geliebte Pfand zurück, indem sie ihn freundschaftlich baten, das kleine Mädchen in allem Guten zu erziehen und zu bilden. Sehr erfreut übergab Memmius das Kind einem Haus von Jungfrauen, die Tag und Nacht Christus dienten, damit es hier fünf weitere Jahre lang in Kenntnissen und Sittsamkeit sorgfältig unterwiesen werde. Die Dienerinnen Gottes liebten die junge Schülerin ganz einzig und unterrichteten sie vortrefflich im göttlichen Gesetz und den Wissenschaften des Heils, soweit das jugendliche Alter es fassen konnte.

 

Nachdem nun fünf Jahre in diesem Lernen gottseliger Kenntnisse abgelaufen waren, fingen die Eltern an, wie es die Natur mit sich bringt, ein sehnliches Verlangen nach ihrer geliebten Tochter zu bekommen und sie zurückzubegehren; der heilige Bischof konnte sie aber unter keinem Vorwand länger zurückbehalten; sein edles Gemüt hätte solches ebenso wenig ihm zugelassen, als die bedeutende Macht des hochgestellten Vaters. Da sonach jeder Versuch, das Mädchen zurückzubehalten vergeblich war, sandte er das Kind zurück, wohl ausgestattet mit Kenntnissen und Tugenden, gab ihr aber vorher noch viele eindringliche Ermahnungen, wie sie in dem Guten, das sie gelernt und gewonnen habe, standhaft beharren solle. So tat nun auch die fromme Menna; was sie in klösterlicher Abgeschlossenheit gelernt hatte, das übte sie nun, soweit möglich, an dem väterlichen Hof aus. Alle, die ihren Wandel sahen, wurden von Verehrung und Liebe zu ihr erfasst. Sie war von sehr schöner Leibesgestalt, aber doch schöner war sie durch Frömmigkeit und durch unermüdliche Ausübung guter Werke; und es war natürlich, dass von jedermann die geliebt wurde, die mit der Zierde ausgezeichneter Tugend geschmückt war. Menna wurde daher von vielen Männern aus edlem Geschlecht zur Ehe begehrt, und die Eltern hatten auch wirklich im Sinn, sie zu verheiraten.

 

Als dies zur Kenntnis der Jungfrau kam, weigerte sie sich standhaft, ihre Jungfräulichkeit mit dem Ehebündnis zu vertauschen. „Nur das Lamm“, sprach sie, „begehre ich zum Bräutigam, der die süße Freude der Himmelsbewohner ist und dessen Schönheit nicht in Verwesung übergeht, der selbst die Toten lebendig macht. Einen sterblichen aber suche ich nicht, irdischen Schmuck verachte ich wie Auskehricht, Reichtümer wie Unrat, Landgüter wie Dunghaufen; denn meine Seele hat die unendlich schöne und kostbare Perle gefunden.

 

Der Vater verachtete solche Rede als Weibergedanken und strebte auszuführen, was ihm im Kopf feststand; der Hochzeitstag wurde anberaumt, reiche, prachtvolle Zurüstungen gemacht. Unterdessen betete die gottselige Jungfrau inständig unter vielen Tränen zu Christus, empfahl ihm ihre Jungfräulichkeit, dass er diese nicht vernichten lasse durch eine aufgezwungene Ehe. Christus aber schaute herab auf den frommen Kampf seiner geliebten Dienerin und brachte ihr Hilfe, indem er ihr einen heilsamen Ratschluss einflößte. Starkmütig fasste sie den Vorsatz, heimlich zu entfliehen, und von einigen Vertrauten Dienerinnen begleitet, nahm sie den Weg zu ihrem Taufpaten und Erzieher, zu dem heiligen Memmius. Als sie bei ihrem gottseligen Beschützer ankam, hielt er gerade eine geistliche Ratsversammlung; er nahm sie mit Anstand und Würde auf; sie hielt aber die Ursache ihres Kommens noch zurück, und gedachte, erst am anderen Tag sie kund zu tun.

 

Am Morgen darauf, da der Bischof auf seinem bischöflichen Thron in der Versammlung saß, trat Menna vor ihn hin und begehrte von ihm eine Aussteuer oder ein Patengeschenk, was er ihr als Taufpate nicht verweigern könne. Die ganze Versammlung und der Bischof selbst wunderten sich und fragten, was sie damit meine? Da sprach sie: „Wie du weißt, mein Herr, habe ich es dir zu verdanken, dass ich den Weg des ewigen Lebens kennen gelernt habe; allein der Vater will das Vorhaben meines Herzens vernichten und will mich in die Banden der Ehe und die Angelegenheiten der Welt verstricken. Derartigen Dingen aber ist meine Seele ganz entgegen. Deshalb bin ich gekommen, um bei dir Hilfe zu suchen, überzeugt, dass wenn du ernstlich willst, du mich diesen Widrigkeiten entreißen kannst. Ich bitte daher deine Güte inständigst, vollende an mir das gute Werk, wozu du schon früher in mir den Grund gelegt hast; bedecke mein Haupt mit dem Schleier des Lammes, als Zeichen meiner unwiderruflichen, heiligen Verlobung mit Jesus Christus.“

 

Indem sie dieses sagte, zog sie den Schleier hervor, fiel auf die Knie nieder und bat unter vielen Tränen mit inbrünstigem Flehen, er möge sie doch unverzüglich einkleiden. Zwar zeigte sich das selige Kirchenhaupt stets begierig nach Rettung der Seelen, aber hier glaubte es, obschon ungern, sich weigern zu müssen, da die Macht und Gewalttätigkeit des Vaters, sowie auch desjenigen, welchem Menna schon zugesagt worden war, zu fürchten sei.

 

Während nun der Bischof zaghaft den Schleier ausgebreitet hielt, wurde er ihm von unsichtbarer Gewalt aus den Händen genommen und der Jungfrau über das Haupt gebreitet. Alle Anwesenden sahen es und sagten dem allmächtigen Gott unendlichen Dank, der an seiner Dienerin ein so wunderbares Zeichen tun wollte. Und es ist nicht zu verwundern, wenn diejenige von den Engeln zum Orden eingekleidet wurde, die durch so große Tugend in der Welt leuchten sollte. Das Gerücht von dem Wunderzeichen an seiner Tochter gelangte auch zu den Ohren des Vaters. Dieser, der vorher nicht gestatten wollte, dass Menna ausschließlich dem Herrn diene, gab nun freiwillig und gern seine Einwilligung dazu. Nachdem sie noch einige Zeit des Unterrichtes wegen bei dem heiligen Bischof verweilt hatte, sandte er sie zum Vater zurück, wo sie mit Liebe und Verehrung aufgenommen wurde.“

 

Die heilige Menna hatte es nach Gott hauptsächlich ihrem Taufpaten zu verdanken, dass ihr Geist eine so hohe gottselige Ausbildung bekam. Dies ist es gerade, weshalb die katholische Kirche die Anordnung getroffen hat, kein Kind zu taufen, ohne einen oder zwei Taufpaten. Diese sollen nicht bloß im Namen des Kindes versprechen, dass es den christlichen Glauben annehmen und ein christliches Leben führen wolle, sondern sie sollen auch darum besorgt sein, dass dieses Versprechen auch befolgt werde, sie sind Bürge vor Gott und der Kirche. Nun könnte man einwenden, die christliche Erziehung sei Sache der Eltern. Allein manchmal sterben die Eltern früh hinweg, oder sie sind unwissend, voll Weltsinn und führen selbst keinen guten Wandel; da sollen nun die Taufpaten sich um das Kind kümmern; sie sollen die Reserve der Eltern sein, oder vielmehr die geistlichen Eltern des Kindes selbst. Es ist darum ein schönes christliches Werk, ein Kind über die Taufe zu heben, aber nur dann, wenn du imstande und willens bist, dich ernstlich um das Seelenheil des Kindes anzunehmen, sobald es zu den Jahren der Vernunft kommt. Aus diesem Grund sollen aber auch Eltern bei der Wahl eines Taufpaten nicht vor allem fragen, ob er reich, angesehen, verwandt und dergleichen ist, sondern ob von ihm erwartet werden könne, dass er sich einmal wahrhaft um das Heil des Kindes annehme, und nicht die Sache mit einem Geldgeschenk abtue.

 

Sonst wird von der heiligen Menna noch weiter erzählt, dass sie nach dem Tod ihres Vaters mit einer Dienerin die Heimat verließ und am Fuß der Vogesen zu Fonteneto sich niederließ und dort ihr heiliges Leben vollendete. Ein Teil ihrer Reliquien wird in Metz aufbewahrt und verehrt.

 

Die beiden heiligen Ewalde, der Weiße und der Schwarze,

Priester und Märtyrer in Sachsen,

+ 3.10.695 – Fest: 3. Oktober

 

Von glühendem Eifer beseelt, ihr Leben der Verkündigung des Christentums im Land der Altsachsen, dem ihre Vorfahren entstammten, zu weihen, kamen aus England nach dem Vorangehen Willibrords, zwei Brüder, namens Heuwald oder Ewald, um im Land der Sachsen Christus zu verkündigen. Ihre Schicksale hat uns ihr Landsmann und Zeitgenosse, der ehrwürdige und wahrheitsliebende Beda, in kurzen Zügen gezeichnet.

 

Als der Mann Gottes, Eckbert, gesehen hatte, dass es ihm selbst nicht gestattet sei, hinzugehen und den Heiden zu predigen, weil er wegen eines anderen Nutzens der Kirche, worüber er durch eine Offenbarung belehrt worden war, sich gebunden fühlte, und dass auch Wictbert, der in jene Gegenden gezogen war, nichts ausrichtete, so versuchte er es noch, zum Bekehrungswerk heilige und tatkräftige Männer auszusenden, unter denen besonders Willibrord durch Priestertum und Verdienst hervorleuchtete. Als diese, zwölf an der Zahl, dorthin gelangt waren, wurden sie vom Frankenkönig Pipin freundlich aufgenommen und da er unlängst Friesland erobert und den König Radbot dort vertrieben hatte, so sandte er sie zur Verkündigung des Evangeliums dorthin und förderte sie durch einen königlichen Befehl mit dem Inhalt, dass keiner es wagen solle, der Predigt Hindernisse in den Weg zu legen, und sicherte zugleich denen, die sich zum Glauben bekehren würden, vielerlei Begünstigungen zu. Daher kam es, dass sich unter dem Beistand der göttlichen Gnade in kurzer Zeit viele vom Götzendienst zum christlichen Glauben bekehrten.

 

Ihrem Beispiel folgend, kamen zwei Priester vom Volk der Angeln, die, um das ewige Vaterland zu gewinnen, fern von ihrem Heimatland lange in Irland gelebt hatten, in die Provinz Altsachsen, ob sie vielleicht durch ihre Predigt einige für Christus gewinnen könnten. Beide besaßen aber, wie dieselbe Frömmigkeit, so auch denselben Namen, denn beide hießen Heuwald oder Ewald, mit dem Unterschied jedoch, dass nach der Farbe des Haupthaars der eine der schwarze, der andere der weiße Ewald genannt wurde. Beide besaßen eine gleiche Begeisterung für die Religion, dem schwarzen Ewald aber war eine größere Bekanntschaft mit den hl. Schriften eigen.

 

Als sie in die Provinz kamen, traten sie als Gäste bei einem gewissen Hofbesitzer ein und baten ihn, er möchte sie zu dem Häuptling, unter dem er stehe, bringen lassen, weil sie ihm etwas Wichtiges zu berichten hätten. Die Altsachsen haben nämlich keinen König, sondern eine Menge über das Volk gesetzter Häuptlinge, die, im Falle ein Krieg auszubrechen droht, gleichmäßig das Los darum werfen, und welchen von ihnen das Los trifft, dem folgen sie, so lange der Krieg dauert, als ihrem Feldherrn und sind ihm untertan. Ist der Krieg aber zu Ende, dann haben wieder alle Häuptlinge eine gleiche Gewalt. Der Hofbesitzer nahm sie also auf, und mit dem Versprechen, sie ihrem Wunsch gemäß zu dem Häuptling entsenden zu wollen, unter dem er stand, behielt er sie mehrere Tage bei sich.

 

Als nun die rohen Leute wahrnahmen, dass die Fremdlinge einer anderen Religion zugetan waren, da sie stets dem Psalmengesang und Gebeten oblagen und Gott dem Herrn täglich das heilige Messopfer darbrachten, zu dem Zweck sie die heiligen Gefäße und eine zum Altar geweihte Platte mit sich führten, wurden sie für verdächtig gehalten, und man befürchtete, wenn sie zu dem Häuptling kämen und mit ihm redeten, möchten sie ihn von seinen Göttern abwendig machen und zur Annahme der neuen Religion des christlichen Glaubens bewegen, und so allmählich ihre ganze Provinz genötigt sein, ihre alte Religion gegen eine neue zu vertauschen. Darum fielen sie plötzlich über sie her und erschlugen sie, den weißen Ewald rasch mit dem Schwert, den schwarzen aber unter langen Marterqualen und mit grausiger Verstümmelung aller seiner Gliedmaßen und warfen die Erschlagenen in den Rhein.

 

Als aber der Häuptling, den sie hatten aufsuchen wollen, dies erfahren hatte, geriet er in Zorn, dass man Fremde, die ihn aufsuchen wollten, daran hinderte, und schickte hin und ließ alle jene Dorfbewohner töten und das Dorf niederbrennen. Die beiden Priester und Diener Christi erlitten den Martertod am 3. Oktober 690.

 

Ihr Martertod blieb nicht ohne himmlische Wunderzeichen. Als nämlich die Leiber der Erschlagenen von den Heiden in den Fluss geworfen waren, trug es sich zu, dass sie gegen die starke Strömung des Flusses beinahe viertausend Schritte weit bis in die Gegend, wo ihre Gefährten sich befanden, hinaufgelangten. Ferner leuchtete ein übergroßer, zum Himmel hinaufreichender Lichtstrahl die ganze Nacht hindurch über dem Ort, wohin sie gerade gelangt waren, was sogar von den Heiden, die sie erschlagen hatten, gesehen wurde. Ja einer von ihnen erschien im nächtlichen Gesicht einem ihrer Gefährten, namens Tilmon, einem seinem früheren weltlichen Stand nach angesehenen Mann von Adel, der aber aus einem Krieger ein Mönch geworden war, ihm anzeigend, dass er an jener Stelle ihre Leichname finden könne. Dieses Traumgesicht ging wirklich in Erfüllung. Die aufgefundenen Leichname wurden mit der den Märtyrern gebührenden Ehre beigesetzt. Der Tag ihres Martyriums wird in jener Gegend mit schuldiger Verehrung gefeiert. Als endlich der ruhmreiche Frankenherzog Pipin Kunde davon erhalten hatte, ließ er die Leichname holen und mit großem Gepränge in der St. Kunibertskirche zu Köln am Rhein beisetzen. An der Stelle, wo sie erschlagen worden waren, sprudelte ein Quell hervor, der dort noch bis auf den heutigen Tag eine reiche Wasserfülle spendet.

 

Im Jahr 1074 erhob der Erzbischof Anno II. die Gebeine der heiligen Ewalde und überließ ihre beiden Häupter Münster in Westfalen, wo ihr Andenken noch heute gefeiert wird. Westfalen verehrt sie als Landespatrone.

 

Der heilige Johann Massias, Laienbruder bei den Dominikanern,

+ 16.9.1645 – Fest: 16. September / 3. Oktober

 

Einzelne Züge aus seinem Leben:

 

Der heilige Laienbruder Johann Massias aus dem Dominikanerorden, liebte die Armen außerordentlich. In seiner Eigenschaft als Pförtner war er mit der Verteilung der Kloster-Almosen betraut. An jedem Morgen bereitete er vor, was für seine lieben Armen nötig war. Das Magdalenenkloster war nicht reich, und konnte seiner Mildtätigkeit nicht immer Genüge leisten. Dann wendete er sich an seine Freunde, besonders aber an Gott. Wie oft hat nicht unser Herr das Brot und die Speisen vermehrt, damit es für alle Arme ausreichen sollte? Die heilige Jungfrau bezeichnete ihm oft die Personen, die ihm unter die Arme greifen konnten. Er hatte in seiner Zelle ein Muttergottesbild, und wenn ihm etwas mangelte, sagte er zu ihm mit bewunderungswürdiger Zuversicht: „Meine Mutter, du weißt, dass meine Armen Hunger sterben, und dass ich ihnen nichts geben kann: an wen soll ich mich wenden?“

 

„Verlange von dem und dem“, antwortete die heilige Jungfrau. Er ging dahin und man gab ihm. Einmal jedoch verweigerte ihm ein Kaufmann ein wenig Leinwand für einen Armen, der ganz bloß war. Der Diener Gottes kam betrübt ins Kloster zurück. Aber die göttliche Rache blieb nicht aus, denn von jenem Augenblick an blieb der Laden des Kaufmanns wie verödet. Dieser Mann fiel in eine tiefe Schwermut, indem er sich zugrunde gerichtet sah. Seine Nachbarn fragten ihn um die Ursache. Er sagte sie ihnen, und sie gaben ihm zu verstehen, sein Ruin komme von seiner Härte gegenüber dem Diener Gottes. Sogleich lief er zu ihm, um seinen Fehler gut zu machen. Und bei seiner Rückkehr fand er seinen Laden voller Leute, die, wie früher, bei ihm einkauften.

 

Der Heilige war oft in Not, und beinahe jede Nacht sagte er zu der allerseligsten Jungfrau: „Liebe Mutter Gottes, morgen werden meine Armen fast nichts zu essen haben: ich will zu dem und dem schicken?“

 

„Schicke nur hin,“ antwortete ihm unsere gute Mutter, „mein Sohn wird ihr Herz erweichen, und sie geneigt machen, dir zu geben, was du brauchst.“

 

Wenn er des Nachts vor der Bildsäule Unserer Lieben Frau den Rosenkranz betete, so kamen die Armen Seelen aus dem Fegfeuer scharenweise zu ihm, und baten ihn, Mitleid zu haben mit ihren Leiden: O Diener Gottes,“ sagten sie zu ihm, „denke an uns. Ach! Vergiss uns nicht vor Gott, befreie uns von den Peinen, die wir auszustehen haben.“

 

„Was kann ich denn tun, ihr Armen Seelen?“ antwortete er ihnen zuweilen, „was vermag ein elender Sünder, wie ich bin?“

 

Sie baten ihn daraufhin seine Gebete, sein Fasten, seine Kasteiungen, seine Strengheiten Gott für sie aufzuopfern, da sie wohl wussten, dass der Herr sie zum Ersatz für ihre Sünden annehmen würde. Der Heilige verdoppelte seine Kasteiungen, machte sie länger und blutiger. Jede Nacht betete er drei Psalter, den ersten für die Armen Seelen im Fegfeuer, den zweiten für die Ordensleute, den dritten für seine Verwandten, Wohltäter und Freunde. Wenn er zur heiligen Kommunion ging oder wenn er einen Ablass gewann, so wendete er ihnen das Verdienst davon zu. Zwanzigmal des Tages rannte er in die Kirche, wenn er einen Augenblick frei hatte, um für sie um Barmherzigkeit zu bitten. Er mergelte sich ab, um anstatt ihrer zu leiden. Die Armen Seelen erwiesen sich dankbar gegen ihn für das, was er für sie tat. Wenn er von Gott ihre Befreiung erwirkt hatte, so kamen sie, bevor sie in die ewige Herrlichkeit eingingen, zu ihm, um ihm zu danken und ihm ihre Erlösung mitzuteilen. Ihre Freude war seine schönste Belohnung, an solchen Tagen war er überglücklich. Aber es kamen wieder andere, die um seine Fürbitte baten, und er fing für sie mit einem bewunderungswürdigen Mut wieder von vorne an. Weiß man, wie viel Gutes ein Mensch tun kann, wenn er will? Eines Tages wurde der Heilige von seinem Beichtvater gefragt, wie viele solcher Armer Seelen er befreit habe? Er schwieg anfangs, als er aber beim Gehorsam aufgefordert wurde, gestand er, bevor er starb, dass die Zahl sich auf eine Million und viermalhunderttausend belaufe. Welches Gefolge für einen armen Laienbruder, da er in den Himmel sich hinaufschwang! Welch schöne Krone hatte er in einem unbekannten, verachteten Stillleben sich erworben! Welche Güte endlich von Seite unseres Herrn Jesus Christus, der diese auserwählten Seelen mit Gnaden überhäuft, um gleichsam einen Kanal zu haben, durch den die Wellen seiner Barmherzigkeit auf uns herabströmen! Er wirkt nochmals für die armen Sünder, wenn er seine Heiligen erschafft.

 

Er hatte die zärtlichste Andacht zu Maria, und die allerseligste Jungfrau hatte dagegen ihre Freude daran, ihn mit ihren Wohltaten zu überhäufen. Folgendes ist neben vielen anderen ein merkwürdiger Beweis davon. Der Diener Gottes hatte die fromme Gewohnheit, einen Teil seiner Nächte in der Rosenkranz-Kapelle zuzubringen, um vor dem Altar der Mutter Gottes zu beten. Öfters traf man ihn über der Erde schwebend in Verzückung. Während er nun eines Nachts betete, wurde die Stadt durch ein furchtbares Erdbeben in Schrecken versetzt. Die entsetzten Mönche flüchteten sich in den Kreuzgang, wo sie sicherer zu sein glaubten. Der Heilige machte es wie die übrigen und war eben im Begriff, die Kapelle zu verlassen, als Maria ihm vom Altar zurief:

 

„Bruder Johann, Bruder Johann, wohin gehst du?“

 

„Mutter,“ antwortete der Heilige, „ich fliehe, wie die anderen vor der Strenge deines göttlichen Sohnes.“

 

„Komm zurück,“ versetzte die Mutter Gottes, „fürchte nichts, ich bin bei dir.“

 

Der Diener Gottes begab sich wieder ins Gebet, indem er unsere gute Mutter bat, den Zorn unseres Herrn zu besänftigen. Als er die Augen zu ihr aufschlug, sah er ihr Antlitz von einem so blendenden Licht erstrahlen, dass die ganze Kapelle dadurch erleuchtet wurde, und in demselben Augenblick hörte das Erdbeben auf. Von da ab flüchteten sich, wenn diese Geißel Lima bedrohte, die Mönche und andere Personen in diese Kapelle, wo sie immer eine sichere Stätte gegen das Toben und die Wut der in diesem Erdbeben fessellos waltenden Dämonen fanden.

 

Geboren wurde der Heilige am 2. März 1585 in Spanien. Am 16. September 1645 starb der heilige Johann Massias mit sechzig Jahren in Lima in Peru, gestärkt durch den Besuch unseres Herrn und der allerseligsten Jungfrau. Er wurde im Jahr 1836 von Papst Gregor XVI. selig- und am 28. September 1975 von Papst Paul VI. heiliggesprochen. Die Dominikaner feiern sein Fest am 3. Oktober.

 

Pater Albizus Azolino

Gedenktage und Lebensskizzen hervorragender

Mitglieder des Karmelitenordens

 

Gedächtnis des lobwürdigen Pater Albizus Azolino. Pater Albizus ging aus dem Konvent der Karmeliten zu Florenz hervor. Er war ein Mann von hervorragender Klugheit, der die Gabe zu regieren besaß wie selten einer. Dazu führte er ein Leben von bewunderungswürdiger Bußstrenge, fastete wie die alten Wüstenväter und brachte ganze Nächte im Gebet zu. Deshalb wurde er auf den Leuchter gestellt und berufen, die Mitbrüder zu leiten, zuerst als Provinzial von Toscana, dann als Generaldefinitor. Im Jahr 1428 starb er im Ruf der Heiligkeit. Jahrhundertelang genoss er nur private Verehrung; nun wird aber daran gearbeitet, dass die ihm von jeher erwiesene Verehrung die oberhirtliche Gutheißung erhält.

 

Gebet am 3. Oktober

 

Demütigste Jungfrau, die du ungeachtet deiner vollkommensten Heiligkeit und göttlichen Mutterschaft dich immer gering und klein vor den Augen Gottes und der Menschen gesehen hast, erwirke mir von deinem geliebten Sohn, dass ich dir in der Demut nachfolge und meinem Gott gefalle, der an demütigen Seelen ein besonderes Wohlgefallen hat. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Am heutigen Tag im Jahr 1569 wurden die Calvinisten in Frankreich mit den Hilfstruppen des heiligen Papstes Pius V. bei Jarnac von den Katholiken, gegen die sie die Waffen ergriffen hatten, siegreich geschlagen. Man schrieb diesen Schutz der seligsten Jungfrau zu, die man durch den Rosenkranz um Hilfe eifrig angerufen hatte.

 

Andacht am 3. Oktober:

 

Das Thema im Oktober:

Vertrauen

"Habt Vertrauen." (Markus 6,50)

 

"Willst du außer Zweifel sein, dass du auf Gott vertrauen kannst und sollst? - Sieh, der Herr spricht: Nie werde ich dich verlassen, immer werde Ich mit dir sein. - Wenn ein ehrlicher und zugleich mächtiger Mann dir dies versprechen würde, so würdest du auf ihn vertrauen: nun aber verspricht es dir Gott, und du zweifelst! - Verlangst du noch einen sichereren Bürgen als das unfehlbare Wort Gottes? Sieh, Er gab die Verheißung, Er schrieb sie auf und verpfändete sein Wort; beleidigen würdest Du ihn daher, wenn du nicht großes Vertrauen zu Ihm hättest." (Der heilige Augustinus)

Der heilige Hugo, Bischof von Langres, wurde einst bei Nacht unruhig und erschrak heftig, wegen eines Vorfalls, der ihn zu bedrohen schien. Doch nicht lange und er kehrte zu sich selbst zurück, klopfte an die Brust und sprach: "Was mache ich da, ich Unglückseliger! Hat nicht Gott verheißen, in unseren Gefahren uns beizustehen; und ich fürchte mich! - Wenn irgend ein Übel mir widerfährt: geschieht dies nicht weil Gott es zulässt und zu meinem Besten?"

Die heilige Rosa von Lima war, so wie ihre Mutter, von Natur aus sehr furchtsam und schüchtern. Um keinen Preis wäre sie in der Nacht ohne Licht von einem Zimmer ins andere gegangen; allein außer um zu beten; denn in einem solchen Fall hörte sie auf, sich zu fürchten; oder sie überwand ihre Furcht. Da sie nun einst am Abend sich in den Garten entfernt hatte, um dort zu beten, und länger als gewöhnlich ausblieb, geriet ihre Mutter in Besorgnis, es könnte ihr irgendetwas geschehen sein, und beschloss in ihrer zärtlichen Muttersorge, obwohl nicht allein, denn dazu war sie zu ängstlich, sondern in Begleitung ihres Gemahls, die geliebte Tochter aufzusuchen. Sobald Rosa sie sah, beendete sie ihr Gebet; entschuldigte sich über ihr langes Ausbleiben und kehrte mit ihnen zurück. Da sie nun unterwegs war, dachte sie nach und sprach: "Wie, meine Mutter, die so außerordentlich furchtsam ist, fürchtete sich dennoch nicht, mich aufzusuchen, weil ihr Gemahl bei ihr war; und ich könnte mich fürchten, die ich immer von meinem göttlichen Bräutigam begleitet werde, der mir zur Seite steht und in meinem Herzen wohnt?" - Dieser Gedanke verscheuchte ihre Furcht für immer! Und sogar wenn sie später wirklich eine Ursache sich zu fürchten hatte, sprach sie: "Kein Übel werde ich fürchten, dieweil Du mit mir bist!"

 

Mein Gott, meine festeste Zuversicht gründe ich auf Dich, der Du sprachst: "Ich werde dich niemals verlassen, und werde immerdar bei dir sein!" Beleidigen würde ich Dich fürwahr, wenn ich Deinem Wort nicht glaubte, der Du die ewige Wahrheit bist! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 3. Oktober

 

"Die Andacht des heiligen Rosenkranzes

ist ein Pfand der Auserwählung."

 

sel. Alain de la Roche OP

1428 bis 8.9.1475

 

Betrachtung am 3. Oktober - Von der Heiligung der Sonn- und Feiertage

 

Wann werde ich, mein Gott, vor dir erscheinen

Und selig mit den Scharen mich vereinen,

Die in den Höhen unter Jubelklang

Allewig singen deinen Lobgesang.

 

1. Kein Gebot des alten Bundes verpflichtete strenger, als das Gebot der Heiligung des Sabbats, und mit keinem auch waren größere Verheißungen verknüpft. Auf das Strengste waren alle knechtlichen Werke verboten, weil der Tag dem Herrn geheiligt und zu seinem Lob und seiner Verherrlichung bestimmt war. Darum auch ging die Heiligung dieses Tages in das Christentum über, und wurde zur Ehre der Auferstehung des Herrn in den Sonntag umgewandelt. Die Juden indessen glaubten, sie feierten diesen Tag zur Genüge, wenn sie knechtlicher Arbeiten sich enthielten, und vergaßen darüber der Werke der Liebe und Barmherzigkeit, ja sie verfolgten sogar den Herrn Jesus, weil er am Sabbat Kranke durch ein Wort seiner Barmherzigkeit heilte, gleich als wären seine allmächtigen Wunder knechtliche Werke.

 

2. Verdiente aber dieser Aberglaube der Juden strengen Tadel: was verdient wohl der furchtbare Missbrauch, den so viele Christen von den Gott geheiligten Tagen machen, die sie zu aller Ausgelassenheit, zu Tanz und Spiel und zu allen Lastern verwenden, ohne, oder doch kaum, in der heiligen Stätte zu erscheinen, wo sie selbst das göttliche Opfer durch ihre fehlende Ehrerbietung entehren, gleich als wären alle Laster und Ausschweifungen gerade für diese Tage aufbewahrt. Wenn wir in dieser heiligen Zeit selbst, wo wir unsere Wunden heilen sollen, sie mit neuen vermehren: wann werden wir je geheilt werden? Dürfen wir uns noch wundern, wenn die Wirkungen des göttlichen Zorns auf so vielen Einzelnen und ganzen Städten und Ländern sichtbar sind.

 

3. Betrauern wir diese furchtbare Blindheit, und heiligen wir die Tage des Herrn mit Ehrfurcht durch Hinzutritt zu den Quellen des Heils, die seine unendliche Güte für unsere Heiligung einsetzte. Durch andächtige Erscheinung beim unblutigen Opfer unserer Erlösung, durch Danksagung für die zahllosen Wohltaten unseres Gottes, durch Betrachtung der heiligen Geheimnisse und durch fromme Werke der Nächstenliebe und der Barmherzigkeit. Besuchen wir die heiligen Tempel und erfreuen wir uns im Herrn über unsere glorreiche Bestimmung, ihn einst im Himmel ewig zu lieben und im Verein mit allen seinen glückseligen Heiligen zu loben in alle Ewigkeit. Exodus 20,8: "Gedenke des Sabbats: Halte ihn heilig!"

 

4. Oktober

 

Der heilige Franziskus Bernardone von Assisi,

Diakon, Ordensstifter,

+ 4.10.1226 - Fest: 4. Oktober

 

Wie war die Jugend des heiligen Franziskus? Dass das einzige Kind des reichen Kaufmanns Bernardone ebenfalls Kaufmann wird, war für den Vater eine ganz klare Sache. Zumal sich der Sohn durch eine angeborene ungezwungene Liebenswürdigkeit im Umgang mit Menschen für den Kaufmannsstand sehr gut eignete. So stand der junge Franz Bernardone hinter dem Ladentisch, ging mit Maß und Schere um, verkaufte Nähgarn, Samt und Seide. Aber sein Herz war von all dem weit entfernt, denn nicht Arbeit und Verdienst lockten ihn, ihn zog es vielmehr mit allen Sinnen, mit Auge und Ohr und Herz, zum Leben und zur Lust. So verlief für Franz Bernardone die Jugendzeit.

 

Dann kam eine andere Zeit für ihn, die war überreich an Freuden. Da kleidete sich der Kaufmannssohn von Assisi prächtig und prunkvoll. Um Freunde brauchte er nicht besorgt zu sein, denn viele kamen, weil seine Tasche immer mit Geld gefüllt war. Mit einer Gitarre im Arm und mit einem Lied auf den Lippen zogen sie scherzend und lachend über die Berge. Die Abende verbrachten sie bei Wein und Tanz in den Schenken der Weingärten. Die Eltern drückten beide Augen zu, denn sie freuten sich, dass der Sohn wie ein König unter den Gleichaltrigen geehrt wurde. Bemerkenswert ist es, dass sich Franz bei aller Lust am Feiern, mit der er das Leben in vollen Zügen genoss, der Armen annahm und sie reich beschenkte. Schön wie ein Lied war für Franz Bernardone dieses Leben.

 

Aber schon früh änderte sich sein Leben. Schwere Krankheit und kurze Kriegsgefangenschaft bildeten den Anfang. Von Äußerlichkeiten, von Spiel und Zeitvertreib, flüchtete sich der junge Mann in die Einsamkeit zum Gebet vor den stillen Kapellen an den Wegen und in den Weinbergen. Und als er einmal vor einem Kreuzbild in einem zerfallenen Gotteshaus kniete, glaubte er die Stimme des Gekreuzigten zu hören, der ihn aufforderte, die einstürzende Kirche wieder aufzubauen. Der Auftrag war bildlich gemeint, denn Franz hat später durch seinen Orden die Kirche Gottes auf Erden vor dem Zerfall gerettet. Im Augenblick verstand er aber den Befehl jedoch wörtlich. Mit eigener Hand trug er Steine und Mörtel herbei, um das Kirchlein draußen vor den Toren Assisis wiederaufzurichten. Und das Geld, das er für den Kirchbau brauchte, holte er sich aus der reichen Kasse daheim. Als ihn der Vater daraufhin enterbte, gab ihm der Sohn auch die Kleider zurück, die er am Leib trug, und zog die Lumpen an, die ihm ein Bettler schenkte. Nun stand Franz Bernardone, bisher der Liebling aller, im Gelächter aller.

 

Am 24. Februar 1208 hörte Bernardone bei einer Verlesung des Evangeliums jene Stelle, in der Jesus seine Jünger mahnt, dass sie weder Gold noch Silber noch zwei Röcke noch Schuhe noch Stab besitzen sollten. Wieder verstand Franz die Worte wörtlich. In der gleichen Stunde vermählte er sich mit der Armut um Christi willen. Bettelarm wurde er und nannte sich ab jetzt Bruder Franziskus, der die Sterne und die Blumen und die Tiere und alle Menschen, die Armen besonders, seine lieben Brüder und Schwestern nannte.

 

Doch aus dem scheinbar dürren Stamm zu Assisi keimte und wuchs neues Leben. Durch sein Beispiel zog der Heilige Männer und Frauen an. Drei Orden, die größten, die es je gegeben hat, bildeten sich, aus denen im Laufe der Zeit noch viele andere entstanden, so dass der Baum, der Franziskus ist, heute schon siebenhundertfünfzig Jahre lang die Kirche Christi auf der Erde stützt.

 

Angelus über Assisi

 

(Aus: „Tiere unterm Regenbogen“, Aloysius Roche, Berlin 1954)

 

Bis jetzt hat noch keiner der Weisen dieser Welt uns mitgeteilt, wie viel Vögel es auf der Erde gibt; das ist fast merkwürdig, wenn wir bedenken, was alles berechnet wird! Aber die Vögel warten noch auf ihren Rechenmeister. Sind sie zum Beispiel zahlreicher als wir Menschen? Wir wissen wohl, dass es „ziemlich viele sind“, wie einmal ein Kind sagte. Das Wunderbare daran ist, wie alle die Vögel zu ihrem Futter kommen, - besonders zur Winterszeit.

 

Vor langer Zeit lebte in Italien ein Mann, der sich über diese und ähnliche Dinge seine Gedanken machte. Sein Kopf war voll von ganz großen Plänen zur „Vogelfrage“, - einer davon war folgender: Der Kaiser sollte ein Gesetz erlassen, das alle Bürgermeister und die verschiedenen Verwaltungen verpflichtete, die Wege entlang Vogelfutter streuen zu lassen, besonders zu Weihnachten. Zugegeben, manche seiner Einfälle – so auch dieser – waren recht poetisch, aber diese Art Poesie verwandelt sich manchmal früher oder später in Prosa – und die Welt, in der wir leben, wird dann ein wenig besser. Das Streusystem die Wege entlang hat sich zwar nicht durchgesetzt, aber ein bescheidener Plan wurde Wirklichkeit. Tatsächlich funktioniert er nun schon seit mehr als 750 Jahren.

 

Wir sprechen natürlich vom heiligen Franz. Er liebte sein Assisi mehr als jeden anderen Ort auf Erden. Mit das letzte, was er sich erbat, ehe es mit ihm zu Ende ging, war: man möchte ihn doch auf seiner Bahre, auf der man ihn trug, ein wenig aufrichten, damit er die geliebte kleine Stadt segnen könnte. Vielleicht hat er gehofft, sie könnte für alle Städte ein Beispiel werden. Jedenfalls aber ließ er ihre Einwohner versprechen, für die hungrige Vogelwelt zu sorgen. Und da er wusste, dass Versprechungen nicht etwas besonders Stabiles sind, richtete er einen festen Brauch ein.

           

„Meine lieben Freunde, ihr wisst wohl, was für eine Menge Esswaren ihr alle täglich verkommen lasst, - man kann das wohl nicht ändern, Brot wird eben hart, und man kann es dann nicht mehr essen. Aber denkt an unsere kleinen Geschwister, die Vögelchen, wie froh sie wären, wenn sie dieses Brot hätten! Ich möchte, dass ihr jeden Abend eure Krümel und Bröckchen auf den Marktplatz bringt, und zwar, wenn der Angelus geläutet wird. Tut das doch und lasst niemals davon ab. Die Jungen werden es von den Alten lernen, und so wird diese gute Tat bis zum Ende der Zeiten weiterdauern.“

 

In vielen Ländern ist das Angelus-Läuten um 6, um 12 und um 18 Uhr eine sehr vertraute Sache. Früher läutete es nur zum Tagesende und sollte das Volk daran erinnern, dass vor langer Zeit unser Erlöser Einer von uns wurde. Die Glocke selber hieß häufig „Gabriels Glocke“, manchmal stand sogar des Engels Name drauf, etwa so: „Ich bin wie Honig süß und heiße Gabriel“ oder: „Hört, diese Glocke tönt vom treuen Gabriel“ oder: „Ich trage Gabriels Namen, der vom Himmel gesandt ward.“

 

Um es kurz zu machen: das Volk von Assisi tat, wie im geheißen wurde, und in kürzester Zeit entdeckten die Vögel, dass diese Abendglocke für sie Krümel, Berge köstlicher Krümel bedeutete. Sobald sie den ersten Glockenschlag hörten, kamen sie zum Markt. Die Stadt liegt hoch wie ein Adlernest, und so konnte man den Kling-Klang meilenweit hören, bis in die umbrische Ebene hinein. Er zog immer mehr und mehr Vögel an. Und genau so, wie die Einwohner der Stadt diese gute Übung an ihre Kinder weitergaben, so machten es auch die Vögel: sie brachten ihren Kindern diese Futterzeit bei. So haben denn Einwohner und Vögel seit dem dreizehnten Jahrhundert an diesem Brauch festgehalten.

 

Diese Erscheinung, so bemerkenswert sie ist, ist aber kein Wunder. Vögel gewöhnen sich rasch an eine Futterstelle und auch an bestimmte Zeiten. Und wie es scheint können sie sich auch darüber untereinander verständigen, denn bei schlechtem Wetter finden zum Beispiel Möwen in Not ihren Weg zu den merkwürdigsten Hintertüren, wo die Brocken für sie liegen, die sie nötig haben. Und was Glocken angeht, so gab es vor wenigen Jahren in Essex ein Pferd auf einer Weide, das immer zum Zaun getrabt kam, wenn die Glocke zur Messe läutete. Es wusste aus Erfahrung, dass dann in kurzer Zeit etwas zu erwarten war.

 

Jedenfalls vergaßen die Vögel von Assisi ihren Wohltäter nicht. Als es zum Sterben kam, flogen seine besonderen Lieblinge, die Haubenlerchen, in Scharen über dem Ort, wo er lag, als ob sie noch seiner scheidenden Seele Ehre antun wollten.

 

Der selige Franz Xaver Seelos, Redemptoristenordenspriester,

Missionar in den USA, + 4.10.1867 – Gedenktag: 4. Oktober

 

Wo die bayerischen Alpenberge wie gewaltige Finger zum Himmel weisen, im Städtchen Füssen, wurde am 11. Januar 1819 einem braven Pfarrmesner ein Söhnlein geschenkt, das sechste von zwölf Kindern, das den Namen des großen Indien-Apostels Franz Xaver erhielt. Seinem heiligen Namenspatron würdig nachstrebend, sollte dieses Gotteskind auch einst über das weite Meer in die Fremde fahren, um in Nordamerika unter den vielen eingewanderten katholischen Deutschen zu missionieren.

 

Auf Veranlassung und mit Beihilfe eines Füssener Geistlichen kam Xaver zum Studieren nach Augsburg und später auf die Universität nach München. Nach reiflicher Prüfung hatte er sich für den Priesterstand entschieden, ja seine Sehnsucht ging dahin Missionar zu werden. Verriet dieser Entschluss schon seinen großen Starkmut, so noch mehr die Art seiner Ausführung. In den letzten Ferien, die Xaver bei den Seinigen zubrachte, sprach er mit seinem Vater nur auf ganz allgemeine Weise über sein Vorhaben und konnte leicht herausfinden, dass jener mit einem solchen Schritt ganz einverstanden wäre. Obwohl er nun wusste, dass sein Aufnahmegesuch in die Kongregation der Redemptoristen bald ankommen werde, ließ er doch kein Wort darüber vor seinen Eltern, seinen Brüdern und Schwestern verlauten. Herzlich nahm er Abschied von ihnen; er sah keines je wieder. Ins Seminar in Dillingen eingetreten, erhielt er nach kaum einem Monat die Anweisung für die amerikanischen Missionen. Ohne mehr die Seinigen zu besuchen, was er noch hätte leicht tun können, reiste Seelos von der Stätte der lieben Mutter Gottes in Altötting aus, wo die Redemptoristen damals eine Niederlassung hatten, geradewegs über Paris, Le Havre und den weiten Ozean nach Baltimore ins Noviziat. Und doch war Franz Xaver während seines ganzen Lebens seinen Familienangehörigen mit besonderer Liebe zugetan, wie dies aus seinen Briefen hervorgeht. Als er später einmal gefragt wurde, ob er nicht einmal sein Vaterland wieder besuchen möchte, gab er die eines Dieners Gottes würdige Antwort: „Nein, solange ich noch ein Kreuz in Amerika finde.“

 

Mit ganzer Seele erfasste der gottbegeisterte junge Mann die Aufgabe des Noviziates: „Völlige Wiedergeburt des inneren Menschen nach dem Vorbild Jesu Christi, unseres Stifters und Erlösers.“ Am 22. Dezember 1844 zum Priester geweiht, gehörte er nun nicht mehr sich, sondern Gott und den Mitmenschen. Voll Sammlung und Andachtsglut am Altar, war er der verkörperte Eifer im Beichtstuhl, am Krankenbett, in allen Zweigen der pfarrlichen Seelsorge, in der er zuerst verwendet wurde. In der bevölkerungsreichen Stadt Pittsburgh stand er unter dem ehrwürdigen Pater Neumann, der später Bischof von Philadelphia wurde, während ihm Pater Josef Müller aus Dinkelsbühl in Bayern, der sich schon als Kaplan in Aichach und Augsburg große Verdienste erworben hatte, zur Seite stand. Drei heiligmäßige Männer wirkten hier zusammen, um eine riesengroße Aufgabe unter harten Entbehrungen zu bewältigen. Aber Arbeit und Entbehrung war ihm gerade lieb. Nach dem Beispiel seines heiligen Ordensstifters schätzte er jede Minute Zeit hoch ein. Gebet, Studium und Arbeit wechselten einander ab. Er wollte sich nicht immer in Arbeiten nach außen ergießen, um schließlich innerlich selber zu vertrocknen. „Wie gerne möchte ich das Geschäft der Maria üben,“ schrieb er einmal, „in stiller Zurückgezogenheit zu den Füßen des Herrn . . . Doch da ruft nicht bloß eine Martha um Beistand und Hilfe, nein, da kommen Weiße und Schwarze, Deutsche und Engländer, Hausgenossen und Auswärtige, Geistliche und Weltliche, Vornehme und Arme usw. Die einen wollen dies, die einen das. Ruhe gibt es keine.“

 

Mit ganzer Seele war Pater Seelos Redemptorist. Für seine teure Kongregation opferte er alles. Mehrmals war er Oberer, Novizenmeister und auch Studentenpräfekt. „O es ist schön, im Orden zu leben, aber noch schöner, darin zu sterben.“ Wie sehr man ihn liebte und seine Kraft schätzte, ersehen wir aus einem merkwürdigen Vorgang. Als er einmal spät in der Nacht aus dem Beichtstuhl kam, zersprang ihm ein Blutgefäß und ein starker Strom Blutes ergoss sich aus seinem Mund. Da bot sein Beichtvater, Pater Poirier, Gott dem Herrn sein Leben für das des teuren Pater Seelos an, und der Herr erhörte augenscheinlich diese heroische Bitte. Pater Poirier starb nach etlichen Tagen und Seelos erholte sich wieder.

 

Im Regelbuch der Redemptoristen heißt es: „Die heiligen Missionen sind nichts anderes als eine fortgesetzte Erlösung, die der Sohn Gottes unablässig mittels seiner Diener hier auf Erden vollbringt.“ Daher war Pater Seelos mit vollster Hingabe „Gehilfe, Genosse und Mitarbeiter Jesu Christi“ an dem großen Werk der Erlösung. Besonders in den Jahren 1863-1866 wirkte er als Missionsoberer, ein Amt, das hohe Anforderungen stellt. In seiner Demut hielt er sich freilich nie dafür geeignet, hatte aber wohl gerade deshalb große Erfolge. Überall galt er dem Volk als „Heiliger“. So hatte man ihn schon vorher in Pittsburgh genannt. In Baltimore kam es vor, dass eines Tages ein kleines Mädchen dem Diener Gottes auf der Straße nachging und in seine Fußstapfen zu treten suchte in der Überzeugung, dass es ihm großen Segen bringen werde. Die Tat des treuherzigen Kindes spiegelt die Anschauung des Volkes wider.

 

Einst kam ein Mann auf Krücken zum Diener Gottes und bat ihn, dass er seinen gelähmten Gliedern die Kraft wieder gebe. Der Pater widersprach, dass er doch diese Macht nicht besitze. Da warf der Mann seine Krücken weg und erklärte, er werde das Haus nicht verlassen, bis er ihn geheilt habe. Als Pater Seelos diesen Glauben sah, betete er über den Gelähmten und er wurde wirklich geheilt. Ein Mann, namens Sell, war vom Gerüst gefallen und hatte sich so schwer verletzt, dass drei Ärzte ihn für hoffnungslos verloren erklärten. Die Rippen der rechten Seite waren gebrochen, die linke wies eine tiefe Wunde auf; dazu kamen innere Verletzungen. Nach einigen Tagen fühlte denn auch der arme Mann, dass er jetzt sterben müsse. Er seufzte bitterlich, dass er nun seinen Kindern nicht mehr Vater sein könne. Dem Diener Gottes ging das zu Herzen. Er ließ die Kinder um das Bett des leidenden Vaters knien und er selbst betete mit so inbrünstigen Worten um die Gesundheit des Mannes, dass alle in Tränen ausbrachen. Dann sprach er mit aller Bestimmtheit zum Kranken: „Herr Sell, Sie werden diesmal noch nicht sterben, sondern wieder gesund werden und arbeiten können.“ So geschah es. Er wurde allmählich gesund und lebte noch neun Jahre.

 

Das Urteil und die Verehrung des Volkes für Pater Seelos sprach nach seinem Tod auch die Baltimorer Volkszeitung in den Worten aus: „Der Orden der Redemptoristen hat an ihm eine seiner schönsten Zierden, die Katholiken einen ihrer eifrigsten Missionare, die Kirche einen musterhaften Priester verloren, der Himmel aber einen Heiligen, einen Martyrer gewonnen. Liebe, Milde, Frömmigkeit sprachen aus seinen Zügen und seine Predigten und Ermahnungen im Beichtstuhl erzwangen sich Gehorsam gerade durch Liebe und Güte. Er war in der Tat ein Mann, der durch seine Herzensgüte, durch seine aufrichtige Teilnahme für alle Bedrängten, seine Einfachheit und Herablassung sich die Herzen aller erwarb.“

 

Nicht anders urteilten auch die Bischöfe. Als Bischof O`Connor von Pittsburgh sein bischöfliches Amt niederlegen wollte, um in den Jesuitenorden einzutreten, empfahl er dem Heiligen Stuhl den Pater Seelos als den Würdigsten zum Nachfolger. Gerade bei dieser Gelegenheit erwies sich die vollkommene Tugend des Dieners Gottes. Noch hatte er von diesem Plan des Oberhirten keine Kenntnis, da hörte er beim Abbeten des Kreuzwegs merkwürdigerweise eine Stimme, die zu wiederholten Malen rief: „Man will dich zum Bischof machen.“ Er sah darin einen Fallstrick des bösen Feindes, der ihn zum Stolz versuchen möchte, weshalb er der Stimme gebot: „Pack dich fort! Schweige!“ Als dann kurz darauf die Nachricht kam, dass auf Wahrheit beruhe, was er auf so eigentümliche Weise gehört hatte, da betete er inständig, ließ auch in seiner Gemeinde und in anderen Kommunitäten beten und schrieb deshalb an den Generaloberen, dass er seine Ernennung verhindern wolle, da er zu einem solchen Amt ganz und gar unfähig sei. Der Generalobere bewahrte ihn auch vor dem bischöflichen Amt.

 

Im Spätherbst 1866 wurde Franz Xaver Seelos für New-Orleans bestimmt, das wegen des gelben Fiebers gefürchtet war. Obwohl noch im kräftigsten Mannesalter, ahnte er seinen nahen Tod, wie er dies einem Mitbruder gegenüber äußerte. Zu den vielen Opfern des Fiebers im Herbst 1867 zählten zwei Priester und zwei Laienbrüder der Kongregation, darunter auch Pater Seelos. Die außerordentlich großen Schmerzen seiner Krankheit ertrug er in aller Geduld und mit immer gleichbleibender Heiterkeit und Freundlichkeit. Schon lag der Diener Gottes ohne Bewusstsein da, als Gott noch einen Beweis für seine Heiligkeit geben wollte. Pater Duffy, der schon vor Jahren an einer unheilbaren Wunde am Knie erkrankt war, fühlte, von einem nächtlichen Krankenbesuch heimkehrend, das böse Übel am Knie mit einer plötzlichen Schwäche neuerdings ausbrechen. Der vielen Kranken wegen, die zu versehen waren, sehr darüber betrübt, schleppte er sich in das Zimmer des Sterbenden, kniete am Bett nieder und bat Gott inständig, ihm durch die Verdienste des Dieners Gottes die Gesundheit wieder zu schenken. Augenblicklich wurde sein Gebet erhört; das kranke Knie war geheilt. Am 4. Oktober, am Tag des heiligen Franziskus von Assisi, im Jahr 1867, entschlief der treue Ordensmann, um für ewig im Frieden zu ruhen.

 

Die Demut nennt der heilige Gregor die Lehrerin und Mutter der Heiligkeit und Hieronymus die erste Tugend des Christen, die alle anderen im Gefolge hat. „Was werde ich einmal, urteilt Pater Seelos über sich selbst, für ein Gericht zu bestehen haben vor einer Menschenmenge, die mich für einen Heiligen hält. Ich will doch kein Heuchler sein; aber bis jetzt habe ich noch keinen gefunden, der mir glauben will, dass ich der elendeste Mensch sei.“

 

Pater Petrus von der Mutter Gottes

Gedenktage und Lebensskizzen hervorragender

Mitglieder des Karmelitenordens

 

Am 4. Oktober 1683 endete zu Leiden in Holland ein verdienter Missionar des Ordens sein tatenreiches Leben. Der lobwürdige Pater Petrus von der Mutter Gottes, Abraham Bert, geboren am 15. März 1610, war ein Sohn des Regens im theologischen Kollegium zu Leiden, der von einem argen Augenübel befallen, das Gelübde machte, zur katholischen Kirche überzutreten, wenn ihn die heilige Genoveva davon befreie. Glücklich geheilt, zögerte er nicht, sein Gelübde zu erfüllen. Bereits ein Jahr darauf folgte die Gemahlin mit den drei Kindern seinem Beispiel. Abraham trat im Jahr 1627 zu Charenton in den Orden der Unbeschuhten Karmeliten. 27 Jahre lebte er in seiner Ordensprovinz, bis ihn im Jahr 1654 die Einladung seines Bruders und der Auftrag des Heiligen Vaters nach Leiden in Holland berief. Mit größtem Eifer wirkte er daselbst und in Amsterdam, wo er ebenfalls die Gründung einer Missionsstation des Ordens vorbereitete, wie ein Apostel. Der Herr verlieh seinen Missionsarbeiten ein so reichliches Gedeihen, dass die anfänglich kleine Gemeinde von nur 200 - 300 Seelen bis zum Jahr 1668 auf 1000 Kommunikanten wuchs. Gott weiß, unter welchen Beschwerden Pater Petrus dies zustande brachte. Mehrmals schwebte er geradezu in Lebensgefahr und vermochte sich nur durch List zu retten, indem er sich verkleidete und im Gewand des ärmsten seiner Bauern die fahndenden Häscher täuschte. Eine stattliche Reihe gediegener Schriften, deren Verfasser Pater Petrus war, beweist heutzutage noch, welch klaren, regen und fruchtbaren Geistes er war und wie emsig er jeden Augenblick ausnützte, um durch sie Abwesende zu belehren und auch noch nach seinem Tod Nutzen zu stiften. So eifrig er übrigens im Weinberg des Herrn arbeitete, so gewissenhaft erwies er sich in Beobachtung der Ordensvorschriften. Obschon er in der Welt leben musste und manches nur schwer beobachten konnte, erbaute er doch die ihm unterstellten Christen nicht bloß durch die Übung der gewöhnlichen priesterlichen Tugenden. Er beobachtete auch die Enthaltung von Fleischspeisen und das Abbruchsfasten nach Vorschrift des heiligen Ordens, gleich als wenn er in einem geordneten Kloster gelebt hätte. Er hielt seine Gebetsstunden genauestens ein, ruhte stets nur auf dem durch die Satzungen vorgeschriebenen, harten Lager, einem Bett mit zwei wollenen Decken, und hielt treu an allen übrigen Vorschriften des heiligen Ordens fest, wie uns der Bericht des Generalvisitators an die Generaloberen erzählt.

 

Gebet am 4. Oktober

 

Maria, du Fürstin der Engel! Von dir sagt die Schrift: "Bei mir ist Reichtum und Ehre, bei mir sind unvergängliche Güter, damit ich reich mache, die mich lieben." Träufele einige Tropfen Gnade aus dem reichen Born deiner Hilfe auf uns Arme, entferne unser Elend, bereichere unsere Dürftigkeit und lass uns, die wir uns deinem heiligen Thron nähern, nicht leer ausgehen. Arm an Tugenden und Verdiensten haben wir jetzt und später deinem göttlichen Sohn nichts zu bieten, nichts aufzuweisen, das eines ewigen Lohnes wert wäre, wenn du nicht aus der Fülle deines Reichtums uns mitteilst, dass wir zunehmen an guten Werken und so der einstigen Herrlichkeit würdig werden. Ja, hilf du uns zum Genuss des unvergänglichen Gutes himmlischer Seligkeit. Amen. 

 

Zu Gott

 

O Gott, der Du dem heiligen Franziskus die Gnade gegeben hast, alles Irdische zu verachten, verleihe uns, dass wir nach seinem Beispiel nur nach dem Himmlischen trachten, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

An diesem Tag im Jahr 1626 hat Papst Urban VIII. zu Rom den ersten Stein zu der Kapuzinerkirche gelegt, die unter dem Titel "der seligsten Jungfrau" auferbaut worden ist.

Die Andacht des heiligen Franziskus zur seligsten Jungfrau mag man besonders aus der besonderen Neigung erkennen, die er zu dem Kirchlein Portiunkula oder der "heiligen Maria von den Engeln" im Leben und im Tod gezeigt hat.

 

Andacht am 4. Oktober:

 

Das Thema im Oktober:

Vertrauen

"Habt Vertrauen." (Markus 6,50)

 

"Wir sind doch gewiss überzeugt, dass die Wahrheiten des Glaubens uns nicht irreführen können; und trotzdem handeln wir so, als wären wir hiervon nicht überzeugt. Mehr hören wir, was die menschliche Klugheit, als was der Glaube uns rät. Daher kommt denn auch unser geringer Fortgang in den Tugenden, sowie nicht weniger der geringe Erfolg in den Geschäften für Gottes Ehre." (Der heilige Vinzenz von Paul)

Der heilige Einsiedler Antonius und der heilige Franz von Assisi gelangten nur darum zu einer so hohen Vollkommenheit, weil sie den Rat des Evangeliums befolgten: "Wenn du vollkommen sein willst, so verkaufe, was du hast und folge Mir nach!" 

Als der heilige Joseph Benedikt Labre in seinem Innern fühlte, dass der Herr ihn zu einem verachteten, armen und strengen Leben berief, sprach er: "Alles kann ich in Dem, der mich kräftigt!" Da seine Mutter, die ihn zärtlich liebte, sah, dass ihr Sohn so oft fastete, ganze Nächte auf harten Brettern schlief, statt sich ins Bett zu legen, und ungeachtet seiner zarten Jugend viele Werke strenger Abtötung übte, stellte sie ihm mit mütterlichem Zartgefühl vor, dass derlei Bußübungen seiner Gesundheit nachteilig sein müssten. Hierauf antwortete der fromme junge Mann mit wenig Worten: "Gott beruft mich zu einem strengen und bußfertigen Leben; ich muss wohl einmal anfangen, den Weg Gottes zu betreten!" Kurze Zeit darauf bat er sie um die Erlaubnis, das väterliche Haus zu verlassen, seinem Beruf zur Buße zu folgen. Sie aber weigerte sich, in seine Abreise einzuwilligen, und sagte ihm, es würde ihm an Mitteln zu seinem Unterhalt fehlen. Hierauf gab er ihr eine Antwort, aus der sein Mut deutlich hervorglänzte. "Liebe Mutter," sprach er, "ich werde mit den Kräutern und Wurzeln der alten Einsiedler mich behelfen; denn mit Gottes Gnade können wir auch jetzt noch leben wie sie." Er gehorchte also der Gnade und lebte vom Glauben. Und hat er etwa nun Ursache, es zu bereuen?

 

Lass mich, o Gott, in allen Dingen dem Glauben um Rat fragen; und verleihe mir, dass ich vom Glauben lebe! Alles will ich tun, was Du von mir verlangst; und hoffen will ich auf Deine Hilfe! Amen. 

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 4. Oktober

 

"Beseitigt einmal die blinde Ansicht der Welt.

Was ist das Gold?

Was ist das Silber?

Ein weißer und ein gelber Staub,

dessen ganzer Wert auf den törichten Vorurteilen der Menschen beruht."

 

hl. Ludwig von Granada OP

1504 bis 31.12.1588

 

Betrachtung am 4. Oktober - Der heilige Franz von Assisi

 

Franziskus, der mit Siegeswunden prangt,

Hat als ein Held das Himmelreich erworben;

Denn starke Siege hat das Heer erlangt,

Das er geführt, ob auch sich selbst erstorben.

 

1. Der heilige Franz von Assisi war nicht nur abgetötet, sondern erstorben, ja er war gekreuzigt, und trug die Wundmale des Herrn an seinem Leib. Das arme Leben Jesu Christi nachzuahmen war er so arm, dass es ihm sogar am Notwendigsten fehlte. Er verachtete alle weltliche Ehre so sehr, dass er sich selbst der Verachtung preisgab. Sein Verlangen aber, für Jesus zu leiden, war unersättlich. Er war ein lebendiges Bild des Erlösers, und gleichsam selbst ein Erlöser, da er zahllose Sünder bekehrte. Wie ahmst du das Leben Jesu nach? Liebe mindestens die Armen hilfreich, wenn du die Armut nicht lieben kannst. Suche keine andere Ehre, als den Ruhm eines guten Gewissens, und präge durch andächtige Betrachtung des Leidens deines Herrn seine heiligen Wundmale wenigstens deinem Herzen ein.

 

2. Der lebendige Eifer dieses großen Heiligen trieb ihn an, die drei Hauptfeinde der Kirche, die Götzendiener, die Häretiker und die schlechten Katholiken, zu bekämpfen. Er stiftete einen heiligen Orden, die Lehre der Kirche gegen ihre abtrünnigen und ungläubigen Feinde zu verteidigen, und sein strenges Leben führte viele schlechte Christen zur Bekehrung. Was hast du für Gott getan? Wie verteidigst du deinen Glauben? Wie willst du überzeugen, dass man die Verachtung liebt, wenn du ehrsüchtig bist, - dass man den Reichtum verachtet, wenn du geizig bist, - dass man das Leiden umfangen muss, wenn du weichlich und sinnlich bist?

 

3. Viele himmlische Kronen erwarb der heilige Franziskus. Seine jungfräuliche Keuschheit erwarb ihm die Krone der Jungfrauen, seine wunderbare Buße die Krone der Büßer, sein heiliges, eifriges Leben die Krone der Bekenner, seine seraphische Liebe die Krone der Märtyrer. Denn ohne von den übernatürlichen Schmerzen zu sprechen, die er durch die Wundmale des gekreuzigten Heilandes in seinen letzten Jahren bis zu seinem Tod erlitt, schiffte er nach Syrien, den Sultan zu bekehren, oder als Märtyrer zu sterben. Welche Krone wirst du durch dein Leben verdienen? Bedenke, dass niemand gekrönt wird, der nicht rechtmäßig gestritten hat. Galater 5,24: "Alle, die zu Christus Jesus gehören, haben das Fleisch und damit ihre Leidenschaften und Begierden gekreuzigt."

 

5. Oktober

 

Der heilige Plazidus, Mönch und Jünger des heiligen Benedikt,

+ 6. Jhd. - Fest: 5. Oktober

 

So sorglos und oberflächlich und unvorsichtig wie dieser Plazidus, was auf Deutsch Friedrich heißt, in seiner Kindheit eines Tages war, kann eben nur ein Junge sein. Doch bevor die Geschichte erzählt wird, soll sich der Held erst einmal vorstellen.

 

Fritzchen, der Sohn eines reichen römischen Bürgers, ein südländisch lebhafter Junge, der nur aus Auge und Ohr zu bestehen schien, musste überall dabei sein, wo etwas lief, bei den Parademärschen der Soldaten, bei Pferderennen, bei Straßenaufläufen und ähnlichen Dingen mehr. Einmal wäre er um ein Haar unter einen schweren Lastzug gekommen, ein anderes Mal hatte ihn eine bissige Dogge recht übel zugerichtet, und ein drittes Mal erhielt er von einem Pferd einen Tritt, dass ihm Sehen und Hören verging. Keiner glaube aber, dass er dadurch klüger geworden ist. So sind nun einmal manche Jungen.

 

Der Vater Anizius Tertullus ließ daher eines Tages anspannen und brachte den hoffnungsvollen Sprössling mit Sack und Pack nach Subiaco aufs Land. Da gab es weder Lastzüge noch Doggen noch Pferde. Er brachte ihn zum heiligen Benedikt, der damals dort das erste Kloster des nach ihm benannten Ordens gründete und wo sich bereits ein anderer Junge aus der Stadt Rom, der zwölfjährige Maurus, aufhielt. Eindringlich bat Tertullus die Mönche, neben Maurus auch seinen Sohn als Schüler aufzunehmen.

 

Gern bewilligten die Benediktiner den Wunsch des besorgten Vaters, und ihre Arbeit mit den beiden Jungen, die an sich nicht schlecht waren, machte schnell gute Fortschritte. Auch Fritzchen gab sich Mühe, aber von heute auf Morgen legt man Oberflächlichkeit und Unvorsichtigkeit nicht ab. Eines Tages hatte sich folgendes Ereignis zugetragen:

 

Abt Benedikt gab dem damals Neunjährigen den Auftrag, schnell vom nahen See einen Krug Wasser zu holen. Fritzchen sah sich das große Gefäß erst einmal an und schätzte mit den Augen ab, ob er es, wenn es mit Wasser gefüllt war, auch tragen kann. Und als er feststellte, dass es wohl gehen könnte, lief er mit lustigen Sprüngen, pfeifend und flötend, den Hang hinab. Am Ziel angelangt, legte er sich der längelang auf ein Brett, das, von Pfählen getragen, ein wenig in den See hinausragte, und ließ den Krug hinab. Gluck, gluck, gluck machte da beim Füllen das Wasser so lustig und drollig, dass Fritzchen vor Freude laut auflachte und sich vergnügt auf dem Brett noch ein Stück weiter nach vorn schob. Im gleichen Augenblick bekam er Übergewicht und kippte, den Kopf voraus, in den See, und die Wellen spülten ihn schnell vom Ufer weg. Da hatte das arme Fritzchen gewiss nichts mehr zu lachen.

 

Man muss es schon ein Glück nennen, dass Abt Benedikt vom Zellenfenster aus den Vorgang beobachtet hatte. So machte er denn zunächst mit der Hand das Kreuz, und wenn Heilige das tun, so wohnt dem Segen eine noch weit stärkere Kraft inne. Dann rief Benedikt dem Maurus zu, der auf dem Hof stand, er solle dem Freund zu Hilfe eilen und ihn aus dem Wasser ziehen. Kaum war das Wort gefallen, da war Maurus schon am See und ging hinein und merkte nicht einmal, dass das Wasser ihn trug, als sei es fester Boden, und half Fritzchen ans Land.

 

Wunderbar war das, und am wunderbarsten war noch dieses, dass der Gerettete nachher fest behauptete, nicht Maurus habe ihn aus dem Wasser gezogen, sondern Abt Benedikt, denn den habe er bei sich gesehen und nicht den Maurus.

 

Egal wie, fest steht jedenfalls die Tatsache, dass an diesem Tag aus Fritzchen ein Plazidus geworden war, ein ernster Junge, gläubig und gewissenhaft, der sich später den Mönchen beigesellte. Sein Eifer wurde sehr groß und als erster verpflanzte er den Benediktinerorden auf die Insel Sizilien, wo er nahe der Küste bei Messina ein Kloster gründete.

 

Nur fünf Jahre war Plazidus Abt, denn eines Nachts, als die Mönche im Klosterchor die Psalmen sangen, stiegen Seeräuber aus Afrika, wahrscheinlich Sarazenen, ans Land, legten den Abt und die Brüder in Ketten und quälten sie auf alle erdenkliche Weise, um sie zum Abfall vom christlichen Glauben zu bewegen.

 

Ihre Gebete aber wurden erhört und Gott hat sie aus allen ihren Nöten befreit. Als nämlich die Mohammedaner sahen, dass sie die mutigen Männer nicht vom Glauben abbringen konnten, töteten sie alle und führten sie durch den Martertod als die ersten Martyrer des Benediktinerordens ein in die ewigen Freuden des Himmels.

 

Der selige Gerwich, Einsiedler von Siegburg, Zisterziensermönch,

+ 5.10.1133 – Fest: 5. Oktober

 

Viele Liebhaber der Einsamkeit, die unter wilden Tieren ein himmlisches Leben im Lobpreis Gottes führten, wurden erst von pirschenden Fürsten entdeckt, so Macedonius in Syrien, Ägidius in Gallien, Iwan in Böhmen, Gerwich in Bayern, nicht weit von Eger in Böhmen. Gerwich stammte aus der sehr alten, reichen und edlen Familie der Dynasten von Volmestein (Volmarstein) an der Ruhr in der Grafschaft Mark. Von Jugend auf tummelte er sich sehr gern auf Pferden und kannte nichts Ehrenvolleres und Rühmlicheres, als Turnier und Lanzenstechen. Bei einem solchen Kampfspiel lernte er Theobald auch Diepold genannt, den Markgrafen von Cham und Vohburg kennen, und schloss mit ihm ein so inniges Freundschaftsbündnis, wie es einst zwischen Theseus und Pirithous bestand. Obgleich Theobald verehelicht war und viele Kinder besaß, zog er doch mit seinem Herzensfreund an die Höfe des deutschen Adels, um in den üblichen Wettkämpfen ihre Kraft und Geschicklichkeit zu erproben.

 

Als einst viele Ritter zusammen im heftigen Anprall wie blind auf einander losrannten, durchbohrte Gerwich ohne Arg den Halsring seines Gegners und brachte ihm eine tödliche Wunde bei. Als das Visier gelüftet wurde, sah Gerwich zu seinem höchsten Schrecken, dass er seinen liebsten Freund schwer verwundet hatte. Fast verzweifelnd verfluchte er die gefährlichen Spiele und Feste, begab sich sofort in das Kloster Siegburg unweit von Köln und nahm in tiefster Zerknirschung das Ordenskleid des heiligen Benedikt. – Der Markgraf Theobald kehrte nach seiner Heilung zu seiner Familie zurück. Gern wäre er dem Beispiel seines Freundes gefolgt, aber er durfte nicht auf seine Herrschaft verzichten. Um einigermaßen seinem religiösen Eifer zu genügen, gründete er einige Meilen von Regensburg das Kloster Reichenbach und stattete es mit reichen Besitztümern aus.

 

Unterdes hatte Gerwich mehrere Jahre im Kloster Siegburg sehr fromm und demütig verlebt und es wurde ihm die Sorge für die ankommenden Pilger und Reisenden anvertraut. Zu der Zeit traf Cuno, der erwählte Bischof von Regensburg, auf seiner Reise dort ein, unterhielt sich mit Gerwich und wurde durch seine Tugenden und Weisheit so wunderbar eingenommen, dass er den Abt inständigst bat, ihn mit in sein Bistum nehmen zu dürfen, damit er ihm mit Rat und Tat beistehe. Der Abt und auch Gerwich willigten ein, als Gerwich aber in Regensburg die Beschwerden und Unruhe am bischöflichen Hof schmeckte, ließ er sich durch keine Beweggründe bestimmen, länger so ein unruhiges Dasein zu führen, indem er in seinem Inneren das Wort hörte, das einst dem heiligen Arsenius am Hof des Kaisers Theodosius von Gott zugerufen wurde: „Fliehe, schweige, ruhe!“ Er ließ mit Bitten nicht nach, bis Cuno ihm einen Geleitsbrief ausstellte und gestattete, in seinem Bistum einen geeigneten Platz aufzusuchen, den er für eine Niederlassung von Mönchen für geeignet halte.

 

Mit einigen Genossen begab sich Gerwich auf den Weg und kam in einen dichten Wald, wohin kaum ein Jäger dringen konnte. Dort fällte er einige Bäume und fing an, für sich und die Seinigen eine kleine Wohnung nebst Bethaus zu bauen. Siehe da, eines Tages kam der Markgraf Theobald aus seiner Stadt Eger auf der Jagd zu dieser Stelle, und als er einen Teil seines Waldes gerodet sah, ergrimmte er sehr und fragte die arbeitenden Brüder, wie sie sich unterstehen könnten, ohne sein Wissen und Wollen dort ein Gebäude zu errichten? Alle fürchteten sich und beendeten die Arbeit, nur Gerwich behielt die ruhige Geistesgegenwart, warf sich dem ihm unbekannten Herrn zu Füßen, nannte ihm auf Verlangen seinen Namen und seine Herkunft, und erklärte ihm mit wenigen und bescheidenen Worten, auf wessen Rat und mit wessen Erlaubnis er sich in diese Einöde begeben habe und zeigte ihm das Schreiben des Bischofs Cuno. Wer war verwirrter als Theobald? Er hatte nach Wild ausgespäht und stieß auf einen Menschen, den er nicht mehr unter den Menschen gesucht haben würde, auf seinen teuren und durch heilige Bande Gott verbundenen Freund Gerwich. Unverzüglich sprang er vom Pferd, umarmte aufs zärtlichste seinen alten Freund, zeigte ihm die Narbe seiner alten Wunde, hieß ihn frohen Mutes sein und billigte nicht nur seinen Plan, eine Einsiedelei zu gründen, sondern schenkte ihm auch aus alter Freundschaft einen so großen Teil des Waldes, als er in einem Tag umgehen könnte. Welch eine unerwartete Freude durchbebte die Herzen der beiden ehemaligen Kampfgenossen. Sogleich machten sie sich ans Werk, fällte Bäume, fuhren Steine herbei, und fingen an, dort an dem anmutigen und fischreichen Fluss ein Kloster zu bauen, das man „Waldsassen“ nannte.

 

Weil in jener Zeit der heilige Bernhard von Clairvaux den Zisterzienserorden gestiftet hatte, eilte Gerwich zu ihm und bat ihn inständig um Mönche, damit er in sein neues Haus seine Ordensregel einführen könnte. Dem heiligen Bernhard gefiel die Absicht Gerwichs sehr, aber weil er fast alle seine Ordensleute ausgesandt hatte, um neue Niederlassungen zu gründen, konnte er ihm für den Augenblick keine Mönche überlassen. Deshalb wandte sich Gerwich an die Abtei Walkenried in Thüringen und erhielt drei Mönche von ausgezeichneter Heiligkeit. Mit denen kehrte er sofort nach Waldsassen zurück und vollendete nicht nur die im Bau begriffenen Wohngebäude, sondern unterwarf auch sich und seine Genossen der Ordensregel des heiligen Bernhard. Von allen Seiten erhielt die junge Genossenschaft reichliche Geschenke von frommen Leuten, damit sie sorgenlos leben könne. Dies war der Anfang des berühmten Klosters Waldsassen, das die Zisterzienser das hundertste Ei nannten, weil es die hundertste Niederlassung des gerade gestifteten Ordens war.

 

Wieviel Jahre der selige Gerwich noch lebte, in welchem Jahr und an welchem Tag er zum ewigen Leben abberufen wurde, ist nicht ganz sicher zu bestimmen. Mehrere Kirchengeschichtsschreiber nehmen das Jahr 1133 oder 1134 als sein Sterbejahr an. Sein Gedächtnis wird am 5. Oktober gefeiert.

 

Der heilige Meinolf / Meinulph,

Erzdiakon und Bekenner von Paderborn,

+ 847 – Fest: 5. Oktober

 

Etwa drei Stunden von Paderborn entfernt, in der Nähe der alten und malerischen Wevelsburg und des ehemaligen Klosters Böddeken steht im engen Talgewinde eine uralte Linde. Dort erblickte der Sage nach der heilige Meinolf auf der Flucht seiner Mutter das Licht der Welt um das Jahr 793. Seine Eltern waren in dortiger Gegend reich begütert und sehr angesehen, beide zum Christentum gelangt, indes fiel der Vater bald nach der Geburt seines Sohnes im Kampf, die Mutter, namens Wichtrud, zog sich während der Kriege Karls des Großen gegen die aufrührerischen Sachsen mit ihrem Kleinen in die einsame Gegend von Altenböddeken zurück. Hier verlebte sie einige Jahre in Ruhe, als eine andere Verfolgung sie aus diesem Zufluchtsort vertrieb. Der Bruder ihres verstorbenen Gemahls kam in verbrecherischer Absicht zu ihr, und da er sie durch scheinbare Güte nicht erreichen konnte, versuchte er sie durch Gewalt zu erlangen. Die edle Wichtrud entfloh zum Frankenkönig Karl, um bei ihm Schutz für sich und ihren Sohn zu suchen. Der König nahm sie freundlich auf und übernahm bei ihrem vierjährigen noch nicht getauften Sohn die Patenstelle. Er gab dem Knaben den Namen Meinolf, d.h. meine Hilfe. Vielleicht sah der König im prophetischen Geist in dem Täufling ein gottgegebenes Werkzeug zur Befestigung des christlichen Glaubens in dieser Gegend.

 

Die Erziehung des jungen Meinolf übertrug der König dem ersten Bischof von Paderborn, Hathumar, der, wie sein Nachfolger Badurad, in Würzburg ausgebildet, im Jahr 795, den neuerrichteten Bischofssitz von Paderborn einnahm. Von diesen beiden heiligen Lehrern erzogen, lernte Meinolf die Güter der Welt verachten, und er wünschte nichts sehnlicher, als unter die Zahl der in klösterlicher Gemeinschaft lebenden Geistlichen der Paderborner Domkirche aufgenommen zu werden. Der Bischof Badurad entsprach seinem sehnlichsten Wunsch. Meinolf leuchtete durch seine vortrefflichen Geistesgaben, seine große Bescheidenheit und sein freundliches Wesen so sehr, dass ihn der Bischof zu seinem innigsten Freund und beständigen Gefährten erkor.

 

Einst legte der heilige Bischof seinen Geistlichen die Frage vor, was der Heiland wohl mit den Worten bei Matthäus 8 habe sagen wollen: „Die Füchse haben ihre Höhlen und die Vögel ihre Nester, der Menschensohn aber habe nicht, wohin er sein Haupt hinlege.“ Einer der Umstehenden erklärte die Worte des Heilandes dahin: „Der Heiland trage ein inniges Verlangen, in unserem Herzen zu wohnen, allein der Zugang zu ihm sei durch unsere Sünden verschlossen. Darüber beklage sich der Heiland in der angeführten Stelle.“ Der heilige Meinolf war von diesen Worten innigst gerührt, und er beschloss, damit die Klage des Herrn nicht auch auf ihn Anwendung finde, nicht nur sein Herz durch die sorgfältigste Vermeidung jeder, auch der geringsten Sünde, Christus zur Wohnstätte zu geben, sondern auch einen Tempel und ein Kloster zu bauen, wo der Herr mitten unter gottgeweihten Personen seinen Sitz aufschlagen möchte.

 

In Ungewissheit über einen geeigneten Platz, wurde ihm durch eine wunderbare Erscheinung der Ort offenbart. Zuerst sah ein Hirt im Waldesdickicht ein wunderbares Licht. Der Hirt verkündete dem heiligen Meinolf die seltsame Erscheinung und der teilte sie dem Bischof mit. Der fromme Badurad sprach: „Der geringe Stand des Hirten soll uns nicht verächtlich erscheinen, da selbst die Geburt des Heilands zuerst den Hirten verkündigt wurde.“ Zugleich riet er seinem Archidiakon, er möge Gott um ein wiederholtes Zeichen innigst anflehen. Der Heilige begab sich mit dem Hirten an die bezeichnete Stelle und verharrte dort die ganze Nacht unter inbrünstigem Gebet. Da gewährte ihm Gott die Gnade, die Erscheinung ebenso zu sehen, wie vorhin der Hirt. Es zeigte sich ihm ein prächtiger Hirsch, zwischen dessen Geweih das Zeichen der Erlösung strahlte. Welche Freude gewährte dieser Anblick dem Meinolf. „Jetzt hege ich die sichere Hoffnung – sprach er – dass der, der einst mit derselben Kreuzeswaffe die Pforten der Hölle zerbrach, sich auch als Beschützer dieser Stätte bewähre, wenn sich auch die Höllenschar widersetzte.“ Er erbat und erhielt die kaiserliche Bestätigungsurkunde und schritt rüstig zum Bau des Klosters. Die Einweihung der Kirche zu Böddeken fand am 10. November (vermutlich 827) statt. Gottgeweihte Jungfrauen nahmen die Zellen des Klosters ein. Meinolf beschenkte das Kloster reichlich aus seinen umherliegenden Gütern. Auch verlieh der Heilige sechs in der Nähe wohnenden Rittern ansehnliche Einkünfte und Lehen, um aus diesen zu gewissen Zeiten des Jahres dem Kloster alle Bedürfnisse zum Unterhalt und zur Bekleidung zu reichen, und gegen feindliche Überfälle zu schützen. Das Recht der Belehnung übergab er den Klosterfrauen.

 

Nach Gründung des Klosters Böddeken war der Heilige unablässig bemüht, die christliche Religion unter seinen Landsleuten auszubreiten und mit dem Licht der Wahrheit das Dunkel zu verscheuchen, das noch öfters in die Herzen der jungen, kaum dem Heidentum entwachsenen, Sachsen seine Schatten warf. In diesem unermüdlichen Unternehmen zeichnete sich der Heilige so sehr aus, dass er als einer der vorzüglichsten Lehrer des christlichen Glaubens im Paderborner Land und als einer der heiligsten Männer hoch verehrt wurde.

 

Wie hoch der Archidiakon Meinolf bei seinem Bischof und dem Volk in Ansehen stand, geht unter anderem daraus hervor, dass er von Badurad im Jahr 836 nebst einigen anderen Klerikern an den Bischof Alderich zu Mans in Frankreich gesendet wurde, um die Reliquien des heiligen Liborius, des Freundes des heiligen Martinus, für die Domkirche in Paderborn zu erbitten. Die zahlreichen Wunder, die bei der Übertragung der Überreste des heiligen Bischofs Liborius geschahen, haben ohne Zweifel noch vieles dazu beigetragen, den eifrigen Diener Gottes für höhere Vollkommenheit zu erglühen. Reich an Tugenden und Verdiensten, brennend vor Verlangen nach der unauflöslichen Vereinigung mit Jesus Christus, ging er am 5. Oktober 847 in die Freude des Herrn ein.

 

Wie Meinolf sein ganzes Leben lang durch Heiligkeit glänzte, so wurde er auch nach seinem Tod durch Zeichen und Wunder von Gott verherrlicht. Das verdient besonders Erwähnung, dass, als seine Leiche in der Kirche zu Böddeken zu Grabe getragen wurde und nach dem Totenamt mit Erde bedeckt werden sollte, er sich noch einmal zum höchsten Erstaunen der Anwesenden aus dem Sarg erhob. Zu den gewaltig Ergriffenen sprach er: „Geht zum Bischof, erinnert ihn an meine Bemühungen für dieses Kloster und sagt, dass er, welche auch immer aus dieser Jungfrauen-Genossenschaft zur Äbtissin gewählt würde, nicht hindere, ihr Amt zu übernehmen, wäre sie auch nach ihrem Ursprung und ihrem Stand nur eine Magd, denn ich, des Körpers entledigt, habe gelernt, was von denen geschehen muss, die in der Kirche das Hirtenamt führen.“ Nach diesen Worten neigte er sein Haupt wieder zurück und schloss seine Augen im Tod. Kaum hatte sich das Gerücht von diesem Wunder verbreitet, so fing man weit und breit an, das Grab zu besuchen, ihn zu verehren und anzurufen und gar viele erhielten Beweise von seiner wundertätigen Rechten, denn Lahme, Blinde, Gichtbrüchige und von allen möglichen Krankheiten Heimgesuchte fanden an seinem Grab Genesung. Es kann nicht mit Stillschweigen übergangen werden, was sich 50 Jahre nach dem Tod des heiligen Meinolf ereignete. Am 16. Januar 897 feierten die Priester der Böddeker Kirche zur gewöhnlichen Zeit das heilige Messopfer. Als der Diakon das Evangelium sang, zersprang mit großem Krachen der Stein auf dem Grab in vier Stücke und nach der Wandlung zerbarst er in noch mehrere kleine Teile, so dass sich der ganze Sarkophag dem Anblick darbot. Zugleich drang ein so süßer Wohlgeruch aus dem Grab hervor, als ob Gott andeuten wolle, man solle einen so heiligen Körper erheben. Man überbrachte die Nachricht von dieser wunderbaren Erscheinung dem Bischof Biso. Der befahl, das Grab wieder herzustellen und mit einem Stein zu bedecken. Bald darauf wiederholte sich dasselbe Ereignis. Eine unsichtbare Gewalt schleuderte den Stein vom Grab. Auch diesmal musste dasselbe auf Befehl des Bischofs wieder hergestellt werden. Bald darauf erschien der heilige Meinolf dem Pfarrer von Atteln, namens Meinhard, und forderte ihn auf, den Bischof um Versetzung seiner Gebeine an eine ehrenvollere Stelle zu ersuchen. Wiewohl sich diese Erscheinung mehrmals wiederholte, so achtete doch Meinhard wenig darauf und hielt sie für Täuschung oder ein Traumgebilde. Zum dritten Mal erschien ihm der Heilige und verkündete ihm den Verlust des Augenlichtes, von dem er nicht eher befreit werden sollte, bis er den ihm gegebenen Auftrag vollzogen hätte. Da endlich wurde Meinhard durch Schaden klug. Erblindet schlug er den Weg ein, den er sehend nicht gehen wollte. An der Hand ließ er sich nach Paderborn zum Bischof führen und meldete ihm, was geschehen war und was der heilige Meinolf mit seinem Grab wolle. Da bekam der Bischof selbst Furcht. Er reiste sofort mit einigen Priestern nach Böddeken, ließ die Überreste des Heiligen aus dem Grab erheben und zur Verehrung öffentlich ausstellen. Kaum war dies geschehen, so erhielt Meinhard den Gebrauch seiner Augen wieder.

 

Der Ruf der Heiligkeit des heiligen Meinolf und der Wunder, die an seinem Grab geschahen, verbreitete sich mehr und mehr und lockte viele Pilger zu seiner Ruhestätte. Besonders waren die Klosterfrauen zu Böddeken hoch erfreut, im Besitz der Reliquien des gefeierten Heiligen zu sein.

 

Das Kloster des heiligen Meinolf blieb von Heimsuchungen nicht verschont. In der Bengeler Fehde (1384-1394) wurde Böddeken, wie das benachbarte Benediktinerkloster Dalheim verwüstet und niedergebrannt, die Lehnsherrn betrachteten die Einkünfte des Klosters als ihr Eigentum, verkauften sie oder behielten sie für sich. Die Nonnen flüchteten in sichere Asyle, nur die Äbtissin Walburga blieb in dem verfallenen Kloster zurück. Auf den Mauern von Kirche und Kloster sprossten Bäume hervor. Nur das Chordach wurde notdürftig hergestellt. Die Geistlichen hatten den unglücklichen Ort verlassen.

 

Im Jahr 1406 trug das Domkapitel zu Paderborn bei dem Bischof Wilhelm, Herzog von Berg, darauf an, die Reliquien des heiligen Meinolf nach Paderborn zu versetzen und die noch übrigen Klostergüter mit der Domkirche zu vereinigen. Die Versetzung der Reliquien genehmigte der Bischof, nicht aber die Einverleibung der Güter. Er selbst begab sich mit dem Dompropst Heinrich von Büren, einigen Geistlichen und 40 Reitern nach Böddeken. Als zwei Frauen ihre Ankunft und Absicht erfuhren, eilten sie in die Kirche und verbargen den Sarg des Heiligen in einer an den Kirchturm stoßenden Stallung unter der Streue. Der Bischof suchte in der Kirche vergebens nach den Reliquien und zog unverrichteter Sache nach Paderborn zurück.

 

Die Ritter Friedrich und Raveno von Brenken, Herren zu Wevelsburg, entrüstet über diesen Vorfall, brachten die Reliquien ihres geliebten Heiligen auf ihre Burg, fest entschlossen, sie gegen Entführer zu verteidigen. Als aber dort eine Viehseuche ausbrach, erachteten die Ritter ihre Tat als missfällig vor Gott. Sie schickten den Reliquienschrein nach Böddeken zurück, und sogleich hörte die Seuche auf.

 

Um das zerstörte Kloster des heiligen Meinolf wieder herzustellen, berief der Bischof Wilhelm von Zwolle in Holland des Augustiner-Prior Johannes Wael, damit er auf den Trümmern ein neues Kloster aufbaue und mit Mönchen seines Ordens bevölkere. Nur ungern ließ er sich zur Übernahme des so tief gesunkenen Klosters bereden. Die letzte Äbtissin Walburga von Walde verzichtete gegen ein Jahrgehalt und am 17. Juli 1409 ging das Kloster laut Übertragungsurkunde des Bischofs Wilhelm von Paderborn in den Besitz der regulären Chorherrn über.

 

Die eifrigen Augustinermönche versetzten die Reliquien des heiligen Meinolf in eine kleine Kapelle auf dem Kirchberg und hielten dort ihren Gottesdienst. Erst im Jahr 1485 wurde die neue Kirche vollendet und vom Weihbischof eingeweiht. Der Hochaltar hatte früher an der Stelle gestanden, wo dem heiligen Meinolf der Hirsch erschienen war. Er wurde weiter nach Osten gesetzt und an der eben bezeichneten Stelle ein steinernes Denkmal errichtet. Durch die Wiederherstellung des Klosters und der Kirche wurde die Verehrung unseres Heiligen neu belebt, und Gott verherrlichte die Ruhestätte seines heiligen Dieners durch mehrere Wunder. So wurden beim Kirchenbau einem 14jährigen Jungen durch einen schwer mit Steinen beladenen Wagen beide Beine abgefahren, aber durch die Fürbitte des heiligen Meinolf geheilt. Gelähmte erhielten an seinem Grab plötzlich den Gebrauch ihrer Glieder. Selbst ein Toter erstand auf die Fürbitte des Heiligen wieder zum Leben. Mehrere andere Wunder erzählt uns ein Schriftsteller damaliger Zeit als Augen- und Ohrenzeuge.

 

Kaum 400 Jahre hatte das Kloster Böddeken unter der segensreichen Wirksamkeit der Augustiner-Chorherrn geblüht, als der Sturm der Säkularisation im Jahr 1803 vernichtend auch für diese Stätte dahinfuhr. Der Staat zog die Klostergüter ein, die Hüter des Heiligtums wurden verjagt, das Kloster in eine königliche Domäne verwandelt und die Pächter gaben sich alle Mühe, das Andenken der Vorzeit gründlich zu zerstören. Die Kirche wurde ihres Schiffes beraubt, nur das feste Chor mit seinen Spitzbogenfenstern trotzte den Zerstörern.

 

Die Reliquien des heiligen Meinolf wurden am 26. August 1806 aus dem silbernen Sarg genommen und in einem Schrank der Bußdorfkirche zu Paderborn niedergelegt. Der kostbare Heiligenschrein ging mit zahllosen anderen kostbaren Heiligtümern in das königliche Museum, manche in die Hände jüdischer Trödler. Das Glöckchen, das man im Grab des heiligen Meinolf fand und von dem die Sage erzählt, dass es, ohne von Menschenhand berührt zu sein, jedes Mal getönt habe, sooft der Tod eines Konventualen nahe bevorstand, hat man vor einigen Jahrzehnten nach Böddeken zurückgebracht.

 

Zur tausendjährigen Jubelfeier unseres Heiligen im Jahr 1847 verfertigte ein junger Künstler einen kostbaren Sarg aus Mahagoniholz, in dem die Gebeine des heiligen Meinolf noch heute in der Bußdorfkirche ruhen, hochverehrt vom katholischen Volk Paderborns, wo der Heilige seine Liebe und Kraft dem Dienst Gottes und dem Heil der Seelen geweiht hatte.

 

Um das Jahr 1852 beschloss der jetzige katholische Besitzer von Böddeken, der Herr von Mallinckrodt, neben der Meinolfslinde eine Kapelle nebst Eremitage für einen Einsiedler zu bauen. Da ein Ast der Meinolfslinde zu weit hinausragte und den Bau hinderte, wurde ein Taglöhner beauftragt des Ast abzuhauen. Aber kaum hatte er die Axt zum Schlag geschwungen, da sah er innerhalb der Trümmer der alten Kapelle einen Mann mit vollem Bart und im Ordenshabit, der streng zu ihm aufsah und mit dem Finger drohte. Der Taglöhner stieg totenbleich vom Baum, erzählte die Erscheinung und war nicht zu bewegen, den Ast abzuschlagen. Der Ast blieb verschont. Als der Bau vollendet war, berief der Besitzer aus Italien einen Eremiten zum Hüter des Heiligtums. Sobald der Taglöhner den Einsiedler erblickte, rief er staunend aus: „Das ist derselbe, den ich in der alten Kapelle sah!“ Mit neuen Ästen und Zweigen grünt noch immer die tausendjährige Meinolfslinde und beschattet die Stätte, wo der Heilige seine irdische Laufbahn begann. Es bewahrheitet sich hier, was ein deutscher Dichter singt:

 

„Die Stätte, die ein guter Mensch betrat,

Ist eingeweiht; nach hundert Jahren klingt

Sein Wort und seine Tat in Liedern wieder.“

 

Seliger Pater Theodorich der Deutsche

Gedenktage und Lebensskizzen hervorragender

Mitglieder des Karmelitenordens

 

Am 5. Oktober 1375 erreichte ein frommer Wandersmann sein ewiges Ziel, bevor er sich noch am Ende seiner Reise in das irdische Vaterland befand. Der heilige Pater Theodorich war ein Deutscher und trat zu Mecheln in den heiligen Orden. Sein Wunsch ging dahin, dem lieben Gott als Laienbruder zu dienen. Allein die Oberen wollten in Rücksicht auf seine hervorragenden Geistesgaben, dass er seine heilige Profess als Kleriker ablege. Zum Priester geweiht, wurde er zu verschiedenen Ämtern, auch als Provinzial für Deutschland gewählt. Theodorich besaß eine tiefe Frömmigkeit und führte ein überaus strenges Leben, trug Tag für Tag ein eisernes Panzerhemd auf dem bloßen Leib und übte viele andere Strengheiten. Darum gewährte ihm der Herr viele Gnaden, selbst Gewalt über die bösen Geister. So trieb er während seines Aufenthaltes zu Rom aus einer besessenen Frau den Teufel aus. Auf der Rückreise von der ewigen Stadt wirkte er eine Reihe von Wundern: z.B. zu Siena, wo er einem Stummen die Sprache wieder verschaffte, und zu Florenz, wo er einen vollständig Gelähmten heilte. Noch hatte er seine Heimat nicht erreicht, sondern war erst zu Venedig angekommen, als der Tod am 5. Oktober 1375 seiner irdischen Wanderschaft ein Ziel setzte. Alle, die ihn kannten, nannten ihn wegen der Tugendhaftigkeit seines Wandels allgemein den "seligen Theodorich". Auch Martyrologien, gedruckte und ungedruckte, führen seinen Namen an, die einen am 5., die anderen am 15. Oktober. In jenem von Venedig (1507) heißt es: "Der heilige Theodorich aus Deutschland, durch welchen Gott sowohl im Leben als im Tod viele Wunder wirkte, worüber zu Venedig, wo sein Leib ruht, Berichte vorliegen."

 

Gebet am 5. Oktober

 

Heilige Jungfrau Maria, Mutter der Güte und Barmherzigkeit. Schrecken und Verwirrung ergreift mich, wenn ich meine Sünden betrachte und an die Stunde meines Todes denke. Meine liebste Mutter, auf dem Blut Jesu und auf deiner Fürbitte ruhen alle meine Hoffnungen. Verlass mich nicht. Erwirke mir doch einen recht großen Schmerz über meine Sünden, wahre Besserung des Lebens und standhafte Treue gegenüber Gott bis zu meinem letzten Atemzug. Erbitte mir dann die Gnade, dass ich im letzten entscheidenden Augenblick meines Lebens deinen und deines Sohnes liebsten Namen auf den Lippen habe und also meinen Geist in die Hände des Schöpfers zurückgebe. Diese Gnade erbitte mir bei Gott, mildeste Jungfrau. Amen. 

 

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Plazidus

 

O Gott, der Du den heiligen Plazidus von seiner Kindheit an zu Deinem Dienst berufen hast, verleihe uns auf seine Fürbitte, dass wir auf dem schmalen Weg, der zum Himmel führt, gehen, und Dir allein dienen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Zu Rom wurde im Jahr 642 an diesem Tag vom heiligen Papst Martin I. in Beisein von 105 Bischöfen ein Konzil begonnen, in dessen sechsten Kanon der gottlose Nestorius, der der seligsten Jungfrau die Eigenschaft der Mutter Gottes absprach, von neuem verdammt wurde. 

Auch wurde am heutigen Tag das vierte allgemeine Konstantinopolitanische Konzil im Jahr 869 unter dem Papsttum Adrianus II. angefangen, in dem die Verehrung der Bilder Jesu Christi, der seligsten Jungfrau und anderer Heiligen von neuem bestätigt worden. 

 

Andacht am 5. Oktober:

 

Das Thema im Oktober:

Vertrauen

"Habt Vertrauen." (Markus 6,50)

 

"Es ist unumgänglich notwendig, sowohl zu seiner eigenen Heilung als zu gesegneten Arbeiten an dem Heil anderer, dass wir uns gewöhnen, in allen Dingen dem lieblichen Licht des Glaubens zu folgen, das immer von einer Salbung begleitet ist, die sich auf geheime Weise in die Herzen ergießt. Eins ist ganz gewiss: dass nur die ewigen Wahrheiten imstande sind, unser Herz zu erfüllen und uns auf dem sicheren Weg zu führen. Glaubt mir, es genügt, dass man sich wohl auf diese Grundfeste stützt, um in kurzer Zeit zur Vollkommenheit zu gelangen und große Dinge auszurichten." (Der heilige Vinzenz von Paul)

Der heilige Philipp Neri betrachtete das Gebet als ein gutes Mittel, ein Geschäft wirksam durchzusetzen. Wenn ich Zeit habe, viel zu beten, sprach er, so hoffe ich mit Zuversicht, von Gott irgendeine Gnade zu erlangen, um die ich zu Ihm bitte; da ich mich gänzlich auf seine Verheißung stütze: "Alles, was ihr im Gebet mit lebendigem Glaube begehren werdet, das werdet ihr erlangen."

Vom heiligen Franz von Assisi wird erzählt, dass sein Bruder ihn einst mitten im Winter sehr leicht gekleidet, barfuß und vor Kälte zitternd vorübergehen sah; und dann, seiner zu spotten, ihn durch einen Diener des Hauses fragen ließ, ob er nicht Lust hat, ihm ein Lot seines Schweißes zu verkaufen. Der Heilige gab aber lächelnd zur Antwort: "Geht hin und sagt meinem Bruder, dass ich bereits alles meinem Herrn und Gott, und zwar um sehr hohen Preis verkauft habe."

Der gottselige Priester Johannes von Avila übte die strengste Armut, das Evangelium umso wirksamer predigen zu können. Er pflegte zu sagen, er hat einen guten Goldquell in der Verheißung des Erlösers gefunden: "Sucht vor allem das Reich Gottes!" - und dieser Ausspruch hat ihn nie im Stich gelassen.

 

Folgen will ich, Herr, dem Licht des Glaubens in allen Dingen, und kein Werk beginnen, bevor ich es nicht Dir vorher im Gebet empfohlen habe. Deine Hilfe, Herr, will ich mit Zuversicht erwarten! Amen. 

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 5. Oktober

 

"Willst du allen Geschöpfen nützen,

so kehre dein Herz von allen Geschöpfen ab

und wende es dem Schöpfer zu."

 

sel. Heinrich Seuse OP

1298 bis 25.1.1366

 

Betrachtung am 5. Oktober - Vom letzten Platz

 

Das reine Herz ist nahe dir, dem Herrn,

Ob selbst es in der tiefsten Hölle wäre.

Das schuldbefleckte aber ist dir fern,

Und flög es in des Himmels höchste Sphäre.

 

1. Die Wunden unseres Hochmuts zu heilen, empfahl der Herr uns die Arznei der Demut durch Lehren, Gleichnisse und durch sein eigenes Beispiel. Er empfiehlt uns den letzten Ort, und damit dieser Ort uns nicht verächtlich vorkommt, wählte er ihn selbst, kam vom Himmel auf die Erde, wurde in einem Stall geboren, und starb auf der Schädelstätte. Waren dies nicht die letzten Orte in dieser Welt? Wer kann nun noch zweifeln, dass der letzte Ort der ehrenvollste ist. O gütiger Erlöser unserer Seelen, noch sind wir so sehr von Hochmut aufgedunsen, dass wir immer höher und höher streben: was würde erst geschehen, wärst nicht du selbst durch dein Beispiel uns vorangegangen.

 

2. Wären wir nicht von unserer Eigenliebe verblendet, so würden wir einsehen, dass der Vorzug eines Ortes nicht von dem Ort, sondern von der Person abhängt. Wenn ich ein Sünder bin, macht der erste Ort mich nicht zu einem Gerechten; und bin ich gerecht, werde ich durch den letzten Ort nicht zum Sünder. Ein heiliger Ort war der Stuhl des Mose. Wurden aber die Pharisäer und Schriftgelehrten, die darauf saßen, dadurch heilig? Kein erhabener Ort ist denkbar, als der Himmel und das Paradies. Dessen ungeachtet wurden weder Luzifer noch der erste Mensch besser darin. Dagegen war Hiob, selbst an dem letzten Ort, auf dem Mist, heilig und überaus wohlgefällig.

 

3. Aber nicht nur zur Übung in der Demut, auch für unsere Ruhe empfahl der Herr uns den letzten Ort. Hohe Bäume und Türme werden am leichtesten von Blitz und Donner getroffen. Wie viele Gefahren, Bitterkeiten, Sorgen, Demütigungen müssen diejenigen verschlingen, die auf den ersten Plätzen stehen, und wie schwer auch ist ihre Verantwortung. Von allen diesen Mühsalen sind jene frei, die auf der letzten Stufe sind. Selig, wer dies erkennt. Noch seliger, wer diese letzte Stelle sich erwählt. Denn niemand wird ihn darum beneiden, niemand ihn befeinden, nie auch kann er von dort tief fallen. Ruhig verfließt sein Leben, und keine strenge Rechenschaft verbittert ihm den Gedanken an den Tod. Psalm 37,34a: "Hoffe auf den Herrn und bleib auf seinem Weg. Er wird dich erhöhen."

 

6. Oktober

 

Die heilige Fides, Jungfrau und Martyrin von Agen,

+ 284-305 - Fest: 6. Oktober

 

In Frankreich gibt es viele Kirchen, die auf den Namen dieser Heiligen geweiht sind, und in einem alten Messbuch ist eine eigene Messe am Tag der heiligen Fides; darin lautet die Sekret so: „Gott, der du immer glorreich bist in deinen Heiligen, und auch in den Schwächsten die Tugend deiner Macht zeigst, um alles Starke der Welt zu beschämen, nimm an dieses Opfer, das wir dir zum Gedächtnis der heiligen Fides, deiner Jungfrau und Märtyrerin, darbringen, und verleihe, dass bei dir uns helfe das Gebet derjenigen, deren heiliges Leben und herrliches Leiden dir gefallen hat. Durch Jesus Christus, deinen Sohn, unsern Herrn. Amen.“ Es gibt nämlich keine furchtsameren Geschöpfe als junge Mädchen; eine Kleinigkeit bringt sie oft in Schrecken und Angst. Deswegen konnte auch an niemand deutlicher sichtbar wurden, was die Kraft Gottes vermag als an Jungfrauen, die den Mut hatten, sich einem Martyrium zu unterziehen, vor dem auch der stärkste Mann zurück bebt. Die alten Akten berichten folgendes:

 

„Die heilige Fides war aus Agen gebürtig von sehr angesehenen Eltern; ein Kind des Ortes durch die Herkunft, ist sie geworden dessen Patron durch den Märtyrertod; adelig durch ihre Abstammung, ist sie noch edler geworden durch die Gnade Christi. Sie ist nämlich in der Stadt Agen allen Christgläubigen zuerst eine Zierde und ein Vorbild des Märtyrertums geworden; sie wollte das zeitliche Leben verlieren, damit sie das ewige besäße, da sie von Kindheit an den Herrn Jesus Christus geliebt und als ihren Gott und Schöpfer anerkannt hat. Sie war zwar jung an Jahren, aber in Gesinnung und Tat war sie alt; schön von Angesicht, war sie noch schöner dem Geist nach, wohlgestaltet im Glanz der Jungfrauschaft und anmutig durch die Heiterkeit ihres Antlitzes.

 

Zu jener Zeit wurde der ruchlose Oberrichter Dacian von den heidnischen Kaisern Diokletian oder Maximinian, die damals in Rom die Herrschaft führten, in die Stadt Agen gesandt. Vom Teufel gehetzt, hatte er den Plan gefasst, die Abgefallenen mit Geschenken zu belohnen und den Christen, die sich aus Furcht vor ihm verbargen, die grausamsten Strafen anzutun. Unverzüglich befahl er, auch die selige Jungfrau Fides aufzusuchen und ihm vorzuführen. Aber diese stellte sich ihm freiwillig, bezeichnete ihren Leib an der Stirn, Mund und Brust mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes, betete zu dem Herrn und sprach: „Herr Jesus Christus, der du den Deinigen immer in allem beistehst, hilf nun deiner Dienerin und gib meinem Mund die rechte Rede, wie ich antworten soll vor dem Angesicht dieses Tyrannen.“ Hierauf ging sie gestärkt durch den Heiligen Geist und mit fröhlichem Mut.

 

Als sie vor dem Richter stand, sagte er in freundlicher Ansprache: „Wie ist dein Name?“ Die heilige Fides antwortete ihm ohne alle Furcht: "Ich heiße Fides (Fides heißt auf Deutsch: Der Glaube) dem Namen und der Tat nach.“ – Der Richter sagte: „Was übst du für eine Religion und welchen Glauben hast du?“ Darauf erwiderte die heilige Fides: „Seit meiner Jugend bin ich eine Christin und diene dem Herrn Jesus Christus mit aller Hingabe des Herzens, seinen Namen bekenne ich und ihm überlasse ich mich gänzlich.“ – Der schlaue Richter aber antwortete mit scheinbarer Ruhe und Güte: „Junges Mädchen, nimm Rücksicht auf deine Schönheit und Jugend und lass dir raten, lass ab von dieser Religion und opfere der heiligsten Göttin Diana, da sie selbst eurem Geschlecht angehört, und ich will dich mit vielen Geschenken reich machen.“ – Die Jungfrau Christi achtete dieses Versprechen wie nichts und antwortete: „Aus der Väter Überlieferung habe ich gelernt, dass alle Götter der Heiden Teufel sind, und du willst mir durch Schmeicheleien einreden, dass ich ihnen opfere?“ – Der Richter, von Zorn ergriffen, sprach zu ihr: „Was, du hast dir herausgenommen, unsere Götter Teufel zu nennen? Entweder wirf dich nieder und opfere den Göttern, oder ich lasse dich peinigen.“

 

Die heilige Fides gestärkt durch das Beispiel der großen Märtyrer und voll Verlangen nach der himmlischen Herrlichkeit, rief bei diesen Drohungen: „Ich bin nicht nur bereit für den Namen meines Herrn Jesus Christus Qualen zu dulden, sondern ich wünsche auch in seinem Bekenntnis den Tod zu leiden.“ – Da befahl der Richter, noch ärger aufgebracht, seinen Dienern, die heilige Jungfrau auf ein metallenes Bett zu legen, mit Ketten an Händen und Füßen darauf auszustrecken und Feuer darunter anzuzünden. Der Befehl wurde vollführt, und die unmenschlichen Diener warfen noch Öl und Fett in das Feuer, so dass die Flammen an ihren Seiten hinaufloderten.

 

Als die Anwesenden das sahen, riefen sie wie mit einer Stimme: O Ruchlosigkeit und Ungerechtigkeit! Warum wird eine Unschuldige und Verehrerin Gottes von angesehenem hohem Stand, ohne alles Verbrechen, so gestraft? Es waren nämlich viele, die, da sie die Standhaftigkeit der heiligen Fides sahen, ihren Nacken von dem verfluchten Joch der Teufel lösten, an den Herrn Jesus Christus glaubten und auch die herrliche Krone des Märtyrertums erlangten. Jener grausame Henker suchte sie zwar auch durch Schmeicheleien und Drohungen zuerst abwendig zu machen; als er sie aber in keiner Weise beugen konnte, gab er zuletzt das Urteil, dass sie gleich der seligen Jungfrau Fides in den Tempel geführt werden sollten, um entweder den Göttern zu opfern, oder enthauptet zu werden. Da die Streiter Christi nun durchaus nicht zum Opfern zu bringen waren, so wurden sie enthauptet und erlangten miteinander glücklich die Krone des Märtyrertums und ewiger Herrlichkeit.“

 

Wenn du von dem Gewissen, von dem Beichtvater, durch eine Predigt, durch ein Buch oder durch das Beispiel oder die Ermahnung eines wahren Christen aufgefordert worden bist, dich ernstlich zu bekehren oder tugendhafter zu leben, da ist dir vielleicht der Gedanke und das Gefühl gekommen: ich kann nicht. Und wenn man es genau nimmt, so ist es auch wahr; du kannst nicht aus eigener Kraft dich besser machen. Darum bist du aber nicht entschuldigt, denn was du nicht aus dir kannst, das kannst du durch Gott. Wer eine schwache Jungfrau, wie die heilige Fides gewesen ist, mit Mut und Kraft erfüllt hat, den furchtbarsten Martern freudig entgegen zu gehen, der kann auch dir die Kraft geben, schlimme Gewohnheiten zu überwinden und tugendhafte Werke auszuüben. Tue nur, was auch die heilige Fides getan hat, rufe inständig Gottes Beistand an durch Jesus Christus unseren Heiland und Fürsprecher, voll Demut in Rücksicht auf deine Schwachheit, voll Vertrauen auf Gottes Kraft in den Schwachen; dann wird Gottes Gnade dir helfen, dass du seinen heiligen Willen im Schweren wie im Leichten auszuüben vermagst.

 

Der heilige Bruno Hartefaust von Köln, Priester, Ordensstifter,

+ 6.10.1101 – Fest: 6. Oktober

 

Kraft und Zähigkeit im ritterlichen Kampf gegen die Feinde des Heils, Treue und Frömmigkeit, hoher Sinn und himmlisches Streben nach den erhabensten Zielen zeichnen einen Mann aus, der die Welt und die schnöde Lust verachtete und dennoch von der Welt zu allen Zeiten wird bewundert werden, der der Ärmste und Niedrigste sein wollte und die höchsten Ehren und den reichsten Gewinn davongetragen hat. Wer bewundert nicht den heiligen Bruno, den Stifter des Kartäuserordens? Von Deutschland aus strahlte seine Heiligkeit und sein gesegnetes Wirken nach Frankreich und Italien hinüber, und noch heute lebt sein Geist und sein himmlisches Streben in seinem Orden fort.

 

Bruno, entsprossen aus der altadeligen Familie, von der harten Faust“, erblickte das Licht der Welt um das Jahr 1035 zu Köln am Rhein. Schon als Kind zeigte er männlichen Ernst und verschmähte Spiel und Kurzweil. Unter den besorgten Augen seiner frommen Eltern und der tüchtigen Lehrer an der St. Kunibertschule entfalteten sich die bedeutenden Geistesanlagen Brunos so herrlich, dass ihm seine Zeitgenossen die Ehrennamen: „Dichter, Philosoph und Theologe“ beilegten und dass sich der Ruhm seines Wissens und seiner Klugheit in allen Ländern Europas verbreitete. Wegen seiner Wissenschaften und Tugenden ernannte ihn der heilige Bischof Hanno von Köln zum Kanonikus seiner Domkirche. Nach dem Tod Hannos begab sich Bruno zu seiner weiteren Ausbildung an die berühmte Schule zu Reims und überragte bald alle seine Studiengenossen derart an Wissen, Frömmigkeit und Bescheidenheit, dass ihn der Erzbischof Gervasius zum Domherrn von Reims ernannte und ihm die oberste Leitung sämtlicher Bildungsanstalten übertrug. Mit hoher Weisheit, glühender Beredsamkeit und heiligem Eifer entzündete er die Herzen seiner Zuhörer und diese trugen seinen Geist in ihre Wirkungskreise hinüber. Man nannte ihn „eine Leuchte der Kirche, einen Lehrer der Lehrer, die Zierde seiner Zeit, das Muster aller Rechtschaffenen.“

 

Nach dem Tod des Erzbischofs Gervasius, der Bruno die Kanzlerwürde anvertraut hatte, wusste sich ein Unberufener durch Ränke und Bestechungen das Oberhirtenamt von Reims zu erschleichen. Bruno mit noch zwei anderen Domherrn führte auf einer Kirchenversammlung Klage gegen den unwürdigen Eindringling Manasses, um den Gräuel der Verwüstung von heiliger Stätte abzuwehren. Erzürnt ließ der entartete Kirchenfürst die Häuser seiner Ankläger niederreißen, ihre Einkünfte einziehen und ihre Stellen verkaufen. Bruno entging persönlichen Misshandlungen durch die Flucht.

 

Schon lange hatte Bruno das Verlangen genährt, die arglistige und eitle Welt zu verlassen und in einem verborgenen Winkel der Erde die Tage in strengen Bußübungen, in Gebet und Betrachtung zu leben. Deshalb legte er sein Amt nieder, gerade in dem Augenblick, als man ihn an Stelle des abgesetzten Manasses auf den Bischofsstuhl erheben wollte, entsagte allem, was er hatte, und begab sich mit sechs gleichgesinnten Freunden im Jahr 1084 nach Grenoble zum heiligen Bischof Hugo, um von ihm ein Plätzchen in stiller Abgeschiedenheit zu erbitten. Hugo nahm die Gottesmänner freundlich auf, denn in einem wunderbaren Gesicht sah er, wie er in einer Einöde seines Sprengels, Kartaus genannt, einen schönen Tempel baute und wie sieben zirkelrunde Sterne aus der Erde emporstiegen und ihm den Weg zum Tempel zeigten. Er führte nun die heilsbegierigen Männer in die wilde Gebirgskluft, von schroffen Felsen umragt, von Schnee und Nebel umzogen. Dort baute Bruno eine Kirche und für je zwei seiner Gefährten eine Zelle, bald aber erhielt jeder seine eigene. Nach dem Namen der Wildnis hießen die Einsiedler Kartäuser.

 

Bruno und seine Genossen führten in der Kartause ein sehr strenges Leben. Sie beobachteten das strengste Stillschweigen, trugen ein härenes Bußkleid, lagen auf harter Streu, nur mit Schaffellen bedeckt, hielten beständiges Fasten, aßen niemals Fleisch, selbst in der Krankheit nicht, dreimal in der Woche genossen sie nur Wasser und Brot, am Dienstag und Samstag gekochte Kräuter, nur am Sonntag und Donnerstag Eier und Käse. Außer an Festtagen genossen sie nur einmal am Tag ihr spärliches Mahl. In ihrer Zelle beschäftigten sie sich mit Bücherabschreiben, im Garten mit Handarbeit, Graben und dergleichen. Nur zum Chorgebet um Mitternacht und zur Vesper am Nachmittag versammelten sie sich in der Kirche. Kam ein Bruder zum Sterben, so wurde er auf geweihte Asche gelegt, und war er unter den Gebeten der Brüder gestorben, so wurden dreißig Tage lang Heilige Messen für ihn gelesen.

 

Ungeachtet der außerordentlichen Strenge des Ordens kamen von nah und fern Männer herbei und baten um Aufnahme, um für ihre Sünden zu büßen oder dem heiligen Bruno in seiner strengen Lebensweise nachzuahmen. Der heilige Bischof Hugo besuchte öfters die frommen Brüder und bediente sich Brunos als Gewissensrates.

 

Sechs Jahre lang hatte Bruno in seiner Einöde glücklich gelebt, als ihn sein ehemaliger Schüler Eudo, jetzt Papst Urban II., nach Rom berief, um sich seines weisen Rates zu bedienen. In Demut brachte der fromme Ordensmann das Opfer des Gehorsams und nahm rührenden Abschied von seiner geliebten Kartause. Einige Brüder begleiteten ihn. Der Papst nahm ihn mit größter Hochachtung auf und wies ihm eine Wohnung in seinem Palast an, allein er sehnte sich nach seiner stillen Kartause zurück, wie ein Fisch nach dem Wasser. Der Papst wählte Bruno zum Erzbischof von Reggio, aber der Heilige war zur Annahme dieser Würde nicht zu bewegen. Erst nach langem Bitten erhielt er die Erlaubnis, sich in einer Wüste Kalabriens, la Torre genannt, eine neue Kartause zu bauen und das stille Einsiedlerleben fortzusetzen. Der Graf Roger von Sizilien baute ihm eine Kirche und mehrere Zellen, denn bald schlossen sich gleichgesinnte Männer dem heiligen Ordensstifter an und wetteiferten mit den Bewohnern der ersten Kartause, die er durch häufige Briefe und liebreiche Ermahnungen in der Verachtung der Welt bestärkte. Der Heilige verfasste auch Erklärungen der Psalmen und der Briefe des heiligen Paulus, sowie eine Elegie über die Verachtung der Welt. Dem Papst blieb er ein treuer Ratgeber und auf mehreren Kirchenversammlungen bekundete er seine Weisheit und seinen Seeleneifer aufs herrlichste.

 

Dem Grafen Roger blieb seine Fürsorge und Liebe zu Bruno nicht unbelohnt. Als er nämlich Capua belagerte, um seinen ungerechterweise gefangenen Verwandten, den Fürsten Richard von Aversa, zu befreien, hatte einer seiner Anführer heimlich sich bestechen lassen, in der Schlacht zum Feind überzugehen. In der Nacht vor dem Entscheidungskampf sah der Graf im Traum den heiligen Bruno mit zerrissenen Kleidern und bitter weinend vor sich stehen, sprechend: „Steh auf, ergreife die Waffen und rette dein und deiner Soldaten Leben!“ Der Graf springt auf, ruft seine Kriegsobersten und befiehlt ihnen, unter die Waffen zu treten. Der Verräter Sergius ergreift die Flucht und der Graf dankt Gott für seine Rettung. Als er einige Zeit später den Heiligen besuchte, wies dieser den Dank auf seinen schirmenden Schutzengel ab.

 

Dem Kloster la Torre stand Bruno jahrelang mit weiser Umsicht vor und er konnte mit Genugtuung auf sein schönes Werk zurückschauen. Als ihm eine schwere Krankheit sein baldiges Sterben ankündigte, ermahnte er seine versammelten Jünger zur Liebe und Opferfreudigkeit, legte eine öffentliche Lebensbeichte ab, betete feierlich das Glaubensbekenntnis und hob besonders seinen Glauben an das heiligste Altarsakrament hervor. Am 6. Oktober 1101 vertauschte er seine arme Zelle gegen einen Himmelsthron. Als man nach 400 Jahren (1515) seine Leiche in la Torre erhob, fand man sie völlig unversehrt. Sein Geist lebt noch heute in alter Kraft und Reinheit segensreich im Kartäuserorden fort.

 

Der heilige Arthold von Belley, Mönch und Kartäuser-Bischof,

+ 6.10.1206 – Fest: 6. Oktober

 

Was man oft gewohnt ist, am Anfang der Heiligenleben zu finden, zeigt sich auch bei diesem Heiligen. Geboren wurde er 1101 in Bugey in Savoyen aus dem edlen Geschlecht von Sothnode. Der heilige Arthold (Artaldus, Arthaud) hatte eine sehr fromme Mutter, die frühzeitig in seine Seele den Samen aller Tugenden legte, die man an ihm später leuchten sah. Sie lehrte ihn besonders die Armen unterstützen, die in großer Zahl ins Schloss kamen, wo sie immer gut aufgenommen wurden. – Welch stete Mahnung für unsere oft so hartherzige Zeit, mit innigstem Flehen das schöne Ablassgebet oft zu verrichten: „Heiligstes Herz Jesu, beschütze unsere Familien“ und, soweit es jedem möglich ist, dementsprechend zu handeln!

 

Artholds Vater hoffte in ihm den Glanz seines Geschlechtes aufs Neue aufblühen zu sehen und ließ ihm deshalb eine sorgfältige Erziehung zuteilwerden. Diesen Absichten entsprach der strebsame Jüngling in bester Weise, da er das Studium und das Gebet sehr liebte. Im Alter von siebzehn Jahren kam er zur höfischen Ausbildung an den Hof Amadeus III. von Savoyen. Doch schon hatte er die Eitelkeit aller Erdendinge und das Glück, das Gott denen aufbewahrt hat, die sich ganz ihm ergeben, durchschaut. Darum fasste er den energischen Vorsatz, den Hof mit dem Kloster zu vertauschen. Nachdem er den Widerstand des Hofes wie seines Vaters überwunden hatte, trat er, neunzehn Jahre alt, bei den Kartäusern ein. Hier fand Arthold wahre Muster der Vollkommenheit, denen er nachzuahmen sich bemühte. Man bemerkte besonders an ihm Liebe zum Gebet, Demut und große Bußfertigkeit. Seine Obern fanden ihn oft in seiner Zelle unbeweglich und wie versenkt in Beschauung der Schönheiten und Erbarmungen des Herrn. Strahlen übernatürlichen Lichtes verklärten bisweilen sein Gesicht am Altar und bei sonstigen heiligen Handlungen. Ein Lebensbeschreiber von ihm sagt, dass seine Seele ein Heiligtum war, wo das Kreuz Jesu Christi auf den Ruinen all der Neigungen der Natur errichtet war.

 

Von seinen Obern wurde Arthold bestimmt, im Jahr 1132 eine neue Kartause zu bauen, nahe bei dem Gut seiner Eltern, wo er zehn Jahre lang ein dem Leib nach sehr hartes, aber in Gott reiches Leben mit seinen Brüdern führte. Als dieses Kloster abbrannte, wurde er auf Verlangen des Bischofs von Genf nun auf seinen Familiengrundstücken aufgebaut und bestand als Kartause von Arvières bis zur französischen Revolution. Sankt Arthaud zeigte sich da als Oberer, was er immer gewesen war, als ein genauer Beobachter der Regel und als ein sicherer Führer seiner Brüder auf den Wegen Gottes. Er verglich die Religiosen, die die Sammlung lieben, in ihrer Zelle der Zurückgezogenheit leben, mit Bäumen in eingezäuntem Grundstück, die all ihre Früchte dem Besitzer zu bringen, während die am Weg zerstreuten Bäume von den Vorübergehenden geschüttelt werden und für den unfruchtbar bleiben, dem sie allein hätten Früchte bringen sollen. Solche Religiosen werden mit leeren Händen einstens vor dem Richterstuhl Gottes erscheinen.

 

Die Sorgfalt des Heiligen erstreckte sich über die Mauern des Klosters hinaus. Er nahm sich der Armen an, so dass sie ihn in ihrer Dankbarkeit ihren Vater nannten. Doch mit der Sorge für das leibliche Wohl des Volkes verband er auch einen großen Eifer, zur katholischen Einheit zu ermahnen. In dem Kampf nämlich, den Friedrich Barbarossa gegen die Päpste, hauptsächlich gegen Papst Alexander III. (1159-1181) führte, ließ sich der Kaiser hinreißen, nacheinander drei Gegenpäpste aufzustellen. Da schrieb der heilige Prior in dieser Sache an den Papst, was Alexander III. in einem noch vorliegenden Schreiben huldvoll erwiderte.

 

Als der heilige Arthold trotz seines hohen Alters nach dem Tod des Bischofs Reynald 1188 zum Bischof von Belley gewählt wurde, verbarg er sich drei Tage lang in einer Höhle. Aber ein übernatürliches Licht verriet ihn und führte die Sucher zum Ort seiner Zurückgezogenheit. Diesem Zeichen des göttlichen Willens sich beugend, nahm Arthold Besitz von seiner Diözese, 87 Jahre alt. Jeden Tag versammelte er in seinem Haus zahlreiche Arme, denen er Nahrung und Kleidung austeilte. Er besuchte die Kranken und gab ihnen zur Heilung der Seele auch die Gesundheit des Leibes. Nach zwei Jahren aber verlangte er wegen seiner Kränklichkeit wieder als einfacher Kartäuser leben zu dürfen. Der neunzigjährige Greis und gewesene Bischof zeigte in der Kartause von Arvières den Eifer, die Einfalt und die Unterwürfigkeit eines Novizen noch durch fast sechzehn Jahre hindurch.

 

Als Arthold aus Schwäche nicht mehr Messe lesen konnte, kommunizierte er meistens jeden Tag. Hierbei wurde ihm einmal der Todestag geoffenbart. In seinen letzten Worten ermahnte er seine Mitbrüder, zum Heiligen Geist, als dem Licht in den Zweifeln und dem Tröster in allen Nöten, und zur Mutter Gottes, als der Beschützerin, ihre stete Zuflucht zu nehmen, sowie zum heiligen Bruno, als dem Modell. Hierauf überließ er sich ganz der Freude beim Gedanken, bald Gott zu sehen und sang das immerschöne Psalmwort: „Ich freue mich, da mir gesagt wurde: wir werden eingehen in das Haus des Herrn.“

 

Der hundertfünfjährige Bischof und Ordensmann empfing nun die letzten Sakramente mit dem Überschwang der rührendsten Dankbarkeit und antwortete auf alle Gebete. Nach der heiligen Kommunion fiel er in eine Art Ekstase. Wieder zu sich gekommen, ließ er sich auf Asche legen. Als man ihm das Kruzifix vorhielt, richtete er sich zitternd auf seine Knie und mit ausgespannten Armen hauchte er in diesem Aufschwung der Liebe seine Seele aus, nach einhundertfünf Jahren der Unschuld und sechsundachtzig Jahren Kartäuserlebens, im Jahr 1206.

 

Artholds Leib wurde in dem kleinen Klostergang beerdigt. Dort verblieb er bis zum Jahr 1640, wo seine Reliquien durch den Bischof von Belley in einen Reliquienschrein verbracht wurden. Als die Kartäuser in der französischen Revolution vertrieben wurden, brachten sie zuvor diesen ehrwürdigen Schatz am Sonntag, den 17. Juli 1791, in die Pfarrkirche von Lochieu, wo er sich noch befindet.

 

Zahlreiche und auffallende Wunder geschahen zu jeder Zeit am Grab des heiligen Arthold und die Volksstimme sprach ihn alsbald heilig. Indes dehnte erst Papst Gregor XVI. seine Verehrung auf die ganze Diözese aus und bestimmte als seinen Festtag den 7. Oktober, da am 6. Der heilige Ordensstifter selbst gefeiert wird. Heute wird sein Fest am 6. Oktober, an seinem Sterbetag gefeiert.

 

Bemerkenswert ist die auffallende Beziehung unseres Heiligen zum heiligen Bruno. Im selben Jahr, 1101, starb der heilige Bruno, in dem sein großer Schüler geboren wurde. Und am selben Tag, am 6. Oktober, starb auch sein heiliger Nachfolger in allen Tugenden, der gewissermaßen nur so alt wurde, um der Kartäuserfamilie ein wunderbarer Wiederschein ihres heiligen Ordensstifters zu sein.

 

Aus dem reichen Tugendleben unseres heiligen Bischofs sei nur noch auf eins aufmerksam gemacht. Wie der Kartäuserorden geradezu vom päpstlichen Hof aus seinen Ursprung nahm und unter den Augen des Papstes Urban II. heranwuchs, so bildete auch die Treue zu Papst und Kirche wie ein stetes Merkmal des Ordens so ein hervorragendes Ruhmeszeichen unseres Heiligen. Und durch diese Tugend verdiente er im höchsten Greisenalter von Gott selbst zur höchsten priesterlichen Würde, der bischöflichen, geführt zu werden, die ein reiches Maß vervollkommnender sakramentaler Gnaden mitteilt und zugleich aufs Neue verpflichtet in dem Sinnbild des Bischofsringes nur eine Leidenschaft zu haben, nur eine Liebe zu kennen: Treue und Liebe zum Papst, zur Einheit der Kirche. Welche Passende und dringendste Mahnung für unsere Zeit. Sentire cum Ecclesia (Fühlen mit der Kirche), unerschütterliche Treue zum Papst, als dem Einheitspunkt der Kirche!

 

Die heilige Maria Franziska von den fünf Wunden U. H. J. Chr.,

Ordensschwester aus dem Dritten Orden des heiligen Franziskus, Mystikerin, + 6.10.1791 – Fest 6. Oktober

 

Im Jahr 1715 wurde einem Goldbortenweber zu Neapel ein Töchterlein geboren, an dem man sehr bald erkannte, dass es von Gott zu Außergewöhnlichem berufen sei. Es hieß Maria Franziska. Schon mit vier Jahren konnte das Kind stundenlang im Gebet verweilen und als es sieben Jahre alt geworden war, bat es bereits zur heiligen Kommunion zugelassen zu werden. Der Priester, der es prüfte, musste staunen sowohl über die ungewöhnlichen Religionskenntnisse der Kleinen als auch über ihre glühende Sehnsucht nach dem Brot der Engel. Demzufolge trug er kein Bedenken, ihr die heilige Kommunion zu gestatten, die sie nun auch nach Möglichkeit täglich empfing. Infolgedessen gelangte sie rasch zu ungewöhnlicher Seelenreinheit und Tugend. Ihren Eltern war sie eine beispielhaft folgsame Tochter, ihrem Vater insbesondere eine vollkommen willige, aber auch ebenso geschickte Helferin in seinem Handwerk. Als sie sechzehn Jahre alt geworden war, bewarb sich ein reicher junger Mann um ihre Hand. Das gereichte nun allerdings ihrem Vater zur größten Freude. Franziska aber erklärte aufs entschiedenste, keinen irdischen Ehebund eingehen zu wollen, da sie sich dem himmlischen Bräutigam verlobt habe. Ihr Vater war über diese ihm gänzlich unerwartete Eröffnung zunächst außer sich vor Zorn und behandelte die Tochter eine Zeitlang in der härtesten Weise. Freudig litt sie diese Trübsal für ihren Heiland. Als der Vater aber endlich sah, dass sie nicht umzustimmen sei und ihm auch ein Geistlicher seine Härte gegen die Tochter verwies, fügte er sich ins Unvermeidliche und gestattete Franziska sogar, das Kleid des Dritten Ordens des heiligen Franziskus zu nehmen und in diesem im elterlichen Haus zu leben.

 

Als Tertiarin bekam Maria Franziska zu ihrem Namen den Beisatz „von den fünf Wunden unseres Herrn Jesus Christus“. Es war eine Vorbedeutung. Denn sie musste von nun an wie der göttliche Heiland viel Hartes und Bitteres leiden. Als sie insbesondere himmlischer Erscheinungen und Verzückungen gewürdigt wurde, schimpften sie ihre Geschwister eine Betrügerin und selbst ihr Beichtvater schien ihr zu misstrauen. Indes erkannte letzterer nach einiger Zeit ihre Frömmigkeit als wahr und probehaltig, brachte sie jedoch in einer anderen Wohnung unter, wo sie mit noch einer Ordensschwester zusammenlebte. Der Herr schickte seine Dienerin aber auch in die Leidensschule der Krankheiten und der Bedrängnis durch den bösen Feind, worin sie jedoch gleichfalls echte Tugend, nämlich vor allem Geduld und Demut, bewies. Sie hielt sich in allem Ernst für das unwürdigste Geschöpf. Dafür begnadete sie der Herr um so reichlicher und herrlicher. Ihre Reinheit war so groß, dass oft ein lieblicher Wohlgeruch von ihr ausging. In ihren himmlischen Entzückungen wurde sie nicht selten wunderbar in die Höhe gehoben. Sie besaß die Gnade der übernatürlichen Krankenheilung und der Weissagung. Sünder bekehrten sich auf ihre Ermahnungen und ihr Gebet. Zuletzt erhielt sie sogar ähnlich dem heiligen Franziskus Christi Wundmale eingeprägt.

 

Als Maria Franziska sechsundsiebzig Jahre alt geworden war, rief sie der göttliche Bräutigam zum ewigen Hochzeitsmahl. Es war am 6. Oktober 1791. Papst Pius IX. hat sie dann im Jahr 1867 heiliggesprochen.

 

Die öftere und tägliche Kommunion, die der kleinen Maria Franziska ausnahmsweise gestattet wurde, ist seit dem berühmten Kommunion-Dekret des Papstes Pius X. seligen Andenkens vom 20. Dezember 1905 eine allen katholischen Christen offen stehende Gnade. Sie ist, wie dieses Schreiben sagt, von Christus dem Herrn und von der Kirche aufs sehnlichste gewünscht. Erforderlich ist dazu nur der Stand der heiligmachenden Gnade und die rechte Absicht. Letztere aber besteht darin, dass man zum heiligen Tisch „nicht aus bloßer Gewohnheit oder Eitelkeit oder menschlicher Rücksicht hinzutrete, sondern um Gott zu gefallen, mit ihm durch innigere Liebe verbunden und durch jenes göttliche Heilmittel in den Stand gesetzt zu werden, unsere Schwachheiten und Fehler zu bekämpfen“. So die Erklärung des Oberhauptes der Kirche.

 

Also „kostet und seht in der heiligen Kommunion, wie lieblich der Herr ist!“ (Psalm 34,9) und zwar so oft als möglich oder vollends täglich, aber stets im Stand der Gnade und in rechter Absicht!

 

Pater Balthasar Romaya

Gedenktage und Lebensskizzen hervorragender

Mitglieder des Karmelitenordens

 

Gedächtnis des lobwürdigen Pater Balthasar Romaya, Doktor der Theologie, Prior zu Köln und zeitweise Provinzial von Niederdeutschland. Die Regierung Pater Balthasars fiel in die Zeit, in der sich die Folgen der Reformation in traurigster Weise geltend machten. Von heiligem Eifer entflammt, tat Balthasar alles, was in seinen Kräften stand, um dem Unheil entgegenzusteuern. Da er erkannte, dass zwar die freiwillige, persönliche Armut überaus gottgefällig sei, jedoch die völlige Mittellosigkeit der Klöster schlimme Folgen zeitige, da er ferner einsah, dass ein ungenügend ausgebildeter Priester nur wenig oder überhaupt nicht imstande sei, Tugend und Frömmigkeit zu fördern, war es seine erste Sorge, zu erreichen, dass die Schuldenlast, die das Kloster drückte, beseitigt werde. Er erweiterte das Gebäude, damit es sich zu einem Noviziat und Studienhaus eignete, wie es der Orden vorschreibt. Auch sorgte er dafür, dass die Bibliothek alle Bücher enthielt, die Lehrer und Schüler benötigten, und wusste mit bewundernswerter Klugheit und Entschiedenheit alle so zum Streben nach Wissenschaft und Tugend zu begeistern, dass er nicht nur eine völlige Umwandlung des Kölner Klosters in geistiger wie geistlicher Hinsicht herbeiführte, sondern auch als Reformator der ganzen niederdeutschen Provinz gerühmt zu werden verdient. Überreich an Verdiensten schied er zu Boppard am 6. Oktober 1620 aus dem Leben. Sein Leib ruht im Chor des dortigen Klosters.

 

Mutter Theresia von Jesus

Gedenktage und Lebensskizzen hervorragender

Mitglieder des Karmelitenordens

 

Am 6. Oktober 1871 starb zu Poitiers in Frankreich die lobwürdige M. Theresia von Jesus, in der Welt Xaveria genannt, als zehntes Kind des berühmten Grafen Joseph von Maistre, geboren am 17. April 1838. Ihr Vater, der hohe, militärische Ehrenstellen bekleidete, war von König Albert, dessen Flügeladjutant er war, zum Gouverneur von Nizza ernannt worden. Theresia vermochte sich durch ihre Munterkeit von frühester Jugend an die Geneigtheit aller zu gewinnen, mit denen sie in Berührung kam. Sie musste sich wohl Gewalt antun, um ihren Charakter nach dem Ideal der christlichen Vollkommenheit zu bilden, denn sie war von Natur sehr launenhaft und eigensinnig und strebte alles, wonach sie verlangte, mit Unbeugsamkeit zu erreichen. Francesca, ihre ältere Schwester, eine überaus fromme tugendhafte Seele, suchte im Auftrag der Mutter der kleinen Xaveria klar zu machen, dass sie dagegen ankämpfen müsse. Gelegentlich ihrer ersten heiligen Kommunion müsse es sich zeigen, ob die Gnade in ihr siege oder unterliege. Ihre Lehrerin hatte sich nicht vergeblich bemüht. In Xaverias Herzen erglühte wirklich der heiße Wunsch, der Herr möge alles in ihr zerstören, was sie hindere, der "Liebling Jesu" zu werden. Es waren wohl noch nicht alle Fehler ihrer lebhaften, reichen Natur für immer verschwunden, jedoch die entscheidende Richtung für ihr ganzes ferneres Leben war gegeben. Las man ihr etwas Heiteres vor, so hörte das achtzehnjährige Mädchen aus Entgegenkommen wohl zu, sprach aber dann, wenn sie mit ihrer Schwester allein war: "Wie langweilen mich doch diese Bücher! Ich kann diese weltlichen Geschichten gar nicht hören, sie nützen ja zu nichts." Körperliche Schmerzen und innere Leiden, die sie mit so großer Geduld ertrug, dass ihre Umgebung kaum eine Ahnung davon hatte, ließen sie immer mehr ausreifen. Im Jahr 1861 gewann sie besonders viel durch die Anleitung Pater Santinis SJ, der längere Zeit in ihrer Familie weilte und dem sie sich ganz eröffnete. Der Tod ihrer Schwester Francesca, die dreißigtägigen Exerzitien, die sie unter Pater Santinis Leitung machte, und besondere innere Gnaden, die sie empfing, brachten sie zu dem Entschluss, Karmelitin zu werden. Die Kraft der Überzeugung von der Echtheit ihres Berufes ließ sie alle Hindernisse überwinden und am 15. Mai 1862 in den Karmel zu Poitiers eintreten. Im Kloster bot sie das Bild einer vorzüglichen Ordensfrau, die ganz in ihrem Beruf aufgeht und täglich lauterer und vollkommener wird. Man wählte sie zur Subpriorin, dann zur Priorin. Als die Stunde ihres Scheidens von dieser Welt kam, erfüllte großer Jammer über den Verlust der treubesorgten Mutter das ganze Kloster. Auf die Nachricht von ihrem Hinscheiden eilte das Volk in Scharen herbei, um sie von der Kapelle aus nochmals zu sehen, und jeder fühlte sich glücklich, vor diesem ehrwürdigen Leib zu knien. Ja man fühlte sich gedrängt, die Selige mehr um ihre Fürbitte anzurufen als für sie zu beten. Unaufhörlich ließ man Andachtsgegenstände an dem Leib der seligen Mutter anrühren, als ginge ein Segen, eine Kraft, ein Wohlgeruch von ihr aus, dass man sich mit Gnaden bereichert glaubte, wenn man etwas bei sich trug, das sie berührt hatte.

 

Bruder Laurenz vom Kinde Jesu

Gedenktage und Lebensskizzen hervorragender

Mitglieder des Karmelitenordens

 

Gedächtnis des Bruders Laurenz vom Kinde Jesu. Geboren zu Höchst bei Mainz am 18. Juli 1605, hieß er mit seinem weltlichen Namen Lorenz Schneider. Laurenz trat am 11. Oktober 1626 als Laienbruder in den Orden und legte zu Würzburg seine Profess ab. Nach München versetzt, wurde er dort als Almosensammler verwendet, welches Amt er in lobwürdigster Weise verwaltete, nicht nur weil er dem Kloster das notwendige Einkommen von den Wohltätern erbat, sondern noch vielmehr durch sein vortreffliches Tugendbeispiel, das er allen gab. Nie trat er seinen Weg an, ohne vorher vor dem Tabernakel den geheimnisvoll gegenwärtigen Heiland innig um Segen und Beistand gebeten zu haben. Auf dem Weg war er ein Muster der Bescheidenheit und Leutseligkeit, weshalb er von den Weltleuten ebenso geschätzt und geliebt wurde, wie von den Mitbrüdern im Kloster. Wer hätte sich auch nicht erbauen müssen, wenn er ihn sah, wie er selbst bei Schneefall, oder wo die Wege infolge Regenwetters kaum gangbar waren, barfuß daherkam. Er beklagte sich nie, mochte die Ungunst der Witterung noch so groß sein, mochten die Schrunden an den Füßen auch heftigst schmerzen. Im Kloster selbst besorgte er für die Mitbrüder die Wäsche mit solcher Emsigkeit, dass kein Oberer zu mahnen brauchte und kein Mitbruder zu klagen hatte. Dabei unterließ er keine der im Orden gebräuchlichen Abtötungen, Tugend- oder Andachtsübungen. Besonders war er dem Kinde Jesu zugetan. Es war ihm ein großer Trost, dass er im Auftrag der Oberen die Statue desselben schmücken durfte, was er mit allem Eifer und größter Ehrfurcht zumal an den Vorabenden vor Festen tat. Für sein Jesulein erbat er sich bei guten Leuten Reste von Stoffen und kleidete es damit so zierlich, dass es eine Pracht war. Drei Jahre vor seinem Tod verließen ihn infolge des hohen Alters die körperlichen und geistigen Kräfte, so dass er, einem hilflosen Kind gleich, ganz auf die Bedienung der Mitbrüder angewiesen blieb. Bruder Laurenz ertrug es in Geduld aus Liebe zum Herrn, der alles vergilt mit reichlichem, ewigem Lohn. Dieser wurde ihm am 6. Oktober 1681 zuteil. 

 

Pater Vinzenz vom heiligen Ludwig

Gedenktage und Lebensskizzen hervorragender

Mitglieder des Karmelitenordens

 

Gedächtnis des lobwürdigen Pater Vinzenz vom heiligen Ludwig. Pater Vinzenz verlebte die ersten vierzehn Jahre seines Lebens im Protestantismus. Glücklich in den Schoß der heiligen, katholischen Kirche gelangt, wurde er ein überaus eifriges Mitglied der Kirche. Während er zu Douai in Belgien dem Studium der Philosophie oblag, gewann er - zumeist durch die Lesung der Schriften unseres lobwürdigen Pater Johannes von Jesus Maria - eine tiefe Erkenntnis der Hinfälligkeit alles Irdischen. Mit seiner Berufswahl beschäftigt, schwankte er lange hin und her, ob er sich ganz in die Einsamkeit zurückziehen oder der Bekehrung der Irrgläubigen, besonders seiner Angehörigen widmen solle. Da zeigten ihm wieder die Schriften des lobwürdigen Johannes von Jesus Maria den richtigen Weg. Der Karmelitenorden übt das beschauliche Leben, schließt aber seelsorgliche Tätigkeit nicht aus. Darum trat Vinzenz am 18. Februar 1618 in den Orden ein. Nach Vollendung der theologischen Studien wurde er mit verschiedenen Arbeiten betraut. So wählte ihn das Provinzialkapitel im Jahr 1620 zum Subprior in Douai, 1631 zum Prior von Löwen. Im Jahr 1637 wurde ihm seiner besonderen Befähigung wegen die Gründung des Konventes zu Mecheln, ein Jahr darauf die Gründung des Konventes zu Gent aufgetragen. Schon bei dieser Gelegenheit war er wiederholt nach Holland gekommen; am 8. Juni 1648 wurde er von der Kongregation de Propaganda fide als apostolischer Missionar nach Leiden in Holland abgeordnet. Es lässt sich nicht mit Worten aussprechen, wieviel ihm diese Kirche verdankt. Staunenerregend ist die Wirksamkeit, die er hier auf der Kanzel, im Beichtstuhl sowie im trauten Verkehr mit den Familien entfaltete. Dabei scheute er keine Beschwerde, ja selbst die offenbare Lebensgefahr nicht, der er sich in Utrecht und Leiden, um des heiligen Glaubens willen, wiederholt aussetzte. Was er nicht persönlich besorgen konnte, ließ er durch andere tun. So leitete er drei fromme Jungfrauen an, nach seiner Anweisung und in seinem Auftrag die Kinder im Katechismus zu unterrichten. Im Jahr 1655 brach die Pest aus und wütete so schrecklich, dass gegen 1200 Bewohner Leidens dahingerafft wurden. Pater Vinzenz spannte alle seine Kräfte an und verdoppelte seinen Eifer, um die vervielfältigte Arbeit bewältigen zu können. Schließlich erlag er selbst der Krankheit und starb am 6. Oktober, wohlvorbereitet, bei vollem Bewusstsein, ganz gottergeben und heiter, ja freudig. Wir dürfen uns darüber auch nicht wundern, wusste er doch, dass er in der Ewigkeit nur Gutes zu erwarten hatte.

 

Gebet am 6. Oktober

 

Meine Königin, von wie vielen Gefahren hast du mich schon befreit. Wie große Erkenntnis, wie viele Gnaden hast du mir von Gott erlangt. Was habe ich dir Gutes getan, auf welche Weise habe ich dich zu Ehren versucht, nachdem du fortwährend bemüht gewesen bist, mir Gutes zu tun? O liebe, o liebenswürdigste Jungfrau Maria! Du hast das Herz deines Gottes gewonnen, nimm denn auch mein armes Herz in Besitz und heilige mich. Ich liebe dich, ich vertraue auf dich. Liebliche Mutter Gottes, bitte für uns! Amen. 

 

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Bruno

 

Wir bitten Dich, o Herr, hilf uns auf die Fürbitte Deines heiligen Bekenners Bruno, damit wir, die wir Dich durch unsere Sünden schwer beleidigt haben, Verzeihung erlangen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Der heilige Bruno hat die Andacht zu Maria in seinem heiligen Orden festgesetzt. Die ersten Kirchen in Kalabrien wurden unter Anrufung der göttlichen Mutter geweiht. Die Ordensglieder haben täglich das Offizium von der seligsten Jungfrau zu beten. Viele andere marianische Andachtsübungen sind bei ihnen gebräuchlich.

Am heutigen Tag hat Papst Leo X. im Jahr 1530 die Ablässe der Rosenkranz-Bruderschaft gutgeheißen und bestätigt durch die Bulle: Pastoris aeterni etc.

 

Andacht am 6. Oktober:

 

Das Thema im Oktober:

Vertrauen

"Habt Vertrauen." (Markus 6,50)

 

"O Gott meiner Seele, wer gibt meinen Worten so große Kraft, dass sie es auszudrücken vermögen, was Du denen verleihst, die vollkommen auf Dich vertrauen; und was jene verlieren, die auf sich selbst vertrauen und sich brüsten; selbst wenn sie der Gnade lange Zeit treu gewesen wären und die wunderbarsten Tröstungen von Dir empfangen hätten!" (Die heilige Theresia von Avila)

Luzifer, das Oberhaupt der Engel, fiel vom Himmel; Judas wurde, nachdem er zum Apostel erwählt worden war und mehrere Jahre hindurch die Worte des Lebens aus dem Mund Jesu Christi angehört hatte, zum Verräter an seinem göttlichen Herrn! Fürchten wir also, und hören wir nicht auf, uns zu fürchten, sprach ein heiliger Mann.

Wenn die heilige Theresia von Avila mit dem wunderbarsten Trost heimgesucht wurde, sprach sie zu Gott: "Mein Gott, warum ergießt Du Deine Gnaden in ein so unreines Gefäß? Wie, hast Du denn meine Sünden so schnell vergessen?" 

"Welcher Ursache schreibt ihr euren Fall zu?" fragte der heilige Philipp Neri die, die, nachdem sie längere Zeit hindurch Gott gedient hatten, sich eines schweren Fehlers anklagten. "Wisst, dass euer Hochmut die Ursache eures Falls ist! Wäret ihr demütig gewesen, so wäret ihr nicht gefallen; wenn ihr nun aufstehen wollt, so demütigt euch tief."

 

Mein Gott, wie gütig und liebevoll erzeigst Du Dich gegenüber denjenigen, die sich selbst misstrauen und ihr ganzes Vertrauen auf Dich setzen! Nicht aufhören will ich zu fürchten; weil ich zu schwach bin; aber auch nicht aufhören will ich, auf Dich zu vertrauen, weil Du mein gütiger Vater bist! Amen. 

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 6. Oktober

 

"Die Demütigen sind immer mit der ganzen Welt in Frieden,

weil man ihnen nichts sagen oder tun könnte,

was sie nicht gut aufnehmen."

 

hl. Vincenz Ferrerius OP

1350 bis 5.4.1419

 

Betrachtung am 6. Oktober - "Wer sich selbst erhöht,

der wird erniedrigt werden."

 

Die Hoffart strebt Gott stets entgegen,

Vom Himmel stürzt er sie hinab;

Die Hölle selber ward ihr Grab;

Die Demut aber fand den Segen.

 

1. Die Menschen verachten und demütigen einen hochmütigen, und achten dagegen einen bescheidenen, demütigen Menschen. Hierin stimmen die Gesetze des Evangeliums und der Welt überein. Wie aber befolgen wir selbst diese himmlische Vorschrift? Wie oft verletzen wir sie durch unser Betragen? Wäre die Demut die Richtschnur unseres Lebens: wie viele Gehässigkeiten, Zankereien, Feindschaften, Murren und Ärgernisse würden wir vermeiden. Zeigen wir nicht in unserer Weise uns zu kleiden, in den Vorzügen, nach denen wir streben, und in allen unseren Ansprüchen, dass wir nur darauf ausgehen, vor den Menschen zu glänzen? Was würden sie wohl von uns denken, wenn sie in unserem Inneren lesen könnten?

 

2. Gewiss gibt es niemand, der nicht in gewisser Hinsicht den Vorzug vor uns verdiente, denn entweder ist ein Mensch edler, mächtiger, fähiger und nützlicher, oder aber er ist frömmer, eifriger und heiliger, als wir. Immer auch werden wir solche finden, mit denen wir uns in keiner Beziehung messen können. Billig sogar sollten wir dem letzten Sünder uns nachsetzen, denn hätte er so viele Gnaden empfangen, als uns zuteilwurden: wie weit wohlgefälliger würde er vor Gott leben. Das gleiche gilt auch von Menschen ohne Bildung, von denen wir gewiss glauben dürfen, dass sie uns bei weitem übertreffen würden, wenn die göttliche Vorsehung sie an unsere Stelle gesetzt hätte.

 

3. Was aber sind wir erst vor Gott. Erkennen wir doch unser Nichts, unser Unvermögen, unseren Unwert, unsere zahllosen Sünden und Vergehen. Sind wir nicht in die tiefsten Laster versunken, so ist es seine Güte, die uns davor behütete. Tun wir aber irgendetwas Gutes, so gebührt ihm alle Ehre dafür, da von ihm das Wollen und das Vollbringen kommt. Wie viele, die nicht in den Schranken der Demut sich bewahrten, verloren die Andacht, den Eifer, ja sogar den Glauben, und fielen in die schändlichsten Laster. Wollen wir demnach zeitlicher und ewiger Schmach entkommen, so bewahren wir uns in der Demut. Jakobus 4,6b: "Gott tritt den Stolzen entgegen, den Demütigen aber schenkt er seine Gnade."

 

7. Oktober

 

 Rosenkranzfest

 

Maria vom Sieg

 

Alljährlich wird in der ganzen katholischen Christenheit am 7. Oktober (früher am ersten Sonntag im Oktober) das Rosenkranzfest gefeiert. Welche Begebenheit zur Einsetzung dieses Marienfestes die nächste Veranlassung bot, soll immer wieder erzählt werden.

 

Hart bedrängt war die ganze Christenheit, als die Türken im Jahr 1566 die Insel Chio erobert hatten und ihr Sultan Soliman 1570 seinen grausamen Feldherrn Mustapha absendete, um sich der Insel Zypern zu bemächtigen. Papst Pius V. wendete alle Kräfte an, die christlichen Fürsten zum gemeinschaftlichen Widerstand gegen den Erbfeind des Christentums zu bringen. Allein nur Spanien und die Republik Venedig, die dem Andrang der wilden Horden zunächst ausgesetzt waren, rüsteten sich. In Deutschland loderte die die Flamme des Reformationskrieges, und der Kaiser wurde dadurch gehindert, seine Macht zu teilen. Langsam ging die Mobilmachung der Spanier vor sich. Unterdessen bemächtigte sich Mustapha der Insel Zypern, brach treulos die gemachten Friedensbedingungen und ließ die Einwohner grausam behandeln, größtenteils ermorden oder an die Galeeren schmieden. Besonders unmenschlich verfuhr er gegen den Statthalter Bragadin, indem er ihm Nase und Ohren abschneiden, ihn auf dem Platz öffentlich schinden und danach seine mit Stroh ausgefüllte Haut samt den Köpfen der vornehmsten Einwohner nach Konstantinopel bringen ließ. Außerdem wurde der Sohn des lebendigen Gottes öffentlich verhöhnt und gelästert, und, wo es nur möglich war, die Kirchen geschleift oder in Moscheen verwandelt. Was hatte das christliche Europa zu erwarten, als Soliman im Jahr 1571 mit einem gewaltigen Kriegsheer über die Venetier herfallen und über die anderen christlichen Länder sich ausbreiten wollte? Furcht und Schrecken bemächtigten sich aller Gemüter. Ganz Europa wandte sich zu Gott, und die Gläubigen zur heiligen Jungfrau, als der Fürsprecherin, als der Mutter aller Christen und der Schützerin der heiligen Kirche. Zahlreich strömten sie zu ihrem Gnadenort, nach Maria-Loretto. Johann von Österreich, der Anführer der christlichen Armee, gelobte, wenn es ihm gelingen sollte, mit seiner geringen Macht das feindliche Heer zu schlagen, persönlich Loretto zu besuchen und der Mutter des Herrn als Siegerin öffentlich zu huldigen. Beide Mächte waren sehr ungleich. Die türkische bestand aus mehr als zweihundert Galeeren und beiläufig fünfzig kleinen Schiffen, die mit siebzigtausend streitbaren Männern besetzt waren, die christliche hingegen, zählte nur einhundertdreißig Galeeren, beiläufig dreißig andere Schiffe und zwanzigtausend Soldaten. Doch Gott ließ das Vertrauen des christlichen Volkes nicht zu Schanden werden. Am 7. Oktober kam es zur Schlacht. Sie dauerte von sechs Uhr morgens bis zum Abend. Der Sieg war auf der Seite der Christen, denn Maria kämpfte für die Christenheit. Ungefähr dreißigtausend Türken liegen erschlagen, hundertsiebzehn Schiffe sind erobert, siebzig in den Grund gebohrt, hundertsechzehn Kanonen und hundertfünfzig Feldschlangen erbeutet, fünfzehntausend gefangene Christen in Freiheit gesetzt.

 

Allgemein wurde dieser so wichtige und vollkommene Sieg der Christen Mariens Fürsprache zugeschrieben. Papst Pius V., der Heilige, hatte am Tag der Schlacht ein Gesicht vom Sieg der Christen. Er war eben in Arbeiten mit den Kardinälen begriffen. Plötzlich verließ er sie, schaute einige Augenblicke gen Himmel, schloss das Fenster, das er geöffnet hatte, und sprach: "Nun sei nicht mehr die Rede von Geschäften. Nur Dankgebete sollen zum Himmel geschickt werden für den Sieg, den Gott soeben der christlichen Armee verliehen hat." Er setzte zur Erinnerung dieses großen Ereignisses das Fest "Maria vom Sieg" ein, das später von Papst Gregor XIII. auf den ersten Sonntag im Oktober übertragen wurde und nun jährlich am 7. Oktober unter dem Namen "Rosenkranzfest" gefeiert wird. Papst Gregor XIII. erklärte, erwähnter Sieg der Christen sei als eine Wirkung der Fürbitte Mariens anzusehen, da er an demselben Tag erfochten wurde, an dem die Mitglieder der Rosenkranzbruderschaft, die zur Ehre der allerseligsten Jungfrau errichtet worden war, ihre feierlichen Prozessionen in allen Provinzen hielten und Gott durch die Fürbitte seiner gebenedeiten Mutter um einen glücklichen Ausgang des Krieges anriefen. Von der Zeit an wurden auch nach Anordnung Pius V. der Lauretanischen Litanei die Worte beigesetzt: "Helferin der Christen!"

 

Die heilige Ositha (Osgith), Äbtissin und Martyrin von Chich, England,

+ 7.10.870 - Fest: 7. Oktober

 

Die heilige Ositha, eine Prinzessin von England, ist wahrscheinlich im Anfang des neunten Jahrhunderts auf die Welt gekommen. Friedebaldus und Wilteberga, ihre Eltern, weil sie selbst zu aller Andacht geneigt waren, haben ihre Tochter frühzeitig in ein Kloster geschickt, damit sie dort gottesfürchtig erzogen würde. Die heilige Editha, eine leibliche Schwester des Königs Alfridus, stand diesem Kloster, in dem die kleine Ositha sich aufhalten sollte, als Oberin vor. Gleichwie sie nun selbst einen heiligen Lebenswandel führte, so bemühte sie sich, auch Ositha zu aller Tugend anzuweisen. Ositha zeigte sich bereit zu allem, und ließ schon in ihren zarten Jahren einen solchen Eifer verspüren, dass man von einer erwachsenen Klosterfrau kaum mehr hätte erwarten können. Das Beispiel ihrer heiligen Oberin und anderer gottgeweihten Frauen stand ihr beständig vor Augen, und nach diesem versuchte sie ihr Leben einzurichten.

 

Nach einigen Jahren wurde sie vom Vater aus dem Kloster an den Hof berufen. Sie vermerkte dort sehr viele Gefahren, ihre Unschuld zu verlieren, wusste sich aber dem entsprechend zu verhalten, so dass sie allen Gefahren widerstand. Die Mittel, die sie dazu gebrauchte, waren vor allem Gebet, Betrachtung und der häufige Empfang der heiligen Kommunion. Auf dem Weg der Tugend, den sie im Kloster zu gehen angefangen hat, blieb sie standhaft, und ließ sich keineswegs durch die Ausgelassenheit des Hoflebens einnehmen.

 

Mit der Zeit geschah es, dass Sigerius, ein mächtiger Beherrscher der Sachsen, Ositha zur Ehe begehrte. Die Eltern willigten ohne weitere Bedenken ein; Ositha aber, die sich schon vorher durch ein Gelübde mit dem jungfräulichen Leben verbunden hatte, konnte durch alle möglichen Zureden und Versprechungen nicht zur Einwilligung gebracht werden. Schließlich gebrauchten die Eltern Gewalt und Ositha wurde gezwungen das Jawort zu geben. Die Hochzeit wurde mit königlicher Pracht vollzogen. Die königliche Braut aber sandte ihre Seufzer zu Gott und bat inständig um mächtigen Schutz ihrer Jungfräulichkeit. Gott gab ihr auch besondere Gnade, dass sie ihren Gemahl unter allerhand Vorwand abhielt von dem, wodurch ihr Gelübde verletzt werden konnte. Es ereignete sich auch unversehens ein Zufall, der Sigerius an einen anderen Ort berief. Kaum hatte er sich entfernt, da lief Ositha heimlich vom Hof weg, floh in ein Kloster, ließ sich dort die Haare abschneiden und ein geistliches Kleid anlegen. Dann nahm sie ihre Zuflucht mit größerer Zuversicht zu Gott, demütigst bittend, er möge das Herz ihres Mannes so leiten, dass sie von dem, was sie aus Liebe zur Jungfräulichkeit getan hatte, nicht mit Gewalt hinfort geholt werde. Das Gebet ist erhört worden; denn als Sigerius alles vernahm, was sich zugetragen hatte, zeigte er zwar einen heftigen Schmerz über den Verlust seiner so liebenswürdigen Gemahlin, wollte sie aber nicht von ihrem Vorhaben abhalten, sondern wünschte ihr Glück zu dem Stand, den sie erwählt hatte. Er baute ihr sogar ein besonderes Kloster und unterhielt es dann auch mit reichlichen Einkünften, damit sie dort mit allen, die ihrem Beispiel folgen wollten, Gott dem Herrn desto ruhiger dienen könnte. Das Vergnügen, mit dem das Herz der keuschen Ositha deswegen ganz erfüllt wurde, war größer, als dass man es mit Worten erklären könne.

 

In dem neu erbauten Kloster führte die heilige Ositha ein mehr engelhaftes, denn menschliches Leben so lange, bis ein dänischer Seeräuber mit etlichen Schiffen in der Nähe ihres Klosters angelandet und mit seinen Kumpanen an Land gestiegen ist. Die ganze Gegend, wo der Barbar hinkam, wurde durch Rauben und Plündern, durch Feuer und Schwert verheert. Die größte Wut ergoss sich über das das Kloster. Der Seeräuber, als er eingedrungen war und die heilige Ositha zu Gesicht bekommen hatte, ließ sich von ihrer außerordentlichen Schönheit ganz einnehmen. Und als er hörte, dass sie von königlicher Herkunft war, verlangte er sie zur Ehe. Die keusche, Gott verlobte Jungfrau, beteuerte ohne jede Zaghaftigkeit, dass sie sich niemals mit ihm in eine Ehe einlassen könnte noch wollte, sowohl weil sie eine Christin und er ein Heide sei, als auch weil sie sich schon mit dem himmlischen Bräutigam vermählt hätte. Der Barbar wollte nicht weichen, setzte ihr mit Liebkosen und Versprechen lange Zeit zu. Da er aber merkte, dass dies umsonst wäre, verkehrte er die Liebe in eine Raserei und verlangte mit vielen Drohungen: wenn sie sich nicht mit ihm verehelichen wollte, so sollte sie wenigstens den Glauben Christi verlassen, sonst würde sie keine Stunde mehr zu leben haben. Die heilige Ositha, ganz erfreut über die Gelegenheit, Christus zu Liebe ihr Leben zu lassen, rief ganz unerschrocken, dass sie bereit wäre, eher nicht nur einmal, sondern hundertmal zu sterben, als von dem Glauben Christi abzuweichen. Einen so unerwarteten Heldenmut konnte der Unmensch nicht ertragen, sondern zog voller Wut sein Schwert aus der Scheide und schlug der keuschen christlichen Heldin mit eigener Hand das Haupt ab. Mit einem so glorreichen Ende beschloss die heilige Ositha ihr unschuldiges Leben. Gott hat ihr Grab durch viele Wunderwerke bei der Nachwelt herrlich gemacht.

 

Der Christ ist stark, aber nur in Gott. Je näher mit Gott verbunden, desto stärker wird er. Darum seufzen fromme Seelen so sehr nach der Liebe Gottes, nach der Vereinigung mit Gott; darum lieben sie die Andacht, die zu Gott hinauf zieht, die Einsamkeit, die Gottes Gegenwart in der Seele vor Zerstreuung bewahrt. Die öftere Kommunion ist den liebenden Seelen die Vereinigung mit Gott und die Quelle aller Gnade, aller Stärke, alles Trostes und allen geistigen Lebens; denn in Christus sind alle Schätze der Gnade und des Lebens verborgen.

 

Der heilige Markus, Papst und Bekenner von Rom,

+ 7.10.336 – Fest: 7. Oktober

 

Der heilige Markus, geboren in Rom, ließ sich unter die Geistlichen dieser Stadt aufnehmen, diente Gott in aller Frömmigkeit, und zeichnete sich besonders durch seinen Eifer und seine Nächstenliebe aus. Die Verfolgung hatte zu Anfang des Jahres 305 im Abendland ein Ende genommen. Bald aber brach sie aufs Neue aus unter der Regierung des Maxentius. Der heilige Markus, erhaben über alle Furcht vor den Gefahren, die die Kirche Gottes bedrohten, wachte mit allzeit reger Sorgfalt über das Heil der Gläubigen. Die Zeiten, die die Heiden ihm frei ließen, benützte er zur Stärkung der Diener Jesu Christi. Er wusste, dass der höllische Feind nie einen Waffenstillstand gibt, und dass besonders im Frieden seine Fallstricke am gefährlichsten sind. Wegen seiner Tugenden wurde er zum Nachfolger des heiligen Silvester erhoben, unter dessen Oberhirtenamt er der Kirche ausgezeichnete Dienste erwiesen hatte. Die Zeremonie seiner Thronbesteigung wurde am 18. Januar 336 begangen. Er saß nur acht Monate und zwanzig Tage auf dem Stuhl des heiligen Petrus, denn schon am 7. Oktober desselben Jahres hat ihn Gott zu sich gerufen. Nach dem von Anastasius bekannt gemachten Pontifikat, hat er zwei Kirchen gebaut, die erste auf der ardeatischen Straße, die zweite in der Stadt selber, nicht weit vom Kapitol. Man begrub ihn auf der ardeatischen Straße, auf dem Balbinischen Friedhof, so genannt von einer heiligen Martyrin, deren Überbleibsel auf ihm ruhten. Dieser Kirchhof, vormals der Prätextanische genannt, ohne Zweifel wegen einer berühmten Person dieses Namens, war nicht weit entfernt von dem Kalixtischen, der auf der appischen Straße lag. Der heilige Markus hatte ihn verschönert, aus Ehrfurcht gegenüber den heiligen Blutzeugen, die dort begraben waren, und er ahnte damals nicht, dass der Friedhof dereinst seinen Namen tragen würde. Papst Damasus lobt in seiner Grabschrift dessen außerordentliche Uneigennützigkeit, vollkommene Verachtung aller Weltgüter und seltenen Gebetseifer, wodurch er den Segen des Himmels auf die Herde Gottes herabgezogen habe.

 

Der Name des Heiligen kommt im Kalender des Liberius und in den abendländischen Martyrologien vor. Zu Rom steht eine Kirche unter seinem Namen, worin auch seine Reliquien aufbewahrt werden.

 

Die heilige Justina, Märtyrin von Padua,

+ 3. / 4. Jhd. – Fest: 7. Oktober

 

Die heilige Justina litt um das Jahr 304. Der Dichter Fortunat setzt sie in die Zahl der berühmten Jungfrauen, deren Heiligkeit und Siege der Kirche zur Ehre und zur Erbauung gereichen. Sie war, schreibt er, die Zierde der Kirche von Padua, wie die heilige Euphemia die Zierde von Chalcedon, und die heilige Eulalia die von Merida in Spanien waren. In seinem Gedicht auf den heiligen Martin empfiehlt er den nach Padua Reisenden, sie sollen das Grab der heiligen Märtyrin ehrfurchtsvoll küssen. Die in dieser Stadt ihr zu ehren erbaute Kirche ist eine der schönsten, die man sehen kann.

 

Der ehrwürdige Bruder Georg von Augsburg (von Pfronten), Kapuziner,

+ 7.10.1762 – Gedenktag: 7. Oktober

 

Am 18. Juni 1922 wurden im Beisein des Bischofs und Weihbischofs von Augsburg in der Kapuzinerkirche zu Kempten im Allgäu die irdischen Überreste des ehrwürdigen Kapuzinerbruders Georg feierlich beigesetzt. Die Steinplatte, die die neue Ruhestätte des Dieners Gottes deckt, besagt uns: „Hier ruht im Frieden Christi der ehrwürdige Bruder Georg von Pfronten, gestorben 1762 in Frascati bei Rom im Ruf der Heiligkeit, hierher übertragen 1922.“ Nach zweihundert Jahren ist Bruder Jörg, der wackere Schwabe, wieder zu seinen Landsleuten zurückgekehrt. Benedikt XV. (+ 22. Januar 1922) ist es noch gewesen, der auf Bitten der bayerischen Kapuziner die Erlaubnis gegeben hat, dass die Reliquien des ehrwürdigen Bruders, der in der „Ewigen Stadt“ sich das Bürgerrecht der himmlischen Stadt Gottes verdiente, seiner irdischen Heimat wieder zurückgegeben wurden.

 

Zu Kreuzegg in der Pfarrei Pfronten betrat Andreas, dem unter diesem Namen in der Taufe das Leben der Gnade zuteilwurde, seine irdische Pilgerbahn. Seine Eltern, Georg Erhart und Anna Holl, einfache, fromme Bäckers- und Bauersleute, erzogen ihn in der Furcht des Herrn. Besonders war die Mutter bemüht ihren Kindern die Unschuld zu schützen und pflanzte ihnen tiefe Frömmigkeit, Andacht zur lieben Mutter Gottes und zum heiligen Schutzengel ein. Zwei Söhne wählten denn auch den Ordensstand zu ihrer Heiligung. Der jüngere, Joachim, wurde Laienbruder der Gesellschaft Jesu. Andreas ging gerne in die Kirche und hatte seine Freude daran, dem Priester am Altar dienen zu dürfen. Im Religionsunterricht überragte er alle Mitschüler durch seine Aufmerksamkeit und Kenntnisse.

 

Andreas war erst zwölf Jahre, als sein Vater aufs Sterbebett kam. Kein Priester konnte dem Sterbenden in der letzten Stunde beistehen. Während nun die Erwachsenen ratlos und weinend am Bett standen, trat Andreas gefasst hinzu, betete dem Vater Reue und Leid vor, erweckte mit ihm die Akte des Glaubens, des Vertrauens und der Ergebung in Gottes Willen. Alle erstaunten über den entschlossenen Knaben, der ohne Tränen zu vergießen nur darauf bedacht war, dass sein lieber Vater eines guten Todes sterbe. Als dann bald darauf ein anderer Mann in Kreuzegg zum Sterben kam, holte man den kleinen Andreas, weil er so gut den Kranken zusprechen könne. – Unter einem wenig religiös gesinnten Stiefvater musste Andreas viel Hartes erdulden. Im Jahr 1715 kam er, um das Bäckerhandwerk zu erlernen, zum „Kirchenbäcker“ nach Immenstadt, wo er dann 1717 mit Auszeichnung die Gesellenprüfung bestand.

 

Weil aber unsere jungen Handwerksgesellen von jeher gerne auf die Wanderschaft gingen, um zu sehen und zu lernen, wie man in anderen Gegenden und Ländern das Handwerk betreibe und um sich auch eine bessere Allgemeinbildung zu verschaffen, so griff auch unser Andreas Erhart zum Wanderstab und richtete seinen Blick nach dem sonnigen Italien und natürlich auch nach Rom, 1718. Weil denn aber der deutsche Handwerksbeflissene auch allezeit einen frommen Sinn sich bewahrt hatte, so war es nicht einzig die Ausübung seines Gewerbes, was ihn voll in Anspruch nahm, ganz andere Geheimnisse gingen ihm auf. Das Rom der Päpste mit seinen kirchlichen Feiern und mannigfachen kirchlichen Einrichtungen und Begebnissen, die zahlreichen Heiligen der ewigen Stadt mit ihren Heiligtümern, die vielen Märtyrer im unterirdischen Rom, das vielgestaltige Ordenswesen mit seinen bunten Farben und Formen, die alle nur dem einen Hauptziel der Vervollkommnung der Seele dienen: das schlug unseren Braven, hochgemuten Jüngling aus dem Schwabenland in den Bann. Was schon länger unausgesprochen im Herzen lag, nach Höherem zu streben, zu lernen, wie die Seele für Gott im Glutofen der Liebe und Entsagung gleich schmackhaftem Brot wohlgefällig werden könne, das reifte unter der warmen Sonne kirchlichen Lebens und Geistes zur Vollendung. Gottes Gnade führte den Bäckergesellen ins Kapuzinerkloster.

 

Im Orden, dessen Kleid der neue Franziskusjünger in Palanzana bei Viterbo am 4. November 1724 erhielt, ist es Brauch, die Mitglieder nach ihrem Herkunftsort zu benennen, und weil denn bei den Italienern Kreuzegg und Pfronten einen unbekannten, das alte Augusta der Vindelicier, die schwäbische Hauptstadt, einen gar wohlbekannten Klang hatte, so nannten sie den Neuling Georg von Augsburg. Bei seinen deutschen Landsleuten aber, die ihn hernach in Rom gerne aufsuchten, hieß er nur der „Frater Jörg“. Diese konnten auch bei ihrer Rückkehr in die Heimat recht erbauliche Nachrichten vom frommen Bruder Jörg berichten.

 

Das klösterliche Leben des Bruders war auch wirklich ein exemplarisches, ein außerordentliches. Frater Georg war ein Mann der Buße und des Gebetes. Obschon er die Taufunschuld bis zum Grab bewahrte, führte er doch ein so strenges Leben, als ob er für die schwerste Schuld büßen müsste. Er aß nur einmal am Tag, gewöhnlich mittags; wenn er aber zum Sammeln unterwegs war, erst abends. Dabei bestand seine ganze Mahlzeit in Suppe mit etwas Brot darin. Dies kärgliche Gericht machte er noch unschmackhaft, indem er Asche hineinstreute. Wurde im heißen Sommer der Durst einmal gar zu arg, dann erlaubte er sich in der Küche eine Tasse Spülwasser. Dem Bruder, der ihn daraufhin ansprach, sagte Georg: „Mir tut das gut.“ Sein täglicher Schlaf währte nur zweieinhalb Stunden. Aber selbst das war keine Annehmlichkeit auf den harten Brettern, über die nur eine Decke gebreitet war. Wenn seine Mitbrüder sich zum mitternächtlichen Gebet versammelten, fanden sie den Bruder Jörg schon im Gebet. Chorgebet und Betrachtung dauerten zwei Stunden. Während hierauf die Konventbrüder ihre Zellen aufsuchten zu nochmaliger kurzer Ruhe, verblieb der Diener Gottes den Rest der Nacht vor dem Allerheiligsten. Wenn er sich da allein glaubte, sandte er laut seufzend die feurigsten Liebesrufe zu seinem geliebten Heiland im Tabernakel. Welch eine Seligkeit war es ihm dann, vom Morgengrauen an bei möglichst vielen Heiligen Messen dienen zu können, und wenn es auch zehn bis zwölf wurden. Das tat er mit solcher Andacht und Sammlung, dass die anwesenden Gläubigen tief ergriffen wurden. Wenn er die heilige Kommunion empfing, wurde vielfach beobachtet, dass sein Antlitz aufleuchtete wie das eines himmlischen Geistes. Wie oft hat der ehrwürdige Bruder Georg in solch langen, gottgesegneten Andachtsstunden auch für sein deutsches Vaterland gebetet und die Heilige Messe in der Meinung aufgeopfert, dass Deutschland wieder eins werde im katholischen Glauben. Seinem tiefen Schmerz über die Glaubenszerrissenheit im deutschen Heimatland hat er auch gerne am Grab der Apostelfürsten, das er als Sammelbruder täglich besuchte, innigen Ausdruck gegeben.

 

Der demütige Bruder Georg, das treue Nachbild des großen Heiligen von Assisi, hatte von Gott eine tiefe Einsicht in die religiösen Wahrheiten und in die Geheimnisse des Glaubens erhalten. Sein Landsmann Bruder Franz von Kronberg bezeugte im Seiligsprechungsprozess, wie ihm auf einer Reise Bruder Georg Stücke aus dem Evangelium, die Heilige Messe samt den priesterlichen Funktionen und vieles andere mit Klarheit und hinreißender Salbung erklärte. Bruder Franz folgte schweigend seinen Worten und dachte bei sich: „Wie kann ein Mensch, der früher Bäckergeselle war, solche erhabene Kenntnisse über die Glaubenswahrheiten haben?“ Nach einigem Nachdenken wiederholte er ganz still für sich: „Das ist das Werk des Heiligen Geistes.“ Da wandte sich der Diener Gottes plötzlich um und mahnte ihn: „Franz, da komm her und denke nicht mehr über die Dinge nach, die du im Kopf hast.“ Und mit Glanz in den Augen und glühendem Antlitz fügte er hinzu: „Franz, alle deine Kräfte, die du hast, nützen dir nichts. Habe Glauben und Vertrauen auf Gott, damit du in all deinem Tun Gott lobpreisen mögest.“ Wohl besaß Bruder Georg große natürliche Talente und hatte sich auch durch fleißiges Lesen religiöser Bücher reiche Kenntnisse erworben. Aber das Urteil derer, die seinen Geist prüften, ging dahin, dass er auch die „eingegossene Wissenschaft“ besessen und Jahre lang in der mystischen Vereinigung mit Gott gelebt habe.

 

„Die Frömmigkeit ist zu allem nütze.“ Es ist darum nicht zu verwundern, dass der fromme Ordensmann sich auch in den verschiedensten Beschäftigungen bewährte, die ihm von seinen Oberen im Kloster übertragen wurden. So hatte er einmal einen kranken Pater zu bedienen, dessen raue Sinnesart noch durch die Schmerzen der Krankheit sehr überreizt worden war. Die Bedienung dieses Kranken wurde auf die Dauer für Bruder Georg zu einer schweren Geduldprobe, in der er sich aber als ein Mann von unerschöpflicher, heroischer Sanftmut bewies.

 

Das Licht eines erbauenden Lebens und heiligmäßigen Beispiels, das seither hinter den Mauern seines Klosters leuchtete, sollte bald seinen Glanz auf weitere Kreise ergießen. Bruder Georg wurde von den Ordensoberen ins Kloster der Unbefleckten Empfängnis nach Rom berufen zum Amt der Almosensammlung. Diese nach außen bedeutungslose und wenig angenehme Beschäftigung wusste seine edle Liebe zu den Mitmenschen mit hohem sittlichem Inhalt zu erfüllen. Empfing er materielles Gut, so spendete er reichlich geistliche Gaben entgegen. Für viele wurde er ein gern gesuchter Lehrer, Vater und Berater. Der heilige Felix von Cantalizio, der dort zweihundert Jahre vorher so segensreich gewirkt hat, schien in Bruder Jörg neu erstanden zu sein. Wie jener wurde auch er der Liebling der Römer. Es war ein gar anziehendes Bild: Bruder Jörg geht mit seinem Bettelsack auf der Schulter, den Gabelstecken, den er aus der deutschen Heimat mitgebracht hat, in der Hand durch die Straßen der ewigen Stadt, „Frau Giorgio! Frau Giorgio!“ ruft eine frohe Kinderschar, die sich schnell um den lieblich lächelnden Bruder drängt. Er gibt jedem der Kleinen ein Heiligenbild, „un Santo“, vergisst nicht einige Worte der Mahnung hinzuzufügen oder unterrichtet sie etwas länger mit gutem Geschick in den Religionswahrheiten – und die kleine Schar eilt beglückt und frohlockend wieder davon.

 

Großes Vertrauen genoss Georg auch bei den Erwachsenen. Hohe und Niedere, Reiche und Arme suchten und fanden Trost und Rat bei ihm. Oft rief man ihn zu den Kranken, dass er über sie bete, ihnen entweder die Gesundheit oder ein seliges Ende erflehe. Viele haben wirklich durch sein Gebet die Gesundheit wieder erlangt, so dass im Volk der Glaube allgemein wurde, Bruder Jörg besitze die Gabe der Wunder im hohen Grad. Er besuchte eifrig die Krankenhäuser und Gefängnisse, half den Bedrängten, wo er konnte, und redete den Sündern zu, sich zu bekehren. Sein strenges Ordensleben verlieh seiner seeleneifrigen Tätigkeit den Gnadensegen von oben.

 

Besonders gern suchten den frommen Bruder die deutschen Handwerksburschen auf, um die er sich liebevoll annahm und denen er durch hohe Gönner reichliche Unterstützung zukommen ließ. Zu diesen Gönnern zählten Prälaten, Kardinäle, Fürsten und vor allem Papst Klemens XIII. Dieser, von den bourbonischen Höfen damals sehr bedrängt, eröffnete dem ungelehrten, aber gotterleuchteten Klosterbruder die Kümmernisse seines Herzens und erbat sich von ihm Gebet und Rat. Im Sommer des Jahres 1762 lud der Fürst Plumbini den Bruder Jörg ein, die heißen Tage bei ihm in Fascati, unweit von Rom zu verbringen. Mit Erlaubnis seiner Obern durfte er der Einladung folgen. Er sah Rom nicht wieder. Am 7. Oktober 1762 starb er, 65 Jahre alt, in der Villa Plumbini eines heiligen Todes. Die Leiche wurde unter außerordentlicher Beteiligung des Volkes in die Kapuzinerkirche daselbst übertragen, wo sie unter der ewigen Lampe im Presbyterium ihre Ruhestätte fand. Eine marmorne Platte deckte das Grab, das viel von Betenden und Hilfsbedürftigen aller Art umlagert wurde.

 

Der ehrwürdige Diener Gottes erwies sich eben auch in seiner Verklärung als liebreicher Helfer der Bedrängten. So kam es, dass bald der ganze Lebenswandel des gottseligen Bruders einer eingehenden Untersuchung unterstellt wurde, deren Ergebnis das Urteil allgemein bestätigte, dass er die göttlichen und sittlichen Tugenden in hohem Maß besessen und in heroischer Weise geübt habe. Um die Mittel zur Fortführung des Seligsprechungsprozesses beizuschaffen, bemühte sich in Deutschland besonders der Kurfürst und Bischof von Augsburg Klemens Wenzeslaus. Von Fürsten und hochgestellten Persönlichkeiten liefen Bittgesuche um die Seligsprechung ein. Alle Vorbedingungen wären gegeben gewesen. Allein die vom Kurfürsten 1783 angeordnete Sammlung zur Gewinnung der Mittel fand in jener bösen Zeit wenig Anklang und so ruhte die Sache. Erst in unserer Zeit wurde sie wieder in Gang gebracht, nachdem schon Papst Pius IX. 1852 den Bruder Georg von Augsburg für „ehrwürdig“ erklärt hatte. Möge es Gott gefallen, der angeregten Verhandlung einen günstigen Fortgang zu geben, dass wir bald in dem schlichten Kapuzinerbruder aus dem bayerischen Allgäu einen neuen Seligen verehren dürfen!

 

Mutter Felizitas von der heiligen Maria

Gedenktage und Lebensskizzen hervorragender

Mitglieder des Karmelitenordens

 

Am 7. Oktober 1836 erhielt die lobwürdige Mutter Felizitas von der heiligen Maria den Lohn für ihr tugendreiches Leben. Mutter Felizitas, Therese Fockedey, war am 9. November 1796 zu Brügge geboren. Ihr Vater musste als Katholik seine Heimat, England, verlassen, ihre Mutter war eine Spanierin. Nachdem sie ihren ersten Unterricht im elterlichen Haus erhalten hatte, wurde sie zur weiteren Ausbildung in das Institut der Frauen von Rousbrugge geschickt, wo sie die Gelegenheit, an Wissen und Tugend zu gewinnen, möglichst ausnützte. Ihr frommes Wesen drängte sie mächtig zur Pflege des Gebetes und zu eifrigem Tugendstreben. In der Überzeugung, dass die Eigenliebe ihr größter Feind sei, trachtete sie mit allen Kräften, sie zu ertöten, und war, so sehr sie ihr auch widerstreben mochten, dennoch ganz bereit, die ihr widerfahrenden Demütigungen hinzunehmen, um so den Feind ihrer Seele aufs Haupt zu schlagen. Ins Elternhaus zurückgekehrt, bildete sie dort den Sonnenschein und machte die ganze Freude der Eltern aus. Doch der Herr wollte nicht, dass sie immer dort verbleibe. Er zog sie mehr und mehr an sich, so dass sie aus der Welt zu scheiden und sich ganz dem Herrn zu weihen wünschte. Diesem inneren Drang folgend, trat sie am 11. November 1819 in das Kloster der Tertiarinnen des Karmelitenordens zu Brügge, die unter dem Namen Maricoles beim belgischen Volk bekannt und geschätzt sind. Felizitas fühlte sich in ihrer Mitte überglücklich und fürchtete nur, eine solche Gnade nicht zu verdienen; hielt sie doch ihre Mitschwestern für die bevorzugten Bräute Jesu, die sie auf den Knien bedienen sollte. Um sich dieser Ehre nach Kräften würdig zu machen, befleißigte sie sich der größtmöglichen Frömmigkeit, der tiefsten Demut, des vollkommensten Gehorsams, des treuesten Stillschweigens, so dass alle mit Verwunderung auf sie blickten. Nach ihrem Eintritt wurden die Schülerinnen der ersten Klasse ihrer Obsorge anvertraut. Nachdem sie lange dieses Amtes gewaltet hatte, wurde sie im Jahr 1832 zu einer Stiftung in Staden berufen. Zwei Jahre später erhielt sie den Auftrag, die Stiftung in Hooglede-lez-Roulers vorzunehmen, wo sie ihre herrliche Tugend durch eine heldenmütige Geduld krönte. Endlich war sie für den Himmel reif. Sie hatte sich auch während ihrer Todeskrankheit noch ganz in ihrer Gewalt und vermochte auf alle Gebete des Priesters, der ihr die heiligen Sakramente spendete, selbst zu antworten. Felizitas brachte das Opfer des Lebens mit aller Bereitwilligkeit, erklärte ihren Schwestern aber, dass es ihr nicht so leicht gefallen wäre, wenn sie nicht den Erdengütern so vollständig entsagt hätte. Am 7. Oktober 1836 starb sie zu Hooglede eines heiligen Todes mit den Worten: "Die Ehre sei dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist."

 

Pater Damian Joseph von der heiligen Anna

Gedenktage und Lebensskizzen hervorragender

Mitglieder des Karmelitenordens

 

Am 7. Oktober 1896 ging ein hochverdienter Mann zur ewigen Ruhe ein, der lobwürdige Pater Damian Joseph von der heiligen Anna. Er war am 4. Januar 1828 in St. Symphorien bei Bordeaux in Frankreich geboren, hieß in der Welt Petrus Desiderius Batailley, studierte zu Paris Medizin, erwarb sich in dieser Wissenschaft die Doktorwürde und übte sodann die ärztliche Praxis aus. Nicht lange jedoch. Eines Nachts kam er, von einem Kranken, den er behandelte, zurückkehrend, an dem Kloster der Unbeschuhten Karmeliten vorüber, während eben das Zeichen zur Matutin gegeben wurde. Überrascht, zu solcher Stunde eine Glocke läuten zu hören, fragte er, was dieses doch bedeute. Als er vernahm, die Glocke rufe die Mönche zum mitternächtlichem Gebet, machte dies einen großen Eindruck auf sein edles Gemüt. Er musste die Mönche um ihres Buß- und Gebetseifers willen hochschätzen und konnte den Gedanken an sie nicht mehr los werden. Dagegen erschien ihm sein Streben so gering und unwert, dass er bedauerte, diese Laufbahn eingeschlagen zu haben. Eine unsichtbare und unwiderstehliche Gewalt zog ihn so mächtig zum Karmel hin, dass er seiner Braut, die er doch nach zwei Tagen zu ehelichen gedacht hatte, entsagte, das ganze, große Vermögen, das er besaß, zum Bau einer prächtigen Kirche schenkte, dass er seinen ärztlichen Beruf aufgab und um Aufnahme in den heiligen Orden bat. Nachdem er seine Profess abgelegt und im Jahr 1858 die Priesterweihe erhalten hatte, wirkte er sieben Jahre in den Klöstern seines Vaterlandes. Dann wurde er nach Mesopotamien gesandt, um in der Mission zu Bagdad, dem alten Babylon, tätig zu sein. Hier bildeten die bereits vorhandenen Christen den Gegenstand seiner ersten Sorge, doch bemühte er sich auch nach Kräften um die Heiden, von denen er während der Zeit von dreißig Jahren gegen 5000 die heilige Taufe spendete, meist Kindern und Erwachsenen, die sich in Todesgefahr befanden. Vielfach verrichtete er Werke der leiblichen Barmherzigkeit, indem er seine medizinischen Kenntnisse in den Dienst der armen Kranken stellte. Er besuchte die Kranken ohne Unterschied der Religion, pflegte Juden und Mohammedaner mit der gleichen Bereitwilligkeit und Sorgfalt wie die Christen und verschaffte dazu den Bedürftigen auch noch die Heilmittel umsonst. Alle hatten deshalb ein unbegrenztes Vertrauen zu ihm, wie der Beiname "Padri Hakim" beweist, wie sie ihn zu nennen pflegten. Auch die Ärzte in Bagdad schätzten ihn hoch. Dr. Baroman, der Arzt in der englischen Residenz zu Bagdad, erklärte: "Zu Pater Damian kann man volles Vertrauen haben; er ist ein ausgezeichneter Doktor." Und der erste Leibarzt des Schah von Persien, Dr. Tholozan, der einen regen Briefwechsel mit Pater Damian unterhielt, bekundete ebenso große Hochachtung vor ihm, indem er sich in seinen Schriften über die Cholera und die Pest auf seine Gutachten berief. Pater Damian selbst beanspruchte aber keine Anerkennung. Er lenkte vielmehr das Gespräch geflissentlich auf einen anderen Gegenstand, sobald er merkte, dass man ihm Lob spenden wollte. Er war ja in der Demut ebenso groß wie in den übrigen Tugenden. Als er am Vormittag des 7. Oktober 1896 starb, klagten viele händeringend um ihn. Christen aller Bekenntnisse eilten herbei, ihm die letzte Ehre zu erweisen. Nicht wenige berührten Andachtsgegenstände an seinem entseelten Leib. Jeder wollte ein Andenken von ihm haben. Die Patres sahen sich geradezu genötigt, eine Wache an der Bahre aufzustellen, weil die fromme Habgier ihm das Kleid zerrissen hätte, um eine Reliquie zu erhalten.

 

Gebet am 7. Oktober

 

Allerweiseste Jungfrau Maria! Von dir gilt das Wort in der Heiligen Schrift: "Ihr Licht ist ein feuriges und flammendes Licht. Ich bin ein Feuer, das da Feuer trägt. Es erlöscht ihr Licht des Nachts nicht." Ja, du warst erleuchtet vom Gnadenlicht Gottes, warst entflammt vom Feuer der heiligen Liebe und glänzt mitten in der Nacht des Unglaubens. Komm doch meiner Schwachheit zu Hilfe, und bitte Jesus, deinen Sohn, er soll mich erleuchten, dass ich erkenne was recht und heilsam ist und mich von den Blendwerken der Welt niemals täuschen lasse. Er möge mich mit der Furcht Gottes erfüllen, dass ich mich vor jeder Sünde sorgfältig in Acht nehme. Er möge in meinem Herzen seine Liebe entzünden, dass ich ihm mit Eifer diene und stets an meiner Heiligung arbeite. O Maria, verschaffe mir diese Gnade und ewig will ich dich dafür lobpreisen. Amen. 

 

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Markus

 

Wir bitten Dich, o Herr, verleihe uns auf die Fürbitte des heiligen Markus die Gnade, Dir bis an das Ende unseres Lebens mit Eifer zu dienen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Zu Gott auf die Fürsprache der heiligen Justina

 

O Gott, der Du der heiligen Jungfrau und Martyrin Justina den Sieg über die Feinde der Seele verliehen hast, verleihe auch uns auf ihre Fürbitte den Sieg über alle Feinde des Glaubens und der Tugend, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Am heutigen Tag wurde der berühmte Sieg über die mächtige türkische Flotte von den Christen bei Lepanto im Jahr 1571 durch die Fürbitte der seligsten Jungfrau erhalten. Man hat ihnen 180 Galeeren hinweggenommen, 20 verbrannt und ebenso viele versenkt, bei 25.000 Türken mit ihrem Befehlshaber besiegt, viele Tausende gefangen, und bei 20.000 Christen von der Sklaverei erlöst.

 

Andacht am 7. Oktober:

 

Das Thema im Oktober:

Vertrauen

"Habt Vertrauen." (Markus 6,50)

 

"Wer sich auf seine eigenen Talente stützt, schadet sich sehr. Denn wenn z.B. ein Vorgesetzter, ein Prediger oder ein Beichtvater auf seine eigene Wissenschaft, auf seine Weisheit oder auf seinen Verstand vertraut, so entzieht Gott, diesem sein Unvermögen zu zeigen, ihm seinen Beistand, und lässt ihn allein wirken; wodurch es sich dann ergibt, dass alle Mühen, die er sich geben mag, sehr wenig oder gar nichts ausrichten. Und wenn es viele gibt, die in ihren Ämtern nichts zustande bringen, so darf man oft keinen anderen Grund dafür suchen." (Der heilige Vinzenz von Paul)

Die Heiligen, die dem Herrn zu Werkzeugen für die Bekehrung und Heiligung der Seelen dienten, hatten immer auch die niedrigsten Gedanken von sich selbst. Der heilige Vinzenz Ferrer sprach: "Ich bin wie eine faule Leiche voll der Würmer, die alle verabscheuen sollten und die allenthalben ihren Gestank verbreitet. Und noch beweinenswerter ist es, dass meine Bosheit mit jedem Tag zunimmt." - Der heilige Dominikus war überzeugt, dass seine Sünden die Strafen des Himmels über alle Orte herabrufen müssten, durch die er hindurch ging. - Der heilige Vinzenz von Paul pflegte zu Gott zu sprechen: "Herr, alles werde ich verderben, wenn nicht Du alle meine Worte und Werke lenkst!" - Der heilige Franz Xaver hielt sich für den bösesten aller Menschen.

Die heilige Franziska von Chantal pflegte, wenn eine Nonne sich weigerte, die Stelle einer Oberin anzunehmen, gewöhnlich zu sagen: "Wenn ein trockenes und dürres Stück Holz sich vor Gott demütigen und in sein Nichts auflösen könnte, und er es dann erwählen wollte, andere zu regieren, so würde er ihm eher die notwendige Einsicht geben, als zulassen, dass es schlecht regierte."

 

Mein Gott, ein Gefäß voll der Bosheit bin ich vor Dir! Lenke meinen Geist und mein Herz, alle meine Worte und Werke; denn nichts Gutes vermag ich ohne Deine Gnade zu tun; und wieviel Böses werde ich nicht ohne sie begehen! - Doch ich hoffe auf Gnade von Deiner Barmherzigkeit; denn tief will ich vor Dir mich demütigen, und nicht aufhören Dich darum zu bitten! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 7. Oktober

 

"Meine geliebten Brüder, arbeiten wir,

während wir es können, für die Kirche Jesu Christi,

die unsere Mutter im Glauben ist."

 

hl. Katharina von Siena OP

1347 bis 29.4.1380

 

Betrachtung am 7. Oktober - Vom Eitelruhm

 

Menschengunst ist eitler Dunst,

Der im Wind verfliegt;

Wahre Demut ist die Kunst,

Die dies Gift besiegt.

 

1. Ein sehr subtiles Gift, das gern in alle unsere guten Werke einfließt und sie verdirbt, ist die eitle Ruhmgier, die nicht nur Anfängern, sondern sogar Vollkommenen nachstellt, um sie um das Gold aller ihrer Tugenden zu bringen. Diese Seuche liegt gleich einer Schlange im Hintergrund des Herzens verborgen, und es gehört ein geübtes Auge dazu, sie zu entdecken und hinauszutreiben. Wer sie aber wahrnimmt und dennoch ihren Einflüsterungen Gehör gibt, den beraubt sie nicht nur, sondern sie spottet seiner auch obendrein.

 

2. Wer nach der Ehre der Menschen giert, der hascht nach Schatten. Denn weder ist diese Ehre ständig, noch wahrhaft, noch irgendwie nützlich. So wenig Bestand hat sie, dass der Prophet von ihr spricht: "Ihre Ehre verblüht wie eine Feldblume." (Jesaja 40,6.8) Ebenso wenig ist sie auch wahrhaft, denn sie ist ein eitler Dunst, eine Meinung der Menschen, die, wenn sie auch alle übereinkommen, dich zu loben, dich dennoch nimmermehr besser machen, als du vor Gott bist. Endlich gereicht sie auch zu keinem Nutzen. Umgekehrt vielmehr bringt sie den Menschen um alles Verdienst, und raubt ihm den Himmel. Denn zu solchen, die ihre guten Werke tun, damit sie von den Menschen gesehen und gelobt werden, spricht der Herr: "Amen, das sage ich euch: Sie haben ihren Lohn bereits erhalten." (Matthäus 6,2b) 

 

3. Wie viele werden, nach langen und schweren Arbeiten, mit leeren Händen vor dem ewigen Richter erscheinen, und statt der Belohnung diese Antwort empfangen. Hüten wir uns also, dass diese Hauptfeindin aller Tugenden uns nicht um das Verdienst unserer guten Werke bringe. Nur dann schadet die Ehre der Menschen uns nicht, wenn wir sie nicht suchen, noch auch Wohlgefallen daran haben. Denn sollen wir auch diese Seuche fliehen, so soll dennoch unsere Furcht nie so weit gehen, dass wir wegen ihr irgend ein gutes Werk unterlassen, das uns Lob und Ehre zuziehen kann. Sprechen wir in solchen Fällen mit unserem Herrn: "Ich suche meine Ehre nicht." (Johannes 8) "Wir wollen nicht prahlen, nicht miteinander streiten und einander nichts nachtragen." (Galater 5,26)

 

8. Oktober

 

Die heilige Pelagia Pönitens, Büßerin von Jerusalem,

+ 8.10.457 – Fest: 8. Oktober

 

Die heilige Pelagia, eine Büßerin, in Antiochia in Syrien geboren, hatte vom gütigen Schöpfer eine ungewöhnliche Leibesschönheit und einen reich ausgestatteten Geist zum Wiegengeschenk erhalten. Schmählich aber missbrauchte sie diese Gaben, frönte der Weltlust, verlor sich in Eitelkeit und Genusssucht und wurde Schauspielerin und ein dienstbares Werkzeug der Unzucht. Nun geschah es, dass im Jahr 426 der Patriarch Maximian zu Antiochia eine Synode von Bischöfen versammelte, unter denen sich auch der heilige Nonnus von Heliopolis befand. Er predigte eines Tages im Vorhof der Kirche St. Julian den Gläubigen, und während er sprach, ritt Pelagia von Gold und Edelsteinen funkelnd auf einem Maultier vorüber. Große Störung trat dadurch ein, und Nonnus musste sogar seine Rede eine Weile unterbrechen. Bei dieser Pause seufzte er im Innersten des Herzens, dass der Herr nach seiner unendlichen Güte auch an dieser Frau Barmherzigkeit üben möge. Am anderen Morgen fühlte Pelagia einen unwiderstehlichen Drang, in die Kirche zu gehen, deren Schwelle sie schon lange nicht mehr betreten hatte. Nonnus predigte abermals über das schreckliche Gericht, das Gott über die unbußfertigen Sünder halten wird. Pelagia fühlte sich tief erschüttert, und nach beendigten Gottesdienst setzte sie sich hin und schrieb einen Brief an den Heiligen, in dem sie ihn nachdrücklich um Unterricht in der Lehre des Heils und um die Zulassung zur Taufe bat. Bisher war sie nur unter den Katechumenen eingeschrieben. Nonnus wollte in dieser Sache nicht für sich allein entscheiden, sondern trug der Reumütigen auf, nächsten Tages in die Versammlung der Bischöfe zu kommen. Wirklich erschien sie, bekannte auf den Knien liegend öffentlich ihre Sünden und wiederholte dann die Bitte um Erteilung des Sakramentes der Wiedergeburt. Nonnus, hierdurch von der Wahrheit ihrer Zerknirschung überzeugt, unterwies und taufte sie, worauf er sie der Obsorge einer frommen Witwe übergab. Pelagia schnitt sich die Haare ab, warf allen Schmuck beiseite, teilte ihr Gut unter die Armen aus und züchtigte ihren Leib mit Fasten und Geißeln. Schließlich hüllte sie sich in einen Bußsack, wallte nach Jerusalem, bezog am Ölberg eine Höhle und lebte da, fortwährend über ihre Sünden weinend und das bittere Leiden Jesu betrachtend, viele Jahre, bis sie um 457 der Tod von ihren Reuequalen erlöste.

 

Die heilige Thais, Büßerin in Ägypten,

+ 8.10.348 – Fest: 8. Oktober

 

Um die Mitte des vierten Jahrhunderts lebte in Ägypten eine berüchtigte Buhlerin, mit Namen Thais. Sie war in der christlichen Religion erzogen worden, hatte aber in ihrem Herzen die Eindrücke der Gnade erstickt durch Wollust und schandvolle Gewinnsucht. Durch ihre Schönheit, ihren Geist und andere glänzende Eigenschaften geblendet, schämte sie sich nicht, sich preis zu geben, und versank in einen solchen Abgrund von Schlechtigkeit, dass man ihre Bekehrung auf gewöhnliche Weise für unmöglich hielt. Da ihre Ausschweifungen offenkundig waren, erpresste ihr trauriger Zustand unaufhörliche Tränen dem heiligen Paphnutius, der als Einsiedler in der Thebais lebte. Nachdem er lange und glühend im Gebet zu Gott um Rat gebetet hatte, nahm er seine Zuflucht zu einer frommen List, um diese Sünderin aus dem Abgrund ihres Verderbens zu retten. Er legte seinen gewöhnlichen Anzug ab, und verkleidete sich so, dass er nicht mehr zu erkennen war. Nun machte er sich auf den Weg, und kam in die Behausung der Thais. An der Tür verlangte er mit ihr zu sprechen und wurde in das Zimmer geführt. Da drückte er ihr seinen Wunsch aus, mit ihr eine Unterhaltung zu führen. Jedoch wollte er, dass es in einem abgelegeneren Gemach sein möchte. „Was fürchtest du?“, erwiderte Thais. „Die Menschen? Sie können uns nicht sehen. Aber Gott? Vor seinem Angesicht können wir nicht fliehen, wir mögen uns verbergen, wohin wir wollen.“ – „Wie!“, entgegnete Paphnutius. „Du weißt, dass es einen Gott gibt?“ – „Jawohl,“ antwortete Thais, „auch weiß ich, dass ein Paradies der Guten und eine ewige Hölle wartet.“ – „Wie nun“, sagte der Einsiedler, „magst du, indem du alle diese großen Wahrheiten glaubst, vor dem Angesicht dessen, der dich sieht und richten wird, zu sündigen dich erkühnen!“

 

Thais erkannte an diesem Vorwurf, dass derjenige, der zu ihr sprach, ein Diener Gottes ist, und in keiner anderen Absicht zu ihr komme, als sie von den Wegen des Verderbens abzubringen. Und in demselben Augenblick zerstreute der Heilige Geist, dessen Werkzeug Paphnutius war, die Finsternisse, die die Größe ihrer Schandtaten ihrem Anblick entzogen, und erweichte ihre Herzenshärte durch die Salbung der göttlichen Gnade. Durchdrungen von Schmerz und Beschämung, zerfließt sie nun in Tränen, verabscheut ihre schändliche Undankbarkeit gegenüber Gott, wirft sich vor die Füße des heiligen Paphnutius, und sagt ihm: „Mein Vater, lege mir eine mir angemessene Buße auf, bete für mich, auf dass der Herr mir Barmherzigkeit widerfahren lasse. Ich erbitte mir nur drei Stunden, um meine Geschäfte in Ordnung zu bringen, dann werde ich befolgen, was du mir vorschreiben wirst.“ Paphnutius zeigte ihr den Ort seiner Abgeschiedenheit an, und kehrte dann in seine Zelle zurück.

 

Thais nimmt ihre Hausgeräte, ihre Edelsteine und alles, was sie durch ihr lasterhaftes Leben sich erworben hatte, wirft es auf die Straße auf einen Haufen zusammen und zündet es mit Feuer an, indem sie alle Genossen ihrer Ausschweifungen einlädt, ihr in ihrem Opfer und ihrer Buße nachzuahmen. Durch diese Handlung wollte sie das gegebene Ärgernis gut machen, und dadurch zeigen, dass sie nicht nur der Sünde entsage, sondern allem, was das Feuer ihrer Leidenschaft zu entflammen vermocht hatte. Hierauf ging sie zu Paphnutius, der sie in ein Frauenkloster aufnehmen ließ. Der heilige Einsiedler schloss sie in eine Zelle ein, deren Tür er ein bleiernes Siegel aufdrückte, als wäre diese Stätte zu ihrem Grab bestimmt. Er empfahl den Schwestern, ihr jeden Tag für ihre Nahrung ein wenig Brot und Wasser zu reichen. Ihr selbst aber befahl er, die Barmherzigkeit anzurufen und ohne Unterlass um die Verzeihung ihrer Sünden zu beten. Als Thais ihn befragte, welches Gebet sie verrichten sollte, gab er ihr zur Antwort: „Du bist nicht würdig, den heiligen Namen Gottes auszusprechen, weil deine Lippen durch die Missetat befleckt worden sind. Auch bist du nicht würdig, deine Hände zum Himmel emporzuheben, weil sie voll der Unlauterkeit sind. Begnüge dich also damit, dass du dich gen Sonnenaufgang hinwendest, und diese Worte wiederholst: O du hast mich geschaffen, erbarme dich meiner!“ Dieses Gebet verrichtete sie nur unter Schluchzen und Tränen. Sie getraute sich nicht, Gott ihren Vater zu nennen, weil sie durch ihre Laster verdient hatte, des Rechtes der Kindschaft verlustig zu werden. Auch wagte sie nicht, ihn Herr, Richter und Gott zu nennen. Nicht Herr, weil sie seinen Dienst verließ, um eine Sklavin des Teufels zu werden, nicht Richter, weil sie bei dem bloßen Gedanken an seine schrecklichen Gerichte bebte, nicht Gott, weil sein Name unendlich anbetungswürdig ist und den Begriff aller Vollkommenheiten in sich schließt. Allein wiewohl sie ihm durch ihre Handlungen untreu wurde, so war sie doch immerhin seiner Hände Werk. Und in dieser Beziehung beschwor sie ihn, er möge doch einen Blick der Barmherzigkeit auf sie herabsenden, sie aus dem Abgrund ihrer Armseligkeiten retten, sie in ihre verlorenen Rechte wieder einsetzen und das Feuer der heiligen Liebe in ihrer Seele entzünden. In ihrem Gebet fand sie Beweggründe der Zerknirschung, der Demut und aller anderen Tugenden.

 

Nach Verlauf von drei Jahren besuchte der heilige Paphnutius den heiligen Antonius, sich bei ihm zu erkundigen, ob Thais noch nicht Buße genug getan hätte, um wieder versöhnt und zum Genuss des heiligen Abendmahls gelassen werden zu können. Beide kamen dahin überein, den heiligen Paulus den Einfältigen darüber zu befragen, indem der Herr nicht selten den Demütigen von Herzen seinen Willen zu offenbaren sich würdigt.

 

Des Morgens sagte Paulus, Gott habe der Büßerin einen Platz im Himmel bereitet. Paphnutius erbrach nun das angelegte Siegel und machte ihr kund, die Zeit ihrer Buße sei vorüber. Thais, tief durchdrungen von Gottes Gerichten, und sich für unwürdig haltend, der Gesellschaft der keuschen Bräute Jesu beigezählt zu werden, verlangte in ihrer Zelle bis ans Ende ihres Lebens eingeschlossen zu bleiben. Paphnutius aber wollte ihr dies nicht gestatten. Sie sagte, dass seit ihrem Eintritt in das Kloster sie ihre Sünden niemals aus den Augen verloren, und nie aufgehört habe, sie zu beweinen. „Eben darum“, entgegnete Paphnutius, „hat Gott sie getilgt.“ Sie musste also ihr Gefängnis verlassen, und unter den übrigen Schwestern leben. Allein der Herr mit ihrem Opfer zufrieden, rief sie vierzehn Tage danach aus dieser Welt. 

 

Der gottselige Pater Viktrizius Weiß, Provinzial des Kapuzinerordens,

+ 8.10.1924 – Gedenktag: 8. Oktober

 

Im Leben des heiligen Johannes Vianney von Ars wird berichtet: Ein französischer General wollte den Gottesmann gerne einmal sehen und suchte ihn auf. Mit leisem Spott fragten die Offiziere: „Na, sieht der anders aus als gewöhnliche Sterbliche?“ Ganz ernst entgegnete der General: „Ja, ich habe Gott in einem Menschen gesehen.“ Also ein Christusbild in menschlicher Verkleinerung! Wir sollen ja alle Gottes Nachbilder werden. Pater Viktrizius, der demütige greise Exprovinzial der bayerischen Kapuzinerprovinz, wandelte als lebendiges Christusbild mitten unter uns, seinen Zeitgenossen. Ein verstorbener Ordensgeneral der Barmherzigen Brüder äußerte sich mehrmals über ihn:  Ich glaube nicht gerne an lebende Heilige, aber Pater Viktrizius ist gewiss einer. Das rechtmäßige Urteil hierüber steht der Kirche zu. Des „Volkes Stimme“ aber, die „Gottes Stimme“ künden soll, spricht nur mit Verehrung von dem sieghaften Gottesstreiter, der mit aller Kraft nach Heiligkeit gerungen hat. Seine Mitbrüder, die im täglichen Verkehr seinen frommen Wandel zu beobachten Gelegenheit hatten, müssen bezeugen, dass Pater Viktrizius die christlichen Tugenden in einem heroischen Grad, in einem über das Gewöhnliche hinausgehenden Maß geübt und besessen hat. Damit ist die Voraussetzung gegeben, auf Grund der einmal das Urteil der Kirche wird angerufen werden können.

 

Gleich dem gottseligen Bruder Konrad hat auch Pater Viktrizius das reichgesegnete Niederbayern zur irdischen Heimat. Ein lieblicher Fleck Erde, das von der Rott durchflossene Eggenfelden in der Diözese Regensburg, trug seine Wiege. Der 18. Dezember 1842 ist sein Geburtstag. Wenn „gute Eltern dreiviertel des Kindes sind“, dann hatte Anton Weiß schon ein vorzügliches irdisches Erbteil mit auf den Weg bekommen. Sein Vater Johann Anton, aus einer glaubensstarken Goldschmiedsfamilie von Nabburg in der Oberpfalz stammend, war ein vielgesuchter Wundarzt. Energie, Strebsamkeit, hilfreiche Liebe zu den Mitmenschen und vorbildliche Religiosität zeichneten ihn aus. Die Mutter, Anna, geborene Zaunegger, aus begüterter Bürgermeisterfamilie in Eggenfelden, hatte durch die treffliche Schule der Ursulinen in Straubing sowohl gediegene Bildung wie eine tiefe Frömmigkeit sich erworben. Von Natur sanft und ruhig, war sie doch eine rührige Hausfrau. Die trefflichen Eltern hatten überdies ihren glücklichen Kindern noch eine treue, fromme Hüterin ihrer ersten Jugendjahre gegeben, eine echte Franziskusjüngerin, die mit ihren liebebeseelten Erzählungen, zu denen auch die Heiligengeschichte anregenden Stoff bot, Herz und Phantasie der Kleinen aufs günstigste beeinflusste. Es muss ein Stückchen Paradies gewesen sein, in das der Herr seinen Liebling während der Kindheit versetzt hatte. Aber war auch dem Bösen der Zutritt verwehrt, so begannen doch schon bald die Dornen, die eines jeden Erdenkindes Weg umsäumen und es stählen für den Kampf und die Entsagung des Lebens, auch des kleinen Anton Füße zu verwunden. Der zarte, schmächtige Knabe wurde krank und schon schien es, als ob die Engel die Unschuld des Kindes in Gottes Heimat sicherer als auf Erden bergen wollten. Der himmlische Vater aber hatte beschlossen, dem Himmel die größere Freude zu schaffen über eine in mühevollem, langem Streit behütete Mannesunschuld und die kindlich reine Seele eines leiderprobten Greises. Der Gott alles Trostes, der über alles Maß gut ist mit den Seinen in Erweisen seiner Huld, wollte auch der heiligen Kirche und dem Orden des heiligen Franziskus die geistige Kraft, das erhebende Tugendbeispiel und die Segensfülle des Gebetes seines treuen Dieners schenken. Der kleine Anton genas wieder. Weil aber das Leben ein Kapital ist, das ausgenützt werden will, so war er bemüht sein Leben zinsreich zu gestalten. Das kann nicht früh genug geschehen. So wurde der Knabe schon, den Anregungen seiner Eltern folgend, der frohwillige Bote ihrer Nächstenliebe. Wiederholt in der Woche überbrachte er einer bedürftigen Witwe die Überbleibsel des Mittagstisches, und wenn er dabei dem Söhnchen der Bedachten noch eigens ein Stückchen Brot reicht, so ist das seine eigene Gabe, wohl sein Erspartes.

 

Im Jahr 1854 siedelte die Familie Weiß von Eggenfelden nach Landshut über. Am dortigen Gymnasium begann und vollendete Anton seine Studienlaufbahn, in allen Klassen als der erste. Dabei zeigte er aber solche Bescheidenheit, Friedfertigkeit, Dienstgefälligkeit und mustergültige Frömmigkeit, dass schon seine Kameraden seine künftige Heiligkeit ahnten. Erklärlich, dass ihn bei der Berufswahl das Priestertum anzog. Nach einem Jahr Philosophiestudium in München trat Anton Weiß 1862 in das Klerikalseminar Freising ein. Seine theologischen Studien schloss er 1866 mit dem ersten Preis in der Predigtwissenschaft ab. Die niederen und höheren Weihen, die den Priesteramtskandidaten stufenweise ins Heiligtum einführen, waren für den Alumnus Weiß immer Tage hohen Glückes. Sie brachten ihn ja auch in immer engere Verbindung mit dem göttlichen Heiland, dem ewigen Hohenpriester, dessen Liebe schon in jener Vorbereitungszeit sein ganzes Herz ergriffen hatte, bis ihn schließlich die Priesterweihe ganz in Gottes Hand gab. Am Fest der Apostelfürsten 1866 wurde ihm die Weihe durch den Erzbischof Gregor von München erteilt.

 

Die erste seelsorgliche Verwendung des jungen Priesters auf schwerem Arbeitsfeld, in St. Silvester zu Schwabing-München, erwies bereits seinen unstillbaren Seeleneifer, der die vielen Hemmnisse und Unzukömmlichkeiten in Liebe überwand, wie auch das Gleichmaß, die Ruhe und Abgeschiedenheit seines Wesens. Nach drei Jahren wurde er ins Klerikalseminar nach Freising als Präfekt und Repetitor berufen, um hier an der Heranbildung des künftigen Klerus mitzuwirken und zugleich sich selbst in der heiligen Wissenschaft noch weiterzubilden. Hernach, 1871, hat sich denn auch der strebsame Gelehrte an der Universität München mit Auszeichnung den Doktortitel geholt auf Grund einer wissenschaftlichen Abhandlung über die Liturgie der afrikanischen Kirche zur Zeit des heiligen Cyprian und Tertullians. Neben den gelehrten Studien zog es den nach innen gerichteten Mann immer wieder zum Studium des christlichen Lebens, zur Erlernung der Wissenschaft der Heiligen. Er machte sich mit den heiligen Vätern, besonders mit dem fromminnigen Bernhard vertraut. Seine ernsten, tiefgründigen Betrachtungen gingen aufs Praktische. Wie spürte er den feinsten Fäden der Eigenliebe nach! Wie war er betrübt, wo er sich von dem verworrenen Gespinst des Menschensinnens umflattert sah, so dass ihm selbst ein Bangen ob des Priesterberufes ankam, den er doch so sehr liebte und dem er so gewissenhaft lebte. Bezeichnend ist ein Wort, dass ein anderer Weiß, der damals in Freising lehrte, Dr. Adalbert Weiß, unserem gottgesammelten Anton Weiß zurief: „Ja, Anton, du bist ja immer in Beschauung!“ Nach dem Tod des Paters Viktrizius gab ihm der berühmte Dominikaner das Zeugnis einer außerordentlichen Sammlung und innerer Konzentration und nannte seinen „Kollegen und Freund“: einen „wahren Mann Gottes“.

 

Bei solch ernstem Ringen nach einem vollkommenen christlichen Leben, bei so ausnehmender Frömmigkeit war es ganz erklärlich, dass der allverehrte Priester und Lehrer auf eine glänzende Laufbahn und auf Ehren in der Welt verzichtete und seine Schritte ins Kloster richtete. Nur dass er den strengen Kapuzinerorden wählte, fand man unbegreiflich. Der zart gebaute, immer kränkliche Mann, der schon wiederholt Blutbrechen hatte, würde unmöglich das strenge Leben eines Kapuziners mit seinem mitternächtlichen Chorgebet in kaltem Winter und seinen sonstigen schweren Anforderungen an die Gesundheit aushalten können. Doch der Beruf war von Gott und Gott gibt die Kraft. In Christi Kraft hat der gottselige Ordensmann, freilich unter heroischen Mühen, die leiblich und seelisch entgegenstehenden Hindernisse überwunden, hat all die Opfer des Ordenslebens, die Pflicht, Gewissen und der Antrieb des Heiligen Geistes ihm nahe legten, durch lange Jahre in Treue gebracht. Er hat bis ins hohe Alter von zweiundachtzig Jahren seinem Namen Viktrizius, der Siegreiche, der Überwinder, volle Ehre gemacht.

 

Am 20. August 1875 hat der Gottselige im damaligen Noviziatskloster Burghausen das Kleid des heiligen Franziskus genommen. Unter dem Novizenmeister Pater Paulus Geiger und seinem Koadjutor (Amtsgehilfen) Pater Augustin M. Ilg, dem bekannten Ordensschriftsteller, machte er das von heiligsten Gesinnungen und Entschlüssen getragene Probejahr. Den neuen, überall brauchbaren Professen konnten seine Oberen zu den wichtigsten Stellen heranziehen. Nur deswegen wollen wir diese Verwendungen kurz anführen, weil viele unserer Zeitgenossen, die den Gottseligen an den verschiedenen Orten noch kannten, dafür dankbare Beachtung haben werden. Zuerst wurde ihm der Unterricht der Laienbrüder in Eichstätt übertragen. Zwei Jahre darauf, 1878, kam er als Koadjutor des Novizenmeisters an die Stelle des erkrankten Pater Ilg nach Laufen, 1882 als Vikar, Brüder-Instruktor und Bibliothekar wiederum nach Eichstätt, kehrte aber schon im folgenden Jahr als Quardian und Koadjutor des neuen Novizenmeisters Pater Engelbert Walter, mit dem er als Alumnus in Freising um den Predigerpreis gerungen, nach Laufen zurück. Beim Kapitel der bayerischen Kapuzinerprovinz, 1884, wurde Pater Viktrizius zum Provinzial erwählt und bei der nächsten Wahl 1887 abermals. Nach Ablauf seiner sechsjährigen Amtszeit blieb er ein Jahr in Altötting und wurde dann als Quardian und Klerikermagister nach Eichstätt versetzt. Im Jahr 1893 wurde Viktrizius durch das Vertrauen seiner Mitbrüder wieder zum Provinzial erwählt und trug neuerdings sechs Jahre lang die Last dieses verantwortungsvollen Amtes, nach dessen Beendigung er sich als einfacher Pater nach Neuötting zurückzog. Von 1900 an abermals Quardian und Führer der Kleriker in Eichstätt, dann zum Definitor der Provinz erwählt, zwei Jahre Vikar in Karlstadt am Main, wurde der überall Erprobte vom Provinzkapitel 1905 zum fünften Mal als Provinzial berufen. Nach dreijähriger gesegneter Amtstätigkeit zog er sich 1908 in das Kloster auf dem Maria-Hilf-Berg zu Vilsbiburg zurück, um sich an der Gnadenstätte der lieben Mutter Gottes auf eine gute Sterbestunde vorzubereiten. Noch sechzehn Jahre schenkte ihm der Herr, Jahre des Gebetes und der Sammlung, Jahre schweren Leidens, aber auch noch eifriger Tätigkeit im Beichtstuhl und privater Beratung.

 

So konnte der gottselige Ordensmann ein halbes Jahrhundert lang sein heiligmäßiges, arbeits- und opfervolles, tugend- und segensreiches Leben einer ganzen Ordensprovinz schenken, die er zudem fünfzehn Jahre als Provinzial, als erster, verantwortungsvollster Oberer leitete. Als gewissenhaft besorgter, mit allen Gaben des Heiligen Geistes ausgerüsteter, gütiger Provinzoberer lebt Pater Viktrizius im Gedächtnis seiner ihn hoch verehrender Mitbrüder fort. Seinem eigenen stillen Wesen entsprechend, vollzog sich seine Haupttätigkeit in der Abgeschiedenheit des Klosters für das Kloster und für den ganzen Orden. Er wirkte durch die Heranbildung der Novizen, durch geistliche Vorträge für die Priesteramtskandidaten des Ordens, durch eindrucksvolle Exerzitienvorträge in den Klöstern seines und anderer Orden. Eine kanonische Visitation des Pater Viktrizius als Provinzial wirkte so tief und fruchtreich gleich Exerzitien, wie ein hervorragendes Mitglied des Ordens und römischer Konsultor bezeugt. Weil alles, was er dabei sprach und tat, von wahrhaft väterlicher Liebe, von kluger Milde und Güte getragen war, erfrischte es die Seelen und feuerte sie zu kräftigem Tugendstreben an. Milde war der Grundzug seines Wesens. Schon seine äußere Erscheinung hatte etwas Anziehendes, Gewinnendes an sich. Obzwar groß an Gestalt, konnte der schwache, hagere Mann doch über keine starke Stimme verfügen. Wenn er aber sprach, auf der Kanzel oder in Privatunterredung, so nahm er sofort jeden für sich ein. Sein außerordentliches Tugendbeispiel riss zur Gefolgschaft hin: „Werdet meine Nachahmer, wie ich Christi Nachahmer bin (1. Korinther 11,1)!“

 

Das Tugendbeispiel des gottseligen Paters Viktrizius! Als am 8. Oktober 1924, da eben die Sonne unterging, sein irdisches Leben sich zum Untergang neigte, da erlosch nicht die Leuchte seines erhabenen Tugendbeispiels, das solange wegführend den Seinen voranschimmerte, vielmehr scheint es eben jetzt noch weitere Kreise ziehen zu wollen. Allgemein wird bezeugt, dass sein Tugendleben weit über das gewöhnliche Maß eines guten Christen hinausragte, dass es ein heroisches Tugendleben war, dass sein beharrliches Streben nach der Vollkommenheit jenes innige Hungern und Dürsten nach der Gerechtigkeit war, das der Herr mit seinen Seligpreisungen bedacht hat. Glaube, Hoffnung und Liebe, Gottes- und Nächstenliebe waren das Element, das Mark und die Kraft seines Lebens. Nicht nur dass er diese göttlichen Tugenden unzählige Male in herzlichster Art erweckte, dass er in Wort und Schrift („Ewige Anbetung“) für ihre Notwendigkeit kräftigst eintrat: der Gottselige hat sie mit außerordentlicher Lebensinnigkeit und Treue geübt. Was Thomas von Celano vom heiligen Franziskus, in dessen Fußstapfen Viktrizius wandelte, sagt: „Er war ganz Gebet geworden“, das galt auch von ihm: Der gottinnige Ordensmann, der sich seinem Herrn und Gott bei der Profess als eine lebendige Opfergabe übergeben hatte, ist ganz Glaube, ganz Vertrauen, ganz Liebe, er ist ganz Gebet, eine seelische Einheit mit Gott geworden.

 

Wie lebendig war sein Glaube! Wie groß seine Ehrfurcht vor dem gegenwärtigen Gott! Die üblichen Ordensgebräuche, die Zeremonien am Altar, die er mit der denkbar größten Genauigkeit hielt, auch noch als gebrechlicher Greis, ohne sich durch irgendwelche äußere Vorgänge stören zu lassen, waren nur der tiefste Ausdruck seiner gläubigen gotthingegebenen Seele. Die Feier der heiligen Messe wirkte ergreifend. Mit vollstem Durchdrungensein von der erhabenen Handlung, mit innigster Selbstergriffenheit sprach er die Gebete, besonders die drei vor der heiligen Kommunion. Ging er vom Altar weg, so konnte man wohl sein Angesicht ganz gerötet sehen von der inneren Andachtsglut. Wie von jugendlicher Kraft gehoben, schritt er dahin, während er sonst so gebrechlich einherging. Bei Ablegung der Gewänder redete er mit niemanden. Dann kniete er lange, lange an seinem Platz im Chor, die Augen mit dem blauen Kapuzinertaschentuch bedeckend, um die Tränen aufzuhalten, die ihnen unaufhaltsam entquollen. Man konnte danach, wenn er den Platz verlassen hatte, die Bank nass finden von den sichtbaren Spuren seiner Dankesergriffenheit. Diese gab sich überdies unwillkürlich auch in lauten Anmutungen des Glaubens, der Hoffnung und Liebe kund und fand in den tiefsinnigen Anrufungen des Gebetes: „Seele Christi“ unter kräftigen Seufzern ihren lebendigsten Ausdruck. Immer wieder zog der liebe Heiland im Sakrament wie mit magnetischer Gewalt den glaubensinnigen, in Gott gefestigten Mann in seine Nähe. Und mochte dem schon gebrechlichen Greis die Winterkälte arg zusetzen, er wich nicht vom Tabernakel. Schließlich konnte man ihn, wenn man ihn sprechen wollte, immer im oberen, etwas geheizten Chor finden, obwohl ihm das Hinaufsteigen über die lange Treppe sehr beschwerlich wurde.

 

Die große Heilandsliebe, die ihren Abglanz auch auf das Äußere des Gottseligen warf, war sicherlich eine Gnadenfrucht seines betrachtenden Gebetes. In früherer Zeit zeichnete er schier täglich, später seltener, in ganz kleiner Schrift und mit eigenen Kürzungen den Hauptinhalt und die Lichtpunkte seiner Betrachtung auf. In seiner letzten Krankheit hatte er den Pflegebruder flehentlich gebeten diesen Pack Schriften zu verbrennen. Durch Anordnung des Hausoberen aber wurden sie gerettet und geben jetzt nach mühevoller Entzifferung beredtes Zeugnis von der ausdauernden, ernstesten Arbeit des Nachfolgers Christi an sich selbst, um Zug für Zug des Heilandes zu kopieren, das Gottesbild im Menschen getreuestens nachzubilden. Täglich hat er den Kreuzweg gebetet. Ergriffenen Blickes stand er vor den Stationen, ohne Buch, die Leiden des Erlösers betrachtend. Wenn er sich allein glaubte, dann konnte der sonst so stille Mann überlaut werden. Mit Lebhaftigkeit und einem ganz dramatischen Eifer bekundete er manchmal sein Mitleid mit Jesus und seiner schmerzhaften Mutter, wobei sein gerechter Unwille über die Widersacher des Herrn sich auch gelegentlich stürmisch Luft machte.

 

Alle Wünsche und Handlungen des  gottseligen Pater Viktrizius waren einzig auf Gott bezogen, ohne jede irdische Absicht. Darum ertrug er auch die Widerwärtigkeiten des Lebens mit staunenswerter Geduld. Sein Vertrauen war unerschütterlich fest auf die Vorsehung gerichtet. Als die schon der Verwirklichung näher gerückte Vereinigung der griechischen Kirche in Bulgarien mit der katholischen durch die Niederwerfung dieses Landes im großen Krieg vereitelt wurde, äußerte sich ein Pater, er verstehe nicht mehr, wie die Vorsehung diese Wendung zulassen konnte. Gleich suchte Pater Viktrizius diesen Pater auf und machte ihm ernste Vorstellungen, dass er nicht auch hier Gottes Fügung oder Zulassung ehre; der Herr habe schon seine Gründe und seine Zeit. Wie lag ihm das Wohl der Kirche, die Ausbreitung des Reiches Christi am Herzen! Wurde über die Belange, die Anliegen und Sorgen der Kirche gesprochen oder vorgelesen, dann hörte er mit der größten  Aufmerksamkeit zu und konnte sich nicht genug hören, selbst wenn es ihm wegen seiner Kränklichkeit schwer fiel. Kam die Rede auf segensvolle Taten oder wirksame Worte des Heiligen Vaters, der Bischöfe oder einflussreicher  Menschen, dann leuchtete sein ganzes Wesen in dankbarem Mitgefühl auf. Über Leiden und Kämpfe der Kirche, besonders über Ärgernisse war der kindlich Ergebene zutiefst betrübt. Eigenartiger, bitterster Schmerz lag dann über seinem Antlitz. Hörte er von Fehlern anderer – er selbst sprach nie davon – so war seine erste Mahnung: Doppelt eifrig beten, sühnen, Gott durch Opfer bestürmen, dass der Fehlende wieder zur Einsicht käme, das Ärgernis wieder gut gemacht würde! Wieviel er selbst, zumal in seinen langen Leidensjahren, gebüßt und geopfert hat, entzieht sich der Beurteilung. Klagen hörte man ihn nie, aber beten konnte man ihn Tag und Nacht hören.

 

Pater Viktrizius war eine Opferseele  im ausgeprägtesten Sinn des Wortes. Zu allen Leiden, nach innen und außen, zu jedem Opfer und Verzicht schon durch die Profess bereit, hat er durch die Tat sein langes Ordensleben zu einem ununterbrochenen Opferleben gemacht. Ehre, Liebe und Sühne dem heiligsten Herzen, das er so innig liebte, dem er mit der letzten Faser seines Herzens anzugehören wünschte: dienende Hingabe, Liebe und Aufopferung für den Nächsten, um ihn glücklich und heilig zu machen: das war der Inhalt seines Gebetes, seiner Arbeit, seiner Leiden. Er hat sich den Ausspruch des heiligen Paschalis: „Gegen Gott ein Kind, gegen sich ein strenger Richter, gegen den Nächsten eine Mutter“ mit zur Grundlage seiner Gewissenserforschung gewählt. Oft und oft kommt er in seinen Aufzeichnungen darauf zurück. Sollte er es dann nicht auch hierin zur Meisterschaft gebracht haben?

 

Der allzeit gütige Provinzial konnte niemand bedrückt sehen. Jeden suchte er aufzurichten in und außerhalb des Beichtstuhls. Er besaß die Gabe des Rates in besonderem Maß. Kam man mit einer Bitte zu ihm, durfte man versichert sein, dass er die Angelegenheit des Hilfesuchenden zu seiner eigenen machte. Wenige Worte von ihm genügten, um einen Mutlosen oder Ängstlichen wieder aufzurichten, einen Zweifel oder schwierigen Gewissensfall zu lösen; ein einziger Blick seines milden Auges vermochte trübe Stimmungen zu verscheuchen. Ein jüngerer leidender Pater plagte den Diener Gottes schier jeden Tag, bisweilen über eine Stunde mit seinen Skrupeln. In aller Geduld, wahrhaft mit der Liebe einer Mutter nahm er sich des Armen an. Mochte das Ehrfurchtgebietende seines Wesens im Besucher eine gewisse heilige Scheu erwecken, so gewann doch zugleich noch bezwingender die vertrauenerweckende, freudebringende Art seines Umgangs das Herz zu offener Aussprache. Pater Viktrizius war auch hierin ein Nachbild des lieben Heilands, von dem Kraft und Vertrauen auf alle Bedrängten überging.

 

Im Leben des nach Verähnlichung mit Christus strebenden Kapuzinerprovinzials treten auch die sittlichen Tugenden ganz auffallend in die Erscheinung. Gerechtigkeitsliebe, Pflichttreue, Klugheit, Mäßigkeit, Geduld, Starkmut, Sanftmut zierten ihn. Eine wunderbare Beherrschung der Zunge war ihm eigen, was ja nach Jakobus (3,2) Zeichen „eines vollkommenen Menschen“ ist. Ein ganz ausnehmendes Merkmal des Paters war aber seine allseitige Demut, eine äußere und innere Demut. Sein ganzes Benehmen und Auftreten war bescheiden und demütig. Von sich wollte er nie ein Aufheben gemacht wissen, wo er nur konnte, trat er zurück gemäß seinem Lebensgrundsatz: Cupio nesciri; ich wünsche unbekannt zu bleiben. Als ihm bei der Einkleidung der Name Viktrizius gegeben wurde, rief er aus: „Gott sei Dank! Das ist ein Name, den sich die Leute nicht merken können.“ Mit ängstlicher Sorgfalt vermied er alles, was ihn in den Augen anderer, auch seiner Mitbrüder als irgendwie hervorragend, als tugendhafter oder gelehrter hätte erscheinen lassen. Seine Predigten waren trotz innerer Glut schlicht und einfach, ohne alles Wortgepränge. Dagegen hörte er selber überaus gerne, so lange er nur konnte, die Predigten anderer und war dabei so demütig aufmerksam wie ein unwissendes, heilsbegieriges Mütterlein. Ist das nicht wieder ein Zeichen der Auserwählung? Denn „wer aus Gott ist, der hört Gottes Wort“ (Joh 8,47).

 

Der Mann, der ständig, wie man glaubt, im Zustand der Beschauung lebte, redete nie so, dass man daraus auf seine Seelengröße hätte schließen können. Als einmal in der harten Kriegszeit ein hoher kirchlicher Würdenträger in Gegenwart der Konventpatres dem hochverehrten Pater Exprovinzial bedeutete, er halte viel auf sein Gebet hinsichtlich Beendigung des Krieges, da wurde der bescheidene und sanfte Franziskussohn ganz erregt und lehnte die ausgesprochene Wertschätzung aufs entschiedenste ab. Es war sehr schwer, etwas über seine eigene Person, seine wissenschaftlichen Arbeiten, seine reiche Erfahrung von ihm herauszubekommen. Ergingen Fragen an ihn, so gab er bescheidene Antwort, bestand aber nie auf seiner Meinung.

 

Wundern wir uns nicht, wenn wir auch an dem Diener Gottes jene uns so schwer verständliche Wahrnehmung machen, die uns oft bei Heiligen begegnet, dass er sich aufrichtig als großer Sünder, als den letzten von allen betrachtete. Tiefgehende, oft und oft wiederholte Betrachtungen über das geschöpfliche Nichts vor Gottes Größe, über seine gänzliche Abhängigkeit von dem Allmächtigen, über seine Mängel und Fehler, die in seinen vom Licht des Glaubens erleuchteten Augen zu großen Vergehen anwuchsen, hatten ihm dieses andauernde lebhafte Bewusstsein seiner Sündhaftigkeit und Bußverpflichtung von Gott gebracht. Doch machte ihn diese Erkenntnis nicht verwirrt oder mutlos. So konnte man ihn, als er nicht mehr gut hörte, oft ganz laut aufseufzen hören: „Mein Jesus, Barmherzigkeit!“ Dem folgte aber auch ebenso oft der laute Hoffnungsruf: „Heiligstes Herz Jesu, ich vertraue auf dich! Von meiner Schwachheit fürchte ich alles, von deiner Güte hoffe ich aber auch alles!“ Hieraus wie aus seinen glücklich geretteten Aufzeichnungen geht übrigens hervor, dass auch unserem guten Pater Viktrizius Tugend und Heiligkeit nicht so ohne weiteres in den Schoß gefallen sind, dass er heiß darum ringen, Schwierigkeiten und Hindernisse überwinden musste und dass er eben auch seine Unvollkommenheiten und Fehler hatte, mochten diese auch von anderen als ihm kaum bemerkt worden sein, aus denen er sich aber durch stete Wachsamkeit und Energie, dank auch des ständigen Gebrauchs der Gnadenmittel, zur Höhe emporriss. Wie zu vermuten erlaubt ist, hat der Gottesstreiter gerade die zarte Lilie unbefleckter Reinheit mit heißen Kämpfen gegen den bösen Feind, der sie ihm selbst in den späteren Jahren noch hart anstritt, „siegreich“ durchgetragen bis zum Ende.

 

Dem demutsvollen Buß- und Sühnegeist des Gottseligen kam der liebe Gott vielfach mit Heimsuchungen und Leiden entgegen. Müssen diese doch auch über den Gerechten kommen (Psalm 34,20). Pater Viktrizius hatte ein schweres Blasenleiden, Hämorrhoiden, ein Herzleiden, das ihm öfter das Blut gegen den Kopf trieb, mehrere Lungenentzündungen. Ein durch Reizung der Bronchien bewirkter Husten war so stark, dass Erstickungsanfälle eintraten. Wegen peinlicher Störung der Mitbrüder musste er schließlich die Kommunität meiden. Außerdem war er in den letzten acht bis zehn Jahren fast erblindet und recht schwerhörig. Ohne Klage, ja freudig ertrug er auch diese harten Prüfungen. „Du musst dich bereit erklären zum Leiden“, ermunterte sich selbst der Leidensjünger in seinen Aufzeichnungen. „Jesus will in dir leiden!“ „. . . Ich will von der Welt nichts mehr haben als das Leiden, um, Jesus, dir darin ähnlich zu werden. O könnte ich dir in allem ähnlich werden!“ „Der Weg zum Vater ist ein Kreuzweg.“

 

Doch nicht genug der körperlichen Leiden! Der frohgemute Franziskussohn, der so sehr die geistliche Freude liebte und zu beleben suchte, sollte noch im letzten Jahr seines Lebens von andauernder und immer wiederkehrender Trostlosigkeit und Verlassenheit gepeinigt werden. Wie bitter schwer drückte der Gedanke auf seine Seele, zuletzt nach all den Mühen, Opfern und Martyrien noch verloren zu gehen! So viele Trostbedürftige hatte er gestärkt und Christi Blut für sie geopfert, nun schien ihm selbst dieser Trost wie abgeschnitten. Aber der erfahrene Ringkämpfer im geistlichen Leben ließ nicht nach im Gebet, nicht ab vom kindlichen Vertrauen. „Ich kann doch nicht verzweifeln,“ hat er einmal geschrieben, „weil deine (Gottes) Liebe zu mir so überaus groß ist von Jugend auf!“ Aber durfte denn im treuen Christusbild des Dieners Gottes der letzte, der herbste Zug im Antlitz des sterbenden Erlösers, die zermalmende Verlassenheit vom Vater, fehlen?

 

Nun schien es vollbracht! Das Christusbild vollendet! Ein Mitbruder malte einen Kreuzweg. Öfters im Tag besuchte Pater Viktrizius die fertigen Bilder, Station um Station betrachtend, ohne den Maler zu bemerken, der in eine Ecke schlich. Es war tief ergreifend, wie der fromme Greis mit erlöschendem Auge das Antlitz des Heilandes auf dem Bild suchte, sich ganz darin versenkte, um gleichsam Zug für Zug des göttlichen Kreuzträgers aufzufangen. Ja, mit Gottes Gnade ist es dem nimmermüden „Weggefährten des Kreuzes“ gelungen, das von ihm tausendmal gestammelte Gebetchen wahr zu machen: „Jesus, sanft und demütig von Herzen, mache mein Herz gleich deinem Herzen!“

 

Der Diener Gottes wurde auf dem Ordensfriedhof im Kloster Vilsbiburg in einem ausgemauerten Grab und in einem Doppelsarg beigesetzt. Zu dieser Abweichung vom gewöhnlichen Herkommen war die allgemeine Meinung bestimmend, dass man einen außergewöhnlichen, einen heiligen Ordensmann der Erde übergeben habe. Rasch mehrte sich dieser Ruf der Heiligkeit. Ungewöhnliche Gnadenerweise und Gebetserhörungen auf die Anrufung des Gottseligen hin werden gemeldet. Der Wunsch des Volkes, zu seinem Grab innerhalb der Klosterklausur Zutritt zu haben, wurde immer lauter und allgemeiner. Deswegen wurden schon am 19. Oktober 1927 die ehrwürdigen Überreste des verehrten Toten in die Wallfahrtskirche übertragen, wo sie nun im rechten Seitenschiff vor dem St.-Anna-Altar eine neue Ruhestätte gefunden haben. Von dieser Stelle aus war ja der gottselige Pater Viktrizius sechszehn Jahre hindurch als Beichtvater ein gesuchter Berater und Helfer. Möge er von da aus noch vielen ein wirksamer Fürbitter bei Gott werden!

 

„O Herr, schicke mir Verdemütigungen! Sie gehören mir. Ich will verachtet werden; denn das ist meine Sache, mein Anteil!“ – „O Herr, gib mir doch die Liebe, diese wunderbare Macht! Gib mir einen Funken aus deinem Herzen!“ (Worte des Gottseligen)

 

Pater Ildephons von der Mutter Gottes

Gedenktage und Lebensskizzen hervorragender

Mitglieder des Karmelitenordens

 

Am 8. Oktober 1710 ging zu Wien ein Mann ins Jenseits hinüber, dem besonders Linz an der Donau viel Dank schuldet. Es ist der lobwürdige Pater Ildephons von der Mutter Gottes. Pater Ildephons, mit seinem weltlichen Namen Franz Ernst Freiherr von Kaiserstein, wurde am 26. April 1639 zu Wien geboren. Er genoss in seiner Jugend eine standesgemäße Erziehung und machte zu seiner weiteren weltmännischen Bildung Reisen durch verschiedene Länder Europas. Als Beruf hatte er sich den Soldatenstand erwählt, in dem er es zum Hauptmann brachte. Weil er aber in diesem Beruf nicht volle Befriedigung fand, bat er in seinem 31. Lebensjahr um Aufnahme in unseren Orden. Drei Jahre lang wurde sie ihm verweigert. Erst nach langem Bitten und Beten konnte er den Waffenrock mit dem Ordenskleid vertauschen. Es geschah zu München am 24. Juni 1671. Als er vor Ablegung der feierlichen Gelübde nach kirchlicher Vorschrift sein Testament machte, verfügte er über seinen ansehnlichen Besitz in der Weise, dass aus seinem Erlös im Gebiet der Enns eine Karmelitenkirche gebaut werden sollte. So ist er der Stifter des Klosters zu Linz geworden. Er selbst verbrachte die letzte Zeit seines Lebens im Konvent zu Wien. Wie zurückgezogen und ausschließlich auf den Dienst Gottes bedacht er im Kloster lebte, erfuhr sein Bruder Helfried, der in einem Brief aus Prag einmal anfragte, was es Neues gebe in Wien. Pater Ildephons antwortete ihm: "Er sei jetzt Ordensmann und wisse als solcher nicht, was in der Welt vorgehen." Groß wie sein Seeleneifer, war die Liebe zur klösterlichen Observanz, die er überall betätigte, besonders auch in seiner Eigenschaft als Provinzdefinitor und Prior von Wiener-Neustadt. Er ging vollständig in seinem Beruf auf. Als Kaiser Leopold I. ihn in seiner armen Zelle besuchte, war der Monarch viel mehr überrascht und erstaunt als der schlichte Ordensmann geehrt und sprach beim Fortgehen mächtig bewegt: "Dieser Mann hat wahrhaft die Welt verlassen."

 

Gebet am 8. Oktober

 

Meine liebste Mutter Maria, du hattest Recht, da du sagtest, dass alle deine Freude in Gott sei: Mein Geist frohlockt in Gott, meinem Heiland, denn hier auf Erden hast du kein anderes Gut als Gott gewünscht und geliebt. Ziehe mich zu dir, o meine Königin, und hilf, dass ich der Welt absterbe. Ziehe mich zu dir, damit ich nur den liebe, der allein geliebt zu werden verdient. Amen. 

 

Zu Gott auf die Fürbitte der heiligen Pelagia

 

O Gott, reiche uns auf die Fürbitte der heiligen Büßerin Pelagia Deine Hand, damit wir von dem Fall in die Sünde aufstehen, und als reuevolle Büßer zu Dir zurückkehren, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Heute wurde im Jahr 451 unter Papst Leo I. das vierte allgemeine Konzil zu Chalcedon eröffnet, in dem der herrliche Titel der Mutter Gottes ist von neuem bestätigt worden. Das Konzil wurde von 630 Bischöfen in Beisein der päpstlichen Legaten und selbst des Kaisers Marzianus gehalten, und im selben die Worte: "Freue dich, Jungfrau Maria, du allein hast alle Ketzereien in der ganzen Welt vernichtet!" gebraucht und laut gesungen. 

 

Andacht am 8. Oktober:

 

Das Thema im Oktober:

Vertrauen

"Habt Vertrauen." (Markus 6,50)

 

"Streben wir, großes Misstrauen gegen uns selbst zu hegen, und nie diese Wahrheit aus dem Blick zu verlieren: Durch uns selbst taugen wir zu nichts und können die Absichten Gottes nur vereiteln! - Haben wir sie aber immer vor Augen, so wird sie uns in einer vollkommenen Abhängigkeit von der Leitung Gottes erhalten und uns dahin führen, dass wir unsere Zuflucht oftmals zu Gott nehmen, seine Hilfe zu erbitten." (Der heilige Vinzenz von Paul)

Der berühmte und fromme Pater del Ponte sagte oftmals, was andere in Kleinmut bringen kann, z.B. die Betrachtung der menschlichen Gebrechlichkeit, der eigenen Schwäche und der Sünden der Vergangenheit, vermehre vielmehr sein Vertrauen auf Gott, weil er bei einer solchen Erwägung seinen Blick zur Güte und Barmherzigkeit Gottes erhebt, dem er gänzlich geweiht habe, was immer er sei und habe.

Als man den heiligen Wenzeslaus, König von Böhmen, dessen Heer aufgerieben und der selbst in Gefangenschaft geraten war, befragte, wie ihm nun zu Mute sei, antwortete er, er sei nie ruhiger gewesen; und da man sich hierüber sehr verwunderte, sprach er: "Als ich mit menschlicher Hilfe versehen war, hatte ich beinahe keine Zeit, Gott zu gedenken; nun aber, da ich die menschliche Hilfe nicht habe, denke ich nur an Ihn, setze mein ganzes Vertrauen auf Ihn und habe die kräftige Hoffnung, dass Er mich nicht verlassen wird."

Der heilige Philipp Neri gab denjenigen, deren Seelen er leitete, den Rat, oftmals zu Gott zu sprechen: "Mein Gott, traue mir nicht; denn ganz sicherlich werde ich fallen, wenn Du mir nicht zu Hilfe kommst! Steh mir bei, denn ich selbst kann aus mir nur Böses tun!"

 

Herr, komm mir zu Hilfe und steh mir beständig zur Seite! Denn zu nichts tauge ich aus mir selbst und kann nichts als Dich beleidigen. Allein meine ganze Hoffnung setze ich auf Dich und vertraue, dass Du mich nicht verlassen wirst! Ich bitte Dich, darum durch die Verdienste meines göttlichen Erlösers! Amen. 

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 8. Oktober

 

"Um der Liebe Gottes willen Dinge von geringem Wert verlassen,

wie Schlösser, Landgüter, Gold und Silber,

das ist nichts; was Not tut ist, sich selbst verlassen,

im Äußeren und im Inneren, im Geist und im Leiblichen."

 

gottsel. Johannes Tauler OP

1300 bis 16.6.1361

 

Betrachtung am 8. Oktober - Die Stufen der Selbsterkenntnis und Demut

 

Wer bist du, Mensch, du Nichts und Staubgebilde,

Dich in so eitler Hoffart zu erheben?

Rief aus dem Abgrund dich nicht Gottes Milde,

Und schenkte Dasein dir und Licht und Leben?

Ist Asche, Mensch, nicht deine letzte Zier?

Ja selbst die Asche bist du nicht aus dir.

 

1. Wie kam ich in dieses Dasein? Habe ich mich selbst erschaffen? Was war ich vor einem Jahrhundert? Tief im Abgrund des Nichts, hatte ich weder Kraft, daraus hervorzutreten, noch Verdienst, daraus erhoben zu werden. Aus mir selbst bin ich noch heute, was ich damals war. Bin ich nun etwas, so kommt mir dies vom Urheber meines Daseins, ich selbst konnte aus mir nicht einmal eine Mücke werden. Dir, mein Gott, verdanke ich alles. Darum will ich deine Barmherzigkeit preisen, und meine ganze Wissenschaft bestehe darin, dir die Ehre für alles zu geben, ohne das Geringste mir selbst anzueignen.

 

2. War ich aber nichts, durchaus nichts im Reich der Natur, so war ich noch unendlich weniger im Reich der Gnade. Unfähig war ich, Gnade zu erwerben, unwürdig, sie zu empfangen. Denn die Gnade ist "das beste Geschenk, die vollkommene Gabe, die vom Vater der Lichter herabkommt". (Jakobus 1,17) Wie aber hätte ich, dieses Nichts, jemals Anspruch auf diese Würdigung des Allerhöchsten machen können? Vermag ich es nun nicht, für meine Schöpfung dir würdig zu danken, mein Gott: wie kann ich je für diese allerhöchste Gabe dir danken?

 

3. Aber noch einen anderen, tieferen Abgrund sehe ich vor mir. Denn wie verwendete ich die Gaben der Natur und der Gnade, die deine unendliche Güte mir zu deiner Verherrlichung gegeben hat? Undank, Bosheit, Hochmut, Sünde: dies ist es, was ich aus mir selbst hervorbrachte. Statt dich zu verherrlichen, beleidigte ich deine göttliche Majestät unzählige Male. Unendlich weniger also bin ich, als selbst das Nichts. Deutlich sprach mein Erlöser dies aus, als er von seinem meineidigen Jünger Judas sagte, es wäre ihm besser, er wäre nicht geboren. Wo also ist noch ein Winkel, meinen Hochmut zu verbergen? Und wo wäre ich, hätte deine unendliche Barmherzigkeit diesem schauderhaften Abgrund mich nicht großmütig entrissen? Nichts also bin ich aus mir, nichts durch mich, und als Sünder stehe ich tief unter dem Nichts. Galater 6,3: "Wer sich einbildet, etwas zu sein, obwohl er nichts ist, der betrügt sich."

 

9. Oktober

 

Der heilige Johannes Leonardi, Priester und Ordensstifter zu Rom,

+ 9.10.1609 - Fest: 9. Oktober

 

Der Italiener Johannes Leonardi starb im Jahr 1609, am 9. Oktober, und erst 1939 wurde er heiliggesprochen. Es werden wohl besondere Gründe vorliegen, warum es geschah.

 

Der Vater des Heiligen war der wohlhabende Herr Johannes Leonardi zu Lucca in Italien, und die Mutter hieß Johanna, eine geborene Lippi, und wo der Vater Johannes und die Mutter Johanna heißen, da muss doch auch eins der Kinder diesen Namen führen. Bei den Leonardi bekam ihn der Jüngste, das Nesthäkchen, der erklärte und verwöhnte Liebling aller im Haus, wie das ja bei dem Benjamin in einer Familie oft der Fall ist.

 

Da muss man schon von Glück reden, dass Johannes später trotzdem nie über die Strenge schlug, sondern ein ordentlicher Junge wurde, der es aus kindlicher Ehrfurcht sogar fertigbrachte, auf den Herzenswunsch zu verzichten. Gern wäre er nämlich Priester geworden, aber als es hieß, er solle Apotheker werden, sagte er ja und amen dazu. Später hat der junge Leonardi die Scheu, sich für den hohen Beruf ein- und durchzusetzen, wohl bitter bereut, denn wenn Gott einen jungen Mann eindeutig für den Priesterstand bestimmt, so muss man ihm unbedingt folgen. Wohl ist Johannes nachher noch Priester geworden, aber manches Jahr ist darüber verlorengegangen.

 

Johannes Leonardi war also Apotheker, drehte Pillen, stellte Pülverchen her und stand tagein und tagaus hinter dem Ladentisch. Fleißig kamen die Kunden und zeigten die Rezepte vor, und wenn Johannes Leonardi die Medizinen herrichtete, in Fläschchen füllte oder in Papier einhüllte, so sprach er auch mit den Leuten vom Wetter, von den Viehpreisen und vom lieben Gott, und weil der junge Apotheker zu allen nett, freundlich, höflich, gefällig und hilfreich war, legte man ihm die Reden vom lieben Gott auch nicht übel aus, sondern manche nahmen aus der Apotheke zu Lucca außer den Heilmitteln für den Leib auch Medizinen für die Seelen mit, indem sie sich, angeregt durch das gute Wort vom Ladentisch her, vor der Sünde kräftiger hüteten und wieder anfingen, die täglichen Gebete regelmäßig zu verrichten. Johannes Leonardi ersetzte also einen Kaplan und war ein Laienapostel. Verstehst du jetzt, warum er gleich nach der späten Heiligsprechung im Jahre 1939 in den Schott kam? Deswegen wurde ihm die Ehrung zuteil, weil er als Vorbild dienen soll, denn zu keiner Zeit waren die Laienapostel, die ungeweihten Priester im Arbeitskittel oder im Sportdress oder sogar in Kinderkleidung, notwendiger als heutzutage. Heute muss sich jeder Katholik als Priester betätigen.

 

Zwanzig Jahre zählte Johannes Leonardi, als der Vater starb, und am Tag nach dem Begräbnis saß der alte Knabe schon auf der Schulbank bei den Zwölfjährigen. Keine zehn Pferde hätten ihn noch am Ladentisch festhalten können. Im Dezember 1571 wurde er zum Priester geweiht. Niemand war glücklicher als er, und weil er seine Kaplanszeit bereits im weißen Apothekerkittel hinter sich gebracht hatte, besaß er neben dem Wissen auch Weisheit genug, um in der Schule, auf der Kanzel und im Beichtstuhl mit Erfolg zu wirken. Besonders waren ihm die Männer zugetan. Schließlich gründete er einen Orden, den er nach der lieben Mutter Gottes benannte, und starb dann im Jahr 1609.

 

Johannes Leonardi war in jungen Jahren Laienapostel. Seine Bedeutung für die heutige Zeit geht jedoch noch weiter, denn weil er einen katholischen Blick, das will sagen einen weiten Blick besaß, sah er über die enge Heimat, über Italien, hinweg, und mit brennenden Augen schaute er die Not der Heidenvölker. Um auch ihnen zu helfen, gründete der seeleneifrige Priester eine Schule für künftige Missionare, und es war dies die erste sogenannte Missionsschule, wie wir sie heute in großer Anzahl besitzen. Es sind aber immer noch zu wenig, denn bei all den großen Missionserfolgen, die zweifellos zu verzeichnen sind, darf nicht übersehen werden, dass sich die Heidenvölker stark vermehren, so dass auf einen einzigen Neugetauften fünfzig andere kommen, die unter den Heiden dazugeboren werden. Da können die wenigen Missionare nicht Schritt halten, und deshalb ist es katholische Pflicht und Schuldigkeit, dass man die Missionsschulen unterstützt.

 

Der heilige Günther (Gunther) von Thüringen, Einsiedler von Rinchnach,

+ 9.10.1045 – Fest: 9. Oktober

 

Unter der Regierung des Kaisers Heinrich des Heiligen lebte in Thüringen ein angesehener Adeliger, namens Günther. Er war verwandt mit König Stephan von Ungarn und mit mehreren Fürsten. Er hatte seine Jugendzeit in weltlichem Treiben und Streben zugebracht und den höheren Adel verloren, den Gottes Gnade der gläubigen Seele erteilt, und der in den Augen Gottes einen ewigen Wert hat. Er war sehr reich und suchte den verlorenen Frieden anfangs in den Genüssen, die der Reichtum gewährt. Allein sein Herz blieb ohne Ruhe und ohne Freude. Während er auf den Irrwegen der Sünde Hilfe und Heil suchte, wurde er von einem Strahl der göttlichen Gnade berührt und auf jenen Weg gewiesen, der allein zum Frieden führt. Dem Licht der Gnade folgend, begab er sich in das Kloster Hersfeld zum heiligen Abt Gotthard, der eben damals vom Kaiser nach Hersfeld berufen wurde. Ihm eröffnete er das Innerste seines Herzens. Tief erschüttert bekannte er die Verirrungen und Sünden seines ganzen Lebens und den festen Entschluss, sich selbst und all das Seinige dem Herrn zu weihen. Der gottselige Abt nahm ihn mit väterlichem Erbarmen auf, tröstete ihn mit himmlischer Weisheit bezüglich seiner Vergangenheit und gab ihm den Rat, als Mönch in ein Kloster zu gehen. Der aufrichtige Büßer nahm die Belehrung, den Trost und den guten Rat des Heiligen mit gläubigem Herzen und gutem Willen hin und zeigte sogleich durch die Tat, wie ernst er das Werk der Bekehrung nehme. Sich selber misstrauend im Besitz seiner Güter, vermachte er all seine Habe der Kirche des heiligen Wigbert durch ein Testament und wollte nun in das Kloster Gelingen eintreten. Indessen sollte ihm nach der ursprünglichen Fassung des Testamentes noch eine Verfügungsgewalt über die Einkünfte seiner Güter in so weit bleiben, als er derselben für sich und seine Mitbrüder im Kloster bedürftig wäre. Der weise Abt war mit dieser Anordnung nicht zufrieden. Er glaubte, ein solcher Vorbehalt könnte der Seele eines Neubekehrten weit mehr Gefahr bringen, als das Kloster daraus zeitlichen Gewinn ziehen dürfte. Darum verschob er einstweilen dessen Eintritt in den Orden und nahm ihn mit sich in das Kloster Altaich, wo er in weltlichem Gewand leben und Gott dienen konnte.

 

Indessen verzichtete der wahrhaft reumütige Günther auf all seine Güter und bat den heiligen Abt um Aufnahme in das Kloster. Vorher aber wollte er noch die Gräber der heiligen Apostel in Rom besuchen. Durch ihre Fürbitte hoffte er Vergebung für alle Sünden seines früheren Lebens und den Segen des Himmels für seinen Eintritt in den Orden zu erlangen. Der Abt gab ihm auch hierzu die Erlaubnis, und nun wallfahrtete der ritterliche Held als armer Pilger zu Fuß nach Rom und von da wieder zurück nach Altaich. Nach seiner Rückkehr legte er seinen Gürtel auf dem Altar des heiligen Mauritius in der Kirche des Klosters nieder, ließ sich das Haupt und den Bart scheren und bat um Aufnahme in den heiligen Orden. Er wurde aufgenommen, hielt die Probezeit aus und empfing aus der Hand des heiligen Abtes Gotthard das Ordenskleid.

 

Nachdem er die feierlichen Gelübde abgelegt hatte, bat er den Abt um die Erlaubnis, in das Kloster Gelingen eintreten zu dürfen, wie es früher sein Vorhaben gewesen war. Gotthard erlaubte es. Günther kam dahin und lebte, wie seine Mitbrüder, in der bisher ihm ungewohnten Armut und fortwährend mit Arbeit beschäftigt. Ungeachtet seines festen Willens, nur allein das Heil seiner Seele zu suchen, wurde er doch von mannigfaltigen Versuchungen geplagt, die ihn aus dem Kloster vertrieben hätten, wenn er nicht durch die Liebe und Freundlichkeit des heiligen Gotthard immer wieder aufs Neue ermutigt und in seinem Vorhaben bestärkt worden wäre. Bald waren ihm die Entbehrungen zu groß, bald der Gehorsam zu lästig, bald ekelte ihn an den frommen Übungen. All diese Versuchungen offenbarte er treulich seinem geistlichen Vater und Führer, der ihn liebreich tröstete mit dem Wort des Apostels: „Dass wir nur durch viele Trübsale in das Reich Gottes eingehen können.“

 

Einst kam der arme Günther wieder mit seinen Klagen und seinem Jammer über die Versuchungen zum Abt. Dieser sah ein, dass gute Worte verschwendet wären, und dass dieser Wankelmut endlich einmal ganz gebrochen werden müsse. Darum sprach er in heiligem Ernst: „Es gibt keinen Mittelweg. Entweder musst du dich in aller Demut ganz dem Gehorsam unterwerfen und von ganzem Herzen Gott dienen, oder du ziehst dein Ordensgewand aus und kehrst wieder zur Welt zurück.“ Durch diese Rede des Heiligen wurde Günther im Innersten seiner Seele erschüttert und gleichsam aus seinem Schlaf aufgeweckt. Zerknirscht warf er sich unter Tränen dem Abt zu Füßen, bat um Verzeihung seiner Sünden und gelobte ernstliche Besserung.

 

Der heilige Abt vertraute diese Angelegenheit mit Günther dem frommen Kaiser Heinrich II. an und bat ihn um Unterstützung in der Beruhigung dieses Mannes. Der fromme Kaiser ließ Günther zu sich kommen und redete gar freundlich mit ihm. Er stellte ihm vor, wie niemand zwei Herren dienen könne, und wie der Mönch nicht wieder zur Welt zurückkehren dürfe. Es gelang ihm, den aufrichtigen Büßer dahin zu bringen, dass er jetzt allen bisher noch gehegten Ansprüchen entsagte und beruhigt und getröstet in das Kloster nach Altaich zurückkehrte.

 

Indessen war auch Gotthard nach Vollendung der Klosterverbesserung in Hersfeld, Tegernsee und Kremsmünster wieder in sein heimatliches Kloster zurückgekehrt. Unter seiner Leitung machte Günther ausgezeichnete Fortschritte im geistigen Leben. In aufrichtiger Demut unterwarf er sich nicht bloß seinen Vorgesetzten, sondern auch allen seinen Mitbrüdern. Erleuchtet durch Gottes Gnade vollbrachte er alle seine Geschäfte und Übungen mit einer solchen Gelassenheit und Treue, dass ihn selbst seine Vorstände als Vorbild bewunderten.

 

Der Ruf von seinem heiligen Leben drang bis an den Hof des Königs von Ungarn. Durch die Königin Gisela, die Schwester Heinrichs II., war auch König Stephan für das Christentum gewonnen worden. Er wünschte seinen Verwandten bei sich zu haben und von ihm Unterweisung im christlichen Leben zu erhalten. Günther begab auf mehrmaliges Bitten sich endlich zum König, nachdem er von seinem Abt hierzu die Erlaubnis und den Segen erhalten hatte. Aber auch am Hof des Königs setzte der eifrige Mönch seine strenge Lebensweise fort. Er ließ sich selbst an der königlichen Tafel nicht bewegen, Fleischspeisen zu genießen, denn er wollte, seinem Gelübde getreu, in der Entsagung und Abtötung ausharren bis an sein Ende. Als Günther einst mit dem König und all seinen Hofleuten zu Tische war, brachte man unter anderen köstlichen Speisen auch einen gebratenen Pfau. Der König drang mit aller Zudringlichkeit in seinen Verwandten, er möchte doch auch von diesem Gericht etwas genießen. Als Günther immer weiter sich weigerte und mit Entschiedenheit erklärte, es wäre dies gegen sein Gelübde, befahl ihm der König mit all seiner Strenge, er müsse davon essen. Günther nahm in dieser Verlegenheit seine Zuflucht zu Gott. Er senkte sein Haupt, verhüllte es mit seinen Händen und flehte unter Tränen zum Herrn, er möchte in seiner Güte und Macht bewirken, dass er seinem Gelübde nicht untreu werden dürfe. Während der Diener Gottes so betete und dann das Haupt emporrichtete, sah er, wie der gebratene Pfau auf einmal sich erhob und davonflog. Alle Anwesenden waren voll Erstaunen und priesen Gott, der die Gewissenhaftigkeit und Treue seines Dieners durch ein solches Wunder belohnte.

 

Dieses und vieles andere verleidete dem frommen Diener Gottes gar bald den Aufenthalt am Hof seines königlichen Vetters. Das Lob und der Beifall der Menschen waren ihm zuwider. Er wollte von den Menschen verachtet sein und nur allein Gott gefallen. Selbst der Aufenthalt im Kloster, wo er schon große Verehrung genoss, schien ihm gefährlich. Er bat darum seinen Abt Gotthard um die Erlaubnis, in dem nahegelegenen böhmischen Wald ein Einsiedlerleben führen zu dürfen. Nachdem er die Erlaubnis erhalten hatte, begab er sich ungefähr eine Tagreise weit in den Wald hinein. Auf einer Anhöhe, die den Namen Rankin erhielt, erbaute er eine Zelle und ein Kirchlein zur Ehre des heiligen Johannes des Täufers. Hier lebte er ungefähr drei Jahre in äußerster Armut. Bald wurde sein Aufenthalt bekannt, und es kamen viele Gläubige dahin, um von ihm Belehrung und Trost zu erhalten. Alle erbauten sich an seinen Reden und an seinem strengen Büßerleben.

 

Je größer der Zulauf zu dieser Einsamkeit wurde, desto ernstlicher sann der fromme Einsiedler auf eine Änderung des Ortes und auf gänzliche Abgeschlossenheit von den Menschen. Er begab sich in den Nordwald, um daselbst ganz allein seinem Gott zu dienen und den Kampf gegen den Widersacher durchzukämpfen. In dieser Einsamkeit führte er ein noch ärmeres Leben als zuvor. In der ersten Zeit seines Aufenthaltes im Nordwald war einmal im strengsten Winter eine solche Schneemasse gefallen, dass man neun Tage lang nicht mehr in Günthers Einsamkeit kommen konnte, um ihm, wie gewöhnlich, das notwendige Brot zu bringen. Kein Mensch in der Umgegend wusste noch von ihm. Drei Tage lang war er schon ohne einen Bissen Brot. Jetzt wurde sein Hunger äußerst heftig. Günther grub den eisigen Schnee, der schon Mannshöhe erreicht hatte, auf und suchte Waldkräuter, um sie in einem Topf zu kochen. Er fand einige, goss Wasser daran und brachte sie über das Feuer. Allein am ersten Tag wurden die Kräuter kaum erweicht, und er verschob das Essen auf den folgenden Tag. An diesem Tag ließ er die Kräuter kochen und wollte sie essen, aber sie widerstanden ihm. Indessen wurde der Hunger immer schlimmer, und Günther sprach zu sich selbst: „Ich stolzer, verweichlichter Mensch will kein Behagen finden an diesem gemeinen Gericht. Das sollte mir willkommen sein zur Büßung für den verschwenderischen Genuss von Leckerbissen, von Geflügel und Wildbret, wodurch sich früher so sehr mich versündigte! Ich will es genießen im Namen Jesu Christi, des Erlösers aller Menschen, der arm geworden um meinetwillen, da er reich war. Ich will es genießen, um an ihm einen Teil zu gewinnen.“ Und nun aß er von diesen Waldkräutern und erhielt sich am Leben, bis ihm wieder vom Kloster Brot gebracht wurde. Umso inniger dankte er jetzt fortan dem Herrn für das übersendete Brot, und umso zufriedener war er mit der kärglichsten Nahrung.

 

Auch in diese Einsamkeit kamen Priester und Laien zu ihm, die mit ihm gemeinschaftlich durch Gebet und Arbeit Gott dienen und ihr Seelenheil sichern wollten. Günther musste die Leitung dieser Einsiedler übernehmen, und er tat dies mit solchem Erfolg, dass die einsame Wüste gar bald eine große Anzahl Geistesmänner in verschiedene Klöster absenden konnte. Der Abt von Altaich erlaubte den in sein Kloster aufgenommenen Brüdern, wenn sie dazu Lust bezeugten, sich zum gottseligen Günther zu begeben und von ihm jene himmlische Lebensweisheit zu lernen, die ihn selbst zu einem Lehrer und Führer der Gelehrten gemacht hatte.

 

Günther selbst hatte keine Studien gemacht. Er verstand nur einige Psalmen, die er betete. Und dennoch hatte er aus den Unterredungen mit den Brüdern und aus der emsigen Anhörung des göttlichen Wortes eine so tiefe Einsicht in die heiligen Schriften erlangt, dass er gar oft die schwierigsten Stellen mit bewunderungswürdiger Klarheit auslegen konnte. „Dies kann ich“, sagt sein Biograph Wolferus, „selbst bezeugen. Ich habe ihn selbst gehört, als er einst am Fest des heiligen Johannes des Täufers in seiner Zelle eine Ermahnungsrede an die Brüder hielt. Er erinnerte sie an die Lebensweise, an die Nahrung und Kleidung dieses Vaters der Mönche und forderte sie auf, nach dem Beispiel dieses Heiligen die Armut und Demut zu leben und in Übung dieser Tugenden das Wohlgefallen Gottes zu suchen. Dann würden auch sie gewürdigt werden, den Heiland zu schauen, der zu denjenigen komme, die demütigen Herzens sind und auf dem Weg der Selbstverleugnung ihm nachfolgen. Er sprach so eindringlich, dass alle Zuhörer in Tränen zerflossen. Unter diesen war der Abt Rathmund von Altaich und mehrere Brüder, die mit ihm angekommen waren. Ich selbst durfte nicht in die Versammlung der Brüder eintreten, weil ich nicht zum Orden gehörte. Allein der Abt erlaubte mir, dass ich mich außen an ein Fenster stellen durfte, wo ich, vom Redner nicht bemerkt, alle seine Worte deutlich vernehmen konnte. Wahrhaftig dieser Mann war, wie der heilige Papst Gregor den heiligen Benedikt nennt, ein einsichtsvoller Nichtwisser, und ein weiser Ungelehrter.“

 

Nicht bloß Laienbrüder, sondern auch Priester kamen in Günthers Einsamkeit, um von ihm Unterricht im Geistesleben zu erhalten. Unter diesen war auch ein Geistlicher aus Sachsen, namens Tammo. Denn der Ruf von Günthers Heiligkeit hatte sich bis nach Sachsen verbreitet. Tammo bat um Aufnahme. Günther führte ihn zum Abt nach Altaich, dass er daselbst die Gelübde auf die Regel des heiligen Benedikt ablegen sollte. Denn nur solche, die der Abt als die Seinigen anerkannte, nahm Günther unter seine Jünger auf. Der Abt aber übertrug alle seine Vollmacht auf den ehrwürdigen Einsiedler, dem sie während ihres Aufenthaltes in der Einsamkeit gerade so gehorsamen mussten, wie ihm selber. Der Geistliche kehrte dann zurück zu Günther und lebte längere Zeit in demütigem Gehorsam mit den übrigen Brüdern. Auf einmal wurde er aber ganz anders. Eitelkeit und Stolz verblendeten sein Herz, und er suchte die Brüder von Günther abwendig zu machen. „Wer ist denn dieser Günther,“ sprach er, „dass wir ihm gehorsamen sollen? Er ist ein Laie und ganz ungebildet. Sein Leben verdient nur Verachtung.“ Die Brüder entgegneten ihm: „Günther ist es, der das Kreuz Christi in dieser Einsamkeit aufgepflanzt hat. Er hat sein Leben ganz im Dienste des Herrn zugebracht und ist ihm bis in sein höchstes Greisenalter treu geblieben. Dich hat die Demut, die Wächterin aller Tugenden verlassen, und der Geist des Hochmuts hat dein Herz betört, sonst könntest du keine solchen Lästerungen gegen den heiligen Mann aussprechen.“ Der Geistliche ließ sich nicht zurechtweisen, sondern erklärte ihnen, er werde sich von ihnen trennen und für sich allein dem Herrn dienen, der ihm Weisheit und Kraft verliehen habe. Günther soll ihm nichts mehr einzureden haben.

 

Und so tat er auch. Bald wurden ihm Visionen und außerordentliche Ansprachen zuteil, und er kam auf den Wahn, ihm sei die Wundergabe verliehen, und er sei berufen, die bayerischen Klöster zu reformieren. Sein Hochmut hatte ihn so sehr verblendet, dass er die trügerischen Vorspiegelungen des Satans für göttliche Eingebungen hielt. Er kam zu Günther und erklärte ihm, der Herr habe ihm aufgetragen, sein krankes Auge durch ein Wunder zu heilen, die zwei Blinden, Remigius und Razo, aber wieder sehend zu machen. Günther antwortete ihm: „Glaube mir, Tammo, lieber wollte ich auch am andern Auge erblinden, als mich von dem heilen lassen, der dir solche Lügen verkündet hat.“ Darauf entfernte sich Tammo und führte den blinden Razo in die Kirche, um ihn durch sein Gebet sehend zu machen. Sechs Stunden lang blieb er mit ihm in der Kirche und wartete immer, dass Razo sehend werde. Allein Razo blieb blind, und der neue Wundertäter ward elend zu Schanden. Voll Verwirrung und Angst kam der elend Getäuschte wieder zu Günther, fiel vor ihm nieder und sprach: „Ich habe mich vom Satan verführen lassen. Ich habe aufgehört, eine Diener Jesu Christi zu sein. Wenn nicht dein Gebet und das Gebet der Brüder mich rettet, so bleibe ich in Satans Gewalt, denn ihn habe ich angebetet statt des einen Herrn und Heilandes. Ihm war ich gehorsam, statt meinem Obern.“ Darauf antwortete Günther: „Petrus, den die ewige Wahrheit selbst als den Felsen erklärt hatte, auf den er seine Kirche baute, Petrus hat den Herrn drei Mal verleugnet. Als ihn aber der Herr in Gnaden ansah, weinte er bitterlich und erhielt Vergebung von demjenigen, der Mitleiden zu haben weiß mit unserer Armseligkeit. Mache dem Teufel, nachdem du gefallen bist, seine Freude nicht zur vollkommenen, indem du verzweifelst. Suche in Demut die Erbarmung des allmächtigen Gottes, die größer ist, als alle Sünden der Menschen.“

 

Tammo blieb jetzt wieder bei den Brüdern, allein er fand keine Ruhe. Wenn er betete oder Psalmen sang, so war es ihm immer, als flüstere ihm der böse Feind zu: Das ist alles umsonst, das gehört alles mir, und du bist mein. Niemand kann dich aus meiner Hand entreißen, auch Günther vermag es nicht.

 

Diese Unruhe und Zuflüsterungen offenbarte er dem frommen Günther. Dieser erzählte den ganzen Vorfall dem Abt Rathmund und dem Bischof von Passau, um sich mit ihnen zu beraten, wie geholfen werden könne. Der Bischof erklärte: „Hier erfüllt sich das Wort des Evangeliums: Wer sich selbst erhöht, der wird erniedrigt werden. Tammo hat den hochmütigen Einflüsterungen des Satans Gehör gegeben und muss nach den kirchlichen Gesetzen seiner priesterlichen Auszeichnung beraubt werden. Als Laie soll er büßen in dieser Einöde!“ Wie der Bischof befohlen hatte, so geschah es. Indessen beteten die Brüder mit Günther inständig für den büßenden Bruder zu Jesus, dem Heiland aller Sünder, dass er sich seiner erbarme und ihn von seinen schrecklichen Versuchungen befreie. Denn noch sechs Monate lang wurde Tammo entsetzlich geplagt. Oft kam er zu Günther, dem er jetzt mit kindlicher Liebe anhing, und rief: „Ich kann es nicht mehr aushalten, ich kann nicht mehr leben. Bete doch für mich, du Mann Gottes, bete für mich!“ Der fromme Greis beruhigte ihn immer mit den Worten: „Ich habe das Vertrauen zu dem gütigen Jesus, dass er dich noch ganz befreien wird. Sei geduldig und harre aus, die Stunde der Erlösung wird gewiss kommen. Zweifle doch nicht an der göttlichen Hilfe. Sie wird dir gewiss zuteilwerden zur rechten Zeit. Wird sie auch verschoben, so bleibt sie doch nicht aus. Der Satan hat nur insofern eine Gewalt, dich zu quälen, als Gott es ihm erlaubt. Nie würde Gott solches gestatten, wenn es nicht notwendig wäre, dich zu demütigen. Bisweilen tut er, der die Menschen so sehr liebt, als wisse er nicht, wie sehr wir leiden; er will aber nur umso wunderbarer und vollkommener uns helfen. Werde doch nicht verzagt, lieber Bruder, sondern steh fest im Glauben, handle männlich und sei stark im Namen desjenigen, der allein die menschliche Gebrechlichkeit zu heilen vermag. Wenn aber Satan sich rühmt, er kenne deine Gedanken, dein Wollen und dein Vermögen, so weißt du ja, dass er der Lügner von Anbeginn ist, und dass er die Kinder des Unglaubens, die ihm Glauben schenken, in den unheilvollen Abgrund der Verzweiflung stürzt. Weise den Satan mit all seiner Hoffart und Lüge in der Kraft Jesu Christi ab. In Einfalt und Demut können wir ihn, den hoffärtigen Lügner, überwinden durch denjenigen, der uns geliebt hat bis in den Tod. Durch ihn, durch die Macht Jesu Christi können wir die Macht des Teufels vernichten und über ihn siegen. Glaube mir, glaube dem Sünder Günther: Durch die Gnade Jesu Christi, der in die Welt gekommen ist, zu suchen und selig zu machen, was verloren war, wirst du von deiner Plage befreit und selig werden wider den Willen des bösen Feindes, der dich auf seine Zulassung jetzt noch plagen darf.“

 

Während einer solchen Unterredung mit dem gottseligen Greis, der immer Gebete und Fürbitten mit seinen Trostworten untermengte, wurde der arme Tammo nach sechsmonatlichen furchtbaren Anfechtungen endlich ganz beruhigt. Dann lebte er noch viele Jahre in gründlicher Demut, in pünktlichem Gehorsam und in der äußersten Entsagung unter der Leitung des frommen Günther.

 

Günther genoss der nächtlichen Ruhe auf einem harten Felsen liegend. Dieser Fels aber hatte sich unter dem Leib des gottseligen Eremiten erweicht und gleich einer Mulde solche Vertiefungen angenommen, dass er zu einem bequemen Lager für den Leib sich gestaltete, insoweit dies auf einem Stein sein kann.

 

Die ganze Zeit, die der ehrwürdige Diener Gottes in der Einsamkeit zubrachte, wird auf 37 Jahre angegeben. Die ersten drei Jahre lebte er, wie schon erwähnt, zu Ranking. Dann begab er sich auf den Nordwald und gründete daselbst das Kloster Rinchnach. Dies muss schon vor dem Jahr 1009 geschehen sein. Denn in diesem Jahr schenkte Heinrich der Heilige mit Zustimmung seiner Gemahlin Kunigunde und seines Bruders, des Bischofs Bruno von Augsburg, dem von Günther gegründeten Kloster einen größeren Bezirk in der Umgegend des Nordwaldes. Die Grenzen dieser Schenkung sind in der am 7. Juni 1009 zu Merseburg ausgefertigten Urkunde des deutschen Königs Heinrich II. genau angegeben. Im Jahr 1029 wurde dieser Bezirk durch die Freigebigkeit des Kaisers Konrad II. noch erweitert. In demselben Jahr wurde das Kloster durch Bischof Perenger von Passau zu Ehren des heiligen Kreuzes, der seligsten Jungfrau Maria und des heiligen Johannes des Täufers eingeweiht. Kaiser Heinrich III. bestätigte all diese Schenkungen und unterordnete das Kloster unter den Abt von Altaich im zwölften Jahr seiner Regierung nach Christi Geburt 1040.

 

Nachdem die Angelegenheiten des Klosters vollständig geordnet waren, verließ der ehrwürdige Günther seine Stiftung und begab sich in die tiefere Wildnis bei Brznau. Hier lebte er einzig den Übungen des Gebetes und der Kontemplation, voll Ergebung in den Willen des Herrn sein zeitliches Ende erwartend. Seine Nahrung waren Waldkräuter und die Milch von einer Hirschkuh, die sich ihm zugesellte. Auch in dieser Einöde wurde er entdeckt und von den Mönchen des Klosters Brznau als Abt begehrt. Nun entfloh er zum letzten Mal auf einen Berg, den man später Dobrawoda, Gutwasser, nannte, wo er ganz verborgen blieb, bis ihn Herzog Brzelislaw auf einer Jagd entdeckte. Eine zahme Hirschkuh von außerordentlicher Größe machte den Herzog auf den frommen Einsiedler aufmerksam. Die Hirschkuh weidete an einem Bächlein, das von lieblichen Grün umfangen war. In einiger Entfernung erblickte der Herzog auf einem Felsen eine von Holz erbaute Zelle. Schüchtern mit dem heiligen Kreuz sich bezeichnend näherte er sich der Zelle. In ihr erblickte er einen Greis mit Silberhaaren, dessen Angesicht leuchtete wie das Antlitz eines Engels. Voll Schrecken und Staunen blieb der Herzog stehen und konnte kein Wort reden. Der ehrwürdige Greis redete ihn an und sprach: Fürchte dich nicht, sondern lobpreise den Herrn, der dich hierher gesandt hat. Denn ich bin Günther, der dich aus der Taufe gehoben hat, und ich bedarf nun bald deiner Dienste. Der Herzog fasste endlich Mut und fragte ihn, wie und wann er in diese Wildnis gekommen sei, und warum er ein so strenges Leben in der Einsamkeit führe. Zugleich bat er ihn unter vielen Tränen, er möchte doch mit ihm in seine Residenz zurückkehren, wo er ihn mit kindlicher Liebe pflegen werde. Der ehrwürdige Greis erklärte ihm, Gottes Wille sei es, dass er hier lebe und ausharre bis an sein Ende. Dann sprach er noch zum Herzog: „Sieh, mein Sohn, du bist um meinetwillen hierher geleitet worden. Erhöre nun auch meine Bitte. Die Auflösung meines armseligen Leibes ist nahe. Ich will, dass mein Leichnam zu Brzenau begraben werde. Andere werden es anders wollen, allein ich habe die Zuversicht zu Gott und bitte ihn, dass meine zeitliche Ruhe in Brzenau sein möge. Sorge dafür, mein Sohn, dass dieser mein Wille erfüllt werde, und dass man daselbst meiner vor dem Herrn gedenke, dessen Ankunft zum Gericht ich dort erwarten will. Übrigens wisse, dass ich morgen um die dritte Stunde dahinscheiden werde.“ Als der Herzog über diese Erklärung bitterlich weinte und zu jammern anfing, sprach der Greis: „Tu nicht so, mein Sohn, sondern habe Zuversicht zum Herrn und fürchte nichts. Erfülle meinen Wunsch. Jetzt gehe hin und schweige über das, was du gesehen und gehört hast. Morgen aber komme bei guter Zeit, dass du bei meinem Ende gegenwärtig sein kannst.“ – Der Herzog nahm betrübten Herzens Abschied von dem edlen Greis. Am anderen Tag kam er gar früh mit dem Bischof Severus von Prag zur Zelle Günthers. Der Bischof feierte daselbst das heilige Opfer, reichte dem Sterbenden noch die heilige Wegzehrung, und um die dritte Stunde verschied der gottselige Greis selig im Herrn.

 

Kaum war die Seele des Heiligen aus dem Leib geschieden, so verbreitete sich von dem entseelten Leib ein so lieblicher Wohlgeruch, dass die Umstehenden in seligem Wonnegenuss voll Staunen Gott lobten und priesen. Dieser Wohlgeruch hielt an bis zur Beerdigung.

 

Nachdem die Zubereitungen zur Begräbnis getroffen waren, wurden die heiligen Überreste des Seligen abgeholt. Man spannte zwei ungezähmte Pferde an den Wagen, auf dem man die Leiche bringen sollte. Diese Pferde waren beim Zug so gelassen und fromm, dass man sich verwunderte, wie selbst die unvernünftigen Tiere dem Seligen ihre Ehrfurcht bezeugten. Der selige Günther starb am 9. Oktober 1045. Bei seinem Grab zu Brzenau wirkte der Herr eine Menge Wunder, wodurch die Verehrung des seligen Günther von Tag zu Tag wuchs und eine allgemeine wurde.

 

Der heilige Dionysius Areopagita, Bischof und Martyrer,

+ 95 – Fest: 9. Oktober

 

Es ist durch die Apostelgeschichte bekannt, dass der Apostel Paulus zu Athen, und zwar auf dem Areopag, wo alle Religionsfragen unter den Griechen vorgetragen und entschieden werden mussten, das Evangelium verkündet hat, denn er glaubte ein Schuldner zu sein für Gelehrte und Ungelehrte, und dass sich auf die Glaubenspredigt neben anderen Dionysius, ein Ratsmitglied dieses Hohen Rates, und eine Frau namens Damaris zum wahren Gott und seinem Sohn Jesus Christus, dem einzigen Heiland der Welt, bekehrt hat. Dionysius war ein Weltweiser, sonst wäre er nicht in dieses Ratskollegium aufgenommen worden. Von ihm geht die Sage, dass er beim Tod des Gottmenschen, als die Sonne verfinstert wurde, ausgerufen habe: „Entweder leidet der Schöpfer des Weltalls, oder aber es ist das Weltall seiner Auflösung nahe.“ Er wurde seines Glaubens und Eifers wegen von dem Apostel zum ersten Bischof von Athen geweiht, wie es der heilige Dionysius von Korinth berichtet, und die apostolischen Konstitutionen anzeigen, und starb dann zu Athen des Martertodes durch das Feuer, wie es die griechischen Marterbücher bezeugen. Unter seinem Namen sind noch einige Schriften vorhanden, als z.B. über die kirchliche Hierarchie, die Verwaltung und Ordnung des Hirtenamtes, der göttlichen Geheimnisse, die Rangordnung der Engel usw. Die Domkirche zu Soissons rühmt sich sein Haupt zu besitzen, das im Jahr 1205 von Konstantinopel nach Frankreich gebracht worden ist. Papst Innozenz III. schickte der Abtei Saint Denis dessen Leib, den man aus Griechenland nach Rom gesendet hatte. 

 

Aus dem „Marianischen Festkalender, Regensburg 1866:

 

Der heilige Dionysius war Marie nicht weniger ergeben, als der berühmte Bischof von Antiochia. Gleich ihm von dem Verlangen getrieben, Unsere Liebe Frau kennenzulernen, fand er das Mittel, sich nach Jerusalem zu begeben und dort hatte er das Glück, nach Herzenswunsch die Mutter Jesu zu schauen, bei ihr zu sein und mit ihr zu sprechen. Aus dem Gefängnis, in dem er seines Glaubens wegen festgehalten wurde, schrieb er folgenden Brief an den heiligen Paulus, um ihm von seiner Zusammenkunft mit der heiligen Maria und von den Eindrücken Rechenschaft zu geben, die sie auf ihn gemacht hatten.

 

„Dionysius, Diener Jesu Christi, an Paulus, das auserwählte Gefäß, seinen Herrn und Fürsten mit Gruß:

Ich bekenne vor Gott, dass kein menschlicher Verstand das Schauspiel wir fassen können, das ich geschaut habe, nicht nur mit den Augen des Geistes, sondern auch mit denen des Leibes, als es mir durch die göttliche Barmherzigkeit und die Güte des Erlösers gegönnt war, die Herrlichkeit seiner heiligen Mutter und ihre Erhöhung über alle himmlischen Geister zu betrachten. Als mich nämlich Johannes, das Haupt der Evangelisten und der Propheten, der in einem sterblichen Leib gleich der Sonne am Himmel leuchtet, vor die göttliche Jungfrau geführt hatte, umgab mich von allen Seiten ein wunderbarer Glanz und erleuchtete gänzlich meinen Geist und der Duft der süßesten Wohlgerüche drang durch alle meine Sinne, so dass dieser schwache Leib diesen himmlischen Eindruck nicht ertragen konnte. Mein Geist und mein Herz erlagen unter dem Gewicht einer solchen Majestät. Ich rufe dafür ihn zum Zeugen an, dessen Gegenwart die seligste Jungfrau erfüllte: wäre ich nicht durch deine Lehren unterwiesen gewesen, ich hätte sie selbst für den wahren Gott gehalten, denn nichts scheint mir diese Herrlichkeit und diese Glückseligkeit zu übersteigen, deren unwürdiger und überglücklicher Zeuge ich gewesen bin. Dank sei dafür dem allmächtigen Gott, der göttlichen Jungfrau, dem großen Apostel Johannes, und dir du Glorie der Kirche, der du mir so kostbare Gnaden zugewendet hast. Lebe wohl.“

 

Als erster Bischof von Athen gewann er dem christlichen Glauben viele Anhänger, wurde aber nach kurzer Wirksamkeit ins Gefängnis geworfen und musste den Scheiterhaufen besteigen um das Jahr 95.

 

Der heilige Dionysius von Paris, Missionar, Bischof und Märtyrer,

+ 272-285 – Fest: 9. Oktober

 

Der heilige Dionysius, der als erster Glaubensprediger, Bischof und Märtyrer zu Paris verehrt wird, ist ein Missionar der römischen Kirche, der um die Mitte des dritten Jahrhunderts nach Gallien geschickt worden ist. Das Glaubenslicht ist freilich schon früh, und wie einige sagen, durch Schüler des heiligen Paulus, den heiligen Lukas und den heiligen Kreszenz, in einige Gegenden Galliens getragen und gepflanzt worden. Die Kirchen von Marseille, Lyon und Vienne verdanken das Glaubenslicht asiatischen Predigern, die ihre Sendung vom Stuhl des heiligen Petrus erhalten haben, wie Papst Innozenz I. berichtet. Die Martergeschichten von Lyon und Vienne zeugen von dem blühenden Zustand dieser Kirchen im Jahr 177. Der heilige Irenäus, Bischof von Lyon, aus dem zweiten Jahrhundert, hat durch sich und seine Jünger viel zur Verbreitung des Glaubens beigetragen. Sieben um dieselbe Zeit dahin von Rom ausgeschickte Missionare haben wieder andere Kirchen entweder gestiftet oder doch gestärkt, als: der heilige Trophimus zu Arles, der heilige Gazian zu Tours, der heilige Paul zu Narbonne, der heilige Saturnin zu Toulouse, der heilige Austremonius zu Clermont, der heilige Martial zu Limoges, und der heilige Dionysius zu Paris. Dieser letzte ist am weitesten im Gallischen Reich vorgedrungen, und schlug seinen Sitz zu Paris auf. Durch ihn oder seine Jünger wurden auch die Kirchen von Chartres, Senlis, und etwas später die von Köln und andere mehr gegründet, die im vierten Jahrhundert durch heilige Bischöfe im gesegneten Zustand waren. Der heilige Fuszian und der heilige Viktorius, der heilige Krispin und Krispinian, der heilige Rufin und Valerius, der heilige Luzian von Beauvais, der heilige Quintin, der heilige Piat, der heilige Regulus von Senlis, werden als Jünger oder Mitarbeiter des heiligen Dionysius angegeben, und für römische Missionare gehalten. Dionysius griff mit heiligem Eifer das Heidentum an, stürzte die Götzenaltäre, erbaute eine Kirche, und bekehrte eine Menge Heiden in der Kraft Gottes durch heiliges Leben, Predigten und Wunder. Endlich wurde sein gesegnetes Apostelamt mit der glorreichen Marterkrone verherrlicht. Er wurde, wahrscheinlich unter der Verfolgung Valerians um das Jahr 272 vom Richter Feszenius auf lange Zeit eingesperrt, und danach mit seinem Priester, dem heiligen Rustikus, und dem heiligen Eleutherius seinem Diakon enthauptet. Ihre Leichname wurden in die Seine geworfen, von einer christlichen Frau aber wieder aus dem Fluss gezogen, und an ihrer Richtstätte begraben. Es wurde dort eine Kapelle errichtet, und im Jahr 469 zu einer großen Wallfahrtskirche erweitert. Im Jahr 638 wurden ihre Reliquien in die von Dagobert dem König für seine Nachfolger als Grabstätte gestiftete, berühmte Abtei Saint Denis übersetzt, und werden nun in drei silbernen Särgen aufbewahrt.

 

Von den Wundern bei dieser Grabstätte der Glaubensväter für Frankreich sind ganze Bücher angefüllt. Auch beweisen die vielen Wallfahrten von Großen und Kleinen, auch von mehreren Heiligen dieses Königreichs, wie groß die Verehrung dieser Heiligen für die Kinder des Glaubens war und ist, und wie kräftig ihre Fürbitte ist. 

 

Pater Dominicus von Jesus Maria

Gedenktage und Lebensskizzen hervorragender

Mitglieder des Karmelitenordens

 

Am 11. Oktober 1620 fand der ehrwürdige Pater Dominicus von Jesus Maria im Schloss zu Strackonitz (Böhmen) unter allerlei Trümmern ein ganz von Staub und Schmutz bedecktes Bild, nachmals "Maria vom Sieg" zubenannt. Es war eine Darstellung Mariens, wie sie vor dem auf der Erde liegenden Jesuskindlein kniet. Neben ihr steht der heilige Joseph, im Hintergrund erblickt man einige Hirten. Maria, Joseph und den Hirten waren von einem Calvinisten die Augen ausgestochen worden. Dominicus sah es mit großem Schmerz im Herzen und rief zum Herrn, er möge die Feinde seiner heiligen Mutter zuschanden machen. Zugleich gelobte er, alles Mögliche zu tun, um Maria in diesem Bild Ehre zu erweisen. Der Herr lohnte es ihm mit der prophetischen Erkenntnis des Sieges, den die kaiserlichen Truppen am 8. November des gleichen Jahres erfochten. "Ich weiß," sprach er deshalb zu seinem Begleiter Pater Petrus von der Mutter Gottes, "ich weiß, dass dieses Bild von der ganzen Welt wird verherrlicht werden und dass Gott viele große Wunder durch dieses Bild wirken wird." Das Bild selbst, das mit großen Festgepränge in Rom eingeführt wurde, ging später durch Brand zugrunde. Aber eine genaue Nachbildung von ihm schmückt noch in unseren Tagen den Hochaltar der Kirche della Scala in Rom.

 

Gebet am 9. Oktober

 

Erhabene Jungfrau, ich weiß zwar, dass du als Königin der Welt auch meine Königin bist, aber ich wünsche mich desungeachtet auf eine ganz besondere Weise deinem Dienst zu weihen, damit du ganz nach deinem Wohlgefallen über mich verfügen kannst. Deshalb bitte ich dich mit dem heiligen Bonaventura: O meine Königin, ich will mich deiner Herrschaft unterwerfen, damit du mich ganz führen und leiten kannst. Überlasse mich nie mir selbst. Herrsche über mich und überlasse mich nicht mir selbst. Sage mir, was ich zu tun habe, mache mit mir, was dir gefällt, strafe mich auch, wenn ich dir nicht gehorchen sollte, denn die Strafen, die du mir auferlegst, werden mir gewiss zum größten Segen gereichen. Ich schätze es für ein größeres Glück, dein Diener zu sein, als die ganze Erde zu besitzen. Dein bin ich, rette mich. Amen.

 

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Dionysius und seiner Gefährten

 

O Gott, der Du dem heiligen Dionysius bei seiner Marter die Standhaftigkeit verliehen und ihm, um den Heiden Deinen Namen zu verkündigen, die heiligen Rustikus und Eleutherius beigesellt hast, wir bitten Dich auf ihre Fürsprache hin um die Gnade, dass wir nach ihrem Beispiel die irdischen Freuden aus Liebe zu Dir verachten, und keine Schwierigkeiten fürchten, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

In den Schriften, die den Namen des heiligen Dionysius des Areopagiten führen, bekennt er, er sei von der Würde und Hoheit der heiligsten Mutter Gottes so ergriffen worden, dass er ausgesagt hat, er würde sie, wenn ihn der Glaube nicht das Gegenteil gelehrt hätte, für mehr als eine bloße Kreatur gehalten haben. Ferner bekennt er, einen großen Trost gehabt zu haben, als er zu der Zeit zu Jerusalem gewesen war, da die heilige Jungfrau von dieser Welt abgeschieden ist, und die dabei vorgefallenen Wunder gesehen habe.

 

Andacht am 9. Oktober:

 

Das Thema im Oktober:

Vertrauen

"Habt Vertrauen." (Markus 6,50)

 

"Ich ermahne dich, nicht auf die Freundschaft, noch auf den Schutz der Menschen dich zu stützen; denn nimmer vermögen sie es aus sich selbst, uns zu helfen. Sieht aber der Herr, dass wir uns auf sie stützen, so entfernt Er sich von uns." (Der heilige Vinzenz von Paul)

Nicht nur stützte dieser Heilige sich niemals auf den Schutz der Großen, sondern er schlug ihn sogar nicht selten aus, wenn er ihm freiwillig angeboten wurde. Einst bat ihn der Gouverneur einer Stadt, er möge sich für ihn bei Hof in einer Angelegenheit verwenden, die äußerst wichtig für ihn war, und versprach ihm dagegen, er würde mit ganzer Kraft seine Missionare beschützen, die von einigen Großen hart bedrängt wurden. Der Heilige antwortete ihm: "Gern will ich Ihnen in allem dienen, was von mir abhängt; hinsichtlich der Kongregation aber, für die Sie mir Ihren Schutz verheißen, bitte ich Sie, sie in den Händen Gottes und der Gerechtigkeit zu lassen." Sein fester Grundsatz war, nichts durch das Ansehen und die Gunst der Menschen zu wollen.

Der Bruder der heiligen Franziska von Chantal, der Erzbischof zu Burgos war, ermahnte sie, der Königin zu schreiben, die sich ihrem und ihres Ordens Gebete empfohlen hatte, weil ein solcher Schutz ihr höchst nützlich sein könne. Sie aber ließ ihrem Bruder bloß sagen, es werde für Ihre Majestät gebetet werden. Hinsichtlich des Schreibens jedoch blieb sie standhaft auf ihrer Weigerung, und sprach zu ihren Nonnen: "Ich kann und darf dies nicht tun. Wir müssen demütig bleiben und gern ein verborgenes Leben führen. Suchen wir durchaus kein Mittel, die Zuneigung der Großen zu gewinnen. Wenn wir vor Gott tun, was wir ihnen schuldig sind, und für ihre Erhaltung, für ihre Wohlfahrt, zumal aber für ihr Seelenheil beten, so wird Gott, der die Sorge für uns übernommen hat, sie uns geneigt stimmen, sobald wir ihres Schutzes bedürfen.

"Ich erkenne nun besser als jemals," sprach einst die heilige Theresia von Avila, "dass man sich durchaus nicht auf das Versprechen der Menschen verlassen kann. Der einzige Freund, auf den ich bauen kann, ist Jesus Christus. Wenn ich mich auf ihn stütze, fühle ich mich so stark, dass es mir vorkommt, ich kann allein allen widerstehen, die in der Welt sind, wenn sie sich auch alle gegen mich stemmten.

 

Herr, Du bist meine Zuflucht und meine Kraft; auf Dich allein will ich mich nun und immerdar stützen! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 9. Oktober

 

"Die Martyrer waren aus keinem anderen Stoff gebildet,

als wir; ihre Leiber waren aus demselben Ton geformt;

derselbe Gott war ihre Stütze; sie erwarteten dieselbe Verherrlichung,

aber sie hatten einen entschiedenen Willen."

 

hl. Ludwig von Granada OP

1504 bis 31.12.1588

 

Betrachtung am 9. Oktober - Von den göttlichen Vollkommenheiten

 

Gott, unerreichbar ist das heil`ge Licht,

Worin du wohnst vor allem Anbeginn.

Hoch übersteigt dein Wesen allen Sinn.

Dich fassen selbst die höchsten Geister nicht,

Die, Sonnen gleich, in deinem Lichte glänzen;

Denn deine Größe, Herr, kennt keine Grenzen.

 

1. Erleuchte mich, Herr, mein Ursprung und mein Ziel, dass ich dich erkenne, in dessen Erkenntnis das ewige Leben besteht. O gib der Seele dich kund, die du nach deinem Bild erschaffen hast, damit sie dich würdig preise und dein Lob verkündige. Wer bist du, mein Gott, du Zielpunkt und Grundfeste aller Wesen? Die unendliche Allmacht bist du, die unerschaffene Urschönheit, die untrügliche Wahrheit, die abgründliche Güte, die unermessliche Liebe, die glorreiche Ewigkeit ohne Anbeginn und ohne Ende. Unendlich hoch übersteigst du die Sinne, denn nicht zu schauen bist du den Augen, nicht vernehmbar den Ohren des Fleisches, aber fühlbar bist du den Herzen, und dein Licht zeigt dich dem unsterblichen Geist.

 

2. In dir selbst wohnst du, mein Gott, glückselig durch dich, dir selbst genügend, und alles in dir selbst besitzend. Groß bist du, ohne Maß, gut, ohne Grenzen, schön, ohne Gestalt, unendlich, ohne Zahl, ewig, ohne Dauer, vollkommen, ohne Teile. Deine Größe ist deine ewige Majestät, dein Leben beständige Fruchtbarkeit, dein Verstand unendliche Weisheit, dein Wille Heiligkeit, dein Gedanke Licht, dein Wesen Liebe. Überall zugegen und überall verborgen, immerdar wirkend und immerdar in Ruhe, gibst du allen ohne Unterlass, ohne dich zu erschöpfen, bist heilig und überaus lieblich in deinen Heiligen, aber schrecklich in deinen Gerichten über die Verworfenen. Unaussprechlich glorreich bist du, alle Wesen rufen: "Wer, Herr, ist dir gleich!"

 

3. Was suchst du auf Erden? Was suchst du in den hinfälligen Geschöpfen, das du nicht in unendlicher Fülle in deinem Gott fändest? Wie also verlässt du den Quell des lebendigen Wassers, aus Zisternen zu trinken, die deinen Durst nicht stillen können. O Gott meines Herzens, dich will ich suchen, dich allein lieben. Kann auch mein Geist deine unendlichen Vollkommenheiten nicht erfassen, so fasst dich doch mein Herz, das du zu deiner Liebe erschaffen hast. Exodus 15,11: "Wer ist wie du unter den Göttern, o Herr? Wer ist wie du gewaltig und heilig, gepriesen als furchtbar, Wunder vollbringend?"

 

10. Oktober

 

Der heilige Viktor, Märtyrer von Xanten,

+ 10.10.286 – Fest: 10. Oktober

 

Am Niederrhein erhebt sich in der uralten Stadt Xanten ein prachtvoller Dom, dessen himmelanstrebenden Türme weit über Land und Strom hinausschauen. Zu diesem Meisterwerk der christlichen Baukunst strömten im Herbst 1886 zahllose Pilgerscharen, nicht, um die schönen Formen des Bauwerks zu bewundern, vielmehr um das 1600jährige Jubelfest jener Heiligen zu feiern, die dort um des christlichen Glaubens willen ihr Blut vergossen haben, und über deren Reliquien jenes prunkvolle Grabdenkmal errichtet wurde. Es galt die Jubelfeier des heiligen Viktor und seiner 330 Genossen.

 

Der heilige Viktor mit seinen Gefährten gehörte zur Thebaischen Legion, die früher zu Theben in Ägypten stand, wo das Christentum zu jener Zeit allgemein verbreitet war. Damals herrschte auf dem römischen Kaiserthron der grausame Diokletian, der im Jahr 286 den ebenso grausamen Maximian zum Mitregenten erkor. In demselben Jahr wurde die Thebaische Legion nach Rom berufen, um einen Kriegszug an den Rhein mitzumachen. Das Hauptheer stand bereits in Agaunum, jetzt St. Mauritz im Kanton Wallis. Dort erging an die Legion der Befehl des Kaisers, den Göttern zu opfern, um ihre Gunst für den Feldzug zu gewinnen. Da erklärte der Anführer Mauritius im Namen der ganzen Heldenschar, sie seien bereit, für Kaiser und Reich ihr Blut zu vergießen, nie aber würden sie dem Götzenopfer beiwohnen. Der wütende Tyrann Maximian gab darauf den grausamen Befehl, die Legion zu dezimieren, d.h. den zehnten Teil hinzurichten. Freudig erlitten die auserwählten Soldaten, von ihrem tapferen Anführer Mauritius ermuntert, den Martertod. Nochmals forderte der Kaiser das Götzenopfer, aber die Christen blieben treu. Wieder wurde je der zehnte Mann ermordet. Als auch die dritte Aufforderung scheiterte, befahl der ruchlose Tyrann, die ganze Legion bis auf den letzten Mann niederzuhauen. Dies geschah am 17. September. An diesem Tag feiert die Kirche das Fest des heiligen Mauritius und seiner Genossen.

 

Einige Abteilungen der thebaischen Legion standen bereits am Niederrhein in verschiedenen Militärstationen. Auch an sie ging der kaiserliche Befehl, den Götzen zu opfern, aber auch sie konnten und wollten dem sündhaften Ansinnen einer Glaubensverleugnung keine Folge leisten, und entflammt von dem heldenmütigen Martertod ihres Feldherrn und ihrer Kriegskameraden erklärten sie alle einstimmig, dass sie dem ungerechten Begehren des Kaisers niemals Folge leisten würden. Deshalb mussten sie das Bekenntnis ihres Glaubens mit dem Martertod besiegeln. Ursus nebst seinen Genossen wurde zu Solothurn am 30. September gemartert. Zu Trier erlitten 660 Thebäer nebst Tyrsus und Bonifacius, den beiden Anführern der Kohorten, am 4. Oktober den Martertod, Tyrsus auf dem Campus Martius, wo jetzt die Paulinuskirche steht, Bonifacius jenseits der Brücke. Es war an der Stelle, wo später die St. Viktorspfarrkirche stand und von wo der heilige Bischof Hildulph die Gebeine von 300 Märtyrern nach St. Maximin übertragen ließ. Am folgenden Tag, am 5. Oktober, wurde Palmatius, der Bürgermeister der Stadt, nebst sieben Ratsherrn um des Glaubens willen gemartert. Am 6. Oktober empfingen viele Bewohner der Stadt Trier, jeglichen Alters und Geschlechtes, die Marterkrone. Von den Thebäern starben weiter für den Christenglauben zu Bonn Cassius und Florentius mit 8 Genossen am 9. Oktober, zu Köln Gereon mit 316 Genossen am 10. Oktober und zu Xanten Viktor mit 330 Genossen ebenfalls am 10. Oktober.

 

Die Leichen des heiligen Viktor und seiner Kriegsgefährten wurden von den heidnischen Soldaten des ruchlosen Kaisers in einen Sumpf bei dem jetzigen Dorf Birten unweit von Xanten geschleppt. Dort ruhten sie, bis 50 Jahre später die erste christliche Kaiserin, die heilige Helena, die Gebeine der heiligen Blutzeugen aus ihrem unrühmlichen Grab erhob und zu ihrer Ehre einen herrlichen Tempel erbaute. Dieser erste Bau sank jedoch schon im Jahr 450 in Trümmer. Die neubekehrten Franken bauten ihn in königlicher Pracht wieder auf. Im Lauf der Jahrhunderte wurde die Kirche in Xanten mehrmals zerstört oder durch Feuersbrunst vernichtet, erstand aber immer glänzender aus der Asche. Im Jahr 1190 wurde der Grundstein zum jetzigen Dom gelegt, der im Jahr 1550 vollendet wurde. Groß prächtig und erhaben steht dieses Gotteshaus da, als ein würdiges Grabmonument für den hochherzigen Blutzeugen Christi und seiner heiligen Genossen, und als Denkmal der Dankbarkeit des niederrheinischen Volkes für ihren mächtigen Patron, unter dessen Schutz sich der katholische Glaube in allen Stürmen rein und unverfälscht erhalten hat.

 

Großartig gestaltete sich die 1600jährige Jubelfeier. Die ganze Stadt Xanten glich einem Laubgang mit duftenden Blumenkränzen und wehenden Flaggen. Von nah und fern pilgerten ganze Pfarrgemeinden mit ihren Geistlichen an der Spitze zum Grab des heiligen Viktor. In Gegenwart des Weihbischofs Dr. Cramer von Münster wurde der goldene Schrein aus einer Nische des Hochaltars entnommen und die Gebeine ihrer letzten Hülle entkleidet und in feierlicher Prozession umhergetragen. Zum Schluss der Festoktav hielt der hochwürdigste Erzbischof Dr. Philippus Krementz von Köln das Pontifikalamt, nach dem noch einmal in feierlicher Prozession der Reliquienschrein des heiligen Viktor umhergetragen wurde, begleitet von den Malteserrittern in scharlachroter Uniform, um dann wieder im Hochaltar beigesetzt zu werden. Mit welcher Andacht blickten die Christgläubigen auf ihren hochherzigen Vorkämpfer, und mit welcher Freude mochte der Heilige aus Himmelshöhen auf seine treuen Verehrer herabsehen.

 

Der heilige Gereon und seine Gefährten,

Märtyrer von Köln (Thebaische Legion),

+ 10.10.286 – Fest: 10. Oktober

 

Zu der thebaischen Legion, die mit ihren Anführern Mauritius, Exsuperius und Candidus in den agaunischen Engpässen an der Rhone den Martertod um Christi willen erlitt, gehörten noch einzelne Abteilungen, die in niederrheinischen Städten standen. Nach dem Martertod des Mauritius und seiner Gefährten sandte der grausame Kaiser Maximian den blutdürstigen Rictius Varus nach Trier, um auch dort die Christen, insbesondere zwei Kohorten der thebaischen Legion unter Tyrsus und Bonifacius, zu verfolgen. Er ließ am 4. Oktober die thebaischen Soldaten, an den zwei folgenden Tagen den Konsul Palmatius, mehrere Senatoren und viele christliche Bürger um ihres Glaubens willen hinrichten. Der heilige Bischof Felix von Trier ließ ihre heiligen Leiber gegen Ende des 4. Jahrhunderts in die Paulinuskirche übertragen, wo sie im Jahr 1071 aufgefunden wurden.

 

Cassius, Florentius und mehrere andere Soldaten der thebaischen Legion wurden bei Bonn gemartert, wo jetzt die sogenannte Marterkapelle steht, der heilige Viktor und seine Gefährten in Xanten.

 

Der heilige Gereon mit seinen 318 Gefährten erlitt den Martertod zu Köln am 10. Oktober. Die heilige Kaiserin Helena erbaute zu Ehren dieser Märtyrer eine schöne Basilika, die wegen ihrer reichen Vergoldungen „zu den goldenen Heiligen“ genannt wurde. Später wurde sie Stiftskirche, und ist gegenwärtig eine der Pfarrkirchen von Köln. Im Jahr 1121 wünschte der heilige Norbert Reliquien von diesen Heiligen. In Gegenwart des Abtes Rudolf von St. Pantaleon wurden einige Sarkophage in der Gereonskirche geöffnet und man fand die heiligen Leiber in ihren purpurnen Soldatenmänteln mit einem Kreuz auf der Brust nebst blutbespritztem Rasen, auf dem sie ihr Leben ausgehaucht hatten. Der Zisterzienser Heliand hat das Leben des heiligen Gereon in einer Rede ausführlicher beschrieben. Sein Fest wird am 10. Oktober gefeiert.

 

Bald nach dem Tod des heiligen Gereon wurden in Köln noch 360 Soldaten aus Mauretanien (Mauri), deren Anführer Gregor oder Georg hieß, um ihres Glaubens willen gemartert, in derselben Kirche beigesetzt, und später vom heiligen Erzbischof Anno erhoben. Ihr Fest wird am 15. Oktober gefeiert.

 

Der selige Tuto, Abtbischof von Regensburg,

+ 10.10.930 – Gedenktag: 10. Oktober

 

Der selige Tuto wird zum ersten Mal in einer Urkunde vom Jahr 889 aufgeführt als Mönch und Diakon des Klosters St. Emmeram in Regensburg. Die Jahrbücher nennen ihn einen ganz frommen Mönch und heiligen Mann. In den weltlichen Gegenständen und herkömmlichen Kenntnissen gebildet, hatte er bald ein Leben voll Unruhe und Gefahren, wie die Welt es ihm bot, verlassen, um sich ganz allein der Wissenschaft des Heils zu widmen. Einen edlen Geist ziehen die ewigen Wahrheiten an. Ausgezeichnete Tugenden empfahlen ihn bald zu wichtigen Diensten. Tuto verwaltete die Stelle eines Kustos (Bewahrer) in seinem Kloster. Als solcher hatte er zwar keine eigentliche klösterliche Würde inne, war aber als Vorstand der Sakristei, Schatzkammer, Bibliothek, des Archivs, als Aufseher über die Reliquien, Stiftungsgefälle usw. jedenfalls nach außen neben dem Klostervorstand die hervorragendste Persönlichkeit des Stiftes.

 

Noch höher sollte das Licht auf den Leuchter gehoben werden. Nach dem Tod des Abtbischofs Aspert (im Jahr 894) wurde Tuto zum Bischof von Regensburg erwählt. Er sträubte sich, seine stille Zelle zu St. Emmeram zu verlassen. Aber König Arnulf wandte sich an den Stiftsvorsteher und der befahl Tuto in kraft des klösterlichen Gehorsams die neue Würde anzunehmen.

 

Als Bischof lebte der selige Tuto für das Wohl der ihm anvertrauten Herde, aber auch für das Wohl der gesamten deutschen Kirche. An den Bestrebungen, sie zu verbessern, nahm Tuto lebhaften Anteil. Als bester Gönner und Helfer in diesem edlen Streben stand ihm König Arnulf zur Seite, der am liebsten und längsten in Regensburg Hof hielt. In allen wichtigen Reichsangelegenheiten nahm Arnulf seine Zuflucht zum frommen und weisen Regensburger Kirchenfürsten.

 

Arnulf hatte im Krieg gegen Swatopluk von Mähren die Hilfe des heiligen Emmeram erfahren. Nach seiner Rückkehr schenkte der König der Kirche St. Emmeram aus Dankbarkeit einen kleinen viereckigen Altar von einer Goldplatte bedeckt und mit Edelsteinen besetzt, von acht Säulen getragen, dazu einen silbernen Untersatz und ein kostbares Evangelienbuch, das einst Karl der Kahle 870 von zwei Brüdern, Berengar und Liuthard, mit Gold auf Purpurpergament hatte schreiben lassen. Die Zeitgenossen berichten, dass man damals kein Buch gekannt habe, das an Kunstwert und an Schönheit mit diesem Schatz hätte verglichen werden können. Dieses vorzügliche Werk westfränkischer Kunstfertigkeit wird zurzeit unter den Kleinodien der Münchener Staatsbibliothek aufbewahrt.

 

Um dem geistlichen Fürsten, dem kräftigsten Stützen des Thrones, größere Ansehen zu verschaffen, berief der König auf den 6. Mai 895 eine Synode nach Tribur bei Mainz. Tuto war anwesend. Diese Reichssynode, deren Vorsitzender Hatto von Mainz war, erließ 58 heilsame Vorschriften. Es wurde unter anderem bestimmt, dass ein Mönch zur Rettung seiner Seele oder um Seelen anderer zu gewinnen, mit Erlaubnis seines Bischofs, seines Abtes und seiner Mitbrüder sein Kloster verlassen und in ein anderes sich begeben dürfe. Wenn aber ein Mönch der geistlichen Zucht zu entfliehen trachte und deswegen den Abt verlassen wolle, so solle er von allen Brüdern gemieden und nirgends aufgenommen werden, damit er beschämt wieder zu seiner Pflicht zurückkehren müsse. Bei Gelegenheit der Triburer Reichssynode kam ein Gütertausch zwischen Tuto und einem Kleriker Heinrich zustande. Tuto überließ ihm durch seine Vögte Avo und Gundpert Güter zu Ittling und Denchling, erhielt aber dafür für „das Hochstift“ St. Emmeram und St. Peter die Güter zu Biebing und Denchling.

 

Nach Beendigung der Synode erlebte Tuto die Freude, tschechische Häuptlinge unter Führung des Spitihniev in Regensburg begrüßen zu können. Dieser Spitihniev, Sohn der heiligen Ludmilla von Böhmen (+ 927), war ein eifriger Förderer des Christentums. Bei dieser Gelegenheit wurden die Rechte des Regensburger Bischofstuhles auf Böhmen, die durch die mährisch-slavische Herrschaft gefährdet waren, wieder aufs Neue befestigt.

 

Tuto zeigte großen Eifer, in seinem weit ausgedehnten Sprengel neue Kirchen und Seelsorgstellen zu errichten, wobei ihn sein kaiserlicher Freund Arnulf treu unterstützte. Zu Roding (Rotagin) hatte Arnulf eine königliche Kapelle bauen lassen. Tuto weihte sie zu Ehren des heiligen Jakobus Minor und des heiligen Pankratius ein. Es war dies zweifelsohne eine Votivkirche des Kaisers für die auffällig rasche und glückliche Erstürmung Roms an der Kirche St. Pankratius.

 

König Arnulf starb 899 am 8. Dezember. Auch bei seinem Sohn, dem König Ludwig, zubenannt Ludwig das Kind, nahm Tuto eine einflussreiche Stelle ein. Nach dem frühen Tod Ludwigs, der 911 zu Regensburg erfolgte, wurde im selben Jahr Konrad der Salier zum deutschen König gewählt. Derselbe kam 916 nach Regensburg und wollte den Leib eines heiligen Dionysius, den er selbst von einer Reise nach Frankreich in der Begleitschaft Arnulfs mitgebracht haben soll, und das kostbare Evangelienbuch Karls des Kahlen mit sich nehmen. Den heiligen Leib fand er nicht. Von Tuto forderte der König auf den Rat seiner Kapläne, den Codex aureus (Das goldene Rechtsbuch) auszuliefern. Mit Freimut erklärte der Selige, dass er ihn nicht übergeben werde. Auf die Drohungen Konrads hin legte Tuto das Buch auf den Altar und rief zugleich den heiligen Emmeram um Rache über den Räuber des Schatzes an. Konrad ließ sich durch solche Worte nicht abschrecken. Er befahl seinen Dienern es zu nehmen und entfernte sich. Aber kaum hatte Konrad sich aufs Pferd gesetzt, da wurde er von heftigen Leibschmerzen befallen. Er erkannte dies als Strafe für den frevelhaften Raub und brachte das entwendete Buch wieder zurück. Allein die Krankheit ließ, wie erzählt wird, dessen ungeachtet nicht nach. Der Kaiser starb zwei Jahre später an einer Wunde, die er bei einem Feldzug erhalten hatte.

 

Von Tuto erhielt St. Emmeram einen goldenen Altarschmuck mit goldenem Kreuz aus Kronen Karls des Großen, Karlmanns und Kaiser Arnulfs gefertigt. Tausend Edelsteine haben ihn geziert. Derselbe war im Jahr 1633 noch vorhanden. In diesem Jahr wurde er zur Zahlung einer großen, vom Herzog Bernhard von Weimar auferlegten Brandsteuer verwendet.

 

Damals gehörte das Kloster Mondsee zum Bistum Regensburg. Es war ein Lieblingsaufenthalt des Bischofs Tuto. Als Tuto in Mondsee (Lunalacum) weilte, verkündete er den Mönchen einen schrecklichen Brand, durch den an einem gewissen Tag Regensburg vernichtet worden sei, so genau und umständlich, als wenn er ihn mit leiblichen Augen gesehen hätte. Die später ankommenden Boten bestätigten die Aussage des Bischofs.

 

In seiner letzten Lebenszeit erblindete Tuto. Dieses Leid ertrug er voll Ergebung in Gottes heiligen Willen. Er pflegte zu sagen: „Es sei ein kleiner Verlust, das leibliche Augenlicht zu entbehren, das wir mit den Mücken gemein haben; er sei zufrieden, wenn er die Augen des Geistes besitze, mit denen er Gottes Majestät betrachten könne.“

 

Der Selige starb im Kloster Mondsee am 10. Oktober 930 (931). Sein Leichnam wurde nach Regensburg gebracht und in St. Emmeram begraben. Sein Grabdenkmal steht im Südschiff der Kirche in nächster Nähe des Grabdenkmales des heiligen Wolfgang und ist eine einfache Steinplatte auf vier kleinen Pfeilern. Tuto hat den Regensburger Hirtenstab vierzig Jahre geführt. Arnold von Vohburg, um 1035 Prior von St. Emmeram, dessen Bücher über Leben, Tugenden und Wunder des heiligen Emmeram eine sehr wertvolle Quelle für die älteste Geschichte Regensburgs und Bayerns sind, nennt Tuto „einen Mann von großer Sanftmut und Frömmigkeit und von erleuchtetem Verstand“. Der gelehrte Abt Trithemius zählt ihn unter die Heiligen des Benediktinerordens; in der Regensburger Kirche wird aber kein Offizium von ihm gefeiert. Sein heiligmäßiges Leben beweist jedoch Arnold hinlänglich.

 

Sei ein treuer Kustos, ein Wächter und Bewahrer der Gnadengaben Gottes! Lasse sie nicht durch Trägheit im Guten, durch Halbheit und Gleichgültigkeit dir entschwinden, durch hochfliegenden Stolz sie nicht rauben. Die Tugenden, die Folgen beharrlicher Auswirkung der Gnaden, sind Kleinodien, deren Wert die Zeit überdauern.

 

Pater Petrus Angelus Cernovicchio

Gedenktage und Lebensskizzen hervorragender

Mitglieder des Karmelitenordens

 

Am 10. Oktober 1581 starb zu Torrente bei Valencia in Spanien der lobwürdige Pater Petrus Angelus Cernovicchio. Petrus Angelus stammte aus Baretta im damaligen Königreich Neapel. Er war hochedler Abkunft, der Sohn eines erlauchten Fürsten, des Herzogs von Subiaco Elias Cernovicchio, aus dem Geschlecht des Kaisers Konstantin des Großen. Er gab jedoch wenig auf weltliche Titel und irdische Ehren, zog es vielmehr vor, ein Bruder Mariens im Orden der seligsten Jungfrau vom Berge Karmel zu werden, und hielt dafür, ausschließlich Gott dienen zu dürfen, sei ein größeres Glück als über ein mehr oder weniger großes Land zu herrschen. Als ihn einmal - er zählte eben 18 Jahre - ein tückisches Fieber ergriff und an den Rand des Grabes brachte, weihte ihn seine Mutter der seligsten Jungfrau Maria vom Berge Karmel für den Fall, dass er gerettet würde. Das Übel wich und Petrus Angelus beeilte sich, das Gelübde der Mutter zu erfüllen, und tat es freudigst, da er selbst sehnlichst wünschte, Karmelit zu werden. Nach seinem Eintritt in den Orden sollte er sich als Vermittler bewähren. Man hoffte nämlich alles von seiner Klugheit und von seinem persönlichen Einfluss auf König Philipp II. von Spanien. Da die Türken ein dem Prinzen Nikolaus, einem Bruder unseres Petrus Angelus, gehöriges Gebiet besetzt hielten, sandte man ihn zum König, damit dieser dem Beschädigten sein Eigentum wieder verschaffe. Pater Petrus Angelus entledigte sich des Auftrages mit bestem Geschick und traf Anstalten, wieder nach Italien zurückzukehren. Der Herr über Leben und Tod hatte jedoch anders beschlossen. Ein heftiges Fieber ergriff Petrus Angelus und raffte ihn am 10. Oktober 1581 im schönen Alter von erst 38 Jahren hinweg, während er die Worte sprach: "O Jesus, sei mir Jesus", d.h. mein Heiland! Es war zu Torrente. Man brachte seinen Leib nach Valencia und bestattete ihn mit allen, einem Fürsten gebührenden Ehren. Das Volk verehrte ihn indes vielmehr als wegen seiner Herkunft aus Hochachtung vor seiner Heiligkeit. Es hatte recht. Petrus Angelus war wirklich ein hellleuchtendes Muster und Vorbild aller Tugend. Als drei Jahre später Prinz Nikolaus das Grab öffnen ließ, um den verehrungswürdigen Leib in einen kostbaren Schrein legen zu lassen, fand man ihn völlig unverwest, gleich als ob er nur schlafe. Ebenso wurde der unverweste Leib und dazu ein lieblicher Wohlgeruch im Jahr 1611 festgestellt, als der Leib wieder erhoben wurde, damit er in der Kapelle der seligsten Jungfrau eine neue, würdigere Ruhestätte fände. Da auf seine Fürbitte hin viele Wunder geschahen und die allgemeine Verehrung andauert bis auf unsere Tage, werden nunmehr Schritte getan, um die kirchliche Gutheißung dieser Verehrung zu erlangen.

 

Gebet am 10. Oktober

 

Sei gegrüßt, heilige Maria, die du in deinem keuschen Leib den Sohn Gottes empfangen hast. O du heilige und vor allen übrigen Jungfrauen glückselige Jungfrau, lass uns es empfinden, mit welcher beseligenden Freude deine Seele beschenkt wurde, als die Quelle des lebendigen Wassers und der Urgrund aller Freude in dein heiliges Innere eintrat und sich mit deinem Fleisch bekleidete. Wir loben und benedeien dich du würdige Jungfrau und bitten dich, die Gabe der Keuschheit und Reinheit in unserer Seele mehren zu wollen. Amen. 

 

Andacht am 10. Oktober:

 

Das Thema im Oktober:

Vertrauen

"Habt Vertrauen." (Markus 6,50)

 

"Die in Geschäften mit Schlauheit und Arglist vorgehen, beleidigen die Vorsehung Gottes und mache seiner väterlichen Sorgfalt sich unwürdig. Nicht also die, die einfach zu Werke gehen." (Der heilige Vinzenz von Paul)

Ein Edelknabe, den einen seiner Gefährten beneidete, weil er die Achtung und Gewogenheit des Königs erworben hatte, hegte in seiner Bosheit einen Anschlag zu seinem Verderben. Er beschuldigte ihn also bei dem Monarchen einer verbrecherischen Leidenschaft für die Königin; der König aber, der der Verleumdung Gehör gab, wurde darüber äußerst entrüstet, und beschloss, den Angeklagten, den er als den undankbarsten Bösewicht ansah, ohne großes Aufsehen aus dem Weg zu räumen. Er ließ also den Aufseher über die königlichen Eisenwerke heimlich zu sich berufen, der ein unmenschlicher, roher Mann war und sprach zu ihm: "Den Pagen, den ich morgen früh zu dir senden werde und der dich mit diesen Worten fragen wird: habt Ihr die Befehle des Königs vollzogen? sollst du augenblicklich in den feurigsten Schmelzofen werfen; denn er ist ein Verbrecher, der den grausamsten Tod verdient." Der Aufseher versprach, den Befehl auf das pünktlichste zu vollziehen, und entfernte sich. Den folgenden Tag berief der König den unschuldig Verleumdeten, der kein Wort von dem ganzen Hergang der Sache wusste, befahl ihm, in die Eisenwerke zu gehen und dem Aufseher genau die Worte zu sagen, die wir oben gehört haben. Der Edelknabe verneigte sich tief und machte sich alsogleich unter Gottes Schutz auf den Weg, der ihn bei einer Kirche vorüber führte. Da sie offen stand, ging er hinein, sah, dass soeben eine heilige Messe sollte gelesen werden und beschloss, ihr beizuwohnen. Kaum war sie vorüber, so erschien ein anderer Priester, der ebenfalls Messe lesen wollte, aber niemand fand, der bei ihr ihm gedient hätte. Da trat der fromme Diener des Königs hinzu und diente ihm in großer Andacht, und zu seinem Heil geschah es, dass der Priester eine sehr geraume Zeit auf die Feier des heiligen Opfers verwendete. Indes nun der Jüngling seiner Andacht oblag, wurde der König ungeduldig zu erfahren, was geschehen sei, und sprach zu dem Verleumder: "Geh doch sogleich hin in die Eisenwerke und frage dort den Aufseher, ob er getan, was ich ihm befohlen habe." Da machte dieser augenblicklich sich auf, lief eilig und fragte den, zu dem er gesandt worden war: "Habt Ihr die Befehle des Königs vollzogen?" Er sprach: "Sie sollen auf der Stelle erfüllt werden," und sogleich winkte er seinen Knechten, die ihn banden und ungeachtet des Widerstandes in den glühenden Schmelzofen warfen. Kurze Zeit darauf kam der Unschuldige an, dessen Tod beschlossen worden war, und erkundigte sich, was geschehen sei. Er erhielt die Antwort, dem König zu sagen, seine Befehle seien auf das pünktlichste erfüllt worden. Staunend sah der König den Rückkehrenden und erschauderte, als er die Antwort aus seinem Mund vernahm. Er fragte ihn, wo er sich so lange aufgehalten habe, und Unbefangenheit seiner Aussage gab seine Frömmigkeit und seine Unschuld kund. Da achtete und liebte der König ihn mehr als je zuvor, und bewunderte die Vorsehung, die den so schändlichen Verleumder entdeckt und so furchtbar bestraft hatte. 

 

Herr, verhasst sind vor Dir die Doppelsinnigen, und zart liebt Dein Herz die, die in Einfalt leben; darum will ich alle Arglist vermeiden, auf dass ich Dir nicht missfalle! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 10. Oktober

 

"Für den wahren Büßer ist das Kreuz nicht ein altes

an der Wand hängendes Siegeszeichen,

sondern ein heiliger Gegenstand der Nachfolge."

 

hl. Thomas von Aquin OP

1225 bis 7.3.1274

 

Betrachtung am 10. Oktober - Ermahnung zur Liebe Gottes

 

Die Liebe, die in Gott, dem Schöpfer, ruht,

Sie ist der Seele Geist und höchstes Leben;

Sie schwillt das Herz mit reiner Himmelsglut,

Und jubelt, selbst wenn alle andern beben.

 

1. Psalm 85,9a: "Ich will hören, was Gott redet": Gleich wie der Hirsch nach den Wasserquellen, so solltest du in lebendigem Durst nach mir, dem Urquell deiner Glückseligkeit, erglühen, und weder Rast noch Ruhe finden, bis deine Sehnsucht gestillt wird. Ohne Unterlass sollte dies sehnliche Verlangen in dir zunehmen, denn kein Ziel setzt sich die wahre Liebe, niemals wird sie satt, und sie wächst um so schneller, als diese Pilgerschaft ihrem Ende näher kommt. Alle Gedanken und Begierden des Herzens reißt sie an sich, und findet keinen Trost, keine Freude, keinen Frieden, außer in mir, ihrem Ursprung und ewigen Ziel.

 

2. Nicht müßig ist meine Liebe in der Seele. Unermüdlich ist sie, für meine Ehre zu wirken. Ist es ihr aber nicht gestattet zu tun, was sie verlangt, so wirkt sie doch dem Willen nach, und überaus wohlgefällig ist dieser Wille vor meinen Augen, da ich nicht so sehr auf die Menge der Werke, als auf die Größe der Liebe sehe. Was auch soll mir die Spreu ohne die Frucht? Ich sehe nicht auf äußerliche Werke ohne Liebe, wohl aber auf die Liebe, auch wenn sie ohne Werke ist, wenn nämlich solche aus Krankheit, aus Gehorsam, oder aus einem andern rechtmäßigen Hindernis unterblieben. Wer mich allein in allen Dingen sucht, und nur durch mein Wohlgefallen satt wird, der wirkt das größte Werk der Liebe.

 

3. Eine solche Seele erfährt den Trost meiner Liebe, der alle Freuden und Lieblichkeiten der Welt unendlich übertrifft. O dass doch die Menschen, die ich zu meiner Liebe erschaffen habe, so weit von ihrer Glückseligkeit irren, und von der Liebe zu den Geschöpfen sich bestricken lassen, wodurch sie nicht gesättigt, sondern verunreinigt, geängstigt, und zeitlich und ewig unglückselig werden. Was ist je in den Geschöpfen Erfreuliches, das nicht in unendlicher Fülle in mir wäre? Nacht und Bitterkeit ist alles außer mir. Meine Liebe sei dein größter Schatz, dann wird dein Herz schon hier auf Erden im Himmel sein. Johannes 15,9b-10a: "Bleibt in meiner Liebe! Wenn ihr meine Gebote haltet, werdet ihr in meiner Liebe bleiben." 

 

11. Oktober

 

Mutterschaft Mariä

 

Der heilige Bruno, Prinz und Erzbischof von Köln,

+ 11.10.965 – Fest: 11. Oktober

 

Aus dem viel verschrienen, dunklen Mittelalter leuchten uns so schöne, hellglänzende Sterne entgegen, dass das Auge sich unwillkürlich zu ihnen erhebt und mit innigem Wohlgefallen darauf ruht. Unter diesen Sternen am Himmel glänzt als einer der schönsten der heilige Bruno, der unter so vielen ausgezeichneten Kirchenfürsten auf dem Kölner Bischofsstuhl eine hervorragende Stellung einnimmt.

 

Bruno wurde im Jahr 924 als der jüngste Sohn des deutschen Königs Heinrich I., des Finklers, und der heiligen Mathildis, geboren. Sein ältester Bruder wurde deutscher Kaiser, und hat sich als Otto I. einen ruhmvollen Namen in der Geschichte erworben. Sein anderer Bruder Heinrich erhielt das Herzogtum Bayern. Bruno prägte den Geist seiner heiligen Mutter am tiefsten seinem Gemüt ein und offenbarte frühzeitig Vorliebe für den geistlichen Stand. Unter der Leitung des ehrwürdigen Bischofs Balderich von Utrecht genoss er eine recht tüchtige Bildung und wurde nicht allein in der Heiligen Schrift und den Kirchenvätern, sondern auch in den übrigen Wissenschaften ausgebildet. Besonders zeichnete er sich in der Erklärung der Heiligen Schriften aus und drang durch vieles Beten und Betrachten tief in ihren Geist ein. Unter den Dichtern zog ihn am meisten der christliche Dichter Prudentius an. Einige Griechen, die an den Hof seines Bruders Otto gekommen waren, gaben ihm Unterricht in der griechischen Sprache, und er machte solche Fortschritte, dass er sich geläufig in darin auszudrücken vermochte. Seine wissenschaftliche Bildung vollendete der berühmte Bischof Ratherius von Verona, dem der dankbare Schüler in der Folge ein treuer Beschützer wurde.

 

Kaiser Otto I. ernannte seinen kaum zum jungen Mann herangereiften Bruder Bruno wegen seines asketischen Lebens, seiner hervorragenden Tugenden und Wissenschaften zum Abt von Lorsch bei Worms und Corvey an der Weser. In dieser Würde gab er sich alle Mühe, das Mönchsleben zu erneuern, den Geist der Frömmigkeit und Wissenschaft zu fördern und ging allen mit dem besten Beispiel voran. Wegen seiner Geschäftskenntnis, Klugheit und Umsicht erhob ihn der Kaiser zu seinem Erzkanzler und nach dem Tod Wigfrieds zu dessen Nachfolger auf dem erzbischöflichen Stuhl von Köln (953).

 

Um diese Zeit empörte sich Ludolph gegen seinen Vater, den Kaiser Otto, weil er befürchtete, es möchte ihm dessen Sohn Otto aus zweiter Ehe mit der heiligen Adelheid in der Thronfolge vorgezogen werden. In dieser Bedrängnis stand Bruno seinem gekrönten Bruder mit Rat und Tat aufs kräftigste bei, so dass Otto anerkennend zu ihm sprach: „Du bist mein einziger Trost, du meine einzige Hoffnung, nachdem der Sohn und Schwiegersohn (Herzog Konrad von Lothringen) zu Räubern und Vaterlandsverrätern geworden sind.“ Um solche Dienste zu belohnen und zugleich den Einfluss Brunos zu erweitern, übertrug ihm Otto auch die Verwaltung des Herzogtums Lothringen, das der aufrührerische Konrad verloren hatte. Bruno versammelte die deutschen Fürsten und die Großen Lothringens in Aachen, um sie in der Treue und Anhänglichkeit an Otto zu bestärken. Die Rebellen mussten sich unterwerfen. Durch Brunos gütige Vermittlung söhnte sich Ludolph wieder mit seinem Vater aus.

 

Ungeachtet der vielen weltlichen Geschäfte besorgte Bruno vor allem das Seelenheil seiner geistlichen Herde. Er predigte sehr fleißig und mit ergreifender Beredsamkeit, drang mit Eifer auf die gründliche Bildung der Geistlichen, gründete nützliche Anstalten und ging allen im Tugendeifer voran. Sein Haus war eine vortreffliche Schule der Tugend und Wissenschaft. Alle frommen und gelehrten Männer nahm er mit offenen Armen auf, während er Sittenlose aus seiner Umgebung verbannte. Staat und Kirche sind ihm zu hohem Dank verpflichtet, denn aus seiner Pflanzschule gingen viele Männer hervor, die tief eingriffen in das religiöse und nationale Leben Deutschlands, und der Nachwelt den Ruhm der Heiligkeit und unsterblicher Verdienste hinterlassen haben. Durch seine Empfehlung wurde Theodorich Bischof von Metz, Gerhard Bischof von Toul, Wigfried Bischof von Verdun, Heinrich und Egbert Erzbischöfe von Trier. Viele Klöster und geistliche Genossenschaften wussten von seiner Freigebigkeit und Fürsorge zu erzählen. Das Kloster St. Pantaleon zu Köln, gegründet im Jahr 956, ist seine Stiftung.

 

So reichlich Bruno den Armen und Notleidenden, Kirchen und Klöstern spendete, so einfach und arm lebte er selbst. Allem äußeren Gepränge und Aufwand abhold, lebte er wie ein Mönch. Bei all seinen umfangreichen Arbeiten für das Wohl der Kirche und des Staates blieb seine Hauptsorge die Heiligung seiner selbst, und seine Sehnsucht nach dem Himmel nahm von Tag zu Tag zu. Er, der sich in seiner hohen Stellung den Himmel auf Erden hätte bereiten können, kreuzigte sein Fleisch samt seinen Gelüsten, um die Himmelskrone nicht zu verlieren. Während er als Friedensstifter nach Frankreich gerufen wurde, starb er zu Reims am 11. Oktober 965 in einem Alter von 40 Jahren. Sein Leichnam wurde nach Köln gebracht und im Kloster St. Pantaleon beigesetzt.

 

Der selige Jakobus Griesinger von Ulm,

Laienbruder, Dominikaner in Bologna,

+ 11.10.1491 – Gedenktag: 11. Oktober

 

„Mariä Stammbuch“ erzählt für den heutigen Tag folgende Legende:

 

Jakobus von Ulm wurde von Vater Dietrich von Jugend auf unterwiesen, Maria durch den Rosenkranz zu verehren. Zum Jüngling herangewachsen wallfahrtete er gen Rom aus feuriger Liebe zu den Heiligen Gottes. Unter König Alphons von Sizilien leistete er Kriegsdienste. Als er zu Bononia weilte, wurde er durch die Predigt bewegt in den Dominikaner-Orden einzutreten. Allda bemühte er sich, Maria so viel es möglich ist, nachzufolgen.

 

Seine Sinne bewachte er sorgfältig, besonders die Augen. Die Ordensregel hielt er streng nach dem Buchstaben. Fürsten und Prälaten begehrten ihn zu sehen. Das Herzeleid von Jesus und Maria beweinte er jede Nacht und beschloss sein Gebet stets mit den Worten: „Ehre sei dir, o Herr, der du geboren bist aus der Jungfrau Maria!“

 

Vor Mariens Altar kniete er am allerliebsten und betete am innigsten. Die Teufel setzten ihm vielfach zu, sobald er die Tagzeiten Mariens angefangen hatte.

 

Maria erhielt seine Keuschheit unverletzt, er wirkte große Wunderzeichen, lebte vierundachtzig Jahre und hörte vom Engel die Rede: „O Jakob, mit kleiner Arbeit hast du eine unendlich große Krone im Himmel zu erwarten.“ Er legte eine Lebensbeicht ab und glänzte nach dem Tod wie ein Stern. An seinem Grab geschahen viele Wunder. 

 

Aus anderer Quelle:

Der selige Jakob Griesinger von Ulm, Dominikanerbruder und Glasmaler,

+ 11. Oktober 1491 – Festtag: 11. Oktober

 

Die Stadt Ulm a. Donau hat aus ihrer katholischen Vergangenheit einen wohl wenig bekannten, aber des Gedenkens und Rühmens sehr werten Mann. Schon seine Kunstfertigkeit, wenn er sie auch nicht in seiner Vaterstadt ausgeübt hat, verschaffte ihm einen Namen. Voller noch klingt sein Lob und Name in der Kirche Gottes, weil er die größere Kunst erlernte und übte, selbst als lebendiges Abbild der Heiligen zu leben, deren Bilder er in leuchtenden Farben vor die Augen seiner Zeitgenossen zu stellen verstand. Sein Familienname war Griesinger. Fromme Eltern betreuten die fleckenlose Jugend des 1407 Geborenen. Die Fremde hat ihm den Namen Jakob von Ulm oder „Jakob der Alemanne“, der Deutsche, gegeben, und unter diesem Namen hat er auch seinem deutschen Vaterland Ehre erworben.

 

Wie sein zweihundert Jahre jüngerer Landsmann Johann von Ulm hat auch Jakob von Ulm in Italien Ordensberuf und Lebensziel gefunden. Zum Jüngling herangewachsen, den das Sehnen in die Weite zog, wallte Jakob Griesinger mit Erlaubnis seines Vaters nach Rom, um die heiligen Stätten der Ewigen Stadt zu besuchen. In Neapel diente er vier Jahre im königlichen Heer als Söldner. Da er aber umsonst sich bemühte, die Lasterhaftigkeit seiner Waffengefährten zu bessern, trat er bei einem Rechtsgelehrten in Capua als Schreiber in Dienst. So sehr empfahlen ihn sein Fleiß und seine Treue dem neuen Herrn, dass der Edelmann nicht Anstand nahm, den redlichen Deutschen mit der Verwaltung seines ganzen Vermögens zu betrauen. Doch dem schien das wahre Glück auf einem anderen Feld erblühen zu sollen. Nach fünf Jahren riss Griesinger sich wieder los und wanderte nach Norden. Trieb ihn die Sehnsucht, die Heimat, Eltern und Geschwister wieder zu sehen? War es nicht eher Gottes Vaterfürsorge, die seine Schritte lenkte auf „den Weg des Friedens“, auf dem für den Ruhelosen das endliche Asyl liegen würde? In Bologna, der altberühmten norditalienischen Universitätsstadt, ließ sich der deutsche Wandervogel abermals verleiten, sich einem Fähnlein der Landsknechte anzuschließen. Doch hatte schon längst der Herr der Heerscharen um den Edlen geworben und hier in Bologna sollte es sein, wo dem Redlichen bei oftmaligen Besuchen des Allerheiligsten Sakramentes für sein ruheloses Suchen und den geheimen Lockruf im Herzen Verständnis und Klarheit aufging. Die Fahne des heiligen Dominikus mit der brennenden Fackel zog ihn an, das weiße Ordenskleid wurde seine Uniform.

 

Vierunddreißig Jahre zählte damals (1441) Jakob von Ulm, als er, Vater und Vaterland vergessend, den genugsam erkannten Weltdienst mit seinem Lohn verlassend, sich nun geklärten Geistes, mit Entschiedenheit und Willenskraft, rückhaltlos dem beglückenden Dienst Gottes hingab. Auf das Fundament der Demut baute er das Gebäude seiner Vollkommenheit auf. Obwohl er durch seine Erziehung und durch die in vielfältiger Erfahrung erworbenen Erkenntnisse zur Ergreifung des Studiums und des Chordienstes befähigt gewesen wäre, hatte er bescheidenst nur um Aufnahme als dienender Bruder gebeten. Auch was das Tugendleben betraf, stand er seinen jüngeren Mitnovizen in keiner Weise nach. Und doch hielt er sich für ganz unwürdig, die endgültigen Gelübde abzulegen. Kniefällig bat er jeden einzelnen seiner Mitbrüder um Verzeihung und beschwor sie unter Tränen, ihn wenigstens aus Barmherzigkeit nicht von der Gemeinschaft der Brüder auszuschließen. Was er Gott und dem Orden gelobt, das hielt er getreulich. Jakob, der ehemalige Landsknecht, wurde für alle ein erbauliches Beispiel der Geduld, Reinheit, Gebetsliebe und des Gehorsams.

 

Der selige Jakob liebte vor allem die Andacht zum leidenden Heiland, dessen Kreuzestod er unter vielen Tränen betrachten konnte. Seine Fürbittgebete galten ich echt katholischer Weise gerne den armen Seelen. Eine besondere Freude hatte er daran, seine kranken Ordensbrüder zu bedienen. Von seiner hohen Auffassung des Ordensgehorsams werden uns Beispiele überliefert, die, lassen sie auch bisweilen die Klugheit der Oberen nicht im günstigsten Licht erscheinen, umso mehr die einfaltsvolle Selbstentäußerung und Heldenmütigkeit in der Ausübung jener Tugend bewundern lassen. Ohne jegliches Bedenken und Zögern und ohne die geringste Widerrede führte der ergebene Bruder auch den allerschwersten und ungelegensten Befehl seiner Vorgesetzten aus. So forderte ihn einmal sein Prior versuchsweise auf, sofort einen Brief nach Paris zu überbringen. Das hätte eine mehrwöchige und damals gar nicht ungefährliche Fußreise erfordert. Bruder Jakob bat nur Hut und Stock von der Zelle holen zu dürfen, um auf der Stelle ohne weitere Vorbereitung die Reise anzutreten. Jakob war ein geschickter Glasmaler. Da war er denn einstmals gerade beschäftigt, Glasgemälde für die Klosterkirche, auf deren Herstellung er viele Wochen sauren Fleißes verwendet hatte, im Feuer einzubrennen, um die Farben haltbar zu machen. Voller Erwartung stand er am Ofen, die Glut beobachtend, bald schürend bald kühlend je nach Bedürfnis. Gerade jetzt aber, wo alles darauf ankam, dem Kunstwerk mit letzter, gespanntester Aufmerksamkeit die Vollendung zu geben, soll der Prior dem „Ulmer“ haben sagen lassen, er möchte ausgehen, um Brot für die Klostergemeinde zu kollektieren. Ohne Zaudern habe der gehorsame Bruder den Zwerchsack genommen und sei gegangen. Als er nach mehreren Stunden wieder zurückkehrte, sei er in der Überzeugung zum Ofen gegangen, seine Glasarbeit, die Frucht so vieler Mühen, von dem übermäßig langen Verweilen in den Muffeln in Scherben zersplittert vorfinden zu müssen. Doch seien die Gemälde nicht nur unbeschädigt gewesen, vielmehr die Farben so schön und leuchtend eingebrannt wie nie zuvor.

 

Die Glasmalerkunst scheint der selige Jakob Griesinger erst in seinem Kloster zu Bologna erlernt zu haben. Ob er aber dieses oder ein ähnliches Handwerk nicht schon in seiner Heimat gelernt und geübt hat? Gerade Handwerksgesellen sind ja in alten Zeiten gerne in fremde Länder gezogen, um ihre Fachkenntnisse und ihren Gesichtskreis zu erweitern. Andererseits wird in den Klöstern bei der Hausbeschäftigung ihrer Mitglieder gerne auf erlernte und im weltlichen Beruf geübte Kenntnisse Bedacht genommen, wie man auch die vorhandenen Neigungen und Talente des Einzelnen erprobt und zur Ausbildung bringt. In den Klöstern gibt es eben keine Müßiggänger. Vielmehr flieht der echte Ordensmann den Müßiggang als den ärgsten Feind der Seele. Eben das, eine stete Liebe zur Arbeit, wird auch dem seligen Jakob nachgerühmt. Zeugen seines Fleißes und seiner nicht geringen Kunstfertigkeit sprechen noch heute zu uns. Das prächtige Fenster der vierten Kapelle rechts im Dom San Petronio zu Bologna ist sein Werk. Im Jahr 1466 hat er es vollendet. Andere Malereien Jakobs des Deutschen finden sich im Palaste Bentivoglio. Andere hat die Zeit zerstört.

 

Unzerstörbar und unzerbrechlich aber war das Bild der Heiligkeit, das Meister Jakob in seine eigne Seele hineingezeichnet hatte. Darum genoss er auch in den langen Jahren seines Erdenwandels, der Welt verborgen, fast schon die Freuden und das selige Glück der Ewigkeit. Der Herr hat ihn mit außerordentlichen Gaben ausgezeichnet. Und war nicht auch das Gnade von Gott, dass ihm das Greisenalter noch sehr schwere Krankheiten brachte, um die Erprobung seiner gediegenen Tugenden zu vollenden?

 

Erst im Jahr 1825 hat Papst Leo XII. die öffentliche kirchliche Verehrung des seligen Jakob von Ulm für das Bistum Bologna und den ganzen Dominikanerorden gestattet und sein Fest auf den 12. Oktober festgesetzt. Endlich genehmigte Pius XI., dass sein Fest auch im Bistum Rottenburg, zu dem Jakobs Vaterstadt Ulm gehört, gefeiert werden darf.

 

Nicht jeder sogenannte „blinde Gehorsam“ ist nachahmens- und bewundernswert. Nach der Lehre der Gottesgelehrten besteht der blinde Gehorsam darin, dass der Untergebene sein Urteil über den Befehl eines rechtmäßigen Oberen dem Urteil dieses Oberen unterwirft, wenn nicht etwa klare Gründe dies unmöglich machen. Der Gehorchende sieht im Oberen den Stellvertreter Gottes und überlegt darum nicht, ob der Vorgesetzte klug, erfahren, kenntnisreich oder tugendhaft ist. Blinder Gehorsam schließt aber keineswegs jedes Nachdenken, eigenes Überlegen und Klugheit aus. Der heilige Ignatius, den man den vorzüglichsten Lehrer des Gehorsams nennen könnte, sagt ausdrücklich, es verstoße nicht gegen den blinden Gehorsam, dass man dem Oberen die Gründe vorlege, die gegen seinen Befehl zu sprechen scheinen. Nur müsse dabei der Untergebene den Willensentschluss bewahren, sein Urteil dem des Oberen zu unterwerfen. Der Heilige hieß sogar das Abgehen von der Verordnung des Oberen in gewissen Fällen für gut. Recht aufgefasst ist also der sogenannte blinde Gehorsam, der übrigens auch vom Soldaten gefordert werden muss, durchaus vernünftig und berechtigt.

 

Der heilige Alexander Sauli, allgemeiner Vorsteher der Barnabiten,

dann Bischof von Aleria und Pavia,

+ 11.10.1592 – Fest: 11. Oktober

 

Die Familie, der der Heilige entstammte, war eine der ausgezeichnetsten in der Lombardei. Sie brachte mehrere große Männer hervor, unter anderem Bischöfe und Kardinäle, die durch ihre Gelehrsamkeit und ihre Frömmigkeit berühmt geworden sind. Ihre Wappen sieht man noch an Spitälern und prachtvollen Kirchen.

 

Alexander kam zur Welt in Mailand in eben dem Jahr, in dem die Kongregation der regulierten Kleriker, Barnabiten genannt, gestiftet wurde. (Sie wurde so genannt von einer Kirche des heiligen Barnabas, auf die diese Kongregation anfangs beschränkt war.) Von Jugend an schien die Gnade sich überschwänglich über ihn erhoben zu haben. Seine Eltern gaben ihm geschickte Lehrer, unter deren Leitung er schnelle Fortschritte machte. Vor allem erlernte er aber die Wissenschaft der Heiligen in der Schule des Geistes Gottes, dessen Lehren er stets mit kindlichem Gehorsam befolgte.

 

Früh schon empfand er in sich einen großen Abscheu vor den rauschenden Weltvergnügungen. Als eines Tages das Volk um eine Komödiantengruppe versammelt war, trat er hinzu mit dem Kruzifix in der Hand und hielt eine so salbungsvolle und strömende Rede, dass die Schauspieler die Flucht ergriffen. Das Volk wurde tief gerührt und ging mit tränenden Augen nach Hause.

 

Einige Zeit darauf ergab er sich ungeteilt dem Dienst Gottes in der Genossenschaft der Barnabiten. Er härtete sogar seinen Leib durch Arbeiten und Nachtwachen ab und widmete sich mit Eifer dem Predigtamt und dem Beichtstuhl. Er besaß eine besondere Gabe, die Sünder zu rühren und zu bekehren. Dieselben Übungen setzte er fort, als er zum Lehrstuhl der Philosophie und Theologie auf der Universität zu Pavia den Ruf erhielt. Man sah ganze Körperschaften, die sich seiner Leitung anvertrauten, um von ihm die Wege zu erlernen, die am zuverlässigsten zur Vollkommenheit ihres Standes führten. Als er eingeladen worden ist, in der Kathedrale zu Mailand die Kanzel zu besteigen, brachten seine Reden die wundervollsten Früchte hervor. Der heilige Karl Borromäus wünschte der Kirche zu einem solchen Diener Glück und weinte Tränen der Freude beim Anblick seines apostolischen Eifers.

 

Alexander war erst 32 Jahre alt als er zum Vorsteher seines ganzen Ordens erwählt wurde. Diesem Amt stand er mit einer Tüchtigkeit vor, die neuen Glanz über die ganze Genossenschaft verbreitete. Allein Gott hatte ihn nicht zur Einsamkeit bestimmt, sein Licht sollte leuchten in der Welt und die Insel Korsika war der Schauplatz, wo seine erhabenen Tugenden erglänzten.

 

Dieses Eiland war ehehin durch römische Missionare zum Glauben bekehrt worden. Die Kirche zu Aleria scheint zuerst daselbst gestiftet worden zu sein. Besonders ist einer ihrer Bischöfe namens Petrus bekannt. Er lebte zur Zeit Gregors des Großen, der Briefe an ihn geschrieben hat. Allein diese Kirche war in einen schlimmen Verfall geraten, die Frömmigkeit und Zucht waren verschwunden, da Alexander Sauli im Jahr 1571 vom heiligen Papst Pius V. zu ihrem Bischof ernannt wurde.

 

Nachdem der neue Oberhirte vom heiligen Karl Borromäus konsekriert worden war, machte er sich sogleich mit drei Priestern seines Ordens auf den Weg. Die rührende Lage seines erlauchten Vaters, der gleichsam schon mit dem Tode rang, war nicht imstande ihn zurückzuhalten. Er hörte nichts als das Jammergeschrei seiner betrübten Kirche. Auch ließ er sich nicht zurückschrecken durch den Anblick der Sklaverei, die er von Seite der mohammedanischen Seeräuber, die alle Küsten der Insel Korsika durchkreuzten, zu befürchten hatte. Festen Vertrauens auf Gott schiffte er sich ein und die Überfahrt ging glücklich vonstatten. Er wurde von tiefem Schmerz ergriffen, als er allenthalben Gott verkannt sah. Aleria hatte nur noch den Namen einer bischöflichen Kirche. Kaum war noch im ganzen Umfang der Diözese ein Ort, wo man mit Anstand den Gottesdienst hätte verrichten können. Die Dörfer waren, mit Ausnahme von drei oder vier, unbewohnt. Das Volk war in Gehölzen oder auf den Bergen zerstreut, lag in der größten Unwissenheit versunken und wusste nicht einmal die ersten Anfangsgründe der Religion. Die Geistlichkeit bedurfte ebenso sehr des Unterrichts als das Volk.

 

Der heilige Bischof, ohne Kirche und sogar ohne Haus, ließ sich zuerst zu Talone nieder, das eine Art Marktflecken war, vier Stunden von den Trümmern Alerias entlegen. Er hielt daselbst eine Synode nach dem Muster derjenigen, die unter dem heiligen Karl Borromäus damals in Mailand gehalten wurden, und traf weise Maßregeln, um den Missbräuchen abzuhelfen. Hierauf besuchte er seine ganze Diözese. Er ging bis in die entlegensten Weiler und drang bis in die unzugänglichsten Orte. Der Anblick eines so liebevollen Hirten flößte sogar den Wildesten mildere Gesinnungen ein. Stromweise liefen sie herbei und warfen sich zu seinen Füßen, fest entschlossen, ihm zu gehorchen, noch sogar ehe er mit ihnen geredet hatte. Seine Worte erleuchteten mit dem Licht des Glaubens den Verstand und zündeten das Feuer der Liebe in den Herzen an. Überall musste er Missbräuche ausrotten, schändliche Gewohnheiten abstellen, Kirchen bauen, oder solche, die in Trümmern lagen, wieder herstellen, und für das Gottesdienst das Nötigste herbeizuschaffen. Er stiftete Kollegien und Seminarien, um die Jugend, geschützt vom Weltgetümmel, zum Dienst der Altäre heranzubilden.

 

Da die Mitarbeiter, die er mit sich gebracht hatte, vor seinen Augen unter der Last der Arbeiten erlagen, befand er sich in der größten Verlegenheit. Doch ließ er den Wunsch nicht fallen. Er verdoppelte seine Arbeiten, ohne Furcht, seine Gesundheit zu gefährden. Auch unterwarf er sich, ungeachtet seiner ununterbrochenen Beschäftigungen, beständigen Fasten und den strengsten Abtötungen. Obgleich er geringes Einkommen hatte, spendete er dennoch reichliches Almosen. Die Überfälle und Raubzüge der Kaperschiffe nötigten ihn oft, seinen Wohnort zu verändern. Er musste sein Seminar und seine Geistlichkeit von Talone, das an der östlichen Küste der Insel lag, nach Algagliola an der Westküste, von dieser Stadt nach Corte, in der Mitte der Insel, und schließlich nach Cervione verlegen. In dieser letzten Stadt erbaute er eine Kathedrale und setzte ein Domkapitel ein. Mit vorzüglicher Gewandtheit wusste er die getrennten Geister und Herzen zu vereinigen. Dadurch erwarb er sich auch in ganz Korsika den Beinamen: Engel des Friedens.

 

Der gottselige Alexander Sauli erlies sehr weise Hirtenbriefe an seine Geistlichkeit. Darin unterwies er die Seelsorger sowohl in Betreff ihrer Lebensweise als auch, wie sie die ihrer Leitung anvertrauten Seelen auf dem Weg des Heils führen müssen. Er setzte auch Gespräche auf, in denen er mit großer Bestimmtheit und Deutlichkeit die Lehre der Kirche erklärte. Der heilige Franz von Sales schätzte dieses Werk sehr hoch und sagte, das Thema sei darin ganz erschöpft.

 

Der heilige Oberhirte ging von Zeit zu Zeit nach Rom, wie es bei den italienischen Bischöfen gebräuchlich war. Dabei hatte er aber allzeit seine Augen auf den Mittelpunkt des Apostelamtes gewendet, und war mit solcher Andacht durchdrungen, dass er in sich selbst verspürte, was der heilige Chrysostomus sage, dass nämlich der apostolische Geist da immer fortlebt, und dass den Gräbern der Apostel in ihrer, wie wohl leblosen, Asche noch Funken des heiligen Feuers entsteigen, womit sie die Erde angezündet haben. Alle seine Reisen wurden ebenso viele Missionen durch die herrlichen Früchte, die seine Predigten, Ratschläge und Beispiele allenthalben hervorbrachten. Davon lieferten Genua, Mailand und Rom, mehr als einmal Beweise, die von vier Päpsten bestätigt wurden. Unter anderen wurde Gregor XIII. sehr gerührt als er ihn predigen hörte. Der heilige Philipp Neri ehrte ihn gleichfalls wegen seiner Kenntnisse und hohen Heiligkeit. Selbst die Feinde der Religion konnten der Kraft und Salbung seiner Reden nicht widerstehen. In einer Unterredung, die er mit einem Calvinisten aus Genf hatte, der nach Korsika gekommen war, um da seine Irrlehre zu verbreiten, öffnete er ihm die Augen und führte ihn zurück in den Schoß der Kirche. In Rom entriss eine einzige seiner Predigten der Synagoge der Juden vier ihrer mächtigsten Stützen.

 

Die Verehrung, in der der Apostel Korsikas stand, bewog die Städte Tortona und Genua, ihn zu ihrem Oberhirten zu begehren. Allein er wollte seine erste Braut, die er zärtlich liebte, nicht verlassen. Bloß aus Gehorsam gegenüber dem Papst Gregor XIV. nahm er 1591 das Bistum Pavia an. Er war nicht so bald in seinem neuen Sprengel angelangt, als er sich schon vornahm, ihn zu bereisen. An jedem Festtag kam er nach Pavia zurück. Als er sich zu Calozza in der Grafschaft Asti befand, wurde er von einer Krankheit befallen, die ihn auch der Welt entriss. Er starb am 11. Oktober 1592. Seine Heiligkeit bestätigen mehrere Wunder. Seine Heiligsprechung geschah am 11. Dezember 1904 durch Papst Pius X. Er gilt als Patron von Genua, Pavia und Korsika.

 

Pater Gratian Lelièvre

Gedenktage und Lebensskizzen hervorragender

Mitglieder des Karmelitenordens

 

Heute begehen wir das Gedächtnis des gottseligen Pater Gratian Lelièvre, eines Priesters aus dem Karmelitenorden. Pater Gratian hatte das Licht der Welt am 8. Oktober 1734 in der Diözese Rennes (Frankreich) erblickt. Als Ordensmann lebte er im Kloster zu Guimper. In der Diözese Guimper blieb er auch nach der Auflösung des Klosters, um noch so weit als möglich in der Seelsorge tätig zu sein. Weil er sich weigerte, den gottlosen Bürgereid zu leisten, wurde er (1793) in Haft genommen. Im folgenden Jahr wurde er nach Rochefort geschickt, wo ihn die berüchtigte Washington aufnahm, bis am 11. Oktober seine ohnehin schon schwachen Kräfte völlig erschöpft waren. Sein Grab fand er auf der Insel "Madame".

 

Pater Augustin vom heiligen Joseph

Gedenktage und Lebensskizzen hervorragender

Mitglieder des Karmelitenordens

 

Am 11. Oktober 1904 starb zu Regensburg der lobwürdige Pater Augustin vom heiligen Joseph mit seinem weltlichen Namen Michael Geserer, geboren am 21. Oktober 1833 zu Barbing bei Regensburg. Nach Absolvierung des Gymnasiums in Regensburg widmete er sich dem Studium der Philosophie und Theologie am dortigen königlichen Lyzeum, bis er sich den Ordensstand als Lebensberuf wählte. Der Versucher wusste ihn zu verleiten, in einer schwachen Stunde das Noviziat wieder zu verlassen. Von Reue erfüllt, kehrte er jedoch bald in das Kloster zurück, bat ein zweites Mal um Aufnahme, erhielt sie, wurde am 10. Mai 1858 nochmals eingekleidet, legte zu seiner Zeit die heiligen Gelübde ab und wurde nun eine Säule der heiligen bayerischen Ordensprovinz. Zum Priester geweiht, arbeitete er mit viel Eifer in der Seelsorge. Nachdem er das Amt eines Subpriors, dann das Priorat zu Regensburg und Reisach verwaltet hatte, begab er sich mit einem anderen Pater und zwei Brüdern zu einer neuen Stiftung nach Paterson in Nordamerika, blieb jedoch nur kurze Zeit dort; die Liebe zum Vaterland trieb ihn wieder nach Europa zurück. Nun bekleidete er in den einzelnen Konventen die verschiedensten Ämter. Im Jahr 1879 wurde er nach Geleen in Holländisch-Limburg geschickt, um die Kirche und den ersten Teil des Klosters zu bauen. Während seines ersten Provinzialates vollendete er den Bau des Klosters auf dem Kreuzberg bei Schwandorf. Pater Augustin hatte fast während seines ganzen Ordenslebens als Oberer zu wirken und seine Mitbrüder zur Erreichung der klösterlichen Vollkommenheit anzuleiten. Darüber vergaß Pater Augustin aber nicht die Sorge für seine eigene Seele. Der hervorstechendste Zug seines Wesens war wohl seine große Liebe zur heiligen Armut. Darin konnte ihn niemand übertreffen. Gleich groß war sein Gebetseifer. Er fehlte nie beim mitternächtlichen Chorgebet bis wenige Tage vor seinem Tod. Täglich betete er den Kreuzweg und den Rosenkranz und hörte mehrere heilige Messen. Als ihn ein Mitbruder während des Todeskampfes fragte, ob er viel leide, gab er zur Antwort: "Um das Sterben ist es etwas Hartes." War ihm das Sterben wohl schwer, so konnte er doch ruhig vor seinen Richter hintreten. Es war sein Wunsch gewesen, dass ihm ein altes Regelbüchlein, ein altes Brevier und der Rosenkranz mit in den Sarg gelegt würden. Er konnte nichts Besseres begehren als diese Zeugen seiner Regeltreue und seines Gebetseifers, womit er allen voranleuchtete. Ist doch die Observanz, die in der bayerischen Provinz herrscht, nicht zum geringen Teil seinem Vorbild und seinem Einfluss zu verdanken. 

 

Gebet am 11. Oktober

 

Gütigste Jungfrau! Von dir gilt das Wort der Heiligen Schrift: "Gesegnet bist du vom Herrn, o Tochter, denn deine frühere Barmherzigkeit wird durch die folgende übertroffen." Ja - mild und gütig im Leben - bist du jetzt reich an Erbarmen, jetzt, da du zur Seite deines göttlichen Sohnes im Himmel thronst. Erbarme dich auch meiner, des verlassensten, hilflosesten deiner Kinder und Schützlinge. Stehe mir bei in den mancherlei Nöten des Lebens, die gleich Wassern mich umdrängen. Mein schwaches Schifflein schwankt, meine Hoffnung schwindet. O rette, fache den Funken des Vertrauens neu an und erbarme dich jetzt mehr über mich, als du es je getan hast. Lass mich die ganze Kraft deines Erbarmens, deiner mächtigen, alles übertreffenden Fürbitte empfinden - besonders in der Stunde meines Todes. Amen. 

 

Andacht am 11. Oktober:

 

Das Thema im Oktober:

Vertrauen

"Habt Vertrauen." (Markus 6,50)

 

"Gott übernimmt die Sorge für den, der alle seine Gedanken auf Ihn richtet, sich innerlich auf Ihn stützt und Ihm mit großer Treue dient. Je größer sein Vertrauen ist, um so sichtbarer beschützt ihn Gott, der ihm in allen Gefahren zu Hilfe kommt, da er mit unendlicher Liebe die Seelen liebt, die auf Ihn vertrauen." (Der heilige Franz von Sales)

Der heilige Bischof Hugo sagte, er hat oftmals erfahren, dass, je größere Sorgfalt er angewandt hat, richtig zu tun, was der Dienst Gottes erfordert, in je reichlicherem Maß auch der Herr ihm notwendige und nützliche Dinge gespendet hat. 

Nichts hatte der heilige Franz von Assisi und seine geistlichen Kinder, und dennoch fehlte es ihnen niemals weder an Kleidung noch an Speise. Wenn er seine Gefährten irgendwohin zum Predigen aussandte, richtete er die Worte des Propheten an sie: "Wirf deine Sorgen auf den Herrn, und er wird dich ernähren!" Derselbe Heilige sprach auch, wenn er von seiner Brüdergemeinde und von Gott redete: "Wir haben zwar eine sehr arme Mutter, dagegen haben wir aber einen sehr reichen Vater!"

 

Mein Vater bist Du, o Gott, und auf Dich ist mein Vertrauen gerichtet, der Du mich nicht verlässt und liebevoll für diejenigen sorgst, die Dir dienen! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 11. Oktober

 

"Die Liebe Gottes ist eine Quelle der Freuden,

aber die Wege dahin sind rau und steil.

Um sie zu erlangen und sich darin zu erhalten,

muss man beständig im Kampf mit sich selbst sein."

 

hl. Ludwig von Granada OP

1504 bis 31.12.1588

 

Betrachtung am 11. Oktober - Von Gottes Ehre und Verherrlichung

 

Die Schöpfung steht, o Gott, zu deiner Ehre.

Dein Lob verkünden aller Wesen Heere;

Sie alle ehren dich auf ihre Weise.

O gib mir, dass auch ich dich würdig preise.

 

1. In der ganzen Schöpfung hat nur eins Wert, und auf dieses eine muss alles sich beziehen, dies aber ist Gottes Ehre. Denn die Ehre ist Gottes einziges Gut, darum auch gibt es nichts Größeres, als diese Ehre ihm zu erwirken. Dass ich Staub und Asche Gottes unendliche Majestät verherrlichen kann, dies ist der höchste Adel meines Wesens. Selbst die glorreichsten Cherubim und Seraphim haben kein erhabeneres Ziel. Eine unsterbliche Seele, die anderes sucht, erniedrigt sich selbst. So sehr eifert Gott für seine Ehre, dass er durch Jesaja (42,8) spricht: "Ich überlasse die Ehre, die mir gebührt, keinem andern, meinen Ruhm nicht den Götzen." Suchen wir diese Ehre, und halten wir es für unseren höchsten Ruhm, alles, sogar unser Leben, für Gottes Ehre zu opfern.

 

2. Diese Ehre suchte Jesus, unser göttliches Vorbild, durch alle Werke seiner heiligsten Menschheit, durch sein Leiden und seinen Tod. Dies war das erhabene Ziel, für das er sich opferte, und ähnlich werden wir ihm nur insofern, als wir hierin ihm nachahmen. Ja alle unsere Werke sind auch nur insofern verdienstlich, als wir Gottes Ehre dadurch suchen. Was nicht in dieser Absicht geschieht, ist für die Ewigkeit verloren. Was gegen sie geschieht, ist schwere Schuld. Bieten wir nun unsere ganze Kraft auf, Gottes Ehre zu fördern, um die Zeit zu ersetzen, wo wir ihn durch unsere Sünden verunehrten. 

 

3. Gott zu verherrlichen ist die Beschäftigung aller Chöre der seligen Engel und aller zahllosen Scharen der heiligen Himmelsbürger in alle Ewigkeit. Ohne Unterlass singen sie den Lobgesang: "Heilig, heilig, heilig ist der Herr, der Gott der Heerscharen! Alleluja! Heil, Ehre und Herrlichkeit sei unserem Gott, der da lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit!" In dieser Verherrlichung besteht zugleich ihre Seligkeit. So beginnen wir denn schon in diesem Leben, was wir im Himmel ewig tun werden, und loben wir Gott nun nach Maßgabe unserer Sterblichkeit, bis wir in jene glückseligen Lobgesänge einstimmen. 1. Timotheus 1,17: "Dem König der Ewigkeit, dem unvergänglichen, unsichtbaren, einzigen Gott, sei Ehre und Herrlichkeit in alle Ewigkeit. Amen."

 

12. Oktober

 

Unsere Liebe Frau von der Säule

 

Der heilige Seraphin Nikola von Montegrenario,

italienischer Kapuzinerbruder,

+ 12.10.1604 – Fest: 12. Oktober

 

Der heilige Seraphinus a Monte Granario, Laienbruder aus dem Kapuzinerorden, geboren 1540, war der Sohn armer Eltern und besaß von Kindheit an nichts, als Unschuld und Herzenseinfalt, ein Gut indes, das wünschenswerter ist, als Gold und Silber, Gelehrsamkeit und Macht. Seine Frömmigkeit nahm mit den Jahren zu, und so oft es seine Geschäfte erlaubten, begab er sich in die Kirche und breitete in Gottes Gegenwart sein Gemüt aus. Anfangs hütete er die Schafe, nach dem Tod seiner Mutter aber, die ihn in den frühesten Jahren schon zum Dienst des Herrn gebildet, arbeitete er als Maurer im Lohn seines Bruders, der ihn mit Härte behandelte, ohne dass jedoch der Dulder hierüber sich beklagte. Später wollte er sich dem Einsiedlerleben widmen, hielt es aber nach reifer Überlegung für besser, in dem Kapuzinerkloster auf dem Berg Granario unweit von Ascoli Aufnahme zu suchen. Anfänglich wollten die Väter von dem im Schulunterricht gänzlich Verwahrlosten nichts wissen, doch gaben sie endlich seinen wiederholten Bitten Gehör. Bald darauf legte er die Gelübde ab. Gewissenhaft beobachtete er die Regel seines Ordens, übte nebenbei außerordentliche Bußstrenge und leistete seinen Vorgesetzten unbedingten Gehorsam. Lange Zeit indes erregte er nichts weniger als Aufmerksamkeit und wurde sogar von einem Teil der Brüder mit Geringschätzung behandelt. Zuletzt aber erschien seine Tugend in so herrlichem Licht, dass er der Gegenstand der allgemeinen Hochachtung und Bewunderung seiner Klostergenossen wurde. Auch in die Umgegend verbreitete sich sein Ruf, und Personen hohen Ranges befragten ihn in wichtigen Angelegenheiten um Rat und nahmen seine Aussprüche zur Richtschnur. Die Notleidenden nahmen indes ganz vorzüglich seine Sorgfalt und Liebe in Anspruch, und er reichte ihnen jedes Mal die Hälfte von dem, was ihm von der Genossenschaft zum eigenen Bedarf gegeben wurde. Regelmäßig besuchte er die Kerker und Spitäler und sorgte für die geistigen und leiblichen Bedürfnisse der Gefangenen und Kranken. Das Leiden Christi war seinem Geist stets gegenwärtig. Streng gegen sich selbst war er nachsichtsvoll gegenüber anderen, wie es das Evangelium vorschreibt. „Es gefiel dem Herrn“, sagt die Bulle seiner Heiligsprechung, „dem armen, unwissenden und demütigen Laienbruder einen großen Einfluss auf die Bewohner der Nachbarschaft, namentlich von Ascoli, einzuräumen und seine erhabenen Tugenden mit himmlischen Gaben zu krönen. Er erleuchtete seinen Diener mit dem Licht von oben, so dass er die Zukunft weissagte und der verborgensten Falten der Herzen kundig war. Auch der Entzückungen hatte er sich zu erfreuen und der Gewalt, durch das bloße Kreuzzeichen die verschiedensten Krankheiten zu heilen.“ Seraphin verkündete das Ende seines Lebens vorher und entschlief selig am 12. Oktober 1604. Papst Clemens XIII. erließ 1767 den Beschluss seiner Heiligsprechung.

 

Aus anderer Quelle:

 

Der heilige Seraphin von Monte Granario, Kapuziner-Laienbruder,

+ 12. Oktober 1604 – Festtag: 12. Oktober

 

Der „Seraph von Assisi“, der heilige Franziskus gilt sogar unserer modernen, neuheidnischen Welt als „Lebensweiser und Lebenskünstler“. Noch mehr als mit dieser Modeschwärmerei sind ungezählte Christen, die den drei Franziskusorden angehören, in das Leben und in den seraphischen Geist dieses Heiligen eingedrungen und haben da die wahre christliche Lebensweisheit und ihr Lebensglück gefunden für Zeit und Ewigkeit. Einer dieser bevorzugten Schüler des Seraphs von Assisi war ebenfalls ein heiliger Seraph, stammend aus einem Marktflecken in der Nähe des berühmten Wallfahrtsortes Loreto. Gewiss ist im Leben und Tugendstreben dieses heiligen Seraphin von Monte Granario aus dem Kapuzinerorden auch vieles mehr zu bewundern und anzustaunen als etwa praktisch nachzuahmen. Allein gerade sein stilles, demütiges, glückliches Leben ist ein rechtes Musterbeispiel franziskanischer Lebensweisheit und christlicher Lebenskunst.

 

Von Gott, für Gott, zu Gott! Dieser erste christliche Lebensgrundsatz ließ einst einem frommen Maurergesellen in Monte Granario den hohen Wert seiner Lebensbestimmung und den Hochadel seiner Seele erkennen, zumal er sonst nicht gerade mit allen Gaben und Vorzügen der Natur ausgestattet war. Er fand sich demütig und geduldig mit seiner etwas schwerfälligen Veranlagung ab, opferte Gott allen Schimpf und Spott und raue Misshandlung, die ihn trafen, ergeben auf, während Gottes Gnade in seiner Seele, ihm unbekannt, Wunder wirkte und seine jugendliche, seraphische Frömmigkeit mit der Aufnahme in den Franziskanerorden der Kapuziner lohnte, unter dem Ordensnamen Seraphin.

 

Für die große Gnade des Ordensstandes glaubte Seraphin nicht besser sich dankbar zeigen zu können, als dass er sich mit der ganzen Glut seraphischer Liebe Gott vollständig zum Brandopfer hingab. Da galt es nun zuerst, in manch schwerer Selbstüberwindung durch heroische Übung der Ordenstugenden Armut, Keuschheit und Gehorsam die äußeren und inneren Hindernisse zu brechen, die den freien Aufschwung der Seele erschweren. Das heilige Opferfeuer der Gottesliebe musste immer mehr noch geläutert werden von allen unreinen Beimischungen der menschlichen Eigenliebe. Schließlich brannte die Seraphsglut so mächtig in seinem Herzen, dass die Seele beständig in Gott und für Gott allein lebte, trotz aller äußeren Arbeiten und Schwierigkeiten, ja oftmals in ekstatischem Himmelsflug den Leib mit himmelwärts riss. Wie gerne hätte der Heilige sein Blut für Gott im heiligen Martyrium vergossen! Als er einst Scharen junger Männer ausziehen sah zum „heiligen Krieg“ gegen die Türken, da rief er aus: „Soll ich nicht auch mein Leben für die Liebe meines Herrn hingeben? Die Weltleute streiten und leiden herzhaft für die Sache Jesu und ich will mein Leben in Trägheit dahingehen lassen?“ Doch Gottes Vorsehung hatten den Heiligen zum unblutigen Martyrium der Liebe und des Opfers berufen und darin brachte er allerdings einen vollendeten Seraphsdienst dar in einem Leben und Streben für Gott und zu Gott.

 

Bete und arbeite, Gott hilft allzeit! Gebet und Arbeit waren die beiden Flügel, womit sich des Heiligen Seele zum Himmel emporschwang. Wohl benützte Seraphin jeden freien Augenblick zum Gebet und zur Betrachtung. Während seiner oft recht gehäuften Arbeitslast hielt er seine Seele beständig in Gott gesammelt und zu Gott erhoben. Die Hand bei der Arbeit, das Herz bei Gott. Daraus schöpfte er Ruhe und Freundlichkeit, Starkmut und Ergebung bei all den kleinen und großen Misshelligkeiten des täglichen Lebens, ein heldenmütiges Vertrauen auf die göttliche Vorsehung, das oftmals wunderbar belohnt wurde. Um den Armen und Kranken beizustehen, scheute er keine Überarbeitung und kein Opfer. Seine gotterleuchtete Nächstenliebe erkannte ja in jedem Mitmenschen das mehr oder minder entstellte Ebenbild Christi, dem zu dienen er als einzige Freude erachtete. Aus dieser übernatürlichen Auffassung heraus übte der Heilige eine wunderbare Geduld, dieses Allheilmittel und Allmachtsmittel im Leben – Geduld mit anderen und mit sich selbst.

 

Lebe froh und zufrieden in deinem Beruf, heißt ein weiterer Grundsatz der christlichen Lebensweisheit. Eine Seele, die einmal das Geheimnis der Zufriedenheit entdeckt, den Frieden mit Gott, den Mitmenschen und mit sich selbst, die das schmerzlich-strenge, aber auch beglückende „Entsage und Ertrage“ gelernt hat, wird den christlichen Frohsinn nicht mehr leicht verlieren. Auf den heiligen Seraphin schien sich auch die geistliche Freude und sonnenhelle Heiterkeit seines heiligen Ordensvaters Franziskus, des „Bruders Frohsinn“, vererbt zu haben. Die Lebensbeschreiber berichten von Seraphin mancherlei Züge seines kindlich-heiteren Gemütes, seiner Freude an Natur und Gottes Schöpfung, ja auch kleine liebe Schelmereien, um andere aus ihrer Schwermut und dem Trübsinn aufzuheitern. Am meisten begriff der Heilige allerdings das Geheimnis der „vollkommenen Freude“, die nach dem heiligen Franziskus besteht in der freudigen Hinnahme von Kreuz und Leiden um Christi willen. Siebzig Jahre währte für den Heiligen dieses schmerzliche und doch wieder frohe Martyrium der Liebe, bis der liebeglühende Seraph eingehen durfte zum ewigen Seraphsdienst im Himmel.

 

Leicht ist es den Christen, diese christliche Lebensweisheit und Lebenskunst der Heiligen in ihrem Stand praktisch zu üben und sich dadurch ihr Lebensglück zu schaffen für diese und jene Welt. In diesem Bestreben wird sie besonders fördern der Eintritt in einen sogenannten „Dritten Orden“, z.B. des heiligen Franziskus, wodurch ihnen ermöglicht wird, auch in der Welt eine Art Klosterleben zu führen und Musterchristen, Engel der Barmherzigkeit und Apostel zu werden. Probieren geht auch da über Studieren! Wer schnell sich besinnt und beginnt, der gewinnt!

 

Der heilige Maximilian, Bischof und Märtyrer von Lorch, Österreich,

+ 12.10.288 – Fest: 12. Oktober

 

Von Rom, der damaligen Weltbeherrscherin, drang das Licht der christlichen Religion in alle Lande, die dem Zepter der römischen Kaiser unterworfen waren, denn unter den römischen Beamten und Soldaten in den eroberten Ländern befanden sich schon viele Christen, die voll Glaubenseifer auch manche Eingeborene der Kirche Jesu Christi zuführten. Auch in den Donauländern sehen wir schon in den ersten christlichen Jahrhunderten einige Christengemeinden aufblühen, und da konnte es nicht fehlen, dass zur Zeit der blutigen Verfolgungen unter den römischen Cäsaren Christenblut vergossen wurde.

 

Als der erste Bekenner des christlichen Namens in Österreich, der den heiligen Glauben mit seinem Blut besiegelte, erscheint der heilige Bischof Maximilian. Er war geboren zu Celeia in Noricum, dem heutigen Cilly in Untersteiermark, von frommen und reichbegüterten Eltern. Im Alter von sieben Jahren übergaben ihn seine Eltern dem gelehrten und gottseligen Priester Aranius, der die ausgezeichneten Geistes- und Herzensgaben des Jungen sorgfältig ausbildete und ihn mit besonderer Liebe zur Demut, Sanftmut, Keuschheit und Verachtung der irdischen Güter und Freuden erfüllte. Im Alter von neunzehn Jahren gelangte er durch den Tod seiner Eltern in den Besitz eines ansehnlichen Vermögens. Einzig auf die treue Nachfolge Christi und das Heil seiner Seele bedacht, verteilte er das ganze Vermögen unter die Armen und schenkte allen Sklaven die Freiheit.

 

Arm um Christi willen, reich an Tugenden, lebte Maximilian zu Laureacum, dem heutigen Lorch in Oberösterreich, still und zurückgezogen und gewann durch Wort und Beispiel viele Seelen für das Reich Gottes. Nach dem Tod des Bischofs von Lorch wählten Geistlichkeit und Volk den herzensguten, sittenreinen und wissensreichen Maximilian einstimmig im Jahr 257 zu ihrem Oberhirten. Er weigerte sich in seiner Demut, ein Amt zu übernehmen, das selbst Engelschultern zu schwer ist. Als er aber dem unaufhörlichen Drängen des Volkes nicht länger widerstehen konnte, willigte er ein, machte aber erst eine Reise nach Rom, um vom Papst Sixtus II. die Bestätigung und den apostolischen Segen einzuholen. Der Heilige Vater empfing ihn mit viel Liebe, weihte ihn zum Bischof, und mahnte ihn, sich der verfolgten Christen in Noricum und Pannonien anzunehmen.

 

Mit dem Segen des Heiligen Vaters kehrte Bischof Maximilian heim, zeigte sich als lebendiges Vorbild aller Christentugenden, zog im ganzen Land predigend umher, sammelte die zerstreuten Schäflein der Herde Christi, stürzte die Götzenbilder, pflanzte das Kreuz auf, verdrängte überall das Heidentum mit der Waffe des göttlichen Wortes und taufte die heilsbegierigen Heiden. Auf seinen apostolischen Reisen drang er bis nach Bayern und baute in der Gegend von Freising zu Ehren der Himmelskönigin Maria ein Kirchlein. Deshalb wird er beim oberbayerischen Volk noch immer als besonderer Patron verehrt.

 

Eine lange Reihe von Jahren hatte Maximilian unermüdlich für die Ausbreitung und Befestigung des Christentums gearbeitet, als er sich angetrieben fühlte, auch in seiner Vaterstadt Cilly dem noch immer nicht völlig ausgerotteten Götzendienst entgegenzuarbeiten. Um jene Zeit aber hatte der römische Kaiser Numerian eine grausame Verfolgung gegen die Christen begonnen. Sein Statthalter in Noricum, Evilasius, ein willfähriges Werkzeug des tyrannischen Kaisers, ließ den strengen Befehl ergehen, dass an einem bestimmten Tag bei dem ersten Schall der Posaune alle Einwohner von Cilly ohne Unterschied des Standes im Tempel des Kriegsgottes Mars sich einfinden und opfern sollten. Mit inniger Betrübnis sah Maximilian, dass sogar mehrere Christen aus Menschenfurcht dem Aufruf des Tyrannen Folge leisteten und dem Götzen opferten. Da entbrannte er in gerechtem Zorn, und nachdem er für sich und die Gläubigen Stärke von Gott erfleht hatte, predigte er auf öffentlichem Markt mit würdevollem Freimut gegen die Torheiten des heidnischen Götzendienstes, beschwor die Christen zur Treue und Standhaftigkeit im Glauben und versprach ihnen dafür die Himmelskrone. Evilasius geriet über die Kühnheit des Bischofs in unbändige Wut und ließ ihn von seinen Schergen in den Marstempel führen. Hier drückte Maximilian seinen Abscheu vor den heidnischen Torheiten noch entschiedener aus und warf dem Statthalter seine Ungerechtigkeit und Grausamkeit vor. Da schleppten ihn die Schergen des ergrimmten Evilasius zur Stadt hinaus und schlugen ihm das Haupt ab am 12. Oktober 288.

 

Während der Nacht trugen die Christen den Leichnam auf den gemeinsamen Kirchhof, von wo ihn der heilige Bischof Rupert nach Lorch bringen ließ. Als wegen der häufigen Einfälle der Avaren der Bischofssitz von Lorch nach Passau verlegt wurde, brachte man die Gebeine des heiligen Maximilian nach Passau, wo sie noch heute ruhen und verehrt werden. In Cilly zeigt man noch den Platz, wo des Märtyrers Blut floss, und einen Brunnen, der an seinem Todestag wunderbarerweise dem Erdboden entsprang.

 

Der ehrwürdige Jakob Rem, Ordensmann SJ, Priester, Mystiker,

+ 12.10.1618 – Gedächtnis: 12. Oktober

 

Eine unschuldsvolle, „lichte Seele“, rein und ungetrübt im Glanz der Taufunschuld bis zum Ende, ein kindlich ergebener, gewissenhaft treuer Diener seines Herrn, ein „stiller Heiliger“ war der ehrwürdige Jakob Rem, ein echter Jünger des heiligen Ignatius. Wohl gehören die Jahre seines Erdenwandels schon einer früheren Zeit an, aber wohlbekannt und vertraut und in unserer Zeit neu geliebt und gepflegt sind uns besonders die marianischen Kongregationen, deren sorglichster Hüter und Förderer er zeitlebens gewesen ist. Deshalb soll der Gottselige auch uns wert und vertraut sein!

 

Rems Heimat ist das schöne Bregenz am Bodensee, wo er 1546 das Licht der Welt erblickte. Schon seine Kindheit ist durch Frömmigkeit und Gottesfurcht ausgezeichnet. Seine höhere Bildung erhielt er auf der Hochschule zu Dillingen, wo er den üblichen Studien der alten Sprachen und des griechischen und römischen Altertums sowie der Rhetorik, der Redekunst, oblag. Schon stand er im ersten Kurs der Theologie, als er den Ruf Gottes zur Gesellschaft Jesu in sich verspürte und ihm freudig Folge leistete. Hat ihm der heilige Petrus Canisius den Keim des Berufes ins Herz gesenkt? Wenigstens konnte Rem damals, 1564, den großen deutschen Mann reden hören und bewundern lernen, als er zur Übernahme der Universität Dillingen als Oberer der oberdeutschen Ordensprovinz dorthin gekommen war. Ende August 1566 wurde der Ordenskandidat nach Rom ins Noviziat geschickt. Somit war er einer der ersten, die aus Deutschland in die Gesellschaft Jesu eingetreten sind und ihr Noviziat in der Hauptstadt der Christenheit machen konnten. Gleich an der Schwelle des Ordenslebens hatte Rem eine Prüfung ungewöhnlicher Art zu bestehen. Es ist im Orden Gebrauch, die Neueintretenden einem Novizen anzuvertrauen, dem sogenannten Schutzengel, der sie in die Ordnung und die Gewohnheiten des Hauses einzuführen hat. Jakobs Hüter scheint nun seinen Engelsdienst nicht gerade mit engelgleicher Pünktlichkeit versehen zu haben. Er vergaß, was für einen jungen Menschen, wenn er auch ein noch so idealer, dem Höchsten zugekehrter Ordenspostulant sein mag, doch nicht ganz aus der Tagesordnung tilgbar ist, nämlich den Neuankömmling zu Tisch zu rufen. Ja nicht nur am ersten Tag, auch am zweiten und noch am dritten Tag wurde der schüchterne Deutsche, der sich vermutlich auch in der Landessprache noch nicht sicher ausdrücken konnte, übersehen. Wohl fühlte der junge Student heftigen Hunger. Er konnte auch nicht der Meinung sein, dass ein echter Jesuit, gleich dem göttlichen Meister, zum heilsamen Beginn eine vollständige vierzigtägige Fasten durchmachen müsste. Aber bescheiden und geduldig schwieg er und überließ alles Weitere vertrauensvoll seinem besseren Schutzengel im Himmel, der ihn nicht vergessen würde. Gott der Herr belohnte diese kindliche Bescheidenheit und Selbstbeherrschung in ungewöhnlicher Weise. Seitdem konnte nämlich Jakob Rem die Esslust mit der größten Leichtigkeit beherrschen. Als zweite Gnade aus jenen Jahren war es ihm vergönnt, eine Zeitlang mit dem heiligen Stanislaus unter einem Dach zu wohnen und mit ihm in jeder Tugend zu wetteifern. Überdies genoss der glückliche Novize die Nähe des heiligen Papstes Pius V., des heiligen Ordensgenerals Franz Borgias und wurde abermals durch Ansprachen des heiligen Canisius belehrt.

 

Nach seiner Rückkehr in die deutsche Heimat vollendete Rem seine theologischen Studien in Dillingen und genoss die Erfüllung seiner frommen Jugendsehnsucht, die bischöfliche Handauflegung und Salbung zum Priester zu empfangen. Hierauf wurde er gleich, fast für die ganze übrige Zeit seines langen Lebens, in den Konvikten zu Dillingen und Ingolstadt mit dem Amt der Jugenderziehung als zweiter Vorstand (Subregens) betraut. So groß und schön erschien seinem gläubigen Gemüt und idealen Sinn diese Aufgabe, dass er unablässig seine ganze Kraft dafür einsetzte. Als eines der anziehendsten Mittel hierzu dienten ihm die marianischen Kongregationen, die er bei seinem Aufenthalt in Rom kennen gelernt hatte.

 

Den ersten Versuch machte Pater Rem im Jahr 1575. Die Zug- und Werbekraft der Kongregation war eine derartige, dass schon im folgenden Jahr bei der großen Zunahme der Mitglieder die eine Kongregation in zwei Abteilungen geschieden werden musste. An den Sonntagen und hohen Festtagen der Gottesmutter sammelte der Präses seine Schar um den Altar der seligsten Jungfrau. Hier entströmten seinem Mund und Herzen, feurige, zündende Worte, die nicht verfehlten Abscheu vor der Sünde, Liebe zu Maria und Treue im katholischen Glauben zu wecken. Und schon beschränkte sich die Begeisterung und der fromme Eifer in der Verehrung und Nachfolge Mariens nicht mehr auf Dillingen allein. Allenthalben in den benachbarten Kollegien von München, zu Ingolstadt, Innsbruck, Hall in Tirol, in Luzern und wo immer ein Kolleg errichtet wurde, fand auch der Gedanke der marianischen Kongregationen Widerhall. Mit fünfundzwanzig Mitgliedern hat Pater Rem angefangen. Im Jahr 1727 zählte man in der oberdeutschen Ordensprovinz 30.000 Kongregationen.

 

Gut sterben ist das Notwendigste und Beste, was ein guter Christ lernen muss. Und gut zu sterben wussten die Zöglinge des trefflichen Führers zur Tugend. Johannes de Prato, der Sprössling einer vornehmen Familie aus Trient in Südtirol, war noch kaum einen Tag krank gelegen, als er nach den Sterbesakramenten verlangte. Man erteilte sie ihm. Darauf schlief er ein. Als er wieder erwachte, sagte er zu dem Pater, der an seinem Bett saß, mit schwacher Stimme: „O Pater, was habe ich doch Schönes gesehen!“ Gefragt, was er denn gesehen habe, antwortete Prato: „Ich sah eine wunderschöne Tafel, und auf der Tafel zeigte mir die allerseligste Jungfrau meinen Namen und die Namen der meisten Sodalen mit Gold geschrieben und gab mir die sicherste Hoffnung, dass ich in den Himmel kommen werde. In der sicheren Erwartung des Himmels ekelt mich dieses Leben an.“ So starb der fromme Student.

 

Im Jahr 1584 wurde Pater Rem nach München versetzt, wo er wieder mit der Erziehung der Jugend im Konvikt des heiligen Michael betraut wurde. Der dortigen „lateinischen“ (Studenten-) Kongregation stand als Präfekt der elfjährige Erbprinz Maximilian vor, der im wilden Sturm des Dreißigjährigen Krieges der Retter der heiligen Kirche in Bayern werden sollte. Doch schon nach zwei Jahren wurde Rem nach Ingolstadt gerufen, seinem letzten Bestimmungsort, wo er zweiunddreißig Jahre hindurch als Subregens, Beichtvater und Kongregationspräses eine reichgesegnete Tätigkeit entfaltete. Unter seiner väterlichen Obsorge erblühte hier vor dem Bild Mariens, der „dreimal wunderbaren Mutter“, das eine Nachbildung von Maria der Größeren in Rom und ein Geschenk des heiligen Franz Borgias war, das religiöse Leben der Jugend durch die Verehrung und treue Nachahmung der allerseligsten Jungfrau zu einer hohen Stufe der Vollendung. Die Vereinigung, die durch gegenseitige Aussprache und Aneiferung ein frommes Seelenleben beförderte, erhielt den Namen Colloquium Marianum (marianische Unterredung, Besprechungsstunde). Als Grundbedingung der Angehörigkeit hierzu wurde gefordert, dass nur jene Jünglinge Mitglieder sein können, die frei von schwerer Sünde wären. Ein Mitglied, das das Unglück hätte, in eine Todsünde zu fallen, sollte im gleichen Augenblick vom Colloquium losgetrennt sein. Die Lostrennung sollte so lange Bestand haben, bis die Todsünde durch eine Beicht oder einen Akt der vollkommenen Reue getilgt wäre. Liebe und Verehrung Mariens ist eben ganz unvereinbar mit Sünde.

 

Es war am 5. April 1604. In Betrachtung vertieft erwog Pater Rem die einzelnen Titel der Lauretanischen Litanei. Da überstrahlte seine Seele ein höheres Licht und in dessen Klarheit erkannte er deutlich, dass der Name „Wunderbarliche Mutter“ der seligsten Jungfrau am wohlgefälligsten sei. Diese Anrufung drücke nämlich ein Dreifaches aus. Die Hoheit Mariens, ihre mütterliche Liebe zu den Menschen und das vertrauensvolle Flehen der bedrängten Seele um Hilfe in der Not. Am Abend des darauffolgenden Tages, am 6. April 1604, als eben die Studenten die Lauretanische Litanei sangen, kniete Pater Rem, wie gewohnt, betend in einem Winkel der Kapelle. Da wurde er plötzlich, in kniender Stellung, wie er war, durch übernatürliche Kraft emporgehoben, während sein Geist in Verzückung die seligste Jungfrau in himmlischer Majestät, von blendendem Glanz umflossen, schauen durfte. Nach kurzem Zwischenraum wurde Rem wieder in seine ursprüngliche Stellung versetzt. Eben war der Gesang bei der Anrufung: „Du wunderbare Mutter“ angekommen. Da ging der Gottselige rasch auf den Vorsänger zu und befahl ihm, dieselbe Anrufung ein zweites und drittes Mal zu wiederholen. Selbst von Begeisterung ergriffen, versetzte der Sänger alle Anwesenden durch sein dreimaliges Singen desselben Titels in größte Verwunderung und Begeisterung. Von diesem Vorgang her hat das Gnadenbild, das heute noch in Ingolstadt zu Unserer Lieben Frau verehrt wird, den Namen der dreimal wunderbaren Mutter. Der glückliche Sänger und Zeuge jener merkwürdigen Begebenheit, Baron Siggenhausen, der später Kameralrat in Amberg in der Oberpfalz wurde, erzählte noch als Greis bei einem Besuch der Konviktskapelle in Ingolstadt mit inniger Ergriffenheit, was er als seligste Erinnerung an den geliebten Führer der Jugend in Sinn und Herz bewahrte.

 

Solch außerordentliche Erleuchtungen und merkwürdige Begebenheiten finden sich mehr in des Gottseligen segensreichem Leben. In übernatürlicher Erleuchtung erkannte und schaute der Ehrwürdige nicht selten den Seelenzustand seiner Kongreganisten in den entferntesten Orten, besonders im Augenblick ihres Todes. Auch mit den armen Seelen stand er in fast ununterbrochenem Verkehr. Oft konnten die ihm Nahestehenden hören, wie jene Hilfsbedürftigen sich an den frommen Priester wandten und sich seinem heiligen Opfer empfahlen. Beim heiligen Messopfer war es ja auch besonders, wo sein Herz überströmte von der Glut der Liebe. Tränen entflossen seinen Augen und es erfasste ihn eine solche Rührung, dass er oft nicht mehr weiterlesen konnte. Mehr als einmal sagten auch glaubwürdige Zeugen aus, dass sie den in Gott versenkten Diener des Allerhöchsten bei der Feier der heiligen Messe von der Erde erhoben und frei in der Luft schwebend erblickt hätten. Empfahlen sich Lebende seinem Opfer, so verspürten sie oft wunderbar dessen Wirkung.

 

Ein köstlich Leben, kostbar ob der Fülle der stillen Tugenden und der hohen Gnadenerweise, der reifen Frucht inniger Muttergottesverehrung, neigte sich einem lieblichen Abendrot zu. Am 12. Oktober 1618 schickte der treue Arbeiter im Weinberg des Herrn sich an, seine letzte nimmerendende "Unterredung", sein Colloquium mit Jesus und seiner lieben himmlischen Mutter in einem seligen Hinübergang zu feiern. Seine ehrwürdigen Überreste ruhen nun, nach mehrmaligen Erhebungen, in der Vorhalle des Kirchleins Maria vom Siege in Ingolstadt in einem Altärchen, das ehedem in der Colloquiumskapelle gestanden hat. Sein Lebenswerk aber erreichte in langen Jahrzehnten eine große Blüte. Tausende von Jünglingen aus allen Ständen, nicht zum wenigsten aus dem bayerischen Adel, erwuchsen im Schatten dieses Baumes zu charaktervollen Männern. Die Zeit der Aufklärung in der zweiten Hälfte des achtzehnten Jahrhunderts brachte auch das fromme Werk des Colloquiums wie so manches andere zum Erlöschen.

 

Papst Benedikt XIV. sagt über die Kongregationen: „Es ist unglaublich, welch großer Nutzen Personen aller Stände aus dieser frommen und lobwürdigen Einrichtung erwachsen ist.“

 

Gebet am 12. Oktober

 

Auf dich, meine Gebieterin, habe ich gehofft, ich werde in Ewigkeit nicht zuschanden werden. Auf dich habe ich alle meine Hoffnung gesetzt: ich hoffe deswegen zuversichtlich, dass ich nicht verlorengehen werde, sondern dass ich selig im Himmel die ganze Ewigkeit hindurch dich lieben und loben werde. Amen. 

 

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Maximilian

 

Wir bitten Dich, o Herr, gib uns auf die Fürbitte des heiligen Maximilian guten Willen und Kraft, uns und andere im wahren Glauben zu befestigen, damit Dein Reich immer mehr verbreitet, und die Zahl der Seligen vergrößert werde, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Papst Gregor XIII. hat an diesem Tag im Jahr 1576 die Bruderschaft von Confalon gutgeheißen und mit Ablässen begnadet. Einige römische Patrizier hatten sie im Jahr 1264 errichtet. Und der heilige Bonaventura hat den Mitgliedern vorgeschrieben, die Krone der seligsten Jungfrau täglich zu beten, das ist, fünfmal das Vaterunser und den Englischen Gruß mit beigesetztem Ehre sei dem Vater etc. und wieder siebenmal das Vaterunser und den Englischen Gruß für die Armen Seelen mit dem Zusatz: Herr, gib ihnen die ewige Ruhe etc.

 

Andacht am 12. Oktober:

 

Das Thema im Oktober:

Vertrauen

"Habt Vertrauen." (Markus 6,50)

 

"Wer Gott mit reinem Herzen dient und einzig seine Ehre sucht, der darf immer hoffen, dass, was er für Gott unternommen hat, einen guten Fortgang haben wird. Seine Hoffnung ist um so gegründeter, als die Sache, menschlicher Weise zu urteilen, fehlschlagen muss; weil die Werke, die den Dienst Gottes angehen, über die Urteile der menschlichen Klugheit erhaben sind und von einem höheren Urgrund abhängen." (Der heilige Karl Borromäus)

Dieser heilige Kardinal pflegte bei allen Ergebnissen seine Zuflucht im Gebet zu Gott zu nehmen. Was immer er beginnen wollte oder vollendet hatte, begann oder beschloss er durch das Gebet, und je schwieriger eine Sache war, die er Gottes wegen unternahm, um so inniger betete er. In Fällen, wo schon alles verloren schien, verdoppelte er seine Inbrunst im Gebet und ließ sein Vertrauen durch nichts stören, daher auch segnete der Herr alle seine Unternehmungen. Durch sein Gottvertrauen brachte er, zum Erstaunen aller, Dinge zustande, die geradezu unmöglich schienen. Da er einst jemand von hohem Adel dahin führen wollte, unter allen Umständen auf Gott zu vertrauen, der diejenigen nie verlässt, die auf Ihn hoffen, erzählte er, was vor kurzem sich bei ihm ergeben habe und sprach: "Mein Haushofmeister kam neulich zu mir und erhob einen kläglichen Jammer, weil er kein Geld hätte und nicht wüsste, wie er die notwendigen Ausgaben bestreiten sollte. Er bat mich also dringend, die Almosen und Werke der Frömmigkeit zu beschränken, die Geld erforderten; weil, wenn ich dies nicht täte, mein Ruin fertig wäre. Ich antwortete ihm hierauf nichts anderes, als er sollte auf Gott vertrauen, Er würde ihm gewiss zu Hilfe kommen. Doch diese Worte beruhigten ihn nicht, und er ging ganz verdrießlich fort. Indessen waren kaum zwei Stunden verflossen, so erhielt ich ein Pack Briefe, unter denen auch einer aus Spanien war, der einen bedeutenden Wechsel enthielt. Da ließ ich meinen Haushofmeister in Eile herbeirufen, übergab ihm den Wechsel und sprach: "Da seht, Kleingläubiger! nehmt diese Summe in Empfang, und erkennt, dass der Herr uns nicht verlassen hat." Der Heilige fügte noch bei: "Die Ankunft dieses Wechselbriefes war mir fürwahr ein Wunderzug der göttlichen Vorsehung; denn ob auch diese tausend Taler mir von Rechtswegen gebührten, so hätte ich doch erst zwei Monate später Anspruch darauf machen dürfen. Haben wir also großes Vertrauen auf Gott; kein verwegenes und vermessenes zwar, wohl aber ein kindliches und christliches, das in allem durch christliche Klugheit geordnet sei."

 

Verleihe mir, Herr, dass ich Dir mit reinem Herzen diene und einzig Deine Ehre suche; ich hoffe von Deiner Barmherzigkeit, dass Du in meinen Nöten mir Hilfe senden wirst, denn Du bist ja mein Vater! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 12. Oktober

 

"Nichts soll dich verwirren, meine Seele,

weder deine Freunde,

noch das Glück oder die Trübsale,

weder die Gegenwart noch die Vergangenheit,

noch die Zukunft, weder du selbst, n

och deine Nebenmenschen."

 

sel. Heinrich Seuse OP

1298 bis 25.1.1366

 

Betrachtung am 12. Oktober - Regeln der Nächstenliebe

 

Du liebtest, Herr, uns Sünder bis zum Tod,

Und ließest uns dein heiliges Gebot,

Dass auch wir selbst die Brüder lieben lernen,

Uns nicht von deiner Liebe zu entfernen.

 

1. Lieben sollen wir den Nächsten wie uns selbst. Dies ist ein göttliches Gebot. Sehr empfindlich sind wir gegen unsre geringsten Übel. Lieben wir aber den Nächsten wie uns selbst, so werden wir allerdings auch gefühlvoll für seine geringsten Übel sein, oder vielmehr werden sie uns immer groß erscheinen. So zärtlich auch ist unsere Liebe zu uns selbst, dass wir alle unsere Fehler verbergen, oder sie doch als gering ansehen. Mit diesen Augen aber sollen wir auch die Fehler unserer Brüder und Schwestern betrachten. Können wir sie nicht entschuldigen, so entschuldigen wir wenigstens ihre Absicht, und ist auch dies nicht möglich, so haben wir Mitleid mit ihren Schwächen und schweigen wir. Dies soll unser Verhalten sein. Sieh also, wie fern du von der wahren Nächstenliebe bist.

 

2. Lieben sollen wir den Nächsten, wie wir wollen, dass er uns liebe. Blicke in diesen Spiegel. Möchtest du, dass man dich mit Härte behandelt? Möchtest du, dass man verächtlich mit dir spricht? Möchtest du, dass man mit herrischem Ton dir Befehle erteilt? Möchtest du, dass man dich aus Bosheit verleumdet, dich verspottet, dich lächerlich macht, deine geringsten Fehler übertreibt, deine unschuldigen Handlungen vergiftet, gar keine Nachsicht mit deinen Schwächen hat? Möchtest du nicht vielmehr, dass man gerade umgekehrt gegen dich handelt? Warum denn begegnest du andern nicht selbst, wie du willst, dass man dir begegnet?

 

3. Lieben sollen wir den Nächsten, wie Christus uns geliebt hat. Wie aber liebte uns der Herr? Ohne all unser Verdienst. Was auch hätte er je an uns lieben können? Auch liebte er uns ohne allen Eigennutz. Denn was konnte er von uns armen und elenden Sündern erwarten? Und dennoch liebte er uns so sehr, dass er Gut und Blut, Ruhe, Ehre und Leben für uns hingab. So liebte uns Jesus. Dies ist das Beispiel, dass er uns zur Regel aufstellte. Dies ist sein neues Gebot, an dessen Erfüllung er seine Jünger erkennt. Herr, mit Schmerz bekenne ich, dass ich bisher dein Liebesgebot nicht erfüllte, doch gelobe ich dir, es künftig mit deiner Gnade getreu zu erfüllen. 1. Johannes 3,14b: "Wer nicht liebt, der bleibt im Tod."

 

13. Oktober

 

Der heilige Eduard der Bekenner, König von England,

+ 5.1.1066 - Fest: 5. Januar / 13. Oktober

 

Schwer hatte es während der irdischen Laufbahn der heilige König Eduard. Englands himmlischer Schirmer und Schutzherr, der um das Jahr 1000 lebte. Früh starb der Vater, die Dänen eroberten das Reich, und die Herrscherfamilie kam landflüchtig an den fränkischen Königshof. Wüste Sitten herrschten dort. Dass sich Eduard in dieser Umgebung in aller Lauterkeit erhielt, verdankt er neben dem besonderen Schutz Gottes und dem eigenen herrlichen Willen, dem aller Schmutz ein Ekel war, vornehmlich der innigen Verehrung und Nachahmung des heiligen Apostels und Evangelisten Johannes, des Lieblingsjüngers Jesu. Da sieht man, dass die Heiligen beim lieben Gott doch viel vermögen.

 

Eine Lilie, die weiß und rein am Straßenrand blüht, fällt allen, die vorübergehen, in die Augen, und auch Eduards Lauterkeit blieb im Schmutz des königlichen Hofes nicht unbeachtet, und während ihn die Gutgesinnten achteten und ehrten, wie es sich gebührt, hänselten ihn die anderen, die Dreck am Stecken hatten, und nannten ihn spöttisch den „Engel“. Das war gemein und unschön, aber Eduard fiel auf den Schwindel nicht herein, sondern war Manns genug, den Spott zu ertragen, und blieb, was er war, der edle, lautere junge Mann. Nur ein Schwächling lässt sich durch die Hänseleien zügelloser Jungen und Mädchen beirren, ein Held – nie!

 

Als Eduard volljährig geworden war, drängte man ihn, sich mit Waffengewalt sein angestammtes Reich zurückzuerobern. Da gab der König die wahrhaft königliche Antwort, er wolle keine Herrschaft, die mit Blut erkauft sei. Wenn alle hohen Leute so dächten, hätte es nie einen Krieg gegeben und unübersehbares Elend wäre der Menschheit erspart geblieben.

 

Dann jedoch fügte es sich, dass die Dänen aus England weichen mussten, und Eduard wurde auf den angestammten Thron zurückgerufen und am Ostertag des Jahres 1042 im Alter von dreißig Jahren unter großen Feierlichkeiten zum König gesalbt und gekrönt. Gut fünfundzwanzig Jahre führte er als Friedensfürst in der Nachfolge des Christkönigs, dessen Fest wir bald feiern, das Land, und brachte es zur Wohlfahrt und Ansehen vor allem dadurch, dass er die Ehrfurcht vor Gott im Volk hob. So war seine Regierung die denkbar glücklichste, weil er selbst das Gesetz seines Gottes im Herzen trug.

 

Vor allem ließ König Eduard es sich angelegen sein, wie der Heiland Wohltaten spendend einherzugehen. Unerschöpflich war seine Güte gegen die Armen, und schon zu Lebzeiten blühten Wunder an dem Weg, den er ging. Einmal beispielsweise, so berichtet die Legende, traf der König in den Straßen Londons einen Krüppel, dessen Beine so übel verwachsen waren, dass er sich nur mit Hilfe der Hände wie ein Tier fortbewegen konnte. Auf die Frage des Königs, wie er ihm wohl helfen könne, entgegnete der Krüppel: „Herr, es ist mir der Gedanke gekommen, dass ich sogleich gesund würde, wenn mich der König auf seinen Schultern zur Kirche tragen würde.“ Da hob Eduard den Bettler auf und trug ihn huckepack ins nächste Gotteshaus und setzte ihn vor dem Altar nieder, und da streckten sich die Glieder des Mannes, und in einem einzigen Augenblick war er ein wohlgewachsener Mann, stattlich und groß. Wunderbar ist Gott in seinen Heiligen.

 

Im Jahr 1066 vertauschte König Eduard die irdische Krone mit der himmlischen Krone, die über und über geziert war mit den Diamanten und Edelsteinen seiner Wohltätigkeit und seines heiligen Lebens.

 

Der heilige Koloman / Kolomanus / Kolomann von Schottland,

Pilger und Märtyrer zu Stockerau,

+ 13.10.1012 – Fest: 13. Oktober

 

Der heilige Koloman, ein Schotte von königlichem Geblüt, empfand frühzeitig einen Ekel an der sündigen Welt und verließ heimlich sein Vaterland, den Reichtum und die Annehmlichkeiten des Hoflebens, um fern von seiner Familie ein gottseliges Leben in der Einsamkeit zu leben. Zunächst wollte er die heiligen Stätten sehen, wo Gottes Sohn geboren wurde, wo er sein verborgenes, stilles Leben im armen Haus zu Nazareth führte, wo er lehrte und Wunder wirkte und zu unserer Rettung sein Versöhnerblut vergoss. Dann wollte er sich in einen abgeschiedenen Winkel der Erde zurückziehen und unter Betrachtung und Gebet, unter Abtötungen und Kasteiungen die Himmelskrone erobern.

 

Koloman führte heimlich seinen festen Entschluss aus, setzte über das Meer und pilgerte barfuß, staub- und schweißbedeckt, gestützt auf seinen Stab, durch Holland und Deutschland und kam an der Donau in die Gegend des heutigen Marktfleckens Stockerau. Die Einwohner waren damals mit ihren Nachbarn in Fehde verwickelt, hielten den frommen Pilger für einen Spion und warfen ihn unter vielen Misshandlungen ins Gefängnis. Darauf schlugen sie ihn mit Stöcken blutig und spannten ihn auf die Folter, um Geständnisse von ihm zu erpressen. Er ertrug alle Martern mit himmlischer Geduld, ohne Klagen und Murren. Als seine Peiniger sahen, dass er nicht zu erschüttern sei, hingen sie ihn zugleich mit zwei Straßenräubern an einem Baum auf im Jahr 1012, am 13. Oktober.

 

Da offenbarte Gott durch ein augenfälliges Wunder die Unschuld seines frommen Dieners, Während die Leichname der beiden Missetäter von Raubtieren angefressen und durch die Verwesung ganz entstellt wurden, blieb Kolomans Körper während fünfzehn Monate völlig unversehrt und lebensfrisch. Sogar der dürre Ast, an dem der heilige Leichnam, fing wieder an zu grünen und trieb Zweige und Äste. Jetzt kamen die Einwohner zur Erkenntnis, bereuten ihre Freveltat, bauten eine Kapelle und bestatteten darin den heiligen Fremdling mit großen Ehren. Sogleich offenbarte sich die Heiligkeit des Märtyrers: ein Kranker erhielt auf seine Fürbitte plötzlich die Gesundheit wieder. Als im folgenden Jahr die Donau die ganze Gegend überschwemmte, ragte die Grabstätte des Heiligen unversehrt und im grünen Schmuck aus den Fluten hervor. Dieses außerordentliche Ereignis bewog den Markgrafen Heinrich I. von Österreich, im Jahr 1015 den heiligen Leib zu seiner Residenz Melk bringen zu lassen. Im Sarg fand man en Heiligen ganz unverwest und von Wohlgeruch umgeben. Man baute ihm zu Melk eine prachtvolle Kirche und verehrte ihn als Landespatron von Österreich. Die Bewohner von Stockerau wählten ihn zu ihrem besonderen Schutzpatron und bauten ihm eine Kirche und ein Franziskanerkloster. Sein Fest wird in den Bistümern Passau, Wien und Salzburg gefeiert, und viele Kirchen sind zu seiner Ehre gebaut.

 

Der gottselige Reginbald von Speyer, Bischof,

+ 13.10.1039 – Gedenktag: 13. Oktober

 

Reginbald stammte aus einem adeligen Geschlecht in Schwaben. Einige sagen, er sei ein Graf von Dillingen, somit ein Verwandter des heiligen Ulrich gewesen. Er wurde im Kloster St. Gallen erzogen und trat in den Orden des heiligen Benedikt ein. Schon früh zeichnete er sich ebenso durch wissenschaftliches Streben, wie durch seine Frömmigkeit aus.

 

Im Jahr 1012 verwandelte Bischof Bruno von Augsburg im Einverständnis mit seinem Bruder, Heinrich dem Heiligen, Kollegiatstift St. Afra in ein Benediktinerkloster. Es wurden 12 Mönche vom Tegernsee dahin berufen, und Reginbald musste nach dem Willen des Bischofs im neuen Kloster das Amt eines Abtes übernehmen.

 

Reginbald war das Vorbild für seine ganze Gemeinde und leitete diese mit väterlicher Liebe und himmlischer Weisheit. Im unermüdlichen Streben nach christlicher Vollkommenheit erreichte er in kurzer Zeit eine so hohe Stufe der Heiligkeit, dass ihn alle hoch verehrten und ihm willig gehorchten. Alle bewunderten seine Demut, seinen Gebetseifer, seine nie ermüdende Geduld und Sanftmut. Der Herr hatte seinem treuen Diener eine Macht über die Herzen der Untergebenen verliehen, die in Ruhe und Frieden das das Ungestüme zu bändigen und das Unhandsame zu leiten vermag. Zudem hatte der Selige die Gabe, die Geister zu unterscheiden und einen jeden in der ihm zusagenden Weise auf die rechte Bahn zu führen. So gelang es ihm, das neugegründete Kloster in einen Zustand der freundlichsten Blüte zu erheben, der die segenreichsten Früchte versprach.

 

„Nachdem Reginbald zu Augsburg durch eindringliche Lehre und hinreißendes Beispiel die neue Pflanzschule des heiligen Benedikt zur schönsten Blüte erhoben hatte, wurde er vom Kaiser Heinrich III. auch der Abtei Ebersberg in Oberbayern zum Vorstand gegeben, um bei den dortigen Benediktinern eine erbaulichere Ordnung und bessere Zucht anzupflanzen und zu befestigen. Dieses Werk gelang ihm ebenfalls zum Heil der Brüder und zur Freude der Gläubigen.“

 

„Von Ebersberg erhielt Reginbald den Ruf in die alte Abtei des heiligen Nazarius zu Lorsch, um dort seinen geliebten Ordensbrüdern in Tugend und Weisheit vorzuleuchten und sie mit neuer Begeisterung für ein Gottgefälliges Leben zu erfüllen. Sein Wirken war auch zu Lorsch für das zeitliche und ewige Wohl seiner Brüder mit Segen begleitet. Es hatten daselbst namentlich zwischen den Dienstleuten der Abtei und denen des Bischofs von Worms die größten Feindseligkeiten geherrscht, die zu vielen Mordtaten Veranlassung gaben. Der Kaiser suchte diesem Hader durch scharfe Befehle zu steuern, noch mehr aber Reginbald durch liebevolles Ermahnen und einnehmendes Beispiel. In Lorsch zeichnete er sich durch besonderes Wohlwollen gegen die Armen und Notleidenden aus. Dabei besaß Reginbald noch Mittel genug, die dortige Kirche zu verschönern, den Chor zu erhöhen, den Kreuzaltar mit Gold und Silber zu schmücken und nebenbei den Schatz des Gotteshauses zu vermehren. Er hatte damals auch schon das Kloster Abrinsberg, Heidelberg gegenüber, zur Ehre des heiligen Erzengels Michael hergerichtet, es zu einer freundlichen Wohnung der Brüder erhoben und ausgestattet, wie auch die dortige Kirche mit dem nötigen Gerät und Schmuck versehen. Als Abt von Lorsch wohnte Reginbald 1022 der Synode zu Seligenstadt bei, sowie er auch auf jener zu Frankfurt 1027 anwesend war, auf der der Bruder des Kaisers, Gebehard, sein Wehrgehänge ablegen und sein Haupthaar sich scheren lassen musste.“

 

„Einem Mann von so ausgezeichnetem Geschick und Eifer konnte so wenig die hohe Verehrung der Geistlichkeit und des Volkes rings umher im Land, als die besondere Aufmerksamkeit des Herrschers im Reich fehlen. Ihm, dem hochverehrten Abt zu Lorsch und Augsburg überreichte darum Kaiser Konrad den Ring und Stab des oberhirtlichen Sitzes zu Speyer, dass er die dortige Herde in seiner himmlischen Weisheit leiten und die wichtigen Bauten zu Speyer und Limburg in seiner Klugheit und Energie fördern möchte. Reginbald erhielt zur Zufriedenheit der Speyerer Geistlichen und Gläubigen die oberhirtliche Weihe und entsprach vollkommen dem auf seine ungeheuchelte Frömmigkeit und tiefe Einsicht gesetzten Vertrauen. Unermüdlich oblag er seiner Hirtenpflicht. Durch persönlichen Eifer erhob er die würdevolle Feier des Gottesdienstes. Dabei versäumte er nicht, selbst durch Wort und Tat den Samen des Evangeliums in die Herzen seiner Pflichtempfohlenen auszustreuen und dessen Wachstum zu pflegen, zu unterstützen und seiner Herde durch jegliche Tugend vorzuleuchten.“

 

„So wurde Speyer durch das Tugendbeispiel seines Oberhirten eine Schule der Frömmigkeit, und durch den Baueifer des Kaisers ein Sammelplatz vieler Handwerker und Künstler. Aus der Weite und Breite einten sich Schüler, beim neuerstehenden Dom der geistlichen und weltlichen Wissenschaft zu obliegen. Die großartigen Bauten schritten allmählich voran. Im Jahr 1033 weihte Reginbald die St. Peterskapelle zu Weissenburg feierlich ein. Auf Limburg erhoben sich die stillen Zellen der Mönche, und längs dem östlichen Abhang des steilen Hügels die großartige Abteikirche, langsamer erstieg der neue Dom zu Speyer ob des Baues erhabener Größe.“

 

Nachdem der Bau schon ziemlich vorangeschritten war, weihte Bischof Reginbald die Gruft unter dem Kreuzchor und vielleicht auch einen Teil des übrigen Baues feierlich ein. Dem neuen Münster schenkte der Bischof eine großartige Krone von vergoldetem Kupfer, die zum ewigen Licht dienend in der Mitte des Hauptchores aufgehängt wurde.

 

Am 4. Juni 1039 verschied Kaiser Konrad, der treue Verehrer und Gönner des ehrwürdigen Bischofs. Dieser überlebte den Kaiser nur wenige Monate. Ein Muster eifrigster Berufstreue und aufrichtigster Gottergebenheit während seiner ganzen Lebens, blickte er dem Tod ruhig entgegen. Am 13. Oktober 1039 schied sein seliger Geist aus der verweslichen Hülle. Diese wurde in dem noch unvollendeten Dom beigesetzt. Bei seinem Grab geschahen viele Wunder an Kranken und Presthaften, die den Seligen um seine Fürbitte angefleht hatten. Desungeachtet wurde er von der Kirche nicht als Heiliger erklärt, weshalb er auch nicht unter der Zahl derjenigen erscheint, die im Speyerer Bistum besonders verehrt werden. Das Martyrologium der Benediktiner führt ihn als „gottseligen Bischof“ auf.

 

Der gottselige Bruder Petrus der Ägypter,

erster General des Ordens der Barmherzigen Brüder in Spanien,

+ 13.10.1630 – Gedächtnis: 13. Oktober

 

Petrus, der Sohn des Johann Manuel und der Maria Padilla, wurde in Vegel bei Cadix im Jahr 1568 geboren und kam mit drei Jahren zur Erziehung nach Xeres. Als Knabe schon fühlte er sich sehr hingezogen zu dem überaus liebenswürdigen Vorsteher des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder, dem heiligen Johannes Grande. Hatte er ja immer so viel Wunderbares von ihm erzählen hören, da ihn alle als einen Heiligen verehrten. Der kleine Petrus suchte jede Gelegenheit auf, dem heiligen Johannes zu begegnen, ihm die Hände zu küssen und seinem Unterricht mit anderen Kindern beizuwohnen.

 

Petrus vollendete sein neunzehntes Jahr, als er mit Genehmigung seines Beichtvaters und dem Segen seiner Eltern sich dem heiligen Johannes zu Füßen warf und ihn um das Ordenskleid und um Aufnahme in seine Genossenschaft gebeten hatte. Groß war darüber die Freude des heiligen Johannes. Er versammelte alle Ordensbrüder, um ihre Zustimmung zur Aufnahme des Jünglings einzuholen. Diese setzten aber Zweifel in die Tauglichkeit des neuen Postulanten und wollten ihm die Aufnahme nicht gewähren. Allein der Heilige, von Gott erleuchtet, sagte zu ihnen: „Ach, Brüder, dieser muss aufgenommen werden, denn ihr wisst nicht, welch ein großer Diener Gottes aus ihm werden wird.“ Die Brüder respektierten nun den Ausspruch ihres Vaters und Petrus wurde aufgenommen. Bald rechtfertigte der neue Bruder die Weissagung des heiligen Johannes. Denn so pünktlich vollzog er jeden seiner Dienste, dass auch seine Gegner ihn lieb gewannen. Ja diese bewunderten ihn geradezu wegen seines außerordentlichen Gebetsgeistes und wegen der inneren Sammlung, die er mit all seinen Verrichtungen zu vereinigen wusste, so dass sich die Küche für ihn in ein Oratorium verwandelte und er in den Kranken und Brüdern nur seinen Jesus verehrte.

 

Ungeachtet der Versuche und Einflüsterungen einiger seiner früheren Freunde in der Welt, die den jungen Novizen von dem erwählten Beruf wieder abwendig machen wollten, blieb Petrus seinem Vorhaben treu und bat den heiligen Johannes Grande mit heiliger Beharrlichkeit um die Gnade der Zulassung zur Ablegung der Ordensgelübde. Sehr gerne gaben ihm jetzt alle Brüder ihre Stimme, ja sie verwendeten sich noch überdies für ihn, dass sein Wunsch Erhörung finde. Mit größter Freude nahm ihm Johannes selbst am Fest Mariä Himmelfahrt 1588 die vier Ordensgelübde ab und gab ihm, weil er ein so großer Verehrer und Nachahmer des strengen Lebens und der inneren Sammlung der heiligen Büßerin Maria von Ägypten war, den Beinamen „der Ägypter“. Voll Jubel und Dank gegen Gottes liebevolle Vorsehung, die ihm in Petrus dem Ägypter einen so ausgezeichneten Mitarbeiter zu seinen Kranken sendete, betreute Johannes den neuen Religiosen mit seiner besonderen Vorliebe und schenkte ihm sein volles Vertrauen. Die Freundschaft, die in der Folge die beiden heiligen Männer verband, dauerte über das Grab hinaus.

 

Als Bruder Petrus mit dem Kardinal Melino zu Schiff nach Rom reiste, erhob sich im Golf von Lyon ein so furchtbarer Sturm, dass alle Reisenden sich verloren glaubten. Da empfahl der Ägypter sich, den Kardinal und alle Mitreisenden der Fürbitte des noch nicht lange verstorbenen heiligen Johannes Grande. Kaum hatte Bruder Petrus aufgehört zu beten, als man vom Gipfel des Mastbaumes her ein großes Licht wahrnahm, in dessen Mitte von allen Reisenden, besonders aber vom Kardinal und dem Ägypter selber der heilige Johannes Grande bemerkt wurde. Im gleichen Augenblick wurde das Meer ruhig und der Himmel heiter. Niemand kann dies nachempfinden, der sich nicht in gleicher Gefahr befand. Es ist überflüssig zu beschreiben, welche innigen Danksagungen alle geretteten, den beiden durch heilige Freundschaft verbundenen Seelen dem heiligen Johannes im Himmel und seinem treuen Verehrer, dem Bruder Petrus, darbrachten. Denn seinem Verdienst schrieben alle die wunderbare Rettung zu, wie Kardinal Melino wiederholt bezeugte.

 

Nach dem Tod des heiligen Johannes Grande am 3. Juni 1600 wurde Bruder Ferdinand der „Unwürdige“, ein durchaus würdiger und heiligmäßiger Religiose, der auch im Ruf der Heiligkeit starb, zum Prior gewählt. Dieser ernannte den Bruder Petrus zum obersten Krankenwärter des Spitales. Mit solchem Eifer oblag nun Bruder Petrus diesem Amt, dass er sich bei Tag und Nacht nicht von seinen Kranken trennen konnte. Seine Liebe zu den Kranken belohnte ihm Gott mit der Gabe wunderbarer Krankenheilung. Mit dem Öl der Lampe, die vor dem allerheiligsten Sakrament brannte, heilte er alle Kranken, die in seine Behandlung kamen. Die Ärzte selbst legten davon Zeugnis ab, als Bruder Petrus einmal aus Gehorsam von Xeres abwesend war, daselbst aber eine Seuche wütete, die so viele Kranke dem Spital zuführte, dass man sich wegen der großen Sterblichkeit nicht mehr zu raten wusste. Einstimmig baten die Ärzte den Prior, er möge doch alsbald den Ägypter zurückkommen lassen, weil sonst jedes weitere Vorgehen vergeblich sei. Bruder Petrus kam und heilte in sehr wenigen Tagen siebzig Kranke von den hundert, die er vorfand. Auf dies Ereignis hin entstand in Xeres und in der Comarca eine ungewöhnliche Bewegung. Alles war voll Bewunderung für Bruder Petrus den Ägypter. Von da an nahm alles zu ihm seine Zuflucht und suchte durch den Prior und andere angesehene Personen einen Besuch von ihm zu erlangen. Zunächst wurde er nur nach Granada geschickt, um zwei zum Tod verurteilte junge Leute vom Galgen zu befreien. Dann sendete man ihn zu der schon mit dem Tod ringenden Herzogin von Sessa, die er durch Auflegung eines kleinen Kreuzleins augenblicklich gesund machte. Um der im Spital zu Granada seinetwegen zusammengelaufenen Volksmenge zu entgehen, kehrte er heimlich nach Xeres zurück. Allein auf Drängen des Alkalden (Gemeindevorstehers) von Granada musste er wieder dorthin und heilte ihm einen Verwandten wie gewöhnlich mit dem genannten Öl.

 

Der Ruf des Bruders Petrus drang auch zum königlichen Hof. Auf Befehl seines Prior gezwungen, nach dem Wunsch der Königin am Hof zu erscheinen, erfreute er die Regentin gleich bei seinem Eintritt mit der Vorhersage des so sehr erwünschten Leibes- und Thronerben. Er wurde ihr am 8. April 1605 geboren und regierte später als Philipp IV.

 

Nach dem inzwischen eingetretenen Tod des Bruders Ferdinand, seines Obern, wurde Petrus einstimmig zum Prior gewählt. Seine Ankunft in Xeres war ein allgemeines öffentliches Fest. Man glaubte, ein Engel sei in seiner Person erschienen. Kurz nur sollte die Freude sein! Die Königin wollte den Ägypter wieder am Hof haben. Dies sollte dem Orden in Spanien zum größten Nutzen gereichen.

 

Das hohe Ansehen, dessen sich Bruder Petrus bei den Majestäten erfreute, nicht minder der Ruf seiner Tugenden und Wunder öffneten ihm bei seiner Sendung nach Rom am päpstlichen Hof alle Türen und Herzen. Als nämlich der erste General des Gesamtordens, der gottselige Bruder Petrus Sorianus, gestorben war, entstand in Spanien bei den Brüdern der Wunsch, für sich einen eigenen Generalobern zu erhalten. Dieser Wunsch fand volle Unterstützung im Staatsrat. Auf Grund der hohen und höchsten Empfehlungen aus Spanien und in Hinsicht auf die besonderen Verdienste und außerordentlichen Gaben, die man in Rom selber an dem Ägypter wahrgenommen hatte, erlangte er dort die Erfüllung aller Wünsche, nämlich ein apostolisches Breve mit dem Recht, ein Ordenskapitel in Spanien einzuberufen und einen eigenen General wählen zu lassen. Dieses Kapitel fand statt am 7. Oktober 1608. Sämtliche Stimmberechtigte wählten den Bruder Petrus den Ägypter zum ersten General der spanischen Kongregation, zu der außer den Klöstern Spaniens auch die von Portugal und Amerika gehörten. Diese Wahl wurde vom königlichen Hof mit Freude begrüßt. Jetzt war Bruder Petrus in Madrid festgehalten. Den von Gott erbetenen Prinzen heilte er in der Folge zweimal in gefährlicher Krankheit, so dass die Königin sagte, dass sie ihren lieben Sohn und Thronfolger zum dritten Mal ihm verdanke. Die Majestäten drangen in den Ägypter, die Würde eines Patriarchen von Indien und die eben erledigte Stelle eines königlichen Almoseniers anzunehmen. Dazu war Petrus nicht zu überreden. Wie groß erscheint in dieser Weigerung der Ägypter! Viel größer in seiner Demut als seine Nachfolger in dem Titel „Grande (= hoher Adeliger) von Spanien“!

 

In Ausübung seines Amtes fand Petrus auch genug Schwierigkeiten, zu deren restloser Lösung er noch zweimal nach Rom reisen musste. Als Papst Paul V. zum dritten Mal den Orden als solchen bestätigt hatte, legte Bruder Petrus in Rom am 20. August 1611 in Gegenwart des spanischen Gesandten und vieler Kardinäle in die Hände des Heiligen Vaters selbst nochmals die heiligen Ordensgelübde ab und kehrte dann, bereichert mit Gunstbezeigungen, Privilegien, Ablässen und Reliquien in seine Heimat zurück. Hier traf er die Königin nicht mehr am Leben. Als später, 1621, König Philipp III. zum Sterben kam, wollte er den lieben Ägypter in seinen letzten Stunden bei sich haben. Dieser stand ihm mit zärtlicher Liebe bis zum Ende bei.

 

Im Jahr 1614 vom Heiligen Vater auf weitere sechs Jahre als General bestätigt, ließ Bruder Petrus nach Ablauf derselben im Jahr 1620, trotz aller Bemühungen des Hofes, sich nicht mehr dazu bewegen, dieses höchste Ordensamt aufs Neue auf seine Schultern zu nehmen. Er erbat sich die Gunst, nach seinem lieben Xeres ziehen zu dürfen. Allein es siegten die Bitten der Majestäten, die seiner nicht entbehren zu können glaubten, und so lebte der gottselige Exgeneral noch ein Jahrzehnt in Madrid unter den eifrigsten Übungen der Buße und Nächstenliebe, dem Orden und dem Königshaus die größten Dienste erweisend, bis zum 13. Oktober 1630, an welchem Tag er nach Empfang der heiligen Sterbesakramente selig im Herrn entschlief. Er wurde großartig wie ein Prinz begraben und ruht seit 1693 in einem prachtvollen Mausoleum. Der Hof, die Granden, Klerus und Stadt wendeten sich an den apostolischen Stuhl, damit Bruder Petrus wegen seiner Tugenden und Wundertaten heiliggesprochen werde. Allein die späteren Zeitverhältnisse sowie der Mangel an Mitteln, die kaum hinreichten, die Heiligsprechungsprozesse des heiligen Johannes von Gott und des heiligen Johannes Grande weiterzuführen, machten, dass diese Anträge sowie die für viele andere gottselige Religiosen dieses Ordens gänzlich in Vergessenheit kamen. Mögen diese Zeilen den heiligmäßigen Helden christlicher Liebe der Vergessenheit wieder entreißen, wie es seine so demütige und darum so sehr gesegnete Wirksamkeit verdient. Hauptzeugen seiner gesegneten Liebestätigkeit waren die unter seinem Generalrat auf fünfzig angewachsenen Konventspitäler mit ihren 600 Religiosen.

 

Mögen die stillen Tugenden des hervorragenden Ordensmannes seine vielen Mühen im Dienst des Ordens und der Kranken, seine Leiden und Verfolgungen, die ihn auch das Gefängnis kosten ließen, uns ein Verlangen einflößen nach einer rechten Gebetsinnigkeit und innerem Wandel vor Gott, wodurch auch wir zu heldenmütigen Entschlüssen und Taten befähigt würden. Denn im inneren Wandel, im „Stillsein und in der Hoffnung liegt unsere Stärke“. (Jes 30,15)

 

Gebet am 13. Oktober

 

Meine liebste Königin! Du hast, obgleich du unschuldig warst, mit großer Geduld gelitten. Und ich, der ich die Hölle verdient habe, ich sollte nicht leiden wollen! Ich bitte dich heute, meine liebe Mutter, um die Gnade, nicht etwa vom Kreuz befreit zu werden, nein, ich bitte dich um die Gnade, dass ich es mit Geduld trage. Aus Liebe zu Jesus verleihe mir diese Gnade, die ich voll Vertrauen durch deinen Vermittlung erlangen möchte. Amen. 

 

Zu Gott

 

Durchdringe uns, o Herr, vom Geist des Christentums, und wir werden dann mutig die stets in uns sich erhebenden Leidenschaften bezwingen, und nach erkämpften Siegen durch Deine unendlichen Verdienste in den Hafen der glückseligen Ewigkeit eingehen. Amen.

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Im Stand der vollkommenen Reinheit, in dem der heilige König Eduard im Ehestand und in einem prächtigen Hof lebte, hatte er eine besondere Andacht zur jungfräulichen Mutter, der Königin der Jungfrauen, um durch ihre Fürbitte die bei diesen Umständen so nötige Gnade Gottes zu erhalten.

 

Andacht am 13. Oktober:

 

Das Thema im Oktober:

Vertrauen

"Habt Vertrauen." (Markus 6,50)

 

"Besonders sollen wir in dringender Not zeigen, dass wir wahrhaft auf Gott vertrauen. Glaubt mir: Mehr richten drei Arbeiter an einem Tag aus, wenn Gott dabei hilft, als sonst zehn ausrichten würden. Er hilft aber immer dabei, wenn Er uns menschliche Mittel nimmt und uns in die Notwendigkeit versetzt, Dinge zu tun, die unsere Kräfte übersteigen." (Der heilige Vinzenz von Paul)

Als einst der Schaffner des Hauses diesem Heiligen hinterbrachte, er habe keinen Heller mehr, weder die gewöhnlichen noch die außerordentlichen Ausgaben zu bestreiten, die wegen denen notwendig wären, die gerade die heiligen Weihen empfangen sollten, antwortete er mit ruhigem Herzen und heiterem Angesicht, voll des Vertrauens auf den Herrn: "Ach, was für eine köstliche Neuigkeit bringen Sie uns da! Gott sei gepriesen! Nun ist es Zeit zu zeigen, dass wir auf seine Güte vertrauen; die Schätze seiner Vorsehung sind unendlich: unser Misstrauen würde Ihn entehren."

Der heilige Gregor der Große erzählte vom seligen Sanctulus, der eine Kirche erneuern ließ, die dem heiligen Laurentius geweiht war, er sei in eine solche Not geraten, dass er keine Lebensmittel mehr hatte, die Arbeiter zu ernähren. Da er nun zu den Backöfen ging, die in der Nähe waren, fand er in einem von ihnen ein Brot. Nachdem er aber fleißig nachgefragt hatte, wem dieses Brot gehört, und niemand sich meldete, teilte er es unter die Arbeiter aus, und der heilige Papst fügt hinzu, dieses Brot habe unter seinen Händen sich so vermehrt, dass es hinreichte, diese Arbeiter zehn Tage zu sättigen.

 

Mein Gott, nicht um Reichtum, nur um so viel bitte ich Dich, als Du mir als notwendig erkennst; denn Du bist mein Vater, ein unendlich reicher Vater, und ich bin Dein Kind! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 13. Oktober

 

"Die Tugend geht auf steilen und rauen Wegen

und wenn die Kraft der Gnaden ihr nicht allezeit zu Seiten steht,

um sie zu unterstützen, unterliegt sie unfehlbar."

 

hl. Ludwig von Granada OP

1504 bis 31.12.1588

 

Betrachtung am 13. Oktober - Jesus, Gottes und Davids Sohn

 

Es zeigten, Herr, die Seher dich in Klarheit,

Du aber führtest selbst zum Sieg die Wahrheit;

Die Feinde deines Reiches sind vernichtet,

Und ewig steht dein Herrscherthron errichtet.

 

1. Viele verfängliche Fragen hatten die Pharisäer dem Herrn über verschiedene Gegenstände gestellt, er aber hatte sie mit einer Weisheit gelöst, dass sie, ob auch seine größten Feinde, darüber erstaunten. Hierauf aber stellte er selbst eine Frage an sie, und sprach: "Was wisst ihr von Christus? Wessen Sohn ist er?" Sie antworteten: "Davids!" Darüber waren alle einig. Allein David, der ihn seinen Sohn genannt hatte, nannte ihn auch, und zwar im Heiligen Geist, seinen Herrn. Wie also war er Davids Sohn, und zugleich sein Herr? Diese Frage wusste die Synagoge nicht zu lösen. Wir aber kennen diese Lösung. Beten wir Jesus in heiliger Freude an, der unsere Natur in die Einheit seiner Gottheit aufnahm.

 

2. Oft hatte Jesus sich den Sohn Gottes genannt, und immer waren die Juden darüber wütend, wenn er auch seine Gottheit durch allmächtige Wunder bewies. Ja sie hatten nach seinem Ausspruch: "Ich und der Vater sind eins." Steine aufgehoben, und ihm ins Gesicht gesagt: "Wir steinigen dich um der Gotteslästerung willen, weil du dich selbst zu Gott machst, da du doch ein Mensch bist!" (Johannes 10,22-39) Durch die Anführung des 110. Psalms, worin, wie sie selbst bekannten, David im Heiligen Geist gesprochen hatte, bewies ihnen Jesus, dass die Person des Heiligen Geistes nicht gegen die Einheit Gottes streite, und dass also auch seine Sohnschaft dieser göttlichen Einheit nicht widerspreche. Aber ihre Blindheit war unheilbar. 

 

3. Der göttliche Erlöser führte diesen Psalm an, der ihnen sehr geläufig war, sie zum Nachdenken über seinen Inhalt zu wecken, und ihnen die Augen zu öffnen. Denn ausgesprochen war in diesem Psalm, dass Gott selbst den Messias aus seiner Wesenheit erzeugt hatte, dass er ein ewiger Hoherpriester nach der Ordnung Melchisedechs sei, dass er das Zepter seiner Herrschaft von Sion aussenden, zur Rechten Gottes sitzen, und zugleich mitten unter ihnen, seinen Feinden, herrschen und sie zerschmettern würde. Wie wunderbar wurde diese Weissagung erfüllt, die so lange vor der zeitlichen Geburt des Messias in den Büchern der Juden aufgezeichnet stand. Offenbarung 19,16: "Er ist der König der Könige, und der Herr der Herrscher."

 

14. Oktober

 

Der heilige Burkard, Bischof zu Würzburg, im 8. Jahrhundert,

+ 2.2.752 - Fest: 2. Februar / 14. Oktober

 

Burkard verdankte sein zeitliches Leben und seine gute Erziehung frommen Eltern aus dem Adelsstand in England, Gott aber ein kindlich frommes Gemüt. Schon als Kind fand er keine Freude an den Kinderspielen, sondern am Beten und am Besuch der Gottesdienste. Unverdrossen erlernte er, was mit der Zeit ihm zu seinem Seelenheil und Beförderung der Ehre Gottes dienen konnte. An zeitlichen Dingen hatte er kaum ein Interesse. Seinen Leib versuchte er durch Enthaltsamkeit als Tempel des heiligen Geistes zu bewahren und mit Tugenden auszuschmücken. Er hatte ein immer größeres Verlangen, mit ungeteiltem Herzen Gott zu dienen. Etwa zu dieser Zeit suchte der heilige Bonifatius, der Apostel Deutschlands, tüchtige Arbeiter für seine große Mission und lud den heiligen Lullus und den heiligen Burkard zu diesem apostolischen Werk ein. Beide folgten dem Ruf und legten mit der Zeit die schönsten Proben ihrer Heiligkeit und ihres Religionseifers ab. Einige sagen, Bonifatius habe den Burkard mit sich nach Rom zum Papst Zacharias geführt und dort zum Bischof von Würzburg weihen lassen. Einige andere sind der Meinung, Bonifatius habe ihn konsekriert und nach Würzburg geschickt, obschon dadurch die Demut des Heiligen sehr gekränkt wurde. Würzburg zählte damals schon viele Gläubige seit der Zeit des heiligen Kilian und seiner Gehilfen. Burkard wurde von ihnen mit Freude im Herrn aufgenommen. In diesem Amt war der treue Oberhirt das Licht zur Erleuchtung der noch übrigen Heiden und der treue Haushalter der göttlichen Geheimnisse für die Gläubigen, indem er mit Nachdruck sowohl auf den heiligen Glauben, als auf die Erfüllung der Glaubensvorschriften drang, weil ohne beides die Erbarmung Gottes fruchtlos, ja nur zu größerer Verdammung sein würde. Seine Predigt wurde durch seinen Lebenswandel bestätigt und sein Hirtenamt durch sein eifriges Gebet von Gottes Geist gesegnet. An ihm sah man die christliche Sanftmut gegenüber jedermann, Geduld bei den Lästerungen böser Zungen, Mitleid gegenüber Armen und Betrübten, große Abtötung seiner selbst, Demut im ganzen Lebenswandel und bei der Hauseinrichtung, Gebets- und Seeleneifer, so dass sein geistliches Ansehen bei Großen und Kleinen vieles vermochte, wodurch die Ehre Gottes befördert wurde, weil der Heilige alles nur aus der Liebe zu Gott tat. Durch seine große Verehrung Gottes erhob Pipin die Bischöfe von Würzburg zu Grafen des Landes.

 

Um der Religion Kraft und Würde zu geben und die Gläubigen zur Dankbarkeit und Andacht zu ihren ersten Glaubensboten zu bewegen, fasste Burkard nach zwei Jahren seines Hirtenamtes den frommen Entschluss, die heiligen Leiber des heiligen Kilian und seiner Gehilfen zu erheben und der öffentlichen Verehrung auszusetzen. Für den guten Ausgang seines Vorhabens verordnete er einen Tag des Gebetes und des Fastens. Dann ging er mit der Geistlichkeit und dem Volk an den Ort, wo man glaubte das Heiligtum zu finden. Dort stach der erste in die Erde. Andere Arbeiter gruben die Erde aus und das Heiligtum wurde gefunden, das sich durch Wohlgeruch und Heilung vieler Pestkranken bei und nach der Entdeckung bewährte. Auf ihren Gräbern wurde eine Kirche erbaut und von nun an wurden diese Märtyrer öffentlich verehrt. Burkard stiftete auch mehrere religiöse Institute für Frauen und Männer. Seine Hirtentreue war von Gott so gesegnet, dass die ganze Umgegend zu Jesus Christus bekehrt wurde. Indessen nahmen bei seiner zehnjährigen Amtsführung seine Kräfte zusehends ab und er sehnte sich danach, die letzten Lebenstage enthoben von der Hirtenlast in stiller Ruhe zu verleben und sich zum Tod zu bereiten. Mit Bewilligung des heiligen Lullus (Bonifatius predigte damals in Friesland) und Pipins weihte er den zum Nachfolger bestimmten Megingaud oder Megingoz, einen Jünger des heiligen Wigbert, zum Bischof und übergab ihm den Hirtenstab. Darauf zog er nach Hohenbrug, einem einsamen Ort des Bistums, nahm den Büchervorrat mit sich, und verlebte dort mit sechs Mönchen oder Priestern, die den frommen Eifer mit ihm teilten, den Rest seiner Tage im Wachen, Fasten und Beten. Er starb am 9. Oktober 752, wurde neben dem heiligen Kilian auf dem Marienberg begraben, wo er unter Anrufung des heiligen Andreas ein Kloster gebaut hatte. Hugo, Bischof zu Würzburg, erhob mit Erlaubnis und auf Befehl Papst Benedikts VII. die Gebeine des Heiligen im Jahr 983 am 14. Oktober, weshalb sein Andenken um diese Zeit gehalten wird. Die Ehre des Heiligen vor Gott wurde bekannt durch viele Wunderwerke.

 

Der heilige Kallistus, Papst und Martyrer von Rom,

+ 14.10.222 - Fest: 14. Oktober

 

Der heilige Papst Kallistus regierte die Kirche Gottes von 217 bis 222. Er ist als ein guter Hirte und als ein wahres Spiegelbild Jesu Christi in die Geschichte eingegangen. Er beachtete besonders das Wort im Neuen Testament, dass die Hirten der Kirche Mitleid haben müssen mit den Unwissenden und Irrenden.

 

Sein Lebenslauf und Aufstieg zur höchsten Würde, die es auf der Erde gibt, sind von ungewöhnlicher Art. Damals war die Sklaverei noch üblich, und Kallistus ist als Sklave geboren worden und blieb auch Sklave bis ins hohe Alter. Für ihn sollte es sogar noch schlimmer kommen, denn wegen einer geringfügigen Verfehlung wurde er zu harter Zwangsarbeit in den Bergwerken auf der Insel Sardinien verurteilt. Dort verbrachte er lange Zeit bei wenig Essen und unter den ständigen Peitschenhieben unbarmherziger Wachtmeister. Es war ein schlimmes Los, und manch einer ist in einer solchen Lage schon zugrunde gegangen. Kallistus hingegen hat sich mit dem schweren Geschick, das ihn als Fügung Gottes traf, in christlicher Geduld abgefunden. Er hat sogar durch die Not am eigenen Leib zu der Güte gefunden, die seine spätere Leitung der Kirche kennzeichnet.

 

Durch einen Gnadenakt des römischen Kaisers erhielt Kallistus die Freiheit und kehrte nach Rom zurück, wo er sich ganz dem Dienst Gottes weihte und von Papst Zephyrinus zum Diakon der römischen Kirche geweiht wurde mit dem Auftrag, die Martyrergräber in den Katakomben zu pflegen. Das tat Kallistus mit Freude und Geschick, und weil damals die Christen gerade einmal nicht verfolgt wurden, hatte er die Ruhe, um die weitzerstreuten Überreste der Heiligen in einer der größten Räume des unterirdischen Roms zu überführen und ehrenvoll beizusetzen. Dieser Raum trägt heute noch den Namen Kallistuskatakombe.

 

So erinnert uns der Heilige an den Allerseelentag im November, an dem wir nach altem christlichem Brauch die Gräber der verstorbenen Verwandten und Freunde schmücken.

 

Nach dem Tod des Papstes Zephyrinus stieg Kallistus zum Bischof von Rom und damit zum Stellvertreter Christi auf Erden empor. Ein ehemaliger Sklave wurde Papst. So etwas ist wohl nur in der Kirche möglich, in der nicht der Adel des Blutes und die Herkunft zählen, sondern viel mehr die Haltung des Herzens und der Seele.

 

Zu der Zeit, als Kallistus Papst war, konnte sich das Christentum ziemlich frei entfalten. Dafür jedoch hatte es der Heilige mit einer gefährlichen Irrlehre zu tun. Einige überstrenge Christen verlangten in unbarmherziger Weise, dass viele, die gegen die Gebote verstoßen hatten, für immer aus der Gemeinschaft der Gläubigen ausgeschlossen blieben. Sie hatten offenbar keine Ahnung vom eigentlichen Wesen des Christentums, das doch die Liebe ist. Es war eine unchristliche Härte und in dieser Strenge lag natürlich ein großer Hochmut. Gegen diese unchristlichen Christen ist Papst Kallistus aufgetreten. Er hat kraft seiner Vollmacht feierlich bestimmt, erklärt, angeordnet und befohlen, dass alle Sünder ohne Ausnahme, wenn sie ihre Sünden bereuten, bekannten und büßten, in den Frieden Christi und der heiligen Kirche wieder aufgenommen werden sollten.

 

Das hat der heilige Papst Kallistus ganz sicher richtig getan, denn Jesus Christus ist doch nicht gekommen, um die Sünder zu vernichten, sondern um sie zu retten. Papst Kallistus war also wirklich ein guter Hirte und ein wahres Spiegelbild Jesu Christi, der keinen Menschen abwies, der voll Reue zu ihm kam. Wer ein neues Leben im Glauben beginnt, der soll auch mit ihm ewig beim Vater im Himmel leben.

 

Bruder Johann Baptist vom heiligen Sakrament

Gedenktage und Lebensskizzen hervorragender

Mitglieder des Karmelitenordens

 

Am 14. Oktober 1849 verschied auf dem Berg Karmel ein schlichter Laienbruder, der dem Orden vorzügliche dienste geleistet hatte. Es ist der lobwürdige Bruder Johann Baptist vom heiligen Sakrament, Karl Cassini, geboren im Jahr 1777 zu Frascati bei Rom. Von Jugend an für das Baufach begeistert, widmete er sich diesem auch, als es galt, sich für ein Handwerk zu entscheiden. Der Herr ließ es zu, um ihn so auf seine spätere, große Aufgabe vorzubereiten. Nachdem er in den Orden getreten war, bedienten sich nämlich die Oberen seiner zur Restaurierung der im Sturm der Revolution zum Teil stark beschädigten Konvente. Auch der Wiederaufbau des in den Jahren 1775 - 1821 von den Türken wiederholt geplünderten und schließlich vollständig zerstörten Klosters auf dem Berge Karmel wurde ihm aufgetragen. Eine schwere Aufgabe, da es an allen Mitteln fehlte und hier so viele notwendig waren. Um doch beginnen zu können, "entlehnte er Geld von einem Türken und setzte im Verein mit diesem an einem Wasserfall ein paar Mühlen in Bewegung, deren Ertrag die ersten Mittel zur Wiederherstellung des Klosters bildete. Dann sammelte er ein halbes Jahr lang in Kleinasien, Ägypten und dem Archipel und brachte 20.000 Franken mit heim. So konnte im Jahr 1827 der Grundstein zum Neubau gelegt werden. Aber zur Vollendung fehlte noch viel. Die Errichtung sämtlicher Gebäude verschlang nach und nach die Summe von 90.000 Gulden, die der rastlose Bruder zusammengebracht hat, indem er die Mildtätigkeit des ganzen Abendlandes rege machte. Mehr als zehnmal reiste er nach Europa und durchreiste dort alle Länder, so dass die Brüder auf dem Karmel oft gar nicht mehr wussten, wo Johannes Baptist sich gerade befand". "Wie alle Italiener verstand er nur eine Sprache. Damit ging er nach Paris, nach London, nach Wien, nach Berlin. Er wurde an allen Höfen, bei den Großen und bei den Armen mit offenen Armen aufgenommen, mit Freundlichkeit und Geschenken überhäuft. Der Bruder Johann Baptist war der Löwe des Tages geworden. Für ihn machten die Dichter Verse, die ersten Künstler Gemälde, die Komponisten neue Stücke, die Romanschreiber empfehlende Artikel. Die Damen stickten, veranstalteten Lotterien, Konzerte. Für ihn sah man sogar einen gefallenen Minister, einen Minister im Amt bitten." Abt Mislin sah "seine Subskriptionsliste und fand darin durcheinander den Kaiser von Österreich und Louis Philipp, die Königin von England und den König von Preußen, Herrn von Rothschild und den Primas von Ungarn, einen Kardinal und einen Dompfarrer, den Erzbischof von Paris und Reschid Pascha. Alle Länder, alle Stände, alle Religionen waren vertreten. Der König von Preußen hatte sogar befohlen, dass der Bruder Johann Baptist einen Freiplatz in den Postwägen und auf den Eisenbahnen bekomme, damit er im ganzen Umfang seiner Staaten nach Belieben sammeln könne". So, mühsam und glücklich, brachte Bruder Johann Baptist die notwendigen Mittel auf und vermochte Kloster und Kirche an jener Stätte zu erbauen, die den Karmeliten so heilig ist, weil dort die Gründung ihres Ordens erfolgte und sie deshalb so gerne in den durch den Aufenthalt des großen Propheten geheiligten Grotten beten. "Jeder Nagel kommt aus Europa; wenn man ein Glas zerbricht oder ein Messer verlegt, muss man es achthundert Stunden weither verschreiben;" dennoch gelang es Bruder Johann Baptist das Bauwerk aufzuführen, "welches Kirche, Kloster, Gasthaus, Festung, Lazarett zugleich ist, welches eine Orgel, eine Apotheke, eine Bibliothek besitzt. Die Pilger werden da bedient wie in Europa; man findet Porzellane und Kristalle, Sofas, Gemälde, Landkarten und tausend andere Dinge, die wir" zu Hause "beständig vor Augen haben, und deren Wert wir erst schätzen lernen, wenn wir sie entbehren müssen". Gleicherweise auf die Übung des Gebetes und der Tugend bedacht wie durch persönliche Tüchtigkeit hervorragend, ließ Bruder Johann Baptist in seiner Liebe zu Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel durch Caravanta, einen geschätzten genuesischen Künstler, eine neue Statue der lieben Mutter Gottes anfertigen, die nun den Schmuck des Hochaltares bildet. Die Gläubigen eilten zahlreich herbei, um "Maria, die Königin und Zierde des Karmel" in diesem Bild zu ehren, und nicht wenige aus ihnen haben große Gnaden durch sie erlangt. So wurde Bruder Johann Baptist noch in einem anderen, höheren Sinne ein Wohltäter der Menschheit. Am 14. Oktober 1849 starb er auf dem heiligen Berg in demselben Heiligtum, für das er den Plan entworfen, die Mittel beschafft und sonst so viel geleistet hat.

 

Gebet am 14. Oktober

 

Königin des Himmels, erhoben über alle Chöre der Engel und seligen Geister. Wann werde ich, von diesem Jammertal erlöst, mich gerettet zu deinen Füßen sehen? Dort im himmlischen Saal, wo das ewige Mahl gehalten wird und die Cherubim den Schöpfer preisen? Wie sehne ich mich nach diesem Tag, an dem bei dir, in deiner seligen Nähe, für mich die Ewigkeit beginnt. Wenn ich in den Himmel komme, dann, meine liebste Mutter, werde ich dich in noch höherem Grad und durch die ganze Ewigkeit hin lieben und loben und durch unendliche Lobpreisungen alles das ersetzen, was ich jetzt vielleicht zu wenig dich ehre. O Maria, hilf mir meine Seele zu retten, damit meine Hoffnung nicht zu Schanden werde. Amen. 

 

Zu Jesus Christus

 

Herr Jesus Christus, Du bist die Auferstehung und das Leben. Verleihe uns, dass wir an die künftige Auferstehung fest glauben und denken, und erhalte uns dadurch in einer heilsamen Furcht Deines Gerichts, der Du lebst und regierst, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Vom heiligen Papst Kallistus wurde berichtet, dass er die Kirche der heiligsten Maria in Travestère, als die erste zu Rom dem öffentlichen Dienst Gottes und Verehrung der seligsten Jungfrau gewidmete Kirche, erbaut habe. Der gelehrte Moretti beweist in seiner Abhandlung über diese Kirche, dass sie an dem Ort steht, wo zur Zeit der Geburt Jesu Christi eine wunderbare Ölquelle, die bis in die Tiber lief, entsprungen ist.

An eben diesem Tag im Jahr 1685 wurde auch das durch viele erfolgte Wunderbegebenheiten zu Köln berühmte Bildnis der Mutter Gottes vom Frieden in der Kirche der Theresianerinnen in der Schnurgasse öffentlich zur Verehrung ausgesetzt. 

 

Andacht am 14. Oktober:

 

Das Thema im Oktober:

Vertrauen

"Habt Vertrauen." (Markus 6,50)

 

"Wenn wir uns vorgenommen haben, etwas zu tun, das den Dienst Gottes angeht, so sollen wir, nachdem wir Gott um Erleuchtung gebeten und seinen Willen erkannt haben, die menschlichen Mittel anwenden, die wir als notwendig und zweckmäßig erachten, die Befehle der göttlichen Vorsehung auszuführen; doch sollen wir uns nicht auf diese Mittel, sondern auf den göttlichen Beistand stützen; von Ihm sollen wir allen guten Fortgang erwarten und fest überzeugt sein, dass, was dann geschieht, das Beste für uns sein wird." (Der heilige Vinzenz von Paul)

Dieser Heilige sprach einst zu jemand, der sich seinem Gebet empfohlen hatte: "Ich war diesen ganzen Vormittag so sehr mit Geschäften überladen, dass ich dem Gebet kaum nur wenige Zeit widmen konnte; und auch während dieses kurzen Gebetes war ich sehr zerstreut. Indessen verliere ich niemals den Mut, weil ich meine Hoffnung auf Gott setze. Ich bin überzeugt, dass der Thron der Güte und Barmherzigkeit Gottes auf der Grundfeste unseres Elends erbaut ist."

Der heilige Ignatius benahm sich in allen Dingen, die er unternahm, dergestalt, als ob alles von ihm abhinge, und setzte dabei sein ganzes Vertrauen ganz und gar auf Gott, als hinge alles von Gott allein ab.

 

Nur auf Dich, mein Gott, setze ich mein Vertrauen; stehst Du mir nicht bei, so wird nichts mir von Statten gehen; mit Deiner Hilfe aber kommt alles bald zu Stande. Deinem Wort gemäß will ich vor allem nur das Himmelreich suchen; denn ich weiß, dass alles übrige mir dazu gegeben wird! Amen. 

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 14. Oktober

 

"Es ist dem demütigen Herzen eigen, gelehrig zu sein,

und wohlgemeinten Warnungen

und guten Unterweisungen leicht beizustimmen."

 

ehrw. Juliana Morel OP

1594 bis 26.6.1653

 

Betrachtung am 14. Oktober - Von den zwei Naturen in Christus

 

Preis, Jesus, dir, der du vom Himmel kamst,

Und aus Maria unsre Menschheit nahmst:

Als Mensch uns mit dem Vater zu versöhnen,

Als Gott uns mit Erbarmungen zu krönen.

 

1. Betrachten wir die Person Jesu Christi, so sehen wir in ihm eine Heiligkeit und Allmacht, die eines Gottmenschen vollkommen würdig ist. Die glorreichen Wunder, die er zum Beweis seiner Gottheit wirkte, erforderten Gottes ganze Allmacht. Von dieser Art waren: Blindgeborenen Augen zu erschaffen, wenige Brote aus nichts zu vermehren, Tote, und zumal einen viertägigen Toten, zu erwecken, Aussätzige durch ein bloßes Wort zu reinigen. Diese und zahllose andere Wunder tat Jesus vor allem Volk, sprach sich dabei als Gott, und zwar als einen Gott mit seinem Vater aus, und ließ sich als solchen anbeten. Nimmermehr aber konnte, wofern er nicht Gott war, Gott seine Allmacht ihm mitteilen, ein falsches Zeugnis zu bestätigen.

 

2. War Jesus nicht Gott, so war er (was ewig fern sei) der verbrecherischste aller Betrüger, da er für Gott sich ausgab, und göttliche Ehre forderte, - ein Betrüger jedoch, dessen Absichten Gott mit seiner ganzen Allmacht förderte, und durch beinahe zwei Jahrtausende beständig fördert. War er ein bloßer Mensch, so war er ein unauflösliches Rätsel. Er war der demütigste und stolzeste aller Menschen zugleich, der Unterwürfigste und der größte Rebell. Er gehorchte Gott in tiefster Ehrfurcht, opferte ihm Ehre und Leben, und empörte sich zugleich dergestalt wider ihn, dass er selbst auf dem Thron Gottes sich erheben und als Gott herrschen wollte. Wer wird dies je begreifen?

 

3. Ist aber Jesus ein Gottmensch, dann lösen sich alle scheinbaren Widersprüche seines Charakters wunderbar. Dann konnte er in Wahrheit sagen, "er sei dem Vater gleich, er sei früher denn Abraham; was der Vater tut, das tut auf gleiche Weise auch der Sohn, damit alle den Sohn ehren;" - und begreiflich wird dann auch seine tiefe Demut, sein Eifer für die Ehre seines Vaters, seine Aufopferung bis zum Kreuzestod, ihm zu gehorchen. Es glänzt in ihm die Gottheit in ihrer vollen Würde, und die Demut in der höchsten menschlichen Vollkommenheit. Also, liebevollster Erlöser, beten wir dich als den Sohn Gottes und der Jungfrau an. "Ich bin vom Himmel herabgekommen." (Johannes 6,38)

 

15. Oktober

 

Die heilige Theresia von Jesus, von Avila, Spanien, Ordensstifterin,

+ 4.10.1582 - Fest: 15. Oktober

 

Theresia Sanchez wurde im Jahr 1515 in Avila in Spanien als Baronesse geboren. In nichts unterschied sich das Mädchen als Kind von anderen Kindern, sondern sie war, wie Mädchen eben sein können, empfindsam und raubeinig, wie es gerade kam und wie sie gerade Lust hatte, ein Mädchen also wie tausend andere auch. Allerdings war Theresia immer schon sehr religiös veranlagt. Das zeigt sich besonders bei einem Ereignis, das sich in ihrem siebten Lebensjahr zutrug.

 

Als nämlich Theresia gerade etwas lesen konnte, nahm sie die Legenden von den Heiligen zur Hand, die sie in einem Zug verschlang. Vor allem war sie von den heiligen Martyrern tief beeindruckt. So schnell und sicher wie diese wollte auch sie in den schönen Himmel kommen. Lange überlegte sie hin und her und verführte schließlich den vier Jahre älteren Bruder Rodrigo dazu, sich mit ihr ins Land der mohammedanischen Mauren zu begeben und sich dort kurzerhand um des Glaubens willen den Kopf abschlagen zu lassen. Rodrigo machte bei diesem Plan große Augen, und es war ihm gar nicht geheuer, aber weil er als Edelmann der Schwester den Wunsch nicht verweigern wollte und weil auch sonst noch wenig Verstand in ihm war, sagte er zu, natürlich – und das war das Schlimmste bei der Sache – ohne Wissen und Erlaubnis der Eltern.

 

Die beiden zukünftigen Martyrer steckten sich die Taschen dick voll Butterbrote und machten sich heimlich aus dem Staub. In drei Tagen würden sie es geschafft haben, meinten sie, dann wären sie bereits im Himmel. Als wenn das „Kopfabschlagenlassen“ so einfach wäre! Da war es schon ein Glück, dass den kleinen Wanderern nach kurzer Reise vor der Stadt ein Onkel begegnete, der sie wieder an die Hand nahm und zur Mutter heimführte. Dass ein Mädchen von sieben Jahren solch eine Dummheit begehen kann, ist immerhin noch verständlich, aber dass der ältere Bruder da mitmachte, geht schon ein wenig zu weit.

 

Nachdem sich Theresia und Rodrigo zunächst einmal ausgeweint hatten, versuchten sie es mit dem Einsiedlerleben, weil nach der Heiligenlegende gewöhnlich auch diese Leute sicher in den Himmel kommen. Die beiden bauten im Garten der Eltern zwei Häuschen, eins für Theresia, eins für Rodrigo, in denen sie – natürlich getrennt voneinander – beteten. Manchmal und mit der Zeit immer mehr spielten sie auch miteinander. Sie ernährten sich zum Teil mit Schokolade und Bonbons, die ja an sich keine Einsiedlerkost sind. Darüber aber zerfielen allmählich die beiden Klausen und stürzten ein, und wieder war ein Traum ausgeträumt.

 

Bald aber begann für Theresia ein neuer Traum. Diesmal war es ein Traum von ganz anderer Art, ein gefährlicher Traum. Denn als Theresia älter wurde, las sie plötzlich billige Romane, durch die man leicht den Boden unter den Füßen verlieren kann. Theresia kam dadurch zwar nicht auf irgendwelche Abwege, aber sie wurde eitel und putzsüchtig und streifte mit verwandten Mädchen und Jungen durch die Gegend, um sich zu zeigen und um zu glänzen. Dumm oder normal?

 

Kurz und gut, eines Tages übergab der Vater, weil er größeres Unheil verhüten wollte und weil die Mutter bereits gestorben war, die Tochter Ordensschwestern zur Erziehung. Das neue ernste Leben lag der Sechzehnjährigen anfangs natürlich überhaupt nicht. Sie tat sich schwer und weinte viel, aber dann kamen allmählich die guten Anlagen, die zutiefst in ihr saßen, zum Durchbruch. Die Lust am Beten kehrte zurück, an Einsamkeit und Stille fand sie immer mehr Gefallen, und mit achtzehn Jahren trat sie in den Karmel ein. Wenn es auch in ihrem Streben nach einem heiligen Leben noch lange Zeit bergauf und bergab ging, zuletzt wurde sie eine heilige Ordensfrau, die sich um die Kirche und um die Rettung der Seelen unsterbliche Verdienste erwarb. Aus dem flatterhaften und eitlen Mädchen wurde eine Heilige, so groß, dass sie schon zu Lebzeiten oft in Visionen Jesus Christus sehen durfte, bis sie im Jahr 1582 zu Alba in Spanien starb, wo heute noch ihr unverwester Leichnam zu sehen ist.

 

Die heilige Theresia von Jesus

 

Ich sterbe, weil ich nicht sterbe.

 

Er sieht Teresa jetzt vorübergehn;

Sie naht dem Herzen Jesu und versenkt

Sich tief in dieses weisheitsvolle Buch,

Ergründet hier der Liebe Wissenschaft.

Die Jungfrau sieht, wie Gott die Menschen liebt;

Und fühlt den Undank ihrer kalten Herzen.

Wie sie vergessen sein unendlich Lieben:

In blut`gen Zügen steht es hier geschrieben.

 

Und wissensdurstig liest sie auf den Blättern.

Dass Lieben leiden ist für den Geliebten.

Und wie sie liest, verlangt sie nach dem Tode,

Und täglich stirbt sie, denn sie kann nicht sterben.

Ein Meer von Licht erschließt sich ihren Blicken,

Geheimnisvolle Wunder schaut sie hier:

Wie eine neue Welt Columbus fand,

Entdeckt Teresa jetzt der Liebe Land.

 

Sie las in diesem Buche, als der Seraph

Auf Flammenschwingen niederstieg vom Himmel

Und mit dem Pfeil aus feinstem Gold erschloss

Auch ihres Herzens Buch. Doch wie der Schmied

Das roterglühte Eisen aus der Esse:

So zog der Engel seinen Pfeil heraus.

Und wie die Biene ihren Stachel trägt,

Teresas Herz im Liebesschmerze schlägt.

 

Die starke Jungfrau ward der Liebe Opfer;

Jetzt wird zur Sehnsuchtspein ihr Erdenleben

Und sterben muss sie, denn sie kann nicht sterben.

Der Pfeil des Seraphs schuf ihr süße Qualen,

Er schlug der zarten Brust die tiefe Wunde,

Die Heilung erst im Himmel wiederfindet.

Teresa kann ihr Herz nicht mehr erkennen,

Muss fortan Jesu Christi Herz es nennen.

 

(Von Jacinto Verdaguer - Deutsch von Clara Commer)

 

Heilige Theresia von Jesus

Gedenktage und Lebensskizzen hervorragender

Mitglieder des Karmelitenordens

 

Fest der heiligen Theresia von Jesus, einer hellleuchtenden Zierde, nicht bloß des Karmeliterordens, sondern der ganzen heiligen Kirche. Theresia war als die Tochter des hochedlen Alfons Sanchez de Cepeda und seiner Gemahlin Beatrix de Ahumada, von der sie der spanischen Sitte gemäß den Familiennamen erhielt, zu Avila in Altkastilien am 28. März 1515 geboren. Wie vom Vater den kräftigen Glauben, ererbte sie von der Mutter die zarte Frömmigkeit. Gern las sie mit ihrem um vier Jahre älteren Bruder die "Leben der Heiligen" und fasste mit ihm den Entschluss, zu den Mauren zu gehen, "um sich den Kopf abhauen zu lassen". Der Gedanke an die "Ewigkeit" bestärkte sie in dem Vorhaben, das beide auch ausgeführt hätten, wenn sie nicht mit Gewalt wieder zurückgeführt worden wären. Ein Bild, Jesus und die Samariterin, mit der Unterschrift: "Herr, gib mir von diesem Wasser!" erfüllte sie mit einem brennenden Durst, die Wasser der Gnade Gottes zu trinken. Im Alter von 13 Jahren eine mutterlose Waise geworden, beschwor sie Maria, sie möge Mutterstelle an ihr vertreten und wurde erhört. Von der Mutter hatte sie gelernt, leidenschaftlich Romane zu lesen, die, wenn sie auch nicht schlecht waren, doch ihren Sinn etwas weltlich stimmten. Dazu kamen die Schmeicheleien, die sie ihrer Schönheit wegen zu hören bekam. Theresia sündigte wohl nicht, ließ aber drei Monate lang stark im Gebet nach, was sie zeit ihres Lebens tief bedauerte. Eine Wendung führte ihr Aufenthalt bei den Augustinerinnen herbei, denen sie zur Weiterbildung übergeben wurde. Der heilige Friede in diesem Haus erregte die erste Sehnsucht nach dem Kloster in ihr. Das Beispiel ihres Onkels Alfons und der Gedanke, dass der Ordensstand der sicherste und vollkommenste sei, bestimmte sie dann endgültig in das Kloster der Menschwerdung in Avila zu treten, wo sie am 3. November 1534 in Gegenwart des gesamten Adels von Avila Profess ablegte. Sie fühlte sich glücklich im Karmel, war jedoch nicht mehr ganz befriedigt, seitdem sie wusste, dass die ursprüngliche Regel strenger lautete. Sie sehnte sich danach, in einem Kloster zu leben, wo dieselbe beobachtet würde. Die größten Gottesgelehrten ihrer Zeit bestärkten sie in dem Vorhaben, ein solches Kloster zu stiften. Am 24. August 1562 gelang es ihr wirklich nach Überwindung zahlloser Schwierigkeiten, ein neues, dem heiligen Joseph geweihtes Kloster in Avila zu eröffnen. Bald folgte Gründung auf Gründung, ja selbst die Erneuerung des männlichen Ordenszweiges. Theresia war die Seele des Ganzen. Jedoch nicht nicht nur die äußere Erneuerung des Ordens ist ihr Werk. Sie hatte die Gabe, ihre geistlichen Töchter zur höchsten Stufe des Gebetes und der Tugend anzuleiten. Theresia hatte ja selbst den Gipfel der Vollkommenheit erreicht und dem Herrn die Treue bewahrt in allen Lagen ihres Lebens. Wie sie Gott die ganze Liebe ihres Herzens entgegenbrachte, so umfing auch der Herr seine auserwählte Braut mit inniger Liebe und ließ zum Zeichen derselben ihr Herz von einem Engel mit feurigem Pfeil durchbohren, wie man es noch heute an ihrem Herz sehen kann. Hochherzig verpflichtete sie sich, stets das zu tun, was sie als das Gottgefälligere erkannte, und war unwandelbar in dem Entschluss, entweder zu leiden oder zu Sterben. Im Jahr 1582 stand sie am Ende ihrer irdischen Pilgerschaft. Das Fieber brannte bereits in ihrem Innern, als sie Burgos verließ. Auf der Reise nahm die Krankheit beständig zu. Noch zwang sie sich zu Alba in den Chor, bis sie am 9. September das Bett aufsuchen musste. Alle waren zu Tränen gerührt, als sie sahen, wie Theresia sich auf den Tod vorbereitete, wie sie mit größter Andacht die heiligen Sakramente empfing, die heiligsten Anmutungen machte und die Schwestern, die doch nur Nachahmungswürdiges und Wunderbares an ihr gesehen hatten, bat: "Verzeiht mir, meine Töchter, das schlechte Beispiel, das ich euch gegeben habe! Ahmt nicht meine Fehler nach, denn ich bin eine große Sünderin, sondern befolgt streng eure Regeln und Satzungen! Seid jederzeit euren Vorgesetzten gehorsam; ich bitte euch darum aus Liebe zu Gott." Oft wiederholte sie die Worte des Psalmisten: "Cor contritum et humiliatum, Deus, non despicies" (Ein zerknirschtes und gedemütigtes Herz wirst du, o Gott, nicht verachten). Am 4. Oktober "gegen 9 Uhr abends entflohen drei Seufzer ihren Lippen, so leicht, dass man sie kaum vernehmen konnte, so lieblich, dass sie den Hauch einer im Gebet versunkenen Seele glichen, und sie gab Gott ihre reine Seele zurück". Ihren Leib, der unverwest blieb, und ihre von aller Welt bewunderten Schriften, die den höchsten Geistesflug und eine wahrhaft seraphische Liebe bekunden, hat die Heilige uns als kostbare Reliquien hinterlassen.

 

Joseph von Maria

Gedenktage und Lebensskizzen hervorragender

Mitglieder des Karmelitenordens

 

Gedächtnis des lobwürdigen Joseph von Maria, Bischof von Typherne. Joseph, ein Spross der Edlen von Sebastiani, wurde am 21. Februar 1623 zu Caprarola geboren. Der fromme Jüngling musste wiederholt um Aufnahme in den heiligen Orden bitten, bis endlich seine Gebete erhört und das Verlangen seines Herzens erfüllt wurden. Er konnte Gott nicht genug danken, als sich ihm die Pforte des Klosters öffnete, und mehr noch, als er am 3. März 1642 im Konvent Maria vom Sieg zu Rom seine heiligen Gelübde ablegen durfte. Bei seinem Eintritt verzichtete Joseph auf seinen eigenen Willen. Nur einen Wunsch hegte er, recht weit von der Heimat entfernt zu leben, damit er nicht durch viele Besuche der Verwandten vom inneren Verkehr mit Gott abgelenkt würde. Die Oberen trugen dem Rechnung, versetzten ihn nach Graz in Steiermark und riefen ihn erst im Jahr 1651 wieder nach Rom zurück, wo er als Lektor der Philosophie und Theologie eine segensreiche Lehrtätigkeit entfaltete, bis er im Jahr 1656 in die Mission gesandt wurde. In Indien herrschten zu jener Zeit schlimme Zustände. Die sogenannten Thomaschristen, die sich im Jahr 1599 mit der katholischen Kirche vereinigten, hatten sich wieder dem Schisma angeschlossen. Pater Joseph arbeitete rastlos an der Bekehrung der Schismatiker durch Gebet und Flehen, Belehrung und Warnung, in aller Güte, aber auch mit aller Festigkeit. Der Erfolg blieb nicht aus. Bereits im Jahr 1659 vermochte er dem Heiligen Vater zu berichten, dass 40 schismatische Gemeinden mit der katholischen Kirche versöhnt und wieder vereinigt seien. Mit der bischöflichen Würde ausgerüstet, verdoppelte er seinen Eifer und führte weitere 44 Gemeinden in den Schoß der katholischen Kirche zurück. Im Jahr 1663 wurde seiner Tätigkeit durch die Holländer, die die malabarische Küste eroberten und alle ausländischen Missionare verbannten, ein Ziel gesetzt. Um die Herde nicht ohne Hirten zu lassen, benützte Joseph die ihm gewährte Frist von zehn Tagen, um den tugendhaften, einheimischen Priester Alexander vom Felde, einen Verwandten des Erzdiakons Thomas a Campo, des Oberhauptes der Irregeleiteten, zum Bischof zu weihen und ihn mit der Leitung von ganz Malabar zu betrauen. Dann belegte er den aufrührerischen Erzdiakon mit dem Bann, verbrannte die von ihm ungültig geweihten Öle und reiste ab. Am liebsten wäre er in sein Kloster zurückgekehrt, um wieder als schlichter Pater zu leben; der Heilige Vater wollte jedoch seine Kraft nicht unausgenützt lassen und ernannte ihn zuerst zum apostolischen Visitator der Bistümer des Archipels, hierauf zum Bischof von Bisignano in Kalabrien. Nur des Gehorsams wegen gegenüber dem Stellvertreter Christi übernahm Joseph beide Ämter, deren Verwaltung mit vielen Sorgen und Bitterkeiten seitens schlechter Menschen verbunden war. Im Jahr 1672 wurde Joseph die Diözese Typherne im Kirchenstaat übertragen. Als wahrer, guter Hirt leitete er sie bis zu seinem am 15. Oktober 1689 erfolgten Tod. Vom Tod wurde Joseph nicht überrascht. Er wusste seinen Sterbetag längst voraus und hatte ihn auch einem frommen, vertrauten Mann unter dem Siegel der Verschwiegenheit mitgeteilt. Nach seinem Hinscheiden verherrlichte Gott seinen treuen Diener durch wunderbare Zeichen. Joseph hatte das bischöfliche Amt stets als eine Art Martyrium betrachtet, persönlich ein Leben eifrigster Tugend und strengster Bußübung geführt und so gering von sich selbst gedacht, dass er nichts als Verachtung zu verdienen glaubte. In seiner Demut ordnete er deshalb an, dass sein Leichnam neben dem Eingang der Kathedrale zur Erde bestattet werde, damit alle, die in das Gotteshaus kämen, ihn mit Füßen träten. 

 

Pater Nikolaus von Jesus Maria

Gedenktage und Lebensskizzen hervorragender

Mitglieder des Karmelitenordens

 

Gedächtnis des lobwürdigen Pater Nikolaus von Jesus Maria. Pater Nikolaus wurde als Student der Philosophie an der Akademie zu Krakau auf seinen Beruf aufmerksam. Sein Bruder war bereits ins Kloster gegangen, verließ aber das Noviziat wieder. Da sprach Nikolaus: "Ich will die Beharrlichkeit, die mein Bruder verloren hat, suchen und nach der Palme streben, die ihm unter den Unbeschuhten gezeigt war." Nikolaus war noch sehr jung, als er zu Krakau in den Orden eingekleidet wurde. Nachdem er am 16. Oktober 1611 seine Profess abgelegt hatte, kam er auf Anordnung des Pater Generals zur weiteren Ausbildung nach Rom, später nach Genua. Sechs Jahre später bekam er den Auftrag, zu Lublin Philosophie und später Theologie zu lehren. Wie fromm er dabei lebte, beweist folgendes Schriftstück, das er mit eigener Hand schrieb: "Ich schließe den Vertrag, dass ich die Verehrung der ruhmwürdigsten Jungfrau Maria immer und überall befördern will, persönlich und durch andere, sowohl innerlich durch Nachahmung ihrer Tugenden, als auch äußerlich, wie durch Bildchen, Zettel, Lobsprüche und jede mögliche Art. Unsere Liebe Frau hat hingegen für meine Seele Sorge zu tragen, und mir die Beschaulichkeit und alles auf die Vollkommenheit Bezügliche zu verschaffen." Diese Gesinnung durchdrang ihn so tief und beherrschte ihn so vollständig, dass er sich nie entschließen konnte, philosophische oder theologische Werke abzufassen, sondern nur Schriften, die auf das geistliche Leben Bezug haben. Den größten Beifall fand sein Werk "Rechtfertigung der Orden", das viele Auflagen erlebte. In seinem Eifer für die Ehre der seligsten Jungfrau bestärkte ihn diese gütige Mutter selbst, indem sie ihm, wie er auf das bestimmteste versicherte, verhieß: "Wenn du täglich etwas zu meiner Ehre tust, darfst du sicher vertrauen, selig zu werden." Der böse Feind erschwerte ihm die Erreichung der Vollkommenheit und setzte ihm besonders durch Anfechtungen gegen den Gehorsam zu. Indes Pater Nikolaus blieb so weit davon entfernt, den Gehorsam zu verletzen, dass er im Gegenteil sich durch ein besonderes Gelübde verpflichtete, sich stets des vollkommensten Gehorsams zu befleißen und alles und jedes zu tun, was der Obere wünschte. Am 15. Oktober 1627 sollte er die Krone des ewigen Lebens erlangen. Er selbst ahnte seinen vorzeitigen Tod und bereitete sich voll Ergebung auf ihn vor. Es befielen ihn plötzlich heftige Schmerzen in den Eingeweiden, die rasch ärger und ärger wurden und ihn hinwegrafften. Man sagte, es sei ihm von einer eifersüchtigen Frau aus Zorn über jene Rechtfertigung der Orden Gift beigebracht worden. Nach seinem Tod erschien er des Öfteren einer Unbeschuhten Karmelitin zu Krakau, stand ihr bei, tröstete sie in ihrer Bedrängnis und zeigte ihr den rechten Weg in den ihr begegnenden Schwierigkeiten.

 

Gebet am 15. Oktober

 

Heilige Theresia, erbitte uns bei Gott den Geist wahrhaftiger Demut, in dem wir nichts von uns denken, als dass wir arme Sünder sind, die der Barmherzigkeit Gottes allezeit bedürfen. Amen. 

 

Zu Jesus Christus auf die Fürbitte der heiligen Theresia

 

O Herr Jesus Christus, der Du aus Liebe zu uns die empfindlichsten Schmerzen und den schmählichsten Tod gelitten hast, gib uns auf die Fürbitte der heiligen Theresia die Gnade, die Leiden aus Deiner Vaterhand willig anzunehmen und sie mit Geduld zu ertragen, damit wir, wie wir jetzt an Deinen Leiden teilnehmen, auch Mitgenossen Deiner Herrlichkeit werden, der Du lebst und regierst, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Die heilige Theresia erkannte in einer Offenbarung, dass sie ihre vollkommene Bekehrung der Fürbitte der seligsten Jungfrau und des heiligen Joseph zu verdanken habe, weswegen sie der Andacht zur Himmelskönigin ganz besonders ergeben war.

Zu Brüssel hat Papst Innozenz II. am heutigen Tag im Jahr 1131 das große Spital zur Ehre der seligsten Jungfrau eingeweiht. Diese Einweihung wurde jährlich mit großer Feierlichkeit bei großem Zulauf des Volkes daselbst begangen.

 

Andacht am 15. Oktober:

 

Das Thema im Oktober:

Vertrauen

"Habt Vertrauen." (Markus 6,50)

 

"In den verschiedenen Geschäften und Bedürfnissen, die sich ergeben, soll man weder unruhig sein noch mit Eilfertigkeit zu Werke gehen; sondern mit vernünftiger und gemäßigter Sorgfalt vorgehen, und dann alles der Anordnung und Leitung der göttlichen Vorsehung anheimstellen. Ihr soll man Raum geben, die Dinge zu ordnen, und uns ihren Willen kund zu tun, und als gewiss erkennen, dass, wenn Gott will, dass eine Sache zustande komme, die Verzögerung dabei nichts schadet, ja, dass je weniger wir, je mehr Er dabei wirken wird." (Der heilige Vinzenz von Paul)

Es war der Gebrauch dieses Heiligen, menschliche Mittel, wie ehrbar und notwendig sie immerhin sein mochten, erst dann anzuwenden, wenn er zu göttlichen seine Zuflucht genommen hatte. Inbrünstig empfahl er dem Herrn eine Angelegenheit und wartete dann geduldig ab, bis er sie nach seinen Absichten und zu seiner größeren Ehre leitete. Er pflegte zu sagen, die Geschäfte nähmen einen guten Ausgang, wenn man ihnen bloß folge, nicht aber ihnen zuvorkomme. Eine von den Damen der Charité, die vor Eifer glühte, lag ihm mit Ungestüm an, Personen zu suchen, damit diese Versammlung einmal gegründet würde. Er aber fühlte, dass es eine schwierige Aufgabe war, solche zu finden, wie sie dazu erforderlich waren; und deshalb auch beschränkte er sich darauf, die Sache dem Herrn dringend im Gebet zu empfehlen, ohne Rücksicht auf die Vorstellung der Dame zu nehmen, und wartete den Augenblick ab, wo die Vorsehung ihm irgend ein Mittel enthüllen würde, eine so nützliche Anstalt zu gründen. Wirklich zeigte die Sache selbst, wie weise er getan hatte, mit ihrer Gründung zu zögern. Er wählte die günstigen Augenblicke, die der Herr ihm darbot, und die Anstalt wurde sehr gut gestiftet.

 

Nichts, Herr, will ich unternehmen, ohne Dir vorher alles im Gebet zu empfehlen. O zeige mir, Herr, Deinen Willen, innig bete ich deshalb zu Dir; weil ich durchaus nichts anderes tun will, als was Du willst und wie Du es willst! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 15. Oktober

 

"Die hl. Theresia brachte achtzehn Jahre in Geistesdürre zu.

Es ist dieses das Werk Gottes,

der auf solche Weise die Seelen behandelt,

um sie tiefer in der Tugend zu begründen."

 

 ehrw. Antonin vom heiligsten Sakrament OP

 

Betrachtung am 15. Oktober - Die heilige Theresia 

 

Wie glänzest hehr du in des Himmels Sitze,

Theresia, die du das Kreuz erkoren, 

Und lobest Gott an deiner Kinder Spitze,

Die du in Schmerz und Liebe ihm geboren.

 

1. Die heilige Theresia brannte von heiliger Liebe zu ihrem göttlichen Geliebten. Ihre Liebe aber war tätig gleich dem Feuer, das niemals spricht: Es ist genug! Schon in ihrer Kindheit trieb diese heilige Flamme sie an, die Marter zu suchen, in späteren Jahren aber das Gelübde abzulegen, alle ihre Werke mit möglichster Vollkommenheit zu tun. Diese feurige Liebe nahm bis an das Ende ihres Lebens fortwährend an Stärke und Innigkeit zu. Sie erweckte in ihr ein unersättliches Verlangen nach Leiden. Ohne Unterlass krank, peinigte sie ihren unschuldigen Körper noch mit schweren Bußwerken, ja ihr Wahlspruch war: "Entweder leiden oder sterben." - Wann wirst du einmal anfangen, Gott wahrhaft, standhaft und eifrig zu lieben?

 

2. Großes tat die heilige Theresia für Gott. Großes auch litt sie für ihn. Gott, die Menschen und die bösen Geister prüften ihre Liebe und übten ihre Geduld, Gott durch innerliche Trostlosigkeit, die Menschen durch Verfolgungen, die bösen Geister durch wütende Versuchungen. Zwar erhob Gott, nachdem sie durch ihre standhafte Treue seiner sich würdig bewiesen hatte, sie zu den höchsten Entzückungen, und offenbarte ihr viele verborgene Geheimnisse seiner Weisheit, aber wie viele Leiden erweckten ihr diese Offenbarungen, wie schwere Widersprüche ertrug sie von ihren geistigen Führern. Dennoch aber unterwarf sie sich ihrem Urteil, denn mit Recht hielt sie alle Heiligkeit für falsch, die ihrem eigenen Sinn nicht entsagt.

 

3. Endlich war diese seraphische Jungfrau eine glückselige Mutter zahlloser Kinder. Sie stiftete einen Orden für Klostermänner und für Klosterfrauen. Aber wie überaus schwer war ihr die Geburt so vieler Kinder Gottes. Große und strenge Verfolgungen musste sie deshalb, und zwar sogar von solchen erdulden, die ihre heilige Absicht hätten fördern sollen. - Lerne die innerlichen Trockenheiten des Herzens ertragen, da Gott immer großmütig die Seelen belohnt, die in diesen strengen Prüfungen ihm getreu sind. Lerne Gott zuliebe vieles leiden, wenn du Großes für ihn tun willst, da das Samenkorn, wenn es nicht erstirbt, keine Frucht bringt. Hohelied 2,2: "Wie eine Lilie unter Dornen, also ist meine Freundin unter den Töchtern!"

 

16. Oktober

 

Mariä Reinheit

 

Die heilige Hedwig von Andechs, Herzogin von Schlesien,

+ 15.10.1243 - Fest: 16. Oktober

 

Bevor wir diese Legende lesen, sollten wir eigentlich erst die Hände falten, denn sie ist wie ein Gebet, in dem Höhen und Tiefen, Trauriges und Frohes, Trübes und Sonnenklares vorgetragen wird. Über allem aber liegt die Heiligkeit einer großen Frau.

 

Aus Bayern kam Hedwig aus dem edlen Geschlecht der Grafen von Andechs, so wie auch die heilige Elisabeth und andere heilige Frauen und Männer. Ganz jung wurde die bayrische Grafentochter mit dem Herzog Heinrich dem Bärtigen von Schlesien vermählt. Ihr Mann war ein gutmütiger Mensch, aber ohne die feinen Formen des Umgangs, etwas bärbeißig und plump. Sechs Kinder hatten die beiden, drei Söhne und drei Töchter, und Hedwig war der Sonnenschein ihrer ganzen Familie. Immer wieder griff sie vermittelnd ein, um von der Familie und vom fürstlichen Hof Streit und Unfrieden fernzuhalten. Die Ehre des Hauses war ihr so wichtig, dass sie zügellosen Gesellen stets den Zutritt verweigerte. Sie war eine wahrhaft fürstliche Frau von christlicher Art.

 

Sehr groß war dazu die Wohltätigkeit der schlesischen Herzogin. Nicht zu zählen sind ihre guten Taten, die sie von Herzen gerne an den Armen und Notleidenden tat. Zusammen mit ihrem Mann stiftete sie das Frauenkloster Trebnitz bei Breslau und stattete es so reichlich aus, dass hundert Ordensfrauen und achthundert arme Mädchen sorgenfrei darin leben konnten. Auch um den Unterricht von jungen Menschen war die Landesfürstin bemüht. Sie nahm sich in Liebe der Witwen und Waisen an, und täglich bediente sie selbst als dienende Magd die Armen, damit sie etwas zu essen bekamen. In die Gefängnisse brachte sie saubere Wäsche, warme Kleider, Speisen und Kerzenlicht.

 

Wie gut und mitfühlend Hedwigs Herz war, zeigt ein Wort aus ihrem Mund. Einmal nämlich hatte Herzog Heinrich auf dem Kriegszug ohne ersichtliche Not ein Dorf niederbrennen lassen. Hedwig bat ihren Mann mit Tränen, den Geschädigten Schadenersatz zu leisten. Und als Heinrich ihr antwortete, dass es wohl genug sei, wenn er die Häuser wieder aufrichten lassen und das geraubte Vieh zurückgeben würde, gab seine Frau zur Antwort: „Ja, mein fürstlicher Herr, das verlorene Gut kannst du zurückgeben, aber wie willst du die Tränen wieder gut machen, die durch dich geweint wurden, und wie willst du das bittere Leid bezahlen, das du verschuldet hast?“ So dachte und fühlte Frau Herzogin Hedwig, und ihr Leben ist wie ein Spiegel, in den auch wir jeden Tag schauen sollten, ob wir ihr ein wenig gleichen könnten.

 

Wie ein Sonnenschein war Sankt Hedwig für die anderen. Über dem eigenen Leben lagen aber immer schwer und schwarz die Wolken des Leids. Sie hatte viel Kummer zu tragen: Drei ihrer Kinder starben schon als sie noch klein waren und sie musste weinend hinter den kleinen weißen Särgen her gehen. Hedwigs Schwester Gertrud wurde ermordet. Ihre Nichte Elisabeth von Thüringen wurde mit vier kleinen Kindern von der Wartburg vertrieben. Der eigene Sohn Konrad, ein unruhiger Mensch, zettelte einen Aufstand gegen den Vater an und brach sich bei einem Sturz vom Pferd das Genick. Ihr Mann vergriff sich in seiner wilden Art am Kirchengut, wurde gebannt und starb fern von seiner Frau. Und dann kam der härteste Schlag, den diese Mutter treffen konnte. Als nämlich Heinrich, der von den Kindern am meisten ihre Art hatte, auf dem Schlachtfeld in Wahlstatt im Kampf gegen die Tataren das Leben verlor. Wie groß Sankt Hedwig eigentlich war, wurde in dieser Stunde deutlich, als man ihr den Lieblingssohn bleich und entstellt in den Schoß legte, denn damals hat sie die bewunderungswürdigen Worte gesprochen:

 

„Ich danke dir, o Herr, dass du mir einen solchen Sohn geschenkt hast, der mich im Leben stets geliebt, mir große Ehrfurcht erzeigt und nie den geringsten Kummer verursacht hat. Und obwohl ich ihn sehr gern am Leben sehen möchte, freut es mich doch an ihm, dass er durch Vergießung seines Blutes dir, o Gott, schon im Himmel verbunden ist.“

 

Was war doch Sankt Hedwig für eine Frau! Stimmt es, dass ihre Legende wie ein Gebet ist, das man mit gefalteten Händen lesen soll?

 

Die letzten Lebensjahre verbrachte die Heilige bei ihrer Tochter Gertrud, die im Kloster in Trebnitz Äbtissin war. Dort blieb sie, betete sie und tat Gutes an den Armen, bis sie erlöst am 15. Oktober starb und vom Herrn in das Paradies geleitet wurde.

 

Der heilige Gallus, Gründer-Abt von St. Gallen,

+ 16.10.640 - Fest: 16. Oktober

 

Es ist Sankt Gallus, der oft mit einem Bären abgebildet wird. Nachher soll noch erzählt werden, wie der Heilige zu dem Bären kam, der übrigens auch sonst sehr gut zu ihm passt, denn Gallus war bei all seiner Gläubigkeit eine kraftstrotzende Gewaltnatur, ein Draufgänger, ein regelrechter Bär, das Wunschbild von vielen Jungen.

 

Irland, die Grüne Insel, die Insel der Heiligen, ist die Heimat des Christushelden Gallus. Um das Jahr 450 war Irland christlich geworden, und unausrottbar tief hatte sich Christi Lehre in den Herzen der Iren festgesetzt. Bald schmückte sich im ersten Glaubensfrühling das Land mit Klöstern in solcher Zahl, dass man von jedem vier oder fünf andere in der Nähe sehen konnte. Es war vor allem die wunderbare Lichtgestalt unseres Herrn Jesus Christus, welche die edlen Iren anzog und sie bewog, sich dem Gottessohn anzugleichen. Es machte einen großen Eindruck auf die heimatliebenden irischen Männer, dass Christus die Herrlichkeit seiner Himmelsheimat verließ und zu unserer Erlösung in die Fremde auf die Erde kam. Und so gaben auch viele von ihnen ihre Heimat auf, um im fremden Land Christus zu dienen. Als Gottsucher zogen sie übers Meer aufs Festland, und dort entwickelten sich aus den Gottsuchern ganz eifrige Glaubensboten.

 

Zu diesen Glaubensboten gehört der heilige Gallus. Unter Führung des heiligen Abtes Kolumban und in Begleitung von weiteren zehn Mönchen kam Gallus um das Jahr 590 zunächst an den Züricher See in der Schweiz. Niemand verbot dort den Fremden, nach ihrer Art zu leben, aber taub waren die Ohren der Leute, sobald die Mönche vom Christentum redeten. Als Gallus sie einmal tief im Wald beim heidnischen Opfermahl überraschte, stieg schnell der Unmut in ihm auf und riss ihn dazu hin, die wodangeweihten Bierkrüge zu zerschlagen und die vergoldeten Götzenbilder an einem Felsen zu zerschmettern. Das war entschieden unklug. Klug war es daher, dass Gallus mit seinen Genossen schnell die Flucht ergriff, sonst wären alle von den aufgebrachten Alemannen in Stücke zerrissen worden. Auch ein mutiger Mann vergibt sich nichts, wenn er nicht aus Feigheit, wohl aber aus Klugheit einen aussichtslosen Posten verlässt, denn Mut ist auch immer klug, während ein unkluger Mut weiter nichts als Dummheit ist.

 

Am Bodensee finden wir die Flüchtlinge wieder beim Bau einer Siedlung. Doch bald wiederholt sich dort das gleiche wie am Züricher See. Gallus, der als einziger von den Mönchen die alemannische Sprache verstand, hielt in einer zündenden Predigt den Leuten ihren Aberglauben vor und warf die Götzenbilder in den See. Das ganze geschah aber mit einem anderen Ausgang. Denn die Zuhörer erkannten die Ohnmacht ihrer Götter und nahmen den Glauben an.

 

Nach drei Jahren trennte sich Gallus von Kolumban und wanderte mit einem Begleiter auf der Suche nach einer neuen Bleibe in die wilden Berge hinein, in denen sich damals nicht nur Füchse, sondern auch Bären und Wölfe gute Nacht sagten. Lange zogen die beiden des Wegs, und als sie an einen hohen Felsen gelangten, von dem sich die Steinach tosend herabstürzt, verwickelte sich Gallus in einem Brombeergestrüpp und fiel in die Dornen. Daran erkannte der heilige Mann, so berichtet die Legende, dass er sich genau dort niederlassen solle. Während in der folgenden Nacht der Begleiter schlief und Gallus den Ort der neuen Siedlung mit seinen Gebeten segnete und weihte, erschien ein Bär und fraß den Rest an Brot und Fisch, welche die Wanderer als Proviant auf die Reise mitgenommen hatten. Da stand Sankt Gallus auf und tadelte den Bären wegen seines Raubes und befahl ihm, sofort Holz für das Lagerfeuer herbeizuschaffen, da es ausgehen wollte. Das wilde Tier gehorchte, und es blieb der Bär von da an bei dem, der ihn in der Kraft Gottes bezwungen hatte, und folgte dem Heiligen wie ein Hund dem Herrn und trug Stämme und Steine herbei zum Bau des Klosters. Als sich später gleichgesinnte Männer dem Heiligen mit dem Bären anschlossen, rodeten sie unter ungezählten Entbehrungen das Land, legten Äcker und Gärten an, pflanzten Obstbäume, arbeiteten bei Tag und Nacht, und der Bär half ihnen treu. Um die Siedlung herum entstand allmählich eine Stadt, die heute noch als eine der schönsten unter den Städten der Schweiz gilt und die nach ihrem Gründer den Namen Sankt Gallen trägt. So ist es geschehen im Jahr des Heils 613.

 

Dann starb der heilige Gallus im Alter von fast hundert Jahren, aber sein Andenken bleibt auf der Erde unvergessen und wird im Himmel ewig währen. Das ist hier und im Himmel der Lohn der Glaubensboten. Auch heute noch gehen viele Männer und Frauen als Missionare und Missionarinnen zu den Menschen nach Asien und Afrika.

 

Der heilige Gerhard Majella, Laienbruder von Muro, Italien,

+ 16.10.1755 - Fest: 16. Oktober

 

Gerhard Majella kam als Sohn eines Schneidermeisters 1726 in dem Städtchen Muro bei Neapel zur Welt. Er war ein rechtes Sorgenkind, schwächlich und kränklich, und als er ins Ersthosenalter kam, hat man manchmal gemeint, er sei nicht recht gescheit und habe den Verstand nicht ganz beisammen, so ungeschickt konnte er sich anstellen oder dummes Zeug daherreden. Bald war Gerhard Majella der vielbelachte und vielbewitzelte Dorfnarr von Muro, der an allen Straßenecken von klein und groß gehänselt wurde. Das war unschön und unfein, denn mit solch armen Menschen muss man herzliches Mitleid haben und ihnen helfen, wo man kann, und sie nach Möglichkeit vor dem Spott der anderen in Schutz nehmen. Übrigens war Gerhard Majella durchaus kein Narr, er war nur auf einfältige Weise fromm, und wenn die Leute gewusst hätten, was der Junge als tiefstes Geheimnis im Herzen trug, dass er nämlich von jung an mit Erscheinungen der lieben Mutter Gottes begnadet wurde, so hätten sie wohl das lose Mundwerk besser zusammengehalten.

 

Was sollte nun aus dem ungeschickten Gerhard werden? Natürlich wurde er Schneider wie sein früh verstorbener Vater. Auf die Kindheit mit dem bitteren Spott folgte eine harte Lehrzeit. Lehrlinge haben es meistens nicht leicht, aber Gerhard Majella hatte es wegen seiner Untauglichkeit zu jeder Arbeit dreimal schwer. Der arme Schneiderling! Als es gar nicht mehr ging, erbarmte sich des unbeholfenen Lehrbuben ein Bischof und stellte ihn als Hausdiener an. Da hatte Gerhard wenigstens Ruhe vor dem Stock des Lehrherrn und mehr Zeit zu beten, und nichts tat er lieber als das, und dabei blieb seine einfältige Frömmigkeit stets die gleiche. Dass aber der Himmel an heiligen Narren von Gerhards Art eine helle Freude hatte, zeigt das folgende Begebnis.

 

Als einst der bischöfliche Herr verreist war, wollte der Hausdiener am Stadtbrunnen Wasser holen. Sorgfältig schloss er die Haustür zu, steckte den Schlüssel ein, ging auf den Markt, wo sich der Brunnen befand, und ließ den Schöpfeimer hinab. Dabei fiel ihm der Schlüssel aus der Brusttasche dem Eimer nach in die Tiefe. Wieder einmal lachten die Leute über den Tollpatsch. Was tat Gerhard? Er lief zur nahen Kirche, holte – es war gerade Weihnachtszeit – das Christkind aus der Krippe und schickte es an einer Schnur dem Eimer nach in den Brunnen, und als er das Christkind hochzog, hing an seinem Arm der verlorene Schlüssel. Da lachte niemand mehr, und der Brunnen heißt seitdem Gerhardsbrunnen. Von solcher Einfalt war des bischöflichen Hausdieners Frömmigkeit, aber der liebe Gott schaut auf das Herz, und wenn das Herz gut ist, ist er zufrieden.

 

Über alles gern wäre Gerhard Majella ins Kloster gegangen, aber die Kapuziner wiesen ihn zweimal ab. Wie die Zukunft zeigen sollte, waren sie da schlecht beraten, sonst hätten sie heute einen Heiligen mehr in ihrem an Heiligen übrigens reich gesegneten Orden. Schließlich fand Gerhard Majella Unterschlupf in dem eben gegründeten Redemptoristenorden.

 

Die Obern des neuen Klosterbruders waren einsichtig genug, den Dreiundzwanzigjährigen gewähren zu lassen, der immerhin als Gärtner, Küster und Pförtner einige Dienste leistete, der die Nächte vor dem Allerheiligsten verbrachte und der vor allem Gehorsam war bis zum Tüpfelchen auf dem i, und es offenbarte sich des einfältigen Mannes Heiligkeit von Tag zu Tag mehr. Wunder blühten auf, wo er ging und stand. Auf sein Gebet wurden Kranke geheilt, und Sterbende kehrten gekräftigt ins Leben zurück. Brot vermehrte sich auf sein Wort. Priester staunten über die Weisheit, die aus dem ehemaligen Dorfnarren sprach, und Bischöfe fragten den schlichten Ordensbruder um Rat, der selbst in den heikelsten Dingen stets die rechte Auskunft wusste. Auch schaute der Heilige mit seinen begnadeten Augen zutiefst in die Herzen der Menschen, und manchen hat er unter vier Augen verschwiegene Sünden ins Gesicht gesagt und sie zu einer ehrlichen Beichte gedrängt und verholfen. Die Leute aber, die ihn ehedem verlachten, verehrten ihn gleich nach dem Tod im Alter von erst dreißig Jahren als einen Heiligen, und der selige Papst Pius X. hat das Urteil des Volkes im Jahr 1904 dadurch bestätigt, dass er dem einfältigen Klosterbruder die Ehre der Altäre zuerkannte.

 

Die heilige Heriburg, Äbtissin zu Nottuln bei Münster,

+ 16.10.845 – Fest: 16. Oktober

 

Die beiden Grafen Roibart und Luibart von Nutlon (jetzt Nottuln) kämpften 779 bei Darup gegen Kaiser Karl den Großen, wurden aber besiegt. Luibart wurde verwundet und starb bald nach der Schlacht. Roibart kam als Kriegsgefangener nach Franken, lernte dort die christliche Religion kennen und ließ sich taufen. Der Kaiser schenkte ihm die Freiheit und gab ihm seine Güter zurück. In Franken hatte er Mechtildis, die Schwester des heiligen Ludgerus, kennengelernt und führte sie als Gattin in seine Westfälische Heimat. Heriburga, die andere Schwester des heiligen Ludgerus, zog mit ihnen nach Nottuln.

 

Nicht lange Widerstand Heriburga dem Drang ihres Herzens, ihr Leben und ihre Güter dem Herrn zu weihen. Ihr Bruder Ludger hatte um das Jahr 805 zu Nottuln, nicht weit von Münster, ein Kloster und eine Kirche gebaut. Dorthin zog sich Heriburga zurück, die von frühester Jugend unter Anleitung ihres heiligen Bruders eine außerordentliche Vorliebe zu einem vollkommenen Leben empfangen hatte. Luibarts junge Witwe und mehrere Jungfrauen gesellten sich ihr zu und begannen ein gemeinschaftliches Leben unter frommen Übungen. Der heilige Ludgerus entwarf die Klosterregeln und weihte die Stiftskirche zu Ehren der allerseligsten Jungfrau, der heiligen Martinus und Magnus und legte einen Teil der Reliquien, die er aus Rom mitgebracht hatte, dort nieder. Heriburga wurde zur ersten Äbtissin des Klosters erwählt.

 

Die genannten Heiligtümer blieben nicht lange im Besitz der Stiftskirche zu Nottuln. Gerfrid, der zweite Bischof von Münster und Neffe der heiligen Heriburga, erbat sie im Jahr 833 von ihr zurück und schenkte dem Stift dafür die beiden in Billerbeck gelegenen Haupthöfe Schulze Bockolt und Schulze Ölinghof.

 

Aus den stillen Klostermauern trat Heriburga nur einmal in die Öffentlichkeit. Als ihr Bruder, der heilige Bischof Ludger, im benachbarten Billerbeck am Sterben lag, sandte man nach Nottuln Boten zu seiner heiligen Schwester. In Begleitung ihres Neffen Gerfrid begab sie sich auf den Weg, traf ihn aber nicht mehr am Leben. Auf der Mitte des Weges sahen beide die heilige Seele, umgeben von großem Lichtglanz gen Himmel fahren. Eilends setzten sie ihren Weg fort. Als sie bei der Leiche ankamen, entquoll dem Mund eben frisches Blut. So hatte es der Heilige vorhergesagt und dies sollte ein Zeichen sein, dass er in Werden begraben sein wollte. Die heilige Heriburga fing mit Wolle das Blut ihres geliebten Bruders auf und nahm es mit nach Nottuln, wo es noch heute aufbewahrt wird.

 

Hatte zu Lebzeiten des heiligen Ludger Glück und Friede im Land geherrscht, so kamen bald außerordentliche Drangsale, wie sie der Heilige vorausgesagt hatte. Als er einst auf seinem Familiengut Werdina, nahe am Meer, verweilte, hatte er ein Traumgesicht über die nächste Zukunft Deutschlands, das er unter vielen Tränen seiner Schwester Heriburga mit folgenden Worten erzählte: „Ich sah etwas wie die Sonne über das Meer fliehen. Schwarzes Gewölk folgte ihr. Davonfliehend nahm sie immer mehr ab und indem sie über uns hinwegeilte, wurde sie je entfernter, desto bleicher und verschwand zuletzt ganz. Die Finsternis, die ihr folgte, nahm das ganze Meergestade ein. Nach langer Zeit aber kehrte die Sonne wieder, kleiner zwar und bleicher, als zuvor, und verscheuchte dieses schwarze Gewölk wieder über das Meer.“ – Während er das erzählte, zerfloss er in Tränen. Als seine Schwester ihn weinen sah, weinte auch sie und sprach: „Was bedeutet dieses Traumgesicht?“ Er antwortete ihr: „Es werden von den Normannen her große Verfolgungen und schreckliche Kriege und unermessliche Verwüstungen kommen, so dass alle diese lieblichen Gestade unserer Sünden wegen fast unbewohnbar werden. Darauf wird durch die Gnade des Herrn der Kirche Gottes der Friede zurückgegeben und die schreckliche Not, die auf diesen Gegenden lastete, auf die Normannen selbst zurückfallen.“ Seufzend sprach die Schwester: „O möchte mich der Herr würdigen, mich von dieser Welt zu nehmen, bevor diese Schrecknisse eintreffen!“ Er entgegnete ihr: „Nicht also, vielmehr wird das in deinen Tagen geschehen; ich aber werde jene Gräuel in diesem meinem Fleisch nicht mehr schauen.“ – Dieses Traumgesicht erfüllte sich, denn nach dem Tod des heiligen Ludger fielen die wilden Normannen sehr häufig in das Land ein, verbrannten die Kirchen, verwüsteten die Klöster, plünderten die Wohnungen und ließen eine entvölkerte Wüste hinter sich zurück. So berichtet uns Altfrid. Den ersten geschichtlich bekannten Einfall in Friesland machten die Normannen im Jahr 846. Demgemäß müsste die heilige Heriburga, die die Verwüstung des Landes durch diese Barbaren noch erleben sollte, erst nach dem Jahr 846 gestorben sein. Ihr Todestag ist der 16. Oktober.

 

Der heilige Lullus, Erzbischof und Bekenner von Mainz,

+ 16.10.786 – Fest: 16. Oktober

 

Einer der treuesten Schüler des heiligen Bonifatius und dessen nächster Nachfolger auf dem erzbischöflichen Stuhl zu Mainz war der heilige Lullus. Er stammte aus einem angelsächsischen, vornehmen Geschlecht in England. Schon als Junge von sieben Jahren wurde er einem Mönchskloster zur Erziehung anvertraut und gab sich mit allem Eifer dem Studium der Wissenschaften und religiösen Übungen hin, wie sie in den Klöstern von Lehrern und Schülern wetteifernd gepflegt wurden. Mit den zunehmenden Jahren übte er strenge Enthaltsamkeit, um das Fleisch dem Geist zu unterwerfen, und vertiefte sich so sehr in die heiligen Schriften, dass er die Bewunderung seiner Vorgesetzten und Mitschüler erregte.

 

Um diese Zeit verbreitete sich in England der Ruf von den außerordentlichen Erfolgen des heiligen Bonifatius, des Apostels der Deutschen, und sein dringendes Verlangen nach tüchtigen Mitarbeitern, um die reiche Ernte in die Scheune Christi einzubringen. Denn wenn auch dem heiligen Bonifatius einige Gehilfen zur Seite standen, so bedurfte er jetzt Männer, die durch Wissenschaft und Tugend ausgezeichnet, als Äbte und Bischöfe für die neugegründeten Klöster und Bistümer angestellt werden konnten. Mit freudigem Opfermut folgten viele gottbegeisterte Männer und Frauen der Aufforderung des heiligen Bonifatius und verließen ihre teure Heimat, um sich den Gefahren, Entbehrungen und Beschwerden einer apostolischen Wirksamkeit preiszugeben. Unter diesen Helden des Glaubens und der Liebe befand sich auch Lullus, ein Verwandter des heiligen Bonifatius, nebst seiner Mutter Schwester Chunihilt und deren Tochter Berathgit, die in den Wissenschaften sehr gut unterrichtet waren und als Lehrerinnen im Thüringer Land angestellt wurden. Lullus entschloss sich sogleich voll Begeisterung für den hohen Beruf eines Mitgehilfen im apostolischen Amt, empfing die Diakonatsweihe und unternahm mit Erlaubnis seiner Ordensoberen die Reise nach Deutschland.

 

Glücklich fuhr Lullus über das Meer und den Rhein aufwärts. Bonifatius freute sich ungemein über die Ankunft seines Verwandten, erkannte im Umgang mit ihm seine Frömmigkeit, seine gründliche Gelehrsamkeit, seinen glühenden Seeleneifer und seine innige Liebe zu Gott. Deshalb erteilte er ihm die heilige Priesterweihe und behielt ihn fortan immer bei sich. Lullus predigte eifrig das göttliche Wort und erprobte bei wichtigen Aufträgen seine Zuverlässigkeit, Geschäftsgewandtheit und rastlosen Eifer.

 

Als der heilige Bonifatius sich zur letzten Reise in das Land der Friesen entschloss, ernannte er mit Genehmigung des Papstes Zacharias seinen treuen Freund und erprobten Genossen Lullus zum Koadjutor seines Erzbistums. Den versammelten Vätern des Konzils zu Mainz stellte er den erwählten Oberhirten vor, und zu Lullus gewendet, sprach er: „Ich denke jetzt daran, wie ich meine Pilgerschaft vollenden will, und kann von dem Vorhaben meiner Reise nicht ablassen. Denn schon steht der Tag meines Sterbens bevor und die Zeit meines Todes naht. Ich werde die körperliche Hülle ablegen und in Empfang nehmen den Kampfpreis ewiger Belohnung. Du aber, innigst geliebter Sohn, führe zu Ende den Bau der von mir in Thüringen begonnenen Kirchen, rufe unablässig das Volk von Irrwegen zurück, vollende den Bau der zu Fulda begonnenen Kirche und bringe dorthin meinen unter der Last der Jahre erlegenen Leib.“ Nachdem er ihm noch andere heilsame Ermahnungen gegeben hatte, empfahl er ihm besonders die väterliche Fürsorge für seine Schüler und Freunde, und mahnte ihn schließlich: „Sorge nun auch, mein Sohn, mit deiner weisen Umsicht für alles, was auf der Reise dienlich ist und lege in meine Bücherkisten auch das Linnentuch, in das einst mein Leichnam gehüllt werden möge.“ Diese Worte gingen Lullus tief zu Herzen und er vergoss im Übermaß des Schmerzes einen Strom von Tränen. Mit ihm weinten alle Anwesenden. Zu gleicher Zeit ließ Bonifatius die Wahl des Lullus vom König Pipin bestätigen und empfahl ihn und seine Geistlichkeit dem väterlichen Schutz des edlen Herrschers.

 

Lullus verwaltete sein hohes Amt mit Weisheit und Eifer, lehrte, ermahnte, wies zurecht und leuchtete mit dem besten Beispiel vor, so dass er seinem geistlichen Vater alle Ehre machte. Nach dem Martertod des heiligen Bonifatius ließ er dessen Leiche durch eine Gesandtschaft nach Mainz führen und empfing mit unsäglicher Trauer und dennoch mit Freude und Jubel die heilige Leiche seines geliebten Lehrers. So gern Lullus und die Bewohner von Mainz den heiligen Leib in ihrer Mitte behalten hätten, so durften sie doch dem ausdrücklichen Verlangen des Heiligen nicht widerstreben. Lullus begleitete die heilige Leiche bis Fulda und setzte sie unter außerordentlichen Feierlichkeiten in einem steinernen Sarkophag des Domes bei. Dann brachte er die Leiche Adelars, des ersten Bischofs von Erfurt und Genossen des Martertodes des heiligen Bonifatius, zugleich mit dem Leichnam des heiligen Eoban, nach Erfurt.

 

Nachdem Lullus das weitausgedehnte, vierzehn Bistümer umfassende Erzbistum Mainz zweiunddreißig Jahre ehrenvoll verwaltet hatte, wurde ihm im Geist offenbart, dass der Tag seiner Heimkehr zu Gott bevorstehe. Deshalb trug er dem frommen Bischof Alboin auf, dass er das heilige Messopfer verrichte und ihm dann nach dem von ihm gestifteten Kloster Hersfeld vorausgehe. Alboin, völlig gesund und kräftig, feierte ohne Verzug das heilige Opfer, fiel aber nach der Heiligen Messe tot hin. Lullus nahm die Leiche auf sein Schiff, mit dem er den Main hinauffuhr, und begrub sie ehrenvoll im Kloster Hersfeld. Bald überfiel auch ihn ein heftiges Fieber und nach würdiger Vorbereitung entschlief er im Herrn am 16. Oktober 786. Als 60 Jahre später sein Leichnam aus der Erde erhoben wurde, fand man ihn völlig unversehrt im Glanz seiner Gewande, so dass man eher einen Schlafenden, als einen Toten zu sehen glaubte.

 

Der heilige Longinus, Soldat und Martyrer,

hat die Seite des Herrn durchbohrt,

+ 15.3.59 - Fest: 20. März

 

Nachdem am 13. März des heiligen Dismas, des guten Schächers, gedacht wurde, soll am heutigen Tag das Andenken an einen anderen Mann wachgerufen werden, der bei der Kreuzigung Jesu zugegen und auch mittätig war. Es ist der Anführer der römischen Soldaten, welche die Vollstreckung des Todesurteils, das über den Heiland ausgesprochen war, überwachen sollten. Man vernehme zunächst, was das Evangelium berichtet. Es kommen zwei Stellen in Frage. Die erste hat der heilige Matthäus aufgeschrieben, sie lautet:

 

„Darauf rief Jesus noch einmal mit lauter Stimme und gab den Geist auf. Und siehe, der Vorhang des Tempels riss entzwei von oben bis unten. Die Erde bebte, die Felsen spalteten sich, und viele Leiber von entschlafenen Heiligen standen auf. Sie kamen aus den Grabstätten hervor und gingen nach seiner Auferstehung in die Heilige Stadt und erschienen vielen. Als der Hauptmann und die Soldaten, die mit ihm bei Jesus Wache hielten, das Erdbeben und was sonst noch geschah, gewahrten, gerieten sie in große Furcht und sprachen: Wahrhaftig, dieser war Gottes Sohn!“

 

Das ist die erste Stelle. Die zweite Stelle stammt vom heiligen Evangelisten Johannes und heißt:

 

„Weil Jesus wusste, dass jetzt alles vollbracht war, sprach er, damit die Schrift erfüllt würde: Mich dürstet! Ein Gefäß voll Essig stand da. Man steckte einen Schwamm voll auf einen Ysopstängel und hielt ihm diesen an den Mund. Und Jesus kostete den Essig. Alsdann sprach er: Es ist vollbracht! Dann neigte er das Haupt und gab den Geist auf. Es war Rüsttag. Da sollten die Leichen nicht über den Sabbat am Kreuz bleiben, denn jener Sabbat war ein ganz besonders hoher Tag. Deswegen kamen die Soldaten und zerschlugen dem einen seine Glieder und dem anderen. Als sie aber zu Jesus kamen, sahen sie, dass er schon tot war, und so zerschlugen sie ihm die Glieder nicht. Doch stieß ihm einer der Soldaten die Lanze in die Seite, und sogleich flossen Blut und Wasser heraus.“

 

So lauten die Berichte der beiden Evangelisten Matthäus und Johannes, und die Legende weiß zu erzählen, dass der erwähnte Hauptmann und der genannte Soldat der gleiche Mann war, der später auf den Namen Longinus getauft wurde.

 

Longinus war also vorher ein Heide, der mit dem Soldatenaufgebot hoch zu Ross den Kreuzträger auf dem schweren Gang nach Golgatha begleitete. Verächtlich blickte der stolze römische Offizier über die jüdische Volksmenge hinweg, und mit kaltem Blick streifte sein Auge zuweilen den Verurteilten. Alle Vorgänge, die sich auf dem bitteren Kreuzweg ereigneten, beobachtete er scharf, und als er sah, wie der Heiland das schwere Kreuz freudig auf sich nahm und es geduldig von einer Station zur anderen schleppte, wie er mit lieben Worten seine Mutter und die frommen Frauen tröstete, wie er sich willig annageln ließ, da wich die Teilnahmslosigkeit im Herzen des stolzen Offiziers zunächst einem menschlich warmen Gefühl, das sich langsam zur inneren Ergriffenheit steigerte, und als er schließlich mit unbefangenem Verstand die Wunder beim Tode Jesu erlebte, brach sich der Glaube in ihm Bahn, und er bekannte laut vor allem Volk: „Wahrhaftig, dieser war Gottes Sohn!“ Nach dem Schächer ist der Hauptmann der zweite, den die Gnade erreichte und umwandelte, und gleich darauf wurde er auch schon gewürdigt, dem Leichnam des Herrn einen letzten Liebesdienst dadurch zu erweisen, dass er ihn vor der Schändung bewahrte.

 

Nach jüdischem Gesetz musste nämlich ein Verurteilter gleich nach der Hinrichtung begraben werden. Weil sich aber das Verscheiden bei einer Kreuzigung oft lange Stunden hinzog, zerschmetterte man den Sterbenden in roher Weise die Beine und Arme. Bei den Schächern, die mit Jesus gekreuzigt wurden, geschah es so, aber beim Heiland nicht, denn der Hauptmann schützte des Herrn Leib vor der Schändung. In eigener Person übernahm er die Todesprobe, indem er nach soldatischer Auffassung in durchaus ehrenhafter Art das Herz des Heilandes mit einer Lanze durchbohrte. Als das geschah, floss sogleich Blut und Wasser aus der durchbohrten Seite des Herrn hervor zum Zeichen und Beweis dafür, dass der Tod wirklich eingetreten war.

 

Longinus war es, der das Herz des Heilandes öffnete, auf dass die Pforte des Lebens aufsprang, aus der im Sinnbild von Blut und Wasser die sieben heiligen Sakramente unaufhörlich hervorströmen mit Gnaden ohne Zahl für Zeit und Ewigkeit.

 

O verlorene Adamskinder!

Schöpfet wieder neuen Mut,

Denn es gibt für alle Sünder

Jesu Herz sein teures Blut.

Aus dem Herzen Jesu rinnen

Blut und Wasser reich herab,

Unsre Seelen zu gewinnen,

Unsre Schuld zu waschen ab.

 

 Die selige Luitgard von Wittichen, Stifter-Oberin von Wittichenstein, Baden, III. OFM, + 16.10.1348 – Gedenktag: 16. Oktober

 

Diese Selige gehört noch einer Zeit an, in der tieffromme Seelen, besonders in den Klöstern, Blüten eines mystischen, innig mit Gott verbundenen Lebens hervorbrachten. Als Kind des Badener Landes, als Tertiarin des heiligen Franziskus, ist die bewunderte Meisterin des religiösen Lebens heute noch vielen lieb und verehrungswert. Dabei sind wir so glücklich, einen Lebensbericht ihres Zeitgenossen und Gewissensrates, des „Kirchherrn von Bombach“, Berthold, zu besitzen, der wie kein anderer befähigt war, über die verborgenen Geheimnisse zu berichten, die Gott in ihre Seele legte. Bei seiner genauen Kenntnis der Seligen versichert er uns: „Ich spreche die Wahrheit aus, dass dieses Buch nicht den hundertsten Teil all des Wunderbaren enthält, das Gott durch Luitgard wirkte. Durch ein Wunder aber übertraf sie alle Menschen, von denen ich jemals auf Erden reden hörte. Alle anderen nämlich, die in unseren Zeiten zu einem beschaulichen Leben kamen, übten sich vorher im tätigen Leben, während sie in Mitte des schauenden Lebens zum wirkenden gezwungen wurde, dessen ungeachtet um kein Haar breit von den Obliegenheiten des beschaulichen Lebens abwich. Sie übte vielmehr das wirkende Leben gerade so, als ob sie niemals ein schauendes gekannt hätte und oblag hinwiederum dem letzteren so vollkommen, dass ihr das erstere zu heiligen Übungen nicht im mindesten im Wege stand.“

 

Eine „Luitgard“, der „Leute Garten“, war das Töchterlein einer überaus tugendhaften Bauersfrau „unterhalb Wickestein“ in Schwaben geboren 1290. „Einen lieblichen Garten zieren blaue Veilchen, weiße Lilien und rote Rosen, zu allermeist aber ein grüner Rasen und ein Brunnen mit erquickendem Trunk.“ Schon das Kind und Jungfräulein verriet all das, was einen anmutigen Garten anziehend macht. Eine still blühende Herzensgüte ließ das Kind immer eher zu Armen als zu Reichen sich hinneigen. Sie fand keine Ruhe, bis nicht auch vorübergehende Bettler oder Arme einen Anteil von ihrem Tisch hatten. Rein und lauter war ihr Gemüt. Nie hörte jemand Ungehöriges aus ihrem Mund. Als sie erstmals von der jungfräulichen Keuschheit reden hörte, sprach sie entschlossen: „So will ich denn Gott meine Jungfrauschaft aufopfern und mich mit seiner Hilfe lauter halten.“ So eifrig hing das Kind dem Gebet an, dass es selbst im Spiel daran dachte. Die Weichlichkeit verabscheute es als den Untergang des geistlichen Lebens und legte sich darum ein Brett ins Bettlein, um schneller wieder auf ein Neues zum Gebet gehen zu können. Der Herr führte auch gnadenvoll das „Luitgardlein“ auf seinen himmlischen Rasen und ergötzte es mit den Blumen lieblicher Gesichte. Auf Unserer Lieben Frauen Fürbitte reichte ihr einmal Jesus einen Becher daraus zu trinken. Reichlich sprudelte hinfort des göttlichen Brunnens Lehre und Weisheit. Der Herr wurde geheimnisvoll ihr Lehrer. Franziskusgeist wehte in dem glückseligen Kind.

 

Luitgarden zog es zum Ordensstand hin. Schon vor der Einführung des Franziskanerordens gab es in Süddeutschland religiöse Frauenvereinigungen ohne Regel, Gelübde und Namen. Jungfrauen und Witwen lebten in einem Haus zusammen und pflegten das Gebet, die Handarbeit, auch Krankendienst und Unterricht. Andere wie die Beghinen, die ursprünglich in kleinen Häuschen, die mit Kirche und Spital von einer Mauer umschlossen waren, wohnten, bauten sich Klausen im Wald oder stiller Abgeschiedenheit, wo sie mit der Strenge und Enthaltsamkeit frommer Einsiedler ihr Heil zu wirken suchten. Man nannte sie Klausnerinnen oder Waldschwestern. Dem Gottesdienst wohnten sie in der Pfarrkirche bei. Eine solche Klausnerin und Beghine wurde nun auch Luitgard. „Ach, mein Gott und Herr,“ sprach sie nach Erhalten des geistlichen Kleides, „hilf mir, dass ich dieses geistliche Gewand mit guten und geistlichen Werken schmücke.“ Und das tat sie auch. Sie erstarb ihrer selbst gänzlich. So groß war ihre freiwillige Armut, dass sie einen wirklich wehtuenden Mangel an allem litt. Gegen die arge Kälte schützte sie sich nur durch ein großes, graufarbiges Tuch, das sie geschenkt erhielt. Bei ihrem beschaulichen Versenktsein in Gott schien sie ganz der äußeren Kräfte beraubt, ähnlich einer Toten. Dennoch aber „verblieb sie in den Übungen guter Werke“. Die Echtheit der Tugenden Luitgardens bewährte sich, als sich die kirchliche Obrigkeit damals veranlasst sah, gegen die Beghinen das Verbot auszusprechen, weiterhin geistliche Kleider zu tragen. Das schmerzte die Selige gar sehr. Sie sprach aber zu ihren Mitschwestern: „Wir haben, liebe Kinder, uns dem lieben Gott gelassen und so müssen wir von ihm alles annehmen, was er nur immer haben will. Der Papst befielt es ja an Gottes Statt, weshalb wir ihm gehorchen müssen. Gewiss fehlt es ihm auch an der guten Absicht nicht. Wie dem immer sei, so wollen wir in Gehorsam leben, dann wird uns die Trübsal mehr zu Gott hin als von ihm wegführen.“ Darauf zog sie mit ihren Schwestern aus der Klause in die Kirche. Während sie dort, von Gott erleuchtet, ihre Bedrängnis ähnlich jener betrachtete, die Christus in seinem Spottkleid widerfahren ist, fiel sie in eine tiefe Ohnmacht, aus der sie ganz krank erwachte. Die Geistlichkeit erschrak beim Anblick der tiefen Krankheit, in die Luitgard geraten war, und ließ sie wieder mit ihren geistlichen Töchtern nach freiem Belieben gehen und leben.

 

Fünfzehn Jahre hatte so Luitgard in der obersten Klause von Wolfach gelebt, als Gott sie zu einem außerordentlichen, apostolischen Amt berief. Zunächst gelobte sie die Regel des Dritten Ordens des heiligen Franziskus und übte ihr gemäß die segensvolle Macht des Gebets und erbaulichen Beispiels. Als sie dann einmal am Fest der Himmelfahrt des Herrn um der Freuden seiner triumphierenden Menschheit willen ihn inständig anflehte, ihr endgültig seinen Willen kundzugeben, da sprach, während der Priester die heilige Hostie aufhob, eine Stimme daraus die Worte: „Du sollst ein Haus bauen und sollst vierunddreißig Leute zu dir nehmen, genau in der Meinung, worin ich vierunddreißig Jahre auf Erden lebte.“ Luitgard verschwieg diese Stimme jedermann und bat Gott beharrlich, sie doch vor einer falschen Offenbarung zu behüten. Da sah sie bei der Vorbereitung auf die heilige Kommunion ein gewaltiges Feuer und eine Stimme daraus belehrte sie zürnend: „Du hast gebetet und bist erhört worden; du willst aber nicht folgen.“ Noch mehrere Gesichte und ernster Mahnungen des Herrn bedurfte es, bis Luitgard daranging, das unmöglich Scheinende in Angriff zu nehmen. Sie begann nun Gefährtinnen zu sammeln und bei den Leuten Gaben zum Bau eines Klosters in Wittichen zu erbitten. Obwohl sie sich nicht selten als Närrin abweisen lassen musste, gelangte sie durch Gottes augenscheinliche Hilfe zu den nötigen Mitteln, den Bau aufzurichten und ihre Schwestern zu unterhalten.

 

Unter den Bewohnern des neuen Gotteshauses herrschte eine solche Freude an den Tugendübungen, dass es eine der anderen darin hervortun wollte. Inmitten der unterschiedlichsten Leiden blieben sie so fröhlich, dass keine Klage aus ihrem Mund vernommen wurde. Die Liebe Gottes half ihnen alles zu ertragen. Die selige Mutter Luitgard unternahm selber Jahre lang Bettelreisen, um den Bestand ihres Hauses sicher zu stellen und immer mehr zu heben. Dabei war ihr großes Geschick bewundernswert, die Sorge für Vergängliches auf sich zu nehmen, ohne hierdurch im höheren beschaulichen Leben irgendwie beirrt zu werden. Ganz besonders trug die selige Mutter schon von Kindheit an das Leben und Leiden unseres Herrn in Herz und Sinn. Selbst im Getümmel der Leute war es ihr süßes Gedenken. Nach ihm richtete sie ihr ganzes Leben, ihre Worte und Werke ein. Es war auch ihr heißes Bestreben, jedermann zur Verehrung des Lebens und Leidens unseres Herrn hinzuführen. Sie konnte darüber reden, wie wenn sie es mit eigenen Augen gesehen und erlebt hätte. Auch über Christi heimliches Leiden konnte sie besser sprechen als ein Priester. Über alle Heiligen des Himmels, von denen man sonst niemand reden hörte, vermochte sie Leben, Namen und Martertum zu berichten. Gott offenbarte ihr viele große, zukünftige Dinge. Sie kannte auch die Art und Länge der Peinen bei vielen armen Seelen, regte zu ihrer Hilfe an und gab dann die erfolgte Erlösung kund.

 

Wie viele Sünder hat Luitgard durch ihr liebreiches, sanftmütiges Wesen gerettet. Zum Tod Verurteilte begleitete sie nicht selten unter frommen Gesprächen bis unter den Galgen. Berüchtigte Räuber begrüßte sie einmal im Wald: „Meine lieben Kinder, was habt ihr vor? Wie bin ich froh, dass mich Gott zu euch geschickt hat!“ Die Wirkung ihrer Rede war so ungewöhnlich, dass die Bösewichte die ebenso liebreiche wie mutige Lehrmeisterin um ihre Fürbitte anriefen, durch die sie von Gott Bekehrung zu erlangen hofften. Traf sie Verzweifelte, so sprach sie: „Mein Kind, ich selbst will, damit du keinen Zweifel an Gott habest, alle deine Sünden auf mich nehmen.“

 

Seelenrettung und Seelenheiligung war der apostolische Beruf Luitgardens. Und diesen Beruf übte sie getreulich und übt ihn noch jetzt durch ihre „Tugend- und Gebetsschule“. Es war die Lehre vom Himmel, als dem ewigen Ziel der Menschen, die unsere Selige wieder ins Bewusstsein weiterer Kreise einführen sollte. Nach ihren Gesichten war ihr die Vorstellung des Himmels unter dem Bild eines Hofes sehr geläufig, gleich der heiligen Theresia, die ja besonders von den Klöstern sagte, sie „sollten ein Hof des himmlischen Königs sein“. Wie nun Luitgard die göttliche Majestät im ewigen Himmelssaal umgeben sah von Maria, der Himmelskönigin, von den Aposteln, den Patriarchen und Propheten, den „vierundzwanzig Ältesten“, die alle gleichsam das Richterkollegium bilden, von den heiligen Engeln als den Dienern Gottes, von den glorwürdigen Martyrern, von all den zahlreichen Bekennern, den lilienbekränzten Jungfrauen, die als Hofleute den „himmlischen Saal“ zieren, so sollen auch, ganz in Übereinstimmung mit den Gesichten des heiligen Johannes in der Geheimen Offenbarung, „die heilige Stadt vom Himmel auf die Erde herabsteigen“ und die Glieder der streitenden Kirche jene der triumphierenden zum Vorbild nehmen. Alle sollen, jeder auf seine Art, ohne dass einer den anderen beneidet, Gott dienen. Zufrieden mit ihrem Stand, sollen die Guten als treue Untertanen ein Abbild des himmlischen Reiches sein. Aber nur jene dürfen Anspruch auf den dies- und jenseitigen „himmlischen Hof“ erheben, die in der Tugendschule Luitgardens die vier Tugenden üben:

 

Erstens müssen sie ein von irdischen Dingen losgeschältes und so sehr entledigtes Leben führen, dass ihre Begierden, ihr Herz und Wille sich allein dem Ewigen zuwendet. Zweitens müssen sie in Widerwärtigkeiten geduldig sein und all ihr Vertrauen und Hoffen auf Gott setzen. Drittens müssen sie friedsam und liebreich und endlich viertens von Herzen demütig sein.

 

Daneben sollte auf Geheiß Gottes die Selige ihre Zeitgenossen noch eine besondere Gebetsschule lehren. In ihrer Betrachtung der Himmelsbewohner nahm sie wahr, wie die Seligen die göttliche Majestät in höchst lieblichen Gesängen wegen der Geheimnisse des Lebens und Leidens Jesu priesen. Die Verehrung der Erlösungsgeheimnisse in der streitenden Kirche auf Erden mehr zu fördern, war Luitgard berufen. Der Heiland selber sagte einmal zu ihr: „In der Menschenbrust, worin das Andenken an die Geheimnisse meines Lebens und Leidens leben sollte, hat sich das Wohlgefallen am Irdischen eingenistet. Eine große Zahl achtet meine Taten gering oder gar nicht. Andere lästern mich sogar, ungeachtet des von mir so willig erlittenen Todes. Die Zahl dieser ist sogar im Zunehmen begriffen. Wirst du nun nicht einsehen, dass ich bei solcher Erkaltung meiner Liebe mich deiner mit vollstem Recht bediene, um die Geheimnisse meines Lebens und Leidens der Welt auf ein Neues bekannt zu geben?“ Luitgard hatte nämlich sich anfangs gesträubt, eine so außerordentliche Sendung, die in ihrer Art und ihrem Inhalt ganz der Sendung der heiligen Margaretha Alacoque hinsichtlich der Verehrung der Liebe des göttlichen Herzens gleicht, auf sich zu nehmen. „Mein Herr,“ hatte sie eingewendet, „zeige es ihnen selbst; denn mir kommt es zu schwer vor . . . O König der Herrlichkeit, weswegen nimmst du mich zu solchem Werk? Denn mir gebricht es an Tugend!“ Es wurde ihr die Antwort: „Sag an, wer die Leute tränke: die Kanne oder das Wasser?“ Es war ihr nämlich schon früher einmal, als sie zum Klosterbau aufgefordert worden war, ein fließendes Wasser gezeigt worden, daneben eine hölzerne Kanne mit der Aufforderung, damit für die Leute Wasser zu schöpfen. „Mir scheint die Kanne aber allzu unrein“, hatte Luitgard geantwortet, und plötzlich war die Kanne mitten aufs Feld gefallen und in hellen Flammen verbrannt. Daran jetzt erinnert, erwiderte sie der Stimme: „Das Wasser tränkte die Leute und nicht die Kanne.“ Darauf die Stimme: „Gerade so sollst du eine Kanne sein; Gott aber wird selbst die Menschen bewegen, dass sie zu ihr kommen.“

 

Diesem ausdrücklichen Ruf Gottes folgend, lehrte die Selige die Andacht zu den Hauptereignissen des Lebens und Leidens des Herrn in den vierunddreißig Lebensjahren (wobei die neun Monate vor Jesu Geburt mitgezählt sind), nämlich:

 

1. Die ewige Auserwählung Mariens zur Mutter Gottes,

2. ihre Unbefleckte Empfängnis,

3. ihre Geburt,

4. des Engels Verkündigung und die Empfängnis Christi,

5. das geheimnisvolle Leben des Herrn im Schoß der Jungfrau und Belehrung Josephs hierüber,

6. Geburt Christi,

7. Anbetung der Weisen,

8. Beschneidung des Herrn,

9. Reinigung Mariens im Tempel,

10. Flucht nach Ägypten,

11. dreitägiger Verlust Jesu,

12. dreißigjähriger Gehorsam Jesu und Verborgenheit in Nazareth,

13. die dreijährige Übung des Predigtamtes,

14. das vierzigtägige Fasten Jesu in der Wüste,

15. die zur Bekehrung des Volkes gewirkten Wunder,

16. Todesangst am Ölberg,

17. Verrat und falscher Kuss des Judas,

18. die schmerzliche Gefangennahme,

19. die falschen Zeugnisse und Anklagen,

20. die schmähliche Behandlung vor den Richtern,

21. der Backenstreich,

22. Geißelung,

23. die beschämende Entblößung,

24. Verspottung,

25. Dornenkrönung,

26. Ecce homo, die erniedrigende Vorführung vor Pilatus,

27. das ungerechte Todesurteil,

28. die schmerzliche Begegnung mit der Mutter Jesu,

29. die Annagelung am Kreuz, sieben Worte und Tod Christi,

30. glorreiche Auferstehung,

31. wunderbare Himmelfahrt,

32. Sendung des Heiligen Geistes,

33. Mariä Himmelfahrt,

34. Erhöhung und Krönung Mariens.

 

Mit der Betrachtung und Verehrung dieser Geheimnisse werden eine „längere Reihe von Vaterunser und Ave Maria“ verbunden. Ja so groß war der Gebetseifer der Mitglieder des „Gebets- und Sühnevereins“ der seligen Luitgard, dass von Anfang an zu jedem der bezeichneten Geheimnisse nicht weniger als tausend Vaterunser gebetet wurden. Uns weniger gebets- und heilsbeflissene Nachgeborene überkommt bei solcher Forderung ein nicht geringer Schrecken. Es ist aber zu bedenken, dass die Mitglieder des Vereins in Sektionen zu vierunddreißig Teilnehmern abgeteilt waren, sich also wohl in einem „ganzen himmlischen Hof“ teilen konnten, dass ferner die Gebetszeit eine unbeschränkte ist, so dass man also beliebig viele Jahre brauchen kann, dass endlich auch die Möglichkeit eingeräumt ist, Mitglied „des himmlischen Hofes“ zu werden durch Halten von vierunddreißig heiligen Messen oder Almosen, Fasttagen, Kreuzwegen, Psaltern und dergleichen. Die auch hierbei erforderliche Betrachtung der genannten vierunddreißig Geheimnisse kann auch im Anschluss an ein diese Geheimnisse kurz darstellendes Gebet erfolgen, das die Selige selber zu verrichten pflegte und das als eigentliches Vereinsgebet auch bischöfliche Approbation erhalten hat. Übrigens finden sich tatsächlich auch heute noch Liebhaber und Beter des „Himmlischen Hofes“, besonders in Klöstern, und das ist auch ein Grund, warum wir glaubten, das Gedächtnis der seligen Luitgard und ihrer Sendung für ihre Zeit wieder aufzufrischen. Erneuerung des Gebetsgeistes und Sühne bedürfte auch unsere Zeit mehr denn je.

 

Über die Wirksamkeit Luitgardens in den letzten Jahren ihres klösterlichen Lebens fehlen uns die Nachrichten. Ein Chronist meldet noch ihren seligen Tod mit den Worten: „Nachdem Luitgard in wunderbarer Heiligkeit zwanzig Jahre zu Oberwolfach und weitere fünfundzwanzig Jahre zu Wittichen geglänzt hatte, starb sie am 16. Oktober des Jahres 1347. Sie erreichte das 57. Lebensjahr.“ Ihr Grab wurde bald zu einem Wallfahrtsort, den jahraus jahrein viele Menschen besuchten. Eine Menge Wunder wird berichtet und bezeugt das große Vertrauen der hilfesuchenden Verehrer. Als im Jahr 1658 der Leib der Seligen von dem Franziskaner und Theologiedoktor Pater Johann Ludwig a Musis erhoben wurde, „fand sich in der Hirnschale noch das frische Gehirn mit allen Äderlein und Fugen vollständig und unverwest beisammen, gerade als wäre es zur selben Stunde hineingelegt worden“. Nach den Erklärungen katholischer und nichtkatholischer Doktoren und Physiker ist diese Unverwestheit des Gehirns „mehr einer verborgenen göttlichen Kraft als natürlichen Ursachen zuzuschreiben“. Die selige Luitgard wird darum gerne um Verhütung von Kopfschmerzen und zur Bewahrung im Glauben bis zum Tod angerufen. Ihr Kloster wurde 1803 aufgehoben.

 

„Drei Dinge habe ich von Gott begehrt: das eine ist, dass er unsere Armut nimmer abnehmen lasse, das andere, dass er mir alles Wissen unnützer Dinge nehme, das dritte, dass er mich nie ohne arges Siechtum und viele Plage lasse.“ (Worte Luitgardens)

 

Gebet am 16. Oktober

 

Herrliche, würdigste Frau! Du bist nach dem Wort der Schrift: "der Ruhm Jerusalems, die Freude Israels, die Ehre unseres Volkes." Fürwahr, auf dich ist jedes Christenherz stolz. Dich preisen die Engel, dir eifern die Frommen, die Heiligen nach. Dich krönt der Herr mit Herrlichkeit und Hoheit. O dass ein schwacher Strahl deines Glanzes auch auf uns fiele, unsere Blöße deckte, unsere Nacht erhellte. Erbitte uns doch die Gnade, dass wir deinem Ruhm nachstreben, nicht ihn bloß anstaunen: dass wir in deine ehrenreichen Fußstapfen treten und uns immer begnügen, nur deine Hoheit zu bewundern. Ja setze uns so in Stand, unser Heil kräftig zu wirken, um einst an deiner Freude ewig teilnehmen zu können. Amen. 

 

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Gallus

 

Wir bitten Dich, o Herr, bewahre unser Herz vor niedrigem Eigennutz, und lass uns auf die Fürbitte des heiligen Gallus immer das Heil unseres Nächsten suchen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Zu Gott auf die Fürbitte der heiligen Hedwig

 

O Gott, der Du die heilige Hedwig gelehrt hast, die Pracht der Welt zu verachten und mit ganzem Herzen das Kreuz zu umfassen, verleihe uns auf ihre Fürbitte hin die Gnade, die vergänglichen Freuden der Welt zu verachten und in der Umfassung Deines Kreuzes alle Schwierigkeiten zu überwinden, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Am heutigen Tag wurde in Mailand die Einweihung der Hauptkirche feierlich gehalten, die Herzog Johannes Galeatius im Jahr 1388 zur Ehre der allerheiligsten Mutter Gottes in kürzester Zeit hat aufführen lassen. Papst Martin V. hat sie im Jahr 1419 selbst eingeweiht.

 

Andacht am 16. Oktober:

 

Das Thema im Oktober:

Vertrauen

"Habt Vertrauen." (Markus 6,50)

 

"Sich vielfältig bemühen und eifern, Mittel zu suchen, um gegen die misslichen Vorfälle dieses Lebens sich zu verwahren, und denjenigen abzuhelfen, die sich bereits ergeben haben, ist ein großer Mangel an Vertrauen auf Gott. Wenn wir den Anordnungen seiner Vorsehung so zuvorkommen, zeigen wir, dass wir mehr auf die Vorkehrungen bauen, die wir selbst treffen, als auf Gottes Leitung vertrauen, und uns mehr auf menschliche Klugheit stützen als auf sein heiliges Wort." (Der heilige Vinzenz von Paul)

Als der gottselige Pater Alvarez Rektor eines sehr armen Kollegiums war, erinnerte derjenige, dem das Untervorsteheramt aufgetragen war, ihn oftmals und entfaltete ihm eine große Anzahl dringender Bedürfnisse des Hauses, denen er nicht abzuhelfen vermöge; gewöhnlich schloss er dann mit den Worten, das einzige was hier zu tun sei, wäre das Kollegium zu verlassen. Der heilige Rektor, der sein Vertrauen auf die Vorsehung setzte, fragte ihn, ob er die Angelegenheit dem Herrn im Gebet empfohlen habe, und da jener ihm antwortete, es bleibe ihm nicht viel Zeit zum Gebet, sprach er: "Dies ist doch das erste, das man tun soll. Geht also hin, fragt den Willen Gottes im Gebet um Rat, und ergebt Euch ihm einige Zeit hindurch. Denkt Ihr etwa, diese Herde habe keinen Herrn, und zwar einen Herrn, der da will, dass diejenigen leben, die Ihm angehören? Geht also im Frieden und bedenkt, dass nicht alles von unserer Betriebsamkeit abhängt." Der Untervorsteher gehorchte und versicherte, die Vorsehung habe in Zeiten der Not immer für die Bedürfnisse des Hauses, oft sogar durch Mittel geholfen, die ans Wunderbare grenzten.

 

Fest glaube ich, mein Gott, dass Du über mich wachen und meiner gedenken wirst, wenn ich Dir treu diene. Du bist der beste aller Herren; Dir vertraue ich; Du wirst mich leiten und an nichts wird es mir mangeln! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 16. Oktober

 

"Der vollkommene Kämpfer überwindet die Versuchungen

und die Neigung seiner Natur zur Sünde

und übt eine vollkommene Herrschaft über seinen Geist."

 

gottsel. Johannes Tauler OP

1300 bis 16.6.1361

 

Betrachtung am 16. Oktober - Jesus ein Pilger in der menschlichen Natur

 

Dass wir im Glanz der Gottheit nicht vergingen,

Nahmst, Herr, du unser sterbliches Gewand;

Und alle, die als Mittler dich empfingen,

Führt deine Huld ins hohe Vaterland.

 

1. Wenn wir die wunderbare Pilgerschaft unseres Herrn in der menschlichen Natur betrachten, dann muss unser Herz von wehmütiger Liebe und Dankbarkeit durchdrungen werden. Denn eine beständige Gewalt litt seine heiligste Menschheit. Angeboren war die Glückseligkeit seiner heiligsten Seele, wegen ihrer persönlichen Vereinigung mit der Gottheit, und ihrer Natur nach hätte diese Glückseligkeit auf seinen heiligsten Leib sich übertragen sollen. Gewaltsam aber wurde das Recht auf diese Glorie seinem heiligsten Leib entzogen, damit er auf solche Weise den Leiden der Sterblichkeit sich unterwerfen könnte. Ebenso litt auch seine heiligste Seele Gewalt, da ihre Glückseligkeit einen ihr entsprechenden, von allen Schmerzen freien und glückseligen Leib erforderte.

 

2. Wer beherzigt diese unermessliche Liebe? Denn freiwillig und aus Liebe unterwarf sich Jesus diesem beständigen Zwang zur Verherrlichung seines himmlischen Vaters, und zu unserem Heil. Die Liebe zu uns Sündern beraubte ihn seiner Glückseligkeit, damit er mit unserer Armseligkeit sich beladen könnte. Die Liebe machte ihn sterblich, die Unsterblichkeit uns mitzuteilen, sie machte ihn arm, uns in den Besitz unsterblichen Reichtums zu versetzen, sie bewog ihn, Knechtsgestalt anzunehmen, uns zu ewiger Herrlichkeit zu erhöhen. Wie mächtig fordert diese Liebe uns auf, dass auch wir um seinetwillen uns Gewalt antun, ihm Liebe mit Liebe zu vergelten.

 

3. Nur einmal hob der Herr diesen Zwang auf eine kurze Stunde bei seiner heiligen Verklärung, seinen auserwählten Jüngern eine Probe der künftigen Seligkeit zu zeigen, und auch da besprach er sich mit Mose und Elia über seinen nahen Kreuzestod zu Jerusalem. So groß aber war diese Herrlichkeit, dass die beiden Apostel Petrus und Johannes keine Worte finden, sie auszusprechen. Sein ganzes übriges Leben hindurch aber ertrug er diesen gewaltsamen Zustand, wiewohl seine heiligste Seele immer der glorreichen Anschauung seiner Gottheit genoss. Also vereinigte er die höchste Glückseligkeit und das bitterste Leiden. Verleihe uns, gütigster Jesus, dass auch wir bei beständiger Abtötung der Sinne immerwährende Freude des Geistes erfahren. "Er erniedrigte sich, und wurde gehorsam bis zum Tod am Kreuz." (Philipper 2,8)

 

17. Oktober

 

Die heilige Margareta Maria Alacoque, Jungfrau, Nonne, Frankreich,

+ 17.10.1690 - Fest: 17. Oktober

 

Wie ein breiter länderverbindender und völkerbeglückender Strom, so zog gestern Sankt Hedwigs Leben an unserem staunenden Blick vorüber. Ganz anders ist die Geschichte der dritten aus dem Dreigestirn heiliger Frauen, das über diesen Tagen im Kirchenjahr glänzt, denn das Leben der heiligen Margareta Maria Alacoque ist wie das schwache Licht einer Kerze, die vor dreihundert Jahren irgendwo in Frankreich vom lieben Heiland selbst entzündet wurde, dann aber die Welt in Brand steckte und heute noch ungezählte Herzen erleuchtet und erwärmt, beglückt und beseligt.

 

Irgendwo in Frankreich wurde 1647 ein schwächliches Mädchen geboren. Der Vater, seines Standes Richter und Notar, starb früh und hinterließ fünf unmündige Kinder, für die sich eine gute Mutter von früh bis spät abrackerte, um sie für das Leben zu versorgen. Eines der Kinder, Margareta Maria, wurde einem klösterlichen Erziehungsheim übergeben, in dem sie sich glücklich fühlte. Doch nur zwei Jahre verblieb das Mädchen im stillen Frieden unter den gottgeweihten Frauen. Margareta Maria erkrankte, Lähmungserscheinungen traten auf, die Mutter holte sie heim, und vier weitere Jahre lag das Kind krank im Bett, kaum dass es die Glieder rühren konnte. Es war ein Jammer, der allen ins Herz schnitt, so dass auch die liebe Mutter Gottes Mitleid hatte und das Mädchen gesund machte, als es gelobte, sich dem Dienst Gottes im Kloster zu weihen.

 

Irgendwo in Frankreich lebte ein junges Mädchen, das sich vor Jahren auf dem Krankenbett Gott versprochen hatte. Es war ein schönes, anmutiges, liebreizendes junges Mädchen, das die Freuden der Welt, selbstverständlich in Ehren, mit vollen Zügen trank und davon nie genug bekommen konnte. Spiel und Scherz und Tanz und Lachen und Singen füllten die Tage aus, und wie wenig Klostergedanken Margareta Maria hegte, ersah man daraus, dass sie mit einem reichen jungen Mann verkehrte, und schon suchten Verwandte und Nachbarn im Kalender nach dem baldigen Hochzeitstag; da besann sich das junge Mädchen, das bei aller Lebenslust oft und manchmal stundenlang vor dem Tabernakel in der heimatlichen Dorfkirche knien und beten konnte, da besann sich also das Mädchen auf sein Gottesgelöbnis, und über Nacht ging Margareta Maria ins Kloster.

 

Irgendwo in Frankreich betete zur nächtlichen Stunde eine Ordensfrau vor dem Allerheiligsten in der Klosterkapelle. Es war eine schwächliche, kränkliche Ordensfrau, ungeschickt auch zu jeder Arbeit. Weil sie jedoch sehr fromm war, ernannten die Oberen sie zur Meisterin der jungen Schwestern. Als aber bekannt wurde, dass Schwester Margareta Maria Erscheinungen habe, wurde man misstrauisch, und die Mutter Priorin nahm die Zarte hart zwischen die Finger und drückte sie fest und befahl ihr, das Spinnen gefälligst zu unterlassen, dafür solle sie weniger fasten und besser essen, damit sich die Nerven wieder kräftigten, und als trotzdem die Erscheinungen weiterzugehen schienen, redete man allgemein im Haus von Einbildungen, Theater und höllischen Trugbildern. So schnell sind oft die Menschen mit dem Urteil fertig.

 

Irgendwo in Frankreich betet also zu nächtlicher Stunde eine Ordensfrau vor dem Allerheiligsten in der Klosterkapelle, und plötzlich steht vor ihr der Heiland in sichtbarer Gestalt und zeigt ihr, von Flammen umlodert, von Dornen umwunden, vom Kreuz überragt, in der Mitte mit dem tiefen Lanzenstich sein heiligstes Herz. „Siehe da das Herz“, so redet der Herr die Begnadete an, „das die Menschen so sehr geliebt hat, dem aber von den meisten, selbst solchen, die besondere Beweise seiner Liebe empfingen, nur Kälte, Gleichgültigkeit und Undank zuteilwird.“ Und weiter sagt der Heiland zu der Seherin, dass er in der liebearmen Welt einen neuen Frühling der Hingabe an ihn durch die Verehrung seines Herzens, des Sinnbildes und des Sitzes der Erlöserliebe, wolle aufblühen lassen und sie, Margareta Maria, solle „den unergründlichen Reichtum Christi verkünden und allen die Verwirklichung des Geheimnisses aufdecken, das von ewigen Zeiten her verborgen war in Gott, dem Schöpfer des Alls.“

 

Irgendwo in Frankreich spricht die Novizenmeisterin Schwester Margareta Maria mit heller Begeisterung hinreißend schön von der Liebesglut des Heilandsherzens, und selbst in Brand, entzündet sie auch die Seelen der Novizinnen und steckt allmählich alle im Hause an, und weiter greift der Brand auf andere Klöster, auf ganze Länder, auf die gesamte katholische Welt. Leuchtend und wärmend steht seitdem die Sonne des Herzens Jesu über der Kirche, und ein neuer Frühling der Liebe ist erblüht. Die Herz-Jesu-Verehrung ist mit dem Herz-Jesu-Fest, mit der Sühnekommunion am ersten Monatsfreitag, mit der Heiligen Stunde und anderen gemütstiefen Übungen zur Lieblingsandacht all jener geworden, die dem Herrn zugetan sind.

 

Irgendwo in Frankreich glühte und verglühte vor dreihundert Jahren eine Kerze, welche die ganze Welt in Brand gesteckt hat und heute noch Ungezählte erleuchtet und erwärmt, beglückt und beseligt.

 

Der heilige Johannes Colobos, Einsiedler in Ägypten,

+ 17.10. vor 450 – Fest: 17. Oktober

 

Johannes, mit dem Beinamen Colobos, der Zwerg oder der Kurze, wegen seiner kleinen Leibesgestalt, behauptet einen ausgezeichneten Rang unter den alten Vätern der ägyptischen Wüste. Mit einem seiner Brüder zog er sich in die Wüste Skete zurück, wo er unter der Leitung eines heiligen Einsiedlers aus allen Kräften nach Vollkommenheit strebte. Um den Sieg über sich selbst zu erringen, übte er besonders die Abtötung und die Demut, die die Grundfeste des geistlichen Lebens sind. Sein Führer auf der neuen Lebensbahn hieß ihn zuerst den Stab, den er in seiner Hand trug, in ein trockenes Erdreich pflanzen, und ihn alle Tage begießen, bis er Früchte trägt. Der Schüler war gehorsam mit kindlicher Herzenseinfalt, obgleich der Bach ziemlich weit entfernt war, der ihm Wasser geben konnte. Nachdem er nun – so wird erzählt – drei Jahre lang, ohne irgendeine Gegenrede, das ihm Befohlene getan hatte, fasste der Stab Wurzeln, und brachte Frucht hervor, die der greise Einsiedler pflückte und in die Kirche brachte. Er sprach zu den Brüdern: „Nehmt und esst die Frucht des Gehorsams!“ Man liest bei Sulpizius Severus, dass Postumianus, als er im Jahr 402 in Ägypten war, den Baum grünend gesehen hat.

 

Der heilige Johannes pflegte denjenigen, der, wenn er von bösen Gedanken angefallen wird, durch glühendes Gebet sich zu Gott erhebt, um der Gefahr zu entgehen, mit einem Menschen zu vergleichen, der ein wildes Tier auf sich zukommen sieht, und schnell auf einen Baum steigt, um ihm auszuweichen. Kaum hatte er die neue Lebensweise angefangen, als er schon solche Wonne in der Beschauung fand, dass er zu seinem Bruder sagte: „Ganz ohne Zerstreuung möchte ich leben, und nicht mehr als die Engel an das Irdische denken, um Gott ununterbrochen zu dienen und seinen Namen zu preisen.“ Nachdem er dies gesagt hatte, warf er seinen Mantel von sich, und entwich in die Wüste. Nach Verlauf einer Woche kehrte er jedoch wieder zurück, und klopfte an die Zelle seines Bruders. Der fragte ihn nach seinem Namen, worauf er antwortete: „Er sei sein Bruder Johannes.“ „Das kann nicht sein,“ entgegnete der Eingeschlossene, „denn mein Bruder Johannes ist ein Engel geworden, und lebt nicht mehr unter den Menschen.“ Der Heilige bat ihn um Verzeihung seines Irrtums, erkannte, dass der Mensch auf Erden jene Vollkommenheit nicht erreichen kann, die er sich gedacht hat, dass die Beschauung mit der Hände Arbeit abwechseln muss, und dass dieses Leben zur Buße und zur Prüfung bestimmt sei. Man hörte ihn auch oft sagen: „Wenn ein Feldherr eine Stadt einnehmen will, fängt er die Belagerung damit an, dass er ihr das Wasser und die Zufuhr der Lebensmittel abschneidet. Ebenso müssen wir, wenn wir unsere Leidenschaften bezähmen und unseren Hausfeind schwächen wollen, das Fleisch durch die Mäßigkeit, durch das Fasten und die anderen Übungen der Abtötung züchtigen.“

 

Einige Begebenheiten, die wir hier anführen wollen, werden zeigen, wie sehr er alle Gelegenheiten irgendeiner Sünde zu vermeiden suchte. Als er eines Tages bei der Arbeit an seinen Matten betete, stieß auf dem Weg von Skete ein Fuhrmann auf ihn, der ihn mit Schmähungen überschüttete. Der Diener Gottes ließ sogleich seine Arbeit liegen, und entfloh aus Furcht, von seiner Gemütsruhe etwas zu verlieren. Ein anderes Mal, da er Getreide auf dem Feld schnitt, entfernte er sich, sobald er vernahm, dass zwei der Schnitter miteinander stritten. Als er eines Tages in die Kirche von Skete ging, hörte er, dass zwei Personen miteinander stritten. Auf der Stelle kehrte er wieder in seine Zelle zurück, sammelte aber, ehe er hineinging, seine Gedanken, reinigte sozusagen seine Ohren, und führte den Frieden wieder in seine Seele zurück, was er im Umgang mit Gott dringend brauchte. Diese Wachsamkeit erwarb ihm eine ungewöhnliche Milde, Demut und Geduld, die durch nichts mehr getrübt werden konnten. Als einst jemand zu ihm sagte, er habe ein giftiges Herz, antwortete er: „Das ist wahr, und viel wahrer als du meinst.“

 

Um die Notwendigkeit der Selbstbesiegung anschaulich darzustellen, erzählte er oft folgendes Beispiel: Als einst ein junger Mann einen berühmten Philosophen um die Aufnahme unter die Zahl seiner Schüler bat, sagte er ihm: „“Gehe zuerst in die Steinbrüche und trage drei Jahre lang Steine an den Fluss mit den zu den Bergwerken verurteilten Verbrechern.“ Der junge Mann tat es und kam nach der bestimmten Zeit wieder zurück. Der Weise sagte ihm dann, er soll noch drei Jahre zubringen, unter Erduldung jeglicher Art Unbilden und Beschimpfungen, ohne auch nur ein Wort zu erwidern, und er soll denjenigen sogar Geld geben, die ihn auf das schmählichste misshandeln würden. Der junge Mann gehorchte wieder, und da er sich nach dieser Prüfungszeit wieder einfand, sagte ihm der Wese, er möge nun nach Athen gehen, um sich in die Schulen der Philosophen aufnehmen zu lassen. Am Tor dieser Stadt fand er einen Greis, der es sich zum Vergnügen machte, mit den Vorübergehenden seinen Scherz zu treiben. Weit entfernt gegen ihn zu zürnen oder sich zu rechtfertigen, lächelte er ihm zu, sich glücklich preisend, auf die empfindlichste Weise verhöhnt zu werden. Da ihn der Greis um den Grund dieses Benehmens fragte, gab er zur Antwort: „Drei Jahre lang habe ich denen Geld gegeben, die mich, wie du behandelt haben, und wie sollte ich nun nicht lachen, dass es mich jetzt nichts kostet, von dir verspottet zu werden?“ „Geh hin,“ erwiderte hierauf der Greis, „gehe hin in die Schule der Philosophen, du verdienst darin aufgenommen zu werden.“ Nach dieser Erzählung setzte der Heilige bei: „Siehe, dies ist die Tür des Himmels. Alle treuen Diener Gottes sind da eingegangen durch die Leiden und Demütigungen, die sie mit Sanftmut und Geduld ertragen haben.“

 

Er schätzte niemanden höher, als diejenigen, die eifrig an der Bekehrung der anderen arbeiteten, und gab hierüber folgende Lehre: „Man kann kein Haus bauen, wenn man am Dach anfangen und am Fundament enden will. Streben wir daher zuerst das Herz unserer Brüder zu gewinnen, ehe wir ihnen versuchen nützlich zu werden.“ Oft wiederholte er den Spruch: „Die Sicherheit eines Mönchs besteht darin, dass er allezeit in seiner Zelle verbleibt, beständig über sich selbst wacht, und nie die Gegenwart Gottes aus den Augen verliert.“ Niemals hörte man ihn von Neuigkeiten oder weltlichen Dingen reden. Einige sagten ihm, um ihn zu prüfen: „Wir müssen Gott für den reichlichen Regen danken, der dieses Jahr gefallen ist, die Palmbäume haben viele Blätter getrieben, und unsere Brüder werden nun leicht Matten und Körbe zu machen haben.“ Er begnügte sich aber mit der schönen Antwort: „Ebenso grünen die Herzen der Diener Gottes wieder, wenn der Heilige Geist seinen Tau auf sie fallen lässt. Sie erneuern sich, und treiben gleichsam Blätter in der Furcht des Herrn.“ Diese Antwort bewirkte, dass man sich nicht mehr mit ihm zu unterhalten suchte. Sein Geist war immer durch heilige Beschauung in Gott vertieft, und mehr als einmal vergaß er dabei, die angefangene Arbeit auf die gehörige Weise zu vollenden.

 

Der heilige Johannes nannte die Demut und Zerknirschung die ersten und notwendigsten aller Tugenden. Er besaß sie auch im höchsten Grad. Seine Rede erglühte in heiligem Feuer, wenn er von Gott sprach. Ein Bruder besuchte ihn, um sich mit ihm von Gott einige Augenblicke zu unterhalten. Über das in ihrem Gespräch gefundene Vergnügen vergaßen sie aber so sehr die flüchtige Zeit, dass die Nacht darüber verging. Als der Tag anbrach, wollten sie sich trennen, allein nach einigen Schritten, die der Heilige gemacht hatte, um den Bruder zurückzugeleiten, lenkten sie die Rede auf den Himmel, und sie blieben beisammen bis zur Mittagszeit.

 

Der Heilige sah einst einen Bruder während der Unterredungen lachen, worüber er in Tränen sich ergießend, sagte: „Welche Ursache kann dieser Bruder haben zu lachen, während wir so viel zum Weinen haben?“

 

Eine junge Frau, namens Paesia, geriet in Armut, wurde nach und nach träge in ihren frommen Übungen, und überließ sich zuletzt den Ausschweifungen. Die Mönche von Skete ersuchten den heiligen Johannes, er möge an ihrer Bekehrung arbeiten. Er begab sich zu ihr, allein der Eintritt in ihr Haus wurde ihm verweigert. Nachdem er lange Zeit gewartet und der Frau gesagt hatte, sie wird seinen Einlass nicht zu bereuen haben, wurde ihm doch endlich sein Begehren gewährt. Als er sich in dem Haus befand, sagte er mit seiner gewöhnlichen Milde zur Schuldigen: „Welche Ursachen hast du, dich über Gott zu beklagen, ihn so zu verlassen, und dich in einen so bedauernswürdigen Abgrund zu stürzen?“ Diese Worte machten einen tiefen Eindruck auf die Frau, die, den Heiligen in Tränen erblickend, sagte: „Warum weinst du so bitterlich?“ „Wie“, antwortete der Heilige, „sollte ich wohl meine Tränen zurückhalten können, wenn ich sehe, dass der höllische Feind dein Herz besitzt?“ „Steht mir“, erwiderte die Frau, „die Tür zur Buße noch offen?“ Als ihr Johannes hierauf bemerkt hatte, dass die Schätze der göttlichen Barmherzigkeit unerschöpflich sind, sagte sie ihm, er möge sie hinführen, wo er will. Beide entfernten sich nun in tiefem Stillschweigen. Die Büßerin verließ, ohne irgendetwas zu bestimmen, ihr Haus, denn sie hatte der Welt für immer entsagt, und wollte an nichts anderes mehr als an ihr Heil denken. Sie brachte ihre übrigen Lebenstage in strengen Bußübungen zu, und starb einige Zeit später in der Wüste. Dem heiligen Johannes wurde geoffenbart, dass ihr glühender Bußeifer sie vor Gott gerechtfertigt hatte.

 

Als sich schließlich der Heilige dem Tod nahe fühlte, baten ihn seine Schüler, er möge ihnen einige Lehren hinterlassen, die geeignet wären, sie zur Vollkommenheit zu führen. Er sagte ihnen unter Seufzern: „Ich habe nie meinem Eigenwillen gefolgt. Ich habe andere nie etwas gelehrt, was ich nicht zuerst ausgeübt hätte.“ Er starb zu Anfang des fünften Jahrhunderts.

 

 Der selige Contardo Ferrini, Hochschullehrer, Franziskaner-Tertiar,

+ 17.10.1902 – Gedenktag: 17. Oktober

 

Man muss damit rechnen, dass man in unseren Gotteshäusern neben den Bildern und Statuen der älteren Heiligen mit bunten Kleidern und langen Bärten eines Tages auch Darstellungen von neueren Heiligen finden wird, die gerade so gekleidet sind wie die Leute von heute, denn weil die katholische Kirche heilig ist, sterben in ihr auch die Heiligen nie aus. Jede Zeit hat ihre Heiligen, auch unsere Zeit, nur dauert es wegen der sorgfältigen Prüfungen, die einer Heiligsprechung vorausgehen, oft recht lange, bis der Papst einem Menschen die Ehre der Altäre zuerkennt.

 

So soll sich heute uns einer von den neueren Heiligen vorstellen, der am 4. April 1859 geboren wurde und dessen Gedächtnis nicht nur in Italien am 17. Oktober, seinem Sterbetag, begangen wird. Es ist der Italiener Contardo Ferrini, der am 13. April 1947 von Papst Pius XII. seliggesprochen wurde, ein Hochschullehrer, der erste Heilige in Gehrock und Lackschuhen.

 

Contardo Ferrini, der Sohn eines Gelehrten, war ein kluger Junge, der spielend lernte und dabei äußerst fleißig war. So kam es, dass er mit der Zeit außer dem Italienischen, seiner Muttersprache, fließend lateinisch, griechisch, deutsch, französisch, englisch und spanisch sprach und dass er auch das Holländische, Hebräische und Syrische verstand.

 

Groß war also Ferrinis, Sprachgewandtheit, aber die lag bei ihm nur so nebenbei am Rand, sein eigentliches Können offenbarte sich auf dem Gebiet der Rechtsforschung. Da war er, der nach glänzenden Studien, unter anderem auch an der Berliner Hochschule, selbst Hochschullehrer zu Pavia geworden war, ein weltberühmter, anerkannter Meister.

 

Ferrini war jedoch nicht nur ein Gelehrter, sondern auch ein Heiliger, und wie sich der erwachsene Mensch aus dem Kind entwickelt, so meldet sich ebenso spätere Heiligkeit oft schon in den Jugendjahren an. Der kleine Ferrini war mit Liebe und Lust Messdiener. Wer überhaupt ein rechter Messdiener ist, wie Ferrini einer war, hat bereits einige Sprossen auf der Himmelsleiter hinter sich.

 

Der Student Contardo Ferrini liebte es, in den Pausen zwischen den Unterrichtsstunden für einen Augenblick in eine nahe Kirche zu springen, um sich vom Heiland und der Mutter Gottes, die er fromm verehrte, Licht und Kraft und Erfolg im Lernen zu erflehen. Nebenbei lernte der junge Ferrini die Heilige Schrift seitenlang auswendig, dass es eine Pracht war, ihn das Gelernte vortragen zu hören.

 

Wie der Junge, so der Mann. Der Hochschullehrer Ferrini betete viel, ging täglich zur heiligen Messe und zur heiligen Kommunion. Er tat als Vinzenzbruder den Armen viel Gutes und war dabei ganz ein Mensch unserer Zeit. Offen stand er dem Leben gegenüber. Weltmännisch gab er sich auch im Auftreten. Heiter und liebenswürdig war er im Verkehr, ein Mann mit vornehmen Umgangsformen, stets nach dem neuesten Schnitt tadellos gekleidet. Er benutzte wie wir Eisenbahn und Straßenbahn, war nicht minder auch ein begeisterter Bergsteiger, und bei all dem war er ein Heiliger, der erste Heilige in Gehrock und Lackschuhen.

 

Pater Angelus Franciskus von der heiligen Theresia

Gedenktage und Lebensskizzen hervorragender

Mitglieder des Karmelitenordens

 

Am 17. Oktober 1712 beschloss durch einen höchst erbaulichen Tod der lobwürdige Pater Angelus Franciskus von der heiligen Theresia sein frommes Leben. Angelus Franciskus, ein Spross der edlen Vigliotti, wurde am 16. September 1650 zu Mondovi in Piemont geboren. Sein Herz war so rein, dass er schon bei dem bloßen Wort "Todsünde" heftig erschrak. Dabei war sein Eifer so groß, dass er bereits als Knabe seinen Leib mit Geißeln, Fasten und anderen Bußwerken züchtigte. Ein höherer Ruf bestimmte ihn, der Welt "Lebewohl" zu sagen und sich den Söhnen der heiligen Theresia anzuschließen, obwohl väterliche Liebe und ärztlicher Rat im Hinblick auf seine Schwächlichkeit ihm einen anderen Beruf nahe legten. Am 17. September 1666 legte er seine heilige Profess ab. Im Jahr 1675 wurde ihm auf inständiges Bitten gestattet, in die Missionen zu gehen. Nach langer Fahrt langte er todkrank in Goa (Malabar) an. An seinem Bestimmungsort angekommen, besserte sich sein Befinden auffallend rasch und so vollständig, dass er bald die portugiesische und die ungleich schwierigere Landessprache lernen und zum Staunen aller selbst einen Katechismus in malabarischer Sprache abfassen konnte. Seit dem Jahr 1677 herrschten in jenem Gebiet traurige Wirren, deren Beilegung nur durch einen europäischen Bischof möglich schien. Pater Angelus Franciskus wurde dazu ausersehen und am 22. Mai 1701 konsekriert. Der neue Bischof war sich der Schwierigkeit seiner Aufgabe bewusst und bis zu seinem Tod unermüdlich tätig, um seine treuen Söhne der heiligen Kirche zu erhalten und jene, die sich dem Schisma in die Arme geworfen hatten, wieder mit der heiligen Kirche zu vereinigen. Seit Anfang des Monats Oktober 1712 begannen seine Kräfte zu verfallen. Am 11. dieses Monats bat er um die heiligen Sterbesakramente. Während er sich sonst ohne fremde Hilfe kaum zum Sitzen im Bett aufzurichten vermochte, erhob er sich, als man das Allerheiligste in sein Gemach brachte, von selbst, schob mit eigener Hand die Kissen weg, kniete auf den bloßen Boden nieder und verharrte in dieser Stellung eine volle Stunde in Anbetung. Nachdem er das heilige Sakrament empfangen hatte, legte er mit klarer Stimme das Glaubensbekenntnis ab und bat alle um Verzeihung wegen allenfalls gegebenen weniger guten Beispiels. Als das Weinen und Schluchzen der Anwesenden sich legte, wandte er sich an das zahlreich herbeigeeilte Volk, ermahnte es zu aufrichtiger Unterwürfigkeit, zum Gehorsam gegenüber den Vorgesetzten, zur Einheit im Glauben, zur Anhänglichkeit an die römisch-katholische Kirche und erklärte, nichts liege ihm angesichts des nahen Todes so sehr am Herzen als gerade dieses. Am 17., drei Stunden vor dem Tod, fühlte er das Herannahen des Herrn, zündete eigenhändig die geweihte Kerze an, nahm sie in seine Linke, hielt in der Rechten das Kruzifix und verschied ruhig und sanft, während er das Kreuz küsste und die heiligen Namen "Jesus, Maria und Joseph" anrief. Wenige Stunden vor seinem Hinscheiden lag er scheinbar schlafend da. Unterdessen hörten Angehörige des Hauses und Fremde, Priester, Kleriker und Laien von seinem Gemach her wiederholt himmlisch milde Gesänge ertönen, die Seele und Gehör gleich erfreuten. Die Leiche wurde nicht einbalsamiert, sondern, wie sie war, mit dem bischöflichen Ornat bekleidet, zur Kirche gebracht. Obwohl in Indien sonst infolge der großen Hitze und der anderen klimatischen Verhältnisse in Zeit von wenigen Stunden die Verwesung einzutreten pflegt, zeigte sich auffallender Weise an Angelus Franciskus nicht die geringste Spur davon. Sein Leib blieb im Gegenteil unversehrt, weich und beweglich und verbreitete einen lieblichen Geruch, "der noch heutzutage aus dem Grab dringt und Kirche und Haus erfüllt. Sein Andenken ist bis auf diesen Tag bei allen Malabaren hochgeschätzt. Sie ehren seine Grabstätte wie die eines Heiligen. Aber auch die Stimme des Himmels selbst bekräftigt die Andacht dieser Völker durch tägliche Wunder".

 

Gebet am 17. Oktober

 

Heiligste Mutter Jesu, du wünschst nichts sehnlicher, als Jesus, deinen Sohn, von aller Welt geliebt zu sehen. Ich fühle aber nur zu sehr, wie schwach meine Liebe zu unserem göttlichen Heiland ist. Um was ich dich nun bitte, ist nichts anderes als dies, dass du mir die Gnade erbittest, deinen Sohn recht innig, herzlich - über alles lieben zu können. Dies ist es ja, was du selber tust und wünschst. Unmöglich kannst du mir diese Bitte abschlagen. So bitte, bitte für mich, und lass nicht ab für mich zu bitten, bis du mich im Himmel siehst, wo ich sicher sein werde, meinen Gott zugleich mit dir, meine teuerste Mutter, immerfort zu besitzen und zu lieben. Amen.

  

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Von der heiligen Hedwig wird berichtet, dass sie, ihre Andacht zur seligsten Jungfrau zu ermuntern, ein schönes Bildnis von ihr in hohen Ehren gehalten, es beim Eingang in die Kirche vor sich her getragen und, die Kranken gesund zu machen, den Segen damit über sie gegeben hat. 

Auf den heutigen Tag wurde die Einweihung der Hauptkirche zu Reims, zu Chartres und der Abteikirche zu Cisterz, die alle unter der Anrufung der göttlichen Mutter geweiht wurden, begangen.

 

Andacht am 17. Oktober:

 

Das Thema im Oktober:

Vertrauen

"Habt Vertrauen." (Markus 6,50)

 

"Wenn wir etwas für Gott unternommen haben, wobei wir anerkannten, dass es sein Wille war, müssen wir eine solche Angelegenheit unerschrocken durchsetzen; wie groß und wie vielfältig auch die Hindernisse sein mögen, die sich ihr entgegenstemmen. Nie lässt es die göttliche Vorsehung in solchen Dingen an Hilfe fehlen, die man nur auf ihre Anordnung begonnen hat." (Der heilige Vinzenz von Paul)

Nie war dieser Heilige wegen der Hindernisse, die ihm aufstießen, kleinmütig; vielmehr zeigte er um so größere Festigkeit und Standhaftigkeit, als heftiger ihm widersprochen wurde.

Die heilige Franziska von Chantal sagte vom heiligen Franz von Sales, sie hätte ne eine stärkere und großmütigere Seele gekannt, wenn es galt, eine Sache durchzusetzen, die der Herr ihm eingegeben hatte.

Wo immer der heilige Franz Xaver sah, dass die Ehre Gottes konnte verbreitet werden, eilte er hin, ohne irgendwelche Schwierigkeiten noch Gefahren zu fürchten. Daher auch gelang ihm alles, was er unternahm. 

 

Alles, Herr, kann ich mit Dir, wenn Du mich stark machst! Wenn Du für mich bist, wer wird dann gegen mich sein? Nie sollen Hindernisse mich hinhalten, wenn ich einmal erkannt habe, was Du willst und verlangst! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 17. Oktober

 

"Flieht die unnützen Gespräche,

man verliert dabei die Zeit

und den Geist der Andacht."

 

hl. Thomas von Aquin OP

1225 bis 7.3.1274

 

Betrachtung am 17. Oktober - Über Krankheiten

 

Du heilest, Herr, durch Schmerzen unsre Wunden,

Und lässest durch die Krankheit uns gesunden:

Damit wir rein, durch Buße in der Zeit,

Nicht büßen müssen in der Ewigkeit.

 

1. Wenn unser barmherziger Erlöser körperlich Kranken die Gesundheit verlieh, begleitete er sie gewöhnlich mit Worten, die eine Arznei für unsere Seelen sind. So zeigte er durch die Verzeihung der Sünden, die er dem Gichtbrüchigen verlieh, dass die menschlichen Krankheiten ihren Ursprung in der Sünde haben, und dass wir vor allen Dingen um die Befreiung von unseren Sünden bitten sollen. Eben darum auch sprach er zu dem anderen Gichtbrüchigen, den er beim Schwemmteich heilte: "Sieh, du bist nun gesund geworden, sündige hinfort nicht mehr, damit dir nichts Schlimmeres widerfährt!" Deutlich sehen wir hier, dass diese Krankheit seiner Sünden wegen ihm widerfahren war. Darum sollen wir die Krankheiten, die Gott uns zusendet, im Geist der Buße annehmen und zur Versöhnung der göttlichen Gerechtigkeit mit Geduld und Ergebung ertragen.

 

2. Gott sendet zwar seinen Auserwählten zuweilen Krankheiten zu, wie er ihnen andere Trübsale zusendet, nicht um sie zu strafen, als sie dadurch wie das Gold im Feuer zu läutern und die Verdienste ihrer Geduld zu vermehren. Meist aber sucht er die Menschen ihrer Sünden wegen mit Krankheiten heim. Dies bezeugt die Schrift, die spricht: "Wer da sündigt vor dem Angesicht seines Schöpfers, der wird dem Arzt in die Hände fallen!" und an anderer Stelle: "Gott redet, um dem Menschen seine Seele vor dem Grab zu retten, sein Leben davor, in den Todesschacht hinabzusteigen. Er wird gemahnt durch Schmerz auf seinem Lager, und ständig ist Kampf in seinen Gliedern." (Ijob 33,18+19)

 

3. Sprechen wir also, wenn eine Krankheit über uns kommt, und Schmerzen uns bedrängen: Herr, ein Sünder bin ich, ein großer Schuldner deiner göttlichen Gerechtigkeit. Nichts auch ist billiger, als dass du die Sünde bestrafst. Doch dank dir, denn du bestrafst mich als ein milder Vater durch Trübsale dieses Lebens, und schlägst, damit du heilst. So nimm denn meine Schmerzen barmherzig als ein Sühnopfer auf, und verleihe mir deine Gnade, damit sie durch meine Geduld verdienstlich und dir wohlgefällig werden. Ijob 6,10: "Das wäre noch ein Trost für mich; ich hüpfte auf im Leid, mit dem er mich nicht schont. Denn ich habe die Worte des Heiligen nicht verleugnet."

 

18. Oktober

 

Der heilige Justus,

Junge und Martyrer von Saint-Just-en-Chaussée, Frankreich,

+ 18.10. 287 - Fest: 18. Oktober

 

Das Leben und Sterben des heiligen Justus wird in einer Schrift erzählt, die schon über tausend Jahre alt ist. Die Geschichte in unsere Sprache übersetzt lautet so:

 

„Es fängt an das Leiden des heiligen Märtyrers Justus. Zur Zeit, da der allmächtige Gott die Zahl der Heiligen anwachsen ließ, und Justus neun Jahre alt war, sprach er zu seinem Vater Justinus: „Mein Vater, ich habe einen Traum gehabt, dass ein reicher Mann, namens Lupus, meinen Oheim Justinian in der Stadt der Ambienser im Sklavendienst gefangen hält.“ – Der Vater sprach zum Sohn: „Was wollen wir also machen?“ – Da nun Justin in der Stadt Autisiodor einen Menschen um Geld zu dingen suchte, welcher ihn begleiten sollte, den Bruder aufzusuchen, sprach Justus zu ihm: „Ich bin bereit mit dir zu gehen.“ – Darauf sagte seine Mutter Felicia: „Sohn Justus, wie könntest du einen so weiten Weg antreten? Es könnte dir etwas widerfahren.“ – Er antwortete: „Wenn Gott will, werde ich gehen, und wenn es ihm gefällt, werde ich zurückkommen.“ – Und Justin sagte: „Nimm Brot und Geld und wir wollen unter Christi Leitung die Reise machen, welche wir beschlossen haben.“

 

Ungefähr um die dritte Stunde gingen sie fort aus der Stadt Autisiodor und kamen gegen Abend, als der Tag sich neigte, zu dem Kastell Melodun. Hier saß am Tor des Kastells ein Blinder und Lahmer und rief: „O seliger Justus, erquicke meine Seele, denn ich sterbe vor Hunger.“ Der Knabe sagte zu seinem Vater: „Nimm das Brot und erquicke ihn“ und zog sich dann ein Kleidungsstück ab und legte es dem Armen an; der Vater aber fing an, ihn darüber zu schelten. Justus antwortete: „Es steht geschrieben: Selig, wer sich erbarmt über den Dürftigen und Armen, in schlimmer Zeit wird ihn befreien der Herr.“ – Und in der Frühe gingen sie hinaus und setzten die Reise fort. Und als sie nach der Stadt Paris kamen, trafen sie einen sehr guten Mann, Hippolyt mit Namen. Er fragte sie, aus welcher Provinz sie wären; jene aber sagten, „aus der Stadt Autisiodor, wir suchen einen Gefangenen“, und es sagte Hippolyt zu ihnen: „Kommet in mein Haus, ich will euch erquicken mit Wein und Honigwasser.“

 

Als sie gesättigt waren und die Reise fortsetzten, kamen sie an den Fluss Isara, fanden aber kein Schiff; da sprach Justus zu seinem Vater Justin: „Sieh, durch Gottes Barmherzigkeit kommt ein Mensch den Fluss herab; wir wollen ihn bitten, dass er uns überfahre.“ Und da sie so redeten, kam er und sie sagten zu ihm: „Freund, tue uns den Gefallen und fahre uns über den Fluss; du bekommst Fährgeld dafür und Gewinn für deine Seele.“ Aber er fragte, wer und woher sie seien; und da sie ihm die Mitteilung machten, dass sie ausgehen, einen Gefangenen zu suchen, fuhr er sie umsonst über den Fluss. Als sie nun die angefangene Reise beschleunigten, kamen sie zu der Stadt Ambianis und fragten nach dem Handelsmann Lupus und wo sein Haus wäre. Und da sie ihn gefunden hatten, sagten sie zu ihm: „Unser Anverwandter ist in dieses Gebiet als Gefangener geführt worden und wir haben gehört, er sei bei dir.“ Aber er fragte, woher oder wer es sei oder was für einen Namen der habe, den sie suchten. Darauf antwortete Justinus: „Wir sind Christen aus der Stadt Autisiodor, und mein Bruder, den wir suchen, heißt Justinianus.“ – Und Lupus sprach zu ihnen: „Kommet in mein Haus und ich will euch Herberge geben und euch meine Sklaven zeigen, und wenn ihr den erkennt, den ihr sucht und das Lösegeld zahlt, könnt ihr euren Bruder heimführen.

 

Und da sie zur Abendstunde in das Haus des Lupus gegangen waren, führte er ihnen seine zwölf Sklaven vor. Allein der Gesuchte ward unter ihnen nicht gefunden; erst da er genauer nachsah, erblickte Justus den Justinian, wie er die Lampe hielt und sagte: „Siehe, der Sklave, welcher das Licht anzündet, ist unser.“ Aber dieser sprach: „Woher kennst du mich? Ich habe dich noch nie in dieser Gegend gesehen.“ Und indem er dieses redete, war ein junger Soldat des Verfolgers Riciovarus zugegen; der stand alsbald auf und brachte die Geschichte zu dem Tyrannen und sprach: „Es sind Menschen in der Stadt Ambianis, die sich auf Zauberkünste verstehen und bekennen, Christen zu sein; was ist mit ihnen zu machen?“ – Aber er sprach: „Geht, und führt sie schnell zu mir, und wenn sie sich weigern zu kommen, sollen sie in den Kerker geworfen werden, bis sie mir vor Augen gebracht werden.“ – Da die Diener fortgingen in die Stadt und das Haus des Lupus aufsuchten, fanden sie jene nicht mehr daselbst, weil Lupus vorher in der Nachtzeit zu ihnen gesagt hatte: „Steht auf und nehmt den Menschen, der euch angehört und euer Geld, damit nicht die Vorgesetzten euch ergreifen.“ Und da die Diener dem Riciovarus so meldeten, dass jene schon aus der Stadt entwichen wären, sagte der Tyrann zu ihnen: „Es sollen vier Knechte sich aufmache und sie schnell zu Pferd verfolgen, damit sie umkehren müssen und, wenn sie widerstreben, getötet werden.

 

Als die Knechte sie verfolgten, fanden sie dieselben bei der Quelle Sirica. Und es sprach zuerst Justinianus zu seinem Bruder Justinus: „Wir wollen ein wenig ausruhen, da wir Wasser hier haben und wollen Speise nehmen, damit wir besser die Reise fortsetzen können.“ – Und Justus sagte zu ihnen: „Esst geschwinder, weil der Gebieter Riciovarus vier Reiter schickt, die uns zurückführen oder töten sollen. Während ihr Speise nehmt, will ich achthaben, und wenn sie kommen, mit ihnen reden; ihr aber geht in die Höhle und verbergt euch.“ – Und wie er dieses sagte, sah er sie von weitem kommen; Vater und Bruder zogen sich in die Tiefe der Höhle zurück. Die Diener des Herrschers kamen nun herbei und fragten den Justus, wo die Alten seien oder was für Göttern sie opferten. Er antwortete, er sei ein Christ; und da er seine Angehörigen nicht verraten wollte, sagte einer zum andern: „Ziehe das Schwert und haue ihm den Kopf ab, und wir wollen ihn dem Herrscher bringen.“ Justus aber betete: „Gott Himmels und der Erde, nimm meinen Geist auf, weil ich unschuldig und reinen Herzens bin.“ Und da der Kopf abgeschnitten war, wurden die Diener von großem Schrecken ergriffen. Sie flohen davon und erzählten dem Tyrannen Riciovarus, wie der Hergang gewesen.

 

Da die Verfolger sich entfernt hatten, gingen die Angehörigen des seligen Justus aus der Höhle und fanden den Leichnam. Und es sagte Justinus zu seinem Bruder Justinianus: „Was machen wir mit diesem Leib?“ Sie fanden ein altes Gemäuer mit Efeu überzogen, hier beerdigten sie sorgfältig den Körper; das Haupt aber trugen sie mit sich fort. Und sie reisten eilig und langten am dritten Tag in der Stadt Autisiodor an. Und es sprach Felicia, seine Mutter: „Wo ist mein Sohn Justus?“ – Und Justinianus sein Oheim antwortete: „Er ist gestorben.“ – Sie sprach: „Ich sage dir Dank, Gott Himmels und der Erde, der du die unschuldige, reine Seele aufgenommen hast“; und sie setzte hinzu: „O seliger Sohn Justus, bitte für mich, der du verdient hast, das Martyrium zu erlangen!“ Aber indem sie dieses betete und weinte, hing der Kopf des Martyrers in Leinwand eingehüllt im Haus. Da es nun Nacht wurde, siehe da leuchtete das ganze Haus.

 

In jenen Tagen aber war Bischof jener Stadt ein Priester Gottes, namens Amator. Er ist aber ganz früh aufgestanden zu der Metten und sagte zu seinen Brüdern: „Ich habe große Lichter gesehen über dem Haus des Justinus; die ganze Stadt ist davon hell geworden; geht geschwind und sehet, was dies gewesen.“ Da gingen drei Priester hin und fragten den Justinus, was das für eine Bedeutung mit dem Licht habe, das in der Nacht über seinem Haus erschienen sei. Und es sagte Justinus zu ihnen: „Mein Sohn Justus ist umgekommen in ferner Gegend; die Diener des Gebieters Riciovarus haben uns gemeinsam verfolgt, und indem wir uns geflüchtet haben, ergriffen sie meinen Sohn, hieben seinen Kopf ab und kehrten zurück. Und wir haben seinen Leib am nämlichen Ort begraben, neben der Quelle Sirica im Gebiet Bellovac, sein Haupt aber haben wir mitgenommen, damit seine Mutter ihn küssen könne. Und da er in unser Haus gebracht war, ist um die dritte Stunde der Nacht ein Licht vom Himmel gekommen, wovon das Haus und die ganze Stadt durch Fügung Gottes erleuchtet ward.

 

Erstaunt meldeten dies die Priester, welche vom Bischof gesandt waren, den Brüdern und dem heiligen Amator selbst, und jubelnd über ein so schönes Wunder sagten sie dem allmächtigen Gott Dank. Und der Bischof befahl, sie sollten eine Tragbahre und Leuchter nehmen, das Haupt zur Kirche tragen und in der Gruft des Hauses Gottes beerdigen, in welcher der Bischof selbst einst zu ruhen vorhatte. Und um das Zeugnis des guten Werkes zu vollenden, war in jener Stadt ein Mädchen von 16 Jahren, von Geburt an blind, und es rief und sprach: „Heiliger Justus, bitte zu deinem Gott, an den ich auch glaube und den ich bekenne, dass ich sehend werde.“ Und alsbald wurden durch göttliche Kraft seine Augen geöffnet, und es sahen die Priester die Herrlichkeit Gottes und alle lobten und priesen Gott, weil ihnen ein großes Wunder gezeigt worden. An ihn glauben die Völker, ihm sei Ehre und Herrlichkeit in alle Ewigkeit. Amen.“

 

Du siehst in dieser Legende, wie ein Kind von übernatürlicher, wunderbarer Seelenstärke durch gewaltsamen Tod seinen Eltern entrissen wird. Gewöhnlich sieht man unmäßigen Jammer bei den Eltern, wenn ihnen ein Kind stirbt, gar wenn es das einzige ist; dieser Jammer ist aber gerade ein Zeichen, wie wenig der christliche Glaube wahrhaftig und lebendig in solchen Eltern wohnt. Siehe an der Mutter des heiligen Justus, wie eine Christin den Tod des Kindes annimmt; sie weinte wohl, aber vor allem dankte sie Gott, dass er das Kind, da es noch unschuldig war, zu sich genommen und für die Ewigkeit gesichert habe; und sie sah von nun an das Kind als ihren Fürsprecher im Himmel an.

 

Die Reliquien vom heiligen Justus sind aber in vielen Hauptkirchen verteilt worden und stehen in großer Verehrung. In manchen Kirchen hat am heutigen Tag auch das Brevier eine eigene Lesung über den heiligen Justus, und in der Messe wird gebetet: „Gott, der du den seligen Justus, dem Alter nach ein Kind, dem Glauben nach aber groß, durch den Sieg des Leidens zur ewigen Herrlichkeit geführt hast, verleihe, bitten wir, dass seine verehrungswürdige Fürsprache uns helfe und wir Genossen seiner ewigen Herrlichkeit werden, durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn. Amen.“

 

Der heilige Petrus von Alkantara, Priester, Ordensstifter,

+ 18.10.1562 - Fest: 18. Oktober

 

Alljährlich finden vielerorts Radrennen statt, die zuweilen wochenlang dauern und sich auf Tausende von Kilometern durch ein ganzes Land hinziehen. An allen Straßen der Rennstrecken stehen die Leute zuhauf, und die Zeitungen berichten spaltenlang vom Verlauf der Fahrt.

 

Frohgemut und siegesgewiss starten die Teilnehmer, doch bald macht hier einer schlapp, bald dort einer, andere stürzen und brechen sich die Knochen. Immer kleiner wird die Zahl der Fahrer, immer größer der Abstand der einzelnen voneinander, bis endlich der Sieger, von Tausenden umjubelt, am Ziel anlangt. Meistens gewinnt derjenige, der sich am eifrigsten, bereits wochenlang vorher, übend einfuhr, streng fastete, um das Federgewicht nicht zu verlieren, und dann vom Beginn der Fahrt ab mit eisernem Willen durchhielt.

 

Ist nicht auch das Leben des Christen eine Wettfahrt zum Himmel? Froh und leicht vollzieht sich in der Jugend der Start, aber je länger das Rennen währt und je schwieriger es wird, desto mehr Stürze gibt es und desto mehr Teilnehmer bleiben leider auf der Strecke. Nur die Heiligen halten eisern durch, bis sie, von Millionen im Himmel und auf Erden umjubelt, am Ziel anlangen.

 

Unter allen Himmelsstürmern ist der heilige Petrus von Alkantara, dessen Gedächtnis die Kirche heute begeht, einer der auffallendsten und ausgeprägtesten.

 

Petrus, ein Spanier, der Sohn des Statthalters Garavito, wurde im Jahr 1499 zu Alkantara geboren. Früh besuchte er die Schule, lernte spielend und war mit vierzehn Jahren bereits Universitätsstudent, ein vielbeachtetes Talent, dem die Zukunft glänzende Aussichten bot. Als daher der Sechzehnjährige die Welt verließ und ins Kloster ging, standen Lehrer und Mitschüler Kopf. Wie konnte man nur so dumm sein?

 

Oder war Petrus doch der klügere? Sicher war er es, denn mit seinem klaren Verstand hatte er die Hohlheit und Nichtigkeit von irdischem Reichtum und weltlicher Ehre schnell und gründlich durchschaut, und deshalb fiel es ihm leicht, auf alles zu verzichten, was nach Ansicht der Leute das Leben schön und angenehm macht, um sich einzig nach dem zu strecken, was droben ist.

 

Wie ein Riese lief der junge Mönch seinen Weg, und es klingt fast unglaublich, was alte Bücher von seinem Fasten und Kasteien berichten. Im Winter ging er auch bei großer Kälte barfuß und im Sommer barhaupt trotz glutender Hitze. Nachts schlief er vierzig Jahre hindurch nur zwei Stunden lang, und alle drei Tage aß er bloß einmal. So behielt er stets das Federgewicht. Ein eiserner Wille herrschte in ihm, und der Leib mit seinen Sinnen konnte ihm beim Sturm auf den Himmel nicht hinderlich sein. Ganz hatte er sich in der Gewalt, und geradeaus ging der Weg dem Ziel entgegen, und wenn man ihn mahnte, von der allzu großen Strenge gegen sich selbst abzulassen, so entgegnete er:

 

„Ich habe mit meinem Leib einen Vertrag geschlossen, dass er während dieses Lebens leiden müsse, dafür werde er in der Ewigkeit für immer selige Ruhe genießen.“

 

Niemand ist selbstredend verpflichtet, das Tun des heiligen Petrus von Alkantara nachzuahmen. Man darf es nicht einmal, denn was der strenge Büßer tat, geht über die Kraft gewöhnlicher Menschen weit hinaus und verlangt eine besondere Berufung und Begnadung von seiten Gottes. Wohl aber mahnt dieses Heiligenleben, dass man doch nicht allzu weichlich sei, sondern um des ewigen Lohnes willen auch Kälte und Hitze, Hunger und Durst, Zahnschmerzen und Leibweh starkmütig ertragen soll. „Das Himmelreich leidet Gewalt“, sagt der göttliche Heiland, „und nur die Gewalt brauchen, reißen es an sich.“

 

Der heilige Petrus von Alkantara ermahnt uns also, wenigstens keine wehleidigen Jammerlappen zu sein, sondern starkmütig die kleinen Leiden und Lasten des Lebens zu tragen, damit wir nicht, vom Irdischen zu sehr beschwert, auf der Strecke bleiben, sondern das Rennen der Ewigkeit, wenn auch schließlich nicht als erste, so doch immerhin gewinnen.

 

Der heilige Lukas, Apostel, Evangelist, Martyrer,

+ um 80 – Fest: 18. Oktober

 

Den heiligen Lukas, von dem das dritte Evangelium stammt, muss man zutiefst ins Herz einschließen. Warum? Deswegen, weil er von den vier Evangelisten derjenige ist, der am ausführlichsten von dem erzählt, was für Kinder und für viele Erwachsene das Schönste im ganzen Evangelium ist. Es ist die Kindheitsgeschichte des lieben Heilandes. Dazu ist es ferner wieder Lukas, der von den Evangelisten auch am besten über die liebe Mutter Gottes berichtet. Deshalb muss man also den heiligen Lukas zutiefst ins Herz schließen.

 

Woher kannte denn Lukas die Begebenheiten aus der Kindheit Jesu und die Geschichte der Mutter Gottes so gut? War er selbst dabei gewesen? Nein, das war er nicht, denn als sich die wunderbaren Ereignisse in Bethlehem und Nazareth zutrugen, lebte Lukas als Kind fern in der Großstadt Antiochien in Syrien, wo er fast um die gleiche Zeit wie der Heiland als Sohn heidnischer Eltern geboren wurde und wo er nachher Medizin studierte und als praktischer Arzt tätig war. Viel später erst ist er vom heiligen Apostel Paulus bekehrt worden.

 

Woher aber wusste Lukas denn so genau Bescheid über das Jesuskind und die Mutter Gottes, wenn er den Glauben erst kennenlernte, als der Heiland bereits gestorben war? Maria hat es ihm erzählt. Die Mutter Gottes lebte damals zu Ephesus in Kleinasien bei Johannes, dem Lieblingsjünger des Herrn, und sie war es, die dem heiligen Lukas nach der Legende alles berichtete, was sich in der Kindheit Jesu und in ihrem eigenen Leben zugetragen hatte.

 

Wie muss das doch wohl schön gewesen sein, als die Mutter Gottes dem Lukas vom Erzengel Gabriel, vom heiligen Joseph, vom Stall zu Bethlehem, von den Hirten und so weiter wahrheitsgetreu und wirklichkeitsnah alles erzählte, was sie aus jenen Tagen in ihrem Herzen bewahrt hatte. Für den glücklichen Lauscher ihrer Worte müssen es wundervolle Stunden gewesen sein, so dass man ihn fast darum beneiden möchte, denn nur zu gern wären wir alle, Groß und Klein, zugegen gewesen, um die liebe Mutter Gottes von den heiligen Dingen reden zu hören. Doch wir können uns trösten, denn später, so Gott will und wir keine Dummheiten machen, wird das alles im Himmel nachgeholt, und auf diese Plauderstündchen mit der Mutter Gottes freuen wir uns heute schon.

 

Übrigens hat der heilige Lukas, der nebenbei auch ein Künstler war, die Mutter Gottes verschiedentlich auf Leinwand in Öl gemalt, eines der Marienbilder von ihm wird bis auf den heutigen Tag in der Kirche Groß-Sankt-Marien zu Rom gezeigt und verehrt.

 

Vom heiligen Lukas stammt also das dritte Evangelium mit dem ausführlichen Bericht über die Kindheit Jesu und das Leben Mariä. Vom gleichen Verfasser rührt aber auch die Apostelgeschichte her, worin die Geschicke der jungen Christenheit von der Himmelfahrt des Herrn an erzählt werden. Es ist ein sehr interessantes Büchlein, das zum Lesen warm empfohlen sei.

 

Die Apostelgeschichte konnte allerdings auch von keinem anderen vorzüglicher geschrieben werden als vom heiligen Lukas, denn da war er genau im Bilde, und das, was er berichtet, hat er zum großen Teil selbst erlebt, weil er den heiligen Paulus auf den weiten Missionsreisen durch die ganze damalige Welt begleitete.

 

Mit Paulus verstand sich Lukas ausgezeichnet in einer herrlichen Mannesfreundschaft, und der dritte in ihrem Bund, der sie erst recht untereinander verband, war der liebe Heiland, um den immerwährend ihre Gedanken kreisten, dem sie in edler Liebe zugetan waren, für den sie sich gemeinsam abmühten und Verfolgungen und Bedrängnisse auf sich nahmen, damit die Frohbotschaft verkündet werde und Christus, ihr Herzensfreund, erkannt, verehrt und geliebt werde und die Menschen in ihm das Heil fänden.

 

Wie sehr der Völkerapostel mit seinem Reisebegleiter zufrieden war, zeigt übrigens recht deutlich die die Epistel am Fest des heiligen Lukas, die, ohne dass der Name eigens genannt wird, von Lukas handelt und die ein herrliches Lob auf ihn ist, dessen Eifer, wie rühmend hervorgehoben wird, oftmals bei vielen Gelegenheiten erprobt wurde. Welch eine Ehre, aus solchem Mund gepriesen zu werden!

 

Lukas verdient allerdings das Lob, denn er war als Freund treu wie Gold, der den Kameraden in keiner Not im Stich ließ, auch nicht als Paulus in Cäsarea und später zu Rom auf Jahre hin ins Gefängnis geriet, und bis zur letzten Stunde im Martertod hat Lukas dem heiligen Paulus beigestanden. Das nennt man Treue bis in den Tod. Nach dem glorreichen Ende des Freundes hat Lukas das Evangelium in Griechenland verkündet, bis er auch sein Blut für denjenigen hingab, in dessen Liebe Paulus und Lukas ihre Freundschaft geschlossen und besiegelt hatten.

 

Kann es Schöneres geben, als wenn zwei Menschen sich in einer Freundschaft finden, die um Christus kreist?

 

Der selige Isaak Jogues, Jesuit, Missionar, nordamerikanischer Martyrer,

+ 18.10.1646 – Gedenktag: 18. Oktober

 

„Meine Hände habe ich aufgehoben und ausgestreckt nach deinen Geboten, die ich so sehr geliebt habe; ich habe mich geübt in all dem, was du mir als Recht gezeigt hast.“ (Psalm 119,48) Wie oft und mit welch erhabenen Gefühlen mag der große Missionar Isaak Jogues diesen Vers gebetet haben! Ja, er hat Herz und Hand zu Gottes heiligen Geboten erhoben, er hat der Liebe, die sein Inneres erfüllte, auch im äußeren Handeln einen würdigen Ausdruck verliehen. Darum hat auch der Herr dieses Aufheben der Hände zu Gebet und Tat wohlgefällig angesehen und ihm dafür die unschätzbare Gnade verliehen, dass der seeleneifrige Priester gerade seine Hände zum Martyrium darbieten und dadurch den Vater im Himmel verherrlichen durfte.

 

An den sonnigen Ufern der Loire wurde Isaak Jogues 1607 geboren. Orleans, die uralte Stadt, die von Kaiser Aurelian ihren Namen erhalten hat, war seine Heimat. Seine Familie genoss Ansehen und war, wie es scheint, auch ziemlich wohlhabend. Dem jungen Mann hätten sich demgemäß gute Aussichten in der Welt eröffnet. Allein er streckte seine Hände nach den überirdischen Gütern aus. Schon gar früh regte sich in ihm der Wunsch, einmal selber mittätig sein zu können an der Ausbreitung des Reiches Christi auf Erden. Er trat im 18. Lebensjahr der Gesellschaft Jesu bei.

 

Der Befehl der Oberen rief den jungen Pater Jogues auf das schwierige Missionsfeld von Kanada in Nordamerika. Welch zahllose Hindernisse, Mühen und Gefahren dort in dem unwirtlichen, von Indianern bewohnten Land den eifrigen Missionar erwarteten, davon können wir uns keinen rechten Begriff machen. Bis zu den Ottawas und Chippewas wollte er vordringen. Als Reisestraße benützte er den durch seine viele Inseln bekannten Lorenzostrom. Das war kein geringes Wagnis. Lagen doch die verschiedenen Indianerstämme, obgleich untereinander verwandt, ständig in blutigem Streit miteinander. So hatten die Huronen, die den Missionaren versöhnlicher gestimmt waren, ständig unter den Angriffen der Irokesen zu leiden. Dabei standen diese Indianer auf einer so niedrigen Stufe des Naturlebens, dass man es kaum noch mit menschlichen Gewohnheiten und menschlichen Anschauungen vergleichen kann. Zwischen diesen feindlichen Brüdern sich bewegen, hieß ständiger Lebensgefahr sich aussetzen.

 

Pater Jogues war denn auch noch gar nicht weit in das Land der kanadischen Seen eingedrungen, als eine Schar Irokesen aus einem Hinterhalt hervorbrach und im Nu das Fahrzeug des Missionars umringte. In den nächsten Minuten waren er und seine Begleiter gebunden und Gefangene der Indianer. Was nun folgte, kann auch eine starke Phantasie sich kaum so vorstellen, wie es in Wirklichkeit vor sich ging. Pater Jogues wurde nach Art und Brauch dieser wilden Naturvölker zunächst einmal misshandelt. Man setzte ihm so lange mit erbarmungslosen Schlägen zu, bis eine Ohnmacht seine Sinne umfing. Dann folgte eine Marter, die für den gottbegeisterten Missionar noch viel ärger war, als die wütenden, Marter gewohnten Söhne der Wildheit es sich denken konnten. Die Irokesen sahen in Jogues einen Stammesfeind. Blutgierig bissen sie, gleich wilden Katzen, mit ihren messerscharfen Zähnen in die Hände ihres Opfers, bissen ihm der Reihe nach die Fingerspitzen ab, zerrten ihm beide Zeigefinger aus den Gelenken und trennten sie schließlich ganz ab.

 

Nach solcher Marter mag der treue Nachfolger Christi in seligem Bekennergeist gebetet haben: „Meine Hände habe ich aufgehoben zu dir und strecke sie weiter aus nach deinen Geboten!“ Die menschliche Natur mag ja vor Qual und Weh gebebt und ihm das Gebet der Ergebung schwer gemacht haben. Aber schwerer noch, viel schwerer musste das Bewusstsein ihm auf die Seele drücken, dass er nun, sollte er mit dem Leben davon kommen, doch für die Zukunft unfähig sei, sein priesterliches Amt am Altar auszuüben. Die Vorschrift der Kirche ist streng. Sie muss es verbieten, mit verkrüppelten Händen die heiligen Gestalten bei der heiligen Messe zu berühren. Sie muss die Ehrfurcht vor den heiligen Geheimnissen schützen und darf nicht zulassen, dass die Behandlung des Allerheiligsten nach außen unwürdig erscheine oder dass es bei der Ungelenkigkeit der menschlichen Glieder der Gefahr der Verunehrung ausgesetzt werde. So hatten die grausamen Menschen dem Boten des Heils unbewusst das größte Leid zugefügt, indem sie ihn unfähig machten, das heilige Messopfer, die Quelle des Trostes für einen Missionar, darzubringen. War noch irgendein Wirken möglich auf dem Saatfeld Gottes, wo er schon von fern die zur Ernte reifen Früchte winken sah? Die Marter der Hände war ihm zur schwersten Qual geworden, nicht zu einer körperlichen nur, sondern tausendfach mehr zu einer seelischen.

 

Indessen war das Martyrium auch leiblich noch nicht zu Ende, schien vielmehr ein beständiges zu werden. Die Irokesen schleppten den überwundenen Feind als Siegesbeute in ihre Gebiete. Der Transport nahm acht Tage in Anspruch und gestaltete sich für den edlen Priester zu einer Kette von neuen ausgesuchten Quälereien. Lagen die bedauernswerten Opfer auf der Wasserfahrt gebunden in den Kähnen, so vertrieben ihre Wächter sich die Zeit, mit langen Dornen oder spitzen Holzsplittern die Wunden immer wieder neu aufzureißen. Führte der Marsch durch dichten Wald oder über die steilen Felsen der Stromschnellen, so dienten die Gefangenen als Lasttiere, die unter unbarmherzigen Schlägen vorangetrieben wurden. Als die Peiniger dann anderen Irokesenhorden begegneten, ließen diese die Gefangenen Spießruten laufen und misshandelten Jogues Hände, die er schon auf den Altar Gottes zum Opfer hingegeben hatte, abermals und zwar so, dass kein einziger seiner Finger mehr verschont blieb und auch danach niemals mehr geheilt und eingerichtet werden konnte. Im Wigwam der Indianer angekommen, wurde der Selige den Kindern zur Zielscheibe ihrer Bosheiten überliefert. Dabei schnitten ihm, wie er später selbst bezeugte, die Fesseln derart in das Fleisch, dass er, wäre er nicht doch endlich noch rechtzeitig losgelöst worden, wohl in der nächsten halben Stunde schon der unmenschlichen Behandlung hätte erliegen müssen. In einer Stammesberatung wurde endlich das Schlussgericht gehalten. Einige der Gefährten des Missionars wurden verbrannt, er selbst und René (Renatus) Goupil, ein Laienbruder der Gesellschaft Jesu, wurden einer Irokesenfamilie als Sklaven zugewiesen. Schon nach kurzer Zeit traf den Bruder der Todesstreich. Ein Krieger, dessen sterbendem Bruder Goupil das Kreuzzeichen auf die Stirn gezeichnet hatte, erschlug ihn mit der Streitaxt.

 

Mit Schaudern liest man bisweilen von unsagbaren Misshandlungen von Kindern und dienenden Personen unter den Launen getaufter Stiefeltern und moderner Herrschaftsdamen! Was mag der hochgebildete Mann unter der Laune eines entmenschten Wilden gelitten haben! Ein ganzes Jahr lang dauerte diese Leidenszeit. Welch seelische Qualen für den Diener des Herrn, in der ständigen Umgebung von Wilden mit ihren rohen Sitten und heidnischen Gebräuchen, ohne den Trost der heiligen Messe und Sakramente, in ständiger Lebensgefahr ob der unberechenbaren Grausamkeit seiner Herren! Zu alledem ließ es Gott der Herr zu, dass sein hart geprüfter Diener in so drückender Lage mitunter von tiefster Entmutigung und Trostlosigkeit schier unbezwinglich überfallen wurde. Also dazu, so sagte sich der Bekenner Christi in solchen Stunden, bin ich nach Amerika gekommen, um einem gefühllosen, tierischen Menschen und seinem Hüttengenossen Sklave zu sein, ihm in unwürdigster Form zu dienen, der ich als Gesandter Christi allen in edelster, höchster Weise zu dienen mich gesehnt habe! Und dennoch hielt des Seligen Heldenseele aus. Unfassbares Wunder der Gnade, die den Menschen auch in der verzweifeltsten Lage noch zu halten und emporzuheben vermag! Und der ergebene Diener der Gnade ließ sich heben. Er betrachtete es schließlich selber dankbar als Fügung Gottes, dass er, nachdem er nicht als Missionar Eingang bei diesem unglücklichen Volk hatte finden können, er doch als Gefangener durch sein Beispiel das Evangelium der Liebe predigen konnte. Und wahrhaftig, dies herrliche Beispiel christlicher Geduld und standhafter Liebe war eine Predigt, deren seltsame Sprache nicht überhört werden konnte. Große Herzensfreude bereitete es dem seeleneifrigen Mann auch bisweilen, wenn es ihm gelang, heimlich einem sterbenden Kind den Himmel zu erschließen.

 

Mehrmals bot sich Gelegenheit zur Flucht. Aber der gewissenhafte Priester zog es vor, „auf dem Kreuz, an das der Herr ihn gebunden, zu leben und zu sterben.“ Durch dieses mutige Ausharren hat sich Pater Jogues den Ehrentitel des ersten Apostels der Irokesen verdient, als eines Apostels der Geduld. Einer holländischen Handelsgesellschaft gelang es endlich, den leiderprobten Dulder aus seiner traurigen Lage zu befreien, freilich erst, nachdem er im Gebet alles reiflich erwogen und in den Plan zur Rettung eingewilligt hatte. Nun sah sich Pater Jogues gezwungen, ehe er an eine neue Missionsunternehmung denken konnte, in seiner Heimat, also in Frankreich, die so notwendige Erholung von den ausgestandenen Leiden zu suchen. Da war es auch der Vater der Christenheit, Urban VIII., der dem standhaften Bekenner seine Teilnahme zuwandte. Nun durfte man auch die Bitte an das Oberhaupt der Kirche versuchen, dem erprobten Streiter Christi trotz der Verstümmelung seiner Hände wieder die Fähigkeit zurückzugeben, das heilige Messopfer zu feiern und die heiligen Sakramente zu spenden, damit er von neuem seinen hohen Beruf aufzugreifen vermochte. Das Wort, das damals Urban VIII., der selbst von höchster Verehrung für die heilige Messe und ihre Zeremonien durchdrungen war, gesprochen hat, ist ein hochherziges Anerkennungszeugnis für unseren lieben Seligen, wie nicht minder ehrenvoll für den, der es gegeben hat. Der Papst erteilte die erbetene Vollmacht mit dem denkwürdigen Ausspruch: „Unwürdig wäre es, wenn ein Martyrer Christi nicht auch das Blut Christi trinken dürfte.“ So machte sich der beglückte Missionar wieder neuerdings auf, in die Indianergebiete Nordamerikas zu eilen und den dort drohenden Gefahren mutig zu begegnen. Wen die Liebe Gottes zu großen Taten treibt, den schrecken keine noch so großen Hindernisse.

 

Noch war erst ein mühevolles Werk zu vollziehen, bevor Pater Jogues sein eigentliches Apostolat beginnen konnte. In einer Art politischer Sendung musste er als Friedensstifter dienen zwischen den Irokesen und den mit ihnen im Streit liegenden Weißen, seiner eigenen, französischen Nation. Mit großem Geschick unterzog sich der Missionar dieser Aufgabe. Schon nach sechs Wochen konnte er wieder heil nach Quebec zurückkehren, nachdem er mit den Irokesen einen günstigen Frieden geschlossen hatte.

 

Nun endlich, im Jahr 1646, durfte der Selige hoffen, bei dem armen Volk als Friedensbote des himmlischen Königs mit Erfolg das Evangelium verkünden und seine Friedensfrüchte bringen zu können. Aber der wirkliche Erfolg waren neue Martern, war sein Opfertod. Nur als Schlachtopfer sollte Pater Jogues für die Seelenrettung der ursprünglichen Irokesen sich hingeben können. Vor seiner Abreise hatte er einem Freund geschrieben: „Mein Herz sagt mir, wenn du hingehst, wirst du nicht mehr zurückkommen. Aber ich werde mich glücklich schätzen, wenn der Herr dort mein Opfer vollendet wissen will, wo ich es begonnen habe.“ Und Gott wollte es. In treuloser Hintansetzung aller Friedensabmachungen bemächtigten sich die Irokesen des Missionars und seiner Begleiter. Wieder musste er Spießruten laufen wie ehedem, wieder marterte man ihn auf grausame Weise, indem die furchtbaren Söhne der Wildnis Stücke Fleisch von seinem Leib rissen und vor seinen Augen verzehrten. Ein Beilhieb, mitleidiger als die Menschenfresser, machte schließlich seinem Leben ein Ende. Mit ihm wurde auch sein Begleiter, der junge Delalande, ein Laie, enthauptet.

 

Drei Jahre später besiegelte auch der erste Jesuitenmissionar der Huronen, Pater Brébeuf, sein Apostolat mit dem Martertod. Wieder waren es die Irokesen, die nach einem Überfall auf das Missionsdorf die beiden Missionare Brébeuf und Lalemant in ihre Gewalt bekamen und in bekannt grausamer Weise zu Tode marterten. Im gleichen Jahr folgten ihnen noch die Patres Daniel, Garnier und Chabanel. Diesen „nordamerikanischen Martyrern“ unter der glorreichen Führung Pater Jogues hat Papst Pius XI. Am 21. Juni des Jubeljahres 1925 die Ehre der Altäre als Seligen zuerkannt.

 

 

Der selige Pater Issak Jogues hat in seinem Beruf scheinbar nicht viel erreicht. Und doch hat er alles gewonnen. Sein Gebet und sein Blut hat dem widerstrebenden Volk schließlich doch den christlichen Glauben vermittelt. Ihn selbst aber hat die göttliche „Weisheit auf rechten Wegen geführt, hat ihn angesehen gemacht, seine Mühen und Arbeiten gesegnet und ihm das Reich Gottes gezeigt“ (Weisheit 10,11). 

 

Pater Konstantin von der Heimsuchung

Gedenktage und Lebensskizzen hervorragender

Mitglieder des Karmelitenordens

 

Am 18. Oktober 1635 raffte die schreckliche Pest zu Würzburg den lobwürdigen Pater Konstantin von der Heimsuchung dahin. Pater Konstantin war ein Pommeraner von Geburt und ein hartnäckiger Anhänger der lutherischen Lehre gewesen, hatte er ja von Jugend auf nichts anderes gehört und gesehen. Als er nach Belgien kam und das rechtschaffene Leben der dortigen Katholiken zu beobachten Gelegenheit hatte, bekam er unwillkürlich Hochachtung vor deren Religion. Unser Pater Klemens, mit dem ihn die Vorsehung zusammenführte, löste ihm die noch übrigen Zweifel und überzeugte ihn vollends von der katholischen Wahrheit, der er sich nun für immer anschloss. Von Dankbarkeit gegenüber Pater Klemens erfüllt und um seinetwillen voll Hochachtung gegenüber dem Orden, erbat und erhielt Konstantin zu Leiden die Aufnahme in den Orden. Von dort wurde er nach Köln und später nach Würzburg geschickt. Während daselbst die Pest herrschte, war Pater Konstantin einer von den vieren, die sich dem Dienst der Pestkranken widmeten. Mit unermüdlichem Eifer widmete er sich dieser schweren Aufgabe, bis zum Fest der heiligen Theresia 1635. An diesem Tag hielt er, obschon bereits krank, doch bei dem großen Andrang noch den ganzen Vormittag im Beichtstuhl aus. Eben wollte er sich ankleiden, um die letzte heilige Messe zu lesen, als seine Kräfte zusammenbrachen. Halbtot trug man ihn in seine Zelle. Eilends wurde der Arzt herbeigerufen, der jedoch keine Hilfe mehr bieten, sondern nur bemerken konnte, dass der Tod bevorstehe. Pater Konstantin nahm diese Erklärung ruhig und gefasst, voll Ergebung in Gottes heiligen Willen entgegen und bereitete sich durch den Empfang der heiligen Sakramente und fromme Tugendakte, besonders durch wiederholte Übung der göttlichen Liebe auf seinen Hingang vor. Am Fest des heiligen Lukas verließ er auf einige Zeit das Bett, kleidete sich an und begab sich ans offene Fenster, um durch Einatmen frischer Luft Erfrischung und Linderung seiner Schmerzen zu finden. In diesem Augenblick erfasste ihn der Tod und führte ihn in das Land der ewigen Ruhe und Erquickung, um dort den Lohn für seine innige Gottes- und Nächstenliebe zu erhalten. 

 

Gebet am 18. Oktober

 

Maria, du Frömmste von allen Menschen. Du bist, wie die Schrift sagt, "diejenige, die aus der Wüste heraufsteigt, wie eine Rauchsäule von Spezereien aus Myrrhen und Weihrauch, und allerlei Pulver des Salbenkrämers. Du gibst einen lieblichen Geruch wie die auserlesenste Myrrhe." Ja in Wahrheit, deine glühenden Gebete stiegen wie süße Rauchwolken zu Gott empor. Dein ganzes Ich war ein lauteres Gebet, ein Wohlgeruch vor dem Herrn. Erbitte uns die Gnade eines recht innigen Gebetes, einer warmen Andacht, damit auch von unseren Bitten der Herr sich nicht abwende, sondern es gnädig erhöre jetzt und immer. Amen. 

 

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Petrus von Alkantara

 

O Gott, der Du Deinem heiligen Bekenner Petrus die Gnade einer bewunderungswürdigen Buße und der höchsten Beschauung verliehen hast, gib uns in Hinsicht auf seine Verdienste und auf seine Fürbitte hin, dass wir unser Fleisch mit seinen bösen Neigungen und Lüsten an das Kreuz heften, und entzünde unser Herz mit dem Verlangen nach dem Himmlischen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Lukas

 

Wir bitten Dich, o Herr, verleihe, dass der heilige Evangelist Lukas für uns fürspreche, der die Abtötung des Kreuzes stets an seinem Leib herumgetragen hat, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Es sollen noch verschiedene Gemälde vom heiligen Lukas vorhanden sein, besonders Bildnisse der seligsten Mutter Gottes. Theodorus der Leser, ein Schriftsteller des 6. Jahrhunderts, redet schon von einem durch den heiligen Lukas gemalten Bildnis Mariä, das der heiligen Kaiserin Pulcheria von Jerusalem nach Konstantinopel geschickt, und von dieser in einer Kirche zu Konstantinopel sei aufgerichtet worden. 

 

Andacht am 18. Oktober:

 

Das Thema im Oktober:

Vertrauen

"Habt Vertrauen." (Markus 6,50)

 

"Setzen wir unser ganzes Vertrauen auf Gott und stellen wir seiner Vorsehung uns ganz anheim. Dann aber fürchten wir nicht weiter, was die Menschen sagen oder gegen uns tun mögen; denn alles wird zu unserem Besten geschehen. Ja, wenn die ganze Erde gegen uns aufstände, so wird uns dennoch nie anderen widerfahren, als was dem Herrn gefällt, auf den wir unsere Hoffnung gegründet haben." (Der heilige Vinzenz von Paul)

Ein Missionar schrieb dem Heiligen, man arbeitet insgeheim daran, seine Kongregation aufzulösen und mächtige Männer unterstützten die Pläne, die die Bosheit entworfen hat. Er aber antwortete darauf: "Stellen wir der heiligen Vorsehung uns ein- für allemal gänzlich anheim und lassen wir uns durch keine eitle Furcht erschüttern; übrigens wird nichts geschehen, außer was Gott haben will!"

Sehr schön spricht der fromme und gelehrte Drexelius, wenn jemand in Begleitung eines erfahrenen und des Weges kundigen Boten eine Reise anträte, wo raue, beschwerliche und krumme Wege sich befänden, und dieser anfinge zu klagen und dem Boten sagte: "Durch welche Umwege führst du mich? Ich denke, wir haben uns weit von dem rechten Weg verirrt!" - so würde er dem Reisenden antworten: "Seid ohne Sorgen, und verlasst euch in diesem Fall auf mich; ich führte euch allerdings auf Umwege, denn wären wir auf dem geraden Weg weitergegangen, so wären wir unfehlbar in Sümpfe geraten und in Lebensgefahr gekommen; lasst euch also diesen kleinen Umweg nicht gereuen, der uns sicher führt." Also führt auch uns die Vorsehung nicht selten auf beschwerlichen Wegen zum Ziel; wie aber können wir je über den besten Führer klagen, dessen Weisheit nie irren kann?

 

Mein Gott, ganz und gar will ich mich Deiner Vorsehung anheimstellen. Auf Dich allein setze ich meine Hoffnung. Nichts wird mir geschehen, außer was Dir gefällt, und preisen will ich Dich über alles. Nur Deinen Willen verlange ich zu tun, um Dir zu gefallen! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 18. Oktober

 

"Ziehe oft deine Seele von der äußeren Sinnenwelt zurück,

darin sie sich zu viel zerstreut hat."

 

sel. Heinrich Seuse OP

1298 bis 25.1.1366

 

Betrachtung am 18. Oktober - Vom Nutzen der Krankheiten

 

Das Kreuz und Leiden, Herr, aus deiner Hand

Ist deiner Liebe sichres Unterpfand.

Drum, ist mein Herz darüber auch beklommen,

Sei dennoch, was du sendest, mir willkommen.

 

1. Zahllose Mittel wendet Gottes Weisheit an, die Menschen zu sich zu führen, und oft sendet sie körperliche Krankheiten als Arzneien, kranke Seelen zu heilen. Wäre der königliche Beamte im Evangelium durch die Krankheit seines Sohnes nicht in so schwere Bedrängnis gekommen, so hätte er vielleicht den Herrn niemals gesucht, und wäre nie zur Gnade des Glaubens gelangt. (Johannes 4,46-54) Es gereichte also diese Krankheit nicht nur seinem Sohn, sondern auch ihm selbst zum größten Heil. Darum sollen wir die Geißel des Herrn nicht als ein Unheil betrachten, denn sie zieht die Irrenden oft mit Gewalt zu Gott, weckt die Trägen und Schläfrigen, reinigt die Gerechten, und tilgt oft durch kurze Schmerzen in der Zeit die Strafen der Ewigkeit.

 

2. Nicht feindlich also erzeigt sich Gott gegen uns, wenn er uns, die wir mit so vielen Seelenkrankheiten behaftet sind, die Arznei einer körperlichen Krankheit zusendet; vielmehr sollen wir sie als einen Beweis seiner väterlichen Vorsehung und Liebe betrachten. Denn die Krankheit ist ein Licht. Sie zeigt dem Menschen den Unwert und das Nichts aller weltlichen Eitelkeit ganz nahe. Sie führt ihn in sein Inneres ein und weckt ihn zum Nachdenken. Sie lehrt den Sünder, dessen Herz noch nicht gänzlich erhärtet ist, aus der Not eine Tugend machen, die allmählich durch Gottes Gnade sich vervollkommnet, und löst die Gott ergebene Seele vollends von der Anhänglichkeit an dieses vorübergehende Leben.

 

3. Hören wir den Geist Gottes, der uns also ermahnt, Sprichwörter 3,11+12: "Mein Sohn, verachte nicht die Zucht des Herrn, widersetz dich nicht, wenn er dich zurechtweist. Wen der Herr liebt, den züchtigt er, wie ein Vater seinen Sohn, den er gern hat." Der Apostel, der diese Worte wiederholt, folgert daraus den Schluss, dass also diejenigen, die in diesem Leben nicht von Gott gezüchtigt werden, keine rechtmäßigen Kinder (Hebräer 12), und folglich von der Anzahl der Auserwählten ausgeschlossen sind. Zum größten Trost muss uns dies gereichen, wenn wir von Trübsalen und Krankheiten heimgesucht werden, und uns zum Lob Gottes anregen. Römer 8,28a: "Wir wissen, dass Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt."

 

19. Oktober

 

Der heilige Aquilinus, Bischof und Bekenner von Evreux, Frankreich,

+ 19.10.695 – Fest: 19. Oktober

 

Der heilige Aquilinus wurde um das Jahr 620 in Bayeux von adeligen Eltern geboren, die ihm eine vortreffliche Erziehung gaben. Als er das Mannesalter erreicht hatte, verband er sich mit einer würdigen Gattin. Er diente in den Heeren des Frankenkönigs Clodwig II. und kehrte nach beendigtem Feldzug in sein Vaterland zurück. Bei seiner Ankunft in Chartres traf er da seine Gemahlin, die ihm bis dahin entgegengekommen war. Beide dankten Gott, dass er sie wieder glücklich zusammengeführt hatte, fassten den Entschluss, ferner nur für ihn zu leben, und legten sogar das Gelübde ab, ihre übrigen Lebenstage in der Enthaltsamkeit zuzubringen. Sie zogen sich nach Evreux zurück, weihten sich dort gänzlich den Werken der Tugend und verwendeten ihre Güter zur Unterstützung der Armen und Notleidenden. Nach dem Tod des damaligen Bischofs von Evreux um das Jahr 663 wählte man unseren Aquilinus zu seinem Nachfolger, denn es war allgemein bekannt, dass er mit seiner Frau wie mit einer Schwester lebe. Mit aller Treue erfüllte er die Pflichten eines Oberhirten. Damit er aber durch seine Amtsgeschäfte in seinem Eifer für die Vervollkommnung nicht geschwächt werde, lies er sich in der Nähe seiner Kirche eine kleine Zelle erbauen und verschloss sich zuweilen in ihr, um in der Abgeschiedenheit sich mit Gott zu unterhalten und neue Kräfte zur Ausübung der Seelsorge zu sammeln. In seinen letzten Jahren verlor er das Augenlicht, betrachtete aber diesen Unfall für eine Gnade, da er den Herrn öfters um eine Heimsuchung gebeten hatte. Er starb um das Jahr 695. Seine Reliquien kamen in das Kloster Gigniac in Burgund, wurden aber 1794 von den Revolutionsmännern unter dem Freiheitsbaum verbrannt.

 

Die heilige Frideswida, Jungfrau und Äbtissin von Oxford, England,

+ 19.10.735 oder 727 oder 790 – Fest: 19. Oktober

 

Die heilige Frideswida, Äbtissin des Benediktinerordens zu Oxford in England, eine Fürstentochter von Geburt, erfasste frühzeitig die Wahrheit, dass außer Gott alles eitel Nichts sei, und bestrebte sich mit Hintansetzung ihrer Abkunft und Schönheit einzig nur ihm zu dienen. Zu dem Ende trat sie in das von ihrem frommen Vater Dida 750 zu Oxford gestiftete Kloster, übernahm dort die Leitung und war aus allen Kräften bestrebt, mit ihren Untergebenen auf dem Weg der Vollkommenheit voranzuschreiten. Doch hatte sie durch Gottes Zulassung eine schwere Prüfung zu bestehen. Algar, der Fürst der Mercier, versuchte sie mit Gewalt zu entführen, und sie entging seinen Händen nur durch ein Wunder, indem der Himmel im Augenblick des Angriffs den Räuber mit plötzlicher Blindheit schlug. Nach diesem Vorfall ließ sie sich in einiger Entfernung zu Thornbury ein Bethaus errichten, wo sie einzig der Betrachtung lebte, bis der Herr sie gegen die Mitte des 8. Jahrhunderts zum ewigen Lohn rief. In der katholischen Zeit wurde sie als Patronin der Stadt und Universität Oxford verehrt.

 

Der heilige Paul vom Kreuz, Priester und Ordensstifter, Italien,

+ 18.10.1775 - Fest: 28. April / 19. Oktober

 

Wenn der Kaufmann Danei im norditalienischen Ovada seine Kinder, sechszehn an der Zahl, beidseitig der Größe nach abgestuft, nebeneinander stellte, so sah es aus wie eine lebendige Orgel. Da gab es dann auch täglich ein Orgelkonzert, und manchmal herrschte ein Krach im Haus, dass man das eigene Wort nicht verstand. Die kinderliebenden Eltern hatten an dieser Musik die größte Freude. Obwohl sie hart arbeiten mussten, um all die Mädchen und Jungen großzuziehen, mochten sie trotzdem nicht auf eine einzige Stimme an ihrer sechzehnpfeifigen lebendigen Hausorgel verzichten. Wenn es manchmal allzu laut herging, rief der Vater oft dazwischen: „Kinder, wie oft habe ich euch schon gesagt, dass nie mehr als sieben zur gleichen Zeit reden sollen!“ dann lachten alle umso lauter und lärmten und sangen und pfiffen weiter.

 

Nur beim gemeinschaftlichen Gebet am Morgen, vor und nach dem Essen und zur Nacht herrschte Ruhe, die abends noch eine Weile anhielt, denn nach dem Rosenkranz, der täglich gebetet wurde, griff Vater Danei zur Heiligenlegende und las laut und schön die Geschichte des Heiligen vom nächsten Tag vor. Es dauerte etwa zehn Minuten, und nachher fragten die Kinder noch die Eltern aus nach diesem und jenem, was sie in der Legende nicht verstanden hatten. Gern erklärten Vater und Mutter alles, bis es allmählich Zeit wurde, in die Federn zu kriechen.

 

Vor allem war es Paul, der Älteste, ein stiller, nachdenklicher, lieber Junge, der, weil er gern alles genau wissen wollte, am meisten fragte. Ihm war es nämlich klar, dass auch er ein Heiliger werden musste. Tatsächlich steht heute das hohe Wort „heilig“ vor seinem Namen. Pauls spätere Heiligkeit hat also ihre Wurzel in der täglichen Lesung der Heiligenlegende.

 

Besonders zog die Geschichte vom bitteren Leiden und Sterben des Heilandes den warmherzigen Jungen an. Schon in der frühesten Jugend war es so bei ihm. Paul trug nämlich der damaligen Mode entsprechend langes Haar, und wenn ihn die Mutter morgens nach dem Waschen kämmte, schrie er regelmäßig so sehr, dass man es auf der Straße hören konnte. Wenn ihm aber die Mutter ein Kruzifix in die Hand drückte und zu ihm sagte: „Schau, wie viel der liebe Heiland gelitten hat!“, so verstummte sofort jeder Laut, und jede Träne versiegte. Tapfer biss der Kleine die Zähne zusammen und ruckte und muckte sich nicht mehr.

 

Paul war also schon in der Kindheit ein Paul vom Kreuz. Als junger Mann ging er dann dem Vater im Geschäft zur Hand. Später meldete er sich freiwillig zu einem Kriegszug gegen die Türken. Unterwegs erhielt er jedoch in einer übernatürlichen Erleuchtung von Gott den Auftrag, selbst ein Heer von geistigen Gottesstreitern aufzustellen, nämlich einen neuen Orden zu gründen, dessen Mitglieder vor allem durch feurige Predigten über den gekreuzigten Heiland die Menschen zu Christus zurückführen sollten.

 

So geschah es auch. Paul, der sich von nun an Paul vom Kreuz nannte, stiftete den Orden der Passionisten. Das bedeutet, den Orden vom bitteren Leiden und Sterben unseres Herrn Jesus Christus, der heute noch blüht und weltweit viele tausend Mitglieder hat, die gerade durch die Predigt über den Gekreuzigten zahllose Menschen in die Freiheit der Kinder Gottes führen. Im Jahr 1775 starb Paul vom Kreuz, und 1867 wurde er heiliggesprochen.

 

Der selige Johannes von Brébeuf und 7 Gefährten, Märtyrer von Kanada,

+ 16.3.1649 – Gedenktag: 19. Oktober

 

Im Jahr 1625 kamen die drei ersten Missionare an den Huronsee, an ihrer Spitze Pater Johann Brébeuf. Er entstammte einem adeligen Geschlecht aus der Normandie, wo er in Condé-sur-Vive Galle am 25. März 1603 geboren war.

 

Ein Riese an Gestalt, voll Kraft und Begeisterung wirkte er fast 33 Jahre in der Wildnis Kanadas. Da der erste Versuch misslang, kam Pater Brébeuf 1635 wieder mit zwei anderen Patres. Unter unsäglichen Schwierigkeiten erwarben sie das Vertrauen der Huronen-Indianer. Nach einigen Jahren konnte man mit der baldigen Bekehrung des 30.000 Seelen starken Stammes rechnen. – Aber da nahte das Verhängnis, das der Mission und dem Stamm den Untergang bringen sollte, die Kriege mit den Irokesen. Am 16. März 1649 wurde der Glaubensbote von ihnen gefangen und schrecklich gemartert, bis er am gleichen Tag seine Heldenseele seinem göttlichen Heerführer zurückgab.

 

Dasselbe Schicksal hatten die Patres Isaak Jogues, geboren am 10. Januar 1607 zu Orléans, gestorben am 18. Oktober 1648; Gabriel Lallemant, aus Paris, gestorben am 17. März 1649; Karl Garnier, auch ein Pariser, geboren 1606, gestorben am 7. Dezember 1649; Anton Daniel, geboren 1598 zu Dieppe, gestorben am 4. Juli 1648 und Noel Chabanel, geboren 1606, gestorben am 8. Dezember 1649; ebenso ein Novizenbruder Réné Goupil, gestorben am 29. September 1642, der erste Blutzeuge Nordamerikas und der Laienbruder Johann de la Lande, gestorben am 19. Oktober 1648, beide Franzosen. – Pater Brébeuf und Pater Garnier waren Sodalen, ebenso höchst wahrscheinlich ihre Gefährten, einstige Jesuitenschüler in Frankreich. – Die Namen dieser acht kanadischen Märtyrer hat Papst Pius XI. am 21. Juni 1925 in der Reihe der Seligen eingereiht.

 

Gebet am 19. Oktober

 

Maria, meine große Fürsprecherin, erbarme dich meiner! In deine Hände lege ich mein Heil und dir übergebe ich meine Seele. Lege deine Fürsprache für mich bei deinem Sohn ein. Er gewährt dir alles, was du von ihm begehrst. Nimm mich unter deinen Schutz und Schirm. Erlange mir die Verzeihung meiner Sünden, die Liebe zu Jesus, die heilige Beharrlichkeit, einen guten Tod und endlich die ewige Seligkeit. Auf dich, Maria, hoffe und vertraue ich und in dieser Hoffnung will ich ruhen, mit ihr will ich leben, mit ihr will ich sterben. Amen.

 

Kirchengebet

 

O Gott, der Du die Erstlinge des Glaubens in den weitesten Gegenden des nördlichen Amerika durch die Predigt und das Blut Deiner seligen Märtyrer Johannes, Isaak und ihrer Gefährten geweiht hast, gewähre gnädig, dass durch ihre Fürbitte die blühende christliche Saat überall von Tag zu Tag sich mehre; durch Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Im Leben des heiligen Petrus von Alkantara wird auch gelesen, dass ihm die seligste Jungfrau mit dem heiligen Johannes dem Evangelisten erschienen ist und ihm die glückselige Botschaft von der ewigen Seligkeit, die ihm bevorsteht, gebracht hat. 

 

Andacht am 19. Oktober:

 

Das Thema im Oktober:

Vertrauen

"Habt Vertrauen." (Markus 6,50)

 

"Schwache Seelen, die voll der Liebe zu sich selbst sind, und nach der Achtung der Menschen gieren, fangen Feuer bei der ersten leichten Verleumdung, schlagen großen Lärm und vermögen es nicht, den Frieden wieder zu gewinnen, den einige Worte ihnen geraubt haben. Nicht so tun großmütige Seelen, die nur Gott gefallen wollen. Sie wissen wohl, dass Gott ihre Unschuld kennt, und dass Er ganz sicherlich ihre Verteidigung übernehmen wird, je nachdem ihr Bestes es verlangt." (Der heilige Augustinus)

Der heilige Franz von Sales schrieb dem Bischof von Bellay folgenden Brief: "Soeben erfahre ich durch Briefe aus Paris, dass man meine Gewänder unbarmherzig zerreißt; aber ich hoffe, Gott wird mir sie dergestalt ausbessern, dass sie besser sein werden, denn zuvor, wenn dies zu seinem Dienst notwendig ist. Ich verlange mir keinen anderen Ruf als den, der mir jetzt notwendig ist. Wenn nur Gott gedient wird, ist es mir gleichgültig, ob dies durch guten oder durch bösen Ruf geschieht. Er schalte mit mir wie es Ihm wohlgefällig ist, denn Ihm gehöre ich gänzlich an. Wenn meine Erniedrigung zu Seiner Ehre dient: soll ich mich denn nicht erfreuen, erniedrigt und verachtet zu werden?"

Bei einer anderen Gelegenheit wurde gegen diesen Heiligen eine grauenhafte Verleumdung hinsichtlich seiner Keuschheit erdacht; er aber versuchte sich nicht zu rechtfertigen, wie teuer ihm auch die Tugend war, die man ihn beschuldigte, verletzt zu haben. Seine Freunde staunten, dass er sich nicht rechtfertigte, und wollten ihm beweisen, wie notwendig dies sei, da ohne guten Ruf sein bischöfliches Amt unfruchtbar sein würde. Er aber antwortete darauf bloß: "Gott weiß, welches Ansehen ich für mein Amt brauche und ich verlange kein größeres."

 

Mein Gott, nur Dir will ich in allen Dingen zu gefallen suchen; ganz bin ich Dein; schalte mit mir, wie es Dir wohlgefällig ist. Willst Du, dass ich verfolgt, verleumdet, verachtet, misshandelt, getötet werde? Wenn Deine Ehre und mein Heil dies erfordert, so bin ich bereit; es geschehe Dein heiliger Wille! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 19. Oktober

 

"Ihr sollt mit einem heiligen und wahren Eifer

euch bestreben euer Nichts zu begreifen und zu erkennen,

dass ihr alles, was ihr seid, von Gott habt."

 

hl. Katharina von Siena OP

1347 bis 29.4.1380

 

Betrachtung am 19. Oktober - Über den Argwohn

 

Die Unschuld ist ein reines Licht,

Sie kennt den falschen Argwohn nicht;

Doch wo die Schuld im Herzen steckt,

Sieht ringsum alles sie befleckt.

 

1. "Was denkt ihr Arges in euren Herzen?" So fragt der Herr die Pharisäer. Er hatte nämlich einem Gichtbrüchigen, bevor er ihn körperlich heilte, die Gesundheit der Seele durch die Worte erteilt: "Deine Sünden sind dir vergeben!" Sie aber sprachen alsbald untereinander: "Dieser lästert Gott!" Wie der Baum, so die Frucht. Weil sie selbst Gotteslästerer waren, hielten sie auch den göttlichen Heiland für einen Gotteslästerer. Also hält ein unkeuscher Mensch alle anderen für unkeusch, ein Lügner, alle anderen für Lügner. Voll sind die Herzen der meisten Menschen von argwöhnischen Gedanken, weil, wie der Apostel Johannes spricht, die ganze Welt im Argen liegt.

 

2. Ijobs Freunde gaben diesem heiligen Dulder zu verstehen, er müsse mit heimlichen Lastern behaftet sein, die Gott so streng an ihm bestrafe. Er aber antwortete ihnen: "Warum verfolgt ihr mich wie Gott?" (Ijob 22) Ein tiefer Sinn liegt in diesen Worte. Er sagt ihnen nämlich dadurch: Was denkt ihr Arges in euren Herzen? Seid ihr vielleicht rein von Fehlern wie Gott, dass auch ihr das Recht habt, mich zu verfolgen? Greift doch in eure Brust, vielleicht findet ihr darin die Laster, deren ihr mich beschuldigt, wenn nicht noch schwerere. Also sollen wir selbst antworten, wenn argwöhnische Gedanken gegen unseren Nächsten in unseren Herzen sich erheben.

 

3. Wollen wir Gott nicht missfallen, so denken wir immer Gutes von unserem Nächsten. Also waren die drei heiligen Weisen so fern, Arges von Herodes zu denken, dass sie zu ihm zurückgekehrt wären, wofern nicht ein Engel sie davon abgemahnt hätte. Ebenso hielt auch der heilige Joseph, ob er auch Maria, seine Jungfräuliche Braut, schwanger sah, es eher für möglich, dass eine Frau ohne Zutun eines Mannes empfangen, als dass Maria sündigen könne. Desgleichen waren auch die Apostel so fern, einen Argwohn auf Judas zu werfen, dass vielmehr jeder selbst zitterte, der Verräter des Herrn zu sein. Denn nimmer denkt, wer selbst gut ist, Böses vom Nächsten. "Was siehst du aber den Splitter in deines Bruders Auge, und nimmst den Balken in deinem Auge nicht wahr?" (Lukas 6,41)

 

20. Oktober

 

Maria, Wunderbare Mutter

 

Maria, Mutter der Sterbenden - 4. Sonntag im Oktober

 

Der heilige Wendelin, Einsiedler von Tholey bei Trier,

+ 20.10.617 - Fest: 20. Oktober

 

Der heilige Wendelin wird besonders als Patron der Bauern verehrt.

 

Aus ihm, dem Erstgeborenen des schottischen Königshauses, sollte einmal ein Krieger und Held werden. Er sollte der Krone würdig sein, die auf ihn wartete. So wuchs der Prinz heran, und als er ein junger Mann geworden war, ging er in Rüstung und Waffen und übte das Fechten mit Degen und Speer und wurde ein Kämpfer, hochgewachsen, kraftvoll und stark und gewandt wie der nordische Held Frithjof in den Heldenliedern der alten Saga, von dessen kriegerischem Ruhm ihm die königliche Mutter an der Wiege gesungen hatte.

 

Niemand ahnte, dass tief in Wendelins Seele die Sehnsucht hockte und klagte nach einem fernen Land, wo er nicht als Fürst in Pracht und Glanz, sondern als schlichter Gefolgsmann und treuer Knappe dem großen König Christus in Armut und Selbsterniedrigung dienen könne. Seit Wendelin gehört hatte, dass der Gottessohn die Herrlichkeit des Himmelreiches freiwillig verlassen, Knechtsgestalt angenommen und sich fern von der ewigen Heimat im Dienst der Armen und Bedrängten bis zum letzten Blutstropfen hingegeben hatte, hielt es den Königssohn nicht mehr daheim in Reichtum und Fülle. Eines Tages machte er sich aus dem Staub und verschwand und ging Christus nach.

 

Auf Nimmerwiedersehen entfernte sich Wendelin, segelte über das Meer und kam in die Gegend von Trier, wo er sich im tiefen Wald aus Birkenstämmen und Reisig eine Klause baute. Dort lebte und betete und sang er zum Lobpreis Gottes mit den Vögeln um die Wette.

 

Einmal pilgerte Wendelin aus dem Wald nach Trier zu den Gräbern der Heiligen, und als er unterwegs auf einem Hof um Nahrung bat, schimpfte ihn der Bauer ungeduldig an und sagte, er soll sich schämen, als Faulenzer und Tagedieb durch die Welt zu ziehen und anderen Leuten auf der Tasche zu liegen, anstatt zu arbeiten, was er bei seinen Bärenkräften doch wohl könne. Und wenn er keine Arbeit fände, so könne er gleich auf dem Hof bleiben und das Vieh hüten.

 

Da sauste dem königlichen Prinzen eine starke Rede scharf um die Ohren. Aber er hielt stand und war mutig genug, den angebotenen Dienst auf der Stelle zu übernehmen. Viele Jahre hütete Wendelin das Vieh, und er war gut zu den Tieren und sorgte für sie und nahm sich besonders der erkrankten Rinder und Schafe an und suchte heilkräftige Kräuter und Wurzeln und half den Tieren. So machte es Wendelin, und so verlangt es auch Gott, der in der Heiligen Schrift allen sagen lässt, dass sich der Gerechte des Viehs erbarmt. Stattlich gedieh da die Herde, und Wendelin stieg bei seinem Herrn hoch in Ansehen und Gunst.

 

Darüber wurden die faulen Mitknechte des Heiligen neidisch, und sie redeten schlecht über ihn beim Bauern, dass er das Vieh mal zu früh und mal zu spät austreibe und dass er vor lauter Beten, Singen und Kreuzschlagen nicht auf das Vieh achte und es herrenlos weit vom Hof weiden lasse. Und wirklich ertappte der Bauer eines Abends den Hirten mit der Herde meilenweit fern in der Wildnis, und er tadelte den Leichtfertigen und hielt ihm vor, dass er unmöglich vor der Nacht die Tiere heimbringen könne. Da entgegnete Wendelin: „Seid ohne Sorge, Bauer, wenn die Dunkelheit hereinbricht, bin ich daheim.“ So geschah es auch, denn als der Bauer nach scharfem Ritt auf schnellem Pferd im letzten Sonnenstrahl heimkehrte, trieb Wendelin gerade die Schafe in den Stall.

 

Da erkannten alle voll Staunen, dass ein Heiliger unter ihnen lebte. Der Bauer nahm die harte Rede zurück, mit der er damals den Gottesmann einen Faulenzer und Tagedieb geschimpft hatte, entschuldigte sich bei ihm und ließ für ihn eine Klause bauen, wo Wendelin noch lange Jahre wohnte und betete. Aus den Höfen ringsum kamen die Bauersleute mit dem kranken Vieh, und Wendelin heilte die Tiere mit seinen Kräutern und Wurzeln und mehr noch mit seinem kräftigen Segen. Und das tut er heute noch von seinem Grab aus in der Stadt Sankt Wendel im Saarland, wo er im Jahr 637 starb, unvergessen von allen Bauersleuten, deren Ställe er schirmend schützt.

 

Der Gerechte erbarmt sich also des Viehs, der Tiere überhaupt. Wer aber ein Tier quält, ist ein gefühlloser Mensch und versündigt sich schwer.

 

St. Wendelin – Von Pater Hangauer, Puchheim (1915)

 

St. Wendelin wurde nach der Überlieferung in der Mitte des 6. Jahrhunderts (554) in Schottland oder Irland geboren. Er war der älteste Sohn des Königs Frohardus und der Königin Evelina. Um jene Zeit wurden zahlreiche Söhne vornehmer Eltern jener Länder in den dortigen Klosterschulen erzogen und unterrichtet. Voll heiligem Glaubenseifer begaben sie sich dann über das Meer, um in den verschiedenen Gegenden Deutschlands als Einsiedler Gott zu dienen und das Christentum zu verbreiten. So kam St. Wendelin nach Trier und lebte in der Gegend lange Zeit als armer Hirt. Als solcher kam er auch in die Gegend des heutigen Sankt Wendel, wo damals noch eine große Einöde war. Als seiner Herde einst, wie die Überlieferung berichtet, das Wasser ausging, betete Wendelin voll Vertrauen zu Gott und stieß seinen Hirtenstab in die Erde. Da quoll auf einmal eine starke, klare Quelle hervor; es ist dies der St. Wendels Brunnen, ungefähr 20 Minuten von der Stadt entfernt. Die zahlreich nach St. Wendel kommenden Pilger versäumen es nicht, auch diese durch den hl. Wendelin geheiligte Stätte aufzusuchen und Wasser aus dem Wendelinus-Brunnen zu schöpfen.

 

Eine Zeitlang hielt der hl. Wendelin sich auch am Hof des berühmten Bischofs Magnerich zu Trier auf und trat dann in das neugegründete Benediktinerkloster Tholag bei St. Wendel ein, wo er von den Mönchen zum Abt erwählt wurde. Als Missionar konnte der selbstlose Mann erst recht einen großen Seeleneifer bekunden. Er bekehrte viele Heiden der Umgebung. Sein Leben war ein Leben des Gebetes und der Nächstenliebe. Auch als Abt behielt er seine strenge Lebensweise bei und befreite durch Wunderkraft die Viehherden der armen, frommen Landleute von großen Seuchen. Sein heiligmäßiger Tod fällt wahrscheinlich auf den 20. (21.) Oktober 617. Sein Leib wurde in der von ihm lange bewohnten Einsiedlerzelle beigesetzt. Gott verherrlichte sein Grab bald durch zahlreiche Wunder. Das Vertrauen, das die Landbewohner bei seinen Lebzeiten zu ihm gehabt hatten, wuchs infolgedessen nach seinem Tod. Bald entstand über seinem Grab eine Kirche. Der Zudrang zu seinem Grab wuchs von Jahr zu Jahr, so dass um die Kirche die Stadt St. Wendel entstand. An die Stelle der alten Kirche erbauten die Gläubigen zwischen 1300 und 1315 eine prachtvolle gotische Kirche, die heute noch steht. Die Gebeine des hl. Wendelin wurden in einem Holzsarg hinter dem Hochaltar so hoch aufgestellt, dass die Pilger nach alter Sitte unter ihm herziehen können. Der hl. Wendelin besitzt weit und breit ein sehr großes Vertrauen. In früheren Zeiten kamen die Pilger selbst aus Schottland herüber zum Grab des heiligen Königssohnes. Besonders pilgert das Landvolk gerne zum hl. Wendelin, um seine Hilfe gegen Viehkrankheiten anzurufen. Mittwochs nach Pfingsten und am 20. (21.) Oktober sind die Prozessionen fremder Pilger besonders stark. Als im Jahr 1896 die Reliquien feierlich zur Verehrung ausgestellt wurden, kamen über 100.000 Pilger dorthin, um den Schutz des hl. Wendelin zu erbitten. Zahlreiche Kirchen und Kapellen tragen seinen Namen.

 

Der heilige Vitalis, Abt-Bischof von Salzburg,

+ 20.10. um 730 – Fest: 20. Oktober

 

Als der heilige Bischof Rupert von Worms dem Ruf des Herzogs Theodo von Bayern folgte und dort das Bistum Salzburg gründete, sah er bald ein, dass er allein die seelsorglichen Arbeiten in dem weit ausgedehnten Bistum nicht bewältigen könne. Deshalb reiste er nach Worms zurück und erwählte aus der dortigen Missionsanstalt zwölf tüchtige und seeleneifrige Mitarbeiter, die er nach Bayern mitnahm. Unter diesen apostolischen Männern zeichneten sich drei durch außerordentliche Heiligkeit und segensreiche Erfolge vor den übrigen aus, nämlich die heiligen Priester Kislar, Kuniald und Vitalis. Die beiden ersten predigten das Evangelium an der Donau und drangen bis nach Wien vor. Ihre heiligen Reliquien ruhen neben denen ihres geliebten Bischofs Rupert im Dom zu Salzburg. Ihr Gedächtnis wird am 24. September gefeiert.

 

Der berühmteste Begleiter des heiligen Rupert war der heilige Vitalis. Als Rupert von seinen Missionsreisen müde und lebenssatt zurückkehrte und den Rest seines tatenreichen Lebens auf die würdige Vorbereitung zu einem seligen Tod verwenden wollte, übertrug er die bischöfliche Würde seinem würdigsten und geliebtesten Schüler, dem frommen und eifrigen Vitalis.

 

Der neue Bischof von Salzburg hatte einen schweren Stand, denn die barbarischen Hunnen und Slaven drangen von Osten her sengend und plündernd durch die Täler der Donau, Mur und Enns bis nach Salzburg und ließen Ruinen und Jammer hinter sich zurück. Vitalis scheute sich nicht, mit apostolischem Freimut den heidnischen Barbaren das Evangelium des Friedens und der Liebe zu verkünden, und es gelang ihm mit göttlicher Hilfe, einen Teil von ihnen zu bekehren, die sich dann häuslich niederließen und Christengemeinden bildeten. Nach dem Abzug der Slaven stellte er die zerstörte Maximilianszelle wieder her, wirkte mit dem segensreichsten Erfolg im Pinzgau und drang über die Salzach weiter vor nach Tirol und Bayern bis zum Bodensee. Überall streute er den Samen des Evangeliums eifrig aus und sein abgetötetes Leben, sein tugendreiches Beispiel unterstützte mächtig sein begeistertes Wort, so dass sich viele Heiden taufen ließen und viele laue Christen zum freudigen Bekenntnis ihres Glaubens und zu frommen Übungen wieder angeregt wurden. Wo Unfriede und Zwietracht lange Zeit geherrscht hatte, stellte er die Eintracht leicht wieder her, so dass sich die verhärtetsten Herzen erweichten und langjährige Feinde sich die Hand zur Versöhnung reichten.

 

Außer dieser Gabe der Friedensstiftung wird unter seinen Tugenden besonders die engelreine Keuschheit gerühmt. Die Legende erzählt, nach seinem Tod, der am 20. Oktober um das Jahr 730 erfolgte, sei eine Lilie aus seinem Herzen entsprossen und blühend durch den Deckel seines steinernen Sarges gedrungen. Das gläubige Volk erkannte in diesem Wunder ein göttliches Zeichen für die lilienreine Unschuld des Heiligen.

 

Im Jahr 1628 nahm Papst Urban VIII. den hochverdienten Bischof Vitalis unter die Zahl der Heiligen auf. Er wird besonders verehrt und gefeiert als „Apostel der Pinzgauer“.

 

Gebet am 20. Oktober

 

O hochbegnadete Mutter Gottes Maria! Wie oft habe ich deinen göttlichen Sohn, meinen Herrn und Erlöser, beleidigt. Verlass mich nicht mit deiner Hilfe. Bleibe meine Zuflucht, mein Rettungsanker, mein Heil in der Stunde der Not. Wende gnädig alles ab, was meiner Seele zum ewigen Schaden gereichen, was mein einstiges Heil gefährden könnte. Breite deinen Mantel über mich und die Meinen aus und lass nicht zu, dass einer deiner Diener ewig verloren geht. Amen.

 

Zu Gott

 

Herr, ich bitte Dich um den Geist Deiner Heiligen, der sich über das Irdische erhebt, und nach den Gütern des Himmels sehnt, die Du Deinen Dienern verheißen hast, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Wendelin

 

Schenke uns, o Gott, auf die Fürbitte des heiligen Wendelin, ein zufriedenes Herz, und mach uns an Tugenden reich, damit wir ein Dir wohlgefälliges Leben führen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

An diesem Tag im Jahr 1502 haben die geistlichen Jungfrauen, Annunciaden genannt, ihre Ordenskleidung zur Ehre der seligsten Jungfrau zu tragen angefangen, nämlich einen langen himmelblauen Rock mit einem weißen Schleier, roten Skapulier und einem weißen Gürtel, dessen herabhängenden Teile zehn Knoten zum Andenken der zehn Tugenden Mariä, und am Ende drei Abteilungen zum Andenken der Geißelung Jesu Christi haben.

 

Andacht am 20. Oktober:

 

Das Thema im Oktober:

Vertrauen

"Habt Vertrauen." (Markus 6,50)

 

"Wenn jemand sein ganzes Vertrauen auf Gott setzt, so nimmt Gott ihn unter seinen besonderen Schutz; und sicher darf er in einem solchen Fall sein, dass ihm nichts Böses widerfahren wird." (Der heilige Vinzenz von Paul)

Der heilige Benedikt Joseph Labre hatte sein ganzes Vertrauen auf Gott gesetzt. Er schrieb seinen Eltern: "Seid hinsichtlich meiner unbesorgt; denn gar sehr freue ich mich, dass der Allmächtige mich führt." Verließ Gott ihn etwa? Gab Er ihm nicht immer Beweise seines besonderen Schutzes? Wenn er arm war, so war er es darum, weil er es sein wollte. Er begnügte sich, um die Mittagsstunde an der Tür irgend einer mitleidigen Familie ein wenig Suppe zu erbetteln, um seinen Leib zu erhalten, den er mit Recht eine Leiche nannte; und immer hatte er so viel, dass er Arme in großer Anzahl von den Almosen unterstützen konnte, die man ihm gleichsam aufdrängte. Wenn ihm irgend eine Schmach und Demütigungen widerfuhren, die er liebte, und denen er sogar entgegenging, so folgten meist unmittelbar darauf Ehrenbezeugungen und unzweideutige Beweise der größten Ehrfurcht. Beständig tötete er sein Fleisch durch strenge Bußwerke ab; dagegen schwebte seine Seele in den wunderbarsten Tröstungen Gottes während seines Gebetes, das er beinahe nie unterließ. Und wirkte nicht der Herr dahin, dass der Name seines Dieners, der während seines Lebens nur suchte, ungekannt und verachtet zu sein, in der ganzen Christenheit berühmt und verherrlicht würde? Erfreuen konnte sich allerdings der heilige Arme, dass er den Lockungen der Gnade gefolgt war und Gott dem Herrn sich mit so vollkommenem Vertrauen anheimgestellt hatte.

 

Herr, auf Dich setze ich mein Vertrauen; was kann unter Deinem Schutz mir Böses widerfahren? Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 20. Oktober

 

"Seltsame Folgerung des Sünders:

Gott ist gut, also kann ich böse sein!

Es scheint mir, dass der Geist Gottes

und die Vernunft im Gegensatz urteilen und sagen würden:

Gott ist gut, er verdient daher eine unverbrüchliche Liebe."

 

hl. Ludwig von Granada OP

1504 bis 31.12.1588

 

Betrachtung am 20. Oktober - Von der Hingabe an Gott in Trübsalen

 

Du sendest, Herr, mir Kreuz als Arzenei,

Zu heilen meine Wunden;

Durch sie nur kann, wie bitter sie auch sei,

Vollkommen ich gesunden.

Drum heile mich, und sieh dabei

Nicht auf mein töricht Klageschrei.

 

1. Mit väterlicher Liebe sorgt Gott für seine Auserwählten, und er reinigt und prüft sie durch Trübsale, wie das Gold im Feuer. Darum murre nicht, wenn eine Trübsal dir widerfährt, wenn dein guter Ruf verletzt wird, wenn irgend ein bitterer Verlust oder Schaden dich trifft, wenn du mit Schmach zurückgesetzt wirst, oder wenn eine Krankheit dich darnieder wirft, sondern folge der Ermahnung des Apostels, der uns zuruft: "Beugt euch also in Demut unter die mächtige Hand Gottes." (1. Petrus 5,6a) Führst du dir dein verflossenes Leben wohl zu Gemüte, so wirst du bald zur Überzeugung kommen und sprechen: "Gesündigt hatte ich und das Recht verkehrt; doch hat er mir nicht mit Gleichem vergolten." (Ijob 33,27)

 

2. Lass dich also von deinen Trübsalen niemals verwirren, dass du an Gottes Vorsehung irre wirst, gleich als ob alles, was dir widerfährt, zufällig oder durch die Bosheit der Menschen geschehe, und als ob Gott nicht mehr an dich denkt. Er selbst hat alle Tropfen des Kelches gezählt, den er dir vorsetzte. Er sendet dir, gleich einem Kranken, nicht wonach dich gelüstet, sondern was dir heilsam ist. Er war es, der dein schädliches Vorhaben vereitelte, der die Schmach, die bittere Kränkung über dich verhängte, und so vieles zulässt, das dir widerfährt. Und zwar tut er dies aus wahrer väterlicher Liebe, dich zu heilen und zur Vollkommenheit zu führen.

 

3. Ist nicht der Kranke albern zu nennen, der die Hand des heilenden Arztes von sich stößt, und über seine Anordnungen schimpft? Oder wird es dadurch besser mit ihm? Zieht er sich durch seine Ungeduld und seinen Widerstand nicht noch größere Übel zu, und setzt sich der Gefahr aus, das Leben zu verlieren? Du also ahme diese Torheit nicht nach, sondern ergib dich Gott, wie ein gutes Kind, das auf die Liebe seines Vaters vertraut, weil es weiß, dass sein Wohl ihm am Herzen liegt. Je größer dein Vertrauen, umso mehr wird der himmlische Vater bewogen, dir zu helfen, wie er durch seinen Propheten spricht: "Ja, ich werde dich heil entrinnen lassen; du wirst nicht unter dem Schwert fallen, sondern dein Leben wie ein Beutestück gewinnen, weil du auf mich vertraut hast." (Jeremia 39,18)

 

21. Oktober

 

Die heilige Ursula, Jungfrau und Martyrin in Köln,

+ 453 - Fest: 21. Oktober

 

Der Name Ursula ist nicht, wie es wohl den Anschein haben könnte, lateinischen, sondern germanischen Ursprungs und bedeutet Pferdchen, und das war die Königstochter Ursula aus England auch, munter wie ein Füllen und schön von Gestalt und rein von Herzen.

 

Da kam ein Prinz, um Ursula zu freien, aber Ursula bat sich drei Jahre aus, weil sie noch zu jung sei, und in den drei Jahren wolle sie die goldene Jugendzeit bis zum letzten Tropfen auskosten, fromm und froh und fröhlich sein, und es sollten ihr elf Gefährtinnen gegeben werden, jede von ihnen mit tausend Gespielinnen, und elf Schiffe sollte man bauen, denn nicht nur auf dem Land, sondern auch auf dem Meer wolle sie sich vergnügen, wie sie gerade Lust verspüre. Das waren Ursulas Wünsche, und Vater und Bräutigam säumten nicht, sie restlos zu erfüllen.

 

Wo elftausend junge Mädchen sind, da ist Leben, Leben, Leben, da ist Spiel und Lied und Lautenschlag und Reigen und Tanz. Es war eine goldene Zeit für Ursula und ihre Gefährtinnen, und als die drei Jahre voll Sang und Klang und Jugendlust zu Ende gingen, geschah es eines Tages, als die Gespielinnen auf dem Meer fuhren, dass ein starker Sturm sich erhob und die elf Schiffe allesamt von Englands Küste weg an Deutschlands Ufer getrieben wurden in die Mündung des Rheins hinein, und am folgenden Tag in der Früh war Ursula mit ihrer Sippschaft bereits in Köln.

 

Da beredete sich die Königstochter mit den anderen, und einstimmig beschloss man, weil man doch schon in Köln sei, gemeinsam weiter nach Rom zu pilgern an Sankt Peters Grab, und sie lösten die Anker und hissten die Fahnen mit dem Bild der lieben Mutter Gottes und fuhren rheinaufwärts am Siebengebirge vorbei und an der Loreley durch das Binger Loch über Mainz nach Basel und noch eine Strecke aufwärts bis zu der großen Römerstadt Kaiseraugst, die damals noch stand. Dort verließen sie die Schiffe, weil der Rhein sie nicht mehr trug, und wanderten zu Fuß singend und betend über die Alpen nach Italien bis Rom und hielten ihre Andacht und empfingen den Segen des Heiligen Vaters und kehrten froh und glücklich den gleichen Weg zurück bis Kaiseraugst zu Fuß und von dort zu Schiff den Rhein abwärts und gelangten zum Schluss wieder nach dem heiligen Köln.

 

In Köln hatten sich während der Abwesenheit der elftausend Jungfrauen schlimme Dinge ereignet, denn wie ein Hui waren die Hunnen übers Land gekommen, das wilde Volk aus dem Osten auf den kleinen hurtigen Pferden. Überall sengten und brannten und mordeten die grausamen Krieger mit der gelben Hautfarbe, den Schlitzaugen und dem drollig geknoteten Schopf auf dem Kopf, und gerade als Ursula mit den Gefährtinnen nichtsahnend landete, feierten die zügellosen Horden des Hunnenkönigs Etzel zu Köln ein Fest, das schon zehn Tage dauerte. Aus tausend Fässern floss der Wein, und alle waren trunken, und als die wüsten Gesellen Ursula und ihre Gespielinnen erblickten, wollten sie dem Leib der Jungfrauen mit Gewalt Unehre antun, und da begab sich das staunenswerte Ereignis, dass elftausend junge und edle Mädchen freiwillig und froh lieber in den Tod gingen, als dass sie sich das Krönlein der Ehre rauben ließen, das alle Kinder, die von Herzen rein sind, unsichtbar, wo sie gehen und stehen, auf dem Haupt tragen.

 

Da lagen auf blutgetränktem Boden elftausend Leichen, wie Lilien weiß und rein, die der Sturm geknickt hatte, und liebkosend strich die Abendsonne noch einmal darüber hin, und es kamen die Leute aus Köln und begruben die Toten und bauten eine Kirche über dem großen Grab, und es wallfahrteten zu der Kirche im Lauf der Jahrhunderte Ungezählte, auch Kaiser und Könige, und bis auf den heutigen Tag freuen sich die Leute darüber, dass elftausend junge, frohe Mädchen lieber sterben als die Ehre einbüßen wollten.

 

Der selige Petrus Kapucci von Tiferno, italienischer Priester,

+ 21.101445 - Fest: 21. Oktober

 

Geboren im Jahr 1390, war der Selige schon als Kind von der Gnade ergriffen und uninteressiert an den Kinderspielen, den göttlichen Dingen dagegen zugetan, dass sich daraus wohl ganz leicht auf die künftige große Heiligkeit schließen ließ. Die Welt mit ihren Eitelkeiten war ihm verhasst und um ihren Schlingen zu entgehen, eilte er schon im fünfzehnten Lebensjahr dem Ordensleben zu und erhielt im Prediger-Konvent seiner Vaterstadt das Kleid des heiligen Dominikus. Nach Ablegung der feierlichen Gelübde zeichnete er sich wunderbar durch seine Unschuld und Sittenreinheit aus, sowie nicht minder durch den Eifer, mit dem er alles betrieb, was zum Dienst Gottes gehört, und ebenso durch seine Liebe, Selbsterniedrigung und Treue in Befolgung der Ordensgesetze. Ein Freund der Zurückgezogenheit und voll Begeisterung für den Verkehr mit Gott im innerlichen Gebet, schien er kein anderes Ziel zu verfolgen, als die glühendste Liebeseinigung mit Gott, sowie das Streben nach Bereicherung seines Geistes mit der kirchlichen Wissenschaft, um dann nicht bloß durch Gebet und Beispiel, sondern auch durch erleuchteten Eifer nach Vorschrift seines Ordens dem Heil der Seelen nutzbringend sich zu weihen.

 

Die Obern schickten ihn nach Cortona, wo er nach Empfang der Priesterweihe aller Augen durch den Glanz seiner Tugenden auf sich zog. Dabei blieb er aber so demütig, dass er, obgleich von adeliger Abstammung und bei allen Bürgern hoch angesehen, die geringsten Dienstleistungen in und außer dem Kloster freudig übernahm. In der Stadt Almosen sammeln, sowie den Armen und Kranken dienen, war sein Lieblingsgeschäft. Dabei glühte er vor Eifer für das Heil der Seelen und gewann nicht wenige verkommene Menschen für ein besseres Leben. Darunter waren zwei große Verbrecher, die bereits im Kerker und ganz in Verzweiflung an ihrer Seligkeit sich befanden, und die er nach ihrer Bekehrung wie durch ein Wunder vom gewaltsamen Tod rettete, zu dem sie verurteilt waren. Ebenso bewog er einen zügellosen jungen Mann, der auf Verbrechen aus war, die Petrus durch höhere Erleuchtung erkannte und ihm zur rechten Zeit vorhielt, wobei er ihm auch für den nächsten Tag seinen Tod voraussagte, damit er noch seine Sünden bereuen konnte. Der Ruf seiner Heiligkeit drang weithin, wozu die Gaben der Weissagung, Entzückungen und Wunder viel beitrugen. So ist eigens aufgezeichnet, dass er den verdorrten Arm einer Frau durch das bloße Kreuzzeichen geheilt, und dass man ein leeres Weinfass auf sein Wort und Gebet ganz voll gefunden habe.

 

Reich an Verdiensten sah er dem Tod, den er so oft gepredigt und selbst betrachtet und dessen Bild er beim Gebet und bei der Predigt öfters in der Hand gehalten hatte, freudig entgegen. Und seine Seele flog nach andächtigem Empfang der heiligen Sakramente zum himmlischen Vaterland auf im Konvent des heiligen Dominikus zu Cortona am 21. Oktober 1445. Kaum war er gestorben, als auch schon die Einwohner von Cortona und Tiferno, die des seligen Petrus Tugenden zu beobachten Gelegenheit gehabt hatten, ihn wie einen Heiligen zu verehren begannen und ihn um Fürbitte anriefen. Später wurde sein heiliger Leib, der anfänglich bloß an ehrenvollem Ort beigesetzt gewesen, um der Andacht der Gläubigen zu genügen, auf den Hochaltar übertragen im Jahr 1597, wo er bis zum Jahr 1786 verblieb. In diesem Jahr erwirkte der Infant von Spanien Ferdinand I. aus Liebe zum Predigerorden, dessen Bußregel er angenommen hatte, und aus besonderer Verehrung für den seligen Petrus seine Übertragung in die Kirche des heiligen Liborius zu Colurno bei Parma. Kaum aber war er gestorben, so übernahm der Bischof von Cortona aus besonderer Vorliebe für den Orden und den seligen Petrus Sorge und Kosten der Zurückbringung an die ehemalige Stätte und reichte beim Heiligen Stuhl ein dringendes Gesuch um Gestattung seiner Verehrung ein, worauf nach reiflicher Untersuchung Papst Pius VII. gestattete, dass in den Diözesen Cortona und Tiferno und im ganzen Predigerorden sein Fest gefeiert werde am 22. Oktober.

 

Der heilige Hilarion von Gaza, Abt auf der Insel Zypern,

+ 21.10.371 - Fest: 21. Oktober

 

Heute feiert besonders der Karmelitenorden das Fest des heiligen Hilarion. Der Heilige stammte von heidnischen Eltern. Er wurde um das Jahr 290 in Gaza in Palästina geboren. Die Eltern schickten in der richtigen Erkenntnis, dass Bildung ein unbezahlbarer Schatz ist, ihren Sohn nach Alexandrien, damit er sich an den dortigen Schulen jeglicher Art nützlicher Kenntnis aneigne. Ein Glück für Hilarion, denn in Alexandrien lernte er auch den christlichen Glauben kennen, wurde von seiner Richtigkeit und Wichtigkeit überzeugt, nahm ihn an und ließ sich taufen. War es Neugierde oder das Drängen der Gnade? Es zog ihn mit Macht in die Wüste, um Antonius zu sehen, von dem fast ganz Ägypten sprach. Hilarion weilte nur zwei Monate bei ihm. Diese kurze Zeit reichte aber hin, um ihn völlige Entsagung zu lehren. Da er nach der Rückkehr ins Vaterhaus beide Eltern verlor, war er rasch entschlossen, verschenkte seine ganze Habe und suchte wieder die Wüste auf. Er war erst fünfzehn Jahre alt, dennoch fastete er streng und begnügte sich, wenn auch die Sonne sengend niederstach oder die Kälte sich schmerzend auf die Glieder legte, mit einem Sack als Kleidung. Außer diesem besaß er nur den Pelz, den ihm Antonius zum Abschied gegeben hatte, und einen groben Bauernkittel. Fünfzehn Feigen bildeten seine tägliche Nahrung und diese genoss er erst nach Sonnenuntergang. Die Hütte, in der er wohnte, hatte nur fünf Fuß in der Höhe - er konnte also gar nicht aufrecht darin stehen - und wenig mehr in der Länge, so dass man sie eher ein Grab als eine Wohnung hätte nennen mögen. Als Lager diente ihm ein Bund Binsen. Als diese Lebensstrenge bekannt wurde, strömten aus Ägypten und Syrien viele Heilsdurstige herbei, um sich ihm anzuschließen, denn vor Hilarion gab es in Palästina noch keine Klöster und in Syrien keine Mönche. Hilarions Beispiel zog gewaltig an. In kurzer Zeit entstanden in ganz Palästina allenthalben Klöster, die sich mit Mönchen füllten. Auch Scharen anderer kamen, um sich zu erbauen, Bischöfe, Priester, Kleriker und Mönche, Männer und Frauen. Dies war gegen den Sinn des Heiligen, der die Einsamkeit über alles liebte. Er suchte deshalb einen anderen Ort auf. Aber wo er sich niederließ, eilten die Leute zu ihm und ehrten ihn in ähnlicher Weise, weshalb er sich genötigt sah, seinen Aufenthalt immer wieder anderswohin zu verlegen. Unter anderem kam er nach Pelusium, nach Aphroditon; er durchquerte Libyen und Sizilien, suchte Dalmatien auf und ließ sich schließlich auf Zypern nieder, wo er  am 21. Oktober 371 starb. "Zieh aus, zieh aus, meine Seele!" sprach er. "Was zauderst du? Du hast beinahe siebzig Jahre Christus gedient und fürchtest den Tod?" Mit diesen Worten hauchte er seine Seele aus.

 

Pater Innozenz vom heiligen Leopold

Gedenktage und Lebensskizzen hervorragender

Mitglieder des Karmelitenordens

 

Gedächtnis des lobwürdigen Pater Innozenz vom heiligen Leopold. Pater Innozenz vom heiligen Leopold, in der Welt Leopold von Kollonitz genannt, entstammte einem alten Grafengeschlecht und war am 25. August 1681 zu Ödenburg in Ungarn geboren. Seine frommen Eltern, die ihm eine überaus sorgfältige Erziehung angedeihen ließen, sahen es mit Freuden, dass er sich gleich seinem Bruder, der Kardinalerzbischof von Wien war, dem geistlichen Stand widmete. Leopold wollte auch auf jede hervorragende Stellung in der Kirche verzichten und trat deshalb am 31. Mai 1708 zu München in den Karmelitenorden. Nach Vollendung seiner Studien erbat er sich und erhielt die Erlaubnis, in den Missionen des Ordens wirken zu dürfen. Obwohl ihm das ostindische Klima heftige Kopfschmerzen verursachte, war er jedoch ununterbrochen in der Seelsorge für die weit zerstreut wohnenden Katholiken tätig und bemüht, den Heiden die Verkehrtheit des Götzendienstes zu zeigen und sie der Kirche zuzuführen. Nicht weniger eifrig wirkte er später in Malabar, unermüdlich beschäftigt, das Unkraut der Irrlehre, das andersgläubige Europäer gesät hatten, auszurotten. Dabei war er selbst ein vollkommenes Muster jeder Tugend, besonders der Güte und der aufrichtigsten Liebe, die ihm die Herzen aller eroberte. Als er einen Monat vor seinem Tod fühlte, dass seine Kräfte abnahmen, begab er sich mit Erlaubnis seiner Obern nach Verapoly, um bei seinen Mitbrüdern sterben zu können. Die Mission in Indien hat ihm überaus viel zu verdanken. Pater Innozenz hat nämlich nicht bloß den Bewohnern jener Gegenden die Lehre des Heils verkündet, sondern auch für deren Nachkommen gesorgt, indem er mit Geldern, die er von seiner Familie erhielt, zu Mangate unweit Coccin ein Missionshaus für angehende Missionare des Karmelitenordens gründete. Papst Klemens XII. wollte sich ihm dankbar erzeigen, indem er ihn in Anbetracht seiner ganz hervorragenden Eigenschaften und Leistungen zum Weihbischof in Malabar ernannte. Doch Innozenz bat dringend, man möge davon absehen. Als er ein zweites Mal zu genannter Würde auserwählt war und den förmlichen Befehl erhielt, sich weihen zu lassen, versicherte er, er würde gehorchen, wenn Gott ihn am Leben erhalte. Inzwischen betete er zum Herrn um die Abberufung in die Ewigkeit. Sein Wunsch wurde erfüllt. Er starb am 21. Oktober 1735, nicht weniger groß durch die Erfolge seiner apostolischen Tätigkeit, als durch seine Demut und Selbstlosigkeit. 

 

Gebet am 21. Oktober

 

Unbefleckte Königin Maria, du lichtes Morgenrot, das immer mit der göttlichen Glorie geziert war, - du auserwählte Arche des Heils, die vor dem allgemeinen Schiffbruch bewahrt blieb, - du weiße Lilie, die zwischen den Dornen der Kinder Adams wächst, erbarme dich unser, die wir nicht nur in der Sünde geboren, sondern die wir - unsere Seele mit Sünden befleckt haben. Bitte am Thron des ewigen Erbarmens für uns, und bewirke dadurch, dass wir in Jesus Christus selig werden. Amen.

 

Zu Gott

 

Wir bitten Dich, o Gott, verleihe uns die Gnade, die ärgerlichen Beispiele der Welt stets zu verabscheuen, und uns nach den herrlichen Tugendbeispielen so vieler Heiligen zu richten, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen

 

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Petrus Kapucci

 

O Gott, der Du verkündet hast, dass Deine Gläubigen, wenn sie die letzten Dinge betrachten, niemals sündigen werden; lass uns durch die Fürbitte und nach dem Beispiel des seligen Petrus, Deines Bekenners, den zeitlichen Tod so vor Augen halten, dass wir durch stete Reue über die begangenen Sünden dem ewigen Tod entgehen, durch Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Hilarion

 

Wir bitten Dich, o Gott, verleihe uns auf die Fürbitte Deines heiligen Einsiedlers Hilarion die Gnade, uns durch ein frommes Leben zum Tod vorzubereiten, und schenke uns jene brennende Liebe, durch die die Furcht vertrieben wird, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Der heilige Kaiser Heinrich hat im Jahr 1007 die Grafschaft Cambrai dem Bischof Herluinus und seinen Nachfolgern im Bistum aus Andacht zur seligsten Jungfrau, die in dieser Stadt mit besonderem Eifer verehrt wird, geschenkt. 

 

Andacht am 21. Oktober:

 

Das Thema im Oktober:

Vertrauen

"Habt Vertrauen." (Markus 6,50)

 

"Wenn wir den Händen Gottes uns gänzlich und mit vollkommenem Vertrauen übergeben haben, dann haben wir keine Schwierigkeiten mehr zu fürchten. Und lässt der Herr es zu, dass und dennoch einige widerfahren, so wirkt Er dahin, dass sie zu unserem Besten dienen; und dies zwar auf Wegen, die wir jetzt nicht kennen, die wir aber einmal kennen werden." (Der heilige Vinzenz von Paul)

Als der heilige Franz von Sales noch jung war und sich zu Rom befand, wohnte er in einem Gasthaus, das an der Tiber lag, und als er einmal abends nach Hause kam, hörte er zu seiner nicht geringen Verwunderung, wie seine Leute in heftigem Wortwechsel mit dem Gastwirt stritten. Dieser Mann nämlich, der äußerst geizig war, verlangte, dass sie samt ihrem Herrn anderswo hinziehen und ihre Zimmer einigen größeren Herren einräumen sollten, deren zahlreiche Dienerschaft er bereits aufgenommen hatte. Bald wären sie in diesem Streit zum Handgemenge gekommen, wenn nicht der fromme Graf Franz endlich mit großer Sanftmut zu seinen Dienern gesprochen hätte: "Der Wirt ist Herr seines Hauses; will er uns keine Unterkunft geben, so gibt es ja noch andere Gasthäuser." Und sogleich ließ er alles, was ihm angehörte, forttragen, und begab sich in einen Gasthof, der weit von der Tiber entfernt lag. Kaum war er dort angekommen, so fiel ein gewaltiger Platzregen und die Gewässer schwellten so sehr an, dass das Haus, das der Heilige verlassen hatte, von den Fluten unterspült wurde und samt allen seinen Bewohnern zusammen stürzte, ohne dass ein Mensch mit dem Leben davonkam. 

Ein beinahe ähnliches Beispiel lesen wir vom heiligen Ignatius. Als dieser große Diener Gottes von Jerusalem zurückkehrte und nach Cypern gekommen war, wollte er sich einschiffen, um nach Italien zurückzukehren. Es standen aber daselbst drei Schiffe, die sämtlich segelfertig waren. Das eine gehörte den Türken; das andere, das groß und in  gutem Zustand war, den Venetianern; das dritte aber war klein, alt und in schlechtem Zustand. Nun verwendeten sich viele bei dem Patron des venezianischen Schiffes für den Pilger und baten ihn, er möchte ihn Gott zu Liebe aufnehmen; versicherten ihn auch dabei, es werde ihn gewiss nicht gereuen, da Ignatius ein heiliger Mann sei. Er aber blieb standhaft auf seiner Weigerung, da niemand für den armen Pilger bezahlen wollte, und sprach, wenn er ein Heiliger ist, so braucht er kein Schiff, übers Meer zu fahren; er solle es nur machen wie so viele andere Heilige, die trockenen Fußes darüber hingingen. Somit war also Ignatius genötigt, ich das schlechte Schiff einzusteigen, wo man ihn aus christlicher Nächstenliebe aufnahm und seiner Frömmigkeit wegen hochachtete. Hierauf segelten alle drei Schiffe am selben Tag und zur selben Stunde unter günstigem Wind ab. Doch nicht lange, und das Meer wurde durch einen Sturm in Aufruhr gebracht; das türkische Schiff ging unter, das venezianische wurde an eine Sandbank verschlagen und zerfiel in Trümmer, und nur das arme Fahrzeug, in dem der Heilige war, landete glücklich im Hafen; obwohl es, allem menschlichen Anschein nach, am ersten hätte zugrunde gehen müssen. So beschützt der Herr seine getreuen Diener, die auf Ihn vertrauen; gerade dann, wenn es scheint, als sende Er ihnen Schwierigkeiten zu, behütet Er sie vor vielen Gefahren, denen sie sonst zum Raub geworden wären.

 

Mein Gott, ich ergebe mich Deinen Händen und vertraue vollkommen auf Dich. Vor keiner Trübsal soll mein Herz zagen, denn ich weiß, dass Du sie zu meinem Heil wendest! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 21. Oktober

 

"Der Weg des Vergnügens ist nicht der Weg des gekreuzigten Jesus.

Die Heiligen sind nicht darauf gewandelt und das Himmelreich ist nicht feil

und wird nicht gekauft für Vergnügungen."

 

hl. Katharina von Siena OP

1347 bis 29.4.1380

 

Betrachtung am 21. Oktober - Vom Leben aus dem Glauben

 

Herr, deine Wahrheit nähre mich,

Und stärke meiner Seele Mark:

Dann werde ich zum Kampfe stark,

Und preise durch mein Leben dich.

 

1. "Mein Gerechter aber wird durch den Glauben leben." spricht der Herr. (Hebräer 10,38a) Es gibt zwar nicht wenige, die sich selbst für gerecht halten, die aber nicht aus dem Glauben, sondern aus der Hoffart, aus dem Eigendünkel leben, "da sie die Gerechtigkeit Gottes verkannten und ihre eigene aufrichten wollten, haben sie sich der Gerechtigkeit Gottes nicht unterworfen". (Römer 10,3) Aber nicht diese sind es, die der Herr seine Gerechten nennt. Der Glaube des wahren Gerechten ist ein lebendiger Glaube, der die Offenbarungen des Allerhöchsten in ihrem ganzen Zusammenhang dankbar umfängt; "ein Glaube, der durch die Liebe wirkt". (Galater 5,6b) Ist der Glaube nicht so beschaffen, so ist er tot. Nimmermehr aber wird ein Glaube, der selbst kein Leben in sich hat, den Gerechten so nähren, dass er davon leben kann.

 

2. Ein lebendiger Glaube ist stark und siegreich. "Und das ist der Sieg, der die Welt besiegt hat: unser Glaube." (1. Johannes 5,4b) Er siegt "mit den Waffen der Gerechtigkeit in der Rechten und in der Linken." (2. Korinther 6,7b) Weder achtet er der irdischen Wohlfahrt zur Rechten, noch der Widerwärtigkeiten zur Linken, denn sein heller Blick erkennt, dass nichts zu achten sei, außer was ewig ist. Woher der Anfang der Schwäche und des Untergangs einer Seele? Aus der Schwäche ihres Glaubens. Ihr toter Glaube nährt sie nicht, er ist wie ein Brot ohne Kraft, das keine Nahrung gibt; daher die fortwährende Abnahme ihrer Kräfte. Ist nicht dieser tote Glaube die Ursache deiner Schwäche?

 

3. Der Glaube ist nicht nur die gewöhnliche, er ist auch oft die einzige Speise des Gerechten. Es kommen Zeiten, wo seine Seele keine andere Nahrung, keinen Trost vom Himmel empfängt, Zeiten der Trockenheit und der Prüfung. Es ergeben sich oft Ereignisse, Siege der Gottlosen, Unterdrückung der Gerechten und Drangsale, wo die göttliche Vorsehung so gänzlich sich verbirgt, dass selbst der Gerechteste erschüttert würde, wenn er nicht vom Glauben an Gottes unendliche Weisheit und Vorsehung durchdrungen wäre. Hochwichtig also ist es, dass wir durch Betrachtung der ewigen Wahrheiten reich im Glauben werden, damit wir zur Zeit des Hungers davon leben können. Psalm 46,3: "Darum fürchten wir uns nicht, wenn die Erde auch wankt, wenn Berge stürzen in die Tiefen des Meeres."

 

22. Oktober

 

Die heilige Kordula,

Jungfrau und Märtyrin von Köln (Gesellschaft der hl. Ursula),

+ 451 – Fest: 22. Oktober

 

Die heilige Kordula, eine Märtyrin aus der Gesellschaft der heiligen Ursula, versteckte sich beim Anblick des grausamen Hinmordens ihrer Gefährtinnen im unteren Raum des Schiffes, nicht denkend an die Worte des Herrn: „Fürchtet euch nicht vor denen, die den Leib töten, aber die Seele nicht töten können, sondern fürchtet euch vielmehr vor demjenigen, der Leib und Seele in das Verderben der Hölle stürzen kann.“ Als sie aber den mutigen Tod der anderen beherzigte und bedachte, fühlte sie schmerzliche Reue über ihre Feigheit und über den Verlust der Marterkrone und trat gestärkt durch die göttliche Gnade am folgenden Tag aus ihrem Schlupfwinkel hervor, wurde sogleich ergriffen und, da sie allen schändlichen Anträgen ebenfalls widerstand, als die letzte der heiligen Schar getötet.

 

Die heiligen Nunilo und Alodia, Jungfrauen und Märtyrinnen in Spanien,

+ 22.10.851 – Fest: 22. Oktober

 

Die heiligen Jungfrauen Nunilo und Alodia, Märtyrinnen in Spanien, waren Schwestern, die einen Mohammedaner als Vater, aber eine christliche Mutter hatten, von der sie in der wahren Lehre unterrichtet wurden. Als die Mutter aber, Witwe geworden, sich zum zweiten Mal mit einem Ungläubigen verheiratete, flüchteten sie sich, um der Wut ihres fanatischen Stiefvaters zu entgehen, in den Schutz einer Tante, bei der sie unangefochten die Übungen der Frömmigkeit ausführen konnten, bis die Christenverfolgung unter dem König Abderaman II. begann. Nun wurden sie verhaftet und am 22. Oktober 851 ihrer Standhaftigkeit im Glauben wegen enthauptet. Ihr Gedächtnis wird zu Bosca und Huesca alljährlich festlich begangen.

 

Pater Alois vom heiligen Engel

Gedenktage und Lebensskizzen hervorragender

Mitglieder des Karmelitenordens

 

Am 22. Oktober 1799 starb der gottselige Pater Alois vom heiligen Engel (Jodok Augustin Jakobs) als Opfer der großen, französischen Revolution. Er war am 8. Februar 1742 in Loochristi geboren und hatte am 21. November 1764 seine heiligen Gelübde abgelegt. Nach der am 14. März 1767 erfolgten Priesterweihe bereitete er sich in Rom für die Missionen vor. Die Oberen schickten ihn jedoch nach Brügge zurück, wo er eifrigst in der Seelsorge arbeitete. Am 7. Januar 1797 musste er das Kloster verlassen, blieb indes in Brügge, um insgeheim die religiösen Bedürfnisse der katholischen Bewohner zu befriedigen. Den sündhaften Eid zu leisten, lag ihm fern. Darum wurde er festgenommen und zu Rochefort eingekerkert. Nachdem Pater Alois die Gefängnisqualen drei Monate lang erduldet hatte, erkrankte er. Man überführte ihn in das Hospital, wo er am 22. Oktober 1799 sein heiligmäßiges Leben durch einen heiligen Tod beschloss.

 

Johann Adam Freiherr von Garnier

Gedenktage und Lebensskizzen hervorragender

Mitglieder des Karmelitenordens

 

Gedächtnis des lobwürdigen Johann Adam Freiherr von Garnier. Der edle Ritter wurde am Lichtmesstag des Jahres 1614 zu Ensisheim im Elsass als Sohn des Leibarztes und Verwalters der elsässischen Besitzungen des Erzherzogs Maximilian von Österreich geboren. Johann Adam studierte zuerst in Pont-à-Mousson an der Mosel und wählte sich bereits in seinen jungen Jahren den Wahlspruch: "Fürchte Gott und ehre den Fürsten", an dem er sein Leben lang festhielt. Nachdem er zu Besancon seine philosophischen Studien mit der besten Note absolviert hatte, trat er während des Dreißigjährigen Krieges in das kaiserliche Heer, in dem er im Jahr 1643 zum Rittmeister befördert wurde. Am 4. Februar 1676 kam er mit seinem Regiment nach Striegau und nahm im dortigen Karmelitenkloster sein Abendbrot ein. Der Prior des Klosters wollte dem Herrn Oberst alle Aufmerksamkeit erweisen, allein der wünschte dringend, es sollte seinetwegen keine Ausnahme von der sonst herrschenden Klosterordnung gemacht werden. Keiner achtete so aufmerksam auf die Tischlesung wie er. Johann Adam erbaute sich an dem Stillschweigen der Religiosen und an allem andern dermaßen, dass er alle seine reichen Besitzungen zu guten Zwecken verwendete, auch das Karmelitenkloster Großstrenz stiftete und namhafte Summen zum Unterhalt dreier anderer Karmelitenklöster in Schlesien schenkte. Im Jahr 1679 trat er selbst als Laienbruder in das Kloster zu Großstrenz ein und starb darin schon nach zwei Jahren am 21. Oktober 1680. Wie fromm er lebte, geht aus den Worten des Kardinals und Fürstbischofs von Breslau hervor, der erklärte, Johann Adam von Garnier sei "ein für seine Kirche eifernder Mann von mustergültigem Lebenswandel gewesen, wie er keinen zweiten in Schlesien gehabt", sowie daraus, dass die Karmeliten mit voller Berechtigung zu schreiben vermochten: "Er war ein Spiegel, in dem ein jeder ersehen konnte, wie auch er wandeln soll."

 

Gebet am 22. Oktober

 

Mutter der Gnaden! Siehe, alle Gnaden, alle Herrlichkeit, die du besitzt, ja, erlaube, dass ich es sage, die Würde einer Mutter Gottes selbst verdankst du gleichsam den Sündern. Denn um ihretwillen hat das ewige Wort dich zu seiner Mutter erwählt. Fern sei es von uns zu glauben, dass die göttliche Mutter, die die Quelle der Barmherzigkeit in die Welt brachte, einem Elenden, der zu ihr seine Zuflucht nimmt, ihre Erbarmung versagen werde. Weil es also dein Amt ist, Maria, zwischen Gott und den Menschen den Frieden zu vermitteln, so möge deine Barmherzigkeit, die größer ist als alle meine Sünden, dich bewegen, mir beizustehen. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Heute wird in dem jungfräulichen Orden der Annunciaden das Fest der Vermählung Mariä feierlich gehalten. Sie haben darüber eine vom Papst Leo X. gutgeheißene Mess-Ordnung. 

 

Andacht am 22. Oktober:

 

Das Thema im Oktober:

Vertrauen

"Habt Vertrauen." (Markus 6,50)

 

"Wenn wir uns in irgend einer Gefahr befinden, sollen wir den Mut nicht sinken lassen, sondern fest auf den Herrn vertrauen. Je größer die Gefahr, je näher die Hilfe Dessen, Der sich unsere Hilfe in der Gefahr nennen lässt." (Der heilige Ambrosius)

Als einst der heilige Ignatius sich auf dem Meer befand, erhob sich ein fürchterlicher Sturm; Schon war der Mastbaum des Schiffes zertrümmert, und alle, die im Schiff waren, den Heiligen allein ausgenommen, schrien und heulten und erwarteten mit jedem Augenblick ihren unvermeidlichen Tod. Er allein war ruhig und ohne Furcht; der Grund seiner tiefen Ruhe aber waren die Worte der heiligen Schrift, die ihm beständig vor Augen schwebten: "Die Winde und das Meer gehorchen Ihm." Kein Sturm erhebt sich ohne Seine Erlaubnis; und wenn nicht Er es befiehlt, vermögen alle Stürme der Welt nicht einen Menschen zu verschlingen. "Der Herr ist mein Herrscher," sprach er, "wenn Er will, dass ich in den Fluten umkomme, so sei`s; gern willige ich in Seinen Willen und vertraue auf Seine Güte."

Maximilian II. hatte ein so festes Vertrauen auf Gott, dessen gütige Vorsehung er aus vielfältiger Erfahrung kannte, dass er, wenn wegen widriger Ereignisse, die zu fürchten waren, alle zitterten, mit festem Gemüt sprach: "Der Herr wird helfen! Wer auf Ihn vertraut, hat nicht auf Sand gebaut!"

Als einst einem heiligen Altvater eine große Anzahl böser Geister in Gestalt grässlicher Tiere erschienen, ihn zu ängstigen, verlachte er sie und sprach: "Wenn Gott euch Gewalt über mich gegeben hätte, so wäre ein einziger von euch genug, mich zu verderben; habt ihr aber keine Gewalt von Ihm empfangen, so seid ihr wahrlich sehr feige, euch in so großer Menge zu versammeln, die Ruhe eines schwachen Menschen zu stören;" auf diese Worte die bösen Geister beschämt verschwanden.

 

Lass mich, o Herr, in Gefahren nicht kleinmütig werden, und bedenken, dass Du unsere Hilfe in der Trübsal genannt wirst! Wenn ich auch mitten in den Schatten des Todes gehe, will ich kein Übel fürchten, das mich bedroht, sondern gedenken, dass Du bei mir bist! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 22. Oktober

 

"Wenn wir Gott lieben wollen, wie wir es sollen,

finden wir in Jesus Christus seine unendlichen Vollkommenheiten;

wenn wir die Menschen lieben wollen,

in ihm leuchtet sie in unaussprechlicher Reinheit."

 

hl. Katharina von Siena OP

1347 bis 29.4.1380

 

Betrachtung am 22. Oktober - Über die innerliche Trostlosigkeit

 

Du bist, Herr, mein Licht und Leben,

Froh nur ist mein Herz bei dir;

Doch es will vor Angst erbeben,

Ist dein Trost entfernt von mir.

 

1. Du klagst über Dürre und Mangel an Trost bei deinem innerlichen Gebet. Kommt dies nicht vielleicht daher, weil du lau bist und zu sehr liebst, was die Sinne erfreulich anspricht? Das Feuer des innerlichen Gebets wird nur durch das Holz des Kreuzes und der Abtötung angefacht und ernährt. Vielleicht auch verlangst du mit allzu großer Gier nach diesem Trost. Gott aber versagt dir ihn, dich in der Demut zu erhalten, vor geistiger Hoffart zu bewahren, zur Erkenntnis deiner selbst dich zu führen und deine Armut und Schwäche dir zu zeigen. Auch entzieht er dir seinen Trost, deine Geduld zu üben und deine Verdienste zu vermehren.

 

2. Gott will, dass du im Geist leben lernst. Er will, dass du im Glauben und in der Hoffnung stark wirst, und dass deine Liebe gereinigt werde. Er will, dass du die Gnade seiner innerlichen Heimsuchung durch ihre Entbehrung hoch achten lernst, dass du sie sorgsam bewahrst, wenn sie dir verliehen wird, und sie eifrig suchst, wenn du sie verloren hast. Er will schließlich deine Treue bewähren, und dich dahin führen, dass du ihn auch dann liebst, wenn das liebliche Licht der Gnade verschwindet, und die Finsternis des Geistes eintritt. So verzage denn nicht, und hoffe in der Nacht, dass der innerliche Tag abermals aufgehen und mit großem Trost dich erfreuen wird. 

 

3. Herr, ich bekenne meine Schuld vor dir. Träge, lau und zerstreut, verdiente ich den Entzug der Gnade deines Trostes. Vergib mir, Herr, meine Untreue und Nachlässigkeit in deinem heiligen Dienst. Ich erkenne, mein Gott, dass ich arm, schwach und elend bin, wenn dein Licht mich verlässt. Aber demütigen will ich mich vor dir, und die verdiente Trockenheit meines Herzens in Geduld ertragen, bis du meiner dich wieder erbarmst, und dir in fester Treue dienen, um deiner selbst willen, und nur suchen, was dir gefällt, nicht aber, was mir erfreulich ist. Psalm 51,13+14: "Verwirf mich nicht von deinem Angesicht, und nimm deinen heiligen Geist nicht von mir! Mach mich wieder froh mit deinem Heil; mit einem willigen Geist rüste mich aus!"

 

23. Oktober

 

Der heilige Johannes von Kapistran,

Priester und Bekenner in Italien,

+ 23.10.1456 - Fest: 23. Oktober

 

Zum Unterschied von den zahlreichen anderen Heiligen gleichen Namens wird der heutige Tagesheilige nach seinem Geburtsort, einem Dorf in Italien, Johannes von Capistrano genannt. Sein Vater soll ein Deutscher unbekannten Namens gewesen sein, der auf einem Kriegszug in Capistrano hängenblieb und sich dort verehelichte. Nach glänzenden Studien wurde Johannes, sehr jung noch, Bürgermeister und oberster Richter der Stadt Perugia, und hervorragend bewährte er sich in beiden Ämtern. Sein Ansehen stieg, der Reichtum vermehrte sich, und schon war der Tag der Hochzeit mit einem Edelfräulein angesagt, da brach ein Aufstand aus, und ehe sich der verbissene Streber nach irdischem Glück versah, fand er sich in einem tiefen, fensterlosen Turmverließ wieder, mit Ketten angeschmiedet zur lebenslänglichen Haft. Da gingen dem Dreißigjährigen die Augen auf über die Flüchtigkeit und Nichtigkeit von Erdenglanz und Menschengunst, und als es ihm später gelang, sich gegen ein hohes Lösegeld die Freiheit zu erkaufen, sagte er der trügerischen Welt leichten Herzens ade, ging ins Kloster und wurde Franziskaner.

 

Es war ein Glück für den Neuling, dass sein Lehrer im Ordensleben ein Heiliger war, der heilige Bernardin von Siena, der als gewaltiger Bußprediger durch die Städte und Dörfer Italiens zog, und Johannes durfte den Meister auf den Missionsreisen begleiten und von ihm lernen, bis er selbst ein Redner war, so mächtig, wie es alle Jahrhunderte nur einmal einen gibt.

 

Vierzig Jahre lang predigte Johannes von Capistran mit Erfolg in Italien, Ungarn und Deutschland. In Augsburg hat er gepredigt, in Eichstätt, Regensburg, Nürnberg, Bamberg, Erfurt, Weimar, Jena, Halle, Magdeburg, Leipzig, Dresden, Breslau und vielerorts anderswo. Weil der Prediger der deutschen Sprache nicht mächtig war, redete er lateinisch, drei Stunden lang. Drei weitere Stunden dauerte es, bis ein Mitbruder die Worte des Heiligen verdeutscht hatte, und sechs Stunden lang harrten die Zuhörer aus, nicht zwanzig oder dreißig oder sechzig, sondern zwanzig- und dreißig- und sechzigtausend, Menschenmengen, die kein Gotteshaus fassen konnte, die, weil die Predigten unter freiem Himmel gehalten wurden, die größten Plätze der Städte füllten wie Trauben an den Bäumen hingen und dichtgedrängt auf den Dächern der Häuser saßen. Es war aber nicht Zuckerbrot, was der Prediger den Massen reichte, sondern die bittere Kost der ewigen Wahrheiten. Trotzdem nahm der Zulauf des Volkes nicht ab, und wo der kleine, schmächtige Mönch mit den glutvollen Augen auftrat und mit hinreißenden Worten die Laster geißelte, da erlitt Christi Widersacher, der Teufel, Schlappe auf Schlappe, so dass beispielsweise die Nürnberger nach einer aufwühlenden Predigt des wortgewaltigen Mannes sechs große Wagen voll von Spielkarten, Würfeln, eitlem Tand und schlechten Büchern öffentlich verbrannten.

 

Capistrans größte Stunde sollte jedoch noch schlagen. Es war damals, als nach dem Fall von Konstantinopel im Jahre 1453 die Türken siegreich vordrangen. Bei der Uneinigkeit der christlichen Fürsten, die sich nicht zur Gegenwehr aufraffen konnten, wäre Europa auf ein Haar von den grausamen Janitscharen des Sultans überrannt und versklavt worden, wenn nicht Johannes von Capistran gewesen wäre, der mit weltweitem Blick die Gefahr, die dem christlichen Abendland für alle Zeiten drohte, überschaute und der in unablässigem Bemühen aus Bauern und Bürgern ein Heer von sechzigtausend Mann auf die Beine brachte, an deren Spitze er mit dem Kreuz in der Hand am 2. Juli 1456 bei Belgrad die Türken aufs Haupt schlug.

 

Ein siebzigjähriger Mönch hat damals Europa vor Untergang und Verderben gerettet. Wie war das nur möglich? Ganz einfach, denn Johannes von Capistran war ein mutiger Mann und ein Heiliger dazu. Solchen Menschen ist der Teufel, der bloß mit Schwächlingen fertig wird, von vornherein unterlegen.

 

Der heilige Severin, Bischof und Bekenner von Köln,

+ 23.10.399 – Fest: 23. Oktober

 

Nach der dreihundertjährigen Verfolgung der Kirche durch die römischen Tyrannen sehen wir den von Jesus Christus gepflanzten Baum sich zu einer nie geahnten Kraft und Blüte entfalten. Eine glänzende Reihe heiliger und gelehrter Männer zierte die Bischofsstühle in allen Ländern und verteidigte die von Christus überlieferte Wahrheit gegen die Arianer und anderen Ketzer der damaligen Zeit. Zu diesen Leuchten der katholischen Kirche gehört auch der heilige Severin, Bischof von Köln.

 

Severin entstammte einer adeligen Familie zu Bordeaux in Frankreich. In seiner Jugend hatte er das große Glück, ein Schüler und Freund des heiligen Bischofs Martin von Tours zu sein. Da der bischöfliche Stuhl zu Köln unbesetzt war, der damals zu Gallien gehörte, sah man sich nach einem Mann um, der streng am katholischen Glauben festhielt, die Wahrheit gegen die Irrlehre der Arianer zu verteidigen wusste, durch tugendhaften Wandel sich auszeichnete und mit Eifer für seine Herde wirkte. Niemand wusste einen würdigeren, als den heiligen Severinus. Um das Jahr 365 wurde er zum Bischof von Köln gewählt.

 

Die erste Sorge Severins war, das verderbliche Unkraut der gottlosen Irrlehre überall auszurotten und trotz Mühen und Gefahren erreichte er glücklich sein Ziel. Die Wundergabe, mit der ihn Gott bei seinem apostolischen Werk ausgestattet hatte, unterstützte sein Bekehrungswerk. Die Blinden, die er sehend, die Kranken, die er gesund machte, öffneten auch den geistig Blinden die Augen und führten die Irrenden zur Wahrheit zurück.

 

Während der heilige Bischof das Reich Gottes in den Herzen seiner Bistumsangehörigen befestigte, sorgte er auch mit regem Eifer dafür, dass würdige Gotteshäuser erbaut und mit seeleneifrigen Priestern ausgestattet wurden. Auf der Burgstraße vor der Hohenpforte des alten Kölns, unweit des Rheinufers, erbaute er die Kirche zu Ehren der heiligen Cornelius und Cyprianus. Im Jahr 376-78 stiftete er ein Münster von Chorgeistlichen und bestimmte zu dessen Unterhalt fast den ganzen Umfang der Dörfer, Weiler und Gärten, die zu beiden Seiten der Burgstraße lagen und sich bis zur hohen Pforte hin erstreckten.

 

Eine heilige Sehnsucht trieb einst den frommen Bischof, seinen edlen Freund und Lehrer, den heiligen Martinus, zu besuchen. Er fand ihn auf dem Sterbebett, vernahm noch seine liebreichen Ermahnungen an die umstehenden Mönche, sah seine geläuterte Seele im glückseligen Tod dahinscheiden und hörte den himmlischen Lobgesang der Engel, die die auffahrende Seele zu den ewigen Wohnungen begleiteten. Welch ein sehnliches Verlangen mochte in seiner Seele erwachen, mit seinem geliebten Freund am Thron des Allerhöchsten wieder vereinigt zu werden.

 

Noch einmal wollte der heilige Severin seine teure Heimat Bordeaux wiedersehen. Er reiste hin und wurde vom heiligen Amandus, der damals Bischof von Bordeaux war, mit brüderlicher Liebe aufgenommen, aber Gott gefiel es, ihn aus dieser Zeitlichkeit zur ewigen Ruhe abzuberufen um das Jahr 399, nachdem er fast ein halbes Jahrhundert den bischöflichen Stuhl von Köln geziert hatte.

 

Amandus ließ den Leichnam des heiligen Severin in der Domkirche zu Bordeaux beisetzen, aber die Einwohner von Köln ruhten nicht, bis sie einen ansehnlichen Teil der Reliquien ihres verehrten Bischofs erhalten hatten. Bei der Ankunft der ehrwürdigen Gebeine fiel ein langerwünschter Regen, der nach dreijähriger Dürre der Hungersnot ein Ende machte. Das dankbare Volk verehrte von nun an den Heiligen in öffentlichen Andachten und empfahl sich in Nöten seiner Fürbitte. Das Sprichwort: „Der Heilige ist wieder zu Hause“ pflanzte sich über die Grenzen des Bistums in die Nachbarländer fort.

 

Als im Jahr 799 Papst Leo III. durch Köln nach Westfalen zog, um Kaiser Karl den Großen gegen seine Bedränger um Hilfe anzurufen, besuchte er das Grab des heiligen Severin und sagte zu seinen Begleitern: „Severin, der Schützer dieses Ortes, ist hier zu Hause; ich darf nicht vorübergehen, ohne ihn zu verehren.“ Durch dieses Beispiel und durch den verbreiteten Ruf des wundervollen Beistandes des heiligen Severinus vermehrte sich der feierliche Besuch dieser Kirche. Die Kölner versammelten sich allwöchentlich an den Montagen beim Grab ihres geheiligten Schutzpatrons, um durch ihn die Gnade und Hilfe Gottes in ihren Nöten für die ganze Woche zu erbitten.

 

Der Erzbischof Wischfried im 10. Jahrhundert und danach Herrmann I. und II. erneuerten und vergrößerten das Gebäude und die Kirche erhielt den Namen ihres Erbauers. Mochte im Lauf der Zeit manche Umwandlung an dem ehemaligen Stift vorgenommen werden, die uralte montägige Andacht der Bürger Kölns ist beibehalten und mit einer Nachmittagsandacht erhöht worden. Möge Köln stets in seinem heiligen Glauben erhalten werden durch die Fürbitte seines ehrwürdigen Patrons, des heiligen Severin.

 

 Die seligen Martyrinnen von Valenciennes,

elf Ursulinerinnen und andere Ordensfrauen,

+ 17. und 23.10.1794 – Gedenktag: 23. Oktober

 

Weder Gott, noch Herr! Los von Gott! Los vom Glauben! Fort darum mit dem christlichen Unterricht! Dieser Schlachtruf der schrecklichen französischen Revolution (1789-1795) ist auch von den nachfolgenden Revolutionen bis in unsere neue Zeit herein nachgeahmt worden. Wegen treuer Anhänglichkeit an den katholischen Glauben, nicht politischer Gründe wegen, sind damals viele Priester, Ordensleute und Laien hingerichtet worden. Nicht immer wird es möglich sein, diesen ausschlaggebenden Beweggrund unumstößlich genug nachzuweisen. Bei fünfzehn Ordensfrauen, die am 13. Juni 1920 selig gesprochen wurden, ist dies gelungen. Gleich Sternen in dunkler Nacht leuchtet das Beispiel ihres Heldenmutes wie ein tröstliches Himmelslicht in jene düstere Schreckenszeit hinein und erhellt auch unsere traurigen Tage mit ihrem Glanz.

 

Elf dieser Martyrinnen gehörten dem Ursulinenkloster von Valenciennes im nördlichen Frankreich an, das durch seine Regeltreue und seinen Eifer für die Ehre Gottes weithin bekannt war. Die würdige Oberin und Führerin der seligen Schar war Klothilde Paillot, eine Frau von seltener Tugend und männlich festem Charakter. Schon mit siebzehn Jahren hat sie das Ordenskleid empfangen. Den Eltern war es kein geringes Opfer, ihre älteste Tochter ins Kloster gehen zu lassen. Aber „zu den Ursulinen muss ich,“ so bat sie, „ich muss die Kinder unterrichten! Lasst mich gehen! Der Vater meint, ich sei zu jung; aber ich weiß ganz gut, was ich tue, es ist mein Beruf.“

 

Bei der Verfolgung der Ordensleute nach „Abschaffung“ der christlichen Religion und Einführung eines „Kultus der Vernunft und Moral“ (7. November 1792) flüchteten die Klosterfrauen von Valenciennes nach Mons in Belgien. Nach schier zweijähriger Verbannung, als mit der Hinrichtung des Hauptwüterichs Robespierre die gemäßigtere Partei das Übergewicht erhielt, kehrten die Frauen wieder in ihr liebes Kloster zurück, in der Hoffnung, sich wieder der jetzt umso dringlicher erforderten Erziehung der Kinder widmen zu können. Doch der Religionshass der Revolutionäre war noch nicht gestillt. Würden die Ordensfrauen ihren Beruf aufgegeben, von der Kirche sich losgesagt und auf die sogenannte Zivilkonstitution, den rein weltlichen Kultus, geschworen haben, so würde man sie ruhig in ihrem Heim belassen haben. So aber warf man sie ins Gefängnis, weil sie nach der Auswanderung ohne Erlaubnis der Republik wieder zurückgekehrt seien. Mutter Klothilde Paillot sprach offen vor dem Gerichtshof den wahren Grund ihrer Verfolgung und des Martyriums, das ihrer und ihrer Gefährtinnen harrte, aus: „Ich weiß, dass ich sterben muss, weil ich meinem Gott, meinem König und meiner Regel treu gewesen bin. Aber ich sterbe nicht für die Republik, ich sterbe für den römisch-katholischen Glauben, in dem ich unterrichtet habe, weil gerade dazu die Genossenschaft gegründet worden ist.“ Übrigens hatte sie schon vorher erklärt, wenn man sie nur bestrafen wolle, weil sie ausgewandert und unbefugt wieder zurückgekehrt seien, so sei sie allein die Schuldige. Sie sei die Oberin und die Schwestern seien verpflichtet zu gehorchen. „Auf meine Anordnung kamen sie. Nehmt also mich und tötet mich und lasst diese hier in Frieden.“ Da erhoben alle Schwestern lebhaft Widerspruch in heiligem Wetteifer um die Siegespalme: „Nein, nein, Mutter, wir wollen mit dir sterben. Wir sind zurückgekommen, um die Kinder in dem Glauben an eine heilige, katholische und apostolische Kirche zu unterrichten.“ Namentlich aufgerufen, legte jede freudig ihr Bekenntnis ab. Die Seligen verdienen es, dass ihre Namen und ihr Bekenntnis hierher gesetzt wird:

 

„Mutter Ursula Bourla, Ursuline, katholische Christin. In meinem Glauben will ich leben und sterben.

 

M. Augustina Dejardin. Ich bin katholisch, ich bin Ursuline und bleibe es bis zum Tod.

 

M. Marie Luise Ducrez. Ursuline bin ich und katholische Christin; nichts wird mich von meinem Glauben und meinem Beruf abwenden.

 

M. Anne Maria Erraux heiße ich, katholisch und Ursuline bin ich und bleibe ich.

 

M. Franziska Lacroix, katholische Christin, Ursuline bis in den Tod.

 

M. Scholastika Leroux, katholische Christin, Ursuline bis zum letzten Atemzug.

 

M. Josephine Leroux. Wie meine Schwester! Meinem Glauben und meinem Beruf entsage ich nicht, wenn ich auch sterben soll.

 

M. Laurentine Prin. Ich bin Ursuline, ich bin katholische Christin bis in den Tod.

 

M. Natalie Vanot. Leben und sterben will ich als Katholikin und Ursuline.

 

Schwester Kordula Barré. Meinen Glauben verleugne ich nicht. Ich bin Ursuline im Leben und im Sterben.“

 

Nach dem Verhör ins Gefängnis zurückgebracht, sprach die selige Mutter Luise: „Meine teuren Mütter, jetzt werden wir uns vorbereiten, vor Gott zu erscheinen.“ Alle knieten nieder und Mutter Natalie, die älteste von ihnen, begann die Sterbegebete zu beten. Dann dankte sie der Oberin für ihre mütterliche Sorge und bat um ihren Segen. M. Klothilde, tief bewegt, konnte nur schweigend jeder Mitschwester ein Kreuzchen auf die Stirn drücken. Alle Schwestern umarmen sich. Am heitersten und frohesten sind die fünf, an denen das Urteil zuerst vollstreckt werden soll. Dies sollte nämlich in zwei Abteilungen erfolgen, wohl weil man hoffen mochte, dass durch die Hinausschiebung die Zurückbleibenden wankend werden könnten. Vier Barmherzige Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul waren schon einige Monate vorher enthauptet worden. Auf sie verweist Mutter Klothilde. Wie diese wollten auch sie alle mutig ausharren. Der 17. Oktober 1794 wurde der Siegestag der ersten Schar. Die Trommeln wirbeln; Soldaten nahen, sie abzuholen. „Wohlan, rief die sonst so schüchterne M. Natalie ihnen zu, der Tag unserer Glorie ist angebrochen“ – die Worte des Revolutionsliedes auf ihren Ehrentag beziehend. Mutter Laurentine fügte hinzu: Das ist die erste Sprosse der Himmelsleiter.“

 

Nachdem den Ordensfrauen die Haare abgeschnitten und die Oberkleider genommen worden waren – eine Schmach, die sie mit ihrem geliebten Heiland teilen durften – baten sie den Offizier, ihnen das Taschentuch zu lassen, mit dem sie ihre Schultern bedeckt hatten. Er willigte ein. Darauf bot jede der Martyrinnen ihre Hände dem Henker dar, der sie ihnen auf dem Rücken zusammenband. So schritten die gottgeweihten Jungfrauen dem Richtplatz zu, zuerst das Misere betend, dann das Magnifikat singend. Eine ungeheure Volksmenge füllte den Platz. Aber seltsam! Statt des sonst üblichen wilden Geschreies, statt der Verwünschungen und Flüche herrschte Totenstille. Angesichts der Verklärung, die aus den Zügen dieser fünf Jungfrauen strahlte, wurden selbst die verstocktesten Zuschauer von Rührung ergriffen. An der Guillotine angelangt, sangen sie ruhig weiter: „Mein Geist frohlockt in Gott, meinem Heiland . . . Er übt Macht mit seinem Arm . . . Die Gewaltigen stürzt er vom Thron und erhöht die Niedrigen.“ Natalie Vanot wird aufgerufen. Festen Schrittes steigt sie das Schafott hinan. M. Laurentine und Ursula folgen. Die lebhafte M. Augustine wollte in edlem Wetteifer der M. Luise voraneilen, aber der Scharfrichter stieß sie zurück; als letzte legte sie ihr Haupt auf den Block.

 

Nicht weniger mutig starb die zweite Gruppe der Ordensfrauen am 23. Oktober. Sechsunddreißig Jahre waren es, dass M. Klothilde als junge Novizin das „Sucipe me Domine – Nimm mich hin, o Herr“ gesungen hatte. Nun erfasste sie ganz seine tiefste Bedeutung. Die Frauen verzeihen den Richtern, verzeihen dem Henker und allen, die ihnen das Glück verschafften, für Jesus sterben zu dürfen. Sie singen freudig das Salve Regina, während sie gebunden und dann in roher Weise hinausgeführt werden. Vor der letzten, der Schwester Kordula, fällt die Tür ins Schloss. Erschrocken schaut sie sich um. Sie ist allein im Gefängnis. Vergessen oder absichtlich übergangen? Sie klopft an die Tür. Keine Antwort. Weinend stürzt sie zur Erde nieder: „Mein Gott! Willst du mich nicht? Ach, ich bin nicht würdig die Martyrerkrone zu erlangen und ich wollte doch so gerne für dich sterben!“ Die Erinnerung an die heilige Kordula, die Gefährtin St. Ursulas, steigt in ihrem Gedächtnis auf. Sie, Kordula die ältere, hatte sich vor den ruchlosen Horden im Schiff versteckt gehabt, aber anderntags sich reuevoll selbst gestellt. Sollte nun auch sie, die Nachfolgerin, sich unwürdig gemacht haben? „O Herr, du weißt, das ich dich liebe! Suscipe me! Nimm mich auf und mache mich in meiner Erwartung nicht zuschanden!“ Und ihre Hoffnung wurde nicht getäuscht. Die Gefängnistür öffnete sich wieder; der Kommissar hatte sein Versäumnis bemerkt. Strahlend vor Glück eilte die kindlich gute Schwester hinaus zur Teilnahme am Martyrium.

 

Es war eine feierliche Prozession, die da in der „Straße der Karmeliten“ einherzog, nicht ein Gang zum Tod. Engelgleiche Bescheidenheit und Freude lag auf dem Antlitz der Frauen, ihre sanften Stimmen sangen in klösterlich-frommer Weise die Muttergottes-Litanei und das Te Deum. Eine nach der anderen, Klothilde als erste, stiegen sie das Blutgerüst hinan. Tiefe Stille trat wieder ein. So feierlich war es. Die Engel holten die Bräute des Herrn heim zur Hochzeit des Lammes. Die Leichname der elf Martyrinnen wurden auf Militärwagen in den neuen allgemeinen Friedhof gebracht. Die Gräber lassen sich nicht mehr feststellen.

 

So haben auch die christlichen Erzieher und besonders unsere trefflichen klösterlichen Erzieherinnen Blutzeugen für ihren Beruf und mächtige Fürbitterinnen im Himmel. Wie wichtig ist eine gute Kindererziehung! Nur auf religiöser Grundlage hat sie nachhaltige Wirkung. „Die Kindergebete waren der einzige Faden, an dem ich mich gerettet habe; alles andere hat nichts geholfen,“ schrieb der geniale Klemens Brentano im Jahr 1836.

 

Gebet am 23. Oktober

 

Betrübteste Mutter Maria, sei eingedenk der Schmerzen, die deine Seele zerrissen haben, als du den entseelten Leichnam deines geliebtesten Sohnes zum Grab begleitet hast. Sieh, auch unser Herz ist durch die Barmherzigkeit Gottes eine Ruhestätte nicht für den toten, sondern für den lebenden Leib Christi, den wir in der heiligen Kommunion empfangen. Wir bitten dich, hilf uns unser Herz vorbereiten, damit es von allen Sünden gereinigt, eine würdige Wohnung Jesu, deines göttlichen Sohnes, sei. Amen.

 

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Johannes von Kapistran

 

Verleihe uns, o Gott, dass unsere Herzen durch die Sorgen und Unruhen der zeitlichen Angelegenheiten nicht so beschwert werden. Gib, dass sich unsere Herzen auf die Fürbitte des heiligen Johannes von Kapistran zu Dir in den Himmel, ihrem letzten Ziel und Ende, recht oft erheben, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Der heilige Johannes Kapistran trug eine herzliche Andacht zur seligsten Mutter Gottes, und pflegte zu sagen, dass er durch die göttliche Vorsehung den Namen Johannes zu bekommen gewürdigt worden sei, damit er sowohl ein eifriger Jünger Mariä, als Jesu Christi ihres Sohnes werde.

 

Andacht am 23. Oktober:

 

Das Thema im Oktober:

Vertrauen

"Habt Vertrauen." (Markus 6,50)

 

"Wer in unvorhergesehenen Schwierigkeiten den Mut nicht verliert und sogleich mit Vertrauen seine Zuflucht zu Gott nimmt, der zeigt, dass er in dieser Tugend feste Wurzeln gefasst hat." (Der gottselige Alphons Rodriguez)

Wir lesen im Leben des heiligen Columban, dass er einst plötzlich von zwölf Wölfen umringt wurde, die bereits den Rachen öffneten, ihn zu zerreißen. So entsetzlich auch dieser Anblick war, zitterte er dennoch nicht, sondern rief den Herrn mit großem Vertrauen an und sprach: "O Gott, sieh auf meine Hilfe! Herr, eile mir zu helfen!" Und kaum hatte er diese Worte gesprochen, so erhörte Gott sein Gebet und die Wölfe flohen eilig davon.

Als einst ein Kriegsknecht den Arm erhoben hatte, dem heiligen Martinus das Haupt mit dem Säbel zu spalten, und wahrnahm, dass der Heilige nicht das Geringste Zeichen der Furcht äußerte, sprach er zu ihm: "Wie, du zitterst nicht?" - "Warum sollte ich zittern," antwortete Martinus, "der Tod ist ja nichts Böses; ich betrachte ihn als einen Gewinn, und bin so weit entfernt, ihn zu fürchten, dass ich mich viel mehr danach sehne!"

Der heilige Benedikt Josef Labre ging einmal zu Rom durch die Gasse, wo eine große Anzahl Gassenjungen sich versammelt hatten, die ihn mit lautem Geschrei begrüßten und ihm allerlei Schmach antaten, ohne dass er darüber im mindesten aufgebracht schien. Sie verfolgten ihn sogar eine weite Strecke und warfen mit Steinen nach ihm; er aber ging gleich langsamen Schrittes fort. Einer dieser Steine traf ihn an das Bein, und viel Blut floss aus der Wunde. Der Diener Gottes jedoch wandte nicht einmal den Blick, und verriet durch kein Zeichen, dass er den Steinwurf gefühlt hat. 

Man fragte den gottseligen Abt Theodor, ob er sich nicht fürchtet, wenn er ein schreckliches Getöse hört? "Nein," antwortete er, "wenn auch die ganze Welt einstürzt und der Himmel dazu, würde Theodor sich nicht fürchten!"

 

Gib mir, o Herr, Mut in der Trübsal, und lass mich ausrufen zu Dir: "Gott, sieh auf meine Hilfe! Herr, eile mir zu helfen!"

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 23. Oktober

 

"Es ist traurig zu sehen, dass auf die kostbare Zeit so wenig Wert gelegt wird;

zu sehen, wie schlecht und nutzlos sie angewendet wird,

da es doch unmöglich ist, sie zurückzurufen."

 

sel. Heinrich Seuse OP

1298 bis 25.1.1366

 

Betrachtung am 23. Oktober - Von der christlichen Abtötung

 

Willkommen sei mir, Tod, dein strenger Schmerz,

Der du die Sünde von der Seele scheidest.

Durch dich nur kommt zur Reinigkeit das Herz,

Da du des Lasters Wurzeln ihm entschneidest.

 

1. Die Abtötung ist eine Art des Todes, wie man es am Namen sieht, eines Todes jedoch, der ein Leben erteilt, das uns anregt, der Sünde und der Begierlichkeit zu ersterben, um der Liebe und der Gnade zu leben. Sie geht darauf aus, die Eigenliebe, die Trägheit, die Lust am sinnlichen Vergnügen in uns zu tilgen, damit die heilige Gottesliebe, das wahre Leben der Seele, in uns herrsche. Willst du also zum wahren Leben des Geistes, zum Leben der Gnade und der Glorie gelangen, so musst du dir selbst ersterben durch diese heilige Abtötung, ohne die keine Seele zur glückseligen Umwandlung eines geistigen Lebens gelangen kann.

 

2. Diese Abtötung ist ein Entzug, eine Trennung der Seele vom fleischlichen Leben. Durch sie wird der Geist Gott, der Körper dem Geist unterworfen. Sie beschränkt sich nicht darauf, zu verwerfen was das heilige Gesetz verbietet, sie versagt sich Gott zu Liebe auch erlaubtes Vergnügen, seiner heiligsten Gerechtigkeit für die Schulden ihres vergangenen Lebens genug zu tun. Sie bewacht die Sinne, die Fenster, durch die der Tod in die Seele steigt, und scheidet die Hoffart, die Eigenliebe, die Verachtung des Nächsten, den Vorwitz und alle ungeregelten Anhänglichkeiten an Geschöpfe aus dem Herzen. Das Ziel aber, wohin alle ihre Arbeiten streben, ist, Gott in allen Dingen uns gnädig zu erhalten.

 

3. Diese Abtötung ist die beständige Übung des wahren Christen, und jeden Tag ergeben sich ihm Gelegenheiten dazu. Denn haben wir auch eine Untugend überwunden, so ergibt sich dennoch bald wieder die Notwendigkeit, gegen eine andere zu kämpfen. Denn unser Herz ist ein Acker, auf dem die Natur fortwährend Unkraut hervorbringt, weshalb wir immer wachsam sein müssen, dass es nicht überhandnehme und die wenige gute Frucht ersticke, die wir durch Gottes Gnade nach mühsamer Arbeit gewonnen haben. Unsere Leidenschaften aber sind gleich einer übel gelöschten Fackel, die sogleich sich wieder entzündet, wenn sie in die Nähe des Feuers gebracht wird. Römer 8,13: "Wenn ihr nach dem Fleisch lebt, müsst ihr sterben; wenn ihr aber durch den Geist die sündigen Taten des Leibes tötet, werdet ihr leben."

 

24. Oktober

 

Der heilige Raphael, Erzengel (Arznei Gottes),

Fest: 24. Oktober (29. September)

 

Einst hatte ein fremder König das Reich Israel erobert und alle Juden, Männer, Frauen und Kinder, als Sklaven in sein Land verschleppt. Unter den Gefangenen befand sich ein Mann mit Namen Tobias, seine Frau hieß Anna, und der einzige Sohn wurde nach dem Vater ebenfalls Tobias genannt. Alle drei waren gute Leute, gläubige Israeliten, die sich auch um arme Menschen kümmerten. Fast das ganze Vermögen schenkten sie her, so dass sie selbst arm wurden. Und trotzdem ließ es Gott als Prüfung zu, dass der Vater ausgerechnet bei einem Dienst an armen Leuten blind wurde.

 

In dieser großen Not erinnerte sich der alte Tobias, dass er einmal einem Bekannten, der in der fernen Stadt Rages wohnte, Geld geliehen hatte. Da beschloss er den Sohn hinzuschicken, damit er das Geld zurückhole. Der junge Tobias aber wusste nicht den Weg nach Rages, und gerade als er sich bei den Nachbarn erkundigen wollte, kam am Haus ein gleichaltriger junger Mann vorbei. Die beiden grüßten sich und kamen ins Gespräch. Da stellte es sich heraus, dass der Fremde ebenfalls nach Rages reisen wollte. Außerdem sagte er, dass er den Schuldner kenne und sein Haus sogar mitten in der Nacht mit geschlossenen Augen finden könne.

 

Da freuten sich alle, und nachdem der alte Tobias dem jungen Tobias Ratschläge erteilt hatte, machten sich die jungen Männer, von den Segenswünschen des Alten begleitet, auf die Reise. Kaum aber waren sie eine Viertelstunde gegangen, da sauste etwas wie der Wind hinter ihnen her, und sie sahen, dass es der Haushund war, der sich im letzten Augenblick losgerissen hatte und hinter ihnen her stürmte. Es war ein Spitz, ein weißer Spitz mit schöner spitzer Schnauze, mit lustigen spitzen Ohren, mit klugen Augen und mit einem prachtvoll gerollten Schwanz, der wie eine Fahne hoch im Wind stand. Es war also ein reinrassiger Spitz. Unbeschreiblich war die Freude des Hundes, dass es ihm geglückt war, auszureißen und mitzureisen, denn nichts tun Hunde lieber als laufen und rennen. Und so lief und rannte damals der Spitz, dass er mit seinem Hin und Her den weiten Weg wenigstens dreimal gemacht hat.

 

Die jungen Männer unterhielten sich gut, und weil ein sich unterhaltender Wanderfreund wie ein Wagen mit schnellen Pferden ist, kamen sie gut voran. Am Abend des ersten Tages lagerten sie unter freiem Himmel am Tigris, und als Tobias ein Fußbad nahm, geschah es, dass plötzlich vor ihm ein großer Fisch aus dem Wasser tauchte und nach ihm schnappte. Hui, da schrak er zusammen. Laut rief er den Gefährten zu Hilfe. Der aber sagte: „Greif zu und zieh den Fisch ans Land!“ Ermutigt tat Tobias, wie er ihm gesagt hat. Nachdem sie den Fisch getötet hatten, nahm ihn der Reisebegleiter kunstgerecht auseinander und briet ihn ebenso kunstgerecht auf dem Lagerfeuer. Beide aßen davon, und auch Spitz bekam seinen Teil ab. Nur die Leber und die Galle des Tieres bewahrten sie auf, denn der Begleiter erklärte, sie seien ein gutes Heilmittel für kranke Augen. Tobias solle damit nach der Rückkehr die Augen des blinden Vaters bestreichen, dann werde er wieder sehen.

 

Nach dem Essen legten sich beide nieder und schliefen gut, während Spitz Wache hielt. Am anderen Morgen zogen sie frischgestärkt und froh weiter. Am Abend des zweiten Reisetages fanden sie bei einem Bauern gastliche Aufnahme und wurden beim Essen von der Tochter des Hauses namens Sara sehr gut bedient. Auf einmal gab der Begleiter seinem Schützling einen Schupps und flüsterte ihm zu: „Du, schau dir die Sara einmal gut an, ich glaube, sie ist die Richtige für dich.“ Tobias schaute also Sara an, und Sara schaute Tobias an, und sie erkannten auf den ersten Blick, dass sie füreinander bestimmt waren, und kamen schnell überein, bald zu heiraten. Während die Vorbereitungen für die Hochzeit getroffen wurden, holte der Begleiter, um Tobias in seinem jungen Glück nicht zu stören, die Schuldsumme in Rages ab. Dann wurde die Hochzeit gefeiert, und alle begaben sich auf den Rückweg. Spitz war natürlich stets weit voraus.

 

Daheim sorgten sich die alten Eltern über das lange Ausbleiben des Sohnes. Täglich ging die Mutter auf einen nahen Berg, um Ausschau zu halten. Endlich erblickte sie ihn in der Ferne und lief heim, um dem blinden Vater Bescheid zu geben. Als sie es tat, war der Spitz schon da, bellte laut vor Freude, sprang immer wieder hoch, leckte nach den Händen, und sein Schwanz flatterte wie eine Fahne im Sturm. In diesem Augenblick traten die Heimgekehrten ein, und alle freuten sich. Der junge Tobias bestrich die Augen des Blinden mit der Leber und der Galle des Fisches, und nach einer halben Stunde konnte der Vater wieder sehen.

 

Als man dann den Begleiter mit reicher Gabe beschenken wollte, lehnte er dankend ab und sagte, er sei der Engel Raphael, extra von Gott gesandt, den jungen Tobias auf der Reise zu beschützen. Nun habe er den Auftrag ausgeführt und wolle wieder heim in den Himmel. Bei diesen Worten entschwand er den Blicken, und vier gute Menschen blieben im hellen Glück zurück. Nur Spitz ließ die Ohren hängen und zog den Schwanz ein, denn zutiefst hatte er den lieben Reisegefährten in sein Hundeherz eingeschlossen. Erst drei Tage später fraß er wieder.

Seit jener Zeit ist der heilige Erzengel Raphael der Patron der Reisenden.

 

Der heilige Antonius Maria Claret,

Erzbischof von Kuba und Ordensstifter,

+ 24.10.1870 – Fest: 24. Oktober

 

Enge Stuben und Kleinstadtgeschwätz sind nicht jedermanns Sache. Der junge Pfarrverweser von Sallent in Nordspanien hielt es eines Tages nicht mehr aus, vor leeren Bänken zu predigen und ein paar Schulkindern Beicht zu hören, während jenseits der Meere Millionen von Heiden unerlöst dahinlebten. Die Sehnsucht nach den Missionen verführte ihn zu einem kühnen Husarenstück: Er reiste kurzerhand nach Rom und stellte sich der Kongregation de propaganda fide zur Verfügung. Gleichzeitig trat er in das Noviziat der Jesuiten ein. Allein der Wille Gottes zerschlug ihm diese selbstherrlichen Pläne. Krank kehrte er zurück.

 

Aber Männer wie Anton Claret lassen sich nicht entmutigen. Wollte Gott nicht, dass er bei den Heiden für ihn kämpfte – nun wohl, auch in der Heimat gab es Arbeit genug. Er begann den großartigen Feldzug der Glaubenserneuerung, der ihn durch ganz Katalonien führte. Fünf- bis achtmal am Tag sprach er zu einer ständig wechselnden Hörerschaft von der Liebe Gottes, sprach mit der gleichen Ergriffenheit, die ihn selbst durchbebte, und weckte den schlummernden religiösen Eifer seines Volkes zu einer Massenbewegung, wie man sie seit den Tagen des heiligen Vinzenz Ferrer nicht mehr erlebt hatte. Sein Beichtstuhl war Tag und Nacht umlagert, stadtbekannte Kirchenfeinde schworen in seine Hände ihre Verirrungen ab, und wenn er nach kurzem Schlaf auf einem Stuhl in der Morgenfrühe, ein Bündel mit seinen Habseligkeiten am Stock über der Schulter tragend, zu Fuß dem nächsten Ort zuwanderte, läuteten schon die Glocken, und alles Volk erwartete ihn wie einen Propheten und Heiligen.

 

Eben hatte er in Vich die „Missionsgesellschaft der Söhne vom Unbefleckten Herzen Mariä“ gegründet, als er zum Erzbischof von Kuba ernannt wurde. Spanien war ein heißer, steiniger Acker, aber immerhin ein Acker gewesen. Das Land seiner Bestimmung aber war ein brodelnder Hexenkessel, aufgerührt von politischem Hass, wucherischer Ausbeutung und einer fast beispiellosen Verwilderung der Sitten. 125 Priester auf einer Fläche, halb so groß wie Spanien, das Priesterseminar seit Jahrzehnten ausgestorben – wer hier einst ernten wollte, musste den Boden sehr tief umpflügen. Wieder spannte Anton Claret das Netz seiner Volksmission über die ganze Insel, arbeitete bis zur Erschöpfung, gründete Sparkassen, Schulen für das Landvolk und eine Schwesterngenossenschaft zur Erziehung der Kinder, ging scharf gegen den Sklavenhandel vor, schützte die Einheimischen gegen die Willkür der spanischen Behörden, erzog sich eine neue, tapfere Schar von einheimischen Priestern und schuf in sechs Jahren das verlotterte Kuba trotz hartnäckiger Verfolgung durch die Freimaurer zu einem blühenden Gottesreich um.

 

Doch die Heimat rief ihn zurück. Königin Isabella II. von Spanien verlangte ihn zu ihrem Seelenführer. Der Sohn eines armen Handwerkers am glanzvollsten Hof Europas – würde er den Mut haben, dort die Botschaft Christi ebenso offen zu verkünden wie auf den Dorfkanzeln Kataloniens? Bald wird sein Einfluss auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens spürbar, früher als andere erkennt er die Macht des gedruckten Wortes und wirft Flugblatt auf Flugblatt unter das Volk. Nur von der Politik hält er sich fern. Dennoch erreichen seine Feinde, dass er im hohen Greisenalter außer Landes gehen muss, nachdem er sich sein Leben lang für Spanien aufgeopfert hat. Auf Kuba hatte ihm ein Attentäter mit dem Rasiermesser die Wange aufgeschlitzt. Jetzt ist die Verbannung sein Los. Am 24. Oktober 1870 ereilt ihn in einem französischen Kloster der Tod. Auf seinem Grabstein stehen die Abschiedsworte Gregors VII.: „Ich habe die Gerechtigkeit geliebt und das Unrecht gehasst, darum sterbe ich in der Verbannung.“

 

Das Leben des Antonius Maria Claret aus anderer Quelle:

 

Von den Zinnen der Ewigkeit wacht der liebe Gott über das Schicksal der Völker. Damit sie nicht ganz abirren von ihrem Endziel und der Verblendung anheimfallen, sendet er ihnen von Zeit zu Zeit große Männer und Frauen, die mahnend ihre Stimme erheben und wie Wegweiser in der Geschichte der Völker stehen. So ein Mann der Vorsehung war der heilige Pater Antonius Claret im neunzehnten Jahrhundert für das Spanierland, das mehr und mehr zerbröckelte und mit dem zeitlichen Erbe seiner Vorfahren auch deren Glaubenstreue und Sittenreinheit großenteils eingebüßt hatte.

 

Der heilige Antonius Claret erblickte das Licht der Welt am 23. Dezember 1807 in Sallent, einem Industriestädtlein Nordspaniens, das nicht weit vom weltberühmten Manresa entfernt ist. Er war das fünfte Kind einfacher Handwerksleute, die sich mit ihrer Hände Arbeit das Leben verdienten und über der Sorge für das Irdische die jenseitigen Güter nicht vergaßen. Der junge Anton war ausnehmend fromm, sorgsam und sittenrein. Der Gedanke an die Ewigkeit mit ihren Freuden oder Leiden ohne Ende hatte ihn im zartesten Alter schon derart ergriffen, dass er später bekannte, im Alter von fünf Jahren habe er des Nachts anstatt zu schlafen über die Ewigkeit nachgegrübelt und bitter darüber geweint, dass so viele Menschen so unbekümmert über ihr ewiges Heil leben und ewig zugrunde gehen. Er fand deshalb keine Ruhe, bis er nach Beilegung zahlreicher Schwierigkeiten die Studien ergreifen und sich ganz in den Dienst der Seelen stellen konnte. Er war nicht ganz dreißig Jahre alt, als er das Glück hatte, das erste heilige Messopfer darzubringen, und zwar im Juni 1835. Schon während dieser ernsten Zeit der Vorbereitung konnten Mitstudierende und Vorgesetzte an dem frommen und strebsamen Theologiekandidaten jenes geheimnisvolle Etwas beobachten, das auf ein wundersames, heiligmäßiges Innenleben hindeutete.

 

Wenn wir die vielseitige, alle Arten des geistlichen Berufes umfassende Tätigkeit des heiligen Anton Claret mit einem Blick überschauen, so drängt sich das unwidersprochene Urteil auf: Der Seelsorger, der Volksmissionar, der Bischof und Seelenführer einer Herrscherin hat wahrhaft Großes geleistet für die Belebung und Hebung des heiligen Glaubens und für das Heil der unsterblichen Seelen. Dieser einzigen Aufgabe seines Lebens mussten alle Kräfte des Geistes und Körpers dienen.

 

Für einen vom Feuer der Gottesliebe erfassten Priester, der alle Herzen Gott zuführen möchte, erwies sich der erste Wirkungskreis als Benefiziat und Pfarrverweser seiner Vaterstadt als viel zu eng. Claret entschloss sich nach Rom zu gehen und sich der Kongregation zur Ausbreitung des Glaubens zur Verfügung zu stellen. Er ließ sich von Pater Roothan in die Gesellschaft Jesu aufnehmen. Da er aber noch vor Ablauf des Noviziatsjahres erkrankte, kehrte er auf den ausdrücklichen Rat des genannten Paters wieder nach Spanien zurück. Gott hatte ihn für einen anderen Ordenszweig bestimmt, den er selbst in den Garten der Kirche einsetzen sollte.

 

Als Pfarrverweser begann Anton Claret begann Anton Claret im Alter von dreiunddreißig Jahren, 1840, seine so berühmt gewordenen Volksmissionen, zu denen die Leute von allen Seiten herbeieilten. Um sich diesem Wirkungsfeld ganz und ungeteilt widmen zu können, ließ er sich seines Amtes entheben und siedelte nach Vich über. Ganz Katalonien und die kanarischen Inseln wurden der Schauplatz seiner apostolischen Tätigkeit. Eine Welle religiösen Erwachens ging durch das ganze Land, wie man sie bloß zu den Zeiten eines heiligen Vinzenz Ferrer und eines seligen Diego von Cadiz erlebt hatte. Das Volk verehrte ihn wie einen Heiligen. Die Bekehrungen großer Sünder waren sehr zahlreich. Tage gab es, wo der Missionar fünf- bis achtmal die Kanzel besteigen musste. Auf seiner ganzen äußeren Erscheinung, die sonst nichts Imponierendes an sich trug, war er doch eher klein als mittelgroß, lag jener überirdische Glanz, jene Art Verklärung, woran das Volk gleich den Mann Gottes erkennt. Wenn er auf der Kanzel langsam das Kreuzzeichen schlug und dann sprach von Gott, Seele und Ewigkeit, von Himmel und Hölle; sprach, wie nur Gottgesandte sprechen, da glaubte man die Posaunen des letzten Gerichtes zu vernehmen und eine heilige Stille herrschte im weiten Gotteshaus. Höchstens vernahm man das unterdrückte Schluchzen gerührter Herzen, die ihre Sündenschuld bereuten und in bußfertiger Gesinnung wieder heimkehren wollten zu ihrem Gott und Schöpfer, den sie durch die Sünde verlassen hatten. Nach der Predigt drängte alles zum Beichtstuhl; jedermann wollte beim „Heiligen“ sein Sündenbekenntnis ablegen. Man sagte, dass er den inneren Seelenzustand seiner Beichtkinder durchschaute und des Öfteren auf Sünden und Umstände aufmerksam machte, die schon längst vergessen waren. So geschah es nicht selten, dass der unermüdliche Arbeitsmann Gottes tagelang kaum aus dem Beichtstuhl kam. Seine innersten Gefühle gibt das Bekenntnis wieder, das er in seiner im Gehorsam geschriebenen Selbstbiographie ablegt: „Die Liebe zum Nächsten lässt mir Tag und Nacht keine Ruhe, sie drängt mich innerlich von Ort zu Ort zu eilen, Gottes Wort zu verkünden und zu warnen: „Ach, Sünder, du mein Freund, du wankst ja der Hölle zu! Halt ein, keinen Schritt weiter!“ Wie oft bete ich mit der heiligen Katharina von Siena: „Lass mich, o Herr, Höllenpforte werden, damit ich alle, die dort eintreten wollen, anhalten und warnen kann: Wohin, wohin, du Unglücklicher! Kehr um, leg eine gute Beichte ab und rette deine Seele!“

 

Gott wirkte Großes durch seine Diener, doch müssen diese durch heldenhafte Tugend, seltenen Opfergeist und Selbstverleugnung gefügige Werkzeuge in seiner Hand sein. Das war der heilige Pater Claret. Die Wege machte er immer zu Fuß. Bei Tisch war er so genügsam, dass sich viele wunderten, wie er nur leben konnte. Fleischspeisen und Wein genoss er nicht. Die wenigen Habseligkeiten, deren er auf seinen Missionswanderungen bedurfte, trug er in einem Tüchlein mit sich. Hatte er sich den ganzen Tag hindurch rastlos abgearbeitet oder war er von den langen Wanderungen matt und müde, so gönnte er sich doch noch keine Ruhe. Er wachte bis Mitternacht, betete, studierte und schrieb. Nach wenigen Stunden der Ruhe, bisweilen auch einmal nach kurzem Schlummer auf einem Stuhl, trug er in früher Morgenstunde Sorge für seine Seele, die er durch Betrachtung und heilige Messe erquickte und stärkte. Dann stieg er gleich Moses herab von den Höhen des Gebetes in die Niederungen des alltäglichen Lebens, um dort die Menschenkinder durch Wort und Schrift und Beispiel an das einzig Notwendige zu erinnern, um Traurige zu trösten, Zweifelnde aufzurichten und den Sündigen Buße und Besserung zu predigen.

 

Mitten in seinen Missionsarbeiten, im August 1849, traf den seeleneifrigen Priester unerwartet die Nachricht, dass beabsichtigt sei, ihn zum Erzbischof von Santiago de Cuba zu ernennen. Überzeugt von seiner Unwürdigkeit und Unfähigkeit zu einem so verantwortungsvollen Amt, ließ er kein Mittel unversucht, um die Ausführung dieses Vorhabens zu vereiteln. Erst im Gehorsam nahm er die schwere Bürde auf sich und schiffte sich im Dezember 1850 nach Cuba, der früheren (bis 1901) Besitzung Spaniens in Mittelamerika, ein. Ein Stich ging ihm durchs Herz, als er sein neues Wirkungsfeld betrat. Mangel an Verständnis für die Landesbedürfnisse von Seiten des spanischen Mutterlandes, zahlreiche innere Aufstände und Unabhängigkeitsversuche, der Eigennutz der Kaufleute und so manches andere hatten politische und religiöse Zustände geschaffen, die trostlos waren. Seit Menschengedenken war kein Geistlicher mehr aus dem Priesterseminar hervorgegangen. Im ganzen ausgedehnten Erzbistum wirkten 125 Seelsorger, die selbst bei bestem Willen nicht imstande gewesen wären allen Anforderungen der Seelsorge zu genügen. Viele Ortschaften hatten überhaupt keine Kirche, oder wenn sie eine besaßen, fehlte der Priester. Man kann sich denken, wie es um Glauben und Sitten auf der Insel stehen mochte wo das Volk von Natur aus willensschwach ist, in einem erschlaffenden Klima wohnt und fast durchwegs einer tüchtigen Erziehung entbehrt. Die verwerflichste Zuchtlosigkeit und sittliche Verwirrung hatte sich im öffentlichen Leben breit gemacht. Von den Behörden wurde sie eher gefördert als eingedämmt. Nur ein Heiliger und ein Mann wie Pater Claret konnte noch den Mut haben, in diesen misslichen Verhältnissen die Hand ans Werk zu legen und eine Umwandlung im Leben und Denken der Inselbewohner zu versuchen. Gleich nach seiner Ankunft begann er mit einigen erfahrenen, seeleneifrigen Weltpriestern, die er aus Spanien mitgebracht hatte, die Insel zu durchziehen und allüberall Volksmissionen abzuhalten. Er stieß auf die größten Schwierigkeiten, nichtsdestoweniger erzielte er die schönsten Früchte. Öffentliche Sünder bekehrten sich, die Leute fingen wieder an ihren religiösen Pflichten nachzukommen, viele unerlaubte eheliche Verbindungen wurden durch den Empfang des kirchlichen Sakramentes in Ordnung gebracht oder ganz aufgegeben. Das alles ging nicht ab ohne schweren Kampf. Die Freimaurer und andere im Dunkeln arbeitende Gewalten, die gewahrten, dass ihres Treibens nicht länger sein könnte, ließen keine Mittel unversucht, um den unerwünschten Sittenprediger aus dem Weg zu schaffen. Verleumdungen und allerlei falsche Gerüchte waren die Waffen, womit sie aus dem Hinterhalt gegen den Mann Gottes ankämpften. Der unerschrockene Erzbischof verlangte selbst sehnlichst nach dem Martertod. Er hatte sich dem Herrn ganz ergeben und wünschte mit seinem Blut zu bestätigen, was er voller Überzeugung lehrte. Gott bot ihm eine Gelegenheit dazu am 1. Februar 1846. Als er nach einer stark besuchten Predigt zu Holguin die Kirche verließ, trat ein Mann an ihn heran, der allem Anschein nach den Hirtenring küssen wollte, in Wirklichkeit aber ein Rasiermesser zog und ihm damit einen Schlag in das Genick versetzte. Er verfehlte das Ziel und traf dafür die Wange, die er ihm vom Ohr ausgehend bis ans Kinn weit aufriss. Durch einen weiteren Schlag, der auch fehl ging, brachte er ihm eine Wunde an der Hand bei. Der Übeltäter wurde an Ort und Stelle verhaftet. Der Erzbischof aber ersuchte um Nachsicht für ihn beim Gericht. Gott gewährte dem Leidenden großen inneren Trost. Seine Heilung ging anscheinend schnell vonstatten, doch gelang es den Ärzten nicht, einen Speichelausfluss zu stillen, der sich infolge der Verwundung aus einer Fistel an der Wange ergoss. Man war schon daran, eine fast aussichtslose Operation vorzunehmen. Die Nacht vor dem festgesetzten Tag rief der Kranke vertrauensvoll die Hilfe der seligsten Jungfrau an und hielt sich bereit zu allem, was der Wille Gottes wäre. Da fühlte er sich trotz der Entzündung augenblicklich geheilt. Die Ärzte waren am folgenden Tag nicht wenig erstaunt und wussten die Heilung der Fistel auf natürlichem Weg nicht zu erklären.

 

Heilige lassen sich nicht irre machen durch Tausende von Schwierigkeiten. Für den Missionar und Erzbischof von Cuba war das Apostelwort: „Die Liebe Christi drängt uns“ die Losung, die auf seinem Wappen stand und in seinem Herzen brannte. In der Triebkraft der Liebe Christi leistete er eine Riesenarbeit auf Cuba. Hatte er doch auch ein Auge und eine geschickte hilfreiche Hand für alle zeitlichen Bedürfnisse der ihm anvertrauten Herde. Er legte eine Ackerbau- und Handwerksschule an, schrieb sogar für das Volk ein sehr ansprechendes Büchlein über die „Freuden des Landes“, gründete Sparkassen, trat als Beschützer und Anwalt der Sklaven auf, vermittelte bei Zerwürfnissen zwischen den Eingeborenen und den spanischen Behörden, verhinderte auf dem Weg friedlicher Verhandlungen Aufstände, kurz er war ein wahrer Apostel und immer gleichmütiger Helfer in allen Nöten des Volkes. Dazu schuf er sich auch Hilfskräfte in einer guten, brauchbaren Geistlichkeit, setzte mit Güte und Strenge die Erneuerung des älteren Klerus unerbittlich durch, zog Ordensleute von auswärts heran und stiftete selbst eine Schwesterngenossenschaft, die sich hauptsächlich der Kindererziehung annahm.

 

Nach dem Maßstab seiner ungeteilten Hingabe an Gott und die Seelen wurde Antonius vom Himmel mit zahlreichen außergewöhnlichen Gnaden beschenkt. Von seinem Aufenthalt in Cuba wissen wir, dass er nicht nur vorausschauend Erdbeben und andere Strafgerichte Gottes ankündigte, sondern auch durch bloßes Berühren des Bodens mit der Hand dem Erdbeben Einhalt gebot. Himmlische Erscheinungen, Offenbarungen und wunderbare Gebetserhörungen sind keine Seltenheit in seinem Leben. Kein Wunder, wenn ihm alle Guten im Land als dem Gesandten des Herrn zujubelten.

 

So verstrichen sechs Jahre im Leben Antonius` mit ihrem bunten Gewebe von Freuden und Leiden, Erfolgen und Verfolgungen, sechs Jahre voll reichsten Segens für Cuba und großer Verdienste für den Diener Gottes. Die Vorsehung lenkte nun seine Schritte wieder heimwärts, dem spanischen Mutterland zu.

 

Im Jahr 1857 erging ein Dekret, das den verdienten Erzbischof von Cuba zum Beichtvater der Königin Isabella II. an den spanischen Hof rief. Erst die ausdrückliche Zustimmung des Heiligen Vaters Pius IX., dem er seine Bedenken vorgetragen, vermochte ihn dazu dem Ruf auf das „ausgedehntere Wirkungsfeld am Hof Spaniens“ Folge zu leisten. Doch war Antonius Claret viel zu nüchtern und schlicht, als dass er sich auf solchem Boden hätte heimisch fühlen können. Indessen kam er seinen Pflichten getreu nach. Indem er sich nur vom Eifer für Gottes Ehre leiten ließ, gelang es ihm bald, eine allgemeine Hebung des religiösen Lebens am Hof herbeizuführen. Außerordentliche Bekehrungen häuften sich. In seinen Forderungen auf Abstellung von Missständen war er unerbittlich. So groß sein Einfluss auf die Königin war, so mischte er sich nie in rein politische Angelegenheiten. Als aber die Königin, dem Drängen und Drohungen ihrer Minister nachgebend, 1865 dem italienischen Raubkönigreich die Anerkennung zuteilwerden ließ, machte ihr der Erzbischof als Gewissensberater ernste Vorhaltungen, verließ Madrid, ging nach Rom und kehrte erst auf Wunsch des Papstes wieder in sein Amt zurück.

 

Hier blieb seine Tätigkeit keineswegs auf den engeren Kreis des Hofes beschränkt. Der Erzbischof besuchte die Spitäler, Gefängnisse und sonstige Anstalten, hielt Vorträge für Ordensfrauen, Priester und Studierende und Konferenzen für alle Stände. Obwohl hierdurch schon die ganze Kraft eines arbeitsfreudigen Mannes in Anspruch genommen wurde, lag doch die Hauptbetätigung des heiligen Claret während seiner Madrider Zeit auf dem Gebiet der guten Presse. Er gründete einen eigenen Verlag für religiöse Schriften und schrieb selbst erstaunlich viele Volksbücher und Flugblätter, die zu Tausenden in die breiten Schichten der Bevölkerung wanderten. Als Leiter des Escorials, der Bildungsanstalt des Klerus bei Madrid, führte er einen mustergültigen, ganz auf moderne Seelsorgsverhältnisse eingestellten Studienplan ein und schrieb ein sehr gediegenes zweibändiges Werkchen, eine Art Tugendschule für die Priesterkandidaten. Rühmend muss noch der rege Anteil des Erzbischofs Claret am Vatikanischen Konzil 1869/70 hervorgehoben werden, wo er als beflissener Verteidiger der päpstlichen Unfehlbarkeit auftrat und bei den versammelten Kirchenfürsten ob seiner Gelehrsamkeit und Tugend den günstigsten Eindruck hinterließ.

 

Dass der heilige Antonius Claret in seiner hohen, der vollen Öffentlichkeit ausgesetzten Stellung in der Landeshauptstadt noch mehr eine erbitterte Verfolgung der Glaubensfeinde auf sich zog, ist nun einmal das Los der für Gottes Sache streitenden Menschen. Man versuchte nicht nur seinen Namen durch gewissenlose Verleumdungen mit Schande zu bewerfen, sondern strebte ihm abermals verschiedene Male nach dem Leben. Gottes Schutz war augenscheinlich. Aber noch an seinem Lebensabend traf ihn das Schicksal, dass er seine Heimat verlassen und vor seinen Feinden nach Frankreich flüchten musste. Dort starb er in der Verbannung in einem Kloster von Fontfroide am 24. Oktober 1870. Auf sein Grabmal schrieb man mit Recht die bekannten Worte des sterbenden Gregors VII.: „Weil ich die Gerechtigkeit geliebt und die Missetat gehasst habe, muss ich in der Verbannung sterben.“

 

Die von Claret ins Leben gerufene Missionsgenossenschaft der Söhne vom Unbefleckten Herzen Mariä, im Hinblick auf des Stifters Namen auch Claretiner genannt, wozu er schon 1849 in Vich den Grundstein legte, ist die Erbin seines Geistes und seiner Ideale geworden. Innenmissionen, Heidenmission, Exerzitien, Leitung von Seminarien, Pressetätigkeit und wissenschaftliche Studien sind Zweck der Genossenschaft. In ihr geht der heilige Diener Gottes noch über die Erde und wird es tun bis zu der Zeiten Ende. Die erste deutsche Niederlassung kam 1923 zustande auf dem altehrwürdigen, als Wallfahrtsort bekannten Dreifaltigkeitsberg bei Spaichingen in Württemberg. Im Jahr 1925 folgte Weißenhorn-Hegelhofen in Bayerisch-Schwaben, wo ein größeres Missionshaus und Studienkolleg errichtet werden soll, 1928 Dillingen. Die gesamte Genossenschaft hat nahezu 3000 Mitglieder, die auf der ganzen Welt zerstreut sind.

 

Im 20. Jahrhundert ging die Ausbreitung weiter. Es gab aber auch Rückschläge und Not. Allein während des Spanischen Bürgerkrieges wurden 271 Missionare getötet (1992 wurden 51 von ihnen als „Märtyrer von Barbastro“ seliggesprochen). 1949 wurden alle Missionare aus China vertrieben. Die Heiligsprechung des Ordensgründers Antonius Maria Claret im Jahr 1950 sowie das Zweite Vatikanische Konzil brachten eine Erneuerung für die Kongregation. Zum 15. Dezember 2013 zählt die Kongregation 19 Bischöfe, 2.155 Priester, zwei ständige Diakone, 164 Brüder, 5553 Studenten mit Profess und 120 Novizen, verteilt auf 487 Gemeinschaften in 64 Ländern.

 

Wenn wir nur in etwa den glühenden Seeleneifer des heiligen Paters Antonius Claret nachahmen möchten! Reichen wir doch unseren in Sünde und Gottentfremdung versinkenden Mitmenschen die Hand, indem wir für sie beten, Opfer für sie bringen und keine Gelegenheit versäumen, sie durch Liebesdienste, Belehrung oder ein gutes Wort zu Gott zurückzubringen.

 

Die gottselige Armella Nikolaus (genannt „die gute Armelle“),

fromme Dienstmagd und Türhüterin in einem Ursulinenkloster,

+ 24.10.1671 – Gedenken 24. Oktober

 

Von ihrer Kindheit an hatte Armella eine zarte Liebe zu Maria und es war ihr eine große Freude, alle die kleinen Andachtsübungen zu verrichten, von denen sie wusste, dass sie ihr wohlgefällig sind.

 

Sie erzählt selbst von ihrer Andacht zu Maria:

„Ich bat sie inständig und mit heißen Tränen, sie möge mich ihrem Sohn vorstellen und empfehlen, und alles von mir nehmen, was den Augen seiner göttlichen Majestät missfallen könnte. Ich sagte bei mir selbst: wenn ich nur die Gunst der Mutter erwerbe, so bin ich versichert, dass ich auch bei dem Sohn zu Gnaden kommen werde. Ich hielt mich also Tag und Nacht bei ihr auf, ich führte mir alle ihre Handlungen aufmerksam zu Gemüte, stellte sie mir insgemein in ihrem Hauswesen zu Nazareth vor: wie sie ihren Sohn liebte und ihm ihre zärtliche Liebe bezeigte, wie sie ihm als ihrem Gott mit Ehrfurcht diente, wie sie ihn auf ihren Armen trug und an ihr Herz drückte. Sodann bestrebte ich mich, nach ihrem Beispiel dasselbe zu tun. Es kam mir vor, das Haus in dem ich war, sei das Haus der seligsten Jungfrau, und ich sei ihre und ihres Sohnes Magd. Bei allem also, was ich immer in meiner Haushaltung und in meiner Küche zubereitete, verhielt ich mich ebenso, als wenn es für ihre heiligsten Personen gehört hätte. Ich lasse sie selbst bedenken, wie angenehm und leicht mir die Arbeit war.“

 

„Alle diese und noch viele andere solche Vorstellungen wurden mir ins Gemüt gegeben, ohne dass ich zuvor jemals daran gedacht oder gewusst hätte, was dies sei. Wenn ich in meiner Haushaltung auskehrte, in der Küche zurichtete, die Betten machte und alles säuberte und in Ordnung brachte, kam mir vor, ich sähe die heiligste Jungfrau vor mir, die ein Gleiches täte. Ich befliss mich dann, ihr in allem nachzuahmen, und ich hielt mich mit meinen Gedanken allzeit nahe an sie, ohne mich je von ihr zu entfernen. Bei diesem Benehmen war meine ganze Absicht die, dass sie mich ihrem Sohn übergebe und ich durch sie die Gnade erhielte, in seiner Liebe ganz entzündet zu werden.“

 

Dies sind Armellas eigene Worte, denen nur noch beizusetzen ist, was wir gleichfalls aus ihrem Mund haben, nämlich, unser Herr habe ihr durch seine heilige Mutter so viele Gnaden erwiesen, dass sie diese nicht zählen könne. Sie erinnere sich auch nicht, dass seit ihrer Bekehrung jemals ein Fest der heiligen Jungfrau vorüber gegangen sei, an dem sie nicht eine ganz besondere Gunstbezeigung erhalten habe, und Gott habe allzeit auf diese Tage gewartet, ihr solche Gnaden zu erteilen, bis er sie in sein Haus eingelassen habe, denn von der Zeit an seien seine Gunstbezeigungen auf keine gewissen Zeiten mehr eingeschränkt gewesen.

 

Armella hatte stets geglaubt, die heiligste Jungfrau werde ihr als Mittlerin dienen, um zum Besitz ihres göttlichen Sohnes zu gelangen. In dieser Meinung wurde sie durch folgende ganz außerordentliche Gnade bestärkt. Als sie einst des Nachts in einem geheimnisreichen und liebevollen Schlaf lag, kam ihr vor, sie sehe die heilige Jungfrau, wie sie ihr liebes Kind in den Armen hielt. Armella warf sich zu seinen Füßen, und fing an, es zu liebkosen und ihm ihre innigste Liebe mit der ganzen Anmutung ihres Herzens zu bezeigen. Hiermit begnügte sie sich nicht, sondern da sie sah, dass die heiligste Mutter ihr das Kind darreichte, nahm sie es und trug es, wie ihr schien, durch das ganze Haus, damit auf diese Weise alle Orte des Hauses geheiligt würden. Nachdem sie es eine lange Zeit so gehalten hatte, gab sie es wieder in die Arme seiner heiligen Mutter zurück, die sogleich verschwand. Als sie darüber erwachte, war ihr Geist so geändert und ihr Herz so voll der Liebe, dass sie sich kaum fassen konnte. Das Andenken an diese Gnadenerweisung blieb hernach allzeit so tief in ihr Gemüt eingedrückt, dass sie selbe niemals vergessen konnte. Es war ihr auch sehr dienlich, in der Vollkommenheit fortzuschreiten und sich der Anleitung des Geliebten zu überlassen. „Denn der Geliebte“, sagte sie, „hat sich auch mir übergeben. Ich habe Jesus in meinen Armen gehabt, ich habe ihn, wohin es mir gefällig war, getragen und geführt, ohne dass er sich widersetzte. Ist es also nicht höchst billig, dass auch ich mich ihm ganz übergebe und ihn mit mir nach seinem Wohlgefallen schalten lasse?“

 

Gleichwie die heiligste Jungfrau sich in Erteilung der Gnaden höchst freigebig gegen Armella erzeigte, so wendete auch sie alle Sorgfalt an, die Ehre Mariens zu befördern und ihre Andacht zu ihr auch den Herzen derjenigen einzuflößen, mit denen sie Umgang hatte. In dieser Absicht redete sie sehr oft von der Hoheit und von den Vollkommenheiten der seligsten Gottesmutter. Sie riet allen, in ihren Nöten und Anliegen zu Maria ihre Zuflucht zu nehmen, und gab ihnen zugleich die Versicherung, dass sie, wenn sie dieses im Vertrauen zu ihrer Güte und Barmherzigkeit täten, niemals von ihr verlassen würden. Diese andächtigen Gesinnungen suchte sie besonders mit allem Eifer den Kindern des Hauses einzuprägen, wo sie diente. Da die Sorge für die Erziehung dieser Kinder ihr allein oblag, lehrte sie ihnen Gebete, Maria, die seligste Jungfrau, damit zu verehren, und damit sie diese mit Andacht und Liebe verrichteten, brauchte sie alle Kunstgriffe und Mittel, die ihr die Liebe eingab.

 

Wenn es in ihrer Gewalt stand, so betete sie täglich den heiligen Rosenkranz, oder wenigstens einen Teil von ihm, und sieben Vaterunser und Ave Maria, das Bruderschaftsgebet vom heiligen Skapulier, das sie mit großer Andacht trug. Oft musste sie jedoch ihre Andachten zu Maria, der heiligsten Jungfrau aus zwei Ursachen unterlassen. Die eine Ursache war, weil sie wegen vieler Geschäfte dazu nicht Zeit hatte, und alsdann blieb sie ebenso ruhig und zufrieden, als wenn sie ihre Andacht vollkommen hätte halten können. Denn sie setzte ihre Andacht in die vollkommene Erfüllung des göttlichen Willens. Die andere und viel häufigere Ursache solcher Unterlassungen kam von der Liebe Gottes her, von der sie so eingenommen war, dass es ihr oft unmöglich wurde, ein einziges Wort vorzubringen.

 

Unter allen Vollkommenheiten, die sie an der glorreichen Jungfrau liebte, wurde sie am meisten von ihrer Liebe gerührt. Sie war überzeugt, Gott sei von Maria mehr als von allen übrigen Geschöpfen zusammen geliebt worden, und wegen dieses einzigen Gedankens wusste sie Maria nicht genug zu danken und Gott zu preisen. In solchen Gesinnungen der Liebe und Andacht zur gebenedeiten Gottesmutter verharrte die gottselige Magd Armella bis ans Ende ihres Lebens, das an einem der heiligen Jungfrau besonders geweihten Tag erfolgte, nämlich am 24. Oktober des Jahres 1671, der ein Samstag war.

 

Der heilige Maglorius (Maelor),

Erzbischof von Dol, Frankreich, Einsiedler,

+ 24.10.575 – Fest: 24. Oktober

 

Der heilige Maglorius (Maelor), geboren in Großbritannien gegen Ende des 5. Jahrhunderts, war der Sohn eines Bruders des heiligen Samson. Beide wurden, wie man gewöhnlich annimmt, von dem Abt Jltut erzogen, der ein Schüler des heiligen German von Auxerre war, und sich es besonders angelegen sein ließ, sie in den Wissenschaften und in der Frömmigkeit zu bilden. Als sie in die Jahre gekommen waren, wo sie sich einen Stand wählen sollten, ging Samson in ein Kloster, und Maglorius kehrte zu seinen Eltern zurück, wo er im stillen häuslichen Leben alle Tugenden eines Christen übte.

 

Bald darauf wurde Amon, der Vater Samsons, von einer gefährlichen Krankheit befallen. Er ließ deshalb seinen Sohn nach Hause berufen, und hielt sich bereit zum Tod, indem er vor Gott sich demütigte und seine Barmherzigkeit anrief. Indessen erhielt er seine Gesundheit wieder. Nun entsagte er allen seinen Besitzungen, um mit seiner ganze Familie sich einzig dem Dienst Gottes zu weihen. Maglorius wurde durch dieses Beispiel so gerührt, dass er mit seinem Vater Umbrafel und seiner Mutter Afrela nebst seinen zwei Brüdern den Samson zu besuchen kam. Sie entschlossen sich alle, die Welt zu verlassen, und verteilten sogleich ihre Güter unter die Armen und an die Kirchen. Maglorius und sein Vater schlossen sich besonders an Samson und erhielten von ihm das Ordenskleid in seinem Kloster. Umbrafel wurde in der Folge nach Irland geschickt und mit der Leitung der dortigen Klöster beauftragt.

 

Als der heilige Samson zum Regionarbischof geweiht worden war, nahm er sich den heiligen Maglorius, der damals Diakon war, zum Gehilfen, und behielt ihn, in der Hoffnung, an ihm eine mächtige Stütze in seinen apostolischen Unternehmungen, und einen eifrigen Mitarbeiter im Weinberg des Herrn zu finden, auch als Gefährten bei sich auf seiner Reise nach Aremorica. Der König Childebert unterstützte mit seinem Ansehen die heiligen Missionare, deren Arbeit auch so gesegnet ausfielen, dass sie bald einige Klöster gründen konnten. Samson wählte für sich das Kloster von Dol, und die Leitung der Genossenschaft zu Kerfunt oder Kerfuntium übertrug er dem heiligen Maglorius, den er zum Priester weihte, damit er ihm einst auch im bischöflichen Amt nachfolgen könnte.

 

Maglorius predigte als Bischof, nach dem Beispiel seines Vorgängers, den an den Küsten wohnenden Briten das Evangelium. Diese Völker waren größtenteils Christen, allein durch die Verwirrungen und Stürme des Krieges war die Kenntnis Gottes bei ihnen zum Teil gemindert, zum Teil gänzlich erloschen. Der Heilige lebte indes, wie zuvor, unter seinen Mönchen. Nie legte er das Bußkleid ab, bedeckte es aber mit einem Gewand von besserem Stoff, um andere nicht abzuschrecken. Seine gewöhnliche Nahrung war Gerstenbrot und Gemüse. An Sonn- und Festtagen aß er noch ein wenig Fisch. Sein Eifer und seine Liebe ließen ihm beinahe keinen Augenblick der Ruhe, und öfters konnte er einige Tage nicht dazu kommen, seine gewöhnliche Nahrung zu nehmen.

 

Nach drei Jahren seiner bischöflichen Amtsführung fasste er den Entschluss, sich in gänzliche Abgeschiedenheit zurückzuziehen. Dieser Entschluss wurde in ihm erzeugt durch die unter dem Grafen von Britannien herrschenden Zwist. Noch mehr glaubte er sich durch göttliche Anregung zur gänzlichen Trennung von der Welt angetrieben. Budocus, dessen Eifer, Wissenschaft und Tugend er kannte, machte er zu seinem Nachfolger, mit Zustimmung des Volkes, aber ohne Beratung mit den benachbarten Bischöfen. Solche Wahlen geschahen öfters in Britannien. Allein die Bischöfe von Frankreich missbilligten sie, und das 2. Konzil von Tours untersagte den in Aremorica wohnenden Briten für die Zukunft eine solche Verfahrensweise.

 

Maglorius verdoppelte nun seine Abtötungen, und untersagte sich gänzlich den Genuss des Weines und Bieres. Voll heiligen Verlangens, mit Gott auf die vollkommenste Weise vereinigt zu sein, verbarg er sich, so gut er konnte, vor dem Angesicht der Menschen. Allein der Ruf seiner Heiligkeit entdeckte ihn auch in seiner Verborgenheit. Von allen Seiten suchte man bei ihm Trost und Hilfe sowohl in körperlichen als in geistigen Nöten. Oft konnte er es nicht verhindern, einige Geschenke anzunehmen. Allein das war nur Gewinn für die Armen. Da er endlich das immer häufiger werdende Herzuströmen des Volkes fast unerträglich fand, ging er mit dem Gedanken um, in eine Einöde sich zurückzuziehen, wo er der Welt durchaus unbekannt bliebe. Allein Budocus, den er hierin zu Rate zog, war anderer Meinung, indem er ihn versicherte, dass es besser wäre, dem Verdienst guter Werke seine Neigung zur Einsamkeit aufzuopfern. Er entschloss sich also wieder an seiner Wohnstätte zu bleiben, wo ihn von Tag zu Tag seine Wunder berühmter machten.

 

Der Graf Loescon oder Lyescon, den er von einem Aussatz befreit hatte, gab ihm ein Landstück auf der Insel Gersey. Da erbaute der Heilige eine Kirche und gründete ein Kloster, indem man bald mehr als 60 Mönche zählte. Während der Hungersnot, die nach dem Tod Chilperichs das Land mit Elend erfüllte, sorgte er für die Erhaltung einer unzähligen Menge leidender Brüder. Er minderte auch nicht, wie man es ihm geraten hatte, die Zahl der Religiosen, wiewohl der Vorrat des Klosters fast ganz erschöpft war. Sein Vertrauen war gegründet auf Gott und es betrog ihn auch nicht. Unverhofft landete ein Schiff mit Lebensmitteln auf der Insel, und half der Not ab.

 

In der Osternacht des folgenden Jahres wurde dem Heiligen die Nähe seines Todes geoffenbart. Von nun an verließ er fast nicht mehr die Kirche, wenn ihn nicht nötige Geschäfte oder das Wohl der Menschen anderswohin riefen. Oft hörte man ihn die Worte des Psalmisten wiederholen: Eins hab ich verlangt vom Herrn, und dies will ich erbitten, dass ich wohne in seinem Haus, alle Tage meines Lebens. Er starb nach sechs Monaten, wie man glaubt, den 24. Oktober 575, in einem Alter von 80 Jahren. Während der normannischen Kriege wurden seine und noch anderer Heiligen Gebeine nach Paris gebracht, und in der St. Bartholomäuskirche, später in der Kapelle zum heiligen Georg, außer den Stadtmauern, aufbewahrt. In der Folge übertrug man sie in die St. Jakobskirche, nun zum heiligen Maglorius genannt. Eben da setzte man die Gebeine der heiligen Bischöfe Samson und Luthiern und der heiligen Äbte Guinganthon und Escuiphlus bei.

 

Aus: „Tiere unterm Regenbogen“, von Aloysius Roche, Berlin 1954:

 

Der heilige Maelor (Maglorius) und der Graf

 

Dieser Graf war ein Gebieter in dem Teil von Frankreich, wo Maelor seine kleine Wohnstätte hatte. Der Graf aber war aussätzig, und Maelor heilte ihn – und damit fing die Geschichte an.

Es gibt leider noch viele Aussätzige in der Welt. Im Mittelalter wurden mehrere Ritterorden gegründet, die ihren Mitgliedern die Pflicht auferlegten, diese Unglücklichen zu pflegen.

 

Auf jeden Fall also heilte dieser Maelor den Grafen, in dessen Gebiet er hauste. Der Graf dachte Tag und Nacht darüber nach, wie er das seinem Wohltäter vergelten könnte. Die Schwierigkeit aber war, wie es eben mit so frommen Leuten geht, dass man gar nicht recht wusste, was man ihm schenken könnte. Einem Einsiedler zum Beispiel eine schöne Zimmereinrichtung zu schenken, hat nicht viel Sinn, da er doch gar keinen Raum hat, wo er sie aufstellen könnte! Ein vollständiger Satz bester Messerschmiede-Waren kommt auch nicht in Frage, denn ein Mann, der nichts als Brot und Milch und Gemüse isst, hat keine Verwendung für viele Messer und Gabeln.

 

Endlich beschloss der Graf, Maelor sollte die Hälfte seines Landes bekommen. Das Gut war groß, ein bedeutender Teil davon lag zum Meer hin; der Eigentümer teilte es nun in zwei gleichmäßige Teile, und zwar so, dass jeder Teil etwas vom Meeresstrand bekam. Der Eremit nahm das Land, das ihm so gutwillig geschenkt wurde, an und machte sogleich seine Pläne für ein Kloster, das da gebaut werden sollte. Zunächst jedenfalls musste der Besitz einmal genau betrachtet werden, und das gedachte er nun zu tun.

 

Welche herrlichen Zukunftspläne konnte er machen! Hier war wirklich alles, was einen Einsiedler erfreuen konnte: da lag der Wald, dicht und geheimnisvoll, und er brauchte sich nur umzusehen, um die Brandung zu bemerken, die ihn begrenzte. Da gab es ebenes Land – ehe viele Jahre vergingen, würde dort wogendes Korn wachsen. Es waren Teiche da und – das schönste von allem – ein breiter Fluss, den man rauschen und brausen hören konnte, wie er zum Meer strömte.

 

Lange stand Maelor und schaute – den Kopf voller Pläne und Entwürfe. Dann fühlte er sich aus seinen Träumen herausgerissen: er sah mit starrem Staunen, wie sein neues Land von Hunderten und Aberhunderten von Tieren in Besitz genommen wurde, es waren Tiere aller Art: Wild, Wölfe, Bären, Fasanen und so weiter. Laufend und fliegend kamen sie über die Grenze, die sein Land vom Anteil des Grafen trennte. Und um seine Bestürzung voll zu machen, entdeckte er später am Strand, dass es die Fische genau so verrückt trieben. Von der Höhe der Klippe her konnte er sie in Schwärmen von einer Seite zur andern schwimmen sehen.

 

Kaum nötig zu sagen, dass als Nächster der Graf erschien, Maelor hatte das auch erwartet.

„Guten Morgen, Graf, - was kann ich für Euch tun?“

„Lieber Freund, Ihr werdet wirklich etwas unternehmen müssen, und das rasch – ich habe schon Streit mit meiner Frau!“

„Wegen dieser Tiere hier?“

„Ja, ich sehe, Ihr wisst es. Aber was kann man tun? Die Gräfin kocht vor Wut!“

„Ich kann’s ihr nicht einmal übelnehmen. Aber ich versichere Euch, an mir liegt es nicht! Ich will Euch etwas sagen: wir tauschen!“

 

So wurde es dann auch gemacht, und der Graf atmete auf. Er und seine Frau standen früh auf und erhofften sich den Anblick von großen Scharen von Tieren. Aber – hört und staunt! – nichts war zu sehen. Sie waren alle während der Nacht wieder über die Grenze gegangen. Dreimal wurde der Wechsel wiederholt, dreimal schlug er fehl.

 

Danach beschloss der Graf, den Dingen ihren Lauf zu lassen.

 

Gebet am 24. Oktober

 

Wunderbare Mutter und unbefleckte Jungfrau Maria, wir haben ein herzliches Mitleid mit dir wegen der großen Schmerzen, die du empfunden hast, als du deinen allerliebsten Sohn auf seinem Kreuzweg begegnetest und ihn mit Dornen gekrönt, von Geißelhieben zerfleischt, ganz mit Blut überronnen und unmenschlich entstellt, unter der schweren Last des Kreuzes einherwanken sahst. Erflehe uns um dieser Leiden willen von deinem göttlichen Sohn Verzeihung aller unserer Sünden. Amen.

 

Zu Gott

 

Wir haben, o gütigster Vater, viel weniger von offenbaren Verfolgern zu befürchten, Du hast in Deiner Barmherzigkeit jene blutigen Zeiten schon lange vorüber geführt. Nie aber sind wir gesichert gegen die Feinde, die im Verborgenen Fallstricke legen, Fallstricke dem Glauben und der Tugend. Stärke uns doch mit Deiner Gnade, damit wir, unwandelbar auf Dich hinschauend, immer Deinen heiligen Geboten treu bleiben, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Zu Gott um den Schutz durch den Erzengel Raphael

 

O Gott, der Du den heiligen Erzengel Raphael Deinem Diener Tobias zum Gefährten auf dem Weg gegeben hast, verleihe uns, Deinen Dienern, dass wir durch ihn allezeit bewahrt und beschützt werden, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

An diesem Tag hat im Jahr 1577 Papst Gregor XIII. vollkommenen Ablass allen denen verliehen, die am ersten Sonntag des Monats die Rosenkranzkapelle besuchen.

 

Andacht am 24. Oktober:

 

Das Thema im Oktober:

Vertrauen

"Habt Vertrauen." (Markus 6,50)

 

"Wer sich der Vorsehung ganz und gar in die Arme wirft und ihrer Leitung sich überlässt, der lebt leicht und fühlt den Druck des Kreuzes nicht, der auf ihm lastet. Wer anders handelt, der geht zu Fuß und wird sehr müde."

In einer kleinen Stadt Italiens war ein sehr armes Mädchen, das durch schwere Krankheit genötigt war, immer auf einer Seite, und zwar auf einem äußerst dürftigen Bettlein liegen zu bleiben. Die Leute, die sie aus mitleidiger Nächstenliebe besuchten, wurden selbst daran erbaut, dass die arme Kranke niemals klagte und immer zufrieden schien. Einst, als in ihrer Gegenwart erzählt wurde, es stehe dem Land eine große Hungernot bevor, wunderte man sich über die Gleichgültigkeit, mit der sie diese Nachricht anhörte; und nicht erwehren konnte sich eine Frau, die anwesend war, ihr zu sagen: "Wie seid ihr doch bei so viel Elend so ruhig und so zufrieden?" Da antwortete sie: "Alle meine Gedanken sind bei Gott, und ich bin gleich einem Vöglein unter den Flügeln der Vorsehung. Was soll ich fürchten? Und warum sollte ich unruhig werden?"

 

Herr, ich übergebe mich Deiner väterlichen Vorsehung für nun und immer, und überlasse mich ganz und gar ihrer Leitung. Wie schön ist es, mitten unter heftigen Stürmen in Deinem Herzen zu ruhen! Amen. 

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 24. Oktober

 

"Es gibt drei Arten von Liebe; zwei sind lügenhaft,

die letzte allein ist wahrhaft.

Die erste ist nur von dem Vorteil eingeflößt,

den man daraus zieht; die zweite ist auf das Vergnügen gegründet;

die dritte liebt den Nächsten um seines Wohles willen."

 

hl. Thomas von Aquin OP

1225 bis 7.3.1274

 

Betrachtung am 24. Oktober - Von der Berufung zum Glauben

 

Preis dir, o Gott, der du den Finsternissen

Mich huldreich durch des Glaubens Licht entrissen.

Es führe dieses Lichtes heller Schein

Zum ewigen Vermählungsfest mich ein.

 

1. Wenn ich, mein Gott, betrachte, wie tief die Welt im Argen liegt, wie viele Völker auf dem Erdkreis noch bis zur Stunde in den Finsternissen des Heidentums irren, ja wie viele selbst derjenigen, die deine Barmherzigkeit in das Licht deines Evangeliums berief, die Augen diesem göttlichen Licht vorsätzlich verschließen, um ihre höchste Glückseligkeit in den Schatten und vergänglichen Lüsten der Zeit zu suchen: dann wird mein Herz von innigster Dankbarkeit für die so große und so unverdiente Gnade des heiligen Glaubens durchdrungen, der die künftigen Güter der ewigen Glorie mir zeigt, und mich kräftigt und ermutigt, sie durch Werke der Gerechtigkeit und Geduld in den Trübsalen dieses Lebens zu verdienen. 

 

2. Groß fürwahr und würdig deiner göttlichen Freigebigkeit ist diese Berufung zum Glauben deines göttlichen Evangeliums, mein Gott. Welches Herz auch würde sie verschmähen, ja welches würde sie nicht in seligem Jubel annehmen, wenn es ihren unendlichen Wert betrachtet. Denn dieser Beruf ist die Einladung zu jenem himmlischen Vermählungsfest, das du, der allerhöchste König des Himmels, deinem eingeborenen Sohn, dem Bräutigam seiner Kirche, hältst, und dessen Freuden alles unendlich übersteigen, was die menschliche Einbildungskraft erreichen kann, weil alles darin himmlisch, alles göttlich, alles glorreich und ewig ist. Selig diejenigen, die indessen in diesem heiligen Beruf so wandeln, dass sie "nicht mehr Gäste und Fremdlinge, sondern Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes sind!" (Epheser 2,19)

 

3. Preise die Erbarmungen deines Gottes, der vor so vielen Tausenden zu diesem göttlichen Vermählungsfest dich berief, und bereite dich dazu vor durch ein frommes und gerechtes Leben. Sieh, eingeladen wurdest du durch die Boten des himmlischen Königs, durch seine Kirche. So halte dich denn jederzeit bereit, denn bald werden die Pforten der Ewigkeit aufgetan werden, die in das Gemach des himmlischen Bräutigams dich einführen. Bewahre dich also in heiliger Treue, dass du mit dem Propheten sprechen kannst: "Mein Herz ist bereit, o Gott, mein Herz ist bereit." - "Der Bräutigam kommt! Geht ihm entgegen! . . . und die bereit waren, gingen mit ihm in den Hochzeitssaal, und die Tür wurde zugeschlossen." (Matthäus 25,6+10)

 

25. Oktober

 

Die heiligen Chrysanthus und Daria, Martyrer von Rom,

+ 25.10.284 - Fest: 25. Oktober

 

Die Legende der Heiligen Chrysanthus und Daria ist eine Liebesgeschichte unter Christen, so ganz anders als die Liebesgeschichten, die heute vielfach angeboten werden.

 

Übrigens beginnt diese Liebesgeschichte der beiden Heiligen mit einem Buch. Einmal fand nämlich der Student Chrysanthus, der Sohn des nichtchristlichen Stadtrichters Polemius zu Rom, bei einem Freund zufällig ein zerlesenes Buch, überflog einige Zeilen, die sein Interesse weckten, lieh sich das Buch aus und las darin die ganze Nacht hindurch mit steigernder Aufmerksamkeit. Und als es Morgen wurde, war in seinem Leben strahlend die Sonne aufgegangen, die Christus ist, das Licht der Welt. Das Buch war nämlich das Evangelium gewesen, von dem er bisher noch keine Ahnung hatte.

 

Zum Entsetzen des Vaters, der um seine einträgliche Stellung fürchtete, wurde Chrysanthus Christ. Er wurde aber nicht nur ein Christ dem Taufschein nach, sondern einer, in dem die Liebe zu Christus wie Feuer glühte. Der Vater ließ, um dem Sohn den christlichen Glauben auszutreiben, eine der hochgeachteten Priesterinnen der Göttin Vesta, Daria mit Namen, ins Haus kommen. Sie sollte den jungen Mann belehren. Dann aber trat das ganze Gegenteil ein, denn Chrysanthus bekehrte die Priesterin. Und in den Stunden, in denen beide miteinander redeten, spannen sich sogar Fäden von Herz zu Herz und verbanden schließlich beide in unzerreißbarer Liebe miteinander. Auch Daria ließ sich taufen und etwas später heirateten beide.

 

Mittlerweile war es bekannt geworden, dass Chrysanthus und Daria den christlichen Glauben angenommen hatten. Und weil damals die Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian begann, verhaftete die Polizei das junge Ehepaar und führte es dem Richter vor. Unerschütterlich bekannten die beiden den Glauben, trotz aller Drohungen. So wurden sie der Folter übergeben. Aber – so die Geschichte – die eisernen Ruten, mit denen man sie schlagen wollte, verwandelten sich in Wolle, und die Ketten, in die man sie schmiedete, zerbrachen, als wären sie aus Glas.

 

Darüber erstaunte der Richter natürlich sehr und wurde ebenso ein Christ. Er ließ sich von Chrysanthus unterrichten und taufen, er und seine ganze Familie. Daraufhin mussten sich Chrysanthus und Daria vor dem Kaiser persönlich verantworten, und weil sie dem Glauben treu blieben, begrub man sie nach weiteren schlimmen Misshandlungen lebendig in einer Sandgrube.

 

Das heilige Martyrerehepaar Chrysanthus und Daria waren auch im Leid erfüllt von dem Glück der Menschen, die Jesus Christus folgen im Leid und in der Freude. Aber aller Ruhm und alle Ehre, die ihnen für immer zuteilwurden, hatten ihren unscheinbaren Anfang beim Lesen eines Buches.

 

Aus dem "Marianischen Festkalender":

 

Chrysanthus lebte im dritten Jahrhundert in Rom, und war Christ geworden. Um ihn wieder ins Heidentum zurückzuführen, bestimmten ihm seine Verwandten eine schöne Römerin, Daria, die dem Götzendienst noch ergeben war, zur Gemahlin. Aber siehe: der gläubige Mann bekehrte seine ungläubige Ehefrau zum christlichen Glauben. Und Jesus und Maria zu Ehren lebten sie von da an in keuscher Enthaltsamkeit als wahre Nachbilder der keuschen gottgefälligen Eheleute Joseph und Maria. 

 

Ihr Eifer im christlichen Glauben wurde allmählich so groß und stark, dass sie begierig waren für Jesus zu leiden und zu sterben. Ihr Verlangen wurde bald gestillt. Unter der Regierung des Kaisers Numerian (284) empfingen sie die Marterkrone.

 

Ihre Leiber kamen in die Katakomben. Von dort wurden sie später erhoben und nach Trier, zwei Jahre darauf (844) nach Metz gebracht.

 

Die heiligen Krispin und Krispinian,

Schuster und Märtyrer von Soissons, Frankreich,

+ 25.10.287 – Fest: 25. Oktober

 

Diese heiligen Märtyrer waren von jeher in Frankreich sehr berühmt. Die alte Überlieferung sagt uns von ihnen, dass sie Brüder und Söhne einer vornehmen Familie zu Rom gewesen sind, und aus Liebe zu Jesus Christus mit anderen heiligen Missionaren – z.B. dem hl. Quintin) Rom verlassen und nach Frankreich gezogen sind, um zur Verbreitung des Evangeliums mitzuwirken. Sie ließen sich zu Soissons, einer schönen Stadt in der Isle de Franze am Fluss Aisne, nieder. Um ihre Absicht zu erreichen, um eher Eingang bei den Menschen zu finden, und stiller, und ohne Aufsehen zu erwecken an der Bekehrung der Menschen arbeiten zu können, lernten und übten sie in der Stadt das Schusterhandwerk, wodurch sie mit vielen Menschen in Berührung kamen, und dadurch Gelegenheit hatten ihnen gleichsam unbemerkt die Lehre des Heils beizubringen, oder wenigstens sie darauf aufmerksam zu machen. Ihr Leben, die Ruhe und Heiterkeit ihrer Seele, ihre Uneigennützigkeit, besonders gegenüber den Armen, denen sie von ihrer Arbeit oder Verdienst zukommen ließen, blieb nicht unbelohnt vor Gott. Sie bekehrten eine Menge zum Glauben, indem sie mehrere Jahre das Bekehrungsgeschäft ungehindert und mit Eifer betrieben. Aber die Sache konnte und sollte auch nicht verborgen bleiben, weil Gottes Sache weltkundig, sein Dienst offenbar werden muss. Als Kaiser Maximinianus Herkuleus nach Soissons kam, wurden die Brüder als Christen bei ihm verklagt, und auf seinen Befehl gefangen genommen. Auf seine Verheißungen und Drohungen, um sie von Jesus Christus abwendig zu machen, antworteten sie: „Deine Drohungen erschrecken uns nicht, denn Christus ist unser Leben, und Sterben unser Gewinn. Deine Güter und Ehren achten wir nicht, denn solche haben wir vorlängst um Christi willen verlassen, und freuen uns jetzt dieses getan zu haben. Würdest du Christus erkennen und Lieben, so würdest du nicht nur alle Reichtümer, sondern selbst den Glanz des Kaisertums hingeben, um durch seine Barmherzigkeit das ewige Leben zu erlangen.“ Da der Kaiser nichts über sie vermochte, übergab er die Gefangenen teils aus Gefälligkeit gegen die Ankläger, teils aus Hang zur Grausamkeit dem Landpfleger Riktiovarus, einem anerkannt unversöhnlichen Feind der Christen. Dieser griff, nachdem seine Drohungen vergeblich waren, zu den grausamsten Peinen, wie die alte Legende sagt, zur Ausspannung, zu Stockschlägen, zum Kessel mit siedendem Blei, oder mit Pech, Fett und Öl, die die Zeugen der Wahrheit mit großer Geduld und auf wunderbare Weise aushielten. Auch ließ er ihnen, vermutlich zum Spott ihres Handwerks, Ahlenspitzen zwischen Nägel und Fleisch an den Fingern hineintreiben, und Riemen aus dem Rücken schneiden. Jedoch gewann er nichts an ihnen, als eine größere Offenbarung von der Macht und Güte Gottes über seine Diener. Endlich befahl der Richter sie zu enthaupten. So geschehen im Jahr 287. Im 16. Jahrhundert wurde zu Soissons zu Ehren dieser Heiligen, die Gott durch viele Wunder verherrlichte, eine prachtvolle Kirche erbaut. 

 

Schwester Maria Elekta vom Herzen Jesu

Gedenktage und Lebensskizzen hervorragender

Mitglieder des Karmelitenordens

 

Am 25. Oktober 1901 holte sich der himmlische Bräutigam eine Braut aus dem Karmel zu Linz. Es war die lobwürdige Schwester Maria Elekta vom Herzen Jesu, Gräfin Montfort Laurito. Sie wurde am 20. März 1852 zu Ödenburg in Ungarn geboren und trat erst im verhältnismäßig hohen Alter von 40 Jahren in den heiligen Orden. In solchen Jahren pflegt eine Preisgabe altgewohnter Annehmlichkeiten sehr schwer zu fallen. Das war auch bei Schwester Elekta der Fall. Aber die Liebe zu Gott, die sie angeregt hatte, die Welt zu verlassen, ermutigte sie auch, treu auszuharren, und was sie Gott gegeben, nicht mehr zurückzunehmen. Ehedem konnte sie sich mit schönen Gewändern schmücken, jetzt musste sie mit armen Kleidern vorliebnehmen. Als Ordensfrau musste sie es, sie tat es aber auch bereitwillig, ja sie suchte sich, wo ihr die Wahl gelassen wurde, stets das Mindere und Schlechtere aus. War es ihr wohl eine ungewohnte Beschäftigung, so beteiligte sie sich doch gerne bei der herkömmlichen Hauswäsche. Es bereitete ihr Freude, wenn sie Wasser schöpfen oder den Kessel heizen durfte. Auch von schwerer Krankheit wurde Schwester Elekta heimgesucht. Solange sie konnte, verbarg sie die Krebswunde, die sich an ihrem Leib gebildet hatte. Waren ihre Schmerzen übergroß, so bemerkte sie: "Heute bin ich wieder wie ein aufgespießter Schmetterling." Doch wurde sie darum nicht missmutig und widerwärtig, sondern sagte scherzend, sie gleiche einem Käfer, der auf den Rücken gefallen sei und sich selbst nicht helfen könne, und lachte herzlich dazu. Sie ging nicht auf Rosenwegen, schätzte sich aber glücklich, ja betrachtete es als Auszeichnung, eine Leidensbraut des gekreuzigten Heilandes zu sein, und als eine besondere Gnade, durch Leiden Sühne zu leisten für eigenes und fremdes Verschulden. 

 

Gebet am 25. Oktober

 

Maria, du Königin der Martyrer, um meines Heiles willen hast du so viele Tränen vergossen. Was würden mir aber deine Tränen nützen, wenn ich dennoch verloren ginge? Erlange mir also um der Verdienste deiner Schmerzen willen aufrichtige Reue über meine Sünden, Besserung des Lebens und zärtliches Mitleid mit den Schmerzen Christi und den deinigen sowie aller Martyrer. Da du und dein Sohn, die ihr doch beide so unschuldig gewesen seid, so viel für mich gelitten habt, so macht, dass auch ich, der ich die Hölle verdient habe, aus Liebe zu euch etwas leiden kann. Amen.

 

Zu Gott

 

Wir danken Dir, o Gott, dass Du uns zum Glauben berufen hast, und bitten Dich um die Gnade, nach ihm zu leben, damit wir im Himmel den Lohn erlangen, den Du Deinen Heiligen verheißen hast, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Zu Toledo in Spanien wurde am heutigen Tag im Jahr 1086 die Hauptkirche vom Erzbischof Bernhard unter dem Namen der seligsten Jungfrau Gott geweiht.

 

Andacht am 25. Oktober:

 

Das Thema im Oktober:

Vertrauen

"Habt Vertrauen." (Markus 6,50)

 

"Nichts auf der Welt soll der Diener Gottes fürchten; nicht einmal die bösen Geister. Nehmen die bösen Geister wahr, dass man sie verachtet, so stehen sie ohne Stärke da und werden leicht überwunden. Wenn der Herr allmächtig ist und die bösen Geister seine Sklaven sind, was können sie wohl den Dienern eines so großen Königs zu Leide tun?" (Die heilige Theresia von Avila)

Diese Heilige war von Natur sehr furchtsam; als sie aber einst ernsthaft betrachtete, welche große Torheit es ist, anderes zu fürchten als Gott zu beleidigen, und dass sie einen höchst mächtigen und gewaltigen Herrn hat, der alles regiert, und dem sie sehnsüchtig zu dienen verlangt, ohne anderes zu wünschen, als Ihm zu gefallen und Seinen Willen zu tun, da sprach sie zu sich selbst: "Was fürchtest du? Vor wem bebst du?" - Und sogleich nahm sie ihr Kruzifix in die Hand, bot allen bösen Geistern Trotz und rief: "Nun kommt alle herbei; ich bin eine Magd des Herrn, und sehen will ich, was ihr mir tun könnt!" Von diesem Augenblick angefangen verlor diese große Heilige alle Furcht und achtete der bösen Geister so wenig als der Mücken. Dies sind ihre eigenen Worte.

 

Mein Gott, Du bist mein Herr, und zwar ein unendlich gütiger und allmächtiger Herr! Mehr liebe ich Dich, als ich Dich fürchte; und fürchte nur, Dich zu beleidigen! Weder Menschen noch böse Geister fürchte ich, denn nichts vermögen sie gegen mich, außer was Dir wohlgefällig ist! Amen. 

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 25. Oktober

 

"Der Neid gleicht dem Holzwurm.

Der Wurm übt seine Zerstörung da, wo er erzeugt ist,

so richtet der Neid seine Zerstörung an in dem Herzen,

das ihn geboren, und nicht an der Person,

die der Gegenstand desselben ist."

 

hl. Ludwig von Granada OP

1504 bis 31.12.1588

 

Betrachtung am 25. Oktober - Über die Glorie der Heiligen

 

O glorreiche Himmelskrone,

Nach dir seufzet mein Verlangen.

Gern will ich das Kreuz umfangen,

Gib, mein Gott, dich mir zum Lohne.

 

1. Gott will, dass alle Menschen selig werden. Alle lädt er zu seinem himmlischen Gastmahl ein. Vieles, ja Unfassbares tat er in dieser Absicht. Doch verlangt er, um dir Anteil an der glorreichen Seligkeit seiner Heiligen zu geben, dass du gleich ihnen sein Gesetz beobachtest, sanftmütig und demütig dich verhältst, und dein Kreuz mit Geduld erträgst. Erhebe dich im Geist in den Himmel, und sieh, ob du darin auch nur einen Heiligen findest, der nichts gelitten hätte. Nimmst du ihre Leiden ihnen hinweg, so nimmst du ihre Krone hinweg. Um diesen Preis also steht auch dir der Himmel offen; tue dir Gewalt an, und du reißt ihn an dich.

 

2. Frage die glorreichen Himmelsbürger, ob es sie nun gereut hat, dass sie das Kreuz umfingen, dass sie in Armut, in Leiden und Trübsalen lebten? Bereit wären sie, wenn Gott es zuließe, abermals auf die Erde zu kommen, und ohne Vergleich größere Schmerzen zu ertragen, ihre Glorie dadurch zu vermehren. Frohlockend preisen sie nun ihre Bußwerke, ihre Leiden, die in diese unermessliche Glorie sie führten, wo sie Gott von Angesicht zu Angesicht schauen, und ewig aus dem Strom seiner Wonnen getränkt werden. Soll ihre glorreiche Seligkeit uns nicht zur Nacheiferung erwecken? Was also hält uns ab? Wo ist unser Glaube? Erheben wir doch unseren Blick zum Himmel, und jede Arbeit wird uns leicht werden.

 

3. Hatten etwa die Heiligen ein anderes Evangelium, andere Sakramente? Oder hatten sie weniger Hindernisse? Sie alle hatten böse Neigungen zu bekämpfen, Gelegenheiten zu meiden, Versuchungen zu überwinden. Was also kann dich entschuldigen? Deine Jugend? Bist du jünger als ein Stanislaus? Deine Kränklichkeit? Sind deine Krankheiten schwerer und länger, als die einer Theresia, einer Liduwina? Deine Geschäfte? Hättest du mehr Geschäfte, als so viele heilige Könige und Fürsten? Oder hättest du schwerere Versuchungen zu überwinden, als Joseph, eine Susanna? Kein Hindernis also steht dir im Wege, als deine Trägheit, und wahrlich nicht sehr teuer erkaufst du den Himmel durch ihre Überwindung. "Schon empfängt der Schnitter seinen Lohn und sammelt Frucht für das ewige Leben, so dass sich der Sämann und der Schnitter gemeinsam freuen." (Johannes 4,36)

 

26. Oktober

 

Der heilige Evarist, Papst und Martyrer von Rom,

+ 26.10.121 - Fest: 26. Oktober

 

Heute noch könnte einem die Galle überlaufen, wenn man daran denkt, mit welchen Verleumdungen und üblen Nachreden die ersten Christen überschüttet wurden. Abtrünnige und Ungläubige wurden sie von den Heiden genannt. Man warf ihnen vor, dass sie beim Gottesdienst Kinder töteten, ihr Fleisch aßen und das Blut tranken. Die neue Religion sei ein staatsgefährdender Aberglaube. Zauberer seien die Christen, Feinde der Götter, des Kaisers, der Gesetze und der guten Sitten. Regnete es längere Zeit einmal nicht, so waren die Christen daran schuld, und regnete es ein anderes Mal zu lange, so waren sie es wieder, die das Unheil veranlasst hatten. Kurzum, man ließ kein gutes Haar an den Christgläubigen, sie waren der Kinderschreck und das heimliche Grauen aller ängstlichen Gemüter, und dass man ihnen auch noch in die Schuhe schob, sie predigten und verbreiteten den Hass, setzt allen Gräuelmärchen herrlich die Krone auf. Trotzdem nahm die Zahl der Gläubigen von Tag zu Tag zu.

 

Dieser Zulauf mag den heiligen Evarist, dessen Gedächtnis wir heute begehen und der als fünfter Papst in den Jahren 100-109 die Kirche leitete, veranlasst haben, die römische Christengemeinde in sieben Bezirke oder, wie wir heute sagen, in sieben Pfarreien aufzuteilen mit eigenen Pfarrgeistlichen, die für den Gottesdienst zu sorgen hatten und die heiligen Sakramente spenden sollten. Evarist schärfte ferner den Gläubigen erneut die von den Aposteln her bestehende Vorschrift ein, dass Brautleute die Ehe vor Zeugen vor einem Priester müssen einsegnen lassen. Von solch ehrwürdigem Alter ist also auch dieser Brauch in unserer heiligen Kirche.

 

Während der dritten römischen Christenverfolgung unter Kaiser Trajan erlitt Papst Evarist den Martertod für den König Christus und wurde unter dem heutigen Datum auf dem Vatikanhügel in der Nähe des Petrusgrabes beigesetzt. „Selig der Mann“, so sagt die Epistel heute, „der in der Prüfung standhält.“

 

Es ist also leider nicht viel, was uns die Geschichte vom Tagesheiligen zu berichten weiß. Schließlich hatte man damals in den harten Zeiten der Verfolgung auch anderes zu tun, als alles genau aufzuschreiben, was geschah. Eins aber wollen wir dem Papst Evarist nicht vergessen, denn er war es, der uns jenen Namen gab, der zu allen Zeiten und vielfach heute noch als das größte Schimpfwort gilt, das man uns wie Dreck nachwirft und dabei meint, man hätte uns eine Unehre angetan, aber was man uns mit dem Wort wirklich antut, ist gerade das Gegenteil, denn nichts kann uns mehr ehren als das Wort „Katholik“, und diesen Ehrennamen hat uns als erster Papst Evarist gegeben. Dafür sei ihm wahrhaftig Dank gesagt.

 

Es gibt keinen anderen Namen, der besser für uns passt, als eben der Name Katholik, denn unsere Kirche ist katholisch, das heißt auf Deutsch allgemein und allumfassend, sowohl in der Zeit wie im Raum.

 

Allumfassend ist die katholische Kirche in der Zeit, denn seit dem Augenblick, da Christus die Kirche stiftete, war bis heute kein Tag und wird es bis ans Ende der Welt keinen geben, an dem es keine Katholiken gab oder geben wird. Nenne mir eine Kirche, die älter ist als die katholische Kirche. Du findest keine, denn alle anderen Bekenntnisse, die sich christlich nennen, datieren von gestern und vorgestern. Im Anfang war die katholische Kirche, und sie allein.

 

Allumfassend ist die katholische Kirche ferner dem Raum nach. Siehe da, das Senfkörnlein! Es ist das kleinste unter allen Samenkörnern. Wenn es aber erwachsen ist, wird es zu einem Baum, in dessen Zweigen die Vögel des Himmels wohnen. Das Kind in der Krippe – bald ist wieder Weihnachten – war das Senfkörnlein, das bis in unsere Zeit über die ganze Welt hinausgewachsen ist von Pol zu Pol und rund um die Erde mit vielhundert Millionen Gläubigen.

 

Unsere Kirche ist also katholisch, und man kann uns keine größere Ehre antun, als dass man uns Katholiken nennt. Man muss dem lieben Gott täglich auf den Knien dafür danken, dass er uns im Gegensatz zu den Irrgläubigen und Heiden den wahren katholischen Glauben als kostbarstes Gnadengeschenk bereits in die Wiege gelegt hat.

 

Der selige Reimot von Holnstein bei Eichstätt, Bekenner,

+ nach 1100 (15.4. und 26.10)

und die heilige Achahildis von Wendelstein,

Stifterin der Kirche zu Wendelstein, Ehefrau und Mutter,

+ 970? – (1.11), Zeiten und Gedenktage eher unbekannt – 26. Oktober

 

(Die Legende vom Seligen Reymotus muss schon allein deshalb eine geschichtliche Basis haben, weil wir in der Pfarrkirche von Holnstein noch heute den Epitaph des Reymotus bestaunen können - einen massiven Grabstein aus Kalk, der spätestens im 15. Jahrhundert entstand. Der Stein findet sich zur Linken des Chores und ist heute halb im Chorboden versenkt. Wegen dieser eigenartigen Lage dürfte er schon im Vorgängerbau der Kirche an entsprechender Stelle gestanden haben; er kennzeichnet mit hoher Wahrscheinlichkeit den Originalort der Bestattung des heiligen Mannes, selbst wenn Nachforschungen im vorigen Jahrhundert den Leichnam nicht mehr haben auffinden lassen.

Das Flachrelief zeigt einen langhaarigen Mann mit Kappe, Heiligenschein, wallendem Gewand und zwei Broten in den Händen. Der heute nicht mehr sichtbare Teil soll die Beine des Mannes abgebildet haben, mit zwei Spitzschuhen am Ende, gruppiert auf einem Totenkopf als Zeichen der Vergänglichkeit. Die Details der Kleidung lassen auf ein Leben zu Beginn des 13. Jahrhunderts schließen, somit fällt die Legende des seligen Kastners Reymotus in die ganz frühe Zeit des herzoglichen Kastenamtes. Der Grabstein entstand erst im 14. oder 15. Jahrhundert, er trägt in gotischen Majuskeln die Inschrift "Beatus Reymotus", d. h. "Seliger Reymotus".)

Text und Bild des Grabsteins: „Holnstein im Tal der Weißen Laber“ aus der Reihe: Perlen der Berchinger Stadtgeschichte von Dr. Werner Robl, Berching, November 2013. 

www.robl.de/holnstein/holnstein.html

 

Wie oft wird geklagt, dass wir für viele schöne altdeutsche Namen keine Heiligen kennen, die ehedem diese Namen geführt und durch frommes Leben ehrwürdig und heilverheißend gemacht haben. Und doch stand ehedem gar mancher Name im Volk hoch in Ehren. Sein heiliger Träger hat als Schutzpatron Verehrung gefunden, wenn ihm auch eine eigentliche Seligsprechung amtlich nicht zuteilgeworden ist. Die kirchliche Umwälzung im 16. Jahrhundert, die oft alles Katholische von Grund aus vertilgte und selbst die Toten in den Grüften nicht schonte, hat Namen und Werke der Seligen mit dem Schatten der Vergessenheit bedeckt. Unser deutscher Heiligenkalender hat dadurch keine geringe Einbuße erlitten. Ein Erweis hierfür sind neben anderen auch diese beiden vergessenen „Heiligen“ aus dem Eichstätter Bistum.

 

1. Der selige Reimot, Reimut oder Reimbold

 

In der Dorfkirche zu Holnstein bei Berching in der Oberpfalz ist ein merkwürdiger Grabstein zu sehen. In Linienzeichnung begegnet uns ein Mann mit dem Barett auf dem Haupt, in der ausgestreckten Rechten ein Brot, in der Linken ebenfalls zwei Brote. Um das Haupt ist ein Heiligenschein, darüber die Inschrift: Beatus Reymot. Der Name Reimot, Reimut, der sich auch sonst findet, bedeutet: Der zum Rat Bereite.

 

Die Legende erzählt vom seligen Reimot, er sei Kastner (Zehentverwalter) gewesen und habe in der Zeit einer Hungersnot dem Volk wie ein ägyptischer Joseph Brot und Getreide aus dem herrschaftlichen „Kasten“ (Getreidespeicher, Zehentstadel) ausgeteilt. Als er deswegen der Untreue beschuldigt wurde, seien die Kästen voll Getreide gefunden worden. Auch eine Quelle im Tal soll ihm ihre Entstehung verdanken, die bis heute Reymotusbrunnen genannt wird. Vor der Glaubensspaltung war sein Grab eine vielbesuchte Wallfahrtsstätte. An seinem Fest, am Weißen Sonntag, wurden von einundzwanzig Metzen Getreide eine Brotspende an Arme ausgeteilt; es fielen hierzu reichliche Opfer an Geld und Naturalien. Die an diesem Grab geschehenen Wunder waren in einem dicken Quartband aufgeschrieben worden. Die urkundlichen Zeugnisse der Verehrung Reimots reichen bis zum Jahr 1390 zurück. Die Einführung der Glaubenserneuerung zerstörte den blühenden Kult, zugleich auch die Denkmale desselben bis auf den Grabstein. Der Altar des Seligen wurde zertrümmert, sogar das Grab geöffnet und die Gebeine zerstreut; die Weihegaben und Aufzeichnungen wurden verbrannt.

 

Nach der Pfarrmatrikel von Holnstein wurde am 20. November 1613 „ein Schlossdiener bei St. Reimbold in der Kirche begraben, im Gewölbe gegenüber der Kanzel“. In dieser Zeit war also der Selige unter dem Namen Reimbold (Reimbot, Reinbod) noch im Munde des Volkes. Versuche im 17. Jahrhundert, die Verehrung des Seligen wieder in Aufschwung zu bringen, waren ohne besonderen Erfolg. Ob der Eichstätter Bischof Reimbot von Meilenhart bei Neuburg, der 1279-1297 die Diözese regierte, von unserem Seligen den Namen erhalten hat, ist nicht erweislich. Wenn es vermutet werden darf, dann ist die Lebenszeit des seligen Reimot wenigstens vor dem Anfang des dreizehnten Jahrhunderts anzusetzen, liegt aber wohl noch viel früher.

 

Eine Stätte der Barmherzigkeit war Holnstein noch heute. Bei der Kirche war eine „Magnerische Anstalt“ zur Pflege geistesschwacher Kinder, wo St. Reimots Brotspende sich täglich erneuerte.

 

2. Die heilige Achahildis, Aghild

 

In dem Markt Wendelstein bei Nürnberg wurde ehedem eine heilige Achahildis, die Stifterin des dortigen Gotteshauses, überaus hoch verehrt. Sie ruhte dort in einer eigenen Kapelle in einem steinernen Sarkophag, der auf vier Säulen stand. An seiner Oberfläche war in altertümlichen Zügen zu lesen: „Da liegt begraben die heilige Frau St. Atzin, Stifterin dieses Gotteshauses.“ Atzin, Aze ist Koseform oder kurze Rufform des altdeutschen Namens Achahild oder Aghild, was so viel wie Schwertkämpferin bedeutet. Der Taufname Achilla, der 1402 in Wendelstein vorkommt, ist sicher auch nur eine andere Form für Achahild. Eine Bildertafel an der Wand der Kapelle erzählte von den Wundern, die sie gewirkt haben soll, und eine große Zahl von Weihegeschenken von den Wunderzeichen nach ihrem Tod.

 

Aus der Legende ist zu entnehmen, dass Achhild eine verheiratete Frau war, die nach längerer, mit fünf Kindern gesegneter Ehe mit ihrem Mann das Keuschheitsgelübde für den Rest ihres Lebens ablegte, ein Zug, der im Leben vieler heiliger Personen altchristlicher Zeit wie des Mittelalters wiederkehrt. Die Hochschätzung der Jungfräulichkeit ließ selbst unter Eheleuten das Verlangen aufkommen, sich auch zuletzt noch einen Anteil an dem ewigen Lohn der freiwilligen Enthaltsamkeit zu sichern. Da lag es auch nahe, dass die Volksmeinung, die nicht stille steht, unsere ehrfurchtgebietende Heilige zu einer Schwester der bekannten heiligen Kunigund macht und von ihr erzählt, sie habe im Augenblick des Todes ihrer Schwester die Glocken von Bamberg läuten hören. Wenn die mittelalterliche Legende diesen überaus häufigen Zug auch unserer St. Achhild zuteilt, dann dürfen wir daraus das eine schließen, dass sie beim gläubigen Volk in hohen Ehren gestanden sein muss.

 

Im Jahr 1402 ist in einer Urkunde die Rede von einer Altarweihe zu Ehren der heiligen Achahildis durch den Weihbischof von Seifried von Eichstätt. 1448 hat eine Kommission des Eichstätter Bischofs in Wendelstein eine genaue Untersuchung über ihre Verehrung angestellt, viele Zeugen über die Wallfahrten zu ihrem Grab vernommen und auch die Reliquien, die jährlich am Kirchweihfest in Prozession herumgetragen wurden, untersucht. Im gleichen Jahr 1448 erhielt die Kirche in Wendelstein, die dabei als der heiligen Achahild geweiht bezeichnet wird, von dem päpstlichen Legaten und Kardinal Johannes einen Ablass. Etwas später, 1480, wurde gelegentlich einer Visitation durch den Eichstätter Generalvikar J. Vogt die Verehrung der Ortsheiligen abermals der Beachtung und Nachforschung für wert erachtet. Der Visitator merkt in seinem Bericht bei Wendelstein an: „Bekannt durch die Reliquien der seligen Atzin (beatae Azae), deren Heiligsprechung noch nicht geschehen ist.“ Von dem einvernommenen Frühmessgeistlichen, der schon länger am Ort war, erfuhr er: In der Pfarrkirche sei ein bleierner Behälter vorhanden, in welchem Gebeine eingelegt waren, und die Überschrift des Behälters lautete, als er auf Befehl des Hochw. Herrn Bischofs von Eichstätt geöffnet war: „Hie leit (liegt) begraben dy heilig Fraw Sant Aze.“ Der genannte Behälter sei auch, als die Pfarrkirche Wendelstein vollständig abbrannte, unbeschädigt geblieben, so dass das Blei nicht geschmolzen war, obwohl die Glocken geflossen waren.

 

Die Verehrung der heiligen Achhild und die Wallfahrten zu ihrem Grab dauerten bis zur Einführung der Glaubenserneuerung in Wendelstein. Dann erlosch sie vollständig. Das Altarbild der Heiligen kam ins Germanische Museum nach Nürnberg, das Grabmal mit den Reliquien dient jetzt als Unterbau des Hochaltares.

 

Eine Wohltat genießen die Bürger Wendelsteins von dem frommen Ehepaar heute noch; das ist der der Gemeinde geschenkte Wald.

 

 

Zwei vergessene Selige! Und doch leben sie und sind unsterblich bei Gott. Selbst die Erde kann sie nicht vergessen. Noch reden die Steine und verkünden Namen und Ruhm der seligen Diener Gottes. Noch leben ihre Werke und bringen Segen, irdischen sowohl wie himmlischen. Von den Heiligen, die Wohltäter der Menschheit geworden sind, gilt das Wort: „Jedem Verdienst ist eine Bahn zur Unsterblichkeit aufgetan, zur wahren Unsterblichkeit, wo die Tat lebt und weitereilt, wenn auch der Name ihres Urhebers hinter ihr zurückbleiben sollte.“ Die Glockenklänge edler Taten erheben im Sterben der Guten ihre Stimme und tragen ihren Segen fort in ferne Geschlechter.

 

Fest der Übertragung des heiligen Andreas von Corsini

Gedenktage und Lebensskizzen hervorragender

Mitglieder des Karmelitenordens

 

Die Kirche feiert das Fest des heiligen Andreas Corsini an seinem Todestag, der am 6. Januar 1373 erfolgte. Am 9. Januar ist sein Fest im Orden der Karmeliten und sein Gedenktag im Orden der Unbeschuhten Karmeliten. Um 1440 wurde Andreas durch Papst Eugen IV. selig-, am 29. April 1629 durch Papst Urban VIII. heiliggesprochen. Am 26. Oktober wurde zusätzlich das Fest der Übertragung des heiligen Andreas von Corsini begangen. Beim Tod und nach dem Abscheiden des heiligen Andreas von Corsini ereigneten sich merkwürdige Zeichen. Sein entseelter Leichnam strömte einen wunderbaren Geruch aus, durch den nicht wenige Kranke geheilt wurden. Andere genasen durch die Berührung des heiligen Leibes. Nach seinem Tod war Andreas zu Fiesole bestattet worden. Seiner testamentarischen Verfügung gemäß wurden aber seine sterblichen Überreste später nach Florenz übertragen, um in der Kirche seines Ordens beigesetzt zu werden. Im 67. Jahr nach dem Tod des edlen Bischofs wurde Florenz von Feinden bedroht und schwebte in Gefahr, zugrunde zu gehen. In ihrer Bedrängnis eilte die ganze Einwohnerschaft zum Grab des Heiligen und bat um Hilfe. Dieser ließ sich nicht vergeblich anrufen. Er erschien einem Jungen und verkündigte ihm, nach fünf Tagen, d.i. am Fest Peter und Paul, werde die Stadt einen unblutigen Sieg erringen, was in der Tat geschah. Darum gestattete Papst Eugen IV., der damals eben zu Florenz residierte, auf Drängen der Kardinäle, des Senates und des gesamten Volkes, dass in der Karmelitenkirche eine große Feier veranstaltet würde und dass man Lichter und Weihrauch am Grab des heiligen Andreas anzünde. Groß war der Jubel des Volkes, das mit unglaublicher Begeisterung zu rufen begann: "Heiliger Andreas, bitte für uns!" Da die Zahl der Wunder, die durch Vermittlung des heiligen Andreas geschahen, sich stets mehrte, entschloss sich Papst Urban VIII. am 22. April des sechsten Jahres seines Pontifikates, Andreas von Corsini auch feierlich in das Verzeichnis der Heiligen einzutragen. Je mehr und auffälliger Gebetserhörungen erfolgten, desto mehr wuchs das Vertrauen und die Andacht des Volkes zu dem Heiligen. Im Jahr 1683 wurde endlich die herrliche Kapelle in der Karmelitenkirche fertig, die die edle Familie der Corsini, der Andreas entstammte, auf eigene Kosten erbauen ließ. Nun wurde eine dreitägige, großartige Festfeier veranstaltet und am 26. Oktober eine feierliche Prozession abgehalten, bei der der noch völlig unverweste, heilige Leib durch die ganze Stadt getragen und dann in die Karmelitenkirche verbracht wurde. Acht Bischöfe und der gesamte Klerus, Großherzog Kosmas III., der ganze Hof und eine unzählbare Volksmenge nahmen teil. Zur Erinnerung daran gestattete Papst Klemens XII., gleichfalls ein Spross des Geschlechtes der Corsini, dass die Karmeliten gleich dem gesamten Klerus von Florenz, alljährlich ein Fest begehen, um die Erinnerung an diese Begebenheit im Gedächtnis zu behalten.

 

Gebet am 26. Oktober

 

Göttliche Jungfrau, von dir gelten die Worte des Hohenliedes: "Wie eine Lilie unter den Dornen ist meine Freundin unter den Töchtern. Eine ist meine Taube. Eine ist meine Vollkommene!" Ja, einer Lilie gleichst du, Maria, an Reinheit, einer Taube an Einfalt und Unschuld. Wir aber sind die Dornen, die Unfruchtbaren, Wertlosen. O dass wir nur einen schwachen Abglanz deiner Unschuld und Reinheit in unsere Seelen trügen. Hilf uns Maria dazu, dass unser Herz mehr und mehr geläutert, endlich nur dir und deinem göttlichen Sohn dienen möge. Amen. 

 

Zu Jesus Christus

 

Herr Jesus Christus, Du Licht der Welt, bewahre uns vor der Blindheit des Geistes, und lass uns allezeit im Licht des Glaubens und Deiner Gebote leben, der Du lebst und regierst, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Am heutigen Tag im Jahr 1598 kam ein kleines Bild der Mutter Gottes durch den heiligen Conon wunderbarer Weise in den Wachturm zu Naso in Sizilien, das wegen häufig geschehener Wunder berühmt wurde. Als man es hierauf von dem Turm weg in andere Häuser brachte, entstand ein Erdbeben und es wurde so lange verspürt, bis das Marienbild wieder an seine vorige Stelle gesetzt wurde.

 

Andacht am 26. Oktober:

 

Das Thema im Oktober:

Vertrauen

"Habt Vertrauen." (Markus 6,50)

 

"Wie groß und wie vielfältig auch die Sünden sind, die du begangen haben magst, sollst du darum dennoch nie an deinem Heil verzweifeln, noch auch das Vertrauen auf Gott verlieren, denn die göttliche Huld ist unendlich größer als die menschliche Bosheit." (Der heilige Johannes Chrysostomus)

Als einst der heilige Bernard sehr krank war, wurde er von Gedanken der Verzweiflung angefochten, und er sprach: "Ich habe nichts getan, das den Himmel verdient!" - Diesen Gedanken zu vertreiben, der seinem Gemüt unablässig vorschwebte, wendete er sich zum Herrn im Gebet und sprach: "Mein Gott, ich erkenne, dass das Paradies mir nicht für meine Werke gebührt, sehr unwürdig wurde ich der ewigen Glückseligkeit durch meine Sünden. Indessen flößen zwei Gedanken mir Hoffnung ein, dass Du mir eine Stelle in Deinem ewigen Reich verleihen wirst; nämlich, dass ich Dein Kind bin, und dass Christus für mich gestorben ist!

Fasse Vertrauen, mein Sohn, sprach ein Priester zu einem Sünder, der der Verzweiflung sich überlassen wollte. Fasse Vertrauen; unaufhörlich bittet Christus für unser Heil bei seinem ewigen Vater! So oft wir unsere Herzen durch böse Gedanken und sündhafte Begierden beflecken, opfert Er Ihm sein höchst reines Herz zu Versöhnung. So oft wir sündhafte Werke begehen, opfert Er Ihm seine durchstochenen Hände. Nie begehen wir eine Sünde, ohne dass Er sogleich Seinen himmlischen Vater zu versöhnen sucht, damit wir, wenn wir aufrichtige Reue hegen, die Verzeihung der Sünden erhalten.

Ein Sterbender, der bei der Erinnerung an seine schweren Sünden der Verzweiflung sich überließ, weigerte sich hartnäckig zu beichten. Der heilige Vinzenz von Paul, der dies erfuhr, eilte ihn zu besuchen und sprach, nachdem er eingetreten war: "Mein vielgeliebter Bruder, ihr wisst, dass Jesus Christus für euch gestorben ist, und ihr verzweifelt an Seiner Barmherzigkeit! Ach, wie sehr beleidigt ihr die große Liebe, die Er euch erzeigte!" - Dieser Unglückselige gab dem Heiligen eine Antwort, die kaum der böse Geist gegeben hätte, und sprach: "Ich will als ein Verdammter sterben, um Christus Verdruss zu machen!" - "Ich aber," erwiderte sogleich der Heilige, "will euch von der Verdammnis erretten, um Ihm Freude zu machen!" Und hierauf wendete er sich an die Umstehenden und lud sie ein, den Rosenkranz mit ihm zu beten, um durch die mächtige Fürsprache der Mutter Gottes die Bekehrung eines so verstockten Sünders zu erlangen. Und nicht fruchtlos war das Gebet; die jungfräuliche Mutter des Herrn zeigte Ihre große Macht bei Gott; das verstockte Herz wurde erweicht und vollkommen bekehrt. Dieser Mensch, der nahe daran war, in gänzlicher Unbußfertigkeit zu sterben, legte dem Heiligen seine Beichte ab, und starb den Tod eines heiligen Büßers.

 

Mein Gott, auf Dich hoffe ich, ob ich auch nichts getan habe, das den Himmel verdient. Ich hoffe auf Dich, weil Du mein Vater bist und ich Dein Kind; weil Christus für mich gestorben ist, und ich Dir Seine Verdienste opfere. Ja, Er selbst opfert Sein allerhöchst reines Herz für mich! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 26. Oktober

 

"Gott lässt oft zu, dass der Geist trocken, dunkel und gequält ist,

um uns in einer heiligen Sorge zu erhalten

und in der Tugend Fortschritte machen zu lassen."

 

hl. Katharina von Siena OP

1347 bis 29.4.1380

 

Betrachtung am 26. Oktober - Von der geringen Anzahl der Auserwählten

 

Gerecht und heilig, Herr, ist dein Gericht,

Mild rufst du alle in dein Vaterhaus,

Und die da kommen, führst du in dein Licht;

Die dich nicht hören, schließen selbst sich aus.

 

1. "Gott will," spricht der Apostel, "dass alle Menschen selig werden, und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen!" Der eingeborene Sohn Gottes aber versichert feierlich, "viele sind berufen, und nur wenige auserwählt". Woher dies? Erstens aus dem menschlichen Widerstand, der Gottes liebevolle Absichten vereitelt. Wenn ganze Nationen der Verkündigung der Apostel sich widersetzten, und ihren Nachfolgern noch immer sich widersetzen; - wenn ganze Völker von der Einheit der Kirche sich losrissen, und noch zur Stunde die Augen der Wahrheit verschließen; - wenn so viele Kinder selbst der katholischen Kirche das Irrgerede der Gottlosen anhören, und gegen ihre Mutter sich empören: ist dies nicht ihre eigene Schuld? Und ist Gottes Vorsehung nicht vollkommen gerechtfertigt?

 

2. Die zweite Ursache ist "die Weisheit dieser Welt, die Torheit vor Gott ist". Denn was anderes rät diese törichte Weisheit, als Schädliches suchen, Vergängliches lieben, Heilsames vernachlässigen und Ewiges als nichts achten? Also verschmähten jene vom himmlischen König eingeladenen Gäste diese glänzende Auszeichnung, und gingen ihren Geschäften, ihren Unterhaltungen nach, ja sie misshandelten sogar seine Boten. Ahmen wir aber nicht ihrer Verkehrtheit nach? Ziehen wir unsere zeitlichen Vorteile nicht dem Heil unserer Seele vor? Widerstehen wir Gottes Einladungen nicht beständig, und zürnen denjenigen, die uns ermahnen, seiner Stimme Gehör zu geben, und seinen glorreichen Verheißungen durch treue Befolgung seines heiligen Gesetzes uns würdig zu machen?

 

3. Die dritte Ursache ist unser toter Glaube. Wären wir von Gottes Güte und Gerechtigkeit, von der Würde unserer Seele, von der Ewigkeit der himmlischen Belohnungen durchdrungen, wahrlich, wir würden den vergänglichen Gütern dieser Zeit nimmermehr mit so großer Gier nachstreben. Denn welcher Hungernde greift je nach einem Stein, wenn er durch Brot sich erquicken kann? Oder nach einer Schlange, wenn treffliche Fische ihm vorgesetzt werden? Welcher Mensch auch würde je der Hölle zueilen, wenn er tief von dem Gedanken an den Himmel durchdrungen wäre? Irren wir nicht, und treffen wir eine gute Wahl, dann werden auch wir von Gott auserwählt werden. "Vor dem Menschen ist Leben und Tod, das Gute und das Böse; welches ihm gefällt, das wird ihm gegeben werden." 

 

27. Oktober

 

Der heilige Frumentius von Tyrus, Bischof von Aksum, Abessynien,

+ 4. Jhd. - Fest: 27. Oktober

 

Dreihundert Jahre nach Christus machte ein Gelehrter namens Merope eine Reise nach Indien, um dieses ferne Land kennen zu lernen. Er hatte zwei Jungen bei sich, die mit ihm verwandt waren, und die er in den Wissenschaften unterrichtete. Der eine hieß Frumentius, der andere Edesius. Nachdem Merope in Indien sich genug umgesehen und seine Wissbegierde befriedigt hatte, begab er sich auf ein Schiff und wollte nach Hause reisen. Im Verlauf der Seefahrt nun musste das Schiff einmal in einem Hafen von Äthiopien landen, weil das Trinkwasser und die Lebensmittel ausgegangen waren. Da nun Merope und die übrigen Leute vom Schiff an Land gegangen waren, wurden sie alsbald von den Heiden angefallen und sämtlich ermordet. Nur die beiden Jungen, die von nichts wussten, saßen sorglos unter einem Baum und lernten ihre Lektion. Als die Heiden die Kinder fanden, mögen sie Mitleid über ihre Unschuld gefühlt haben; sie taten ihnen nicht zuleide, sondern führten sie zu dem König des Landes.

 

Der König ließ den fremden Kindern eine sorgfältige Erziehung geben, und da sie hierbei besondere Tauglichkeit zeigten, gab er ihnen bedeutende Hofämter, als sie das entsprechende Alter erreicht hatten. Edesius wurde königlicher Mundschenk, und da Frumentius besonders vielen Geist und Charakter zeigte, wurde er zum Schatzmeister und Staatsschreiber ernannt. Sie standen beide in großer Achtung bei dem König, so lange er lebte und wurden von ihm mannigfach ausgezeichnet. Als er nach einiger Zeit starb, verordnete er, Frumentius und Edesius sollten vollständige Freiheit haben zu tun,