Heilige im Juni

 

1. Juni

 

Der heilige Pamphilus, Priester und Martyrer von Cäsarea,

+ 1.6.307 - Fest: 1. Juni

 

Man kann die Wissenschaft nicht genug schätzen, wenn sie durch die Religion geheiligt ist und Gottes Ehre zum Ziel hat. In dieser Gesinnung widmete sich der heilige Pamphilus der Wissenschaft. Er war der Sohn reicher und angesehener Eltern zu Berytus in Phönizien, bildete sich auf der berühmten Schule seiner Vaterstadt aus und machte solche Fortschritte, dass ihm seine Mitbürger frühzeitig eine der ersten obrigkeitlichen Würden übertrugen. Inmitten dieser Ehren und Güter aber fühlte er sich nicht glücklich; sie vermochten den Durst seiner nach Edlerem verlangenden Seele nicht zu stillen, ihm nicht die wahre Freude und Ruhe zu bringen. Immer schauerlicher wurde ihm in der Nacht des Heidentums, in der er geboren und erzogen war. Weder die Philosophen Roms noch Griechenlands, noch die Priester des Heidentums konnten seine Zweifel lösen und seinen Drang nach Wahrheit befriedigen. Endlich leuchtete auch in seine Finsternis das göttliche Licht; Pamphilus lernte die christliche Religion kennen und fand in Jesus Christus, was ihm seine Kenntnisse und die übrigen Gaben der Welt, die er besaß, nicht hatten geben können. Alsbald entsagte er allem, um sich ausschließlich dem Studium der heiligen Schrift und den Tugendübungen zu weihen. Er reihte sich unter die Schüler des Pierius, der dem Origenes als Lehrer auf der berühmten Schule zu Alexandria nachgefolgt war. Hierauf ließ er sich zu Cäsarea in Palästina nieder und sammelte auf seine Kosten eine beträchtliche Bibliothek, die nach dem Bericht des heiligen Isidor von Sevilla aus dreißigtausend Werken bestand und alle Schriften der Alten enthielt. Er selbst verfasste zur Verteidigung und Verbreitung des christlichen Glaubens mehrere Bücher, die von den Vätern sehr gerühmt werden, aber leider nicht vollständig auf uns gekommen sind.

 

Großes Verdienst erwarb er sich besonders dadurch, dass er zum Besten der Kirche eine vortreffliche Ausgabe der Bibel veranstaltete, die er eigenhändig abschrieb und in mehreren Exemplaren verteilte. Überdies errichtete er in Cäsarea eine öffentliche Schule zur Erklärung der heiligen Schriften. Aus Liebe zu seinem gekreuzigten Heiland nahm er auch die Bürde des Priestertums auf sich und führte ein sehr strenges Leben. Nichts war bewunderungswürdiger als seine Demut; die Liebe zu dieser Tugend gibt er deutlich in der Vorrede zu seinem Auszug aus der Apostelgeschichte zu erkennen. Den Armen schenkte er fast seine ganze väterliche Erbschaft und mit seinen Hausgenossen ging er wie ein zärtlicher Vater um. Zuletzt zog er sich ganz in die Einsamkeit zurück und bereitete sich zur Gnade des Martyrertums vor.

 

Und diese sollte ihm auch zuteilwerden. Im Jahr 307 ließ ihn Urbanus, der Statthalter von Palästina, mit mehreren anderen Gläubigen in den Kerker werfen. Die Begeisterung und Beredsamkeit, mit der Pamphilus in der Gerichtssitzung seinen Glauben verteidigte, steigerte nur die Wut des Tyrannen gegen den Bekenner Christi. Er ließ dem Heiligen nur die Wahl zwischen der Verehrung der Götzen und dem qualvollen Tod. Als Pamphilus in seiner Treue zum Heiland beharrte, ließ der Statthalter seinen Leib mit eisernen Kämmen zerfleischen und ihn dann dem Tod nahe in den Kerker zurückbringen. Die grässlichen Wunden des Heiligen heilten wieder, aber er musste zwei Jahre lang in Ketten im Kerker schmachten. Mittlerweile traf die Hand des Herrn den grausamen Urbanus. Er fiel in Ungnade bei dem Kaiser Maximinus, wurde abgesetzt, durch die Straßen der Stadt geschleift und auf öffentlichem Markt enthauptet. Aber Firmilianus, sein Nachfolger, war derselbe Christenfeind. Er hatte kaum sein Amt angetreten, so ließ er Pamphilus und den Diakon Valens, der die ganze heilige Schrift auswendig wusste, vor seinen Richterstuhl fordern, und als er sie in ihrem Glauben unerschütterlich fand, verurteilte er sie zum Tod. Am 16. Februar 309 wurden die Martyrer enthauptet und starben in seliger Zuversicht. Man ließ ihre Leiber unbegraben, damit sie von den wilden Tieren aufgefressen würden; allein nach Verlauf von vier Tagen fand man sie noch unversehrt. Nun wurden sie von den Christen weggetragen und beerdigt.

 

O Gott, deine unendliche Liebe hat Pamphilus aus der Finsternis zum Licht und zur Krone des Martertums geführt, verleihe uns die Gnade, wie er, den Glauben an dich für unser höchstes Gut zu halten und darin getreu zu leben und zu sterben. Durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Der gottselige Martin Navarrus Azpilcueta,

spanischer Kanoniker, Theologe, Ökonom, regulierter Chorherr,

+ 1.6.1586 – Gedenken: 1. Juni

 

Am 1. Juni des Jahres 1586 ist zu Rom verschieden der weitberühmte Doktor Martinus Navarrus Azpilcueta, Kononikus regularis Ordinis St. Augustini.

 

Er schreibt von sich selber und bekennt, dass er aus folgenden Gründen der Mutter Gottes hoch verpflichtet und verbunden sei:

 

1. Weil er in Unserer Lieben Frau Kirchen ist getauft worden,

2. weil seine Mutter, Maria mit Namen, ihn von der Wiege an der Mutter Gottes aufgeopfert hat,

3. weil er, als er schon für tot gehalten aus einem Fluss gezogen wurde, seine Augen auf Maria richtete und so gerettet wurde,

4. weil er im Jahr 1566 in einer Kartause Unserer Lieben Frau in Spanien todkrank durch der Kartäuser Gebet zur Mutter Gottes binnen drei Tagen seine Gesundheit wiederbekommen hat,

5. weil er an Unserer Frauen Tag in dem adeligen Kloster, Ronkallis genannt, den Habit des Ordens empfangen und angelegt und ein Jahr nachher Profess getan hat,

6. weil er an Unserer Frauen Tag seine erste Messe zu Ehren der Mutter Gottes gehalten hat.

 

Martin hat sehr schöne und der Christenheit nützliche Bücher hinterlassen, unter denen ein Handbuch für Beichtväter vorzüglich zu nennen ist, das die Anerkennung von Seite der Bischöfe, Kardinäle und Päpste erhalten hat. Er schrieb auch viel Schönes von Unserer Lieben Frau Rosenkranz und Bruderschaft.

 

Schon im neunten Lebensjahr bekam er nach damaliger Gewohnheit eine Pfründe, d.h. den Genuss der Einkünfte, und von dem genannten Jahr an bis in sein neunzigstes betete er alle Tage die kanonischen Stunden, unterließ sogar in der Krankheit diese Andacht nicht und fügte nicht selten noch den Psalter oder doch einen Teil von ihm hinzu.

 

Er schreibt, von allen andächtigen Weisen ihn zu beten, habe er folgende als die beste erkannt:

 

1. Bete man das Vaterunser, um sich in die Gegenwart Gottes zu versetzen,

2. beim Ave Maria denke man lebhaft an die Mutter Gottes,

3. vor jedem Zehner des Rosenkranzes soll ein Geheimnis aus den fünfzehn betrachtet werden,

4. am Ende des ersten Zehners wende man sich an die Heiligen Gottes und bete mit Mund und Herz:

„O meine glorwürdige Jungfrau und Mutter Maria, es benedeien dich zu tausend Mal alle Chöre der heiligen Engel, mit denen ich dich einst im Himmel zu sehen und zu verehren hoffe“,

5. am Ende des zweiten Zehners:

„Es benedeien dich zweitausend Mal alle Heiligen des Alten Testaments, die von Adam bis auf Johannes den Täufer gelebt haben, mit denen ich dich einst im Himmel zu sehen und zu verehren hoffe“,

6. nach dem dritten Zehner:

„Es benedeien dich zu dreitausend Mal alle heiligen Apostel und Jünger des Herrn und alle Martyrer, die ihr Blut vergossen und ihr Leben für deinen Sohn gelassen haben, mit denen ich dich einst im Himmel zu sehen und zu verehren hoffe“,

7. nach dem vierten:

„Alle heiligen Beichtväter viertausend Mal, mit denen ich dich einst im Himmel zu sehen und zu verehren hoffe“,

8. nach dem fünften und letzten:

„Alle heiligen Frauen, Martyrinnen, Jungfrauen, Witwen fünftausend Mal, mit denen ich dich einst im Himmel zu sehen und zu verehren hoffe“.

 

Das Gelübde der Armut hielt er so streng, dass er trotz der päpstlichen Erlaubnis, der gemäß im Kloster Ronkavall einiges an Besitztum gestattet war, doch nichts Eigenes haben wollte. Die Jungfräulichkeit hat er mit sich gen Himmel genommen. Allzeit hat er schlicht und nüchtern gelebt und noch im achtzigsten Jahr seines Lebens die Fasten so streng gehalten, dass er erst nach Sonnenuntergang die Fastenspeisen genoss. Er hatte Gott allzeit und allenthalben in allen Dingen vor Augen und sprach gar oft: „Gott ist bei uns, der uns sieht und hört.“ Er lehrte auch Jedermann, so zu tun und stets an Gott zu denken, was besonders dadurch leicht geschehen kann, dass man öfter den Psalmvers betet: „Herr komm mir zu Hilfe, Herr eile mir zu helfen!“ Dem Schlaf gab er nicht über fünf Stunden, die übrige Zeit brachte er bei Tag und Nacht mit Studieren, Lesen, Beten, Betrachten und Lehren zu. Als ihm vornehme Herren und gute Freunde zuredeten, er sollte sich in seinem hohen Alter mehr schonen, besser pflegen und von seiner Strenge ein wenig nachlassen, gab er diese freundliche Antwort: „Das wäre wohl ein schöner Handel, wenn ein Läufer von seinem besten Lauf nachlassen würde, da er schon nahe am Ziel steht.“

 

Martin Navarrus Azpilcueta war ein Verwandter des heiligen Franz Xaver. Er erhielt einen Abschluss in Theologie in Alcala und 1518 einen Doktortitel in kanonischem Recht in Toulouse. Ab 1524 war er an mehreren Lehrstühlen für kanonisches Recht an der Universität von Salamanca tätig. Auf Einladung des portugiesischen Königs lehrte er von 1538 bis 1556 an der Coimbra-Universität in Portugal. Im Alter von achtzig Jahren ging er nach Rom, um seinen Freund Bartolomeo Carranza, Erzbischof von Toledo, vor dem Tribunal der heiligen Inquisition zu verteidigen. Obwohl er dabei erfolglos blieb den Erzbischof zu entlasten, wurde er in Rom wegen seiner Gelehrtheit von mehreren Päpsten hochgeehrt. Seine Demut und seine Nächstenliebe waren vorbildlich. Er starb im Alter von 93 Jahren in Rom. 

 

Der heilige Justin der Märtyrer, Philosoph und Kirchenvater,

+ 1.6.165 – Fest: 1. Juni

 

Justin wurde um das Jahr 100 nach Christ Geburt zu Sichem im Heiligen Land als der Sohn eines griechischen Siedlers geboren. Die Eltern waren Heiden und erzogen den Sohn im heidnischen Glauben. Als Justin älter wurde, fand er durch eigenes Nachdenken, dass in der Götterlehre manches nicht stimmen könne. Um sich besser zu unterrichten, verließ der junge Mann die Heimat und suchte in den Städten weit und breit die berühmtesten Lehrer der Zeit auf, um von ihnen Weisheit zu erlernen. Bei keinem jedoch fand er die letzte Wahrheit, und überall zeigten sich seinem scharfdenkenden Geist Widersprüche und Ungereimtheiten, und schon wollte er die Hoffnung aufgeben, je die Wahrheit zu finden.

 

Da wandelte Justin einst sinnend am Ufer des Meeres, und es geschah, dass er einem würdigen Greis begegnete, mit dem er ins Gespräch kam. Ein Wort gab das andere, bis sich Justin schließlich als Wahrheitssuchender ausgab, der die Wahrheit nicht finden könne. Da forderte ihn der alte Mann, von dem niemand je erfuhr, wer er war, woher er kam, und wohin er ging, zum Beten auf und wies ihn an, die alten Schriften der Juden und das Evangelium Jesu Christi zu lesen, denn dort sei die Wahrheit zu finden. Mit diesen Worten empfahl sich der Greis und wurde nie mehr gesehen.

 

Justin befolgte den Rat des Alten, und es fiel ihm wie Schuppen von den Augen. Aus der Heiligen Schrift hob er wie aus einem tiefen Schacht das lautere Gold der Wahrheit. Um jedoch ganz sicher zu gehen, verglich Justin als vernünftiger und vorsichtiger Mann die Lehre der Christen mit dem Leben der Christen, die sich damals, vielfach im Gegensatz zur heutigen Zeit, fast ausnahmslos treu und eifrig als Christen auch betätigten. Justin beobachtete, wie innig sie zu beten verstanden, wie sie einander liebten und sich gegenseitig aushalfen und wie unerschrocken sie für den Glauben starben.

 

Da ließ Justin sich taufen und wurde ein Edelchrist, von der Fußsohle bis zum Scheitel, dem es nicht genug war, für sich selbst den Glauben gefunden zu haben, den es vielmehr drängte, auch andere zu Christus, der Quelle der Schönheit und Güte, hinzuführen. Ohne die Priesterweihe empfangen zu haben, zog Justin als Wanderlehrer von Stadt zu Stadt, und weil sein Wort einer tiefen Gelehrsamkeit entsprang, fand er vornehmlich bei den gebildeten Leuten Verständnis und Anklang. Manchen aus ihren Reihen verschaffte er die Gnade der Bekehrung zum Glauben. Auch nahm Justin die Feder in die schreibgeübte Gelehrtenhand und verfasste eine Reihe von Schriften zur Verteidigung des Christentums, die einen nachhaltigen Einfluss ausübten. So wurde durch Justin, wie der Apostel sagt, die Weisheit der Welt zur Torheit gemacht, während sich nach den Worten des Kirchengebetes die Torheit des Kreuzes als überragende Wissenschaft offenbarte. Schließlich besiegelte Justin seinen Glauben mit dem Martertod.

 

 

In der dieser Legende ist besonders die Tatsache zu beachten, dass der heilige Justin nicht nur durch die Lehre, sondern auch durch das vorbildliche Leben der damaligen Christen zum wahren Glauben gelangte. 

 

Gebet nach dem heiligen Bernhard am 1. Juni

 

Mutter der Barmherzigkeit, Mittlerin bei Jesus, der Sonne der Gerechtigkeit, siehe, vor dem furchtbaren Richter stehe ich armer Sünder, vor ihm, dessen zornentflammtes Schwert über meinem Haupt schwebt. Wer wird dieses Schwert von mir abwenden? Dazu ist niemand geeigneter als du, geliebteste Tochter des himmlischen Vaters, denn durch dich hat das sündige Menschengeschlecht zuerst Gnade und Barmherzigkeit aus der Hand Gottes empfangen. So öffne denn, o Mutter der Barmherzigkeit, öffne die Pforten deines milden Herzens und erhöre mein Seufzen, das ich voll Vertrauen zu dir richte. Zu dir, o Königin, erhebe ich meine Augen, zu dir rufe ich mit zerknirschtem Herzen, dass du besänftigst den Zorn deines Sohnes, meines Herrn, den ich durch meine Sünden entflammt habe und mir seine Huld und Gnade neuerdings erwirbst. O Maria, meine Mutter, meine Zuflucht, vertrauensvoll lege ich meine Sache in deine Hände und hoffe zuversichtlich, dass du mir im Leben und Sterben eine rettende Arche sein wirst. Amen. 

 

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Krispin

 

Wir bitten Dich, o Gott, verleihe uns, auf die Fürbitte Deines heiligen Bischofs Krispin, dass wir alle gleich gesinnt, ein Herz und eine Seele sein mögen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Zu Gott

 

O Gott, lass das Reich der Wahrheit zu uns kommen, und gib, dass wir als Glieder dieses Reiches nach unseren Kräften zu seiner Erweiterung beitragen, damit wir verdienen, einst in das Reich des Himmels aufgenommen zu werden, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

An diesem Tag wurde ihr im Jahr 553 der Titel und die Eigenschaft einer Mutter Gottes im Allgemeinen Kirchenrat zu Konstantinopel wieder bestätigt. Das Dekret lautet kurz so: "Wer da sagt, dass die heilige und allzeit glorwürdige Jungfrau Maria nicht in Wahrheit, sondern aus Missbrauch eine Mutter Gottes sei, oder sie die Mutter eines Menschen oder Christotocon, das ist, die Gebärerin Christi nennt, als wenn Christus nicht Gott wäre, und als wenn das heilige Konzil sie nicht als eigentliche und wahre Mutter Gottes anerkennen würde, weil das Wort Gottes vor allen Zeiten aus Gott geboren und in den letzten Zeiten Mensch geworden ist und aus ihr geboren wurde, und wer endlich nicht glaubt, dass das heilige Konzil von Chalcedon sie als Mutter Gottes aberkannt habe, der sei verflucht."

 

Andacht am 1. Juni:

 

Das Thema im Juni:

Vom Gehorsam

"Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen." (Matthäus 23,3)

 

"Alle sind von Natur geneigt, zu befehlen, und abgeneigt, zu gehorchen; und doch ist es gewiss nützlicher zu gehorchen als zu befehlen. Darum auch gehorchen vollkommene Seelen so gern, und kennen nichts Angenehmeres als den Gehorsam." (Der heilige Franz von Sales)

Oft dankte die heilige Theresia von Avila dem Herrn für das Verlangen, dass Er ihr eingeflößt hatte, gern zu gehorchen. Die Ausübung dieser Tugend erfüllte sie mit dem reichlichsten Trost.

Die heilige Magdalena von Pazzi fand eine so große Wonne darin, allen zu gehorchen, dass sie fürchtete, die Freude, die sie dabei empfand, benähme ihr das Verdienst des Gehorsams. Sie beschränkte sich nicht darauf, ihrer Oberin genau zu gehorchen, sondern sie ordnete sich sogar ihren Gefährtinnen unter, ja selbst denen, die unter ihr standen. Eine darunter bat sie der geringsten Kleinigkeit wegen um Erlaubnis.

 

Verleihe mir, mein Gott, dass ich gerne gehorche, nichts über den Gehorsam liebe, und alles aus Gehorsam tue! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 1. Juni

 

"Welch strenge Verurteilung unserer Weichlichkeit

und unseres Kleinmutes ist das Beispiel so vieler Martyrer,

die das Himmelreich durch Qualen jeglicher Art erobert haben."

 

hl. Ludwig von Granada OP

1504 bis 31.12.1588

 

Betrachtung am 1. Juni - Das innerliche Gebet

eine Schule des Heiligen Geistes

 

Herr, wunderbar sind deine Lehren.

Sie sind des Heiles Wissenschaft,

Und geben mit dem Licht die Kraft,

Die Seelen wahrhaft zu bekehren.

 

1. Sei achtsam gegenüber der Stimme deines Gottes. Jesaja 48,17: "So spricht der Herr, dein Erlöser, der Heilige Israels: Ich bin der Herr, dein Gott, der dich lehrt, was Nutzen bringt, und der dich auf den Weg führt, den du gehen sollst." Er ist es, der im innerlichen Gebet dich unterweist und lehrt, dich selbst überwinden, deine ungeordneten Begierden ordnen, heilige Tugenden üben, und mit ihm dich vereinigen. Dies sind fürwahr höchst nützliche Dinge, da sie zum ewigen Leben helfen. Und je aufmerksamer du diese Lehren mit dem innerlichen Ohr deines Herzens anhörst, um so mehr wirst du im Geist zunehmen. Wie lange gehst du schon in diese heilige Schule, und welche Fortschritte machst du in ihr?

 

2. Aber nicht nur durch Worte, auch durch Beispiele lehrt dich der Herr, dein Gott. Dich zu lehren kam er von den himmlischen Höhen, und keine Tugend lehrt er dich, zu keinem Werk ermahnt er dich, das du in seinem heiligsten Leben nicht vollkommen ausgedrückt schauen konntest, so dass du in allen Ereignissen deines Lebens Beispiele zur Nachahmung darin findest. Darum auch ruft er allen seinen Schülern zu "Lernt von mir". Sieh, wie so viele Heilige und Gerechte von ihm lernten. Von ihm lernten die jungfräulich Lebenden die Reinheit, die Leidenden Geduld, und allen Heiligen die Heiligkeit. Wie lange wirst du noch hinter so vielen deiner Mitschüler zurückbleiben.

 

3. Ein großer Unterschied auch ist zwischen seiner Schule und den Schulen der Menschen. Denn Menschen können wohl lehren, aber weder können sie Verstand, noch die Kraft verleihen, das Erlernte zu vollbringen. Der Herr aber spricht im Psalm: "Ich werde dir Verstand geben". Er erleuchtete den Sinn vieler einfachen Menschen, dass sie himmlische Geheimnisse erkannten, die den Weisen und Klugen dieser Welt verborgen sind. Er kräftigte Kinder, Jungfrauen und Greise zu Tausenden, seine heilige Lehre mit ihrem Blut zu besiegeln. Er kräftigt auch jeden Tag innerlichen Seelen, die Tugenden vollkommen zu üben, die ihnen im Gebet eingibt. So liebe denn das innerliche Gebet, und du wirst schnell eine hohe Vollkommenheit erreichen. Psalm 69,14: "Ich aber bete zu dir, Herr, zur Zeit der Gnade. Erhöre mich in deiner großen Huld, Gott, hilf mir in deiner Treue."

 

2. Juni

 

Der heilige Erasmus, Bischof und Martyrer in Kampanien, Italien,

+ 2.6.303 - Fest: 2. Juni

 

Der heilige Bischof Erasmus wurde in der Verfolgung des Kaisers Diocletian für das Bekenntnis seines Glaubens an Jesus gegeißelt und mit Prügeln und Bleikolben geschlagen. Weil der heidnische Richter durch diese Qual die Standhaftigkeit des heiligen Bischofs nicht erschüttern konnte, ließ er ihn in einen Kessel setzen, in dem Wachs, Pech, Harz und Schwefel gesotten wurden; aber Gott erhielt den heiligen Blutzeugen in dieser Pein ganz unverletzt. Dieses Wunder überzeugte den größten Teil der Zuschauer von der Wahrheit des christlichen Glaubens. Erbittert über die Standhaftigkeit des Heiligen und über den Eindruck, den dessen Erhaltung auf das Volk machte, ließ der unmenschliche Richter den heiligen Bischof mit schweren Ketten fesseln und in einen engen Kerker werfen, und verbot der Wache bei Todesstrafe, ihm Speise oder Trank zukommen zu lassen. Aber gegen Mitternacht wurde der Kerker mit einem wunderbaren Glanz und den lieblichsten Gerüchen erfüllt, und ein Engel erschien, brach die Bande des Blutzeugen, und sprach: "Auf, Erasmus! Folge mir. Du sollst noch viele zu Christus bekehren.“ Der Heilige folgte ihm und kam nach Lukrinum, einer Stadt in Apulien. Hier bewies er sich wieder groß in Wort und Tat und wirkte viele Wunder und viele Heiden nahmen die Lehre Jesu an.

 

Der Ruf dieser Taten verbreitete sich bis zu den Ohren des Kaisers Maximian. Dieser ließ den Heiligen vorfordern; verlangte, dass er den Götzen opfere; ließ ihn auf sein Weigern auf den Mund schlagen, und ihm dann einen glühenden Panzer von Eisen anziehen. Da der Heilige von dem glühenden Panzer keine Verletzung erhielt, ließ ihn der wütende Verfolger in einen Kessel werfen, in dem Blei, Pech, Harz und Öl gesotten wurden. Aber da der Allmächtige, der Daniels Freunde im fürchterlichsten Feuerofen erhalten hat, den heiligen Erasmus auch in diesem Kessel ganz unversehrt erhielt; ließ ihn der Kaiser in das Gefängnis werfen, - nicht um ihm eine Ruhe zu gewähren, sondern um nachzudenken, wie er den Martyrer aufs neue peinigen und durch Peinen zum Götzendienst bewegen könnte. Aber die Hoffnung des Tyrannen wurde enttäuscht. In der folgenden Nacht löste ein Engel des Martyrers Bande und führte ihn an das Ufer des Meeres. Eben stand ein Schiff im Begriff abzufahren; der Heilige stieg ein und kam nach Formiä, unweit dem heutigen Gaeta. Da arbeitete er aufs Neue mit apostolischem Eifer und starb dann dort im Frieden, um die Krone für seine Arbeiten und Leiden von Jesus Christus zu empfangen im Jahr 303.

 

Herr! Lieber alles, selbst das Leben verlieren, als den wahren Glauben, den uns dein Sohn vom Himmel brachte. Doch wir werden ihn verlieren, oder er wird uns wenigstens unnütz sein, wenn wir nicht treu danach leben. Hilf uns also, dass wir im Werk erfüllen, was wir mit dem Mund bekennen. Wir bitten darum durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Der heilige Nicephorus, Patriarch und Bekenner von Konstantinopel,

+ 2.6.828 – Fest: 2. Juni

 

Theodor, der Vater des Nicephorus, war Geheimschreiber des Kaisers Konstantin Kopronymus. Allein seine unwandelbare Anhänglichkeit an die Lehre der Kirche hinsichtlich der Heiligenbilder, zerstörte sein zeitliches Glück, und zog ihm den Verlust seiner Stelle am Hof von Konstantinopel zu. Der Fürst, vor Wut entbrannt, da er in seinem Diener einen so unbesiegbaren Kämpfer gegen die Gottlosigkeit der Bilderstürmer, für deren Partei er sich erklärt hatte, fand, nahm eine grausame Rache an ihm, denn er beraubte ihn seines Amtes, und verwies ihn, nach schrecklichen Folterqualen, in das Elend.

 

Der junge Nicephorus, der unter den Augen seines Vaters erzogen wurde, wuchs mit jedem Tag an Alter und Weisheit, und wurde immer mehr zur Tugendübung angefeuert durch die häuslichen Beispiele, die er ohne Unterlass zu beobachten Gelegenheit hatte.

 

Da ihm der Tod frühzeitig seinen Vater entrissen hat, fuhr Eudoxia, seine Mutter, fort, sorgfältig die glücklichen Anlagen ihres Sohnes auszubilden. Sie leitete ihn zur Gottseligkeit, während verschiedene Lehrer seinen Geist in den wissenschaftlichen Gegenständen ausbildeten. Kaum trat Nicephorus in die Welt, als er sich durch seine Tugend und seine vielseitigen Kenntnisse gleich die allgemeine Achtung erwarb. Der Ruf von seinem Verdienst kam bis an den Hof von Konstantinopel. Konstantin und seine Mutter Irene, die damals dem Reich vorstanden, und voll des Eifers waren für die reine Lehre, schenkten ihm ihr Vertrauen und übertrugen ihm das Amt, das sein Vater unter Konstantin Kopronymus bekleidet hatte. Er entsprach vollkommen den Erwartungen des Kaisers, indem er mit außerordentlicher Gewandtheit allen Geschäften seines Amtes vorstand. Allein er begnügte sich nicht damit, dem Staat durch seine Fähigkeiten zu dienen, sondern arbeitete auch mit allen Kräften zur Verteidigung des Glaubens und an der Ausrottung der Ketzerei der Bilderstürmer. Er zog die Bewunderung der Vater des 7. Allgemeinen Konzils auf sich, dem er als kaiserlicher Bevollmächtigter beiwohnte.

 

Wegen dieses Eifers für die rechtgläubige Lehre, mit dem er nebst einer seltenen Gelehrsamkeit große Tugenden verband, hielt man ihn für würdig, dem heiligen Tarasius, der 806 starb, auf den Patriarchalstuhl von Konstantinopel nachzufolgen. Die Kirche musste, wie der Erfolg zeigte, durch eine solche Wahl viel gewinnen. Nicephorus gab an dem Tag seiner Weihe den unzweideutigsten Beweis der Reinheit seines Glaubens, und seines Abscheus gegen die Gottlosigkeit der Zeit. Er hielt, während der ganzen Zeremonie, eine Schrift in der Hand, die er zur Verteidigung der Heiligenbilder aufgesetzt hatte, und legte sie dann hinter dem Altar in Verwahrung, als ein Unterpfand des Versprechens, das er getan habe, die Überlieferung der Kirche bis in den Tod rein zu erhalten.

 

Kaum hatte er den patriarchalischen Stuhl bestiegen, als er Hand anlegte, die Sitten in seinen Sprengel zu verbessern, und dieses konnte er ausführen mit dem besten Erfolg, da er die Kraft des Beispiels mit den Ermahnungen verband. Er war unermüdlich in Erfüllung seiner Amtsverrichtungen. Sanftmut und Geduld waren die Hauptwaffen, die er gegen das Laster anwandte. Und er bediente sich ihrer nicht ohne Nutzen. Allein die Ehre, die Sitten seiner Pflegeempfohlenen so ganz umgewandelt zu haben, stand bei weitem dem Ruhm nach, den er durch die unerschütterliche Standhaftigkeit erlangte, mit der er die von den Feinden des Glaubens gegen ihn erregten Verfolgungen erduldete.

 

Da Leo der Armenier, Statthalter von Natolien, im Jahr 813 zum Kaiser ausgerufen wurde, geriet die Kirche in neue Verwirrungen. Dieser Fürst, der sich gänzlich von den Bilderstürmern leiten ließ, sann nur auf Mittel ihre Irrtümer auszubreiten. Ränke, Verstellung, Gewalttätigkeit, alles war ihm willkommen, wenn er nur seinen Zweck dadurch erreichen konnte. Da er wohl fühlte, welches Gewicht unter den Rechtgläubigen der Patriarch Nicephorus habe, wandte er alles an, ihn auf seine Seite zu ziehen. Allein der heilige Oberhirt ließ sich ebenso wenig bewegen durch seine Schmeicheleien, als durch seine Drohungen: „Fürst,“ sagte er zum Kaiser, „deine Bemühungen sind unnütz. Wir können die alten Überlieferungen nicht ändern. Wir verehren die Heiligenbilder, wie das Kreuz, und das Evangelienbuch". Gegen diese Schlussfolge konnte wirklich nichts eingewendet werden, denn da die ersten Bilderstürmer wirklich zugaben, dass man das Kreuz und Evangelienbuch verehren könne, mussten sie auch folgerichtig eingestehen, dass man die Heiligenbilder verehren dürfe, weil auf beiden Seiten nur eine, auf den Vorgestellten sich beziehende, Verehrung stattfinden kann. Allein es ist nicht selten, die Ketzer mit sich selbst im Widerspruch zu sehen. Die edelmütige Antwort Nicephorus war mit einer kurzen, aber bündigen Rechtfertigung des katholischen Glaubens begleitet. Er zeigte darin, dass die Rechtgläubigen in nichts die der Gottheit schuldige Ehre verletzen, weil die Verehrung, die sie den Engeln, den Heiligen und Propheten erzeigen, sich auf Gott beziehe. „Dasselbe gilt auch“, fügte der heilige Patriarch bei, „von der Verehrung, die wir für die leblosen Dinge haben, die zum Gottesdienst gebraucht werden, als da sind, die Tempel, geheiligte Gefäße und Bilder.“

 

Der Kaiser, der ohnehin ein gebieterischer Mann war, wurde über diese Widersetzlichkeit aufgebracht, und bediente sich einer List, die er wirksamer glaubte, als die von ihm bisher gebrauchten Mittel. Er befahl heimlich einigen Soldaten, ein Bildnis Christi, das an dem großen Kreuz hing, das man an einem der Stadttore aufgepflanzt hatte, mit Verachtung wegzuschleppen. Da dieses geschehen war, verbot er, ein anderes an des vorigen Stelle zu setzen, unter dem Vorwand, eine ähnliche Entheiligung zu verhindern. Der Patriarch sah wohl, dass der Kirche ein heftiger Sturm drohe, allein er ließ den Mut nicht sinken. Voll des Vertrauens auf Gott verdoppelte er seine glühenden Gebete, ermahnte die Katholiken, standhaft zu bleiben, versammelte mehrere fromme Personen um sich, und machte sich auf jedes Ereignis gefasst.

 

Da Leo von den Vorkehrungen des Patriarchen Kunde erhielt, versammelte er einige bilderstürmerische Bischöfe in seinem Palast, und ließ Nicephorus sagen, er solle sogleich mit jenen seiner Brüder, die es mit ihm hielten, da erscheinen. Der heilige Patriarch gehorchte, und begab sich mit mehreren anderen katholischen Bischöfen in den Palast. Als sie vor den Kaiser kamen, beschwuren sie ihn, er möge sich doch nicht in die Leitung der Kirche mischen, sondern sie jenen überlassen, welche Christus als Hirten aufgestellt habe. „Wenn die fragliche Angelegenheit eine kirchliche ist,“ sagte Aemilian von Cyzicum (Chizico), „so verhandle man sie, der Gewohnheit gemäß, in der Kirche, und nicht in dem Palast.“ Euthymius von Sardes nahm dann das Wort, und setzte noch bei: „Seit mehr als acht Jahrhunderten, wo Jesus auf die Welt gekommen ist, malt man ihn ab, und betet ihn in seinem Bildnis an. Wer sollte so kühn sein, eine Gewohnheit abzuschaffen, die sich auf eine so alte Überlieferung stützt.“ Nach diesen sprach der heilige Theodor Studita zum Kaiser: „Verwirre die Ordnung der Kirche nicht. Gott hat in derselben Apostel, Propheten, Hirten und Lehrer aufgestellt, von den Kaisern aber hat er nicht geredet. Dir ist die Regierung des Staates anvertraut, und die Leitung der Kirche den Hirten.“ Leo, vor Wut außer sich, jagte die katholischen Bischöfe hinaus, und verbot ihnen, ferner vor seinem Angesicht zu erscheinen. Vor allem sann er auf Mittel, Nicephorus in den Untergang zu stürzen, und es gelang ihm auch bald, sie zu finden.

 

Die bilderstürmerischen Bischöfe versammelten sich im kaiserlichen Palast, und hielten ein Konzil, vor den sie dem heiligen Nicephorus zu erscheinen befahlen. Allein der Patriarch stellte sich nicht ein, weil die Vorladung nicht kanonisch war. Er antwortete bloß jenen, die ihm dieselbe bekannt zu machen beauftragt waren: „Wer hat euch diese Gewalt gegeben? Der Papst oder einer der anderen Patriarchen? Ihr habt in meiner Diözese keine Gerichtsbarkeit.“ Dann las er ihnen den Kanon vor, der den Bannfluch gegen jene ausspricht, die es wagen, irgendeine Handlung der Gerichtsbarkeit im Sprengel eines anderen Bischofs auszuüben. Hierauf befahl er ihnen, sich zu entfernen. Diese Antwort hätte die Anhänger des Irrtums schüchtern machen sollen. Allein die Ketzerei achtet keine Kirchengesetze, als nur insoweit sie dieselben zur Erreichung ihrer Absichten missbrauchen kann. Die bilderstürmerischen Bischöfe setzten ihre Versammlung fort, und fällten ein Absetzungsurteil gegen Nicephorus. Der Kaiser, um seinen Hass zu befriedigen und das Maß der Ungerechtigkeit voll zu machen, schickte ihn hierauf in die Verbannung. Glücklich war der Heilige noch, dass er den Nachstellungen, die heimlich seinem Leben bereitet waren, entging.

 

Michael der Stammler, der Kaiser Leo im Jahr 820 nachfolgte, begünstigte wie er die Bilderstürmer, und verfolgte die Katholiken. Auch Nicephorus musste unter ihm im Elend schmachten, bis er endlich am 2. Juni 828, im Kloster zum heiligen Theodor, das er erbaut hatte, starb. Er war ungefähr 70 Jahre alt, deren er beiläufig 14 in der Verbannung zugebracht hatte. Sein Leib wurde im Jahr 846 auf Befehl der Kaiserin Theodora nach Konstantinopel gebracht. Diese Übertragung fand statt am 13. März, an welchem Tag sein Name auch im römischen Martyrologium steht.

 

Gott schickte seinen Dienern aus großer Barmherzigkeit Prüfungen und Leiden zu, und indem er auf diese Weise ihre Tugend übt, läuterte er ihre Seelen, und erhebt sie auf jene Stufe von Vollkommenheit, die er von seinen Auserwählten fordert. Diese Leiden haben eine weit größere Wirksamkeit, als alle Übungen der Gottseligkeit. Lassen wir daher den Mut nicht sinken, wenn Krankheiten, Widerwärtigkeiten und Verfolgungen uns hindern, das beabsichtigte Gute zu tun, und uns die Erfüllung unserer Standespflichten unmöglich machen. Gott ist mit dem guten Willen zufrieden, wofern er mit einer unbedingten Unterwerfung gegen seine Fügungen begleitet ist. Geben wir uns ihm ohne Rückhalt hin, er liebt uns unendlich mehr als wir uns selbst lieben, und er weiß viel besser, als wir, was uns zuträglich ist. Wenn er uns Trübsale zuschickt, oder zulässt, dass wir das Schlachtopfer der Bosheit oder Ungerechtigkeit der Menschen werden, so geschieht dieses, weil er uns auf dem Weg des Kreuzes zu sich führen will, weil er uns jene köstliche Gleichförmigkeit mit seinem Sohn geben will, in der wir ein sicheres Unterpfand der ewigen Herrlichkeit haben, weil er uns Mittel geben will, unsere Sünden zu sühnen, unser Herz von allem Irdischen loszutrennen, unsere Schwachheit und Armseligkeit einsehen zu lernen, misstrauisch zu werden auf unsere Kräfte, und all unser Vertrauen auf ihn allein zu setzen. Was gibt es tröstlicheres für eine leidende Seele, als in ihrem Elend den offenbarsten Beweis der Liebe ihres Gottes zu finden – zu denken, sie bedürfe, um sich zu heiligen, nur der Geduld und Ergebung in den göttlichen Willen.

 

Die heilige Blandina von Lyon, Jungfrau und Märtyrin,

+ 2.6.177 – Festtag: 2. Juni

 

Noch in den Tagen der Apostel begannen im römischen Weltreich die blutigen Christenverfolgungen, die ihre stürmischen Wogen dreihundert Jahre lang durch alle Lande trugen. Unter den glorreichen Blutzeugen Christi ist auch das zarte Frauengeschlecht durch eine leuchtende Schar heldenmütiger Bekennerinnen vertreten. Ja die Einzelheiten, die uns durch echte und wahre geschichtliche Berichte gerade über den Leidenstod mehrerer christlichen Märtyrinnen überliefert sind, gehören zu den ergreifendsten Szenen jenes Kampfes, den die heidnische Staatsgewalt gegen das junge, wehrlose Christentum führte. Zu dieser Heldenschar christlicher Blutzeuginnen gehört auch die heilige Jungfrau Blandina, eine christliche Sklavin von Lyon.

 

Blandina war ein Zweiglein der kaum erblühten Kirche des südöstlichen Frankreichs (Gallien). Diese Kirche musste unter dem Kaiser Mark Aurel im Jahr 177 durch eine blutige Taufe hindurchgehen. Die Gemeinden von Vienne und Lyon haben selbst in einem ausführlichen, beim Geschichtsschreiber Eusebius erhaltenen Schreiben an die befreundeten Kirchen Kleinasiens und Phrygiens eine wahrheitsgetreue und ergreifende Darstellung der schweren Prüfungen gegeben, die über sie hereinbrachen. Unter der heidnischen Bevölkerung war es zum völligen Aufruhr gegen die Christen gekommen. Die gemeinsten Verbrechen wussten leichtfertige Anklagen und böswillige Verleumdungen ihnen anzudichten, um die Volkswut gegen sie zu entfesseln. Wo sie sich öffentlich zeigte, wurden sie mit Beschimpfungen und Drohungen, Tätlichkeiten und Misshandlungen überhäuft. Selbst in ihre Häuser drang der wütende Pöbel vielfach ein und verwüstete und plünderte sie. Statt den Aufruhr zu steuern, schürten die Behörden das Feuer. Sie setzten zahlreiche Christen gefangen, um sie dem römischen Statthalter bei seiner Ankunft zur Verurteilung auszuliefern, unter ihnen die jugendliche Sklavin Blandina, die zugleich mit ihrer Herrin im Kerker schmachtete. Gerade von Sklaven und Sklavinnen suchte man durch Anwendung grausamer Marter das Geständnis jener Verbrechen zu erpressen, die man den Christen zur Last legte. So kam es, dass Blandina, wie jenes Gemeindeschreiben ausdrücklich hervorhebt, besonders unmenschlichen Folterqualen unterworfen wurde. Doch statt des gewünschten Geständnisses gab sie auf alle Fragen nur die eine Antwort: „Ich bin Christin, bei uns geschieht nichts Böses.“

 

Ihre Gebieterin und die übrigen Mitgefangenen waren tief bekümmert, sie möchte sich, da sie klein und schwächlich war, den furchtbaren Folterqualen nicht bis zum Ende gewachsen fühlen. Doch wie staunten sie und priesen sie Gott, als sie jede neue Pein mit neuer Standhaftigkeit und Opferfreude überstand. „Durch sie“, bemerkt mit Recht der Bericht, „tat Christus kund, dass das in den Augen der Welt Niedere und Unscheinbare und Verächtliche von Gott der höchsten Ehre gewürdigt wird ob der übergroßen Gottesliebe, die in Macht und Kraft sich erweist und nicht mit eitlem Schein prunkt.“ Die Folterknechte quälten sie mit allen erdenklichen Folterarten und Foltergraden von der Frühe bis zum Abend. Sie mussten schließlich aufhören, weil der Leib der Dulderin bereits ganz zerfetzt und zerrissen war. Erstaunt fragten sie sich, wie es denn möglich sei, dass sie nach solchen Foltern überhaupt noch leben konnte. Doch es schien, als ob in den Feuergluten ihrer Christusliebe jeder noch so brennende Schmerz von außen untergegangen, als ob aus dieser Christusliebe mit jeder Folter neue Kraft zu deren Überwindung zugeströmt wäre.

 

Die Martyrer wurden wiederum in den Kerker zurückgebracht. Ohne Licht und Luft, ohne Ruhe und Schlaf mussten sie, die Füße in unnatürlicher Lage in die Löcher eines Balkens eingezwängt und eingeschraubt, die qualvollen Stunden in den dumpfen Gelassen zubringen. Viele von ihnen starben an den Folgen der Martern. Darunter auch der neunzigjährige Bischof Pothinus. Vor den Richter geschleppt, war er zuvor nach dem Verhör von der tobenden Menge ergriffen, mit Fäusten geschlagen und mit Füßen getreten, sodann halbtot ins Gefängnis eingeliefert worden.

 

Von den am Leben gebliebenen wurden mehrere dazu verurteilt, im Amphitheater zur Augenweide des Volkes den wilden Tieren vorgeworfen zu werden. Zu ihnen zählte Blandina. Während zwei ihrer Leidensgenossen von den Bestien zerfleischt wurden, stand sie mit ausgespannten Armen an einen Pfahl gebunden und betete mit lauter Stimme. Die übrigen glaubten in ihr die Gestalt des Gekreuzigten zu erblicken, der sie zur Standhaftigkeit im Leiden ermuntere. Keine der Bestien berührte die Heilige. Sie wurde daher in den Kerker zurückgeführt. Ihr Beispiel sollte noch länger die Glaubensbrüder zum Ausharren im Martyrium bestärken.

 

Am letzten Tag der Schauspiele wurde Blandina zusammen mit Pontikus, einem fünfzehnjährigen Knaben, wiederum ins Amphitheater geschleppt. Beide blieben standhaft. In der rührendsten Weise sprach die starkmütige Blandina dem Pontikus inmitten seiner Marter Trost und Mut zu, bis er unter den Händen seiner Peiniger den Geist aushauchte. Sie selbst wurde, nachdem sie mancherlei neue Qualen erduldet hatte, in ein Netz gespannt und einem wütenden Stier vorgeworfen. Dieser stürzte mehrmals auf sie los und schleuderte sie mit den Hörnern in die Luft. Ein Dolchstich in die Kehle machte dem grausamen Schauspiel ein Ende.

 

Die Leichen der heiligen Blutzeugen blieben sechs Tage unbeerdigt liegen. Sodann wurden sie auf einem Scheiterhaufen verbrannt und ihre Asche, um sie der Verehrung der Christen zu entziehen, in die Rhone geworfen.

 

Die Wut der Feinde hatte noch den letzten Erdenrest der heiligen Martyrer vernichtet. Den Lohn des Himmels und die Hoffnung der Auferstehung konnten sie ihnen nicht rauben. Welcher Trost für die ganze Kirche und für jeden einzelnen Bekenner Christi, der „um der Gerechtigkeit willen Verfolgung leidet“. Denn „fürchte nicht die, die den Leib töten, die Seele aber nicht töten können, sondern fürchte vielmehr den, der Leib und Seele ins Verderben der Hölle stürzen kann“ (Mt 10,28).

 

Gebet am 2. Juni

 

Wenn mich der Gedanke an meine Sünden und an die göttliche Gerechtigkeit mit Schrecken erfüllt, so fühle ich mich alsbald von einer neuen Hoffnung beseelt, wenn ich bedenke, dass du Maria, meine Mutter bist. Erlaube mir denn, dass ich dich meine Mutter, meine liebenswürdigste Mutter nenne. Ja, ich begrüße dich mit diesem trostreichen Namen, ich will dich immer so nennen. Nach Gott sollst du immer in diesem Tränental meine Hoffnung, meine Zuflucht, meine Liebe sein. Im letzten Augenblick meines Lebens will ich meine Seele in deine heiligen Hände übergeben und dir zurufen: O meine Mutter, meine Mutter Maria, stehe mir bei, erbarme dich meiner. Amen.

 

Zu Gott auf die Fürbitte der heiligen Märtyrer

 

Du hast uns alle, himmlischer Vater, zu derselben Hoffnung berufen. Dich erkennen und Dich lieben ist unser aller Beruf. Verleihe uns doch durch die Fürbitte der Märtyrer, die in Dir kämpften und siegten, die Kraft, dass wir, gleich ihnen, treu den Lehren Deines eingeborenen Sohnes folgen, und geläutert in den Trübsalen der Aufnahme in Deine ewige Wohnung würdig werden, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Zu Gott

 

Herr, lieber alles, selbst das Leben verlieren, als den wahren Glauben, den uns Dein Sohn vom Himmel brachte. Doch wir werden ihn verlieren, oder er wird uns wenigstens unnütz sein, wenn wir nicht treu danach leben. Hilf uns also, dass wir im Werk erfüllen, was wir mit dem Mund bekennen. Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Andacht am 2. Juni:

 

Das Thema im Juni:

Vom Gehorsam

"Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen." (Matthäus 23,3)

 

"Ohne allen Zweifel ist der Gehorsam verdienstlicher als die strengsten Bußwerke. Welches Bußwerk wäre auch je strenger, als seinen Willen immerwährend unterwürfig und Gehorsam zu erhalten." (Die heilige Katharina von Bologna)

Die heilige Magdalena von Pazzi, die sehr abgetötet war, pflegte bessere Speisen, die man zuweilen in ihrer Krankheit ihr vorsetzte, abzuweisen. Sprach aber die Schwester, die ihr sie brachte, sie sollte sie aus Gehorsam essen, so aß sie sie sogleich, ohne etwas anderes zu sagen als: "Gott sei gepriesen." 

Da der heilige Dositheus wegen seiner Krankheiten keine strengen Bußwerke üben, noch auch den allgemeinen Gebräuchen der Altväter folgen konnte, unter denen er lebte, arbeitete er sorgsam, sich durch die Übung des Gehorsams zu heiligen. Und er machte dadurch so große Schritte in der Vollkommenheit, dass nach seinem Tod der Herr einem heiligen Einsiedler offenbarte, er habe im Himmel eine ähnliche Krone wie der große heilige Antonius empfangen. Hierüber aber können nur jene erstaunen, die das Verdienst des Gehorsams nicht kennen. 

 

Mein Gott, da kein Opfer Dir wohlgefälliger ist als das Opfer des Willens, so opfere ich Dir den meinigen aus ganzem Herzen, mit dem ernstlichen Verlangen, dass er Dir immerdar unterworfen sei! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 2. Juni

 

"Hienieden folgen Freude und Traurigkeit sich abwechselnd.

Eine kurze Zeit aber noch, und die Stunde schlägt,

wo die Freude vollkommen sein wird,

und uns nicht mehr geraubt werden kann."

 

sel. Jordanus von Sachsen OP

1200 bis 13.2.1237

 

Betrachtung am 2. Juni - Von Fehlern, die das Gebet vereiteln

 

Gib mir, Herr, was ich begehre,

Nur, wenn es zu deiner Ehre

Und zu meinem Heile frommt.

Was nicht dahin führt, verhüte

Deiner Weisheit milde Güte,

Weil es sonst zur Strafe kommt.

 

1. Unser Gott ist bereitwilliger, uns zu geben, als der Mensch, zu empfangen, und dennoch geht das Gebet so vieler leer vom Herrn aus. Woher dies? "Ihr bittet und empfangt doch nichts," antwortet hierauf der Apostel, "weil ihr in böser Absicht bittet, um es in eurer Leidenschaft zu verschwenden." (Jakobus 4,3) Der Sünder, der sich nicht bekehren will, kann das Gebet des Herrn nicht beten, das alle Bitten enthält, ohne sich selbst zu widersprechen. Er bittet um die Verherrlichung des göttlichen Namens, und entheiligt ihn, - um die Erfüllung des göttlichen Willens, und übertritt Gottes Gebote, - um zeitliche Gaben, um sie durch Sünden zu missbrauchen, - er bittet Gott um Verzeihung, und fährt fort, ihn zu beleidigen, - er bittet, von dem schwersten Übel, von der Sünde ihn zu befreien, und verharrt vorsätzlich darin. Von so einem Menschen spricht die Schrift: "Wendet einer sein Ohr ab, um die Lehre nicht zu hören, dann ist sogar sein Gebet ein Greuel." (Sprichwörter 28,9)

 

2. Nur dem Gebet im Namen Jesu wurde Erhörung verheißen. Niemals aber bittet in diesem heiligsten Namen, wer um Dinge bittet, die dem Heil entgegen sind. Wie soll Gott den Menschen erhören, der um Dinge bittet, die in sich selbst ungerecht, oder eitel, oder verderblich sind? Auch bittest du wohl um Gesundheit, Reichtum, Ehre, oder um zeitliche Güter, von denen Gottes unendliche Weisheit vorhersieht, dass sie durch Missbrauch Ursache deiner Verdammnis sein würden, und nicht schwerer könnte er dich bestrafen, als wenn er sie dir gewährte. Barmherzigkeit also ist es, wenn er dich dadurch erhört, dass er sie dir versagt.

 

3. Endlich wird zu einem wirksamen Gebet Glauben und Beharrlichkeit erfordert, denn die Gaben Gottes sind es allerdings wert, dass wir eifrig, im festen Vertrauen auf Gottes unendliche Güte, und anhaltend darum bitten. Wie kannst du je Erhörung hoffen, wenn du ohne Ehrfurcht, ohne Andacht, ja ohne Aufmerksamkeit betest, und dadurch selbst Gott beleidigst? Zeigst du dadurch nicht, dass du weder Gott fürchtest, noch an seine Verheißungen glaubst, noch etwas von ihm erwartest? "Herr, lass mein Gebet mir nicht zur Sünde werden!" (Psalm 109,7)

 

3. Juni

 

Der heilige Liphardus, Abt von Meun bei Orleans,

+ 550-570 – Fest: 3. Juni

 

Der heilige Liphardus, Abt zu Meun an der Loire und Bekenner, bekleidete in der Stadt Orleans, wo er geboren war, eine der ersten obrigkeitlichen Würden. In seinem 40. Lebensjahr aber legte er sein Amt nieder, um den Zerstreuungen der Welt zu entgehen, und widmeten sich dem geistlichen Stand. Der Bischof von Orleans weihte ihn zum Diakon. Doch da mit jedem Tag seine Liebe zur Buße und Beschauung wuchs, fasste er den Entschluss, allen Umgang mit den Menschen abzubrechen und sich in die Einsamkeit zu vergraben. Zur Ausführung seines Vorhabens wählte er einen Ort nahe an dem Berg und Schloss Meun oder Mehun. Der heilige Urbicius, sein Schüler, der mit ihm gleichzeitig verehrt wird, begleitete ihn. Beide Diener Gottes legten eifrig Hand an und erbauten eine Klause von Baumästen und Binsen. Aus diesen geringen Anfängen entstand mit der Zeit ein Kloster, das Liphard an der Spitze einer zahlreichen Genossenschaft leitete. Die Wundergabe, durch die ihn Gott auszeichnete, vermehrte noch seinen Ruf. Das Jahr seines Todes ist unbekannt. Doch weiß man, dass es nicht vor die Hälfte des 6. Jahrhunderts fällt. Die Kapelle über seiner Grabstätte wurde nachher zu einer Stiftskirche erweitert, die seinen Namen trägt. Urbicius folgte ihm in der abtlichen Würde.

 

Die heiligen Karl Lwanga, Matthias Murumba und ihre Gefährten,

Märtyrer von Uganda, 

+ 3.6. und 29.5.1886 – Fest: 3. Juni

 

Am 6. Juni 1920 feierte die Hauptstadt der Christenheit ein glänzendes Fest, eine Seligsprechungsfeier, die aber diesmal ein besonderes Merkmal trug. Tausende von Gläubigen füllte die gewaltigen goldschimmernden Hallen des herrlichen Petersdomes. Unter den Kardinälen, Bischöfen und Missionaren zogen zwei ehrwürdige schwarze Gestalten in silberverzierten Talaren aus schwarzem Damast, der Amtstracht der hohen Beamten Ugandas, die Blicke aller auf sich. Es waren die Überlebenden aus der Schar der heldenmütigen Bekenner von Uganda: Dionys Kamyuka und Josef Nsingisira, die gekommen waren, dem Ehrentag ihrer Brüder beizuwohnen, der Seligsprechung der zweiundzwanzig Märtyrer von Uganda.  Mit seinen 21 katholischen Gefährten wurde Karl Lwanga 1920 von Papst Benedikt XV. seliggesprochen, ihre Heiligsprechung erfolgte am 18. Oktober 1964 durch Papst Paul VI. Karl Lwanga wurde 1934 zum Patron der katholischen Aktion und der Jugend Afrikas erklärt.

 

In Uganda, dem in Mittelafrika am Nordostufer des Viktoriasees gelegenen Missionsneuland der Weißen Väter, brachte der Stamm der Baganda seit 1879 der christlichen Religion einen offenen Sinn und ein williges Herz entgegen. Infolge der Umtriebe der mohammedanischen Händler aber sahen sich 1882 die Missionare genötigt, das Land einstweilen wieder zu verlassen. Schon zwei Jahre darauf rief sie der neu zur Herrschaft gelangte, jugendliche König Muanga wieder zurück. Er zeigte sich der christlichen Religion gewogen und das Volk schien zur Bekehrung bereit. Doch bald trat eine merkwürdige Sinnesänderung ein. Der erste Minister des Königs war ein fanatischer Heide. Er wusste das Herz seines Herrschers mit Argwohn gegen das Christentum zu erfüllen. Noch dazu ergab sich Muanga dem Laster niedrigster Sinnenlust.

 

Das erste Opfer des feindseligen Ministers wurde der Palastvorsteher Josef Mkasa, ein früherer Vertrauter des Königs. Er wagte es, diesem in einer kleinen Sache zu widersprechen. Das musste der treffliche Mann, das Vorbild und Haupt der erst zweihundert Getaufte zählenden Kirche Ugandas, mit dem Tod der Enthauptung büßen (16. November 1885). „Ein Christ, der für Gott stirbt, fürchtet sich nicht vor dem Tod,“ sprach er, als ihn die Henker binden wollten.

 

Unter der Dienerschaft Muangas befanden sich viele Christen. Karl Luanga, der Aufseher der Pagen, ein junger Mann von zwanzig Jahren, verwendete seinen großen Einfluss auf die Kameraden dazu, ihre Herzen für die christliche Lehre zu begeistern. Das erzürnte den launischen Herrscher. Sein Grimm gegen die christlichen Pagen wuchs, als sie energisch sich weigerten seinen Lüsten sich preiszugeben. Da traf der von der Jagd heimkehrende König eines Abends den siebzehnjährigen Dionysius Febuggmao, wie er gerade einem Kameraden den Katechismus erklärte. In Wut gebracht, schrie Muanga: „Warte, ich will dir deine Unverschämtheit austreiben“ und durchbohrte den kleinen Katecheten mit der Lanze (26. Mai 1886). Das war das Zeichen einer allgemeinen Verfolgung der Christen, die Muanga mit seinem Minister noch in der Nacht im Kriegsrat beschloss. Die „Beter“ müssen sterben, ergeht der Befehl. In der Empfangshalle eingeschlossen, bereiten sich die christlichen Pagen auf den Kampf am kommenden Morgen vor. Karl Luanga, ihr Führer, erteilt noch rasch vieren von ihnen, die noch Katechumene waren, die heilige Taufe, nämlich den sechzehnjährigen Mbaga Tuzinde, Gyavira und Mgagga und dem erst dreizehnjährigen Kizito. Am Morgen wurden sie vor den König geführt. Unter wildem Geschrei befahl er: „Wer betet, trete auf diese Seite!“ Karl sprang vor und sogleich folgte ihm sein kleiner Täufling Kizito, der Sohn des zweithöchsten Beamten, und ergriff seine Hand. „Fürchte nichts,“ hatte ja der sorgliche Führer und Freund ihm gesagt, „ich bin bei dir. Wenn der Augenblick kommt, den Glauben zu bekennen, dann nimmst du mich bei der Hand, und wir sterben zusammen.“ Weitere Bekenner folgten. „Seid ihr Christen,“ herrschte sie Muanga an. „Ja!“ – „Und ihr wollt Christen bleiben?“ – „Ja, bis in den Tod.“ Der Befehl zum Tod war die Antwort.

 

Die Opfer wurden mit Stricken gebunden und mit roher Gewalt fortgeschleppt nach dem weitentfernten Richtplatz, dem Hügel Namugonga, gegenüber der Missionsstation Rubaga. Von dort war ein Missionar herbeigeeilt, seine Kinder zu retten. Umsonst! Er sieht nur wie man die jugendlichen Opfer vorüberführt, eng zusammengeschnürt, so dass sie schwer gehen konnten. Er sieht auch den kindlichen Kizito lachen über das ständige Stolpern – beim Gang zum Tod. Im letzten Augenblick hatte man ihnen noch den Katechumenen Mukasa beigesellt. Weil er im Streit seinen Mitpagen Myavira vor zwei Wochen leicht verwundet hatte, war er ins Gefängnis geworfen worden. Nun war aller Groll vergessen. Sie freuten sich beide miteinander sterben zu können.

 

Mehrere Stunden schon waren die Martyrer im glühenden Sonnenbrand marschiert. Sie kommen an eine Bananenpflanzung. Da erwartet sie der Bruder des mitgefangenen Soldaten Bruno Seron Kuma. In treuer Brüderlichkeit will er ihm einen Becher Bananenwein anbieten, damit er seinen brennenden Durst löschen könne. „Bossa,“ so redet der Martyrer des Herrn seinen treuen Bruder an, „du siehst, man führt uns zum Tod. Wir gehen zum Tod, eure Stellen zu bereiten.“ Da schaut er dem Bruder lange sinnend ins Auge und spricht, bereits ein vollkommener Jünger geworden in Christi Schule: „Jesus Christus hat am Kreuz nicht getrunken, so will auch ich nicht.“ Solche Heldenseelen vermag die Liebe Gottes überall zu schaffen.

 

In Kampala ist Nachtlager. Infolge der grausamen Fesselung während der Nacht versagen zweien die Kräfte zum Weitermarsch. Sie wurden mit Lanze und Beil kurzerhand niedergemacht. Dafür stieß jetzt ein neuer Bekenner zur kleinen Heldenschar: Lukas von Mityana, der am Vorabend gefangen worden war. Mit ihm wurde auch der heiligmäßige Häuptling von Kirumba: Matthias Murumba um seines Glaubens willen ergriffen. Rasch wird das Urteil gesprochen und sogleich in gottloser Wut an ihm vollzogen. Man hackte dem fünfzigjährigen Mann Arme und Beine ab, schnitt ihm Fleischstücke aus Brust und Rücken und röstete sie vor seinen Augen. Zur Verlängerung der Qual unterband man ihm die Adern, so dass er drei Tage lang mit dem Tod zu ringen hatte (Todestag 29. Mai 1886), ohne eine andere Klage hören zu lassen als die des sterbenden Heilandes am Kreuz: Mich dürstet!

 

In Namugonga angekommen, mussten die Streiter Christi noch eine Woche im Kerker schmachten, um sie zum Abfall mürbe zu machen. Aber standhaft harren sie aus. Es ist der 3. Juni. Bleich und matt von Fasten und Leiden, aber mit aufrechtem Haupt und freudigem Blick treten die jungen Bekenner den Weg zum Richtplatz an. Dort banden sie die Henker in Bündel von dürrem Schilf, um sie einem langsamen Feuertod zu überantworten. Drei kaum vierzehnjährige Knaben will man verschonen, obwohl sie unerschüttert bekennen: „Solange wir leben, wollen wir beten.“ Dionysius Kamjuka ist unter ihnen. „Leb wohl, Dionys, ich gehe zum Himmel,“ ruft ihm sein Freund Mbaga zum Abschied zu. Dionysius kann vor Schluchzen nicht antworten. Allzu gerne möchte er mit den Freunden sterben. Heute kann er, in seligem Erinnern an jene großen Tage mutvollen Bekennertums, sie schauen im Glorienschein der Seligen auf den Altären der katholischen Kirche.

 

Einer der damals Mitbegnadeten, Simeon Sebuta, rief, als er seine Kameraden in die Schilfbündel gebunden sieht: „Wo ist denn mein Bündel? Jeder hat eins, ich will auch eins haben.“ Und der Oberscharfrichter Mukajjanga scheint darauf eingehen zu wollen. Er bindet die drei in eine Garbe, legt sie aber abseits des Haufens, so dass sie nachher vom Feuer verschont blieben. Einen aber möchte er, der grausame Mann, um alles gerne retten, seinen eigenen fünfzehnjährigen Sohn Mbaga Tuzinde. Schon am Tag der Verurteilung hatte er ihm zur Flucht geraten, aber der Knabe blieb. Als dieser dann auf dem Richtplatz ankam, holten ihn seine Verwandten weg, um ihn zum Abfall zu bringen. Wieder kam er als Sieger zurück, zur Freude seiner besorgt für ihn betenden Kameraden. Nun versucht Mukajjanga zum letzten Mal, seinen Liebling dem Feuertod zu entziehen. Mbaga weist alles zurück. „Vater,“ bittet er, „der König hat es befohlen, du bist sein Diener. Ich kenne die Ursache meines Todes. Es ist mein Glaube. Vater, töte mich!“ Verzweifelnd lässt der Scharfrichter, um dem Kind weitere Qualen zu ersparen, es durch einen Keulenschlag auf den Nacken töten und in Schilf gewickelt in die Reihe der Lebenden legen.

 

Die lebendigen Opfergarben werden angezündet. Die Flammen züngeln auf, fressen langsam weiter, knistern, prasseln und lodern unter dem Siegesgeschrei der hundert federgeschmückten Henker. Aus der Feuersglut ertönt das laute Gebet der gepeinigten Helden, es wird schwächer, bis Stimme um Stimme verstummt.

 

Als letzter war Karl Luanga gestorben, den man abgesondert hatte. Langsam ließ man ihn, bei den Füßen beginnend, verkohlen. Höhnisch forderte ein Henker ihn auf, seinen Gott zu Hilfe zu rufen. „Du Tor,“ antwortete ihm Karl, „du weißt nicht, was du sagst. Du gießt frisches Wasser auf meine Füße. Hüte dich, dass Gott dich wegen deiner Lästerung nicht eines Tages ins unauslöschliche Feuer wirft.“

 

Neun Tage nach dem ruhmvollen Tod der Pagen kam Josef Nfingisira von einer Gesandtschaftsreise nach Uganda zurück und erhielt Kunde von dem Geschehenen. Sofort stellte er sich dem König als Christ und wurde verurteilt. Auf die Bemühungen seiner hohen Verwandten hin wurde die Hinrichtung aufgeschoben. Aber 28 Monate lang musste der furchtlose Bekenner, in Pflock und Eisen gefesselt, in grausamer Kerkerhaft zubringen, bis der Sturz Muangas ihn aus den Banden befreite. Wer vermag die Gefühle auszusprechen, die ihn am Tag der Seligsprechung seiner Mitbrüder beseelt haben mögen! Einzigartige Auserwählung, ein solches Ereignis zu erleben!

 

„Verlangt die Stunde auch nicht Martyrerblut, so verlangt sie doch Martyrermut. Ehret das Martyrerblut, das von dem unerbittlichen Christushass eines heidnischen Tyrannen und der unnatürlichen Genusssucht eines Wüstlings gefordert, von der glühenden Christusliebe jugendlicher Neubekehrter und der opferfreudigen Entsagung keuscher schwarzer Jünglinge hingegeben wurde. Durchdringt euch mit Martyrermut, um den Kampf gegen die beiden Hauptübel der Zeit, die Menschenfurcht und die Genusssucht, siegreich bestehen zu können!“ Mahnung Papst Benedikts XV. bei Bekanntgabe des Dekrets über die Echtheit des Martyriums der 22 afrikanischen Martyrer am 29. Februar 1920.

 

Der heilige Johannes Grande (Johannes peccator – der Sünder),

spanischer Barmherziger Bruder in Xeres,

+ 3.6.1600 – Festtag: 3. Juni

 

Carmona, eine kleine Stadt in Andalusien, ist der Geburtsort des heiligen Johannes Grande, genannt „der Sünder“. Obwohl seine Eltern Christoph Grande und Isabella Romano in guten Verhältnissen lebten, so wurde Johannes doch am 6. März 1546 in einem Stall geboren, wohin die Mutter, vor übergroßen Wehen ganz außer sich, geflüchtet war. Am 14. März erhielt der Knabe in der Pfarrkirche zu St. Peter die heilige Taufe und in der Folge eine recht gute Erziehung. Herangewachsen übergaben ihn die Eltern einem frommen Priester der Pfarrei zur weiteren Ausbildung. Der Priester und auch sein Pfarrherr hätten den an Talent und Tugenden reichen Jungen am liebsten dem Priesterstand zugeführt. Allein nach dem Wunsch der Eltern sollte er Kaufmann werden. Es war dies sicher eine Fügung der göttlichen Vorsehung. Als künftiger Gründer mehrerer Hospitäler und als Wiederaufrichter aller durch Misswirtschaft und Verschuldung herabgekommenen wohltätigen Anstalten der Stadt Xeres musste er vor allem ein guter Rechner und Wirtschafter sein. Dazu war Johannes berufen und die notwendige Grundlage an hauswirtschaftlichen Kenntnissen und guter Buchführung erwarb er sich am besten im Kaufmannsstand, dem er sich sechs Jahre mit bestem Erfolg widmete. In seinem 22. Jahr zog er sich in eine Einsiedelei zurück, um sich in zweijährigen frommen Übungen immer mehr auf seinen künftigen Beruf vorzubereiten. Da ließ ihn Gott erkennen, dass Xeres der Ort seiner künftigen Tätigkeit sei. Dort angekommen eröffnete er gleich anfangs in der Beichte, die er jede Woche ablegte, dem Priester sein ganzes Innere. Dieser schickte ihn zu den verurteilten Verbrechern ins Gefängnis, dass er ihnen diene, für sie Almosen sammle und ihnen Worte des Trostes und der Erbauung spende. Diesen Liebesdienst vollzog Johannes drei Jahre lang an den armen Gefangenen mit größter Zartheit und Liebe, um den Dienst dann an den armen Kranken im Spital Mariahilf fortzusetzen.

 

Der Feind alles Guten, der in dem überaus frommen, dem Gebet und der Abtötung ganz ergebenen heiligen Jüngling einen großen Diener Gottes wahrnahm und schon damals dem Johannes Versuchungen und Stürme genug bereitete, als er sich in die Einsamkeit zurückzog, der ihm dann auch bei der Ausübung seiner barmherzigen Liebe bei den armen Gefangenen hindernd in den Weg trat, derselbe Feind alles Guten setzte auch jetzt wieder ein, um mit seinen Ränken und Bosheiten den Johannes wieder aus dem Spital hinauszubringen, in dem durch ihn an den Armen soviel Gutes geschah. Durch Gottes Zulassung ward ihm wirklich nach zweijähriger segensreicher Wirksamkeit die Tür auch zu diesem Ort seiner so liebgewonnenen Tätigkeit versperrt wie zuvor die des Gefängnisses.

 

Wäre die Tugend des Johannes nicht echt gewesen und seine Nächstenliebe nicht rein und lauter wie Gold, dann hätte wohl nach so traurigen Erfahrungen und Misserfolgen Entmutigung eintreten müssen. Allein Johannes setzte seine Liebestätigkeit auf die ihm eben mögliche Weise an Armen und Kranken ruhig fort überall, wo er solche fand, auf den Straßen und in den Häusern und ließ sich hierin nicht im mindesten stören durch den Spott derer, die im Gefängnis und im Hospital seine Widersacher waren oder sich auf ihre Seite gestellt hatten. Unter letzteren war auch der Statthalter. Der ging in seiner Abneigung gegen Johannes soweit, dass er verlauten ließ, am liebsten würde er den Johannes aus der Stadt hinauspeitschen lassen. Bald darauf erkrankte der Statthalter. Johannes, von seinem Beichtvater, dem Kanonikus Rendon, zu ihm geschickt, heilte den Kranken und so wurde der Statthalter sein Freund und Beschützer. Zwei junge Edelleute schenkten dem Johannes ein Grundstück und ein kleines Spital. Mit den Gaben vieler Gutgesinnter erbaute er im Jahr 1574 ein schönes Krankenhaus und vereinigte das kleine alte Spital mit dem neuen unter dem Titel „Spital Mariä Reinigung“.

 

Immer offenkundiger wurden von jetzt an die Tugenden des Johannes und die ganze Stadt setzte nun unbegrenztes Vertrauen auf ihn. Auch brave Jünglinge kamen und schlossen sich ihm an. Mit diesen trat er im Jahr 1579 zu Granada in die Genossenschaft der Barmherzigen Brüder des heiligen Johannes von Gott. Der dortige Obere, Bruder Rodriguez de Sequenca, nahm die Ankömmlinge mit höchster Freude auf und sandte den Johannes nach Ablegung der heiligen Gelübde mit seinen Gefährten wieder nach Xeres, wo er die Leitung des neuen Spitals weiterführen sollte. Jetzt war das Glück des Heiligen voll. Nicht deshalb, weil er rechtmäßiger Obere einer kirchlichen Ordensgemeinde geworden war, sondern weil nun durch seine und seiner Brüder Einverleibung in eine religiöse Genossenschaft in seinem Spital in allem, was die Brüder und Kranken betraf, eine noch bessere Ordnung einkehrte und er jetzt außer einem für ihn ganz passenden Ort auch treue, durch heilige Gelübde ihm verbundene Mitarbeiter hatte zu freier Betätigung seines Eifers in den Werken der Liebe.

 

Den guten Bürgern von Xeres erschien der Heilige nach seiner Rückkehr aus Granada wie von neuem Glanz umgeben und sie wurden nicht satt, jetzt eine Art höherer Vollkommenheit an ihm wahrzunehmen. Mit welchem Eifer und mit welch zärtlicher Liebe Johannes seine Kranken pflegte und für alle ihre Bedürfnisse Sorge trug, für wie viele Tausende von Armen er bei der eben ausgebrochenen Hungersnot Brot herbeischaffte, wieviel Gutes er aufs neue an den armen Gefangenen getan und was er zugunsten armer schutzloser Mädchen und Frauen gewirkt durch deren gute Versorgung und Unterbringung in ehrbaren Stellungen, das alles ist kaum zu beschreiben.

 

Eine seiner fast täglichen Übungen, und zwar eine seiner liebsten, war, dass er bei seinen Almosensammlungen und anderen Gängen durch die Stadt die Kinder um sich scharte. Er suchte sie auch in ihren Wohnungen auf, um ihnen mit der Liebe einer Mutter in ihren Bedürfnissen zu helfen und sie zugleich zu unterrichten. Der Heilige, der selber die reine Unschuld, die kindliche Einfalt war, der für das Jesuskind und für die jungfräuliche fünfzehnjährige heilige Agnes eine so zärtliche Andacht hegte, musste ja nach dem Beispiel des göttlichen Meisters darin einen Genuss finden, bei den Kindern zu sein. Wenn er schweigsam und in Gott versenkt durch die Straßen ging, so brauchte er nur Kinder zu sehen, die ihn schon kannten und oft auf seinen Wegen erwarteten, da war er auch schon ganz Liebe und Freude. Sogleich bewirtete er sie mit Süßigkeiten, Esswaren und hauptsächlich mit Brot und trocknete damit manche Träne, besonders zur Zeit der Hungersnot. Es entsprang diese seine Handlungsweise nicht etwa aus einem nur natürlichen Mitgefühl. Denn Johannes war zu sehr Geistesmann und ganz mit Gott geeint. Vielmehr wusste er aus eigener Erfahrung, wie angenehm dem lieben Gott die jungfräulichen Empfindungen und Gedanken der Liebe dieser unschuldigen Herzen sind. Deshalb bot er auch alles auf, diese kostbaren Erstlinge Gott darbringen zu können. Denn viele dieser unglücklichen Kinder verlieren aus Mangel an Erziehung und gutem Beispiel den herrlichen Vorzug ihres so schönen, unschuldigen Alters und bleiben unwissend und unbekümmert um Gott, während sie doch wie wahre irdische Engel in ihrer Einfalt schon anfangen sollten, ihn zu lieben und zu verehren. Darum erschien der Heilige nahezu täglich zu bestimmten Stunden schon in seiner Heimat Carmona, dann in Xeres und wo er immer hinkam, mit einem Kreuz auf dem besuchtesten Platz der Stadt, um die Kinder um sich zu sammeln, die von seiner Liebenswürdigkeit und seinen Gaben angezogen, scharenweise herbeiliefen. Er belehrte sie dann über die notwendigsten Dinge aus der christlichen Lehre und gab sich alle Mühe, sie gegen Gott und ihre Eltern folgsam und gut zu machen. Die Eltern waren sehr zufrieden, dass sie ihre Kinder gehorsam und fromm heranwachsen sahen, noch mehr war es Gott, der seinem Diener auf verschiedene Art sein Wohlgefallen zu erkennen gab Ganz wunderbar zeigte sich die Liebe Gottes sowohl für Johannes als auch für die armen Kinder darin, dass Gott beständig dem Heiligen das Brot vermehrte, das er immer für die Kinder im Ärmel trug. Das Volk voll Bewunderung darüber bemühte sich dieses beständige, allgemein bekannte Wunder genau zu untersuchen und es stellte sich heraus, dass dieses Brot von ungewöhnlicher Weiße und Güte war. Oft wurde es den Kindern für Gegengeschenke von Erwachsenen abverlangt.

 

Zur heiligen Weihnachtszeit steigerte sich in ihm mit der Liebe zum göttlichen Kind auch die Liebe zu den Kindern und allen Armen. Dann wusste er sich im Austeilen keine Grenzen mehr zu stecken. Wenn nichts mehr vorhanden war, so hieß er seine Brüder gleichwohl einfach austeilen und sie fanden dann die Vorratskammer wieder neu gefüllt mit bestem Brot und Fleisch. „Gepriesen sei das Jesuskind, das seine Armen so liebt,“ rief dann der Heilige aus, voll Jubel und Dank gegen Gottes liebevolle Vorsehung, die auch in den Tagen der Hungersnot an diesem heiligen Tag ihre Armen glänzend bewirtet und getröstet hat.

 

In der Folge wurde Johannes eingeladen, in S. Lucar und in Jaen neue Spitäler zu gründen und vom Kardinal-Erzbischof von Sevilla beauftragt, die sechs schlecht verwalteten Spitäler der Stadt Xeres mit dem seinigen zu vereinigen. Dieser Auftrag brachte ihm viel Sorge und Feinde. Johannes hatte nun für die verschiedenartigsten Kranken, namentlich auch für Geisteskranke Sorge zu tragen. Aber seine Liebe und seine Tatkraft erlahmten nicht. Wenn ihm natürliche Hilfe nicht mehr ausreichte, stand ihm die Wundergabe zu Gebote. So heilte er einen Irrsinnigen, in dessen Behandlung er sich nicht mehr zu raten musste, einfach durch Auflegung seiner Hand und ein kurzes Gebet.

 

Allmählich rückte auch die von Gott bestimmte Zeit heran, in der die bewunderungswürdigen Taten des Heiligen ihre Krone erhalten sollten. Die Pest war im Jahr 1600 in Xeres ausgebrochen und raffte täglich bei 300 Menschen hinweg. Johannes, dem die Gesamtleitung aller Hospitäler übertragen war, hatte jetzt eine schwere Aufgabe zu lösen: An alles denken, die vielen Spitäler und noch dazu manche andere religiöse Kommunitäten und Familien besuchen, die Transporte so vieler Kranken und der Toten regeln und vor allem trachten, dass bei der allgemeinen Stadtflucht und Stadtmeidung der Landbevölkerung die Lebensmittel nirgends zu Ende gingen. Hierin zeigte sich wieder seine wunderbare Einsicht und Entschlossenheit. Je größer die Schwierigkeiten wurden, um so mehr schien neue Kraft ihn zu beleben. Von einem Sterbenden zum andern eilend, erschien er allen als wahrer Engel des Trostes. Jeder wollte ihn als sicheren Vermittler bei der göttlichen Gerechtigkeit im Sterben an seiner Seite haben. In dieser jammervollen Zeit gab es in Xeres niemand, der ruhiger, sanfter und liebreicher war als er. Und doch war er unter allen am meisten mit Sorgen und Arbeiten überladen und das Haupt von allem, von dem jede Sache ihre Anordnung, Leben und Bewegung bekam. Dabei wusste er ganz gewiss, dass er selbst in wenigen Tagen, von der Pest ergriffen, vor dem ewigen Richter werde erscheinen müssen. Würden auch wir unter solchen Umständen mit gleicher Ruhe unsere Berufspflichten fortsetzen? Je mehr sich Johannes seinem Ende näherte, desto mehr musste man seine ruhige Fassung und die anmutige Art, mit der er von seinem Sterben sprach und sich darauf vorbereitete, bewundern. Er sagte genau alle Umstände von seiner ehrlosen Beerdigung voraus und dass mit seinem Tod die Pest aufhören werde. Alles erfüllte sich. Am 26. Mai ergriff ihn das Fieber. Auf bloßen Brettern in seiner armen Zelle liegend hauchte er nach Empfang der heiligen Kommunion, die täglich seine Wonne und Stärke war, seine reine Seele aus am Nachmittag des 3. Juni. In der folgenden Nacht kamen vier Arbeiter und zogen mit einem Haken an einem Strick den Toten aus der Zelle über die Stiege in den Hof und verscharrten dort schnell die Leiche. Erst nach einigen Monaten grub man ihn wieder aus und legte ihn wenigstens in einen Sarg, in dem er an demselben Ort wieder beigesetzt wurde. Erst gegen Ende des folgenden Jahres 1601 wurde der Leichnam mit allen denkbaren Ehren erhoben und mehrere Tage hindurch feierliche Exequien gehalten, die ehrwürdigen Überreste des Seligen in der Spitalkirche an der Epistelseite beigesetzt. Jetzt ruhen sie in der Kirche des heiligen Dionysius. Am 1. Oktober 1852 wurde der ehrwürdige Diener Gottes von Papst Pius IX. in die Zahl der Seligen aufgenommen und seitdem genießt er im Orden der Barmherzigen Brüder und in Spanien die Ehre des Altares. Papst Johannes Paul II. sprach Johannes Grande am 2. Juni 1996 heilig.

 

„Im Namen Jesu und durch die Fürsprache seiner allerheiligsten Mutter.“ Diese Worte sprach Johannes jedes Mal, wenn er infolge göttlicher Eingebung ein baldiges Wunder von Gott verlangte. Mit diesen Worten heilte er Kranke, gab Geisteskranken die Vernunft und sogar einem Toten das Leben. 

 

Der heilige Morandus, Propst von Altkirch im Elsass,

Glaubensbote im Sundgau,

+ 3.6.1115 – Fest: 3. Juni

 

Morandus entstammte einem adeligen Geschlecht jenseits des Rheins und lebte in der zweiten Hälfte des 11. Jahrhunderts. Seine Eltern brachten ihn schon mit jungen Jahren nach Worms, um ihn dem Dienst des Herrn zu weihen. Vom göttlichen Segen betaut, wuchs das junge Bäumchen rasch heran in Tugend und Wissenschaft, sein Charakter reifte zu jener ruhigen Klarheit und klaren Offenheit, die sein Antlitz ständigen Sonnenschein widerstrahlen ließ. Zum Priester geweiht, erhöhte er seinen Eifer in der Tugendübung und die Andachtsglut seines Gebetes. Unter anderem machte er eine Wallfahrt zu dem berühmten Grab des heiligen Jakobus in Compostella in Spanien. Sein kindlich gläubiges Gemüt war noch nicht angesteckt von dem kritischen Geist unserer modernen Zeit, die für Wallfahrten, Reliquien u.ä. nur mehr ein mitleidiges Lächeln oder Spott und Hohn aufbringt. Morandus war noch von echt katholischem Geist beseelt und fühlte sich deshalb auch über Zeit und Raum hinaus verbunden mit jenen heiligen Männern und Frauen, die einst die Kirche mit Einsetzung all ihrer Kräfte erbauen halfen auf dem Grund Christi, die sie in ihrem Beistand festigten, die durch ihr Gebet unablässig die notwendigen Gnaden vom Himmel erflehten, die immer und auch jetzt noch am Thron Gottes uns durch ihre Fürbitte unterstützen, unser Heiliger kannte nicht mehr bloß, sondern fühlte noch lebhaft und erlebte die Gemeinschaft der drei Kirchen, der leidenden, streitenden und triumphierenden.

 

Auf der Wallfahrt nach Compostella kam Morandus auch nach Cluny, um sich dort dem Schutz der heiligen Apostel Petrus und Paulus zu empfehlen, denen das Kloster geweiht war. Doch die Wege der göttlichen Vorsehung sind unergründlich. Abt Hugo der Große erfuhr von ihm, rief ihn zu sich und sagte ihm voraus, dass der Mönch in Cluny werde, wenn ihm Gott eine glückliche Heimkehr von Compostella schenke. Und wirklich, er nahm den Rückweg wieder über Cluny und wurde Mönch. Mit einer harten Strenge gegen seinen eigenen Leib übte er voll Eifer die Werke geistlicher Nächstenliebe, wozu ja in einer großen Gemeinschaft wie Cluny so reichlich Gelegenheit gegeben war. Er befestigte die Schwankenden, versöhnte die Uneinigen und hielt mit seinem Gebet die Versuchungen vom Hause ab. Von Cluny ging damals eine Welle geistlicher Erneuerung in die Klöster aus, die eben unter Abt Hugo ihren Höhepunkt erreichte. Neue Klöster wurden von dort aus gegründet, schon bestehende, aber äußerlich und innerlich verfallende wieder mit frischen Kräften besetzt und neu belebt. Meist wurde mehrere Mönche der Reformabtei in ein solches Kloster abgeordnet, um die alte Zucht und Regeltreue wiederherzustellen. Ein solch herabgekommenes Kloster lag in der Auvergne in Frankreich. Sein Reformator wurde Morand, dessen Ruf schon weit verbreitet war und dem man die Lösung dieser schwierigen Aufgabe zutraute. Der Heilige rechtfertigte auch das in ihn gesetzte Vertrauen; konnte er doch reichlich zehren von seiner Erfahrung im geistlichen Leben und dem Gebetsschatz, den er sich in seinen Jugendjahren für sein praktisches Wirken gesammelt. Ähnlich wie mit dem vom Lebensbeschreiber nicht näher genannten Kloster in der Auvergne war es mit der Propstei Altkirch.

 

Altkirch liegt vier Stunden von Basel entfernt im Sundgau. Dort hatte ein Edler des Geschlechtes von Pfirt eine Kirche erbaut, wo Chorherren den Bewohnern der Umgegend himmlische Gnade vermitteln sollten. Sinnen und Trachten jener Priester aber war wenig auf das Seelenheil der ihnen anvertrauten Gläubigen gerichtet und schließlich wurden ihrer auch so wenige, dass Graf Friedrich einen anderen Plan fasste. Er baute die Kirche neu, stattete sie mit weiteren Pfründen aus und bot sie so Abt Hugo von Cluny zu ewigem Besitztum an, wofür sie von Kluniazenser Mönchen versehen werden sollte. Abt Hugo schickte auch sofort mehrere Mönche mit dem erprobten Konstantius an der Spitze, die von neuem das Feuer auf dem göttlichen Herd entfachten, ja schon bald Nachwuchs unter den Einheimischen gewannen. Nur eines ward ihnen in ihrem Heilswirken zum großen Hindernis: sie verstanden die Landessprache nicht. Konstantius legte dem ehrwürdigen Vater Hugo diese Schwierigkeiten dar, worauf dieser Morand, der aus einem deutschen Geschlecht gebürtig war und in Worms am Rhein seine Ausbildung genossen hatte, aus der Auvergne zurückrief, zum großen Leidwesen der dortigen Gemeinde. In Altkirch konnte sich des Heiligen Gemüt in seiner tiefen Innerlichkeit und weiten Aufgeschlossenheit auswirken: Immer heiteren Antlitzes, verschenkte er sich selbst in seinen Kräften aus Liebe zu den ihm anvertrauten Seelen. Seine Liebe war großzügig, ohne streng zu werden, ein Sichversenken in die Nöte der einzelnen Seelen, ohne dabei den Blick auf das Ganze zu verlieren. Seine Liebestätigkeit floss aus einer Persönlichkeit, in sich geschlossen und fertig, die sich an Christus gebildet und ein getreues Abbild der Heilandsseele geworden. Wie sein göttlicher Meister kümmerte sich auch der heilige Morandus nicht um das Geschrei und Lachen, den Undank der Welt. Er war ja Glied des großen Leibes Christi, und wollte er das bleiben, so musste er auch mit Christus am Kreuz ausharren, um sich aus Liebe hinzuopfern. Sein Lebensbeschreiber trifft es, wenn er kurz sagt: „Er ward allen zur Form der Vollkommenheit.“ Der Ruf seiner Heiligkeit drang bald über die Grenzen, alle Schwerbedrängten trugen ihre Mühsale und Leiden zu ihm, um von ihnen durch seine wirksame Fürbitte, nicht selten auf wunderbare Weise, befreit zu werden.

 

Ein ständiger Liebesdienst war sein Leben, ein Arbeiten für andere, und das immerfort, ohne Unterlass, Tag für Tag, bis zum Ende seines Lebens. Ihn ermüdete es nicht, denn Liebe ist die immer fließende, nie versiegende Quelle neuer Kräfte, die sich selbst erschöpft, um sich neu zu schaffen, die in dem Aufzehren ihrer Kräfte neue gewinnt, sich selbst zum Nichts machend, zum Sein gelangt. Doch blieb auch des Heiligen Seele jung und kräftig wie in der Blütezeit ihres Gnadenlebens, der Leib sank immer mehr unter der Schwere des Alters, bis er gänzlich zusammenbrach. Schon sein Leichenzug wurde zu einem Triumphzug und als an seinem Grab Wunder geschahen, wollte schier der Strom der Wallfahrer aus Österreich wie Deutschland und Frankreich kein Ende nehmen. Sein Fest wurde in der kluniazensischen Benediktinerkongregation in die kirchlichen Tagzeiten aufgenommen. Gegen 1780 entstand in Altkirch eine Bruderschaft zu Ehren des heiligen Morandus mit dem hauptsächlichen Zweck Almosen zu spenden, die auch teilnahm an den geistlichen Schätzen der Kluniazenserkongregation.

 

„O wie wunderbar ist es Jesus zu lieben und andere zu lehren, ihn gleichfalls zu lieben!“ (Hl. Theresia v.K.J.)

 

Der selige Andreas Caccioli, Priester von Spoleto,

+ 3.6.1254 – Gedenktag: 3. Juni

 

Der selige Andreas Caccioli, aus einer edlen Familie von Spello in Umbrien entsprossen, war anfangs Weltgeistlicher, und Pfarrer eines Ortes im Bistum Spoleto, dessen Einwohner ihn zum Oberhirten begehrt hatten. Als er in seinem vierzigsten Lebensjahr seine Mutter und seine Schwester verlor, fühlte er sich immer mehr von der Welt losgerissen, und endlich bewogen, in den neu gestifteten Orden des heiligen Franziskus zu treten. Ihm wurde auch das Glück zuteil, beim Tod des heiligen Franziskus zugegen zu sein, und dessen letzte Lehren zu vernehmen. Nach dem Beispiel seines heiligen Ordensvaters predigte er mit Feuereifer die Buße, und bekehrte eine Menge Sünder. Der Himmel gewährte ihm auch die Wundergabe, und mehrere außerordentliche Gunstbezeigungen. Nachdem er lange Zeit das Wort Gottes verkündigt hatte, zog er sich in ein einsames Kloster zurück, um sich einzig mit seinem Heil zu beschäftigen. Dessen ungeachtet arbeitete er doch noch an der Verbesserung des Klarissenklosters zu Spello. Im Jahr 1294 starb er des Todes der Gerechten. Papst Benedikt XIV. bestätigte die diesem Diener Gottes erwiesene Verehrung, indem er dessen Reliquien feierlich erheben ließ. Er wird am 3. Juni verehrt. Andreas Caccioli wurde im Jahr 1738 durch Papst Gregor XVI. seliggesprochen.

 

Die heilige Klothilde, Königin von Frankreich,

+ 3.6.545 – Fest: 3. Juni

 

Eine alte Legende erzählt die Lebensgeschichte der Königstochter Klothilde, deren Andenken die Kirche am 3. Juni begeht, in folgender Art:

 

Klothilde war eine Tochter des Königs in Frankreich, Chlodwig mit Namen, und wurde, als sie zur Jungfrau herangereift war, dem König Amalrich, Beherrscher der Goten, zur Gattin gegeben. Der bekannte sich aber zum arianischen Glauben und unterschied sich von seiner Gemahlin, die Katholikin war, in gar vielen Stücken.

 

Der treulose gotische König konnte die Andacht und Frömmigkeit dieser seiner Gemahlin nicht ausstehen, und damit er ihre Treue gegenüber Gott zu Schanden machte, klagte er sie an, als hätte sie ihren ehelichen Bund durch eine schwere Sünde verletzt. Alle Versicherungen von Seite der schuldlosen Königin halfen nichts und sie wurde nur um so härter behandelt, um so dringender angeklagt. Der König verurteilte nun seine Gattin zum Tode, so unerhört solch ein Urteilsspruch auch war. Die arme Klothilde sollte den wilden Tieren vorgeworfen werden und so für ihre vermeintliche Untreue büßen. Jedermann bedauerte zwar die arme Frau und viele baten für sie beim König um Gnade, allein es half nichts.

 

Dem Befehl gemäß wurde Klothilde am bestimmten Tag in den eingefriedeten Platz geführt, an einen Pflock gebunden, darauf wurden die wilden Tiere herausgelassen, und von der längst erwarteten Beute angelockt, stürzten sie auch voll Hunger auf die arme Königin los. Sie aber erhob ihr Gemüt in stiller Andacht zu Gott und der gebenedeiten Mutter empor und verlobte ihr zu Ehren eine Kapelle erbauen zu wollen, wenn sie aus dieser argen Todesgefahr unverletzt kommen und in ihre Heimat wieder gelangen dürfte.

 

Und siehe, die wilden hungrigen Tiere stürzten wohl voll Begier auf die gefesselte wehrlose Königin los – allein mitten im Lauf halten sie inne, eine unsichtbare Gewalt hielt sie zurück. Maria, die göttliche Jungfrau, hatte das Flehen der unschuldigen frommen Klothilde erhört und beschützte sie jetzt mit ihrem mächtigen Schirm. Die wilden Tiere krümmten ihr kein Haar, legten sich vielmehr gelassen und zahm zu ihren Füßen nieder und hielten Wacht, dass ja kein Henker ihr zu nahen und sie anzugreifen wagen sollte.

 

Von den wilden Tieren beschützt, gewann Klothilde ihre Freiheit. Sie kehrte in die Heimat zurück und von selber Stunde ergriffen die schwer beleidigten Franken Schwert und Speer, um solche Schmach an den Goten und ihrem König zu rächen. Es entstand ein heftiger Krieg, in dem der gottlose blutgierige Wüterich die verdiente Strafe fand, indem er seinen Frevel mit dem Leben büßen musste.

 

Getreu dem gemachten Gelübde wurde hernach der Helferin der Christen eine Kapelle erbaut, und setzte ein Bildnis darein, das Maria in der Gestalt zeigte, wie sie der Königin Klothilde erschienen war. Solange das gotische Reich dauerte, blieb das Gotteshaus in Ehren. Danach aber geriet es in Vergessenheit, verfiel beinahe ganz, denn Jahrhunderte gingen darüber hin, bis zwei Zisterzienser-Mönche Fortunius und Ermelinus, die sich in dieser Gegend einen passenden Ort zur Ansiedlung suchten, es entdeckten, darin noch die Muttergottesstatue fanden und alles wieder neu herstellten. Hier schlugen sie auch ihre Wohnsitze auf, erbauten ein Kloster, machten die umliegenden Güter urbar, breiteten von dort aus Gesittung und religiöse Bildung, und erhielten so das Andenken an die wunderbare Rettung der frommen Dienerin Mariens, Klothilde. 

 

Gebet nach dem heiligen Anselm am 3. Juni

 

O süßeste Jungfrau und Mutter Gottes Maria, auf dich setze ich alle meine Hoffnung, und bitte dich, meine Seufzer und Gebete gnädig aufzunehmen. Meine Sünden sind so groß, aber deine Milde und Barmherzigkeit ist noch größer, denn du bist voll der Gnade und der Herr ist mit dir. O Mutter der Gnade, wende deine barmherzigen Augen zu mir und bewirke, dass ich Vergebung meiner Sünden erlange, der Früchte der Erlösung teilhaftig werde und einmal mein ewiges Ziel glücklich erreiche. Hilf mir, liebevolle Königin, Hoffnung der Lebenden, Trost der Betrübten, Stütze der Armen und Zuflucht der Sünder, dass ich durch ein zerknirschtes Herz, durch demütigen Sinn, durch Reinheit des Glaubens und durch Werke der Liebe dem Herrn zu gefallen suche, alle Tage meines Lebens mich in ihm erfreue, und ihn dereinst im Himmel mit allen Engeln und Heiligen preise. Amen.

 

Zu Gott

 

Lass, o Herr, unter Deinen Kindern die Liebe herrschen, die alles meidet, was Dir missfällt, alles tut, was Dir wohlgefällig ist; die Liebe, die in Eintracht und heiliger Zucht vor Dir lebt. Gieße Deine heiligende Gnade aus über diejenigen, die die Pflichten des Ehebundes auf sich genommen haben, damit der hohe Zweck, wozu Du ihn schon im Paradies eingesetzt und im Neuen Bund zu einem Sakrament erhoben hast, würdig erreicht, und eine Dir wohlgefällige Vereinigung auf Erden begründet wird, aus der hienieden und jenseits für das ganze Menschengeschlecht ungetrübte Seligkeit entsprieße. Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

An diesem Tag wurde im Jahr 1098 die Stadt Antiochien in Syrien vom christlichen Kriegsheer nach einer monatelangen Belagerung eingenommen, das die Christen der Fürbitte der seligsten Jungfrau zuschrieben.

 

Andacht am 3. Juni:

 

Das Thema im Juni:

Vom Gehorsam

"Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen." (Matthäus 23,3)

 

"Der Gehorsam ist die Buße der Vernunft, darum auch ist dies Opfer annehmlicher als alle übrigen. Mehr liebt Gott den geringsten Grad des Gehorsams in dir, als alle Dienste, die du ihm sonst erzeigen könntest." (Der heilige Johannes vom Kreuz)

Als dieser Heilige das Studium der Theologie vollendet hatte, wurde er in den Konvent zurückgesandt, daselbst ein allgemeines Leben mit den Ordensbrüdern zu führen. Da aber der Vorgesetzte vermeinte, er sei durch seine Wissenschaft aufgedunsen worden, gab er ihm einen kleinen Katechismus, untersagte ihm das Lesen jedes anderen Buches, und befahl ihm, gleich den kleinen Kindern, jede Silbe aufmerksam zu betonen. Johannes vom Kreuz unterwarf sich dem Befehl, las lange Zeit hindurch kein anderes Buch, und zwar las er dieses immer auf die ihm befohlene Weise, den Gehorsam zu üben. Dadurch gelangte er zu hoher Vollkommenheit sowohl in dieser als in allen übrigen Tugenden.

Sehr schön spricht der heilige Bonaventura: "Gleichwie eine größere Liebe gegen seinen Freund erzeigt, wer dessen Diener mit Ehrerbietung aufnimmt und ihm dient, als wer diesen Dienst nur dem Herrn desselben allein erzeigt, also ist auch der Gehorsam erhabener, der dem Menschen erzeigt wird, als der Gehorsam, den wir Gott selbst erzeigen würden, wenn anders diese Menschen die Stelle Gottes bei uns vertreten."

 

Gib mir, o Herr, Liebe zum Gehorsam! Schnell, getreu und mit Freuden will ich Dir zu Liebe tun, was immer mir befohlen werden mag! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 3. Juni

 

"Solange ihr euch selbst sucht, euch selbst liebt,

solange ihr für euch selbst arbeitet, bleibt ihr in einer Täuschung,

in einem bedauernswürdigen Irrtum."

 

gottsel. Johannes Tauler OP

1300 bis 16.6.1361

 

Betrachtung am 3. Juni - Das Fest der Himmelfahrt des Herrn

 

Mit Sehnsucht, Jesus, blickt mein Herz empor,

Wohin du heute zogst, zum Himmelstor.

O lass mich Armen nicht als Waise hier.

Nimm bald, mein Gott, mich in dein Reich zu dir.

 

1. Stimme dein Herz zu heiliger Freude, denn ein dreifaches, glorreiches Fest feiert heute der Himmel und die Erde. Heute ist das Fest unseres triumphierenden Königs, der Besitz von seinem himmlischen Reich nimmt, und die Krone der Glorie empfängt, die ihm, dem Sieger über Tod und Hölle, gebührt. Mit unaussprechlichem Lob wird er von der göttlichen Dreieinigkeit empfangen, und er, der wegen der Ehre des ewigen Vaters tief unter alles sich erniedrigt hatte, wird nun auf den höchsten Thron der Herrlichkeit zur Rechten des Vaters erhoben, von wo er alles tief unter seinen Füßen sieht, was immer Gottes Allmacht erschaffen hat.

 

2. Es ist aber auch dies glorreiche Fest ein Tag freudigen Jubels für das himmlische Jerusalem, dessen Fürsten die ewigen, bis dahin allen Sterblichen verschlossenen Pforten jauchzend auftun, und ihrem König unter festlichen Hymnen entgegenziehen. Alle Hierarchien der heiligen Engel frohlocken, denn von heute an werden ihre Chöre ergänzt. Die Erstlinge seiner Erlösung, die der triumphierende Gottmensch in die ewigen Burgen einführt, und der göttlichen Dreieinigkeit als seine Siegesbeute darstellt, beginnen bereits mit den himmlischen Heerscharen im Einklang zu singen. Und schon tönt der Lobgesang: "Ihm, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm gebühren Lob und Ehre und Herrlichkeit und Kraft in alle Ewigkeit." (Offenbarung 5,13b)

 

3. Schließlich ist dieses glorreiche Fest der höchste Triumph der menschlichen Natur. Denn heute zieht diese Natur, zu der einst gesprochen wurde: "Du bist Staub, und sollst wieder zu Staub werden!" in den Himmel ein, ewig dort zu herrschen. Epheser 2,6: "Er hat uns mit Christus Jesus auferweckt und uns zusammen mit ihm einen Platz im Himmel gegeben", da wir die Verheißung haben, dass, wo unser Haupt voranging, auch wir, seine Glieder, ihm folgen werden. Er selbst auch sprach: "Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten." (Johannes 14,2b) Dorthin also erheben wir unser zagendes Gemüt, starkmütig auf dem Weg des Kreuzes zu gehen, der uns zu dieser unendlichen Herrlichkeit führt. "Ihr seid mit Christus auferweckt; darum strebt nach dem, was im Himmel ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt." (Kolosser 3,1)

 

4. Juni

 

Der heilige Franz Caracciolo, Priester und Ordensstifter von Neapel,

+ 4.6.1608 - Fest: 4. Juni

 

Franz, der mit dem Familiennamen Caracciolo – man sagt Karatscholo – genannt wurde, hatte in seiner Jugendzeit hochfliegende Pläne wie jeder andere junge Mensch auch, dass er nämlich etwas Großes werden wolle. Das ist später bei ihm auch eingetreten, aber anders, als er es sich gedacht hatte, denn nie war es ihm in den Sinn gekommen, Priester zu werden. Und dann ist er doch Priester geworden, ein Priester, der herrliche Taten der Nächstenliebe vollbracht hat.

 

Mit zweiundzwanzig Jahren erkrankte der junge Franz schwer, und die Ärzte sprachen bereits von seinem Lebensende. Er wollte jedoch nicht sterben. Mit aller Kraft sträubte er sich gegen den Tod. Als schließlich die Gefahr aufs höchste gestiegen war, machte Franz das Gelübde, Priester zu werden, falls er wieder gesund werde. Bald darauf wich wie durch ein Wunder die Krankheit von ihm. Es schien, als habe Gott auf das Versprechen des jungen Mannes gewartet, denn groß waren die Pläne, die er durch ihn verwirklichen wollte.

 

Franz war ein Mann von Wort. Gleich nachdem er gesund war, erfüllte er das Gelübde. Er trat in das Priesterseminar zu Neapel ein, studierte die heiligen Wissenschaften und empfing die Priesterweihe. Mit ganzer Seele übte er von Anfang an sein Amt aus, und der schwerste Posten, den es für einen Priester wohl gibt, war ihm gerade recht. Franz wurde nämlich Seelsorger auf den Galeeren.

 

Galeeren hießen zur damaligen Zeit die Kriegsschiffe. Dampfkraft und Elektrizität waren noch nicht entdeckt. Nur Ruder kannte man. Um solch ein schweres Schiff fortzubewegen, waren über zweihundert Ruderer erforderlich, die an beiden Schiffsseiten drei Stockwerke übereinander auf Bänken saßen und zu je fünf an einem der langen Ruder zogen. Es war eine unmenschlich harte Arbeit, die trotz hohen Lohnes niemand freiwillig verrichten wollte. Deshalb wurden die Verbrecher aus den Gefängnissen zum Dienst auf den Galeeren verurteilt, wo sie ohne Lohn bei wenig Essen und mit Ketten an den Füßen auf die Ruderbänke festgeschnallt wurden. Gewiss, Gerechtigkeit muss sein, aber es schneidet doch ins Herz, wenn man Menschen so bitter leiden sieht. Und Franz Caracciolo hatte ein sehr weiches Herz, das bei solcher Not wie Wachs zerfloss. Es war eben ein Priesterherz.

 

Was hat doch dieser Priester nicht alles getan, um seinen Schutzbefohlenen zu helfen! Tag und Nacht war er unterwegs, kletterte von einem Schiff auf das andere und lief sich die Füße wund, um bei den Behörden ein gutes Wort für die Gefangenen einzulegen. Als Bettler ging er in die Häuser und bat um Kleider und Wäsche für seine Freunde, wie er die Verbrecher nannte. Unglaubliche Mengen von Lebensmitteln trug Franz Caracciolo auf den eigenen Schultern zu den Sträflingen. Wie eine Mutter verband er ihre Wunden, und als barmherziger Samariter pflegte er sie in der Krankheit. Die Bedrückten tröstete er, und den Ratlosen half er, wo er nur konnte.

 

Die bittersten Stunden erlebte Franz Caracciolo jedes Mal dann, wenn er einen Verbrecher auf dem Gang zur Hinrichtung begleiten musste. Die Nacht vorher verbrachte er bei dem Verurteilten in der Gefängniszelle. Er weinte und betete mit dem Todgeweihten und nahm ihm die letzte Beichte ab. Auf dem Weg zur Richtstätte ging er Seite an Seite neben dem armen Menschen her und stärkte ihn für den furchtbaren Augenblick, der ihm bevorstand. Wenn dann das Urteil vollstreckt war, brach Caracciolo regelmäßig zusammen, denn solche Erlebnisse greifen das Herz an. Und weil das Herz dieses Priesters allzu weich war bei fremder Not, so versagte es auch viel zu früh. Bereits mit vierundvierzig Jahren starb Franz Caracciolo, der barmherzige Samariter der Galeerensträflinge am 4. Juni 1608, nachdem Gott durch ihn große Pläne zum Wohl der Ärmsten verwirklicht hatte.

 

Der heilige Quirinus, Bischof und Martyrer von Sisak, Ungarn,

+ 4.6.309 – Fest: 4. Juni

 

Der heilige Quirinus war Bischof von Siscia in Pannonien (Sissek in Ungarn). Sein Leben und sein berühmter Martertod ist vom heiligen Hieronymus beschrieben und von den christlichen Dichtern Aurelius Prudentius und Venantius Fortunatus in herrlichen Hymnen besungen. Die uralten Leidensakten des heiligen Quirinus erzählen folgendes:

 

Zur Zeit der Verfolgung Maximians und Diokletians gab der Statthalter Maximus in Siscia den Befehl, den Bischof Quirinus zu verhaften. Quirinus hatte die Stadt verlassen, wurde aber von den Häschern eingeholt und vor den Richter geführt. Dort fragte ihn Maximus:

 

„Warum wolltest du fliehen?“

 

Quirinus: „Ich habe nur den Befehl meines Meisters befolgt, der gesagt hat: Wenn man euch in einer Stadt verfolgt, so geht in eine andere!“

 

Maximus: „Wer hat dieses befohlen?“

 

Quirinus: „Jesus Christus, der wahre Sohn Gottes.“

 

Maximus: „Weißt du denn nicht, dass dich die Befehle des Kaisers überall erreichen werden? Du hast es nun erfahren, und jener, welchen du den wahren Gott nennst, konnte dir, da du ergriffen wurdest, nicht helfen, sonst ständest du nicht als Gefangener vor mir.“

 

Quirinus: „Der Gott, den wir anbeten, ist allezeit bei uns, wo immer wir uns befinden mögen. Er kann uns überall helfen. Er war bei mir, als man mich gefangen nahm, er ist auch hier zugegen, stärkt mich und redet durch meinen Mund.

 

Maximus: „Mit deinen vielen Worten verlierst du die Zeit. Lies die kaiserlichen Befehle, gehorche und opfere!“

 

Quirinus: „Solche Verordnungen verachte ich, weil sie gotteslästerlich sind, indem sie von uns fordern, dass wir eingebildeten Götzen opfern. Der Gott, welchem ich diene, erfüllt den Himmel, die Erde und das Meer. Er ist überall, höher, als alles, weil er alles umfasst. Durch ihn besteht jedes Wesen.“

 

Maximus: „Das Alter hat deinen Verstand geschwächt, und du lässt dich durch Märchen irreführen. Wähle! Hier ist Weihrauch, den Göttern zu opfern, oder sei gewärtig, alle Schmach und den grausamsten Tod zu erdulden.“

 

Quirinus: „Diese Schmach wird mich ehren und dieser Tod wird mir ewiges Leben bereiten. Ich verehre nichts als den Altar meines Gottes, auf dem ich oft ein Opfer des Wohlgeruchs dargebracht habe.“

 

Maximus: „Dein Unsinn wird dich in den Tod bringen. Opfere den Göttern!“

 

Quirinus: „Ich opfere den Götzen nicht, denn es steht geschrieben: Alle Götter der Heiden sind Teufel, und die, welche ihnen opfern, werden vertilgt werden.“

 

Als die Überredungskünste des Statthalters an der Glaubenstreue und dem Opfermut des heiligen Bischofs scheiterten, wies er auf die Folterwerkzeuge und drohte mit den empfindlichsten Qualen. Dann wieder versprach er ihn sofort freizulassen, wenn er sich nur den Schein der Unterwerfung gebe. Er könne dann immerhin bei seinem Glauben bleiben. Endlich wollte er ihn gar zu einem Priester Jupiters machen, wenn er Christus verleugne. Aber weder Schmeicheleien noch Drohungen konnten des heiligen Bischofs Felsenmut erschüttern. Darauf ließ ihn der Statthalter mit Stöcken schlagen und mit Ketten beladen, ins Gefängnis werfen.

 

Quirinus antwortete: „Nun bin ich ein wahrer Priester, weil ich mich selbst dem wahren Gott zum Opfer bringe. Ich fühle keinen Schmerz, sondern freue mich der Schläge, die mein Körper erdulden musste. Ich bin bereit, noch viel größere Peinen ertragen, damit ich denen, welchen ich als Bischof vorgesetzt bin, den Weg zum ewigen Leben zeige.“

 

Im Gefängnis warf sich Quirinus auf die Knie nieder und betete zum Himmel: „Ich danke dir, o Herr, dass du mich würdigst, um deinetwillen diese Beschimpfungen zu leiden. O verleihe, dass alle, welche in diesem Gefängnis sind, den alleinigen Gott erkennen und dass es außer dir keinen anderen Gott gibt!“

 

Sein Gebet wurde erhört. Um Mitternacht verbreitete sich plötzlich ein überirdischer Glanz im Gefängnis. Der Kerkermeister Marcellus, der dieses Wunder sah, fiel dem heiligen Bischof zu Füßen und sprach mit Tränen: „Heiliger Mann! Bitte deinen Gott für mich, denn ich glaube, dass es keinen anderen Gott gibt, als jenen, welchen du anbetest.“ Gerührt unterrichtete ihn der Bischof und taufte ihn.

 

Drei Tage danach sandte Maximus den heiligen Bekenner zu Amantius, dem Statthalter von Oberpannonien, damit dieser ihn zum Tod verurteile. Mit Ketten beladen führte man den standhaften Bischof durch alle Städte an der Donau bis nach Sabaria (Stein am Anger), wo das Gericht gehalten werden sollte. Da brachten ihm christliche Frauen Erfrischungen und küssten die Ketten des Dieners Christi. Als er die Christen segnete, fielen ihm wunderbarerweise die Ketten von den Händen und Füßen.

 

Der Statthalter Amantius ließ ihn vor seinen Richterstuhl führen und wandte alle Beredsamkeit, Bitten und Drohungen an, um ihn vom Glauben abwendig zu machen, aber Quirinus antwortete: „Ich habe zu Siscia den wahren Gott verehrt, und diesen trage ich auch hier im Herzen. Keine Macht der Welt wird mich je von ihm trennen können.“ Da weder Verheißungen noch Drohungen den heldenmütigen Bekenner wankend machen konnten, sprach der Statthalter das Urteil, dass er mit einem Mühlstein am Hals in den Fluss geworfen werden sollte. Die Henker schleppten den Heiligen auf die Brücke des Flusses Günz und stießen ihn hinab. Doch zum Erstaunen aller Zuschauer wurde er von dem Stein nicht in die Tiefe gezogen, sondern schwamm geraume Zeit auf der Oberfläche des Wassers und ermahnte die am Gestade stehenden Christen, ihrem Glauben treu zu bleiben und sich weder durch Qualen noch durch den Tod erschrecken zu lassen. Dann bat er Gott, er möge seine Leiden vollenden. Kaum hatte er diese Worte gesprochen, so sank er unter, am 4. Juni 309. Sein Leichnam wurde aus dem Wasser gezogen und in einer Kapelle zu Sabaria bestattet. Später kamen die Reliquien des heiligen Quirinus nach Rom und wurden neben denen des heiligen Sebastian beigesetzt. Papst Innocenz II. erhob im Jahr 1140 die Gebeine des Quirinus und ließ sie in der Marienkirche jenseits der Tiber zur Verehrung aufstellen. Einige Reliquien von ihm kamen in andere Kirchen Roms, nach Aquileja und Mailand und nach dem berühmten Kloster Fulda.

 

Gebet nach dem heiligen Wilhelm, Bischof von Paris, am 4. Juni

 

Zu dir flehe ich, du vortreffliche Mutter meines Gottes. Nicht umsonst grüßt dich die ganze Kirche als die Fürsprecherin und Zuflucht der Sünder, als die Mutter der Barmherzigkeit. Nein, man wird von dir, die du den Quell aller Barmherzigkeit geboren hast, niemals sagen können, dass du jemand hilflos von dir entlässt. Solltest du den Sündern deine Fürsprache nicht zuwenden, da du lauter Liebe bist, und deine Vermittlung bei Gott alles vermag? Du hast unzählige Male deine Milde gegenüber den elendsten Sündern bewiesen. Du hast uns vollkommen überzeugt, dass wir auf dein Erbarmen sicher vertrauen, auf deine Güte hoffen und in allen Nöten um deinen Schutz bitten dürfen. Ich bin daher versichert, du wirst viel nachdrücklicher für mich sprechen als ich selbst imstande bin, es zu tun, und mir größere Gnaden erwirken, als ich selbst zu begehren wage. O Mutter der Barmherzigkeit, du hast noch keinen, der sich aufrichtig an dich wendete, von den Wirkungen deiner Güte ausgeschlossen: sollte ich der einzige Unglückliche sein, deinen Beistand um den ich dich so dringend bitte, nicht zu erhalten? O Maria, ich bin ja dein Diener. Bewirke durch deine Vermittlung dass ich Vergebung meiner Sünden erlange, würdige Früchte der Buße bringe und selig werde. Amen.

 

Zu Gott

 

Herr, gib uns im Leiden Geduld, damit wir als Nachahmer Deiner Geduld Dir wohlgefallen, und einst an Deinen Freuden teilnehmen, der Du lebst und regierst, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

In Frankreich wurde das Fest "Mariä vom Sieg", den König Philipp August im Jahr 1214 über die Engländer erhielt, am heutigen Tag begangen. Der König schrieb den Sieg der Fürbitte der seligsten Mutter Gottes zu, und erbaute nahe bei Senlis zur Ehre Jesu Christi und seiner heiligsten Mutter eine Kirche, die er Notre Dame de Victoire nannte.

 

Andacht am 4. Juni:

 

Das Thema im Juni:

Vom Gehorsam

"Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen." (Matthäus 23,3)

 

"Ein einziger Tropfen vollkommenen Gehorsams ist Millionen Mal mehr wert als das größte Gefäß voll des erhabensten beschaulichen Gebetes." (Die heilige Magdalena von Pazzi)

Als der heilige Aloysius in eine sehr schwere Krankheit verfallen war und die Ärzte meinten, seine beständige Beschäftigung mit Gott strenge seinen Geist allzu sehr an, ließen sie durch seine Oberen ihm verbieten, diesen Betrachtungen sich zu ergeben. Da hörte man den heiligen jungen Mann unter seinen innerlichen Tröstungen und Erleuchtungen öfters ausrufen: "O mein Gott, entferne Dich doch von mir, weil ich meinen Oberen gehorchen muss!"

Immer zeigte der heilige Felix, aus dem Kapuziner-Orden, eine große Liebe, die Befehle seiner Vorgesetzten zu vollziehen, wie immer sie lauten mochten. Das geringste Zeichen ihres Willens genügte ihm, auf der Stelle zu gehorchen. Sein Gehorsam ging so weit, dass die Oberen in seiner Gegenwart auf der Hut sein mussten, ihre verschiedenen Neigungen nicht zu offenbaren, damit der Heilige sie nicht als Befehle betrachtete und zu ihrer Befolgung eilte.

 

Herr, ich unterwerfe Dir meinen Willen; nicht will ich mehr wollen, außer was diejenigen von mir verlangen, die an Deiner Stelle mir befehlen; und gehorchen will ich ihnen wie Dir selbst! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 4. Juni

 

"Wohlan denn, mutige und unüberwindliche Soldaten Jesu Christi,

bekleidet euch mit Kraft und mit Eifer.

Könnte einer zögern, das Kreuz in der Nachfolge

seines siegreichen Anführers zu tragen?"

 

sel. Heinrich Seuse OP

1298 bis 25.1.1366

 

Betrachtung am 4. Juni - Über die Begründung der Kirche

 

Auf dem Berg erbaut der Herr ein Haus.

Und die Hölle sieht es mit Ergrauen,

Speit mit Ingrimm ihren Geifer aus,

Raubt die Steine, tötet, die da bauen;

Und schon wähnt sie, blind, den Bau vernichtet.

Sieh, da steht er himmelhoch errichtet.

 

1. Erleuchte, Herr, meine Seele, deine abgrundtiefen Ratschlüsse in der Begründung deiner Kirche zu schauen, die als das allerhöchste Werk deiner Allmacht aus deinen Händen hervorging. Staunend betrachte ich, wie du selbst, Herr, dieser Begründung durch arme, einfache, waffenlose Fischer unüberwindliche Hindernisse gesetzt hast. Ja fürwahr, sie selbst sind ein großes Hindernis, und durch ihre Unwissenheit mehr geeignet, dein Werk umzustürzen, als zu gründen. Nicht Gold noch Waffen gibst du ihnen. "Siehe," sprichst du, "ich sende euch wie Schafe unter die Wölfe!" Ihr Blut sollen sie vergießen und sich erwürgen lassen, den Glauben an unbegreifliche Geheimnisse und die Lehre des Kreuzes in einer ungläubigen und lasterhaften Welt einzuführen. Werden je diese Jünger einen so unerhörten Befehl erfüllen?

 

2. Und siehe, diese Lichtboten teilen den Erdkreis unter sich, und predigen das Kreuz und die Buße. Nie ruhen sie, bis sie dir, ihrem gekreuzigten Herrn, die Welt unterwerfen. Schon ertönt ihr Wort, und die Welt gerät darüber in Wut wie über gottlose Lästerung. Mit allen Schrecknissen bewaffnet sich die Hölle, Juden und Heiden toben, das uralte, seit Jahrtausenden auf dem ganzen Erdkreis fest gewurzelte Götzentum erhebt sich mit seiner ganzen Macht, die Henker peinigen, foltern, enthaupten, verbrennen, zerreißen deine Bekenner, das Schwert mäht Jahrhunderte fort, und mitten unter diesem Blutbad siegt das Kreuz, die Welt ist christlich, und die ermüdeten Henker wandeln aus Wölfen sich in Schafe. Der denkende Geist sinkt nieder und betet im Staub an.

 

3. Wie wunderbar, o Sohn des allmächtigen Gottes, ist deine Weisheit. Nicht Waffen, allmächtige Wunder übergabst du ihren Händen. Deine Kraft siegte in deinen heiligen Blutzeugen, dein göttliches Licht erleuchtete sie, dass sie die Güter der ewigen Glorie schauten. Und so sehr wurden sie von dem Vorgefühl dieser unendlichen Seligkeit durchdrungen, dass sie mitten unter den grausamsten Martern jubelten, und ihre Peiniger zur Verzweiflung brachten, ja nicht selten bekehrten. Glorreich ging deine heilige Kirche aus diesem blutigen Kampf hervor, und steht, trotz der Wut ihrer Feinde, unerschütterlich als das Reich aller Zeiten. "Du allein bist der Gott, der Wunder tut, du hast deine Macht den Völkern kundgetan." (Psalm 77,15)

 

5. Juni

 

Der heilige Bonifatius, Erzbischof von Mainz und Martyrer in Friesland,

+ 5.6.754 - Fest: 5. Juni

 

Wilde Aufregung herrschte im Land der Hessen, als durch die Gegend wie ein Lauffeuer die Nachricht eilte, dass es der fremde Priester, der sich Bonifatius nannte, auf eine Gewaltprobe ankommen lassen wollte. Um den Zauber der Germanengötter für immer zu brechen, hatte er sich vorgenommen, die dem Donnergott Thor geweihte Eiche bei Geismar zu fällen. Damit wollte er, so hatte er erklärt, klare Verhältnisse schaffen und den Beweis erbringen, dass der Christengott stärker ist als Thor sei. „Stärker als Thor“, sagten die Leute, „ist niemand.“ Andere äußerten sich drohend: „Er wird es nicht wagen!“ Wieder andere freuten sich bereits im Voraus und meinten: „Beim ersten Axthieb wird Thor den Übermütigen niederstrecken.“ So redete man hin und her. Schließlich wollten alle den Fremden gewähren lassen. Sollten die Götter die Zerstörung des Heiligtums ungestraft hinnehmen, so müsse man sie als Schall und Rauch betrachten und den Gott der Christen als den wahren Gott anerkennen. Das gäbe in Wahrheit klare Verhältnisse.

 

Endlich kam der Tag der großen Entscheidung. Von allen Seiten strömten die Hessen in Scharen herbei. Die Menge umstand in einem weiten Kreis die alte riesige Eiche. Finster und trotzig blickten die einen, ängstlich die anderen, aber über allen lag eine fühlbare Spannung. Wer würde sich stärker erweisen, Christus oder Thor?

 

Wirr redeten die Leute durcheinander. Als aber vom Dorf her der fremde Priester mit seinen Mönchen singend und betend in Prozession heranzog, verstummte jedes Gespräch. Eine lautlose Stille breitete sich über die Tausende aus. Scheu wich man zur Seite und gab den Männern Raum, dass sie an die Eiche herantreten konnten. Nun war es endlich soweit. Wer würde stärker sein, Christus oder Thor?

 

Eine Weile beteten und sangen die Mönche. Dann schaute sich Bonifatius, ein riesiger und kräftiger Mann, nach Handwerkszeug um. Armmuskeln wie Stahl wurden sichtbar. Er spuckte in die Hände und griff nach der Axt. Im nächsten Augenblick sirrte das Eisen durch die Luft, und Schlag auf Schlag traf die Eiche.

 

Schnell machten es die anderen Mönche wie Bonifatius. Zu viert lösten sie einander ab, bis alle in Schweiß gebadet waren. Stundenlang ruhten die Äxte nicht, bis sich auf einmal der Riese zur Seite neigte und unter Krachen und Bersten zu Boden fiel. Da erst kam wieder Leben in die Menge, die bisher lautlos dem Schauspiel zugesehen hatte. Mit der stürzenden Donnereiche war für alle die Frage entschieden, wer stärker war, Christus oder Thor.

 

Die Hessen bekehrten sich, doch nicht nur sie allein, denn der Klang der Axtschläge und das Krachen des stürzenden Baumes wurden in ganz Deutschland gehört und verstanden. Die alten Götter waren tot. Sie hatten nie gelebt. Es lebte nur ein Gott, der lebendige Gott der Christen. Natürlich dauerte es noch Jahrhunderte, bis alle deutschen Volksstämme nicht nur dem Namen nach, sondern auch von innen heraus wirklich christlich wurden. Aber in Geismar begann es, dort war das Ende der germanischen Götter.

 

Als Wanderbischof ist Bonifatius dann von Friesland bis Thüringen und Bayern landauf und landab gezogen, hat Kirchen und Klöster gebaut und Bistümer gegründet. Er hat breit und fest die Fundamente gelegt, auf denen sich später wie ein gewaltiger Dom die katholische Kirche in Deutschland entwickeln konnte. Der heilige Bonifatius ist der geistliche Vater der deutschen Katholiken, die ihm den Glauben verdanken.

 

Achtzig Jahre war Bonifatius, als er hörte, dass die durch ihn bekehrten Friesen vom Glauben abgefallen waren. Da fuhr der alte Mann noch einmal den Rhein hinab, um die Abgefallenen zurückzugewinnen. Schon konnte er einen vollen Erfolg verzeichnen, da fiel er mit zweiundfünfzig Gefährten den Spießen und Schwertern erbitterter Feinde zum Opfer. Es geschah am 5. Juni 745, am hochheiligen Pfingstfest. Die sterblichen Überreste des Heiligen ruhen im Dom zu Fulda. Dort wird auch das Evangelienbuch aufbewahrt, das der Martyrer schützend über sich hielt, als er den Todesstoß empfing. In dieses Buch hat einer seiner Zeitgenossen die pfingstlichen Worte hineingeschrieben: „Durch deine Lehre werden die Herzen neu gebildet. Was krumm ist, machst du gerade, und was schlecht ist, machst du wieder gut.“

 

Der heilige Bonifatius ist wie ein Pfingststurm über Deutschland gekommen.

 

Der heilige Meinwerk, Bischof und Bekenner von Paderborn,

+ 5.6.1036 – Fest: 5. Juni

 

In der Reihenfolge der Bischöfe von Paderborn steht der heilige Meinwerk an zehnter Stelle, aber in betreff seiner segensreichen Wirksamkeit glänzt er als der besten einer. Als Sohn des sächsischen Grafen Imed und seiner Gattin Athela war er mit dem sächsischen Kaiserhaus verwandt. Sein Bruder Thiederich war bestimmt, die Würde seines Vaters zu erben, seine Schwester Glismod verehelichte sich mit einem Adeligen in Bayern, seine Schwester Azela trat in das Kloster des heiligen Vitus zu Elten, Meinwerk aber wurde von seines Eltern zur weiteren Ausbildung nach Halberstadt, später nach Hildesheim geschickt, wo er mit Herzog Heinrich von Bayern, dem späteren Kaiser Heinrich II., im Streben nach Tugend und Wissenschaft wetteiferte.

 

Nach Vollendung seiner wissenschaftlichen Vorbereitung trat Meinwerk in den geistlichen Stand und erhielt ein Kanonikat zu Halberstadt. Wegen seiner hohen Geburt, seiner Anhänglichkeit an das Kaiserhaus und seiner gefälligen Sitten wählte ihn Kaiser Otto III. bald nach seinem Regierungsantritt zu seinem Hofkaplan. Auch bei Ottos Nachfolger, Heinrich II., stand Meinwerk in hoher Gunst. Diese beiden Verwandten und Jugendfreunde bewahrten ihr ganzes Leben lang die innigste Freundschaft.

 

Nach dem Tod des Bischofs Rethar von Paderborn kamen Abgesandte dieser Stadt an den kaiserlichen Hof zu Goslar, mit der Bitte, der Kaiser möge der durch Feuersbrunst heimgesuchten Stadt einen würdigen und tatkräftigen Bischof geben. Der Kaiser beriet sich mit den Bischöfen und Großen des Reiches und aller Augen fielen auf Meinwerk. Die Demut des Hofkaplans sträubte sich anfangs gegen diese Würde, aber in Anbetracht, dass er dem armen Bistum nützlich sein könne, fügte er sich dem höheren Willen, und empfing am 13. März zu Goslar vom Erzbischof Willigis die bischöfliche Konsekration.

 

Mit Jubel wurde der neue Bischof vom Klerus und der Bürgerschaft Paderborns empfangen. Seine erste Sorge war, den im Jahr 1000 durch Feuer verwüsteten Dom wieder herzustellen und er verwendete dazu sein väterliches Vermögen. Dann besuchte er alle Pfarren seines Bistums, um die Missstände kennenzulernen und Abhilfe zu schaffen. Oft kam er ganz unerwartet und unerkannt, rügte jede Unordnung, predigte überall mit glühendem Eifer das Wort Gottes und wirkte unsäglich viel Gutes für die ihm anvertraute Herde.

 

In Angelegenheiten des Reiches zog ihn der Kaiser zu Rate (1011) und Meinwerk wusste durch sein Ansehen und seine Klugheit und Milde auf den Reichstagen zu Koblenz und Mainz den Frieden unter den Fürsten herzustellen. Zum Dank erhielt er viele Unterstützungen für seine durch Krieg und Brand sehr verarmte Herde. Im Jahr 1013 begleitete Meinwerk den Kaiser Heinrich II. auf seinem Römerzug und erhielt von seinem Jugendfreund bedeutende Besitzungen für seine arme Kirche. Papst Benedikt VIII., der den Kaiser krönte, schenkte dem Meinwerk kostbare Reliquien für seine Kirche und bestätigte feierlich alle Besitzungen und Privilegien seines Bistums.

 

In Rom wurde Meinwerk von der Pest befallen. Er machte das Gelübde, wenn er genesen würde, wolle er dem heiligen Alexius eine großartige Kirche bauen. Gott nahm sein Opfer wohlgefällig an und gab ihm in sehr kurzer Zeit die Gesundheit zurück. Auf der Rückfahrt kam Meinwerk mit seinem kaiserlichen Freund nach Clugny und erbat sich von der dortigen berühmten Abtei dreizehn erprobte Benediktinermönche, die er nach Paderborn mitnahm und für die er dort, westlich vom Dom, die Benediktinerabtei Abdinghof stiftete, der er den Mönch Sigehard als ersten Abt vorsetzte (1015). In demselben Jahr weihte er die herrlich vollendete Domkirche ein. Dicht daneben baute er die bischöfliche Wohnung. Zwei Jahre später(1017) baute er an der Nordseite des Domes an die um 800 aufgeführte Geroldskapelle die dreischiffige Bartholomäuskapelle, deren schlanke Säulen und schönen Verhältnisse noch heute die Bewunderung aller Kunstfreunde erregen.

 

Auch Leiden und Bitterkeiten blieben dem edlen Bischof nicht erspart. Im Kloster Corvey wollte er die verfallene Zucht wieder herstellen, wurde aber mit Schimpf von den Mönchen abgewiesen. Durch Vermittlung des Kaisers wurde der unfügsame Abt abgesetzt und statt seiner Thruthmar zum Abt ernannt. Ein noch tieferes Herzeleid verursachte ihm seine Mutter Athela, die sich nach dem Tod des Grafen Imed mit dem Grafen Balderich vermählt hatte, und von diesem angereizt, ihren eigenen Sohn Thiederich auf der Burg Uplach bei Elten ermorden ließ. Sie wurde zum Tod verurteilt, aber auf die Fürsprache Meinwerks begnadigt. Arm und verlassen starb sie zu Köln, unaufhörlich von ihrem bösen Gewissen gepeinigt.

 

Zu Ehren des heiligen Alexius baute Meinwerk eine Kapelle, wie er es in Rom gelobt hatte und verlieh ihr das Asylrecht. Auch weihte er die Kirche „Zum heiligen Kreuz“ in Herford ein. Die Stadt Paderborn umgab er mit Mauern, um sie gegen feindliche Einfälle zu schützen. Eine besondere Fürsorge ließ er der Pflege der Wissenschaften angedeihen. An der Domschule zu Paderborn wirkten tüchtige Lehrkräfte in allen Zweigen der Wissenschaften und es gingen ausgezeichnete Männer aus ihr hervor, unter denen ich nur die danach kommenden Bischöfe Altmann von Passau, Anno von Köln, Friedrich von Münster zu nennen brauche.

 

Die segensreiche Wirksamkeit, die wohlwollende Liebe, verbunden mit einem unermüdlichen Seeleneifer, erwarben dem edlen Bischof die Herzen aller, die ihn kannten. Kaiser Heinrich, sein Jugendfreund, verweilte oft und gern bei ihm, feierte 1013 das Osterfest, 1014 und 1016 das Weihnachtsfest, und verweilte dort mit seiner Gemahlin Kunigunde im folgenden Jahr. Im Jahr 1021 schenkte der Kaiser dem Bischof und der Kirche zu Paderborn die Grafschaft des Grafen Dodico, um Warburg in dem Heffegau, Nethegau und Nithergau gelegen. Im Jahr 1023 schenkte der wieder in Paderborn weilende Kaiser der Kirche daselbst sein Landgut Erwete in Westfalen nebst den Gütern Steini und Hardinghausen.

 

Bei Kaiser Konrad II., Heinrichs Nachfolger, stand Meinwerk in gleicher Gunst, wie bei diesem. Oft hielt sich der Kaiser bei dem heiligen Bischof von Paderborn auf und feierte dort die Feste des Herrn. Für den Hauptaltar des vollendeten Klosters Abdinghof erhielt Meinwerk von Wolfgang, dem Patriarchen von Aquileja, die Reliquien des heiligen Felix, deren Echtheit ein Wunder erprobte. Bei der feierlichen Einweihung am 2. November 1031 waren der Erzbischof Humbert von Magdeburg, die Bischöfe Godehard von Hildesheim, Sibert von Minden, Sigfried von Münster und noch vier andere zugegen. Meinwerk stattete das Kloster mit reichen Besitzungen aus und ließ sie vom Kaiser bestätigen. In der Klosterkirche wollte er auch begraben sein. Darauf schickte er den baukundigen Abt Wino nach Jerusalem, um das Maß der Kirche des heiligen Grabes zu nehmen. Nach dieser Zeichnung ließ er 1035 im Osten der Stadt, dem sogenannten Bußdorf (Buschdorf) eine Kirche bauen, zu deren Dienst er Kanoniker bestimmte. Schon im folgenden Jahr (1036) weihte er diese Kollegiatkirche ein in Gegenwart des Erzbischofs Bardo von Mainz, Herimann von Köln und Bischof Bruno von Würzburg, und legte seine reichen Erbgüter auf den Altar der Kirche nieder. Insbesondere überwies er diesem Stift den Zehnten von allen geflügelten und vierfüßigen Tieren, die der Haupthof Herwidehusen (Hardehausen) und die dazugehörigen Nebenhöfe Bylnichhusen, Affle und Teninkhusen einbrachten.

 

Kaum hatte Meinwerk seinen Lieblingswunsch erreicht, als er sich schwach fühlte und niederlegte. Am Vorabend des heiligen Pfingstfestes empfing er mit großer Andacht die heiligen Sterbesakramente und Auge und Herz zum Himmel erhoben, gab er seine Seele in Gottes Hände zurück am 5. Juni 1036. In derselben Stunde starb Boso, Mönch in Corvey, ohne Zeichen von Unwohlsein, im Gespräch begriffen, den Meinwerk vorher vor Gottes Gericht geladen hatte. Der heilige Godehard, Bischof von Hildesheim, erhielt durch höhere Offenbarung Kunde von dem Heimgang seines Freundes Meinwerk und empfahl Gott inständig dessen Seele. Die Gebeine Meinwerks wurden seinem Willen gemäß in der Kirche Abdinghof beigesetzt und bei Aufhebung des Klosters (1803) in die Bußdorfkirche übertragen. Im Jahr 1376 wurde Meinwerk heiliggesprochen.

 

Die heiligen Eoban, Mitbischof vom hl. Bonifatius, Martyrer,

und heiliger Adelar, Mönch, Gefährte des hl. Bonifatius, Martyrer,

+ 755 – Fest: Eoban: 7. Juli / Adelar: 5. Juni

 

Als der heilige Bischof Bonifatius lehrend und taufend im Land der Thüringer und Hessen umherzog, sah er, dass die Ernte zwar groß, der Arbeiter aber wenige waren, um die zahlreichen Gläubigen zu unterrichten. Er sandte deshalb in das Land und die Provinz seiner Heimat und ließ sowohl Frauen, als auch viele fromme Männer, die in mancherlei Wissenschaften unterrichtet waren, von dort kommen und teilte mit ihnen die Last seiner Arbeit. Unter den ausgezeichneten Männern befanden sich auch Eoban und Adelar.

 

Diese beiden gottbegeisterten und seeleneifrigen Priester predigten unter der Leitung des heiligen Bonifatius unermüdlich in Hessen und Thüringen und anderen deutschen Landen das Evangelium der Wahrheit und Liebe und gewannen zahllose Seelen für die Kirche Jesu Christi. Als die Zahl der Christen sich in den weitesten Provinzen Deutschlands von Tag zu Tag mehrte, errichtete Bonifatius mit Genehmigung des Papstes Zacharias im Jahr 741 vier neue Bistümer, nämlich Erfurt, Buraburg, Würzburg und Eichstätt. Für den nordthüringischen Bischofssitz Erfurt bestimmte er mit päpstlicher Genehmigung seinen verdienten Schüler Adelar, für den erledigten bischöflichen Stuhl zu Utrecht den gleichlieben Schüler Eoban. Beide erfüllten in ihren Sprengeln ihr hohepriesterliches Amt mit Eifer und Auszeichnung und befestigten den Glauben unter dem Ackerbau treibenden Volk mehr und mehr, so dass die letzten Spuren des Heidentums durch die siegende Kraft des Kreuzes verdrängt wurden.

 

Als der heilige Bonifatius zur Marterkrone eilte und die in den heidnischen Götzendienst zurückgefallenen Friesen zum christlichen Glauben heimführen wollte, nahm er seine langbewährten Jünger und Freunde Adelar und Eoban mit, damit diese treuen Gefährten im Apostelamt während ihres irdischen Wirkens auch an der ruhmreichen Krone des Martyriums teilnehmen möchten. Mit einer Anzahl Priester, Diakonen und Mönche bestiegen die drei Bischöfe in Mainz ein Schiff, fuhren rheinabwärts, stiegen in Utrecht aus und begaben sich nach Ostfriesland. Ihren feurigen Reden gelang es, eine große Anzahl Abtrünniger wieder zu gewinnen und die Schwachen im Glauben zu befestigen. Am hochheiligen Pfingstfest bereitete sich der heilige Bonifatius nebst Eoban und Adelar eben vor, den Neubekehrten das hl. Sakrament der Firmung zu spenden. Da stürzte aus dem Hinterhalt eine bewaffnete Rotte von räuberischen Heiden und erschlug die drei heiligen Bischöfe nebst ihren fünfzig Gefährten.

 

Der größere Teil der Leichen wurde an der Marterstelle bei Dockum begraben, die Leichen der drei Bischöfe nebst zehn anderen Märtyrern brachte man zunächst nach Utrecht. Unter großen Feierlichkeiten und Wunderzeichen wurden dann die irdischen Überreste der drei heiligen Bischöfe nach der erzbischöflichen Kathedrale in Mainz überführt und unter der innigsten Teilnahme des zusammengeströmten Volkes feierlich von dem Erzbischof Lullus, dem Nachfolger des heiligen Bonifatius, beigesetzt. Da aber der heilige Bonifatius ausdrücklich verlangt hatte, in seiner lieben Abtei Fulda seine Ruhestätte zu finden, so musste Lullus dem Verlangen des Abtes Sturm nachgeben und er führte die Leiche des teuren Freundes selbst dorthin. Die irdischen Überreste der beiden Bischöfe und Märtyrer Adelar und Eoban kamen nach Erfurt, wo sie in der Marienkirche aufbewahrt und vom gläubigen Volk innig verehrt wurden.

 

Adelar war der erste und auch der letzte Bischof von Erfurt; denn als er mit dem heiligen Bonifatius nach Friesland reiste, übergab er die im Zuwachs begriffene Diözese einstweilen dem Lullus, dem Erzbischof von Mainz. Erfurt mit dem fränkischen Südthüringen blieb dem Bistum Mainz einverleibt, das nördliche Thüringen bekehrte sich erst später unter Karl dem Großen und wurde mit dem im Jahr 814 errichteten sächsischen Bistum Halberstadt vereinigt.

 

Heute befinden sich die Reliquien der beiden Heiligen im Hochaltar der Kirche Heilige Familie in Oeventrop, einem Stadtteil von Arnsberg, im Hochsauerlandkreis in Nordrhein-Westfalen.

 

Der selige Ferdinand von Portugal,

+ 5.6.1443 – Gedenktag: 5. Juni

 

Ferdinand, königlicher Prinz von Portugal, trug von Jugend auf eine kindliche Ehrfurcht und Liebe zu Maria im Herzen, die sich auch in allen Handlungen und Vorfällen seines Lebens auf die erbaulichste Weise zu erkennen gab. Hoch verehrte er ihre jungfräuliche Reinheit und bewahrte diese Lieblingstugend der Unbefleckten an sich selber unter ihrem besonderen Schutz unversehrt bis an sein Grab. An allen Samstagen und den Vorabenden der Marienfeste fastete er bei Wasser und Brot, und um Mitternacht schon verließ er sein Lager, um das Offizium des betreffenden Tages gleich den Mönchen zu beten und sich durch Betrachtung auf die Feier des Festes vorzubereiten. Als sein Herr und Bruder, König Eduard, einen Feldzug gegen die Mauren beschlossen hatte, übernahm Ferdinand, weil jener es so wünschte, eine Feldherrnstelle bei den Truppen. Ehe er abzog, verfügte er letztwillig über seine nicht unbedeutenden Besitzungen, besuchte noch mehrere Stätten der Andacht, und bestrebte sich, durch Gebet, Opfer und reichliche Spenden an Arme und Kirchen den Beistands des Himmels und den Schutz der heiligen Jungfrau für das Unternehmen zu erlangen. Endlich begab er sich, nachdem er zuvor in der Kapelle Unserer Lieben Frau Scala (in Lissabon) aus den Händen seines Beichtvaters die heilige Kommunion empfangen, zum Heer, das bei Lissabon vor Anker lag und auf günstigen Wind zur Abfahrt wartete. In Afrika angekommen, zeigte er bei der Belagerung von Tingi, das die Ungläubigen besetzt hielten, dass „die Frömmigkeit zu allem nütze“, und dass er ein ebenso tapferer Soldat als frommer Christ sei. Da aber der König von Fez mit einer ungeheuren Kriegsmacht zum Entsatz Tingis heranrückte, wurde das christliche Heer genötigt, sich in das Lager zurückzuziehen. Nachdem es sich dort heldenmütig gegen wiederholte Angriffe verteidigt hatte, aber bei dem Mangel an Lebensmitteln und der Übermacht der Feinde keine Hoffnung blieb, sich in seinem nur wenig verschanzten Lager länger halten, noch durch die Überzahl der Feinde durchschlagen zu können, wurden Unterhandlungen mit den Barbaren angeknüpft, die schließlich dahin führten, dass den Portugiesen freier Rückzug auf ihre Schiffe gestattet wurde, den Mauren dagegen Septa, das in den Händen der Christen war, wieder zurückgegeben werden sollte. Zugleich verlangten die Ungläubigen, dass, bis die Übergabe Septas erfolgt wäre, einer der portugiesischen Prinzen (neben Ferdinand befand sich auch sein Bruder Heinrich beim Heer) als Geisel bei ihnen verbliebe, während sie den ältesten Sohn Zalabenzalas, des Herrschers von Tingi und Arsilla, als Gegengeisel anboten. Ferdinand wusste wohl, welchen Gefahren er sich unter einem ungläubigen und unzuverlässigen Volk aussetze, doch bot er sich aus Liebe zu seinem Bruder und zu seinen Gefährten, deren Rettung nur auf solche Weise noch möglich schien, freiwillig als Geisel an, und begab sich, begleitet von seinem Beichtvater, seinem Arzt und noch acht anderen Personen seines Gefolges, ins feindliche Lager. Obwohl der Sohn Zalabenzalas den Portugiesen ausgeliefert wurde, hatten die Barbaren nichts weniger im Sinn, als den geschlossenen Vertrag zu erfüllen. Unter allerlei nichtigen Vorwänden setzten sie die Feindseligkeiten gegen das christliche Heer fort, und behielten den Prinzen zurück, in der Hoffnung, Lösegeld, dessen Höhe sie immer und immer steigerten, für seine Freilassung zu erhalten. Es ist unbeschreiblich, was der königliche Prinz mit seinen Gefährten unter diesen barbarischen, von fanatischem Hass gegen die Christen beseelten Volk zu erdulden hatte, die sechs Jahre hindurch, die er unter ihnen zubrachte, nämlich bis zu seinem Tod im Kerker. Nach und nach setzte man alle Rücksichten bei Seite, die man seinem Stand schuldig war, und schließlich wurde er, wie der niedrigste Sklave behandelt, von seinen Gefährten getrennt, an Händen und Füßen an eiserne Ketten geschlagen, zu den niedrigsten Arbeiten in Gärten, auf Straßen und Wegen, zur Reinigung der Pferdeställe und dergleichen angehalten, ihm eine Kost gereicht, die die Hunde verschmähen würden, und die, wie die wenige Zeit, die man ihm zur Nachtruhe gestattete, nicht zu seiner Erquickung, sondern nur zur Fristung seines Lebens dienen sollte, um mit seinem Tod nicht alle Hoffnung auf bedeutendes Lösegeld zu verlieren, das man, wenn es angeboten wurde, doch immer wieder zurückwies. Der unglückliche Prinz trug sein Geschick mit dem Mut des Mannes und des Christen. Der Hinblick auf Christus, den Mann der Schmerzen, und das Andenken an Maria, die Schmerzensmutter, der er von Kindheit an ergeben war, stärkte ihn in seinen namenlosen Leiden. Dabei ließ er von seinen Andachts- und Bußübungen auch während dieser Zeit nicht ab, und alle Bemühungen der Barbaren, ihn zum Abfall vom christlichen Glauben zu bringen, blieben fruchtlos. Nicht mit der geringsten lässlichen Sünde, viel weniger durch einen so entsetzlichen Frevel, hätte er sich seine Freiheit und sein Leben erkauft.

 

Schließlich unterlag die Natur den langwierigen Leiden und unmenschlichen Misshandlungen. Im Jahr 1443, Anfang Mai, an einem Samstag, wurde er so schwach und krank, dass er sich kaum mehr bewegen konnte. Alle Versuche derer, die von den Seinigen noch am Leben geblieben waren, ihrem geliebten Herrn von seinen Tyrannen bessere Wohnung und Pflege zu erbitten, waren fruchtlos. Nur so viel konnten sie erlangen, dass ein Arzt und einige von den Christen in seinen Kerker gelassen wurden. Die Zeit, wo die Frömmigkeit und der christliche Heldenmut dieses Prinzen mit einer unverwelklichen Krone belohnt werden sollten, nahte heran. Seine geliebte Mutter und Königin Maria wollte ihrem treuen Sohn die letzten Augenblicke seines leidvollen Lebens noch durch himmlischen Trost versüßen und sein Herz mit der Versicherung der baldigen Anschauung Gottes trösten. Der Augenzeuge seines Todes, der Geheimschreiber und Leidensgenosse des Prinzen, Johannes Alvarez, schreibt: „Am Mittwoch, eine Stunde vor der Morgendämmerung, erhob sich der Beichtvater, der nun mit dem Arzt Tag und Nacht dem Kranken beistand, um nachzusehen, ob der Prinz schläft. Als er ihm ins Angesicht schaute, sah er einen hellen Glanz von ihm ausstrahlen. Es war der Ausdruck des Friedens und der Freude der darüber verbreitet war, die Augen mit Tränen gefüllt und zum Himmel gerichtet. Erstaunt hierüber fragte der Priester ein-, zwei- und dreimal den Prinzen ob er schlafe? Endlich gab er zur Antwort, dass er ihn höre. Der Beichtvater wollte nicht weiter mit Fragen in ihn dringen, weil er wohl merkte, dass er jetzt nicht reden wollte, und zog sich wieder auf sein Lager zurück, bis es Tag geworden war und die Wächter die Kerkertür aufschließen würden. Da diese Zeit gekommen war, hieß der Prinz den Beichtvater zu seinem Lager kommen und ersuchte den Arzt, sich auf einige Zeit zu entfernen. Als der Kranke mit dem Beichtvater allein war, sprach er zu ihm:

 

„Zwei Stunden war es, dass ich so dalag und still bei mir die Mühseligkeiten dieser Welt und die Glorie der Seligen im Himmel erwog. Da fühlte ich mich im Herzen sehr getröstet und große Sehnsucht, aus diesem Leben zu scheiden. Indes heftete ich meine Blicke auf eine Wand, und da sah ich denn mir gegenüber eine Frau von großer Majestät, auf einem erhabenen Thron sitzend, umgeben von vielen Personen voll Anmut und Glanz. Sogleich erkannte ich, dass es die Jungfrau Maria, die Mutter Gottes, die Zuflucht der Sünder, selber sei. Ich suchte mich vor ihr auf die Knie aufzurichten, und da vernahm ich, wie jemand von denen, die bei ihr waren, also sprach: „Wohlan denn, o Mutter und Frau, habe Mitleid mit diesem deinem und meinem andächtigen Diener und lass ihn nicht länger in den Martern, denn es ist Zeit, dass er mit uns sitze beim Gastmahl der himmlischen Glorie mit jenen unseren Brüdern.“ Auf die Bitten dieser beiden, die ich allein von den andern unterschied, vernahm ich von der heiligen Jungfrau Maria, indem sie mich mit freundlichem und holdseligem Blick ansah, dass ich an diesem Tag noch in ihrer Gesellschaft aufgenommen werden würde. Nachdem sie mir dieses gesagt hatte, verschwand sie. Zu großem Trost gereichte mir diese Erscheinung, und ich zweifle keinen Augenblick, dass ich heute noch aus dieser Welt scheiden werde.“

 

Nachdem der Beichtvater dies vernommen hatte, fing er an zu weinen und Gott zu preisen. Der Prinz erhob seine Hände zum Himmel, und dankte und betete. In der folgenden Nacht, nachdem er noch einmal eine Beichte über sein ganzes Leben abgelegt, das Bekenntnis des Glaubens ausgesprochen, sich Christus und seiner gebenedeiten Mutter empfohlen hatte, verschied er sanft und ruhig im Herrn im Kerker zu Fez, einundvierzig Jahre alt, von denen er die letzten sechs in der Gefangenschaft der Mauren und unsäglichen Leiden zugebracht hatte, am 5. Juni 1443. Gott verherrlichte seinen Diener nach dessen Tod durch mehrere Wunder, sowohl in Afrika unter den Ungläubigen, als auch in Portugal, wohin zuerst sein Herz und seine Eingeweide und später auch sein Leib gebracht wurde, und die Kirche verehrt ihn als Heiligen.

 

Gebet nach dem heiligen Germanus am 5. Juni

 

Heilige Maria, Mutter Gottes und unsere Königin, du bist der einzige Trost, den uns Gott gewährt. Du allein bist der himmlische Tau, der die Glut unserer Leiden vermindert. Du bist das Licht unserer Seele, wenn sie von Finsternis und Schrecken umgeben ist. Du bist unsere Führerin auf der Reise durch das Leben, unsere Kraft in der Schwachheit, unser Reichtum in der Armut, das Heilmittel unserer Wunden, unser Balsam, wenn der Kummer uns Tränen auspresst, unsere Zuflucht in der Trübsal und die Hoffnung unserer Seligkeit durch Jesus Christus, deinen Sohn. Amen. 

 

Zu Gott

 

Zu Dir, gütiger Vater, erheben wir vertrauensvoll unsere Hände, und bitten Dich durch die Huld, die Du Deinem treuen Diener unserer Vorfahren, dem Bonifatius erwiesen hast, dass Du den heiligen Glauben, den er mit Deiner Kraft verkündigt hat, überall wieder neu beleben und unversehrt erhalten wollest, damit wir Deine heiligen Offenbarungen mit gläubigem Sinn annehmen, unser Leben danach bilden, und so Deines Reiches durch unseren Heiland Jesus Christus würdig werden. Amen. 

 

Gebet der Kirche

 

Verleihe uns, o Herr, dass wir durch den Eifer des heiligen Bonifatius ermuntert, den heiligen Glauben, den er uns gepredigt hat, nicht nur mit dem Mund bekennen, sondern auch nach seinem Beispiel im Werk üben, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Zu Brüssel wurde am heutigen Tag wegen eines im Jahr 1288 vom Herzog von Lothringen erhaltenen Sieges eine feierliche Prozession gehalten, und dabei das Bildnis der heiligen Mutter Gottes samt den Reliquien der heiligen Jungfrau und Martyrin Juliana herumgetragen. 

 

Andacht am 5. Juni:

 

Das Thema im Juni:

Vom Gehorsam

"Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen." (Matthäus 23,3)

 

"Es ist verdienstlicher, einen Strohhalm aus Gehorsam aufzuheben, als zu predigen, zu fasten und sich bis aufs Blut zu geißeln, wenn man hierin seinem eigenen Willen folgt." (Der gottselige Alphons Rodriguez)

Die heilige Franziska unterbrach einst, als sie die Tagzeiten der allerseligsten Jungfrau betete, zu drei verschiedenen Malen den nämlichen Vers, ihrem Mann zu antworten, der sie rief; und der Herr offenbarte auf eine wundervolle Weise, wie wohlgefällig Ihm dieser ihr Gehorsam war.

Eine heilige Klosterjungfrau betrachtete, um sich immer mehr darin zu üben, alles aus Gehorsam zu tun, oftmals das Kruzifix und sprach zu ihrem Heiland: "Gehorsam bist Du geworden bis zum Tod!"

 

Nicht mehr nach eigenem Willen will ich von nun an tun; Dir, mein Gott, opfere ich ihn auf immer. Wie könnte ich auch als Jünger eines Gottes, der für mich gehorsam wurde bis zum Tod, mich weigern, Dir zu gehorchen? Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 5. Juni

 

"Wir sollen uns gegen unsere Feinde betragen,

wie der Arzt gegenüber dem Kranken,

den er zu heilen bestrebt ist.

Er liebt die Person, während er das Übel hasst."

 

hl. Ludwig von Granada OP

1504 bis 31.12.1588

 

Betrachtung am 5. Juni - Dankbarkeit für Gottes Wohltaten

 

Herr, es preise dich mein Leben;

Denn, o Urquell alles Lichts,

Du entriefest mich dem Nichts,

Und hast mich mir selbst gegeben.

 

1. Die Dankbarkeit ist eine Schuld, die wir in demselben Augenblick eingehen, wo wir eine Wohltat empfangen. Und es ist eine Ungerechtigkeit, diese Schuld nicht zu bezahlen. Eine noch schreiendere aber, sie nicht zu erkennen. Erkennst du diese Schuld? Was bist du aus dir selbst? Nichts, und abermals nichts! Wer hat Dasein, Leben, Gesundheit, Fähigkeiten, wer alle Gaben dieses, alle Verheißungen des künftigen Lebens dir gegeben? Kam dir nicht alles aus der Hand der göttlichen Freigebigkeit? Wie aber bezahlst du diese Schuld? Bezahlst du sie nicht jeden Tag, so bist du undankbar und ungerecht, da kein Tag, keine Stunde, ja kein Augenblick vergeht, wo Gott dich nicht erhält und dir Gutes erzeigt. 

 

2. Die Dankbarkeit ist eine Tugend, durch die wir erkennen, dass alles Gute uns von Gott zukommt, und die uns drängt, ihn als unseren allerhöchsten Wohltäter zu verehren, zu lieben, und alles, was wir sind und haben, ihm als seine Gaben anzueignen. Wie übst du diese Tugend? Gedenkst du der göttlichen Wohltaten? Ist dein Herz davon durchdrungen? Rechnest du Gottes Gaben nicht deiner Betriebsamkeit, deinem Fleiß an? Ach, mein Gott, zu meiner Beschämung bekenne ich vor dir, dass ich das undankbarste und ungerechteste deiner Geschöpfe bin. Alles, Herr, verdanke ich dir, mein Undank aber verdiente fürwahr, dass du alle deine Wohltaten mir entziehst.

 

3. Die Dankbarkeit ist schließlich ein Lobopfer, das Gott von uns erwartet, und zu dem seine Schrift uns ermahnt, die spricht: "Bring Gott als Opfer dein Lob, und erfülle dem Höchsten deine Gelübde." (Psalm 50,14) Wann und wie bringst du Gott dieses Lobopfer? Mit jedem Atemzug sollten wir Gott loben und ihm danken, denn jeder Augenblick ist eine Wohltat seiner Hand, die er uns nicht schuldig ist. Sind wir also dankbar Gott gegenüber. Auf unendliche Weise hat er dies um uns verdient. Undank verschließt sich selbst die Pforte der göttlichen Wohltaten, aber gern verleiht Gott seine Gaben einem Herzen, das seine Barmherzigkeit lobpreist. "Dankt für alles; denn das will Gott von euch, die ihr Christus Jesus gehört." (1. Thessalonicher 5,18)

 

6. Juni

 

Der heilige Claudius, Erzbischof und Bekenner zu Besancon in Frankreich,

+ 6.6.696 - Fest: 6. Juni

 

Der heilige Claudius wurde in Salins im heutigen Frankreich im Jahr 603 geboren. Er zeichnete sich schon in der Schule durch seine Fortschritte in den Wissenschaften und später als Soldat durch sein sittliches Verhalten aus. Fromm waren seine Reden und Gespräche, die er führte, und fromm die Bücher, die er las. Besonders gerne las er die Beschreibungen der Heiligenleben. Er wurde dann Chorherr an der Domkirche zu Besancon und führte auch als Domherr das strenge Leben eines Mönches. Er war das Muster und Orakel aller Priester weit umher. Im Jahr 685 wurde er, schon 83 Jahre alt, zum Bischof gewählt. Die Furcht vor den schweren Pflichten des Oberhirtenamtes bewog ihn, die Flucht zu ergreifen und sich zu verbergen. Aber man entdeckte ihn und ein Befehl des Papstes nötigte ihn, das hohe Amt, das für seine Demut so fürchterlich war, zu übernehmen. Er verwaltete sein Bistum mit dem Eifer eines Apostels, aber nach sieben Jahren gelang es ihm, die hohe Würde niederzulegen. Er zog sich nun in das Kloster des heiligen Eugendus im Jura zurück und zog das Ordenskleid an. Bald musste er auch hier das Amt des Abtes auf sich nehmen. Wegen seines Eifers für die evangelische Vollkommenheit wurde er mit dem heiligen Antonius dem Großen verglichen, dem Vater der Einsiedler, und seine Mönche wurden mit den Einsiedlern Ägyptens verglichen, weil sie, wie diese, mit der Handarbeit das Stillschweigen, das Gebet, die geistliche Lesung, strenges Fasten, vieles Nachtwachen und alle Tugenden verbanden. Vier Tage vor seinem Tod überfiel ihn eine leichte Krankheit. Er aber erkannte, dass er daran sterben werde, und bereitete sich um so eifriger auf den Tod vor. Am letzten Tag ging er noch in die Kirche, um die heiligen Sakramente zu empfangen, kehrte dann in seine Zelle zurück und starb im Sitzen, die Augen und Hände zum Himmel erhoben im Jahr 696. Sein Leib wurde in der Kirche seines Klosters begraben. Man fand ihn noch im Jahr 1243 und legte ihn in einen silbernen Sarg, wo er ohne das Zeichen der mindesten Verwesung jetzt noch gesehen wird.

 

Früh fing dieser Heilige an, sich Gott und allen geistlichen Übungen hinzugeben, und nahm bis in das höchste Alter von 93 Jahren immer noch mehr zu. Darum gelangte er auch zu so großer Heiligkeit. Wer im Guten nicht zunimmt, der nimmt ab. Wer im Wechsel bald zu-, bald abnimmt, der wird das Ziel nur schwer oder gar nie erreichen. Wenn wir nicht wachen und den Eifer nicht immer in Glut zu erhalten versuchen, können wir an Frömmigkeit in kurzer Zeit wieder verlieren, was wir in langer Zeit errungen haben. Lasst uns also wohl zu Herzen fassen, was der Apostel sagt: „Seid standhaft und unbeweglich; seid voll des Eifers im Werk des Herrn allezeit, da ihr wisst, dass eure Arbeit nicht vergeblich ist.“ 1 Kor 15,58. „Nicht wer angefangen, sondern wer bis zum Ende wird ausgeharrt haben, der wird selig werden.“ Hl. Bernhard.

 

Bewahre mich davor, o Gott, dass ich mir jemals einbilde, dass ich das Ziel schon erreicht habe und dass ich schon vollkommen bin. Lass mich vielmehr einsehen, wie ich noch voll Sünden bin und noch gar wenig Gutes an mir habe. Darum hilf, o Vater, dass ich vergesse, was hinter mir ist, und dass ich mich nach dem ausstrecke, was vor mir ist; dass ich dem vorgestreckten Ziel der Tugend zueile und den Preis des ewigen Lebens erlange. Ich bitte dich darum durch Jesus Christus unseren Herrn. Amen.

 

Der heilige Norbert, Erzbischof von Magdeburg, Ordensstifter,

+ 6.6.1134 – Fest: 6. Juni

 

Die Barmherzigkeit Gottes kennt mancherlei Mittel, um die Verirrten auf den rechten Weg zurückzuführen und aus ihnen geeignete Werkzeuge zur Förderung seiner heiligen Absichten zu bilden. Ein solches Werkzeug in der Hand des Allbarmherzigen war der heilige Norbert. Zu Xanten im Herzogtum Cleve um 1082 aus vornehmem Geschlecht geboren, war er als schöner, reicher, heiterer und fein gebildeter junger Mann allgemein beliebt. Zwar ließ er sich zum Subdiakon weihen und genoss als Kanonikus seiner Vaterstadt eine einträgliche Pfründe, lebte aber am Hof des Erzbischofs Friedrich von Köln und des Kaisers Heinrich V. mehr den Vergnügungen, als seinem Beruf.

 

Als er einst zu einer Lustbarkeit über Land ritt, überraschte ihn ein furchtbares Gewitter, ein Blitz fuhr gerade neben ihm nieder, das prächtige Ross bäumte sich auf, warf seinen Reiter ab und ging durch. Einige Zeit lag er bewusstlos am Boden. Als er sich erhob, fiel er auf die Knie und rief, wie einst Saulus von Damaskus: „Herr, was willst du, das ich tun soll?“ Der bessere Geist sagte ihm: „Meide das Böse, tue das Gute, suche den Frieden und richte dahin all dein Tun!“

 

Norbert vertauschte seine kostbaren Kleider mit einem härenen Bußkleid, fastete streng bei Wasser und Brot, legte eine Lebensbeichte ab und bereitete sich im Kloster Siegburg bei Köln unter Leitung des frommen Abtes Conon durch eifriges Studium der Heiligen Schrift auf die Priesterweihe vor.

 

32 Jahre alt empfing Norbert die Priesterweihe und hielt bei seiner Primiz in Xanten eine erschütternde Predigt über die Eitelkeit der Welt, die Kürze des menschlichen Lebens und der Strafgerechtigkeit Gottes, dass das anwesende Volk zu Tränen gerührt wurde. Am anderen Tag rügte er in einer Predigt vor den versammelten Chorherrn die eingerissenen Missbräuche. Dafür wurde er beim päpstlichen Legaten als Neuerer und Heuchler verleumdet und von einem niederen Kleriker sogar angespuckt. Geduldig nahm Norbert die Schmach hin, übte noch fleißiger das Gebet mit Fasten und Wachen und fand seine Freude in der Darbringung des heiligen Messopfers. Mit unermüdlichem Eifer predigte er und ließ sich durch Widersprüche nicht abschrecken. Auf der Synode zu Fritzlar 1118 musste er sich gegen die Anschuldigung verteidigen, dass er ein Mönchshabit trage, ohne Mönch zu sein, und dass er sich das Predigtamt angemaßt habe. Die Verteidigung war ihm leicht. Um aber niemand Grund zur Klage zu geben, legte er seine Pfründen nieder, verkaufte alle seine Güter, verteilte den Ertrag unter die Armen und pilgerte barfuß und in härenem Bußkleid nach St. Gilles in Languedoc, wo er Papst Gelasius II. traf, der ihm die Vollmacht erteilte, zu predigen, wo immer er wollte.

 

Mitten im Winter zog Norbert barfuß, streng fastend und predigend von St. Gilles nach Valenciennes. Drei Schüler gesellten sich ihm zu, erlagen aber bald der harten Lebensweise in seligem Tod. Dafür gewann er an Hugo, einem Hofkaplan seines Jugendfreundes Burkhard, Bischof von Cambrai, einen treuen und seeleneifrigen Schüler. Mit ihm setzte Norbert seine Missionstätigkeit fort und gewann zahllose Seelen für das Reich Gottes. Kam er in die Städte oder Dörfer, so wurden die Glocken geläutet, alles eilte zur Kirche und wohnte seiner heiligen Messe und Predigt bei. Er ermahnte zur öfteren Beichte, zu Eifer im Dienst Gottes und im Gebet, zur Treue im Beruf, zur Versöhnlichkeit und Beharrlichkeit im Guten. Zahlreiche Bekehrungen krönten die eindringlichen Predigten. Besonders war ihm die Gabe eigen, entzweite Gemüter wieder zu versöhnen und Frieden zu stiften.

 

Im Jahr 1119 besuchte Norbert der Papst Calixtus II. zu Reims, als dieser dort ein Konzil abhielt. Die versammelten Bischöfe, Äbte und der Papst empfingen ihn sehr ehrenvoll. Der Papst bestätigte die ihm von seinem Vorgänger erteilte Vollmacht zum Predigen und empfahl ihn dem Bischof Bartholomäus von Laon zur Fürsorge. Dieser bat den Heiligen, an einem beliebigen Ort seiner Diözese ein Kloster zu bauen. Norbert wählte das das wilde Tal Prémonstré im Wald von Coucy zur Niederlassung. So entstand 1120 die erste Stiftung des Ordens der Prämonstratenser oder Norbertiner nach der Regel des heiligen Augustinus, die die Seelsorge und Predigt mit den Pflichten der Kanoniker verbinden sollten. Die Mönche trugen ein weißwollenes Ordensgewand, zur Erinnerung, dass sie beim heiligen Opfer und bei der Sendung der heiligen Sakramente die Reinheit der Engel vertreten sollten. Außerdem schrieb er strenges Fasten, Stillschweigen und gastliche Pflege der Armen vor.

 

Der neue Orden gewann von Tag zu Tag an Umfang und Ansehen. Der Zudrang gottbegeisterter Männer steigerte sich dergestalt, dass in kurzer Zeit eine Menge blühender Klöster entstanden. Norbert reiste in Frankreich, Flandern und Deutschland umher, um auf den Ruf von Geistlichen, Gemeinden und Fürsten das Wort Gottes zu verkünden und Klöster zu stiften. In der Bestätigungsurkunde des Norbertinerordens durch Papst Honorius II. vom Jahr 1126 wurden bereits acht Abteien genannt, Prémonstré, Laon, Viviers, Floreff im Bistum Lüttich, Cappenberg in Westfalen, Elostadt in der Diözese Mainz, St. Annalis in der Doözese Metz und St. Michael in Antwerpen. Im Jahr 1141 zählte man bereits 100 Prämonstratenserklöster, im 15. Jahrhundert über 1000 Abteien, 300 Propsteien und 500 Frauenklöster. Norbert hatte nämlich, unterstützt und ermutigt durch seinen Freund, den heiligen Bernhard, auch für Frauen einen Orden nach der strengen Regel des heiligen Augustin gestiftet und der Zudrang war trotz der strengen Zucht so stark, dass noch zu Lebzeiten des heiligen Norbert über 10000 Frauen und Jungfrauen vorzugsweise aus den vornehmen und reichen Ständen sich in den neuen Orden aufnehmen ließen.

 

Um diese Zeit verbreitete ein gefährlicher Schwärmer, namens Tanchelin, in Belgien Irrtümer der ärgsten Art. Er verwarf das Priestertum, das heiligste Altarsakrament, verbot den kirchlichen Zehnten zu entrichten, gab sich für Gott aus, in dem die Fülle des heiligen Geistes sei, ließ sich einen Tempel errichten und trieb öffentlich mit Frauen und Jungfrauen die empörendsten Ausschweifungen. Wie ein König, in Purpur und Gold gekleidet und von 3000 Bewaffneten umgeben, verbreitete er seine Irrtümer und wusste durch Schmeichelreden und üppige Mahlzeiten die Opfer seiner Wollust zu ködern. In dieser Not rief der Bischof von Cambrai seinen Freund Norbert zu Hilfe. Dieser erschien mit tüchtigen Arbeitern seines Ordens und es gelang ihm in kurzer Zeit, die Ketzerei auszurotten. Voll Sanftmut und Wohlwollen rief er den Verirrten zu: „Wundert euch nicht, meine Brüder und Schwestern, ihr habt nur aus Unwissenheit geirrt; weil ihr keinen Unterricht hattet, habt ihr die Lüge für Wahrheit gehalten.“ Solche Worte und die heiligen Werke des Bußpredigers bewirkten, dass Männer und Frauen die heiligen Hostien, die sie zehn, fünfzehn und mehrere Jahre in Kisten und Löchern versteckt hatten, herbeibrachten. Für die vielfachen Verunehrungen des Allerheiligsten wurde ein Sühnefest gefeiert, und die Verehrung des heiligsten Altarsakramentes entzündete von neuem die Herzen. Die St. Michaelskirche nebst einigen Häusern wurde ihm überwiesen und es entstand daraus eine berühmte Prämonstratenserabtei.

 

In Angelegenheiten des Grafen Theobald von Champagne reiste Norbert zum Kaiser Lothar II., der gerade einen Reichstag zu Speier hielt. Sächsische Abgeordnete hörten Norbert predigen und wünschten ihn zum Erzbischof von Magdeburg. Die Demut Norberts sträubte sich gegen diese Auszeichnung, musste aber schließlich dem Drängen des Kardinallegaten Gerhard und des Königs Lothar nachgeben. Barfuß und in ärmlicher Kleidung hielt er seinen Einzug in Magdeburg. Als der Festzug sich von der Kirche zum erzbischöflichen Palast wandte, wollte der Türsteher, der ihn nicht kannte, den arm gekleideten Fremden nicht einlassen. Eines besseren belehrt, wollte der Diener die Flucht ergreifen, aber lächelnd rief ihm der Heilige zu: „Fliehe nicht, mein Bruder, du kennst mich besser, als jene, die mich Armen und Geringen zu diesem hohen Palast genötigt haben.“

 

Der neue Erzbischof führte sein armes, bußfertiges Leben fort, predigte mit Wärme, drang mit Festigkeit auf Abstellung der Missbräuche, strafte die Widerspenstigen und führte seinen Orden auch in Magdeburg und an anderen Orten ein. Diese Umgestaltung war mehreren Geistlichen ein Dorn im Auge, sie hassten und schmähten ihren Bischof, wiegelten das Volk auf und dingten Meuchelmörder. Aber Gott offenbarte seinem treuen Diener den Mordplan und er sah sein Verlangen nach dem Martertod nicht erfüllt. Großmütig verzieh er seinen Feinden. Nach drei Jahren unausgesetzter Mühen und inbrünstiger Gebete gelang es ihm, die Missbräuche abzustellen und Ordnung und Kirchenzucht neu zu begründen.

 

Im Jahr 1132 reiste er mit König Lothar II. nach Italien und bot mit dem heiligen Bernhard all sein Ansehen auf, dass Papst Innocenz II. wieder eingesetzt und Lothars Haupt mit der Kaiserkrone geschmückt wurde. Voll Freuden sah er die Wiederherstellung der Ordnung. Auf der Rückkehr aus Italien erkrankte er schwer und starb nach viermonatlichem Leiden am 6. Juni 1134. Papst Gregor XIII. setzte ihn 1582 in die Zahl der Heiligen. Sein Leichnam wurde bis zur Einführung der Reformation in Magdeburg hochverehrt, dann aber vom Kaiser Ferdinand II. im Jahr 1627 feierlich nach der Norbertiner-Abtei in Prag übertragen.

 

Der heilige Marzellin Josef Benedikt Champagnat,

Priester der Gesellschaft Mariens, Stifter der Maristen-Schulbrüder,

+ 6. Juni 1840 – Fest: 6. Juni

 

In demselben Jahr 1789, da die große französische Revolution Tausende von Menschenleben verschlang, wurde am 20. Mai in einem armen Bergdörfchen Südfrankreichs, in Rosey, ein schlichtes Müllerkind geboren, Marzel Josef Benedikt Champagnat. Dieses Kind der rauen Berge wurde der große Jugendapostel Frankreichs durch sein opferfreudiges Erzieher- und Priesterwirken, wurde der große Jugendapostel der Welt durch sein Werk und seine Jünger, die sein Wort und seine Liebe in alle Länder trugen.

 

Champagnats Talente waren gering, aber durch rastlose, berufsfreudige Arbeit rang er sich durch die ärgsten Schwierigkeiten hindurch. Seine Ausdauer und sein Gebet endigten mit einem glänzenden Sieg über seine schwache Begabung. Er wurde Priester und damit war sein heißes Jugendsehnen gestillt. Doch schon bevor er als Diener Gottes an den Altar trat, war es ihm vergönnt, seine heiße Liebe zu seiner himmlischen Mutter zu bestätigen. In Gemeinschaft mit mehreren anderen Seminaristen des Lyoner Priesterseminars gründete er die Kongregation der Maristenpatres und wurde selbst ein treues Mitglied dieser Genossenschaft. Doch Champagnat sah klar ein, dass dem französischen Volk mehr noch als gediegene Priester gediegene Lehrer und Erzieher nottaten. Darum lautete seine Forderung: Wir müssen Brüder haben!

 

Am 22. Juli 1816 weihte Kardinal Fesch, der Onkel des Usurpators Napoleon I., drei Heilige zu Priestern: Champagnat, den seligen Pater Colin und den später so weltberühmten Vianey, Pfarrer von Ars.

 

Nachdem Champagnat das Priesterseminar verlassen hatte, widmete er sich in Lavalla der Volksseelsorge, dem Krankendienst, dem Dienst der Armen und der verwahrlosten Jugend. Für diesen strengen, Opfer fordernden Dienst hatte er sich durch unerbittliche Selbstzucht während seiner Studienjahre gestählt. Zwei jüngere Mitseminaristen hatte er beauftragt, ihm jeden, auch den geringsten Fehler vorzuhalten. Tägliche Gewissenserforschung verlieh ihm klaren Einblick in jeden Winkel seiner Seele. Eine genau geregelte Tagesordnung, der er sich unerbittlich fügte, bot ihm ein kräftiges Mittel zur Selbsterziehung.

 

Es war keine leichte Arbeit, diese Hirtentätigkeit in den Bergen des Pilat. Rau war das Klima, rau der Boden, rau auch die Menschen, die in diesen steinigen Bergen ihr armseliges Dasein fristeten. Doch Champagnat verstand es mit aufopfernder Hirtensorge Blumen und Pflanzen zu ziehen auf hartem Grund. Ihnen widmete er seine ganze junge Priesterkraft, seinen feurigen Idealismus, seine edle Liebe und reine Seele. Wahrlich, es stand nicht gut um Frankreichs Jugend. Die große Revolution hatte vieles zerstört. Trostlos war die religiöse Unkenntnis und der sittliche Niedergang. Hier konnten nur gediegene, religiös durchgebildete Erzieher segensreichen Wandel schaffen. Mit glühender Apostelliebe und selbstvergessender Opferfreudigkeit zehrte Champagnat seine kernige Manneskraft auf in der Heranbildung junger geeigneter Lehrer und Erzieher. Diese, von heiliger Begeisterung erfüllten Jünglinge, die sich ganz dem Dienst Gottes und der Jugenderziehung unter dem Schutz Mariens weihen wollten, vereinigte er im ärmlichen Haus zu Lavalla. Dort legte er den Grundstein zur Kongregation der Maristenschulbrüder. Diesem großen Werk galt nun sein ganzes, arbeitsreiches Leben. Bei seinen Brüdern verweilte er in allen freien Stunden des Tages. Mit ihnen teilte er die häusliche Armut und die einfache Kost. Es war ein gar seltsames Haus, das erste Schulhaus von Lavalla! Einstöckig, mit hölzernen Schindeln bedeckt, barg es im Erdgeschoss eine kleine Schmiede. Hier verfertigten die Brüder in treuer Arbeitsgemeinschaft mit ihrem geistigen Vater in den spärlichen Erholungszeiten Nägel, deren Erlös ihnen das tägliche Brot verschaffte.  Unter dem zermürbten Schindeldach befanden sich die dürftigen Wohngemächer Champagnats und seiner Brüder. Ob auch der Sturmwind um das arme Häuslein heulte, ob Schnee und Regen durch alle Fugen drangen – innen übergoss der strahlende Sonnenschein der brüderlichen Liebe die harte Arbeitsmühe der jugendlichen Apostel. Täglich bei dämmerndem Morgengrauen, wenn noch gespenstige Nebel über düsteren Felsenschluchten brauten, eilte Champagnat die steilen Höhen des Pilat hinan von Bergdörflein zu Bergdörflein. Ein kleines Glöckchen lockte die Bauernkinder in eine Scheune, die als Lehrsaal diente. Hier nun wurde der Priester zum Kind, so tief ließ er sich zu der teilweise ganz verwahrlosten Jugend herab. Mit wahrer Erlöserliebe lehrte und belehrte er die Kinder und die Erwachsenen, erzählte ihnen sinnige Geschichten und anregende Beispiele. Die Kinder hingen mit zärtlicher Innigkeit an ihrem „Vater“. Dieser opferte sich auch ganz für seine Schäflein auf. Da war ihm keine Mühe zu schwer, kein Opfer zu groß. Als er so eines Tages in glühender Julihitze die steinigen Höhen erklomm, entkam ihm das Wort: „O, wenn all die Schweißtropfen, die ich schon in diesen Bergen vergossen habe, in einem Tal gesammelt würden, ich glaube das Wasser würde hinreichen, mich darin zu baden.“

 

Wie überaus pflichtgetreu Champagnat und wie praktisch seine Frömmigkeit war, beweist folgendes Begebnis: Eines Tages sah er, dass ein Bruder, der bei den Kindern Aufsicht hatte, wenig auf sie achtete und ganz fleißig sein Offizium betete. Er wies ihn zurecht und sagte: „Mein Bruder, Sie dürfen die Kinder nie aus den Augen verlieren.“ „Aber, mein Vater, wenn ich nicht gesammelt bleibe,“ entgegnete dieser, „kann ich nicht beten.“ „Ihre erste Aufgabe,“ sagte Champagnat, „ist, die Kinder zu überwachen. Wenn Sie diese erfüllen, wird Ihr Gebet Gott angenehm und Ihnen nützlicher sein, selbst wenn Sie wegen ihrer Arbeit etwas zerstreut wären. Wissen Sie, was es heißt, Nutzen aus einem Gebet zu ziehen? Das heißt, im Gebet treue Pflichterfüllung lernen nach dem Augustinuswort: „Wer recht zu beten weiß, kann auch recht leben.“ Die beste Frucht, die Sie aus ihrem Gebet ziehen können, ist also diejenige, allen Ihren Pflichten getreu zu sein, das Amt, das Ihnen aufgetragen ist, vollkommen zu erfüllen, für Ihre Kinder ein Muster der Liebe, der Geduld, der Pünktlichkeit und der Bescheidenheit zu sein.“

 

Man hätte glauben können, dass die Gründung der neuen Genossenschaft dem frommen Stifter nur Lob und Anerkennung bringen werde; aber Gott hat die Welt durch das Kreuz erlöst und er will, dass alle seine Werke mit diesem heiligen Zeichen besiegelt sind. Die Kongregation der Brüder ist in der Armut geboren, in der Demut emporgewachsen und hat bis zum Tod des ehrwürdigen Stifters im Schatten des Kreuzes gestanden.

 

So überaus reich die Schwierigkeiten auch waren, Champagnat verlor nie den Mut. Sein tiefes Gottvertrauen war ein Fels, an dem auch die ärgsten Stürme nicht zu rütteln vermochten. Es half ihm hinweg über die Mühen des Studiums; es baute ihm die Häuser, führte ihm die Brüder zu und sicherte ihm das Gedeihen seines Lebenswerkes. Das ist das Wunderbare in Champagnats Leben, dass dieser schlichte einfache Priester des weltfernen Bergdorfes ohne alle irdischen Mittel ganz allein durch die Zaubermacht innigen Gebetes und felsenfesten Gottvertrauens ein Werk ins Leben rief, das heute in alle Weltteile verbreitet ist und Tausende von Aposteln im Jugenddienst zählt.

 

Zahlreich waren die Unternehmungen Champagnats, zahlreicher noch die Hindernisse und Schwierigkeiten, die sich ihm boten. Und doch hatte er in allem Erfolg. „Ich kann alles in dem, der mich stärkt.“ Das war der Grundgedanke seiner Lebensarbeit. Oft drohten die aufbrausenden Wogen ihn zu verschlingen. Immer wieder aber kam gerade dann, wenn die Not am größten war, wunderbare Hilfe. Es kam nicht selten vor, dass Champagnat keinen Pfennig Geld in seiner Kasse hatte und doch konnte er stets seine Schulden tilgen. Freilich, Champagnat war nicht der Mann, der seine Hände müssig in den Schoß legte und Gott den fürsorgenden Vater sein ließ. Champagnat war ein Mann rastloser Arbeit und unermüdlichen Schaffens. Bei Bauten war Champagnat selbst Architekt, Baumeister, Schlosser, Schreiner, Maurer usw. Leute, die ihn besuchen wollten, fanden ihn immer auf dem Gerüst, die Kelle in der Hand und von Steinen umgeben. „Ich glaube noch ihn zu sehen,“ sagte ein Bruder, der seine Arbeiten teilte, „wie er, den Habit ganz weiß von Staub, die Hände voll Mörtel, mit bloßem Haupt sich denen vorstellte, die ihn besuchten, wie er sie empfing und mit lächelnder, zufriedener Miene mit ihnen sprach, obwohl er fast immer ermüdet und ermattet war.“

 

Dieses gänzliche Sichhinopfern für die große Sache, verbunden mit seinem kindlich-gläubigen Gottvertrauen, bewies der Ehrwürdige besonders bei dem Bau des ersten Noviziathauses zu Hermitage. Die Menschen, die immer die Erfolge nach irdischen Mitteln berechnen, konnten nicht verstehen, dass der bescheidene Priester ohne Geld so ein Werk unternahm. Schon der Plan dazu schien ihnen eine von Stolz und Verwegenheit unternommene Torheit zu sein. Was will Champagnat da machen? fragten sie. Wie kann er, der kein Geld und keine Talente hat, so etwas wagen? Der Stolz verführt ihn, der Ehrgeiz und der Wunsch, sich hervorzutun und einstens Stifter genannt zu werden, flößen ihm solche Gedanken ein. Nach menschlicher Berechnung war es seitens des Stifters eine große Unbesonnenheit, einen Bau zu unternehmen, der so beträchtliche Ausgaben verursachen würde. Sobald der Plan der Verlegung des Mutterhauses von Lavalla nach Hermitage und der Errichtung eines geräumigen Hauses in der Öffentlichkeit bekannt wurde, kam es zu einem Ausbruch von Tadel, Verurteilungen und Schmähungen, die heftiger waren als alles, was das Institut in den bewegtesten Tagen seines Daseins erlebt hatte. Die Gutheißung, die der Erzbischof diesem Werk gewährt hatte, das Wohlwollen und die Achtung, womit er den Stifter beehrte, nichts konnte die Aufregung der Gemüter beruhigen und die Bosheit der Zungen anhalten. Dieser Plan wurde für Wahnsinn gehalten und sogar Champagnats beste Freunde taten ihr Möglichstes, um ihn davon abzubringen. Pater Champagnat handelte aber, vom Geist Gottes getrieben, mit einem Glauben und einem Vertrauen, die Wunder wirken. So sehen wir ihn ohne Geld einen Bau aufführen, der mehr als 50.000 Mark kostete.

 

Selbst als die aufrührerischen Horden der Julirevolution das Haus von Hermitage bedrohten und alles in Furcht versetzten, blieb Champagnat ruhig und sprach: „Was haben wir hier zu fürchten? Gehen wir der Tagesordnung entsprechend zur Vesper in die Kapelle. Dort empfehlen wir uns dem lieben Heiland. Lassen wir die Menschen nur handeln, sie können ja doch nicht mehr tun, als Gottes Wille ihnen erlaubt.“ – Anstatt seinen Brüdern zu erlauben, das Ordenskleid abzulegen, kleidete er am 15. August des Jahres 1830 mehrere junge Männer ein. Auch auf dem Sterbebett noch gab Champagnat herrliche Beweise seines selbstlosen Gottvertrauens und seiner tiefen Demut. Als ein Bruder betrübt ihn fragte: „O Vater, was soll aus uns werden, wenn Gott Sie uns nähme?“, da gab er die gläubige Antwort: „Mein Bruder, beunruhigen Sie sich deshalb nicht! Fehlt es denn Gott an Menschen, die sein Werk vollbringen? Der Bruder, den ihr zu meinem Nachfolger erwählt habt, wird alles besser machen als ich. Der Mensch ist nur ein Werkzeug oder vielmehr er ist nichts, Gott allein macht alles. Hat nicht die göttliche Vorsehung immer für uns gesorgt, hat sie nicht unsere Schulen gesegnet und sie gedeihen lassen, obgleich wir talentlose Leute waren? Wenn sie nun bis heute für uns Sorge getragen hat, warum sollte sie es nicht auch in Zukunft tun?“ Und zu einem anderen Bruder sprach er: „Armer Bruder! Wie wenig Glauben und Vertrauen haben Sie auf Gott! Sie bilden sich ein, dass das Gedeihen unseres Werkes von mir abhängt. Ich sage Ihnen: Nach meinem Tod wird alles besser gehen als bisher und die Kongregation größere Fortschritte machen als je. Eines Tages werden Sie erkennen, dass ich die Wahrheit spreche und dann werden Sie verstehen, dass man sein Vertrauen nicht auf die Menschen, sondern auf Gott setzen muss.“ – In seiner tiefen Demut machte Champagnat hier eine Prophezeiung, deren Erfüllung der Bruder selbst sah. Beim Tod Champagnats zählte die Kongregation 40 Niederlassungen, beim Tod dieses Bruders, 13 Jahre später, zählte sie schon 250 Häuser.

 

Mit dem kernigen Glaubensgeist, der tiefen Demut und dem innigen Gottvertrauen verband Champagnat eine zärtliche Andacht zu Maria, seiner liebsten Mutter. Sein ganzes Leben und sein großes Werk sind mit dem Namen „Maria“ unlöslich verbunden. Auf seiner Mutter Schoß lernte Champagnat Mariens Namen sprechen, Maria war seine Zuflucht in den kindlichen Nöten, war sein Schutz in unschuldbedrohenden Jugendstürmen, seine Stütze in den Schwierigkeiten der Studienjahre. Maria war seine Geleiterin durchs Priesterleben, war seine Kraft und sein Trost in den schweren Sorgen um sein Werk. Zu Maria eilte Champagnat auch stets mit kindlichem Vertrauen, ihr tat er alles kund: seine Leiden und seine Freuden, ihr widmete er sich ganz und gar. Sein Leben sollte nur ein großer Mariendienst sei. Und als ihm einmal die bange Sorge um seine junge Kongregation fast das Herz brechen wollte, da kniete er in schlichter Einfalt vor ihrem Bild nieder und flehte zu ihr empor: Maria, es ist dein Werk! Du hast uns vereinigt trotz aller Widersprüche der Welt, um die Ehre deines göttlichen Sohnes zu fördern. Wenn du uns nicht zu Hilfe kommst, so werden wir zugrunde gehen gleich der Flamme, die erlischt, weil kein Öl sie nährt. Aber wenn dies Werk zugrunde geht, so ist das nicht das unsere, das verschwindet, sondern das deinige, denn von dir haben wir alles bekommen. Wir erwarten alles von dir, von deiner mächtigen Fürsprache.“ – Und Maria erhörte dies zuversichtliche Gebet auch auf wunderbare Weise.

 

Als 1830 die Revolution auch Hermitage bedrohte, setzte er sein ganzes Vertrauen auf Mariens Mutterschutz. Damals ließ er zum ersten Mal das Salve Regina als Beginn des Tagewerkes singen. Und seitdem ist dieser Feiergruß an die Himmelskönigin der Morgen- und der Abendgruß aller Brüder an die himmlische Frau. Und weil Champagnat Maria so innig liebte und sie zur Patronin deines priesterlichen Opferlebens machte, wollte er, dass auch seine Brüder Marienkinder seien und seine Kongregation Mariens Namen trage. Als Wahlspruch gab er ihr das Wort: „Alles zu Jesus durch Maria, alles zu Maria für Jesus.“ Das Wappen aber bildet Mariens Namenszug und drei Veilchen, die Symbole der drei Maristentugenden: Demut, Einfachheit und Bescheidenheit. In der vollkommenen Ausübung dieser echt marianischen Tugenden soll der Brüder tiefster Mariendienst bestehen.

 

Auf Mariens Mutterliebe hatte Champagnat ein unbegrenztes Vertrauen. Er nannte sie nur seine „gewöhnliche Hilfsquelle“. Und in seinen letzten Lebensstunden rief er wiederholt aus: O wie süß ist zu sterben in der Gesellschaft Mariens. Seine himmlische Mutter erlangte ihm auch wirklich die Gnade, um die er alle Tage betete, die Gnade, an einem Samstag sterben zu dürfen. Am 6. Juni 1840 holte ihn seine Mutter heim zu ihrem göttlichen Sohn. Es war der Samstag vor dem holden Pfingstfest. Sein lächelndes Auge brach, während die erblassenden Lippen noch sterbend lispelten: Jesus, Maria! Von der nahen Kapelle herüber aber schwebten die sanften Klänge des „Salve Regina“, das die Brüder als Morgengruß zum Himmel sandten.

 

Die Verwaisten aber segnete Maria mit ihrem reichsten Muttersegen. Sie führte die Brüder hinaus in alle Weltteile, beschützte ihre Schulen und verlieh dem Werk eine ungeahnte Verbreitung. So haben die Maristen-Schulbrüder seit 1914 in Deutschland, hauptsächlich in Bayern mit dem Mutterhaus in Furth bei Landshut, zwölf Niederlassungen. Und noch eins erbat Champagnat für alle seine Söhne von der Himmelsmutter: Es ist noch kein Bruder in der Kongregation gestorben, der nicht empfunden hätte, dass es wahrhaft süß ist zu sterben in der Gesellschaft Mariens.

 

Marcellin Champagnat wurde am 29. Mai 1955 im Pontifikat Pius XII. seliggesprochen und im Pontifikat Johannes Paul II. am 18. April 1999 heiliggesprochen.

 

Was Champagnat seine anziehende Größe verleiht, ist der Grundzug seines ganzen Wesens: die tiefe, demutsvolle Liebe zu Gott und zu den Menschen. Er ist kein durch Wissen und Wundergaben hervorragender Mann, den wir nur in stummer Bewunderung anstaunen können. Champagnat ist ein Mann der Arbeit, der dienenden Liebe und restlosen Hingabe an alle. Champagnat ist ein Mann, dessen Größe darin besteht, das Alltägliche, Unscheinbare und Kleine mit großherziger Opferfreude gewissenhaft erfüllt zu haben. Ihm kann jeder nachfolgen, der einen festen, eisernen Willen zur Heiligkeit besitzt.

 

(Maristen-Bruder Alois, Straubing)

 

Gebet am 6. Juni

 

O meine erhabene Königin, würdigste Mutter meines Gottes, heiligste Jungfrau Maria, da ich mich so elend und mit so vielen Sünden beladen sehe, so sollte ich es nicht wagen, mich dir zu nähern und dich meine Mutter zu nennen. Aber ich will nicht, dass mein Elend mich des Trostes beraubt, dich meine Mutter nennen zu dürfen. Ich erkenne, dass ich verdiente, von dir verstoßen zu werden, aber ich bitte dich, sieh an, was dein Sohn Jesus Christus für mich getan und gelitten hat. Wenn es dir dann noch möglich ist, so magst du mich immerhin von dir stoßen. Hilf mir Maria, Maria hilf! Amen. 

 

Zu Gott

 

Gütiger Vater, lass uns jeder Zeit und in allen Begebenheiten des Lebens Deine Stimme hören, lass uns Deine leitende Hand erkennen, damit wir Deinen Führungen auf den mühevollen und angenehmen Wegen, in Leid und Freude standhaft folgen, und dereinst als Deine Kinder gewürdigt werden, vor Deinem Angesicht zu erscheinen. Amen.

 

Bewahre mich davor, o Gott, dass ich mir jemals einbilde, dass ich das Ziel schon erreicht habe, und dass ich schon vollkommen bin. Lass mich vielmehr einsehen, wie ich noch voll Sünden bin, und noch gar wenig Gutes an mir habe. Darum hilf, o Vater, dass ich vergesse, was hinter mir ist, und dass ich mich nach dem ausstrecke, was vor mir ist, dass ich dem vorgestreckten Ziel der Tugend zueile, und den Preis des ewigen Lebens erlange. Ich bitte Dich darum durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Der Prämonstratenser-Orden sieht die seligste Jungfrau, den heiligen Augustin und den heiligen Norbert als Schutz-Patronen des Ordens an. Einige Schriftsteller schreiben, dass die seligste Jungfrau dem heiligen Norbert ein weißes Kleid gezeigt habe, dem das Ordenskleid gleich sein sollte: 

Candida sit vestis, sit morum candida vita;

Coelorum fasces candida vita petit.

 

Das Kleid sei weiß, die Sitten weiß;

das Leben rein, so geht`s zum Preis.

 

Andacht am 6. Juni:

 

Das Thema im Juni:

Vom Gehorsam

"Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen." (Matthäus 23,3)

 

"Alles Gute, das an den Geschöpfen ist, besteht in der Erfüllung des göttlichen Willens; niemals aber erfüllt man besser, was der Herr will, als wenn man den Gehorsam übt, in dem die Vernichtung der Eigenliebe und die wahre Freiheit der Kinder Gottes liegt. Dies ist der Grund, warum sehr tugendhafte Seelen so gern gehorchen." (Der heilige Vinzenz von Paul)

Die heilige Magdalena von Pazzi hatte eine so herzliche Liebe zum Gehorsam, der, wie es ihr kund war, sie vor der Gefahr behütete, ihren eigenen Willen zu tun, dass sie sogar zur Zeit, wo sie mit schweren Versuchungen oder Krankheiten heimgesucht wurde, sobald ihr etwas befohlen wurde, augenblicklich durch ein heiteres und lächelndes Angesicht die Freude kund gab, die sie in ihrem Inneren empfand, dass sie Gelegenheit hätte, den Gehorsam zu üben. 

Einer der heiligen Altväter der Wüste erzählte, er habe einstmals in einem Gesicht vier Gattungen himmlischer Bürger gesehen: Solche, die einst hienieden in schweren Krankheiten geschmachtet, andere, die Arme beherbergt hatten, ferner Einsiedler und endlich solche, die getreu unter dem Gehorsam gelebt hatten; diese letzten aber sind mit goldenen Kronen und glänzenden Halsgeschmeide geschmückt gewesen.

 

Alle meine Handlungen, Herr, sollen eben so viele Akte des Gehorsams sein, denn nicht nachlassen will ich zu gehorchen, um Deinen heiligen Willen immerdar zu erfüllen! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 6. Juni

 

"Unter den Tugenden ist die Jungfräulichkeit die einzige,

die in dieser Welt die Reinheit der Engel nachahmt und darstellt."

 

hl. Ludwig von Granada OP

1504 bis 31.12.1588

 

Betrachtung am 6. Juni - Vom Trost der Hoffnung der Auserwählten

 

Süße Hoffnung, Himmelsfriede,

Du erhebst des Pilgers Herz,

Heilst mit Balsam seinen Schmerz,

Und entzückest das Gemüt,

Das für Ewiges erglüht.

 

1. In allen deinen Trübsalen erhebe deinen Blick mit fester Hoffnung zum Himmel, und alles wird dir erleichtert und versüßt werden. Eine wunderbare Tugend ist diese heilige Hoffnung, die auf dem Glauben an Gottes Verheißungen ruht, und Belohnung hat sie selbst in diesem Leben. Denn gleichwie der Glaube, der festen Schrittes auf dem Weg der Gebote fortschreitet, immer an Licht zunimmt, so dass er bei vollkommenen Seelen der Anschauung nahe kommt: also gewinnt auch auf demselben Weg die Hoffnung eine solche Stärke, dass sie die künftigen Güter gleichsam schon zu besitzen glauben, weil sie die Verschreibung des himmlischen Königs in Händen haben. 

 

2. O wie wunderbar ist die Sicherheit, die Freude, die diese heilige Hoffnung in getreue Seelen ergießt. Mächtig kräftigt sie die Seelen, vorübergehende Dinge zu verachten, himmlische zu lindern, und um ihrer willen alles zu tun und zu leiden. Gleichwie bei Gefahren die Vögel in die Lüfte sich aufschwingen, so erheben heilige Seelen, wenn die Welt sie bedrängt, die Traurigkeit sie peinigt, der Feind ihnen nachstellt, mit den Flügeln dieses Glaubens und dieser Hoffnung sich in die himmlischen Höhen, schauen dort im Geist die ewigen Belohnungen, und ertragen, um sie zu erlangen, Trübsale, Verfolgungen und Schmerzen. Diese Anschauung erfüllte die Apostel und alle heiligen Märtyrer mit unbeschreiblichem Trost in ihren Trübsalen und Peinen. 

 

3. Aber wie wunderkräftig zeigt sich diese Hoffnung heiliger Seelen bei ihrem Tod. Denn wodurch wird der Tod so bitter, so schrecklich? Durch die Anhänglichkeit an dieses Leben und die Angst vor der Rechenschaft und der unglückseligen Ewigkeit. Eine solche Seele aber ist längst von der Erde gelöst, und fern von dieser schrecklichen Angst des Sünders. Ihr Herz glüht vor Verlangen, mit ihrem Gott vereint zu werden. Er war ihr Ziel im Leben, er ist ihre Sehnsucht im Tod. Auf diesen Anker also gestützt, und durch die Trübsale des Lebens gereinigt, erwartet sie voll des feurigsten Verlangens ihr Sterben. Jesus Sirach 1,13: "Dem Gottesfürchtigen geht es am Ende gut, am Tag seines Todes wird er gepriesen."

 

7. Juni

 

Der heilige Paulus, Patriarch und Martyrer von Konstantinopel,

+ 7.6.351 – Fest: 7. Juni

 

Der heilige Paulus, Bischof zu Konstantinopel und Martyrer, in Thessalonich geboren, war Diakon der Kirche von Konstantinopel, als Alexander, der Bischof dieser Stadt, ihn bei seinem Tod im Jahr 340 zum Nachfolger erkor. Da er bisher immer großen Eifer für die katholische Religion gezeigt hatte, war seine Erhebung den Arianern natürlich ein Dorn im Auge. Sie unterstützten daher mit allen Kräften einen ihrer Häuptlinge, namens Eusebius, der nach dem Krummstab strebte. Der die Häresie begünstigende Kaiser Constantius war leicht dahin gebracht, dass er Paulus durch eine Synode arianischer Bischöfe absetzen ließ, und er musste der Gewalt weichen. Er wanderte nun in das Abendland und wählte Trier zu seinem Asyl, wo ihn der heilige Bischof Maximin mit offenen Armen aufnahm. Nicht lange aber, so ging er nach Rom und wohnte dem Konzil bei, das Papst Julius 341 dort hielt. In dieser Versammlung wurde beschlossen, dass die von den Ketzern verdrängten Bischöfe wieder auf ihre Stühle geführt werden sollten. Paulus kehrte demzufolge nach Konstantinopel zurück. Aber dort widerstanden die Arianer ihm mit dem alten Hass, und es erhoben sich sogar blutige Straßenkämpfe zwischen ihnen und den Katholiken, die den Kaiser so erbitterten, dass er Paulus, obwohl er an diesen Unruhen nicht teilgenommen hatte, des Landes verwies. Der Heilige ging zum zweiten Mal nach Trier. Im Jahr 344 finden wir ihn aber wieder in Konstantinopel, wohin er mit dringenden Empfehlungen des den Rechtgläubigen geneigten abendländischen Kaisers Constans gekommen war. Als aber der die Augen Schloss, hielt Constantius nicht länger mehr seinen Grimm gegen den Diener Gottes zurück und ließ ihn gewaltsam nach Kukusus, einer kleinen Stadt in den Wildnissen des Berges Taurus, abführen. Hier warf man ihn in einen finsteren Kerker und belastete ihn, als wäre er ein gemeiner Verbrecher, mit Ketten. Zuletzt gingen seine Feinde so weit, dass sie den Wächtern verboten, ihm irgendeine Nahrung zu reichen. Als sie ihm sechs Tage danach dennoch am Leben fanden, erdrosselten sie ihn meuchlerischer Weise. Dies ereignete sich 350 oder 351. Seine Reliquien befinden sich in Venedig in der Kirche des heiligen Laurentius.

 

Der heilige Deocar (Deocharus), Abt und Bekenner zu Herrenried,

+ 7.6.850 – Fest: 7. Juni

 

In der Einsamkeit erhebt sich das menschliche Gemüt leichter über die Armseligkeiten dieser Erde zu himmlischen Gesinnungen und höheren Bestrebungen, als im Geräusch und im Vollgenuss des Weltlebens. Die weltentsagende Seele empfindet in der kleinen Zelle im innigsten Verkehr mit Gott einen Frieden, den die Welt nicht kennt, und dieser Friede entquillt aus der gänzlichen Hingabe seiner selbst an Gott, den Urquell des Friedens und der Liebe. Deshalb treffen wir so viele edle Seelen an, die sich von den Freuden und Ehren der Welt losschälen, um in der stillen Zelle nur Gott und dem Heil der Seele zu leben. Zu diesen Gottesmännern zählt der heilige Deocar.

 

In seinen jüngeren Jahren lebte Deocar am Hof Karls des Großen, der die gelehrtesten und frömmsten Männer seiner Zeit gern in seiner nächsten Umgebung sah, um sich ihres weisen Rates in schwierigen Verhältnissen zu bedienen. Nach der Überlieferung soll Deocar der Beichtvater des Kaisers gewesen sein. Den frommen Diener Gottes zog aber eine glühende Sehnsucht nach der Einsamkeit. Gern willfahrte der Kaiser dem frommen Begehren und ließ ihm in der Gegend, wo jetzt Herrenried steht, eine Kapelle zu Ehren der Mutter Gottes bauen. Deocar begann mit allem Eifer den Boden zu bebauen, Sümpfe auszutrocknen und nützliche Getreidearten und Obstbaumzucht einzuführen. Gleichgesinnte Freunde schlossen sich ihm an und halfen ihm bei seinem schwierigen Werk. Sie lebten alle nach der Regel des heiligen Benedikt und waren ein Herz und eine Seele. Das vorzüglichste Bestreben des heiligen Abtes Deocar war es, die vielfach noch sehr rohen und heidnisch gesinnten Bewohner der Umgegend zu frommen und eifrigen Christen und fleißigen Landleuten und Künstlern heranzubilden. So entstand alsbald ein Kloster mit blühender Umgebung, das man Hasenried nannte. Seitdem aber statt der Benediktiner die Chorherrn in dieses Kloster einzogen, nannte man es Herrenried.

 

Deocar stand als erster Abt seinem Kloster vor bis zu seinem Tod um das Jahr 850, und wurde in der dortigen Kirche beigesetzt. Gott verherrlichte sein Grab mit vielen Wundern. Als Kaiser Ludwig der Bayer im Jahr 1316 den heiligen Leib erheben ließ, verbreitete sich ein lieblicher Wohlgeruch in der Kirche. Ein Teil der Reliquien kam nach München, ein anderer nach Nürnberg, von wo wie 1845 in die Domkirche zu Eichstätt zurückgebracht wurden.

 

Der heilige Gottschalk,

Abodritenfürst und Märtyrer von Lenzen an der Elbe,

+ 7.6.1066 – Fest: 7. Juni

 

Schon Karl der Große hatte verschiedene Versuche angestellt, die östlich von der Elbe wohnenden Wenden dem Christentum zu zuführen, aber weder die Macht des Kaisers, noch die liebevollen und angestrengten Bemühungen der Missionare des Klosters Corvey an der Weser vermochten die wilden und raubsüchtigen Heiden zu milderen Gesinnungen zu bewegen. Kaiser Otto I. unterwarf die Slaven, errichtete unter ihnen die Bistümer Havelberg, Brandenburg, Meißen, Zeitz, Merseburg und Oldenburg und besetzte sie mit tüchtigen Männern, die sich schon durch ihre Missionsarbeiten unter diesen Völkern große Verdienste erworben hatten. Das mit Genehmigung des Papstes Johann XIII. errichtete Erzbistum Magdeburg wurde der Mittelpunkt der christlichen Missionstätigkeit. Indes empörten sich die Wenden unter Anführung ihres bereits getauften Fürsten Mistewoi, mordeten die Christen und zerstörten ihre Heiligtümer. Mistewoi bereute seine Frevel und beschloss sein Leben in strenger Buße zu Bardewik.

 

Während die Spuren des Christentums unter den Wenden wieder verwischt wurden, ersah die göttliche Vorsehung einen Sohn dieses Stammes als Apostel unter seinem Volk aus. Gottschalk, des Wendenfürsten Utos Sohn, ein Enkel Mistewois, empfing eine vortreffliche Jugenderziehung im Kloster Lüneburg unter der Leitung des gleichnamigen Mönches Gottschalk. Der begabte junge Mann gewann eine große Vorliebe für das Christentum. Als aber sein Vater durch die Hand eines christlichen Sachsen ermordet wurde, entfloh er aus dem Kloster, versammelte seine Landsleute zu einem blutigen Rachekrieg und verwüstete mit Feuer und Schwert Nordalbingien bis nach Hamburg und Holstein. Herzog Bernhard von Nordsachsen setzte den Gräuel des Krieges ein Ziel und nahm Gottschalk gefangen, entließ ihn aber als einen tapferen Heerführer.

 

Gottschalk begab sich zum frommen Dänenkönig Canut und lernte von Tag zu Tag mehr die christliche Religion hochschätzen. Der edle König gewann ihn so lieb, dass er ihm seine Tochter zur Ehe gab. Seit dieser Zeit war Gottschalk ein Muster christlicher Tugenden.

 

Nach Canuts Tod kehrte Gottschalk in sein Vaterland zurück und es gelang seiner Klugheit und Tapferkeit, ein großes und mächtiges Slavenreich, das berühmte Obotritenreich, zu gründen (um 1045). Weil er als den größten Segen eines Reiches das Christentum erkannte, so ließ er von allen Seiten her Missionare kommen, erbaute eine Menge Kirchen und Klöster, und erhielt von seinem Freund, dem Erzbischof Adalbert von Bremen und Hamburg Bischöfe und Priester für die neuerrichteten Bistümer Mecklenburg und Ratzeburg. Er selbst verdolmetschte öfters in den Kirchen die in lateinischer Sprache von den Bischöfen und Priestern vorgenommenen liturgischen Handlungen und Zeremonien in slavischer Sprache, um seinem Volk das Verständnis der christlichen Lehre und Gebräuche zu erleichtern. Der Eifer Gottschalks und der von ihm herbeigerufenen Missionare zeitigte die herrlichsten Blüten und Früchte. Viele unter Mistewoi abtrünnig gewordenen Christen kehrten zur Mutterkirche zurück und die Heiden ließen sich in großer Menge taufen, im Bistum Hamburg wurden alle Slaven Christen.

 

Trotz den unsäglichen Bemühungen der Missionare und des hochherzigen, für das wahre und dauernde Glück seines Volkes schwärmenden Wendenfürsten Gottschalk, verschloss ein Teil der Heiden dem Licht des Glaubens Auge und Herz und hegte unversöhnlichen Hass gegen alle Christen. Kaum war der gefürchtete Herzog Bernhard von Sachsen gestorben, so brach die Revolution unter den heidnischen Slaven in hellen Flammen aus. Gottschalk fiel als eines der ersten Opfer des fanatischen Heidenvolkes. Der kalte Stahl durchbohrte sein liebewarmes Herz am 7. Juni 1066 zu Lentzen. Am gleichen Tag wurde der fromme Priester Ebbo vor dem Altar erstochen. Viele Priester und Laien erlitten an verschiedenen Orten den Martertod um Christi willen. Der Mönch Antversus wurde mit vielen Gefährten bei Ratzeburg gesteinigt. Für die Standhaftigkeit seiner Genossen fürchtend, erbat sich Antversus von den Heiden die Gnade aus, zuletzt gesteinigt zu werden, um den anderen Mut machen zu können. Der greise Bischof Johann von Mecklenburg, der eine große Menge Slaven bekehrt hatte, wurde zuerst furchtbar gegeißelt, dann zum Spott durch die slavischen Städte geführt, dann ihm Hände und Füße abgehauen, zuletzt wurde sein Haupt auf einer Stange umhergetragen und dem Götzen Radegast geopfert. Gottschalks Gattin, die Tochter des Dänenkönigs, wurde mit Schlägen und aller Kleidung entblößt fortgejagt. Alle Christen, die nicht abfielen, wurden ermordet, Kirchen und Klöster verbrannt, selbst die benachbarten christlichen Länder mit Feuer und Schwert verwüstet und ihre Heiligtümer zerstört. So war das schöne Werk Gottschalks wieder zertrümmert, aber sein Sohn Heinrich brach den Widerstand der heidnischen Wenden, stellte das Reich seines Vaters wieder her und führte das Christentum wieder ein.

 

Der gottselige Franz Wallaberger, Redemptoristen-Novize,

+ 7.6.1896 – Gedenktag: 7. Juni

 

„Wallaberger ist ein Heiliger, der in unserer Zeit und in unseren Verhältnissen gelebt und den man auch nachahmen kann,“ so sprach eine Ordensoberin, als sie die ausführliche Lebensbeschreibung des Franz Wallaberger gelesen hatte. Davon wird sich ein jeder überzeugen, der nur etwas darüber nachdenkt, wie Franz es angefangen, um zur vollendeten Heiligkeit zu gelangen.

 

Franz war geboren am 19. März 1876 in Haag, einem Marktfleckchen Oberösterreichs, unweit Linz. Seine Eltern waren geachtete Leute, seine Großeltern beide innige Marienverehrer. Von ihnen lernte das Kind Maria lieben. Franz, der ältere von vier Brüdern, war von Natur aus heiter, fröhlich, oft bis zum Übermut. Harmlosen Bubenstreichen war er durchaus nicht abgeneigt, so dass er auch manchmal mit dem Stock Bekanntschaft machte. Trotzdem war er der Liebling aller. Beim Ministrieren war er immer pünktlich zur Stelle. Im Alter von acht Jahren kam über das frohgemute Kind ein großes Herzeleid. Unerwartet schnell starb die fromme Mutter, während die vier Kinder in der Stube spielten. Eine Tante übernahm das Hauswesen. Sie war es auch, die ihren lieben Franz immer gerne als Priester gesehen hätte. Sein Sinnen ging aber dahin, Soldat, Hauptmann zu werden. Dem frommen Gebet und gottgefälligen Wünschen des Menschen begegnet immer Gottes Gnade. Und Franz sollte ein Gnadenkind werden. „Probiere einmal das Studium,“ hatte die mütterliche Schützerin einmal gesagt. Franz schwieg. Aber nach einigen Tagen des Schweigens bat er das Studium probieren zu dürfen; er könne schon einige Nächte nicht mehr schlafen.

 

Ein neuer Lebensabschnitt begann. Franz war zwölf Jahre alt, als er im Herbst 1888 im nahen Städtchen Ried ins Gymnasium eintrat. Freudestrahlend konnte er am Schluss des Schuljahres ein Zeugnis mit „Vorzüglich“ in allen Fächern aufweisen. Auch die Berufsfrage fand rasch und frühzeitig ihre Lösung. Franz hatte die Redemptoristen während einer Mission kennengelernt und in einem Buch die Lebensbeschreibung zweier heiligmäßiger Redemptoristen gelesen, nämlich des Paters Paul Cafaro und des Studenten Dominikus Blasucci. Cafaro, ein großer Volksmissionar, Dominikus, unschuldig wie ein Aloysius, hatten unaustilgbaren Eindruck auf den für Edles leicht zugänglichen Knaben gemacht. Er erklärte entschieden: „Ich werde Redemptorist und nichts anderes.“ Anfang September 1889 kam Franz in das Juvenat, das Studienheim der Redemptoristen, nach Katzelsdorf bei Wien. Hier ging das ernste Verlangen des jugendfrischen dreizehnjährigen Zöglings von Anfang an dahin, ein heiliger Student wie Dominikus, ein heiliger Missionar wie Cafaro zu werden. Diese Sehnsucht war der Keim, der zum Licht und zur vollen Reife drängte. Freilich, das übernatürliche Fortschreiten ging, wie das natürliche, nur langsam, aber doch stetig voran. Äußerlich war Wallaberger ein munterer, fröhlicher Junge, glücklich, wie unschuldsvolle Kinder nur sein können. Er wusste manch lustigen Einfall. Dabei nahm er es aber auch ernst mit der strengen Hausordnung, lernte tüchtig und gewann so in den Prüfungen wieder „Vorzüglich“. Einem fleißigen Schüler, vorab einem braven Marienkind, fehlt nie die Gnade von oben. Und Franz war ein treues Marienkind. „Durch Maria zu Jesus“ gilt auch bei diesem gottseligen Studenten. Schon im ersten Jahr, also in der zweiten Klasse, bemerkte man an ihm eine besondere Andacht zur himmlischen Mutter. Täglich betete er den Rosenkranz und verehrte die unbefleckt Empfangene mit dem kleinen Rosenkränzlein von zwölf Ave. An Samstagen ließ er zu ihrer Ehre das Obst stehen.

 

Mit Beginn der Reifejahre stellte sich bei unserem braven Zögling etwas Kränklichkeit ein. In sein Wesen kam neben der angeborenen Heiterkeit ein tiefernster Zug zum Vorschein, ein Zug zur Melancholie, der sich selbst auf dem so lieblichen Antlitz abspiegelte. Beide Charakterzüge waren von der Gnade getragen und unterstützt. Der gottselige junge Mann gewann jetzt eine ganz eigene innige Andacht zum Leiden Christi. Er lernte die „Leidensuhr“, d.h. alle Stunden den leidenden Heiland in einem bestimmten Leidensgeheimnis zu grüßen. Frühmorgens bei der Messe und dann, sooft er untertags freie Zeit hatte, beim Gehen über den Gang, beim Warten in der Schule, bis der Lehrer kam, lenkte er die Gedanken auf den leidenden Erlöser, dankte ihm und bat um Hilfe. An den Kommuniontagen dachte er noch inniger an den lieben Jesus im allerheiligsten Sakrament. Wie ein Zauberschlag veränderte diese Art des „Wandels in Gottes Gegenwart“ das ganze Wesen des Redemptor(Erlöser)-Jüngers. Den Kameraden, die ihn sehr liebten, fiel es auf, dass er nun so still war. Er spielte zwar mit, aber sowie das Glockenzeichen ertönte, war er sofort gleichsam der Umgebung entrückt. Seine Phantasie hing mit einer gewissen Lust am Leiden Christi. Dies führte Wallaberger zur Herz-Jesu-Andacht, die ihn ein Pater gelehrt hatte. Ein Herz-Jesu-Bild stand fortan immer auf seinem Pult, noch sechs Jahre später in seinem Sterbezimmer. Die Verheißung des göttlichen Herzens hat sich an ihm erfüllt: „Ich werde die Eifrigen rasch zur Vollkommenheit führen.“

 

In Wallabergers Herzen war die Sehnsucht nach Heiligkeit bis zum starken Willensentschluss herangereift: „Ich will ein Heiliger werden, aber“, fügt er in kindlicher Demut bei, „kein großer.“ Tatsächlich wollte er das erstreben, was er mit seiner Kraft und mit Gottes Gnade erreichen könnte; und das war wirklich, ein großer Heiliger zu werden. Alle Mittel, die ihm dazu behilflich erschienen, wendet er an: er ist ganz aufrichtig seinem Obern wie seinem Seelenführer gegenüber; er offenbart ihnen seine Wünsche, seine Neigungen, seine Fehler; er fragt um Rat und befolgt ebenso willig und gehorsam alle Ratschläge. Seiner Betrachtungslust wurden vom Oberen vernünftige Schranken gesetzt; der Student musste Märchen, Erzählungen und ausgewählte klassische Stücke lesen. Durch reichliche Nahrung sollte seiner schwächlichen Gesundheit aufgeholfen werden. Auf kluge Anleitung hin setzte sich seine Gefühlsandacht in eine energische Willensandacht um. Wenn ihm die Andacht süß, das Studium und die Unterhaltung weltlich und schal erschienen, er wollte aus Pflicht studieren und aus Gehorsam sich unterhalten. Der gelehrige Tugendschüler legte sich „Geistliche Gedenkbüchlein“ an. Darin verzeichnete er nach und nach sechzig Punkte, die bis ins genaueste sein tägliches Leben ordneten. Da heißt es zum Beispiel: Beim Frühstück will ich mich bei der Milch überwinden. – Meinen Mitschülern werde ich gerne Dienste erweisen. – Ich will die lässliche Sünde recht meiden, besonders die freiwillige. – Und Franz nahm es ernst in allen Punkten. Das war ja ein Hauptzug seines Wesens, dass er alles genau und beharrlich tat. Eines Tages kam er zum Oberen und fragte, was er an ihm Fehlerhaftes bemerkt habe, damit er es ablegen könne. Der Obere wusste nichts anderes als eine Kleinigkeit zu sagen: Franz solle sich in der Rekreation (Erholung) teilnehmender benehmen. Sofort liest man in den Punkten: „Ich will in der Erholungszeit heiter sein und freundlich und liebevoll verkehren.“ Mit Abneigungen hatte er wohl auch zu kämpfen. Aber gerade für solche, die ihm an sich weniger entsprachen, betete er, ging absichtlich mit ihnen und suchte mit ihnen ein Spiel zu machen. Wieder ein Punkt lautet: „Bei der geistlichen Lesung will ich recht aufmerken, das Gelesene auf mich anwenden und auch zu befolgen trachten.“ Alle Notizen zeigen, wie jedes Wort des Obern, jede Konferenz, jedes aus Gehorsam gelesene Buch in ihm ein gelockertes Erdreich fanden.

 

Den frommen jungen Mann zog mächtig das Leiden Christi und die Herz-Jesu-Andacht an. Aber in allen Redemptoristenhäusern wird der 25. jeden Monats als Christkindtag begangen, besonders bei Novizen und Zöglingen. Nur weil es die Hausordnung und die Obern wollten, nahm auch Wallaberger sich vor, um jeden Preis die innigste Andacht zur heiligen Kindheit Jesu zu erlangen. Er betete darum und gab sich alle Mühe. Sein Wille war denn auch von solchem Erfolg gekrönt, dass gerade diese Andacht von jetzt ab die Lieblingsandacht seines Lebens wurde und dass diese Andacht für sein Seelenleben vom wohltätigsten Einfluss wurde. Der Hang zur Melancholie war gemildert. Wallaberger fand wieder die jugendliche Freude und Liebe zu kindlich heiterem Scherz. Seinem herzlichen Gruß der Mitbrüder ging stets ein freundliches, fast schelmisches Lächeln voran. Die Krippe hatte auch ihn mit Weihnachtsfreude durchstrahlt. Die ernste Stille, die herbe Pünktlichkeit war zu einer sanften Heiterkeit geworden. Die Ruhe und der Gleichmut desgereiften Jünglings flößten seinen Mitzöglingen und selbst ergrauten Patres Ehrfurcht ein. Als einst ein Pater in der Erholungsstunde scherzweise fragte: „Wer ist denn der bravste von euch?“, da riefen alle einstimmig: „Der Wally, der Wally!“ Er aber stand feuerrot da. Der Gehilfe des Direktors, der „Pater Socius“, berichtet: „Wallaberger machte auf mich den Eindruck eines angehenden Heiligen. Ich hatte Ehrfurcht vor ihm. Besonders gefiel mir sein Anstand in all seinen Handlungen.“ Um aber den hoffnungsvollen Studenten in der Tugend noch mehr zu erproben, begann eben dieser Vorgesetzte von ihm öffentlich in geringschätzigem Ton zu reden und ihn bei Gelegenheit scharf zu tadeln. Wallaberger blieb ruhig. Energisch schrieb er in sein Notizbuch: „Ich will mir bei Rügen und Ermahnungen alle Mühe geben, den Stolz, die ungeordnete Leidenschaft zu unterdrücken.“ Und gerade zu diesem Pater ging Franz zur Beichte. Welche Überwindung, welch gewaltiger Wille zur Vollkommenheit! Franz war schon auf der Stufe, dass er aus Liebe zu seinem leidenden Heiland körperliche und seelische Widerwärtigkeiten zu dulden wünschte. Er gab auf sich acht, seine Andacht und sein Mühen um die Tugend zu verbergen. Aus seinen Notizen tönt bis zum Tod ein besonders energischer Kampf heraus gegen alle Eitelkeit, allen Stolz. Er bittet seine „liebe Mutter Maria“ und das „liebe Jesulein“, seinen Namenspatron Franz von Paula um Demut und um tägliche Demütigungen. In dem sechzehnjährigen Jüngling tritt schon eine völlige übernatürliche Einstellung zutage. Eigentümlich ist die Hochschätzung „des Kreuzes“, seine Kreuzesliebe, sein Gebet um Kreuz und Leiden. Diese Gnade wurde ihm auch reichlich zuteil und dadurch seine Heiligung beschleunigt. Franzens Vater starb. Bei ihm selbst stellte sich um diese Zeit ein unheilbares Kopfleiden ein, das schließlich nach vier Jahren seinen Tod herbeiführte. Damit war er vom göttlichen Meister selbst in die Leidensschule aufgenommen.

 

Die Schulzeit in Katzeldorf war abgelaufen. Welch gutes Andenken der Zögling dort hinterließ, zeigt der Bericht eines Paters: „Wallaberger machte in diesen Jahren auf mich den Eindruck eines musterhaften Professklerikers (das ist eines wahren Ordensmannes); da war nichts Oberflächliches, nichts Leichtes, nichts Einseitiges, nichts Übertriebenes, nichts Sentimentales. Alles war gründlich, grundsätzlich. Im Unterricht strebsam, in der Hauskapelle ein Mann des Gebetes, in der Erholung, auf den Ausgängen, beim Spiel ein heiterer, teilnehmender Student.“ Sein Provinzial sagte: „Der wird nicht alt, weil er zu brav ist.“ Nun kam Franz nach Ketzelsdorf in Böhmen, wo die 5. und 6. Klasse zu machen war. Am 11. September 1892 erhielten die Neuangekommenen nach damaliger Sitte das geistliche Kleid. Wie jubelt der Beglückte: „O glücklich der Tag, der mir dies Kleid geschenkt hat! O sei mir gegrüßt, du liebes Kleid, sei mir gegrüßt, du armes Kleid, sei mir gegrüßt, du demütiges Kleid! Du, mein Jesulein, inmitten der Lehrer im Tempel, bist mein Vorbild. Gib mir die Gnade, dass ich deinen Geist annehme. O mein Jesus, Bescheidenheit, Demut, Gehorsam, Liebe zum Willen Gottes! Diese Tugenden schenke mir! O Maria, meine Mutter, alle meine Schutzpatrone, seliger Dominikus Blasucci, bittet für mich armen Sünder!“ Nach zwei Jahren konnte er bei der letzten Prüfung wieder ein sehr gutes Zeugnis erhalten.

 

Vor der 7. Klasse, die der Gute nicht mehr vollenden sollte, wurde das Noviziat eingeschoben. Hinsichtlich Bildung musste man gestehen, dass Franz für seine Lage ein wirklich gediegenes und umfassendes Wissen besaß nicht nur in den pflichtmäßigen Unterrichtsfächern, sondern auch in anderen freigewählten Wissenszweigen. So machte er sich aus den werken der schönen Literatur viele Notizen. „Man kann alles einmal brauchen“, meinte er oft. Alles wurde gut leserlich und übersichtlich geschrieben. „Sonst hat man ja nichts davon, wenn man so hudelt“, sagte er. In seinem geistlichen Tagebuch steht das rührende Gebetchen: „Gott, Heiliger Geist, erleuchte meinen Verstand, dass ich recht erkenne, wie notwendig, nützlich und heilsam auch die weltlichen Studien (für meinen geistlichen Beruf) sind und segne meine Bemühungen, damit ich die gewünschten Fortschritte mache.“

 

Am 2. August, dem Fest des heiligen Vaters Alfonsus, wurde der gottselige Jüngling mit 18 ½ Jahren im Noviziatshaus zu Eggenberg als Novize aufgenommen. So hatte er äußerlich die „Waffe“ in der Hand, wie er die geistlichen Abzeichen nannte, „nämlich das Bild des gekreuzigten Erlösers und den Rosenkranz, dazu auch das weiße Kollar“. Die innere Ausbildung des Herzens aber wurde jetzt mit nur noch größerem Eifer gepflegt und ihrer Vollendung entgegengeführt. Im Gebet war Wallaberger bereits Meister. Wie konnte er in Gott gesammelt sein! Den Sinn für Ordnung, lebendiges Pflichtgefühl, die reine übernatürliche Absicht suchte er im vollkommensten Grad auszubilden. Hinsichtlich der Demut bekennt der Novizenmeister von Wallaberger: „Ich habe ihn einige Mal sehr hergenommen, er hat es auf das prächtigste ertragen.“ Die Abtötung übte der Novize in solcher Weise, dass man sie ihm verbieten musste. Überall suchte er Entsagung zu üben. Im Zimmer bediente er sich nur selten des Stuhles; er kniete fast immer, selbst die Notizen aus den täglichen Konferenzen schrieb er kniend. Wenn er aber einmal saß, so lehnte er sich nicht an. Beim Knien im Oratorium stützte er sich selten und das nur bei der geistlichen Lesung, bei der Betrachtung und anderen Übungen nie. Im Winter kleidete er sich nur leicht, bis ihm befohlen wurde, einen Mantel anzulegen. Im Bett benützte er auch im Winter nur eine Decke. Dabei hatte er beständig heftiges Kopfweh. Schon zwei Jahre lang litt der treue Leidensjünger in Geduld und Schweigen, so dass die Novizen es erst merkten, als er öfters zum Arzt musste. Er meinte manchmal närrisch werden zu müssen vor Kopfweh, so gestand er später einmal selbst. Er war jedoch trotz allem immer heiter, freundlich und dienstfertig, nie mürrisch und abstoßend. An einem Christkindtag schreibt Wallaberger in sein Notizbuch: „Die Zukunft darf ich nicht mit schönen Farben ausmalen. Nein! Nichts als Leiden, Arbeit, Mühe. Ich will in Zukunft recht das Stillschweigen halten, eifrig beten, recht gern leiden, mich abtöten und selbstverleugnen. Nur so darf ich die Liebe mir ausmalen, nicht in süßen Worten besteht die Liebe.“ „Mach dich zum Leiden bereit.“ Schon stand es drohend vor ihm. So lange sehnte er sich nach der Profess; sein fortwährender Kopfschmerz machte sie nun fraglich. Keiner seiner Kameraden, wohl kaum die Obern ahnten den herben Seelenschmerz, der über das Herz des Jünglings sich legte. Doch er war ganz gottergeben und auch in diesem Anliegen. Wallaberger war würdig der Gnade des Ordensstandes; darum wurde er zur Profess zugelassen. Vor Ablegung der Gelübde antwortete der Novize auf die üblichen Fragen: „Ich hatte das Verlangen, ein frommer, heiligmäßiger Priester zu werden. Um den Gefahren der Welt zu entgehen und die Erfüllung meines Verlangens vollkommener und sicherer zu erreichen, trat ich in die Kongregation ein, die ich von Jugend auf kannte und zu der ich mich hingezogen fühle.“ „Ich will in der Kongregation ausharren, weil ich überzeugt bin, dass Gott mich hierher berufen, und dass es sein heiligster Wille sei, dass ich ihm hier diene, mich heilige und sterbe.“

 

Der 2. August 1895 war der Tag der endlichen Erfüllung seines Herzenswunsches. Der gottselige Jüngling war nun Ordensmann, Redemptorist. Er war aber noch Student und sollte Priester werden. Deshalb kam er zur Fortsetzung seiner Studien nach Mautern in Steiermark. In den ersten Wochen nach der Ankunft fragte ihn jemand scherzweise: „Nun! Werden Sie bald sterben?“ „Kann schon sein“, gab Wallaberger zurück. „Der Gehorsam wäre ja erfüllt. Pater Provinzial Hamerle hat gesagt: Das Sterben spare dir aufs Noviziat auf. Das Noviziat ist jetzt vorbei.“ Das erste Semester der 7. Klasse ging trotz beständiger, heftiger Kopfschmerzen leidlich vorüber. Da befiel den Studierenden im März die Influenza, die in einem Fieber endete und ihn sehr schwächte. Er erholte sich, schleppte sich wieder in die Schule. Er litt sichtlich, klagte aber nicht. Der Tag kam, wo seine Kraft versagte. Der Wonnemonat, Mai 1896, wurde ihm zum Schmerzensmonat. Am 30. Mai empfing er mit rührender Andacht die heiligen Sterbesakramente. Die Krankheit änderte nichts an seinen hohen Gesinnungen und an seinem Opfergeist. Trotz des Durstes trank er kein Wasser, weil es der Arzt nicht für gut hielt. Das Leiden, eine schwere Gehirnentzündung, ließ keine Hoffnung mehr aufkommen. Gefragt: „Woran denken Sie am meisten in diesen Stunden“, gab er die herrliche Antwort: „An die Dornenkrone! Ich möchte gern Priester werden, um recht viel für den lieben Gott wirken zu können. Doch nein,“ fügte er nach einer Pause hinzu, „wie Gott will.“ – „Was stärkt und tröstet Sie?“ – „Der Wille Gottes.“ – „Haben Sie kein Anliegen, keine Wünsche?“ – „Nein! Kleine Wünsche soll man nicht haben und einen großen Wunsch getraue ich mich nicht zu haben.“ – „Was würden Sie denn Großes wünschen? Sagen Sie es nur.“ – „Die heilige Theresia sagt, man solle wünschen, lange und viel zu leiden und das getraue ich mir nicht.“

 

Am vorletzten Tag der Krankheit trat Bewusstlosigkeit ein. Vor dem Sterben aber kam Franz wieder vollends zu sich. Er schied unter Anrufung der heiligsten Namen. Es war Sonntag früh, 7. Juni 1896. Nur zwanzig Jahre und zwei Monate hatte er erreicht. Gar viele Leute wollten den lieben Bruder nochmals sehen und wunderten sich, „wie schön und lieb die Leiche sei“. Besonders kamen die Kinder und schmückten den Toten furchtlos mit Blumen. Man fühlte sich in seiner Nähe wohl und zu innerer Sammlung angeregt. Sein Oberer schrieb nachher: „Im Studentat galt Wallaberger als ein Heiliger.“ Wenige Tage vor dem Tod sagte er: „Ich vergönne ihm das Glück, jetzt sterben zu können; denn er ist ein Engel.“ Gar manche haben schon zu dem Gottseligen gefleht und behaupten, ganz auffallende Hilfe gefunden zu haben.

 

„Ich kann nichts Besseres tun, als mich mit aller Kraft auf die volle Erfüllung meiner Standespflichten verlegen. Das ist der Wille Gottes für mich. Etwas Erhabeneres als diesen kann ich nicht tun.“ Diesen Grundsatz hat sich Wallaberger vom heiligen Johann Berchmans notiert. Wer ihn befolgt, wird ein Heiliger, und zwar ein großer. Diese kleinen, schlichten, von den Menschen unbekannten Diener Gottes, das sind auch die rechten Vorbilder, die ein jeder nachahmen kann, ohne vor dem „großen Heiligen“ erschrecken zu müssen.

 

Der gottselige Matt Talbot,

Drittordensbruder, Büßer, Patron der Trinker und Suchtkranken,

+ 7.6.1925 – Gedenktage: 7. Juni / 19. Juni

 

So wie es einen ersten Heiligen in Gehrock und Lackschuhen gibt, den seligen Contardo Ferrini, so gibt es auch einen im kalkbespritzten Arbeitskittel, den Maurer Matt Talbot, der ein ganz eigenartiges Heiligenleben geführt hat. Zunächst muss von Matt Talbot berichtet werden, dass er als junger Mann von der Heiligkeit weit entfernt war. Die Eltern, bettelarme Leute, gehörten dem Arbeiterstand an und wohnten in der irischen Hauptstadt Dublin, wo Matt, was auf Deutsch wohl Matthäus oder Matthias heißt, im Jahr 1856 geboren wurde. Obwohl der Junge einen gescheiten Kopf hatte, brachte er es nur bis zum Lesen und Schreiben. Für ein weiteres Lernen blieb keine Zeit, und mit zwölf Jahren musste er sich als Laufbursche und Handlanger das tägliche Brot selbst verdienen. Zur gleichen Zeit begann auch sein Unglück.

 

Man begeht keine Ehrabschneidung, wenn man sagt, dass das Hauptübel des irischen Volkes vor hundertfünfzig Jahren in der Trunksucht bestand. Auch Matt Talbot verfiel dem Laster. Gewissenlose Gesellen ließen es sich angelegen sein, ihn zum Trinken zu verleiten, und der Erfolg blieb ihnen leider nicht versagt. Aus dummer Großmannssucht tat Matt mit, und bald soff er wie ein Alter, und haltlos glitt er schnell in die schreckliche Sucht. Wenn ihn jeweils nach einem schweren Rausch der Katzenjammer quälte, so ekelte er sich wohl vor sich selbst und versprach der jammernden Mutter hoch und heilig, sich zu bessern, aber sein Vorsatz hielt nie länger als bis zum nächsten Lohntag. Aus dem anfänglichen Gelegenheitstrinker entwickelte sich ein Gewohnheitssäufer, der einmal sogar die Schuhe von den Füßen für billiges Geld verkaufte, nur um an Schnaps zu kommen. Das rotaufgedunsene Gesicht und die zittrigen Hände des erst vierundzwanzigjährigen jungen Mannes redete eine klare Sprache und deuteten darauf hin, dass sich bald auch an ihm das Sprichwort bewahrheiten werde: „Wer im Galopp lebt, fährt im Trapp zum Teufel.“

 

Förmlich über Nacht setzte die Wende ein, und der Trinker rührte fortan kein Glas mehr an. Wie es dazu kam, wird wohl nie geklärt werden können, aber die Tatsache, dass Matt Knall auf Fall ein anderer wurde, steht unleugbar fest. Nach außen hin gab sich der junge Maurer wie bisher. Es fiel nur auf, dass er nie mehr betrunken war, dass er aller Neckerei zum Trotz beim Umtrunk auf der Arbeitsstelle die Schnapsflasche unbenutzt vorübergehen ließ und dass er den kirchlichen Pflichten, die er zehn Jahre lang versäumt hatte, wieder treu nachkam. Im Übrigen aber blieb Matt der alte, liebe und freundliche Kamerad, der jedem half, unter der Arbeit gern ein Lied sang und alle mit seinem ansteckenden Humor auch über die trostloseste Lage hinwegbrachte. Auf diese Weise verdeckte Matt Talbot in männlich schöner Art das heiligmäßige Leben, das er im Geheimen führte und das nur durch einen Zufall erst bei seinem Tod bekannt wurde.

 

Am 7. Juni 1925 brach Matt Talbot siebzigjährig auf der Straße tot zusammen. Als man die Leiche für das Begräbnis herrichtete, stellte man fest, dass der Tote eine schwere eiserne Wagenkette um den Leib trug – eine Bußkette. Man staunte und forschte nach und stieß dabei auf ein neuzeitliches Heiligenleben von ganz eigener Prägung.

 

Was nämlich Matt Talbot in jungen Jahren durch Unmäßigkeit gesündigt hatte, suchte er in harter Buße durch den Verzicht auf die erlaubten Freuden des Lebens zu sühnen. Seit seiner Lebensbesserung gab er nicht nur das Trinken, sondern auch das Rauchen auf, las keine Zeitung mehr, verzichtete auf die Ehe, gönnte sich bei zehnstündiger Schwerarbeit täglich bloß eine volle Mahlzeit am Abend und schlief nur drei Stunden, während er den Rest der Nacht auf den Knien verbrachte. Auf diese Weise hat Matt Talbot die Verfehlungen der Jugend gesühnt, still und verborgen, herrlich und groß, und auch die Tatsache kam erst nach dem Hinscheiden an den Tag, dass er durch seine Sparpfennige vier junge Männer zu Priestern und Missionaren heranbilden ließ. Sollte die Kirche, was zu erwarten ist, Matt Talbot eines Tages zur Ehre der Altäre erheben, so hat dieser neuzeitliche Arbeiterheilige den Beweis erbracht, dass der Christ auch in der Gegenwart und auch im Arbeiterstand heilig werden kann.

 

1931 eröffnete der Dubliner Erzbischof eine Untersuchung, um die einsetzenden Forderungen nach seiner Heiligsprechung zu überprüfen. Der Seligsprechungsprozess wurde 1947 eingeleitet. 1972 wurde sein Grab in die Kirche Unserer Lieben Frau von Lourdes in dem Dubliner Stadtteil übertragen, wo Talbot sein Leben verbracht hatte. 1975 erklärte ihn Papst Paul VI. zum Ehrwürdigen Diener Gottes. 1978 wurde im Dubliner Stadtzentrum die Talbot Memorial Bridge über der Liffey eröffnet. An ihrem Südende steht seit 1988 ein Denkmal Talbots.

 

Bei nordamerikanischen Katholiken, die beruflich oder als Betroffene mit Alkoholmissbrauch zu tun haben, ist die Verehrung Talbots sehr verbreitet. In den USA tragen einige Einrichtungen der Suchtberatung und -hilfe seinen Namen. Im australischen Sydney versorgt das 1938 gegründete Matthew Talbot Hostel täglich 600 obdachlose Männer mit einer warmen Mahlzeit.

 

Siehe auch hier: https://bistum-augsburg.de/Heilige-des-Tages/Heilige/MATT-TALBOT

 

oder hier: http://www.kath-info.de/talbot.html

 

Gebet am 7. Juni

 

Gebieterin aller Dinge, heiligste Mutter der Heiligen, du unsere Kraft, unsere Zuflucht, Herrin der Welt, Herrlichkeit des Himmels, nimm gnädig auf, die dich lieben, und erhöre uns. Denn siehe, dein Sohn ehrt dich dadurch, dass er dir nichts abschlägt. 

Laufe, eile, meine Königin, und hilf gnädig deinem sündigen Knecht, der zu dir seine Zuflucht nimmt, und befreie ihn aus der Hand des Feindes. Amen. 

 

Zu Gott

 

Wir bitten Dich, o Gott, verleihe, dass wir den Glauben, zu dem wir von Dir berufen sind, getreu bewahren, damit Dein Reich, das Du unter uns errichtet hast, nicht auf ein anderes Volk, das bessere Früchte bringt, übertragen wird, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Herr, mein Gott, seither haben mich die Possen und Kinderspiele der Welt mehr als Dein heiliges Gesetz und die Pflichten meines Standes beschäftigt. Aber nun sollst Du meine liebste, meine einzige Beschäftigung sein. Alle meine Sorgen, auch die den Leib betreffen, sollen auf Dich, mein letztes Ziel, gerichtet sein. Segne Du diesen meinen Vorsatz. Durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Andacht am 7. Juni:

 

Das Thema im Juni:

Vom Gehorsam

"Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen." (Matthäus 23,3)

 

"Wer die Tugend des Gehorsams nicht hat, verdient nicht, den Namen eines Religiosen zu führen. Warum auch trat, wer durch das Gelübde zum Gehorsam verpflichtet ist, und wider ihn fehlt, in den Ordensstand?" (Die heilige Theresia von Avila)

In einem dringenden Notfall erlaubte einst die heilige Franziska von Chantal einer Nonne, eine gewisse Summe Geldes zu gebrauchen, das der heilige Franz von Sales ausdrücklich befohlen hatte, nur zur Linderung der Kranken zu verwenden; denn sie hegte die begründete Hoffnung, diese Summe bald wieder zu ersetzen. Doch nicht lange, und sie wurde von der peinlichsten Unruhe über diese Erlaubnis gefoltert, da sie fürchtete, sie habe gegen den Gehorsam gesündigt. Eilig schrieb sie daher an den Heiligen, der sich auf ihren Brief sogleich in das Kloster verfügte. Da warf sie sich ihm zu Füßen, klagte sich unter Tränen über den Fehler an, den ihr Gewissen ihr vorwarf, und konnte auch, wie sie selbst es bezeugte, in der Folge nie an diesen Fehlers denken, ohne Tränen zu vergießen. 

In der Geschichte des Zisterzienser-Ordens wird einer Regel gedacht, die allen Religiosen vorschrieb, die Brosamen, die nach jeder Mahlzeit vor ihnen lägen, zu sammeln, und sie entweder zu essen oder auf den Teller zu legen. Nun geschah es einst, dass ein Mönch, der ein genauer Beobachter der Ordensregeln war, die Brosamen, die vor ihm lagen, zwar gesammelt hatte und in der Hand hielt, aber so aufmerksam auf die Lesung war, die während der Mahlzeit gehalten wurde, dass er sie noch in der Hand hatte, als man das Zeichen gab, vom Tisch aufzustehen. Da er nun zu sich selbst kam, war er in großer Verlegenheit, weil es nicht mehr erlaubt war, sie zu essen, und er sie auch nicht mehr auf den Teller legen konnte, den man bereits hinweggenommen hatte. Er klagte sich also in aller Demut dieses Fehlers bei dem Abt an und bat ihn um eine Buße. Der Abt gab ihm einen Verweis und fragte ihn, was er mit den Brosamen getan hatte. Hier sind sie in meiner Hand! antwortete der Betroffene. Da er nun die Hand öffnete, um sie vorzuzeigen, sieh, da hatten sie sich in die edelsten Perlen umgewandelt. Der Geschichtsschreiber aber fügt bei: Gott hat durch dieses Wunder zeigen wollen, wie wohlgefällig der Eifer frommer Ordensleute Ihm sei, die nicht nur die wichtigsten, sondern auch die mindesten Regeln pünktlich beobachten.

 

Vergib mir, Herr, dass ich so oft meinem eigenen Willen folgte und dadurch Dich beleidigt habe! Schmerzlich bereue ich meine Schuld und entsage meinem Eigenwillen für immer. Lass mich lieber sterben als gegen den heiligen Gehorsam sündigen! Amen. 

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 7. Juni

 

"Das aufgeblasene Herz weiß nur zu widersprechen

und zu streiten und findet an allem was man sagt etwas zu tadeln."

 

ehrw. Juliana Morel OP

1594 bis 26.6.1653

 

Betrachtung am 7. Juni - Die Welt im Gegensatz zum Evangelium

 

O lass, Herr, mich nicht betören

Von dem Trug und Schein der Welt.

Ganz will dir ich angehören,

Und nur tun, was dir gefällt.

Denn dein heiliges Gesetz

Schützt allein vor Satans Netz.

 

1. "Niemand" - spricht der Herr, "kann zwei Herren dienen!" So unmöglich dies ist, suchen dennoch nicht wenige, selbst unter denjenigen, die noch an die göttlichen Offenbarungen glauben, und selig zu werden verlangen, Gott so zu dienen, dass sie es sich mit der Welt nicht verderben. Und der Geist der Lüge überzeugt sie auch leicht von der Möglichkeit. Nicht zerstören zwar kann er das Evangelium, aber wie einst unsere Stammeltern, so überlistet er auch sie. Er sagt nicht, das heilige Gesetz sei ungerecht, sondern nur, es verpflichte nicht mit so großer Strenge, und wer von der verbotenen Frucht isst, werde keineswegs sterben. Dies ist eine Schlinge, in der viele Menschen in den ewigen Untergang gezogen wurden.

 

2. Täuschen wir uns nicht. Weder Gott noch die Welt dulden ein geteiltes Herz. Vielfältiges Wehe sprach Jesus über die Welt aus, und niemals lässt seine Lehre mit den Lehren der Welt, das Kreuz mit ihrer Pracht, Weichlichkeit und ihren Lüsten sich vereinigen. Ständen auch noch so viele falsche Propheten auf, die alles in süßer Weisheit mildern, vereinbaren und in Einklang bringen wollen, so stehen dennoch der Geist Jesu Christi und die Welt einander ewig feindlich gegenüber. Alles, was sie beweisen, ist nur, dass sie den Geist Jesu nicht kennen, der nicht den Frieden brachte, sondern das Schwert, alles zu vertilgen, was dem ewigen Gesetz widerspricht.

 

3. Oft sagte uns Jesus, die Anzahl der Auserwählten sei gering. Deutlich auch spricht der Apostel: "Wer den Geist Christi nicht hat, der gehört nicht zu ihm." (Römer 8,9b) Wo finden wir aber den Geist Jesu Christi, den Geist der Demut und des Kreuzes, der Abtötung und Selbstverleugnung in den Gedanken, Unterredungen, Neigungen, Planungen, Lustbarkeiten, Vorurteilen, im Geiz, der Rachsucht, Habgier, dem Stolz und den Unreinheiten der Welt? Schöne Namen erfand sie, alle Torheiten und Laster zu verharmlosen. Aber hüten wir uns vor diesen Blumen, unter denen die alte Schlange lauert. "Aber das Tor, das zum Leben führt, ist eng, und der Weg dahin ist schmal, und nur wenige finden ihn." (Matthäus 7,14)

 

8. Juni

 

Die selige Maria Droste zu Vischering,

+ 8.6.1899 - Fest: 8. Juni

 

Kurz bevor das 19. Jahrhundert durch das 20. Jahrhundert abgelöst wurde, hat Papst Leo XIII. im Juni 1899 nach dreitägigen glanzvollen Feiern, die auf dem ganzen katholischen Erdenrund stattfanden, die gesamte Menschheit dem göttlichen Herzen Jesu geweiht. Nur die wenigsten Menschen wussten damals, dass die Anregung zu der Weihe von einer deutschen Ordensfrau ausgegangen war, die am Tag vor der dreitägigen Feier, am 8. Juni 1899, in der portugiesischen Stadt Porto das Zeitliche segnete. Der bürgerliche Name der Ordensfrau lautete Gräfin Maria Droste zu Vischering.

 

Maria Droste zu Vischering erblickte an einem Liebfrauenfest, am 8. September 1863, zu Münster in Westfalen das Licht der Welt und erhielt gleich nach der Geburt die Nottaufe, weil sie in Lebensgefahr schwebte. Damals hat wohl niemand geahnt, dass sich aus dem schwächlichen Kind ein Unband von einem Mädchen entwickeln werde, an dem scheinbar ein Junge verlorengegangen war. Maria war für jeden Streich zu haben, und je toller es zuging, desto lieber war es ihr. Das größte Leid ihrer Kindheit bestand darin, dass sie während der Schulstunden stillsitzen musste. War aber der Unterricht vorüber, so tollte und stürmte sie über Wiesen und durch Hecken wie ein Füllen, das zum ersten Mal auf die Weide geführt wird. Die kleine Gräfin wurde auch leicht zornig und neigte zu Rechthaberei und zu Eigensinn.

 

Wie indessen jeder Mensch, so hatte auch Maria Droste ihre guten Seiten. Nie trug sie nach. Bei jedem Streit bot sie zuerst die Hand zur Versöhnung. Armen Kindern teilte sie gern von dem mit, was sie selbst besaß. Auch ging sie geradezu darauf aus, den Eltern, den Geschwistern und den Dienstboten des Hauses eine überraschende Freude zu machen. Dazu zeigte sich bei dem Wildfang mit der Zeit ein ausgesprochener Zug zum Heiland im Tabernakel. Oft schlich sich das Mädchen heimlich in die Schlosskapelle. Mit Hingabe und Liebe sammelte Maria Blumen für den Schmuck des Altars, und der Tag der ersten heiligen Kommunion galt ihr zeitlebens als der beglückende Höhepunkt der ganzen Kindheit. Bald darauf empfing sie auch das heilige Sakrament der Firmung, und bei dieser Gelegenheit erhielt sie die hohe Gnade der Berufung zum Ordensstand. Wer aber meint, die junge Gräfin sei daraufhin eine Duckmäuserin geworden, der irrt. Nach wie vor blieb Maria Droste sich gleich, spielte und sprang weiter, ritt mit dem Vater und den Brüdern aus und bedauerte nur, dass sie kein Junge war, um als Missionar zu den „Menschenfressern“ zu gehen.

 

Darüber verstrich die Zeit, und nachdem Maria Droste erst noch eine langwierige Krankheit überstanden hatte, ging sie ins Kloster. Zu Münster trat sie in den Orden vom Guten Hirten ein, deren Mitglieder sich mit vieler Liebe jener armen Mädchen annehmen, die den guten Namen verloren haben. Da war die junge Gräfin endlich am Ziel der Sehnsucht, aber man kann durchaus nicht sagen, dass ihr das Klosterleben in der ersten Zeit leicht fiel. Im Gegenteil, sie bekam es mit dem Heimweh zu tun, verlor zeitweilig fast den ganzen Mut, Gewissensängste stiegen in ihr auf, und gar sehr litt sie unter der Widerspenstigkeit ihrer bedauernswerten Pfleglinge. Es war eine harte Zeit, aber die geprüfte junge Ordensfrau gehörte zum Glück zu jenen herrlichen Menschen, die, wenn sie einmal A gesagt haben, auch B sagen, auf die Zähne beißen und durchhalten. Schließlich musste alles auch so kommen, damit Schwester Maria vom Heiligsten Herzen, wie der Klostername lautete, von sich selbst loskam, um allein dem lieben Heiland anzugehören. Endlich war auch das soweit. Der liebe Heiland zog Schwester Maria als eine Begnadete an sein Herz.

 

Sechs Jahre nach dem Eintritt in den Ordensstand wurde Schwester Maria von den Vorgesetzten als Oberin nach Portugal versetzt. Trotz schmerzvoller Krankheit hat sie dort in wenigen Jahren Großes gewirkt. Dort empfing sie vom lieben Heiland den eingangs erwähnten Auftrag für Papst Leo XIII., dass er die ganze Menschheit seinem heiligsten Herzen weihen solle, und als es geschah, war ihre Lebensaufgabe erfüllt. Am 8. Juni 1899 starb die große Verehrerin des Herzens Jesu, um an diesem Herzen für alle Ewigkeit auszuruhen.

 

Die ehrwürdige Maria Dominika Josepha von Rottenberg,

Priorin im Kloster Katharinental,

+ 1738 – Gedenken: 8. Juni

 

Maria Dominika Josepha von Rottenberg (gestorben im Jahre 1738), Vorsteherin des löblichen Gotteshauses Katharinental vom Orden des heiligen Dominikus und Verfasserin mehrerer geistreicher Schriften, bekennt von sich, dass sie unzählige geistige und leibliche Wohltaten, insbesondere ihren geistlichen Beruf und alle hierauf erfolgten Gnaden, durch die Hände Mariens empfangen habe; darum war sie auch der heiligen Jungfrau, besonders in ihrem wundertätigen Gnadenbilde zu Einsiedeln, vom ganzen Herzen in Dankbarkeit und Liebe zugetan.

 

Anna Maria Moller, 1676 zu Würzburg geboren, nahm nach dem Willen ihres Stiefvaters Adam Wolfgang von Rottenberg, ebenfalls den Namen von Rottenberg an. In ihrem sechszehnten Jahre wurde sie auf göttliche Zulassung von schrecklichen Gewissensskrupeln gefoltert. Dabei konnte das arme Mädchen es nicht über sich bringen, jemanden von ihrem Leiden zu erzählen und bei den Menschen Hilfe zu suchen. Da warf sie sich denn einmal vor einem Bildnisse Unserer Lieben Frau von Einsiedeln nieder zum Gebet. Bei diesem mehrere Stunden fortgesetzten eifrigen Gebet kam ihr solcher Trost zu, dass sie mündlich nicht mehr beten konnte, sondern in himmlischer Süßigkeit versenkt blieb, wobei jedoch wunderbarer Weise zugleich auch jene innerliche Plage anhielt. Aber eben dieses schwere Anliegen gab den ersten Anlass zu ihrem geistigen Beruf, da ihr einfiel, sie könne von so großer Pein nicht anders, als durch ein strenges Ordensleben befreit werden. Die Dienerin Gottes bekannte später selbst, dass sie in ihren jungen Jahren ein sehr eitles Weltkind gewesen war, das auf keine andere Weise, als durch eine solche innerliche Plage zum Entschluss für ein geistliches Leben gebracht werden konnte.

 

Diesem ihrem Entschluss, in ein Kloster mit strenger Klausur zu treten, stimmte aber ihr Vater nicht bei; er wollte ihrem geistlichen Beruf zwar nicht hinderlich sein, war aber nur für ein Kloster ohne Klausur und von milderer Observanz. Acht bis neun Klöster wurden ihr vorgeschlagen, jedoch für keines von ihnen konnte sich Anna Maria entschließen, weil sie darin ihr Ziel nicht zu erreichen glaubte. Daraus entstand nun zwischen den Eltern und der Tochter große Missstimmung; der Vater besonders ward durch Marias Beharrlichkeit, die er für Eigensinn erklärte, sehr aufgebracht und versagte ihr alle weitere Hilfe. Zwei volle Jahre verflossen so für sie in großen Leiden, sowohl innerlichen als äußerlichen, da einerseits die Gewissenangst sich nicht verlieren wollte, anderseits ihr geistliches Vorhaben sich gänzlich als unausführbar darstellte. In dieser Leidensperiode hatte sie einmal folgenden Traum: es kam ihr vor, als befände sie sich in der Gnaden-Kapelle zu Maria Einsiedeln; es zeigten sich daselbst Dominikanernonnen, die vom Altare herabstiegen, freundlichen Angesichtes sich ihr näherten und sie küssten, worauf sie verschwanden. - Nach diesem Traum fand sie den Vater zu ihrer größten Freude plötzlich und gänzlich verändert. Aus freien Stücken machte er ihr den Vorschlag: sie solle eine Wallfahrt nach Einsiedeln machen und an dem marianischen Gnadenort um Erleuchtung in Betreff ihres Berufes bitten. Beharre sie nach ihrer Rückkehr noch auf ihrem Vorhaben, so wolle er ihr zu dessen Ausführung alle mögliche Hilfe gewähren. Voll Freude trat sie nun zu Fuß die Wallfahrt an. Sie empfahl der himmlischen Mutter im inbrünstigen Gebet ihre Angelegenheit und offenbarte nach abgelegter heiliger Beicht auch dem Beichtvater ihr Vorhaben. Dieser sagte ihr, er wüsste für sie keinen tauglicheren Ort, als Katharinental, ein Kloster, von dem doch vorher weder sie noch die Eltern je das Mindeste gehört hatten. Nach geendigter Wallfahrt erzählte Anna Maria den ganzen Verlauf ihrem Vater, der alsobald nach Katharinental reiste, um für seine Tochter die Aufnahme nachzusuchen, die sie auch zu jedermanns Verwunderung am St. Josefstag mit einhelligen Stimmen erhielt.

 

Im Monate August desselben Jahres (1694), im achtzehnten ihres Alters, trat nun Anna Maria von Rottenberg bei den Dominikanerinnen zu Katharinental in das Kloster ein. Alles, was zu erlernen war, begriff sie dermaßen schnell und glücklich, dass ihr - gegen die Gewohnheit des dortigen Klosters - nach drei Vierteljahren das geistliche Noviziat anzutreten gestattet wurde. Im ersten Jahre wurde sie von einer schweren Krankheit befallen. Am Fest der Allerheiligsten Dreifaltigkeit 1695 erhielt sie das heilige Ordenskleid und mit ihm den Ordensnamen Maria Dominika.

 

Die kindliche Andacht und Dankbarkeit gegenüber der seligsten Jungfrau besonders in ihrem Gnadenbilde zu Einsiedeln, erlosch niemals mehr in dem Herzen Dominikas. Ihr ganzes Leben war eine immerwährende Liebe zu Maria, die sie durch verschiedene Andachtsübungen ehrte, insbesondere mit eifrigster Abbetung des heiligen Rosenkranzes, den sie immerdar in Händen hatte. In dieser marianischen Liebe war sie öfters so entzündet, dass sie eine lange Zeit mehr nicht sprechen konnte, als diese zwei Worte: "Ave Maria", wobei sie den größten Herzenstrost empfand. Sehr oft schrieb sie nach dem Beispiel des heiligen Thomas von Aquin jene zwei Worte auf ein Zettelchen, und verschlang dann dieses. Die ersten Jahre ihres Klosterlebens trug sie immerdar ein kleines Bildnis der Einsiedler-Muttergottes in ihren Händen herum.

 

In ihrer Zelle hatte sie ebenfalls ein Bild der wundertätigen Jungfrau von Einsiedeln. Vor diesem lag sie viele Stunden im Gebet und vergoss dabei so viele Tränen aus Reue über ihre Sünden, dass sie ihren Augen sehr schadete. Dreimal erblindete sie hierüber, aber allezeit erhielt sie das Augenlicht wieder durch augenscheinliche Hilfe der Gnadenmutter von Einsiedeln. Das erste Mal zeigte sich ihr Augenübel am 7. Mai, am Tag, an dem das Fest der heiligen Krone Jesu Christi im Gotteshaus begangen wurde. Als sie des morgens aufstehen wollte, empfand sie sehr heftige Kopfschmerzen, wobei ihr der Gedanke kam, der Herr wolle sie vielleicht in etwas seiner schmerzhaften Krönung teilhaftig machen. Da sie aber ihr Brevier zur Hand nahm, um die Tagzeiten zu beten, konnte sie keine Buchstaben erkennen. Man berief alsobald einen wohlerfahrenen Augenarzt; dieser erklärte, auf beiden Augen sei der schwarze Star und dieser sei unheilbar. Es wurden zwar dessen ungeachtet allerlei Arzneimittel gebraucht, aber ohne Nutzen.

 

Dominika wendete sich in diesem traurigen Zustande zu ihrer Mutter Gottes von Einsiedeln und ließ eine Wallfahrt dorthin verrichten; sie selbst betete voll Vertrauen, legte ein Marienbild aus Stein ins Wasser und wusch sich mit dem Wasser die Augen. Ehe die abgesendete Person von der Wallfahrt zurückkam, erlangte Dominika ihr Augenlicht vollkommen wieder. Nicht lange darauf erblindete sie abermals, wobei sie sich nicht so fest über ihr Übel als vielmehr wegen der Ehre ihrer geliebtesten Mutter Gottes von Einsiedeln betrübte, da man vielleicht sagen oder denken würde, sie sei von ihrer Hilfe abgestanden. Diese ihre Bekümmernis klagte sie einer Mitschwester, Fr. Maria Theresia (von Pintener), von der sie mit der Vorstellung getröstet wurde, Maria werde schon durch abermalige Hilfe ihre Ehre zu retten wissen. Schon früher hatten Beide davon gesprochen, wie schön und lieb es ihnen wäre, wenn im Klostergarten eine Kapelle Unserer Lieben Frau von Einsiedeln gebaut würde. Die Sache wurde nun wieder besprochen; man glaubte, die Stelle unter einer Haselnussstaude wäre dazu geeignet, stellte dahin einen Tisch und setzte ein Bild Unserer Lieben Frau von Einsiedeln darauf. Maria Theresia betete indes eifrigst zur heiligsten Mutter Gottes um das Gesicht ihrer lieben Mitschwester und gelobte dabei, sie wolle, wenn ihr Gebet erhört würde, bei ihrem Herrn Bruder, dem Landeshauptmann von Pintener aus Ury, zu erwirken suchen, dass er die Kapelle auf seine Kosten herstellen lasse. Bald kommt Dominika voll Freude und sehend zu ihrer Mitschwester, um deren geheimes Versprechen sie nicht wusste; die Freude im ganzen Kloster ist allgemein und die Kapelle wird erbaut. Der ganze Verlauf ward zu Papier gebracht, und eine Abschrift davon in Gegenwart des P. Provinzials in das Fundament gelegt.

 

Während des Baues erblindete Dominika zum dritten Mal. Als aber am Feste Kreuzerhöhung die erste Heilige Messe in der Kapelle gelesen wurde, erlangte sie unter der Wandlung plötzlich das völlige Gesicht wieder in Gegenwart aller Klosterfrauen, die dann voll Freude den Ambrosianischen Lobgesang anstimmten.

 

In der ersten Zeit ihres geistlichen Standes begehrte Dominika von ihrer geliebtesten Mutter zu Einsiedeln aus höherem Antrieb die Gnade der Weisheit, ohne eigentlich zu wissen, was sie hierdurch begehre. Es hat sich aber später gezeigt, dass sie solche himmlische Weisheit in der Tat von ihrer Mutter Gottes von Einsiedeln auf eine wunderbare Weise erlangt haben müsse; die geistvollen Schriften, die sie hinterlassen hat, geben dies hinreichend zu erkennen. Sie selbst sagt hierüber in einer ihrer Schriften: "Ich muss meiner heiligen Mutter von Einsiedeln nicht nur alle zur Leibesgesundheit empfangenen großen Gnaden dankbar zuschreiben, sondern auch meine Schriften, die an dem Einsiedlerfest (der sogenannten Engelweihe) ihren Anfang genommen haben, und die erste war von Maria etc." Und sie fügt hinzu: "Was ich zu allen Zeiten in leiblichen und geistlichen Sachen für ungemeine Hilfe von der heiligsten Mutter empfangen habe, wüsste ich in keine Zahl zu bringen. Niemals hat sie mich stecken lassen, und ich bin durchgehend von ihr erhört worden."

 

Gebet am 8. Juni

 

Zu dir rufen wir, Königin der Barmherzigkeit, wende dich zu uns, damit wir sehen, wie du Wohltaten austeilst, Heilmittel anwendest und uns Stärke verleihst. Zeige uns das Angesicht deines Erbarmens, und wir werden alsdann selig sein. Amen. 

 

Zu Jesus Christus

 

Erhalte und verbreite, o göttlicher Heiland, immer rein und unversehrt die vom himmlischen Vater uns gebrachte Offenbarung. Lass sie in den Herzen der Völker, wie in den einzelnen Menschen kräftig wirken, damit im Allgemeinen, wie im Besonderen Gottes Reich, in dem wir allein unserer wahren Bestimmung gemäß leben können, begründet werde. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Zu Arras hat im Jahr 1534 der Bischof Eustachius eine Bruderschaft der seligsten Jungfrau in der Dominikaner-Kirche an diesem Tag errichtet.

 

Andacht am 8. Juni:

 

Das Thema im Juni:

Vom Gehorsam

"Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen." (Matthäus 23,3)

 

"Welche sind wahrhafte Ordensleute? - Die sind es, die kraft der Abtötung ihren Willen dergestalt unterworfen haben, dass er nichts anderes wollen kann, als was ihre Vorgesetzten ihnen befehlen oder anraten." (Der heilige Fulgentius)

Von dieser Wahrheit war die heilige Theresia von Avila auf das Innigste überzeugt. Hätten auch alle Engel ihr befohlen, etwas zu tun, ihr Vorgesetzter aber hätte ihr befohlen, das Gegenteil zu tun, so hätte sie den Befehl des Vorgesetzten befolgt. "Denn", sprach sie, "Gehorsam gegen die Vorgesetzten wird in der heiligen Schrift von Gott befohlen und ist folglich eine Glaubenssache; auch kann nicht irre gehen, wer gehorsam ist, bei Offenbarungen aber kann Täuschung stattfinden.

Ein Altvater der Wüste befahl, einen Bruder im Gehorsam zu üben, ihm, ein trockenes Holz, das er in die Erde gesteckt hatte, täglich zu begießen, und zwar musste der Jünger das Wasser dazu sehr weit her holen. Nachdem er aber dieses Holz drei Jahre hindurch täglich begossen hatte, fing es an, zu ergrünen und Früchte zu tragen. Da nahm der Altvater von diesen Früchten, brachte sie in die Versammlung und sprach: "Sehet hier, meine Brüder, und esset Früchte des Gehorsams."

 

Dir, mein Gott, unterwerfe ich meinen Willen. Nichts anderes will ich, als was diejenigen, die Deine Stelle vertreten, mir befehlen oder anraten werden! Amen. 

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 8. Juni

 

"Wo keine Mitteilung der Güter,

da ist auch keine Freundschaft."

 

hl. Thomas von Aquin OP

1225 bis 7.3.1274

 

Betrachtung am 8. Juni - Von der Furcht vor den göttlichen Gerichten

 

Prüfest, Herr, du die Vergehen:

Wer kann je vor dir bestehen.

Es erzittert mein Gebein,

Denke ich an dein Gericht.

Selbst die Himmel sind nicht rein,

Herr, vor deinem Angesicht.

 

1. Wenn ich, Herr, deine Gerichte betrachte, dann erzittert mein Gebein in mir, und es vergeht mein Geist bei dem Gedanken, dass ich bald vor deinem Richterstuhl erscheinen muss. "Es ist furchtbar, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen!" ruft dein Apostel aus. (Hebräer 10,31) Selbst deine Heiligen, die ihr ganzes Leben in Unschuld und Buße verlebt hatten, erbebten in ihrer letzten Sunde, ob sie auch nichts Böses sich bewusst waren. Denn sie wussten, dass deine Augen bis ins Innerste der Gedanken dringen, und dass deine Urteile unendlich verschieden von dem Urteil der Menschen sind.

 

2. Zittert aber die Zeder auf dem Libanon, was soll dann das Rohr in der Wüste. Erbebt die Unschuld und Heiligkeit, nicht rein befunden zu werden vor deinen Augen: wie soll die tägliche und veraltete Bosheit nicht erbeben? "Und" - spricht dein Apostel - "wenn der Gerechte kaum gerettet wird, wo wird man dann die Frevler und Sünder finden?" (1. Petrus 4,18) Wenn Jeremias, der noch im Mutterleib geheiligt worden war, deinen Zorn so sehr fürchtete, dass er nicht wusste, wohin er fliehen kann: was soll ich tun, der ich in Sünden empfangen wurde, und unaufhörlich in Sünden lebte? Ach, was wird es sein, wenn das Buch unseres Lebens aufgeschlagen wird, wenn die verborgenen Missetaten ans Licht treten, wenn du die Gnaden schauen wirst, die zu deinem Heil dir gegeben waren, und die du in den Wind geschlagen hast?

 

3. Psalm 143,2: "Herr, geh mit deinem Knecht nicht ins Gericht; denn keiner, der lebt, ist gerecht vor dir." Durchforschst du mein Leben und meine Sitten ohne Barmherzigkeit, dann verschwindet alle meine Hoffnung. Denn nichts finde ich, mich zu rechtfertigen. Auf tausend Fragen finde ich keine Antwort, keine Entschuldigung. Verstummen muss ich, wenn du die Ärgernisse mir vor Augen stellst, die ich gegeben habe. Still werden muss ich angesichts der Beispiele deiner getreuen Diener, die zur Besserung meines Lebens mich ermahnten. Herr, mein Gott, in Zerknirschung meines Herzens falle ich zu den Füßen deiner Barmherzigkeit nieder und bitte in Demut: "Herr, strafe mich nicht in deinem Zorn, und züchtige mich nicht in deinem Grimm!" (Psalm 6,2)

 

9. Juni

 

Maria, Mutter der Gnade

 

Die heiligen Brüder Primus und Felicianus,

Martyrer von Mentana, Italien,

+ 9.6.286 - Fest: 9. Juni

 

Primus und Felicianus, ein edles Brüderpaar aus Rom, führten ein erbauliches Leben, ermunterten sich gegenseitig zur Übung aller Arten guter Werke und nahmen sich besonders der verfolgten Christen an, die sie auf das Liebevollste unterstützten und auf jede Weise im Glauben zu befestigen versuchten. Tage und Nächte brachten sie in den Gefängnissen zu, um den Bekennern alle Dienste zu erweisen. Sie wagten es sogar, auf den öffentlichen Marterplätzen zu erscheinen, wo sie die Bekenner zur Standhaftigkeit ermunterten und die Abgefallenen dem Heiland wieder zu gewinnen sich bemühten. Trotz dieses offenkundigen Eifers entgingen sie mehreren blutigen Verfolgungen und hatten unangefochten bereits ein hohes Alter erreicht, als es dem Herrn gefiel, auch sie zur Marterkrone zu berufen.

 

Die Götzenpfaffen, aufgebracht über die ungemeine Verbreitung der christlichen Religion, beklagten sich bei den Kaisern Diokletian und Maximian, wie die Götter erzürnt seien, keine Orakelsprüche mehr gäben und ihre Wohltaten zurückhielten, weil das ihnen verhasste Geschlecht der Christen von Tag zu Tag zunähme. Vorzüglich erklärten sie Primus und Felicianus der Rache der Götter verfallen und forderten zur strengen Bestrafung derselben auf. Sogleich wurden die beiden Brüder ergriffen und vor den Prätor von Rom geschleppt, der sie, als sie seinem Befehl, den Götzen zu opfern, nicht gehorchten, an Händen und Füßen gefesselt ins Gefängnis werfen ließ. In der Nacht aber erschien ihnen ein Engel des Herrn, tröstete sie und löste ihre Bande, und voll Dankes sangen sie das Lob Gottes und baten um seine Gnade zu dem bevorstehenden Kampf.

 

Tags darauf wurden sie bis auf das Blut gegeißelt und dann nach Nomento abgeführt, wo Promotus, ein wilder Christenfeind, Statthalter war. Der übergab sie den Händen der Henker, die sie auf das Grausamste folterten, aber durch alle ihre Kunstgriffe sie nicht zum Abfall bringen konnten. Der Statthalter meinte nun eher zum Ziel zu gelangen, wenn er die Brüder voneinander trenne und jeden einzeln vornehme. Daher ließ er Primus in das Gefängnis abführen und behielt nur Felicianus bei sich. Diesem redete er zu, dass er seines hohen Alters schonen und nicht mutwilliger Weise sich den schrecklichsten Peinigungen aussetzen möge. Der Martyrer aber entgegnete: „Ich zähle jetzt achtzig Jahre, und dreißig sind es, seitdem ich Gottes Wahrheit erkannt und mich Jesus dem besten Herrn, als Diener untergeben habe. Jetzt wo ich so nahe daran bin, den Lohn ausbezahlt zu bekommen, soll ich meinem Herrn untreu werden? Verfahre mit mir, wie du willst, Promotus! Aber zu einer solchen Torheit wirst du mich nie verleiten.“ Daraufhin ließ ihn der ergrimmte Heide an einem Pfahl aufziehen und drei Tage lang ohne Nahrung schmachten.

 

Nun kam die Reihe an Primus. Diesem spiegelte der Statthalter mit arger List vor, als hätte sein Bruder sich dem Befehl der Kaiser gefügt und den Götzen geopfert, und ermunterte ihn, nun auch solchem Beispiel zu folgen und durch gleiche Willfährigkeit an der Huld der Kaiser teilzunehmen. Der Heilige, der durch höhere Erleuchtung von dem herrlichen Bekenntnis seines Bruders Kunde hatte, antwortete dem Nichtswürdigen: „Schäme dich der Lüge! Felicianus bleibt seinem Heiland treu und wird für ihn sterben; das will auch ich.“ Im höchsten Zorn ließ jetzt der Statthalter den Martyrer schlagen, dass die Haut in Fetzen vom Leib fiel, und dann die Wunden mit Fackeln anbrennen. Unter diesen Penigungen rief Primus mit dem Psalmisten aus: „Du hast uns geprüft, o Herr, durch Feuer geläutert, wie man läutert das Silber. Wir gingen durch Feuer und Wasser, aber du führtest uns heraus in die Erquickung.“ Damit Felicianus Zeuge der Qualen seines Bruders sei, ließ ihn der Statthalter aus dem Kerker herbeiführen, und er musste zusehen, wie man Primus geschmolzenes Blei in den Mund goss. Aber durch ein Wunder Gottes brannte das Blei nicht und schien dem Martyrer vielmehr mildes Öl zu sein, und freudig rief dieser aus: „O mein Bruder, sieh die Macht unseres Gottes, der dem Feuer seine Kraft nimmt und siedendes Metall in einen Labetrank verwandelt!“

 

Der Statthalter hatte aber seine Grausamkeit noch nicht erschöpft. Er ließ zwei ungeheure Löwen, deren Brüllen schon die Herzen der Zuschauer entsetzte, gegen die beiden Bekenner los. Aber die blutdürstigen Bestien legten sich gleich zahmen Lämmern zu den Füßen der beiden nieder, und gleiches taten zwei wilde Bären, die man ihnen nachsendete. Da riefen die heiligen Brüder mit lauter Stimme dem wütenden Statthalter zu: „Unseliger, erkennst du noch nicht die Macht und Herrlichkeit unseres Gottes? Sieh die Tiere geben von ihm Zeugnis und gehorchen seinen Dienern! Willst du noch länger verstockten Herzens bleiben?“ Auf das Volk machte der wunderbare Vorfall einen solchen Eindruck, dass viele, den Gott der Christen preisend, sich zum Glauben bekehrten. Promotus aber, wilder als die Tiere der Wüste, blieb verhärtet und ließ die edlen Brüder durch das Schwert hinrichten – am 9. Juni 286. Die Christen bemächtigten sich insgeheim ihrer Leiber und begruben sie in einer Sandgrube bei Nomento. Im siebenten Jahrhundert wurden ihre Reliquien auf Befehl des Papstes Theodorus nach Rom gebracht und in der Kirche des heiligen Stephan auf dem Berg Cölius beigesetzt.

 

Der heilige Hercumbert, Bischof von Minden,

+ 9.6. um 806 – Fest: 9. Juni

 

Als der Sachsenherzog Widukind vom Kaiser Karl dem Großen in vielen Schlachten besiegt worden war, begab er sich im Bettlergewand, um nicht erkannt zu werden, in das kaiserliche Lager zu Attigny und sah, wie der Kaiser und sein ganzes Heer in den Ostertagen kommunizierend aus der Hand des Priesters ein wunderschönes Kind empfingen, das bei vielen lieb lächelnd, bei andern voll Abscheu sich abwendend, im Mund eines jeden verschwand. Staunend fragte der heidnische Herzog, den der Kaiser an seinem krummen Finger erkannt hatte, nach der Bedeutung der wunderbaren Erscheinung, und er bat einen Priester, ihm und seiner Gemahlin die Anfangsgründe der christlichen Religion beizubringen. Zu jenen Zeiten befanden sich im Gefolge des Kaisers ausgezeichnete Gelehrte, unter anderen Hercumbert, ein Mann von vorzüglicher Heiligkeit und hohen Geistesgaben. Er wurde vom Kaiser zum Unterricht des Herzogs auserkoren und brachte es durch seinen Fleiß und seine ausdauernde Bemühung in kurzer Zeit dahin, dass Widukind nebst seiner Gattin noch in demselben Jahr getauft wurde.

 

Hercumberts Seeleneifer begnügte sich mit dieser für das ganze Sachsenvolk bedeutungsvollen und segensreichen Errungenschaft nicht. Der Herzog Widukind hatte ihm eine Wohnung auf einer seiner westfälischen Burgen angeboten, wenn er Frankreich verlassen und mit ihm nach Westfalen gehen wollte. Zugleich versprach er ihm, dass er ihm einen geeigneten Platz zum Bau einer Kirche und die erforderlichen Einkünfte zum Unterhalt der Geistlichen anweisen wolle. Auch Karl der Große verhieß dieser Kirche verschiedene Schenkungen, sobald die Zeiten nach den beständigen Unruhen friedlichere würden. Sehr gern fand sich Hercumbert bereit, Widukind nach Westfalen zu begleiten, denn er sah voraus den großen Vorteil für die Kirche, wenn ein so berühmter Mann treu in der eben angenommenen christlichen Religion beharrte.

 

Deshalb begleitete Hercumbert den Herzog Widukind auf seiner Rückreise nach Westfalen, fest entschlossen, sein Leben für Christus zu opfern oder die wilden Scharen der Heiden zum ewigen Heil zu führen. Sein erster Aufenthalt soll in der Widukindsburg an der Weser gewesen sein. Um anzudeuten, dass der Platz und das Bistum beiden gemeinsam sein sollte, nannte Widukind die Stätte „Myn dyn“, d.h. „Mein dein“, wovon die Stadt Minden ihren Namen erhalten haben soll.

 

Von dort aus durchzog der seeleneifrige Bischof die ganze Umgegend, unterrichtete das Volk im christlichen Glauben und frommen Übungen und erreichte die glücklichsten Erfolge, denn nach dem Beispiel ihres hochverehrten Herzogs strömten viele Sachsen herbei, um sich taufen zu lassen. Seine Hauptsorge wandte er Widukind und dessen Haus zu, den er durch öftere Unterredungen und Ermahnungen so sehr im Glauben befestigte, dass er von der Zeit an ebenso eifrig auf das Wohl der Kirche und Förderung des christlichen Lebens bedacht war, wie er früher Aufruhr erregte.

 

Unter verschiedenen Tugenden Hercumberts wird besonders seine Freigebigkeit gerühmt. Außer vielen anderen Schenkungen gab er dem Kloster Fulda 253 Knechte, 23 Dörfer, 170 Joch Ackerland zum Geschenk. Nachdem er sein bischöfliches Amt ruhmvoll und segensreich verwaltet hat, starb er am Anfang des neunten Jahrhunderts am 9. Juni, dem Fest der heiligen Märtyrer Primus und Felician.

 

Der heilige Ephräm der Syrier, Diakon von Edessa, Kirchenlehrer,

+ 9.6.373 - Fest: 9. Juni

 

Der heilige Ephräm kam um das Jahr 306 in der Gegend zwischen den Flüssen Euphrat und Tigris als Bauernsohn zur Welt. Zwölfjährig hatte er einmal einen sonderbaren Traum. Es träumte ihm, er läge der längelang auf einer Wiese. Da sprosste aus seinem Mund ein Weinstock hervor, der schnell wuchs, bis er an das Firmament reichte. Viele Blätter waren an dem Stock und noch mehr Trauben, und es kamen Leute und pflückten die Trauben, und je mehr sie pflückten, desto mehr Trauben reiften an dem Weinstock heran. Es war ein fremdartiger Traum, aber Ephräms späteres Leben war sehr schön darin vorgedeutet.

 

Als Junge war Ephräm kein übler Kerl, als er aber in die Flegeljahre kam, entwickelte er sich zu einem regelrechten Strick, der eines Tages einen Streich vollführte, für den es wohl keine Entschuldigung gibt. Es soll dieser Streich weder verschwiegen noch beschönigt werden, denn es liegt darin einerseits eine ernste Mahnung an alle, es doch nicht zu toll zu treiben, und andererseits dient es auch zur Erbauung, wenn man erfährt, dass die Heiligen nicht immer heilig waren, dass sie aber durch den Kampf gegen ihre Fehler Heilige geworden sind.

 

Aus lauter Übermut trieb nämlich eines Tages der fünfzehnjährige Ephräm die Kuh des Nachbarn vor sich her, weiter und weiter, in einen dichten Wald. Da kam ein Wolf und zerriss das Tier. Das hatte Ephräm natürlich nicht gewollt, aber es war geschehen. Heulend lief er heim und bekannte, was er getan hatte. Verdientermaßen züchtigte ihn der Vater. Die Kuh musste dem Nachbarn ersetzt werden, aber weit schlimmer noch war es, dass die Polizei den Übeltäter verhaftete. Im Gefängnis hatte Ephräm dann Muße genug, um zur Einsicht zu gelangen.

 

Dass der junge Mann einige Tage bei Wasser und Brot fassten musste, machte ihm weniger aus, aber vor der kommenden Gerichtssitzung hatte Ephräm eine unheimliche Angst. Gott und allen Heiligen gelobte er, sich zu bessern, wenn er ungeschoren davonkäme. Tatsächlich ließ der Richter Nachsicht walten und begnügte sich mit einer ernsten Verwarnung, auf Ephräm aber machte die öffentliche Verhandlung einen solch tiefen Eindruck, dass er die Erinnerung daran nie mehr verlor, und sooft er daran dachte, stellte er sich das Gericht am Jüngsten Tag vor, bei dem in Gegenwart aller Menschen eines jeden Sünden restlos aufgedeckt werden. Das waren wohl heilsame Gedanken, die Ephräm da bei sich trug.

 

Nachdem Ephräm dann daheim die Eltern reumütig um Verzeihung gebeten hatte, begab er sich zu einem Einsiedler, der ihn nach einer längeren Prüfung als Jünger annahm. In kurzer Zeit wurde aus dem jungen Mann ein besserer Mensch, denn er hatte ja Lehrgeld genug bezahlt. Später machte sich Ephräm als Einsiedler selbstständig und ging nach Syrien, weshalb man ihn Ephräm den Syrer nennt. Bald auch war er nicht nur wegen seines heiligmäßigen Lebens, sondern ebenso wegen seiner gotterleuchteten Weisheit im Land berühmt. Weil er sich nicht würdig erachtete, Priester zu werden, erteilte ihm der Bischof die Diakonatsweihe, damit er wenigstens als Prediger auftreten könne.

 

Ephräm war ein hinreißender Prediger, der besonders häufig und eindrucksvoll auf der Kanzel über das Letzte Gericht redete. Seine Predigten und seine gelehrten Schriften sind heute noch erhalten, und ihretwegen zählt er zu den Kirchenlehrern. Eine weitere Eigentümlichkeit des Tagesheiligen bestand darin, dass er sich auch als Dichter betätigte, der viele Kirchenlieder verfasste, die so schön waren, dass sie nicht nur beim Gottesdienst, sondern auch in den Familien von den Leuten gern gesungen wurden. Unwillkürlich denkt man da an den eingangs erwähnten Traum. Ephräms gottliebende Seele war der himmelanstrebende Weinstock, an dem die Trauben seiner heiligen Lieder hingen. Die Menschen kamen zuhauf und pflückten die Trauben, und je mehr sie die Lieder sangen, desto mehr Trauben reiften an dem Weinstock.

 

Der heilige Ephräm ist ein Heiliger geworden, weil er immerfort an das Letzte Gericht dachte, bei dem alle Gedanken, Worte und Werke vor aller Welt offenbar werden.

 

Die selige Anna Maria Taigi, Ehefrau und Mystikerin,

+ 9.6.1837 – Gedenktag: 9. Juni

 

Wie sind oft die Sorgen und Lasten einer armen Familie, des Vaters und der Mutter, die mit schwerer Händearbeit für den Unterhalt des Hauses schaffen müssen, hart und drückend! Und wenn noch außerordentliche Heimsuchungen sich in einer Familie melden – und wo fehlen sie? – ist es dann unter solchem Druck der Mühen und Arbeiten noch möglich, sich zu heiligen? Gewiss, da erst recht! Ein hellleuchtendes Beispiel einer heiligen Familienmutter ist für unsere Zeit die selige Anna Maria Taigi, die erst am 30. Mai 1920 der Ehre der Seligsprechung teilhaftig geworden ist.

 

Anna Maria, geboren zu Siena in Oberitalien am 29. Mai 1769, war die Tochter des Apothekers Ludwig Gianetti. Schwere Vermögensverluste brachten die Familie schier an den Bettelstab, so dass sie genötigt war, eine bescheidene Dienststelle in Rom anzunehmen. Die Tochter wurde zu Ordensfrauen geschickt, die sich mit der Erziehung armer Kinder beschäftigten, und musste, kaum dreizehn Jahre alt, ihr Brot als Seidenspulerin und dann als Kammerjungfer verdienen. Den Lockungen der Welt, die auf Mädchen ihres Alters so großen Reiz ausüben, konnte auch Anna nicht widerstehen. Lebenslustig, wollte sie alle Freuden genießen, ohne zu ahnen, welchen Gefahren sie sich aussetzte. Nur ihre gute religiöse Erziehung bewahrte sie vor dem Fall.

 

Im Jahr 1790 vermählte sich Anna Maria mit einem braven Herrschaftsdiener. Im ersten Jahr ihrer Ehe frönte sie noch der Eitelkeit und Vergnügungssucht. Gottes Gnade aber pochte immer eindringlicher an ihr Herz, um sie mehr und mehr vom Irdischen abzuziehen. Da raffte sie sich zu einer Lebensbeichte auf und fand nach anfänglichem Missgriff einen Seelenführer, der sie nach ihrer entscheidenden „Bekehrung“ zum gefügigsten Werkzeug in Gottes Hand machte. Ihre reichen Naturanlagen, ein klarer Verstand, ein tiefes edles Gemüt, eine alle und alles umfassende Hochherzigkeit, stellte sie auf das eine Streben ein, das Vollkommenste in ihrem Stand zu erreichen. Sie entsagte allem unnötigen Kleideraufwand, wie einst die heilige Franziska Romana, die ja auch eine römische Hausfrau war, und gab sich mit großem Eifer religiösen Übungen hin. Der Zug ihres großen Herzens war nach Gott gerichtet. Diesem Zug zu folgen, musste sie sich freilich oft der Nachtruhe berauben, wie sie überhaupt gerne zu Opfern und äußeren Bußübungen bereit war. Nur ihre ehelichen und mütterlichen Standespflichten und ihr Seelenführer konnten ihrem Bußeifer Schranken setzen.

 

Im religiösen und innerlichen Leben der seligen Anna Maria Taigi war gerade das der Mittelpunkt, was er für jeden Christen sein soll, was auch der Brennpunkt aller Geheimnisse des Erlösers ist, die heilige Eucharistie. In ihr fand sie die Süßigkeiten des göttlichen Kindes von Betlehem, sein verborgenes Leben zu Nazaret, die Verdemütigungen von Kalvaria. Der Anblick der heiligen Hostie rührte die Selige zu Tränen. Immer wieder musste sie an die unermessliche Liebe Jesu denken, der Nahrung für unsere Seele werden wollte, um stets bei uns zu sein und ganz sich mit uns vereinigen zu können. Kardinal Pedicini, der Jahre lang mit ihrer religiösen Gedankenwelt vertraut war, versichert: „Es fällt überaus schwer, Anna Marias glühende Begeisterung für dieses erhabene Geheimnis glaubwürdig darzustellen. Auch reichen die Worte nicht aus, genau die Gefühle zu beschreiben, die sie vor dem Tabernakel hatte, oder die himmlischen Gunstbezeigungen zu schildern, die ihr da selbst so reichlich zuteilwurden.“ Es war immer ein mächtiger Eindruck, den die tiefe Sammlung und engelgleiche Haltung auf alle Augenzeugen ausübte, wenn Mutter Taigi vor dem Allerheiligsten kniete. Ihre Augen waren halb geschlossen, doch hier und da konnte man ihren strahlenden Blick gewahren. Kein Geräusch lenkte sie ab. Wie es schien, merkte sie gar nichts von der Außenwelt, so war sie vertieft in Betrachtung des Geheimnisses der Liebe. Was in ihrem Inneren vorging, das verrieten reichliche Tränen und tiefe Seufzer. Solche, die neben ihr in der Kirche knieten, versichern, sie hätten bei ihr ein dumpfes Geräusch vernommen, wie wenn das Herz die Rippen sprengen wollte, die es noch hinderten, zu dem in der Eucharistie verborgenen Gott zu fliehen. Andere bezeugen, sie habe ein so feines Gefühl gehabt für die Gegenwart Jesu im Sakrament, dass sie beim Betreten einer bislang fremden Kirche von selbst gleich herausfand, in welchem Altar das Allerheiligste aufbewahrt wurde. Als heranwachsende Jungfrau ging Anna Maria jeden Sonn- und Feiertag zum Gastmahl der Liebe, als Hausfrau und Mutter, soweit dies ihr Zustand erlaubte. Von 1790 an war sie fast täglich bei der Heiligen Messe und an der Kommunionbank zu sehen.

 

Ach ja, wird da manche geplagte Familienmutter seufzen, wer das kann! Ich habe anderes zu tun. Nun, auch Mutter Taigi wusste dies und andere fromme Übungen so einzurichten und zu so früher Stunde vorzunehmen, dass keinerlei Pflichten darunter litten und die Hausgeschäfte nicht die geringste Schmälerung erfuhren. Ihre Frömmigkeit war eine durchaus praktische. Ihre allererste Sorge war und blieb, ihre Pflichten als Gattin und Mutter aufs genaueste zu erfüllen. Darin suchte sie ihre Vollkommenheit. Ihr Mann Dominikus Taigi, dessen Namen sie unsterblich gemacht hat, war zwar religiös und gutherzig, jedoch etwas beschränkt, launisch und auffahrend. Da besaß die treffliche Gattin aber stets so viel Selbstbeherrschung, dass sie allen seinen Wünschen, wo immer sie konnte, mit der größten Liebe und Freundlichkeit entgegenkam. Wie ihr Mann später vor dem geistlichen Gericht selber offenherzig erklärte, sei es gar oftmals vorgekommen, dass er, wenn er vom Dienst nach Hause kam, seine Frau von einer Menge Leute in Anspruch genommen sah. Es war in der Zeit, wo sie in ganz Rom als hochbegnadete Heilige gesucht und bekannt war. Da habe sie sogleich alle, auch die höchsten Herrschaften, stehen lassen und sich dem Mann mit aller Dienstfertigkeit gewidmet. Von Herzen gerne hätte sie ihm die Schuhe ausgezogen, wenn er es geduldet hätte. Gar oft sei er ermüdet, traurig oder übel gelaunt zurückgekommen; da habe sie aber durch ihre Liebenswürdigkeit ihn gleich wieder zu beruhigen und aufzuheitern gewusst. Mit höchstem Zartsinn und unvergleichlicher Güte habe sie ihn zur Ablegung von Fehlern gemahnt und es klug verstanden, den Frieden in der Familie aufrecht zu erhalten. Das sei bei den verschiedenen Charakteren nicht so leicht gewesen. Eine Schwiegertochter, die Frau des ältesten Sohnes, die mit bei ihnen wohnten, sei höchst störrigen Sinnes gewesen und habe in allem die Herrin spielen wollen. Aber die selige Mutter habe diese immer in höchst passender Weise in den Grenzen zu halten verstanden, und das habe sie mit so viel Leutseligkeit getan, dass es nicht zu sagen wäre. Also ganz die gleichen Schwierigkeiten wie in so vielen unserer Familien!

 

Die Verwaltung des Hauswesens, die Erziehung der Kinder und die Sorge des Unterhaltes der nicht kleinen Familie lag praktisch in den Händen der Mutter. Sieben Kindern hatte sie das Leben gegeben, wovon indes zwei in jugendlichem Alter starben. Außerdem musste sie auch ihre alten Eltern mitversorgen. Wurden ihr später reichliche Unterstützungen angeboten, so nahm sie doch nie etwas für sich und die Ihrigen an. Als die Königin Luise von Etrurien ihr aus Verehrung ein mit Gold gefülltes Kästchen anbot, wies sie es mit den Worten zurück: „Wie Sie doch einfältig sind! Ich diene einem Herrn, der viel reicher ist als Sie.“ Durchdrungen vom christlichen Geist, blieb ihre Familie arm, aber nichtsdestoweniger höchst zufrieden. Morgens und abends versammelte die Mutter die ganze Familie zum gemeinsamen Gebet oder zu einer frommen Lesung, woran sie belehrende Gespräche knüpfte. Wie ein sichtbarer Schutzengel überwachte sie ihre Kinder. Als sie, schon herangewachsen, in den Ehestand zu treten wünschten, gestattete sie den jungen Verlobten nicht, ohne Aufsicht miteinander zu verkehren.

 

Wie Christus nicht ohne Kreuz, so ist auch kein Christ ohne Leiden zu denken. Schon gar nicht eine Mutter. Die selige Anna Maria Taigi hatte nie Mangel an Leiden. Innere Verlassenheit, schmerzliche Krankheiten, äußere Verfolgungen seitens gehässiger Menschen kamen über sie. Oft hat es ihr geschienen, wie sie selber sagt, als ob das qualvolle Martyrium nicht mehr ertragen werden könne. Die starkmütige Opferseele ertrug es aber weiter.

 

Der Güte Gottes gefiel es, Anna Marias außerordentliche Tugendhaftigkeit, die sie sorgsam hütete, auch auf außerordentliche Weise der Mitwelt kundzutun. Viele wunderbare Dinge sind von ihr durch sichere Zeugen beglaubigt. Durch übernatürliche Erleuchtungen erkannte sie den Zustand der Gewissen, zukünftige Dinge, die Absichten der Vorsehung bei den Bedrängnissen der Kirche, für die sie sich dann wieder durch Gebet und Opfer verzehrte. Groß war ihre Einsicht in die Geheimnisse des Glaubens, mächtig ihre Sehnsucht nach dem Besitz Gottes. Da kniet sie einmal in der St.-Karls-Kirche in seliger Erwartung des glücklichen Augenblickes, da sie den empfangen soll, der die Sonne des Tages für sie ist. Kann sie oder kann der göttliche Liebhaber der Seelen den gnadenvollen Augenblick nicht mehr erwarten? Schon wendet sich der Priester zum Volk und beginnt: Ecce agnus Dei, ecce qui tollit . . . Noch hat er den Satz nicht vollendet, als sich die heilige Hostie aus seiner Hand löst, einige Sekunden frei in der Luft schwebt, dann legt sie sich vor aller Augen auf die Zunge der in glühender Sehnsucht harrenden Seligen.

 

Bei solcher Gnadenauszeichnung der frommen Frau, die ja Gott seinen Getreuen meist um der Mitmenschen wegen gibt, war es nicht zu verwundern, dass das kleine Häuschen Taigis einen der stärksten Anziehungspunkte der Ewigen Stadt bildete. Leute jeden Standes, die höchsten Persönlichkeiten, geistliche und weltliche, empfahlen sich dem Gebet der angesehenen Dienerin Gottes und erbaten ihren Rat. Selbst die Päpste Pius VII., Leo XII., Gregor XVI. legten die größte Hochachtung vor der armen Arbeiterfrau an den Tag. Sie selber aber betrachtete sich immer als die letzte Frau des Volkes, die nur da sei, um anderen zu dienen. So fügte es sich, dass sie auch ganz unbeachtet, ohne Aufsehen aus dem Leben schied. Um so herrlicher wurde ihre Grabstätte in S. Chrysogono, die gerne von den Rompilgern besucht wird.

 

Die selige Anna Maria Taigi sollten besonders die Eltern verehren, die ihre Kinder auf die erste heilige Kommunion vorbereiten. Denn hierin erwies sich die vorbildliche Mutter als eifrigster und erfolgreicher Katechet ihrer eigenen Kinder. Das Ziel der Sonntagsspaziergänge der ganzen Familie war gewöhnlich der Besuch des Allerheiligsten in einer entfernteren Kirche.

 

Die heilige Pelagia von Antiochien, Jungfrau und Martyrin,

+ um 306 – Festtag: 9. Juni

 

Die morgenländische Kirche verehrt drei Jungfrauen mit dem gleichen Namen Pelagia an einem Tag, dem 8. Oktober. Doch nur von einer lässt sich noch das leuchtende Lebensbild einigermaßen aus dem Dunkel der Geschichte und dem Gewirr der Legende herausstellen. Es ist die heilige Jungfrau und Martyrin Pelagia von Antiochien.

 

Ihr Leidenstod fällt in die furchtbare Heimsuchung, die die diokletianische Christenverfolgung, die blutigste, längste und ausgedehnteste unter allen, über die Kirche Gottes heraufführte. Hatte auch die Verfolgung im Abendland nach der Abdankung des Kaisers im Jahr 305 unter dem milderen Herrscher Konstantius Chlorus, dem Vater Konstantins des Großen, ein rasches Ende gefunden, so wütete sie um so heftiger noch Jahre lang unter den Kaisern Galerius und Maximinus Daza durch alle Kirchen des Morgenlandes. Die Zahl der Opfer war außerordentlich groß. Zu den gefeiertsten unter ihnen zählt die fünfzehnjährige Pelagia. Der heilige Chrysostomus, der gleich ihr aus Antiochien gebürtig war, ehrte ihr Andenken in zwei noch erhaltenen Lobreden. Der heilige Ambrosius setzte ihr sowie ihrer heiligen Mutter und ihren jungfräulichen Schwestern ein nicht weniger würdiges Denkmal im dritten Buch seiner Abhandlung über die Jungfrauen.

 

Der geschichtliche Vorgang ihres Martyriums war kurz folgender: Als der Verfolgungssturm über Antiochien hereinbrach, wurde Pelagia von den Häschern aufgegriffen und sollte um ihres Glaubens willen vor Gericht geschleppt werden. Furchtlos sah sie dem Tod ins Auge. Um so mehr glaubte sie aber für ihre Unschuld fürchten zu müssen. „Denn zu Qualen, Martern und Peinen,“ versichert der heilige Chrysostomus, „war sie wohl bereit, aber vor dem Verlust der Krone der Jungfräulichkeit bangte ihr.“ „Hätte sie beides, die Jungfräulichkeit und die Krone des Martyriums, zugleich wahren können, würde sie keinesfalls dem Gang zum Gericht ausgewichen sein.“ Welchen Plan fasste sie nun? Oder vielmehr welchen Entschluss gab ihr der Seelenbräutigam innerlich ein? Denn ob auch äußerlich von Mutter und Schwester getrennt, „war sie doch innerlich nicht allein,“ wie wiederum der heilige Chrysostomus hervorhebt, „sondern hatte Jesus zum Berater. Er stand ihr bei, er rührte ihr Herz, er stärkte ihren Mut und bannte die Furcht. Nicht ohne Grund ließ die Martyrin sich zu jenem Beginnen fortreißen; sie hatte sich vielmehr zuvor seines Beistandes würdig erwiesen.“ Unter dem Vorgeben, den Brautschmuck zum Todesgang anlegen zu wollen, erbat sie sich von den Schergen die Erlaubnis, sich für einige Augenblicke ins Innere des Hauses zurückziehen zu dürfen. Doch statt zurückzukehren, enteilte sie über die Treppe nach oben und stürzte aus der Höhe in die Tiefe, um so mit dem Leben zugleich ihre Unschuld in die Hände ihres Schöpfers und Erlösers zurückgeben zu können. Vor die Wahl zwischen Tod und Tod gestellt, wählte sie auf inneren Antrieb jenes Martyrium, das ihr in der gegebenen Notlage als das gottwohlgefälligere dünkte, indem es zwei Siegeskronen zugleich vereinigte, die des Glaubens und der Jungfräulichkeit. „Es wäre in ihren Augen recht töricht gewesen, nur nach einer Siegeskrone auszulangen, da beide erreichbar schienen.“

 

Mutter und Schwestern, letztere ebenfalls Jungfrauen, folgten ihr in den selbstgewählten Leidenstod. Des heiligen Ambrosius Lobrede enthält hierüber Folgendes: „Sobald die verächtlichen Häscher der keuschen Beute sich verlustig sahen, fingen sie an nach der Mutter und den Schwestern zu fahnden. Noch erreichten diese indes, wie auf geistigen Schwingen der Keuschheit, das freie Feld. Da sahen sie sich plötzlich von der einen Seite durch die nahenden Verfolger, von der anderen durch einen reißenden Fluss von der Flucht abgeschnitten, oder vielmehr schon eingeschlossen, um die Siegeskrone zu verdienen. Was bangen? sprechen sie, seht, da ist Wasser! Wer hindert uns, dass wir getauft werden? (Apg 8,36) Auch das ist eine Taufe, durch die die Sünden vergeben, das Himmelreich erworben wird. Auch das ist eine Taufe, nach der niemand mehr sündigt. Möge das Wasser uns aufnehmen, das die Wiedergeburt bewirkt . . ., den Himmel öffnet, die Wehrlosen deckt, den Tod birgt, Martyrer schafft! Dich, o Gott, Schöpfer der Dinge, bitten wir, dass die Flut selbst unsere Leiber nicht trennen möge! . . . Nein, die gleiche Standhaftigkeit, der gleiche Tod und das gleiche Grab einige uns! So sprachen sie und schürzten das Gewand, um die Schamhaftigkeit zu wahren und doch den Gang nicht zu behindern, die Hände wie zum Reigen geschmiegt. So schritten sie in die Mitte des Strombettes vor. Wo die Strömung am reißendsten, wo die Tiefe am jähesten war, dahin lenkten sie den Schritt. Keine zog den Fuß zurück, keine hielt den Gang inne . . . Da hätte man die besorgte Mutter sehen sollen, wie sie mit krampfhafter Hand die Lieblinge umschlang. Diese Opfer, betete sie, bringe ich dir dar, Christus: Hüterinnen der Keuschheit, Führerinnen des Weges, Genossinnen des Leidens . . .! Die Flut,“ so schließt der Heilige, „entblößte ihre Leichen nicht, die reißende Strömung trug sie nicht fort. Noch hielt die heilige Mutter, obschon der Sinne beraubt, die Kinder in Liebe umfangen und löste das fromme Band, das sie geschlungen, selbst im Tode nicht. Wie sie der Gottesverehrung ihren schuldigen Tribut geleistet hatte, so sollte im Tod der Mutterliebe das Erbe bleiben. Noch im Tod durfte sie die Kinder, die sie zusammen ins Martyrium geführt hatte, in ihre Arme aufnehmen.“

 

 

Fast noch ein Kind, ging die fünfzehnjährige Pelagia als Sieghafte Streiterin der Keuschheit, als heldenmütige Martyrin „ins Haus ihrer Ewigkeit“, ein leuchtendes Vorbild jungfräulicher Seelen. Der schönste Nachruf steht auch von ihr zu lesen im Buch der Weisheit, Kapitel 4: „O, wie schön ist ein keusches Geschlecht im Tugendglanz! Unsterblich ist sein Andenken, und bei Gott und den Menschen ist es anerkannt. Ist es da, ahmt man ihn nach; entzieht es sich dem Blick, sehnt man sich danach. Und ewig triumphiert es mit der Siegeskrone und trägt den Kampfpreis unbefleckter Reinheit davon.“

 

Der heilige Joseph Anchieta aus der Gesellschaft Jesu,

Missionar, Priester und Ordensmann, + 9.6.1591 – Fest: 9. Juni

 

Joseph Anchieta, der Apostel Brasiliens, stammte aus einer edlen Familie Spaniens, die auf den kanarischen Inseln ansässig war, wo er 1533 geboren wurde. 17 Jahre alt trat er zu Lissabon in die Gesellschaft Jesu und reiste schon 1553 in die Mission von Brasilien. Zunächst blieb er in Piratininga (St. Paul) und unterrichtete die portugiesische Jugend. Dabei verlegte er sich auf die Erlernung der einheimischen Sprache und erlangte darin eine solche Fertigkeit, dass er eine Grammatik, einen großen und einen kleinen Katechismus, religiöse Lieder und ein großes religiöses Drama verfasste. Durch sein heiliges, opferwilliges Leben gewann er bei den Eingeborenen die Verehrung von Alt und Jung. Im Jahr 1566 erhielt Joseph Anchieta in Bahia (S. Salvator) die heilige Priesterweihe. Schon vorher hatte er wiederholt den Pater Robrega, den ersten Jesuitenmissionar Brasiliens, auf seinen Wanderungen zu den wilden Eingeborenen begleitet. Jetzt begann er mit neuem Eifer seine apostolischen Reisen zu den wildesten Stämmen, die zum Teil noch Kannibalen waren. Unter unsäglichen Mühen und Gefahren wanderte er gewöhnlich barfuß bis in das Innere des gewaltigen Urwalds. Durch Gottes sichtbare Hilfe und durch unzählige Wundertaten gelang es ihm, viele Eingeborene zu bekehren. Großen Widerstand fand er oft an den portugiesischen Kolonisten, die glaubten, der seeleneifrige Apostel hindere sie in ihrem Sklavenhandel und anderen Geschäften. Sie zettelten sogar eine förmliche Verschwörung gegen ihn an, so dass er sich genötigt sah, an der Spitze seiner bekehrten Eingeborenen mit Waffengewalt sich gegen ihre Angriffe zu verteidigen. Dagegen war er immer bereit, den Kolonisten in den gefahrvollsten Feindseligkeiten seitens der Indianer durch mutige Vermittlung erfolgreichen Beistand zu leisten.

 

Einmal brachten die französischen Hugenotten, die sich in Rio de Janeiro angesiedelt hatten, den katholischen Statthalter in große Gefahr. Als dieser die bekehrten Indianer zu Hilfe rief, begleitete Joseph Anchieta seine Leute und befreite den Statthalter.

 

Auch als Provinzial der Mission unterließ der Diener Gottes seine apostolischen Wanderungen in den Urwald nicht. Zahlreiche Wunder werden von ihm berichtet. Er erweckte Tote zum Leben, heilte die Kranken, war zu gleicher Zeit an zwei Orten zugegen, die Tiere des Urwalds legte sich ihm zahm zu Füßen und spielten mit ihm. Man nannte ihn allgemein den Wundertäter. In der Stadt Allerheiligen war ein Mann mit Namen Diego gestorben. Er war wohl im Glauben unterrichtet, aber noch nicht getauft worden. Schon stand man im Begriff, den Toten ins Grab zu senken, als er plötzlich die Augen öffnete und mit lauter Stimme sagte, Anchieta solle ihn taufen. Die Leute wussten, das er weit entfernt war. Aber im selben Augenblick stand der Missionar da und taufte ihn. Gleich darauf starb Diego wieder.

 

Das Leben dieses großen Glaubensboten ist auch reich an auffallenden Zügen der Vorsehung, womit Gott sein Wirken zum Heil der Heiden unterstützte, jener erhabenen göttlichen Vorsehung, die keinen redlich die Wahrheit suchenden und heilsbegierigen Menschen ohne Hilfe sich selbst überlässt, mag er auch in den glühenden Gefilden des inneren Afrika oder auf unbekannten Eilanden des weiten Meeres hausen, wohin das Licht des Evangeliums bis jetzt noch nicht hineingeleuchtet, oder mögen ihm in den Prachtvillen der „Glücklichen“ oder den finsteren Gelassen der „Enterbten“ geflissentlich und absichtlich Christi Wort und Heilsgnade entzogen werden. Der ehrwürdige Missionar Joseph Anchieta unternahm wieder eine seiner apostolischen Wanderungen durch die weiten Gebiete des Landes. Wie wenn eine unwiderstehliche Ahnung, eine höhere Macht ihn zöge, über die er sich selbst keine Rechenschaft zu geben wusste, trieb es ihn auf einmal von seinen Gefährten hinweg ins tiefe Dickicht und Dunkel des Waldes. Nachdem er einige Zeit ziellos, wie es schien, gegangen war, traf er auf einen Greis, der von Alter und Ermüdung gebrochen schien, unter dem Laubdach eines Baumes sich niedergelassen hatte um nie wieder aufzustehen. Aus den Antworten, die der Greis mit matter Stimme auf die gestellten Fragen gab, ging hervor, dass er ein Heide war, der eine nicht ganz unrichtige Erkenntnis Gottes hatte, in allen wichtigen Punkten sein Leben lang treu der mahnenden Stimme des Gewissens gefolgt war und der nun in dunkler Sehnsucht nach einem höheren Licht und größerem Gut aus seinem fernen Wohnplatz weggegangen war, um die neue Heilsbotschaft der christlichen Missionare aufzusuchen. Von Gottes Güte gerührt, verkündete ihm Joseph Anchieta auf der Stelle die Hauptwahrheiten des christlichen Glaubens und taufte ihn mit den Regentropfen, die an den dornigen Gewächsen ringsherum hingen, dem einzigen Wasser in der Nähe, wobei er ihm den Namen Adam gab. In froher, dankerfüllter Herzensstimmung schied der alte Heide als neuer Christ aus der Welt, nachdem seine Augen so gnadenreich das Heil gesehen haben, das Licht zur Erleuchtung der Heiden. Die glücklichen Hände aber, die ihn getauft hatten, gruben ihm auch sein Grab im sandigen Boden auf dem Platz seiner Wiedergeburt. Dann falteten sie sich zum innigen Dankgebet, indem der treue Apostel Christi die Worte des heiligen Petrus wiederholt haben mag: „In Wahrheit habe ich nun erfahren, dass bei Gott kein Ansehen der Person gilt, sondern wer unter jeglichem Volk ihn fürchtet und Gerechtigkeit übt, der ist ihm angenehm“ (Apg 10,34).

 

In St Vinzenz sprach der Heilige eines Abends zu einem jungen Indianer: Bist du bereit, diese Nacht mit mir zu gehen, um eine Seele zu retten? Sehr gern, lautete die Antwort. Sie machten sich auf den Weg. Nach 9 Stunden kamen sie an einen Fluss. Da stand ein Boot, das auf sie zu warten schien. Sie setzten über. Bald hörten sie Lärm. Joseph Anchieta lief darauf zu. Eben waren die Eingeborenen im Begriff, einen jungen Indianer zu schlachten. Er drang durch die Menge, bedrohte sie mit dem Zorn Gottes, wenn sie nicht von ihrem Vorhaben abständen. Ohne dass jemand wagte, ihm entgegenzutreten, entriss er den jungen Mann ihren Händen. Er nahm ihn mit sich und rettete durch die Taufe auch das Leben der Seele.

 

Gott hatte seinem treuen Diener die Zeit des Todes offenbart. In Rerigtiba brach er bei einem Liebesdienst für einen kranken Mitbruder zusammen. Am 9. Juni 1591 (1597) gab er mit den Namen Jesus und Maria auf den Lippen seine edle Seele in die Hände seines Schöpfers zurück. Er war 64 Jahre alt, von denen er 44 in Brasilien gelebt hatte. Die Leiche wurde nach S. Spirito gebracht. Es war ein Weg von drei Tagereisen. Dennoch trugen seine lieben Indianer den Sarg auf ihren Schultern dorthin. Dreitausend Menschen begleiteten ihn eine weite Strecke Weges. Im Jahr 1611 ließ der General der Gesellschaft Jesu, Claudius Aquaviva, die kostbaren Gebeine nach Bahia übertragen. Papst Johannes Paul II. hat den Diener Gottes Joseph Anchieta am 22.6.1980 seliggesprochen, am 3.4.2014 folgte die Heiligsprechung durch Papst Franziskus.

 

Aus dem Leben des Paters Joseph Anchieta lernen wir, welchen Wert der kindliche Glaube und das unerschütterliche Vertrauen in den Augen Gottes haben. Durch sie wurde Joseph Anchieta der große Wundertäter und der Apostel Brasiliens. 

 

Der heilige Kolumban, Priester und Abt der Insel Jona,

Schottland, OSB (Benediktiner),

+ 9.6.597 – Fest: 9. Juni

 

Der heilige Kolumban (Columbus oder Columkille) war der Apostel der Pikten, und einer der berühmtesten Patriarchen der Ordensmänner in Irland. Um ihn von den anderen Heiligen desselben Namens zu unterscheiden, nannte man ihn Columkille, von der großen Anzahl Klosterzellen, die er errichtete, und die von den Irländern Killes genannt werden.

 

Dieser Heilige stammte aus dem berühmten Haus Neil, und wurde 521 zu Cartan, in der Grafschaft Tyrconnel, geboren. Von seiner Kindheit an erfasste er schon, dass nichts groß und schätzbar ist, als was in uns die Liebe zu Gott entflammt. Und diese Liebe strebte er durch eine gänzliche Lostrennung und eine vollkommene Reinheit des Leibes und der Seele in sich immer mehr anzufachen. Er verlegte sich deswegen auf die Heilige Schrift und die Grundlehren des beschaulichen Lebens unter dem heiligen Bischof Finian, der eine Schule zu Cluain-Irard errichtet hatte.

 

Nachdem er hierauf 546 zum Priester geweiht wurde, erteilte er selbst bewunderungswürdige Unterrichte über die Gottseligkeit und die Heilige Schrift, und bildete in sehr kurzer Zeit mehrere Schüler. Ungefähr vier Jahre danach stiftete er das große Kloster Dair-Magh, das jetzt Durrogh heißt. Er war auch der Stifter einiger anderer kleinerer Klöster. Für das Klosterleben seiner Religiosen setzte er eine Regel auf, die hauptsächlich aus der der alten Mönche des Morgenlandes gezogen war.

 

Als er sich durch seinen Eifer in der Bezichtigung der öffentlichen Laster, des Königs Dermot oder Dermitius Zorn zugezogen hatte, verließ er Irland, und begab sich in den nördlichen Teil von Britannien, der jetzt unter dem Namen Schottland bekannt ist, und nahm zwölf seiner Schüler mit sich dahin. Beda setzt seine Ankunft dort in das Jahr 565 nach Christi Geburt, und in das neunte der Regierung des Königs Bridius.

 

Es wird von dem Heiligen gesagt, dass er die Pikten durch seine Predigten, seine Tugenden und Wunder zum Christentum bekehrte. Allein dieses kann nur von den nordischen Pikten und von jenen, die die Hochländer bewohnten, und von den anderen durch den Berg Grampus getrennt waren, verstanden werden. Wir erfahren auch wirklich von Beda, dass die südlichen Pikten das Evangelium lange Zeit vorher empfangen haben, und dies dem heiligen Ninyas, dem ersten Bischof von With-Herne, in der Grafschaft Galloway, zu verdanken hatten.

 

Nachdem die Pikten den Glauben angenommen hatten, gaben sie dem heiligen Kolumban die kleine Insel Hy, oder Jona, die zwölf Meinen vom festen Land entfernt liegt, und in der Folge wegen seiner Y-Colm-Kille genannt wurde. Er erbaute dort ein großes Kloster, das mehrere Jahrhunderte hindurch die Hauptpflanzschule der nordischen Britten war. Die Könige von Schottland hatten lange Zeit in diesem Kloster ihr Begräbnis. Auch beerdigte man da die Leiber einer beinahe unzähligen Menge Heiliger. Dieses Kloster gab danach mehreren anderen, die Kolumban in Schottland stiftete, ihr Entstehen. Da wurden die berühmten Bischöfe Aidan, Finian und Colman gebildet, die die in Northumberland wohnenden Angeln bekehrten. In der Folge nahm das Kloster Hy (Jona) die Regel des heiligen Benedikt an.

 

Das Leben des heiligen Kolumban war sehr streng. Er schlief auf bloßer Erde, und hatte nur einen Stein zum Kopfkissen. Seine Fasten waren streng und ununterbrochen. Seine Frömmigkeit machte ihn jedoch weder finster noch schwermütig. Auf seinem Angesicht strahlte vielmehr immer eine liebenswürdige Heiterkeit und verkündete allen, die ihn sahen, dass seine Seele eine unwandelbare Ruhe und jene reine Freude genießt, die die Gegenwart des Heiligen Geistes erzeugt. Seine Andacht war so außerordentlich, dass er bei allen seinen Handlungen mehr als ein sterblicher Mensch zu sein schien. So viel an ihm lag, ließ er keinen Augenblick entschwinden, ohne ihn irgendeinem Werk zur Ehre Gottes, z.B. dem Beten, Lesen, Schreiben oder Predigen zu weihen. Seine Sanftmut und Liebe, die sich bei jeder Gelegenheit im hellsten Licht zeigten, gewannen ihm aller Herzen, mit denen er umging. Seine Tugenden, die noch durch die Gabe der Prophezeiung und Wunder erhöht wurden, erwarben ihm eine allgemeine Verehrung. Er stand in einem solchen Ansehen, dass selbst die Könige nichts taten, ohne ihn um Rat zu fragen. Aidan oder Edhan, der 570 seinem Verwandten Kinatel auf dem Thron nachfolgte, wollte von seiner Hand den königlichen Schmuck empfangen. Vier Jahre vor seinem Tod hatte der Heilige ein Gesicht, das ihm viele Tränen kostete: er war nämlich durch Engel belehrt worden, dass Gott, gerührt durch die Gebete der Kirchen von Britannien und Schottland, sein Leben noch um vier Jahre verlängern würde.

 

Als er endlich seine letzte Stunde herannahen fühlte, sagte er an einem Sonntag zu Diermit, seinem Schüler: „Dieser Tag wird Sabbat, das heißt, Ruhetag genannt, und dies wird er besonders für mich sein, weil er meinen Arbeiten ein Ende macht.“ Um Mitternacht war er der erste in der Kirche, wo man die Matutin betete. Nachdem er sich hierauf vor dem Altar niedergekniet hatte, empfing er die heilige Wegzehrung, gab seinen Brüdern den letzten Segen, und entschlief ruhig im Herrn im Jahr 597, in einem Alter von 77 Jahren. Man beerdigte ihn auf der Insel Hy (Jona). Sein Leib aber wurde in der Folge nach Down in Ulster (Ultonien) gebracht, und mit den Leibern des heiligen Patritius und der heiligen Brigitta in einer Gruft beigesetzt. Der heilige Kolumban wurde ehemals unter den Hauptpatronen von Irland und Schottland verehrt. An diesem Tag, am 9. Juni, steht auch sein Name im römischen Martyrologium, in einigen anderen Kalendern findet man ihn aber auf dem 7. Juni, der sein Todestag gewesen zu sein scheint.

 

Aus „Tiere unterm Regenbogen“, von Aloysius Roche, Berlin 1954:

 

Notlandung

 

Wenn ein Flugzeug auf dem Weg von Nordirland zu den schottischen Hochlanden in Schwierigkeiten kommen würde, dann wäre die Insel Jona genau der rechte Fleck, um eine Notlandung zu machen. Groß ist sie nicht, gerade drei Meilen hin und her, und was da an Land ist, ist größtenteils flach und ganz von weißem Sand.

 

In der Mitte des sechsten Jahrhunderts wurde diese Zuflucht von einem Kranich entdeckt, da die Insel unter seiner Flugstrecke lag. Es gibt verschiedene Arten dieser Sumpfvögel, aber der, von dem unsere Geschichte handelt, muss der gewöhnliche europäische Kranich gewesen sein, der etwa 1,20 Meter hoch ist und eigentlich nur aus Beinen und Hals besteht.

 

Auf ihren Wanderungen nutzen Graue Kraniche die Kraft der Winde. Und erreichen so Geschwindigkeiten von über 100 Kilometer pro Stunde - mit wenigen Flügelschlägen

 

Er war irgendwo in Antrim in Irland losgeflogen und hatte wohl vor, an der Küste von Argyllshire zu landen, vielleicht in der Nähe von Oban. Aber in diesen rauen Gegenden kommen die Stürme plötzlich und furchtbar, so dass der Vogel, sein Ziel schon fast in Sicht, in Not geriet. Fast den ganzen Weg bis dahin hatte der Wind ihm beigestanden. Aber als er in die Nähe der Hebriden kam, geriet er kopfüber in diese grimmigen Winde, die plötzlich von den Seen und Bergpässen des Landes hervorbrechen.

 

Der Kranich hielt sich gut. Unter ihm lag die erstaunlichste Verbindung von Land und Wasser, die er je gesehen hatte. Auf der ganzen Erde ist so etwas nicht zu finden, außer in Griechenland und Norwegen. Inseln von jeder Gestalt und Größe sind über dieses Wasser hingestreut, als ob sie aus einem Zaubergefäß hervorgesprüht werden. Von der Höhe des einen, kleinen Hügels auf Jona aus, sind zwanzig bis dreißig solche Inseln sichtbar.

 

Aber der Kranich sah mit einem Blick, dass diese Inselchen für seine Zwecke nutzlos waren. Manche von ihnen waren von dichtem Wald bedeckt, andere waren wie Festungen, riesige Felsen oder bloße Klippen von Basalt oder Granit. Im richtigen Augenblick sah es ein winziges Eiland, das sich an die Seite einer sehr viel größeren Insel schmiegte, es hatte einen ebenen Strand, das übrige war hauptsächlich Ackerland. Freilich, da standen ein paar kleine Gebäude nahe der See, aber der Kranich beschloss, die Möglichkeit dennoch wahrzunehmen. Er legte die müden Flügel zusammen, flog bis dicht an die stürzende Brandung und landete zwischen Sand und Kieseln. Danach konnte er nur noch stillliegen und das Beste hoffen.

 

Zum Glück lebten damals Leute auf Jona, die barmherzig gesinnt waren gegenüber Menschen und Tieren, obwohl es Zeiten waren, da man nicht viel für Barmherzigkeit übrighatte.

 

Da war besonders einer, er hieß Columba und war Abt des Klosters, der hatte sein Leben damit zugebracht, denen zu helfen, die im Elend waren. Er sah oder wusste, was geschehen war. Er rief einen seiner Mönche und sagte ihm: „Geh an den Strand, da im Westen, und du wirst einen Kranich finden, erschöpft und hungrig. Sieh zu, dass er Futter und Ruhe findet! Er ist aus meiner Heimat gekommen und hat ein Recht auf unsere Gastfreundschaft.“

 

Sein Befehl wurde befolgt. Drei Tage lang wurde der Vogel sorgsam gepflegt, bis seine Kräfte wiederhergestellt waren. Dann wurde er freigelassen. Er schlug seine Flügel, um die Steifheit herauszuschütteln, sprang in die Luft und angesichts der zuschauenden Mönche und ihres Abtes flog er in geradem Kurs eilig seinem heimatlichen Strande zu.

 

Columba sagte dem, der den Vogel versorgt hatte: „Gott segne dich, mein Sohn, weil du freundlich unserem fremden Gast gedient hast.

 

Wir können sicher sein, dass der Kranich seine Rückreise ohne Missgeschick vollendete, Columba sorgte dafür. Lange noch nach seinem Tod riefen ihn die Seeleute der Hebriden an, als den Meister über alle Stürme und schon zu seinen Lebzeiten kamen Leute, die auf eine gefährliche Fahrt gehen wollten, den ganzen weiten Weg nach Jona, um ihn zu bitten, er möge ihnen günstiges Wetter erlangen. Er war ja ein Mann, der nichts halb tat, und so ließ er auch den Kranich nicht eher fort, bis die Wettervorhersage lautete: mittelmäßig bis schön, mit leichten Winden aus Nord-Ost.

 

Gebet am 9. Juni

 

Gnadenreiche Jungfrau! Erquicke doch meine dürstende Seele mit dem Tau deiner Gnaden, umfange sie mit den freundlichen Armen deiner großen Milde und drücke sie mit mütterlicher Liebe an dein Herz.

O du Trösterin der Betrübten! Tröste mich in meiner Trübseligkeit.

O du Heil der Kranken! Heile mich von meinen leiblichen und geistlichen Gebrechen!

O du Versöhnerin der Sünder! Versöhne mich mit deinem Sohn, sprich für mich bei deinem Sohn, stelle mich deinem Sohn vor und erwirb mir Verzeihung aller meiner Sünden. Amen. 

 

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Ephräm

 

O Gott, der Du dem heiligen Ephräm eine große Furcht vor Deinem Gericht eingegeben hast, verleihe uns auf seine Fürbitte, dass uns das Andenken an den Tod und an das Gericht zur Buße bringe, und in ihr erhalte, damit wir uns Deiner Barmherzigkeit würdig machen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Am heutigen Tag im Jahr 610 hat Kaiser Heraklius, mit einem Muttergottesbild bewaffnet, den ersten Sieg über den Tyrannen Phokas erhalten. Phokas war von 602 bis 610 Kaiser des Oströmischen bzw. Byzantinischen Reiches. Der erste erfolgreiche Usurpator der byzantinischen Geschichte gilt traditionell als ein despotischer Herrscher, dessen Regierung das Oströmische Reich erschüttert haben soll.

 

Andacht am 9. Juni:

 

Das Thema im Juni:

Vom Gehorsam

"Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen." (Matthäus 23,3)

 

"Jede Person, die in den Ordensstand tritt, sollte ihren Willen außerhalb der Pforte des Klosters lassen, um keinen anderen, als den Willen Gottes zu haben." (Der heilige Franz von Sales)

Als der heilige Dositheus dem Herrn im Ordensstand sich weihte, legte er seinen Willen gänzlich ab und unterwarf ihn vollkommen dem Willen seines Vorgesetzten. Ihm legte er alle seine Versuchungen offen, alle seine Gedanken, und gelangte durch diese vollkommene Entsagung seiner selbst und Entfaltung seines Herzens zu einem Frieden und zu einer Seelenruhe, die nichts stören konnte. 

 

Dir zu Liebe, mein Gott, lege ich meinen Willen ab, um keinen Willen außer den Deinen zu haben. Ach, wie göttlich ist der Friede dessen, der gleich einem Kind sich führen lässt, und nichts will außer was Du willst, und weil Du es willst! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 9. Juni

 

"Es haben diejenigen keine Ansprüche an die Barmherzigkeit,

die selbst keine Barmherzigkeit zu üben wissen."

 

hl. Ludwig von Granada OP

1504 bis 31.12.1588

 

Betrachtung am 9. Juni - Ergebung in Leiden

 

Herr, aus tiefbetrübtem Herzen

Tönt mein traurig Lied zu dir.

Doch mein Trost sind Kreuz und Schmerzen,

Denn du sandtest selbst sie mir;

Und nur dadurch kann ich rein,

Und dir, Jesus, ähnlich sein.

 

1. Gepriesen, mein Gott, sei dein heiliger Name in dieser Stunde. Denn deine Hand ist es, die diese bitteren Trübsale mir sendet. Immer aber wird deine Hand von deinem Herzen, und dein Herz von deiner Liebe geleitet. Darum auch, mein Gott, ist deine Züchtigung mir nicht sowohl ein Zeichen deines Zornes, als ein Beweis deiner Liebe. Willkommen also sei mir deine Zuchtrute, denn du strafst als Vater, und weniger schwer als die Hand der Menschen ist deine Hand, weil deine Barmherzigkeit sie führt. Fällt auch die Pein des Augenblicks der Natur schmerzlich, so ist doch deine milde Strafe eine heilsame Arznei, die meine Seele reinigt, heilt und erleuchtet.

 

2. Unendlich mehr, mein Gott, - dies erkennt meine Seele, - haben meine Sünden und meine Nachlässigkeit verdient. Denn, fürwahr, ein böser Knecht bin ich, der ich den Willen meines Herrn erkannt, und nicht getan habe. Und gut tut es mir, dass du in dieser Zeit mich gelinde bestrafst, um mich nicht auf ewig zu verwerfen. Auch ist es mir ein großer Trost, dass du, wenn du mich bestrafst, und nichts Gutes in mir findest, das deiner Belohnungen würdig ist, wenigstens Schmerz und Elend findest, die deiner Erbarmungen würdig sind. Darum, o mein Gott, bitte ich dich: Sende mit dem Kreuz mir zugleich Geduld, damit ich es zu deiner Ehre trage, deine Gerechtigkeit besänftige, und deine Gnade verdiene.

 

3. Was auch, o Jesus, mein Gott und Erlöser, sind alle meine Leiden, wenn ich sie mit den unsagbaren Schmerzen vergleiche, die du in unendlicher Liebe am heiligen Kreuz erlitten hast, von ewigen Schmerzen mich zu befreien. O gib mir einen Funken dieser feurigen Liebe, dass mein ganzes Herz für dich erglüht, und ich im Leiden mich dir gleichförmig bilde. Nimm, Herr, dieses geringe Leiden als ein Opfer auf, das ich dir, meinem gekreuzigten Heiland, bringe, und vereinige es mit deinem unermesslichen Opfer, damit es dadurch geheiligt, und deinem himmlischen Vater wohlgefällig werde. Mit dir, meinem göttlichen Heiland, spreche ich: "Vater, nicht mein, sondern dein Wille soll geschehen!" (Lukas 22,42b) 

 

10. Juni

 

Der selige Heinrich, Taglöhner zu Treviso in Italien,

Patron der Stadt Bozen,

+ 10.6.1315 - Fest: 10. Juni

 

Der selige Heinrich wurde in Bozen in Tirol geboren. Weil seine Eltern sehr arm waren, erhielt er keine wissenschaftliche Bildung; er lernte aber von seiner Kindheit an Gott täglich mehr lieben, und das ist die nützlichste unter allen Künsten, ist die Wissenschaft der Heiligen. In seiner Vaterstadt konnte er sich seinen Lebensunterhalt nicht verdienen. Er kam also nach Treviso und lebte da als Taglöhner. Er versuchte in diesem harten Stand sich durch Bußübungen, Gebet und geistliche Betrachtungen zu heiligen. Weil er nicht lesen konnte, versuchte er so oft wie möglich den Christenlehren und den Predigten beizuwohnen. Alle Sonn- und Feiertage ging er in die Kirche zu den pfarrlichen Gottesdiensten und besuchte voller Andacht täglich die heilige Messe. Während seiner Arbeit vereinigte er sein Herz mit den glücklichen Menschen, die in einem ganz Gott geheiligten Stand dem Herrn beständig Lob singen konnten.

 

Seine Lebensweise war sehr bußfertig und streng. Was er von seinem kargen Verdienst noch sparen konnte, verteilte er heimlich unter die Armen. Seine guten Werke verbarg er aber aus Demut sorgfältig vor den Augen der Menschen. Allein der Glanz seiner Tugenden leuchtete ganz vielen Menschen, selbst Reichen und Vornehmen zur Erbauung, nur desto mehr aus der stillen Verborgenheit hervor. Seine Sanftmut erregte allgemeines Erstaunen, Bedrängnisse und Beleidigungen schienen auf ihn nicht den mindesten Eindruck zu machen. Wenn Kinder oder andere Menschen über ihn spotteten oder ihn beschimpften, antwortete er ihnen mit Worten des Segens und betete für sie. Niemals hörte man ihn murren oder klagen, auch wenn er mit schweren Krankheiten und Schmerzen zu kämpfen hatte. Seine stille und heitere Ruhe erwarb ihm die Liebe aller Menschen. Recht oft vereinigte er sich mit Jesus in der heiligen Kommunion, dem Sakrament der Liebe. Er beichtete alle Tage, nicht aus Ängstlichkeit, sondern um sein Herz immer rein zu bewahren, sich desto mehr auch vor der kleinsten Sünde zu hüten und seinen Heiland umso mehr zu lieben, der die Heiligkeit selbst ist und in dessen Augen auch die Engel nicht fleckenlos sind. Bei allem, was er tat, hatte er Gott vor Augen. Er klagte sich schon des Mangels an Abtötung oder einer eitlen Neugierde an, wenn irgendein Blick auf einen äußeren Gegenstand seine Aufmerksam und seine geistige Sammlung nur im mindesten störte.

 

Als er seines hohen Alters wegen die harten Arbeiten nicht mehr verrichten konnte, nahm ihn ein Herr in sein Haus auf. Da lebte der Diener Gottes von dem Almosen, das ihm täglich mitgeteilt wurde, ohne etwas für den folgenden Tag aufzuheben, und alles, was er dabei entbehren konnte, gab er den Bedürftigen. Er starb am 10. Juni 1315. Seine Gebeine lagen in einem marmornen Sarg in der Domkirche zu Treviso. Die Reliquien des seligen Heinrich wurden 1759 nach Bozen überführt und in einer heute nicht mehr vorhandenen Seitenkapelle der Bozner Pfarrkirche hinterlegt. 1868-69 erbaute man am Heinrichshof in Bozen-Dorf ein eigenes Kirchlein zu seinen Ehren. Wann er zum Patron der Stadt Bozen ernannt wurde, ist nicht bekannt. Auf einem Gemälde aus dem Jahr 1802 ist er aber deutlich als solcher dargestellt. Er gilt auch als Patron der Holzfäller.

 

Der heilige Martyrer Getulius,

Gelehrter, Kriegsoberster und Martyrer von Rom,

+ 10.6.124 - Fest: 10. Juni,

und seine Gemahlin Symphorosa mit ihren sieben Söhnen,

Märtyrer zu Tivoli,

+ 18.7.138

 

Getulius diente als Kriegsoberster im römischen Heer unter den Kaisern Trajan und Hadrian. Als er das Christentum angenommen hatte, zog er sich in das Land der Sabiner zurück. Von seiner Gemahlin Symphorosa hatte er sieben Söhne, die alle in der christlichen Religion erzogen wurden. Auf dem Landgut des Heiligen unweit von Tivoli versammelte sich täglich eine große Anzahl Christen, die er mit ruhmwürdigem Eifer zum standhaften Bekenntnis ermunterte. Auch den leiblichen Unterhalt reichte er denen, die ihn nötig hatten, ganz nach dem Beispiel der ersten Christen in Jerusalem, die ihren Überfluss mit den ärmsten Mitchristen teilten.

 

Als Kaiser Hadrian erfuhr, dass Getulius das Heidentum verlassen habe, sendete er einen hochgestellten Beamten, namens Cerealis, ab, um ihn zu verhaften. Dieser traf den Heiligen in der Mitte vieler Glaubensbrüder, denen er die Worte des göttlichen Heils erklärte. Er redete mit großem Nachdruck von der Wahrheit des Christentums und von der Seligkeit, die es seinen Bekennern verheißt. Cerealis wurde von der Gnade Gottes berührt und entschloss sich, statt den Auftrag seines Gebieters zu vollziehen, selbst Christ zu werden. In diesem Vorhaben wurde er durch den Legionstribun Amantius bestärkt, einen Bruder des Getulius, der der Verfolgung wegen sich hier verborgen hielt. Er erinnerte Cerealis, durch Buße, Fasten und Gebet zur heiligen Taufe sich vorzubereiten. Drei Tage verharrten auch die übrigen Christen mit dem Neubekehrten im Gebet. In der dritten Nacht, die sie stehend durchwachten, hörten sie eine Stimme von oben, die ihnen befahl, dass sie den heiligen Xystus, der damals Bischof in Rom war, zu sich rufen sollten. Es geschah. Der Papst erschien, unterrichtete Cerealis in den Geheimnissen des christlichen Glaubens, taufte ihn und bekräftigte ihn durch die Sakramente der Firmung und des Abendmahles. Während dieser heiligen Handlungen, die, um von den Feinden der Christen nicht gestört zu werden, in einem unterirdischen Gewölbe verrichtet wurden, rief Cerealis mit lauter, fröhlicher Stimme aus: „Seht da ein Licht über mir, glänzender als die Sonne!“ Alle Anwesenden priesen Gott für diesen sichtbaren Beweis der Mitteilung des heiligen Geistes.

 

Als Cerealis so lange ausblieb, ohne von sich hören zu lassen, begann man in Rom Verdacht zu schöpfen und stellte Nachforschungen an. Ein gewisser Vincentius kam in die Nähe von Tivoli, um da öffentliche Gelder zu erheben, und erfuhr den Verlauf der Dinge. Erstaunt rief er aus: „O ihr Götter, so hat selbst Cerealis, der mit so hohen Würden Bekleidete, euch verlassen und ist leeren Träumen gefolgt!“ Sogleich eilte er nach Rom zurück und hinterbrachte dem Kaiser, dass Cerealis zum Christentum übergetreten sei. Hadrian, über dieses unerwartete Ereignis heftig erzürnt, schickte Licinius nach Tivoli hinaus, mit dem Auftrag, die Abtrünnigen festzusetzen und zu verurteilen, falls sie den Göttern nicht opfern wollten. Licinius ließ einen Richterstuhl auf öffentlichem Platz aufstellen und sodann die christlichen Bekenner in Ketten vor sich führen. Aber umsonst strengte er sich an, sie zu überreden, den Götzen zu opfern; all seine Bemühungen waren fruchtlos. Da ließ er sie entkleiden und grausam schlagen. Während dieser Misshandlung lobten sie den Herrn, und Getulius rief mit lauter Stimme: „Ich danke Gott, dem Allmächtigen, und meinem Herrn Jesus Christus, dass ich zum gefälligen Opfer geworden bin. Einen reumütigen Geist, ein zerknirschtes Herz verschmäht Gott nicht!“ Die heiligen Bekenner wurden jetzt in das Gefängnis geworfen, wo sie 27 Tage verwahrt blieben. Mittlerweile ging Licinius nach Rom und berichtete dem Kaiser alles, was vorgefallen war. Dieser ordnete sogleich Kriegsleute ab, mit dem unmenschlichen Befehl, die Bekenner dem Scheiterhaufen zu übergeben. So wurden Getulius, Amantius, Cerealis und noch ein vierter Christ, namens Primitivus, mit gebundenen Händen und Füßen in das dazu bereitete Feuer geworfen. Getulius beschädigten die Flammen nicht, sie lösten nur seine Bande auf. Gott preisend trat er unverletzt aus dem Feuer hervor. Nun aber schlugen ihn die Soldaten mit Prügeln tot. Dies geschah im Jahr 124.

 

Symphorosa beerdigte den Leichnam ihres Gatten und die Reste der anderen Martyrer in einer Sandgrube auf ihrem Landgut und betete mit ihren Söhnen oft an dieser Stelle. Das Jahr darauf begab es sich, dass Kaiser Hadrian selbst nach Tivoli kam, das er wegen seiner angenehmen und gesunden Lage sehr liebte. Er ließ hier einen prächtigen Palast errichten, und als das Gebäude fertig war, sollte es nach Sitte der Heiden durch allerlei abergläubische Zeremonien eingeweiht werden. Diese Gelegenheit benützten die Priester, um den Kaiser glauben zu machen, die Götter seien durch das Gebet, das Symphorosa und ihre Söhne täglich zum Christengott verrichteten, sehr belästigt und wollten, erzürnt hierüber, nicht mehr Heil und Segen spenden. Hadrian ließ die fromme Witwe samt ihren Söhnen ergreifen und vor sich bringen und sagte zu ihr: „Wähle, was du willst – entweder opfere den Göttern, oder du wirst auf eine elende Weise zu Grunde gehen!“ Symphorosa entgegnete: „Du glaubst, meinen Sinn durch Schrecken ändern zu können. Doch nein! Ich will bei meinem Mann Getulius, den du des Christentums wegen getötet hast, meine Ruhe finden.“ Nun ließ sie Hadrian zu dem Tempel des Herkules führen und dort an einen Pfosten bei den Haaren aufhängen. Als diese grausame Misshandlung die heldenmütige Bekennerin nicht wankend machte, befahl der Tyrann, sie mit einem Stein am Hals im Fluss Teverone zu ertränken.

 

Durch den Tod der Mutter noch nicht befriedigt, richtete die Wut des Kaisers sich jetzt gegen die Söhne. Anfänglich meine er, die jugendlichen Gemüter durch freundliche Worte und große Verheißungen, oder doch gewiss durch harte Drohungen bewegen zu können. Aber er lernte an den jungen Helden eben die Standhaftigkeit kennen, die er an Vater und Mutter erfahren hatte. Da ließ er um den Tempel des Herkules herum sieben Pfähle errichten, an jedem von ihnen einen Bekenner aufhängen und ihre Glieder mittels Flaschenzügen furchtbar auseinander zerren, ohne durch diese unmenschliche Pein ihren Mut besiegen zu können. Des grausamen Spieles müde, befahl er endlich, sie mit Dolchen zu töten. Alle verharrten bis zum letzten Atemzug treu im Glauben Jesu Christi, gestärkt durch die Hoffnung der Krone des ewigen Lebens. Die Leichname wurden in eine tiefe Grube geworfen. Nachdem die Verfolgung für einige Zeit aufgehört hatte, wurden sie von den Christen herausgenommen und einzeln an der Straße bei Tivoli feierlich beerdigt.

 

Der heilige Bardo, 20. Erzbischof von Mainz,

+ 10.6.1051 – Fest: 10. Juni

 

Der heilige Bardo stammte aus der berühmten Familie von Oppershofen in der Wetterau und wurde im Jahr 980 geboren. Seine Eltern, Adalbero und Christina, standen im Ruf der Heiligkeit und ihre Gräber verherrlichten Wunder und himmlische Gebetserhörungen. Als Bardo die heilige Taufe empfing, beschenkte ihn sein Pate mit einem Helm, einem Lamm und einem Psalter, hindeutend auf seinen Glauben, seine Geduld und Andacht. Nachdem seine Eltern ihn in aller Unschuld erzogen hatten, schickten sie ihn zur weiteren wissenschaftlichen Ausbildung ins Kloster Fulda, wo er durch seinen Scharfsinn und seine schnelle Fassungskraft bald alle seine Mitschüler überflügelte.

 

Zum jungen Mann herangereift, bat er um das Ordenskleid des heiligen Benedikt und leuchtete allen seinen Ordensbrüdern in Gehorsam, Demut, Pünktlichkeit und Diensteifer vor. Niemals verweigerte er einen Dienst und beklagte es, wenn er durch ein anderes Amt verhindert war, den Brüdern zu helfen. Seine Mußestunden widmete er dem Lesen heiliger Schriften, insbesondere der Evangelien, des Psalters und der Schriften des heiligen Papstes Gregor des Großen. Als man ihn fragte, warum er die Hirtenbriefe des heiligen Gregor so eifrig lese, antwortete er scherzend: „Vielleicht könnte der Kaiser auf den törichten Einfall kommen, mich zum Bischof einzusetzen; deshalb muss ich eifrig vorsorgen, dasjenige reiflich zu erwägen, was zur Verwaltung dieses Amtes gehört.“ Was Bardo scherzweise geäußert hatte, bewahrheitete sich bald, denn er stieg von Stufe zu Stufe zu höheren Ämtern empor.

 

Zunächst wurde er durch die allgemeine Bitte seiner Brüder und mit Zustimmung des Abtes Richard zum Dekan des Klosters Fulda erwählt. Dieses Amt verwaltete er mit Klugheit und Liebe, mit besonderer Bescheidenheit und Herablassung. Bald darauf errichtete Abt Richard ein neues Kloster zu Ehren des heiligen Andreas im Westen der Stadt und bestellte Bardo zum Propst desselben. Als Kaiser Konrad II., der Salier, zum Kloster Fulda kam und das neue Kloster in Augenschein nehmen wollte, gefiel ihm der gelehrte und hochverdiente Bardo so sehr, dass er ihn zum Abt des Klosters Werden in Westfalen und im Jahr 1031 auch zum Abt von Hersfeld ernannte. Beide Würden verwaltete er mit besonderer Klugheit und herzgewinnender Demut, eingedenk des göttlichen Wortes: „Je höher du stehst, desto mehr verdemütige dich in allem, und du wirst Gnade finden vor Gott.“ Er änderte seine frühere Lebensweise nicht, außer dass er mit größerem Eifer von Tugend zu Tugend fortschritt. Überall wusste er durch seine väterliche Liebe und sein ermunterndes Beispiel die gestörte Kirchenzucht wiederherzustellen. Streng schritt er nur gegen jene ein, die insgeheim oder mit einschmeichelnder Rede ihre Mitbrüder anklagten. Er sagte den Zuträgern: „Ihr habt in eurem Konvent den Dekan oder Prior. Er hat über die klösterliche Zucht zu wachen. Ich bin Abt und Vater; was er mir verhehlt, soll ich nicht wissen.“ Auf diese Weise gewann er das vollste Zutrauen seiner Untergebenen und sie liebten ihn wie ihren Vater.

 

Der Erzbischof Aribo von Mainz, der noch kurz vorher mit Kaiser Konrad II. das Weihnachtsfest zu Paderborn gefeiert hatte, war auf einer Reise nach Rom gestorben (6. April 1031). Zur Wahl eines neuen Erzbischofs reiste Abt Richard nach Mainz, in der Hoffnung, zum Nachfolger erwählt zu werden. Da sah er im Traum den Abt Bardo auf dem Gipfel eines hohen Berges, den er selbst nicht zu erreichen vermochte, eine große Herde hüten. Aus diesem Gesicht erkannte Richard, dass Bardo nach dem Willen des Allerhöchsten zu jener Würde auserkoren sei. Der Kaiser schritt mit seiner Gemahlin zur Kirche und betete inbrünstig zu Gott, dass er den Würdigsten wählen möchte. Dann sprach er feierlich zu dem versammelten Volk: „Ich stelle euch einen Mann vor von hervorragendem Geist, von ausgezeichneter Tugend, von leuchtender Heiligkeit, den die Weisheit geboren, die Keuschheit genährt, die Religion zu aller Ehre und zum Hirtenamt gebildet, voll Liebe, Demut und Güte.“ Und mit dem Finger auf Bardo zeigend, sprach er: „Du bist jener Mann, ich ernenne dich heute zum Erzbischof des Mainzer Stuhles!“ Jubel und Freude erfüllte die ganze Versammlung, Bardo wurde von den anwesenden Bischöfen zum Tempel geführt und empfing die bischöfliche Weihe. Dies geschah zu Goslar am 29. Juni 1031.

 

Nach der Feier reiste Bardo nach Mainz, um von seinem Erzbistum Besitz zu nehmen, gab überall Beweise seiner Tugend, predigte eifrig Buße, trieb durch Wort und Beispiel das Volk zu einem religiösen Leben an, tröstete die Trauernden, bekleidete die Armen, richtete die Zaghaften auf und wurde allen alles, um alle glücklich zu machen. Desungeachtet fehlte es ihm an Feinden und Neidern nicht. Gegen Ende des Jahres begab er sich an den kaiserlichen Hof zu Goslar. Am Weihnachtsfest wurde Bardo aufgefordert zu predigen. Mit einfachen, schlichten Worten erklärte Bardo die Bedeutung des Festes ohne rednerischen Schmuck. Alle waren enttäuscht, dass der Bardo-Chrysostomus, wie man ihn wegen seiner Beredsamkeit zu nennen pflegte, so wenig den Erwartungen entsprochen habe. Am folgenden Tag predigte Bischof Dietrich von Metz so schön, dass alle Zuhörer entzückt waren. „Das ist ein Bischof!“ – sagten die Leute. – „Was ist Bardo dagegen?“ Am dritten Tag, dem Fest des heiligen Evangelisten Johannes, hielt aber Bardo eine so ergreifende Predigt, dass alle in Tränen zerflossen. Kaiser Konrad war entzückt, dass der fromme Erzbischof sein Vertrauen so glänzend gerechtfertigt habe, und überhäufte ihn mit neuen Ehren.

 

Trotz den zahlreichen Lobeserhebungen blieb Bardo demütig. In seine Erzdiözese zurückgekehrt, sorgte er unermüdlich für das Seelenheil seiner Untergebenen, aber auch für das leibliche Wohl aller Bedrängten. Seine Tür stand allen offen, mit eigener Hand teilte er Almosen aus und kannte alle Blinde und Lahme beim Namen. Desungeachtet fehlte es ihm nicht an Feinden. Der Burggraf Erckenbald verdächtigte den Erzbischof beim Kaiser, wurde aber bald wegen seiner Ränke abgesetzt und von einer unheilbaren Krankheit befallen. – Ein hochmütiger Mensch verspottete heimlich den Erzbischof, weil er bei Tisch religiöse Gespräche führe. Statt zu zürnen, ließ er dem Spötter zum Dank für die Beleidigungen eine goldene Schüssel geben.

 

Selbst über vernunftlose Geschöpfe übte der fromme Kirchenfürst einen unwiderstehlichen Zauber. So oft er nach Eltville reiste, kam eine Schar nie gesehener Vögel und sangen ihm die lieblichsten Weisen, flogen vor ihm nicht fort, ließen sich von ihm liebkosen und verschwanden, sobald er Eltville verließ.

 

Manche Große und Vasallen versuchten seine Rechte zu schädigen, aber er überwand das Böse durch das Gute, und es bewährte sich an ihm das Wort des göttlichen Heilandes: „Selig sind die Sanftmütigen, denn sie werden das Erdreich besitzen.“

 

Bardo beförderte zwei Bischöfe, die später den päpstlichen Stuhl zierten, nämlich in Münster 1041 den Suitger, den späteren Papst Klemens II., zum Bischof von Bamberg, und um Weihnachten des folgenden Jahres den jungen Grafen Gebhard von Calwe zum Bischof von Eichstätt, der 1055 als Viktor II. auf den päpstlichen Stuhl erhoben wurde.

 

Während seiner zwanzigjährigen Wirksamkeit vollendete Erzbischof Bardo den Dom zu Mainz, den sein heiliger Vorgänger Willigis 1009 vollendet, aber am Abend vor der Einweihung in Flammen aufgehen sah, und weihte ihn in Gegenwart des Kaisers Konrad und vieler Bischöfe zu Ehren des heiligen Martin im Jahr 1037. Den Kaiser Heinrich III. vermählte er zu Ingelheim mit Agnes und salbte sie zur deutschen Königin im Jahr 1043. In Münster weihte er in Gegenwart von vier Erzbischöfen und acht Bischöfen die prachtvolle Basilika ein am 29. Dezember 1041. Im Oktober 1049, wenige Wochen nach der Anwesenheit Papst Leo IX., hielt er zu Mainz eine große Kirchenversammlung ab, auf welcher sieben Erzbischöfe und dreiunddreißig entschiedene Beschlüsse über Simonie und kirchliche Zucht fassten.

 

Papst Leo IX. hatte ihn gebeten, seiner großen Schwäche wegen Fleischspeisen zu nehmen. Bardo gehorchte. Da kam ein fremder Mönch zum Besuch. Bardo sprach zu ihm: „Bruder, wir haben keine Fische. Nimm mit unserer Erlaubnis, was wir haben!“ Der Mönch weigerte sich, Fleisch zu genießen. Hierauf machte der Erzbischof dreimal das Kreuzzeichen über das Fleisch und verwandelte es in einen Fisch. Bei diesem Wunder fiel der Mönch dem heiligen Bischof zu Füßen. Der aber verbot ihm, etwas davon zu sagen, und mahnte ihn zu stetem Gehorsam.

 

Am heiligen Pfingstfest, den 19. Mai 1051, traf er noch einmal mit dem Kaiser Heinrich III. in Paderborn zusammen, predigte vor dem versammelten Hof und sagte seinen nahen Tod voraus und nahm feierlichen Abschied. Auf seiner Heimreise, zwei Stunden von Paderborn, bei Dornberg (Dörenhagen), überfiel ihn plötzlich Todesschwäche. Sein Weihbischof Abellinus von Fulda spendete ihm die heilige Ölung. Auf einem Bußgewand am Boden liegend, tröstete er die Umstehenden und schloss mit den Worten: „Was dem Herrn gefällt, soll geschehen! Deine Barmherzigkeit, o Herr, sei über uns, wie wir auf dich hoffen.“ Dann schloss er die Augen zur himmlischen Ruhe am 11. Juni 1051, im 71. Lebensjahr und im 21. Seines bischöflichen Amtes.

 

Der Leichnam des heiligen Erzbischofs Bardo wurde nach christlicher Sitte gewaschen und das Wasser an einem dürren Baum ausgeschüttet. Wie staunte das Volk, als von nun an jedem Dienstag, dem Wochentag von Bardos Tod, aus den dürren Zweigen jenes Baumes Wasser quoll, das vielen Kranken Gesundheit brachte! Die Leiche wurde im St. Martini-Dom beigesetzt und ein unaussprechlicher Wohlgeruch stieg aus dem Grab.

 

Wie alle Kranke und Hilfsbedürftige bei dem liebevollen Erzbischof Bardo Trost, Unterstützung und oft wunderbare Heilung fanden, so wurden nach seinem Tod durch seine Fürbitte viele Kranke plötzlich geheilt, wie der Erzbischof Anno an einem Krüppel mit eigenen Augen sah.

 

Gebet am 10. Juni

 

Unsere Gebieterin, unsere Fürsprecherin, empfiehl uns deinem Sohn und bewirke, Gebenedeite, durch die Gnade, die du verdient hast, dass dein Sohn, der durch dich unsere Schwachheit und Gebrechlichkeit auf sich genommen hat, uns durch deine Vermittlung seiner Seligkeit und Glorie teilhaftig machen möge. Amen. 

 

Zu Jesus Christus

 

O Jesus, Du der Herr der ganzen Welt und aller ihrer Schätze und Reiche! Du wurdest, ärmer als das ärmste Kind, in einem Stall geboren. Du hattest, ärmer als Füchse und Vögel, in Deinem ganzen Leben nicht, wo Du Dein Haupt hinlegen konntest, und starbst schließlich, auch Deiner armen Kleider beraubt, entkleidet am Kreuz. Wir bitten Dich, lass die Armen von uns erkennen, wie reich und glücklich sie durch Armut im Geist werden können. Und bewahre die Reichen, dass sie ihr Herz nicht an den Reichtum hängen, sondern durch Wohltun aus Liebe zu Dir sich einen gnädigen Urteilsspruch am Tag des Gerichts und die ewige Seligkeit erwerben - durch Dein Leiden und Sterben. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Zu Maubeuge wurde die Kirche der von der Königin Adelgundis gestifteten Klosterfrauen das erste Mal von vier Bischöfen zur Ehre der seligsten Jungfrau und der heiligen Apostel an diesem Tag eingeweiht. (Das Jahr ist unbekannt.)

 

Andacht am 10. Juni:

 

Das Thema im Juni:

Vom Gehorsam

"Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen." (Matthäus 23,3)

 

Gar viele, Ordensleute sowohl als andere, sind heilig geworden, ohne eben viele Zeit auf Übungen der Frömmigkeit zu verwenden; doch keiner aus ihnen wurde heilig, ohne den Gehorsam." (Der heilige Franz von Sales)

Ein Laienbruder aus dem Kloster, das unter der Leitung des heiligen Bernhard stand, lag einst gefährlich krank. Der heilige Abt hatte dies kaum vernommen, als er sogleich zu ihm kam, ihm Trost zusprach und ihn ermunterte, sich zu erfreuen, weil er nun bald aus diesem Land des Jammers und der Leiden in die ewige Ruhe eingehen würde. Der Laienbruder antwortete ihm mit großer Zuversicht und sprach: "Ja, geliebter Vater, ich vertraue auf die göttliche Barmherzigkeit, denn ich weiß gewiss, dass ich nun bald vor Gottes Angesicht gelange, Seiner in ewiger Freude zu genießen!" - Als aber der heilige Bernhard diese Sicherheit des kranken Bruders wahrnahm, erschrak er sehr, denn er fürchtete, es wäre dies bloße Vermessenheit; und scharf ermahnte er den Sterbenden und sprach: "Was redest du da? lieber Bruder? Du warst ja so arm, dass du gar nichts zu leben hattest. Gott, der dich liebt, hat dich hierher geführt, wo es dir an nichts gefehlt hat, und jetzt forderst du, statt für seine Wohltaten dankbar zu sein, noch sein ewiges Reich als etwas, das dir von Rechtswegen gebührt?" - "Geliebter Vater", antwortete der Bruder hierauf, "was Ihr sprecht, ist wahr. Allein habt Ihr nicht selbst gepredigt, dass man das Reich Gottes nicht durch Reichtum noch durch Adel, sondern durch den Gehorsam erwirbt? Diesen Spruch, den Ihr so oft wiederholt habt, habe ich mir wohl zu Herzen genommen, und nie habe ich gesäumt, allen zu gehorchen, die mir irgend etwas befohlen haben; wie alle, die im Kloster sind, Euch dessen Zeugnis geben werden, wenn Ihr sie befragen wollt. Warum also sollte ich nicht mit Vertrauen erwarten, was Ihr mir von Gottes wegen verheißen habt?" Diese Antwort beruhigte den heiligen Abt wunderbar, und oftmals führte er sie an, wenn er mit seinen Mönchen über den Gehorsam sprach.

 

Lass es mich nie vergessen, mein Gott, dass das Reich Gottes nur durch den Gehorsam erworben wird, und dass zumal der Gehorsam zur Heiligkeit führt! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 10. Juni

 

"Der Herr entzieht zuweilen dem Menschen

die süße und fühlbare Andacht,

weil er vielleicht vergessen hat,

dass sie ein Geschenk der Gnade ist."

 

gottsel. Johannes Tauler OP

1300 bis 16.6.1361

 

Betrachtung am 10. Juni - Vom himmlischen Adel der Kinder Gottes

 

Ach, wann wird die Zeit erscheinen,

Die, mein Schöpfer, selig mich

Mit den Deinen wird vereinen,

Dich zu loben ewiglich.

Tag und Nacht verlangt in Schmerz

Nur nach dir mein sehnend Herz.

 

1. Erhebe deinen Sinn und deine Gedanken oft mit freudiger Hoffnung zum Himmel, auf den dein Heiland dir ein Recht und Ansprüche erworben hat, und erwäge die ergreifenden Worte seines geliebten Jüngers: "Seht, wie groß die Liebe ist, die der Vater uns geschenkt hat: Wir heißen Kinder Gottes, und wir sind es." (1. Johannes 3,1) Über allen Begriffen steht fürwahr diese unendliche Liebe unseres Gottes zu uns armen Sterblichen, dass diese ewige Majestät uns würdigt, unser wahrer Vater durch zarte Vaterliebe, durch beständige Wohltaten und durch ewige Verherrlichung in seinem Schoß zu sein. Denn nicht nur werden wir Kinder Gottes genannt, sondern wir sind es auch. So hegen wir denn Gesinnungen, die dieses himmlischen Adels würdig sind. 

 

2. Diese Aufnahme in die Kindschaft Gottes hat sein eingeborener Sohn, "der Erstgeborene unter vielen Brüdern" (Römer 8,29b), uns wahrhaft und wesentlich erworben. Feierlich sprach er dies aus, als er seinen Jüngern verkündigen ließ: "Geh aber zu meinen Brüdern, und sage ihnen: Ich gehe hinauf zu meinem Vater und zu eurem Vater, zu meinem Gott und zu eurem Gott." (Johannes 20,17b) Er selbst erwirkte uns diese göttliche Kindschaft. Sie war das Ziel seiner Menschwerdung, seiner Leiden, seines Todes, seiner ewigen Verherrlichung. Nicht leere Worte sind dies, sondern Wahrheiten, die unser Herz mit ewigem Dank und ewiger Liebe durchdringen sollen. 

 

3. "Liebe Brüder, jetzt sind wir Kinder Gottes. Aber was wir sein werden, ist noch nicht offenbar geworden. Wir wissen, dass wir ihm ähnlich sein werden, wenn er offenbar wird; denn wir werden ihn sehen, wie er ist." (1. Johannes 3,2) Noch tragen wir das Pilgergewand. Wenn wir es aber ablegen, und die Offenbarung der großen Herrlichkeit Gottes schauen werden, dann wird unsere Würde dem ganzen himmlischen Hof kund werden. Welche Seligkeit liegt in diesen Worten! Aber es fügt der heilige Apostel bei: "Jeder, der dies von ihm erhofft, heiligt sich, so wie er heilig ist." (1. Johannes 3,3) Dies also muss von nun an unser einziger Gedanke, unsere einzige Beschäftigung sein. Dahin müssen alle Werke unseres Lebens zielen. Offenbarung 22,12: "Siehe, ich komme bald, und mit mir bringe ich den Lohn, und ich werde jedem geben, was seinem Werk entspricht." 

 

11. Juni

 

Der heilige Barnabas, Apostel und Martyrer von Cypern,

+ 63? - Fest: 11. Juni

 

Hoffentlich regnet es heute nicht! Wenn es heute nämlich regnet, soll es einen nassen Herbst und ein schlechtes Weinjahr geben. Die Winzer sagen: „Regnets an Sankt Barnabas, so schwimmen die Trauben bis ins Fass.“ Das wäre schade.

 

Was indessen den heiligen Barnabas betrifft, so lebte Anno dazumal auf der Insel Cypern im Mittelmeer ein Jude mit Namen Joseph. Als junger Mann wanderte er nach Jerusalem auf die Schule, und es wird berichtet, dass Stephanus, der spätere Erzmartyrer, und Saulus, der nachmalige Apostel Paulus, zu seinen Mitschülern zählten. Gespannt horchte auch Joseph von Cypern auf, als das ganze Land widerhallte von den Berichten über die Lehren und Wunder des Zimmermannssohnes von Nazareth. Halb glaubte er, und halb glaubte er nicht, dass Jesus der verheißene Messias war. Wie andere, so war auch er ein Zweifler, bis er eines Tages dem Herrn begegnete und Zeuge war, wie der Heiland am Teich Bethesda einen Mann, der schon achtunddreißig Jahre krank war, durch ein bloßes Wort augenblicklich heilte. Von da an glaubte Joseph von Cypern an Jesus und war ihm mit Leib und Seele verschrieben. Als einer der zweiundsiebzig Jünger folgte er dem Herrn auf allen Wegen, und durch das, was er da sah und hörte, erhielt sein Glaube eine solche Festigkeit, dass ihn auch das furchtbare Geschehen auf Golgatha nicht aus dem Gleis warf. Im Gegenteil, er war es, der damals in der Zeit der Kopflosigkeit die verwirrten Jünger aufmunterte, stärkte und tröstete. So kam es, dass man ihn allgemein in dankbarer Anerkennung Barnabas nannte, was auf Deutsch „Tröster“ heißt. Auf diese Weise wurde also aus dem Joseph von Cypern ein Barnabas.

 

Warum aber wird der heilige Barnabas Apostel genannt, obwohl er nicht zu den Zwölfen gehört?

 

Barnabas blieb nach dem Pfingstfest zunächst in Jerusalem, und weil es der jungen Christengemeinde bald am Nötigsten gebrach, verkaufte er großzügig einen Acker, den er vor den Toren der Stadt besaß, und legte den Erlös zu Füßen der Apostel nieder. Dann erschien eines Tages Saulus, aus dem zu Damaskus ein Apostel geworden war, in Jerusalem, um den Anschluss an die Apostel zu suchen. Diese wollten jedoch von dem ehemaligen Christenverfolger nichts wissen. Erst als Paulus sich an den früheren Mitschüler Barnabas wandte und ihn um Empfehlung bat, ließen sich die Jünger dazu bewegen, auch Paulus in ihren Kreis aufzunehmen. Dass aber Barnabas dadurch der jungen Kirche einen unschätzbaren Dienst leistete, wird jedem klar, wenn er bedenkt, dass später gerade durch den Völkerapostel Paulus das Evangelium bis an die Grenzen der Welt verkündet wurde.

 

Hier nun sind wir endlich auf den Punkt gekommen, wo es in der heiligen Schrift heißt, dass Barnabas als Missionar von Jerusalem nach Antiochien, der ehemals drittgrößten Stadt der Welt, geschickt wurde. Da hatte er als Großstadtpfarrer alle Hände voll zu tun, und als er feststellte, dass er allein die Arbeit nicht mehr meistern konnte, holte er sich den Paulus aus Tarsus und machte ihn zu seinem Kaplan. Ausgezeichnet schafften die beiden miteinander, und bald stand die Pfarrei auf festen Füßen, so dass auch andere sie leiten konnten. So kam es, dass Paulus und Barnabas für die Mission unter den Heiden frei wurden, und weil sie nach den Worten im Neuen Testament eigens vom Heiligen Geist die neue Sendung erhielten, darf man auch Barnabas als Apostel ansprechen, zumal da ihm die heilige Schrift in der Apostelgeschichte diesen Titel ausdrücklich zuerkennt.

 

Der heilige Amabilis, Priester von Riom in Auvergne, Patron von Riom,

+ 1.11. 5. Jahrhundert – Fest: 11. Juni

 

Der heilige Amabilis wurde im Dorf Riom, das jetzt eine der Hauptstädte in Auvergne ist, geboren. Seine erhabenen Tugenden, durch die er sich von Kindheit an auszeichnete, erwarben ihm die Ehre, zur Priesterwürde erhoben zu werden. Es scheint auch, ihm sei dann die Sorge für die Kirche von Riom übertragen worden. Später berief ihn sein Bischof in die Stadt Auvergne und verleibte ihn der Geistlichkeit seiner Kirche ein. Man glaubt, der fragliche Bischof sei der heilige Sidonius Apollinaris gewesen. Der heilige Amabilis starb gegen Ende des 5. Jahrhunderts. Sein Grab wurde durch mehrere Wunder berühmt, wovon der heilige Gregor von Tours als Augenzeuge einige erzählt. Gegen Ende des 10. Jahrhunderts wurde sein Leib von Clermont nach Riom übertragen und in der Kirche zum heiligen Benignus beigesetzt. Obgleich der Tod dieses Heiligen am 1. November erfolgt sein mag, hat man doch niemals sein Fest an diesem Tag gefeiert, wahrscheinlich wegen des Festes Allerheiligen. Jetzt wird es am 11. Juni begangen.

 

Die selige Jolenta von Ungarn, Nonne zu Gnesen, Klarissin,

+ 11.6.1298 – Festtag: 11. Juni

 

Das einstige ungarische Königshaus war im Mittelalter eine wahre Pflanzstätte der Heiligkeit, indem es der Kirche vor allem eine ganze Reihe heiliger Frauen schenkte. Eine von ihnen ist auch die selige Jolenta, die jüngere Tochter Belas IV., die im Jahr 1235 das Licht der Welt erblickte. Mit fünf Jahren kam sie um Zweck der Erziehung zu ihrer Schwester Kunigunde, die mit Herzog Boleslaus von Polen vermählt war und bereits selbst auf der Bahn der Heiligkeit wandelte. Darum erzog sie die kleine Jolenta vor allem zur Frömmigkeit und Tugend, unterrichtete sie aber auch in allen erforderlichen weltlichen Kenntnissen, so dass sie bei Gott und den Menschen angenehm wurde. Auch sie musste indes einen Ehebund eingehen, und zwar gleichfalls mit einem polnischen Fürsten, nämlich dem Herzog Boleslaus II. von Kalisch. Als Fürstin zeigte sich Jolenta auch als wahre Landesmutter, indem sie die Armen und Kranken mit unermüdlichem Eifer und größter Freigebigkeit unterstützte und zahlreiche Spitäler, Kirchen und Klöster gründete. Ihr Gemahl stand ihr bei all dem freundlich und hilfsbereit zur Seite und verdiente sich wegen der zahlreichen religiösen guten Werke, die er mit seiner heiligen Gemahlin in Ausführung brachte, sogar den Beinamen „der Fromme“. Bald rief ihn aber der Herr zum ewigen Lohn ab und nun ließ sich seine Witwe durch nichts abhalten, dem Zug ihres Herzens zu folgen und sich von der Welt ganz zurückzuziehen. Sie konnte dies um so leichter, als zwei ihrer Töchter bereits verheiratet waren, die dritte, Anna, aber ganz in die Fußstapfen der Mutter zu treten bereit war. Sie brauchten auch nicht lange nach der ersehnten Friedensstätte zu suchen, denn Jolentas ältere Schwester, die selige Kunigunde, war schon früher Witwe geworden und hatte in dem von ihr gegründeten Klarissenkloster Sandeck den Schleier genommen. Dorthin wandten sich nun auch Jolenta und Anna und wurden, was Kunigunde war, Töchter der heiligen Klara. Gebet, Einsamkeit und Abtötung waren hier Jolentas Freude und tägliche Übung. Kunigundes heiliger Wandel aber diente tagtäglich wieder zum mächtigen Ansporn. Als sie jedoch gestorben war, konnten Jolenta und ihre Tochter infolge kriegerischer Unruhen in Sandeck nicht mehr bleiben, weshalb sie sich in das Kloster zu Gnesen begaben, das Jolenta selbst mit ihrem Gemahl gegründet hatte. Hier musste sie nun, so sehr sich ihre Demut dagegen sträubte, das Amt einer Äbtissin annehmen, stand ihm aber dann mit aller Gewissenhaftigkeit und Treue zur Erbauung aller Schwestern vor. So oft sie jedoch konnte, zog sie sich von den störenden Geschäften zurück und widmete sich der Betrachtung des bitteren Leidens und Sterbens unseres Heilandes, der ihr deswegen auch einmal in seiner Leidensgestalt erschien und ihr auch eines Tages die Nähe des Todes ankündigte. Aber Jolenta wurde dadurch keineswegs in Schrecken versetzt. Für sie, die Braut Christi, bedeutete diese Nachricht die Einladung zum ewigen Hochzeitsmahl. Bereitwillig nahm sie daher die schwere Krankheit an, die bald über sie hereinbrach und ließ sich rechtzeitig mit den heiligen Sterbesakramenten versehen. Dann erfüllte sie auch noch die Aufgabe einer geistlichen Mutter und ermahnte ihre Töchter, die heilige Ordensregel stets gewissenhaft zu beobachten und dem Herrn unverbrüchlich treu zu dienen. Bald darauf verschied sie selig in der Umarmung des göttlichen Bräutigams, im Jahr 1298. Und sogleich zeigte es sich, welch hohe Stufe der Heiligkeit sie erstiegen hatte. Denn viele Kranke und sonstige Leidende und Bekümmerte erlangten auf ihre Anrufung hin Trost und Hilfe, insbesondere erschien sie einst einer kranken Äbtissin in wunderbarer himmlischer Herrlichkeit, begleitet vom heiligen Bischof Stanislaus, und gab ihr die Gesundheit wieder. Infolgedessen verbreitete sich die Verehrung Jolentas rasch in ganz Polen und darüber hinaus, so dass Papst Leo XII. im Jahr 1827 auch ihre kirchliche Verehrung gestattete und sie in die Zahl der Seligen des Himmels einreihte.

 

„Kostbar in den Augen des Herrn ist der Tod seiner Heiligen.“ (Psalm 116,15) Dieses tröstliche Wort der Heiligen Schrift hat sich auch an der seligen Jolenta wieder bewahrheitet, Ja, wer fromm und heilig gelebt hat, braucht den Tod nicht zu befürchten. Ein solcher zittert auch nicht, wenn man ihm in schwerer Krankheit nahe legt, die heiligen Sterbesakramente zu empfangen. Ja, er verlangt selbst danach. Dagegen, wie erschrecken die Weltkinder und Sünder, wenn sie nur dieses Wort hören. „Man fürchtet sich eben,“ sagt der heilige Gregor der Große, „denjenigen als Richter vor sich zu sehen, den man sich bewusst ist, verachtet zu haben.“ Darum lebe man so, wie man im Sterben wünschen wird gelebt zu haben und sei stets bereit. 

 

Gebet am 11. Juni

 

O schöne Blum`, o edle Ros`,

Gewachsen in St. Annä Schoß,

Du keusche Braut, du Lilienzier,

Ganz rein, kein Flecken ist an dir.

Unlauterkeit weit von uns treib,

Gib Reinigkeit an Seel und Leib.

 

Gebet zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Barnabas

 

O Gott, der Du uns durch die Verdienste und die Fürbitte Deines heiligen Apostels Barnabas erfreust, verleihe gnädig, dass wir die Wohltaten, um die wir Dich durch ihn bitten, von Dir erlangen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Zu Paris wurde an diesem Tag im Jahr 1528 anstatt einem verunehrten Bildnis der seligsten Jungfrau auf der Straße von Rosier vom König Franciskus I. in Beisein des geistlichen und weltlichen Staats ein silbernes Bildnis der Mutter Gottes daselbst aufgestellt.

 

Andacht am 11. Juni:

 

Das Thema im Juni:

Vom Gehorsam

"Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen." (Matthäus 23,3)

 

"Der Gehorsam ist der Inbegriff der Vollkommenheit und des ganzen geistlichen Lebens. Kein Mittel ist so wenig mühsam, keines so wenig gefährlich, keines so sicher und so kurz, sich an allen Tugenden zu bereichern und zu dem Ziel unseres Verlangens, zu ewigen Leben zu gelangen." (Der gottselige Vater Alvarez)

Die heilige Magdalena von Pazzi sagte auf ihrem Totenbett, dass, wenn sie alle Ereignisse ihres verflossenen Lebens überdenke, nichts ihr größere Ruhe gewähre, als die Gewissheit, dass sie sich durchaus nie von ihrem Willen und ihrem eigenen Urteil habe leiten lassen, sondern immer dem Ausspruch ihrer Vorgesetzten und Beichtväter nachgekommen sei.

Ebenso sprach ein frommer Priester der Gesellschaft Jesu, namens Johannes Gerardin, als auf seinem Sterbebett die Genossenschaft des Hauses ihn um ein Wort der Ermahnung ersuchte: "Wer in seinem Todeskampf sich erfreuen will, der sei den Vorgesetzten gehorsam und zu allen Ämtern bereitwillig!"

 

O lass mich Gehorsam lernen von Dir, mein Erlöser! Wie konnte ich je säumen, ein so sicheres und so wirksames Mittel anzuwenden, mich zu heiligen und meine ewige Seligkeit zu sichern! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 11. Juni

 

""Wir sollen bei allen unseren inneren oder äußeren Werken

das Ende bedenken und ehe wir sie unternehmen wohl prüfen,

ob wir sie vollenden können."

 

gottsel. Johannes Tauler OP

1300 bis 16.6.1361

 

Betrachtung am 11. Juni - Vom Misstrauen gegen sich selbst

 

Nichts, mein Gott, sind meine Werke,

Nichts auch bin ich selbst aus mir;

Aber bist du meine Stärke,

Groß ist dann ihr Wert vor dir.

 

1. Sei vorsichtig in allen Dingen und hüte dich vor Vermessenheit, denn eine traurige Erfahrung zeigte dir, - und zwar leider nicht nur einmal, - wohin dein falsches Vertrauen auf deine Stärke dich führte. Nicht wenige, sogar gerechte Menschen wurden durch ihren Schaden weise. Auch Petrus fiel nur darum, weil er vermessen auf sich selbst vertraute. Wir selbst sind unser ärgster Feind, und darum auch müssen wir beständig vor unserem eigenen Herzen auf der Hut sein. Deswegen ermahnt uns der Apostel und spricht: "Wer also zu stehen meint, der gebe acht, dass er nicht fällt." (1. Korinther 10,12) 

 

2. Müssen wir aber auch in allen Dingen unserer Schwäche billig misstrauen, so darf doch unser Misstrauen niemals bis zur Kleinmütigkeit gehen. Denn es gibt auch solche, die ihren Fähigkeiten und ihrer Tugend aus falscher Demut misstrauen, es nicht wagen, etwas Wichtiges zu tun, ihrer Pflichten überdrüssig werden, und sich weigern, schwierige Arbeiten zu ergreifen. Diese verwechseln das Misstrauen mit der Trägheit, und sind im eigentlichen Sinn unnütze Knechte. Willst du daher in Gottes heiligem Dienst etwas ausrichten, so begib dich nicht mutwillig in Gefahr, weigere dich aber auch nicht dahin zu gehen, wohin die Pflicht oder die Nächstenliebe dich ruft, und schreite zwischen Vermessenheit und Kleinmütigkeit in die Mitte.

 

3. Bei allen Dingen erhebe den Blick zum Herrn, der das Ziel deiner Arbeiten ist, und sprich mit dem Apostel: "Alles vermag ich durch ihn, der mir Kraft gibt." (Philipper 4,13) Denn so sehr der Gerechte sich selbst misstraut, so fest ist sein Vertrauen auf den Herrn. Lässt aber Gott es zu, dass etwas ihm misslinge, so wird er darum nicht missmutig, weil er nichts Gutes von sich erwartete. Befolgen wir die sehr weise Regel der Heiligen, und ergeben wir uns allen unseren Arbeiten mit so großem Eifer und Fleiß, als hinge aller Erfolg von uns allein ab, und erwarten wir dann alles so gänzlich von Gottes Hand, als hätten wir selbst nichts dabei getan. "Unsere Hilfe steht im Namen des Herrn, der Himmel und Erde gemacht hat." (Psalm 124,8)

 

12. Juni

 

Der heilige Johannes Castrillo von Facundo, Spanien,

+ 11.6.1479 - Fest: 12. Juni

 

Am 24. Juni wird das Fest des Heiligen Johannes Baptist gefeiert, und weil in Spanien der Brauch herrscht, die Kinder nach dem Heiligen ihres Geburtstages zu nennen, so erhielt der heutige Tagesheilige, weil er am 24. Juni 1430 geboren wurde, den Namen Johannes. Von Haus aus hieß er Gonzales.

 

Früh begann Johannes die Predigttätigkeit, denn was er als Junge am Sonntag von der Kanzel hörte, trug er daheim den Geschwistern und Nachbarskindern vor. Als dann Johannes Priester geworden war, wurde bei ihm aus dem kindlichen Spiel ein heiliger Ernst. Weder auf der Kanzel noch im persönlichen Umgang nahm Johannes ein Blatt vor den Mund, vielmehr nannte er auch die unschönen Dinge mit dem vollen Namen. Weil aber manche Menschen die Wahrheit nicht vertragen können, musste der aufrechte Prediger allerlei Abenteuer bestehen. So hatte er beispielsweise einmal liederlichen Frauen scharf ins Gewissen geredet. Die Hexen taten sich nachher zusammen und warfen mit Steinen nach dem Heiligen.

 

Ein anderes Mal erkühnte sich Johannes, einem hohen Herrn, dem Herzog von Alba, klipp und klar ins Gesicht zu sagen, er solle in Zukunft die leibeigenen Bauern milder und christlicher behandeln, und als ihn auf die Rede hin der Gescholtene bedrohte, antwortete ihm der Heilige, er könne nicht anders sprechen, als er getan habe, selbst wenn er seine Worte mit dem Leben bezahlen müsse. Darauf entfernte sich Johannes, und der erboste Herzog schickte ihm zwei berittene Diener nach, die ihn erst verprügeln und dann umbringen sollten. Die beiden ritten los, aber als sie sich dem Verfolgten bis auf zehn Schritte genähert hatten, blieben die Pferde wie angewurzelt stehen, so dass sich Johannes in Sicherheit bringen konnte.

 

Besondere Mühe gab sich Johannes, wenn es galt, Streitende miteinander zu versöhnen. Auf diese segensvolle Tätigkeit des Heiligen spielt das Gebet der Kirche an und spricht sogar von einer wunderbaren Gnade, die ihn als Friedensstifter zierte. Es ist nämlich durchaus nicht leicht, erhitzte Gemüter zu beruhigen. Derjenige, der sich vermittelnd zwischen zwei Streithähne stellt, hat nicht selten beide gegen sich. Da muss man schon ein feines Gefühl haben und außerdem den Mut aufbringen können, Kränkungen einzustecken. Johannes besaß beide Eigenschaften, einen feinen Takt und genügend Geduld, um eine Beleidigung nicht übelzunehmen. Deswegen gelang es ihm auch in den schwierigsten Fällen, den gestörten Frieden wiederherzustellen.

 

Auch darin glich Johannes dem Namenspatron, dass er ein abgetötetes Leben führte, reich an Buße und Kasteiungen. Oft ging er zur heiligen Beichte, und als man ihn fragte, warum er das tue, gab er zur Antwort: „Der Mensch ist keine Stunde sicher vor dem Tod, und ich will daher auch immer zum Sterben bereit sein.“ So sagte er, und niemand kann ihm die Wahrheit der Behauptung abstreiten, denn „der schnellste Reiter ist der Tod, er reitet schneller als das Morgenrot“.

 

Johannes war noch nicht fünfzig Jahre alt, als sich der Tod bei ihm einfand. Es war ein glorreicher Tod, von der gleichen Art, wie ihn sein Namenspatron erlitt, denn wie der heilige Johannes Baptist auf die Anstiftung einer liederlichen Frau hin enthauptet wurde, so endete Johannes durch Gift, das ihm eine böse Frau aus Rache ungesehen unter das Essen mengte. So ist der Heilige ein ehrenvolles Opfer seiner Priesterpflicht geworden. Es war ein schöner und verdienstreicher Tod.

 

Der selige Guido von Cortona, Priester, Franziskaner und Einsiedler,

+ 12.6.1250 – Gedenktag: 12. Juni

 

Der gottselige Guido, ein eifriger Priester und Kanoniker von Chiusi in Italien, war eine der ersten Eroberungen des heiligen Franziskus von Assisi, und wurde, nachdem er ihn predigen gehört hatte, sein Schüler. Der heilige Patriarch bildete ihn selbst zur Gottseligkeit heran, und übertrug ihm die Verkündigung des göttlichen Wortes. Vom Geist seines Lehrers beseelt, bewirkte er durch die Einfalt und Salbung seiner Predigten Wunderdinge, besonders aber verlieh die Heiligkeit seines Lebens und seine große Bußstrenge seinen Worten eine unwiderstehliche Kraft. Er starb am 12. Juni 1250 zu Cortona, seinem Geburtsort. Papst Gregor XIII. erlaubte die Tagzeiten des Gottesmannes in dessen Geburtsstadt, und diese Erlaubnis ist in der Folge auf den ganzen Orden des heiligen Franziskus ausgedehnt worden, der ihn am 12. Juni verehrt.

 

Der heilige Onuphrius, Einsiedler und Bekenner in Ägypten,

+ 12.6.400 – Fest: 12. Juni

 

Das Leben dieses Altvaters, der in gänzlicher Entäußerung und Beschränkung aller Lebensbedürfnisse wohl am weitesten gegangen ist unter alle ägyptischen Einsiedlern, ist ja in den späteren Zeiten reichlich ausgemalt worden, indessen darf doch als geschichtlicher Kern gelten, was der einzige Zeuge seines überaus strengen Lebens und heiligen Todes, der Anachoret Paphnutius, in dem ehemals viel gelesenen „Leben der Väter“ erzählt. Ohne Zweifel hat es Gott bekannt werden lassen als mächtiges Vorbild und Beispiel für die dem sinnlichen Leben ergebenen Christen damaliger und späterer Zeiten.

 

Paphnutius, der Einsiedlermönch, durchwanderte einmal die Wüste, um die Wohnplätze der Einsiedler und ihren frommen Lebenswandel zu erkunden. Öfters war er in Gefahr, dem Hunger und der Ermüdung zu erliegen, Hilfe von oben rettete ihn. Einst nun, so erzählt er, da ich von meiner Ermüdung ausruhte, sah ich von fern einen Mann mit schrecklichem Aussehen, der wie ein Tier auf allen Seiten mit Haaren überwachsen war, und seine Haare waren so lang, dass sie ihm zu einer Decke dienten. Statt eines Kleides war er nur um die Lenden mit einigen Blättern und Kräutern umgürtet. (In der christlichen Kunst wird deshalb die Darstellung des heiligen Onuphrius als „wilder Mann“ bezeichnet.) Furcht und Staunen ängstigten mich. Schnellen Laufes floh ich auf den nächsten Berg. Da rief der Mann mir zu: „Mann Gottes, steige vom Berg herab! Fürchte dich nicht, denn ich bin auch ein sterblicher Mensch, dir ähnlich.“ Dadurch getröstet, stieg ich herab und warf mich furchtsam dem heiligen Mann zu Füßen. Er aber ließ nicht zu, dass ich kniete. „Steh auf,“ sprach er, „steh auf! Du bist ein Diener Gottes und heißest Paphnutius, ein Freund der Heiligen!“ Ich glühte vor Verlangen zu erfahren, wer er wäre, welche Lebensart er führte. So erzählte er:

 

„Ich Unwürdiger heiße Onuphrius (Onophrius, Sohn eines abessinischen Stammesfürsten). Nicht weniger als 70 Jahre lebe ich schon mühselig in dieser Wildnis. Ich habe oft mit wilden Tieren zusammengelebt. Statt des Brotes aß ich immer nur genießbare Wurzeln, auf Bergen, in Höhlen und Tälern beherbergte ich meinen elenden Körper. So viele Jahre sah ich niemand als nur dich. Nahrung erhielt ich von keinem Menschen. Ich wurde in einem Kloster der Thebais, in Hermopolis, erzogen. Dort lebten fast hundert Mönche. Ihr Leben war so beschaffen, dass sie in Sinn und Tat einander glichen, mit einem Herzen und dem nämlichen Geist sich dem Joch und der Zucht der heiligen Regel unterwarfen. Was dem einen gefiel, das gefiel allen. Mit heiligem Herzen, reinem Glauben und vollkommener Liebe wandelten sie vor Gott. Sie ließen Tag und Nacht nicht ab, ihm zu dienen in Sanftmut und Geduld. Ihre Enthaltsamkeit und ihr Stillschweigen war so groß, dass keiner es wagte, ein Wort mehr zu reden, als er aus gutem Grund fragen und antworten musste.“

 

Wie ist es so schön, wo Brüder in Eintracht beisammen wohnen. Und doch entsagte Onuphrius der lieben Gemeinschaft. Die Brüder rühmten das Leben des Propheten Elias, der in großer Enthaltsamkeit in der Wüste sich aufhielt. Auch das Beispiel des seligen Johannes des Täufers stellten sie ihm vor, leuchtend in besonderem Glanz. „Sind die, die in der Wüste leben, stärker oder schwächer als ihr“, fragte der opferbegierige junge Mann. Und die Brüder bekannten: „Stärker sind sie, mein Sohn, weil sie ohne menschliche Hilfe leben. Wir sehen einer auf den anderen und feiern vereint den göttlichen Dienst. Wenn wir manchmal Speise wollen, so finden wir sie bereitet. Wenn uns je eine Krankheit oder menschliche Gebrechlichkeit befällt, unterstützt uns die Sorgfalt der Brüder mit aller Emsigkeit. Wir wohnen in hellen Gebäuden. Sie bedecken uns vor der Hitze der Sonne und schützen uns gegen den Strom des Regens und gegen die Unbilden des Windes und Gewitters. Aber die Einsiedler in der Wüste empfangen keinen Trost, außer von Gott. Wenn sie bisweilen Angst und Trübsal leiden, wenn sie mit dem Teufel, dem Feind des Menschengeschlechtes, kämpfen, wer steht ihnen bei? Es ist kein Zweifel, dass es in der Wüste, wo jedes Bedürfnis mangelt, recht viel Mühsal gebe.“

 

Diese Mühsal und ihren herrlichen Himmelslohn suchte der Heilige. In stiller Nacht brach er auf und zog fort, auf die Vorsehung vertrauend. Gottes Engel erschien ihm als Führer. Nach langem Marsch stand der Wanderer vor einer Grotte, aus der auf Anruf ein ehrwürdiger Greis hervortrat. Er bot dem Ankömmling den Friedenskuss und sprach: „Du bist mein Bruder, Teilnehmer am Einsiedlerleben. Komm herein, mein Sohn! Gott gewähre dir, dass seine Frucht in dir bleibe! Dein Werk möge seinen Augen wohlgefällig sein!“ Nachdem der weise Altvater den neuen Novizen mehrere Tage liebevoll belehrt hatte, gab er ihm die Weisung: „Mein Sohn, stehe auf und geh mit mir fort! Du sollst in das Innere der Wüste eindringen und einsam in einer anderen Höhle wohnen. Wenn du da als Mann kämpfst, wirst du die Versuchungen Satans überwinden. Gott will in dieser Wüste dich prüfen, ob du seinen Geboten treu gehorchen willst. „Getreu sind alle seine Gebote, bestätigt auf immer und ewig, gemacht in Wahrheit und Gerechtigkeit.“ (Psalm 111,7-8) Sprachs und stand auf und ging mit seinem Schüler vier Tage lang immer tiefer in die Wüste hinein, bis sie an einen Ort kamen, der Kalidiomea hieß. Da standen auch Palmen mit ihrer Frucht. „Siehe da den Ort, den dir der Herr zur Wohnung bereitet hat“, belehrte ihn der Mann Gottes. Noch dreißig Tage blieb er bei ihm, mit aller Sorgfalt ihn mahnend, die Lehre der Gebote Gottes zu halten. Dann befahl er den Onuphrius in einem Gebet dem Herrn und schied von dannen. Alljährlich einmal pflegte er wieder zu kommen und in unvergleichlichen Zusprüchen ihn zu ermuntern, wie er mit Eifer und in Einfalt leben sollte. So kam er ein letztes Mal und starb vor den Augen des betrübten Schülers, der nun lange, lange Jahre allein blieb, ohne einem Menschen zu begegnen. Jetzt nun sollte auch seine beschwerliche, der Welt verborgene Pilgerfahrt enden. Gottes Geist hatte ihm den Paphnutius zugeführt.

 

Dieser sprach, als der heilige Mann Onuphrius diese ganze Erzählung geendet hatte: „Heiliger Vater, jetzt erkenne ich schon, dass du in dieser Wüste keine geringe Mühsal ausgestanden hast.“ Der Vielgeprüfte antwortete: „Glaube mir, geliebtester Bruder, ich habe in der Wüste geduldet, dass ich oft glaubte, der Tod würde mich überwältigen. Ich habe oft alle Hoffnung zum Leben aufgegeben und fühlte kaum mehr einen Atem mit mir. Am Tag sengte mich die Hitze und das Feuer der flammenden Sonne. Bei Nacht wurde ich vom Tau und dem Reif gequält und vom Hunger und Durst entkräftet. O, wie Vieles und Großes habe ich gelitten! Es geziemt sich nicht die Leiden und Beschwerden zu erzählen, die der sterbliche Mensch aus Liebe zum ewig lebenden Gott ertragen muss. „Der Herr wird den Heiligen ihr Leiden vergelten“ (Weisheit 10). Er ist mächtig genug, mich dafür mit himmlischen Reichtümern unter den Scharen der Engel zu trösten. Körperliche Nahrung habe ich verachtet, um würdig zu werden, geistige dafür zu erlangen. Der heilige Engel brachte mir täglich Brot und ein gewisses Maß Wasser, um meinen Körper zu stärken, damit er nicht erlag und unablässig im Lobe Gottes ausharrte. Ich sammelte auch die Frucht von den Palmen und aß sie statt des Brotes und fügte dazu Blätter von Kräutern, und sie waren in meinem Mund süß wie Honig. Mein Bruder, wenn du dich befleißest, Gottes Willen zu tun, so wird er dir alles Notwendige gewähren.“

 

Auf besonderes Befragen gestand noch der selige Altvater: „Jeden Sonntag oder Sonnabend finde ich den Engel des Herrn bereit, der mir den hochheiligen Leib und das Blut unseres Herrn Jesus Christus bringt. Von seiner Hand werden mir diese köstlichen Gaben zum ewigen Heil meiner Seele gereicht. Diese Freude wird auch anderen Einsiedlern zuteil.“

 

Paphnutius, der mit vieler Verwunderung die Geschichte des würdigen Dieners Gottes gehört hatte, schätzte sich glücklich, ihn gefunden zu haben. Die folgende Nacht brachten sie im Lob Gottes hin, beinahe ohne zu schlafen. Am Morgen nach der Stunde des Gebetes schien des Onuphrius Antlitz durch Blässe ganz verändert. „Erschreck nicht, Bruder Paphnutius“, erwiderte der Greis auf Befragen. „Der allmächtige Gott hat dich geraden Wegs in diese Einöde geleitet, damit du ehrenvoll meinen Leib der Erde übergibst; denn noch in dieser Stunde wird meine Seele von den Fesseln dieses Leibes gelöst und zu ihrem Schöpfer in das himmlische Reich getragen. Liebevollster Bruder, wenn du wieder nach Ägypten zurückkommst, so gedenke meiner in Gegenwart meiner Brüder und im Angesicht aller, die Christus ehren. Dies ist mein Verlangen, dessen Gewährung ich von Gott dem Herrn erhalten habe. Wenn jemand aus Liebe zu meinem Namen vor dem Angesicht unseres Herrn Jesu Christi und zu seinem Lob ein Opfer bringt, so wird er von aller Versuchung des Teufels frei und der ewigen Erbschaft im Himmelreich teilhaftig. Wenn jemand kein Opfer bringen, auch den Armen kein Almosen geben kann, so strecke er seine Hände aus zum Herrn und bete dreimal mit aufmerksamem Gemüt und im Namen der heiligen Dreifaltigkeit das Gebet des Herrn, nämlich das Vaterunser, so werde ich für ihn beim Herrn fürbitten, dass er das himmlische Leben mit allen Heiligen Gottes erlangen möge.“

 

So sprach der Sterbende noch manchen Segenswunsch für den vor ihm liegenden Jünger, betete dann unter Tränen zu Gott, beugte die Knie und rief: „In deine Hände, o Herr, empfehle ich meinen Geist!“ Ein glänzendes Licht umstrahlte ihn, und im Glanz dieses Lichtes ward die heilige Seele vom Körper gelöst. Die himmlischen Heere, von deren Gesängen die Luft widerhallte, führten den bewährten Kämpfer in den Himmel ein.

 

Die Verehrung des heiligen Onuphrius ist in der griechischen wie römischen Kirche groß und hat sich besonders seit den Kreuzzügen in Italien, Spanien, Frankreich und Deutschland ausgebreitet. In Rom ist auf dem Janikulusberg eine ihm geweihte, bekannte Kirche, in der Reliquien von ihm verehrt werden. Als im Jahr 1171 der bayerische Herzog Heinrich der Löwe die Einsiedeleien der ägyptischen Wüste besuchte und von der Macht der Fürbitte des Heiligen hörte, wählte er ihn zu seinem besonderen Schutzpatron und erbat sich ein Bildnis und eine Reliquie, einen Teil der Hirnschale, die er nach München brachte. Von seiner Verehrung daselbst legt das große Bild des Heiligen auf dem Eiermarkt Zeugnis ab.

 

Der allmächtige Gott verlässt die nicht, die auf ihn hoffen, und umgibt sie mit den Waffen seiner Allmacht. Der Anfall Satans kann sie nicht niederwerfen, da die Höhe der göttlichen Barmherzigkeit sie schützt. Sie schöpfen aus dem Felsen, der Christus ist, denn es steht geschrieben: „Die Heiligen, die auf den Herrn hoffen, erneuern ihre Kraft, befiedern sich wie Adler, fliegen und ermatten nicht, laufen und ihre Schritte werden nicht ausgleiten.“ (Jesaja 40,31)

 

Der heilige Marinus, der heilige Zimius und der heilige Vimius, Mönche, Einsiedler, Glaubensboten im Altmühltal, + 1153 und 1155 – Fest: 12. Juni

 

Im schönen Altmühltal, bei dem Städtchen Dietfurt in der Oberpfalz, liegt das anmutige Dörfchen Griesstetten, klein zwar, aber weithin bekannt durch seine schöne Wallfahrtskirche mit ihrem kostbaren Heiligtum. Sie enthält nämlich die Reliquien dreier Heiligen, die hier freiwillig in der Fremde, oder wie man sich damals ausdrückte, im „Elend“, in freiwilliger Verbannung lebten. „Elende“ (althochdeutsch alilanti) bedeutet also so viel wie fremdländische Heilige.

 

Mehrere Jahrhunderte hindurch ist auf der grünen „Insel der Heiligen“, in Irland, wie auch in Schottland und England ein eigenartiger Zug zu beobachten, ein religiöser Wandertrieb, der diese frommen Gottsucher Haus, Familie und Vaterland verlassen ließ, um Christus nachzufolgen, der unsertwillen auch ein Fremdling geworden ist au dieser tränenreichen Erde. Ganz der Ewigkeit lebend, besuchten sie meist die heiligen Stätten in Rom und Palästina und ließen sich dann irgendwo in einsamer (Man nannte solche Einsiedler auch „fälige“ = einsame Heilige.) Waldgegend nieder, wo sie dann durch Wort und Beispiel der Nachbarschaft oder einem weiteren Landstrich zum Segen wurden. Solcher Art waren unter vielen anderen auch unsere drei elenden Heiligen. Nach einer aus alten Urkunden vom Schottenkloster St. Jakob in Regensburg aufgezeichneten Überlieferung sind die zwei schottischen Benediktiner und Pilger Zimius, der Priester war, und Vimius, ein Laienbruder, auf ihrer Wallfahrt durch Bayern nach Griesstetten gekommen. Sie übernachteten in einer Waldhütte oder Höhle in der Nähe der Altmühl. Im Traum glaubten beide die Mahnung zu vernehmen, an dieser Stelle zu bleiben. Sie gefiel ihnen auch ganz gut und zu alledem hörten sie, dass der Platz ohnehin den Schotten in Regensburg gehöre, also ihren Landsleuten, die auf gleiche Weise nach Deutschland herübergekommen waren und sich ums Jahr 1075 eine klösterliche Niederlassung in Regensburg gegründet hatten. Dorthin wendeten sie sich nun und holten sich vom Abt Demetrius, dem zweiten Schottenabt jenes Klosters, die Erlaubnis, an dem erwählten Ort an der Altmühl sich niederlassen zu dürfen. Hier begannen sie ums Jahr 1140 ihr Einsiedlerleben.

 

Der damalige Prior des Schottenklosters zu Regensburg, Pater Marinus, kam öfters in die neue Klause heraus, um sich nach seinen Brüdern umzusehen. Diese waren ja vom selben Orden und hatten sich offenbar in gewisser Art dem Regensburger Kloster, dessen Grund sie bewohnten und bebauten, unterstellt. Ein echter Mönch will doch immer unter dem Gehorsam leben. Dem Marinus gefiel es aber bei Zimius und Vimius so gut, dass er beschloss, sich ihnen zuzugesellen. Die Erlaubnis wurde ihm zuteil und so führten denn nun alle drei miteinander ein klösterliches heiligmäßiges Leben, ein Leben der Selbstheiligung, des Gebetes und der Arbeit. Ihre alte Lebensbeschreibung im Schottenarchiv zu Regensburg fasst ihr Lob in den einzigen Satz zusammen: „Sie lebten als wahre Benediktinermönche“. Das ist wohl wenig, was uns von ihrer Tätigkeit aufgeschrieben ist, und doch ist es viel, sehr viel.

 

Ein Freund der Benediktinermönche sagt von diesen Männern: „Seht doch jene wunderbare Schar von Aposteln, Bekennern, Lehrern und Blutzeugen, die, aus der Klostereinsamkeit hervorgehend, die christliche Familie in ganz einziger Weise begründet, gefestigt und erweitert haben! Dem Apostolischen Stuhl schenkten sie die berühmtesten Päpste (im Ganzen vierzig), den Kirchen die heiligen Bischöfe (mehr als fünftausend), den Fürsten die weisesten Ratgeber. Den Gläubigen aber wurden sie die fruchtbarsten Erzieher, Hirten, Friedensstifter und Fürsprecher, ja um alles mit einem Wort zu sagen, den wiedergeborenen Gotteskindern wurden sie Väter, Väter voll Zärtlichkeit und treuer Liebe. Wer kann je würdig loben diese aus dem Heiligen Geist geborene zahlreiche Familie der Mönche, die dem himmlischen Bräutigam eine solche Fülle von Tugendfrüchten eintrug, eine solche Menge von Seelen gewann? Solcher Art waren in kleinem Kreis auch die drei sonst ja wenig bekannten Griesstetter Fremdlinge. Als wahre Ordensmänner suchten sie zuerst das Reich Gottes für sich. Sie wollten ihre Seelen vervollkommnen und ungeteilt Gottes Herrschaft unterwerfen. Ist doch der Ordensstand der Stand der nach Vollkommenheit pflichtgemäß strebenden Christen. Gottes Verherrlichung steht ihm obenan. Diese förderten sie durch Darbringung des heiligen Opfers und durch eifriges Gebet. Die aufgehende Sonne traf unsere heiligen Einsiedler auf den Knien; mit den heißeren Sonnenstrahlen stieg auch die Glut ihrer Andacht. Hatte sich der Tag zu Ende geneigt, so suchte ihre Seele Ruhe in der Vereinigung mit Gott, und zogen die Sterne funkelnd auf am nächtlichen Himmel, dann sandten auch die Beter oft noch ihre Seufzer empor nach dem himmlischen Vaterland, das ja einzig das Ziel ihrer Wünsche war.

 

Dazwischen pflegten die „Elenden“ mit allem Fleiß die Arbeit und zwar schwere körperliche Arbeit. Sie führten den Pflug und schafften die Arbeit der Knechte. Der nahe „Ansiedelhof“, wie er noch jetzt heißt, ist der Beweis, dass in die Anstrengungen, die es gekostet hat, fruchtbare, gut bebaute Fluren zu schaffen, ihr Schweiß und Mühen sich gemischt haben. Die Lebensbeschreiber unserer tätigen fremden Mönche heben hervor, dass sie Kinder angesehener und vornehmer Leute ihres Landes gewesen seien. Nicht die Not hat sie zur Auswanderung gezwungen. Sie hätten zu Hause Gelegenheit gehabt, Vergnügen und die Bequemlichkeiten der Welt zu genießen. Was sie trieb, die schwere Arbeit mit dem armen Volk zu teilen, das war die innige Liebe zum Heiland, der ja auch für unser Heil so mühevoll gearbeitet hat, das war der lebendige Glaube, dass Gott, der seinen Engel gesendet, um den blutigen Schweiß von der Stirn des Erlösers zu trocknen, auch ihnen seinen Engel senden werde, um die Schweißtropfen ihrer Stirn zu zählen und die Seufzer aufzunehmen, die aus ihrer Brust kamen, wenn sie unter der freiwillig, aus Liebe zu Gott übernommenen Tageslast ermüdeten. Marinus, Zimius und Vimius zählen nicht zu den Aposteln und Glaubensboten unseres Landes, was sie aber brachten und predigten, war das Evangelium der Tat. Durch ihr anregendes Beispiel, ihren Opfersinn, ihr heiliges Gebets- und Arbeitsleben wurden sie die Wohltäter und Kulturträger des Altmühlgrundes. Die Liebe und Verehrung des dankbaren Volkes folgte ihnen denn auch schon bei Lebzeiten und noch mehr nach ihrem Tod als Lohn ihrer gesegneten Tätigkeit.

 

Prior Marinus starb ums Jahr 1153. Der Schottenabt Christian III. ließ ein Jahr darauf oberhalb der Einsiedelei zu Ehren des heiligen Bischofs Martinus ein Kirchlein bauen und darin den Leichnam des seligen Marinus beisetzen. Die beiden Genossen Zimius und Vimius folgten bald im Tod nach, 1155, und fanden ebenfalls im neuen Gotteshaus ihre Begräbnisstätte.

 

Im Jahr 1689 wurden die heiligen Leiber von Albert Ernst Graf Wartenberg, Weihbischof von Regensburg, erhoben und in die Mauer hinter dem Hochaltar eingeschlossen, so dass sie nun der Verehrung der Gläubigen auf eine würdigere Weise offenstanden. Aus jener Zeit berichtet der genannte Weihbischof zwei wunderbare Heilungen, eine an einem Mann, der seit drei Jahren ganz zusammengezogene Glieder hatte, die andere von der Prinzessin Violenta, der Schwester des Kurfürsten Max Emanuel von Bayern. Sie hatte ein unheilbares Geschwür an der Wange und war von den Ärzten aufgegeben worden. Auf ein Gelübde hin, das ihre Mutter Adelheid machte, genas sie durch die Fürbitte der drei elenden Heiligen ohne alle natürliche Mittel. Nachdem noch von den Schotten in Regensburg 1747 eine neue größere Kirche, die jetzige, erbaut worden war, ging man 1847 daran, die Reliquien der drei Heiligen neu zu fassen. Eine langjährige Untersuchung in Regensburg und Rom über die Erlaubtheit ihrer öffentlichen Verehrung kam zu einem günstigen Abschluss. Die endliche Übertragung der Reliquien von Dietfurt nach der neuen Kirche in Griesstetten am 2. Juli 1862 wurde auf die feierlichste Weise unter Anteilnahme einer unübersehbaren Menschenmenge begangen. Die Seelsorge in Griesstetten besorgen jetzt die Franziskaner von Dietfurt, die das Erbe der drei heiligen Schotteneinsiedler würdig fortsetzen und sich auch um die Förderung ihrer Verehrung große Verdienste erwarben.

 

 

Gebet und Arbeit sind fester Stab und starke Stütze für jeglichen Pilger auf der mühereichen Reise ins himmlische Vaterland.

 

Gebet am 12. Juni

 

Schmerzensreiche Mutter Maria! Von dir gelten die Worte der Schrift: "Sie weint des Nachts ohne Aufhören und ihre Tränen laufen über die Wangen, keiner ist von allen ihren Lieben, der sie tröstete." Du hast selbst die Bitterkeit der Verlassenheit erfahren, hast selbst den Kelch der Leiden getrunken. Jetzt bist du gekrönt, erhöht und genießt ewigen Lohn. Blicke gnädig auf mich nieder in meiner Bedrängnis, lindere meine Not, mildere meine Pein, und sprich zu mir: fürchte dich nicht, ich will dein Schutz sein, deine Tränen trocknen, für dich bei Gott sprechen und dir Hilfe und Trost erwirken. Amen. 

 

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Johannes von Facundo

 

O Gott, Du Urheber des Friedens und der Liebe, der Du dem heiligen Johannes die Gnade verliehen hast, Uneinige zu versöhnen, verleihe uns durch seine Fürbitte und seine Verdienste, dass wir in der Liebe zu Dir fest gegründet, durch keine Versuchung von Dir getrennt werden, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Onuphrius

 

O Herr, der Du den heiligen Onuphrius so viele Jahre in einem so unglaublichen Leben durch die einzige Betrachtung Deines Leidens erhalten hast, verleihe uns auf seine Fürbitte hin, dass uns eben dieser Beweggrund in allen Prüfungen, die Du über uns kommen lässt, stärken möge. Amen. 

 

Andacht am 12. Juni:

 

Das Thema im Juni:

Vom Gehorsam

"Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen." (Matthäus 23,3)

 

"Der böse Geist, der da weiß, dass kein Weg schneller auf den Gipfel der Vollkommenheit führt als der Weg des Gehorsams, wendet manche Menschen unter dem scheinbaren Vorwand des Guten von der Übung dieser Tugend ab." (Die heilige Theresia von Avila)

Die heilige Brigitta fühlte sich sehr zu körperlichen Bußwerken angezogen und ergab sich ihnen mit ungemessenem Eifer; ihr Beichtvater, der dies wahrnahm, wollte sie von diesem Fehler heilen und untersagte ihr einen Teil der Abtötungen, die sie zu betreiben pflegte. Die Heilige gehorchte ihm, doch nicht ohne sich zu grämen, das sie fürchtete, sie würde dadurch Schaden leiden. Indessen wurde sie vom Herrn belehrt und getröstet, und sie vernahm seine innere Stimme, die sprach: "Wenn von zwei Menschen, die beide das Verlangen haben, zu fasten, jener, dem dies frei steht, fastet; der andere aber, ungeachtet seines Verlangens, nicht fastet, weil er unter dem Gehorsam steht, der ihm dies verbietet, so bekommt der erste eine Belohnung, der andere aber zwei; denn er wird sowohl für sein Verlangen zu fasten, als für den Gehorsam belohnt, wodurch er seinen Willen zu tun unterlässt."

 

Mein Gott, welches Gute könnte ich auch vor Deinen Augen tun, das noch den Namen Gutes verdiente, wenn ich mich weigerte, denjenigen zu gehorchen, die mir an Deiner Statt gebieten! Ehren also will ich Dich in ihnen, und ihnen gehorchen, also gehorche ich Dir selbst; denn Deinen Willen vollbringe ich, wenn ich den Willen derjenigen vollbringe, die Du mir zu Vorgesetzten gegeben hast! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 12. Juni

 

"Die Unbeständigkeit erzeugt das Vergessen Gottes,

der Wahrheit, aller Tugend,

und bringt zuweilen so große Verirrungen,

dass wir nicht mehr wissen was wir tun sollen."

 

gottsel. Johannes Tauler OP

1300 bis 16.6.1361

 

Betrachtung am 12. Juni - Die wahre Frömmigkeit ist nicht wunderlich

 

O gib mir, Jesus, deiner Sanftmut Sinn;

Er lehre mich der Liebe Klippen fliehen

Und andere zu deinem Dienste ziehen;

Dies ist der Tugend seligster Gewinn,

Die nur durch deine Liebe sich ernährt,

Und durch Geduld in Liebe sich bewährt.

 

1. Die wahre Frömmigkeit ist einfach in ihrem Leben, und zeichnet sich nicht sowohl durch ihre Handlungen, als durch die reine Absicht bei ihnen aus. Sie spricht, erfreut und unterhält sich sogar auf verdienstvolle Weise, weil sie Gottes Gegenwart nie aus den Augen verliert, und ist auch, selbst im Umgang mit den Kindern dieser Welt, so freundlich, dass sie sie nicht ablehnen können. Darum waren auch die größten Heiligen gewöhnlich die Freundlichsten aller Menschen. Also ließ auch unser liebevoller Erlöser, wie streng auch seine Sittenlehre war, dennoch sich herab, bei einem Pharisäer, bei einem Zöllner zu speisen, einer Hochzeit beizuwohnen, und so freundlich mit den Sündern sich zu unterhalten, dass man den Leib selig pries, der ihn getragen hatte.

 

2. Dieser göttliche Heiland muss auch hier unser Vorbild sein. Nur eine falsche Frömmigkeit ist wunderlich, schwierig, und verstößt gegen gute Gebräuche der Gesellschaft. Immer lehrt und ermahnt sie zur Unzeit, arbeitet und wacht, wenn sie ruhen, sammelt sich im Innern, wenn sie unschuldig sich erheitern sollte, fällt durch ihre Rechthaberei und ihren Tadel allen zur Last, und wirkt durch ihr sonderbares Betragen dahin, dass sie manche guten Seelen verscheucht, die sie leicht hätte zu Gott führen können, wenn sie weniger eigensinnig und liebevoller im Umgang wäre. Hüten wir uns vor diesem Weg, wodurch die wahre Frömmigkeit verkannt und verhasst wird.

 

3. Immer ist die wahre Frömmigkeit vom Geist der Liebe beseelt, die, wie der Apostel spricht, "geduldig, gütig ist, alles erträgt, nichts Böses denkt" (1. Korinther 13), nach den verschiedenen Gemütern sich richtet, mit den Fröhlichen sich erfreut, und mit den Weinenden weint. Der heilige Apostel, der diese Lehren erteilt, übte sie selbst mit wundersamer Anmut, und zielte durch die Sanftmut seines Lebens dahin, allen Liebe zur Frömmigkeit einzuflößen, wie er auch selbst spricht: "Auch ich suche allen in allem entgegenzukommen; ich suche nicht meinen Nutzen, sondern den Nutzen aller, damit sie gerettet werden." (1. Korinther 10,33) "Du aber, . . . strebe unermüdlich nach Gerechtigkeit, Frömmigkeit, Glauben, Liebe, Standhaftigkeit und Sanftmut." (1. Timotheus 6,11) 

 

13. Juni

 

Der heilige Antonius von Padua, Priester und Kirchenlehrer,

+ 13.6.1231 - Fest: 13. Juni

 

Vor ungefähr sechshundertfünfzig Jahren wurde in Lissabon, der Hauptstadt Portugals, ein Junge geboren, der bei der Taufe den Namen Ferdinand erhielt. Gewöhnlich nannte man ihn kurzweg Ferdi.

 

Bald stellte es sich heraus, dass Ferdi ein kluger Kopf war. In der Schule war er den anderen Kindern weit voraus, und die Antworten, die er gab, waren stets richtig. Das kam daher, weil er im Unterricht gut aufpasste. Auch las er alle Bücher, die er in die Hand bekam. So kann man es verstehen, dass Ferdi, als er mit fünfzehn Jahren vor die Wahl gestellt wurde, ob er Offizier oder Staatsmann werden wolle, weder das eine noch das andere wählte, sondern ins Kloster ging, nur damit er immer weiterlernen konnte. Er wollte nämlich ein großer Gelehrter werden.

 

Als Ferdi acht Jahre studiert hatte, empfing er die heilige Priesterweihe, und bald danach sollte er Professor werden. Es kam jedoch anders. Gerade zu der Zeit nämlich wurden die sterblichen Überreste von fünf Franziskanern, die kurz zuvor als Missionare in Afrika den Martyrertod erlitten hatten, unter großen Feierlichkeiten nach Portugal zurückgebracht. An den Leichen der Glaubenshelden kam Ferdi zu der Erkenntnis, dass es weit ehrenvoller sei, ein Martyrer zu werden. Er trat deshalb in den Franziskanerorden ein, und von da an führte er den neuen Klosternamen Antonius.

 

Von der ersten Stunde an, die Antonius bei den Franziskanern zubrachte, brannte er darauf, als Missionar nach Afrika zu ziehen, um möglichst schnell den Martyrertod für den Glauben zu erleiden. Der Ehrgeiz trieb den jungen Ordensmann auf diesen Irrweg, er wollte, koste es, was es wolle, berühmt werden.

 

Schließlich gaben die Oberen dem beharrlichen Drängen des Strebers nach. Froh bestieg Antonius in Lissabon das Schiff und fuhr, wie er meinte, dem Ruhm entgegen, aber es kam anders. Alles ging ihm schief. Schwerkrank kam er in Afrika an. Lange schwebte er zwischen Leben und Tod. Von der Verkündigung des Evangeliums konnte da keine Rede sein und vom Martyrertod auch nicht, und so stieg in Antonius die Überzeugung auf, dass Gott nicht als Missionar wollte. Dabei erfüllte ihn immer mehr der Gedanke, dass der wahre und wirkliche Ruhm eines Christen in Armut und Demut und Niedrigkeit bestehe. So war es doch auch bei Christus, der Gott war und Mensch wurde. Von nun an wollte daher der junge Mann mit großem Herzen allein nach diesem Ruhm streben.

 

Antonius fuhr heim. Doch ein Sturm trieb das Segelschiff vom richtigen Weg ab, und anstatt in Lissabon zu landen, strandete das Schiff an der italienischen Küche. Wieder war alles schief gegangen, aber nun war Antonius auf der geraden Straße zum wahren christlichen Ruhm in der Niedrigkeit, denn in Italien kannte ihn keiner, niemand wusste von seiner Gelehrsamkeit, und so arm war er geworden, dass er außer dem zerrissenen Ordenskleid nichts mehr besaß.

 

Da beschloss Antonius, zu Fuß nach Assisi zu wandern, wo sich damals eine große Anzahl Brüder um den heiligen Ordensstifter Franziskus versammelte. Der junge Mönch machte sich auf den Weg, und als er in Assisi ankam, verschwand er, fremd und unbeachtet, in der Menge der Brüder, denn niemand wusste etwas von seiner Gelehrsamkeit, und als die Versammlung sich auflöste, nahm sich einer der Vorsteher des scheinbar unwissenden Ordensbruders aus Gutherzigkeit an und brachte ihn in ein armes Kloster. Dort sollte der Fremde den älteren Mönchen als dienender Bruder zur Hand gehen. Da also hatte Antonius den Ruhm in der Niedrigkeit nach Christi Beispiel gefunden.

 

Doch nach einem Jahr kam nach Gottes Fügung wieder alles ganz anders. Es war da einmal eine Primiz. Viele Brüder, Franziskaner und Dominikaner, waren anwesend, und der Bischof forderte einen nach dem anderen auf, eine Festpredigt zu halten. Aber einer nach dem anderen entschuldigte sich, er habe die Predigt nicht studiert und unvorbereitet könne er nicht reden. Zuletzt forderte der Bischof den Bruder Antonius auf, den alle für unwissend hielten. Antonius sträubte sich anfangs, indem er sagte, er möchte lieber das Küchengeschirr reinigen, das könne er gut. Als aber der Bischof darauf bestand, begann der schlichte Bruder zu reden. Zuerst sprach er einfach und schlicht, so dass die Franziskaner bereits anfingen, sich vor den anwesenden Dominikanern zu schämen. Dann aber kam das Feuer über den Prediger, und er redete so warm und erleuchtend, dass alle nachher erklärten, nie im Leben solch herrliche Worte gehört zu haben.

 

Von Stunde an hatte Antonius keine Ruhe mehr. Überall musste er predigen. Wo er auftrat, eilten die Leute in Scharen herbei. Bis zu dreißigtausend Zuhörer hat man manchmal bei seinen Predigten gezählt. Ziemlich scharf waren seine Worte, wenn es nötig war. Doch häufiger noch sprach er voller Liebe und Milde. Auf seine Predigten hin änderten unzählige Menschen ihr Leben. Neid und Hass verschwanden, und wo bisher die bösen Taten wucherten, blühten die guten Werke. Besonders nahm sich Antonius der Armen und Bedrückten an, und das tut er bis heute, denn sonst würden nicht Millionen Menschen sich in tausenderlei Nöten an denjenigen wenden, der einer der größten Nothelfer aller Zeiten geworden ist.

 

Am 13. Juni 1231 starb der heilige Antonius in Padua, wo er die letzte Lebenszeit verbrachte und wo er auch begraben wurde, nach einem Leben voller Arbeit im Dienst für Gott und die Menschen.

 

Gebet zum heiligen Antonius am 13. Juni

 

Heiliger Antonius von Padua, der du durch deinen heiligen Lebenswandel und durch deine Predigten so viele Menschen für Gott wiedergefunden hast, die verloren waren, erbitte mir bei Gott die Gnade, dass ich die Unschuld meiner Taufe wiederfinde und bei Gott Barmherzigkeit erlange, um mit dir vereint ihn einst ewig loben und preisen zu können. Amen. 

 

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Antonius

 

O Gott, lass Deine Kirche sich über das Fest Deines heiligen Bekenners Antonius freuen, verleihe ihr auf seine Fürbitte hin Deinen Beistand, und mache sie der ewigen Freude teilhaftig, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Gebet der Kirche

 

O Gott, der Du den glorwürdigen Bekenner, den heiligen Antonius von Padua, mit unvergänglichem Glanz der Wunderwerke erleuchtest, verleihe uns gnädig, dass wir das, was wir durch seine Fürbitte mit Vertrauen begehren, mittelst seiner Verdienste sicher erlangen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Andacht am 13. Juni:

 

Das Thema im Juni:

Vom Gehorsam

"Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen." (Matthäus 23,3)

 

"Es leuchtet deutlich hervor, dass, wer sich geneigt fühlt, gewisse gute Werke zu tun, einer Versuchung unterliegt, wenn er gegen den Gehorsam handelt; denn wenn Gott einem Herzen Eingebungen zusendet, ist die erste darunter der Gehorsam." (Die heilige Theresia von Avila)

Eine Nonne schrieb dem heiligen Franz von Sales, sie tue nur mit bitterem Leid gewisse Dinge, die sie genötigt sei, aus Gehorsam zu tun; denn sie sei überzeugt, es wäre besser, wenn sie anderes täte. Der Heilige antwortete hierauf: "Es ist ein Hirngespinst, nach seinem eigenen Willen leben wollen, damit man den Willen Gottes um so besser tue. Wie könnte eine so ungeregelte Neigung je eine Eingebung Gottes sein! Barer Widerspruch ist dies. Wer hat je Ähnliches gesehen?"

Wir lesen im Leben der heiligen Gertrud, dass sie unter der Leitung einer Oberin stand, deren Leben zwar sehr beispielhaft, die aber einer rauen und verdrießlichen Gemütsart war. Da nun die Heilige eines Tages zum Herrn flehte, dieser frommen Frau größere Sanftmut und Freundlichkeit zu verleihen, antwortete ihr der Herr: "Warum willst du, meine Tochter, dass Ich sie von einem Fehler befreie, der ihr Anlass gibt, oftmals wegen der Fehler, in die sie durch ihre Eile und Ungeduld verfällt, vor Mir sich zu demütigen? Und was auch hättest du für ein Verdienst, wenn sie sanftmütiger und gefälliger wäre? Ich lasse ihr diesen Fehler, dich zu üben und den Gehorsam dich zu lehren."

 

Nicht mehr nach meinem Eigenwillen, Herr, will ich leben; meine köstlichste Speise soll die Erfüllung Deines immerdar heiligen, immerdar anzubetenden, immerdar liebreichen Willens sein! Du, Herr, flößt mir das Verlangen ein, in allem gehorsam zu sein; o verleihe mir auch die Stärke, ungeachtet meiner Abneigung, standhaft und, Dir zu Liebe, mit Freuden zu gehorchen! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 13. Juni

 

"Wo die Natur zur Befriedigung der Sinne tätig ist,

gibt es nur Mühe, Schmerz, Unruhe und Verdunkelung des Urteils."

 

sel. Heinrich Seuse OP

1298 bis 25.1.1366

 

Betrachtung am 13. Juni - Am Pfingstfest

 

Von der Herabkunft des Heiligen Geistes

 

Deine heil`ge Siebengabe,

Heil`ger Geist, begnade mich;

Sie ist Stärke, Trost und Labe,

Und erleuchtet wonniglich.

Deine süße Gnadenflut

Stillt der bösen Triebe Glut.

 

1. Wie wunderbar, wie hochgewaltig ist die Kraft des Heiligen Geistes. Gleichwie durch einen heftigen Sturm werden bei seiner Ankunft urplötzlich das Haus, wo die Jünger in tiefinnigem Gebet ihn erwarten, und mehr noch die Herzen dieser einfachen und furchtsamen Jünger selbst erschüttert. Und sieh, da leuchtet das Feuer dieses Heiligen Geistes in Gestalt feuriger Zungen über ihnen. Der Allerhöchste, der den Menschen nicht zu einem puren Geist, sondern mit körperlichen Sinnen erschaffen hatte, verschmähte es nicht, ihm unter sinnbildlichen Zeichen zu erscheinen. Und er zeigte durch diesen Sturm die gewaltige Umwandlung, die der Welt bevorstand, und erleuchtete durch dies himmlische Feuer den Verstand dieser Jünger, und entzündete ihr Herz zur feurigsten Liebe.

 

2. Unermesslich ist die Menge der Fremden beim hohen Pfingstfest zu Jerusalem: Männer aus Judäa, aus Pontus, aus Ägypten, aus Lybien, Phrygien, aus den entferntesten Ländern. Und starr vor Erstaunen hören sie diese ungelehrten Fischer, jeglichen in seiner Landessprache, reden. Wer aber ist der gewaltige Redner, der, gleich als wäre er über dem Studium der Schriften ergraut, die Gottheit des gekreuzigten Jesus so siegreich beweist, und die Häupter der Synagoge über ihren Gottesmord so unerschrocken straft, dass diese erzittern, jene aber zu Tausenden an die Brust schlagen und die Taufe begehren? Dies ist nämlich der Petrus, der vor wenigen Tagen noch vor der Stimme einer schwachen Magd gezittert hat. O wunderbare Umwandlung der Rechten des Allerhöchsten.

 

3. Nimmermehr aber versiegte die Kraft dieses Heiligen Geistes. Dies heilige Feuer seiner Liebe wandelte schwächliche Jungfrauen und Kinder in Helden um, die den Glauben an den Gekreuzigten freudig mit ihrem Blut besiegelten. Dies Feuer wandelte und wandelt noch täglich unzüchtige Böcke in keusche Lämmer, Geizige und Ehrsüchtige in entsagende Büßer um, ja es wandelt dich selbst um, - wenn anders du umgewandelt bist, - denn nimmermehr in sich findet der Mensch die Kraft, seinen Lastern und sündhaften Leidenschaften sich zu entreißen. Dies ist die Kraft des Heiligen Geistes, "dies die Liebe Gottes, die ausgegossen ist in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist." (Römer 5,5b)

 

14. Juni

 

Der heilige Basilius der Große, Erzbischof von Cäsarea,

Ordensstifter, Kirchenlehrer,

+ 1.1.379 - Fest: 14. Juni

 

Sehr selten erhält ein Heiliger den Beinamen „der Große“. Geschieht es aber, so ist der betreffende Heilige in Wahrheit ein großer Mensch gewesen. Ein Beweis für die Tatsache ist der Tagesheilige Basilius, ein Mann, groß im Wesen, groß im Wirken, groß im Sterben.

 

In seinem Wesen war Basilius erzkatholisch. Dass er gar nicht anders sein konnte, wird sofort klar, wenn man die Familienverhältnisse betrachtet, unter denen er aufwuchs. Der Großvater war in der letzten römischen Christenverfolgung als Martyrer gestorben, und die Großmutter, Makrina mit Namen, musste sich sieben Jahre lang in den Bergen Kleinasiens verborgen halten. Oft erzählte die edle Frau den Enkelkindern von den vergangenen Zeiten, von der Feigheit der Abtrünnigen und von dem herrlichen Mut der Blutzeugen, und was sie berichtete, erklärte sie durch das leuchtende Beispiel eines christlichen Lebenswandels. So kam es, dass ihre zehn Enkelkinder sämtlich Heilige wurden. Welch ein Segen kann doch von einer guten Großmutter auf die ganze Familie ausstrahlen!

 

Als junger Mann begab sich Basilius nach Athen in Griechenland, um auf der Hochschule zu studieren. Dort schloss er jene berühmte Freundschaft mit dem heiligen Gregor von Nazianz. Weil die beiden Freunde außer dem Weg zur Schule nur noch den Weg zur Kirche kannten, konnte es nicht ausbleiben, dass sie tüchtige Männer wurden, für die der Aufstieg zu hohen Stellungen nur noch eine Frage der Zeit war. Basilius suchte jedoch jenen Aufstieg, der allein sich lohnt, den Aufstieg zum Himmel. Zunächst ging er nach Ägypten, um bei den dortigen Mönchen das Einsiedlerleben kennenzulernen, und als er heimkehrte, gründete er ein Kloster und schrieb eine Ordensregel, die so vortrefflich ist, dass sie heute noch in zahlreichen Klöstern Osteuropas befolgt wird.

 

Die letzten neun Jahre des Lebens, von 370 bis 379, waltete Basilius als Erzbischof in der Heimatstadt Cäsarea. In Wort und Schrift gewandt, war er in schwieriger Zeit der rechte Mann auf vorgeschobenem Posten, der als unerschrockener Streiter gegen die Irrlehrer auftrat. „Inmitten der Kirche“, sagt das Lied, „ließ ihn der Herr seinen Mund auftun. Er erfüllte ihn mit dem Geist der Weisheit und des Verstandes. Er kleidete ihn mit dem Gewand der Ehre.“ Auch darf nicht verschwiegen werden, dass Basilius es war, der in seiner Bischofsstadt Cäsarea das erste christliche Kranken-, Alters- und Armenhaus gründete. Alle späteren Caritasanstalten gehen auf diese erste Stätte der dienenden Barmherzigkeit zurück. Groß war also Basilius in seinem Wirken, groß schließlich auch in seinem Sterben.

 

Damals nahm die arianische Irrlehre eine Vormachtstellung ein, auch der Kaiser bekannte sich zu ihr. Basilius wurde vor Gericht geladen, und der Richter fuhr ihn an, wie er es wagen könne, sich wegen seines katholischen Glaubens dem Kaiser zu widersetzen, dem doch der halbe Erdkreis untertan sei. Der Kaiser könne sein Vermögen einziehen, könne ihn verbannen, könne ihn zur Marter und zum Tod führen. So sagte der Richter, und was Basilius darauf antwortete, muss man als gediegen katholisch ansehen; er sagte:

 

„Mehr kann der Kaiser nicht? Vor all dem habe ich keine Angst. Mein Hab und Gut lasse er ruhig einziehen, ich besitze nur meine Kleider und einige Bücher. Verbannung gibt es für mich keine, denn wo Gott ist, bin ich daheim, und Gott ist überall. Die Marter schreckt mich auch nicht, denn ich bin so mager und gebrechlich, dass ich beim ersten Streich erliege. Was schließlich den Tod betrifft, so könnte mir nichts Besseres zustoßen, weil mich der Tod zu Gott in den Himmel führt.“

 

So sprach Basilius. Es sind herrliche Worte, erzkatholisch, und als der Richter dem mutigen Bekenner entgegnete, so frei habe noch niemand mit ihm zu reden gewagt, erhielt er noch eine zweite katholische Antwort, denn Basilius entgegnete ihm: „Das kommt wohl daher, dass du noch nie mit einem katholischen Bischof zu tun hattest.“

 

Kurz und gut, das prächtige Auftreten des Heiligen machte einen solchen Eindruck, dass man ihn ungeschoren ließ. So kam es, dass Basilius im Jahr 379 eines natürlichen Todes starb.

 

Gebet am 14. Juni

 

O Mutter der Barmherzigkeit, besänftige deinen Sohn. Als du noch auf Erden warst, nahmst du nur eine niedrige Stelle ein, aber jetzt, nachdem du über den höchsten Himmel erhoben bist, jetzt betrachtet dich die ganze Welt als den gemeinsamen Gnadenthron für alle Völker. Wir bitten dich also, o heilige Jungfrau Maria, gewähre uns den Beistand deiner Fürbitte. Amen.

 

Zu Gott

 

O Gott, gib den Dienern der Kirche Eifer und dem Volk Gottseligkeit, damit uns alle der Geist der Liebe vereinige, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Am heutigen Tag hat Papst Pius V. im Jahr 1566 die Rosenkranz-Bruderschaft durch eine Bulle von neuem gutgeheißen und mit Ablässen begnadet: Injunctum nobis desuper etc. 

 

Andacht am 14. Juni:

 

Das Thema im Juni:

Vom Gehorsam

"Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen." (Matthäus 23,3)

 

"Der vollkommene Gehorsam zeigt sich in drei Punkten: in der Ausführung, im Willen und im Urteil. In der Ausführung zeigt sich der Gehorsam, wenn man schnell, freudig und pünktlich vollbringt, was der Vorgesetzte befiehlt; - im Willen, wenn man nur will, was der Vorgesetzte will; - im Urteil, wenn man der nämlichen Meinung wie der Vorgesetzte ist." (Der heilige Ignatius von Loyola)

Die heilige Magdalena von Pazzi gehorchte blindlings, ohne zu urteilen. So oft ihr etwas befohlen wurde, sprach sie: "Die Oberin hat recht; ich will was sie will;" und alsbald tat sie es mit Freude. Als der Herr ihr eingegeben hatte, gewisse große Bußwerke zu tun, besprach sie sich darüber mit der Oberin, die es ihr anfangs nicht gestattete, und sie enthielt sich derselben, solange es ihr nicht erlaubt war, da sie ihrem eigenen Urteil und sogar den Offenbarungen nicht traute, die sie desfalls gehabt hatte.

"Ich bewundere das Kindlein von Bethlehem," sprach der heilige Franz von Sales; "es war so weise, es hatte eine so große Macht, und tat nichts desto weniger alles, was man wollte, ohne ein Wort zu sagen!"

 

Verleihe mir, Herr, dass ich Dir zu Liebe immer vollkommen gehorche, und mit Schnelligkeit, Freude und Pünktlichkeit tue, was immer mir befohlen wird. Blindlings und ohne zu urteilen, will ich in allem gehorchen, wovon ich weiß, dass es keine Sünde ist! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 14. Juni

 

"Der Augapfel der Seele ist der Glaube;

wenn die Eigenliebe ihn mit dem Schleier des Unglaubens bedeckt,

kann sie nicht mehr sehen.

Sie besitzt wohl ein Auge, aber nicht das Licht,

dessen sie sich selbst beraubt hat."

 

hl. Katharina von Siena OP

1347 bis 29.4.1380

 

Betrachtung am 14. Juni - Wirkungen des Heiligen Geistes

 

Entzünde, heil`ger Geist, mit einem Blitz

Der heil`gen Liebe meine kalte Seele,

Und nimm darin dann deinen Wonnesitz:

Dass sie durch dich die göttlichen Befehle

In Schmerz und Freude gleich getreu vollbringe,

Und deiner Gnade Lobgesänge singe.

 

1. Betrachte die wunderbaren Wirkungen des göttlichen Geistes. Den Tröster und den Geist der Wahrheit nennt Jesus ihn, der Zeugnis von ihm geben wird: damit auch wir von Jesus Zeugnis geben. Nimmermehr hätten, ohne die übernatürliche Kraft seines himmlischen Trostes, die Apostel den Tod und alle Leiden besiegt, die sie bei der Verkündigung des Evangeliums erlitten. Und nicht nur bei ihnen, sondern fortwährend wirkt dieser göttliche Geist, seit seiner Sendung, in den Herzen aller wahren Gläubigen. Er kräftigt uns durch den starken Trost seiner Liebe, uns selbst Gewalt anzutun, alle Feinde unseres Heils zu besiegen, und die Gottheit, die Erlösung und das Mittleramt Jesu Christi standhaft gegen alle seine Widersacher zu verteidigen, damit die heilige Kirche bis ans Ende der Zeiten siegreich fortbestehe.

 

2. Dieser Heilige Geist ist auch der Geist der Wahrheit, der irreligiöse Irrsale besiegt und zerstreut, über die Wahrheiten des Glaubens uns innerlich erleuchtet, den Geist des Evangeliums unseren Herzen einprägt, das Nichts vergänglicher Dinge, die Wege des Heils, die unsterblichen Belohnungen der Ewigkeit durch sein innerliches Licht uns zeigt, und unseren Glauben dergestalt kräftigt, dass wir lieber das Leben, als diesen göttlichen Glauben opfern. Sehr viele solcher tapferen Streiter zählte die Kirche zu allen Zeiten. Reihen auch wir uns an sie an, und entsprechen wir den Eingebungen des Heiligen Geistes getreu, denn nur in seiner Schule werden Himmelsbürger erzogen.

 

3. Der Heilige Geist ist wesentlich der Geist der Heiligung in allen Seelen, die zur Heiligkeit gelangen. Prüfen wir aber uns selbst, in wie fern wir seinen göttlichen Anregungen folgten. Sind unsere Gedanken und Absichten geheiligt? Zielen sie nach Gottes Liebe und Verherrlichung? Ist unser Herz von der Welt gelöst? Hassen wir die Sünde über alles? Haben wir unsere Leidenschaften unterjocht? O welche große Arbeit bleibt uns noch, bis wir hierin zur Vollkommenheit gelangen? Doch werden wir nicht mutlos, sondern rufen wir diesen Geist der Wahrheit, des Trostes und der Heiligung inbrünstig an, und seine Gnade wird uns erleuchten und stärken. "Wir wollen Gott so dienen, wie es ihm gefällt, in ehrfürchtiger Scheu." (Hebräer 12,28b)

 

15. Juni

 

Die heilige Germana Cousin, * um 1579,

+ 15.6.1601 in Pibrac bei Toulouse in Frankreich,

Attribute: Schaf und Rosen, Patronin der Hirtinnen

Fest: 15. Juni

 

Am 29. Juni 1867 wurde in Rom in hochfeierlicher Weise ein armes Dienstmädchen (es stand als Hirtin bei einem Bauern in Frankreich in Dienst) unter großen Festlichkeiten heiliggesprochen. Es war das heilige Hirtenmädchen Germana Cousin (französischer Name: Germaine). 46 Kardinäle, 500 Erzbischöfe und Bischöfe wohnten in der Peterskirche, die von 15000 Lichtern beleuchtet war, unter Teilnahme von 54000 Gläubigen dieser Feier bei. Als der Papst von seinem Thron aus nach der Heiligsprechung das Tedeum anstimmte, fingen in allen 300 Kirchen Roms mehr als 1000 Glocken zu läuten an und die Kanonen der Engelsburg verkündeten der Ewigen Stadt, dass eine arme Magd der höchsten Auszeichnungen gewürdigt wurde, dass sie von der Kirche auf die Altäre als Heilige erhoben worden ist.

 

Die Heilige, der in dieser Weise die höchste Ehre zuteil geworden ist und die Gott selbst noch immer ehrt durch Wunderwerke auf ihre Fürbitte, wer ist sie gewesen? Sie war eine ganz arme Hirtin! Aber was hat diese armselige Hirtin nun Großes getan, dass sie von Gott und der Kirche so hoch erhoben worden ist und von so vielen Katholiken schon seit vierhundert Jahren verehrt wird? Sie ist arm gewesen, hat also keine Spitäler bauen, Kirchen errichten, Waisenhäuser stiften können. Sie konnte nicht lesen, nicht schreiben, sie konnte also nicht durch Predigten, religiöse Schriften und Missionstätigkeit bei den Heiden das Christentum verbreiten. Sie war selbst krank, konnte also nicht, wie eine Barmherzige Schwester, sich dem Krankendienst hingeben; sie war im Dorf wie die allergeringste Person für nichts geachtet, sie konnte daher nicht durch ihr Ansehen auf viele Menschen Einfluss üben und der Gemeinde oder dem Vaterland nützlich sein. Sie hat auch nicht lange genug gelebt, um vor der Welt Bedeutendes zu leisten. Warum hat dennoch Gott die Germana so hoch erhoben? Es war ihre lebenslängliche Unschuld, ihre tiefste Demut, ihre Liebe zu Gott, ihre Nächstenliebe und Geduld in den Leiden mit ihrem kranken Leib und bei den gröbsten Beleidigungen und Misshandlungen der Menschen.

 

Dies war es, warum Gott das armselige Hirtenmädchen so hoch erhoben hat, gemäß des Wortes der Heiligen Schrift: „Gott widersteht dem Hochmütigen, dem Demütigen aber schenkt er seine Gnade.“ Dieses Mädchen hat niemals eine schöne Musik gehört, niemals etwas Schönes gesehen, was die menschliche Kunst hervorbringt, niemals die Liebe oder Freundschaft anderer Menschen gehabt, niemals eine gute Speise oder Trank genossen, niemals das Wohlgefühl der Gesundheit gehabt. Die Erde, die Menschen und der eigene Leib haben der unschuldigen Seele nur Leid und Not gebracht. In allen Ländern der Erde wird es kaum eine erwachsene Person geben, die mit einer sündenreinen Seele so vollkommen bis an das Ende des Lebens das dreifache Kreuz Christi ihm nachgetragen hat: Armut, Verachtung und Schmerz. Dieses verkrüppelte, bettelhaft gekleidete, oft hungrige und frierende Mädchen, das oft nicht einmal in einer menschlichen Wohnung übernachten durfte, dieses Mädchen ist die besondere Braut Christi geworden, eben weil sie ihrem Vorbild verwandt und vermählt wurde in Armut, Verachtung und Schmerz. Hat sie auf Erden die Leiden mit ihrem Bräutigam getragen, so hat sie nun auch teil an seiner Herrlichkeit und sie wird ihn begleiten dürfen, wenn er in der Majestät seines Vaters wieder kommen wird, zu richten die lebendigen und die Toten.

 

„Heilige Germana, du Schutzpatronin aller gedemütigten, verachteten und gequälten Menschen, bitte für mich, dass auch ich auf den Wegen der Demut gehe und einst mein ewiges Ziel erreiche!“ So möchte ich am liebsten nach dieser Heiligsprechung immer wieder beten! Es ist und bleibt eben ewig wahr: Das Niedere, das Kleine, das Demütige, hat Gott auserwählt, um das Große, vor der Welt Prunkende, das Stolze zu beschämen. Germana hat sich erniedrigt, sie war die demütigste Magd von allen, darum ist sie erhöht worden. Und jeder von uns, der in seinem Stand demütig bleibt und voll Bescheidenheit das Kreuz seines Lebens und der Arbeit geduldig erträgt und getreu seine Pflichten erfüllt, hat Anspruch darauf, in der anderen Welt, im Himmel, der nicht bloß ein paar kurze Jährlein dauert wie dieses mühselige Erdenleben, sondern ewig, erhöht zu werden. Solch ein stilles, verborgenes Veilchen wie Germana sollen auch wir sein, anspruchslos, bescheiden, gegen jedes Vordrängen, gegen jede vorlaute Rede, gegen jede Eitelkeit und jeden Stolz. Heilige Germana Cousin, bitte für uns!

 

Der heilige Vitus, Knabe und Martyrer von Selo, Italien,

+ 15.6.305 - Fest: 15. Juni

 

Der heilige Vitus oder Veit, ein zwölfjähriger Junge, ist dem Alter nach der jüngste unter den heiligen „Vierzehn Nothelfern“, aber der Verehrung nach nimmt er von allen Vierzehn die erste Stelle ein. Man bedenke nur, dass er der Haupt- oder Nebenpatron von etwa dreizehnhundert mittelalterlichen Kirchen und Kapellen ist. Darüber hinaus gilt er als der himmlische Schutzherr der Länder Böhmen, Sachsen und Sizilien. Man ruft ihn an gegen Epilepsie, gegen Tollwut, Schlangen- und Hundebiss, gegen Blitz, Unwetter und Feuersgefahr, gegen Blindheit und andere Augenkrankheiten, um Schutz für die Haustiere und bei Aussaat und Ernte. Nicht weniger zahlreich sind auch die Leidens- und Berufsgruppen, die Sankt Vitus als Patron verehren. Da sind zu nennen die Körperbehinderten, die Tauben und die Stummen, die Schauspieler, die Kupfer- und Kesselschmiede, die Bergleute, Apotheker, Winzer und Bierbrauer. Auch besorgt der Heilige das Wecken am Morgen, wenn man am Abend vorher zu ihm betet: „Heiliger Veit, wecke mich zur rechten Zeit, nicht zu früh und nicht zu spät, wenn die Uhr auf sieben steht.“

 

Es ist also nicht zu leugnen, dass Sankt Veit bei unseren Vorfahren in hoher Achtung stand, und man begreift die Wertschätzung, wenn man sieht, was die Legende von ihm berichtet.

 

Die große und schöne Mittelmeerinsel Sizilien, die wie ein großer Ball vor der Spitze des italienischen Stiefels liegt, ist die Heimat des heiligen Vitus. Die Eltern waren reiche Leute und lebten herrlich und in Freuden, und weil ihnen bei den ewigen Festlichkeiten, die sie veranstalteten, das kleine Kind überall im Weg stand, gaben sie es zu dem Ehepaar Modestus und Kreszentia zur Erziehung, ohne zu wissen, dass die Leute Christen waren. Dass Vitus bei ihnen gut aufgehoben war, versteht sich von selbst. Und als er etwas älter geworden war und das schöne christliche Leben der Pflegeeltern beobachtete, gefiel es ihm sehr, betete immer mit ihnen und empfing die Taufe.

 

Es scheint, dass der liebe Gott seine helle Freude an dem Jungen hatte, denn er wirkte durch ihn viele Wunder: Blinde sahen wieder, Stumme redeten, und Kranke wurden geheilt. Als sein Vater von den Vorgängen hörte, ließ er den Sohn zu sich rufen und fragte ihn, ob er tatsächlich den christlichen Glauben angenommen habe, und als Vitus die Frage bejahte, misshandelte ihn der Vater auf unmenschliche Art, aber der Junge war stark genug, die Schmerzen auszuhalten. Es war aber noch nicht genug, denn nun brachte der Vater den eigenen Sohn, den standhaften Bekenner zur Polizei. Dies geschah um das Jahr 303, zur Zeit der letzten römischen Christenverfolgung. Wieder wurde Vitus geschlagen und danach in das Gefängnis geführt. In der folgenden Nacht jedoch öffneten sich von selbst die Kerkertüren, und ungesehen und ungehindert ging Vitus an den Wachen vorüber ans Meer, wo die Pflegeeltern Modestus und Kreszentia ihn schon erwarteten. Ein Boot lag auch bereit, die drei stiegen ein und entkamen nach Neapel in Italien.

 

Weil Vitus auch dort Wunder an den Kranken wirkte, wurde die Polizei bald auf ihn und die Pflegeeltern aufmerksam, so dass die drei schließlich ins Gefängnis gesperrt wurden. Man warf sie wilden Tieren vor, und die Tiere taten ihnen nichts. Man warf sie in einen Kessel mit glühendem Blei, und sie blieben unverletzt. Man spannte sie auf die Folter, und die Erde bebte. Da flohen die Folterknechte vor Angst und Grauen, ein Engel erschien und führte die drei Bekenner an einen Fluss, wo sie niederknieten, betend starben und zusammen in den schönen Himmel zogen.

 

Der heilige Isfried, Bischof von Ratzeburg, Prämonstratenser,

+ 15.6.1204 – Fest: 15. Juni

 

Der heilige Isfried war Propst des Prämonstratenserstiftes Jerichow bei Magdeburg und wurde nach Evermods Tod Bischof von Ratzeburg. Da er nicht aus dem Ratzeburger Kapitel war, hatte er Anfeindung von Seite des Ratzeburger Propstes Otho zu erdulden, der selbst nach der Bischofswürde getrachtet hatte. Isfried zeigte große Standhaftigkeit, dabei war er freundlich und demütig gegen alle. Dem Herzog Heinrich dem Löwen hatte er den Lehenseid geschworen und wollte ihm auch nicht untreu werden, obwohl er sich dadurch große Unannehmlichkeiten zuzog. Graf Bernhard von Ratzeburg nämlich legte ihm mancherlei Hindernisse in den Weg, weil Isfried Heinrich dem Löwen treu anhing. Insbesondere aber zürnte er ihm nach dessen Sturz, weil er sich weigerte, Bernhard aufs Neue den geforderten Lehenseid zu leisten. Isfried aber sagte, ein Bischof habe nicht notwendig zweien den Lehenseid zu schwören. Trotzdem würde er sich aber gerne ihm unterwerfen, wenn der Kirche von Ratzeburg dadurch Friede und Heil würde. Bernhard war darüber sehr aufgebracht, entzog Isfried alle Zehnten in Sadelbandia, nahm die Stiftsuntertanen gefangen und zwang sie, sich mit Geld loszukaufen. Doch Isfried blieb fest und hielt es für besser Unrecht zu ertragen als sich oder seiner Kirche eine Neuerung aufbürden zu lassen. Nach dem Tod des Bischofs Berno von Schwerin hatten die wendischen Fürsten sogleich den Domdechant Brunward als Nachfolger eingesetzt, das Domkapitel aber hatte auch einen Bischof ernannt. Nach Weisung des Papstes Coelestin III., an den sich das Domkapitel wendete, kam es zu Boitzenburg, am 19. Juli 1195, unter dem Vorsitz Isfrieds zu einem Vergleich: Brunward solle Bischof bleiben, in Zukunft aber das Domkapitel die freie Wahl haben. Von hier eilte Isfried nach Braunschweig an das Sterbebett Heinrichs des Löwen. Dieser beichtete dem heiligen Isfried und starb am 6. August. In Floreffe bei Namur weihte Isfried die neuerbaute Klosterkirche unter dem Abt Hermann, einem Deutschen (1173 bis 1193), ebenso im Stift Postel, das von Floreffe aus gegründet wurde. Die letzten Lebensjahre des Bischofs fielen in die unruhigen Zeiten der dänischen Kriege. Als Isfried einmal bei einer Prozession um den Kirchhof ging, sah er einen Blinden am Weg sitzen. Er besprengte ihn mit Weihwasser und sprach: Der Herr löst die Gefesselten, der Herr erleuchtet die Blinden, und sogleich wurde der Blinde sehend. Die einzige Urkunde, die von Isfried erhalten ist, stammt aus dem Jahr 1194. Darin werden Schiedsrichter zwischen dem Bischof und der Kirche aufgestellt, die eine Teilung der Güter vornehmen sollen. Der heilige Isfried starb am 15. Juni 1204.

 

De Gerechte, sagt die Heilige Schrift (Spr 10,25), ist wie eine dauernde Grundfeste. Unmännlich ist es, keinen Vorsatz festzuhalten, keinen Entschluss auszuführen, keiner Schwierigkeit die Stirn zu bieten. Die Welt braucht Männer, wie es die Heiligen waren. Lerne also männlich handeln und mache, dass dein Herz erstarke.

 

Der heilige Gebhard, Erzbischof von Salzburg,

+ 15.6.1088 – Fest: 15. Juni

 

Dieser glorreiche Oberhirte der Kirche stammt aus Schwaben. Sein Vater hieß Kadold und war ein Graf von Helfenstein. Seine Mutter stammte aus einem gräflichen Geschlecht in Steiermark und hieß Azala. Der gelehrige Junge wurde schon frühzeitig wohl unterrichtet und zeichnete sich bald durch seine Kenntnisse so aus, dass man sich die glänzendsten Hoffnungen von ihm machte. Deshalb sendete man ihn an die ausgezeichnete Schule nach Paris. Hier wurde er durch seine edle Gesittung und durch seine wissenschaftliche Bildung noch weit berühmter, als durch seine adelige Abkunft. Noch äußerlich der Welt angehörig und in weltlicher Pracht lebend, führte er daselbst ein gottgeheiligtes Leben in emsiger Betrachtung der ewigen Wahrheiten und in den Übungen des Gebetes.

 

Von Paris kehrte er wieder in sein Heimatland zurück und kam nach Salzburg. Der damalige Erzbischof dieser Kirche, Waldwin, gewann den frommen und wissenschaftlich gebildeten Gebhard sehr lieb und nahm ihn unter seine Geistlichkeit auf. Im Jahr 1054 weihte er ihn zum Priester. Allein der vortreffliche, adelige Priester hatte in Salzburg nicht lange sein Verbleiben. Sein Ruf war bis an den königlichen Hof gedrungen, und König Heinrich III. erwählte ihn zu seinem Hofkaplan. In diesem Dienst blieb er nicht lange. Schon im Jahr 1056 starb Heinrich III. Ihm folgte sein Sohn Heinrich IV. Gebhard blieb noch am Hof und führte dort ein zurückgezogenes Leben. Alle Rechtschaffenen hatten die größte Ehrfurcht vor ihm.

 

Sechs Jahre, nachdem Gebhard zum Priester geweiht worden war, starb der ehrwürdige Erzbischof Waldwin. Gebhard war in Salzburg schon rühmlichst bekannt und wurde von der Geistlichkeit und vom Volk einstimmig und freudig zum Erzbischof erwählt. Gott hatte es so gefügt, dass dieser erleuchtete und eifrige Priester, der durch jede Tugend ausgezeichnet war, in dieser stürmischen Zeit das Steuerruder der Kirche Salzburgs in die Hände nehmen musste.

 

Der erwählte Erzbischof erhielt, wie der damalige Missbrauch es mit sich brachte, den Bischofsring samt Stab aus der Hand des Königs. Dies geschah in dem Ort Elchinwang am 11. Juni 1060. Am 21. Juli desselben Jahres wurde er durch den ehrwürdigen Bischof Adalbero von Würzburg zum Erzbischof geweiht und in seine Kirche eingeführt. Bald darauf war er bei einer Versammlung der Bischöfe Bayerns gegenwärtig und von ihnen als Erzbischof anerkannt. Es waren die Bischöfe Gebhard von Regensburg, Engelbert von Passau, Ellinhard von Freising, Altwin von Seben, Adalbero von Würzburg und Gunzo von Eichstädt. Das Pallium wurde ihm anderthalb Jahre später vom Papst durch den Propst Wezelin zugesendet.

 

All diese Ehren und Auszeichnungen machten den demütigen Diener Gottes noch demütiger. Und all die Reichtümer, die jetzt in seine Hand gelegt waren, konnten sein Herz nicht bestricken, denn er wusste gar wohl, dass er nur als Ausspender über all diese Güter gesetzt war. Einen Teil von ihnen verwendete er zur Zierde des Hauses Gottes, einen zweiten Teil schenkte er den Klöstern, die er gründete oder erneuerte, einen dritten gab er den Armen. Der römischen Kirche war er von ganzer Seele ergeben, und ebenso besorgt war er um die Ehre des Reiches, darum stand die Kirche von Salzburg im herrlichsten Glanz, bis auf einmal der Feind sich einschlich und Unkraut säte unter den Weizen. Jetzt wurde jene unselige Zwietracht zwischen der Kirche und dem Reich, unter der der treue Hirt so viel auszustehen hatte. Allein fortwährend leuchtete er, auf den Leuchter gestellt, durch das Licht seiner Weisheit und Frömmigkeit allen Gläubigen voran. Darum hat ihn auch die heilige, römische Kirche, als ihren ganz besonders geliebten Sohn, als wahren Katholiken, für würdig erachtet, ihm ihre Vollmacht über alle Kirchen des deutschen Reiches zu übertragen. Auch als Legat des apostolischen Stuhles stand er als eine unbewegliche Säule der Kirche immerdar fest.

 

Schon von Jugend auf hatte der ehrwürdige Bischof den Gedanken an die Stiftung eines Klosters in sich genährt. Nun war die Zeit gekommen, in der er diesen Gedanken ausführen konnte. Es war nämlich in seiner Diözese, tief im Gebirge, an dem Fluss Enns ein gar liebliches Tal, um und um von den höchsten Bergen, wie von einer Mauer umschlossen. Man konnte nur an die Berge hin oder gerade aufwärts zum Himmel schauen. Diese gänzliche Abgeschlossenheit, vor der alle Welt zurückschaudert und fernbleibt, schien dem heiligen Bischof der geeignetste Ort zur Gründung eines Klosters zu sein. Er ging selbst hin. Nur mit Mühe konnte er dahin kommen. Das Tal sprach ihn ungemein an. Die Gebirge boten alles notwendige Baumaterial. Allein man konnte mit keinem Wagen und überhaupt mit keinem Fuhrwerk an den Ort kommen. Alle Lebensbedürfnisse musste man auf Saumrossen oder Maultieren hinschleppen. Gebhard überlegte alles und konnte lange mit sich nicht einig werden. Drei Tage blieb er an dem Ort und aß nicht und trank nicht, so sehr beschäftigte dies Unternehmen seinen Geist. Wie er in seiner Unschlüssigkeit sich mit den Seinigen beriet, kam auf einmal ein Taubstummer daher und sprach ganz vernehmlich und in gutem Deutsch zum Erzbischof: „Du musst anfangen, Gott muss es vollenden.“ Dieser Mensch hatte früher nie ein Wort gesprochen, und auch nach dieser Rede blieb er stumm, bis er endlich nach dem Tod des heiligen Bischofs an seinem Grab das Gehör und die Sprache erlangte. Alle Umstehenden waren erstaunt über diese Rede. Staunen und Freude erfüllte das Herz des Erzbischofs. Er sah dies als einen Wink von oben an und war nun fest entschlossen, das Kloster in diesen Bergen zu gründen. Er nannte den Ort Admont, d.h. in den Bergen.

 

Und so errichtete dann der fromme Erzbischof das Kloster Admont im Jahr 1074, im fünfzehnten Jahr seines bischöflichen Amtes. Er bestimmte dafür zwölf Mönche, die Priester waren, damit sie in diesem Hause Gottes dem Herrn dienten. Damit die Diener Gottes das Notwendige zur Erhaltung des Lebens, zur Bewirtung der Fremden und zur Unterstützung der Armen immer haben möchten, übergab er dem Kloster Landgüter und andere Einkünfte. Vorzüglich wendete er dem Kloster die Vermächtnisse zu, die die Gräfin Emma von Frinsak und Truchsen nach dem Tod ihres Gemahls Wilhelm und ihrer Söhne dem heiligen Rupert zum Opfer gebracht hatte. Von den bischöflichen Einkünften und Rechten vergab er nichts, aber was er durch Vermächtnisse oder durch Bußgelder gewonnen oder durch vorteilhafte Vertauschungen erlangt hatte, das übergab er an diese seine Stiftung. Zudem schenkte er an die Kirche des Klosters viele kostbare Paramente von Gold und Seide, priesterlichen Ornat, Bücher und Kelche, und was man sonst zur Feier des Gottesdienstes notwendig hat. Auch verschiedene Reliquien von Heiligen erhielt die Kirche durch seine Bemühung, so den Arm des heiligen Bekenners Paternian, die Hirnschale des heiligen Martyrers Chrysantus und Reliquien der heiligen Jungfrau Daria und des heiligen Vincentius.

 

Das Kärntener-Land war, wie wir im Leben des heiligen Bischofs Virgilius gesehen haben, schon zur Zeit dieses Heiligen großenteils zum Glauben bekehrt und von einem Bischof regiert. Virgilius hatte den Modestus zum Bischof geweiht und in dieses Land gesendet, damit er durch das Licht des Glaubens die Finsternisse des Heidentums verscheuche. Der Bischofssitz war in Liburnia. Noch längere Zeit kommen Bischöfe von Kärnten vor. Allein nach und nach scheint dieses Bistum eingegangen zu sein. Der seeleneifrige Bischof wendete diesem armen Gebirgsland seine größte Aufmerksamkeit zu und war bemüht, ihm einen eigenen Oberhirten zu geben. In Gurk, wo bisher ein Frauenkloster gewesen war, errichtete der Heilige einen Bischofssitz und bewarb sich um die päpstliche Bestätigung des neuen Bistums. Papst Alexander II. bestätigte 1070 die Stiftung, und Gebhard weihte am 6. März 1072 den ehrwürdigen Günther zum ersten Bischof von Gurk. Bei dieser Weihe waren zugegen der Bischof Altwin von Brixen, der Bischof Ellenhard von Freising und Candianus von Istrien. Die übrigen Bischöfe Bayerns, Otto von Regensburg und Altmann von Passau hatten ihre Zustimmung zu dieser Weihe schriftlich gegeben. Der Papst hatte in der Bekräftigungsurkunde dem heiligen Erzbischof und seinen Nachfolgern das Recht erteilt, den Bischof des neuerrichteten Sprengels zu erwählen und einzusetzen. Es sollte durch das neue Bistum dem Erzbischof und seinen Nachfolgern nichts entzogen werden, und es sollte kein Bischof in Gurk anerkannt werden, wenn er nicht vom Erzbischof in Salzburg erwählt, ordiniert und bestätigt wäre. Jeder dagegen Handelnde verfiel dem Bann. Diese Urkunde ist ausgestellt den 21. März 1070. Die königliche Bestätigung erfolgte am 4. Februar 1072.

 

Bald darauf begannen die unseligen Jahre der größten Verwirrung in der Kirche durch die Gottlosigkeit Heinrich IV. Der war wegen seiner hartnäckigen Widersetzlichkeit gegen die Gesetze Gottes und seiner heiligen Kirche vom Papst Gregor VII. in einem Konzil zu Rom in der Fastenzeit des Jahres 1076 aus der kirchlichen Gemeinschaft ausgeschlossen worden. Von dieser Zeit an enthielt sich der ehrwürdige Erzbischof samt seinen treuen Freunden, dem Bischof Altmann von Passau und dem Bischof Adalbero von Würzburg, alles Verkehrs mit dem König. Mit dem Schwert seines Wortes beschützte er die katholische Kirche im ganzen deutschen Reich. Er kannte das Wort des Herrn: „Wer nicht für mich ist, der ist gegen mich, und wer nicht mit mir sammelt, der zerstreut.“ Und nach diesem Wort wollte er auch handeln. Dafür hatte er viel Schmach und Unbilden von den Feinden der Kirchen zu erdulden. Er litt es gerne, denn er wollte in treuem Glauben dem ans Kreuz genagelten Heiland nachfolgen.

 

Die Feinde der Kirche fielen in Salzburg ein und beraubten die Kirche ihrer Güter. Jeder nahm, was ihm gefiel, und berief sich auf die Vollmacht, die er vom exkommunizierten König erhalten hatte. Damals sollte auch ein großer Teil der Diözese, der in Ungarn gelegen war, von Salzburg getrennt worden sein. Zum Schutz seiner Kirche erbaute der Erzbischof zwei Festungen auf dem Berg Salzburg und in Werfen, und noch eine bei Friesack.

 

Heinrich IV. konnte es nicht verschmerzen, dass der einflussreichste aller Bischöfe, der ehrwürdige Erzbischof Gebhard sich von ihm trennte. Er lud ihn ein, nach Regensburg zu kommen und sich gegen die Anschuldigungen, die man wider ihn vorgebracht hatte, zu verteidigen. Dazu gab er ihm sicheres Geleit. Der heilige Erzbischof kam, erklärte aber, er werde darüber erst dann reden, wenn man seiner Kirche wieder alles Geraubte zurückgestellt hätte. Nach einer längeren Besprechung mit den königlichen Unterhändlern verließ er, ohne etwas ausrichten zu können, die Stadt Regensburg und begab sich auf den Rückweg. Allein er konnte nicht mehr zu seiner Kirche zurückkehren. Die Macht der Feinde Christi wuchs von Tag zu Tag und ächtete alle treuen Diener des Herrn. Arm und allein musste der fromme Erzbischof acht Jahre in der Verbannung leben. Er begab sich zu seinen kirchlich gesinnten Freunden im Schwabenland und in Sachsen, die größtenteils auch aus ihren Sitzen vertrieben und in die Acht erklärt waren. Dieses Leben in der Verbannung begann im Jahr 1078.

 

Indessen drängte Heinrich IV. der Kirche Salzburg einen seiner Genossen, namens Berchthold, als Erzbischof auf. Dieser war ein ganz roher, unwissender Mensch. Er konnte nur den Kirchenschatz verschleudern und die Klöster berauben. Um nicht mit ihm in Berührung zu kommen, verließ Thiemo, der Abt von St. Peter und der Nachfolger des heiligen Gebhard, sein Kloster und flüchtete sich ins Schwabenland, bis dem Gräuel der Verwüstung in Salzburg ein Ende gemacht wurde. Das von Gebhard gestiftete Kloster Admont beraubte jener Berchthold aller Kostbarkeiten und verwandelte es in eine Wüstenei. Unter den von Berchthold geraubten Schätzen war ein goldenes Rationale (Brustschildlein) mit den kostbarsten Edelsteinen eingelegt, von unermesslichem Wert. Der griechische Kaiser hatte es einst dem Erzbischof Gebhard zum Geschenk gemacht, als dieser seinen kaiserlichen Sohn getauft hatte. Berchthold überließ dieses kostbare Kleinod seinen Soldaten. Zwölf von diesen Unholden kamen darüber miteinander in Streit. Vor der Tür des Gotteshauses schlugen sie sich in wilder Wut. Acht von ihnen blieben tot liegen. Die übrigen vier kämpften noch fort. Jetzt trat ein Bruder, namens Nordwin, der über dieses Blutbad sich entsetzte, unter sie, nahm das kostbare Kleinod, zerlegte es in vier Stücke und gab einem jeden dieser rohen Gefährten des heillosen Bischofs ein Stück davon.

 

Während der Feind auf solche Weise im Weinberg des heiligen Bischofs wühlte und zerstörte, gab er sich alle mögliche Mühe, die verirrten Bischöfe und Laien zur besseren Erkenntnis zu bringen und mit der Kirche wieder zu vereinigen. In einer Versammlung der Bischöfe und der Fürsten des Reiches, die im Jahr 1081 in Sachsen gehalten wurde, sprach er auf das Verlangen aller Anwesenden sich über den einzig rechten Weg aus, auf dem die Eintracht wiederhergestellt werden könne. Er begann seine Rede mit einer Beschreibung des traurigen Zustandes der Kirche und schilderte dann die vom Kaiser verübten Ungerechtigkeiten, indem er sprach: „Das Ärgste, was geschehen konnte, ist geschehen. Bischöfe hat er wie Räuber ins Gefängnis geworfen, ohne dass man sie auch nur gesetzlich angeklagt hätte, geschweige denn, dass sie etwa eines Verbrechens wären überwiesen worden. Oder wenn er sie nicht gefänglich einziehen konnte, so hat er sie aus ihren Sitzen vertrieben, und ohne dass sie etwas anderes als das nackte Leben allein zu retten vermochten, ins Elend verwiesen. Die Güter der Kirche, von denen die Bischöfe leben und die Armen unterstützen sollten, hat er den Lobrednern seiner Verbrechen zur Verschleuderung übergeben. Unser ganzes Land hat er schon oft mit Feuer und Schwert verwüstet. Unsere unschuldigen Anverwandten und unsere Schutzwachen hat er in unserem eigenen Gebiet ermordet, ohne dass er einen Grund zu einem Krieg gehabt hätte. Die Söhne freier Männer wollte er unter sein Sklavenjoch beugen. Oft habe ich ihn selbst, oft habe ich euch, sowohl einzeln als in Versammlungen, demütig gebeten, man möchte doch das Schwert beiseitelegen und unsere Sache gerichtlich verhandeln. Ich habe versprochen, dass ich mich eurem Urteil in allen Stücken willig und gern unterwerfen wolle. Was ich mit dem allem ausgerichtet habe, das könnt ihr selbst bezeugen, und ich rufe euch alle zu Zeugen auf.“

 

„Demütig bitte ich euch alle, die wir hier auf sächsischem Boden stehen, ich bitte euch, heilige Bischöfe, euch, edelste Fürsten, und euch, tapfere Krieger, ihr wollt des allmächtigen Gottes und eurer Pflicht gedenken. Ihr Bischöfe, ihr seid als Hirten der Seelen und nicht als ihre Verderber berufen! Ihr Krieger, ihr habt das Schwert zur Verteidigung der Unschuldigen empfangen, und nicht um sie niederzumetzeln. Bedenkt, dass auch wir eure Brüder in Christus, eure Verwandte dem Fleisch nach sind, und wollt uns doch nicht mehr mit Feuer und Schwert verfolgen. Alles Übel, das wir bisher von euch erduldet haben, wollen wir euch gerne vergeben. Wir wollen es unseren Sünden zuschreiben und den gütigen Gott bitten, dass er es zur Besserung wende, wenn wir nur in Zukunft vor Unbilden von eurer Seite gesichert sind. Legt das Schwert beiseite! Macht dem Sengen und Brennen ein Ende! Handelt, wie Christen gegen Christen handeln sollen. Macht die Sache mit Vernunftgründen, nicht mit Metzeleien aus! Was wir vor den vielen Blutbädern von euch verlangt haben, das gewährt uns jetzt, denn ihr werdet doch einmal des Blutvergießens satt sein. Viel Elend hat euer Herr, Heinrich, in grausamer Weise über uns gebracht, über alles Maß hat er uns unglücklich gemacht, und dennoch sind wir bereit, ihm Treue und Gehorsam zu schwören und die geschworene Treue heilig zu halten, wenn ihr uns nur überweiset und versichert, dass wir es ohne Versündigung an unserer Weihe, und dass die Laien, ohne ihren Glauben zu gefährden, es tun können. Wir werden von dieser Stelle nicht weichen, bis wir alles erfüllt haben, was ich zugesagt.“

 

„Wollt ihr mir zuhören, so will ich durch wahre, offendaliegende und feste Gründe und durch das Zeugnis der Schrift euch beweisen, dass wir, Geistliche und Laien, ohne Gefährdung unseres Seelenheils, den Herrn Heinrich nicht als König anerkennen können. Könntet ihr uns beweisen, dass er das Recht habe, König zu sein, so wollen wir gerne eure Mitgenossen sein und wären dann mit euch seine Untertanen. Lasst aber auch uns beweisen, dass er nicht mehr König sein kann, und hört auf, uns gegen alle Vernunft als Feinde zu verfolgen. Wendet ihr ein, dass ihr durch den Eid, den ihr ihm geschworen habt, verpflichtet seid, so beweisen wir euch, dass ihr nach dem Recht durch keinen Eid verpflichtet sein könnt, uns zu verfolgen. Um was wir bitten, ist somit dies einzige, dass ihr uns mit Gründen beweist, der Herr Heinrich oder ihr könnt mit Recht regieren, oder dass ihr uns in Wahrheit beweisen lasset, er könne es nicht. Und wenn das eine oder andere bewiesen ist, dann hört auf, uns mit Feuer und Schwert zu verfolgen.“

 

Aus der Verteidigung Heinrichs IV., die einer seiner Anhänger geschrieben hat, erfahren wir, dass diese Rede großen Eindruck gemacht hatte. Der schismatische Günstling ist ganz erbittert über den heiligen Erzbischof, dass durch seine Rede sehr viele die Partei des exkommunizierten Königs verließen und wieder mit der Kirche sich aussöhnten. Allein desungeachtet dauerte die Verbannung des treuen Oberhirten noch fünf Jahre.

 

Endlich wachte, durch göttliche Erbarmung angeregt, der Eifer der Gläubigen wieder auf, und die Zeiten des allgemeinen Jammers gingen zu Ende. Im Jahr 1086 konnte der ehrwürdige Erzbischof wieder in Salzburg einziehen und die Leitung seiner Herde aufs Neue übernehmen. Der Graf Engelbert mit mehreren Adeligen, die ihre Knie vor den Götzen nicht gebeugt hatten, und die Bischöfe Altmann von Passau und Meginward von Freising begleiteten ihn bei seinem Einzug in sein Bistum. Eine zahllose Volksmenge versammelte sich bei dieser freudigen Festlichkeit. Nur wenige waren noch auf Seite des exkommunizierten Kaisers. Gebhard und seine Mitbischöfe sprachen über die Kirchenräuber und zumal über den Eindringling Berchthold den Bann aus, und ermunterten das gläubige Volk zum treuen Festhalten an Christus und seiner heiligen Kirche.

 

Noch zwei Jahre leitete der heilige Gebhard seine Kirche unter mannigfaltigen Stürmen und Gefahren. Allein er harrte aus und wurde auch aus seinem Sitz nicht mehr vertrieben. Endlich am 15. Juni 1088, nachdem er 20 Jahre seiner Kirche vorgestanden und 8 Jahre in der Verbannung zugebracht hatte, kam auch für ihn die Stunde der Erlösung aus diesem Elend. Er starb auf der von ihm erbauten Festung Werfen. Sein heiliger Leib wurde in das Kloster Admont gebracht und daselbst zur Erde bestattet. Am Tag seiner Beerdigung wurde der früher erwähnte Taubstumme auf die Fürbitte des Heiligen von seinem Übel befreit. Nach seinem Tod fiel Berchthold unter dem Schutz Heinrichs IV. wieder in Salzburg ein, um das frühere Unwesen fortzusetzen, zu plündern, zu rauben und zu morden, wie er 8 Jahre lang es getrieben hatte. Allein die Zahl der neuen Anhänger der Kirche Gottes hatte sich während der letzten 2 Lebensjahre des heiligen Gebhard so gemehrt, dass sie die Oberhand erhielten, und Berchthold mit seinem Anhang abziehen musste. Die frommen Gläubigen wählten den vortrefflichen Abt Thiemo von St. Peter zu ihrem Erzbischof. Der heilige Gebhard war unter den drei Freunden, die einst als Jungen ihre künftigen Bistümer sich erwählt und dann in Paris sich für ihren Beruf vorbereitet hatten, der erste, den der Herr vom Kampfplatz abrief. Adalbero und Altmann folgten ihm bald nach. Sie alle sind von der Kirche als Heilige und Selige anerkannt und werden von allen Gläubigen verehrt werden, so lange noch katholischer Glaube und christlicher Sinn die Herzen der Deutschen belebt.

 

Der heilige Bernhard von Menthon,

Erzdiakon von Aosta, Priester, Ordensstifter,

+ 15.6.1081 oder 1086, nach einigen Quellen am 28.5.1008 – Fest: 15. Juni

 

Bernhard von Menthon, aus einem der besten Häuser Savoyens, brachte seine ersten Jahre in der Unschuld zu, und zeigte viel Neigung zum Studium ernster Wissenschaften. Als er zum Mann geworden war, schlug ihm sein Vater eine ehrvolle Heirat vor, allein er lehnte sie ab, weil er Gott im geistlichen Stand zu dienen wünschte. Da man dennoch die Vorbereitungen zur Hochzeitsfeier machte, entfloh er heimlich, und übergab sich der geistlichen Führung des Archidiakons Petrus von Aosta. Unterstützt durch die Anweisungen dieses Gottesmannes, erwarb er sich eine vollkommene Kenntnis der Wege der Gottseligkeit, und erlangte eine große Gewandtheit in den für seinen Stand nötigen Wissenschaften.

 

Im Jahr 966 erwählte ihn der Bischof von Aosta zu seinem Erzdiakon, was die Würde der Gerichtsbarkeit eines Offizials und Generalvikars in sich schloss, und folglich einen großen Anteil an der Diözesanverwaltung gewährte. Bernhard erfüllte alle seine Pflichten mit großer Pünktlichkeit, und das Gebet und die Betrachtung, verbunden mit strengen Fasten, zogen des Himmels Gnaden auf seine Arbeiten herab. Er predigte 42 Jahre hindurch mit einem unermüdlichen Eifer, verbannte allerorten den Aberglauben und die Unwissenheit, und führte eine vortreffliche Verbesserung in den Bistümern Aosta, Genf, Tarantasia (die Tarentaise ist eine der historischen Provinzen Savoyens), Mailand und Novara ein. Er stürzte ein berühmtes Götzenbild Jupiters, das auf einem hohen Berg des Walliserlandes stand, und vernichtete das Ansehen der Priester dieses Götzenbildes, indem er zeigte, dass sie sich, um ihre vorgeblichen Orakelsprüche zu erteilen, in einen hohlen Pfeiler verbargen. Bei diesem Ort ließ er dann ein Kloster und ein Spital erbauen, die seinen Namen jetzt noch tragen. So hat man seiner Nächstenliebe ebenfalls die zwei Spitäler zu verdanken, wovon eines der große und das andere der kleine St. Bernhard heißt, deren Bestimmung es ist, die Reisenden aufzunehmen, die ohne diese Hilfe oft dem größten Elend und dem Tod ausgesetzt wären.

 

Der heilige Bernhard von Menthon starb zu Novara starb zu Novara am 15. Juni 1081 (28.5.1008), in einem Alter von 85 Jahren. Sein Fest wird in mehreren Kirchen von Piemont am 15. Juni gefeiert, an dem Tag, an dem er evtl. beerdigt worden ist. Sein Leib liegt zu Novara, mit Ausnahme seines Hauptes, das zu Monte-Joie, im Bistum Aosta, im Kloster seines Namens, aufbewahrt wird.

 

Die Hunde vom St. Bernhard

(Aus: „Tiere unterm Regenbogen“, Aloysius Roche, Berlin 1954)

 

Wer einen echten Bernhardiner besitzt, kann sich beglückwünschen, denn in einer Hinsicht muss man sie für die klügsten aller Hunde halten, mit Ausnahme vielleicht einiger Schäferhundrassen. Sicher, viele Hunde sehen besser aus und sind hübscher als diese schweren Kerle, sie sind ja fast einen Meter hoch.

 

Der Mann, nach dem sie heißen, ist im 10. Jahrhundert in Menthon geboren und heißt deshalb Bernhard von Menthon. Er ist ein Patron der Reisenden, besonders Patron derer, die über die Berge wandern, vor allem in den Alpen. Vierzig Jahre lang arbeitete er dort, und er erlebte immer wieder hautnah, wie gefährlich die Pässe sind. Es gab ja damals keine Eisenbahnen und Straßen über die Alpenpässe. Pilger und andere Reisende, die von Frankreich nach Italien und Rom wollten, mussten zu Fuß über diese Gipfel und Gletscher, die einen großen Teil der Schweiz ausmachen.

 

 Man konnte immer nur einer der Passwege folgen, die sich zwischen den Bergen erst hoch und dann wieder hinunter winden, aber auch die waren gefährlich. Da war zum Beispiel ein Pass, der immer mit hohem, teilweise fünfzehn Meter hohem Schnee bedeckt war. Er führte aus dem Schweizer Kanton Valais direkt hinüber nach Italien, nach Aosta. Dieser Pass war viel begangen. Es war auch die Strecke, die Napoleon nahm, als er unerwartet im Jahr 1800 in Italien einfiel. Er ließ besondere Schlitten herstellen, um die großen Kanonen zu transportieren, die er so schätzte. Natürlich wartete er auf den Frühling, wenn Eis und Schnee zu schmelzen begannen. So machten es natürlich die meisten Reisenden. Aber das Frühjahr war auch die Zeit der schwersten Lawinen, da dann Schnee und Felsbrocken zugleich alles unter sich begraben, wo sie niedergehen.

 

Kein Mensch kannte das alles besser als St. Bernhard, und er beschloss, etwas zu unternehmen. Was er dann tat, blieb bis auf den heutigen Tag erhalten, wenn auch das Risiko einer solchen Reise jetzt nicht mehr so groß ist.

 

Hoch auf den Gipfeln dieses viel begangenen Passes baute er ein Hospiz, das den Mönchen unterstellt wurde, die wir heute „Mönche vom St. Bernhard“ nennen. Das war im Jahr 962. Das Hospiz steht noch da, aber die heutigen Gebäude sind später gebaut worden. Es gab noch einen anderen Pass, der fast genauso gefährlich war. Über diesen Pass führte Hannibal seine Armee mit Elefanten, 218 v. Chr. Bernhard hat auch dort ein Hospiz gebaut. Beide lagen mehr als 2000 Meter hoch über dem Meeresspiegel.

 

Wir Menschen müssen zugeben, dass Hunde manches sehr viel besser können als wir mit all unserem Wissen. Sie laufen schneller, sie haben ein viel feineres Gespür für Geruch und Gefahr, sie finden so manches, was man mit den Augen nicht sieht, und sie können über Schnee hinlaufen, in dem wir versinken würden. So beschlossen die Mönche bald, eine ganz besondere Rasse von Hunden zu züchten und auszubilden, die ihnen bei ihrem schwierigen Rettungswerk helfen sollten; denn natürlich waren die Hospize nicht nur errichtet worden, um Durchreisenden Nahrung und Obdach zu bieten. So hielten sie, als Napoleon vorüberzog, viertausend große Brote für seine hungernden Soldaten bereit, dafür hatte er ihnen extra das Mehl heraufsenden lassen. Aber diese Männer in St. Bernhards Hospiz wollten vor allem Menschenleben retten, die armen Verschütteten ausgraben und die Erschöpften in Sicherheit bringen. Viele Wanderer sterben bei dem eiskalten Klima der hohen Berge, weil die Kälte sie so schläfrig macht. Geben sie diesem Schlafbedürfnis nach, so wachen sie nie wieder auf, wenn nicht jemand kommt und sie weckt.

 

All diese Dienste haben die Hunde von St. Bernhard seit Hunderten von Jahren geleistet. Einmal retteten sie sogar die Mönche, ihre eigenen Herren, vor dem Untergang.

 

Es war im Frühjahr, zur Zeit der Schneeschmelze. Im Kloster verlief der Tag wie gewöhnlich. Da trat einer der Mönche zum Pater Superior.

„Ich glaube fast“, sagte er, „Sie sollten einmal herunterkommen und nach den Hunden sehen.“

„Ja, was ist denn los?“

„Sie sind so sonderbar, ich habe sie noch nie so gesehen!“

Als der Obere hinkam, fand er die Tiere in wilder Erregung. Zum Glück verstand er sie besser als irgendjemand sonst im Haus. Er gab sogleich seine Anordnungen.

„Schnell“, rief er, „es ist keine Zeit zu verlieren! Läutet die Glocke und versammelt alle!“

Als alle zusammengekommen waren, befahl er ihnen, schnellstens das Hospiz zu verlassen und die Hunde mitzunehmen.

Sie waren kaum draußen, da donnerte eine Lawine über die Gebäude hinab.

 

Tausende von diesen Hunden lebten und taten ihren treuen Dienst und starben da oben bei den gefährlichen Pässen. Aber die höchste Zahl an Geretteten erzielte „Barry“, der vor etwa einhundertfünfzig Jahren lebte. Das ausgestopfte Fell dieses wunderbaren Hundes wird im Museum in Bern aufbewahrt. Er rettete vierzig Menschen das Leben in der kurzen Zeit seines Daseins. Seine bedeutendste Leistung war die Rettung eines kleinen Jungen, dessen Mutter von einer Lawine getötet worden war. Wie Barry es genau gemacht hat, weiß niemand, aber er schleppte den Jungen auf seinen Rücken und brachte ihn sicher zum Kloster.

 

Gebet nach dem heiligen Ephräm am 15. Juni

 

Allerseligste und reinste Jungfrau, Mutter Gottes, Königin des Himmels, du bist mächtig und gütig, erhaben über die Engel und Menschen, reiner als die Strahlen der Sonne, ehrwürdiger als die Cherubim, heiliger als die Seraphim, unvergleichlich glorreicher als alle Chöre des Himmels. Durch dich, o erhabene Fürstin des Himmels und der Erde, ist das Menschengeschlecht mit der Schrecken erregenden Majestät der ewigen Gerechtigkeit ausgesöhnt worden. Göttliche Mutter, nimm mich auf und rette mich durch deine Güte und deinen Schutz. Du bist ein sicherer Hafen in den Stürmen dieses Lebens. Du bist meine Schutzwehr und ein fester Turm, wo ich gefahrlos wohnen kann. Mit inbrünstigem Verlangen und mit tränenfeuchten Augen werfe ich mich zu deinen Füßen, um deinen Beistand zu erbitten, und von Jesus Christus, meinem Herrn und Erlöser, die Gnade zu erlangen, dass er auch mich meiner Sünde wegen nicht verstößt. Amen. 

 

Zu Gott auf die Fürbitte der heiligen Märtyrer

Vitus, Modestus und Crescentia

 

Wir bitten Dich, o Herr, verleihe, dass Deine Kirche auf die Fürbitte Deiner heiligen Märtyrer Vitus, Modestus und Crescentia, nicht nach stolzer Weisheit strebt, sondern in einer Dir gefälligen Demut zunimmt, dass sie das Böse verabscheut und das Gute mit Liebe tut, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Zu Gott

 

O Gott, Du bist die Liebe und das Erbarmen. Verbreite Deinen seligmachenden Glauben in allen Ländern, und gib allen Herzen Deine heilige Liebe, damit das menschliche Elend überall verhütet oder gelindert, und noch vielmehr, damit die Sünde überall verhütet und die christliche Frömmigkeit überall befördert wird, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Zu Jesus Christus auf die Fürbitte des heiligen Gebhard

 

O Jesus, der Du Dich aus Liebe zu uns bis zum Tod hast verfolgen lassen, gib uns auf die Fürbitte des heiligen Bischofs Gebhard die Gnade, dass wir den Seligen, die der Gerechtigkeit wegen Verfolgung gelitten haben, im Himmel beigesellt werden. Amen. 

 

Andacht am 15. Juni:

 

Das Thema im Juni:

Vom Gehorsam

"Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen." (Matthäus 23,3)

 

"Der Gehorsam besteht nicht nur darin, dass man überhaupt tut was befohlen ist, sondern auch, dass man beständig in der Stimmung ist, alles zu tun, unter was immer für Umständen es zu tun ist." (Der heilige Vinzenz von Paul)

In dieser wunderbaren Stimmung war der heilige Franz Xaver, der sagte, dass, ob auch Gott ihn dafür verwende, dass er wirksam an der Bekehrung der Heiden arbeitete, ein einziger Brief seines Vorgesetzten, des heiligen Ignatius, genügen würde, ihn dahin zu bestimmen, dass er alsogleich nach Italien zurückkehren würde, sollte er auch deshalb eine Mission verlassen müssen, die er bereits angefangen habe, und von der er die größten Früchte erwarte.

Ein frommer Priester der Gesellschaft Jesu sprach: sein vorzüglichster Trost und seine Hoffnung, die Seligkeit zu erlangen, sei, dass er sich nicht erinnere, den Befehl des Vorgesetzten jemals zu seinem Willen geneigt zu haben, sondern dass er immer genau an dem Ort und in dem Amt ausgehalten habe, die der Gehorsam ihm angewiesen hatte.

 

Mein Gott, bereit bin ich, Dir zu gefallen, alles zu tun, was immer diejenigen, die Deine Stelle vertreten, mir befehlen und von mir verlangen mögen. Zeige ihnen, Herr, was zu meinem Besten gereicht; mein Herz ist bereit! Amen. 

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 15. Juni

 

"Wie die Wolken das Licht der Sonne verhüllen,

so verdunkeln und zerstören die bösen Gedanken die Klarheit der Seele."

 

hl. Ludwig von Granada OP

1504 bis 31.12.1588

 

Betrachtung am 15. Juni - Von unseren täglichen Werken

 

Sieh, ein Gast, gehst du vorüber;

Sammle dir nicht eitlen Tand;

Sende Schätze dir hinüber,

Wo du bleibst, ins Vaterland.

Sammle Gold der Liebe ein,

Dann wirst ewig reich du sein.

 

1. Höre die Ermahnung deines Herrn: "Sammelt euch Schätze im Himmel!" (Matthäus 6,20), und präge diese beiden Wahrheiten dir tief ins Herz, dass dein Aufenthalt in diesem fremden Land nicht lange mehr dauern wird, und dass du in der Heimat, wohin du pilgerst, nichts finden wirst, als was du selbst dahin voran sandtest. Gott kann zwar, wen du ihn demütig und bußfertig darum bittest, deine Vergehen dir erlassen. Hast du aber einmal das Pilgerkleid abgelegt, dann kann er, so allmächtig er auch ist, keine anderen deiner Werke belohnen, als die du zu seiner Ehre getan hast. Darum ruft die apostolische Posaune uns allen zu: "Denkt daran: Wer kärglich sät, wird auch kärglich ernten; wer reichlich sät, wird reichlich ernten." (2. Korinther 9,6)

 

2. Sieh, ein Pfennig ist zwar gering, aber viele Pfennige, jeden Tag weise gesammelt, geben am Ende eines Menschenlebens eine ungeheure Summe. Also verhält es sich mit unseren täglichen Werken. Eine geringe Selbstüberwindung, ein kleines Almosen aus gutem Herzen, ein friedliches Erdulden körperlicher Schmerzen, eines harten Wortes, einer Kränkung, ein freundliches Wort zu dem Beleidiger, eine milde Fürsprache für den Nächsten: dies sind dem Anschein nach geringe Dinge, aber ihr Wert übersteigt alle menschlichen Begriffe, denn sie wirken, nach dem Ausdruck der Schrift, ein ewiges Gewicht an Herrlichkeit. (2. Korinther 4,17) 

 

3. Betrachte auch den liebevollen Willen deines Schöpfers. Er fordert gerechte Werke von dir, und zwar sogar unter schweren Drohungen. Warum das? Bringen sie ihm etwa Gewinn? "Tust du recht, was gibst du ihm, oder was empfängt er aus deiner Hand?" (Ijob 35,7) O unerschaffene Güte, gleich einer liebevollen Amme drängt die Fülle deines unendlichen Reichtums dich, die Milch deiner Liebe zu schenken. Und je mehr wir durch gute Werke dich dazu drängen, um so mehr erfreuen wir dein Vaterherz. Wo ist eine Seele, die diese unendliche Liebe betrachtet, und die, wäre sie auch zu verdrossen, um ihrer selbst willen dir zu dienen, nicht durch diese Betrachtung zu feurigem Eifer entzündet würde? "Herr, mein Herz ist bereit, dein Gesetz zu erfüllen bis ans Ende und ewig, um deiner überschwänglichen Vergeltung willen." (Psalm 119,112)

 

16. Juni

 

Der heilige Benno, Bischof von Meißen und Apostel der Slaven,

Landespatron in Bayern,

+ 16.6.1106 - Fest: 16. Juni

 

Der heilige Benno, eine der Hauptzierden des deutschen Mittelalters, war der zweite Sohn des Grafen Friedrich von Bultenburg. Seine Mutter hieß Berzela. Er wurde 1010 in Hildesheim geboren und nach einigen Jahren dem Bischof dieser Stadt, dem heiligen Bernward, seinem Verwandten übergeben. Sein eigentlicher Erzieher aber war der Abt Wiger im Benediktinerkloster zum heiligen Michael. Unter der Leitung dieses ebenso gelehrten als frommen Mannes blühte Benno zu den schönsten Hoffnungen auf. Der greise Bischof gewann den verständigen und sittsamen Jungen ungemein lieb und hatte ihn während der fünf letzten Lebensjahre, die er größtenteils auf dem Krankenlager zubrachte, häufig um sich. Dem Ende sich nahe fühlend, ließ er ihn noch einmal rufen und gab ihm weise Ermahnungen und Verhaltensregeln. Hier, am Sterbebett seines Gönners, lernte Benno frühzeitig das Nichtige und Hinfällige aller menschlichen Ehren und Würden durch eigene Anschauung kennen. Groß war sein Schmerz, als der Bischof starb, so dass Wiger ernstlich für die Gesundheit seines Zöglings besorgt wurde und durch alle möglichen Trostgründe ihn aufzurichten sich bemühte.

 

Als Benno zum jungen Mann herangereift war, sollte er sich nach dem Willen seines Vaters mit einer ebenbürtigen jungen Frau vermählen. Aber er fühlte keine Neigung zum Ehestand und versuchte ihm bis auf weiteres auszuweichen, indem er vorgab viel zu jung zu sein. Inzwischen betete er besonders zu Gott um Erleuchtung, welchen Stand er wählen sollte. Bals wurde ihm klar, dass er zum Mönchsleben berufen sei. Da während der Zeit sein Vater gestorben war und seine Mutter ihm kein Hindernis in den Weg legte, nahm er mit achtzehn Jahren im Kloster zum heiligen Michael das Ordenskleid. Er widmete sich mit allem Eifer dem Studium der heiligen Schrift und der Kirchenväter und wurde bald auch ein Muster strenger Zucht und körperlicher Enthaltsamkeit. Manche behaupten, er sei zu dieser Zeit von seinem Abt auf die Hochschule von Paris geschickt worden, um sich in den theologischen Wissenschaften vollkommen auszubilden, und habe dort die Doktorwürde erlangt. In seinem fünfundzwanzigsten Lebensjahr wurde er zum Diakon und im dreißigsten zum Priester geweiht. Nach vier Jahren schon wurde er nach dem Tod des Abtes Adalbert vom größten Teil seiner Brüder zum Nachfolger erwählt. Aber seine Demut ließ ihn diese Würde nicht länger als drei Monate ertragen, und er ruhte nicht eher, bis sie ihm wieder abgenommen und dem von der Minderheit gewählten Siegbert übertragen wurde. Jetzt schätzte er sich überglücklich, allen zeitlichen Geschäften und Sorgen, die das Amt eines Vorstehers unausweichlich mit sich bringt, enthoben zu sein und in ungestörter Stille leben zu können. Aber seine Freude sollte nicht lange währen.

 

Kaiser Heinrich III. hatte mit großem Aufwand in Goslar ein Stift regulierter Chorherren gegründet, dass das Vorbild für alle ähnlichen Anstalten in Deutschland sein und die ausgezeichnetsten und gelehrtesten Männer aufnehmen sollte. Benno wurde vom Kaiser als Probst dahin berufen. Siebzehn Jahre lang wirkte er in dieser Stellung voll von heiligem Eifer und das Stift erhob sich unter seiner Leitung zu einer hohen Stufe kirchlicher Vollkommenheit, und zwar so, dass im Lauf der Zeit nicht weniger als achtundvierzig Bischöfe aus ihm hervorgingen, die insgesamt wahre Zierden ihrer Stühle waren. Zu Goslar schloss der Heilige auch innige Freundschaft mit Hanno, der später Erzbischof in Köln und nach dem Tod Heinrich III. Reichsverweser wurde. Er war es auch, der bei der Erledigung des Bischofssitzes zu Meißen die Wahl auf Benno leitete. Aber ihm musste der Hirtenstab gleichsam aufgezwungen werden und nur widerstrebend ließ er sich im Jahr 1066 vom Erzbischof Wernher von Magdeburg weihen.

 

Das Bistum Meißen hatte damals eine große Wichtigkeit und erforderte einen Mann von Weisheit und apostolischer Kraft. Im Land diesseits der Elbe selbst war das deutsche Element noch nicht gänzlich befestigt. Jenseits herrschte vollends noch slawisches Heidentum, und im Süden, in Böhmen, war der christliche Glaube kaum erst im Keimen. Der Erfolg rechtfertigte Hannos Wahl vollkommen. Benno sammelte in seinem Kapitel Männer um sich von erprobter Frömmigkeit und Gelehrsamkeit, bildete einen Klerus, der weit umher als Muster voranleuchtete, und bereiste selbst unermüdlich seinen Sprengel, um überall das Volk zu belehren und den heidnischen Aberglauben zu vertilgen. Als seine Hauptaufgabe aber betrachtete er die Bekehrung der Slawen jenseits der Elbe, die noch immer ihre alten Götzen Swantewit und Radegast anbeteten. Er ließ Missionen halten, gründete Kirchen und Klöster und pflanzte seinen Geistlichen einen Eifer für den apostolischen Beruf ein, der schon zu seiner Zeit, noch mehr aber nach ihm die herrlichsten Früchte trug. Bei diesen anstrengenden Arbeiten hatte er im eigenen Haus mit der Not zu kämpfen, denn das Vermögen der Kirche zu Meißen war durch die Sorglosigkeit der Vorfahren und widerrechtliche Eingriffe der weltlichen Machthaber sehr geschmälert worden. Wenn nun der Heilige die Einkünfte seines Bistums wieder herzustellen versuchte, so geschah dies lediglich zum Besten seiner Herde. Er musste Quellen haben, aus denen die Diener der Kirche besoldet, der Glanz der äußeren Gottesverehrung erhöht, die Schulen erhalten und die Armen unterstützt werden konnten. Er selbst lebte äußerst mäßig, ja man darf sagen ärmlich und behielt beinahe nichts für seine eigenen Bedürfnisse. Im Gegenteil verwendete er zur Aufbesserung des Kirchenvermögens den Rest seines Erbgutes. Und auch seine Mutter vermachte ihre ganze Habe dazu.

 

Leider wurde Benno in seinem friedlichen und segensreichen Wirken gestört durch die verderblichen politischen Stürme, die unter Heinrich IV. Deutschland verwirrten. Das sächsische Volk und seine Großen spielten in diesen inneren Kämpfen eine Hauptrolle, und so wurde auch der Heilige in sie verwickelt. Die fränkischen Kaiser wollten das Sachsenvolk nicht als ebenbürtigen Stamm im Reich gelten lassen und betrachteten mit Eifersucht seine, durch die Ausdehnung nach Osten, wachsende Macht. Nach absoluter Gewalt strebend, wollten sie die Sachsen zinsbar machen und dadurch ihre Hausmacht zu erhöhen. Dagegen erhob sich einmütig das Sachsenvolk und fand im Papst einen Beschirmer seiner nationalen Rechte. Heinrich IV. wollte das Deutsche Reich zu einer Diktatur machen, in der jegliche Freiheit des Volkes unterdrückt und die Kirche dem Staat dienstbar geworden wäre. Benno stand in dem Streit auf Seite der Sachsen und des Papstes. Als der Kaiser in der Schlacht an der Unstrut gesiegt hatte, überschwemmten seine Kriegsvölker das Bistum Meißen, verwüsteten die Stadt und führten den Bischof gefangen nach Böhmen ab. Statt des milden väterlich gesinnten Benno herrschte nun im Land Graf Burkhard, Heinrichs Feldhauptmann, ein trotziger und blutgieriger Mensch, der die traurigsten Spuren seiner Gewalttätigkeit zurückließ. Das Jahr darauf gab Heinrich dem Bischof die Freiheit wieder. Als Benno nach Meißen zurückkam, fand er seine Kirche zerstört. Tröstend sprach er zu der wehklagenden Geistlichkeit: „Der Herr hat´s gegeben, der Herr hat´s genommen; der Herr kann es wieder geben mit noch reichlicherem Zins. Der Name des Herrn sei gepriesen.“ Und nun ging er daran, die Wunden zu heilen, die der Krieg seiner Herde geschlagen hatte. Er erbaute die Kirche von Meißen wieder und half durch reiche Spenden der dringendsten Not des Volkes ab.

 

Bald aber erfolgte ein neuer Sturm, der noch weit heftiger und für die ganze Christenheit nachteiliger war, wir meinen die Irrung zwischen Gregor VII. und dem Kaiser. Heinrich berief Benno nach Worms, wo er durch seine feilen Bischöfe die Absetzung des Papstes aussprechen ließ. Der Heilige aber erschien nicht, sondern ging, statt an solchem Frevel teilzunehmen, nach Rom, um der Synode beizuwohnen, die zu eben dieser Zeit – im Jahr 1076 – Gregor VII. daselbst hielt. Wohl wusste er, dass er mit einem solchen Schritt den ganzen Zorn des Kaisers auf sich ziehen würde. Aber dies konnte ihn in seiner Treue zu dem Statthalter Christi nicht wanken machen. Bei seiner Abreise von Meißen übergab er die Schlüssel der Domkirche zwei Kanonikern, mit dem Befehl, sie, falls Heinrich vom Konzil exkommuniziert würde, lieber in die Elbe zu werfen, als dem mit dem Bann Beladenen den Eintritt in das Gotteshaus zu gestatten. Wirklich wurde der Kaiser von der Kirchengemeinschaft ausgeschlossen, und die Domherren sperrten der empfangenen Weisung gemäß die Kirche und übergaben den Schlüssel den Fluten des Stromes. Der Bischof wurde auf dem Heimweg von Rom abermals gefangen genommen, jedoch im Jahr 1085, zur Versöhnung der Gemüter in Sachsen, in seinen Stuhl wieder eingesetzt. Wie die Legende erzählt, kehrte er, um unerkannt zu bleiben und einem prunkvollen Empfang auszuweichen, verkleidet nach Meißen zurück und mietete sich in einer Herberge ein. Zur gleichen Stunde wurde dahin ein großer Fisch gebracht, der in der Elbe gefangen worden war, und als man ihn aufschnitt, um ihn für den Gast zu bereiten, fand man in seinen Eingeweiden die Schlüssel des Domes. Durch dieses wunderbare Ereignis erkannte man in dem Fremden den Bischof und Vater der Stadt, und mit Jubel und Freude wurde er von der Geistlichkeit und den Bürgern in seine Kirche geführt. Deshalb geben die Maler dem Heiligen auf ihren Bildern einen Fisch als Kennzeichen bei.

 

Die letzten zwanzig Jahre seines Lebens verwendete Benno, die durch die Wirren gestörte Ordnung in seiner Herde wieder herzustellen und das unterbrochene Werk der Slavenbekehrung zu vollenden. Viele, die früher Christen waren, hatten sich während seiner Abwesenheit wieder dem Heidentum zugekehrt. Einige von ihnen kamen zu dem Heiligen und bekannten reumütig ihren Fall. Mit schonender Liebe nahm er sie auf und verschaffte ihnen die Gnade der Versöhnung. Diese Milde lockte bald andere, auf gleiche Weise ihr Heil zu sichern, und schließlich kamen die Heiden scharenweise nach Meißen und legten ihre Götzenbilder zu den Füßen des Bischofs nieder. Der Zudrang wurde so groß, dass Benno ein Tal außerhalb der Stadt zum Versammlungsplatz bestimmen musste. Hier verkündete er das Wort des Herrn und bekräftigte es durch Wunder. Eines Tages bei glühender Sonnenhitze, wo die seiner Predigt zuhörenden Heiden vor Durst verschmachten wollten, berührte er mit einem Stab die Erde, und eine frische Quelle sprang hervor. Das Tal, in dem das Wunder geschah, heißt jetzt noch „das heilige Tal“, die Quelle „der heilige Brunnen“. So hatte der Heilige die Freude, sein Mühen herrlich gesegnet zu sehen, und ging schließlich am 16. Juni 1106, 96 Jahre alt, reich an Verdiensten zur ewigen Belohnung ein. Seinen Leichnam erhob um das Jahr 1270 der Bischof Witticho und errichtete ihm im Dom zu Meißen ein prachtvolles Denkmal von schwarzem Marmor, an dem viele Wunder geschahen. Papst Hadrian VI. hat ihn 1523 unter die Heiligen versetzt und dadurch sein Andenken im deutschen Volk erneuert. Die Protestanten zerstörten sein Grab und Luther schrieb bei Veranlassung seiner Heiligsprechung eine Schmähschrift unter dem Titel: „Wider den neuen Abgott und alten Teufel, der zu Meißen soll erhoben werden.“ Wir aber betrachten den heiligen Benno mit Recht als eine Zierde der Kirche und als einen der größten Männer unseres deutschen Volkes. Um seine ehrwürdigen Reste weiteren Verunglimpfungen zu entziehen, ließ sie Herzog Albert V. von Bayern im Jahr 1576 nach München bringen, wo sie in der Domkirche zu Unserer Lieben Frau ruhen, hoch verehrt von den Gläubigen Altbayerns, die den heiligen Benno als Landespatron anrufen.

 

Die heilige Julitta mit ihrem Kind Zyrus, Martyrin von Tarsus, Cilicien,

+ 16.6.304 - Fest: 16. Juni

 

Die heilige Julitta wurde in Ikonien aus einer der angesehensten Familien der Provinz geboren. Noch berühmter aber war sie wegen ihrer seltenen Gottseligkeit und ihres Eifers für die Religion. Sie verheiratete sich in Ikonien und bekam einen Sohn mit Namen Zyrus, oder wie andere schreiben, Quirikus, den sie unmittelbar nach empfangener Taufe Gott opferte, damit er ihn in der Unschuld bewahren möchte, die er ihm in diesem Sakrament erteilt hat. Da die tyrannischen Kaiser Diokletian und Maximian ihr blutdürstiges Edikt wider die Christen öffentlich hatten bekannt machen lassen, ließ der Statthalter der Provinz Ikonien, namens Domitianus, voller Eifer genau darauf achten, dass es nach seinem ganzen Inhalt aufs Strengste befolgt würde. Julitta, die gegen sich selbst wegen ihrer Schwäche sehr misstrauisch war, wollte sich lieber bei Zeiten entfernen, als den Augenblick abwarten, in dem man sie ergreifen würde. Sie verließ daher, von zwei Mägden begleitet, die Stadt und Provinz Ikonien, und nahm ihren Sohn Zyrus, der damals erst drei Jahre alt war, mit sich. Die Verfolger aber entdeckten diese gottselige Frau in ihrem Versteck, verhafteten sie und brachten sie in das Gefängnis. Es dauerte nicht lange, da ließ der Richter sie vorführen. Mit dem dreijährigen Zyrus in den Armen erschien Julitta vor dem Richterstuhl Alexanders. Ihren zwei Mägden, voll des Schreckens, gelang zunächst die Flucht, als sie sich aber ein wenig von ihrer Flucht erholt hatten, kamen sie wieder zurück und mischten sich unter die Volksmenge, um zu erfahren, was mit ihrer Frau und dem kleinen Zyrus geschehen würde.

 

Als Alexander mit seinen gerichtlichen Fragen den Anfang gemacht hatte, erkundigte er sich bei ihr nach ihrem Namen, ihrem Stand und ihrem Vaterland. Sie aber gab auf alle diese Fragen nur eine einzige Antwort: „Ich bin eine Christin, nie werde ich den Götzen opfern.“ Und weil sie auf alle anderen Fragen des Präfekts allezeit diese Antwort wiederholte, wurde er so zornig und aufgebracht, dass er ihr ihren unschuldigen Sohn aus den Armen reißen ließ, damit sie auf die Folterbank gebracht würde. Sogleich dehnten sie die Henker auf der Folter aus, banden ihre Arme und Beine zusammen, und geißelten sie mit Ochsensehnen so lange, bis ihr Leib ganz zerfleischt wurde. Indessen fing das Kind, das sich von seiner Mutter getrennt sah, zu weinen und erbärmlich zu schreien an; da es noch dazu wahrnahm, wie sehr man seine Mutter misshandelte, bemühte es sich aus allen Kräften, wieder zu ihr zu kommen. Der Richter von der Schönheit des Kindes gereizt, ließ es zu sich bringen, um ihm zu schmeicheln und sein heftiges Geschrei und Weinen zu stillen. Er setzte es auf seine Knie und wollte es küssen. Aber das Kind stieß ihm mit seinen kleinen Händen den Kopf zurück und infolge der Empfindungen, die Kinder in diesem Alter haben, gab es sich alle nur erdenkliche Mühe, sich loszuwinden. Es zerkratzte dem Richter das Gesicht, riss ihn mit den Händen am Bart und stieß mit den Füßen gegen ihn. So sehr man sich auch mühte, ihm den Gedanken an seine Mutter zu nehmen, so warf es doch unaufhörlich seine Augen auf sie und schrie wie sie: „Ich bin ein Christ!“ Da der barbarische Richter sah, dass es sich immer mehr widersetzte und gegen alle seine angewandten Bemühungen nur noch mehr Gewalt brauchte, sich aus seinen Armen loszureißen, geriet er in eine so ungewöhnliche Raserei, dass er den kleinen Zyrus bei einem Fuß ergriff und ihn von der Höhe seines Sitzes auf die Erde hinabschleuderte. Der Kopf dieses unschuldigen Opfers zerschmetterte an der Ecke des Fußtrittes. In einem Augenblick sah man den ganzen Ort mit Blut benetzt und mit dem Gehirn des Kindes bedeckt. Alle Zuschauer verabscheuten diese viehische Grausamkeit. Julitta allein sah diesen Anblick mit trockenen Augen an. Und um den Anwesenden begreiflich zu machen, wie sehr die Gnade desjenigen, für den sie litt, sie über alle Empfindungen der Natur erhoben hätte, rief sie mit voller Stimme laut: „Herr! Ich sage dir Dank, dass es dir gefallen hat, meinem Sohn vor der Mutter die Krone der Unsterblichkeit zu erteilen.“ Der Richter, wie die anwesende Volksmenge, hörten hier ein Gebet, aus dem sie leicht schließen konnten, wie schwer es fallen würde, die Bekennerin Jesu Christi auf andere Gesinnung zu bringen, indem sie eine so großmütige Verachtung gegen das Leben und den Tod äußerte. Alexander fing wirklich an zu verzweifeln, ob es ihm gelingen würde, über den unerhörten Mut einer Frau zu siegen. Indessen, um alles zu wagen, ließ er sie nochmals auf die Folter bringen, mit dem grausamen Befehl, man sollte ihr die Seiten mit eisernen Nägeln zerreißen und auf die Füße siedendes Pech gießen. Dabei ließ er ihr durch einen Gerichtsdiener sagen: „Julitta! Habe Mitleid mit dir selbst und opfere den Göttern, sonst wirst du wie dein Kind eines elenden Todes sterben.“ Die unerschrockene Bekennerin, die gegen alle Drohungen des Richters unempfindlich war, schrie aus vollem Hals: „Ich opfere keinen tauben und stummen Bildsäulen, ich bete aber Jesus Christus an, den einzigen Sohn Gottes, durch den der ewige Vater alles erschaffen hat; und ich eile, mich mit meinem Sohn durch einen rühmlichen Martertod im Himmelreich wieder zu vereinigen.“

 

Alexander, der durch die Standhaftigkeit und den Heldenmut dieser unerschrockenen Martyrin immer mehr in Zorn geriet, befahl, der Kopf solle ihr abgeschlagen und der Leib ihres Sohnes samt dem ihrigen an den Ort hingeworfen werden, wo die der Übeltäter nach der Hinrichtung gewöhnlich gebracht werden. Auf diesen Befehl wurde Julitta von den Henkern ergriffen und zur Richtstätte geführt. Da sie dort angekommen war, bat sie sich einige Augenblicke aus, ihr Gebet voraus zu schicken. Da man ihr diese Bitte gewährt hatte, warf sie sich auf ihre Knie zur Erde nieder und fing also zu beten an: „Herr, der du meinen Sohn vor mir, deiner Magd, zu dir berufen hast; o Jesus, der du aus einer ganz unverdienten Barmherzigkeit und zur Verherrlichung deines Namens ihn von diesem Elend dieses Lebens hast befreien wollen, um ihn der Anzahl deiner Heiligen bei zugesellen, würdige dich auch, einen gnädigen Blick auf deine Dienerin zu werfen. Ungeachtet meiner Unwürdigkeit, schenke mir einen Platz unter dem Chor jener weisen Jungfrauen, die bestimmt sind, dein Lob zu besingen und dich ewig anzubeten. Möchte doch mein Geist Gott, deinen Vater, den Erschaffer und den Erhalter aller sichtbaren Dinge, mit dem heiligen Geist ewig loben und preisen! Amen.“ Sobald Julitta Amen gesagt hatte, hieb ihr der Scharfrichter das Haupt ab und ihr Leib wurde mit dem Leib ihres Sohnes, wie es der Präfekt befohlen hatte, außerhalb der Stadt auf den Schindacker hingeworfen, im Jahr 305. Am folgenden Tag erhoben die zwei Mägde, von denen vorhin die Rede war, die Leiber der heiligen Märtyrer in der Nacht und beerdigten sie.

  

Die heilige Lutgardis, Jungfrau und Nonne von Aywieres, Brabant,

+ 16.6.1246 – Fest: 16. Juni

 

Im Reich Gottes begegnen uns manche Seelen, die in so vertrautem Verhältnis mit Jesus standen, wie ein Kind mit seinem Vater, wie ein Freund mit seinem Freund, wie eine Braut mit ihrem Bräutigam. Eine solche Braut Christi war die heilige Lutgardis, eine der hervorragendsten Erscheinungen auf dem Gebiet der christlichen Mystik. Zu Tongern im Jahr 1182 von angesehenen Eltern entsprossen, wurde sie von ihrem Vater schon früh zum Ehestand bestimmt, aber die Mutter und ihr eigener Antrieb brachten es dahin, dass sie in das Katharinenkloster der Benediktinerinnen bei der Stadt des heiligen Trudo eintrat. Sie war erst etwas über zwölf Jahre alt. Zwei junge Männer, die ihr nachstellten, wies sie standhaft ab, wobei ihr Jesus Christus in himmlischer Schönheit erschien und auf seine blutende Seitenwunde zeigend sprach: „Hier betrachte, was und warum du lieben sollst; hier wirst du die reinsten Wonnen finden.“

 

Seitdem trat sie in ein inniges Wechselverhältnis mit ihrem Heiland, der ihr unzählig oft erschien, aber fast immer mit der offenen und blutenden Seitenwunde, und sie schöpfte daraus himmlische Kraft und Freude. Auch die Mutter Gottes, die heiligen Engel, der heilige Johannes der Täufer, die heilige Katharina und andere Heilige pflegten mit ihr ein vertrautes Verhältnis. Dann wurde sie von himmlischem Licht verklärt und sie schwebte hoch über der Erde. Manchmal floss sie vor Freude und Seligkeit über ihre Begnadigung über, so dass es wie Öl von ihren Fingern träufelte. Während sie andächtig im Chor betete oder sang, schien es ihr oft, als wenn sich der Herr in Gestalt eines wunderschönen Lammes an ihr Herz legte, und wenn sie zu Ehren der Mutter Gottes die Worte sang: „Die Gnade ist über deine Lippen ausgegossen“, so hatte ihre Stimme etwas so Schönes und Ergreifendes, wie wenn himmlische Töne ihrem Herzen entströmten. Bei all diesen Gnadenerweisen verharrte sie in tiefster Demut und treuer Pflichterfüllung.

 

Im Jahr 1200 legte Lutgardis die Klosterprofess ab und wurde fünf Jahre später von ihren Mitschwestern zur Priorin gewählt. Um von dem Vorsteheramt befreit zu werden, trat sie auf den Rat der heiligen Christina der Wunderbaren in das Kloster der Zisterzienserinnen zu Aquirik bei Brüssel. Hier setzten sich die himmlischen Gunstbezeugungen fort. Während sie das Leiden Christi betrachtete, erschien sie am ganzen Leib mit Blut übergossen. Einst empfand sie nach der heiligen Kommunion eine solche Fülle himmlischen Trostes, dass die Stunden bis Mittag wie Minuten vergingen. Da sie zu Tisch gerufen wurde und aus Demut und Gehorsam folgte, bat sie Jesus inständig: „Verlasse mich jetzt, o Herr, und kehre unterdessen bei meiner Mitschwester ein!“ Sogleich wurde ihr Gebet erhört.

 

In übergroßem Verlangen nach dem Martyrium zersprang ihr eine Herzader. Sie verlor viel Blut, aber Jesus gab ihr die Versicherung, er wolle dieses Blut als Marterblut aufnehmen. Einer Menge Kranker und Versuchter verschaffte sie durch ihr Gebet Befreiung von ihren Leiden, und hatte die Gnade, durch liebevolles Zureden, zuweilen schon durch einen einzigen, ernsten, wehmütigen Blick, die größten Sünder zu bekehren. Auf göttliches Geheiß übernahm sie dreimal in ihrem Leben ein strenges, siebenjähriges Fasten, das erste Mal wegen der albigensischen Irrlehre, danach für die Bekehrung der Sünder, und zuletzt zur Abwendung einer großen Kirchenverfolgung. Während sie auf solche Weise den Bedrängten half, kam sie auch den Verstorbenen mit Gebeten und Bußwerken zu Hilfe, und diese erschienen ihr oft bittend, oft dankend, oft errettet und von himmlischer Herrlichkeit umstrahlt.

 

Lutgardis hatte eine große Sehnsucht nach ewiger Vereinigung mit ihrem himmlischen Bräutigam. Da erschien ihr Jesus, zeigte ihr seine Wunden und sprach: „Betrachte, wie meine Wunden zu dir rufen, dass ich nicht umsonst mein Blut vergossen und den Tod gelitten habe.“ Erstaunt und erschrocken fragte sie: „Was bedeutet das Rufen deiner Wunden?“ Da bekam sie die Antwort: „Durch deine Übungen und Gebete wirst du den Zorn des Vaters besänftigen, dass er die Sünder nicht in den Tod verwerfe, sondern dass sie durch die Barmherzigkeit Gottes bekehrt und gerettet werden.“

 

Eine alte Klosterfrau hatte das Gehör verloren und weinte einst bitterlich. Lutgarde fragte sie durch ein Zeichen, warum sie weine. Sie antwortete: „Warum soll ich Ärmste nicht weinen, da ich so taub bin, dass ich nicht einmal den feierlichen Gesang, mit dem Gott gedient wird, höre?“ Lutgarde warf sich zum Gebet auf die Knie, stand dann auf, benetzte ihre zwei Finger mit Speichel und legte sie ihr in die tauben Ohren. Die Frau erhielt sogleich den vollständigen Gebrauch ihres Gehöres wieder.

 

Eine junge Ordensperson geriet durch heftige Versuchungen fast in Verzweiflung und bat Lutgarde um ihre Fürbitte. Lutgarde vertröstete sie auf den Karfreitag. Sobald der Priester das Kreuz zum Ecce lignum crucis erhebe, werde ihr geholfen werden. So geschah es. Das Mädchen wurde von aller Versuchung frei und mit göttlichem Trost erfüllt.

 

Die Herzogin von Brabant, eine Tochter des Königs Philipp von Frankreich, erkrankte schwer und bat Lutgarde, für die sie eine besondere Verehrung hegte, sie möge für sie beten. Lutgarde tat dies und ließ der Herzogin sagen, sie werde nicht mehr vom Bett aufstehen, sie möge sich durch würdigen Empfang der Sterbesakramente auf die Ankunft des Herrn wohl vorbereiten. Die Herzogin starb bald und Lutgarde erkannte durch eine Erscheinung, dass die Verstorbene etwas viel Besseres, als leibliche Genesung, nämlich die ewige Seligkeit erlangt habe.

 

So wirkte die gottbegnadete Jungfrau von ihrer armen Klosterzelle aus segensreich für nähere und weitere Kreise. Ihr himmlischer Bräutigam zog ihr reines Herz immer mehr von der Welt ab, und damit ihr Geistesauge umso klarer werde, legte er einen dunklen Schleier über ihre leiblichen Augen. Ihre elf letzten Lebensjahre war sie blind. Ein Jahr vor ihrem Tod hatte sie eine Erscheinung, in der ihr Jesus Christus offenbarte: „Nun kommt bald das Ende deiner Arbeit; du sollst nicht lange mehr von mir getrennt sein! Nur drei Dinge verlange ich von dir in diesem Jahr: Erstens, dass du Dank sagst für die schon empfangenen Gnaden; zweitens, dass du für die Sünder dich ganz im Gebet an meinen Vater wendest; drittens, dass du ohne alle andere Sorge nur noch verlangst, zu mir zu kommen.“

 

Die Stunde ihrer ewigen Vereinigung mit dem göttlichen Bräutigam schlug am 16. Juni 1246, nachdem sie das 64. Lebensjahr erreicht hatte, von denen sie 40 Jahre im Kloster zu Aquirik verlebte. Ihre wunderbare Lebensgeschichte hat ein Zeitgenosse und vertrauter geistlicher Freund Lutgardens, der Dominikaner Thomas Cantipratanus, der Nachwelt überliefert.

 

Die selige Maria Theresia Scherer, Ordensfrau, Generaloberin,

+ 16.6.1888 – Gedenktag: 16. Juni

 

Da wurde im Jahr 1825 auf einem kleinen Bauernhof in der Schweiz, dessen Eigentümer Scherer hieß, ein Mädchen geboren, das in der Taufe den Namen Katharina erhielt. Aus diesem Bauernmädchen ist später eine Königin im Reich der Liebe geworden.

 

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts hätten die meisten Leute eine weite Reise machen müssen, um Barmherzige Schwestern zu sehen. Im 20. Jahrhundert begegnete man diesen Engeln der dienenden Liebe zum Glück bis in die entlegensten Dörfer. Heute ist so eine Begegnung eher wieder selten geworden. Damals jedenfalls waren sie noch eine große Seltenheit. Da kam keine Schwester, um die Hauskranken zu pflegen, da gab es kaum Krankenhäuser, Kinder- und Altersheime, da wuchsen die Kinder vielfach noch ohne geregelten Schulunterricht heran, da herrschte, mit einem Wort gesagt, unter den ärmeren Leuten eine große Not. So war es überall, und in der Schweiz verhielt es sich auch nicht anders.

 

Es lebte da aber ein Kapuziner, der hieß Pater Theodosius Florentini. Es war eine ragende Gestalt mit langem Bart, ein unternehmungslustiger Mann, der alles, was er anpackte, auch durchsetzte. Ihm ging die Not des Volkes zu Herzen, und so kam er auf den Gedanken, zunächst einmal für den Schulunterricht eine Vereinigung von Barmherzigen Schwestern ins Leben zu rufen. Gedacht, getan, und als er nach fünf Jahren eine Handvoll Schwestern um sich geschart hatte, teilte er sie in zwei Hälften und bildete aus der zweiten Hälfte eine neue Ordensgesellschaft mit der Aufgabe, vorzüglich den Kranken zu dienen. An ihre Spitze stellte der Stifter die oben erwähnte Katharina Scherer, die mittlerweile unter dem Klosternamen Maria Theresia Barmherzige Schwester geworden war.

 

In einem baufälligen Haus mit zerbrochenen Fensterscheiben fing man an. Wind, Regen und Schnee waren ständige Gäste. Vom Speicher bis zum Keller herrschte bitterste Armut. Noch fehlten die Betten, man schlief auf dem nackten Boden. Im Wald sammelten die Schwestern Brennholz. Man kaufte auf Borg, bis die Händler die Waren nur noch gegen bares Geld liefern wollten, und weil die Schwestern kein bares Geld hatten, hungerten sie. So fing es an.

 

Lange ging es auch so weiter, aber fünf Jahre nach der Gründung hatte die umsichtige Oberin, Schwester Maria Theresia Scherer, schon fünfzig Niederlassungen gegründet, in denen ihre Schwestern zum Wohl der Menschheit segensreich wirkten. Da gab es Kranken- und Waisenhäuser, Altersheime und Kindergärten, Taubstummen- und Blindenanstalten. Nicht nur in der Schweiz war es so, sondern in vielen Ländern: in Deutschland, Böhmen, Österreich, Italien, Ungarn, auf dem Balkan, in Amerika, in Indien und China. Hundert Jahre nach der Gründung zählte die Ordensgesellschaft, deren Mitglieder man die Kreuzschwestern nennt, tausend Caritasanstalten mit nahezu zehntausend Barmherzigen Schwestern, die sich im Dienst der Notleidenden aufopfern.

 

Ein weites Reich der Liebe ist es, das sich da vor unserem Blick auftut. Die Königin in diesem Reich der Liebe ist Maria Theresia Scherer, und die Untertanen sind die armen Leute, die Alten, die Kranken, die Waisen, die Krüppel, die Stummen, die Tauben, die Blinden, auch die Menschen in den Gefängnissen und in den Besserungsanstalten. Unübersehbar ist der Segen, der von den Kreuzschwestern ausgeht, und die Quelle des Segens ist das mütterliche Herz der hochedlen Frau Maria Theresia Scherer, die das große Werk der Barmherzigkeit unter unvorstellbaren Schwierigkeiten begann, ausführte und durchsetzte, bis sie am 16. Juni 1888 im Alter von dreiundsechzig Jahren nach einem reichgefüllten Leben im Dienst der christlichen Nächstenliebe starb.

 

Maria Theresia Scherer war also eine Königin im Reich der Liebe, und wie sie, so ist jede Barmherzige Schwester eine Königin im Reich der Liebe, selbst dann ist sie es, wenn ihr Reich nur aus einem einzigen Krankensaal besteht, denn alle Tage spendet sie mit königlicher Freigebigkeit den Pflegebefohlenen Liebe und Güte, und dafür wird ihr in dankbaren Menschenherzen ein Thron errichtet, und der liebe Gott wird ihr einst die Krone der Herrlichkeit schenken.

 

Maria Theresia Scherer wurde am 29. Oktober 1995 von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.

 

Gebet am 16. Juni

 

Geliebte Mutter Maria, die du eine Zuflucht der Sünder bist, verlasse mich nicht, habe Mitleid mit mir. Wenn ich auch ehemals deinen göttlichen Sohn beleidigt habe, siehe, jetzt bereue ich es von ganzem Herzen. Jetzt bin ich bereit, lieber tausendmal das Leben zu verlieren, als von Neuem seiner göttlichen Gnade zu entsagen. Bitte ihn, dass er mir vergibt, dass er mir die Gnade der Beharrlichkeit verleiht. Amen. 

 

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Benno

 

O Gott, der Du uns durch das ruhmvolle Bekenntnis des heiligen Bischofs Benno einen Schild und Wall verliehen hast, gib uns die Gnade, dass wir durch seine Nachahmung an Tugenden wachsen, und uns seiner Fürbitte in allen Anliegen erfreuen. Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Zu Nüremonde wurde im Jahr 1211 vom Grafen Gerardus von Geltern und seiner Gemahlin Margarita ein jungfräuliches Zisterzienserkloster zur Ehre der seligsten Jungfrau gestiftet. 

 

Andacht am 16. Juni:

 

Das Thema im Juni:

Vom Gehorsam

"Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen." (Matthäus 23,3)

 

"Wahrhaft gehorsam ist, wer mit Freuden und ohne Widerwillen etwas Befohlenes tut, das seiner eigenen Neigung und seinem Nutzen zuwider ist. (Der gottselige Alphons Rodriguez)

Man beauftragte den heiligen Johannes Berchmans für gewöhnlich, bei einer sehr langen Messe zu dienen, die zu einer äußerst unbequemen Stunde, nämlich zur Zeit der Studien gelesen wurde. Er aber übernahm diesen Auftrag mit Freuden und ministrierte mehrere Monate hindurch, ohne dass er irgend versucht hätte, dieses Amt los zu werden, das die Vorsehung ihm angewiesen hatte.

Ein sehr frommer Ordensmann, der, bevor er in den Orden trat, Arzt gewesen war und die Arzneikunde viele Jahre ausgeübt hatte, wurde einst von einem höchst schmerzhaften Seitenstechen befallen. Ob er aber nun auch sah, dass der Arzt des Klosters seine Krankheit gegen alle Regeln der Kunst behandelte, nahm er dennoch die Arzneien, die er ihm verordnete, mit größter Ruhe und starb schließlich an dieser Krankheit. 

 

Mein Gott, nicht meiner Neigung, sondern Deinem Willen allein will ich künftighin folgen. Dein heiliger Wille sei meine Wonne; ihn will ich in allen Dingen durch treuen Gehorsam erfüllen! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 16. Juni

 

"Macht es euch zum Gesetz, niemand etwas schuldig zu bleiben.

Es ist das Mittel euch einen ruhigen Schlaf und den Frieden des Gewissens,

ein Leben ohne Unruhe und einen Tod ohne Beängstigung zu sichern."

 

hl. Ludwig von Granada OP

1504 bis 31.12.1588

 

Betrachtung am 16. Juni - Vom Kampf gegen die innerlichen Feinde

 

Meine Seele, Ruhm und Sieg

Glänzet nur im Kampf und Krieg;

Und die goldne Siegeskrone

Wird dem Tapfern nur zum Lohne.

 

1. "Ist nicht Kriegsdienst des Menschen Leben auf der Erde?" (Ijob 7,1) Dieser Kriegsdienst beginnt beim Erwachen unserer Vernunft und dauert, bis der Todesengel zum Abzug bläst. Wir, die wir bereits in der Taufe die Rüstung Christi angezogen haben, und als Streiter seines Heeres in seine Rollen eingeschrieben sind, haben uns verpflichtet, gegen seine Feinde zu streiten, die nicht weniger auch unsere sind. Zwischen diesen beiden Heeren gibt es keinen Waffenstillstand. Wer nicht streitet, wird als überwunden betrachtet. Zeugen bei diesem Kampf sind Engel, und nicht selten auch Menschen. Der Kampfrichter aber ist Gott, der, je nach unserer Tapferkeit, ewige Siegeskronen uns reichen wird. 

 

2. Die Feinde, gegen die wir besonders kämpfen müssen, sind, wie unser Feldherr selbst uns lehrt, unsere Hausgenossen, nämlich die innerlichen Feinde, unsere Fehler, Leidenschaften und Laster. Edle, starke und geübte Helden ziehen beim Kampf gegen diese Philister sogleich auf den Riesen Goliath los, weil, wenn ihm das Haupt abgeschlagen ist, die übrigen Feinde leicht zu überwinden sind. Und ruhmwürdig ist allerdings dieser Kampf, der unfehlbar zum Sieg führt. Denn ist einmal der Quell verstopft, dann hört das giftige Gewässer von selbst auf zu fließen, und ist die Hauptleidenschaft überwunden, dann legen sich allmählich auch die übrigen.

 

3. Blicke hin auf so viele gekrönten Streiter Jesu Christi, ihr Anblick wird dich ermutigen. Verlass ja den Kampfplatz nicht, ob du auch anfangs sogar verwundet wirst. Denn ein starker, tiefgewurzelter Baum fällt nicht auf den ersten Streich. Allmählich wirst du mit der Hilfe des Herrn siegen lernen und Triumphgesänge anstimmen. Sähest du die Siegeskrone, die der Herr dir bereitet: wie eifrig würdest du zum Kampf sein. Offenbarung 3,21-22: "Wer siegt, der darf mit mir auf meinem Thron sitzen, so wie auch ich gesiegt habe und mich mit meinem Vater auf seinen Thron gesetzt habe. Wer Ohren hat, der höre." Muss nicht eine solche Verheißung auch den Feigherzigsten ermutigen? Psalm 18,38: "Ich verfolge meine Feinde und hole sie ein, ich kehre nicht um, bis sie vernichtet sind."

 

17. Juni

 

Die heiligen Nicander und Marcianus,

Soldaten und Martyrer von Venafro, Italien,

+ 284-305 - Fest: 17. Juni

 

Aus den Akten der heiligen Nicander und Marcianus scheint hervorzugehen, dass sie unter Diocletian und wahrscheinlich in Mösien, einer Provinz Illyriens, unter eben dem Statthalter litten, der auch den heiligen Julius verurteilte. Sie hatten sich im römischen Heer als tapfere Krieger ausgezeichnet, aber, nachdem sie zur Erkenntnis des Heils geführt worden waren, den Dienst und alle Ehren der Welt verlassen, um unter der Fahne des Gekreuzigten das Himmelreich zu erobern. Dies wurde ihnen als Verbrechen angerechnet und Maximus, der Statthalter der Provinz, ließ sie verhaften und vor seinen Richterstuhl bringen. Er redete sie an: „Ihr kennt die Verordnungen der Kaiser, welche euch gebieten, den Göttern zu opfern? Kommt also und fügt euch denselben!“ Nicander entgegnete: „Dieser Befehl kann die Christen nichts angehen, weil ihnen durch ihr Gesetz verboten ist, den unsterblichen Gott zu verachten, um Holz und Steine anzubeten.“ Daria, Nicanders Gemahlin, die zugegen war, ermutigte ihren Mann zur Standhaftigkeit und sprach: „Tu ja nicht, was der Statthalter verlangt – hüte dich, unseren Herrn Jesus Christus zu verleugnen!“ Maximus unterbrach sie und rief: „Was für ein abscheuliches Weib, das seines Mannes Tod verlangt!“ Daria erwiderte: „Du irrst dich; ich will nur, dass er in Gott lebe, um nicht ewig zu sterben.“

 

Maximus: „Deine Absicht ist leicht zu durchschauen; du willst diesen los werden, um einen anderen zu heiraten.“

 

Daria: „Wenn du so von mir denkst und so Niedriges mir zutraust, so töte mich zuerst um meines christlichen Bekenntnisses wegen.“

 

Der Statthalter, der die Frauen betreffend keinen Befehl hatte, weil sich seine Vollmachten nur auf das Kriegsheer erstreckten, ließ die heldenmütige Frau in das Gefängnis abführen. Aber man gab ihr bald wieder die Freiheit. Sie kam in den Gerichtssaal zurück, um den Ausgang des Kampfes zu sehen, den ihr Gatte bestehen musste. Maximus wendete sich jetzt wieder zu Nicander und sagte: „Ich gebe dir einige Bedenkzeit, um zu überlegen, ob es besser sei zu leben oder zu sterben.“ Nicander antwortete: „Dieser Aufschub ist unnütz, da mein Entschluss schon gefasst ist; ich verlange nur mich zu retten.“ Maximus, der diese Worte in einem falschen Sinn verstand und glaubte, der Bekenner wolle, um sein Leben zu erhalten, den Göttern opfern, wünschte sich schon Glück zu dem erhaltenen Sieg über das Christentum, und äußerte sich in diesem Sinn gegenüber seinem Beisitzer Suetonius. Allein Nicander zog ihn bald aus dem Traum, indem er mit lauter Stimme zu dem Gott der Christen flehte, dass er ihn vor dem Verderben und der Versuchung dieser Welt bewahre. Hierüber wurde der Statthalter betroffen und sprach: „Wie, in diesem Augenblick schienst du leben zu wollen und nun verlangst du wieder den Tod?“ Hierauf Nicander: „Das Leben, nach dem ich mich sehne, ist ewig und von dem gegenwärtigen ganz verschieden. Deswegen überlasse ich meinen Leib deiner Gewalt; tu mit ihm, was du willst. Ich bin und bleibe ein Christ.“

 

Maximus nahm sich jetzt den anderen Bekenner vor und sagte zu ihm: „Was ist nun mit dir?“ Marcianus erwiderte: „Ich habe dieselbe Gesinnung und dasselbe Bekenntnis, wie mein Gefährte.“ „So sollt ihr denn auch“, rief der Statthalter, „miteinander ins Gefängnis wandern!“ Zwanzig Tage lagen die Heiligen im Kerker, bis sie Maximus zu einem zweiten Verhör vorführen ließ. Er empfing sie mit den Worten: „Ihr habt nun hinreichend Zeit gehabt, euch zu entschließen, den Verordnungen der Kaiser Folge zu leisten. Wohlan nun, opfert den Göttern und werdet wieder frei!“ Marcianus entgegnete: „Mit allen deinen Bemühungen wirst du uns nie dahin bringen, dass wir den wahren Gott verlassen; wir sehen ihn hier durch den Glauben gegenwärtig und wissen, wohin er uns ruft. Wir beschwören dich, die ewige Glückseligkeit uns nicht länger vorzuenthalten. Eile, uns zu dem hinüberzusenden, den ihr lästert, wir aber verehren und anbeten.“ Der Statthalter gestand ihm seine Bitte zu und verurteilte die beiden Bekenner zur Enthauptung, mit dem Beisatz: „Mir habt ihr nichts zu Leide getan und ihr werdet auch nicht durch mich verfolgt, sondern durch die Verordnungen der Kaiser. Ich bin rein und unschuldig an eurem Blut.“ Die Martyrer dankten ihm und bekannten, dass sie sehr menschenfreundlich von ihm behandelt worden seien. Lobsingend dem Herrn gingen sie zur Richtstätte und die Freude, von der sie durchdrungen waren, leuchtete aus ihren Gesichtern.

 

Nicander wurde begleitet von seiner glaubensstarken Frau und seinem Söhnlein, den Papinianus, der Bruder des heiligen Martyrers Pasikrates, auf den Armen trug. Dieser wünschte ihm fortwährend Glück zu seinem nahen Heil. Nicht so leicht wurde Marcianus der letzte Gang gemacht; er musste noch einen harten Kampf gegen Fleisch und Blut bestehen. Seine Frau, ganz anders gesinnt als Daria, hatte zum Zeichen ihrer tiefen Trauer die Kleider zerrissen, weinte und jammerte und suchte die Standhaftigkeit ihres Gatten durch alles, was ihr der Schmerz nur Rührendes eingeben konnte, zu erschüttern. Bald zeigte sie ihm das Kind, das sie ihm geboren hatte, bald hielt sie ihn am Gewand, um ihn zurückzuziehen. Er konnte sich ihres ungestümen Verhaltens nicht anders erwehren, als dass er einen der ihn umgebenden Freunde bat, sie mit Gewalt zurückzuhalten. Erst als er auf dem Richtplatz angekommen war, ließ er sie wieder in seine Nähe kommen, gab ihr den Abschiedskuss und sprach: „Entferne dich jetzt im Herrn, weil du doch den Mut nicht hast, mich sterben zu sehen.“ Daraufhin nahm er sein Söhnlein auf die Arme und hob es gen Himmel empor, sagend: „Herr, unser aller Vater, sorge du für dieses Kind!“ Jetzt fielen die beiden Heiligen einander sich um den Hals und traten sodann jeder auf den Platz, wo er den Todesstreich empfangen sollte. Da bemerkte Marcianus, dass die Gattin seines Gefährten sich herandrängte, aber wegen der Volksmenge nicht zu ihrem Gemahl kommen konnte. Sogleich ging er auf sie zu, reichte ihr hilfreich die Hand und führte sie zu ihrem Mann, der zu ihr sprach: „Gott sei mit dir!“ Sie stellte sich neben ihn und sagte: „Sei guten Mutes – zeige dich stark im Kampf. Zehn Jahre habe ich zu Hause ohne dich gelebt, als du im Krieg abwesend warst, und während dieser ganzen Zeit flehte ich unaufhörlich zu Gott um die Gnade, dich wieder zu sehen. Jetzt habe ich dich gesehen und bin so glücklich, die Frau eines Martyrers zu sein. Gib Gott Zeugnis, damit du auch mich vom ewigen Tod errettest.“ Der Scharfrichter verband hierauf den beiden Blutzeugen die Augen und enthauptete sie. Sie vollendeten ihr heldenmütiges Opfer im Jahr 303. Der Gedenktag der beiden heiligen Martyrer ist am 17. Juni.

 

Der selige Ramwold (Rambold / Ramuold),

Abt von St. Emmeram, Regensburg,

+ 17.6.1001 – Fest: 17. Juni

 

Gott wohnt im Licht auf steiler Höhe. Alle, die ihn suchen, müssen durch das dunkle Schattental aufwärts klimmen durch wildes Dornengestrüpp auf harten, felsigen Pfaden, ausdauernd und unverdrossen, wenn auch die hellen Schweißtropfen von der Stirn perlen und die Füße schmerzlich bluten. Der Preis, der dem ausdauernden Pilger winkt, ist des Schweißes wert, die endlose Freude im Vaterhaus entschädigt reichlich die aufgewandte Mühe und ein glänzender Fürstenthron ist dem treuen Kämpfer und vollendeten Sieger bereitet. Diese herrliche Aussicht begeisterte auch den heiligen Ramwold, die Welt zu verachten und das höchste und schönste Ziel beharrlich zu verfolgen.

 

Ramwold, im Jahr 901 aus einem fränkischen Rittergeschlecht geboren, ergab sich schon in früher Jugend mit rastlosem Eifer dem Studium der geistlichen Wissenschaften, um sich für den geistlichen Stand vorzubereiten. Die Theologie erlernte er in Trier und trat dann in den Benediktinerorden ein im Kloster des heiligen Maximin. Dort lernte er den heiligen Wolfgang kennen. Als der Bischof von Regensburg geworden war, berief er Ramwold zu sich und ernannte ihn zum Abt des berühmten Klosters St. Emmeram. Demütig unterwarf sich Ramwold dem Willen seines heiligen Freundes, obgleich er schon 75 Jahre alt war, und verwaltete dieses Amt mit höchstem Ruhm noch 25 Jahre. Den Ordensgenossen ging er auf dem Weg der Entsagung, der Bescheidenheit und Milde, der Gottesfurcht und des gottseligen Eifers voran und erreichte die schönsten Erfolge. Wie ein liebevoller Vater waltete er unter seinen Untergebenen und zog alle mit zarter Gewalt an sich, um mit ihnen vereint die evangelische Vollkommenheit zu üben. Aber seine gütige Fürsorge beschränkte sich nicht auf die Klostermauern, sie wollte auch den Bedrängten in der Welt tatkräftige Hilfe gewähren. Deshalb erbaute er in der Nähe des Klosters zwei Armen- und Krankenhäuser und versah sie mit kundigen und mildherzigen Pflegern. Oft besuchte er diese Anstalten und erwies den Fremden und Leidenden die erbaulichsten und niedrigsten Liebesdienste.

 

Wie alle treuen Diener Gottes sollte auch der heilige Abt Ramwold im Feuer der Trübsal gereinigt werden, um als echtes Gold vor dem prüfenden Auge des Allgerechten zu erscheinen. Zwei Jahre lang war er des Augenlichtes beraubt, aber keine Klage kam aus seinem Mund. Wenn ihn einer wegen dieses Unglückes bedauerte, pflegte er zu sagen: „Der Verlust des zeitlichen Lichtes der Augen ist nicht zu beklagen, wenn man Hoffnung hat, ein ewig dauerndes Licht zu erlangen. Gott, der mir das Licht entzogen hat, kann mir es auch wiedergeben. Will er es aber nicht tun, so haben wir keine Ursache darüber zu murren, sondern Gott noch mehr zu loben und zu lieben.“ Gott belohnte ein solch ergebungsvolles Vertrauen. Auf die Fürbitte des heiligen Emmeram wurde er von seiner Blindheit völlig geheilt.

 

Nach dem Tod seines treuen Freundes, des heiligen Bischofs Wolfgang, wurde Ramwold bei dem Kaiser Otto III. fälschlich als Verräter seiner Majestät beschuldigt und musste unter dem Druck der höchsten Ungnade viel Bitteres und Kränkendes erleiden. Auch diese Prüfung ertrug er aus Liebe zum kreuztragenden Heiland mit himmlischer Geduld. Später kam seine Unschuld an den Tag und er stieg in der Gunst des Kaisers so hoch, dass dieser ihn in allen wichtigen Angelegenheiten zu Rate zog.

 

Ramwold hatte ein volles Jahrhundert gelebt. Als er die Nähe des Todes fühlte, ließ er sich wischen die Altäre des heiligen Emmeram und des heiligen Kilian tragen, empfing mit tiefer Andacht in Gegenwart seiner versammelten Ordensbrüder die letzte Wegzehrung und gab mit zum Himmel gerichteten Augen und Händen seinen Geist dem König des ewigen Lebens zurück im Jahr 1001. Seine treuen Jünger senkten die Leiche ihres geliebten Meisters in die Gruft, die er sich schon 15 Jahre vor seinem Tod hatte bereiten lassen. Seinem Leichenzug folgten Herzog Heinrich von Bayern, der spätere Kaiser, der Bischof Gebhard von Regensburg und eine zahlreiche Menge von Grafen und Edlen, um dem Hingeschiedenen ihre Hochachtung zu zeigen, die er im vollsten Maß verdient hatte. Das Grab des heiligen Abtes wurde fleißig besucht und durch viele Wunder verherrlicht.

 

Der heilige Herväus, Mönch und Einsiedler,

+ 22.6.566 – Fest: 17. Juni

 

Der heilige Mönch Herväus gründete nach 540 das nach ihm benannte Kloster Lan Houarni (Finistère). Nach der frommen Legende wurde er blind geboren. Als Sohn des Briten Huvarnion (Harvian), der 4 Jahre lang als Musiker und Dichter am Hofe Childeberts I. (511-558) lebte, wusste Herväus als 7jähriger Junge Psalter und Hymnen auswendig, studierte dann beim Mönch Archian und lebte in der Zelle seines Oheims, des heiligen Ursol, gab Kindern Unterricht und wurde von Bischof Huardon von St.-Pol-de-Léon zum Exorzisten geweiht. Sein Fest wird am 17. Juni begangen, seine Reliquien werden seit 1002 in der Kathedrale von Nantes aufbewahrt und verehrt wird Herväus als Patron der Blinden und der Volkssänger. (LTHK 1932, Herder, S. 1010)

 

Hervaeus, der blinde Spielmann

(Aus: Tiere unterm Regenbogen, Aloysius Roche, Berlin 1954)

 

Es ist kein Wunder, dass Blinde – wenigstens soweit sie Vertrauen zu den Heiligen haben – diesen Mann als ihren Patron verehren, er selbst verlor ja das Augenlicht schon als Kind. Als er heranwuchs, quälte ihn die bedrückende Frage: Wie werde ich mein Brot verdienen können? Aber wir wissen: Blinde sind sehr geschickte Menschen. Auch zur Zeit des Hervaeus gab es da keine Schwierigkeit. Er konnte Spielmann werden. Natürlich muss so ein Musikant ein sehr gutes Gehör haben, aber Blindheit schärft ja alle anderen Sinne so sehr, - besonders das Gehör. Und so beschaffte sich Hervaeus denn eine Harfe und fing mit dem Unterricht an. Als er das Instrument beherrschte, war das Weitere nicht mehr schwer.

 

Zu jener Zeit, im sechsten Jahrhundert, standen diese fahrenden Sänger und Harfenspieler in hohen Ehren. Es war eine kriegerische Zeit, und Soldaten brauchen immer Musik, um munter zu bleiben und auch zum Marschieren. Den reichen Leuten in ihren Schlössern kam das Leben oft sehr eintönig vor, und so fand ein Spielmann immer offene Tore. Man hielt ihm eine Mahlzeit bereit und gab ihm gern Unterkunft, und während der langen Winterabende versammelte sich dann das ganze Haus um den brennenden Kamin in der großen Halle, und alle lauschten seinen erregenden Liedern und Heldengesängen, die er zur Begleitung der Harfe sang.

 

Manche werden ganz erstaunt sein, zu hören, dass selbst Klöster sich solche Leute hielten, deren Aufgabe es war, in der Freizeit für Unterhaltung zu sorgen und besonders auch das Lob der Gründer und Wohltäter des Hauses zu singen. Wer die englische Literatur studiert hat, weiß, dass St. Hilda, die große Äbtissin von Whitby, mit Caedmon dem Dichter befreundet war und ihn in ihrem Kloster singen und seine Geschichten vortragen ließ.

 

Wir lesen auch, wie St. Columba, der Abt von Jona, die irischen Barden verteidigte, die gleichsam die Ahnen der Spielleute waren. Es gab Leute, die diese Barden unterdrücken wollten, aber er dachte ganz anders darüber. Und dank seines Eingreifens wurden Musik und Dichtkunst Helfer und Stützen des frommen Lebens für die Menschen. Die Barden waren ihm so dankbar, dass einer von ihnen ein großes Loblied auf ihn dichtete; es wurde noch lange nach seinem Tod gesungen, sowohl in Schottland als auch in Irland.

 

Bekannt ist Blondel, der Lieblingsspielmann von Richard Löwenherz. Als der König aus dem Heiligen Land zurückkehrte, wurde er gefangen genommen, und seine Feinde hielten ihn in Haft. Aber die Engländer wollten ihn unbedingt wiederhaben – nur wusste keiner, wo er war. Da ging Blondel von einem Schloss zum andern und spielte eins von Richards Lieblingsliedern, draußen vor den Mauern.

Und als er endlich vor dem schweren Turm der Feste Dürrenstein spielte, da hörte er Richards Stimme, die in das Lied einstimmte. So wurde der König entdeckt, und sobald sein Lösegeld bezahlt war, wurde er in Freiheit gesetzt.

 

Aber zurück zu unserem Freund Hervaeus: das erste, was er tat, als er ausgelernt hatte, war, sich einen Blindenhund zu beschaffen, der ihn von Ort zu Ort leiten und auch sonst in Gefahren schützen sollte. Der Hund wurde gefunden und setzte mit seinem Herrn nach Britannien über. Dort fing dann die Arbeit richtig an. Hervaeus überließ den Reiseweg mehr oder weniger seinem getreuen Gefährten. Diese Hunde sind ja eigentümlich klug, und Blinde verlassen sich ganz auf ihre Führung.

 

Da geschah es in einer einsamen Gegend des Landes, dass ein Wolf plötzlich aus dem Dickicht hervorbrach und den Hund tötete, der Hervaeus’ Führer war. Das war eine traurige Sache, traurig für Hund und Herrn. Nun stand der arme Mann verirrt in der Wildnis. Niemand war in der Nähe, und er allein fand ja keinen Weg. Er musste doch auch für seinen Unterhalt sorgen und nun wieder ganz von vorn anfangen. Er konnte nichts anderes tun, als den Wolf zu zwingen, die Stelle des Hundes einzunehmen, das war nur gerecht!

 

Der Wolf muss das eingesehen haben, denn er ließ sich tatsächlich an die Leine nehmen und trottete folgsam in gleichmäßigem Schritt in Richtung der Stadt, die Hervaeus hatte erreichen wollen. Er blieb sogar bei diesem Beruf, und deshalb wird der blinde Heilige als vom Wolf geführt dargestellt. Dieser machte sich auch sonst nützlich, manchmal zog er den Pflug, wenn des Spielmanns Land bestellt werden musste, manchmal auch trug er Reisig oder anderen Kram. Später lebte er im Kloster, und es wird berichtet, dass er nachts zwischen den Schafen im Stall schlief!

 

Gebet des heiligen Bernhard am 17. Juni

 

Schön wie der Mond wirst du genannt, Maria, und nicht ohne Grund wirst du mit ihm verglichen. Denn unter allen Gestirnen ist er der Sonne am ähnlichsten, und im lieblichsten Silberglanz schimmert er heller als alle Gestirne. So glänzt im Himmel auch du, der Sonne deutlichstes Bild, in jungfräulicher Reinheit lichtvoller als alle tausend Gestirne, die den Thron Gottes umgeben. Dein Glanz, o hehre Gottesmutter, verdunkelt alle himmlischen Geister, denn du bist die Königin der Engel. Das aufgenommene Licht der Sonne ausströmend, erhellt der Mond unsere Nächte. Durch glänzende Beispiele von Gott dir eingeprägter Tugenden feuerst du zur Nachahmung an und erleuchtest die Nacht unserer Finsternisse. Du schlugst den Geist des Hochmuts unserer ersten Mutter Eva mit dem Gipfel der Demut, die den Blick des Herrn so sehr auf dich zog, dass er durch deren Verdienst dich über alle Chöre der Engel erhob. O, gib kund der Welt deine Milde, gib kund die Gnade, die du bei Gott gefunden hast. Auch mir, deinem Diener, der sich rühmt, dein Pflegekind zu sein und deinen wunderbaren Namen Tag und Nacht anruft, spende durch dich, o mildeste Königin, seine Gnade Jesus Christus, dem Fleisch nach dein Sohn, hochgelobt in Ewigkeit. Amen. 

 

Zu Gott

 

Möchten wir doch, o Gott, unsere eigene Schwäche erkennen, und Dir alle Sorgen anheim stellen. Was wir für uns und die Unsrigen tun, kann doch nur dann Segen bringen, wenn Du Gedeihen gibst. Ruft uns daher Deine Stimme aus dem Kreis unserer Lieben, so wollen wir vertrauensvoll zu Dir kommen, weil Du die Zurückgebliebenen schützt, und diejenigen, die im Glauben Deines Sohnes hingeschieden sind, aufnimmst in Dein ewiges Reich. Amen. 

 

Andacht am 17. Juni:

 

Das Thema im Juni:

Vom Gehorsam

"Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen." (Matthäus 23,3)

 

"Wer wahrhaft gehorsam ist, unterscheidet keine Sache von der anderen, noch ein Amt vom andern; er verlangt bloß, getreu zu erfüllen, was ihm befohlen ist." (Der heilige Bernhard)

Als einst der heilige Hieronymus die Mönche der Wüste besuchte, fand er darunter einen, der acht Jahre hindurch zweimal des Tages einen großen Stein auf seinen Schultern eine bedeutende Strecke Weges getragen hatte, um seinem Vorgesetzten zu gehorchen, der ihm dies befohlen hatte. Da nun der Heilige ihn fragte, ob es ihm nicht große Überwindung gekostet hätte, hierin zu gehorchen, antwortete ihm der Mönch, er habe dies immer mit so großer Freude getan, als ob ihm etwas Hocherhabenes und Wichtiges wäre befohlen worden. "Da seht nun," schließt der heilige Hieronymus, "welche Menschen in der Vollkommenheit fortschreiten! Diesen nämlich gilt die Erfüllung des göttlichen Willens als die köstlichste Speise. So sehr ergriff mich die Antwort dieses Bruders, dass ich von derselben Zeit an begann, als ein Mönch zu leben."

Die heilige Katharina von Siena spricht in ihren Gesprächen von einem heiligen Ordensmann, der mit großem Eifer in seiner Zelle schrieb. Da nun plötzlich die Glocke ertönte und ihn zum Chor berief, verließ er augenblicklich den Schreibtisch, ohne den Buchstaben zu vollenden, den er zuletzt angefangen hatte. Und sieh, als er in seine Zelle zurückkehrte, fand er ihn mit einem goldenen Zug vollendet.

 

Mein Gott, nichts verlange ich so sehr, als Deiner göttlichen Majestät wohlzugefallen! Wie aber könnte ich dies je besser erreichen, als wenn ich denjenigen gehorche, denen Du willst, dass ich gehorchen soll! So will ich denn getreu erfüllen, was immer sie mir befehlen werden! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 17. Juni

 

"Die Auserwählten unterscheiden sich von den Verworfenen dadurch,

dass diese nicht mehr aufstehen, wenn sie fallen,

jene aber im Gegenteil, sich wieder erheben

und mit Seufzen und Tränen zu Gott zurückzukehren suchen."

 

sel. Heinrich Seuse OP

1298 bis 25.1.1366

 

Betrachtung am 17. Juni - Gottes Dasein

 

Gott, Herr und Schöpfer der Natur,

Dich beten alle Wesen an;

Du leitest sie auf ihrer Bahn;

Und alle zeigen deine Spur.

 

1. Herr, mein Gott, was tut der Mensch, der dem Menschen das Dasein der Sonne beweisen will! Und erniedrigt nicht die Vernunft des Menschen, wer das Dasein des Schöpfers der Sonne ihm beweisen wollte? Dennoch ist die Welt voll der Gottlosen, die in ihrem Herzen sprechen: "Es gibt keinen Gott!" Wer kann je das Auge zu deiner wundervollen Schöpfung erheben, die höchst geordnete Abstufung so zahlloser Wesen schauen, den Glanz der unermesslichen Gestirne des Firmaments, ihren regelmäßigen Lauf, und die erstaunliche Übereinstimmung der Natur in allen ihren Teilen betrachten, die so wundersam verschieden, und dennoch durch das innigste Band vereint sind, - ohne dich, ihren allmächtigen Urheber, zu erkennen? 

 

2. Ein lauter Schrei der Natur ist dies, der durch alle Gemüter dringt, und alle von deinem glorreichen Dasein überzeugt. Denn aus allen diesen wunderbaren Werken leuchtet eine unendliche Allmacht und Weisheit. Woher kommt auch alles Gute, Schöne, Liebliche in der Natur, vom glänzendsten Gestirn des Himmels bis zur letzten Blume des Feldes, wenn nicht aus dem lebendigen Urquell aller Güte, Schönheit und Lieblichkeit? Alle Werke deiner grenzenlosen Schöpfung preisen dich, o Gott, als den Ursprung ihres Daseins, als den König der Ewigkeit, als die unendliche Allmacht, Weisheit, Güte und Gerechtigkeit.

 

3. Wie also, mein Gott, spricht der gottlose Tor in seinem Herzen: "Es gibt keinen Gott!" Doch spricht dies auch sein Herz, so spricht es doch nimmermehr sein Verstand. Ja selbst sein Herz straft ihn Lügen, da auch er in plötzlichen Schrecknissen, auf Antrieb der Natur selbst, zu dir aufschreit. Bittere Pein ist ihm dein göttliches Dasein, weil er allen Lastern und Ausschweifungen sich überlassen will, und das innerste Bewusstsein deiner Gerechtigkeit ihn foltert und zu dem Wunsch verleitet, dass es keinen Gott gibt, der seine Verbrechen sieht und bestraft. So wie aber dieser Glaube an dich, mein Gott, den er vergeblich sich bemüht zu ersticken, die peinlichste Folter des Gottlosen ist, also ist er die schönste Freude deiner Diener. Psalm 90,2: "Ehe die Berge geboren wurden, die Erde entstand und das Weltall, bist du, o Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit."

 

18. Juni

 

Der heilige Markus und der heilige Marcellianus, Märtyrer zu Rom,

+ 18.6.286 (oder 287) – Fest: 18. Juni

 

Markus und Marcellianus waren Brüder, und stammten aus einer der ersten Familien Roms. Beide waren schon in ihrer Jugend zum Christentum bekehrt worden, traten nachher in den Ehestand, und lebten in hohen Ehren.

 

Als Diokletian im Jahr 284 auf den Kaiserthron gelangt war, erhoben sich kurz nachher verschiedene Stürme gegen die Christen, zwar nicht als hätte dieser Fürst schon damals Befehle gegen die Kirche ergehen lassen, sondern weil er sich der Wut der Götzendiener nicht widersetzte. In einer dieser Verfolgungen wurden nun auch Markus und Marcellian verhaftet, in das Gefängnis geworfen, und dann von Chromatius, dem Stellvertreter des Präfekten der Stadt Rom, zur Enthauptung verdammt.

 

Ihre Verwandten gaben indessen die Hoffnung nicht auf, eine Widerrufung des gefällten Urteils zu bewirken. Sie erlangten einen Verschub von dreißig Tagen, weil sie sich schmeichelten, die Bekenner dahin zu stimmen, dass sie sich dem Verlangen des Richters fügten. Man brachte sie daher in das Haus des Nikostrat, ersten Schreibers der Präfektur. Tranquillin, ihr Vater, Marcia, ihre Mutter, samt ihren Frauen mit den noch kleinen Kindern, besuchten sie in diesem Verhaft, und bemühten sich durch Bitten und Tränen ihre Standhaftigkeit zu besiegen, und sie zum Abfall zu bewegen. Allein der heilige Sebastian, ein Hofbedienter des Kaisers, der sein kurzem nach Rom gekommen war, besuchte sie alle Tage, um sie zur unerschütterlichen Beharrlichkeit zu ermahnen. Diese Unterredungen hatten zudem noch den schönen Erfolg, dass Tranquillin, Marcia und die Gattinnen der zwei Heiligen sich auch bekehrten. Auch Nikostrat entsagte dem Heidentum, worin ihm sogar bald Chromatius nachfolgte, der die Bekenner dann in Freiheit setzte, und sich, nachdem er sein Amt niedergelegt hatte, auf ein Landgut zurückzog.

 

Ein christlicher Hauptmann, namens Castulus, verbarg Markus und Marcellian in dem Gemach, das er im kaiserlichen Palast hatte. Allein sie wurden durch Torquatus verraten, der feigherzig vom Glauben abgefallen war; worauf man sie von neuem gefänglich einzog. Fabianus, der Chromatius in dem Amt nachgefolgt war, verurteilte sie, mit den Füßen an einen Pfahl genagelt zu werden, in welchem schmerzhaften Zustand sie einen Tag und eine Nacht blieben, bis sie des folgenden Tages mit Lanzen durchbohrt wurden. Man beerdigte sie zwei Meilen von Rom, in dem Arenarium, welches nachher in einen Kirchhof ihres Namens umgewandelt wurde, der zwischen der appischen und ardeatischen Straße lag. Ihr Fest ist in allen alten Martyrologien auf diesen Tag angezeigt.

 

Oft legte man einer Handlung den Namen Tugend bei, die doch nur den Schein hat. Die Verfolgung ist gleichsam der Prüfstein, durch den man die wahre Tugend unterscheidet. Nur die Prüfungen können beweisen, was wir in der Wirklichkeit sind. Es kostet uns wenig zu sagen, dass wir Gott über alles lieben; es kostet uns ebenfalls nicht mehr uns einzubilden, dass wir den Mut der Märtyrer haben würden, solange die Gefahr entfernt ist. Wo sind aber die Beweise, die die Aufrichtigkeit unserer Liebe zu Gott zeigen? „Die Verfolgung“, sagt der heilige Bernhard, „lehrt den Unterschied zwischen einem guten Hirten und einem Mietling.“ Dieser Grundsatz lässt sich nach Verhältnis auf die Christen aller Stände anwenden.

 

Der heilige Amandus, Bischof von Bordeaux,

+ 18.6. nach 400 – Fest. 18. Juni

 

Man liest beim heiligen Paulinus von Nola, dass der heilige Amandus Gott von seiner Kindheit an diente, dass er in den heiligen Schriften unterrichtet worden ist, und seine Unschuld vor den Flecken bewahrte, durch die man gewöhnlich im Umgang mit der Welt verunreinigt wird. Sobald er vom heiligen Delphinus, Bischof von Bordeaux, für dessen Kirche zum Priester geweiht war, bewies er großen Eifer für die Ehre Gottes: da war es auch, wo er den heiligen Paulinus in den Geheimnissen des Glaubens unterrichtete, um ihn zum Empfang der heiligen Taufe vorzubereiten. Von jener Zeit an stand auch Paulinus stets in enger Freundschaft mit dem heiligen Amandus. Er schrieb ihm mehrere Briefe, und wir sehen aus denen, die auf uns gekommen sind, dass er große Verehrung für dessen Tugend hegte.

 

Nach dem Tod des heiligen Delphinus wurde der heilige Amandus zum Bischof der Kirche von Bordeaux erwählt; allein er legte bald dieses Amt zugunsten des heiligen Severins nieder, der sich zu ihm zurückgezogen hatte (Dieser Heilige ist nicht der heilige Severin, der Bischof von Köln war, sondern es wird von ihm gesagt, dass er aus dem Morgenland ex partibus Orientis nach Bordeaux gekommen sei.), und er wollte es nicht eher wieder annehmen, als nach dem Tod dieses Heiligen. In allem bewies er sich, nach der Erzählung des heiligen Paulinus, als einen treuen Verteidiger der Religion und des Glaubens. Sein Name steht auf diesen Tag im römischen Martyrologium. Das Jahr seines Todes ist ungewiss. Er ist es, dem wir die Erhaltung der Schriften des heiligen Paulinus zu verdanken haben, der im Jahr 431 starb.

 

Die heilige Elisabeth, Äbtissin von Schönau,

+ 18.6.1164 – Fest: 18. Juni

 

In Deutschland gab es drei Klöster unter dem Namen Schönau. Das eine lag bei Heidelberg, gehörte den Zisterziensern an, und war im Jahr 1135 von Buggo, Bischof von Worm, gestiftet worden. Das zweite, welches gleichfalls den Zisterziensern angehörte, lag im Frankenland. Das dritte, von der Regel des heiligen Benedikt, lag hinter dem Rheingau in Hainrich, vier deutsche Meilen von Bingen, im ehemaligen Erzstift Trier, das von Hildelin gestiftet worden ist, der 1125 das Ordenskleid annahm, und als dessen erster Abt erwählt wurde. In einiger Entfernung von diesem Kloster erbaute Hildelin auch ein Frauenkloster, in welches dann die heilige Elisabeth, die von Kindheit an Gott mit aller Treue gedient hatte, schon in ihrem zwölften Lebensjahr sich zurückzog, die Gelübde ablegte, und in der Folge zu dessen Äbtissin erwählt wurde. Immer war sie kränklich, dessen ungeachtet stets in den göttlichen Willen ergeben, und harrte mit Freuden auf dem Weg der Trübsal aus, den sie ihr göttlicher Bräutigam, damit sie ihm ähnlicher würde, ihr Leben lang führte. Um aber desto vollkommener geläutert zu werden, musste sie, nebst den körperlichen Leiden, auch harte innere Prüfungen bestehen. Sonst hatte sie im Gebet und der Betrachtung göttlicher Dinge ihren Trost gefunden, und nun wurde ihr auch auf einige Zeit diese Stütze genommen; tiefe Schwermut lastete auf ihrer Seele; sie empfand Ekel und Widerwillen am Heiligsten; zweifelte an den wichtigsten Glaubenswahrheiten, empfand heftige Versuchungen des Fleisches, und war sogar am Ende von dem Gedanken befallen, sich selber den Tod anzutun. Allein auch unter den grauenvollsten Versuchungen ließ sie das Vertrauen auf Gott nicht sinken, und der Wächter Israels schlief nicht, wie sie selbst sagt, sondern errettete sie in seiner grenzenlosen Barmherzigkeit aus allen Gefahren. Schon in ihrem dreiundzwanzigsten Jahr wurde sie mit der Gabe himmlischer Erleuchtungen begnadet, besonders an Sonn- und Festtagen, wenn sie den göttlichen Geheimnissen beiwohnte. Über diese Gesichte drückt sie sich in einem Brief an die heilige Hildegard unter anderem folgendermaßen aus: „Ich gestehe, dass ich neulich etwas betroffen war, als ich hörte, dass törichte und unwahre Gespräche von mir unter dem Volk gangbar seien. Gerne würde ich das Gerede der gemeinen Leute ertragen, wenn nur nicht auch jene, die im Ordenskleid daher gehen, mein Gemüt sehr empfindlich betrübten. Denn diese, ich weiß nicht von welchem Geist getrieben, verlachen Gottes Gnade in mir, und entblöden sich nicht, über das, was sie nicht wissen, abzusprechen. Ich vernehme, dass man einige, von mir geschrieben sein sollende, Briefe umherbiete, die vorlügen, ich habe vom jüngsten Gericht prophezeit: was ich aber zu wagen mir nie herausgenommen habe, da diese Ankunft der Kenntnis aller Sterblichen unbekannt bleibt. Indessen will ich dir die Veranlassung dieses Geredes aufdecken, auf dass du urteilen mögest, ob ich desfalls etwas Anmaßendes getan oder gesprochen habe. Wie du von anderen gehört hast, hat der Herr seine Barmherzigkeit an mir kundgetan, mehr als ich es verdient habe, oder je verdienen konnte; so zwar, dass er mir jeweilig himmlische Dinge zu offenbaren, mir die Gnade erwies. Häufig auch hat er mir durch seinen Engel zur Kenntnis gebracht, welches Ungemach hereinbrechen solle in diesen Tagen über sein Volk, wofern es nicht Buße wirke über seine Missetaten, und dass ich dieses öffentlich verkünde, hat er mir befohlen. Um aber jeglichem Stolz vorzubeugen, und damit ich nicht scheinen möge, als befördere ich die Neuerungen, war es mein möglichstes Bestreben, dieses alles zu verbergen.“ Nun erzählt sie, dass ihr der Befehl geworden, diese Gunstbezeigungen nicht länger in sich zu verschließen, und alle Verleumdungen und Verspottungen geduldig zu ertragen, nach dem Beispiel dessen, der, obgleich der Schöpfer des ganzen Weltalls, dennoch der Menschen Schmach erduldete. In einem Brief, den die heilige Hildegard an sie schrieb, suchte sie dieselbe durch verschiedene Trostgründe aufzumuntern: „Vernimm mein Wort, o Kummer fühlende Tochter! Die Sanftmütigen, Armen und Bedrängten sollen sich bewaffnen mit dem Schild des Glaubens; die einfältigen Sinnes sind, züchtigt der Herr, wohl wissend, dass ihr irdenes Gefäß nicht zerbricht. O Tochter, Gott wolle dich erküren zum Spiegel des Lebens!“

 

Die heilige Elisabeth von Schönau starb den 18. Juni 1165, in ihrem sechsunddreißigsten Lebensjahr. Ihr Name steht an diesem Tag im römischen Martyrologium.

 

Die selige Maria Dolorosa, die Schmerzensreiche genannt,

Märtyrin zu Woluwe, Brabant,

+ 18.6.1290 – Gedenktag: 18. Juni

 

Heute gedenkt die Kirche einer heldenmütigen Jungfrau, in deren Herz die Liebe zur Tugend so fest gewurzelt war, dass sie eingedenk des Wortes Christi: „Wer sein Leben um meinetwillen verliert, der wird es erhalten“, lieber das Leben hingab als die Blume der Reinheit sich knicken ließ.

 

Die selige Maria, die schmerzhafte genannt, im Jahr 1260 in dem brabantischen Dorf Wolna geboren, war schon von Jugend auf ein Muster der Frömmigkeit und eine eifrige Verehrerin der seligsten Jungfrau, nicht nur in Gebet und Andachtsübungen, sondern auch durch Nachahmung ihrer Tugenden. Sich ganz dem Dienst der Gebenedeiten zu weihen, zog sie mit Einwilligung der Eltern aus dem väterlichen Haus und nahm ihre Wohnung in der Nähe einer Liebfrauenkirche, wo sie leben und sterben wollte. Vor dem Bild Mariens legte sie das Gelübde ewiger Keuschheit und freiwilliger Armut ab, indem sie allen Ansprüchen auf künftige Erbschaft entsagte und nur vom Erwerb ihrer Hände und von Almosen leben wollte. Ihre schöne Gestalt, obwohl mit ärmlicher Kleidung bedeckt, erweckte in einem leichtfertigen Menschen das unreine Feuer, und er gab sich alle erdenkliche Mühe, sie zu verführen. Die gottesfürchtige Jungfrau wies seine schändlichen Anträge mit Entsetzen zurück, und betete um so inniger zur Königin der Jungfrauen um Schutz und Beistand in den Versuchungen.

 

Da entwendete der Bösewicht in dem Haus, wo Maria öfter Almosen erhielt und zu Mittag bewirtet wurde, einen silbernen Becher, und wusste ihn heimlicher Weise in den Bettelsack der Jungfrau zu stecken. Bald wurde der Becher vermisst. Der gottlose Mensch ging zu Maria, sagte, dass man Argwohn gegen sie habe, nahm, als sie ihre Unschuld an dem Diebstahl beteuerte, dem Becher aus dem Sack, und drohte sie anzuzeigen, wenn sie noch länger taub gegen seine Wünsche bliebe. Welch harte Prüfung für ein Mädchen! Ihr guter Name – ja ihr Leben stand auf dem Spiel –, aber von Gott und der seligsten Jungfrau gestärkt wollte sie als eine zweite Susanna lieber guten Namen und Leben verlieren, als Gott beleidigen und ihr Gott und Maria gemachtes Gelübde verletzen. Der Versucher, von Zorn und Rachgier entbrannt, vollführte wirklich seine Drohung und klagte die Jungfrau öffentlich des Diebstahls an. Da sie, durch die Tortur gepeinigt, keine Lüge sagen wollte, und nicht leugnete, dass der Becher bei gefunden worden war, obwohl sie beteuerte, sie habe ihn nicht entwendet und wisse nicht, wie er in ihren Bettelsack gekommen ist, so wurde sie für schuldig gehalten und zum Tode verurteilt. Am nämlichen Tag noch spät abends führte man sie ganz in der Stille, um vor dem Volk kein Aufsehen zu erregen, auf den Richtplatz. Als man auf diesem Gang an ihrer Wohnung vorbeikam, bat sie um die letzte Gnade, vor dem Bild der seligsten Jungfrau noch einige Augenblicke beten zu dürfen. Es wurde ihr gestattet, und nun warf sie sich auf die Knie nieder, flehte zu Gott und Maria um Beistand für ihren Todeskampf und betete mit Inbrunst auch für ihren Verleumder und für den Richter. Da sie nebst des Diebstahls auch der Zauberei angeklagt war, so wurde ihre Todesart nach den Gewohnheiten der Zeit eine schreckliche. Es wurde auf dem Richtplatz eine Grube gemacht, so groß, dass sie den Körper der Verurteilten fassen konnte. Es wurden ihr die Augen verbunden, Hände und Füße mit Stricken zusammengeschnürt, und sie so lebendig in die Grube gelegt, die man nun mit Erde verschüttete. Auf den Erdhügel wurde hierauf ein spitzer Pfahl gesteckt und mit gewaltigen Schlägen eingetrieben, so dass der Leib der lebendig Begrabenen gespießt werden musste.

 

Bald erreichte den gottlosen Ankläger die göttliche Gerechtigkeit. Er wurde von einem bösen Geist besessen und so wütend, dass man ihn in Ketten legen musste. Seine Verwandten brachten ihn an verschiedene Wallfahrtsorte, um seine Befreiung zu erlangen, aber vergeblich. Sieben volle Jahre dauerte sein schrecklicher Zustand, der böse Geist selbst schrie aus ihm, dass er nur am Grab der schmerzhaften Maria ausgetrieben werden könne. Man brachte ihn endlich dahin, was nur mit größter Gewalt geschehen konnte, betete für ihn und der höllische Geist wurde genötigt, ihn zu verlassen. Reuevoll gestand er seine falsche Anklage gegen die selige Maria und tat aufrichtig Buße.

 

Die Stelle, wo die unschuldige Maria den so schaudervollen Tod erlitten hat, wurde durch Wunder verherrlicht. Man sah dreizehn schöne Jungfrauen vom Himmel herniederschweben und sich auf das Grab niederlassen, an ihrer Spitze eine im Lichtglanz strahlende majestätische Frau mit einer Krone auf dem Haupt. Sie gingen dreimal um das Grab herum, als wollten sie ein Leichenbegängnis halten, dann entschwanden sie den Augen der Beobachtenden. Über dem Grab wurde eine Kapelle erbaut, und viele Unglückliche fanden hier Tröstung und Hilfe in ihren Leiden.

 

Gebet am 18. Juni

 

O Königin des Himmels, Mutter der heiligen Liebe, allerseligste Jungfrau Maria, du bist unter allen Geschöpfen das liebenswürdigste, das von Gott am meisten geliebt wird, du bist die Geliebte meines Herrn. Verschmähe nicht die Liebe des undankbarsten und elendesten Sünders, der auf Erden lebt und von Liebe zu dir entbrannt ist, weil er erkennt, dass er allein durch deine Vermittlung, ohne dass er eine solche Wohltat verdient hätte, von der Hölle befreit ist. Ich wünschte, dass ich allen Menschen, die dich noch nicht kennen, zeigen könnte, wie liebenswürdig du bist, damit alle dich lieben und ehren. Ja, ich möchte aus Liebe zu dir für die Verteidigung deiner Jungfrauschaft, deiner hohen Würde als Mutter deines Gottes und deiner unbefleckten Empfängnis sterben, wenn dies nötig wäre, um deine Ehre zu befördern. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Um diese Zeit, den nächsten Sonntag nach dem Herz-Jesu-Fest wurde in verschiedenen Kirchen Frankreichs, Deutschlands und Italiens ein Fest unter dem Titel des Herzens Mariä in einer deswegen errichteten Bruderschaft begangen, die Papst Clemens IX. im Jahr 1668 durch eine besondere Bulle mit vielen Ablässen begnadet hat. 

 

Andacht am 18. Juni:

 

Das Thema im Juni:

Vom Gehorsam

"Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen." (Matthäus 23,3)

 

"Die Vortrefflichkeit des Gehorsams besteht nicht darin, dass man einem guten und sanftmütigen Vorgesetzten gehorcht, der nicht sowohl befiehlt als bittet, sondern dass man sich immer dem Joch eines solchen unterwirft, der gebieterisch, streng, herrisch, wunderlich ist, und nie ein Zeichen seiner Zufriedenheit gibt." (Der heilige Bernhard) 

Die heilige Franziska von Chantal pflegte zu sagen, es hätte ihr mehr Freude gewährt, der letzten von den Schwestern zu gehorchen, die ihr beständig widersprochen und mit Härte befohlen hätte, als der fähigsten und erfahrensten aus dem ganzen Orden gehorsam zu sein. "Denn", sprach sie, "je weniger das Geschöpf in einer Sache betrachtet wird, um so mehr wirkt der Schöpfer darin.

Die heilige Katharina von Bologna hegte das Verlangen, die Vorgesetzte möchte sie immer mit Härte behandeln und ihr die schwierigsten Dinge befehlen, weil sie, ihrem eigenen Geständnis nach, aus Erfahrung wusste, dass es zwar sehr nützlich ist, in guten und leichten Dingen zu gehorchen, dass jedoch nichts so sehr dahin wirkt, die Seele in kurzer Zeit mit Tugenden zu erfüllen und sie inniger mit Gott zu vereinigen, als wenn man mit Freuden einer Oberin gehorcht, die mit trockenen Worten etwas befiehlt, das der Natur schwer ankommt.

 

Was verlangst Du, Herr, von mir? Gib Deinen Willen mir durch diejenigen zu erkennen, die Deine Stelle bei mir vertreten; ihnen gehorchend, will ich Dir gehorchen, wie sehr auch meine Natur dagegen murrt! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 18. Juni

 

"Seid zufrieden eine kurze Zeit vorübergehende Leiden zu ertragen,

um dem unendlichen Leiden zu entgehen,

das unsere Sünden verdienen."

 

hl. Katharina von Siena OP

1347 bis 29.4.1380

 

Betrachtung am 18. Juni - Über die heiligen Geheimnisse der Religion

 

Herr, unser Gott, wie bist du wunderbar.

Dem treuen Glauben ist dein Ausspruch klar;

Der Frevler aber, der dich will ergründen,

Wird in dem Licht der Majestät erblinden.

 

1. Wir leben hier auf der Erde noch im geheimnisvollen Helldunkel des Glaubens. Zwar ist die Wahrheit unser Licht, doch ist es noch von Wolken umschleiert, und erst in der Heimat des Lichts, zu der wir pilgern, werden wir sowohl die Geheimnisse der göttlichen Offenbarung als der Natur in ihrer vollen Klarheit schauen. Wäre unsere Religion ohne unerfassliche Geheimnisse, so wäre sie keine göttliche Religion. Denn unendlich und unbegreiflich ist unser Gott, und notwendig müssen seine Offenbarungen und Geheimnisse mit diesem Siegel seiner unendlichen Unbegreiflichkeit besiegelt sein. Der Menschengeist, der die unfasslichen Ratschlüsse Gottes begreifen will, wäre ähnlich einem Kind, das alle Gewässer des Meeres in die hohle Hand fassen möchte.

 

2. Wie in der Natur, also ist auch in der Religion unser Gott sichtbar und verborgen zugleich. Sichtbar ist er in dem himmlischen Licht, in dem wir die Sendung seines Eingeborenen schauen, dessen Kreuz den Erdkreis umwandelte. Verborgen aber ist er in seinen Offenbarungen, weil wir durch den Glauben seiner Wahrheit huldigen, und durch diese Huldigung die glorreiche Anschauung verdienen müssen. Vollkommene Gewissheit haben wir, dass er sich herabließ, der Menschheit sich zu offenbaren. Und es ist die Aufgabe der Vernunft, den Menschen von dieser Gewissheit zu überzeugen, dann aber der Religion ihn zu übergeben, damit sie ihn zu seiner erhabenen Bestimmung führt, wohin sie selbst ihn nicht zu führen vermag.

 

3. In wunderbarem Zusammenhang stehen alle heiligen Geheimnisse der göttlichen Religion. Nimm einen Stein aus diesem göttlichen Gebäude, und das Ganze zerfällt in Trümmer. Das Geheimnis des eingefleischten Wortes setzt das Geheimnis der göttlichen Dreifaltigkeit, das Geheimnis der Erlösung, das Geheimnis der ursprünglichen Schuld voraus. Und die Geheimnisse der Gnade hängen am Geheimnis der Erlösung. Eine Schuld von unendlicher Bosheit, ein Erlöser von unendlichen Verdiensten, eine unendliche Belohnung, eine unendliche Gerechtigkeit, beide eines unendlichen Gottes würdig: dies sind die anzubetenden Geheimnisse unseres Glaubens, die das blinde Irrgerede weder unserer Tage noch aller Zeiten je stürzen wird. Wer diese unbegreiflichen Geheimnisse verwirft, stürzt sich in unbegreiflichen Irrtum. "Deine Gesetze, Herr, sind fest und verlässlich." (Psalm 93,5)

 

19. Juni

 

Die heilige Juliana Falconieri von Florenz, Nonne, Ordensstifterin,

+ 19.6.1341 - Fest: 19. Juni

 

Lange hatten die Eheleute Falconieri zu Florenz in Italien den Himmel bestürmt, bis sie im Jahr 1270 endlich erhört wurden und der liebe Gott ihnen ein Töchterchen schenkte, das sie auf den Namen Juliana taufen ließen. Groß war die Freude der Eltern, und weil sie reich waren, beschlossen sie, ihrer Dankbarkeit dadurch Ausdruck zu verleihen, dass sie eine Kirche zu Ehren der Muttergottes erbauten.

 

Als Juliana heranwuchs, zeigte es sich, dass sie ein gutes Herz besaß, voll Gottes- und Nächstenliebe. Man sah die Kleine öfters in dieser und jener Kirche der Stadt, und wer sie beobachtete, konnte feststellen, dass sie mit Andacht betete. Aufrecht kniete sie in einer der Kinderbänke, die Hände zwanglos und schön gefaltet und die Augen auf den Tabernakel gerichtet. Auch gab Juliana gern armen Kindern Almosen und verschenkte sogar die Puppen und Spielsachen, um anderen Freude zu machen. Gottlob gibt es manche Kinder, die es in der Jugend ebenso halten, wie es die kleine Florentinerin machte.

 

Juliana ist auch später brav geblieben. Als sie zu einem schönen und klugen Mädchen herangewachsen war, suchte ihr die Mutter einen vornehmen jungen Mann aus, den sie heiraten sollte, aber die Tochter mochte ihn nicht und sagte, sie wolle ihr Leben lang nur dem Heiland angehören. Da war die Mutter als christlich denkende Frau einverstanden, denn sie wusste, dass diejenigen Mädchen, die ihr Leben dem Heiland schenken, für Zeit und Ewigkeit gut versorgt sind.

 

So lange die Mutter lebte, blieb Juliana bei ihr. Nach ihrem Tod jedoch – der Vater war schon früher gestorben – verließ Juliana den Glanz des elterlichen Heims und siedelte in ein kleines Haus über, wo sin in Vereinigung mit einigen gleichgesinnten jungen Mädchen ein klösterliches Leben zu führen begann. Am Tag gingen die Frauen als Barmherzige Schwestern in die Hütten der Armen und pflegten die Kranken, wuschen und kochten für sie, hielten ihnen die Stuben und die Betten sauber und taten auch sonst alles, was den Leuten dienlich sein konnte. Bei alledem waren sie der Meinung, dass sie in den Kranken dem Heiland dienten, der gesagt hatte: „Was ihr dem Geringsten meiner Brüder tut, das habt ihr mir getan.“ Während also die Frauen am Tag dem Nächsten dienten, weihten sie den Morgen und den Abend und einen Teil der Nacht dem lieben Gott in heiligen Gebeten und Gesängen. Juliana, die erste Oberin der neuen Ordensgesellschaft, gab den Mitschwestern in allem ein leuchtendes Beispiel.

 

Darüber verging die Zeit, und Juliana hatte bereits die Siebzig erreicht, als sie sterbenskrank wurde, und weil man sah, dass sich der Tod mit eiligen Schritten näherte, wurde sie mit den heiligen Sakramenten versehen. Nur die heilige Kommunion konnte ihr der Priester wegen beständigen Brechreizes nicht mehr reichen. Um alles in der Welt aber hätte die Sterbende noch einmal den Heiland empfangen. Daher bat sie den Priester, das Allerheiligste wenigstens in ihre Zelle zu holen, damit sie den Herrn im Sakrament ein letztes Mal sehen und anbeten könne. Gern wurde ihr der Wunsch erfüllt, und als ihr der Priester die heilige Hostie entgegenhielt, entschwand sie seinen Händen. Juliana aber lachte mit strahlendem Gesicht, und mitten in diesem Lachen verschied sie. Wie sollte sie auch nicht lachen, da der Heiland sie vor ihrem Ende in wundervoller Weise noch erquickt hatte. Durch einen geheimnisvollen Vorgang, den man nicht begreift, empfing die heilige Juliana im letzten Atemzug die heilige Wegzehr. Mit allem versehen, ging sie dann in die Ewigkeit hinüber.

 

Der selige Rasso (Ratho), Graf von Andechs und Mönch zu Grafrath,

+ 19.6.954 – Gedenktag: 19. Juni

 

Wenn wir lesen, was uns das liebe Mittelalter über seine Heiligen zu erzählen weiß, so mutet und duftet uns das an wie eine bunte Au, in allen Farben prangend, durchsprudelt von einem schnell fließenden Wässerlein, das unbekannte Weisen murmelt, rings eingeschlossen vom schweigenden Dunkel des Waldes, überstrahlt von der großen, großen Sonne, - wie ein liebes Märchen, mit dem uns der selige Friede entschwand. Und doch war es Wirklichkeit und der mittelalterliche Mensch wird sie auch als raue Wirklichkeit empfunden haben wie wir unsere moderne. Freilich nicht in dem Maße und Grade, denn er hatte noch, was uns mit dem Mittelalter verloren ging, die Einheit des Menschen mit sich, mit den anderen, mit der Welt, mit der Kirche, mit Gott. Dieses Glück fühlte und schätzte der mittelalterliche Mensch nicht, ebenso wenig wie wir das Unglück unserer Zerrissenheit ermessen können. In diese Welt nun müssen wir den seligen Rasso hineinstellen. Rasso ist nicht einer jener großen Recken, an denen diese Zeit so reich ist, deren höchstes Ideal eine Heerfahrt nach Italien war oder eine blutige Fehde. Rassos Ideal war religiös eingestellt: seine großen Taten sind eine Wallfahrt ins Heilige Land und eine Klostergründung.

 

Rasso (Ratho) stammte aus dem Grafengeschlecht von Diessen. Seine Ahnen hatten auf Schloss Andechs ihren Sitz. Ihre Aufgabe war es, die Ostmark, das heutige Österreich, gegen die Einfälle der Ungarn zu schützen. Rasso musste eine imposante Erscheinung gewesen sein, seine riesenhafte Größe soll verewigt sein in dem großen, langen Stein, der auf sein Grab gesetzt wurde. Mit seinen außerordentlichen natürlichen Gaben verband er einen seltenen Eifer in seinem religiösen Streben, das er ganz und immer auf Gott allein gerichtet hielt. Zur Ehre Christi errichtete er unter dem Schutz der heiligen Apostel Philippus und Jakobus in Wörth an der Amper eine Kirche, die Bischof Ulrich von Augsburg einweihte, und zugleich ein Kloster, das er mit reichlichen Gründen ausstattete, damit dort Mönche nach der Regel des heiligen Benedikt den Dienst am Altar versehen könnten. Damit aber war Rasso nicht zufrieden. Er wollte auch die Gläubigen dem neu errichteten Heiligtum näherbringen, sie sollten von fern her zusammenströmen, um dort zu beten, um sich von dort Segen für ihre Arbeit, Hilfe in ihren Nöten zu erflehen. Zu diesem Zweck aber brauchte er Reliquien, womöglich ganze Leiber von Martyrern.

 

Rasso war nicht der Mann, der nur deshalb zur Frömmigkeit gekommen war, weil er sonst ein gebrechlicher, schwacher Mann war, nein, eine kraftstrotzende Natur, erschien er seinen Zeitgenossen ein Riese, war ein berühmter tapferer Degen, der seinen Mann stellte in der Abwehr der Ungarn, die immerfort an der Grenze lauerten und nicht selten mordend und plündernd Rassos Schutzgebiet heimsuchten. Sein Name hatte schon lange beim Kaiser einen guten Klang, wir würden sagen, er war bei ihm gut angeschrieben. Deshalb konnte er sich auch eine große Bitte getrauen, er ersuchte den Kaiser um Empfehlungsschreiben an den Papst und andere kirchliche Würdenträger für seine Wallfahrt ins Heilige Land und nach Rom. Der Kaiser händigte sie seinem treuen Recken gerne aus. Rasso warf sich voll heiligen Eifers in das Wallfahrerkleid und schlug mit Judith, der Gemahlin Herzog Heinrichs von Bayern und Sachsen, den weiten Weg nach Jerusalem ein. Dort glücklich angelangt, erwarb er sogleich drei heilige Leiber, ebenso in Konstantinopel wertvolle Reliquien. In Rom wurde er von Papst Agapitus II. in Ehren empfangen, gestärkt mit dessen Segen zog er nach Mailand weiter, wo er wiederum Reliquien erwarb. Reich beladen mit heiligen Schätzen kam er zu seinem Kloster zurück.

 

Rasso hatte dem Kaiser und seinem Volk Kraft und Treue erzeigt, hatte Kirche und Kloster gestiftet, hatte sie mit überreichen Reliquienschätzen ausgestattet, das alles ohne Eigengewinn, ohne Eigennutz, um der Ehre Gottes und des Heiles der Seelen willen, ein Lebenswerk, groß genug für sich. Doch Rasso war damit noch nicht zufrieden, sein innerster Drang war noch nicht gestillt; er hatte viel getan, viel gegeben, aber noch nicht alles, noch nicht sich selbst. Er wird Mönch, um Gott in Heiligkeit und Gerechtigkeit zu dienen, die noch übrigen Tage seines Lebens. Nachdem er noch an seinem Lebensabend in Werken heiliger Demut und Unterwerfung, des Gehorsams, der Abtötung des Fleisches, des Eigenwillens und der Eigenliebe einen unvergänglichen Schatz von Ewigkeitswerten aufgehäuft hatte, starb er still, von der Welt unbemerkt, am 19. Juni 953. Er wurde in der Kirche, die er gestiftet hatte, begraben. Zu seinem Grab wallfahrteten alljährlich lange Pilgerzüge und zahlreiche Gebetserhörungen geschahen auf seine Fürbitte hin.

 

Ohne Gepränge und Pomp hatte man den einfachen Klosterbruder bestattet. Niemand machte besonderes Aufhebens, die Welt hatte ihn schon vergessen, seit er seine Herrschaft aufgegeben und sich selbst unterworfen hatte. Still und bescheiden wandelte der schlichte Bruder durch die Klostergebäude und verrichtete Knechtsdienste, betete voll Zerknirschung, unter den anderen verschwindend, vor den Reliquien, die er einst in glänzendem Zug als Graf heimgeführt hatte. Das mochte Rasso manchmal schwer und hart dünken, doch das hatte er ja gewollt. Darum wurde es ihm süß und leicht, den einstigen Ruhm wegzuwerfen, zu verabscheuen, um von der Welt unbeachtet zu bleiben, ja verachtet zu sein. Gewiss, die äußeren Werke des christlichen Lebens, wie sie Rasso als Graf so eifrig ausgeübt hatte, sind wertvoll und bringen ihren Lohn. Aber den Wert bekommen sie doch nicht, den die innere Tugendübung im Kampf gegen sich selbst, gegen das Fleisch, gegen den zum Irdischen geneigten Geist hat. Rasso hat diese Wertung der Tugend verstanden und hat sich darum selbst aufgegeben in den drei Gelübden des Gehorsams, der Armut und Keuschheit. Gott wird auch seine kurze Zeit im Kloster mit den nach außen so armselig erscheinenden Werken höher gewertet haben als seine Kriegstaten, seine Klostergründung und seine große Wallfahrt.

 

Nicht die Welt, die schaut und lobt, gibt den Wert des Menschen an, sondern Gott, der die verborgensten Herzensfalten mit dem Lichtblick seines göttlichen Auges durchdringt.

 

P. Ansgar Friedl

 

Die selige Michelina Metelli von Pesaro,

italienische Witwe, Franziskanerin im dritten Orden,

+ 19.6.1356 – Gedenktag: 19. Juni

 

Die gottselige Michelina, geboren zu Pezaro im Herzogtum Urbino von einer angesehenen Familie, wurde in ihrem 12. Lebensjahr an einen Herrn des Hauses Malatesta, eines der ältesten in Italien, verehelicht. Sie war aber erst 20 Jahre alt, als sie ihren Gemahl, und kurz danach ihren einzigen Sohn verlor. Dieser zweifache Verlust, der ihr tief zu Herzen ging, riss sie gänzlich von der Welt ab, und bewog sie in den dritten Orden des heiligen Franziskus zu treten. Ihre Gottseligkeit erschien bald ihren Eltern als ein Tollsinn. Sie ließen sie mit Ketten belasten und in einen Turm verschließen. Als Michelina endlich wieder ihre Freiheit erhielt, widmete sie sich ganz den Werken der Nächstenliebe und machte eine Wallfahrt in das heilige Land. Sie starb dann in ihrem Vaterland, am 19. Juni 1356, 56 Jahre alt. Der Heilige Stuhl bestätigte 1737 ihre Verehrung, und setzte ihr Fest auf ihren Todestag.

 

Der gottselige Johannes-Baptist Muard,

Priester, Volksmissionar und Klostergründer,

+ 19.6.1854 – Gedenktag: 19. Juni

 

Pater Johannes-Baptist Muard war ein großer Diener Mariens von seiner Kindheit an. Als er sein achtes Lebensjahr erreicht hatte, begab er sich mit sieben bis acht anderen Jungen täglich in ein benachbartes Dorf, um dort den Unterricht des Lehrers zu genießen. Es wäre überflüssig zu sagen, dass die Meilen, die diese beiden Dörfer trennten, von unseren jungen Leuten unter lärmenden Spielen und Zerstreuungen zurückgelegt wurden, die nicht immer auf der Schwelle des Schulhauses aufhörten. Doch machte Johann Baptist eine Ausnahme: er hielt sich in einer gewissen Entfernung und beschäftigte sich während des Gehens mit Lesen, Nachdenken oder Gebet. Mehr als einmal gingen seine jungen Gefährten zu ihm zurück, und versuchten ihn zu bestimmen, an ihren leichtfertigen Unterhaltungen sich zu beteiligen. Da es ihnen aber nicht gelang, so nahmen sie sich vor, ihn bei seinen Eltern zu verklagen. Bald bot sich die Gelegenheit dazu. Sie hatten wahrgenommen, dass er oft, wenn sie ihn überraschten, etwas vor ihnen zu verstecken suchte, dessen sie nie hatten habhaft werden können. Die Mutter des jungen Muard, deren Gesinnungen man kannte, wurde also hiervon benachrichtigt. Und eines Abends, da ihr Sohn wie gewöhnlich ruhig nach Hause kam, fasste sie ihn ungestüm, und durchsuchte ihn aufs Sorgfältigste. Ihre Nachforschungen waren nicht vergebens. Sie führten zur Entdeckung des geheimnisvollen Gegenstandes: es war . . . ein kleines Stück Holz ungefähr vier Zoll lang, längs dessen zehn Kerben eingeschnitten waren.

 

Was ist das, sagte die Mutter heftig, was bedeutet dieses Stück Holz? Aber der kleine Muard senkte den Kopf und schwieg. Nun so sage doch, fuhr sie fort, wozu das Holzstück? Liebe Mutter, antwortete er unschuldig, ich gebrauche es, um den Rosenkranz daran zu beten. Da diese Frau damals nicht recht wusste, was der Rosenkranz sei, so begnügte sie sich damit, ihm einen tüchtigen Verweis zu geben, indem sie ihm einschärfte, von nun an auch so zu tun, wie die anderen.

 

Während des Laufes seiner Studien gründete er im kleinen Seminar zu Auxerre eine fromme Genossenschaft unter dem Schutz Mariens. Er verfasste die Statuten, von denen ein Artikel festsetzte, dass man alle Tage einen Teil der Tagzeiten der heiligen Jungfrau beten sollte, so dass ihrer zwei sie ganz beten konnten.

 

Als ihm später eine Pfarrei übertragen wurde, so suchte Muard nicht bloß beim Tabernakel für sich und andere die mächtigen Gnaden, die den Weg zum Himmel ebnen, man fand ihn noch häufig zu den Füßen der erhabenen Himmelskönigin, und oft sagten seine Pfarrkinder, wenn sie ihn lange Zeit vor ihrem Altar hatten auf den Knien liegen sehen, zu einander: Es ist doch merkwürdig, wie sehr unser Herr Pfarrer die heilige Jungfrau liebt! Sie täuschten sich nicht, denn er besaß in einem ausgezeichneten Grad dieses Merkmal der Auserwählung. Sein Vertrauen zur Mutter Gottes hatte etwas Zartes, Unschuldiges, Kindliches, das alle zur Andacht stimmte, die ihn zu ihr beten sahen, oder von ihr sprechen hörten. Sie war die Vertraute aller seiner Leiden, die Lenkerin aller seiner Unternehmungen, die Schatzmeisterin aller Gnaden, die er von Gott erbat, die Hoffnung seines Berufes, endlich seine gute Mutter, wie er sie in den Äußerungen seiner Dankbarkeit gerne nannte. Diese glühende Liebe zur Königin des Klerus nahm bei ihm von Jahr zu Jahr zu, und man kann sich leicht denken, welchen reichen Segen dies allen seinen Unternehmungen brachte. Glücklich die Seelen, die der ohne Sünde empfangenen Jungfrau also ergeben sind, aber glücklicher noch jene, die in ihren Fußstapfen gehen.

 

Johann-Baptist Muard, der durch sein Ordensgelübde der Pater Johann Baptist vom heiligen Herzen wurde, war vierzig Jahre alt. Sein Werk gedieh, und er sammelte die Früchte ein. Aus der Wüste La Pierre-Qui-Vire sprudelte eine Quelle von Gnaden über die Diözese, und obgleich Strapazen und Krankheiten seine feste Körper-Konstitution geschwächt hatten, so schien doch der neue Patriarch noch eine lange Laufbahn voll der Arbeit und der Verdienste vor sich zu haben, als er sich an der Schwelle der ewigen Belohnung angekommen sah.

 

Er war nach Sens gekommen, und da er die Reise nach seiner gewohnten Weise zurücklegte, d.h. überall, wo er sich aufhielt, gepredigt und Beicht gehört hatte, so wollte er in dem wiederhergestellten Kloster der heiligen Columba neben dem Grab der jungfräulichen Martyrin sich einen Tag Ruhe gönnen. Da er nun, wie er selbst erzählt hatte, vor einem Bild der allerseligsten Jungfrau betete, so klagte er, dass er unseren Herrn noch nicht so liebt wie er zu lieben verdient hat, und erinnerte Maria daran, dass sie ihm versprochen hat, ihm behilflich zu sein, dass er zu diesem Grad der Liebe gelangt. Dies geschah am Dreifaltigkeitssonntag den 11. Juni 1854. Am Abend reiste er von Sens ab, um über Auxerre und Avallon nach Pierre-Qui-Vire zurückzukehren. Da er schon an einem Luftröhrenübel litt, so hatte er sich vorgenommen, Stillschweigen zu beobachten, aber er sprach überall mit seinem gewohnten Feuer. Seine Rede war immer voll Eifer, weil er immer von Gott sprach. Zu Avallon brachte er den ganzen Tag mit Raterteilen, Beichthören und Predigen zu. Des Abends schien seine Stimme, seine Haltung, seine Ausdrucksweise ganz von heiligem Feuer beseelt. Er sprach über das Glück einer durch den Glauben, das Vertrauen und besonders durch die Liebe mit Gott geeinten Seele, und seine Zuhörer zerflossen in Tränen. Als er ins Kloster zurückkam, kämpfte er noch zwei Tage lang gegen die Krankheit, die sich verschlimmerte. Am dritten Tag musste er endlich nachgeben und sich zu Bett legen. Ein bösartiges Schweißfieber war unverkennbar zum Ausbruch gekommen.

 

Gott ersparte ihm die Schrecken und die Demütigung des Todes nicht, und er gestand, dass er nie so viel gelitten hat, so dass er einmal befürchtete, dass er es an Geduld habe fehlen lassen, indem er eine Bewegung machte, wodurch er die Langsamkeit des Bruders anzuklagen schien, der ihn bediente. In der Fieberhitze verlangte er zu wiederholten Malen die Erlaubnis, die Arme unter dem Deckbett hervornehmen zu dürfen. Dennoch konnten die heftigsten Krisen den Frieden und die Klarheit seiner Seele nicht trüben. Er bat, er ermahnte, er erließ seine letzten Anordnungen als Patriarch und manchmal als Prophet. Er empfahl seinen Brüdern eine aufrichtige Demut, die sie unter alle Welt setzen und sie veranlassen sollte, sich als die Geringsten und als die Nachzügler der Ordensfamilien zu betrachten. Er riet ihnen, die Propheten fleißig zu lesen, in denen sie eine unerschöpfliche Quelle von Belehrung, Bildern und Gefühlen finden würden, und bedauerte wiederholt, dass die Heilige Schrift in den Erziehungsanstalten zu sehr vernachlässigt würde, und dass er selbst nicht von Jugend auf in die Kenntnis des geistlichen Lebens eingeweiht worden sei. Zugleich klagte er sich demütig seiner Fehler an, und zitterte beim Herannahen der Stunde der Gerechtigkeit. Aber die Zukunft seiner Gemeinde beunruhigte ihn nicht. „Es ist das Werk Gottes,“ sagte er zu seinen Kindern, „fürchtet nichts. Gott weiß für alles zu sorgen.“ Er wollte, man solle mit ihm ohne Unterlass vom Himmel, vom erbarmenden Herzen Jesu, vom unbefleckten Herzen Mariens reden. Als schon die Sprache ihm zu versagen begann, ließ er sich den Liebesgesang des königlichen Propheten vorsagen: „Wie lieblich sind deine Gezelte, o Gott der Heerscharen! Meine Seele schmachtet nach dem Haus des Herrn.“ Und er respondierte, als wenn er seine Kräfte wiedererlangt hätte: „Mein Herz und mein Fleisch brennen von Eifer voller Freude über den lebendigen Gott.“ Das Ave Maria war sein letztes Gebet, und er konnte es nur sprechen, indem er durch eine letzte Aufbietung seines Mutes den letzten Umarmungen des Todes sich entwand. Endlich legte der Tod seine Hand auf ihn, und bald nachdem er die letzte Ölung empfangen hatte, fiel er in Fieberträume. Aber seine Fieberphantasien waren die eines Heiligen, der nicht aufhört, zu glauben, zu lieben, zu sehen und zu gehorchen. Man hörte noch: „Mein Jesus, ich liebe dich.“ Man sah ihn noch bei den heiligen Namen Jesus und Marias zusammenfahren. Dann verklärte ein unaussprechliches Lächeln sein Gesicht. Er trank aus den ewigen Quellen der Liebe.

 

Der Tod des Paters Johann Baptist verursachte eine allgemeine Trauer. Man sah bei seinem Leichenbegängnis den Zudrang, das Leid, die Verehrung, die die Gräber der Heiligen verherrlicht. Während zwei seiner Brüder ihn ohne einen anderen Sarg, ohne ein anderes Leichentuch, als seine ärmliche Kleidung, in die Grube legten, wiederholten die übrigen, zur Erde niedergebeugt, dreimal: „Erbarme dich, o Herr, dieses Sünders!“ Aber das Volk rief zu ihm im Himmel. Jeder schätzte sich glücklich, der irgendeinen Gegenstand mit sich hinwegnehmen konnte, der seinen Körper berührt hatte. Und an der Stelle, wo er ruht, versammelt sich das Volk häufig zum öffentlichen Gebet und zur Bezeugung seiner Verehrung.

 

Der gottselige Matt Talbot,

Drittordensbruder, Büßer, Patron der Trinker und Suchtkranken,

+ 7.6.1925 – Gedenktage: 7. Juni / 19. Juni

 

So wie es einen ersten Heiligen in Gehrock und Lackschuhen gibt, den seligen Contardo Ferrini, so gibt es auch einen im kalkbespritzten Arbeitskittel, den Maurer Matt Talbot, der ein ganz eigenartiges Heiligenleben geführt hat. Zunächst muss von Matt Talbot berichtet werden, dass er als junger Mann von der Heiligkeit weit entfernt war. Die Eltern, bettelarme Leute, gehörten dem Arbeiterstand an und wohnten in der irischen Hauptstadt Dublin, wo Matt, was auf Deutsch wohl Matthäus oder Matthias heißt, im Jahr 1856 geboren wurde. Obwohl der Junge einen gescheiten Kopf hatte, brachte er es nur bis zum Lesen und Schreiben. Für ein weiteres Lernen blieb keine Zeit, und mit zwölf Jahren musste er sich als Laufbursche und Handlanger das tägliche Brot selbst verdienen. Zur gleichen Zeit begann auch sein Unglück.

 

Man begeht keine Ehrabschneidung, wenn man sagt, dass das Hauptübel des irischen Volkes vor hundertfünfzig Jahren in der Trunksucht bestand. Auch Matt Talbot verfiel dem Laster. Gewissenlose Gesellen ließen es sich angelegen sein, ihn zum Trinken zu verleiten, und der Erfolg blieb ihnen leider nicht versagt. Aus dummer Großmannssucht tat Matt mit, und bald soff er wie ein Alter, und haltlos glitt er schnell in die schreckliche Sucht. Wenn ihn jeweils nach einem schweren Rausch der Katzenjammer quälte, so ekelte er sich wohl vor sich selbst und versprach der jammernden Mutter hoch und heilig, sich zu bessern, aber sein Vorsatz hielt nie länger als bis zum nächsten Lohntag. Aus dem anfänglichen Gelegenheitstrinker entwickelte sich ein Gewohnheitssäufer, der einmal sogar die Schuhe von den Füßen für billiges Geld verkaufte, nur um an Schnaps zu kommen. Das rotaufgedunsene Gesicht und die zittrigen Hände des erst vierundzwanzigjährigen jungen Mannes redete eine klare Sprache und deuteten darauf hin, dass sich bald auch an ihm das Sprichwort bewahrheiten werde: „Wer im Galopp lebt, fährt im Trapp zum Teufel.“

 

Förmlich über Nacht setzte die Wende ein, und der Trinker rührte fortan kein Glas mehr an. Wie es dazu kam, wird wohl nie geklärt werden können, aber die Tatsache, dass Matt Knall auf Fall ein anderer wurde, steht unleugbar fest. Nach außen hin gab sich der junge Maurer wie bisher. Es fiel nur auf, dass er nie mehr betrunken war, dass er aller Neckerei zum Trotz beim Umtrunk auf der Arbeitsstelle die Schnapsflasche unbenutzt vorübergehen ließ und dass er den kirchlichen Pflichten, die er zehn Jahre lang versäumt hatte, wieder treu nachkam. Im Übrigen aber blieb Matt der alte, liebe und freundliche Kamerad, der jedem half, unter der Arbeit gern ein Lied sang und alle mit seinem ansteckenden Humor auch über die trostloseste Lage hinwegbrachte. Auf diese Weise verdeckte Matt Talbot in männlich schöner Art das heiligmäßige Leben, das er im Geheimen führte und das nur durch einen Zufall erst bei seinem Tod bekannt wurde.

 

Am 7. Juni 1925 brach Matt Talbot siebzigjährig auf der Straße tot zusammen. Als man die Leiche für das Begräbnis herrichtete, stellte man fest, dass der Tote eine schwere eiserne Wagenkette um den Leib trug – eine Bußkette. Man staunte und forschte nach und stieß dabei auf ein neuzeitliches Heiligenleben von ganz eigener Prägung.

 

Was nämlich Matt Talbot in jungen Jahren durch Unmäßigkeit gesündigt hatte, suchte er in harter Buße durch den Verzicht auf die erlaubten Freuden des Lebens zu sühnen. Seit seiner Lebensbesserung gab er nicht nur das Trinken, sondern auch das Rauchen auf, las keine Zeitung mehr, verzichtete auf die Ehe, gönnte sich bei zehnstündiger Schwerarbeit täglich bloß eine volle Mahlzeit am Abend und schlief nur drei Stunden, während er den Rest der Nacht auf den Knien verbrachte. Auf diese Weise hat Matt Talbot die Verfehlungen der Jugend gesühnt, still und verborgen, herrlich und groß, und auch die Tatsache kam erst nach dem Hinscheiden an den Tag, dass er durch seine Sparpfennige vier junge Männer zu Priestern und Missionaren heranbilden ließ. Sollte die Kirche, was zu erwarten ist, Matt Talbot eines Tages zur Ehre der Altäre erheben, so hat dieser neuzeitliche Arbeiterheilige den Beweis erbracht, dass der Christ auch in der Gegenwart und auch im Arbeiterstand heilig werden kann.

 

1931 eröffnete der Dubliner Erzbischof eine Untersuchung, um die einsetzenden Forderungen nach seiner Heiligsprechung zu überprüfen. Der Seligsprechungsprozess wurde 1947 eingeleitet. 1972 wurde sein Grab in die Kirche Unserer Lieben Frau von Lourdes in dem Dubliner Stadtteil übertragen, wo Talbot sein Leben verbracht hatte. 1975 erklärte ihn Papst Paul VI. zum Ehrwürdigen Diener Gottes. 1978 wurde im Dubliner Stadtzentrum die Talbot Memorial Bridge über der Liffey eröffnet. An ihrem Südende steht seit 1988 ein Denkmal Talbots.

 

Bei nordamerikanischen Katholiken, die beruflich oder als Betroffene mit Alkoholmissbrauch zu tun haben, ist die Verehrung Talbots sehr verbreitet. In den USA tragen einige Einrichtungen der Suchtberatung und -hilfe seinen Namen. Im australischen Sydney versorgt das 1938 gegründete Matthew Talbot Hostel täglich 600 obdachlose Männer mit einer warmen Mahlzeit.

 

Siehe auch hier: https://bistum-augsburg.de/Heilige-des-Tages/Heilige/MATT-TALBOT

 

oder hier: http://www.kath-info.de/talbot.html

 

Gebet am 19. Juni

 

Erbarme dich unser, o Königin der Barmherzigkeit, und sei auf unsere Seligkeit bedacht. Lasse nicht von dir gesagt werden, o heilige Jungfrau, dass du wegen der Menge unserer Sünden nicht mächtig genug bist, uns zu helfen, denn deine Macht und deine Barmherzigkeit sind so groß, dass keine Sündenzahl ihr widerstehen kann. Ja, hilf uns! Amen.

 

Zu Gott auf die Fürbitte der heiligen Juliana

 

O Gott, der Du die heilige Jungfrau Juliana in ihrer letzten Krankheit mit dem kostbaren Leib Deines Sohnes auf eine wunderbare Art erquickt hast, verleihe uns durch ihre Verdienste und auf ihre Fürbitte hin, dass auch wir vor dem Ende unseres Lebens, mit ihm erquickt und gestärkt, zum himmlischen Vaterland gelangen, durch eben diesen Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Andacht am 19. Juni:

 

Das Thema im Juni:

Vom Gehorsam

"Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen." (Matthäus 23,3)

 

"Wenn du dir selbst nicht Gewalt antust und es nicht dahin bringst, dass es dir gleichgültig wird, ob dieser oder jener dein Vorgesetzter ist, so glaube ja nicht, dass du ein geistiger Mensch und ein getreuer Beobachter deiner Gelübde werden kannst." (Der heilige Johannes vom Kreuz)

Zu den großen Gnaden, die er von Gott empfangen hat, sprach der heilige Franz von Assisi, gehört auch die, dass er mit eben so großer Bereitwilligkeit einem Novizen, der nur seit einer Stunde in den Orden getreten wäre, als einem Alten von hohem Verdienst gehorcht hätte.

Der heilige Ignatius hatte einem Laienbruder den Auftrag gegeben, für die Gesundheit des heiligen Franz von Borgia Sorge zu tragen; und dieser Heilige gehorchte dem Bruder mit so großer Pünktlichkeit, als er seinem heiligen Ordensstifter selbst gehorcht hätte.

 

Bereit bin ich, o Gott, allen zu gehorchen, die da berechtigt sind, mir zu befehlen; wie groß immerhin ihre Fehler seien und wie widerlich auch die Art sei, mit der sie befehlen mögen. Und gehorchen will ich ihnen Dir zu Liebe, wie ich einem Heiligen, ja, wie ich Christus dem Herrn selbst gehorchen würde, denn Dich, den ewigen Vater, will ich in ihnen betrachten! Amen. 

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 19. Juni

 

"Sagt nicht, dass ihr aus Liebe zu den Armen Schätze sammelt.

Ihr wisst ja wohl, dass die Witwe im Evangelium

den Himmel für 2 Pfennige erkaufte."

 

hl. Ludwig von Granada OP

1504 bis 31.12.1588

 

Betrachtung am 19. Juni - Unfasslichkeit der göttlichen Natur

 

O Gott, du unzugänglich hohes Licht,

Was spricht von dir der Mensch, der Wurm im Staube.

Der Cherub sieht entwölkt dein Angesicht,

Und fasset ewig deine Fülle nicht;

Und sieh, es fasst sie hier der treue Glaube. 

 

1. Unendliche Majestät, ewige, unwandelbare Urschönheit, Allmacht und Weisheit, in Ohnmacht versinkt mein Geist, wenn er den Blick zu dir erhebt, dich zu erkennen, seinen Schöpfer, um durch diese Erkenntnis zu deiner heiligen Liebe sich zu erwecken. Je tiefer er in diesen uferlosen Ozean eindringt, um so mehr erblindet er in deinem göttlichen Urlicht. Denn enge Grenzen sind der endlichen und beschränkten Fassungskraft des Menschen gezogen. Deine Glorie aber übersteigt unendlich die Fassungskraft aller erschaffenen Geister, und so wenig, ja unendlich weniger reicht eine erschaffene Fassungskraft an dein unzugängliches Licht, als ein Zwerg, der seine Hand ausstreckt, die Wolken des Himmels berührt.

 

2. Was also soll die sterbliche Zunge lallen von dir, o unerfassliche Majestät, da selbst die lichten Seraphim in der schleierlosen Anschauung ihr Antlitz mit ihren Flügeln bedecken, und in sprachlosem Erstaunen dich anbeten. Was immer der erhabenste menschliche Verstand von deiner unendlichen Fülle und Herrlichkeit auszusprechen sich erkühnt, ist, wie entzückend es auch im sterblichen Wort lauten mag, dennoch weit mehr von der Wirklichkeit entfernt, als ihr entsprechend. Ja auch, was die erhabensten Geister von deiner unerschaffenen Urschönheit und Majestät erfassen, sind nur wenige Tropfen, und gegen deine in alle Ewigkeit nie zu überschauende Fülle nicht zu vergleichen.

 

3. O ewig anzubetende Majestät! Selbst die Erkenntnis des glorreichsten Geistes, den deine göttliche Allmacht erschaffen kann, würde, übersteigt sie auch die Fassungskraft aller erschaffenen Wesen, dennoch als Nichts verschwinden, da auch das allerhöchste Geschöpf von Grenzen umschrieben, und, gegen deine unermessliche Fülle verglichen, weniger als der geringste Tropfen gegen das Weltmeer ist. Dies, Herr, mein Gott, ist das unzugängliche Licht, in dem du allein wohnst, der du allein dich vollkommen erkennst, allein deine ewige Glorie und Seligkeit bist. Preis und flammender Dank dir, der du die Augen der Vernunft und des Glaubens mir verliehen hast, durch die ich wenigstens im Spiegel und Rätsel dies schaue, denn entzückt dieser Schatten schon das Herz: wie unbeschreiblich wird sein Jubel in deiner glorreichen Anschauung sein. "Ihm, der auf dem Thron sitzt, und dem Lamm gebühren Lob und Ehre und Herrlichkeit und Kraft in alle Ewigkeit." (Offenbarung 5,13b)

 

20. Juni

 

Der heilige Silverius, Papst und Martyrer auf der Insel Ponza, Italien,

+ 20.6.537 - Fest: 20. Juni

 

Da lebte um das Jahr 525 in der oströmischen Kaiserstadt Konstantinopel eine gewisse Theodora, die Tochter eines Pferdeknechtes, die den Beruf einer Zirkuskünstlerin ausübte. Zwar sprach man nicht gut von ihrem Lebenswandel, aber niemand konnte abstreiten, dass sie eine Schönheit war. Wenn sie hoch zu Ross als Kunstreiterin durch den Zirkus ritt, blieben alle Augen an ihr hängen. Kurzum, der Kaiser verliebte sich in die Schauspielerin, heiratete sie, und Theodora saß mit goldener Krone auf goldenem Thron.

 

Bald zeigte es sich, dass die Kaiserin Theodora außer der körperlichen Schönheit noch andere, durchaus nicht gute Eigenschaften besaß, denn sie war ehrgeizig, falsch und rachsüchtig, ein vollendeter Ränkeschmied. In alles pfuschte sie hinein, und als der Erzbischof von Konstantinopel starb, wollte sie mit allen Mitteln einem ihrer Günstlinge mit Namen Anthimus die Stelle des Verstorbenen verschaffen. Dazu war dieser Anthimus auch noch ein Irrgläubiger.

 

In Rom war eben damals im Jahr 536 Silverius Papst geworden, und als man ihn um die Bestätigung des neuen Erzbischofs von Konstantinopel anging, sagte er selbstverständlich nein. Die Ablehnung war sein Recht, die gekränkte Theodora aber setzte sogleich gegen das päpstliche Recht die kaiserliche Gewalt ein. In einem Schreiben beauftragte sie den kaiserlichen Feldherrn in Italien, der Belisar hieß, den Papst unter irgendeinem Vorwand zu verhaften und aus Rom zu entfernen, und weil Belisar nicht genügend Rückgrat besaß und die Kaiserin mehr fürchtete als Gott, gab er sich leider zu dem Verbrechen her. Zunächst legte er dem Papst nahe, er solle abdanken, und als sich Silverius weigerte, ließ Belisar gefälschte Briefe mit hochverräterischen Inhalt anfertigen, und auf diese Briefe hin wurde der Papst verhaftet, man riss ihm die Zeichen der hohepriesterlichen Würde vom Leib, führte ihn heimlich aus Rom, schaffte ihn auf ein Schiff und brachte ihn nach Kleinasien in die Verbannung.

 

Von dort schrieb Silverius in einem Brief: „Ich nähre mich mit dem Brot der Trübsal und mit dem Wasser der Bedrängnis, aber ich bin meiner Pflicht nicht untreu geworden und werde es nie sein.“ So schrieb er. Silverius war also kein Mietling, sondern ein guter Hirt der Herde Christi. Alle Leiden, die er in der Verbannung zu erdulden hatte, hätte er mit einem einzigen Wort beenden können, wenn er nämlich zu dem neuen Erzbischof von Konstantinopel sein Ja sagte. Das Wort „Ja“ wird nur aus zwei Buchstaben gebildet, aber der aufrechte Bekenner hat die beiden Buchstaben nicht ausgesprochen, weil sie gegen seine Hirtenpflicht verstießen. Lieber ging Silverius in den Tod, den er, von Entbehrungen aufgerieben, im gleichen Jahr noch erduldete. Es war ein natürlicher Tod, trotzdem feiert die Kirche mit Recht das heutige Fest des Heiligen als das eines Martyrers.

 

Was aber geschah mit Theodora und Belisar?

 

Theodora besserte sich gegen Ende des Lebens, verblieb aber hartnäckig im Irrglauben und starb daher im Kirchenbann. Es war ein böser Tod.

 

Von Belisar dagegen heißt es, dass er später das Verbrechen gegen Papst Silverius bereute. Er soll sogar in Rom zur Sühne für sein Vergehen eine Kirche erbaut haben. Das scheint ihn aber nicht vor Gottes Strafgericht gerettet zu haben, denn es steht fest, dass er beim Kaiser in Ungnade fiel. Es wird ferner berichtet, dass man ihm die Augen ausgestochen hatte und dass er als armer blinder Mann in den Straßen Roms sein Brot erbettelte. Gotten Mühlen mahlen langsam, aber fein, und wenn er auch manchmal lange aufschreibt, zuletzt rechnet er ab. Es ist daher nicht ratsam, sich an den Gesalbten des Herrn, an Papst, Bischöfen und Priestern, zu vergreifen.

 

Die Nutzanwendung aus der heutigen Legende besteht daher in der Mahnung, die geistliche Obrigkeit zu ehren und viel für sie zu beten, dass sie alle wie Papst Silverius treu die heiligen Pflichten erfüllen.

 

Die selige Margareta Ebner, Dominikanerin in Medingen, Mystikerin,

+ 20.6.1351 – Gedenktag: 20. Juni

 

Man hört und spricht ja in unserer Zeit gerne von Mystik. Das Wort besagt geheimnisvolle Verbindung mit Gott. „Mystik, katholische, altherkömmliche Mystik, die allein diesen Namen verdient, ist die besondere seelische Erfahrung eines Menschen, der hier während seines irdischen Lebens täglich kostet und sieht, wie gütig Gott ist.“ (Psalm 34,9) So sagt der englische Benediktinerpater Louismet, der über „Das mystische Leben“ schreibt. Mystisches Leben ist ein menschliches Leben, das ganz übernatürlich geworden ist in allen seinen Äußerungen, sogar in den alltäglichen und rein körperlichen, nach St. Pauli Wort: „Ihr mögt essen oder trinken oder sonst etwas tun, tut alles zur Ehre Gottes.“ (1 Kor 10,31) Mystik ist eine volle Hingabe und Vereinigung mit Gott, wie sie jeder in seinem Stand pflegen soll und erreichen kann, wie wiederum der heilige Paulus verlangt: „Euer Leben ist verborgen mit Christus in Gott“ Kol 3,3), so dass schließlich „nicht mehr wir leben, sondern Christus in uns.“ (Gal 2,20) Mystisches Leben ist also ein echt heiliges Leben. Außerordentliche Gnaden wie Visionen (Gesichte), geheime Stimmen, Offenbarungen gehören nicht notwendig dazu. Sie mögen einmal die Frucht, die Krönung eines heiligen Lebens sein, sie sind aber durchaus nicht erforderlich, nicht einmal zu erstreben und vom wirklichen Mystiker niemals gesucht.

 

„Mit der Einführung des Christentums beginnend, sich seit dem 10. Jahrhundert stärker entfaltend, erreichte die Verinnerlichung der christlichen Frömmigkeit, die Mystik also, in Deutschland zu Anfang des 14. Jahrhunderts jene Höhe, die man einfachhin die Periode der deutschen Mystik nennt. Die Dominikaner stellten die rührigsten und eifrigsten Lehrer der Mystik, die Dominikanerklöster aber waren die Pflanzschulen des praktischen innerlichen Lebens. Manche Klöster aus jener Blütezeit wissen von dreißig bis vierzig begnadeten Schwestern zu berichten. Ein Kloster, Maria-Medingen (Mödingen) in Bayerisch-Schwaben, meldet nur eine. Aber diese eine hat Medingen berühmter gemacht als jene große Schar ihre Klöster. Diese eine ist Margareta Ebner, eine hochbegnadete Seele, deren heiliges Leben und wundersames Schauen das Staunen der Mitwelt und Nachwelt erregte, und deren liebenswürdige Art, fromm zu sein, keine geringe Empfehlung der wahren Frömmigkeit bleiben wird.“ In solch hohen Tönen des Lobes spricht von seiner Ordensschwester der Geschichtsschreiber der deutschen Dominikanerinnen Pater Hieronymus Wilms.

 

Das ehrende Beiwort einer „Seligen“ wurde Margareta bereits von ihren Zeitgenossen gegeben. Es gibt dies Zeugnis von dem großen Ruf ihrer Tugenden und der hohen Verehrung, die man ihr wegen ihrer besonderen Gnadenauszeichnungen zollte. In Margareta hat sich eben die innige und gnadenvolle Vereinigung mit Gott bis zu den höheren und ungewöhnlichen Stufen des mystischen Lebens ausgewirkt. Die himmlischen Gnadenerweise traten ihren Mitmenschen wahrnehmbar vor Augen und erweckten ihre gläubige Bewunderung. Unseren lieben Vorahnen in der Verehrung der Seligen und Zuerkennung dieses Titels zu folgen, verstößt nicht gegen das Gesetz der Kirche. Denn die strengen Bestimmungen Urbans VIII. vom Jahre 1634 über die Verehrung der im Ruf der Heiligkeit verstorbenen Personen trafen den Kult der Seligen nicht, weil er schon mehrere hundert Jahre vor Erlass dieses Dekretes bestand, und somit nicht unter das Verbot fiel. Doch wurde auch schon 1686 seitens der Bischöflichen Behörde eine Untersuchung über das Leben, die Tugenden und Wunder Margaretens zu Medingen veranstaltet und der Prozess für die kirchliche Anerkennung ihrer Verehrung eingeleitet, aber erst in neuester Zeit, am 4. November 1910, durch ein bestätigtes Urteil zum vorläufigen Abschluss gebracht. Schließlich stand die Entscheidung beim letzten höchsten kirchlichen Gericht in Rom, wo bereits im Juni 1914 eine Sitzung in dieser Sache stattgefunden hat. Die Erfüllung der froh erschlossenen Hoffnungen lag nun im Rat der göttlichen Vorsehung. Schlussendlich wurde Margareta Ebner am 24. Februar 1979 durch Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.

 

Margareta „Ebnerin“ wurde 1291 geboren, nicht zu Nürnberg, wie lange Zeit allgemein geglaubt wurde, sondern zu Donauwörth. Christine Ebner, die gleichberühmte Nonne von Engeltal, die öfter als Margaretens ältere Schwester angeführt wird, war mit ihr nur durch ihre Zugehörigkeit zum Dominikanerorden und durch die gleichen mystischen Auszeichnungen verbunden. Kaum 15 Jahre alt, trat Margareta in das bei Dillingen gelegene Kloster Medingen ein. Gottes Gnade baut auf die Natur auf. Ihrer ganzen Naturanlage nach schien aber die liebenswürdige Braut des Herrn zu einem besonders innigen, seelenvollen Verkehr mit Gott geschaffen zu sein. Hatte sie doch ein ungemein zartes, liebeverlangendes Herz vom Schöpfer erhalten, eine verhängnisvolle Gabe für ein Menschenkind, das sich der Welt zukehrt und dort Befriedigung erwartet, eine wahre Himmelsgabe für jene, die in Gott Ruhe und Erfüllung suchen. In den ersten 5 Jahren des Ordenslebens hing Margareta auch wirklich noch allzu sehr der Außenwelt an. Erst im Jahr 1312 nahm ihr Leben eine höhere Richtung an, als ihr „Gott seine väterliche Treue erzeigte und eine schwere, ungewöhnliche Krankheit schickte“. Das große Geheimnis des Leidens, dass jedes Leid eine Gnade ist und je größer das Leid, um so größer die Gnade, wenn man es mit wohlbereitem Herzen aufnimmt, dies Geheimnis tritt uns in der seligen Margareta Ebner klar und bedeutungsvoll vor die Augen. Ihre Leiden dürfen überhaupt nicht als rein körperliche Leiden aufgefasst werden. Ein höherer Einfluss war wirksam. Denn das Kommen und Schwinden, das Anschwellen und Nachlassen des Leidens hing aufs engste mit dem Kirchenjahr zusammen und stieg besonders in der heiligen Fastenzeit zu einer unheimlichen Stärke an. Schon gleich anfangs erfasste das Leiden sein hilfloses Opfer mit außerordentlicher Heftigkeit. Unerträgliche Schmerzen drangen ihr bis ans Herz hinan und durchtobten ihren Leib, dass sie weder sehen noch sprechen noch irgendein Glied regen konnte. Mühsam, unter weithin hörbarem Röcheln zog sie Atem und nur durch das Gehör war sie noch mit der Außenwelt in Verbindung, gleich als wollte ihr Gott zu erkennen geben, dass Hören und Gehorsam das einzige Leben sei, das sie nun zu führen habe. So wurde sie 3 Jahre lang von den schmerzhaftesten Krämpfen gefoltert. Im ersten Jahr noch wurde es ihr schwer, sich in die harte Schickung zu fügen, und lebhaft regte sich in ihr der Wunsch nach Gesundheit. Doch der Zuspruch einer frommen Klosterfrau: „Ergib dich Gott und bete, wenn es dir möglich ist, denn für Gott große Krankheit leiden, ist eines der längsten Leben, die ein Mensch auf Erden leben kann“, half ihr allmählich den Widerstand der niederen Natur überwinden. Das war der „Kehr“ ihres Lebens und der Beginn ihres Aufstieges. Vom dritten Jahr ab nahm das Leiden eine andere Form an. Die Anfälle waren so heftig, dass Margareta Wochen hindurch in völliger Erschöpfung dalag wie eine Tote und keine Nahrung zu sich nehmen konnte. Darauf folgten 20 Wochen lang so heftige Ergüsse von Schweiß bei Tag und Nacht, dass man, wie sie selbst schreibt, mit hohlen Händen große Becken damit vollschöpfte. Eine Besserung trat dann ein, so dass sie zeitweise wieder gehen konnte. Doch war sie auch in den nun folgenden 13 Jahren häufig von schweren Todesnöten heimgesucht. So ist die Geschichte Margaretens die Geschichte einer Leidenden, aber einer im Leid liebenswürdigen Seele.

 

Man klagt bisweilen, dass unsere deutschen Heiligen von so strenger, abstoßender und unnachahmbarer Lebensart seien, dass sie so wenig von jener anziehenden Liebenswürdigkeit an sich hätten, mit der eben jetzt eine junge französische Heilige, Theresia vom Kinde Jesus, alle Welt zu gewinnen vermöge. Margareta Ebner ist freilich als echte Jüngerin des Gekreuzigten für sich zutiefst in die Flut des Leidens eingetaucht worden. Aber immer ist sie die gütige, liebenswürdige Dulderin geblieben, die kindlich fromme Seele, das weiche, gemütvolle, die Schwächen der Menschennatur nicht verleugnende Menschenkind. An Margareta schrecken keine schweren Bußwerke. Bei ihrer körperlichen Schwäche hätte sie solche auch nicht üben können. Und doch war ihr der Geist vollkommener Abtötung eigen. Sie kürzte den Schlaf, beschränkte das Reden und übte in Speise und Trank eine Enthaltung, die allen möglich ist, weil sie in der Zufriedenheit bestand mit dem, was der Gehorsam, was der Tisch ihr bot. Freilich ging sie später noch weiter, verzichtete ganz auf Fleisch und Fisch und gestattete sich nur Wasser als Trank. Größer jedoch war ihre innere Abtötung, der Verzicht auf eigenen Willen, auf mancherlei Herzenswünsche. Ihre Selbstüberwindung konnte heroisch sein. Das Kloster Medingen war dem Kaiser Ludwig dem Bayern wegen der von ihm erhaltenen Wohltaten treu ergeben. Auch in den Tagen des Unglücks bewahrte es ihm die Treue. Da hieß es plötzlich, die Reichsinsignien: Krone, Zepter und Krönungsmantel seien ins Kloster geflüchtet worden. Die Schwestern eilten zusammen, die Kleinodien zu sehen. Auch Margareta empfand ein heftiges Verlangen. Schon stand sie auf dem Gang. Da vernahm sie – eine lebhafte Eingebung der Gnade – innerlich die Worte: „Das ist eine armselige Kleinmütigkeit (Schwäche) von dir. Geh zum Tabernakel in den Chor, da findest du meinen heiligen Fronleichnam so wahrhaft wie im Himmel.“ Sogleich wandte sie den Schritt, ging in die Kirche und opferte vor dem Altar für den Kaiser den letzten Tropfen irdischer Freude.

 

Wieviel litt die Dienerin bei ihrem tieffühlenden, empfindsamen Herzen! Wie weh tat es ihr, als manche Mitschwestern sie in ihrer langen Krankheit verließen! „Gott allein! Gott allein!“ rief sie dann aus. Über harte Worte, noch mehr über größeres Leid ward sie ganz krank, weinte und konnte das Weh lange nicht überwinden. War das Schwäche? Überempfindlichkeit? Härteren Naturen scheint es so; sie ahnen aber nicht, was ein reiches, tiefes Herz leidet. Schwäche ist es, wenn ein Herz unter solchem Leid zusammenbricht. Stärke aber, heldenhafte Stärke, wenn es überwindet, trotzdem es so tief und je lebhafter es empfindet. Margareta hatte eine Pflegeschwester, die ihr „Gott gegeben hatte zur Pflege von Leib und Seele . . ., an der sie hatte, was sie nur wünschen konnte: Friede, Demut, Liebe und lautere Wahrheit.“ Und diese Schwester nahm ihr der Herr durch den Tod. Unsägliche Traurigkeit, Weh und Jammer erfasste darob Margaretens Seele; ließ sie nimmer los. Nicht dass sie gegen Gott geklagt hätte, nicht dass der Friede ihrer Seele durch eine Regung der Ungeduld wäre gestört worden, aber die Wunde wollte sich nicht schließen. Da führte ihr die Vorsehung einen erfahrenen geistlichen Führer zu, Heinrich von Nördlingen, ein Mann von tiefer Frömmigkeit, der es verstand die Herzen zu hoher Gottesliebe zu führen. Scharfen Auges hatte er rasch den wunden Punkt in Margaretens weichem Gemüt erkannt. „Gebt mir eure Schwester!“ war kurzweg die Forderung. Als Margareta fragte: „Wollt Ihr die Seele dazu haben?“ erwiderte er: „Was soll mir ein Leib ohne Seele?“ Ihren edlen, tiefen Charakter durchschauend, erkannte er, dass Gott mit dieser auserwählten Seele Großes wirken wolle, dass sie aber noch „entbildet“ werden müsse, losgemacht von jeder Kreatur, um „mit Christus gebildet“ zu werden. Das war 1332, also zwanzig Jahre nach ihrer Ein“kehr“. Nun erst findet sie zur Höhe, stufenweise, in mühsamem Aufstieg.

 

Der in der Geschichte der Mystik bekannte Heinrich von Nördlingen war es auch, der seine Schülerin und „Gottesfreundin“ im Gehorsam veranlasste, ihre Seelenerlebnisse, ihre Gnadenauszeichnungen und Gesichte niederzuschreiben. Daraus, wie aus ihrem Briefwechsel mit Heinrich schöpfen wir sichere Kenntnis über Margaretens inneres Leben. Eine neuere, gediegene Studie hierüber (Laacher Stimmen 1911) urteilt: Aus ihrem ganzen Bericht leuchtete eine so lautere Wahrheitsliebe, er sei mit so kunstloser Einfachheit und mit so schlichter Naivität niedergeschrieben, dass selbst der geringste Gedanke an eine absichtliche Täuschung oder auch nur Ausschmückung ausgeschlossen sei. Margaretens Offenbarungen seien ein geschichtliches Dokument, ein Beweisstück, das jeden Anspruch auf Glaubwürdigkeit erheben könne.

 

Liebenswürdig, wie auf dem rauen Weg der Läuterung, blieb die Selige auch auf dem der Erleuchtung. Der Verkehr mit Gott, das Gebet bildete ihre Beschäftigung bei Tag und ihren Trost in den langen schlaflosen Nächten. Von ihren vielen Privatgebeten ist das sinnigste und schönste, das „Paternoster“, ihr Lieblingsgebet. Es ist eine Mischung von mündlichen Gebeten und Betrachtungen. Sie zerlegte das Leben Jesu nach seinen Begebenheiten und Umständen in ebenso viele Bilder; zu jedem Bild wurde ein Pater und Ave gesprochen mit entsprechenden Betrachtungen und Anmutungen, ähnlich unserem Rosenkranzgebet. Diese Gebetsart bildete auch die regelmäßige Vorbereitung auf die heilige Kommunion.

 

Recht bezeichnend für die innig fromme Seelenstimmung der Medinger Ordensfrau und ihres ideal gesinnten Führers Heinrich, der nicht Ordensmann, sondern Weltpriester war, ist aber die bemerkenswerte Beobachtung, dass beiden mystischen Seelen ein tiefes Verständnis für die Liebe und Verehrung des heiligsten Herzens Jesu aufgegangen war. In mehr als siebzehn Briefen spricht Heinrich von dem „reinen, getreuen, erbarmungsvollen, dem überströmenden, süßen Herzen Jesu Christi“. Er schreibt an Margareta, die „gereinigt ist in dem minniglichen Blut ihres Bräutigams, die ruht in der sicheren Wohnung seines Herzens“: „Dem Gottessohn habe ich dich mit meinen Tränen in sein Herz geschrieben. Der himmlische Vater hat uns durch das Herz seines Sohnes seine ewige Liebe und Erbarmen in überreicher Fülle geschenkt. Wir jubeln und freuen uns in dem liebeströmenden Herzen Jesu, in dem alle Schätze der Weisheit und Wissenschaft Gottes sind. Sag mir doch bei der Liebe des Herzens Jesu Christi, woher kommt denn Trost und Friede, Freude und Glück und Wonne und Seligkeit, woher anders als aus dem tiefinnersten Herzen Jesu Christi. Empfiehl uns und unsere Freunde in das erbarmungsvolle Herz Jesu Christi.“ Margareta hinwiederum verlangt von ihrem geistlichen Freund, sich wie Johannes zu erheben „zu dem liebenden Herzen Jesu Christi, an dem du wahre Ruhe findest, erfüllt wirst mit seiner Gnade und durchströmt wirst mit seiner Süßigkeit“. Das sind Erweise einer Herz-Jesu-Andacht aus einer Zeit, die über 300 Jahre vor der heiligen Margareta Alacoque zurückliegt.

 

Das Beten der seligen Dominikanerin wurde immer mehr ein fürbittendes. Wahre Frömmigkeit ist nicht selbstsüchtig. Die Geschöpfe waren dem Heiland lieb, so auch ihr. Seinetwegen nur schenkte sie ihnen wärmsten Anteil. Sie liebte die Kirche, das Volk, jede einzelne Seele. Überallhin streute sie den Gnadenregen ihrer Gebetsrosen aus. Wie schwer litt sie unter den Wirren der Christenheit, in dem Streit zwischen Papst und Kaiser. Die Strafe des Interdiktes, die über das Land ausgesprochen war, gestattete nicht das Brot der Engel so oft zu empfangen, als es das glühende Verlangen ihrer Seele begehrte. Es wurde ihr die Erleuchtung zuteil, dass die Wirrnisse wegen der Gebresten und Sünden der Menschen hereingebrochen seien. Darum hörte sie nicht auf für den bedrängten Herrscher zu beten. Sie trug das Bewusstsein in der Seele, dass ihre Fürbitte dem Träger der Kaiserkrone wie eine Schutzmacht zur Seite stehen müsse. Die armen Seelen hätten es ihr gesagt, dass er nie so lange gelebt haben würde, wenn nicht kraft ihres Gebetes. Nimmer wollte sie ihn daher aus ihrer Barmherzigkeit lassen, bis sie ihn bereitet hätte fürs ewige Leben. Wie frohlockte sie, als ihr darüber Sicherheit gegeben wurde. So trug sie liebend anderer Lasten wie ihre eigenen.

 

Die armen Seelen! Wie sollte ein so zart empfindendes, mitleidsvolles Herz wie das Margaretens ihrer nicht lebhaft gedacht haben. „Ich hatte großen Eifer“, sagt sie, „und große Andacht zu den Seelen und das machte mich empfänglich Gottes und des ewigen Lebens. Ich habe es oft gewünscht, dass es alle Menschen empfänden, damit jene mehr Hilfe von ihnen hätten, denn sie waren ein Anfang all des Guten, das Gott an mir gewirkt hat.“ Auch dieser Verkehr mit den Seelen des Reinigungsortes hatte seine stufenweise Entwicklung. Der Glaube, von der Liebe bewegt, treibt sie zu lebhaftem Fürbittgebet an. Da weiß sie sich erhört. Eine befreite Seele entrichtet ihren Dank. Andere wenden sich um Hilfe flehend an sie. Dafür bringen sie wieder der Beterin Trost in anderen Anliegen. Ermutigt stellt sie Fragen und erhält Bescheid über verborgene Dinge. So wächst sie hinein und fühlt sich ganz heimisch in jener Welt sühnender Leiden, wie in dieser des Werdens und Vergehens.

 

Indessen leuchtete nicht bloß das blutigrote Dämmerlicht des Reinigungsortes in das irdische Leben des mystischen Klosterfrau von Medingen, die Sonne des himmlischen Jerusalems selbst sandte ihr ihre Strahlen zu und entzündete ihr Herz mit flammender Liebe, prüfte es aber auch in namenlosen Qualen. Eine überaus innige Liebe zum göttlichen Heiland beherrschte Margareta und brach immer mächtiger aus ihrer Seele hervor. Der drängende Zug der Gnade wies sie zum Geliebten, zum geheimnisvoll Verborgenen unter den sakramentalen Gestalten. Alle ihre Anliegen trug sie hin zum Tabernakel, und erleichtert oder völlig entlastet, kehrte sie zurück. In der heiligen Kommunion wurde ihr Herz so weit, dass sie es gar nicht ermessen konnte, so weit wie die ganze Welt. Freilich empfand sie auch wieder schmerzlich das Bleigewicht der Trockenheit und in solch peinlichem Zustand meinte sie, keine Frau auf Erden sei so kalt und hart wie sie. Die Gottesliebe hatte so sehr von ihrem ganzen Wesen Besitz ergriffen, dass sich ihre Süßigkeit auch den Sinnen fühlbar mitteilte und im Wachen wie im Schlaf sie beschäftigte. Einst drang vom lieben Namen Jesu, der wie süßer Zauber auf sie wirkte, ein Wohlgeruch fühlbar in ihr Herz und verbreitete sich von da durch alle Glieder. Noch bis zum dritten Tag empfand sie diesen Wohlgeruch. „Der Name Christus ward mir da so kräftiglich gegeben, dass ich auf sonst nichts zu achten vermochte und es war mir, als ob ich bei ihm gegenwärtig wäre.“

 

Die Liebe zu Jesus verbannt sich unzertrennlich mit der Andacht zu seinem erlösenden Leiden. Liebe strebt nach Verähnlichung. Die Selige wünschte all die lieben Minnezeichen des leidenden Heilandes mit ihrem Weh und Schmerz mitleiden zu dürfen. Es drängte sie, mit aller Innigkeit und Kraft das Bild des Gekreuzigten an Mund und Herz zu drücken. „Oft schien es mir,“ schreibt sie, „ich möchte mich lebend nimmer davon lostrennen vor großer Gnad´ und kräftiger Süßigkeit.“ So stark drang ihr diese ins Herz und in alle Glieder, dass sie sich nicht von der Stelle bewegen konnte. In der Passionszeit ehrte sie das Leiden Christi durch ein vollständiges Stillschweigen. Dies wurde zu einem „gebundenen“, gezwungenen Schweigen. Sie konnte oft lange nicht mehr reden, auch wenn sie es gewollt hätte. Die Einwirkungen des Leidens des Herrn wurden immer gewaltsamer. War das Mitleid zum Höchsten gestiegen, das brach es das Leiden. Es war ihr, als ob ein Geschoss mit außerordentlicher Wucht ihr ins Herz, in Haupt und Glieder gestoßen würde. Sie fühlte sich gezwungen, laut zu rufen: „O weh, o weh, mein Jesus Christus!“ Sie litt das Martyrium der Liebe.

 

Überaus liebenswürdig erscheint die selige Margareta Ebner vornehmlich in ihrer Andacht zum Jesuskind. Erst spät, in der Zeit, wo sie sich mit der Niederschrift der empfangenen Gnaden auf Drängen Heinrichs beschäftigte, im 53. Lebensjahr, erfasste sie „die besondere Lust“ zur Kindheit Jesu, einer Andacht, die von da ab eine hervorragende Stelle in ihrem inneren Leben einnimmt. Margareta spricht so kindlich, so zutraulich, so herzlich mit dem göttlichen Kind, dass irdische Mutterliebe keine zarteren Ausdrücke zu finden wüsste. Doch bleibt sie dabei so edel und übernatürlich, dass der Gedanke an eine rein menschliche Auffassung vollständig ausgeschlossen ist. Dem Jesuskind kann sie alles klagen, alles von ihm erfragen. Die Antwort erfolgte teils in Traumgesichten, teils im wachen Zustand durch innere Einsprechungen, nie aber auf eine dem äußeren Ohr vernehmbare Weise. Das ist wohl zu beachten. Wenn die ganz in ihrem Wandel in der Gegenwart Gottes aufgehende Ordensfrau erzählt, wie das Jesuskindlein – eine bekleidete Holzfigur in der Wiege, ein Geschenk aus Wien vom Jahr 1344 – „in einer Nacht fröhlich spielte und sich lebhaft gebärdete“, wie es dann auf einen Verweis hin begehrte, Margareta müsse es zu sich nehmen, und diese es dann voll Freude auf ihren Schoß stellte und das liebe Kind sie umarmte und küsste, so ist das nur als Traumvision zu nehmen. Sie hebt es selbst hervor, dass ihr viel im Schlaf, in Traumgesichten, gezeigt wurde. Sie bemerkt aber ausdrücklich: „Ich schreibe von keinem Traum, als nur von solchen, die ich danach noch langer in großer Gnade empfinde.“ Sie stellt damit selbst das richtige Kennzeichen auf, womit ein bloßes natürliches Traumspiel von göttlichen Gunstbezeigungen zu unterscheiden ist. Diese bringen dauernde Wirkungen in der Seele hervor.

 

Unzweifelhaft ist, dass die heilige Macht der Gottesliebe die Selige bei Tag und Nacht vollständig beherrschte. Begreiflich, dass diese Gotteskraft auch in klaren Wachzuständen Ungewöhnliches und Außerordentliches an der Begnadeten wirkte. Nach langem, hartem Leid führte der Allbarmherzige seine Braut zur „mystischen Vereinigung“. Sie darf gestehen: „Mir ist Gott zur selben Zeit so gegenwärtig und begreiflich in der Seele und im Herzen und so wahrnehmbar in all der Kraft, wie er im Himmel und auf Erden wirkt, wie wenn ich es mit meinen eigenen leiblichen Augen sähe und wie es nur immer einem Menschen möglich ist . . . Innerlich empfand ich große Süßigkeit und viele Gnade und die wahre Gegenwärtigkeit Gottes in meiner Seele . . . Ich empfand auch, wenn es sich ereignete, die größte Geringheit, dass mir schien, ich hätte meinen eigenen Leib von mir gelegt, so dass ich eine rechte Vergegenwärtigung gewinne von der Geringheit (des Leibes) nach diesem Leben.“ Die Gottes-Ähre war herangereift zur hundertfältigen Frucht für den großen Erntetag. Zu wiederholten Malen erhebt sich eine Stimme in ihrem Innern: Ich will heim, ins ewige Leben!

 

Am 20. Juni 1351 schloss sich ein Menschenleben, das von der Weihe einer ganz wunderbaren Gottesinnigkeit durchhaucht war. Margareta Ebner wurde am 24. Februar 1979 durch Papst Johannes Paul II. seliggesprochen.

 

Das folgende von Margareta gerne gebrauchte Gebet wird das „Anima Christi“ Ebners genannt. Es hat aber mit dem beliebten Kommuniongebet: „Seele Christi, heilige mich!“ nur den Sinn und die innige Zartheit der Liebe zum Heiland gemein, der Wortlaut ist verschieden, länger und urwüchsiger. Ob unser „Anima Christi“ eine Nachbildung des Ebnerschen ist? Jedenfalls entstammt es jener Zeit, da es von Papst Johann XXII. im Jahr 1330 mit Ablässen versehen wurde. Irrtümlicherweise wird das „Anima“ öfter dem heiligen Ignatius zugeschrieben. Er empfiehlt es aber nur, in den ersten Exerzitienausgaben, 1548 und 1553, als schon bekannt zum Beten, ohne den Text anzuführen. Dieser erscheint erst in den späteren Ausgaben.

 

Gebet der seligen Margareta Ebner

 

Ich danke dir, Herr Jesu Christ,

Dass du Mensch geworden bist.

Ich ermahne dich deiner großen Pein

Und tue auf das Herze mein,

Darein gieße die Marter dein,

Dass sie fließe durch die Seele mein.

Mit deinem Blute wasche mich,

In deiner Marter läutere mich,

In deinem Schmerze peinige mich,

In deinen Schlägen bessere mich,

In deinen Wunden heile mich,

In deinen Stichen mein Herz zerbrich,

Dein Speer, Nägel, Krone stärken mich,

In deine Bitterkeit setze mich,

In deinem Durste labe mich,

In deinen Zügen zieh mich in dich,

In deiner Minne verschmelze mich,

In deinem Tode begrabe mich,

In deiner Urständ (Auferstehung) erneuere mich,

In deiner Auffahrt erhebe mich,

In Ewigkeit empfange mich,

In deiner Süßigkeit ertränke mich,

Dass ich mit allen Heiligen dich preise. Amen.

 

Der selige Franz Pacheco, Priester,

Provinzial und Märtyrer in Japan aus der Gesellschaft Jesu,

und seine Gefährten,

+ 20.6.1626 – Gedenktag: 20. Juni

 

Franz Pacheco entstammt einer vornehmen Familie Portugals. Als er in seiner Jugend das Leben der Märtyrer las, machte er in kindlicher Einfalt das Gelübde, selbst Märtyrer zu werden. Später erregte der Anblick einer japanischen Gesandtschaft in ihm den Wunsch, als Missionar nach Japan zu gehen. Deshalb trat er 1586 im Alter von 20 Jahren in die Gesellschaft Jesu. Im Jahr 1592 durfte er die Reise in den fernen Osten antreten. Nachdem er zunächst in Makao Professor der Theologie gewesen war, kam er 1604 nach Japan. Als Missionar und Oberer in Cami, Osaka, Meaco gewann er unzählige Heiden für den Glauben. Im Anfang der Verfolgung wurde er mit anderen verbannt und musste das Land verlassen, aber bald kehrte er zurück. Als Provinzial und Bistumsverweser wirkte Pacheco noch elf Jahre im Verborgenen, bis er von einem Apostaten verraten in die Hände der Häscher fiel. Nach langwierigem Leiden im Kerker bestieg er freudig den Scheiterhaufen und erduldete geduldig bis zum Tod die Qualen des Feuers.

 

Mit Pacheco starben noch folgende 8 Mitglieder der Gesellschaft Jesu durch das Feuer: Der selige Pater Balthasar von Torres, ein Spanier, geboren 1563. Im Jahr 1592 kam er nach Makao und 1600 nach Japan. Er zeichnete sich aus durch Liebe zur Armut, durch Ausdauer in den mühevollsten Arbeiten und durch den genauesten Gehorsam. Nach 26jährigen segensreichen Wirken wurde er wenige Tage nach seinem Provinzial verhaftet und bestieg mit ihm den Scheiterhaufen.

 

Der selige Pater Johann Baptist Zola stammte aus Brescia in Oberitalien. Im Jahr 1606 kam er nach Japan. Der Schauplatz seiner Tätigkeit war Tacacu mit den umliegenden Inseln. Obgleich er eine sehr schwache Gesundheit hatte, war er dennoch ein unermüdlicher Missionar. Besonders wird an ihm gerühmt eine unbesiegbare Leutseligkeit, wodurch er die Herzen aller gewann. Außer vielen Bekehrungen, die er unter den Heiden bewirkte, zeigen viele Schriften, die er verfasste, seinen apostolischen Eifer. Er sehnte sich nach der Märtyrerpalme und schrieb an Pater Spinola und Pater Navarro, die im Gefängnis waren, sie möchten sich für ihn bei Gott verwenden. Sie versprachen ihm, es zu tun, sobald sie selbst die ersehnte Krone erlangt hätten. Sie hielten Wort. Pater Zola erlitt den Martertod mit seinem Provinzial.

 

Der Laienbruder Kaspar Sadamatzu lebte bereits 24 Jahre in der Gesellschaft Jesu. Er war der beständige Gefährte verschiedener Obern der Provinz, denen er sich durch seinen Eifer und seine Geschicklichkeit sehr nützlich machte. Ebenso waren die 5 Scholastiker, d.h. Kleriker der Gesellschaft Jesu, die sich durch Studien auf das Priestertum vorbereiteten und die am gleichen Tag den Feuertod erlitten, Begleiter der o.g. Patres. Ihre Namen sind: Vinzenz Caun, Peter Rinxei, Paul Kinsuki, Johann Kiusako und Michael Tozo. Von Vinzenz Caun, einem Koreaner, wird berichtet, dass man durch Bitten, Versprechungen und Drohungen versuchte, ihn zum Abfall zu bewegen. Aber er widerstand allem und bestieg mit den anderen heldenmütig den Scheiterhaufen.

 

Der Glaube ist mehr wert als alles Gold und Silber und alle Ehren und Freuden dieser Welt. Der Glaube macht groß in Gottes Augen. Er erzeugt die herrlichen Wundertäter, die selbstlosen Apostel und die mutvollen Märtyrer. Zur Bewahrung des Glaubens haben die Seligen Blut und Leben hingegeben. Wie viele Opfer hast du schon für den Glauben gebracht?

 

Gebet des heiligen Cyrillus am 20. Juni

 

Sei mir gegrüßt, o Maria, Mutter Gottes, ehrwürdige Beschützerin der ganzen Welt, Leuchte, die nicht erlischt, strahlende Krone der Jungfräulichkeit, Zepter der wahren Lehre, Königin der Apostel, sei mir gegrüßt.

Sei mir gegrüßt, o Maria, die du in deinem jungfräulichen Schoß den Unendlichen und Unbegreiflichen trugst, durch die der allerheiligsten Dreifaltigkeit Ehre und Anbetung erwiesen wird, durch die das köstliche Kreuz des Erlösers auf der ganzen Erde erhöht ist, durch die der Himmel triumphiert, die Engel frohlocken, die höllischen Geister in die Flucht gejagt, der Versucher überwunden, das strafbare Geschöpf bis in den Himmel erhoben, die Erkenntnis der Wahrheit auf den Trümmern des Götzendienstes aufgepflanzt, die Gläubigen der Taufe teilhaftig und mit dem Öl der Freude gesalbt werden. 

Sei mir gegrüßt, o Maria, durch die alle Kirchen der Welt gestiftet und die Völker der Erde zum Glauben und zum Heil gebracht worden sind.

O Maria, seligste Himmelskönigin, blicke auch auf mich mit den Augen deiner Barmherzigkeit herab, nimm mich unter deinen Schutz, verteidige mich gegen die Feinde meines Heils und leite mich mit mächtiger Hand zum ewigen Ziel. Amen. 

 

Zu Gott

 

Hilf uns, o Gott, so schöne Beispiele der Heiligen zu nützen, und einmal recht zu erkennen, dass uns die Welt mit ihren Ehren, Gütern und Freuden nicht glücklich machen, sondern dass uns nur die Frömmigkeit wahre Ruhe, wahres Glück hienieden geben kann. Unser Herz ist für Dich erschaffen, und es findet keine Ruhe, bis es in Dir ruht. Hilf uns also, uns und der Welt abzusterben, Dich von ganzem Herzen zu lieben, und diese Liebe zu Dir durch wahre, innige und aufopfernde Nächstenliebe zu beweisen. Wir bitten Dich darum durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Zu Rom wurde im Jahr 1525 an diesem Tag die Kirche der heiligen Maria der Wunderwerke bei der Pforte del popolo zu bauen angefangen. Diese Kirche wird nun von den reformierten Ordensgeistlichen des heiligen Franziskus bedient. Das wundertätige Muttergottesbild aber, das darin war, wurde im Jahr 1598 in die schöne Kirche des Hospitals St. Jakob des Unheilbaren übertragen. 

 

Andacht am 20. Juni:

 

Das Thema im Juni:

Vom Gehorsam

"Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen." (Matthäus 23,3)

 

"Gedenke, dass du dem Vorgesetzten Gott zu Liebe dich ergeben hast, und damit du in den Himmel kommst. Du gehörst also nicht mehr dir selbst, sondern demjenigen an, dem du dich ergeben hast. Nicht erlaubt ist es dir demnach, etwas von selbst und ohne seine Zustimmung zu tun, denn nicht du, sondern er ist der Herr deines Willens." (Der heilige Johannes vom Kreuz)

Eine heilige Seele sprach auf ihrem Totenbett zu ihrem Beichtvater: "Gott sei gebenedeit; seit ich meinem Willen entsagt und ihn Ihren Händen übergeben habe, glaube ich nicht, dass ich auch nur einmal geseufzt hätte, ohne dass dieser Seufzer vom Gehorsam wäre unterschrieben gewesen!"

 

Dir zu Liebe, Herr, habe ich meinem Willen entsagt, und entsage ihm abermals, ja, ohne Unterlass will ich diese Entsagung erneuern. Nichts will ich mehr von mir selbst tun, da ich mir selbst nicht mehr angehöre, sondern alle meine Werke sollen eben so viele Akte des Gehorsams sein! Amen. 

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 20. Juni

 

"Die Geistesreinheit wünscht, dass der Mensch

sich allen Urteils über seinen Nächsten enthalte,

und jedes unnötigen Wortes, über sein Betragen."

 

hl. Katharina von Siena OP

1347 bis 29.4.1380

 

Betrachtung am 20. Juni - Über die göttliche Dreieinigkeit

 

Wer ist, o unerschaffner Gott, dir gleich.

Die volle Ewigkeit ist, Herr, dein Reich.

Die Engel, die zu deines Thrones Stufen

Dir heilig, heilig, heilig rufen:

Sie schauen hochentzückt dein Angesicht;

Doch nichts Erschaffnes dringt bis in dein Licht.

 

1. Herr, dreieiniger Gott, gib, ich bitte dich, meiner Seele dich zu erkennen. Denn bist du, unendliche Majestät, der erschaffenen Erkenntniskraft auch ewig unerreichbar, so hat dennoch meine Seele ein Verhältnis zu dir, ihrem Schöpfer, und trägt das Gepräge deiner Ähnlichkeit. Wie aber finden wir dieses Bild, diese Ähnlichkeit in uns? Sieh, wenn der gottesfürchtige Weise in sich blickt und sich durchschaut, dann geht aus seinem schauenden Verstand die Erkenntnis seiner selbst als eine geistige Geburt hervor. Von diesem Verstand und dieser Erkenntnis aber geht die Liebe zu sich aus, die drei, ob auch untereinander verschieden, dennoch eins sind. Ein Bild deines Gottes ist dies, aber auch nur ein Bild seiner göttlichen Wesenheit, wo alles ohne Anfang, und nicht drei Kräfte, sondern drei ewig anzubetende Personen in einem Wesen, in einer Gottheit bestehen.

 

2. Dieses unbegreifliche Geheimnis schaue ich in dem Helldunkel des Glaubens. In diesem Licht sehe ich dich, den Vater ohne Ursprung, und deinen Sohn, den lebendigen Abglanz deiner Wesenheit, geboren von Ewigkeit, und als Ewiger dir gleich, mit dir und in dir, wie die Weisheit im Weisen, die Güte im Guten, und die ewige Liebe, die von beiden als der Heilige Geist des Vaters und des Sohnes ausgeht. Dich also, mein Gott, bete ich, aufgelöst in mein Nichts, als den einen, lebendigen, ewigen, dreieinigen, allmächtigen, unwandelbaren Gott aus tiefstem Grund meines Herzens an.

 

3. Auch noch ein anderer schwacher Wiederschein deiner Ähnlichkeit, mein Gott, glänzt in meiner Seele, denn glücklich kann sie nur durch die Liebe sein. Hieraus aber erkenne ich, dass du unendlich glückselig bist, denn du selbst bist die Liebe. Glückselig aber ist die Liebe nur, wenn sie vollkommen erwidert wird. Deine Liebe aber ist unendlich, ewig, und kann also nur durch unendliche, ewige Personen vollkommen erwidert werden. Dies zeigt mir, mein Gott, dass du nicht einsam in der unermesslichen Ewigkeit, sondern unendlich glückselig durch die Liebe bist, die von göttlichen Genossen deiner Glorie vollkommen erwidert wird. "Dem König der Ewigkeit, dem unvergänglichen, unsichtbaren, einzigen Gott, sei Ehr und Herrlichkeit in alle Ewigkeit. Amen." (1. Timotheus 1,17)

 

21. Juni

 

Der heilige Aloysius von Gonzaga (-1-), Italien, Scholastiker,

+ 21.6.1591 - Fest: 21. Juni

 

Aloysius, ein Fürstensohn aus Norditalien, war einer der edelsten jungen Männer, die es gegeben hat, ein Ritter ohne Fehl und Tadel, hochgesinnt und wagemutig, ein Held.

 

Schon der Fünfjährige zeichnete sich durch Kühnheit aus, denn eines Tages feuerte er unbemerkt hinter dem Rücken der Soldaten eine Kanone ab, die er vorher selbst geladen hatte. Das tat der Waghals, obwohl ihm kurz zuvor bei einem Schießversuch brennendes Pulver ins Gesicht geflogen war und die Wange verbrannt hatte, in einem Alter von fünf Jahren, zu einer Zeit also, da er nicht einmal ein Junge, sondern noch ein Kind war. Ein echter Junge war er schon, der Aloysius!

 

Was macht denn eigentlich einen echten Jungen aus? Zum echten Jungen gehört vor allem ein ernstes Streben nach hohen Zielen. Ein echter Junge muss zäh und entschieden, frisch und unverdrossen, mutig und kühn, unentwegt und unbeirrbar treu danach trachten, ein tüchtiger Mensch und edler Christ zu werden, und in all dem ist der heilige Aloysius wie ein Meister gewesen.

 

Aloysius hätte sich beispielsweise, weil er Kronprinz war und später Fürst werden sollte, damit begnügen können, sich nur in den Regierungsgeschäften und als Soldat auszubilden. Doch er zielte höher, er wollte sich auch ein größeres Wissen aneignen, und deshalb ließ er sich es angelegen sein, neben dem Dienst am Hof und im Regiment eifrig zu studieren. Aloysius tat also mehr, als er musste. Darum ist er auch etwas Tüchtiges geworden.

 

Es war ihm ferner nicht genug, als Erstgeborener nach dem Tod des Vaters Fürst zu werden, er wollte vielmehr ein Heiliger werden, und um sicherer zu sein, dass er das hohe Ziel erreiche, entschloss er sich, Jesuit zu werden. Doch da kam Aloysius bei seinem Vater schlecht an. Wohl hatte der Fürst noch vier andere Söhne, aber den Alois, der von allen der beste war, wollte der Vater nicht verlieren, und deshalb verweigerte er ihm die Erlaubnis, auf das Erbrecht zu verzichten und Ordensmann zu werden.

 

Es ist bedauerlich, dass manch hochgesinnter junge Mann, der im Herzen den Ruf zum Priesterstand vernahm, doch nicht Priester geworden ist, weil er allzu willfährig war, als man ihm von dieser Berufswahl leichtfertig abriet. Aloysius dagegen blieb dem Ruf der Gnade treu. Drei Jahre lang hat er zäh um den Beruf gekämpft. Nie hat er sich gegen den Vater aufgelehnt, nie auch die kindliche Ehrfurcht verletzt, aber an dem Ziel hielt er unbeirrt fest, und es war wohl einer der glücklichsten Tage im Leben des Heiligen, als er mit achtzehn Jahren auf die Fürstenkrone verzichten durfte. Sicher lohnt sich solch ein Verzicht, um heilig zu werden, denn himmelhoch steht ein Heiliger über allen Kaisern und Königen.

 

Von der ersten Stunde an, da er im Kloster war, hat Aloysius zu den Ganzen gehört. Mit Leib und Seele war er Ordensmann, der die klösterlichen Pflichten treu erfüllte, in Armut, Keuschheit und Gehorsam lebte, viel betete und für andere büßte und sühnte. Aloysius war stets das ganz und gar, was er sein sollte. Am herrlichsten aber war sein Tod.

 

Die Pest war ausgebrochen. Aloysius meldet sich aus freien Stücken für den Dienst an den Kranken. Als er dabei einen Pestkranken, den er verlassen auf der Straße fand, auf den Schultern ins Spital brachte und pflegte, wurde auch er von der Seuche ergriffen. Wohl entging er der ersten Gefahr, aber ein schleichendes Fieber blieb zurück und zehrte die Körperkräfte des jungen Mannes auf. Am 21. Juni 1591 starb Aloysius als Held im Dienst der Nächstenliebe.

 

Die Kirche hat recht daran getan, dass sie den heiligen Aloysius als Vorbild und als Patron der Jugend hingestellt hat, denn wer wie Aloysius zäh und entschieden, frisch und unverdrossen, mutig und kühn, unentwegt und unbeirrbar treu danach trachtet, ein tüchtiger Mensch und ein edler Christ, ein Heiliger zu werden, der ist ein echter Junge.

 

Der heilige Aloisius von Gonzaga (-2-), italienischer Scholastiker SJ,

+ 21.6.1591 – Fest: 21. Juni

 

Die Zeit am Beginn des 17. Jahrhunderts war eine äußerst ernste. Die Reformation hatte fast in alle Länder Europas die Brandfackel der Glaubenskämpfe geworfen. Die Kirche und ihre treuen Anhänger waren verachtet, verfolgt, geknechtet. Blut floss für den Glauben, Schottlands große Königin starb am Schafott. Das irregeführte Volk verrohte, denn mit der Glaubensfreiheit war auch Sittenfreiheit eingerissen. Im Adel und selbst an katholischen Höfen herrschte maßlose Prunk- und Vergnügungssucht, Ausgelassenheit und laute Freude. Fast schien es, als stürbe Tugend und katholischer Glaube, aber die Welt irrte sich: „Für das Christentum sind Zeiten des Kreuzes – Zeiten der Gnade, Tage der Drangsal – Tage der Heiligung.“ (Hahn-Hahn) Die Kirche war nicht verkommen und entartet, nur viele ihrer Glieder waren es. In der Reformation fielen die von ihr ab und nun erwachte frisches, tatkräftiges Leben in der Kirche. Der Jesuitenorden wurde gegründet und ein ganzer Himmel voll Heiligen erblühte in diesen Tagen.

 

So standen die Zeichen, als dem Markgrafen und Fürsten des heiligen römischen Reiches Ferdinand von Gonzaga auf seinem Stammschloss Castiglione an den Blumengestaden des Gardasees ein Sohn und Erbe geboren wurde. Stolze Freude schwellte die Brust des glücklichen Vaters, als er an der prächtigen Wiege seines Erbprinzen stand. Das ahnte er aber nicht, dass dieses Kind den Namen seines Geschlechtes dadurch unsterblich machen werde, indem es zum Fürstentitel das unendlich erhabenere Adelsdiplom der Heiligkeit erringen würde. So hatte also am 9. März 1568, dem Geburts- und Tauftag des Prinzen Aluigy, ein gar wundersames Gnadenleben auf dem stolzen Schloss zu blühen begonnen. Wie eine Lilie, so rein und unberührt, wuchs der Knabe heran und schon vom zartesten Kindesalter an verband er mit der Unschuld seines Lebens einen seltenen Gebetseifer und eine ganz ungewöhnliche Bußstrenge. Gott hatte eben dies Fürstenkind zum Opfer für die Sünden und die Lauheit jener Tage erwählt und dieses Kind, den leisesten Regungen der Gnade nachgebend, wurde zum Sühnopfer, zur büßenden Unschuld, zum – heiligen Aloisius.

 

Unmöglich ist es, in kurzen Zeilen das reichbewegte, inhaltsvolle Leben des Heiligen nur annähernd würdig zu beschreiben, hier sollen nur einzelne Daten erwähnt werden.

 

Bis zu seinem achten Jahr war Aluigy, von kleinen Unterbrechungen abgesehen, auf Castiglione, dann sandte ihn der Markgraf an den Hof der kunstliebenden, mächtigen Medizier, dass er dort höfische Sitte lerne und in den Freudenfesten von Florenz dem Zauber des Weltlebens sich ergeben müsse. Und Aluigy unterlag dem Zauber der herrlichen Arnostadt, seine Seele feierte Freudenfeste, er kam ja zum beseligenden Bewusstsein seiner ersten Liebe, seiner keuschen, todestreuen Madonnenliebe und diese Liebe besiegelte er vor einem Liebfrauenaltar durch das Gelübde ewiger Jungfräulichkeit. Nach außen freilich schien Aluigy ernster und eingezogener denn je: seine Kleidung war schlicht, sein Auftreten bescheiden, und alle Ehren, die man ihm, dem Sohn des mächtigen Markgrafen, erweisen wollte, wies er freundlich, aber entschieden mit den Worten zurück: „Ein Diener Gottes sein, geht über alle Weltherrlichkeit.“ Als Aluigy nach Castiglione zurückgekehrt war, empfing er aus der Hand seines Onkels, des heiligen Bischofs Karl Borromeo, die erste heilige Kommunion. Von nun an kommunizierte Aluigy so oft er konnte, um sich die Kraft zur makellosen Bewahrung seines Gelübdes zu holen und um immer inniger mit dem göttlichen Heiland vereint zu werden. Bald darauf zog der Markgraf mit seinen Söhnen nach Madrid, da diese hier am Hof des Beherrschers zweier Welten, der katholischen Majestät König Philipp II., die höchsten Ehrenämter als erste Pagen des Infanten Do Diego erhalten sollten. Aber auch hier im Mittelpunkt höfischen Glanzes blieb Aluigy seinem Fasten, Beten und fleißigem Studium aller Wissenschaften treu, und wahrhaft Heldenmut gehörte dazu, inmitten des strengen Hofzeremoniells und beständiger Zerstreuungen dies Engel- und Büßerleben zu führen. Aluigy hatte schon in Florenz die Nichtigkeit aller Erdengröße und Weltherrlichkeit erkannt, damals schon reifte in ihm der Entschluss, auf sein Erbe zu verzichten und im Reich Gottes als Diener des Allerhöchsten einen Thron, eine Krone und unvergängliche Himmelsehren zu erlangen. Als am Himmelfahrtstag 1583 der edle Prinz vor dem Gnadenbild „Maria vom guten Rat“ um Erleuchtung in seiner Berufswahl betete, befahl die Gottesmutter dem Jüngling, er solle sich der Gesellschaft Jesu anschließen.

 

Nun begann ein zweijähriges Ringen um den gottgewollten Beruf, Vater, Mutter, Verwandte, Untertanen und Fürsten waren gegen Aluigys Entschluss. Es war ein Riesenkampf, aber ein voller Sieg krönte ihn, denn am 2. November 1585 unterzeichnete Aluigy im Palast der Gonzaga in Mantua die Urkunde, durch die er auf die Markgrafschaft und alle Allodien zu Gunsten seines Bruders Rudolf verzichtete. Nie hatte man Aluigy so heiter gesehen als in jener Stunde. Nachdem auch Rudolf unterzeichnet hatte, fragte Aluigy ihn laut: „Was meinst du, mein lieber Rudolf! Wer von uns beiden ist nun froher, ich oder du?“ – „Ganz gewiss ich!“ Da brachen alle anwesenden Verwandten in lautes Schluchzen aus. Schon mit dem geistlichen Kleid angetan, nahm Aluigy Abschied, kniend empfing er den Segen seiner weinenden Eltern und dann brach er unverzüglich nach Rom auf. In St. Andre, dem Noviziathaus, und später im römischen Kolleg fand Aluigy seine Seelenheimat, sein Paradies. Es besteht kein Zweifel, dass er schon ein großer Heiliger war, als er in den Orden eintrat, hier aber machte seine Vollkommenheit solche Fortschritte, dass die seelenkundigen Patres Jesuiten hierüber in Staunen und Bewunderung gerieten. Hatte Aluigy in der Welt seinen Fasten und Bußübungen keine Grenzen gesetzt, so musste er sich nun auch hierin dem Oberen in Gehorsam unterwerfen und den Eifer der Abtötung größtenteils auf seinen Willen beschränken. Wunderbar vollkommen wurde dadurch des Heiligen Gehorsam, Demut und Treue im Kleinen. Mit vorzüglichem Erfolg studierte Aluigy Philosophie und Theologie. 1587 legte er die ersten Gelübde ab, 1588 empfing er die niederen Weihen. Als er von Castiglione zurückkehrte, wohin ihn sein Oberer zur Schlichtung schwerer Familienzwiste gesandt hatte, und nun das vierte Jahr Theologie beginnen sollte, musste er nach Sitte der Gesellschaft Jesu ein Zimmer für sich allein bekommen. Er wählte sich eine enge Kammer, die kaum für Bett, Stuhl und Betschemel Platz bot und in der noch nie ein Studierender gewohnt hatte. Durch das kleine Dachfenster sah ein Stück Himmel in die Kammer. Hier war Aluigys Tabor, hier in äußerster Armut fühlte er sich selig. Die kahlen Mauern sahen seine Liebesverzückungen, seine glühenden Gebete, hörten seine Sehnsuchtsseufzer, die immer drängender, immer verzehrender nach Gott verlangten.

 

So kam der Winter 1591, in dem Rom von der Pest heimgesucht wurde. Aluigy weihte sich mit seinen Mitbrüdern der Pflege der Pestkranken in den Spitälern. Hier, im Dienst opfermütiger Nächstenliebe, empfing er den Todeskeim. Wochenlang siechte er dahin, aber weniger die Macht des Fiebers als seine verzehrende Sehnsucht nach dem Himmel schien ihn zu entkräften. Als Aluigy die Kunde seines nahen Todes erfuhr, stimmte er in seiner übergroßen Herzensfreude das Te Deum an. Auf die Frage eines Paters, wie es gehe, antwortete Aluigy mit strahlenden Blicken: „Fort, fort geht es!“ „Ja, wohin denn?“ „In den Himmel, wenn meine Sünden es nicht hindern!“ In beständigen Liebesanmutungen und geistlichen Gesprächen schwanden Aluigys letzte Stunden, gegen ½ 12 Uhr nachts des 20. Juni 1591 verschied der große Heilige Aloisius mit den heiligsten Namen Jesus und Maria auf seinen Lippen. Sein Leichnam wurde in der Kirche des römischen Kollegs ausgestellt und der Zudrang von Ordensleuten, Schülern und Volk, Kirchenfürsten und gekrönten Häuptern war unbeschreiblich. Mit Windeseile war die Kunde von Aluigys heiligem Tod durch Rom, durch Italien, Spanien und alle katholischen Länder gedrungen, war ja der edle Prinz schon zu seinen Lebzeiten der Liebling aller Katholiken, der Stolz und der Triumph der Kirche und des Jesuitenordens. Große Wunder beschleunigten Aluigys Seligsprechung, die Papst Paul V. 1605 vollzog. Als man später zur Heiligsprechung schreiten wollte – sie geschah am 31. Dezember 1726 – sagte Papst Klemens X.: „Als Seliger ist Aloisius in der Kirche in aller Welt bereits bekannter als so manche Heilige nach ihrer Kanonisation. Folgerichtig braucht der Heilige Stuhl ihn nicht heilig zu sprechen, sondern vielmehr nur zu erklären, dass er bereits von der Kirche heilig gesprochen ist.“ Die Verehrung Aloisius` hat seither nicht ab, sondern eher zugenommen. Sein herrlicher Grabaltar in Rom ist Jahr für Jahr der Schauplatz glänzender Feste und Aloisius, dem „Patron der christlichen Jugend und der Studierenden der ganzen katholischen Welt“, sind in Millionen jugendlicher Herzen Altäre der Liebe und Verehrung erbaut.

 

Aloisius war Jesuit und ist nicht nur ein Trost und eine Freude der Gesellschaft Jesu, sondern auch eine mächtige Hilfe dadurch, dass er Patron der christlichen Jugend wurde. Wie der Orden vom Berge Karmel, die Familie des heiligen Franziskus und des heiligen Dominikus die halbe Welt sich einverleibt haben durch das Skapulier, den dritten Orden und den heiligen Rosenkranz, so die Gesellschaft Jesu durch die marianischen Kongregationen und darüber hinaus durch Aloisius` Schutzamt für die Jugend. Überall, wo Aloisius angerufen und verehrt wird, ist sie bekannt oder unbekannt tätig, weil er ihr gehört, weil in ihm ihre Grundsätze zum Ausdruck und zur Wirklichkeit kommen. Aloisius` Leben war Tugend, nichts als Tugend: die reinste Unschuld, härteste Buße, entschiedenste Weltverachtung, gründlichste, heldenhafteste Liebe zu Gott und dem Nächsten. Durch diese Tugenden nun wurde Aloisius zum Verteidiger der verleumdeten Kirche seiner Tage, denn wie konnte die Kirche verdorben sein, da sie solche Blüten wie Aloisius trieb. Aloisius wurde aber noch mehr Verteidiger des Jesuitenordens, der mehr verfolgt und geschmäht wird als jeder andere Orden. Aloisius hat die Gesellschaft Jesu heiß geliebt, und was er so hoch schätzte, was ihn zu solch vollendeter Heiligkeit gebracht hat, kann nicht schlecht sein. O nein, nicht weil sie schlecht, sondern weil sie so gut war, hat Welt und Hölle sie gehasst, gemäß dem Wahrspruch: „Was Gott liebt, muss Satan hassen“. Dass wir diese Wahrheit mit all ihren Konsequenzen erfassen und auch auf unsere Tage anwenden lernen, möge uns St. Aloisius erflehen. Es würde dies der Sache Gottes und dem erhabenen und darum angefeindeten Programm unseres Heiligen Vaters, alles in Christus zu erneuern, zu herrlichen Früchten und Erfolgen verhelfen.

 

Der heilige Alban, Priester und Martyrer zu Mainz,

+ 21.6. um 400 – Fest: 21. Juni

 

Einer uralten Mainzer Überlieferung zufolge soll Crescenz, ein Schüler des Apostels Paulus, in der Gegend von Mainz gepredigt haben und der erste Bischof dieser Christengemeinde geworden sein. Sicher ist, dass der heilige Paulus kurz vor seinem Martertod seinen Jünger Crescenz nach Gallien sandte, wo er die Kirche von Vienne gründete, dann zum Rhein gelangte und die Kirche von Mainz gründete. Ein vorzügliches Verdienst an der Christianisierung von Mainz gebührt der 22. Römischen Legion, die an der Zerstörung Jerusalems teilnahm, von da an viele Christen unter sich zählte, um das Jahr 70 an den Rhein verlegt wurde und die christliche Lehre verbreitete.

 

Gegen Ende des dritten und am Anfang des vierten Jahrhunderts blühte das Christentum schon an beiden Ufern des Rheins. Der alemannische Häuptling Rando hatte schon lange gegen Mainz Böses im Sinn. Zur Ausführung seines Vorhabens suchte er sich einen Festtag der Christen aus im Jahr 367. Während der größte Teil der Bevölkerung zum Gottesdienst in der Kirche versammelt war, brach er unversehens in die Stadt und führte viele Gefangene und große Beute hinweg. Ähnlich wurden bald nach dem Jahr 400 wieder mehrere tausend Einwohner von Mainz in einer Kirche erschlagen. Der Bischof Aureus nebst seiner Schwester Justina wurde von den Hunnen in Mainz gemartert.

 

Um diese Zeit (zwischen 380 und 400) starben zu Mainz des Martertodes die heiligen Alban und Theonest. Von ihnen berichtet ein altes Passionale folgendes:

 

„Die heiligen Theonestus und Albanus waren Christen und hatten Gott lieb. Sie dienten ihm mit Fleiß Tag und Nacht. Albanus wurde Priester, Theonestus nach einiger Zeit Bischof. Damals hatten die Christen von den Arianern viel zu leiden. Da gebot Honorius, dass beide Teile in der Stadt Karthagena zusammen kommen sollten, den Streit zu schlichten. Es erschienen 600 Bischöfe, unter ihnen Theonestus. Da bewährten die Christen ihren Glauben und machten die Ketzer schweigen. Dafür aber trugen dieselben dem Theonestus großen Hass nach, jagten ihn von seinem Stuhl und trachteten ihm nach dem Leben. Darum ging derselbe mit seinem Kaplan Albanus und Ursus zum Papst nach Rom. Der heilige Vater nahm ihn mit Freuden auf und sandte ihn nach Toscana, Ligurien und Mailand, um den christlichen Glauben zu predigen. Überall bekehrten sie viel Volk. Hernach kam Theonestus nach Augsburg, wo er seinen Kaplan Ursus zurückließ. Denselben töteten die Ketzer. Theonestus zog nach Donauwörth und weiter nach Mainz, wo die Irrgläubigen gerade in jenen Tagen den Bischof Aureus vertrieben hatten. Theonestus und sein Kaplan Albanus fürchteten sich jedoch nicht und predigten das Wort Gottes. Der Bischof Aureus kehrte in sein Bistum zurück, ward aber ergriffen und getötet. Jetzt predigten die fremden Missionare umso eifriger, bis eines Tages die Irrlehrer aufstanden, den Albanus während des Gebetes ergriffen und enthaupteten. Nun fuhr seine Seele zu den ewigen Freuden, sein Haupt aber nahm er in die Hand und trug es bis zum Ort, wo er begraben sein wollte. Dort legte er es nieder und wurde von seinem Bischof Theonestus mit großen Ehren bestattet im Dom zu Mainz. Dieses brachte allen viel Gnade bei Gott. Auch Theonestus wurde getötet. – Nun helf uns Gott, dass wir auch zu ihm kommen! Amen.“

 

Über dem Grab des heiligen Albanus wurde zu Mainz die Albanskirche erbaut, und mehrere Kirchen wählten den heiligen Märtyrer zu ihrem Patron.

 

Gebet am 21. Juni

 

O Stern des Meeres, o Ankerstein,

O starker Turm von Elfenbein,

O feste Burg von Gott gebaut,

Davor dem bösen Feinde graut;

Vor diesem Feind uns all bewahr,

Und seine List mach offenbar.

 

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Aloysius

 

O Gott, Du Ausspender himmlischer Gaben, der Du in dem engelhaften jungen Mann Aloysius mit einer bewunderungswürdigen Unschuld eine ebenso große Buße vereinigt hast, verleihe uns durch seine Verdienste und Fürbitte, dass wir, nachdem wir ihm in der Reinheit nicht gefolgt sind, ihn wenigstens in der Buße nachahmen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Zu Langres wurde am Sonntag vor dem Fest des heiligen Johannes des Täufers in der Hauptkirche ein Fest von den Wundern durch die Fürbitte Mariä, von denen die Welt voll ist, gehalten. 

 

Andacht am 21. Juni:

 

Das Thema im Juni:

Vom Gehorsam

"Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen." (Matthäus 23,3)

 

"Wenn es dir obliegt, zu gehorchen, so sieh ja nicht auf die Eigenschaften und die Handlungsweise deines Vorgesetzten, damit du nicht etwa bloß dem Menschen, nicht aber Gott gehorchst, dessen Stelle dein Vorgesetzter vertritt. O wie schwer ist die Wunde, die der böse Geist den Herzen der Religiosen schlägt, wenn er es dahin bringt, dass die Fehler ihrer Vorgesetzten ins Auge fassen!" (Der heilige Johannes vom Kreuz)

Immer sah der heilige Johannes Berchmans Gott in seinen Vorgesetzten; daher auch war er beständig von der tiefsten Ehrfurcht gegen sie durchdrungen. Er sagte, er habe nie die mindeste Abneigung gegen einen aus ihnen gehabt; auch nie den mindesten Widerwillen empfunden, sie zu verehren, ihnen zu gehorchen und ihre Meinung anzunehmen.

 

Nur Dich, mein Gott, will ich in meinen Vorgesetzten betrachten; immer will ich ihnen beistimmen und, Dir zu Liebe, mit aller Schnelligkeit und Freude gehorchen! Amen. 

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 21. Juni

 

"Bewahrt mit Sorgfalt die Reinheit des Gewissens und tut niemals,

was sie beflecken, oder euch den Augen Gottes

weniger wohlgefällig machen könnte."

 

hl. Thomas von Aquin OP

1225 bis 7.3.1274

 

Betrachtung am 21. Juni - Liebe Gottes zu den Menschen

 

Preis dir, Jesus, denn entrissen

Hat dein Licht der Nacht die Welt.

Wer nun noch in Finsternissen

Mehr sich denn im Licht gefällt:

Dem wird dieses helle Licht,

Das er scheuet, zum Gericht.

 

1. "Gott ist die Liebe!" Er kennt den Ton, aus dem wir gebildet sind, und sieht mit Barmherzigkeit und Mitleid auf das Elend, in das die menschliche Natur, ob auch aus eigenem Willen und aus Ungehorsam gegen ihn, versank. Es beleidigt daher seine Güte, wer ihn gleich einem Tyrannen betrachtet, der allen unsren Schritten auflauert, und immer die Strafrute in der Hand hält, uns zu züchtigen. Vielmehr ist seine Güte so groß, dass er bereit ist, auch den größten Sünder, der seine Schuld reuig bekennt, zu jeder Stunde mit liebevoller Barmherzigkeit aufzunehmen. 

 

2. Hüten wir uns indessen, falsche Begriffe von Gottes Güte zu hegen. Denn übersteigt auch seine barmherzige Güte alle unsere Vorstellungen, "so hasst er dennoch den Frevler und seine Freveltaten." (Weisheit 14,9) Unendlich ist seine Liebe, aber unendlich auch seine Gerechtigkeit und Heiligkeit, und niemals übt er seine Liebe und Güte mit Beeinträchtigung seiner Gerechtigkeit. Er will den Tod des Frevlers, des Gottlosen nicht, wohl aber will er, dass er sich bekehrt und lebt, und zahllose wirksame Mittel reicht er ihm zur Bekehrung. Wer also in der Sünde fortlebt, diese Mittel nicht annehmen will, und mit der unendlichen Güte Gottes sich tröstet, der spottet seiner, und verschließt sich selbst die Pforte der Erlösung.

 

3. Johannes 3,16: "Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht zugrunde geht, sondern das ewige Leben hat." Hier sehen wir also, auf welche Weise Gott die Menschen liebt. So unendlich war seine göttliche Liebe, dass er das kostbarste Kleinod seines Herzens, seinen eingeborenen Sohn, für ihre Erlösung hingab, der durch sein Blut die unendliche Schuld bezahlte, die das menschliche Geschlecht in Ewigkeit nicht hätte bezahlen können. Eine ewige Erlösung vollbrachte er, und stellte ihre Quelle mitten in seiner Kirche auf, so dass, wer immer will, selig werden kann. Wer aber nicht daraus schöpfen will, sondern die Finsternis mehr liebt als das Licht, trägt selbst die Schuld seiner Verdammnis. "Die Urteile des Herrn sind wahr, gerecht sind sie alle." (Psalm 19,10b)

 

22. Juni

 

Der heilige Paulinus, Bischof und Bekenner von Nola,

+ 22.6.431 - Fest: 22. Juni

 

Es war da einmal eine Frühlingswiese, eine ganz gewöhnliche Wiese, und wenn gewöhnliche Menschen über sie hinschritten, so sahen sie nichts als Wiese. Eines Tages aber kam mit leichtem Schritt ein Dichter daher und entdeckte mit seinen klaren Dichteraugen auf der gewöhnlichen Wiese Wunder an Wunder, tausend und noch viel mehr. Ihm waren jeder Grashalm und jede Frühlingsblume wie eine herrliche Offenbarung der Allmacht und Weisheit und Güte Gottes. Am längsten jedoch hing des Dichters Blick an den blauen Glockenblumen, und mit den hellhörigen Dichterohren vernahm er im leichten Wind das Läuten der Blüten und hörte deutlich heraus, dass es ein Lobpreis Gottes war, der von ihnen ausging und die Luft erfüllte.

 

Erst am späten Abend kehrte der Dichter mit seligem Glück im Herzen heim und sann unterwegs darüber nach, ob es wohl möglich sei, ein Gerät herzustellen, das die schwerhörigen Menschen in ähnlicher Weise zum Gotteslob auffordern könne, wie ihn dazu die Blüten auf der Frühlingswiese bewogen hatten. Lange grübelte er nach, und schließlich sah er vor seinem geistigen Auge die erste Glocke, die ganz nach dem Vorbild der Glockenblume gestaltet war. Das war die Geburtsstunde aller späteren Glocken, die durch ihre herrlichen Klänge die Herzen der Menschen mit Freude und Glück erfüllen. Jener Dichter aber, der die Glocke ersann, war nach der Legende der heilige Paulinus, der gleiche, dessen Fest heute gefeiert wird.

 

Des heiligen Paulinus Weg zur Heiligkeit ist von eigener Art. Um das Jahr 353 wurde er im heutigen Südfrankreich als Sohn eines römischen Statthalters in Reichtum und Glanz geboren. Die Eltern waren Christen, aber von einem christlichen Leben kann bei ihnen keine Rede sein. Der Umstand, dass sie den Sohn nicht einmal taufen ließen, sagt genug. Auf die religiöse Erziehung des Kindes legten sie nicht das geringste Gewicht. Umso mehr aber trachteten sie danach, dem Sprössling die Wege zu hohen Ämtern zu ebnen. In diesem Bestreben konnten sie dann auch einen vollen Erfolg verzeichnen, denn Paulinus lernte leicht und gut, war der Liebling der Lehrer mit fünfundzwanzig Jahren kaiserlicher Statthalter in Italien. Er, der von Haus aus schon Millionär war, heiratete sich mit einem steinreichen Mädchen noch einige Millionen hinzu, und übers Jahr machte ein Junge, den ihm die Gattin schenkte, das irdische Glück voll.

 

Bald jedoch sollte auch Paulinus die Erfahrung machen, dass das irdische Glück keinen festen Bestand hat. Der Tod riss ihm den dreijährigen Sohn aus den Armen, und diese Stunde tiefster Niedergeschlagenheit benutzte die Gnade, sich dem Weltmenschen Paulinus zu nähern, um aus ihm mit der Zeit einen Heiligen zu bilden. Endlich empfing der Heide die Taufe und versenkte sich ganz in Gott. Nach schwerem innerem Kampf trennte er sich von den Millionen, die er den Armen schenkte, um Gott besser dienen zu können, und verließ in gegenseitigem Einvernehmen auch die Gattin. Zu Nola in Italien erbaute er sich eine Einsiedelei. Einige gleichgesinnte Freunde scharten sich um ihn, und in Gebet und heiligem Leben verstrichen auf diese Weise fünfzehn Jahre. Nie zuvor war Paulinus bei allem Reichtum glücklicher gewesen, als er es in dieser Zeit war. Auch der Dichter, der lange in ihm geschlummert hatte, wurde geweckt, und es floss ihm das Gotteslob in heiligen und herrlichen Liedern begeistert vom Mund. Damals ist er auch über die Frühlingswiese gegangen und hat die Glocken erfunden, wofür ihm die Menschen noch heute dankbar sein müssen.

 

Die letzten zwanzig Lebensjahre amtete Paulinus als Bischof von Nola und starb im Alter von fast achtzig Jahren am 22. Juni 431, um nach den Worten des Gebetes der Kirche für das, was er auf Erden um Gottes willen verlassen hatte, das Hundertfache und das ewige Leben zu erhalten.

 

Der heilige Eberhard, Erzbischof und Bekenner von Salzburg,

+ 22.6.1164 – Fest: 22. Juni

 

Fromme Eltern erfreuen sich gewöhnlich guter Kinder. Aus edler Saat ersprießt selten eine schlechte Frucht. Der Graf von Hilpoltstein und seine hochherzige Gattin waren musterhafte Christen, und besondere Verehrer der allerseligsten Jungfrau. Zu ihrer Ehre bauten sie in der Nähe ihres Schlosses eine Kirche, zu der die Gräfin barfuß stundenweit auf ihren Schultern die Steine herbeitrug.

 

Gott erfreute die gottesfürchtigen Eltern im Jahr 1085 mit einem Sohn, den sie in der heiligen Taufe Eberhard nannten. In frommen Tugendübungen wuchs das Kind zum jungen Mann heran und entwickelte seine herrlichen Geistes- und Herzensgaben unter der sorgfältigen Leitung der Benediktiner zu Bamberg. Kaum war er in den Priesterstand eingetreten, so nahm man ihn trotz seines demütigen Sträubens als Chorherrn im Domstift auf. Bald vertauschte er diese Würde mit dem Ordenshabit, aber das Domkapitel begehrte dringend den ausgezeichneten Priester zurück, und der Abt, sowie Eberhard, fügten sich dem ungestümen Drängen.

 

Zu seiner weiteren Ausbildung besuchte Eberhard die berühmte Hochschule zu Paris und machte glänzende Fortschritte in der Wissenschaft des Heils. Bei seiner Rückkehr bat er kniefällig den heiligen Bischof Otto von Bamberg, ihm den Eintritt in den Benediktinerorden gestatten zu wollen. Mit bischöflicher Genehmigung trat er in das neugestiftete Benediktinerkloster Prüfening bei Regensburg ein und übte unter der Leitung des vorzüglichen Abtes Erbo die Tugenden der Demut, der Abtötung und aller klösterlichen Zucht.

 

In dieser Zeit hatten seine drei Geschwister auf ihrem Besitztum Biburg bei Ingolstadt ein Kloster gegründet und begehrten ihren Bruder zum Abt. Eberhard sträubte sich jahrelang gegen diese Würde, bis ihm Papst Innocenz II. unter dem Gehorsam, sie anzunehmen, befahl. Als Eberhard mit dem Bischof von Bamberg auf seiner Romreise über die schneebedeckten Alpen ritt, traf er eine arme Bettlerfrau an, die vor Müdigkeit nicht mehr gehen konnte. Sogleich stieg er von seinem Pferd, setzte sie auf den Sattel und ging selber nebenher durch den Schnee.

 

Als Abt des Benediktinerklosters Biburg entfaltete Eberhard seine ganze geistige Kraft und seine schönen Eigenschaften des Herzens und verbreitete ringsumher so viel Tugendeifer, dass man seinen Namen überall mit Ehren nannte. Nach dem Tod des Erzbischofs Konrad von Salzburg wurde Eberhard einstimmig zu dessen Nachfolger erwählt, und obgleich sich seine Demut widersetzte, musste er dem allgemeinen Wunsch der Geistlichkeit und des Volkes nachgeben und empfing die Bischofsweihe am 13. Mai 1147.

 

In seiner hohen Stellung führte Eberhard das einfache und abgetötete Leben eines Mönches fort, benutzte aber die reichen Einkünfte, um Arme und Kranke zu unterstützen und überall Wohltaten zu spenden. Seine warme Nächstenliebe und sein Eifer für die Ehre Gottes wünschte nichts als alle Menschen wahrhaft glücklich zu machen, aber sein redliches Bemühen stieß auf manche Hindernisse. Kaiser Friedrich Barbarossa masste sich Eingriffe in geistliche Angelegenheiten an, verfolgte den Papst Alexander III., setzte eigenmächtig einen Gegenpapst unter dem Namen Viktor IV. ein und wollte auch den einflussreichen Erzbischof Eberhard von Salzburg zwingen, den falschen Papst Viktor anzuerkennen. Treu gegenüber Gott und seinen rechtmäßigen Stellvertreter, duldete er die Unbilden und Verfolgungen und erklärte fest und starkmütig: „Ich will lieber den Kaiser, als Gott zum Feind haben.“ Seine Klugheit, Gewandtheit und Treue befähigten ihn vor allen zum Vermittler zwischen Kaiser und Papst. Zum Lohn für sein Friedenswerk erhielt er die Würde eines römischen Legaten von Deutschland.

 

Unbekümmert um den Lohn oder Tadel der Welt, wirkte Eberhard unablässig für das Heil der Seelen und für die Verherrlichung der Braut Christi, seiner heiligen Kirche. Seine Glaubensfreudigkeit, seine Gottesliebe und beharrliche Geduld nährte er besonders durch kindliche Verehrung der allerseligsten Jungfrau Maria. Dieses schöne Erbteil seiner frommen Mutter bewahrte er als das kostbarste Kleinod. Irdische Güter und Freuden galten ihm nichts, aber die Freude des innigen Verkehrs mit der Mutter aller Gnaden versüßte ihm alle Bitterkeiten und erleichterte ihm alle Mühsale seines hohen Amtes. Niemand schlug er etwas ab, der ihn im Namen Mariens bat.

 

Schon oft hatte Eberhard sich als glücklicher Friedensvermittler erprobt. Da vernahm er von einem Zwiespalt zwischen dem Markgrafen Ottokar V. und dem Schlosshauptmann von Leibnitz. Trotz seiner Körperschwäche und seines Alters von achtzig Jahren machte er sich sogleich auf den Weg nach Steiermark, und es gelang ihm vollständig, eine aufrichtige Versöhnung der Entzweiten zustande zu bringen. Auf der Rückreise erkrankte er und starb im Kloster Rain am 22. Juni 1164. Kurz vor seinem Tod sah eine fromme Nonne in einer Verzückung einen kostbaren Thron im Himmel, neben dem der heilige Petrus und der heilige Rupert standen, und hörte eine Stimme: „Dieses ist der Thron Eberhards, der für seine baldige Ankunft bereitet ist.“ Die Erde trauerte über den Tod des geliebten Oberhirten, der Himmel freute sich.

 

Der heilige Johannes (John) Fisher, Bischof und Martyrer,

+ 22. Juni 1535 – Fest: 22. Juni

 

Unter den wenigen Männern, die den Gelüsten des Königs Heinrich VIII. gegenüber die Rechte der Kirche furchtlos verteidigten, steht in erster Reihe der heilige Bischof von Rochester John Fisher (Johann Fischer). Als Sohn braver Bürgersleute zu Beverley in Yorkshire im Jahr 1468 oder 1469 geboren, bildete er seine vorzüglichen Geistes- und Herzensanlagen auf der Universität zu Cambridge aufs beste aus, so dass er frühzeitig den Magistergrad, die Befähigung zum Lehramt, und die Priesterweihe erhielt. 1501 wurde er zum Doktor der Theologie und Vizekanzler der Universität ernannt und ob seiner hohen Tugenden von der Mutter des Königs Heinrich VII., der heiligmäßigen Margareta von Richmond, zum Hofkaplan und Beichtvater erwählt. Den großen Einfluss, den ihm diese Stellungen brachten, benützte Fisher nur zum Besten der Kirche, besonders der kirchlichen Wissenschaft, deren Förderer und größte Zierde er zeitlebens war. Zum Bischof der kleinen Diözese Rochester 1504 erhoben, fand er neben seinen bischöflichen Pflichten, denen er aufs gewissenhafteste nachkam, noch immer Zeit für die Sorge um seine geliebte Universität, deren Kanzler er bis zum Tod verblieb. Der Führer der deutschen Humanisten, Erasmus von Rotterdam, schätzte die Geistestiefe und Gelehrsamkeit des Heiligen sehr hoch und fällte in einem Brief an Reuchlin das Urteil, es gebe in England keinen gelehrteren Mann oder heiligeren Bischof als Fisher.

 

Heilig zu werden, danach allein zielte des frommen Bischofs erstes und ernstestes Streben. Sein Leben war ein strenges, abgetötetes. Allem voran ging ihm das Gebet. Das Brevier betete er sehr ehrfurchtsvoll, klar und langsam jedes Wort aussprechend, dass er eine wahre Freude an dieser himmlischen Nahrung zu haben schien. Als einmal ein Kartäusermönch den Fleiß lobte, den er auf sein Buch gegen die Irrtümer Luthers verwandt habe, gab er zur Antwort, er wünschte, er hätte die Zeit, die ihm diese Schrift gekostet hat, auf das Gebet verwendet, denn er meine, Gebet hätte mehr Gutes gestiftet und ihm größeres Verdienst erlangt. Dem Namen Jesus erwies er im Gebet und im Gespräch stets eine besondere Ehrfurcht.

 

Der zweite Flügel, mit dem Fisher sich leichter zum Himmel zu erheben hoffte, war ihm die Ausübung der Barmherzigkeit. Dürftigen Kranken war er Arzt, den Witwen ein Fürsprecher, den Waisen ein Vormund, hilflosen Reisenden ein gastlicher Wirt. Wo er hinkam, ließ er nach den armen Kranken forschen, schickte ihnen Almosen und besuchte sie selbst fleißig, um sie auf den Tod vorzubereiten. Mochte auch die Hütte noch so armselig sein, mochte sie, mangels eines Schornsteines, qualmender Rauch erfüllen oder musste er auf einer steilen Leiter ins Dachstübchen hinaufsteigen, stundenlang hielt er am Krankenlager aus, die Armen zu trösten. Bischof Fisher konnte viel Gutes tun, weil er für sich selbst genügsam lebte. Fleisch genoss er nur spärlich. Durch sein strenges Fasten bis auf Haut und Knochen abgemagert, züchtigte er auch diese noch durch ein Bußgewand und Geißelungen. Zum Ruhebett hatte er nichts als Stroh und Matten. Dieses harte Lager befand sich in Rochester neben der Kathedrale in einer engen Zelle, von der aus er in die Kirche blicken konnte. Länger als vier Stunden pflegte er nie zu ruhen. Dann erhob er sich wieder zu langem Gebet.

 

Diesem privaten Tugendleben des Bischofs entsprach sein öffentliches Wirken. Er galt als einer der begabtesten und eifrigsten Prediger Englands zu seiner Zeit. Mit heiligem Eifer wachte er über die Reinheit der katholischen Lehre. In Wort und Schrift trat er mit großer Gelehrsamkeit und überzeugender Glaubensbegeisterung gegen die Neuerungen Luthers auf. Der heilige Thomas More, sein späterer Leidensgefährte, hebt ausdrücklich hervor, dass Fishers Belehrung über den Primat, das oberste Hirtenamt des Papstes über die ganze Kirche, ihn im Glauben über diese Grundwahrheit der Kirche so sehr befestigt habe, dass er nicht wankte, als er für sie sein Haupt auf den Block legen musste. König Heinrich VIII. selbst, bevor noch die Leidenschaft seine Vernunft trübte, pflegte aus eigenem Antrieb sich zu rühmen, dass kein anderer Fürst oder König einen solchen Prälaten habe, wie Fisher sei, mit dem kein anderer Mann in fremden Ländern an Tugend und Gelehrsamkeit verglichen werden könne. Dieser ausgezeichnete Mann war denn auch wie kein anderer befähigt und durch sein heiliges Leben vorbereitet, die Wahrheit der katholischen Lehre und die Rechte der Kirche gegen die Übergriffe desselben Herrschers standhaft und mit Hingabe seines Lebens zu verteidigen.

 

Der Kampf begann, als Heinrich VIII. 1527 verlangte, von seiner Gemahlin geschieden zu werden unter dem Vorwand, die päpstliche Dispens bei Schließung seiner Ehe sei ungültig gewesen. Der heilige John Fisher unterzog die Frage dem gewissenhaftesten Studium, schrieb sieben oder acht Schriften darüber und verteidigte später vor den Richtern das Recht der Königin mit großer Beredsamkeit. Er spielte freimütig auf den Martyrertod Johannes des Täufers in Verteidigung der Ehe an. Schon damals (1529) schwebte ihm dasselbe Los vor Augen. Im Oktober 1530 wurde er zum ersten Mal auf Befehl des Königs eingekerkert, weil er gegen das Parlament Berufung an den apostolischen Stuhl einlegte, der Heinrichs Ehe mit Katharina für gültig erklärt hatte. Bald wieder freigelassen, ließ sich der Heilige nicht abschrecken, gegen die Ehescheidung des Königs zu predigen. Als dann das Parlament die Ehe des Königs für null erklärte, widersetzte sich der Bischof von Rochester wieder offen diesem Beschluss, was ihm eine zweite Verhaftung zuzog (1533). Der Kummer über den Sieg der Bosheit, die unaufhaltsam England dem Abfall und der Irrlehre in die Arme trieb, warf den mutigen Bekenner aufs Krankenlager. Sichere Anzeichen der Auszehrung stellten sich ein. Und doch sollten die ärgsten Prüfungen erst beginnen.

 

Das englische Parlament beschloss, die „Sukzessionsakte“, das Gesetz über die Thronfolge, wonach die Kinder der Anna Boleyn, nicht die Tochter Heinrichs aus der ersten rechtmäßigen Ehe mit Katharina thronerbeberechtigt sein sollten. Viele Edle geistlichen und weltlichen Standes beschworen dieses Gesetz. Allein da es auch Beschlüsse gegen die kirchliche Gerichtsbarkeit und den päpstlichen Stuhl enthielt, durfte es kein treuer Sohn der Kirche beschwören. Der Heilige, dessen Abschied von Rochester tief ergreifend, unter allgemeinem Weinen und Klagen seiner geliebten Herde erfolgt war, verweigerte am 13. April 1534 vor den Kommissaren in London den Eid. Dafür nahm ihn nun wie auch seinen Freund Thomas More das berüchtigte finstere Staatsgefängnis des Tower auf. Mehr als ein Jahr musste der greise, 65 Jahre zählende Bischof in seinem „kalten und qualvollen Kerker“, wie er ihn selber in einem Brief nennt, einem Gewölbe von klafterdicken Mauern, kleinen, schlecht schließenden Fenstern und einem Boden, mit rauen Steinfliesen belegt, zubringen. Da der König und seine Räte alles daransetzten, den ehrwürdigen Bischof zum Nachgeben zu bringen, so wurde eine immer strengere, grausame Behandlung angewendet. Die Kleider waren schließlich ganz zerrissen und konnten seine Glieder nicht mehr erwärmen. Die Kost war überaus erbärmlich, wobei der arme Gefangene an Brechreiz und Leibschmerzen, Husten und Fieber litt. Sogar um einen Priester und einige Andachtsbücher musste er zur Weihnachtszeit in einem demütigen Brief an Cromwell, den Günstling des Königs, eigens bitten. Er sollte die Leiden bis zum Ende tragen.

 

Ein neues Gesetz, das den König als oberstes Haupt der Kirche in England erklärte, wurde erlassen. Als man es dem heiligen Bekenner vorlegte, sagte er, es sei ein zweischneidiges Schwert. Weigere er sich die kirchliche Oberhoheit des Königs anzuerkennen, so sei das sein Tod. Wollte er aber seinem Gewissen zuwider den Eid leisten, so sei sein Los noch schlimmer als der Tod. Er bitte daher untertänigst, ihm zu erlauben, dass er schweige. Alle Versuche, ihn zu einer Antwort zu bringen, waren nutzlos. Wütend befahl der König, die Versuche zu wiederholen: „Fisher und More müssten den Schwur leisten, oder er wolle ihnen zeigen, was es heiße, sich gegen ihn zu empören.“ Man wendete nun die elendesten Mittel der Lüge an. Thomas More nachgeben, meldete man dem Bischof. Der niederträchtige Kniff erschütterte aber den heiligen Blutzeugen nicht. Da legte ihm der Staatsanwalt einen anderen Fallstrick. Er ging zu ihm und fragte um Rat, angeblich im Auftrag des Königs, der in Betreff des Supremates nun doch nicht ganz sicher sei, ob er nicht etwa seine Rechte überschritten habe. Wenn der Bischof auf sein Gewissen erkläre, dass der Titel bestimmt ein unerlaubter sei, würde ihn der König fallen lassen. So auf sein Gewissen befragt, antwortete Fisher, er wiederhole entschieden, angesichts des Todes, dass der Titel eines höchsten Herrn der Kirche durchaus unrechtmäßig sei. Der König möge sich hüten, eine solche Würde sich beizulegen, wenn ihm das Heil seiner Seele und das Glück seines Hauses lieb sei. Nun hatte man die Waffe gegen den Standhaften.

 

Inzwischen waren als erste Opfer mehrere Kartäusermönche hingerichtet worden (siehe am 4. Mai). In Rom war man von allem unterrichtet. Um den in größter Gefahr schwebenden Bischof von Rochester der Gerichtsbarkeit des Königs zu entziehen, erhob ihn Paul III. am 20. Mai 1535 zum Kardinal der heiligen römischen Kirche. Allein der römische Purpur sollte ihm das Purpurgewand des Martyrers nur um so rascher und schöner färben.

 

Am 17. Juni stand der Heilige wieder vor Gericht. Die Anklage auf Hochverrat wurde wirklich auf die Antwort gestützt, die Fisher dem Staatsanwalt auf seine Gewissensfrage gegeben hatte. Er verteidigte sich, dass er diese Worte nicht böswillig gesprochen habe, sondern als Belehrung und Rat auf die ausdrückliche Bitte des Königs. Das Todesurteil wurde gefällt. Darauf sprach der Verurteilte nochmals freimütig seine Meinung über die Rechte aus, die der König in unerhörter Weise über die Kirche sich anmaße. Am 22. Juni stand Fisher auf dem Schafott. Die Sonne brach eben aus den Wolken hervor und verklärte das ehrwürdige Antlitz des Martyrers. Da rief er mit zum Himmel erhobenen Händen: „Tretet zum Herrn hin und ihr werdet Licht, und euer Antlitz wird nicht zuschanden werden“ (Psalm 34,6). Selbst der Scharfrichter war bei dem ergreifenden Schauspiel erschüttert und bat kniefällig um Verzeihung. „Herzlich gern verzeihe ich dir“, sagte der Heilige. „Du wirst mich beim Tod nicht zittern sehen.“ Dann sprach er mit fester Stimme zum Volk: „Christen, ich bin hierhergekommen, um für den Glauben der heiligen katholischen Kirche den Tod zu leiden. Ich danke Gott, dass er mir bis zu diesem Augenblick den Mut aufrecht hielt. Ich bitte euch, steht mir mit eurem Gebet bei, auf dass ich frei von jeder Furcht in dieser Todesstunde nicht wanke, sondern unerschütterlich fest im katholischen Glauben sterbe. Ich bitte den Allmächtigen, er möge in seiner unendlichen Barmherzigkeit den König und dieses Reich beschirmen, seine schützende Hand über unsere ganze Heimat ausbreiten und dem König gute Ratgeber senden.“ Nun kniete der große Mann zum Gebet nieder und bat nochmals das Volk, es möge, wenn der Streich falle, laut den Namen Jesus anrufen. Nachdem er das Te deum zu Ende gebetet hatte, legte er ruhig das Haupt auf den Block und empfing den Todesstreich.

 

Mögen unserer gefährdeten Kirche auch in unseren Tagen solche Männer erstehen, unbezwinglich im Glauben und gleich zart die Heimat liebend.

 

Johannes Fisher wurde 1886 durch Papst Leo XIII. zusammen mit Thomas Morus seliggesprochen. Die Heiligsprechung der beiden Martyrer erfolgte am 19. Mai 1935 durch Papst Pius XI.

 

Der heilige Thomas Morus, Lordkanzler von England, Martyrer,

+ 6.7.1535 – Fest: 22. Juni

 

Unter den heiligen Blutzeugen, denen die Tyrannei des königlichen Wüstlings Heinrich VIII. die Martyrerkrone bot, glänzen wie ein hellleuchtendes Doppelgestirn Bischof Fisher und Kanzler More. Groß als Gelehrter und als Kanzler des Reiches, nicht minder groß als frommer und standhafter Bekenner und Martyrer des katholischen Glaubens, wird der heilige Thomas Morus stets eine der herrlichsten Zierden seiner Heimat bleiben.

 

Thomas Morus war ein Londoner Kind, sein Vater Richter am königlichen Gerichtshof. Seine Erziehung war streng und echt katholisch. Rasch durchlief Thomas mit seinen außerordentlichen Talenten die gewöhnlichen Vorschulen. Noch zu jung für die Universität, kam er als Page zu dem einflussreichen Kardinal Morton, Erzbischof von Canterbury und Lordkanzler des Reiches, der sich einst zu seinen Gästen über die seltenen Fähigkeiten des Knaben äußerte: „Dieser Junge hier, der uns bei Tisch bedient, wird einst ein außerordentlicher Mann werden.“ Bald der Hochschule Oxford anvertraut, ergriff Thomas die klassischen Studien, hernach die philosophische, theologische und die Rechtswissenschaft. Seine Erfolge waren so vorzüglich, dass schon die Erstlingswerke seines Geistes ihm den höchsten Ruhm unter den sogenannten Humanisten von ganz Europa eintrugen. Echte Frömmigkeit und unerschütterlicher Glaube an Christus und seine Kirche bewahrten ihn vor dem beklagenswerten Schiffbruch so mancher begabter Männer jener Tage, die, geblendet von der Formenschönheit des alten Hellas (Griechenland), mit den Formen auch den heidnischen Geist in sich aufnahmen. Der sonst lebensfrohe Jüngling wusste Fasten und Wachen – schon um zwei Uhr pflegte er zu Gebet und Studium aufzustehen – Geißel und Bußhemd zu gebrauchen, um das Fleisch dem Geist dienstbar zu machen. Täglich hörte er die heilige Messe, wobei er oft am Altar diente oder als Sänger zur Feier des Gottesdienstes mitwirkte. Über seinen Beruf noch nicht klar, machte Thomas das Chorgebet und die geistlichen Übungen bei den Kartäusern mehrere Jahre mit, entschloss sich dann aber auf den entschiedenen Rat seines Beichtvaters als Rechtsgelehrter dem öffentlichen Leben sich zu widmen.

 

Erst sechsundzwanzig Jahre alt, wurde Thomas Morus schon von seinen Mitbürgern in das Unterhaus des Parlamentes gewählt. Hier trat er mit edlem Freimut und vollem Erfolg gegen eine ungerechte Geldforderung des Königs Heinrich VII. auf, der darüber erzürnt, eine Strafe gegen Thomas` Vater aussprach, da der junge Morus noch kein selbständiges Vermögen besaß. Da sein Vater nicht gleich zahlen konnte, wurde er in den Tower geworfen. Man bedeutete dem Sohn, eine demütige Abbitte würde den König zur Aufhebung der Strafe veranlassen. Der Gerechtigkeits- und Freiheitssinn des jungen Rechtsgelehrten ließ sich aber nicht bewegen, seine Verteidigung verfassungsmäßiger Rechte abzubitten. Das ist echt christlicher Geist und Mut. Wer für die Rechte des Volkes eintritt, dem sind auch die Rechte Gottes heilig und umgekehrt: Wer Gott gibt, was ihm gehört, der achtet auch die Rechte des Königs wie des Volkes.

 

Nach dem Besuch der Universitäten von Löwen und Paris erhielt Morus 1509 ein angesehenes Richteramt in London. Immer höher stieg der geniale Mann. Heinrich VIII. rief ihn immer häufiger an den Hof, erfreute sich seines geistvollen Rates in wissenschaftlichen Fragen, zog ihn in die Staatsgeschäfte hinein, übertrug ihm wichtige Gesandtschaften an auswärtige Höfe, häufte Amt auf Amt, bis er ihm schließlich 1529 das höchste im Staat, das Lordkanzleramt, aufzwang.

 

Auch auf der Höhe seines Glückes verharrte der Heilige in heiliger Gottesfurcht und Demut. Wenn er seinen Stuhl als Richter bestieg, kniete er erst angesichts der Anwesenden vor seinem greisen Vater nieder, der damals Senior der englischen Richter war, und ließ sich seinen Segen geben. Einst traf der Herzog von Norfolk den Lordkanzler, bekleidet mit dem Chorhemd, unter den übrigen Sängern seiner Pfarrkirche. Als jener verwundert meinte, dies vertrüge sich nicht mit der Würde seiner Stellung, gab Thomas Morus die schöne Antwort: „Der König, mein und Euer Herr, kann nicht dadurch entehrt werden, dass ich meinem und seinem Herrn, unserem göttlichen Erlöser, diene.“

 

Morus sah bei der Übernahme des Kanzleramtes klar die Gefahren dieser Erhebung. Mit wachsendem Kummer durchschaute er die verderbliche Strömung. In die Heinrich VIII. durch seine Leidenschaft zu Anna Boleyn gekommen war. An Mahnungen und Bitten ließ es der Heilige nicht fehlen. Als dann aber der charakterlose Cromwell 1531 in den Geheimen Rat des Königs kam, war es klar, dass nun die Tage der Verfolgung für die treuen Katholiken bevorstünden. Dennoch wich der Kanzler um keines Haares Breite von seiner Pflicht ab und suchte den König von seinem unglücklichen Gedanken der Ehescheidung abzubringen. Doch unaufhaltsam ging es auf der abschüssigen Bahn weiter. Den heuchlerischen Gewissensbedenken des Königs über die Ungültigkeit seiner Ehe mit Katharina von Aragonien konnte der Papst nicht entsprechen. Da fasste Heinrich den Plan, sich selbst zum Oberhaupt der Kirche zu machen, um die Ehe lösen zu können. Das „zarte Gewissen“ und das „reine Evangelium“ mussten hier wie anderswo als Deckmantel gemeiner Leidenschaft dienen. Für einen gläubigen, charaktervollen Mann war da kein Platz mehr im Rat des Königs. Morus legte am 16. Mai 1532 sein Kanzleramt nieder, nachdem er es schon seit einem Jahr nur mehr gezwungener Weise weitergeführt hatte. Jede Einmischung in die politischen Angelegenheiten sorgfältig vermeidend, lebte Morus still und zurückgezogen im Kreis seiner Familie, schriftstellerischen Arbeiten, ernsten Studien und den Übungen der Frömmigkeit ergeben. Von dem herrlichen Familienleben in Chelsea, wo er mit seinen Kindern und zuletzt mit den Familien seiner Kinder in wundervoller Eintracht und Liebe beisammen lebte, redete man ohnehin wie von einem wahren Wunder, einem Paradies auf Erden, wie Erasmus begeistert berichtet.

 

Freilich konnte Morus, dessen Urteil in der ganzen Welt hoch in Ehren stand, nicht unbehelligt bleiben. Seinen Feinden, vorab dem König lag bis zuletzt alles daran, die Billigung dieses weisen und frommen Mannes für ihre schändlichen Pläne zu erreichen. Anna Boleyn hasste ihn und den ihm geistesverwandten Bischof Fisher tödlich. Im April 1534 vorgeladen, den Erbfolgeeid zu leisten, der auch die Anerkennung der Gültigkeit der Verbindung Heinrichs mit Anna Boleyn enthielt, weigerte sich More. Er wanderte in den Tower. Die größte Versuchung für die Standhaftigkeit des edlen Mannes war die Liebe zu den Seinigen, die in eine sehr bedrängte Lage kamen. Darauf bauend, ließen seine Gegner auch den brieflichen und persönlichen Verkehr zu. Seiner geliebten Tochter Margareta schrieb Morus vom Kerker aus: „Stände ich mit der Gnade Gottes in dieser Sache nicht schon längst auf festen Füßen, so hätte dein tränenfeuchter Brief, liebste Tochter, mich nicht wenig erschüttert und gewiss viel eher zum Fall gebracht, als alles andere, was ich hier Furchtbares und Schreckliches höre . . . Einen unglaublichen Schmerz, einen größeren als die Ankündigung meines Todes – denn meine Todesfurcht schwindet, Gott sei Dank, vor der Furcht vor der Hölle, vor der Hoffnung ewiger Wonne und bei der Betrachtung des Leidens Christi von Tag zu Tag immer mehr – bereitet mir die Nachricht, dass mein Schwiegersohn und du, meine liebste Tochter, dass mein teuerstes Weib und meine lieben Kinder und unschuldigen Freunde um meinetwillen in großer Gefahr schweben.“ Als einmal diese Tochter und noch mehr seine Gattin ungestüm in ihn drangen, sich ihnen zu erhalten, fragte er sie: „Wie lange glaubst du wohl, liebe Alice, dass ich noch leben könnte?“ „Ganze zwanzig Jahre, wenn es Gott gefällt,“ erwiderte sie. Darauf gab er die eines christlichen Helden würdige Antwort: „Dafür sollte ich die Ewigkeit hingeben? Was du ein schlechter Kaufmann bist, liebe Frau! Hättest du mir wenigstens einige tausend Jahre versprochen, so wäre es doch ein Angebot gewesen. Aber auch sie, was wären sie im Vergleich zur Ewigkeit?“ Von diesem übernatürlichen Glauben getragen, schlug der starkmütige Martyrer alle Angriffe, mochte sie die Liebe oder der Hass ihm stellen, siegreich ab. Aber sie waren schwer, diese Angriffe, schier unerträglich schwer. Ununterbrochenes Gebet, Betrachtung des Leidens Christi und Bußübungen neben den Kerkerleiden, die zuletzt grausam wurden, waren seine Waffen. Er schrieb während der Haft zwei schöne Abhandlungen über den „Trost in Trübsal“ und über das Leiden Christi, bis man ihm jedes Schreibzeug wegnahm.

 

Den Suprematseid über die höchste kirchliche Gewalt des Königs verweigerte Morus natürlich ebenfalls und immer wieder gegen alle noch so schlauen Versuche. Log man ihm sogar vor, Bischof Fisher hätte auch geschworen. Am 1. Juli vor Gericht geladen und des Hochverrats angeklagt, bekannte er: „Ich bitte den allmächtigen Gott inständigst, er wolle mich bei meiner rechtgläubigen Überzeugung bestärken, dass ich ihr bis in den Tod treu bleibe.“ Der langen, verwirrenden Anklagerede setzte Morus, der erste Rechtsgelehrte Englands, eine meisterhafte Verteidigung entgegen und wies einen falschen Zeugen glänzend ab. Doch die eingeschüchterten Geschworenen sprachen das „Schuldig“. Der Lordkanzler Audley sprang erfreut auf, um das Todesurteil zu verkünden. Thomas Morus, der keinen Augenblick seine Ruhe verlor, unterbrach ihn: „Mylord, als ich den Stuhl einnahm, den Ihr jetzt innehabt, war es Brauch, vor dem Urteilsspruch den Gefangenen zu fragen, ob er noch etwas vorbringen könne, auf Grund dessen das Urteil nicht gefällt werden dürfte.“ Beschämt stellte der Kanzler diese Frage. Offen erklärte nun More, dass der Parlamentsbeschluss den Gesetzen Gottes und der Kirche wie selbst auch dem Grundgesetz des englischen Staates widerstreite, das der Kirche die Freiheit zuspreche. Das ungerechte Urteil wurde gefällt. Der Hass hatte es diktiert. More aber schloss die empörende Verhandlung mit den herrlichen Worten der Liebe: „Ich hoffe in Wahrheit und mit meinem ganzen Herzen, dass wir alle, obschon Sie meine Richter waren und mich verurteilten, dereinst freudig im Himmel wieder vereinigt werden zu nimmer endendem Glück. Gott sei mit Euch und mit meinem Herrn und König und gebe ihm treue Räte!“

 

Am 6. Juli 1535 trat Morus den Gang zur Richtstätte an, „mit bleichem, abgezehrtem Antlitz, mit langem, grauem Bart, ein rotes Kreuz in der Hand, oftmals die Augen gegen Himmel hebend“. Eine Frau bot ihm unterwegs einen Becher Wein an. Den Trunk ablehnend, sprach er: „Christus trank bei seinem Leiden nicht Wein, sondern Galle und Essig.“ Auf dem Schafott angekommen, sprach der Martyrer, da ihm eine längere Rede untersagt war, nur die wenigen Worte an das zahlreiche Volk: „Brüder, ich nehme euch zu Zeugen, dass ich im Glauben der heiligen katholischen Kirche und als treuer Diener Gottes und des Königs sterbe.“ Dann betete er kniend das Miserere. Als der Scharfrichter, tief bewegt, ihn um Verzeihung bitten wollte, küsste ihn der Heilige mit dem Wort: „Du wirst mir heute die größte Wohltat erweisen, die ein Sterblicher seinem Mitbruder erweisen kann. Sei guten Mutes und fürchte dich nicht, deines Amtes zu walten. Aber mein Hals ist recht kurz. Nimm dich deshalb zusammen, dass du nicht daneben schlägst und deinem Namen schadest.“ Er verband sich selbst die Augen und legte das Haupt auf den Block. Schon fasste der Scharfrichter das Beil, da machte More noch ein Zeichen, zu warten, strich den Bart zur Seite und sprach: „Der wenigstens hat keinen Hochverrat verübt.“ Der ihm eigene Humor, dieser treue Spiegel seiner vollkommenen Seelenruhe, hatte den edlen Mann auch im Kerker nie verlassen. Nun war der Sieg erstritten. Thomas Morus zählte erst 55 Jahre.

 

O hehre Wahrheit unseres Glaubens! Sie zu verteidigen, opfert der Papst ein ganzes Königreich, der große Staatsmann aber Frau und Kind und Leben!

 

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Thomas Morus ist mein Lieblingsheiliger

 

Von Georg de Haller, aus „Rotary“, New York 1956

 

Als Jurist bin ich stolz darauf, dass es einen Mann meines Berufes unter den Heiliggesprochenen gibt: Thomas Morus. Er ist mein Lieblingsheiliger.

 

Thomas Morus war eine so menschliche Gestalt, dass er der Freund und Nachbar eines jeden von uns hätte sein können. Er studierte die Rechtswissenschaften und war dann am Gericht tätig. Jeden Abend trug er wie irgendein anderer Büroarbeiter seine Mappe mit Gerichtsakten nach Hause und freute sich auf das Daheim, wo Frau und Kinder ihn erwarteten.

 

Ich habe Ehrfurcht vor dem hl. Simeon auf seiner Säule und dem hl. Antonius in seiner Höhle, ich respektiere die mystischen Gesichte eines Johannes vom Kreuz und beuge mich vor der Andacht der kleinen Theresia und der engelhaften Reinheit eines Aloysius. Aber ich kann mir keinen dieser Heiligen vorstellen, wie er vor meinem Kamin mit mir plaudern würde. Thomas Morus aber kann ich mir vorstellen, wie er sich über meinen Zaun beugt, hereinkommt, um ein Glas Wein mit mir zu trinken, oder mich zu seiner Weihnachtsgans zu sich einlädt.

 

Morus` Beruf hatte nichts mit Heldentum zu tun. Aber als es darauf ankam, bewies Thomas seinen Heldenmut; er zog ihn gleichsam so selbstverständlich an wie du und ich unsere Regenmäntel, wenn es regnet. Und weil er voraussah, dass König Heinrich VIII. ihn eines Tages verhaften würde, erfand er einen kleinen Scherz, um Frau und Kinder auf diesen Schock vorzubereiten. Er ließ zuweilen einen Freund kommen, der an die Tür pochte, das Haus betrat und ihn „im Namen des Königs“ für verhaftet erklärte. Morus hoffte, seine Familie würde dann gefasster sein, wenn der gefürchtete Augenblick eines Tages wirklich eintreten würde.

 

Morus schritt sachlich und nüchtern zu seinem Martyrium. Er starb nicht in der Verzückung einer religiösen Erhebung wie so viele der alten Martyrer. Er war der Lordkanzler von England. Als das Parlament ein Gesetz annahm, das König Heinrich VIII. an Stelle des Papstes, des Stellvertreters Christi, zum Oberhaupt der englischen Kirche erklärte, berief sich der Jurist Morus auf die Grundsätze des Rechts. Für ihn war dieses Gesetz rechtswidrig, ein Eindringen der weltlichen Gewalt in das Gebiet des Religiösen. Ruhig gab er dem König das Großsiegel von England zurück und verzichtete auf sein hohes Amt.

 

Gefasst und mit einem gewissen Humor gab er dieses Ereignis nur durch eine kleine Geste bekannt. Als Lordkanzler saß er während der hl. Messe getrennt von seiner Familie in einem offiziellen Betstuhl, von seinen Beamten umgeben. Am Ende des Gottesdienstes pflegte ein Beamter zu Morus` Frau zu gehen und zu sagen: „Der Lord hat seinen Platz verlassen.“ Nun, als soeben zurückgetretener Lordkanzler, ging er selbst zum Stuhl seiner Frau und sagte ruhig: „Der Lord hat seinen Platz verlassen.“

 

Morus schritt den Pfad des Martyriums genau so selbstverständlich, wie er zuvor Arm in Arm mit dem König im Garten seines Hauses an der Themse spazieren gegangen war.

 

Als er die steilen Stufen des Schafotts erreicht hatte, sagte er zu seinem Wächter, er möge ihn sicher hinaufbringen, „und was mein Herunterkommen angeht, so lasst mich selbst dafür sorgen.“ Als er den Kopf über den Block beugte, um die Axt des Scharfrichters zu erwarten, und feststellte, dass sein langer Bart auf dem Holzklotz lag, streifte er in beiseite und sagte ruhig: „Mein Bart hat Ihre Majestät nie beleidigt.“

 

Paulus als römischer Bürger legte Wert darauf, der Kreuzigung zu entgehen und den Tod durch das Schwert zu erleiden. Petrus bestand darauf, mit dem Kopf nach unten gekreuzigt zu werden. Thomas Morus aber machte nur einen kleinen Scherz bei seiner Hinrichtung.

 

Als Jurist bin ich stolz darauf, wie Morus sein eigener Rechtsberater war, als es um Leben und Tod ging. Der König hatte eine „königliche Kommission“ zusammentreten lassen, einen eigens für diesen Zweck gebildeten Gerichtshof. Die Kommission bestand aus dem neuen Lordkanzler Audley, dem neuen Erzbischof von Canterbury, Cranmer, einem Kriecher, der die europäischen Universitäten bestochen hatte, damit sie des Königs Ehescheidung billigten; dem Herzog von Norfolk, der durch den Abt von Westminster vertreten wurde, und Thomas Cromwell, dem wirklichen Urheber der englischen Reformation und Großvater Oliver Cromwells.

 

Die Hauptanklage lautete, Morus habe dem König das Recht bestritten, Oberhaupt der Kirche von England zu sein. In der Anklageschrift hieß es: „Obwohl wir gegen Euch weder ein Wort noch eine Tat als Beweis haben, haben wir Euer Schweigen, ein offensichtliches Zeichen der Bosheit Eures Herzens.“ Das wies Morus lächelnd mit dem alten Rechtsgrundsatz „Schweigen heißt zustimmen“ zurück und fügte dann ernster hinzu, man habe noch nie gehört, dass ein Mann von einem irdischen Gericht wegen seiner geheimen Gedanken verurteilt worden sei, wenn sonst kein Beweis von Verleumdung, Aufruhr oder Aufwiegelung gegen seinen Fürsten vorgelegen habe.

 

Nachdem das erwartete Urteil gefällt war, begann Lordkanzler Audley in seiner Übereile, dem tyrannischen König zu dienen, es sofort zu verlesen. Der Gefangene aber machte ihn auf einen Verfahrensfehler aufmerksam: „Wie ich feststellte, als ich selbst noch im Gericht saß, ist es immer Sitte in diesem Reich gewesen, dass der Gefangene zuerst gefragt wird, ob er etwas gegen das Urteil einzuwenden habe.“ Beschämt und verlegen war der Richter gezwungen, dem Gefangenen diese übliche Gunst, die man selbst dem schlimmsten Verbrecher einräumte, zu gewähren.

 

In juristischer Sprache gab Morus hierauf seine Gründe bekannt, warum das Urteil nicht ausgesprochen werden dürfe: „Meine Verurteilung beruht auf einem Akt des Parlaments, der direkt den Gesetzen Gottes widerspricht. Kein weltlicher Fürst kann sich durch irgendein Gesetz anmaßen, die Regierung der hl. Kirche Gottes auf sich zu übertragen, die durch den Mund unseres Erlösers selbst, als Er persönlich auf Erden weilte, dem hl. Petrus und seinen Nachfolgern übertragen wurde.“ Hierauf führte er im Einzelnen aus, dass die Suprematsakte gegen alle Gesetze Englands, beginnend von der Magna Charta, verstoße und auch des Königs eigenen Krönungseid verletze. Als das Gericht ihn unterbrach und auf die vielen Bischöfe und Mitglieder des Ober- und Unterhauses hinwies, die die Suprematsakte angenommen hatten, antwortete er sanft: „Ich rechne es niemandem an, dass er diesen Eid schwor, noch urteile ich über einen anderen Menschen. Was mich betrifft, so lehnt sich jedoch, offen gesagt, mein Gewissen dagegen auf, so dass ich diese Akte nicht annehmen kann, ohne meine Seele der Gefahr der ewigen Verdammnis auszusetzen.“

 

Hierauf vergab er in feierlicher Stimmung denjenigen, die ihn verurteilten. „Ich werde beten, dass wir uns, obwohl Eure Lordschaften auf Erden die Richter gewesen sind, die mich verurteilten, im Himmel fröhlich wiedersehen.“ Und selbst hier noch beendete er seine Rede humorvoll und sagte, er hoffe, Gott werde den König bewahren und beschützen und „ihm einen guten Berater senden“.

 

 

Ich weiß nicht, welche Wunder Thomas Morus in seinem Heiligsprechungsprozess zugeschrieben wurden. Für mich ist es Wunder genug, dass ein Heiligenschein und eine Aktenmappe zusammenpassen.

 

Gebet am 22. Juni

 

Erzeige, o Maria, deinem göttlichen Sohn an meiner Statt alle treuherzige Liebe und Freundlichkeit und erstatte ihm durch deine mütterliche Liebkosung, was ich ihm an Liebesbeweisen nicht erzeigen kann, obwohl ich es gern täte. Küsse ihm mit deinem süßen Mund seine heiligen Wunden, die ich ihm durch meine Sünden geschlagen habe und erbitte mir Verzeihung der Sünden, wegen derer er die Wunden empfangen hat. Amen.

 

Zu Gott

 

Mit der größten Beschämung erkennen wir, o Herr, dass wir, obgleich in Deiner heiligen Religion geboren und erzogen, dennoch so feigherzig in Deinem Dienst sind. Lass diese Beschämung unseren Eifer erregen, damit wir eher alles erdulden, als Deinen Namen zu entehren. Durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Anfang des allgemeinen Konzils zu Ephesus in der Kirche der heiligen Maria, in der ihr vornehmster Ehrentitel einer Mutter Gottes gegen den gottlosen Nestorius bestätigt worden ist, im Jahr 431 den 22. Juni. Nach diesem Konzil, glaubt man, seien dem Englischen Gruß die Worte beigefügt worden: Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen. 

 

Andacht am 22. Juni:

 

Das Thema im Juni:

Vom Gehorsam

"Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen." (Matthäus 23,3)

 

"Wenn der Vorgesetzte etwas befiehlt, so befiehlt nicht er, sondern Gott durch ihn. Der Vorgesetzte ist in gewisser Hinsicht nur die Posaune, durch die die Stimme Gottes ertönt. Dies ist der Schlüssel zum Gehorsam und der Grund, warum diejenigen, die an ihrer Vollkommenheit arbeiten, in allen Dingen so schnell gehorchen, ohne einen Unterschied zwischen diesem und jenem Vorgesetzten zu machen; und sowohl dem ersten als dem letzten, die in Ämtern stehen, sowohl dem Fehlerhaften als dem Vollkommensten auf gleiche Weise gehorchen. Sie fassen nicht die Person noch auch die Eigenschaften der Vorgesetzten, sondern allein ins Auge, der überall und zu jeder Zeit derselbe, zu jeder Zeit gleich würdig ist, dass man wegen seiner ewigen Vollkommenheiten und seiner unumschränkten Herrschaft sich Ihm unterwerfe." (Der gottselige Alphons Rodriguez)

Der heilige Aloysius sagte: er erinnere sich nicht, dass er jemals die Befehle seiner Vorgesetzten auch nur in einem Punkt übertreten habe.

Die heilige Theresia hatte manche Beichtväter, die weder sonderlich erleuchtet noch sonderlich klug waren, und sie gehorchte ihnen so pünktlich als den erleuchtetsten und weisesten. Sie pflegte zu sagen: So lange ein Beichtvater nichts befiehlt, das offenbar Sünde ist, soll man ihm immer gehorchen, ohne die Ursache zu untersuchen, warum er dies oder jenes fordert. 

 

Verleihe mir, Herr, dass ich meine Vorgesetzten als das Organ betrachte, durch das ich Deinen Willen erkennen soll, und dass ich ihnen gehorche wegen Deiner unendlichen Vollkommenheiten und Deiner unumschränkten Oberherrschaft über alle Geschöpfe! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 22. Juni

 

"Gebt euch niemand zu sehr hin;

wer sich zu viel hingibt,

gefällt gewöhnlich nur wenig."

 

sel. Heinrich Seuse OP

1298 bis 25.1.1366

 

Betrachtung am 22. Juni - Die göttliche Vorsehung

 

Gottes Weisheit führet alle Dinge

Sicher, wie an unsichtbarem Band;

Und dass jedes seinen Lauf vollbringe,

Sorgt für alle sie mit milder Hand.

Rätselhaft verhüllt sich oft ihr Spiel,

Doch sie führet stark und sanft zum Ziel.

 

1. In allen Dingen und Ereignissen deines Lebens bete die Führungen der göttlichen Vorsehung mit getreuem Herzen an, denn sie ordnet alle Ereignisse, noch bevor sie geschehen. Sie leitet alle zahllosen Geschöpfe mit sicherer Hand zu ihren verschiedenen Zielen, und ohne sie fällt auch nicht ein Sperling zur Erde. Sie leitet aber alle Dinge zur Freude, zur Belehrung, zur Züchtigung und zum Heil ihrer Auserwählten. Kann auch Gottes unendliche Heiligkeit deine Sünden nimmermehr wollen, so will sie gleichwohl, dass du die Strafe für sie erträgst, und führt sie oft wundersam durch unerwartete Ereignisse herbei. Trägst du sie aber mit Geduld, so büßt du dadurch nicht nur deine Schuld, sondern es wird deine Geduld dir auch noch zum Verdienst angerechnet.

 

2. Oft sind die Führungen der göttlichen Vorsehung tief verborgen, immer aber sind sie heilig und gerecht. Oft führt der Ungerechte die Herrschaft, und es seufzt der Gerechte unter seiner Tyrannei. Oft schwelgt der Sünder in Lüsten, und der Gottesfürchtige schmachtet im Elend. Oft ergeht es dem Gottlosen gut, und er spottet über die armen Diener Gottes. Diese und viele andere Erscheinungen in dieser Zeit erschüttern den Halbglauben vieler, aber dem Gerechten, der vom Licht Gottes erleuchtet ist, wird es dadurch selbst klar, dass hier in diesem Erdenleben alles erst im Werden ist, und dass die göttliche Weisheit diese Dissonanz in die wunderbarste Harmonie auflösen wird.

 

3. Oft verleiht Gott den Gottlosen Überfluss an Gütern dieses Lebens, teils um ihre Wertlosigkeit zu zeigen, teils für das wenige Gute sie zu belohnen, das sie je zuweilen tun. Doch erteilt er derlei Güter auch nicht selten seinen Freunden, damit sie die Stelle seiner Vorsehung an seinen Armen vertreten, und damit niemand irre wird und meint, es gehören diese Gaben nur den Bösen. Doch führt er seine Diener, ob sie reich oder arm sind, hoch oder niedrig stehen, durch vielfältige bittere Prüfungen, so dass die Welt ihnen keine Freude mehr bereitet. Dies aber geschieht, damit sie die Verbannung nicht als das Vaterland lieben. "Machtvoll entfaltet deine Weisheit ihre Kraft von einem Ende zum andern und durchwaltet voll Güte das All." (Weisheit 8,1)

 

23. Juni

 

Die heilige Edeltrudis, Königin und Äbtissin von Ely, England,

+ 23.6.679 – Fest: 23. Juni

 

Edeltrudis war eine Tochter des frommen Anna, des Königs der Ostangeln, und der heiligen Hereswyda. Die heilige Sexburgis, die heilige Withburgis und die heilige Edelburgis, die als Klosterfrau sich in Frankreich befand, waren ihre Schwestern. Zu Erminga, in der Grafschaft Suffolk, war sie geboren und sorgfältig in der Furcht Gottes erzogen worden.

 

Auf Zureden ihrer Eltern heiratete sie Tombrecht, den Fürsten der mittägigen Girvier, aber beide lebten in der Enthaltsamkeit. Drei Jahre danach verließ sie ihren Gemahl und zog sich auf die Insel Ely zurück, die ihr zum Leibgedinge gegeben war. Da führte sie fünf Jahre lang ein wahrhaft englisches Leben. Allen Zauber der Welt verachtend, suchte sie ihre einzige Ehre in der Übung der freiwilligen Armut und der Demütigungen. Ihre größte Wonne war, Tag und Nacht das Lob des Herrn zu besingen.

 

Aber Edeltrudis versuchte umsonst der Welt unbekannt zu leben, denn der Glanz ihrer Tugenden konnte nicht durch den Schleier bedeckt werden, womit ihre Demut ihn zu verbergen strebte. Egfried, der König von Northumberland, gab sich alle Mühe und ließ nicht nach, bis er endlich die Heilige bewog, sich nach Tombrechts Tod mit ihm zu verehelichen. Sie lebten 12 Jahre, aber allzeit in der Enthaltsamkeit beisammen, und Edeltrudis widmete ihre ganze Zeit den Religionsübungen und den Werken der Nächstenliebe. Schließlich jedoch verließ sie den Hof auf den Rat des heiligen Wilfried hin, der ihr den Schleier gab. Durch ihre Tugenden erbaute sie das ganze Kloster Coldingham, dem die heilige Ebba vorstand.

 

Im Jahr 672 kehrte sie wieder auf die Insel Ely zurück, stiftete da ein zweifaches Kloster und nahm die Leitung der Personen ihres Geschlechts auf sich. Die Schwestern fanden allzeit an ihr eine liebevolle Mutter, von der sie durch die schönsten Beispiele in allem unterrichtet wurden. Jeden Tag genoss sie nur eine Mahlzeit, die hohen Festtage ausgenommen. Nie trug sie Leinwand auf ihrem Körper, ging auch nach der Mitternachtsmette nicht mehr zu Bett, sondern blieb betend in der Kirche bis zu der Zeit, wo die Gemeinde aufstand. Schmerzen und Demütigungen waren für sie Gegenstände der Wonne. Besonders aber bewährte sich ihre Geduld und Ergebung in ihrer letzten Krankheit, durch die sie am 23. Juni 679 in das ewige Vaterland versetzt wurde. Ärmlich, wie sie es verlangt hatte, wurde sie begraben. Als man ihren Leib unter der heiligen Sexburgis, ihrer Schwester, die ihr in der Leitung des Klosters nachfolgte, erhob, fand man ihn ohne irgend ein Zeichen der Verwesung und setzte ihn, in einem steinernen Sarg verschlossen, in die Kirche. Beda erzählt, dass durch Berührung ihrer Reliquien und der leinenen Tücher, die man aus ihrem Grab genommen hatte, mehrere Wunder gewirkt worden seien. So führt er auch in seiner Kirchengeschichte einen alten Hymnus an, wo genau das erzählt wird.

 

Es darf uns nicht befremden, dass die heilige Edeltrudis eine so große Hochachtung für die Jungfrauschaft bewiesen hat. Sie wusste, dass es nichts Kostbareres gibt als diese Tugend, und dass jener, der sich der Bräutigam der Jungfrau nennt, sie mit dem Geist des Gebetes, der Demut und der Liebe belohnt. Die Jungfrauen sind die Erstlinge Gottes und des Lammes, sie sind der geliebte Teil vom Erbe unseres Herrn. Sie singen vor dem Thron ein neues Lied, das kein anderer singen kann. Sie haben das Vorrecht dem Lamm allenthalben zu folgen, wo es hingeht. Hierüber ruft der heilige Augustinus aus:

 

Wo geht es doch hin, jenes Lamm, dass niemand als ihr ihm zu folgen wagt, oder folgen kann? Welches sind die Gebüsche, welches die Wiesen? Es ist der Ort, wo man unendlich erhabenere Wonne kostet, als die eitlen, unschmackhaften, trügerischen Freuden dieser Zeit. Es sind selbst nicht einmal jene Wonnegenüsse, welche im Reich Gottes denen zuteilwerden, die nicht Jungfrauen sind, es sind ganz andere Wonnegenüsse. Die Freude der Jungfrauen wird sein, sich Jesus, durch Jesus und in Jesus zu erfreuen. Sie wird von einer ganz besonderen Art sein, und wird nicht mit jenen anderen Heiligen, die nicht Jungfrauen sind, gemein haben. Tragt nun Sorge, fährt Augustinus fort, eure Jungfrauschaft zu bewahren, denn sie ist ein Schatz, der, einmal verloren, nicht mehr zu finden ist. Die anderen Heiligen, die nicht wie ihr das Lamm begleiten können, werden euch sehen in seinem Gefolge, ohne jedoch irgend eine Eifersucht zu fühlen, sondern sie werden sich mit euch über euer Glück freuen und werden dadurch in euch besitzen, was sie selbst nicht haben konnten. Sie werden zwar euer Lied nicht zu singen vermögen, sie werden es nur hören und in dem köstlichen Vorzug, den ihr genießt, ihre eigene Freude fühlen. Ihr aber, die ihr jenes Lied singen und zugleich hören werdet, ihr werdet mit einer höheren Freudenfülle übergossen werden und euer Reich wird ein weit glücklicheres Reich sein.

 

Die heilige Maria von Oignies, Witwe und Reklusin in Brabant,

+ 23.6.1213 – Fest: 23. Juni

 

Zu Nivelle in Brabant geboren und im vierzehnten Jahr mit einem rechtschaffenen Mann verlobt und dann verehelicht, führte sie zusammen mit ihrem Gatten ein jungfräuliches Leben, widmete ihre Zeit der Pflege der Kranken, der Unterstützung der Armen und der Übung der Frömmigkeit.

 

Neben vielen anderen Tugenden zierte sie auch insbesondere die Andacht zu Unserer Lieben Frau. Alle Jahre besuchte sie im strengsten Winter die Marienkirche in Oignies, das zwei Meilen von Nivelle liegt, in dem strengsten und kältesten Winter mit bloßen Füßen, aß am selben und den folgenden Tag nichts, wachte die ganze Nacht im Gebet, und wurde auf dieser Wallfahrt oft von den Engeln begleitet, wie die Legende erzählt.

 

Mehrere Mal hat sie innerhalb von 24 Stunden wohl tausendmal mit gebogenen Knien das Ave Maria gesprochen und dies vierzig Tage aneinander fortgesetzt. In ähnlicher Weise betete sie oft an einem Tag den ganzen Psalter und zu jedem Psalm das Ave Maria auf den Knien und kasteite sich.

 

Einem Prediger erwirkte sie durch Abbeten von hundert Ave Maria die Gnade, recht wirksam von Unserer Lieben Frau predigen zu können. Am hohen Fest Mariä Reinigung sah sie in der Verzückung alljährlich die Mutter Gottes ihr liebes Kindlein im Tempel aufopfern und den alten Simeon mit höchster Lieb und Trost das Kindlein auf seinen Armen empfangen.

 

In ihrer letzten Krankheit ist sie oft von Christus und seiner lieben Mutter besucht worden, die heiligen Engel haben ihr gedient, sie in der Schwachheit aufgehoben, geführt und wieder niedergelegt. Kurz vor dem Ende hat sie das Magnifikat gesungen. Da sie die heilige Wegzehrung und letzte Ölung empfing, ist die Mutter Gottes mit den heiligen Aposteln zugegen gewesen, auch Christus selber, der ihr den Ort im Himmel zeigte, den sie erhalten sollte.

 

Maria, die fromme Verehrerin der Gottesmutter starb selig im Herrn am 23. Juni 1213 dreiunddreißig Jahre alt. 

 

Gebet am 23. Juni

 

Meine liebste Mutter, wie wird wohl der Tod eines so armen Sünders, wie ich einer bin, beschaffen sein? Wenn ich jetzt an diesen schrecklichen Augenblick denke, wo ich sterben muss, um vor den Richterstuhl Gottes zu treten, und zugleich bedenke, dass ich so häufig in mein Verdammungsurteil eingewilligt habe, so zittere ich, und möchte vor Scham vergehen, und habe große Furcht wegen meiner Seligkeit. O meine Mutter Maria, das Blut Christi und deine Vermittlung sind mein Trost. Du bist die Königin des Himmels, die Gebieterin der Welt, du bist die Mutter meines Gottes. Wenn meine Kühnheit groß ist, so ist deine Güte, die dich bewegt, gerade die Elendesten aufzusuchen, um sie zu trösten, doch weit größer. Auf sie setze ich mein Vertrauen. Möge es dir zur ewigen Herrlichkeit gereichen, einen Elenden von der Hölle befreit und in dein Reich eingeführt zu haben, wo ich hoffe, dass dereinst alle meine Seligkeit darin bestehen wird, dir zu danken, dich zu loben und zu lieben die ganze Ewigkeit hindurch. O Maria, in jener Stunde warte ich auf dich, lasse mich dann nicht ohne deinen Trost bleiben. So geschehe es. Amen. Amen. 

 

Gepriesen sei unser Heiland

 

Hoch gepriesen sei unser Heiland, dass er sich gewürdigt hat, uns den wahren Weg zum Himmel nicht nur zu zeigen, sondern uns selbst darauf voranzugehen. Möchten wir doch uns immer mehr verleugnen lernen, damit wir Jesus gleichförmig durch das unermüdliche Streben, Gottes Ehre und des Nächsten Wohl zu befördern, im Reich seiner Herrlichkeit dereinst mit ihm vereinigt werden. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Zweite Session des allgemeinen Konzils zu Ephesus im Jahr 431, worin der heilige Cyrillus, Bischof zu Jerusalem, eine sehr schöne Rede zum Lob der seligsten Mutter Gottes gehalten und sich gegen den gottlosen Nestorius tapfer erklärt hat. Diese Rede ist in den Schriften des heiligen Cyrillus noch vorhanden.

 

Andacht am 23. Juni:

 

Das Thema im Juni:

Vom Gehorsam

"Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen." (Matthäus 23,3)

 

"Woher kommt es wohl, dass so viele, die seit langer Zeit im Ordensstand leben und jeden Tag so viele einzelne Werke des Gehorsams tun, dennoch nicht dahin kommen, dass sie diese Tugend sich nicht aneignen? - Dies kommt daher, weil sie nicht gehorchen, um den Willen Gottes zu tun, was doch einzig der Grund ist, warum man gehorchen soll." (Der gottselige Alphons Rodriguez)

Immer nur die Person des Herrn sah die heilige Magdalena von Pazzi in ihrer Oberin, und fest stand ihr Vorsatz, den Willen Gottes durch den Gehorsam zu vollbringen. Was immer daher die Oberin ihr befahl, erkannte sie als einen Befehl Gottes. Daher auch gehorchte sie allen denjenigen, denen die Oberin einen Teil ihrer Gewalt übertragen hatte, eben so gern als der Oberin selbst. Dies war der Grund des wunderbaren Trostes, den sie immer empfand, wenn sie gehorchte.

Der heilige Aloysius pflegte zu sagen: nichts erfreue ihn so sehr, als dass er wisse, der Ordensstand sei einem Schiff ähnlich, worin diejenigen, die auf Befehl des Steuermanns müßig sitzen, nicht geringere Fortschritte machen als jene, die am Ruder stehen und arbeiten.

 

Gehorchen will ich, mein Gott, um Deinen Willen zu tun. Was ist auch je glorreicher, was wonniger, nützlicher und notwendiger, als Deinen Willen zu tun! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 23. Juni

 

"Eine sehr lebhafte Empfindung des Glücks

kann nicht lange andauern und bewirkt notwendig

einen schnellen Wechsel,

denn es ist der Seele nicht gestattet,

hienieden Gott zu dienen wie in dem Heiligtum ewigen Friedens."

 

gottsel. Johannes Tauler OP

1300 bis 16.6.1361

 

Betrachtung am 23. Juni - Von der Auserwählung

 

Ein Abgrund sind die göttlichen Gerichte,

Kein Geist dringt je in ihre Tiefen ein.

Tue, was er tun dich heißt in seinem Lichte,

Dann wirst du sicher und glückselig sein.

 

1. Gib der Angst niemals Einlass in dein Herz, ob du zur Anzahl der Auserwählten gehörst oder nicht, sondern fürchte Gott in Liebe, und halte sein heiliges Gebot. Das Übrige aber stelle seiner unendlichen Güte getrost anheim. Gott allerdings weiß kraft der Allwissenheit, die ihm wesentlich ist, wer zur ewigen Seligkeit gelangen wird, und wer nicht dazu gelangen wird. Doch legt dieses Vorherwissen keinem Menschen Zwang zu irgend einem Werk auf. Er weiß mit unfehlbarer Gewissheit, ob du heute beten wirst. Darum aber steht es dir vollkommen frei, zu beten oder nicht zu beten. Ebenso weiß er auch, ob du fromm leben wirst. Doch dieses fromme Leben liegt in deiner Wahl.

 

2. Siehst du, dass, um an einen gewissen Ort zu kommen, ein Wanderer einen falschen Weg einschlägt, oder dass ein Schütze, der das Ziel treffen will, ungenau zielt, so würdest du mit Sicherheit voraussagen: Dieser Wanderer wird nicht dahin kommen, wohin zu kommen er beabsichtigt, und ebenso wenig wird dieser Schütze das Ziel treffen. Die Erfüllung aber wäre keineswegs die Folge deines Ausspruchs, sondern der falschen Richtung beider. Also ist es auch gewiss, dass du, wenn du dich weigerst, Gottes Gebote zu halten und ein frommes Leben zu führen, nicht zur Anzahl der Auserwählten gehörst, nicht weil Gott, sondern weil du selbst von dieser Anzahl dich ausschließt.

 

3. Aber selbst wenn Gott durch eine eigene Offenbarung dich versichert, du wirst die ewige Seligkeit erlangen, dürftest du darum kein gutes Werk unterlassen, da die Seligkeit der Preis unserer guten Werke ist. Wie weit mehr also sollst du nun auf deiner Hut sein, und mit wie weit größerem Eifer guten Werken nachstreben, da du keine volle Sicherheit hast? Gott will allerdings, dass wir selig werden. Selig aber können wir nur werden, wenn wir seiner Gnade mitwirken. So tun wir denn dies mit aller Treue, und dienen wir ihm mit Liebe und Vertrauen. Sicherer wird uns dies in den Himmel führen, als alle unnötige Angst. "Deshalb, meine Brüder, bemüht euch noch mehr darum, dass eure Berufung und Erwählung durch gute Werke Bestand hat." (2. Petrus 1,10)

 

24. Juni

 

Der heilige Johannes der Täufer, Wegbereiter des Messias,

+ 32 ? - Fest: 24. Juni und 29. August

 

Wenn man von dem Geburtstagsfest des heiligen Johannes des Täufers, dem 24. Juni, sechs Monate zurück rechnet, so kommt man bei dem Heiligabend des letzten Jahres heraus, und wenn man vom 24. Juni sechs Monate vorwärts rechnet, so kommt man bei dem nächsten Heiligabend an. Der Johannestag liegt also genau in der Mitte zwischen zwei Weihnachtsfesten. Das hat sicher etwas zu bedeuten.

 

Draußen in der Natur gibt es im Sommer manchmal Tage, an denen die Sonne so hell scheint, dass man in weiter Ferne einen Berg sehen kann, den man sonst nicht sieht. Solch ein Tag mit klarer Fernsicht ist im Kirchenjahr der Johannestag, von dem aus man, nachdem eben erst die heiligen Jahreszeiten Weihnachten, Ostern und Pfingsten vorüber sind, in der Ferne schon wieder das kommende neue Kirchenjahr sieht, dessen Advent Johannes, der Vorläufer des Herrn, an seinem Geburtstagsfest bereits ankündigt. Wir stehen am 24. Juni mitten im Kirchenjahr, und fern taucht schon wieder ein neues auf. Ein Kirchenjahr löst das andere ab, und ewig währt Gottes Huld.

 

Von Johannes hat Jesus gesagt, dass er der Größte sei. Groß war er vom ersten Augenblick an, denn wie die Geburt Jesu Christi, so wurde auch seine Geburt von einem Engel vorherverkündet, und wie der Name des Herrn Jesus Christus vom Himmel stammt, so auch sein Name. Bereits im Mutterschoß wurde Johannes geheiligt, als Maria in Eile über das Gebirge ging, um ihre Cousine Elisabeth zu besuchen, und als er geboren wurde, blühten Wunder an seiner Wiege, denn so erzählt die biblische Geschichte:

 

Als die Zeit erfüllt war, bekam Elisabeth den verheißenen Sohn. Die Nachbarn und Verwandten freuten sich mit ihr. Am achten Tag kamen sie zur Beschneidung des Jungen. Sie wollten ihn nach dem Namen seines Vaters Zacharias nennen. Elisabeth aber sprach: Nein, Johannes soll er heißen!“ Sie entgegneten: „Es ist doch niemand in deiner Verwandtschaft, der diesen Namen trägt.“ Da winkten sie dem Vater, welchen Namen er ihm geben wolle. Er verlangte ein Schreibtäfelchen und schrieb darauf die Worte: „Johannes ist sein Name!“ Im selben Augenblick wurde seine Zunge gelöst; er konnte reden und lobte Gott. Da kam Furcht über alle Nachbarn, und durch das ganze Gebirge von Judäa lief die Kunde von dem, was geschehen war. Alle, die sie hörten, bedachten sie im Herzen und fragten sich: „Was wird wohl aus diesem Kind werden? Denn die Hand des Herrn war mit ihm.“

 

So wurde Johannes geboren, sechs Monate vor der Geburt des Herrn Jesus Christus, und so war er schon bei der Geburt das, was seine Berufung und Größe ausmacht, der Vorläufer des Herrn.

 

„Der Junge wuchs heran und wurde stark im Geist. Er begab sich in die Wüste und blieb dort bis zu dem Tag, da er vor Israel auftrat.“

 

Da wurde es vorläufig still um den Vorläufer, dreißig Jahre lang, wie es auch um Jesus still wurde in den dreißig Jahren des verborgenen Lebens. Kurze Zeit, bevor Jesus öffentlich auftrat, zeigte sich auch wieder der Vorläufer. Barfuß ging er, der von Heuschrecken und wildem Honig lebte, in einem Kleid von hartem Kamelfell einher als der Vorläufer dessen, der einst arm und bloß am Kreuz sterben sollte, und predigte dem Volk die Bußtaufe zur Vergebung der Sünden als der Vorläufer dessen, der sein Blut zur Vergebung der Sünden vergießen wird. Dann kam für den Vorläufer die große Stunde:

 

„Zu derselben Zeit kam Jesus von Galiläa an den Jordan, um sich von Johannes taufen zu lassen“, und als er getauft war, verkündete der Vorläufer:

 

„Ich bin die Stimme des Rufenden in der Wüste: Bereitet den Weg des Herrn ... Mitten unter euch steht einer, den ihr nicht kennt ... Dieser ist der Sohn Gottes.“

 

So war in Erfüllung gegangen, was der Engel von Johannes vorhergesagt hatte: „Er wird vor ihm hergehen ..., um dem Herrn ein heiliges Volk zu bereiten.“

 

Johannes war stets und überall der Vorläufer Jesu, und bis zuletzt ist er es geblieben, denn bevor Christus sein Leben in den Tod dahingab, hatte Johannes bereits seinen Kopf auf den Richtblock gelegt.

 

Der König Herodes hatte einen Bruder, der Philippus hieß. Diesem nahm er die Ehefrau mit Namen Herodias weg und lebte mit ihr zusammen. Die beiden, Herodes und Herodias, glichen sich allerdings fast ganz genau. Liederliche Menschen waren es. Das ganze Land entsetzte sich über das Ärgernis, das vom Königshaus ausging, aber niemand brachte den Mut auf, dem König die Schande ins Gesicht zu sagen, niemand bis auf einen, und dieser eine war Johannes der Täufer, der vor Herodes hintrat, und zu ihm als Mann zu Mann sprach: „Es ist dir nicht erlaubt, deines Bruders Frau zu haben.“ So sagte Johannes, aber der König, der sonst dem Heiligen nicht übel gesinnt war und zuweilen sogar auf seinen Rat hörte, war nicht Manns genug, um den mannhaften Vorwurf des Bußpredigers zu verschmerzen, zumal da die gottlose Frau hinter ihm stand und ihn immer wieder verhetzte, dass er den lästigen Mahner beseitige. Dazu konnte sich Herodes allerdings nicht entschließen, denn er fürchtete das Volk, das den großen Propheten hochschätzte. Schließlich aber gab der königliche Pantoffelheld dem Drängen der gehässigen Frau insofern nach, dass er den Täufer verhaften und einsperren ließ.

 

Da kam, wie das Evangelium berichtet, ein gelegener Tag. Herodes feierte Geburtstag. Die Großen des Landes fanden sich zum Fest im königlichen Schloss ein. Es ging hoch her. Man schmauste, man tanzte und der Wein floss in Strömen, und immer roher und ausgelassener wurde die Stimmung. Gegen Ende des Festes trat dann noch Salome, die nichtsnutzige Tochter der gottlosen Herodias, in den Saal und führte einen verführerischen Tanz auf, der ihr rauschenden Beifall einbrachte, und der König, trunken vom Wein und seiner nicht mehr mächtig, rief der frechen Tänzerin zu, sie könne sich ausbitten, was sie wolle, er werde es ihr geben, und wenn es selbst das halbe Reich wäre, dafür bürge er mit seinem Eid.

 

Weil Salome im ersten Augenblick nicht wusste, was sie begehren sollte, beriet sie sich mit der Mutter, die sie ohne Bedenken aufforderte, den Kopf des Johannes zu verlangen. Sogleich ging Salome zum König und sagte: „Ich will, dass du mir das Haupt des Täufers auf einer Schüssel gibst.“ Da entsetzte sich Herodes, aber wegen des Schwures und aus feiger Menschenfurcht vor den Gästen tat er nicht anders, ließ Johannes enthaupten und den Kopf des Vorläufers der Salome auf einer Schüssel überreichen. Diese brachte die grausige Schüssel der Mutter, deren Hass mit dem Tod des heiligen Johannes endlich gestillt war. Für den Gemordeten allerdings war der Tod ein herrliches Sterben im Dienst der Wahrheit.

 

Natürlich ließ Gott die Bluttat nicht ungestraft. Herodes wurde später bekriegt, besiegt, aus dem Land verjagt und endete als Bettler zu Lyon in Frankreich, wohin ihn der römische Kaiser verbannt hatte. Salome aber brach, wie alte Schriftsteller berichten, eines Tages so unglücklich in einen zugefrorenen Fluss ein, dass ihr die Eisstücke den Kopf vom Körper trennten. Gottes Mühlen mahlen langsam, aber sicher.

 

Der heilige Rumold oder Rumwold,

Bischof, Märtyrer und Patron von Mecheln,

+ 24.6.775 – Fest: 24. Juni

 

Der heilige Rumold, von Geburt ein Angelsachse, verließ in seiner Jugend die Welt, um sich der freiwilligen Armut zu weihen. Fest überzeugt, dass alles, was die Bedürfnisse der Natur übersteigt, eine schwere und gefährliche Last ist, untersagte er sich jegliche Art der Vergnügungen. Durch eine gänzliche Lossagung von allen irdischen Gütern wurde ihm jene dauerhafte Wonne, die nur denen zuteilwird, die sich ganz der Sklaverei der Leidenschaften entrissen haben. Nachdem er über sich selbst einen vollkommenen Sieg errungen hatte, erntete er die kostbaren Früchte des ununterbrochenen Gebets und jener nie erschlaffenden Betrachtung der hohen Religionswahrheiten. Und während er seine Studien heiligte, machte er täglich neue Fortschritte auf der Bahn der Vollkommenheit.

 

 

Auf diese Weise diente er Gott mehrere Jahre hindurch in seinem Vaterland. Der Eifer aber, der ihn für das Heil der Seelen entflammte, brachte in ihm den Entschluss hervor, nach Niederdeutschland zu gehen, um den Heiden die christlichen Glaubenswahrheiten zu predigen. Vorerst machte er eine Reise nach Rom, um seine Sendung vom obersten Hirten der Kirche zu erhalten. Nach Empfang des päpstlichen Segens reiste er nach Brabant, und bekehrte eine Menge Ungläubige in der Gegend von Mecheln, Lira und Antwerpen. Er gesellte sich den apostolischen Arbeiten des heiligen Willibrord zu, und wurde zum Regionarbischof, ohne bestimmten Sitz, geweiht. Oft unterbrach er die äußeren Verrichtungen seines Amtes, um sich in der Einsamkeit wieder zu sammeln. Da wurde er am 24. Juni 775 von zwei Bösewichten gemeuchelt, von denen einer, der sich des Ehebruchs schuldig gemacht hatte, die Mahnungen des eifrigen Hirten mit Trotz und rachevoller Widerspenstigkeit aufgenommen hatte. Sein Leichnam wurde von ihnen in einen Fluss geworfen, später aber wunderbarerweise wiederentdeckt, und vom Grafen Ado begraben. Später wurden die Reliquien des Heiligen zu Mecheln in einer Kirche seines Namens, die Papst Paul IV. zur Metropolwürde erhoben hat, beigesetzt. Dieselbe Stadt verehrt den heiligen Rumold als ihren Patron und Apostel.

 

Gebet am 24. Juni

 

Welche große Ehre für dich, gebenedeite Jungfrau, dass der liebe Gott dich vor allen anderen deines Geschlechtes zu seiner Mutter auserwählte und dich allein so großer Würde wert achtete. Zu dieser großen Ehre wünsche ich dir Glück und bin von ganzem Herzen erfreut, dass der gütigste Gott keine andere als eben dich zu unserer Mutter und Mittlerin auserwählt hat. Du hast Gnade gefunden bei Gott, ich aber habe die Gnade verloren bei Gott. Darum bitte ich dich demütig: mache, dass ich deinetwegen Gnade finde und in der göttlichen Gnade lebe und sterbe. Amen. 

 

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Johannes des Täufers

 

Wir bitten Dich, allmächtiger Gott, lass uns auf dem Weg des Heils gehen, die Ermahnungen des heiligen Johannes des Täufers befolgen, und auf seine Fürbitte hin zu dem gelangen, den er verkündigt hat, nämlich zu Jesus Christus, Deinem Sohn, unseren Herrn, der mit Dir lebt und regiert, in Einigkeit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 

 

Gebet des heiligen Rumold

 

Allmächtiger Gott, mein liebenswürdigster Heiland, ich bitte Dich nach Deiner unermesslichen Güte und Liebe, mit der Du das ganze menschliche Geschlecht umfangen hast, als Du aus den Höhen des Himmels von der Rechten Deines Vaters in dieses Tränental Dich herabgelassen hast, wo Du als wahrer Mensch Mangel, Hunger, Durst und Hitze, Beleidigungen, Schmach, Verspottungen, und sogar den schmählichsten Tod nach den Weissagungen der Propheten hast erdulden wollen: lass Deinen bitteren Tod an mir, Deinem Knecht, nicht ohne Wirkung sein. Deine Liebe wache immer über mich, sie leite mich auf den Weg Deiner Gebote, damit ich nach diesem Leben der Gnade gewürdigt werde, die himmlische Krone zu empfangen, für die ich das irdische Reich verlassen habe. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Zu Köln wurden in der Kirche des Capitoliums, sonst Maria major genannt, von diesem Tag an bis zum Fest der Heimsuchung Mariä alle Jahre einige Reliquien der seligsten Jungfrau, nämlich etwas von ihrem Schleier und Gürtel, öffentlich ausgesetzt und verehrt. 

 

Andacht am 24. Juni:

 

Das Thema im Juni:

Vom Gehorsam

"Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen." (Matthäus 23,3)

 

"Wenn irgendwelche Regungen, Gedanken oder Urteile gegen den Gehorsam in dir entstehen, ja, wenn die Befehle der Obern dir sogar ungerecht vorkommen, so achte nicht auf solche Gedanken, sondern verwirf sie ebenso schnell, als wahre Christen Gedanken gegen die Keuschheit oder gegen den Glauben verwerfen." (Der heilige Johannes Climacus)

Der heilige Johannes Berchmans empfand einigen Widerwillen gegen etwas, das ein Religiose von ihm verlangte. Doch kaum hatte diese natürliche Regung sich in ihm erhoben, so bekämpfte er sie augenblicklich, und hütete sich sorgfältig, solche im Äußerlichen zu zeigen. Er vertrieb also anfangs den Gedanken, der ihm einfiel, dass dieser Religiose sehr anmaßend sei, da er verlangte, er solle ihm eine beträchtliche Zeit aufopfern, deren er selbst bedurfte, seine Obliegenheiten zu erfüllen, und bedachte dann, wie ersprießlich es sei, gegen seine Neigung zu gehorchen. Hierauf erzählte er seinem Vorgesetzten in Einfalt den Sieg, den er mit der Gnade Gottes über sich selbst gewonnen hatte, und empfand in der Zukunft nicht den geringsten Widerwillen mehr.

Als der heilige Franziskus dem seligen Ägydius erlaubt hatte, welchen Ort er will, sich zu erwählen, kehrte er am dritten Tag an seinen vorigen Ort zurück und bat den heiligen Vater inständig, ihm einen Ort und eine Beschäftigung vorzuschreiben, weil es sonst ihm nicht möglich wäre, ohne Angst zu leben. 

 

Ersticke, Herr, allen Widerwillen in mir, den ich im Gehorsam empfinden könnte, oder verleihe mir die Gnade, ihn nicht im Äußerlichen zu zeigen, und ihn zu besiegen, um Dir meine Liebe zu beweisen! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 24. Juni

 

"Es ist schwieriger im Guten zu beharren,

als es zu beginnen. Anfangen hat keinen Nutzen,

wenn man nicht zum guten Ende gelangt."

 

hl. Antonius von Florenz OP

1389 bis 2.5.1459

 

Betrachtung am 24. Juni - Zum Fronleichnamsfest

 

 Über das göttliche Altarsakrament

 

O Liebesquell, der du die Herzen tränkest,

Und die dich trinken, zu dem Himmel lenkest,

Durchströme mich mit deiner heil`gen Flut,

Dann flammt mein Herz von deiner Liebesglut.

 

1. O göttlicher Hirt, wie wunderbar, wie abgründig ist deine Liebe zu den Schafen deiner Herde. Es erstaunen die heiligen Engel über das Wunder der Wunder, das deine allmächtige Liebe wirkte, bis ans Ende der Zeiten bei deinen Auserwählten zu bleiben, weil der Himmel deine glorreiche Gegenwart verlangte. Alle Gesetze der Natur überstieg deine unendliche Güte, mitten unter uns zu wohnen als ein Feuer, das die Herzen zu deiner Liebe entzündet, als das Brot des Lebens, das zum ewigen Leben uns ernährt, als der Quell heiliger Freude, der unsere bittersten Trübsale versüßt. In unendlicher Ferne wäre, ohne dies Sakrament deiner Liebe, die Erde vom Himmel, und alle Gemüter würden vor eisiger Kälte erstarren, oder vor ungestillter Sehnsucht verschmachten.

 

2. O ewig anzubetendes Sakrament der Liebe meines Herrn, Unterpfand unserer unsterblichen Glorie, Band der Einigkeit, das die Auserwählten aller Zeiten und Weltteile durch deinen Geist vereint, welche Seele vermag es, dich nach Würde zu preisen. Nichts Kostbareres war in den Schätzen deiner Barmherzigkeit, Weisheit und Allmacht, das du uns hättest verleihen können, denn was konntest du je Größeres geben, denn dich selbst. Durch die Vereinigung mit dir in diesem unbegreiflichen Geheimnis werden wir der Glückseligkeit der Heiligen im Himmel teilhaft, sind gleich ihnen mit dir vereint, und kosten deine Liebe und Freundlichkeit. Nur dass sie von Angesicht zu Angesicht dich schauen, wir aber noch im Schleier des Glaubens dich anbeten.

 

3. O Urquell aller Güte und Barmherzigkeit, wie überaus wunderbar bist du in diesem Denkmal deiner ewigen Liebe. Die tiefste Anbetung, die feurigste Liebe, die vollkommenste Hingabe vermögen es ewig nicht, für eine Wohltat dir zu danken, die alle sterblichen Begriffe unendlich übersteigt. Es preise dich dein eigenes göttliches Herz, von dem diese allerhöchste göttliche Gabe ausging. O ihr heiligen Engel, die ihr den Altar umringt, vereinigt euch heute mit uns, und verherrlicht durch neue Lobgesänge unseren und euren König, dessen unendliche Liebe nach Würde zu preisen selbst die Ewigkeit nicht genügt. Johannes 6,33: "Denn das Brot, das Gott gibt, kommt vom Himmel herab und gibt der Welt das Leben."

 

25. Juni

 

Die heilige Febronia,

Jungfrau und Martyrin von Sibapolis, Mesopotamien,

+ 25.6.304 - Fest: 25. Juni

 

Unter der Regierung des Kaisers Diocletian lebte in Sibapel, einer Stadt Syriens, eine christliche junge Frau, namens Febronia. Sie wohnte mit mehreren anderen Mädchen ihres Alters in dem Haus ihrer Base, der gottesfürchtigen Frau Brienna, durch die sie zur Tugend und Frömmigkeit angeleitet wurde. So lernte sie frühzeitig die Güter der Welt verachten und ihr Herz Gott zuzuwenden. Von der Natur mit besonderer Schönheit ausgestattet, versuchte sie diese durch strenges Fasten und anhaltende Bußübungen zu verändern, um nicht den Augen der Menschen ein Gegenstand des Gelüstes zu sein und sich selbst oder anderen Gelegenheit zur Sünde zu geben. Aber je mehr sie ihren Leib züchtigte, desto mehr nahm ihre Schönheit zu. Um nun einen festen Schild gegen die Verführungen der Welt zu haben, legte sie in ihrem glühenden Verlangen, allein dem Heiland anzugehören, das Gelübde der Jungfräulichkeit ab und wurde so die Braut Christi.

 

Febronia hatte das neunzehnte Jahr erreicht, als Lystimachus und Selanus, des Kaisers Bevollmächtigte, nach Syrien kamen, um die grausamen Befehle, die ihr Gebieter gegen die Christen erlassen hatte, in Vollzug zu bringen. Erschrocken suchten viele der Gläubigen ihr Leben durch die Flucht zu retten. Brienna gab ihren Pflegebefohlenen die Freiheit zu gehen wohin sie wollten, setzte aber hinzu, dass sie für ihre Person im Haus bleiben und erwarten werde, was Gott über sie verhänge. Wie hätte Febronia die gute Base verlassen können? „Ich werde nicht fliehen“, sagte sie entschlossen, „ich werde hier bleiben unter dem Schutz meines himmlischen Bräutigams und seiner jungfräulichen Mutter. Mit Jesu Gnade vermag ich alles. Dem ich mein Herz geschenkt, dem will ich auch mein Leben schenken. Bin ich auch schwach an Kräften, so habe ich ja einen Gott, der mich stärken kann.“ Diese Worte ermutigten auch die übrigen jungen Frauen, auszuharren und die Verfolgungen um Christi willen der feigen Flucht vorzuziehen.

 

Es dauerte nicht lange, so kamen die Häscher in das Haus, um die Bewohnerinnen gefangen zu nehmen. Aber überrascht von Febronias ungewöhnlicher Schönheit und der heiligen Würde, die aus ihrer Miene und ihrem ganzen Äußeren hervorleuchtete, ließen sie von ihrem Vorhaben ab und gingen hin, ihren Obern erst Bericht zu erstatten von dem, was sie gesehen. Selanus gab Befehl, ihm die Jungfrau vorzuführen, die seinen Dienern solche Ehrfurcht eingeflößt hatte. Als die Häscher wieder kamen, um sich Febronias zu bemächtigen, wollten Brienna und die übrigen ihr in den Gerichtssaal folgen, aber die Soldaten ließen es nicht zu. Da umarmte Brienna ihre Pflegetochter, gab ihr den Friedenskuss und sprach: „Gib mir in meinem Leben noch den Trost, dass ich eine Martyrin zur Tochter habe. Harre aus und zeige dich des Erlösers würdig.“ Und Febronia antwortete: „Sei ohne Sorge, Mutter! Nichts in der Welt wird mich von Jesus Christus scheiden.“ Daraufhin ging sie getrost mit den Häschern fort und lobte und pries Gott auf dem Weg.

 

Selanus konnte sich beim Anblick der Jugend und Schönheit Febronias der Rührung nicht erwehren und redete ihr eifrig zu, dass sie sich den Verordnungen des Kaisers fügen und den Göttern opfern möge. „Die ersten Männer des Reiches“, setzte er schmeichelnd bei, „werden sich um die Hand einer so schönen und wohlerzogenen Jungfrau streiten, und du hast die Wahl, ob du einen Feldherrn oder einen Großen aus dem Rat des Kaisers zum Gatten nehmen willst.“ Zugleich gebot er den Häschern, der jungen Frau die Fesseln abzunehmen. Sie aber hielt die Ketten fest und sprach: „Ich bitte dich, beraube mich nicht des schönsten Schmuckes, den ich jemals an meinem Leib getragen habe. Was deine vornehmen Werber betrifft, so erfahre, dass ich die Braut des Königs der Himmel bin und darum alle Großen der Erde gering achte. Ich bin eine Christin und bete nur den einen wahren Gott an. Nie wirst du mich dahin bringen, diesen zu verlassen und deinen Götzen zu huldigen. Willst du mich dazu durch Martern zwingen, so sei es! Je mehr mich deine Schergen peinigen, desto größer wird die Ehre meines Herrn Jesus Christus sein, desto glorreicher mein Sieg.“

 

Der Stolz des kaiserlichen Bevollmächtigten wurde durch diese Rede der jungen Frau tief verletzt und sein Mitleid wandelte sich in Zorn um. Er ließ Febronia mit Ruten und Bleikolben schlagen und dann auf die Folter spannen und ihren Leib mit eisernen Krallen zerreißen. Diese Qualen, so schmerzhaft sie waren, vermochten der standhaften Bekennerin nicht das geringste Zeichen von Furcht oder Kleinmut abzunötigen. Sie verkündete mit lauter Stimme das Lob Gottes und flehte, ihm zu Liebe noch mehr leiden zu dürfen. Selanus, wütend, eine Frau nicht besiegen zu können, ließ einen eisernen Rost herbeibringen und die Jungfrau mit Ketten an die Stäbe fesseln. Darauf mussten die Schergen Feuer anschüren und das Eisen glühend machen, so dass die Martyrin bei lebendigem Leib langsam verbrannte. Viele der Zuschauer entsetzten sich über diesen Anblick und flohen vom Richtplatz hinweg. Nur die Heilige blieb unerschrocken und fuhr fort in ihren Dankgebeten und Lobgesängen. Was vermag die Gnade Gottes nicht auch bei körperlich Schwachen, wenn nur der Mensch um sie bittet und nach seinen Kräften mitwirkt! Endlich als die Henker auf den Befehl ihres Herrn der Jungfrau auch noch Zahn um Zahn ausgeschlagen, ermüdeten sie und gaben ihr den Todesstreich mit dem Beil. Febronia wird von der Christenheit mit Recht neben Agnes und Agatha als eine der glorwürdigsten Bekennerinnen verehrt.

 

Der selige Burkhard von Mallersdorf, Benediktinerabt,

+ 25.6.1122 – Gedenktag: 25. Juni

 

Gleichwie die Grundfesten von Gebäuden, die von langer Dauer sein sollen, tief hinunterreichen und aus festem Gestein bestehen müssen, so sind die Anfänge von Klöstern und Ordenshäusern dann am glücklichsten und verheißungsvollsten, wenn ihre Leitung heiligmäßigen und weisen Männern anvertraut ist. Ein solches Glück widerfuhr dem Kloster Mallersdorf in Niederbayern. Um ein Tempel der Tugend und Gelehrsamkeit zu werden, erhielt es bei seiner Gründung im Jahr 1109 den seligen Burkhard als Grundstein. Er übertraf durch seine Tugenden und seine Heiligkeit noch den Glanz seiner adeligen Geburt. Er entstammte nämlich dem edlen Geschlecht der Freiherrn von Wildenfels. Schon in jugendlichen Jahren schien er mit der Klugheit eines erfahrenen und gereiften Mannes begabt und ein scharfer Blick erkannte deshalb bald die Fallstricke der Welt, die Vergänglichkeit von Macht und Ansehen und die Unsicherheit des Weges, den so viele Menschen sorglos und unbekümmert um die Gefahren ihres Heils zu ihrem ewigen Verderben wandeln. Daher suchte er alsbald sein Seelenheil in Sicherheit zu bringen und entschloss sich mutig den Weg des Kreuzes zu betreten, der zwar steil und rau ist, den aber unser göttlicher Heiland als den sichersten von allen bezeichnet hat. Kaum zum Jüngling herangewachsen, lenkte Burkhard seine Schritte zur Michaelsabtei bei Bamberg, wo damals hervorragende Ordenszucht herrschte, und unterbreitete dem Abt die inständige Bitte um Aufnahme in das Kloster, die ihm auch gewährt wurde. Nach glücklich vollendetem Probejahr weihte er sich durch die feierlichen Gelübde ewig dem Dienst Gottes. Alsbald übertraf er seine Mitbrüder an Weisheit und Tugend und konnte, obwohl noch ein Jüngling an Jahren, bereits den älteren Mönchen zum Vorbild dienen; denn keiner war bereitwilliger zum Gehorsam, eifriger zum Gebet, zur Übung der Demut als er.

 

Da sich unser Burkhard in kurzem vom Schüler zum Lehrmeister der Tugend entwickelt hatte, wurde er als Abt des Klosters Mallersdorf berufen. Obwohl Bischof Hartwig von Regensburg, der diese neue Pflanzung den besten Händen anvertrauen wollte, in seiner Diözese genug ausgezeichnete Ordensmänner hatte, rief er doch Burkhard von Bamberg herbei und machte ihn zum Vorstand der neuen Gründung. Mit ihm kamen noch sechs andere Ordensgenossen aus dem hochberühmten St.-Michaels-Kloster, mit denen der fromme Abt das Ordensleben in Mallersdorf begann, unter ihnen auch Eppo und Emicho, die ihm in der abteilichen Würde folgten und gleichfalls als Sterne am Himmel der Heiligen glänzen. Obwohl die Zahl der Mönche anfangs klein war, so waren sie doch alsbald in der ganzen Gegend bekannt und geschätzt wegen ihrer Mildtätigkeit, Weisheit und ihres hervorragenden Tugendstrebens.

 

Aber nicht bloß die geistige Leitung der jungen Ordensgenossenschaft ließ sich der Selige angelegen sein, er gab sich alle Mühe für das neue Kloster in zeitlichen Angelegenheiten zu sorgen. Und auf seiner Arbeit ruhte sichtlich Gottes Segen. Der Besitzstand mehrte sich, die Saaten standen prächtig und die Ernten waren reichlich. Die Erträge der Ernten verwendete er zum Bau eines würdigen Gotteshauses und für die Armen und Notleidenden.

 

Nachdem Burkhard sein Kloster dreizehn Jahre lang vorbildlich geleitet hatte, starb er eines heiligmäßigen Todes am 25. Juni 1122. Alsbald nach seinem Tod wurde ihm die Verehrung des Volkes zuteil, das ihn nur als den „Seligen“ zu bezeichnen pflegte. Obwohl Burkhard nicht feierlich von der Kirche unter die Seligen aufgenommen wurde, so gestattete doch Bischof Nikolaus von Regensburg im Jahr 1335 beim feierlichen Messopfer ihn durch ein Gebet zu ehren. 

 

Der heilige Wilhelm Vercelli, Abt, Einsiedler, Ordensstifter, Italien, OMV

+ 25.61142 – Fest: 25. Juni

 

Auf, auf, ihr Wandersleut!

Zum Wandern kommt die Zeit!

Tut euch nicht lang verweilen,

In Gottes Namen eilen!

Das Glück, das laufet immer fort

An einen andern Ort.

 

Ja, das Wandern ist nicht nur des Müllers Lust, denn wenn der Sommer kommt und warm die Sonne scheint, wenn die Luft am klarsten und die Welt am schönsten ist, dann bleibe, wer Lust hat, mit Sorgen zu Haus. Wer aber jung ist und froh, den zieht es mit tausend Fäden zu fernen Zielen, und das ist recht, denn die Jugend muss wandern.

 

Auch im Kirchenjahr ist es um diese Zeit so. Weihnachten, Ostern und Pfingsten, die hohen Feste, sind vorüber. Im Gotteshaus ist es stiller geworden. Ruhig wandern wir in diesen Wochen durch das Land der Gnade dem Fernziel des Himmels entgegen, wir, die Zugvögel der Ewigkeit.

 

Doch seht, da läuft einer vor uns her. Wilhelm heißt er, und ein Heiliger ist er, denn heute feiert die Kirche sein Gedächtnis. Der war auch ein Wandersmann, ein Wandersmann wie wir durch die Zeit in die Ewigkeit.

 

Den heiligen Wilhelm, der vor 900 Jahren lebte, litt es nach dem Tod von Vater und Mutter nicht mehr daheim. Vierzehnjährig zog er in die Welt hinaus von der Heimat in Norditalien über die Alpen durch Frankreich nach Spanien an das Grab des heiligen Apostels Jakobus zu Compostela, dem nach Rom bedeutendsten Wallfahrtsort im frommen Mittelalter.

 

Zu jener Zeit waren Eisenbahn und Zweirad noch unbekannte Dinge, und von Flugzeugen und von Autos hatte man nicht die geringste Ahnung. Wilhelm ging zu Fuß und barfuß und barhäuptig und nicht in einem fort, denn weil er nicht betteln wollte, musste er immer wieder die Reise unterbrechen, um sich durch Arbeit bei den Bauern oder bei den Handwerkern neues Zehrgeld für die Weiterreise zu verdienen. Drei Jahre hat unter diesen Umständen die Wallfahrt gedauert. Wilhelm war also kein arbeitsscheuer Bettler, sondern ein ehrlicher Wandersmann.

 

Kaum heimgekehrt, zog der Achtzehnjährige schon wieder auf große Fahrt. Diesmal sollte es durch Italien vom Norden bis zum Süden übers Meer ins Heilige Land nach Palästina gehen. Wilhelm war ohne Zweifel ein Draufgänger, der Mut hatte. Weit ist er jedoch auf der zweiten Weltreise nicht gekommen, denn zunächst blieb er irgendwo einige Jahre als Einsiedler hängen, und als er dann froh und freudig weiterziehen wollte, ließ Gott ihn wissen, dass es besser sei, das Wallfahren aufzustecken, denn Wallfahren allein hat selten aus den Menschen Heilige gemacht. Vielmehr solle Wilhelm ein Kloster bauen und darin anderen den Weg zum Himmel zeigen und ihnen als Führer vorangehen.

 

Da war der Weitgereiste bereits am Ziel. Auf einem hohen Berg in Mittelitalien erstand das Kloster, und aus dem frommen Wandersmann Wilhelm wurde ein Reiseführer zum Himmel, denn aus dem einen Kloster entwickelten sich mit der Zeit noch andere, ein neuer Orden war gegründet, eine neue Straße zum Himmel gebaut, auf der unter der Leitung des heiligen Stifters im Lauf von Jahrhunderten Tausende den Weg zum immerwährenden Frieden in der Ruhe Gottes gefunden haben als Wandersleute durch die Zeit in die Ewigkeit.

 

Gebet am 25. Juni

 

Zu dir, o allerreinste Jungfrau Maria, fliehe ich und rufe an die Milde deines heiligsten Herzens. Wegen der Menge meiner Sünden bin ich zwar deiner Gnaden nicht würdig. Du aber, gütige Jungfrau, bist wohl würdig, dass ich dich anrufe und von dir Hilfe begehre. Ach, Mutter des ewigen Wortes, verschmähe nicht meine Worte, sondern höre mich gnädig an und tröste mich in meinem Anliegen. Du weißt, o Maria, wie elend ich bin. Du weißt auch, dass ich mir selbst aus meinem Elend nicht helfen kann. Deswegen wende ich mein trauriges Angesicht zu dir und erhebe meine Augen zum Thron deiner Barmherzigkeit. So erhöre denn mein Bitten und stehe mir bei in meinen Nöten. Amen. 

 

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Prosper aus Aquitanien

 

Wir bitten Dich, o Herr, dass wir durch die Fürbitte des heiligen Prosper, stets mit Deiner Gnade wirken und unsere Freiheit nicht missbrauchen, der Du lebst und regierst, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

An diesem Tag wurde das Hinscheiden des heiligen Apostels und Evangelisten Johannes, der ein angenommener Sohn der seligsten Jungfrau war, zu Ephesus gefeiert. 

 

Andacht am 25. Juni:

 

Das Thema im Juni:

Vom Gehorsam

"Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen." (Matthäus 23,3)

 

"Prüfe und beurteile die Befehle deiner Vorgesetzten ja nicht; denn dies geziemt dem Untergebenen nicht, sondern es ist das Geschäft des Obern." (Der heilige Hieronymus)

Als man einst dem heiligen Johannes Berchmans sagte, es sei aller Klugheit zuwider, etwas zu tun, das man ihm zu tun befohlen hatte, weil er darüber krank werden würde, antwortete er mit großem Frohsinn demjenigen, der also sprach: "Lieber Bruder, ich überlasse die Klugheit dem, der mir zu befehlen hat, denn ich selbst bin nur verpflichtet, zu gehorchen.

 

Nicht mehr prüfen, Herr, will ich die Befehle, die mir erteilt werden. Soll es mir etwa nicht genügen, sie zu kennen, , da ich bloß verpflichtet bin, zu gehorchen? Nichts verlangst Du von mir als die Erfüllung Deines Willens, und getreu will ich ihn erfüllen, Dir zu gefallen! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 25. Juni

 

"Wenn ihr euch rächen könnt und es nicht tut,

seid ihr Gott wohlgefälliger,

als wenn ihr tausend Pfund schweres Gold opfert."

 

sel. Heinrich Seuse OP

1298 bis 25.1.1366

 

Betrachtung am 25. Juni - Über das Sakrament

des heiligsten Fronleichnams Jesu

 

Wie liebst du, Herr, die Deinen

So wunderbarer Weise. 

Du selbst bist ihre Speise,

Bis sie mit dir sich einen

Nach ihrer Pilgerreise.

 

1. Komm, betrachten wir das höchste Wunder der Liebe unseres Herrn, und hören wir seine göttlichen Worte: "Mein Fleisch ist wahrhaftig eine Speise, und mein Blut ist wahrhaftig ein Trank." Zweimal wiederholt er den Ausdruck: wahrhaftig, die Wahrheit dieses wunderbarsten Geheimnisses zu besiegeln, das die Fassungskraft aller Menschen und Engel übersteigt. Aus allen Tiefen meines Herzens bete ich dich an, o Jesus, du Sohn des Allerhöchsten. Deine Allmacht wandelt täglich durch die Kraft der Natur Brot und Wein in unser Fleisch und Blut, und dein allmächtiges Wort, das die Natur erschuf, sollte es nicht vermögen, Brot und Wein in dein eigenes heiligstes Fleisch und Blut zu verwandeln. Weicht wenigstens zurück, ihr ungläubigen Jünger über dieses Wort, das euch hart erscheint, ich bete die allmächtige Liebe meines Herrn an, und empfange seine Liebesgabe zu meinem ewigen Heil und Leben.

 

2. Mit göttlicher Liebe liebst du deine Schafe, o ewiger Hirt. Du erhältst ihr natürliches Leben durch natürliches, das Leben der Gnade, das hoch über der Natur steht, durch übernatürliches, das Leben der Glorie durch das Brot deiner schleierlosen Anschauung. Aufs innigste willst du mit deinen auserwählten Seelen dich vereinigen, und du nährst sie auf dem Weg ihrer Pilgerschaft mit dir selbst, deinen Geist in sie zu ergießen, und sie zu heiligen, damit du in deinem himmlischen Reich sie beseligen kannst. Den Geist der Kindschaft verleihst du ihnen, damit sie in der Seligkeit das himmlische Erbe erlangen, das Gottes Kindern gebührt. 

 

3. O verborgener Gott und Heiland, du bist das Brot, das vom Himmel kommt und der Welt das Leben gibt. "Denn wer mich isst," sprichst du, "der wird leben in Ewigkeit." Du, o Brot des Lebens, milderst den Hunger deiner Pilger, bis du in deiner Glorie sie vollauf sättigst. Du ersetzt ihre verlorenen Kräfte, heilst ihre Wunden, und entzündest ihr Herz zu himmlischer Liebe. Du bist das Band, das die Auserwählten aller Jahrhunderte aus allen Völkern in deinem Geist vereint. Weisheit 16,20: "Dein Volk dagegen nährtest du mit der Speise der Engel, und unermüdlich gabst du ihm fertiges Brot vom Himmel. Deine Gabe gewährte jeden Genuss und entsprach jedem Geschmack."

 

26. Juni

 

Die heiligen Brüder und Martyrer von Rom Johannes,

kaiserlicher Haushofmeister,

und Paulus, kaiserlicher Oberkämmerer,

+ 26.6.362 - Fest: 26. Juni

 

In drei Tagen feiern wir in der ganzen katholischen Welt, zumeist aber in Rom, an der Wiege des abendländischen Christentums, das Fest der Apostelfürsten Petrus und Paulus. So eng sind die beiden großen Heiligen miteinander verknüpft, dass in der Kirche kein Fest des einen ohne das Gedenken an den anderen stattfindet.

 

Auch die heutige Feier wird in der ganzen Christenheit, aber zumeist wieder in Rom, begangen, denn die beiden heiligen Männer, deren Gedächtnis wir begehen, Römer von Geburt, stehen wie zwei strahlende Leuchter vor dem Fest der Apostelfürsten.

 

Johannes und Paulus, leibliche Brüder, der eine Hofmarschall und der andere Hofkämmerer bei der Kaisertochter Konstantia, stammten aus vornehmem Geschlecht. Weit mehr noch als den Adel des Blutes schätzten sie den Hochadel, den jeder Christ von Christus durch die Taufe erhält. Christen edelster Art waren beide, fromm, der Kirche ergeben, von heiligmäßigem Wandel, und eine unbegrenzte Wohltätigkeit gegen die Armen zierte sie. Ganze Christen waren sie, deren gottgefälliges Leben hell über das Rom der damaligen Zeit aufleuchtete. Solche Männer, wie Johannes und Paulus sie waren, kann auch die Verfolgung um des Glaubens willen in der Treue zu Christus nicht wankend machen.

 

Kaiser Konstantin der Große hatte im Jahr 313 der jungen Kirche nach dreihundertjähriger Drangsal volle Bewegungsfreiheit gegeben, und wie überall, wo sich die Kirche frei bewegen kann, so blühte auch damals in Rom das Christentum mächtig auf, so dass die Verchristlichung des gesamten Römerreiches nur mehr eine Frage der Zeit war.

 

Doch es kam anders. Kaiser Julian, der in der Geschichte den entehrenden Beinamen „der Abtrünnige“ trägt, bestieg den Thron. In der Jugend hatte er sich nicht aus Überzeugung, sondern aus Nützlichkeitsgründen taufen lassen und in scheinheiliger Weise streng wie ein Mönch gelebt. Kaum war er jedoch Kaiser geworden, als er den Glauben wie einen Rock, der ihm nicht passte, ablegte und in grausamer Weise die Christen verfolgte. Ein Massenabfall setzte damals ein, denn jene haltlosen Christen, die sich vordem aus Nützlichkeitsgründen hatten taufen lassen, verleugneten bei dem neuen Wind von oben glattweg, wieder aus Nützlichkeitsgründen, den Glauben und wandten sich erneut dem Heidentum zu. Unehrenhaft ist solch ein Beginnen, denn nie wird ein Christ, der Rückgrat besitzt, den Glauben wie einen Rock wechseln.

 

Johannes und Paulus hatten das christliche Rückgrat, denn als sie eine Einladung vom Hof erhielten, in die gleichen Ehrenämter beim Kaiser zurückzukehren, die sie früher bei Julians verstorbener Base innehatten, gaben sie Bescheid, dass sie mit einem Abtrünnigen keine Gemeinschaft haben wollten.

 

Bravo! Das war eine klare, kühne, katholische Antwort.

 

Johannes und Paulus hatten also dem Verräter am Glauben auf dem römischen Kaiserthron eine männliche Abfuhr erteilt. Welches Ende die Kühnheit nehmen würde, war leicht abzusehen. Julian räumte den beiden eine zehntägige Bedenkzeit ein, die sie in echt christlicher Art dazu benutzten, die gesamte Habe an die Armen zu verteilen, und als sie nach Ablauf der Bedenkzeit sich weigerten, Christus zu verleugnen, wurden sie, die Brüder waren dem Blut und dem Glauben nach, auch Brüder im Martyrium und in der Verherrlichung. Zur ewigen Schande des kaiserlichen Verräters und zu ihrem eigenen ewigen Ruhm erlitten sie den Tod durch Enthauptung.

 

Männer waren Johannes und Paulus, katholische Männer, leuchtende Vorbilder für alle Katholiken in den Zeiten der Verfolgung.

 

Der heilige Anthelm, Kartäuser-Prior, Bischof von Belley, Frankreich,

+ 26.6.1178 – Fest: 26. Juni

 

Der Heilige stammte aus einer vornehmen, hohen Familie in Savoyen, erhielt eine seinem Stand gemäße Erziehung und wurde von seinen tugendhaften Eltern schon früh zum Dienst des Altares bestimmt. Wie es zu jener Zeit Gebrauch war, wurden die Söhne reicher, adeliger Familien, oft ohne selbst in den Klerikerstand getreten zu sein, mit Abteien und anderen Kirchenstellen an Domkirchen und den damit verbundenen reichen Pfründen belehnt. So erhielt auch Anthelm, bevor er noch Priester war, an der Domkirche von Genf und Belley zwei einträgliche Präbenden. Er benutzte aber deren Einkünfte nicht um sich zu bereichern; dafür war sein Herz zu edel. Er wollte keine Schätze sammeln, die Rost und Motten verzehren, sondern das Elend und die Armut damit lindern.

 

Als Anthelm, nachdem er Priester geworden war, einmal der nahe gelegenen Kartause Portes einen Besuch machte, wurde er vom Leben der dort weilenden Mönche so erbaut und begeistert, dass er dem Ruf der Gnade: „Komm, folge mir nach“ nicht länger widerstand und im selben Augenblick sich entschloss, seinen Würden und Reichtümern zu entsagen und, ohne in die Welt wiederum zurückzukehren, sofort das Kleid des heiligen Bruno zu begehren, eingedenk der Worte: „Wer seine Hand an den Pflug gelegt und zurückschaut, ist meiner nicht wert.“ Der Prior, der seinen entschlossenen Willen sah, konnte seinem Begehren nicht widerstehen und nahm ihn unter seine Söhne auf.

 

Die Einsamkeit der Zelle war es, wonach der Heilige sich sehnte, als er Lebewohl sagte den vergänglichen Freuden der Welt, um daselbst in Gebet und Betrachtung göttlicher Dinge, in heiligen Zwiegesprächen und in der Vereinigung mit Gott seine Wonne und sein Glück zu finden. „Dies ist der Ort meiner Ruhe, hier will ich wohnen immerdar“, sagte er sich, als er das Einsiedlerleben begann. Zur Vereinigung mit Gott zu gelangen, wie es das Ziel eines Ordensmannes, besonders des Kartäusers ist, suchte er sich den Weg zu bahnen, indem er den sinnlichen Menschen in sich beständig bekämpfte und durch Abtötungen und harte Bußwerke in Unterwürfigkeit brachte. Seinen Leib geißelte er so schrecklich, dass er nur eine Wunde zu sein schien und schwächte ihn durch strenge Fasten und Abstinenzen. Kaum gönnte er sich den nötigen Schlaf und durchwachte die Nächte in Gebet und Betrachtung, so dass er mehr im Himmel als auf der Erde zu weilen schien. Oft schlug er sich die Brust, warf sich mit dem Angesicht zur Erde und verehrte Gott durch zahlreiche Kniebeugungen. Im Gebet und auch sonst vergoss er beständig Tränen, wenn er an seine Sünden und die der Welt dachte und die Güte und Liebe Gottes erwog. Keiner glich ihm in der Liebe zur Regel und in der Genauigkeit, auch die kleinsten Vorschriften zu beobachten. Durch alle diese Übungen erstarkte in ihm immer mehr der geistige Mensch und er machte in kurzem große Fortschritte in der Vollkommenheit. Alle bewunderten seine Demut, seinen Gehorsam und seine Abtötung. Die Liebe, die in ihm brannte, gab ihm Flügel, so dass er bald als das Vorbild der Religiosen galt und der Ruf seiner Heiligkeit auch nach außen drang.

 

Inzwischen hatte sich in der „Großen Kartause“ bei Grenoble in Südostfrankreich, wo der Orden durch den heiligen Bruno entstanden war, ein bedauernswertes Unglück ereignet. Eine Schneelawine hatte daselbst das Kloster vernichtet und sieben Mönche unter den Trümmern begraben. Der damalige Prior Guigo, dem es oblag, das Kloster an einem gesicherten Platz wiederaufzubauen und seine zusammengeschmolzene Kommunität wieder auf die Höhe zu bringen, war in dieser Beziehung in der größten Verlegenheit. Da er aber von den Tugenden und den besonderen Eigenschaften des heiligen Anthelm gehört, glaubte er für seine Pläne keinen geeigneteren Mann finden zu können als ihn und wandte sich deshalb in der Absicht, ihn für sich zu gewinnen, an dessen Obern. Letzterer und mit ihm die ganze Klostergemeinde brachte das Opfer, wenn auch mit schwerem Herzen und willigte ein und so sehen wir denn Anthelm den Weg zur Großen Kartause nehmen.

 

Auch dort erbaute Anthelm die Kommunität durch sein Beispiel. Seine großen Tugenden und seine Heiligkeit verfehlten nicht die Aufmerksamkeit und Bewunderung aller auf sich zu ziehen, was nicht wenig dazu beitrug, den Eifer und das Streben nach Vollkommenheit daselbst zu beleben. Das Amt eines Prokurators, das man ihm übertrug, übte er zur größten Zufriedenheit aller aus und übertraf die Hoffnungen, die man auf ihn gesetzt hatte. Er führte den Bau des Klosters glücklich zu Ende und nahm viele nützliche materielle Verbesserungen und Einrichtungen vor. Mit zeitlichen Sorgen überhäuft und in den zerstreuenden Beziehungen nach außen verlor er aber nichts von seinem Eifer, im Gegenteil legte er sich noch mehr Strengheiten auf und nichts konnte ihn in der Sammlung und Vereinigung mit Gott stören. Nachdem Anthelm mehrere Jahre dieses Amt verwaltet und sich das Vertrauen aller in einem hohen Grad erworben hatte, wurde er einstimmig von der Klostergemeinde zu ihrem Prior gewählt. In dieser Eigenschaft zeichnete er sich besonders aus durch seinen Eifer für die Aufrechterhaltung der Disziplin und die Befolgung der Regel. Er erwarb sich die Liebe und Achtung seiner Untergebenen, indem er sie mit Weisheit und Milde leitete, durch sein Beispiel zu neuem Streben nach Vollkommenheit entflammte und in der Schule der Heiligkeit heranbildete. Eine ganze Reihe von Religiosen, deren Namen ihrer Tugenden wegen in den Annalen des Ordens verewigt sind, waren seine Schüler. Der Glanz seiner Heiligkeit begann aber auch sich nach außen hin immer mehr zu verbreiten. Aus allen Richtungen eilte man zur Kartause, um den Mann Gottes zu sehen, ein Wort der Erbauung aus seinem Mund zu vernehmen oder um Rat sich zu holen in der schwierigen Angelegenheit des Heils. Viele erwählten sich ihn zum Ratgeber und Gewissensführer. Alle nahm er mit der größten Liebe auf. Sünder führte er zurück auf den rechten Weg und gab ihnen den verlorenen Frieden wieder; Unschlüssigen, Zweifelhaften und im Gewissen Beängstigten wusste er den richtigen Rat zu geben und den Trost, den sie nötig hatten, zu spenden. Dabei gewann er viele für Gott, dass sie allem entsagten und in die Einöde sich zurückzogen, um Gott im Orden des heiligen Bruno besser dienen zu können. So hatte er die Freude, seine beiden Brüder zu gewinnen und in den Orden aufzunehmen. Ihnen folgte auch bald ihr Vater nach, der den Stammsitz und das Schloss seiner Ahnen verließ, um sich für immer unter den Gehorsam seines eigenen Sohnes zu stellen, der ihm auch im Tod die Augen zudrücken sollte. Seine Liebe zu den Armen war unbegrenzt, so dass er alles hergab und keinen von sich wies. In der Hungersnot, die zu dieser Zeit die Gegend heimsuchte, öffnete er die Vorratskammern der Kartause und ließ alles Getreide austeilen. Es ereignete sich dabei die wunderbare Begebenheit, die im Leben vieler Heiliger vorkommt, dass das Getreide sich nicht erschöpfte und ausreichte, die Bedürfnisse aller zu befriedigen.

 

Um den Orden selbst machte der heilige Anthelm sich besonders verdient, indem er das erste Generalkapitel berief und dem Orden jene Festigkeit und Einheit gab, die ihm bis dahin noch fehlte. Die verschiedenen Kartausen waren nämlich unter sich unabhängig und standen unter der Obrigkeit des Bischofs bezüglich des Zeitlichen wie des Geistlichen. Es konnte dadurch nicht ausbleiben, dass viele Missstände sich einschlichen, ohne dass in wirksamer Weise hätte abgeholfen werden können. Auch mussten viele Abweichungen in der Disziplin, in der Regel und in Gebräuchen sich bald geltend machen, so dass es, weil das Band der Einheit fehlte, um den Bestand und die Existenz des Ordens bald geschehen wäre. Indem der heilige Anthelm das Generalkapitel berief, das aus den Prioren aller bestehenden Häuser zusammengesetzt war, setzte er es durch, dass die Bischöfe auf ihre Autorität zugunsten des Ordens verzichteten und dass die einzelnen Häuser sich zu einem Orden vereinigten unter Befolgung einer und derselben Regel und unter einem und demselben Generalobern, der immer der Prior der großen Kartause sein musste. Die Schaffung einer Autorität in dem Generalkapitel, dessen Beschlüsse alle Häuser berührten, war von der größten Tragweite. Erst jetzt war es möglich geworden, die nötigen Verbesserungen einzuführen, allen Neuerungen Tor und Tür zu schließen und dem Orden seinen wesentlichen Charakter zu erhalten. Dieses Generalkapitel besteht noch heute und ist einer der maßgebenden Faktoren, dass der Orden noch keiner Reform bedurft hat. So gab der heilige Anthelm dem Orden seine definitive Form und jene Festigkeit, die er jetzt noch hat und wurde zugleich dessen erster Generalobere.

 

Sein Verdienst ist es auch, dem Orden einen weiblichen Zweig eingegliedert zu haben. Die Nonnen vom heiligen Andreas in der Diözese Vaison nämlich, die eine für sich abgeschlossene Abtei bildeten und durch Jahrhunderte hindurch in der Disziplin sich erhalten hatten, sehnten sich danach, die strenge Regel der Kartäuser zu beobachten und begehrten, sich unter deren Obrigkeit stellen zu dürfen. Der heilige Anthelm nahm ihre Bitte wohlwollend auf und ließ ihnen durch den heiligen Johannes von Spanien, Prior der Kartause von Montrieux, die Regel der Kartäuser nach ihren Bedürfnissen abändern und verleibte sie dem Orden ein.

 

Seinem Bemühen im Verein mit dem heiligen Bernhard ist es auch zuzuschreiben, dass das Schisma, das zu jener Zeit die Kirche zerriss, beigelegt und auf dem Konzil von Toulouse der rechtmäßige Papst Alexander III. anerkannt wurde. Welchen Anteil er daran hatte, geht schon daraus hervor, dass er vom Gegenpapst nominell exkommuniziert wurde.

 

Nach fünfzehnjähriger Leitung seiner Klostergemeinde und seines Ordens legte Anthelm freiwillig sein Amt nieder und zog sich in die Zelle zurück, wonach er sich sehnte, um ungestört Gott allein leben zu können. Jedoch sollte er nicht lange dieser Ruhe sich erfreuen. Die Kartause von Portes, die eben ihren Obern verloren hatte, wählte sich ihn zum Prior und so musste er seiner so berechtigten Neigung entsagen und das Opfer bringen. Aber schon nach zwei Jahren erlangte er durch sein beständiges Bitten und Flehen, dass man ihn des Amtes enthob und er in seine liebgewonnene Zelle zurückkehren durfte. Es erwartete ihn aber da noch ein viel schwereres Kreuz. Er wurde zum Bischof von Belley ernannt. Als er dies hörte, versuchte er durch Flucht dieser Würde zu entgehen, indem er sich in den Bergen verborgen hielt, musste aber doch endlich, als man seinen Aufenthalt entdeckt hatte, auf Befehl des Papstes den Hirtenstab annehmen. Seine Wahl wurde vom ganzen Volk und der Geistlichkeit mit der größten Freude aufgenommen, nur er allein hielt sich der Würde für unwürdig.

 

Als Bischof änderte der Ordensmann seine bisherige Lebensweise nicht. Er blieb Kartäuser. Sein Ordenskleid trug er nach wie vorher, sein Tisch war ebenso frugal, von seinen Einkünften nahm er nur so viel für seine Person in Anspruch, als gerade notwendig war, alles übrige verteilte er unter die Armen und verwendete es zur Unterstützung armer Klöster. In seinem Palast hatte er sich ein kleines Zimmer als Zelle herrichten lassen, wohin er sich zurückzog, wenn es seine Pflichten gestatteten, und wo er die Regel, soweit es möglich war, befolgte. Jedes Jahr zog er sich für längere Zeit in die große Kartause zurück, um sich im Geist zu erneuern und von seinen Hirtensorgen auszuruhen. Er machte dann alle Übungen mit wie die übrigen Mönche und unterschied sich von ihnen in nichts. Als Hirt seiner Diözese suchte er, um auf das Volk einwirken zu können, vor allem einen tüchtigen und mustergültigen Klerus. Mit Klugheit und Mäßigung ging er dabei vor, schreckte aber auch vor kirchlichen Zensuren nicht zurück, wenn es galt, Widerspenstige unter das Joch des Gehorsams zu beugen. Welche Autorität und welches Vertrauen er genoss und welchen Wert man seiner Heiligkeit zuschrieb, geht daraus hervor, dass er in verschiedenen, sehr schwierigen Angelegenheiten als Vermittler und Schiedsrichter angegangen wurde. So betraute ihn der Papst mit dem schwierigen Auftrag, König Heinrich II. von England im Zerwürfnis mit dem heiligen Thomas von Canterbury auszusöhnen. Doch stellten sich dieser Mission wieder andere Hindernisse entgegen.

 

Nachdem Bischof Anthelm fünfzehn Jahre den Hirtenstab geführt und der Diözese große Dienste erwiesen hatte, sollte er den Lohn für seine Werke und seine Arbeiten empfangen. Er verschied sanft im Herrn, nachdem er zuvor noch seinen Todestag vorhergesagt hatte, seinen Klerus zur Liebe und Eintracht ermahnt und denen, die sein Todesbett umstanden, den Segen erteilt hatte. Nach seinem Tod geschahen zahlreiche Wunder. Deshalb wurde er bald heiliggesprochen in der Form, wie sie damals üblich war, nämlich durch die Stimme des Volkes und die Bestätigung der kirchlichen Autorität.

 

Lernen wir vom heiligen Anthelm die Liebe zur Einsamkeit. Halten wir uns fern von unnützen Gesellschaften, von öffentlichen Vergnügungen und Zerstreuungen und verwenden wir diese Zeit, um uns im Geist zu sammeln und mit Gott zu verkehren. Besonders sollte es uns am Herzen liegen, jedes Jahr einige Tage für geistliche Exerzitien zu verwenden, um uns im Geist zu erneuern.

 

Der heilige Vigilius von Trient, Bischof und Märtyrer,

+ 26.6. um 400 – Fest: 26. Juni

 

Dieser fromme Gottesmann, aus dessen Jugend uns nichts bekannt ist, lebte um das Jahr 350, und war Bischof von Trient. Ein großer Teil der Bewohner seines Sprengels gehörte dem Heidentum an. Nicht lange, so fühlte er sich vom eifrigsten Verlangen beseelt, diesen Heidenvölkern die Lehre von Gott und Jesus Christus, die Liebe Marias und der Heiligen zu verkünden.

 

Vigilius trat also seine Missionsreise ins Gebirge mit einigen Begleitern an. Es gelang ihm auch an vielen Orten die heidnischen Einwohner zum Christentum zu bekehren. Als er aber noch weiter vorwärtsdrang, geriet er in eine Gegend, die von noch wilderen Menschen bewohnt war. Sie fielen über ihn her und steinigten ihn. Seine Begleiter kamen mit einigen Wunden davon. So litt der heilige Vigilius am 26. Juni ungefähr um das Jahr 400 den Martertod. 

 

Gebet am 26. Juni

 

Meine Gebieterin, du allein bist der von Gott mir verliehene Beistand, du bist meine Führerin auf meiner Pilgerschaft, du bist die Stärke der ermüdeten Kräfte, du bist mein Reichtum in meinem Elend, du löst meine Ketten, du bist die Hoffnung meines Heils: erhöre, ich bitte dich, mein Gebet, habe Mitleid mit meinen Seufzern, meine Königin, meine Zuflucht, mein Leben, mein Beistand, meine Hoffnung, meine Kraft. Amen. 

 

Zu Gott

 

Gott, was ich denk, erforschest Du,

Du prüfest meine Seele.

Du siehst es, wenn ich Gutes tu,

Du siehst es wenn ich fehle.

Nichts, nichts kann Deinem Aug entfliehn,

Und nichts mich Deiner Hand entziehn.

Gib, dass ich jede Sünde meide,

Im Guten finde meine Freude.

 

Zu Gott auf die Fürbitte der Brüder und Märtyrer Johannes und Paulus

 

Wir bitten Dich, allmächtiger Gott, lass uns über die Verherrlichung der heiligen Johannes und Paulus doppelt freuen, die ein Glaube und ein gleicher Martertod zu wahren Brüdern gemacht hat, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Rudolph

 

Wir bitten Dich, o Gott, gib uns auf die Fürbitte des heiligen Bischofs Rudolph gute Hirten, erfülle sie mit Liebe und Eifer zu allem Guten, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

An diesem Tag ein Jahr nach dem Leiden des heiligen Johannes und Paulus, im Jahr 363 wurde Julianus der Abtrünnige und sein Verfolger im Krieg gegen die Perser, wo er das Christentum vertilgen wollte, tödlich verwundet, so dass er in der nämlichen Nacht im 32. Jahr seines Alters gestorben ist. Einige Schriftsteller schreiben, er sei durch die Hand des heiligen Märtyrers Mercurius auf das Gebet des heiligen Basilius, das er vor einem Bildnis der seligsten Mutter Gottes verrichtete, umgebracht worden. Julianus hatte gedroht, die Christenheit zu Cäsarea, wo der heilige Basilius Bischof war, bei seiner Rückkehr auszurotten, worauf dieser heilige Bischof sich auf einen Berg begeben hat, wo eine Kirche unter dem Namen der seligsten Jungfrau stand, und dort drei Tage und Nächte mit Fasten und Beten zugebracht hat. Er erkannte dort auch durch eine Erscheinung, wie der heilige Damascenus schreibt, dass Julianus bald umgebracht werden würde, wie es danach geschehen ist. 

 

Andacht am 26. Juni:

 

Das Thema im Juni:

Vom Gehorsam

"Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen." (Matthäus 23,3)

 

"Es genügt zum wahrhaften Gehorsam nicht, dass man bloß tut, was befohlen ist; man muss auch überdies gehorchen, ohne zu zögern und zu überlegen. Halte für gewiss, dass was dir befohlen wird, das Beste und Vollkommenste ist, was du tun kannst; ob auch die Sache selbst dir weder gut noch vollkommen erscheint." (Der heilige Philipp Neri)

Der gottselige Pater Alvarez gehorche immer mit Freuden; er wusste aus Erfahrung, wie heilsam es ist, die Befehle der Obern zu vollbringen, sogar dann, wenn es eben nicht scheint, als habe die menschliche Klugheit sie geordnet. "Was tat Jesus, "sprach er, "jenen Blindgeborenen zu heilen? - Er nahm Gassenkot, bestrich seine Augen damit und schickte ihn hin zum Teich Siloe, daselbst sich zu waschen. Konnte dieser Blinde nicht sagen: Was soll mir ein solches Heilmittel? Weit geeigneter ist es, einen Sehenden des Augenlichtes zu berauben, als einen Blinden sehend zu machen! Doch nicht so urteilte er; vielmehr eilte er, zu tun was ihm war befohlen worden; und weil er gehorchte, ohne zu überlegen, wurde er auch geheilt."

 

Verleihe mir, Herr, dass ich gehorche, ohne zu forschen, ohne zu urteilen und ohne zu zögern. Nichts ist vollkommener, als auf solche Weise alles Befohlene zu tun! Amen. 

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 26. Juni

 

"Wenn ihr eure Schätze in diese Erde vergrabt,

so hofft nicht irgend etwas, was es auch sein möge,

im Himmel zu finden,

wohin ihr nichts durch die Hände der Armen gesandt habt."

 

hl. Ludwig von Granada OP

1504 bis 31.12.1588

 

Betrachtung am 26. Juni - Über das Seelenheil

 

Willst den Himmel du erringen,

O dann fasse, Seele, Mut.

Denn dich selbst musst du bezwingen

Und den Feind, der nimmer ruht.

Doch dort oben gibt ein Platz

Die für jeden Kampf Ersatz.

 

1. Ein erschütternder Anblick, Herr, durchbebt mich, wenn ich in deiner heiligen Gegenwart über das Heil meiner Seele nachdenke: der Anblick meiner Seele, die, mit dem grässlichen Aussatz der Sünde bedeckt, ein Gräuel vor deinen reinsten Augen und ein Opfer des ewigen Todes ist, wenn sie in diesem unglückseligen Stand das Leben verlässt,- und einer Seele, die, bereits zu den Kerkern deiner ewigen Gerechtigkeit verurteilt, aller Wut ihrer Verzweiflung überlassen, verdammt ist, dich, den Urheber ihres Daseins, nie und nimmer zu schauen, und die ewig sich vorwerfen muss: Ich selbst bin schuld an meiner ewigen Verdammnis.

 

2. O König der Ewigkeit, welches Urteil wird einst über meine eigene Seele ergehen. Mit Angst und Zerknirschung bekenne ich vor dir, dass ich bisher über ihr Heil so gleichgültig war, als wäre sie mir fremd, dass ich sie vergaß, obwohl sie doch allein meine ganze Sorgfalt brauchte, ja dass ich sie, die du zu deinem Bild und zu deiner Ähnlichkeit erschaffen hast, zu einer Sklavin der Sinne und niederen Leidenschaften herabgewürdigt habe. Herr, mein Gott, hätte deine heilige Gerechtigkeit zu einer gewissen Zeit meines Lebens, gleich so vielen tausend anderen, mich plötzlich abgerufen: wohin wäre meine Seele gekommen? Wie würde ihr ewiges Los aussehen? Ich erbebe bei diesem Gedanken. Kann aber, was deine große Barmherzigkeit damals verhütete, mir nicht noch widerfahren?

 

3. Doch nicht so, mein Gott. Gepriesen sei ewig deine Barmherzigkeit, die mich verschonte. Ernsthaft, beständig und wirksam will ich von heute an das Heil meiner Seele denken. Nicht länger wird sie ein Spielzeug sündhafter Torheiten sein. Ihre Heiligung soll die Hauptbeschäftigung meines Lebens sein, damit sie die himmlische Erbschaft glückselig erlangt, die deine unendliche Güte ihr anbietet. Gleich jenem bußfertigen König will ich diese immerfort in meinen Händen halten, und über ihr Heil wachen, denn die Ewigkeit selbst würde nicht genügen, ihren Verlust zu beweinen. "Wende dich mir wieder zu, Herr, und rette mich! Hilf mir, du bist doch ein barmherziger Gott! Wenn ich tot bin, kann ich dir nicht mehr danken. Wie soll ich dich denn in der Hölle loben?" (Psalm 6,5-6)

 

27. Juni

 

Maria, Immerwährende Hilfe

 

Der heilige Crescens, Jünger des heiligen Paulus,

Missionar bei Köln und Mainz und Martyrer in Galizien,

+ 27.6.100 – Fest: 27. Juni

 

Von diesem Heiligen wissen wir nichts Zuverlässiges, nur seine Sendung nach Galizien, wohin der heilige Paulus während seiner zweiten Gefangenschaft zu Rom ihn gesandt hatte, wie er selber in seinem zweiten Sendschreiben an Timotheus berichtet. Da bei den Griechen der Ausdruck Galatien sowohl die Provinz dieses Namens, die zwischen Cappadocien und Phrygien liegt, als auch Gallien bedeuten kann, veranlasste diese Namensgleichheit die Vermutung, Crescens sei nach Gallien geschickt worden. Daher kommt auch die Meinung, dass dieser Heilige die Kirchen zu Vienne in Frankreich und von Mainz gestiftet habe. Der heilige Crescens wird bei den Lateinern am 27. Juni, bei den Griechen am 30. Juli gefeiert.

 

Der heilige Theonest, Bischof und Martyrer von Altino und Mainz,

+ 30.10.425 – Fest: 27. Juni

 

Ein uralter Mainzer Überlieferung zufolge soll Crescenz, ein Schüler des Apostels Paulus, in der Gegend von Mainz gepredigt haben und der erste Bischof dieser Christengemeinde geworden sein. Sicher ist, dass der heilige Paulus kurz vor seinem Martertod seinen Jünger Crescenz nach Gallien sandte, wo er die Kirche von Vienne gründete, dann zum Rhein gelangte und die Kirche von Mainz gründete. Ein vorzügliches Verdienst an der Christianisierung von Mainz gebührt der 22. Römischen Legion, die an der Zerstörung Jerusalems teilnahm, von da an viele Christen unter sich zählte, um das Jahr 70 an den Rhein verlegt wurde und die christliche Lehre verbreitete.

 

Gegen Ende des dritten und am Anfang des vierten Jahrhunderts blühte das Christentum schon an beiden Ufern des Rheins. Der alemannische Häuptling Rando hatte schon lange gegen Mainz Böses im Sinn. Zur Ausführung seines Vorhabens suchte er sich einen Festtag der Christen aus im Jahr 367. Während der größte Teil der Bevölkerung zum Gottesdienst in der Kirche versammelt war, brach er unversehens in die Stadt und führte viele Gefangene und große Beute hinweg. Ähnlich wurden bald nach dem Jahr 400 wieder mehrere tausend Einwohner von Mainz in einer Kirche erschlagen. Der Bischof Aureus nebst seiner Schwester Justina wurde von den Hunnen in Mainz gemartert.

 

Um diese Zeit (zwischen 380 und 400) starben zu Mainz des Martertodes die heiligen Alban und Theonest. Von ihnen berichtet ein altes Passionale folgendes:

 

„Die heiligen Theonestus und Albanus waren Christen und hatten Gott lieb. Sie dienten ihm mit Fleiß Tag und Nacht. Albanus wurde Priester, Theonestus nach einiger Zeit Bischof. Damals hatten die Christen von den Arianern viel zu leiden. Da gebot Honorius, dass beide Teile in der Stadt Karthagena zusammen kommen sollten, den Streit zu schlichten. Es erschienen 600 Bischöfe, unter ihnen Theonestus. Da bewährten die Christen ihren Glauben und machten die Ketzer schweigen. Dafür aber trugen dieselben dem Theonestus großen Hass nach, jagten ihn von seinem Stuhl und trachteten ihm nach dem Leben. Darum ging derselbe mit seinem Kaplan Albanus und Ursus zum Papst nach Rom. Der heilige Vater nahm ihn mit Freuden auf und sandte ihn nach Toscana, Ligurien und Mailand, um den christlichen Glauben zu predigen. Überall bekehrten sie viel Volk. Hernach kam Theonestus nach Augsburg, wo er seinen Kaplan Ursus zurückließ. Denselben töteten die Ketzer. Theonestus zog nach Donauwörth und weiter nach Mainz, wo die Irrgläubigen gerade in jenen Tagen den Bischof Aureus vertrieben hatten. Theonestus und sein Kaplan Albanus fürchteten sich jedoch nicht und predigten das Wort Gottes. Der Bischof Aureus kehrte in sein Bistum zurück, ward aber ergriffen und getötet. Jetzt predigten die fremden Missionare umso eifriger, bis eines Tages die Irrlehrer aufstanden, den Albanus während des Gebetes ergriffen und enthaupteten. Nun fuhr seine Seele zu den ewigen Freuden, sein Haupt aber nahm er in die Hand und trug es bis zum Ort, wo er begraben sein wollte. Dort legte er es nieder und wurde von seinem Bischof Theonestus mit großen Ehren bestattet im Dom zu Mainz. Dieses brachte allen viel Gnade bei Gott. Auch Theonestus wurde getötet. – Nun helf uns Gott, dass wir auch zu ihm kommen! Amen.“

 

Über dem Grab des heiligen Albanus wurde zu Mainz die Albanskirche erbaut, und mehrere Kirchen wählten den heiligen Märtyrer zu ihrem Patron.

 

Der heilige Ladislaus I., König von Ungarn,

+ 30.7.1095 – Fest: 27. Juni (Tag der Erhebung seiner Reliquien)

 

Unermesslichen Segen brachte der heilige Stephan, der erste König von Ungarn, über sein Reich, indem er Bistümer und Klöster gründete, den Götzendienst verbot und sein Volk für das Christentum gewann. Aber nach seinem Tod brach die Ursprüngliche Wildheit der Magyaren wieder durch, denn der heidnische Ungar Batha empörte sich mit mehreren anderen Magnaten, zerstörte die christlichen Tempel, marterte die Priester und vertrieb die Christen. Der neue König Peter und nach ihm Andreas I. unterdrückten bald die Empörung, befahlen die strengste Beobachtung der Gesetze des heiligen Stephan und verboten unter Strafe den Rücktritt zum Heidentum, indes hinderten die ausgebrochenen Thronstreitigkeiten die Ausführung der weisen Anordnungen. König Peter trieb seinen Vetter Bela aus dem Land, und der flüchtete sich an den Hof des Herzogs von Polen, der ihn freundlich aufnahm und ihm seine Tochter zur Frau gab. In dieser Ehe wurden den Eltern zwei Söhne geboren, Geisa und Ladislaus.

 

Die fromme Mutter erzog ihre Söhne in der Furcht Gottes und erfreute sich besonders an ihrem jüngeren Sohn Ladislaus, der im Jahr 1031 geboren wurde. Schon als Kind zeichnete sich Ladislaus durch Bescheidenheit, Sanftmut, Unschuld, Klugheit, Andacht und Liebe zu den Armen aus. Dabei unterließ er nicht die Pflege der Wissenschaften und ritterliche Übungen.

 

Als Andreas I. nach dem abgesetzten und im Gefängnis gestorbenen König Peter zur Regierung gelangte, kehrte sein Bruder Bela mit seiner Familie ins Vaterland zurück. Gegen Andreas erhob sich ein Aufstand und Bela stieß ihn vom Thron. Ladislaus missbilligte die Ungerechtigkeit seines Vaters und weigerte sich nach dessen Tod die ihm dargebotene Krone Ungarns anzunehmen, weil sie dem Sohn des verstorbenen Königs, Salomon, zustehe. Erst nachdem Salomon von den Ungarn vertrieben und Belas erstgeborener Sohn gestorben war, ließ sich Ladislaus bewegen, die Zügel der Regierung zu ergreifen im Jahr 1077. Er wollte jedoch nicht gekrönt sein, solange Salomon lebe.

 

Die Ungarn hatten eine gute Wahl getroffen, denn der neue Regent war ein gerechter, gütiger, tapferer und heiliger Herr, ohne Ehrgeiz und Weltliebe, voll Demut und Keuschheit, ein Ritter ohne Furcht und Tadel, treu in Wort und Tat, menschenfreundlich und barmherzig. Das Volk nannte ihn den Beschützer der Keuschheit, die Zuflucht der Elenden, das Muster der Frömmigkeit, den Befreier der Nation. Armen gab er reichliche Almosen, Jungfrauen stattete er mit Heiratsgut aus. Bedrängte beschützte er, im Rechtsprechen zeigte er Mäßigung. Wie er durch seine hohe Gestalt und schöne Geistesbildung beeindruckte, so leuchtete seine Seele in vielen Tugenden.

 

Als er einst in der Schlacht vier Feinde mit eigener Hand erlegt hatte, wurde er vom fünften schwer verwundet. Da sieht er, wie ein feindlicher Reiter mit einer geraubten Jungfrau auf dem Pferd davoneilte. Ladislaus wollte um jeden Preis die Jungfrau vor der Entehrung retten, aber seine Wunde hinderte ihn, den fliehenden Feind zu erreichen. Deshalb rief er der Jungfrau zu, sie solle sich vom Pferd herabstürzen und den Reiter mit sich herunterreißen. Als das geschehen war und der König den herabgestürzten Hunnen leicht hätte töten können, wollte er doch in seinem ritterlichen Sinn den Vorteil nicht ausnutzen, sondern stieg selber vom Pferd und tötete den Feind in ehrlichem Zweikampf.

 

Während Ladislaus auf das Wohl seines Volkes bedacht war, sann der abgesetzte Salomon mit List auf eine Gelegenheit, sich des Königs zu bemächtigen. Aber sein Anschlag wurde durch die kluge Vorsicht des Königs vereitelt, und er musste seine Bosheit in einem Turm der Veste Vissegrad büßen. Freigelassen zog sich Salomon nach Pola bei Venedig zurück und beschloss sein Leben als Einsiedler, nachdem er noch einmal mit Hilfe der Hunnen versucht hatte, den Thron von Ungarn wiederzugewinnen. Ladislaus schlug den Hunnenkönig so vollständig, dass 10000 Hunnen nebst unermesslicher Beute auf dem Platz blieben. Als die Hunnen und Kumanen noch einmal einen Einfall in Ungarn wagten (1089), tötete Ladislaus, um weiteres Blutvergießen zu vermeiden, ihren Anführer Kopoles im Zweikampf. Die Gefangenen nahmen die christliche Religion an und erhielten zum Wohnsitz einen fruchtbaren Landstrich der Theiß entlang. Die Ruthenen, die den Hunnen Beistand geleistet hatten, unterwarfen sich jetzt freiwillig und Ladislaus verzieh ihnen großmütig. Auch in den übrigen Kriegszügen gegen die Böhmen, Polen und Russen blieb er immer Sieger.

 

Nachdem Ladislaus die Ruhe seines Reiches nach außen gesichert hatte, suchte er im Innern seines Landes Glück und Wohlstand mehr und mehr zu begründen. Er vernichtete die letzten Reste des Heidentums, indem er die noch hier und dort auf Bergen, an Quellen und in Hainen Opferkultus übenden Ungarn stets mit Abnahme eines Ochsens bestrafte, an solchen Opferplätzen Kreuze und heilige Bilder errichten ließ und für die strenge Befolgung der Gesetze des heiligen Stephan sorgte. In all seinen Regierungshandlungen erstrebte er die Ehre Gottes, das Beste der Religion und das Wohl seiner Untertanen. Er stiftete viele Klöster und gründete die Bistümer Agram und Großwardein. Sein Palast glich mehr einem Kloster, als einem fürstlichen Hof. An seiner Tafel herrschte die größte Mäßigkeit und er erlaubte sich nicht einmal den Genuss von Wein. Mehrmals in der Woche fastete er und er schlief auf hartem Lager. Die freie Zeit, die ihm seine Berufsgeschäfte übrig ließen, widmete er dem Gebet und der Betrachtung am Fuß des Altares. Häufig hörte man das Volk sagen: „Der König von Ungarn kann nichts anderes, als Spitäler stiften und Almosen geben.“

 

Dass Ladislaus noch mehr verstand, hatte er oft genug bewiesen. Als deshalb Papst Urban II. einen Kreuzzug predigte, um das Heilige Land aus den Händen der Sarazenen zu befreien, wählten die Fürsten Europas einstimmig den König Ladislaus als den würdigsten und tapfersten Kriegshelden zum obersten Feldherrn. Hatte Ladislaus früher die ihm angetragene deutsche Kaiserkrone ausgeschlagen, so nahm er jetzt bereitwillig den Oberbefehl über die Kreuzfahrer an, um seine Kraft und sein Blut für die Sache Christi zu opfern, und vielleicht die Marterkrone zu gewinnen. Schon war er mit einem bedeutenden Kriegsheer auf dem Weg in das Morgenland, da befiel ihn an der Grenze Ungarns eine heftige Krankheit, die er sogleich als seine letzte erkannte. Er berief die Großen seines Reiches an sein Sterbelager, vermachte seine Schätze den Kirchen und Armen und beschloss sein gottseliges und tatenreiches Leben am 30. Juli 1095. Sein Leichnam fand die Ruhestätte in dem von ihm erbauten Dom in Großwardein. Infolge vieler Wunder an seinem Grab versetzte ihn Papst Cölestin III. 1198 unter die Heiligen und bestimmte zu seiner Festfeier den 27. Jun, an dem seine Reliquien erhoben wurden.

 

Der selige Gerhoh (Geroch) von Polling, Propst zu Reichersberg,

+ 27.6.1169 – Fest: 27. Juni

 

Zu den gelehrtesten Männern seiner Zeit, zu den treuesten Dienern der Kirche und eifrigsten Verteidigern des Rechtes, der Wahrheit und der guten Sitten gehört der selige Gerhoh, auch Geroch genannt. Er wurde im Jahr 1093 zu Polling in Oberbayern von frommen Bürgersleuten geboren, übertraf schon als Junge alle seine Mitschüler an Verstand, Fleiß und Sittsamkeit und machte schon im 16. Lebensjahr das Gelübde ewiger Keuschheit. Seine höheren Studien vollendete er in Freising, Mosburg und auf der damals weit berühmten Domschule zu Hildesheim. Von da berief ihn der Bischof Hermann von Augsburg zum Vorsteher der Schule an seiner Kirche und weihte ihn im Jahr 1119 zum Diakon. Mit Umsicht, Eifer und Liebe förderte er das Schulwesen und alle Schüler hingen ihm in Liebe an.

 

Als ihm der Bischof Hermann zumutete, er solle die Partei des Kaisers Heinrich V. gegen Papst Paschalis ergreifen, verließ er Augsburg und begab sich in das Kloster der regulierten Chorherrn des heiligen Augustinus zu Rottenbuch in Oberbayern. Auch seine Eltern und Brüder bewog er zu gleichem Schritt. Von dort begleitete er seinen Oberhirten nach Rom zum ersten Laterankonzil. Nach seiner Rückkehr von Rom legte er seine Stelle am Dom nieder und begab sich wieder nach Rottenbuch zu den Augustinern.

 

Von seiner Frömmigkeit und Gelehrsamkeit gleich angezogen, berief ihn der Bischof Chuno von Regensburg zu sich, um ihn als Gehilfen bei seinen Arbeiten zu gebrauchen, weihte ihn 1126 zum Priester und nahm ihn bei der Visitation seines Bistums mit sich. Bei dieser Gelegenheit hielt er die schönen und erbaulichen Reden, die er später sammelte und diesem Bischof widmete. Nach Chunos Tod ging Gerhoh nach Salzburg, wo ihn sein Freund, der Erzbischof Konrad, mit wichtigen Aufträgen nach Rom sandte.

 

Als im Jahr 1132 der Propst zu Reichersberg gestorben war, wählten ihn die Kanoniker einstimmig zu ihrem Vorsteher. Seine Demut sträubte sich gegen dieses Ehrenamt, aber aus Gehorsam gegenüber dem Erzbischof nahm er es an, obgleich es ihm als das schwerste Opfer seines Lebens erschien. Wie vortrefflich die Wahl war, zeigte der Erfolg, denn der neue Propst bewährte sich als auserwähltes Werkzeug der göttlichen Gnade. Mit außerordentlicher Umsicht und Pflichttreue waltete er seines Amtes, ging allen in gottseligem Eifer voran, nahm alle mit Liebe auf, trug die Beschwerden und Leiden mit himmlischer Geduld und zog durch seine Demut und stets gleiche Güte die Herzen unwiderstehlich an. Auf Arbeit, Gebet und Studium hielt er mit ungewöhnlichem Ernst. Sein Lieblingsspruch war: „Müßiggang ist aller Laster Anfang.“ Verstöße gegen die Ordensregeln rügte er streng, aber niemand nahm ihm die Strafrede übel, weil sie aus heiliger Liebe entsprang und durch sein leuchtendes Beispiel unterstützt wurde.

 

Die Tätigkeit Gerhohs beschränkte sich nicht auf sein Kloster, sondern er griff mit kräftiger Hand ein, um die Übergriffe der deutschen Kaiser in die Rechte der Kirche abzuwehren. Sein Ansehen galt so viel, dass zahlreiche Söhne der angesehensten Familien Deutschlands sich glücklich schätzten, unter seine Kanoniker aufgenommen zu werden, und vermehrten mit ihrem Erbteil die Güter und Einkünfte des Stiftes Reichersberg. Aus diesem Vermögen gründete er neben seinem Kloster noch ein Frauenkloster, in dem viele hochangesehene Jungfrauen, z.B. die gottselige Gräfin Hedwig von Hall, den Schleier nahmen. Überall drang er mit seinem vielvermögenden Einfluss auf Beseitigung der Missstände und auf die Besserung der Sitten. Viele Kämpfe und Bitterkeiten blieben ihm nicht erspart, aber viele glückliche Erfolge versüßten ihm seine edlen Bemühungen. Niemals wich er von der Wahrheit und unerschrocken verteidigte er die Rechte des päpstlichen Stuhls in den unseligen Kämpfen seiner Zeit. Deshalb stand er bei den sechs Päpsten seiner Zeit in hohem Ansehen, und selbst Kaiser Friedrich musste den edlen und uneigennützigen Propst ehren. Seine zahlreichen Schriften bekunden seinen hohen Denkergeist und seine tiefe Gelehrsamkeit und stellten ihn unter die ausgezeichnetsten Schriftsteller seines Zeitalters.

 

Im Greisenalter von 76 Jahren konnte er getrost auf seine zurückgelegte Laufbahn hinblicken. Arm und klein hatte er sein Kloster gefunden, vermögend und erweitert übergab er es seinen Nachfolgern. Nach einem mühevollen, angestrengten Leben wünschte er die Ruhe im Schoß des himmlischen Vaters. Nachdem er am Fest des heiligen Johannes des Täufers im Jahr 1169 noch Hochamt und Predigt gehalten hatte, empfing er die heiligen Sterbesakramente und starb am 27. Juni. Sein Leib ruht vor dem Kreuzaltar der Klosterkirche von Reichersberg, seine Seele ruht im Frieden Gottes.

 

Der heilige Cyrillus von Alexandrien, Kirchenlehrer und Patriarch,

+ 27.6.444 – Fest: 27. Juni

 

Der heilige Cyrillus war einer der größten griechischen Kirchenväter und eine der bedeutendsten Zierden auf dem Bischofsstuhl des heiligen Markus. Er entstammte einer vornehmen Familie zu Alexandrien, der Haupt- und Residenzstadt der Ptolemäer, und nach Rom die Bevölkerungsreichste Stadt der damaligen Zeit. Von der Würde und dem Vorrang apostolischen Ursprungs sowie vom Ruhm und Verdienst hochgefeierter Bischöfe und Gottesgelehrter überstrahlt, war der Bischofssitz von Alexandrien zum höchsten Ansehen in der Kirche gelangt. Ihre Inhaber bekleideten den ersten Rang in der morgenländischen Kirche, den eines Patriarchen. Und gerade unter dem heiligen Cyrillus erreichte dieses Ansehen und die Macht der Patriarchen von Alexandrien den Gipfelpunkt. Der Einfluss und die Bedeutung seines Lebens und Wirkens beschränkten sich jedoch nicht allein auf die Grenzen seines Patriarchates, das über hundert Bistümer und neun Erzbistümer umfasste; er lebte und wirkte mehr noch für die ganze Kirche aller Zeiten. Von Papst Leo XIII. wurde er mit Recht in die Zahl der sogenannten Kirchenlehrer aufgenommen.

 

Der Grund seiner umfassenden Gelehrsamkeit legte der heilige Cyrillus in den Schulen seiner Geburtsstadt, darunter an der sogenannten alexandrinischen Katechetenschule, der ersten und neben Antiochien berühmtesten theologischen Hochschule der altchristlichen Zeit. Seine aszetische Ausbildung in der Schule der christlichen Tugend und Heiligkeit suchte er, wie wir von seinem väterlichen Freund und Berater, dem heiligen Isidor von Pelusium, erfahren, unter den Mönchen und Einsiedlern der nahen Wüste. Im Übrigen fließen die Nachrichten über sein Jugendleben und seinen religiösen und wissenschaftlichen Entwicklungsgang nur spärlich.

 

Im Jahr 412 wurde er zum Patriarchen seiner Vaterstadt erwählt. Er war der Nachfolger seines Oheims Theophilus, der wegen seines hochfahrenden Ehrgeizes und seiner rücksichtslosen Gewalttätigkeiten ein wenig rühmliches Andenken in der Kirchengeschichte hinterlassen hat. Sein Beispiel blieb nicht ganz ohne Einfluss auf den Neffen in der ersten Hälfte seines amtlichen Wirkens. Auch sein Verhalten blieb, wie es scheint, nicht völlig frei von zu großer Eigenmächtigkeit gegenüber der weltlichen Behörde und von zu unduldsamer Strenge gegen die Irrlehrer und Juden in seiner Bischofsstadt. Freilich hat eine parteiische Geschichtsschreibung schon in der alten Zeit die Wahrheit darüber stark gefärbt und entstellt. Ja, die gegenwärtige Forschung kann feststellen, dass „die Anfeindung und Verkleinerung dieses Mannes von alten Tagen bis zum heutigen einzig dasteht“.

 

Mit dem Jahr 429 beginnt eine neue Periode seiner Wirksamkeit in Wort und Schrift, die über ein Jahrzehnt lang für den Gang der ganzen Kirchengeschichte mitbestimmend wurde. Er wird der erste Vorkämpfer der kirchlichen Rechtgläubigkeit gegen eine der größten und gefährlichsten Irrlehren des christlichen Altertums, den sogenannten Nestorianismus. Der gottlose Patriarch Nestorius von Konstantinopel, nach dem die Irrlehre benannt ist, leugnete nämlich die Einheit der Person in Jesus Christus. Während nach der Offenbarungslehre die zwei Naturen in Christus, die göttliche und die menschliche, in der einen göttlichen Person unzertrennlich vereinigt sind, behauptete Nestorius: In Christus wohnen zwei Personen nebeneinander; die göttliche Person habe sich nur äußerlich mit einer menschlichen verbunden. Die Irrlehre, vom ersten Würdenträger der morgenländischen Kirche vorgetragen, fand nicht bloß große Verbreitung, selbst unter Bischöfen und Priestern, sondern war auch wegen ihres inneren Giftes besonders gefährlich. Sie drohte die christliche Erlösungslehre in ihrem Fundament zu zerstören; lief sie doch im tiefsten Grund auf die Leugnung der Menschwerdung des Gottessohnes und damit auch auf die Leugnung der Erlösung der Menschheit durch diesen menschgewordenen Gottessohn hinaus. Zugleich entkleidete sie Maria ihrer höchsten Würde und ihres erhabensten Ehrennamens der „Gottesmutter“; denn nur eines Menschen Mutter konnte sie nach dieser Falschlehre sein.

 

Der heilige Cyrillus, wie kein anderer mit gründlicher Gottesgelehrsamkeit gerüstet, erschien als erster auf dem Plan und übernahm als Mann der Vorsehung die Führerrolle in diesem Glaubenskampf. Er trat hierbei mit solcher Unerschrockenheit und Sicherheit in denselben ein, dass die Rechtgläubigkeit bald zum Sieg gelangte. Da die Verhandlungen mit Nestorius selbst scheiterten, wandte sich der heilige Cyrillus (wie auch Nestorius) an den Papst Cölestin, der auf einer römischen Synode den Nestorius als Ketzer verurteilen ließ. Der päpstlichen Entscheidung legte der heilige Cyrillus, der sie dem Irrlehrer zustellen sollte, eine Glaubensformel bei, die zum Schluss in zwölf sogenannten Anathematismen (Verurteilungen) die Irrtümer zusammenfasste, die Nestorius abschwören sollte. Da er verstockt blieb, wurde auf Pfingsten 431 das Allgemeine Konzil von Ephesus einberufen, auf dem der Papst den heiligen Cyrillus mit seiner Stellvertretung betraute. Trotz unglaublicher Wirren und Schwierigkeiten, die sich hier erhoben, blieb er die Seele der großen Kirchenversammlung und wusste seine Aufgabe mit ebenso viel Umsicht wie Mut zu Ende zu führen. Die Lehre des Nestorius wurde verworfen, er selbst für abgesetzt erklärt. 198 Bischöfe unterzeichneten das Urteil, das der Papst bestätigte. Die Beratung hatte in der Marienkirche vom frühen Morgen bis in die Nacht gedauert. Während der ganzen Zeit umlagerte das gläubige Volk die Kirche und brach, als die Entscheidung bekannt wurde, in lauten Jubel aus.

 

Obschon mit dem Urteil des Allgemeinen Konzils der großen Irrlehre das Haupt abgeschlagen war, regten sich doch die Lebensgeister derselben noch geraume Zeit. Bis zu seinem Tod am 27. Juni 444 blieb darum der heilige Cyrillus ununterbrochen tätig, um für die Reinheit der Lehre und den Frieden der Kirche zu wirken. Seine Schriften füllen heute noch eine stattliche Reihe von Bänden und nehmen einen Ehrenplatz unter dem Väterschrifttum ein. Ja, unter sämtlichen Kirchenvätern dürfte es außer dem heiligen Augustinus keinen geben, dessen Schriften in solchem Umfang wie die seinen durch den Mund allgemeiner Konzilien von der ganzen Kirche gleichsam als Glaubensregel angenommen wurden.

 

Der religiösen Falschlehren sind heute nicht weniger als in den alten Tagen der Kirche; ihr Schein ist nicht weniger trügerisch, ihr Gift nicht weniger tödlich. Einem heiligen Cyrillus, dem gewaltigen Streiter der christlichen Wahrheit, galten, wie seine wiederholten Aussprüche beweisen, Heilige Schrift, Väterlehre und kirchliches Lehramt als die unverrückbare Norm und Regel, als „der königliche, irrtumslose Weg“. Möchte auch der Christ von heute an keine andere Regel sich halten! Möchte er einzig diesen königlichen Weg gehen! Er führt allein zum tiefsten Urquell und letzten Höhenziel aller Wahrheit – zu Gott.

 

Der selige Eppo von Mallersdorf, Benediktinerabt,

+ 27.6.1143 – Gedenktag: 27. Juni

 

Über das Leben Eppos sind wir etwas genauer unterrichtet. Schon in seiner Jugend sagte er der Welt Lebewohl und weihte sich in St. Michael bei Bamberg, das damals eine besonders berühmte Schule der Vollkommenheit war, dem ausschließlichen Dienst Gottes. Als das Kloster Mallersdorf gegründet wurde, fanden seine Oberen den jungen charakterfesten Ordensmann befähigt, an dem schwierigen Werk der Neugründung mitzuarbeiten. In der Tat erwies er sich seiner Aufgabe auch völlig gewachsen und erwarb in den Augen seiner Mitbrüder ein solches Ansehen und Vertrauen, dass sie ihn nach dem Tod Burkhards zu ihrem Abt wählten. Auch hier stellte Eppo wieder ganz und gar seinen Mann. Vor allem war er selber ein genauer Befolger der Ordensregel und ein überaus eifriger Wächter über die Disziplin bei seinen Untergebenen. Als im Jahr 1132 eine Kirchenversammlung zu Piacenza abgehalten wurde, bei der auch der römische Kaiser Lothar zugegen war und die Eppo trotz der weiten Entfernung besuchte, trug er durch seinen energischen Eifer und seinen klugen Rat viel dazu bei, dass die strenge alte Ordenszucht erhalten, beziehungsweise erneuert wurde, so dass er sich den ehrenvollen Beinamen „Erneuerung des Ordens“ erwarb. Um sein Kloster Mallersdorf gegen den Neid der Nebenbuhler und die Ungerechtigkeiten fremder Eindringlinge zu schützen, erhielt er vom Kaiser Lothar verschiedene Rechte, in denen außer der Bestätigung des Klosters der königliche Schutz, freie Abtwahl und freie Verfügung über die Güter des Klosters zugestanden wurden. Indes war es Eppo nicht genug, sein Kloster durch kaiserliche Autorität gegen die Eingriffe weltlicher Machthaber gesichert zu haben, auch bei Papst Innozenz II. erwirkte er besondere Vorrechte, damit seine Mönche ruhig Gott dienen könnten und die Ordenszucht nicht gestört würde.

 

Der Eifer in der Befolgung der Ordensregel und der beispielhafte Lebenswandel der Klosterbewohner unter Eppo fand auch äußerlich seine Anerkennung in dem Vertrauen, das man dem Kloster schenkte, indem in Mallersdorf Jahrtag gestiftet wurden und viele Adelige durch Schenkung von Gütern zur Vermehrung des Besitzstandes beitrugen. Über der inneren wie äußeren Regierung Eppos waltete offenkundig Gottes segnende Hand. Nachdem er 21 Jahre dem Kloster vorgestanden hatte, rief ihn der Herr zur ewigen Vergeltung zu sich am 27. Juni 1143. Nach seinem Tod verbreitete sich sofort weit und breit der Ruf seiner Heiligkeit, der bis in unsere Tage dauert.

 

Wenn wir uns des seligen Eppo Leben und Wirken vergegenwärtigen, kommen uns unwillkürlich die Worte in den Sinn, die unser göttlicher Heiland in einer Parabel gebrauchte: „Wohlan, du guter und getreuer Knecht, weil du über Weniges getreu gewesen bist, will ich dich über Vieles setzen. Geh ein in die Freuden deines Herrn!“

 

Gebet nach dem heiligen Aloysius am 27. Juni

 

Heilige Jungfrau Maria, meine Mutter und Gebieterin, siehe, ich wende mich an dein erbarmendes Herz und übergebe dir Leib und Seele und alles, was an mir ist, und stelle es unter deine Obhut und unter deinen besonderen Schutz. Dir vertraue ich und deinen Händen überlasse ich alle meine Hoffnungen und Tröstungen, alle meine Freuden und Leiden, dir empfehle ich mein ganzes Leben und besonders sein Ende, auf dass durch deine heilige Fürbitte und durch deine Verdienste alle meine Werke nach deinem und deines Sohnes Willen geordnet und geleitet werden, und ich hoffen darf, zur Zahl der Auserwählten in den Himmel zu gelangen. Amen. 

 

Zu Gott

 

Möchten wir doch nie vergessen, o Gott, dass die wahre Hoheit nur von Dir kommt, damit wir nie durch irdische Rücksichten befangen, zum Bösen verleitet werden. Bewahre in uns die heiligende Gnade, o Jesus, die Du durch Erniedrigung bis zum Kreuzestod uns erworben hast, dann sind wir reich, dann glücklich genug. Amen.

 

Andacht am 27. Juni:

 

Das Thema im Juni:

Vom Gehorsam

"Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen." (Matthäus 23,3)

 

"Wer ein guter Ordensmann werden will, muss sich als das Lasttier des Klosters betrachten. Das Tier wählt sich nicht selbst die Last, die es tragen soll, sondern es fügt sich allem was man verlangt. Es geht und bleibt stehen nach dem Willen dessen, der es führt; es arbeitet bei Tag und sogar bei Nacht, wenn dies gefordert wird. Es trägt die Bürde, die man ihm auf den Rücken legt, ohne je zu sagen: Warum? oder wozu? es ist zu viel, oder es ist zu wenig!" (Der gottselige Abt Nesteron)

Diesen trefflichen Vorsatz fasste der heilige Abt, der soeben genannt wurde, als er ins Kloster trat; daher auch machte er in kurzer Zeit große Fortschritte in den Tugenden seines Standes und war sehr bald ein vollkommener Ordensmann. - Ein anderer heiliger Religiose sprach: "Ich bin da, anderen zu gehorchen und zu dienen und verlange auch nichts weiter." Auf eben demselben Weg gelangte auch der heilige Felix aus dem Kapuzinerorden zu dem hohen Stand der Heiligkeit, dass die Kirche ihn auf die Altäre erhob.

 

Mein Heiland, ich bin allerdings da, anderen zu gehorchen und zu dienen! Auch will ich allen gehorchen und der Diener aller zu sein, um Dir ähnlich und wohlgefällig zu werden! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 27. Juni

 

"Wenn ihr versucht seid,

so unterlasst das Gute nicht,

das ihr angefangen hattet,

ehe ihr die Versuchung empfunden habt."

 

hl. Vincenz Ferrerius OP

1350 bis 5.4.1419

 

Betrachtung am 27. Juni - Das heilige Abendmahl

 

Die Weisheit ruft zu ihrem Freudenmahl,

Und sieht mit Liebe alle ihre Gäste.

O sieh, auch dich beruft sie zu dem Feste.

So eile denn, und ehre ihre Wahl.

 

1. Ein großes Gastmahl ist das Abendmahl unseres Herrn, bei dem sein heiligster Fronleichnam als die Speise des ewigen Lebens vorgesetzt wird. Groß ist dies göttliche Gastmahl, weil groß derjenige ist, der es spendet, groß, weil zahllos die Gäste, die dazu eingeladen sind, da alle Auserwählten von Anbeginn der Kirche bis ans Ende der Zeiten daran teilnehmen, groß, weil überschwänglich die Gnaden sind, die er seinen Geliebten dabei spendet, groß schließlich ist es wegen des großen Herzensjubels reiner und heiliger Seelen, die über die innige Gegenwart ihres göttlichen Geliebten vor Liebe zerfließen und über sich selbst überglücklich werden.

 

2. So groß ist die Liebe des göttlichen Spenders dieses großen Abendmahles, dass er seine Knechte aussendet, alle dazu einzuladen. Von allen heiligen Stätten ertönt ihre Stimme. Sie rufen, sie ermahnen, sie drängen alle Gläubigen, aber ach, sie finden nur wenig Gehör. Einige wollen nicht kommen und entschuldigen sich. Andere bleiben aus, ohne sich zu entschuldigen. So sehr sind die meisten in Dinge dieser Erde vertieft, oder von fleischlichen Banden bestrickt, dass himmlische Dinge ihnen wie ein Fabellied klingen, und dass ihr Sinn nichts als Irdisches erfasst.

 

3. Wie also? Hat die unendliche Liebe umsonst sich erschöpft? Niemals! Kommen auch die Stolzen, die Weisen, die Reichen, die Mächtigen dieser Welt nicht zu dem Gastmahl des himmlischen Königs, so bleibt darum sein Tisch keineswegs leer. Er überlässt die Verächter ihrem blinden Sinn, und beruft an ihre Stellen Arme, Kranke, Blinde und Lahme, nämlich Arme im Geist, geistig Kranke, die ihr Elend fühlen, Blinde, die um Erleuchtung, Lahme, die um die Kraft zu ihm bitten, auf dem Weg des Lebens fortzuschreiten, und die bei seinem göttlichen Gastmahl Mittel gegen alle ihre Übel empfangen. Was also zögerst du? Lass durch deine Krankheiten dich nicht abhalten. Vielmehr sollen sie dir ein Antrieb sein, an diesem göttlichen Gastmahl so oft wie möglich teilzunehmen, denn nur dort wirst du Heilung und neues Leben empfangen. "Kommt, esst mein Brot, und trinkt den Wein, den ich euch gemischt habe." (Sprichwörter 9,5)

 

28. Juni

 

Die heiligen Märtyrer Potamiäna, + 28.6.207,

Leonidas, Vater des Origenes, + 22.4.202,

Plutarchus, + 202-07 und ihre Gefährten,

Fest: 28. Juni

 

Unter der Regierung des römischen Kaisers Severus brach in Ägypten, und besonders in der Stadt Alexandrien, eine Verfolgung gegen die Christen aus, in der zahllose Zeugen der Wahrheit die herrliche Krone der Martyrer erlangten. Diese grausame Verfolgung dauerte mit kurzen Unterbrechungen mehrere Jahre, weshalb hier mehrere Martyrer, die zwar nicht zur gleichen Zeit, aber an diesem Ort und in dieser Verfolgung den Martertod erlitten haben, zusammengestellt sind.

 

Leonidas war der Vater von sieben Söhnen und ein sehr eifriger Christ. Er wurde des christlichen Bekenntnisses wegen ergriffen und ins Gefängnis geworfen. Sehr merkwürdig ist, was die Geschichte zu diesem Anlass von seinem ältesten Sohn, der siebzehn Jahre alt war, und Origenes hieß, erzählt. Mit viel Sorgfalt wurde er, wie seine Geschwister, in seiner Jugend schon im Christentum unterrichtet und durch das ausgezeichnete Beispiel der Eltern im Glauben gefestigt. Als man seinen Vater in den Kerker geführt hatte, wurde der feurige junge Mann von so heftigem Verlangen ergriffen, in Fesseln und durch Marter und durch den Tod Zeugnis für Jesus Christus zu geben, der durch Leiden und Tod die Freiheit der Kinder Gottes und uns ewiges Leben erworben hat, dass er sich freiwillig den Feinden des Christentums ins Gefängnis und in den Martertod ausliefern wollte. Das dringende Zureden und die Bitten seiner Mutter hielten ihn einige Zeit von der Ausführung dieses Entschlusses zurück. Bald aber wurde sein Verlangen nach dem Martertod so heftig, dass weder Bitten noch Tränen imstande waren ihn zu bremsen. Die bekümmerte Mutter kam endlich auf den Gedanken, seine Kleider zu verstecken, und so nötigte sie ihn zu Hause zu bleiben. Während er gezwungen war das Haus zu hüten, beschäftigte er sich immerfort mit den Vorstellungen vom Glück der Märtyrer. Er schrieb die rührendsten Briefe an seinen Vater in das Gefängnis, in denen er ihn aufmunterte, im christlichen Bekenntnis standhaft zu verharren, und ihn dringend bat, dass er sich durch die Sorge um seine Kinder ja nicht wankend machen lassen solle.

 

Wenn der Vater dieser Ermunterung auch nicht bedurfte, so mussten doch solche Gedanken des geliebten Sohnes ihm größte Freude verschaffen und seine Bereitschaft und das Verlangen nach der Marterkrone noch mehr entflammen. Leonidas wurde als christlicher Martyrer enthauptet. Nach seinem Tod sah sich Origenes mit seiner Mutter und sechs jüngeren Brüdern in größte Armut versetzt, da das väterliche Vermögen von der heidnischen Obrigkeit eingezogen worden war. Eine reiche Frau nahm ihn in ihr Haus auf. Mit den großen Geistesgaben, mit denen er von der gütigen Vorsehung beschenkt wurde, und mit seinem rastlosen Fleiß machte er so große Fortschritte in den Wissenschaften, dass er allgemein bewundert wurde und bald öffentlichen Unterricht erteilte. Mit dem Unterricht in den weltlichen Wissenschaften verband er immer auch die Lehre des Heils durch das Christentum, weshalb ihm vom Bischof Demetrius die öffentliche Schule anvertraut wurde, in der diejenigen in der christlichen Lehre unterrichtet wurden, die sich zur Annahme des Christentums entschlossen oder es wirklich schon angenommen hatten. Jetzt entsagte er ganz dem Lehramt in den weltlichen Wissenschaften und widmete sich einzig dem heiligen Unterricht, mit einem Eifer, der auch heut zu Tage noch die höchste Bewunderung verdient. Er lebte so streng, dass er mit der täglichen Ausgabe von zwölf Kreuzern seine Bedürfnisse bestritt, übte sich in Fasten und strengen Abtötungen, widmete den Tag dem Unterricht und den Diensten der Liebe und den heiligen Schriften den größten Teil der Nacht. Die kurze, dem Schlaf bestimmte Zeit ruhte er nicht in einem Bett, sondern auf dem harten Fußboden. Der Statthalter Aquila quälte die Christen in harter Verfolgung. Währenddessen widmete sich Origenes in heiliger Liebe dem Dienst der gesamten alexandrinischen Christengemeinde. Er bekräftigte die Christen und Christinnen im Glauben, verkündete mit apostolischer Freimütigkeit den Heiden das Evangelium, besuchte die Bekenner Jesu Christi in ihren Fesseln, begleitete sie zum Verhör und zur Richtstätte und stand ihnen bei bis in den Tod. Dadurch erregte er gegen sich den bittersten Hass der Gegner der Christen. Sie rotteten sich zusammen, warfen Steine nach ihm, besetzten seine Wohnung mit Soldaten und misshandelten ihn sehr grausam auf verschiedene Weise mit der Absicht, ihn aus dem Weg zu räumen. Allein Gottes Hand schützte ihn und bewahrte sein für die Christen so kostbares Leben. Nicht nur durch seine Lehre, sondern durch seine gute Lebensweise gewann er unzählige Seelen für Jesus Christus. „Wie seine Lehre, so war auch sein Leben; und wie sein Leben, so auch seine Lehre“, sagt der Geschichtsschreiber Eusebius. Darum zog er unter dem mächtigen Einfluss der göttlichen Gnade so viele mit sich auf den Weg des ewigen Lebens.

 

Er sah bald einige seiner Jünger, die er dem Heidentum entrissen hatte, als Märtyrer sterben. Plutarchus war der erste, den er zum Glauben an den Sohn Gottes geführt hatte, und unter seinen Jüngern auch der erste Märtyrer. Origenes besuchte ihn im Gefängnis und verließ ihn bis zum Tod nicht. Bis zum letzten Atemzug stand er ihm bei und würde deswegen vom Volk, das ihm den Tod dieses jungen Mannes anrechnete, getötet worden sein, wenn nicht eine besondere göttliche Fügung ihn auch diesmal beschützt hätte. Der zweite Märtyrer von den Schülern des Origenes war Serenus, dessen Glaube im Feuer geprüft und bewährt befunden wurde. Der dritte war Herazides und der vierte Heron. Alle wurden durch das Schwert hingerichtet. Einer war erst getauft worden, einer war aber noch Katechumene, also durch die Bluttaufe Jesu Christi geheiligt. Ein anderer Schüler von Origenes, der auch Serenus hieß, duldete viele Marter und wurde schließlich enthauptet.

 

Auch Frauen aus der Schule des Origenes erkämpften sich in dieser Verfolgung die Marterkrone. Herais erhielt die Taufe durch das Feuer, das heißt, sie war noch Katechumen und wurde lebendig verbrannt.

 

Potamiäna war die Magd eines heidnischen Herrn, der von dem wilden Feuer der Wollust ganz beherrscht wurde. Er ließ sich von ihrer einzigartigen Schönheit betören und machte ihr die schändlichsten Anträge, die er durch Bitten und Versprechungen durchzusetzen versuchte. Die heilige Jungfrau widersetzte sich ihm mit fester Standhaftigkeit. Sie ließ sich durch keine Bitten bewegen, durch keine Versprechung blenden und durch keine Drohung erschrecken, sondern war entschlossen, eher das Leben, als den köstlichen Schatz der Unschuld zu verlieren. Darüber geriet der wollüstige Mann in Wut, überlieferte sie dem Statthalter mit einer Summe Geldes und mit der Bitte, sie durch Schrecken zu bewegen, dass sie sich seiner Lust ergebe, sie aber, wenn sie sich nicht dazu entschließen wollte, töten zu lassen. Der unmenschliche Statthalter ließ sie verschiedene grauenvolle Marter erdulden und drohte ihr schließlich, dass er sie den wilden Lüsten der Schergen preisgeben werde, wenn sie nicht Christus verleugnen und ihrem Herrn gehorsam sein wolle. Sie gab darauf eine Antwort, die für die Heiden wie eine Lästerung war. Sogleich erhielt ein Soldat, Basilides mit Namen, den Befehl, sie zur Hinrichtung abzuführen. Sie sollte entkleidet und in einen Kessel voll siedenden Peches verbrannt werden; dies war die schreckliche Todesstrafe, die der grausame Richter aussprach. Die schamhafte Jungfrau fürchtete sich mehr vor der schamlosen Entkleidung, als vor der schmerzlichen Todesstrafe. Sie bewog deshalb den Richter durch ihre dringenden Bitten, dass ihr die Kleider am Leib gelassen wurden. Sie wurde nun wirklich in das siedende Pech eingetaucht, zuerst mit den Füßen und nach und nach tiefer, bis es das Haupt erreichte und sie ihren Geist aufgab. Auch Marzella wurde durch den Martertod vollendet.

 

Als Potamiäna zum Marterplatz geführt wurde, drängte sich das Volk mit großem Ungestüm hinzu und stieß Schmähungen und unzüchtige Worte gegen sie aus. Der Soldat Basilides schreckte das Volk zurück und erwies sich gegen sie mitleidig und freundlich. Die heilige Martyrin wurde gerührt durch dieses Betragen des Kriegers und sprach zu ihm, er solle guten Mutes sein, sie werde nach ihrem Tod Gott für ihn bitten, der ihm seine an ihr erwiesene Menschenfreundlichkeit gewiss vergelten würde.

 

Bald nach ihrem Tod geschah es, dass die Mitsoldaten den Basilides zu einem Eid veranlassen wollten. Er erklärte, dass er nicht schwören dürfe, weil er ein Christ sei. Die Soldaten glaubten, dass er scherze. Als er aber auf dem Bekenntnis, ein Christ zu sein, verharrte, wurde er vor den Richterstuhl geführt, und weil er auch da den heiligen Glauben bekannte, in Fesseln gelegt und ins Gefängnis geworfen. Mehrere Gläubige besuchten ihn im Gefängnis und fragten ihn nach der Ursache seiner plötzlichen Bekehrung. Diesen erzählte er, Potamiäna sei ihm 3 Tage nach ihrem Martertod bei Nacht erschienen, habe ihm einen Kranz auf das Haupt gesetzt und erzählt, dass sie für ihn beim Herrn gebetet habe, dass sie erhört worden sei und dass er in Kürze bei ihr sein werde. Basilides wurde hierauf von den Gläubigen im Gefängnis getauft, legte am folgenden Tag vor dem Statthalter ein herrliches Bekenntnis von Jesus Christus ab und wurde enthauptet.

 

Der heilige Irenäus, Kirchenlehrer Bischof und Martyrer von Lyon,

+ 28.6.202 - Fest: 28. Juni

 

Man hätte im Heiligenkalender wohl kaum einen anderen finden können, der so würdig wie Irenäus den morgigen Festtag Peter und Paul einläutet.

 

Der heilige Irenäus wurde um das Jahr 140 in Kleinasien von griechischen Eltern geboren, besaß hervorragende Geistesanlagen und genoss eine vortreffliche Ausbildung, so dass er zu den gescheitesten Männern seiner Zeit gehörte.

 

Von den Aposteln lebte damals keiner mehr, wohl aber gab es vereinzelt noch Apostelschüler, das sind solche, welche die heiligen Apostel und mindestens den heiligen Apostel Johannes, der um das Jahr 100 starb, noch gekannt und von ihnen die christliche Lehre aus erster Quelle erhalten hatten.

 

Irenäus ließ es sich angelegen sein, alle damals noch lebenden Apostelschüler aufzusuchen, und besonders lange weilte er bei dem heiligen Polykarp, der fünfzig Jahre vorher vom heiligen Apostel Johannes die Bischofsweihe empfangen hatte. Alles diese Männer forschte Irenäus aus nach dem, was die Apostel mündlich gelehrt hatten, und was er da von den Apostelschülern hörte, schrieb er sorgfältig nieder.

 

Dadurch hat Irenäus der Kirche einen großen Dienst erwiesen, denn die christliche Lehre ist nicht nur im geschriebenen Wort der Heiligen Schrift, sondern auch in den mündlichen Unterweisungen und Predigten der Apostel enthalten. Dadurch hat uns also der heilige Irenäus sicherlich einen großen Dienst erwiesen, dass er die mündliche Lehre der Apostel bei den damals noch lebenden Apostelschülern erforschte und sammelte.

 

Wie notwendig die Sammlung der mündlichen Überlieferung war, sollte sich bald zeigen, denn es traten unter den Christen Irrlehrer auf, die sagten, dass für den Glauben die Heilige Schrift allein maßgebend sei, welche diese Leute dazu auch noch nach eigenem Kopf mit ihrem beschränkten Verstand auslegten, ohne sich um die Auslegung der Kirche zu kümmern, die doch die Grundsäule und Grundfeste der Wahrheit ist. Es war ohne Zweifel eine gefährliche Irrlehre, welche vor allem die Einheit unter den Christen gefährdete. Da erhob sich Irenäus gegen die Glaubensverfälscher und wies an Hand der von ihm gesammelten Aussagen der Apostelschüler nach, dass sich der Glaube nicht nach der Bibel allein richten darf, sondern auch nach der mündlichen Überlieferung gestaltet werden muss, und zwar in der Form, wie beide, Bibel und Überlieferung, von der Kirche in Rom ausgelegt werden, die vor allen anderen Kirchen den höchsten Vorrang besitzt.

 

So verteidigte Irenäus die mündliche Überlieferung gegen die Glaubensverwässerer, kämpfte für den Frieden unter den Gläubigen und die Einheit der christlichen Welt unter dem obersten Hirten in Rom und stellte sich gleichsam schützend vor die Apostelfürsten Petrus und Paulus, weswegen ihm als ihrem Herold auch mit Fug und Recht die Ehre gebührt, dass sein Fest vor ihrem Fest am morgigen Tag gefeiert wird.

 

Die weiteren Schicksale des heiligen Irenäus sind in drei Worten schnell berichtet, denn er wurde Priester, Bischof und Martyrer.

 

Was also der heilige Irenäus uns heute an seinem Fest, am Vortag von Peter und Paul, zur Beherzigung vorlegt, ist die Tatsache, dass der wahre christliche Glaube auf der Bibel und auf der mündlichen Überlieferung in der Weise beruht, wie beide, Bibel und Überlieferung, von der römischen Kirche ausgelegt und zu glauben befohlen werden. Deshalb beten wir heute mit der Kirche:

 

„O Gott, du hast deinem heiligen Martyrer und Bischof Irenäus die Gnade verliehen, durch die Wahrheit seiner Lehre die Irrtümer zu überwinden und erfolgreich den Frieden der Kirche zu festigen; wir bitten dich daher: gib deinem Volk Standhaftigkeit im heiligen Glauben und spende unseren Zeiten deinen Frieden. Amen.“

 

Der heilige Heimerad (Heimrad), Priester und Einsiedler bei Kassel,

+ 28.6.1019 – Fest: 28. Juni

 

Heimerad wurde zu Meßkirch im Allgäu um 970 geboren. Von seinem Jugendleben ist wenig bekannt. Zum Priester geweiht, war er anfangs Hausgeistlicher bei einer adligen Matrone. Als diese aber noch einen anderen Priester annahm, verließ er sein Vaterland, um anderswo sein Glück zu versuchen. Zunächst reiste er nach Rom zu den Gräbern der Apostel Petrus und Paulus, und kehrte von da in seine Heimat zurück. Bald darauf wallfahrtete er nach Palästina und verehrte mit besonderer Herzenswärme die heiligen Stätten der Geburt, des Leidens und Todes, der Auferstehung und Himmelfahrt des göttlichen Heilandes. Wie viele Tugenden er aus dieser Reise schöpfte, wie tief er sich das Leiden des Erlösers einprägte, zeigte sich in der Folge in jener bewunderungswürdigen Geduld, mit der er alle Schmähungen und Unbilden, Geißeln und schmerzliche Schläge nicht nur gern ertrug, sondern sogar wünschte.

 

Diesem Wunsch fehlte die Gelegenheit nicht, denn sein ganzes Leben war fortan nur Kreuz und Martyrium. Im Kloster Memleben an der Unstrut in Thüringen traf ihn Arnold, Abt von Hirschfeld, und lud ihn ein, in seinem Kloster das Mönchsleben kennen zu lernen. Heimerad stimmte zu und übte eine Zeit lang die Lebensweise der Mönche, ohne jedoch das Ordenskleid zu nehmen. Da ihm das dortige Leben nicht zusagte, bat er demütig um Entlassung. Der erzürnte Abt setzte ihn unsanft vor die Tür. Im nächsten Gasthaus äußerte Heimerad, dem Abt scheine der Adel seines Geschlechtes unbekannt zu sein; er sei der Sohn eines großen Königs, nämlich der Adoptivsohn Gottes und der Bruder Christi, des Königs der Könige. Als geschwätzige Zungen diese Rede dem Abt hinterbrachten, ließ dieser ergrimmt Heimerad zurückrufen, an einen Pfahl binden und von einem Henkersknecht derart auspeitschen, dass er einem Geschundenen ähnlich sah. Dennoch rief er unter dem Hagel von Hieben nur die Worte Davids: „Erbarme dich meiner, o Gott, nach deiner großen Barmherzigkeit und nach der Menge deiner Erbarmungen tilge meine Missetat!“ Als er losgelöst ein wenig in der Hütte einer armen Frau saß, die ihr Mitleid äußerte, sprach er: „Frau, höre auf, mein Schicksal zu beklagen, beweine vielmehr deine Sünden, das wird dir mehr nützen“

 

Von Hirschfeld vertrieben, zog sich Heimerad in das Dorf Kirchberg bei Fritzlar zurück. Als aber bald darauf die dortige Kirche beraubt wurde, sollte er sich verantworten, er aber schwieg zu allen Verleumdungen und wurde deshalb mit Schimpf von den Bauern vertrieben. Durch Westfalen irrend, kam er nach Detmold, der späteren Hauptstadt der Fürsten von der Lippe. Dort waren zwei Kirchen, eine alte und vernachlässigte, und die Pfarrkirche mit einem Pfarrer und einem übelberüchtigten Vikar. Heimerad erhielt die alte Kirche zum Privatgottesdienst und zur Hilfeleistung in der Seelsorge. Als die Bewohner die außerordentliche Heiligkeit Heimerads bemerkten, strömten sie in großer Zahl zu ihm hin und brachten ihm viele Geschenke und Opfer. Diese verteilte er reichlich unter die Armen, während er selber zu Hause Hunger litt und gewöhnlich nur Wasser und Brot genoss. Darüber ergrimmten die beiden anderen Geistlichen, schmähten ihn und hetzten ihn zuletzt mit Hunden aus dem Ort.

 

Der Gottesmann lenkte seine Schritte nach Paderborn, wo sich damals Kaiser Heinrich II. mit seiner jungfräulichen Gemahlin Kunigunde aufhielt. Dort erwartete ihn neue Schmach. Als er mit runzligem Gesicht und abgetragenen Kleidern vor Bischof Meinwerk erschien, erzürnte er sich und rief: „Woher kommt dieser Schmierteufel an diesen Ort?“ Heimerad antwortete sehr bescheiden: „Ich habe keinen Teufel, ich bin ein Priester des höchsten Gottes und habe noch heute die heiligen Geheimnisse gefeiert.“ Der Bischof forderte seinen Erlaubnisschein, und als er ihn sehr vergilbt und beschmutzt fand, warf er ihn ins Feuer und ließ den Unschuldigen mit grausamen Schlägen züchtigen. Aber in bewunderungswürdiger Geduld ertrug er alle Peinen und Schmähungen so gleichmütig, dass er nicht einmal seufzte, sich vielmehr freute, eingedenk der Worte Christi: „Das Himmelreich leidet Gewalt und nur die, die Gewalt brauchen, reißen es an sich.“

 

Endlich gewährte Gott seinem treuen Diener ein Ruheplätzchen nicht weit von Kassel in Hessen auf dem Berg Hasung. Der Heilige sah diesen Ort mit denselben Augen an, mit denen der Patriarch Jakob die Stelle beschaute, auf der ihm die Himmelsleiter erschien. Gern wurde ihm der Platz gewährt und in kurzer Zeit wurde die Gastfreundschaft und Heiligkeit Heimerads so berühmt, dass Hohe und Niedere, Reiche und Arme ihn als Führer zum ewigen Heil aufsuchten.

 

Einst lud Graf Didico von Warburg zur Feier des heiligen Apostels Andreas, des Patrons der dortigen Kirche, den Bischof Meinwerk und auch Heimerad, ohne zu wissen, wie er früher von ihm behandelt worden war. Als der Bischof bei Tisch den Heimerad sich gegenüber sah, glaubte er, der Graf wolle ihn verspotten. Der Graf entschuldigte sich mit Unkenntnis des Vorfalls, beteuerte aber zugleich die Heiligkeit des Priesters. Der Bischof entgegnete: „Er trägt zwar den Schein der Tugend, besitzt aber nach meiner Meinung keine Tugend. Wie dem aber auch sei, morgen werde ich darüber Gewissheit erhalten beim Kirchengesang, denn entweder wird er beim Hochamt das Alleluja singen, oder, wenn er es nicht recht macht, wieder seinen Rücken für Schläge herhalten..“ Der Graf und noch mehr Heimerad wandte ein, seine Stimme sei nicht geschult und er kenne keine Noten. Da aber der Bischof unbeugsam blieb, fügte sich Heimerad seinem Willen und sang am anderen Morgen so richtig und schön, dass alle Zuhörer nicht einen Menschen, sondern einen Engel vom Himmel zu hören glaubten. Der erstaunte Bischof fiel nach beendigtem Hochamt dem Heimerad zu Füßen, bat ihn um Verzeihung und war von der Zeit an dem demütigen Diener Gottes sehr zugetan.

 

Der Name Heimerads wurde bald weit und breit bekannt und vom Volk der Sachsen hochverehrt. Als er einst in der Vorhalle der Kirche ruhte, stieg plötzlich ein ganzes Heer von Ameisen an ihm herauf. Staunend, dass ihm nichts geschah, weckten ihn die Herzugetretenen. Er aber sprach: „Es ist keine Gefahr, fürchtet nichts, denn wie ihr jetzt das Ameisenheer, ein Bild der Zukunft, über mich kommen seht, so werdet ihr bald nach meinem Tod Menschen aus allen Nationen mit Gelübden und Opfern zu diesem Berg steigen sehen.“

 

Einst rief ihn ein frommer Mann aus der Nachbarschaft, der eine große Liebe zu dem Heiligen hegte, zu seinem Haus, zeigte ihm seinen toten Hahn, den ein boshafter Junge mit einem Stein totgeworfen hatte, und klagte sehr über den Verlust des Tieres, das ihn an jedem Morgen zum Gottesdienst geweckt hätte. Gerührt von der Klage des armen Mannes, erhob der Diener Gottes seine Rechte, machte das Kreuzzeichen und sogleich stand der Hahn gesund auf, als wäre er nie verletzt gewesen.

 

Als er einmal in dem Dorf Elsen die heilige Messe las, wurde er im Geist entzückt. Erst am Abend kehrte er wieder zu sich zurück und vollendete die heilige Messe. Nach der Messe bewirtete er, wie gewöhnlich die Fremden. Da fragten ihn einige, warum er so lange bei der heiligen Messe verweilt habe? Er antwortete: „Zu der Zeit war ich nicht zugegen. Ich schien euch dem Leib nach gegenwärtig, aber ich folgte einer Sendung des Geistes Gottes.“ O glückliche Seele, die schon auf Erden mit den Geistern des Himmels verkehrt!

 

Als die Zeit seines endgültigen Abschiednehmens herannahte, schien Heimerad im Geist entrückt zu sein. Die Umstehenden trauerten bereits und weinten um ihn. Er fragte sie: „Warum weint ihr?“ Sie antworteten: „Wir beklagen deinen Tod.“ Er erwiderte: „Freut euch, so als ginget ihr zur Hochzeit und Festlichkeit, die ihr bald auf diesem Berg feiern werdet. Nach nicht langer Zeit werdet ihr an diesem Ort ein Kloster errichtet sehen und eine Menge Brüder, die sich zum heiligen Dienst versammeln.“ Am 28. Juni 1019 legte er das Gewand der Sterblichkeit ab, um das himmlische anzulegen, wie augenfällige Wunder und Zeichen an seinem Grab bekunden.

 

Elf Tage nach dem Heimgang des heiligen Heimerad ging ein glaubensloser Mann, namens Benno aus Hessen, an seinem Grab vorüber, verhöhnte und verlachte ihn. Sogleich fuhr der Teufel in ihn. Als seine Angehörigen ihn zum Grab des Gottesmannes führten und mit Fasten und Beten Tag und Nacht für ihn anhielten, entfloh der böse Feind und Benno empfing seine frühere Gesundheit und Geistesfreiheit zurück.

 

Zwei Gichtbrüchige, namens Poppo und seine Frau Machtild aus Friesland, flehten am Grab des heiligen Bekenners inbrünstig und gläubig um Heilung von ihrem schmerzlichen Übel, und wurden vollständig geheilt. – Im Lauf der Zeit pilgerten immer mehr Hilfsbedürftige zum Grab des Heiligen, Blinde ließen sich hinführen, Gichtkranke und Gelähmte ließen sich hintragen oder fahren, Taube, Aussätzige, vom Teufel Besessene und Kranke aller Art suchten und fanden Genesung durch die Fürbitte des Heiligen. Besonders an seinem Todestag strömte eine Menge Volkes zu der Kirche, in der die Reliquien Heimerads ruhten. An einem einzigen Tag erhielten dort zweiunddreißig Kranke in Gegenwart der Geistlichkeit und des Volkes plötzlich ihre Gesundheit in wunderbarer eise zurück. So ehrt der Herr seine treuen Diener, um die Gläubigen zur Nachfolge ihrer Tugenden zu ermuntern. Welche Wonne, welche Ehre und Herrlichkeit wird dort oben die treuen Diener Gottes krönen, die in Kämpfen und Leiden treu aushielten und die Perlen edler Tugenden zu einem Königsdiadem um ihr Haupt wanden!

 

Gebet am 28. Juni

 

O meine Königin und Mutter Maria, um meiner Sünden willen verdiene ich, dass du mich verstößt, dass du mich strafst, weil ich es so verdient habe, aber wenn du mich auch von dir stößt, wenn du mich auch töten solltest, so will ich doch mein Vertrauen auf dich nicht verlieren, so will ich doch noch hoffen, dass du mich retten wirst. Auf dich setze ich all mein Vertrauen, und wenn ich nur vor einem deiner Bildnisse sterben, wenn ich mich nur dann dir anempfehlen kann, so hoffe ich voll Zuversicht, dass ich nicht verloren gehe, sondern dass ich dich im Himmel loben werde, vereinigt mit der großen Zahl deiner Diener, die in ihrer Todesstunde dich um Beistand angerufen haben, und die alle durch deine mächtige Fürbitte selig geworden sind. Amen. 

 

Zu Gott

 

Gott, Du bist unser höchster Gebieter. Alle Gewalt kommt von Dir. Wegen Deines Wortes unterwerfen wir uns gehorsam der über uns gesetzten Obrigkeit. Leite und führe Du aber Vorgesetzte  und Untergebene so, dass Dein heiliger Wille in allem geschehe, und unser zeitliches und ewiges Heil befördert werde. Amen. 

 

Andacht am 28. Juni:

 

Das Thema im Juni:

Vom Gehorsam

"Tut und befolgt also alles, was sie euch sagen." (Matthäus 23,3)

 

"Wer Gehorsam versprochen hat, der lasse gleich einem Toten von der Vorsehung sich lenken, deren Organ der Vorgesetzte ist. Ein Zeichen, dass der Mensch tot ist, ist: dass er nicht sieht, nicht fühlt, nicht antwortet, nicht klagt und nicht äußert, er will lieber dies als anderes; sondern dass er sich dahin bringen lässt, wohin man will und wie man will. Nach diesem Maßstab prüfe, ob dein Gehorsam vollkommen ist." (Der heilige Ignatius von Loyola)

Am Tag, an dem die heilige Magdalena von Pazzi zum ersten Mal das Ordensgewand anzog, warf sie sich der Oberin demütig zu Füßen, übergab ihr ihren ganzen Willen und sprach: "Von nun an will ich in Ihren Händen sein gleich einem Toten; schalten Sie also mit mir, wie es Ihnen beliebt; nie werde ich Ihnen, worin immer es sei, widerstehen. Fürchten Sie ja nicht, ich bitte Sie darum, mich zu erniedrigen und abzutöten!" Die Heilige hielt Wort und war ihrem Willen dergestalt erstorben, dass sich von ihr sagen ließ, sie habe gar keinen Willen.

Surius führt in dem Leben der heiligen Melania ein Beispiel an, das diese Heilige ihren Klosterfrauen öfters zu erzählen pflegte. "Ein Jüngling", sprach Sie, "kam einst zu einem Altvater der Wüste und bat diesen, ihn zum Jünger aufzunehmen. Der Heilige, der ihm zeigen wollte, in welcher Gemütsstimmung ein Mensch sein muss, der dem klösterlichen Leben sich weihen will, befahl ihm, eine Bildsäule zu prügeln, die nicht weit von seiner Zelle stand. Da nun der Jüngling dem Befehl nachgekommen war, befragte ihn der Altvater, ob das Standbild ihm Widerstand getan oder sich beklagt hat. Der Jüngling verneinte die Frage. Hierauf befahl der Altvater ihm, von neuem anzufangen und den Schlägen noch Schimpfworte beizugeben. Dies geschah bis zum dritten Mal. Hierauf fragte der Greis ihn, ob die Bildsäule irgend eine Ungeduld oder Rachsucht gezeigt hat; er aber antwortete ihm: sie hat dies nicht getan, weil sie eine Bildsäule und eben darum gefühllos sei. Da sprach der Gottesmann zu dem Jüngling: Wenn du ohne Murren, ohne Klage und ohne Widerstand dulden kannst, dass ich mit dir umgehe, wie du mit diesem Standbild, so magst du bleiben und mein Jünger sein; vermutest du aber, dass du nicht imstande bist, alles zu leiden, so kehre zurück, denn nimmer bist du für das geistliche Leben geeignet."

 

Mein Gott, ich ersterbe meinem Willen, und verlange keinen mehr zu haben; mein Wille sei der Deine! Lass mich in Deinen Händen gleich dem Wachs sein, das jede Gestaltung annimmt, die Du ihm geben willst! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 28. Juni

 

"Wenn der Wind das Stroh vom Korn wegreißt,

so war es ihm nicht fest verbunden.

Da der Herr nun will, dass wir ihm fest verbunden sind,

hat er uns sich mit dem unzerstörbaren Kitt seiner Liebe vereint."

 

sel. Jordanus von Sachsen OP

1200 bis 13.2.1237

 

Betrachtung am 28. Juni - Über einen Ausspruch des heiligen Aloysius

 

O Licht der Ewigkeit, erleuchte mich, 

Durchdringe meines Herzens innern Sinn:

Denn wirke ich getreu, beseelt durch dich,

Bringt mir die Arbeit seligen Gewinn.

Nur was für dich geschieht, ist ewig gut,

Und Spreu ist alles andre für die Glut.

 

1. Der heilige Aloysius, dies Wunder der Heiligkeit, war so sehr von seiner glorreichen, ewigen Bestimmung durchdrungen, dass er von frühester Kindheit an alle seine Gedanken auf dies große Ziel richtete, und auf alle Reden über Dinge dieser Welt zu sagen pflegte: "Was hat dies mit der Ewigkeit gemein?" Beherzigen wir diesen Ausspruch, und wenden auch wir bei allen Dingen ihn an, die unser Heil nicht fördern, und wir werden in kurzer Zeit große Fortschritte auf dem Weg der Vollkommenheit tun. Als höchst unbedeutend betrachtete er seinen Adel, seine Erstgeburt und die Strenge des klösterlichen Lebens gegen die Ewigkeit. Bereut er etwa nun sein Urteil in der unendlichen Glorie des Himmels?

 

2. "Was hat dies mit der Ewigkeit gemein." Wohin zielen unsere Pläne, unsere Absichten, unsere Unternehmungen, unsere Gedanken bei Tag und Nacht? Zielen sie nicht nach der Ewigkeit, so zielen sie nach der Verwesung. Die Tätigkeit des Kaufmanns, die Arbeiten des Handwerkers, die Pläne des Ehrsüchtigen, die ihre ganze Denkkraft für ihren zeitlichen Gewinn aufbieten: was haben sie mit der Ewigkeit gemein? Unermesslich war die ewige Ernte dieses großen Heiligen, da alle seine Gedanken, Begierden und Werke Saatkörner für die selige Ewigkeit waren. Was aber werden wir ernten, die wir so sparsam, und überdies so viel Unkraut mit dem guten Samen aussäen?

 

3. Was ist ein kurzes, von so vielen Übeln durchkreuztes Erdenglück, und würde es fünfzig, ja hundert Jahre dauern, gegen diese unendliche, selige Ewigkeit. Betrachte die glorreichen Siegeskronen der Heiligen, und ermutige dich, sie zu verdienen. Dadurch gelangte Aloysius in kurzer Zeit zur erhabensten Heiligkeit. Befrage dich bei allem, was du tust: "Was hat dies mit der Ewigkeit gemein?" Ein Psalm Davids: "Die ewigen Jahre sind mir in den Sinn gekommen; bei Nacht habe ich sie in meinem Herzen betrachtet, und habe darin meine Übung gehabt."

 

29. Juni

 

Die heiligen Apostel Petrus,

Simon, Fischer, Apostelfürst, 1. Papst und Martyrer von Rom,

+ 29.6.67,

und Paulus, Saulus aus Tarsus, Völkerapostel und Martyrer von Rom,

+ 29.6.67

Fest: 29. Juni

 

In der ganzen katholischen Welt, vorzugsweise aber in Rom, dem Mittelpunkt der Christenheit, wird das heutige Fest der Apostelfürsten Petrus und Paulus mit Recht wie ein zweites Osterfest gefeiert, denn im Martertod der beiden Glaubenszeugen wurde der Sieg Christi auch über das Heidentum grundgelegt. Ihr Sterbetag war der Ostertag des christlichen Rom und der Geburtstag des christlichen Abendlandes. Wie ein zweites Osterfest ist der heutige Tag.

 

Der heilige Apostel Petrus:

 

Da fährt vor zweitausend Jahren ein Boot auf den See Genezareth hinaus. Die Fischer werfen die Netze zum Fang aus. Tag für Tag tun sie es. Unter den Männern, die da mit Netz und Angel ihr Handwerk betreiben, ist einer, der Simon heißt, ohne Schulbildung, hitzig und blitzig im Wesen, aber ein kerniger Mann, ein Geradeaus, treuherzig und dienstbereit und im Übrigen nur einer von den vielen. Alles in allem, Simon, der Sohn des Jonas, ist ein unbekannter Fischer in einem verlorenen Winkel der Welt, über den nach dem Tod die Zeit hinweggehen wird, wie die Wellen des Sees die Spur seiner Barke verschlingen.

 

Doch da taucht eines Tages im Blickfeld des galiläischen Fischers ein Mann auf, der schon bald weitum im Land ein Stein des Anstoßes für die einen und für die anderen die Beseligende Erfüllung einer jahrhundertealten Sehnsucht sein wird. Diesem Einzigen und Herrlichen begegnet der unbekannte Fischer Simon, und als er ihm begegnet, legt der andere in freier Gnadenwahl die Hand auf ihn und nimmt ihn für sich so ausschließlich in Beschlag, dass er ihm sogar einen neuen Namen gibt. Simon hieß der Fischer, Petrus wird der Menschenfischer heißen, Petrus der Fels, auf den der Herr seine Kirche bauen will.

 

Es war ein etwas wackeliger Fels, dieser Simon Petrus, denn alle Liebe und Hingabe, die er ehrlich und herzlich in männlich schöner Art dem Meister entgegenbringt, können es nicht verhindern, dass derjenige, der kurz zuvor Treue bis in den Tod geschworen hat, im Augenblick der Gefahr bei der Gefangennahme Jesu schmählich flieht und eine Stunde später dreimal steif und fest behauptet, dass er diesen Menschen nicht einmal kenne.

 

Ein wackeliger Fels war Petrus, aber trotzdem hat ihn der Herr, weil er ihn zum Eckstein auserlesen hatte, nicht verworfen, sondern auf ihn seine Kirche gebaut, groß und mächtig, und siehe da, wenn Menschen ohne Gott selbst auf Granit bauen, stürzt der Bau einmal zusammen. Wenn aber Gott auf einen wackeligen Felsen baut, so hält der Bau jahrtausendelang.

 

So war es bei Petrus. Bitter hat derjenige, den der Herr des größten Vorzuges würdigte, seine Untreue bereut, und die Reue hat er mit dem Blut im Martertod besiegelt, froh, dass er wie der Meister gekreuzigt wurde und dass ihm die Gnade zuteil wurde, mit dem Haupt nach unten gekreuzigt zu werden, weil er sich der Ehre nicht würdig hielt, auf die gleiche Weise wie der Herr zu sterben.

 

Als dann Petrus an der Stätte, wo er gerichtet, auch begraben wurde, war das Fundament gelegt, fest und stark und unzerstörbar, so dass darauf der herrlichste Dom, den es auf Erden gibt, errichtet werden konnte, in dessen Kuppelwölbung mit goldenen Buchstaben die für alle Zeiten unlöschbaren Worte stehen: „Du bist Petrus, der Fels. Auf diesen Felsen will ich meine Kirche bauen, und die Pforten der Hölle werden sie nicht überwältigen.“

 

Doch Sankt Peters Dom zu Rom, wie herrlich und groß er auch sein mag, ist nur ein schwaches Abbild jener weit herrlicheren und größeren unsichtbaren Kirche, welche die gesamte Christenheit darstellt. Auch diese Kirche, die sich über alle fünf Weltteile erstreckt, ist gebaut und steht fest begründet auf dem Felsenmann Petrus, der ehedem ein unbekannter Fischer war, dann aber durch die Gnade Gottes seit zweitausend Jahren das Fundament ist, auf dem die Kirche steht, von der Christus gesagt hat, dass die Pforten der Hölle sie nicht überwältigen werden.

 

Der heilige Apostel Paulus:

 

Etwa um die Zeit, da der zwölfjährige Jesus mit Maria und Josef zum Tempel nach Jerusalem wallfahrtete, erblickte weitab in der kleinasiatischen Stadt Tarsus ein Kind das Licht der Welt, dem die Eltern in Anlehnung an die Heilige Schrift des Alten Testamentes den Königsnamen Saul gaben, und ein Fürst ist der Junge auch geworden, ein Fürst im Reich des Christkönigs, einer von den beiden Apostelfürsten.

 

Sauls Eltern waren strenggläubige Israeliten, die den Sohn in der Ehrfurcht vor dem Herrn erzogen, so dass der zwanzigjährige junge Mann, der für den Lebensunterhalt das schwere Zeltweberhandwerk erlernt hatte, nach Jerusalem übersiedelte und sich an der dortigen jüdischen Hochschule im Gesetz unterrichten ließ, um später als Gesetzeslehrer zu wirken. Es geschah das um die gleiche Zeit, da der Heiland öffentlich auftrat und den Kreuzestod starb.

 

Saulus hat damals den Erlöser nicht gefunden, denn er gehörte zu den halsstarrigen Juden, die den Messias nicht annahmen, sondern sich ihm widersetzten, und als sich nach dem Pfingstfest die Kirche Jesu Christi unter dem jüdischen Volk ausbreitete, entwickelte sich Saulus zu einem eifrigen Verfolger, der alle Christen, die er ausfindig machen konnte, dem Hohen Rat, der obersten Gerichtsbehörde in Israel, mit Lust und Wonne anzeigte.

 

Als Stephanus, der erste Martyrer, gesteinigt wurde, übergaben diejenigen, die ihn töteten, dem Saul die Kleider zum Aufbewahren, und höhnisch lächelnd, schaute der junge Gesetzeslehrer dem grausamen Werk der Steinigung zu. Kurze Zeit später war Saulus mit einem polizeilichen Aufgebot nach Damaskus unterwegs, um auch die dortigen Christen aufzuspüren und anzuzeigen.

 

Als allerdings der blindwütige Mann in Damaskus anlangte, war er kein Christenverfolger mehr, denn Christus war ihm unterwegs erschienen und hatte in einem einzigen Augenblick an ihm das Wunder der Bekehrung vollbracht. So gut ist das Herz des Heilandes, dass es sich selbst der ärgsten Feinde huldvoll erbarmt.

 

Saulus wurde Christ und ließ sich fortan Paulus nennen, das heißt auf Deutsch „der Geringe“, aber aus dem Geringen wurde später einer, der mit Petrus zu den beiden Apostelfürsten zählt. Es ist fast unglaublich, was der ehemalige wütende Christushasser in einer grenzenlosen Christusliebe geleistet hat, um das Evangelium des Gekreuzigten den Juden und den Heiden zu verkündigen.

 

Etwa fünfzehn Jahre lang war der körperlich schwache und stets kränkelnde Mann auf Missionsreisen unterwegs. Aneinandergereiht, legte Paulus zu Land einen Weg zurück, der zehnmal der Strecke von München nach Rom entspricht, und die Reisen des Heiligen zur See machen viermal die Entfernung von Rom nach Jerusalem aus. Von den unvorstellbaren Mühen dieser Missionsreisen aber erzählt der Apostel selbst:

 

„Vielerlei Mühen habe ich erduldet, häufige Kerkerhaft, Misshandlungen über alle Maßen und oftmals Todesgefahr. Fünfmal empfing ich von den Juden vierzig Streiche weniger einen. Dreimal wurde ich mit Ruten geschlagen, einmal gesteinigt, dreimal litt ich Schiffbruch, einen Tag und eine Nacht trieb ich auf hoher See. Reisen in großer Zahl, Gefahren in Flüssen, Gefahren von Räubern, Gefahren von meinem Volk ... Mühsal und Elend, schlaflose Nächte, Hunger und Durst, häufiges Fasten, Kälte und Blöße ...“

 

So berichtet derjenige, der sich selbst den Geringsten unter den Aposteln nennt, und doch ist dieser Mann ganz groß, und überall, wo er weilte, gründete er Christengemeinden, verkündete unablässig die Frohbotschaft vom Reiche Christi, hielt durch Briefe die fernen Glaubensbrüder bei der Stange, saß um des Glaubens willen zwei Jahre im Kerker, stand zwei weitere Jahre unter polizeilicher Aufsicht, duldete und litt, nur rastete und ruhte er nicht bis zum glorreichen Martertod am 29. Juni des Jahres 67.

 

Die heilige Hemma, Gräfin von Gurk und Nonne,

+ 29.6.1045 – Fest: 29. Juni

 

Die heilige Hemma, geboren im Jahr 983, war die Tochter des mächtigen Grafen Engelbert von Peilenstein in Kärnten und der Gräfin Tuta, einer Verwandten des Kaisers Heinrich II. Die frommen Eltern wandten alle Sorge an, um die vorzüglichen Anlagen des Geistes und Gemütes ihres Kindes zur vollen Blüte zu entwickeln. Was die edlen Eltern grundgelegt hatten, erhielt seine Vollendung am kaiserlichen Hof unter der Fürsorge der heiligen Kunigunde.

 

Als Hemma zu einer schönen jungen Frau herangewachsen war, warb der edle Landgraf Wilhelm von Friesach und Zeltschach um ihre Hand und sie willigte ein. Beide Eheleute wetteiferten in Frömmigkeit und Wohltätigkeit. Jeden Tag hörten beide die heilige Messe und jeden Sonntag empfingen beide die heilige Kommunion, und gaben dem Volk das schönste Beispiel echter Religiosität. Gott schenkte ihnen zwei Söhne, die in die Fußstapfen ihrer Eltern traten und zu den schönsten Hoffnungen berechtigten. Nur zu bald sollte dieses Glück zerstört werden.

 

Der Landgraf Wilhelm beschäftigte in seinem ergiebigen Gold- und Silberbergwerk zu Friesach und Zeltschach zahlreiche Knappen, die einen hohen Lohn verdienten, aber auch häufig wieder in sündhaften Vergnügungen und Ausschweifungen vergeudeten. Einst sah sich der sonst so gütige Herr genötigt, einen Knappen wegen eines schändlichen Verbrechens und öffentlichen Ärgernisses mit dem Tod zu bestrafen. Deswegen schworen ihm die übrigen Knappen blutige Rache und ermordeten seine beiden Söhne, als sie arglos die Goldgruben beschauten.

 

Wer möchte den Schmerz der Eltern beschreiben, die so plötzlich ihrer lieben Kinder beraubt wurden! Mit gebrochenem Herzen kniete die tiefgebeugte Mutter am Grab ihrer ermordeten Söhne, aber alle ihre Tränen erweckten sie nicht zu neuem Leben. Der unglückliche Vater stürmte racheschnaubend mit seinen Männern auf die verschanzten Knappen los und hieb in einem furchtbaren Blutbad alle nieder. Nach gestillter Rache kehrte das ruhigere Bewusstsein wieder und die Qual seines Gewissens, dass er mit den Schuldigen auch manchen Unschuldigen getötet hatte, trieb ihn von seiner Heimat fort. Im härenen Bußgewand wallfahrtete er nach Rom und erhielt dort vom Statthalter Christi die Lossprechung von seiner drückenden Schuld. Mit erleichtertem Herzen verließ er die Gräber der Apostel und Martyrer, starb aber unterwegs, ohne seine Heimat wiederzusehen.

 

Die kinderlose Witwe stand nun allein in der Welt, allein mit ihrem blutenden Herzen und ihrer unaufhörlichen Sehnsucht nach Wiedervereinigung mit den teuren Toten. Ihren einzigen Trost fand sie im innigsten Gebet und in christlichen Liebeswerken. Da legte ihr Gott den schönen Gedanken ins Herz, eine neue Familie zu gründen, eine Gottesfamilie, die bis in die fernsten Zeiten reichen und viel Gutes stiften sollte. Sie baute zu Ehren der schmerzensreichen Mutter Maria in dem waldigen Tal von Gurk ein herrliches Frauenkloster und stattete es mit reichlichen Einkünften für siebzig Jungfrauen aus. Daneben errichtete sie eine prächtige Kirche und ein Chorherrenstift für zwanzig Priester, die den Gottesdienst und die Seelsorge versahen. Sie selbst leitete den Bau und zahlte jeden Abend eigenhändig den Arbeitern ihren Lohn aus. Als der Bau vollendet war, schenkte sie ihr fürstliches Vermögen an Bistümer und Klöster und bat selbst um Aufnahme in das von ihr gestiftete Kloster. Fortan lebte sie als einfache Nonne in rauem Ordensgewand noch drei Jahre in eifriger Übung der niedrigsten Dienste, bis ein seliger Tod im Jahr 1045 ihre Sehnsucht nach dem Himmel stillte. Viele Wunder verherrlichten ihr Grab. Papst Pius II. versetzte sie unter die Zahl der Seligen, Papst Pius XI. bestätigte 1938 ihre Heiligsprechung. Aus ihrer frommen Stiftung entstand eine gesegnete Pflanzstätte christlichen Glaubens und heiliger Gottesverehrung, und wurde der Sitz des Bischofs von Gurk in Kärnten.

 

Die selige Salome, Reklusin von Niederaltaich, Bayern,

+ 29.6.879 – Fest: 29. Juni

 

Die Schönheit der Seele prägt sich gar oft im Antlitz des Menschen aus und verleiht ihm eine solche Anmut und Würde, dass man glaubt, ein Engel habe sichtbare Gestalt angenommen, um zum Himmel hinzuweisen. Ein solches Meisterwerk des Schöpfers war Salome, eine edle Jungfrau aus dem königlichen Stamm Englands, von der man sagte, ihr Leib habe nur eine Unvollkommenheit gehabt, nämlich die, dass er sterblich war. Aber noch schöner war ihre Seele, denn sie liebte Gott über alles und verabscheute die stolze, üppige Welt.

 

Um nicht von den Reizen des fürstlichen Hofes zur Lauheit im Dienst Gottes verlockt zu werden, fasste sie den heldenmütigen Entschluss, heimlich ihr Elternhaus zu verlassen und ein armes, in Gott verborgenes Leben zu führen. Ihren geheimen Plan vertraute sie nur zwei zuverlässigen Mägden. Diese erklärten sich bereit, ihre Herrin auf ihrer weiten und gefahrvollen Reise ins Heilige Land zu begleiten. Alle drei legten unansehnliche Kleider an und begaben sich auf die Reise. Wie viele Gefahren zu Wasser und zu Land, vor Räubern und wilden Tieren, wie viel Hunger und Durst in der Wüste und unbewohnten Landstrichen, wie viel Hitze und Kälte sie erleiden mussten, weiß Gott allein. Dennoch vertrauten sie dem Schutz ihrer Engel und erreichten glücklich die heilige Stadt Jerusalem. Was mögen jene frommen Seelen empfunden haben beim Anblick Golgathas, wo der liebe Heiland sein Blut für die sündige Welt vergoss? Wie wird sich ihre Andacht versenkt haben in das Leiden unseres Erlösers, als sie die Stätten küssten, die sein Fuß betrat und sein heiliges Blut benetzte! Von Jerusalem wanderten die gottbegeisterten Jungfrauen zur Geburtsstätte Jesu bei Betlehem, nach Nazareth, wo die Erlösung der sündigen Menschheit begann, nach Kafarnaum, wo Jesus seine Bergpredigt hielt, und nach all den Orten, die die Gegenwart Christi geheiligt hat.

 

Nachdem Salome den Leidensweg einmal betreten hatte, sollte sie fortan dem gekreuzigten Heiland nachfolgen. Auf ihrer Rückreise verlor sie ihre beiden treuen Gefährtinnen durch den Tod. Dennoch beschloss Salome, nicht an den königlichen Hof zurückzukehren, sondern arm und heimatlos allein für Gott zu leben. Auf ihrer Weiterreise fand sie Unterkunft auf einem Landgut bei Regensburg. Ein junger Soldat sagte ihr Schmeicheleien wegen ihrer Schönheit. Da schlich sie sich traurig fort, fiel in einer Wiese auf ihre Knie nieder und flehte zu Gott unter einem Strom von Tränen, er möge ihr die körperliche Schönheit wegnehmen, damit sie niemand Anlass zu sündhafter Anfechtung gebe. Gott erhörte ihre Bitte und nahm ihr das Augenlicht. Blind irrte sie umher und fiel bei Passau in die Donau. Schon hatte sie die Besinnung verloren, als zwei Fischer sie aus dem Wasser zogen. Sie kehrte zum Leben zurück, um noch Härteres zu erdulden.

 

Bald darauf bekam die blinde Jungfrau noch die schreckliche Krankheit des Aussatzes. In der Nähe von Passau ging sie umher und nährte sich von den Almosen mitleidiger Leute. Eine vornehme und fromme Frau namens Heika nahm die obdachlose Salome gütig in ihr Haus auf und behielt sie drei Jahre lang ei sich. Hier führte sie ein sehr strenges Bußleben und verweilte oft ganze Nächte in der Kirche, so dass sie im Winter oft ganz erstarrt war. Ihr sehnlichster Wunsch war, als eingeschlossene Jungfrau in einer Klause neben einer Kirche Gott ausschließlich dienen zu können. Die gütige Heika teilte ihrem Verwandten, dem Abt von Niederaltaich, den Wunsch der blinden Jungfrau mit. Dieser baute ihr an der Wand des Chores eine Zelle, und hier lebte Salome in frommen Übungen, um sich auf einen gottseligen Tod vorzubereiten.

 

Während Salome in ihrer Weltabgeschiedenheit ihrem himmlischen Bräutigam im nahen Tabernakel ihre Huldigungen darbrachte, forschte ihre Base Judith, die Tochter des Königs von England eifrig nach der lieben Verschwundenen. Sie ahnte das Ziel der Reise ihrer frommen Verwandten und reiste selbst mit einem großen Gefolge in das Heilige Land. Nach langem Suchen erfuhr Judith den Aufenthalt ihrer Base und begrüßte mit inniger Freude die Wiedergefundene. Judith gedachte Salome nach England zurückzuführen, aber bald genoss sie eine solche Freude an der Einsamkeit, dass sie sich entschloss in gleicher Weise, wie ihre Base, ihre Tage ganz Gott zu weihen. Weil ihr Gemahl gestorben und ihre Ehe kinderlos geblieben war, stand ihrem Verlangen kein Hindernis mehr im Weg. Sie bat deshalb den Abt, dass er neben der Zelle Salomes noch eine andere baue, um mit ihr ein gleichförmiges Leben zu führen. Beide wetteiferten fortan in heiligen Übungen.

 

Gott schenkte der blinden Salome die wunderbare Gnade, dass sie an jedem Muttergottesfest das Gesicht wieder erhielt. Sie erblickte dann jedes Mal ihren himmlischen Bräutigam Jesus Christus in unaussprechlicher Schönheit. Diese Erscheinung gab ihr einen Vorgeschmack von der himmlischen Wonne und dem ewigen Licht, zu dem sie bald einging. Was mag sie empfunden haben, als ihr der himmlische Bräutigam entgegenging und sie in das Reich des ewigen Lichtes und Friedens einführte!

 

Nach ihrem Tod sah man öfters zur Nachtzeit in ihrer Zelle glänzende Lichter, als gingen Engel darin umher. Einige Jahre später beschloss auch Judith ihr frommes, abgetötetes Leben. Beide wurden zusammen in einen steinernen Sarg gelegt, mit der Inschrift: „Judith und Salome, bittet Gott für mich!“

 

Die ehrwürdige Maria Eustella,

Engel der Eucharistie genannt, französische Mystikerin,

+ 29.6.1842 – Gedenktag: 29. Juni

 

Das Leben dieser ehrwürdigen Dienerin Gottes bietet die dem schwachen und unbeständigen Menschen eigentümliche Erscheinung des unwillkürlichen Zuges hin zu Gott, dann aber auch der immer wieder sich geltend machenden Anhänglichkeit und Hinneigung zur Welt. Der endliche Sieg der Gnade führte aber schließlich diese auserwählte Jungfrau außerordentliche Wege, die vornehmlich durch eine ganz besondere Andacht zum göttlichen Erlöser im heiligsten Sakrament der Liebe gekennzeichnet sind. Über ihren inneren Lebensgang gibt ein Bericht sicheren Aufschluss, den sie selbst auf Wunsch ihres Diözesanbischofs gegeben hat, wie mehrere Briefe, in denen sie ihrem Gewissensführer Rechenschaft gibt.

 

Maria Eustella war am 19. April 1814 in der Stadt Saintes, Diözese La Rochelle, in Frankreich geboren. Böse Keime schlummerten im Herzen des Kindes: Ein großer Hang nach Vergnügungen, Eitelkeit und Hoffart, die unbeachtet und unbezähmt mit dem Alter wuchsen, da niemand sich fand, der das Kind angeleitet hätte, sie zu bekämpfen. Sie gingen bald in Widerspenstigkeit und Ungehorsam über. Da Maria in der Religion gut unterrichtet wurde, so erkannte sie in ihrem elften Jahr bei der Vorbereitung auf die erste heilige Kommunion, dass gar mancherlei in ihrem Herzen dem Herrn missfallen müsste, und nun fing sie an, ihr Leben ernstlich zu ändern. Schon jetzt fühlte sie eine große Sehnsucht nach der heiligen Kommunion, auf die sie sich ernsthaft durch eifriges Gebet und Enthaltung von kindlichem Spiel und Unterhaltung vorbereitete. Wie glücklich war sie, als sie dann den Heiland im Sakrament empfangen durfte! Mit Entschlossenheit führte sie nun auch ihre guten Vorsätze aus.

 

Doch Maria musste das Nähen lernen und bekam dadurch leichtsinnige Mädchen zu Genossinnen. Durch deren Reden und Beispiele verlockt, wurde sie selbst wieder leichtsinnig. Sie ergab sich der Eitelkeit, machte Tanzunterhaltungen mit und empfing nur zweimal im Jahr die heiligen Sakramente. So häufig werden die Beteuerungen wieder vergessen, die von leichten Kinderherzen dem Herrn im Sakrament gemacht werden! Dabei mied aber doch das junge Mädchen die schwere Sünde und entsprach den Geboten der Kirche. Aber – und so geht es bei der Mehrzahl der Menschen – sie tat alles gleichgültig, lau, weil es eben so herkömmlich war, ohne innere Neigung und Andacht. Das ist der Weg, der unversehens zum gänzlichen Fall führt, da die wiedererwachenden Leidenschaften im Innern freies Spiel bekommen, von außen aber die Versuchungen aussichtsreicheren Erfolg gewinnen. Hatte indessen Maria den Heiland verlassen, er, der gute Hirte, verließ sie nicht. Mitten im Getöse der Welttorheiten ließ er seine Stimme vernehmen, die warnte, strafte und zurückrief. Lange wogte der Kampf zwischen der Liebe zu Gott und der Liebe zur Welt im unbeständigen Herzen hin und her. Da fügte es sich, dass ein Jubiläum eintraf. Zur Gewinnung des Ablasses legte Maria Eustella eine reumütige Beichte ab und da war es, wo ihr Gott durch den Mund des Priesters, der durch eine besondere Erleuchtung ihren Seelenzustand erkannte, die eindrucksvolle Mahnung zugehen ließ: „Der Herr hat mit dir, mein Kind, besondere Absichten. Ich ermahne dich ernstlich, ihnen zu entsprechen.“ Das wollte sie nun auch wirklich. Freiwillig bat sie, eine größere Buße auf sich nehmen zu dürfen und versprach fest, aller Eitelkeit der Welt und ihren Gelegenheiten zur Sünde zu entsagen. Ihre Seele schien nun endgültig für Gott gewonnen zu sein. Allein noch einmal erlag sie der Versuchung. Gelegentlich eines Besuches bei Verwandten zum Tanz aufgefordert, vermochte das junge Mädchen abermals nicht zu widerstehen. Die Wirkung war aber diesmal die, dass sie statt Vergnügen Ekel davor empfand. Sofort bekannte sie mit tiefster Reue ihre Wortbrüchigkeit in der Beichte und beteuerte nunmehr, unverbrüchlich Gott allein anhangen zu wollen. Sie erzählte selbst als Wirkung der Osterkommunion: „Jesu sakramentale Gegenwart hat mir das Leben zurückgegeben und wie unser Erlöser siegreich vom Grab auferstanden ist und den Satan und die Hölle niedergeworfen hat, so siegte er, indem er mein Herz zu seinem Thron machte, über alle Feinde, die meine Seele eingenommen und ihn so lange gehindert hatten, in ihr zu herrschen.“ Damit war sie für immer an das heiligste Sakrament fest gekettet.

 

Fortan ging sie nun täglich zur heiligen Messe, machte am Abend eine Besuchung beim Allerheiligsten, die sie am liebsten über die ganze Nacht ausgedehnt hätte, betete täglich den Rosenkranz und hielt geistliche Lesung, mied dagegen allen unnötigen Umgang mit den Leuten und bezähmte mit aller Strenge ihre Sinne und schlimmen Neigungen, besonders ihre Lebhaftigkeit, Empfindlichkeit und Eigenliebe. Die heilige Kommunion empfing sie alle vierzehn, später alle acht Tage. Die Zwischenzeit diente der Danksagung für die empfangene Gnade und der Vorbereitung für die kommende. Wie sehr der Heiland die nun so treue Jungfrau zu seinem besonderen Dienst in der heiligen Eucharistie erwählte, berichtete sie ihrem Beichtvater mit den Worten: „Unser Herr wollte mir zu erkennen geben, dass es sein Wille sei, ich sollte alle meine Kräfte dazu verwenden, ihn im heiligsten Sakrament der Liebe zu ehren, und diese Verehrung sollte meine ausschließliche Beschäftigung sein. Denn obgleich ihm viele Seelen mit Treue dienten, weihten ihm doch nur wenige die innerliche Verehrung, die allein imstande ist, Anbeter im Geist und in der Wahrheit zu bilden. Ich stellte dem Herrn die Tiefe meines Elends vor und wie sehr ich armselige Sünderin einer solchen Auserwählung unwürdig sei. Allein er ließ mich nun den unendlichen Reichtum seiner Barmherzigkeit einsehen und machte mir verständlich, dass er seine Gnaden gern über die Geringsten und Schwächsten ausgieße, wenn er sie zur Erfüllung seiner Absichten bereitfindet.“

 

Immer glühender wurde die Liebe der Ehrwürdigen zu Jesus im göttlichen Sakrament. Wenn sie davon sprach, wurde sie ganz entzückt und fühlte sich wie außer sich. Ihr Herz ward davon ganz hingerissen und verzehrt. Der Herr vergalt ihre Liebe und Treue mit außerordentlichen Gunstbezeigungen. Sie schaute ihn in der Monstranz unter der Gestalt eines Kindleins, das mit der einen Hand auf sein Herz deutete und die andere nach ihr ausstreckte. Bei der Wandlung sah sie den Heiland wie ein geschlachtetes Opferlamm und vernahm die Worte: „Ich opfere mich für meine Sünder.“ Bisweilen sah sie sich mitten unter die anbetenden Engel versetzt. Wenn der Heiland von ihr ein Opfer forderte, wie z.B. die Entsagung jeglichen Eigentums, so erschien er ihr in seiner heiligen Menschheit, sagte ihr, was er wünschte, zeigte ihr sein göttliches Herz und sprach zu ihr: „Von hier geht dieser Wunsch aus, von hier lade ich dich zu diesem Opfer ein.“

 

Hatte Maria im Anfang ihrer Bekehrung viel unter dem Spott der Leute zu leiden, so verwandelte sich dieser nach und nach in Hochachtung und Verehrung. Personen von höchstem Rang suchten die arme Näherin auf, um bei ihr Erbauung und Belehrung zu finden. Andere gingen sie brieflich um ihren Rat und ihr Gebet an. Von ihren Worten und Schriften sagten Bischof Klemens von La Rochelle und andere Geistesmänner, dass ihre unnachahmliche Schreibart beweise, dass Christus der Herr, der sie mit glühendster Liebe zu ihm erfüllt hatte, ihr auch die Ausdrücke beim Niederschreiben ihrer Gedanken eingegebe