Heilige und Selige, Gebete, Anmutungen und Betrachtungen im November

 

1. November

 

Maria von der Fürbitte - Samstag nach Allerheiligen

 

Das Fest Allerheiligen

 

Am schwersten haben es die Bauersleute im Sommer. Bei jedem Wetter, bei Regen, Wind und Gluthitze müssen sie draußen sein, müssen pflügen und eggen und säen und pflanzen und jäten und mähen und einfahren, müssen mit der frühen Sommersonne aufstehen und dürfen sich erst am späten Abend zur Ruhe legen, alle Tage, monatelang. Im Sommer haben es die Bauersleute schwer.

 

Umso schöner ist für sie der Herbst, wenn die Ernte beendet ist, wenn der Boden voll von duftigem Heu und warmem Stroh, der Speicher voll Korn, die Keller voll Knollen und Kartoffeln sind. Da hat sich alle Arbeit hundertfach gelohnt, und in den Stuben der Bauernhäuser wohnen Freude und Zufriedenheit.

 

Ähnlich wie den Bauersleuten im Herbst ergeht es am heutigen Fest Allerheiligen unserer heiligen Mutter, der katholischen Kirche. Auch die Kirche arbeitet das ganze Jahr hindurch ohne Unterlass durch das heilige Opfer, durch Gebet, Predigt, Unterricht und durch die Spendung der heiligen Sakramente an der Saat Gottes, die auf Erden der Ewigkeit entgegenreift. Vergeblich ist leider oft alle Mühe, oft, aber nicht immer, denn manche Frucht ist reif geworden und in den Himmel eingefahren, und deshalb ist auch über die Kirche am heutigen Tag, da das Kirchenjahr langsam dem Ende zugeht, eine festliche Erntestimmung gekommen. Voll Freude führt sie uns in die Himmelsscheuer und zeigt uns die reichen Ernteschätze, die Heiligen alle.

 

Wie viele mögen es sein? Millionen und Millionen sind es aus allen Völkern und Stämmen. Es kann gar nicht anders sein, denn wer ohne schwere Sünde auf dem Herzen stirbt, der gelangt nach abgebüßtem Fegfeuer in den Himmel. Viele aber sind es, die gut gestorben sind und sich heute in der Seligkeit ohne Ende freuen. Viele sind es bestimmt, denn sonst wäre Gottes unendliche Barmherzigkeit eitel und Christi Leiden und Tod wären für die meisten umsonst gewesen, was man nicht annehmen kann.

 

Selten zwar gibt uns die Kirche durch die Heiligsprechung eines Menschen die Gewissheit, dass er im Himmel ist, desungeachtet aber bietet uns der Glaube das Recht zu der Annahme, dass die Zahl der Auserwählten überwältigend groß sein muss. Hat übrigens nicht der Heiland selbst, lange vor den ersten Seligsprechungen durch die Päpste, die Menschen scharenweise seliggesprochen? Man lese nur das heutige Evangelium. Da heißt es in einem fort: „Selig ..., Selig ..., Selig ...!“

 

Millionenstark ist die Zahl der Auserwählten im Himmel. Die meisten von ihnen sind auf Erden unbekannt, und eben deswegen feiert die Kirche heute das Fest Allerheiligen, damit auch die namenlosen Heiligen geehrt werden, die unabsehbare Schar jener, die christlich gelebt, treu ihre Pflicht erfüllt oder auch mit einer herzhaften Reue hinübergingen ins Fegfeuer und von dort Einlass in den Himmel fanden.

 

Darunter sind auch solche, die wir gekannt haben, Leute, mit denen wir sprachen, mit denen wir in der Kirche oder in der Schule beisammen waren, mit denen wir in der Eisenbahn fuhren oder am Fernsehgerät saßen, Leute im Arbeitskittel oder in Sportkleidung, denn Gottes Barmherzigkeit, Liebe und Güte sind unermesslich groß und weit wie ein Mantel, der die ganze Erde bedeckt.

 

Sicher sind unter den Heiligen auch Menschen aus unserer Verwandtschaft. Als sich die gottselige Anna Katharina Emmerick einst auf dem heimatlichen Friedhof befand, sah sie mit ihren übernatürlich hellen Augen, wie aus manchen Gräbern Lichtstrahlen hervorleuchteten, die von den Überresten jener Heiligen ausgingen, die dort ruhten und von denen niemand wusste, dass sie Heilige waren, denn es waren ganz gewöhnliche Menschen aus dem Dorf oder der Stadt gewesen. Die Tatsache aber, dass sich unter ihnen auch solche aus Anna Katharina Emmericks Verwandten befanden, erfüllte die Seherin mit unaussprechlicher Freude.

 

Auch in unserer Familie gibt es Heilige, und wenn wir morgen an den Gräbern unserer Lieben für ihre Seelenruhe beten, so sollten wir heute die Heiligen aus unserer Familie anrufen und uns ihrem Schutz anempfehlen, denn diese stehen uns von allen Heiligen am nächsten, und lebenslang sollen wir uns bemühen, in ihre Fußstapfen zu treten, sollen wie sie christlich leben und sterben, und dann wird dereinst am heutigen Allerheiligentag, so Gott will, einmal auch unser Heiligenfest von der ganzen Kirche gefeiert werden.

 

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Maria ist die Königin aller Heiligen, denn

 

1. sie überragt durch ihre Gnadenfülle und durch den Glanz ihrer Tugenden alle Heiligen des alten und neuen Bundes. Es ist gewiss, dass Gott seine Gaben und Gnaden keinem Heiligen in so reichlichem Maß mitgeteilt hat, als der seligsten Jungfrau. Es geziemte sich ja, dass er sich gegenüber der Mutter seines Sohnes freigiebiger erwies, als gegenüber allen übrigen Heiligen. Wie die berühmtesten Gottesgelehrten versichern, war Maria schon gleich im ersten Augenblick ihres Lebens so voll der Gnaden, dass sie alle Heiligen, ja sogar die himmlischen Geister weit übertraf. „Maria,“ sagt der heilige Gregor, „hat von ihrer Empfängnis an mehr Gnaden von Gott erhalten, als alle Engel, Heiligen und Menschen zusammen.“ „Die seligste Jungfrau,“ sagt der heilige Vincenz Ferrer, „war schon im Mutterschoß mehr geheiligt, als alle Engel und Heiligen.“

 

Maria hat aber auch diesen überreichen Gnadenschatz sehr eifrig benützt. In ihr blieb keine einzige Gabe der Natur, kein einziges übernatürliches Geschenk unwirksam. Ihr Verstand war unablässig beschäftigt, Gott zu erkennen und zu loben. Ihr Herz liebte Gott über alles. Jede innere Erleuchtung, jeden Antrieb zum Guten gebrauchte sie, um irgendeine Tugend oder ein gutes Werk zu üben und in der Liebe Gottes zu wachsen. Die Gottesgelehrten sagen daher, Maria habe niemals, wie das doch bei den größten Heiligen der Fall war, eine unfruchtbare Gnade erhalten, d.h. eine solche, mit der sie nicht sogleich getreulich mitgewirkt hätte. So geschah es, dass sie die heiligmachende Gnade auf eine uns unbegreifliche Weise in ihrer Seele vermehrte.

 

Weil Maria voll der Gnaden war, so ist sie auch in einer jeden Tugend weit erhabener, als jeder andere Heilige. Sie war ein Apostel für die Apostel. Sie war die Königin der Martyrer, weil sie mehr zu leiden hatte, als alle Martyrer zusammen. Sie stand an der Spitze der Jungfrauen. Sie war ein Beispiel für die Verheirateten. Sie vereinigte die vollkommenste Unschuld mit der vollkommensten Abtötung. In ihrem Herzen fand man vereinigt die heldenhaftesten Tugenden, die je ein Heiliger auf Erden geübt hat. Deshalb heißt es von ihr in der Heiligen Schrift: „Die Königin steht zu deiner Rechten im goldenen Kleid, im bunten Gewand“ (Psalm 45,10), „weil alle Gnaden, alle Vorzüge, alle Verdienste der übrigen Heiligen“ - nach dem Ausspruch des heiligen Jordan - „in ihr vereinigt sind.“

 

Maria ist die Königin der Heiligen, denn

 

2. unter allen, die im Himmel mit der Krone der ewigen Herrlichkeit geschmückt sind, ragt sie hervor, sitzend auf dem Thron überschwänglicher Glorie und erwählt aus dem Menschengeschlecht, auf dass „sie bewundert werde in der vollen Versammlung der Heiligen, gepriesen von der Schar der Auserwählten, gesegnet von den Gesegneten.“ Es ist eine Wahrheit unseres heiligen Glaubens, dass die Herrlichkeit der Auserwählten im Himmelreich mit ihren Tugenden und Verdiensten auf Erden im genauen Verhältnis steht, denn „wer spärlich sät,“ sagt der Apostel, „der wird auch spärlich ernten.“ (2. Korinther 9,6) Da nun die seligste Jungfrau an Verdiensten alle Heiligen weit übertrifft, so folgt von selbst, dass sie sie auch an Glorie weit überstrahlt und als ihre Königin triumphiert. Daher schreibt der heilige Bonaventura: „Gleichwie die seligste Jungfrau alle Heiligen an Gnade des Tugendwandels und der Verdienste übertrifft, so steht sie auch höher, als die Auserwählten alle, in der Gnade der Herrlichkeit und der Belohnung.“ Dasselbe lehren auch die übrigen Kirchenväter und Geisteslehrer. Der heilige Basilius sagt: „“Gleichwie der Glanz der Sonne den Glanz aller anderen Sterne zusammen übertrifft, so übertrifft die Glorie der göttlichen Mutter die Herrlichkeit aller übrigen Heiligen.“ Der heilige Petrus Damianus fügt hinzu: „Gleichwie das Licht der Sterne und des Mondes beim Aufgang der Sonne gänzlich verschwindet, so verdunkelt auch Maria den Glanz der Heiligen und Engel im Himmel so sehr, dass sie kaum mehr zum Vorschein kommen.“ Der heilige Bernardin von Siena und der heilige Bernhard behaupten, dass die Seligen im Himmel nur einigen Anteil an der göttlichen Glorie haben, dass aber Maria so sehr davon erfüllt sei, dass es scheine, ein bloßes Geschöpf könne zu keiner innigeren Verbindung mit Gott gelangen, als die ist, deren Maria teilhaftig wurde. Dieses wird auch durch den Ausspruch des seligen Albert des Großen bestätigt, der sagt, dass unsere Königin Maria Gott weit näher und unbegreiflich vollkommener betrachte, als alle anderen himmlischen Geister. Ja, der heilige Bernhardin sagt noch, dass, gleichwie alle übrigen Planeten ihr Licht von der Sonne empfangen, so auch alle Heiligen im Himmel durch den Anblick Mariens einen höheren Glanz und eine größere Seligkeit erhalten. An einer anderen Stelle sagt derselbe Heilige, dass die göttliche Mutter, als sie in den Himmel aufgefahren ist, die Freude aller Bewohner des Himmels aufs Höchste vermehrt habe. Nach Gott, lehrt uns der heilige Petrus Damianus, gibt es für die Seligen im Himmel keine größere Herrlichkeit, als den Anblick dieser glorreichen Königin. Sehen wir also auf die Glorie, die Maria im Himmel genießt, so müssen wir sagen, dass sie alle Auserwählten weit übertrifft und daher mit Recht als die Königin der Heiligen gepriesen wird.

 

Maria ist die Königin der Heiligen, denn

 

3. sie besitzt im Himmel nach Gott die höchste Macht. Wenn nach dem Wort der Schrift die Heiligen im Himmel mit Christus herrschen, um wie viel mehr gilt dies von Maria, da sie nicht bloß wie die übrigen Heiligen eine Dienerin Christi, sondern seine Mutter ist? „Das Ansehen der Mütter über ihre Söhne,“ sagt der heilige Liguorius, „ist so groß, dass, wenn sie selbst regierende Fürsten sind, und über alle Untertanen ihres Reiches unumschränkte Gewalt besitzen, dennoch die Mütter nie wahrhafte Untertanen ihrer Söhne werden können.“ Wenn also auch Maria im Himmel ihrem göttlichen Sohn nicht mehr befehlen kann, wie ehedem auf Erden, so ist sie gleichwohl noch seine Mutter und erhält alles, was sie verlangt. Darum sagt der heilige Petrus Damianus: „Dir, o Jungfrau und Königin, ist alle Gewalt gegeben im Himmel und auf Erden, nichts ist dir unmöglich. Oder wie könnte deiner Macht der widerstehen, der aus deinem Fleisch Fleisch angenommen hat? Du trittst vor den goldenen Altar der Versöhnung nicht bloß bittend, sondern befehlend, als Frau, nicht als Magd.“ Diese wunderbare Macht, die Maria im Himmel besitzt, gebraucht sie zum Besten der Gläubigen, besonders derjenigen, die eine zärtliche Liebe zu ihr tragen und sie als ihre Herrin und Mutter andächtig verehren. Denen ist sie die liebevollste Mutter und erweist ihnen Wohltaten aller Art. 

 

Die heilige Dienstmagd und Martyrin Maria,

+ 1.11.138 - Fest: 1. November

 

Maria war eine Sklavin des römischen Senators Tertullus. Sie bekannte sich von ihrer Geburt an zum Christentum und war die einzige im ganzen Haus ihres Herrn, die Jesus Christus kannte. Sie betete viel und fastete häufig, und zwar besonders an den Tagen, die die Heiden durch ihre gottlosen Feste schändeten. Diese Andachtsübung zog ihr manche Misshandlung von Seiten ihrer Gebieterin zu; aber ihre Genauigkeit und Treue in Erfüllung aller ihrer Pflichten gewannen ihr die Liebe ihres Dienstherrn.

 

Diokletians Befehle zur Ausrottung des Christentums verbreiteten damals allenthalben Furcht und Schrecken. Tertullus bot daher alle Mittel auf, Maria zu bewegen, dass sie den Götzen opfert; aber nichts vermochte ihre Standhaftigkeit zu erschüttern. Der Senator ließ sie dann auch, aus Furcht, seine Sklavin zu verlieren, wenn sie als Christin angezeigt würde, und zugleich von übel verstandenen Mitleid gerührt, grausam mit Ruten schlagen, in der Hoffnung, sie zu anderen Gesinnungen zu bringen. Nach dieser Züchtigung verschloss er sie 30 Tage in ein finsteres Kerkerloch, wo sie nur so viel Nahrung erhielt, wie ihr zur Erhaltung des Lebens unentbehrlich war. Doch Maria fand ihren Trost und ihre Stärke im Gebet. Sie freute sich, dass sie nichts mehr in der Welt zu hoffen habe und für ihren Heiland, der auch für sie gestorben ist, etwas leiden könne. Zuletzt erfuhr der Richter den ganzen Hergang. Er rechnete es dem Tertullus zum Verbrechen, dass er eine Christin in seinem Haus verborgen habe, und die Sklavin musste ihm ausgeliefert werden. In dem hierauf erfolgten Verhör antwortete Maria ebenso bescheiden als entschlossen. Als aber das Volk hörte, dass sie sich als Christin bekannte, forderte es mit lautem Geschrei, dass sie lebendig verbrannt werde. Die Heilige betete indes zu Gott um Kraft und Mut, worauf sie schließlich zu dem Richter sagte: „Der Gott, dem ich diene, ist mit mir. Ich fürchte daher deine Peinigungen nicht, die höchstens mir das Leben nehmen können, das ich so sehnlich für Jesus zu opfern wünsche.“

 

Der Richter ließ nun die Heilige so grausam peinigen, dass das Volk, das kurz vorher ihren Tod begehrte, den grauenvollen Anblick nicht ertragen konnte, und die Folterungen beendigt wünschte. Um den Folgen dieses sich erhebenden Protestes zuvor zu kommen, befahl der Richter den Schergen, Maria von der Folterbank zu lösen. Sie wurde hierauf der Bewachung eines Soldaten übergeben. Die Heilige, geängstigt durch die besonders ihrer Keuschheit drohende Gefahr, fand Mittel, zu entrinnen und sich zwischen Felsen zu verbergen. Sie beschloss schließlich ihr Leben durch einen glückseligen Tod, jedoch nicht durch das Schwert. Im römischen und anderen Martyrologien wird sie Martyrin genannt, weil man diesen Namen oft jenen beilegte, die großmütig für Jesus Christus gelitten hatten, wie wir beim heiligen Zyprian und einigen anderen Schriftstellern des kirchlichen Altertums ersehen.

 

Der heilige Cäsarius, Diakon und Märtyrer von Terracina,

+ 1.11.300 – Fest: 1. November

 

Es bestand zu Terracina in Italien der ebenso grausame als gottlose Brauch, dass bei gewissen feierlichen Gelegenheiten ein Jüngling freiwillig sein Leben dem Apollo, der Schutzgottheit diese Stadt, zum Opfer darbrachte. Seine Mitbürger, die ihn lange vorher liebkosten, schmückten ihn zuletzt auf das prachtvollste. Und in diesem Schmuck opferte er sich dem Apollo. Nach Beendigung dieser Zeremonie stürzte er sich in das Meer und wurde von den Fluten verschlungen. Cäsarius, ein heiliger Diakon, der vor kurzem aus Afrika in diese Stadt gekommen war, musste einmal Zeuge dieses schrecklichen Auftritts sein. Er konnte seinen Unwillen nicht zurückhalten, und verdammte laut einen so verabscheuungswürdigen Aberglauben. Sogleich ließ ihn aber auch der Götzenpriester verhaften und vor den Statthalter führen. Der befahl, Cäsarius und den Priester Lucian in einen Sack zu binden, und in das Meer zu werfen. Der Urteilsspruch wurde auch vollzogen. Es war im Jahr 300, während der diokletianischen Verfolgung. Der heilige Gregor der Große berichtet uns, dass zu Rom eine alte Kirche gestanden sei, die den Namen des heiligen Cäsarius trug. Sie war eben schon zu einem Schutthaufen zerfallen, als sie Clemens VIII. prachtvoll aufbauen ließ, und zugleich seines Neffen Sohn, Sylvester Aldobrandini, zu deren Kardinalsdiakon ernannte. In den Sakramentarien des heiligen Gregor geschieht ehrenvolle Erwähnung des heiligen Cäsarius, so wie in dem von Fronteau herausgegebenen Martyrologium des 7. Jahrhunderts, und in jenen von Bedna, Usuard u.a.m. Seine von Surius bekannt gemachten Akten, sind aus späterer Zeit und verdienen wenig Glauben.

 

Der heilige Benignus, Priester und Märtyrer von Dijon,

Apostel von Burgund,

+ 1.11.169 – Fest: 1. November

 

Man glaubt, nach der Angabe beinahe aller Martyrologien, dass der heilige Benignus ein Schüler des heiligen Polykarp gewesen ist, dass er nach Gallien gekommen sei, das Evangelium zu verkünden mit dem heiligen Andochius und Thirsus, die am 24. September verehrt werden, und dass sie zuerst in Autun das Christentum verbreiteten, daselbst auch die Familie des Faustus, Vater des heiligen Symphorian, tauften. Von da begab sich der heilige Benignus nach Langres und dann nach Dijon, wo seine apostolischen Arbeiten gleich glücklichen Erfolg hatten. Allein sein Eifer für das Werk des Herrn kostete ihn schließlich das Leben. Er soll durch Winden ausgestreckt, mit Ochsensehnen zerfleischt worden sein. Auch wird erzählt, man habe ihm Pfriemen unter die Nägel eingezwängt, seine Füße mit geschmolzenem Blei in einen Stein befestigt, den man noch zur Zeit des heiligen Gregor von Tours sah, und ihn so zu wütenden Hunden eingeschlossen; ihm den Hals mit Eisenstangen zerhauen, und zuletzt mit einem Lanzenstoß das Leben genommen. Man beerdigte ihn an dem Ort seines Märtyrertodes. Der heilige Gregor, Bischof von Langres, zu dessen Diözese damals Dijon gehörte, ließ über dessen Grab eine Kirche bauen. Dies war der Ursprung der berühmten Abtei von St. Benignus in Dijon, die, bevor sie mit dem Bistum Dijon vereinigt wurde, zur Kongregation von St. Maurus gehörte. Der Name des heiligen Märtyrers Benignus steht in den Martyrologien. An anderen Tagen wird aber auch noch das Andenken an die Versetzung seiner Reliquien gefeiert.

 

Der heilige Austremonius (lat. Stremonius oder Strymonius),

1. Bischof von Clermont (Auvergne),

+ 3. Jahrhundert – Fest: 1. November

 

Der heilige Austremonius ist einer von jenen sieben berühmten Glaubenspredigern, die gegen die Mitte des 3. Jahrhunderts nach Gallien kamen. Er stiftete die Kirche von Auvergne, deren erster Bischof er war. In der Folge (um das 8. Jhd.) wurde dieser Sitz nach Clermont verlegt. Von den anderen Lebensumständen des Heiligen ist nichts bekannt. Man versichert, er sei an der Stelle begraben, wo später die Benediktinerabtei von Issoire, in Nieder-Auvergne, erbaut wurde, worin man auch sein Haupt aufbewahrte. Der größte Teil seiner Reliquien befand sich indessen in der Abtei Mauzac, bei Riom, und zu Pierre-Encise, ehemals St. Jvoine, in Aquitanien. Die Verehrung des heiligen Austremonius war seit dem 8. Jahrhundert in Frankreich sehr verbreitet. Sein Name steht auch am heutigen Tag im römischen Martyrologium.

 

Der heilige Marcellus, Bischof und Bekenner von Paris,

+ 1.11.436 – Fest: 1. November

 

Der heilige Marcellus wurde zu Paris von Eltern aus niedrigem Stand geboren. Die Reinheit, Bescheidenheit, Sanftmut, Nächstenliebe und Enthaltsamkeit waren die Tugenden, worin er sich von Kindheit an auszeichnete. Sein ganzer Lebenswandel war heilig, sagt der Verfasser seiner Lebensgeschichte, dass er nichts mit der Welt gemein zu haben und nicht einmal die Neigungen des Fleisches zu kennen schien. Wegen seiner ernsten Sitten und der bewunderungswürdigen Fortschritte in den Kenntnissen der Heiligen Schrift gewann ihn Prudentius, der Bischof von Paris, sehr lieb, und weihte ihn, seiner Jugend ungeachtet, zum Vorleser an seiner Kirche. Man sagt, unser Heiliger habe seit jener Zeit bei verschiedenen Gelegenheiten bewiesen, dass ihm Gott die Wundergabe verliehen habe. Später wurde er zur Priesterwürde erhoben, und nach dem Tod des Prudentius erwählte man ihn einstimmig zum Bischof von Paris. Da er nur mit Zittern diese Würde übernommen hatte, wachte er auch unablässig mit der größten Sorgfalt über sich selbst, und oblag seinem Amt mit unermüdlichem Eifer. Man liest in seiner Lebensgeschichte, dass er das Land von einer Schlange befreit habe, die im Grab einer Ehebrecherin hauste. Allein der Verfasser dieser Lebensgeschichte schrieb 200 Jahre nach des Heiligen Tod, lebte nicht selbst an dem Ort, und scheint seine Erzählung einzig auf eine Volkssage zu stützen. Der heilige Marcellus starb zu Anfang des 5. Jahrhunderts, am 1. November. An diesem Tag ist sein Name im römischen Martyrologium verzeichnet, obgleich sein Fest erst am 3. November in Paris gefeiert wird. Er wurde in einem, eine Viertelstunde von der Stadt entfernten Dorf begraben, das aber jetzt die Vorstadt St. Marcel oder St. Marceau bildet. Zur Zeit Ludwig des Frommen, oder Karl des Kahlen, erbaute man eine Kirche unter dessen Namen, die bis auf die letzteren Zeiten, nach verschiedenen Ausbesserungen, sich erhalten hat. In der Folge versetzte man des Heiligen Reliquien in die Kathedralkirche.

 

Der heilige Vigor, Bischof und Bekenner von Bayeux, Frankreich,

+ 1.11.v.538 – Fest: 1. November

 

Der heilige Vigor, geboren in Artois, war ein Schüler des heiligen Vedastus. Sein Vaterland verlassend, kam er nach Neustrien, das damals den Franken unterworfen war, und hielt sich in der Gegend um Bayeux auf. Da in diesem Land noch die Abgötterei herrschte, arbeitete er mit unermüdlichem Eifer an deren Ausrottung, und Gott segnete sein Bemühen. Nach dem Tod des Bischofs von Bayeux, den man für den heiligen Contest hält, wurde er einmütig zu dessen Nachfolger erwählt. Man schreibt ihm die Stiftung dreier Klöster zu, unter anderen das von Cerisi. Er starb nach der wahrscheinlichsten Meinung, vor der Mitte des 6. Jahrhunderts und wurde auf dem Berg Phanus oder Chrismat begraben, wo auch ein Priorat seines Namens erbaut wurde. Sein Nachfolger war Leucad, der im Jahr 538 das 3. Konzil von Orleans unterschrieb. Sein Name steht im Martyrologium am 1. November als Tag seines Todes. Sein Fest in Bayeux wird am 3. November begangen. Zu Rouen führt eine Pfarrkirche seinen Namen.

 

Der selige Rupert Mayer, Jesuiten-Priester,

+ 1.11.1945 – Gedenktag: 1. November

 

Unter der berühmten Bürgersaalkirche in München befindet sich eine Kapelle. Ein niedriger Altar steht darin. Darauf thront sitzend die Himmelskönigin Maria mit goldener Krone. Mit der linken Hand trägt sie das Jesuskind, in der rechten hält sie ein goldenes Zepter, und über dem Haupt glänzen golden die zwölf Sterne der Immaculata. Es ist ein schönes Mutter-Gottes-Bild.

 

Vor dem Marienaltar findet man, in den Steinboden eingelassen, eine marmorne Grabplatte. Rundherum stehen Blumen in Töpfen und Vasen, schlichte und auch kostbare, die jeden Tag durch frische ersetzt werden. Täglich kommen auch Leute zu dem Grab, knien nieder und beten, nicht für den Toten, sondern zu dem Toten. Es kommen aber täglich nicht zwanzig oder dreißig Menschen, sondern zwei- oder dreitausend. Auf der Marmorplatte über dem Grab stehen nur wenige Worte, die heißen: „Pater Rupert Mayer SJ – 23.1.1876 – 1.11.1945.“ Mehr steht da nicht, und zum Verständnis sei noch erwähnt, dass die Abkürzung SJ Jesuit bedeutet.

 

Der selige Rupert Mayer wurde zu Stuttgart geboren. Der Vater, ein Kaufmann, war in jeder Beziehung einer von jenen Staatskerlen, ein Mann, vor dem jeder sich tief verbeugte, dessen Wünsche Gesetz wurden, der sich durchsetzen konnte, weil er sich selber eingesetzt hatte. Als Rupert sechs Jahre alt war, nahm ihn Vater Mayer zweimal mit zum Baden und zeigte ihm, wie man schwimmt, und als die beiden zum dritten Mal hingingen, warf der Vater den Sohn kurzerhand unversehens ins Wasser und sagte: „Nun schwimm!“ Und Rupert schwamm. Als der Junge dreizehn Jahre alt war, setzte ihn der Vater auf ein Pferd, das nicht gerade zahm war, und sagte: „Hopphopp, nun reit!“ Und der Junge ritt. Es liegt auf der Hand, dass aus einem Jungen, der so erzogen wird, ein mutiger Mann wird.

 

Als Rupert die höhere Schule in Stuttgart besuchte, war er als Katholik in der Diaspora wie ein weißer Rabe, auf den die meist andersgläubigen Lehrer und Mitschüler mit Lust herumhackten. Nicht lange jedoch, denn daheim erzählte der Junge dem Vater, was er in der Schule erlebte, und der Vater unterrichtete den Sohn, was er auf die Angriffe gegen die katholische Kirche zu antworten habe. Heidi, da gab es Späne, wenn Rupert jeweils am folgenden Tag bei Lehrern und Mitschülern den Glauben verteidigte, und bald schwiegen die Maulhelden.

 

Mit dreiundzwanzig Jahren wurde Rupert Mayer Priester, Weltpriester, war irgendwo in Schwaben ein Jahr lang Kaplan, trat in den Jesuitenorden ein, setzte sich noch einmal für Jahre auf die Schulbank und war anschließend einige Zeit Volksmissionar mit gutem Erfolg, denn reden konnte er wie ein Buch. 1912 kam Rupert Mayer nach München und wirkte dort zunächst zwei Jahre hauptsächlich als Caritasapostel, und als 1914 der erste Weltkrieg ausbrach, ging er als Feldgeistlicher an die Front, in die vordersten Schützengräben zu den Muskoten, mutig wie Blücher, und als einmal seine Abteilung einen Rückzug machen musste und ein Verwundeter flehentlich bat, ihn doch mitzunehmen, was im Augenblick unmöglich war, blieb Rupert Mayer bei ihm im Kugelregen zurück, schützte ihn mit dem eigenen Leib und sagte schlicht: „Still, Kamerad, wenn es einen trifft, trifft es mich zuerst.“ Später hat es den mutigen Priester auch wirklich getroffen, ein Bein ließ er auf dem Schlachtfeld, und einbeinig hinkte er fortan durchs Leben.

 

Nach dem Krieg kam die rote Flut des Bolschewismus über Deutschland. Rupert Mayer schwamm in München mutig gegen den Strom an, in Hunderten von Versammlungen verteidigte er kühn die katholische Kirche, du als ihm einmal eine Kommunistin ins Gesicht spuckte, schrieb er sich ihre Anschrift auf, besuchte sie am Abend, und als er die große Not sah, in der die Frau lebte, half er ihr am gleichen Tag noch mit Geld und Lebensmitteln.

 

Dann kamen die Hitlerleute, die keine Engel waren. Am besten war es, wenn man nichts mit ihnen zu tun hatte, aber Rupert Mayer hatte stets mit ihnen zu tun, weil er die Rechte der katholischen Kirche mit zündenden Worten in Schutz nahm, wo er nur konnte, mutig, tapfer und treu, bis er in dem berüchtigten Konzentrationslager Sachsenhausen landete, innerlich voll Jubel, dass er für den Glauben leiden durfte. Noch erlebte er die neue Freiheit, und wieder wanderte er von Kanzel zu Kanzel, bis er am 1. November 1945 mitten in der Predigt zusammenbrach und zwei Stunden später starb. An seinem Grab in München aber geschehen Zeichen und Wunder. 

 

Rupert Mayer wurde am 3. Mai 1987 durch Papst Johannes Paul II. bei dessen zweitem Deutschlandbesuch im Olympiastadion in München als "Priester standhaften Glaubens" seliggesprochen.

 

Die seligen Wilhelm, Hermann, Otto und Degenhard von Niederaltaich, Einsiedler, + 1050, 1326, 1344, 1374 – Gedenktage: 1.11., 28.12., 3.9., 12.9.

 

Nach der Absicht des heiligen Benedikt sollen die Klöster, die seine Regel befolgen, eine Familie darstellen, in der ein Abt als geistiger Vater die Oberleitung haben, die Mönche aber, ihm in Liebe und Gehorsam ergeben, in Gebet und Arbeit bis zu ihrem Tod verharren sollten. Das hinderte aber diesen seelenkundigen Heiligen nicht, für besonders hochstrebende und gottbegnadete Männer, die in ihrem Tugendleben schon so erprobt sind, dass sie furchtlos im Einzelkampf gegen den bösen Feind und alle Laster streiten können, das Einsiedlerleben zu empfehlen. Immer wieder erfahren wir, wenn wir alte Urkunden und Legenden zur Hand nehmen, dass in gutgeleiteten Klöstern solche Männer herangebildet wurden, die dann in abgeschiedener Einsamkeit ein leuchtendes Beispiel der Heiligkeit waren. Solch eine gesegnete Pflanzstätte von Heiligen war das Benediktinerkloster Niederaltaich im 11. und 14. Jahrhundert.

 

Hier lebte damals ein frommer Laienbruder, der selige Wilhelm. Durch das Beispiel der seligen Reklusin Alruna begeistert, entschloss auch er sich zu einem strengen Eremitenleben. Zu diesem Zweck zog er sich in den damals noch recht rauen und unwirtlichen Bayerischen Wald zurück an die Stelle, wo heutigen Tages die Ortschaft Kirchdorf steht. Dort lebte er in äußerster Armut, ergeben strenger Bußübung und der Betrachtung himmlischer Dinge. Dass ihn nicht etwa krankhafte Scheu vor den Menschen oder das Streben sich dem klösterlichen Gehorsam zu entziehen in die Waldeinsamkeit getrieben hatte, beweist der Umstand, dass er die Verbindung mit seinen Mitbrüdern ständig aufrechterhielt. Tag für Tag wanderte er nach dem nahegelegenen Rinchnach, wo ein kleines Kloster mit Niederaltaicher Mönchen bestand, und beteiligte sich dort mit größter Andacht und zur Erbauung aller am gemeinsamen Chorgebet. Hierauf ging er wieder stillschweigend in seine Klause zurück. Von dieser Übung konnten ihn weder lästige Sommerhitze noch die gefürchteten Winterstürme noch die steinigen Bergpfade abbringen.

 

So baute er sich täglich Stufen zu einer verdienstreichen Himmelsglorie, die ihm auch nach seinem seligen Tod zuteilwurde. Jahr und Tag des Todes lassen sich nicht mehr genau feststellen. Aber im Herzen des gläubigen Volkes ist sein Andenken unvergänglich und schon manchen, die in verschiedenen Krankheiten vertrauensvoll sein Grab in der Kirche von Rinchnach besuchten, wurde die Gnade der Heilung gewährt.

 

Ein anderer Einsiedler, der aus Niederaltaich hervorging, ist der selige Hermann. Dieser erblickte im sonnigen Heidelberg am Neckar das Licht der Welt.  Seine Eltern ließen ihm samt seinem Bruder Otto treffliche Erziehung angedeihen. Nach Abschluss seiner Ausbildung verließ er das Vaterhaus und die Seinigen und begab sich auf die Wanderschaft, die ihn nach Köln und 1320 nach Niederaltaich führte, woselbst er das Kleid des heiligen Benedikt nahm. Bei seiner einfachen und geraden Art entwickelte sich Hermann in kurzer Zeit zu einem musterhaften Klosterbruder. Aber sein Streben nach höherer Vollkommenheit führte ihn schon nach wenigen Jahren zum Einsiedlerleben, das er in der Gegend des heutigen Marktes Regen begann. Doch wie einstmals die ägyptischen Einsiedler im Verlangen nach größerer Einsamkeit immer weiter in die öde Wüste vordrangen, so trieb es auch unseren Seligen zu noch strengerer Weltabgeschlossenheit. Diese fand er dort, wo heute Frauenau steht. Hermann errichtete 1323 als erster an diesem Ort eine armselige Hütte, die ihm als Obdach diente. Hier verbrachte er sein Leben mit der Verkündigung des Wortes Gottes und in Übungen der Selbstverleugnung. Seinen Eifer belohnte Gott mit der Gabe, die Zukunft und die Herzen der Menschen zu durchschauen. Doch schon nach drei Jahren wurde die Himmelssehnsucht seiner Seele durch einen gnadenreichen Tod gestillt. Sein Leib wurde in Rinchnach bestattet, wo er noch heute verehrt wird.

 

Besondere Verehrung genießt aber unser Seliger in der Pfarrei Bischofsmais, wo alle Jahre von weit und breit die Leute zum seligen „Hirmo“ (Hirmon, Hörmann) kommen und in den verschiedensten Anliegen seine Fürbitte erflehen. Nicht weniger als drei reizvolle, graugeschindelte Kapellen hat der fromme Sinn früherer Jahrhunderte hier erbaut: ein kleines, vielleicht noch auf die alten Einsiedler zurückreichendes Kapellchen, ein zweites, ein Rundbau im Renaissancegeschmack, über einer Quelle, noch vor dem Dreißigjährigen Krieg errichtet, und ein drittes, größeres Kirchlein, für die Bedürfnisse der zunehmenden Wallfahrt 1677 erbaut. Dieses eigenartige, von schlichter Gläubigkeit erzählende, heiligen Gottesfrieden atmende Heiligtum „St. Hermann“ in seiner beschaulichen Ruhe, im lieblichen Duft von Wald und Wiese, am erquickenden Brunnquell ist eines der stimmungsvollsten Örtchen des schönen Bayerischen Waldes.

 

Ein leiblicher Bruder des seligen Hermann war der oben erwähnte selige Otto. Er ging gleichfalls mit ihm auf die Wanderschaft und nahm in Niederaltaich das Ordenskleid, wo er auch zum Priester geweiht wurde. Als sein Bruder sich in die Einsamkeit zurückzog, wählte auch er das Eremitenleben, das er zunächst volle zehn Jahre in den felsigen Schluchten des Böhmerwaldes führte. Als nach dem Tod des seligen Hermann der Ritter Hartwig von Degenberg in Frauenau eine Kapelle und eine Klause errichtete, um dort als Einsiedler zu leben, gesellte sich auch Otto zu ihm und folgte nun den Fußstapfen seines seligen Bruders. Otto heiligte nicht nur sich selbst durch ein strenges und abgetötetes Leben, sondern führte auch viele Leute der Umgebung auf dem Weg der Buße zu Gott zurück. Bald schloss sich ihm als dritter ein Mönch namens Degenhard an, den er in seinen Geist einführte. Doch durch räuberische Überfälle fortwährend belästigt, sah sich Otto schließlich gezwungen, Frauenau zu verlassen. Er verbrachte den Rest seines Lebens auf dem schön gelegenen Frauenberg bei Hengersberg zu, bis ihn im Jahr 1344 der Tod mit seinem seligen Bruder Hermann im Himmel vereinigte. Seine Reliquien birgt die schöne Klosterkirche von Niederaltaich.

 

Der eben genannte selige Degenhard war der hochbegabte Sohn des Ritters Konrad von Pruck. Sein Sinnen und Trachten war jedoch keineswegs auf ritterliche Taten gerichtet, da ihn schon früh Ekel an dem Leben und Treiben der Welt erfasste, von der er sich alsbald durch Flucht in die Einsamkeit lossagte. Dort war er der gelehrige Schüler und unzertrennliche Gefährte des seligen Otto, so dass er mit ihm auch von Frauenau auf den Frauenberg übersiedelte. Nach dessen Tod stieg er zum Dreitannenriegel empor, wo er auf der Breitenau eine Kapelle zu Ehren des heiligen Bartholomäus und eine Hütte erbaute. Dort lebte er dreißig Jahre lang in strenger Buße und Übung aller Tugenden, weit bekannt durch seine Wundermacht und die Gabe der Weissagung. Im Jahr 1374 endlich durfte er seinem Meister, in dessen Fußstapfen er auf Erden so lange treulich wandelte, auch in den Himmel folgen. Seine sterblichen Überreste wurden in der von ihm erbauten Kapelle beigesetzt.

 

„Siehe, ich will sie an mich locken und in die Einsamkeit führen und zu ihrem Herzen sprechen.“ So verkündete Gott einst durch den Mund des Propheten Hosea (2,16). Darum haben auch die Heiligen die Einsamkeit so geliebt. Können wir, die wir unseren Posten im Weltgetriebe nicht verlassen können, auch dieses Segens der Einsamkeit teilhaft werden? Höre, was der Verfasser der „Nachfolge Christi“ dir rät: „Wenn du dich zurückziehst von überflüssigem Reden und müßigem Umhergehen und vom Anhören des neuesten Klatsches, dann wirst du genug passende Zeit finden um heilsamen Betrachtungen anzustellen . . . Im Stillschweigen und in der Zurückgezogenheit macht die Seele Fortschritte.“ (Nachfolge Christi, I, 3. 27.)

 

Der heilige Licinius von Angers, Bischof und Bekenner,

+ 1.11.605 – 1. November

 

Licinius wurde um das Jahr 540 geboren, und in allen Wissenschaften ausgebildet, die ein junger Edelmann vom ersten Rang erlernen musste. In einem Alter von zwanzig Jahren schickte man ihn an den Hof Clotars I., dessen naher Verwandter er war. Seine Klugheit und Tapferkeit erwarben ihm die besondere Hochachtung des Königs, der ihm die Stelle eines Oberstallmeisters übertrug. Er ließ sich aber nicht, wie gemeine Seelen, durch den täuschenden Glanz der Ehrenstellen blenden, sondern wusste sie sogar durch treue Erfüllung aller Christenpflichten zu heiligen. Weit entfernt von der Verblendung der Großen, die in einem sinnlichen und zerstreuten Leben keine Mängel an sich finden wollen, züchtigte er seinen Leib durch Übung heilsamen Fastens, und erhob oft sein Herz durch innige Gebete zu Gott. Als er Graf oder Statthalter von Anjou geworden war, gab er den ungestümen Bitten seiner Freunde nach, die stets auf ihn einredeten, sich zu verheiraten. Allein die ihm bestimmte Braut wurde an dem Tag vor der Hochzeitsfeier vom Aussatz befallen. Unser Heiliger, der in diesem Zufall die Hand Gottes erkannte, führte nun den Entschluss, der Welt gänzlich zu entsagen, den er schon lange gefasst hatte, aus. Er trat daher 580 in den geistlichen Stand, und lebte in einer Gemeinde frommer Diener des Altars, deren Vorbild er bald wurde durch seine Frömmigkeit, die Strenge seiner Bußübungen und seinen Eifer im Lesen und Betrachten der heiligen Schriften.

 

Nach dem Tod Audönus, des vierzehnten Bischofs von Angers, begehrte das Volk, eingedenk der Gerechtigkeitsliebe und milde des Licinius, die er in seinem Amt bewiesen hatte, ihn zu seinem Hirten, und diese Wahl wurde sowohl vom Hof als von der Geistlichkeit bestätigt. Nur der Heilige weigerte sich, seine Einwilligung zu geben, weil er sich nur mit dem Blick der Demut betrachtete und beurteilte. Endlich wurde er jedoch genötigt, dem allgemeinen Wunsch nachzugeben und sich die Hände auflegen zu lassen. Von diesem Augenblick an betrachtete er sich als einen Menschen, der nicht mehr sich selbst gehört und der jede Stunde seines Lebens der Sorge für die ihm anvertraute Herde schuldig sei. Seine väterliche Liebe umfasste zugleich ihre leiblichen und geistlichen Bedürfnisse. So fest und unerschütterlich er war, wenn es sich um Aufrechthaltung der Kirchenzucht handelte, so wusste er auch mit der Schwachheit der Sünder Nachsicht zu haben. Die verhärtetsten Herzen konnten der Macht seiner Reden und Beispiele nicht widerstehen, die Gott noch durch die Gabe der Wunder bestärkte. Da die äußeren Geschäfte, so heilig sie auch sein mögen, dennoch eine Seele, die die Übung der inneren Geistessammlung vernachlässigte, in Zerstreuung und Dürre versetzen würden, zog sich unser Heiliger öfters in die Einsamkeit zurück, um sich in jenem Geist der Frömmigkeit und Zerknirschung, der die wahren Hirten stets beleben soll, zu kräftigen. Aus Liebe zu einem stillen, zurückgezogenen Leben, fasste er sogar den Entschluss, seinen Stuhl zu verlassen, um sich nur allein der Sorge für sein eigenes Heil hinzugeben. Allein er konnte ihn nicht ausführen, weil die Bischöfe der Provinz, denen er sein Vorhaben mitgeteilt hatte, nicht einwilligen wollten. Er fuhr daher fort, sich mit allem Eifer dem Dienst der ihm von der Vorsehung anvertrauten Herde zu widmen. Seine letzten Jahre waren eine ununterbrochene Reihe von Gebrechlichkeiten, die er mit unwandelbarer Geduld ertrug.  Er starb um das Jahr 605 in seinem fünfundsiebzigsten Lebensjahr und wurde in der Kirche zum heiligen Johannes dem Täufer begraben, die dem Kloster angehörte, das er in der Absicht gestiftet hatte, sich dahin zurückzuziehen. Diese Kirche, die später zu einem Stift erhoben wurde, besaß bis in die letzten Zeiten die kostbaren Überreste des heiligen Stifters.

 

Seit dem 7. Jahrhundert erzeigt man dem heiligen Licinius öffentliche Verehrung und feiert sein Fest am ersten November. 

 

 Der selige Paul Navarro und seine Gefährten aus der Gesellschaft Jesu,

+ 1.11.1622 – Fest: 1. November

 

Laino, eine Stadt in Kalabrien, war der Geburtsort des seligen Paul Navarro. Mit achtzehn Jahren von Claudius Aquaviva, dem damaligen Provinzial von Neapel und späteren General der Gesellschaft Jesu, in sie aufgenommen, reiste Navarro noch während seiner Studien in die damals von so vielen seiner Mitbrüder heißbegehrten Missionen des äußersten Ostens. In Makao, Portugiesisch-China, wurde er zu Priester geweiht. Von dort kam er 1586 nach Japan. Die Vorbereitung auf den glorreichen Martyrertod war während seiner sechsunddreißigjährigen Missionstätigkeit ein Leben beständiger Abtötung. Täglich geißelte er sich, übte strenge Fasten, trug ein raues Bußhemd, das er bis auf den Scheiterhaufen nie ablegte. In dem gemarterten Körper wohnte aber eine Seele, die von der himmlischen Gnade so verklärt war, dass aus seinen Worten und Schriften, aus seinen Mienen und Augen der heilige Eifer für die Ehre Gottes und das Heil der Seelen und die brennende Sehnsucht nach dem Martyrertod hervorleuchteten. Als dem Seligen im Kerker von Arima das Todesurteil mitgeteilt wurde, sprang er auf vor Freude und dankte Gott für die große Gnade sein Leben für den Glauben opfern zu dürfen. Barfuß, den Rosenkranz am Hals tragend, ging er frohen Mutes zum Scheiterhaufen. Ihm folgten sein Diener mit Namen Klemens und die zwei Katecheten Dionysius und Peter. Pater Navarro stimmte die Lauretanische Litanei an, die anderen antworteten. Stumm vor Staunen über eine solche Heiterkeit im Anblick des nahen Todes standen die Zuschauer da. Auf dem Scheiterhaufen kniete der Selige nieder und richtete ein inbrünstiges Dankgebet zu Gott empor. Darauf hielt er zum letzten Mal eine herzliche Ansprache an die versammelte Menge. Während die Flammen ihn schon umhüllten, ermunterte der besorgte Führer noch seine Gefährten, die mit ihm den Scheiterhaufen bestiegen hatten. Wiederholt rief er die Namen Jesus und Maria an. Dann sank er, die Augen gen Himmel gerichtet, auf die Seite und hauchte seine edle Seele aus.

 

Die seligen Dionysius Fugixima und Peter Onizuchi, Katecheten der Gesellschaft Jesu, waren vom seligen Paul Navarro am Tag ihrer Hinrichtung mit Erlaubnis des Provinzials Pacheco zu den Ordensgelübden zugelassen worden. Dionysius Fugixima stammte aus einer vornehmen christlichen Familie. Er verlor früh seine Eltern und kam so in die Gewalt seiner heidnischen Verwandten, die alles aufboten, ihn zum Abfall zu bewegen. Er floh und schloss sich als Katechet an Pater Navarro an. Bei seinem Tod zählte Dionysius achtunddreißig Jahre. Sein Gefährte im Martyrium und vorher im Amt eines Katecheten, Peter Onizuchi, war erst achtzehn Jahre alt. Als ihm schon sein Todesurteil verkündet war, machte der Statthalter noch Versuche ihn seinen Glauben abschwören zu lassen. Die einzige Antwort des Bekenners war: „Lieber noch schrecklichere Qualen dulden als meinem Glauben untreu werden.“

 

Der vierte Bekenner, der selige Klemens Kiuyemon, war Familienvater. Aus Seeleneifer folgte er dem seligen Pater Navarro als Diener auf seinen Missionsreisen und wurde mit ihm gefangen genommen. Taub gegen alle Drohungen und Versprechungen, wodurch man ihn zur Verleugnung des Glaubens bewegen wollte, empfing er die Palme der Martyrer.

 

Die Leichen der seligen Blutzeugen ließ man zum abschreckenden Beispiel drei Tage unbeerdigt liegen, indem man eine Wache dabei aufstellte. Dann verbrannte man die heiligen Leiber vollends zu Asche und streute sie ins Meer. Es war wohl eine Fügung Gottes, dass während alle Kleider des seligen Navarro verbrannten, sein Bußhemd unverletzt blieb.

 

Der Todestag der vier seligen Martyrer war der 1. November 1622.

 

Die Verfolgungen und Prüfungen der Gläubigen sind notwendig, um sie für die Aufnahme ins himmlische Jerusalem zu bilden. „Gott prüft die Seelen der Gerechten und findet sie seiner wert. Wie Gold im Schmelzofen prüft er sie und wie ein Brandopfer nimmt er sie auf.“ (Weisheit 3,5.6) Inmitten der Verfolgungen werden sie reinere, vollkommen geläuterte Brandopfer, die mit Christus, dem erhabensten Opfer, Gott dargebracht werden. Durch Verfolgung und Leiden müssen die edlen Steine geschliffen werden für den Aufbau der Gottesstadt, dass „sie in Pracht erglänzen. Die Auserwählten werden an der Richtergewalt Christi Anteil nehmen und über die Nationen herrschen und der Herr wird ihr König sein in Ewigkeit“ (Weisheit 3,8). So herrlich ist der Ausgang und der Lohn der Verfolgung und Prüfung.

 

Pater Elias vom heiligen Albert

Gedenktage und Lebensskizzen hervorragender

Mitglieder des Karmelitenordens

 

Gedächtnis des lobwürdigen Pater Elias vom heiligen Albert, Bischof aus dem Karmelitenorden. Elias, nach seinem Vater Lorenz Mouton genannt, erblickte das Licht der Welt am 28. Februar 1643 zu Bergen im Hennegau. Seine erste Ausbildung erhielt er in seiner Heimat, später studierte er an den Universitäten zu Antwerpen und Löwen Medizin und Mathematik. Seine edle Seele hatte aber den Drang nach Höherem in sich, darum trat Lorenz im Jahr 1664 in den Karmelitenorden ein, obschon er voraussah, dass es ihm schwerfallen würde, manches Opfer zu bringen, z.B. das Tabakrauchen zu lassen. Bald nach seiner Profess wurde er zur weiteren Ausbildung in das Missionsseminar St. Pankratz in Rom berufen und nach Vollendung seiner Studien in die Mission gesendet. Nach seiner Ankunft in Dschulfa, einer Vorstadt von Ispahan in Persien, verlegte er sich mit allem Fleiß auf die Erlernung der arabischen und armenischen Sprache und zwar mit solchem Erfolg, dass er beide bald völlig beherrschte. Nun konnte die Arbeit beginnen. Das erste, was Elias tat, war, dass er sich um einen tüchtigen Mitarbeiter umsah, den er auch in der Person des Priesters Basilius, eines Armeniers, fand. Dann begann er Schule zu halten und hatte binnen kurzem die Freude, gegen hundert lernbegierige Knaben um sich zu sehen. Diese führte er in das Reich der Buchstaben und Zahlen ein, während er den Fortgeschritteneren Unterricht in der Philosophie gab und den Erwachsenen dreimal in der Woche predigte. Da seine Erfolge mit jedem Tag zunahmen, begannen die schismatischen Priester mit giftigem Hass auf ihn zu blicken. Es gelang ihnen, ein Gesetz zu erwirken, durch das der gute Pater mit all seinen Gehilfen aus Dschulfa vertrieben wurde. Elias benützte selbst die Zeit seiner Verbannung dazu, seinen Schützlingen zu nützen, und schrieb während dieser Zeit eine armenisch-lateinische Grammatik und ein ebensolches Wörterbuch. Auch trug er in einem Buch die wichtigsten Unterscheidungslehren der Armenier und Katholiken zusammen. Im Jahr 1691 erhielt er die Erlaubnis, seine Öffentliche Tätigkeit wieder fortzusetzen. Seine Bemühungen waren derart von Gottes Segen begleitet und die Zahl der Katholiken nahm in solchem Grad zu, dass ein eigener Bischof für die neue Missionsgemeinde erforderlich wurde. Elias war in seiner Bescheidenheit ganz bestürzt, als er vernahm, dass er selbst für dieses hohe Amt ausersehen sei, und zögerte bis zum Jahr 1696, die bischöfliche Weihe zu empfangen. Das Jahr 1699 führte ihn als Gesandten des neuen Schah Hassein an den römischen Hof; seinen Rückweg sollte er über Florenz, Venedig, Wien, Antwerpen, Portugal und Brasilien nehmen, wo er überall Aufträge des Heiligen Stuhls zu erledigen hatte. Zu Bahia (in Brasilien) ereilte ihn jedoch der Tod (1707). Man hielt ihn allgemein für einen Heiligen, auch versicherten verschiedene Personen, durch seine Fürbitte wunderbare Hilfe erlangt zu haben. Leicht glaublich, lebte der gute Bischof doch so fromm, dass er aufrichtig sagen konnte, Gott in seinem Leben nie durch eine absichtliche Todsünde beleidigt zu haben. 

 

Gebet am 1. November

 

Schönste der Jungfrauen, Königin aller Heiligen. Deine Krone ist mit zwölf schimmernden Sternen, dein Herz mit einer Menge unübertrefflicher Tugenden und Verdienste geschmückt. Lass mir doch die Gnade zuteilwerden, dass ich deine hohe Würde immer mehr erkenne, dass ich dich herzlich und innig liebe. Nimm mich in deinen heiligen Schutz und lass dir die Reinheit meiner Seele für nun und immer empfohlen sein. Amen.

 

Der heilige Ambrosius bei Gelegenheit einer Erhebung

von heiligen Reliquien

 

"Alle wollen die Reliquien der heiligen Märtyrer berühren; und wer sie berührt, der wird gesund. O Dank Dir, Herr Jesus Christus, dass Du uns zu dieser Zeit solche Kräfte der heiligen Blutzeugen wie von den Toten auferweckt hast, zu dieser Zeit, wo Deine Kirche eines großen Schutzes bedarf. - Diese triumphierenden Schlachtopfer sollten unten an die Stätte kommen, wo das große Versöhnungsopfer Christus ist. Er über dem Altar, weil Er für alle gelitten hat, diese unter dem Altar, weil sie durch Seine Leiden erlöst worden sind."

 

Gebet des heiligen Bernard

 

Erbarmt euch meiner, erbarmt euch meiner, ihr wenigstens meine Freunde! Ihr kennt unsere Gefahren, unsere Gebrechlichkeit, unsere Unwissenheit, und die Schlingen unserer Feinde. Ihr wisst, wie schwach wir, und wie grimmig unsere Feinde sind. Ihr habt dieselben Versuchungen bestanden, ihr habt über dieselben Angriffe gesiegt, ihr seid denselben Schlingen entronnen. Was ihr selbst gelitten habt, hat euch mitleidsvoll gemacht. Erbarmt euch meiner. Amen.

 

Gebet der Kirche zu Gott

 

Allmächtiger, ewiger Gott, Du lässt uns die Verdienste aller Heiligen an einem Tag feiern. Wir bitten Dich: sieh auf die große Schar der Auserwählten, und verleihe uns, dass wir an Tugend und an Gnade bei Dir immer zunehmen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Das heutige Fest ist besonders auf die Ehre der seligsten Jungfrau gerichtet, der Königin aller Heiligen. Deswegen auch im heutigen priesterlichen Brevier, das Papst Gregor verfasst hat, ihre mächtige Fürbitte in der zweiten Lektion der ersten Nocturn besonders mit den Worten angerufen wird: "Selig bist du, Jungfrau Maria, Gottes Gebärerin, die du dem Herrn geglaubt hast: in dir ist vollbracht worden, was dir gesagt worden ist. Siehe, du bist über die Chöre der Engel erhöht. Bitte für uns beim Herrn, unseren Gott!"

 

Andacht am 1. November:

 

Das Thema im November:

Liebe

"Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." (Matthäus 22,37-39)

 

"O mein Herr und mein Gott! Wie war es je notwendig, dass Du mir befehlen musstest, Dich zu lieben? - Bist Du nicht Deiner Vollkommenheit wegen der höchsten Liebe würdig! Und verdienst Du nicht unsere ganze Liebe für die unendliche Liebe, die Du zu uns trägst? Wie ist es je möglich, einen Menschen zu finden, der Dich nicht liebt! - Gibt es ja Menschen, die Dich nicht lieben, so sind sie es nicht wert, Dich zu kennen. Eine Seele, die Gott kennt, kann sich nicht erwehren, Ihn zu lieben, und je mehr sie in seiner Erkenntnis fortschreitet, um so mehr liebt sie Ihn." (Die heilige Theresia von Avila)

Ein großer Diener Gottes, der von heiliger Liebe glühte, litt während der Fastnachtszeit eine Art Marter bei dem Anblick, dass so viele Christen sich über Dinge erfreuen, die Gott beleidigen. "Die Liebe wird nicht geliebt," rief er aus, "nicht geliebt wird die Liebe, weil sie nicht erkannt wird!" 

Eine sehr fromme Person offenbarte das Innere ihrer Seele auf folgende Weise demjenigen, der sie auf dem Weg der Tugend führte. "Ein großes Feuer entzündet sich in meiner Seele," sprach sie, "wenn der Herr im innerlichen Gebet mir zeigt, wie sehr Er es verdient, der großen Liebe wegen geliebt zu werden, die er uns erzeigt. Mit derselben Liebe liebt Er uns, mit der Er sich selbst liebt; und dies zeigt Er uns 1. durch die großen Dinge, die Er für uns getan hat, sowie durch die, die er fortwährend für uns tut. 2. Durch sein großes Verlangen nach unserer Liebe. Dies Verlangen führte Ihn bis zu einem Übermaß, das man beinahe Übertreibung nennen könnte. Ach, so innig verlangt er, sich uns kund zu geben, damit wir Ihn lieben, und findet keinen Zugang in unseren Herzen, weil unsere Herzen so schlecht bereitet sind! 3. Durch die Geduld, mit der er den Undank so vieler Geschöpfe leidet, die seiner großen Liebe zu ihnen nicht entsprechen wollen. Beständig geht Er ihnen nach, dass Er von ihnen geliebt wird; und sie verbergen sich vor Ihm, damit sie Ihn nicht lieben. - Wenn ich dies bedenke," sprach sie, "so werde ich bald von Erstaunen ergriffen und rufe aus: Wie! ein Gott kann es dulden, dass Geschöpfe, denen Er ein Herz gab, Ihn zu lieben, Ihn nicht lieben und dass sie verächtliche Geschöpfe bis zum Übermaß lieben! - Bald auch ergreift mich ein Gefühl der Liebe und dann sehne ich mich, das Herz eines Seraphs zu haben, meinen Gott zu lieben. Bald fühle ich mich wieder von Betrübnis durchdrungen und schmachte in tiefer Traurigkeit, wenn ich mir zu Gemüte führe, dass es so viele gibt, die Gott nicht lieben; und dass es eine Zeit gab, wo ich selbst Ihn nicht liebte! Der Schmerz, den ich dann empfinde, wächst, wenn ich bedenke, dass, wer Gott nicht liebt, seine Macht, seine Weisheit, seine Liebe, seine Güte, alle seine Vollkommenheiten und alle Geheimnisse Jesu Christi verachtet. - Und dann flehe ich zur unendlichen Güte meines Gottes, dass er sich zu erkennen gibt, damit Er geliebt wird, und erbiete mich Ihm von ganzem Herzen, das Feuer seiner Liebe in allen Herzen zu entzünden. Dies sind die Empfindungen, von denen ich durch Gottes Barmherzigkeit mich oftmals im Gebet durchdrungen fühle, und ich trachte, sie während des ganzen Tages in mir wach zu erhalten.

 

Wie, o Gott, kann man je Freude finden, etwas zu tun, was Dir missfällt und Dich beleidigt! - O gib mir das Herz eines Seraphs, Dich zu lieben und Deine Liebe in anderen zu entzünden. Lass mich Dein Werkzeug sein, die Gemüter über die Notwendigkeit zu erleuchten, Dich zu lieben und viele Herzen wirksam zu Deiner Liebe zu führen! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 1. November

 

"Die Beispiele der Heiligen sind der ganzen Welt gegeben,

damit ihre großen Opfer und Taten uns ermutigen,

vor kleinen Aufgaben nicht zurückzuschrecken

und treu Hand anzulegen."

 

hl. Ludwig von Granada OP

1504 bis 31.12.1588

 

Betrachtung am 1. November - Am Fest Allerheiligen

 

O seht herab vom hohen Himmelssaal,

Wo selig eure Jubelhymnen klingen,

Ihr Himmelsbürger, in dies Tränental,

Wo, ach, wir arme noch in Schmerzen ringen;

Und bittet, dass Gott unser Flehn erhöre,

Und bald durch uns ergänze eure Chöre.

 

1. Es besteht zwischen der triumphierenden und der streitenden Kirche eine wahre, lebendige und innige Gemeinschaft, denn alle Glieder der einen heiligen Kirche sind durch das Erlösungsblut Jesu Christi miteinander verschwistert. Wir zwar leben noch im Glauben, sie aber in der Anschauung. Doch sind alle, die hienieden in Gottes Gnade leben, "Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes". (Epheser 2,19) Versichert uns aber die ewige Wahrheit, dass mehr Freude im Himmel ist über einen Sünder, der da Buße tut, als über 99 Gerechte, die der Buße nicht bedürfen (Lukas 15,7), so sehen wir daraus klar, dass die glückseligen Himmelsbürger die Gerechten genau von den Sündern unterscheiden.

 

2. Diese Freude der Heiligen an der Bekehrung der Sünder entspringt ihrer feurigen Liebe und der lebendigen Sehnsucht, dass die unendlich liebevolle Majestät Gottes von einer immer größeren Anzahl Anbeter verherrlicht wird. Daher auch nehmen sie den innigsten Anteil an ihren Brüdern und Schwestern, die noch in diesem Tal des Kampfes sind. Sie kennen unsere Schwächen und die Versuchungen, denen wir beständig ausgesetzt sind, und bringen die Bitten, die wir an sie richten, vor Gottes Thron. Wie auch sollten sie, die im irdischen Leben sogar für ihre Feinde beteten, nun, wo ihre Nächstenliebe vollkommen ist, nicht für diejenigen bitten, die sie verehren und anrufen?

 

3. Gott aber erhört die Fürbitten seiner Heiligen für uns. Psalm 145,18-19: "Der Herr ist allen, die ihn anrufen, nahe, allen, die zu ihm aufrichtig rufen. Die Wünsche derer, die ihn fürchten, erfüllt er, er hört ihr Schreien und rettet sie." Auch spricht der Sohn Gottes: "Wenn einer mir dient, wird der Vater ihn ehren" (Johannes 12,26b), diese Ehre aber besteht darin, dass er ihre Bitten erhört. So rufen wir denn diese glorreichen Himmelsfürsten oftmals an, und sprechen wir: Selige Bewohner des himmlischen Jerusalems, bittet für uns beim Thron des Allmächtigen, der euch als seine Kinder liebt, damit wir, wie ihr, die Welt und uns selbst überwinden, im Glauben leben und sterben, und einst Gefährten eurer Seligkeit werden. So heißt es in Davids Psalm: "Deine Freunde, mein Gott, sind mir überaus hoch geehrt; ihre Herrschaft wurde überaus mächtig gekräftigt."

 

2. November

 

Der Allerseelentag

 

Gestern war das Erntedankfest der Mutter Kirche, und heute ist sie schon wieder frisch an der Arbeit, denn außer den Heiligen, die als gesegnete Ernte bereits in der Scheune des Himmels geborgen sind, steht noch manche Frucht, schon geschnitten, in Wind und Regen draußen auf dem Acker. Es sind die Armen Seelen im Fegfeuer. Damit auch diese Garben bald eingefahren werden können, bittet heute die Kirche in ihrer mütterlichen Sorge alle lebenden Gläubigen, sich in christlicher Nächstenliebe an der Erntearbeit zu beteiligen und durch Opfer und Gebet dazu beizutragen, dass auch die bereits geschnittene Frucht bald geborgen wird.

 

Es sind die Armen Seelen aber auch wirklich arme Seelen, die unsere Hilfe überaus nötig haben. Warum sind sie denn arm? Aus verschiedenen Gründen.

 

In der Nähe der Hafenstädte steht, weit im Wasser vorgelagert, ein Leuchtturm. Jede Nacht sendet er in breiten Feuergarben sein Licht über das dunkle Meer, um den Schiffen draußen auf hoher See den Weg zu weisen. Wenn aber ein Vogel in den Lichtkegel des Leuchtturms gerät, so stößt er aus einem unerklärlichen Trieb darauf zu und würde sogar hineinfliegen, wenn ihn die dicke Glasscheibe nicht hinderte. Zahlreich sieht man die Vögel den Leuchtturm umkreisen, mutig nehmen sie den Anflug, prallen gegen die Scheibe, stürzen ab und stürmen wieder vor im steten Wechsel.

 

So ähnlich ist es mit den Armen Seelen. Solange der Mensch im vergänglichen Leib lebt, wird er immer wieder in seinen Gedanken von Gott abgelenkt auf tausend Dinge hin. Wenn aber die Seele die Hülle des Leibes abgelegt hat, so sind alle Gedanken einzig auf Gott gerichtet, und an nichts anderes kann sie mehr denken als nur an Gott allein. Die verlorene Seele tut es in Hass und Grimm, die Seele im Fegfeuer aber in unbeschreiblicher Sehnsucht. „Ach, einmal nur beim lieben Gott sein!“ Dieser Wunsch quält die Seele im Fegfeuer in unaussprechlicher Weise. Weit ist sie indessen noch vom Ziel der Sehnsucht entfernt, denn nichts Unreines geht ein in den Himmel. Keiner darf den Reinigungsort verlassen, bevor er nicht den letzten Rest lässlicher Sündenschuld und zeitlicher Sündenstrafen abgelitten hat. Darauf warten die Armen Seelen, lange und schmerzvoll, Minuten werden ihnen zu Jahren, und immer heftiger und quälender kreisen die Gedanken in ungestillten Heimweh um Gott, wie die Vögel das nächtliche Licht des Leuchtturms umfliegen.

 

Jetzt verstehen wir, warum wir so oft in unseren Gebeten um die ewige Ruhe der Verstorbenen bitten sollen. Wir tun es, damit die Armen Seelen aus der großen Sehnsuchtsqual endlich die Ruhe in Gott, der das ewige Licht ist, finden mögen. Wir tun gut daran, gerade dieses Gebet für die Armen Seelen mit inniger Andacht zu sprechen.

 

Arm sind die Armen Seelen ferner deswegen, weil sie unter reinigenden Strafen zu leiden haben, von denen die Gottesgelehrten sagen, dass sie in dieser Größe auf Erden nie ein Mensch zu erdulden hatte. Auch können sich die Armen Seelen in keiner Weise selbst helfen, denn mit dem Tod bricht die Nacht herein, in der niemand mehr wirken kann, und im Fegfeuer gibt es keine Heilige Messe und keine Sakramente und keine sonstigen Gnadenmittel mehr, da gilt es nur noch, zu leiden und zu dulden, und nichts können die Armen Seelen für sich selbst tun.

 

Die Lebenden aber können den Armen Seelen wohl und sogar kräftig helfen durch ein Gebet am Grab, durch den Rosenkranz, durch das Weihwasser, durch die Ablässe, durch die Heilige Messe, der wir zu ihrem Trost beiwohnen, und durch die heilige Kommunion, die wir für sie aufopfern.

 

Übrigens kann man auch auf die Dankbarkeit der Armen Seelen rechnen, und wenn wir später, so Gott will, Arme Seelen im Fegfeuer sind, so werden uns diejenigen bestimmt helfen, denen wir jetzt helfen.

 

Maria, die Trösterin der armen Seelen im Fegfeuer

 

Maria beschränkt sich nicht darauf, ihre Kinder während ihres Lebens zu unterstützen und ihnen in der Stunde des Todes Beistand zu leisten, sondern sie tröstet sie auch inmitten der Flammen des Fegfeuers. Der heilige Bernardin von Siena versichert uns in seiner dritten Predigt über den heiligen Namen Mariens, dass diese erhabene Jungfrau eine Herrschaft der Güte und der Barmherzigkeit ausübt in jenen jammervollen Gefängnissen, wo die göttliche Gerechtigkeit die Läuterung der Bräute Jesu Christi vollendet. Dieser heilige Kirchenlehrer wendet auf Maria die Worte der Schrift an: „Ich bin auf den Wogen des Meeres gegangen;“ das heißt, ich habe meinen Dienern, die für mich ebenso viele Kinder sind, in ihrer Pein und Betrübnis Linderung gebracht. Der heilige Bernardin macht darauf aufmerksam, dass die Qualen des Fegfeuers mit den Wogen verglichen werden, weil sie vergänglich sind, und mit den Wogen des Meeres im Besonderen, weil sie deren ganze Bitterkeit haben.

 

Maria sagt selbst zu der heiligen Brigitta: „Ich bin die Königin des Himmels, die Mutter der Barmherzigkeit, die Wonne der Gerechten, die Leiter der Sünder. Es gibt im Fegfeuer keine Qual, die nicht durch meinen Beistand gelinder und erträglicher gemacht würde.“ Und bei einer anderen Gelegenheit fügte sie hinzu: „Ich bin die Mutter Gottes, die Mutter aller, die im Fegfeuer sind, weil alle Qualen, die den Sündern als Sühnmittel für ihre Vergehen auferlegt wurden, durch meine Fürbitte erleichtert werden.“ Und unser Heiland sagt selbst zu Maria, wie die heilige Brigitta wiederum erzählt: „Du bist meine Mutter, und der Trost aller, die im Fegfeuer sind.“

 

Eine fromme Überlieferung besagt, laut Aussage des gelehrten Gerson, dass Maria am Tag ihrer Himmelfahrt eine große Anzahl von Seelen aus dem Fegfeuer mit sich in den Himmel führte. Dionysius, der Kartäuser, versichert uns, dass eine ähnliche Gnadenbezeigung sich am Ostertag wiederholt, an dem Maria in jenen Ort der Abbüßung hinabsteigt, um viele von den Unglücklichen zu befreien, die von Gott abgeschieden dort jammern.

 

Bei einer Erscheinung der seligsten Jungfrau, die sie Papst Johannes XXII. gewährte, sagte sie zu ihm laut seiner Aussage in der Bulle, die der gelehrte Benedikt XIV. als authentisch erklärt hat: „Wenn sich unter den Ordensleuten oder Mitbrüdern vom Karmel, die aus dieser Welt scheiden werden, solche befinden, deren Sünden das Fegfeuer verdient haben würden, so werde ich als ihre zärtliche Mutter in ihre Mitte hinabsteigen, und zwar am Samstag nach ihrem Tod, und die ich dort finde, erlösen und sie auf den heiligen Berg, in die glückselige Wohnung des ewigen Lebens führen.“ Paul V. sagt ausdrücklich, dass „das christliche Volk frommer Weise glauben kann, was über den Beistand gesagt wird, den die Seelen der Mitbrüder vom Berg Karmel empfangen, nämlich, dass die heilige Jungfrau ihnen nach dem Tod, besonders am Samstag, mit ihrer Fürbitte, ihren Verdiensten und ihrem besonderen Schutz zu Hilfe kommen werde.“

 

Der gottselige Peter Damian erzählt im letzten Brief des dritten Buches, dass im Jahr 1702 eine Frau, die einige Zeit vordem gestorben war, am Vorabend des Festes Mariä Himmelfahrt einer ihrer Freundinnen erschienen sei. Und nachdem sie sie gefragt hatte, in welcher Lage sie sich befinde, habe sie geantwortet: dass sie bis zu diesem Tag unsägliche Qualen erduldet hat, in der vorangegangenen Nacht aber sei sie, nachdem die heiligste Jungfrau für sie und mehrere andere Fürbitte geleistet hat, mit einer weit größeren Anzahl von Seelen, als die Bevölkerung der ganzen Stadt Rom betrage, aus dem Fegfeuer befreit worden. Und da sie Mühe hatte, die Offenbarung der anderen zu glauben, fügte sie als unzweifelhaften Beweis für die Wahrheit ihrer Worte hinzu, dass sie am Ende eines Jahres sterben werde, an demselben Tag, an dem sie mit ihr sprach, was sich auch genauso begab, wie sie vorausgesagt hatte.

 

Der heilige Viktorin, Bischof und Märtyrer von Pettau, Österreich,

+ 2.11.304 – Fest: 2. November

 

Gleich ausgezeichnet als gelehrter Kirchenvater, als seeleneifriger Bischof und unerschrockener Märtyrer tritt uns der heilige Viktorinus von Pettau in Steiermark entgegen. Vor seiner Bekehrung zum christlichen Glauben war er ein berühmter öffentlicher Redner und stammte wahrscheinlich aus Afrika. Er war der lateinischen und griechischen Sprache gleich mächtig und der heilige Hieronymus rühmt in seinen zahlreichen Schriften die Fülle frommer und schöner Gedanken. Er schrieb Abhandlungen über die fünf Bücher Mose, über den Propheten Jesaja, Ezechiel und Habakuk, über das Hohelied, die Geheime Offenbarung des heiligen Johannes, gegen die Ketzer und viele andere. Von diesen Schriften ist leider nur weniges erhalten geblieben. Auch einige Gedichte soll er verfasst haben.

 

Als Bischof von Pettau an der Drau verkündete er in seinem Sprengel mit rastlosem Eifer Jesus den Gekreuzigten, verteidigte die christliche Lehre siegreich gegen die Angriffe der heidnischen Weltweisen und gewann durch sein überzeugendes, glühendes Wort, wie durch seinen musterhaften Lebenswandel und seine Selbstbeherrschung viele Seelen für das Reich Gottes.

 

Unter der grausamen Christenverfolgung während der Regierung der tyrannischen Kaiser Diokletian und Galerius tröstete der heilige Bischof die Gläubigen und begeisterte sie zur heldenmütigen Ausdauer. Sich selbst vergessend, dachte er nur an seine Herde und betete unaufhörlich zu Gott, dass sie im Sturm der Verfolgungen nicht untergehen möge. Um allen Untergebenen ein Beispiel des Starkmutes und der Glaubenstreue zu geben, überlieferte er sich selbst in die Hände der blutdürstigen Verfolger und opferte freudig sein Blut und Leben für Jesus Christus, den Anfänger und Vollender unseres Glaubens, der uns die Verheißung gegeben hat: „Wer sein Leben um meinetwillen verliert, wird es gewinnen.“

 

Der heilige Marcian, Bekenner von Cyrus in Syrien, Einsiedler,

+ 2.11.387 – Fest: 2. November

 

Marcian, geboren in Cyrus in Syrien, stammte aus einer Patrizierfamilie. Sein Vater bekleidete die ersten Würden im Reich. Er selbst wurde am Hof erzogen. Allein er erkannte frühzeitig die Welteitelkeit und entschloss sich ihr zu entsagen. Er verließ daher Vaterland und Freunde, um den Menschen ganz unbekannt zu leben. In der Wüste Chalais in Syrien, an den Grenzen von Arabien, widmete er sich in einer engen Zelle, wo er aller Bequemlichkeiten des Lebens entbehrte, einzig mit Gott beschäftigt und gänzlich von allem Umgang mit Menschen abgeschnitten, dem Streben nach christlicher Vollkommenheit. Er teilte seine Zeit zwischen Psalmgesang, Lesen, Beten und Handarbeit. Brot war sein einziges Nahrungsmittel, und selbst das gestattete er sich so spärlich, dass er sich niemals sättigte. Doch ließ er nie mehr als einen Tag ohne zu essen vorübergehen, um immer Kräfte genug zur Erfüllung seiner Pflichten zu haben. Die Gabe der Beschauung besaß er in einem so hohen Grad, dass ihm ganze in dieser heiligen Übung verlebte Tage wie Augenblicke erschienen. Das übernatürliche Licht, das ihm durch diese innige Vereinigung mit Gott zuströmte, führte ihn zur Kenntnis der großen Wahrheiten und Geheimnisse des Glaubens. Sein dem Herrn da hingegebenes Herz wurde oft mit einem Strom der Wonne und der Tröstungen übergossen.

 

Indessen wurde er, ungeachtet seiner Vorsichtsmaßregeln den Menschen unbekannt zu bleiben, durch seine Heiligkeit entdeckt. Auf dringliches Bitten willigte er endlich ein zwei Schüler anzunehmen, Eusebius und Agapitus, die nicht weit von ihm in abgesonderten Zellen wohnten. Des Tages hindurch sangen sie Psalmen und holten sich oft bei ihm Rat über die Mittel zur Vollkommenheit zu gelangen. Nach und nach bildete sich aber aus der Einsiedelei des Heiligen ein zahlreiches Kloster, dem Eusebius vorstand. Marcian entwarf selbst den Lebensplan, und unterzog sich dem Unterricht der ihn oft besuchenden Genossen.

 

Flavian von Antiochien, Acacius von Beröa, Isidor von Cyrus, Eusebius von Chalcis, Theodor von Hierapolis, die berühmtesten Bischöfe Syriens besuchten ihn eines Tages insgesamt mit den vornehmsten Kriegsobersten und Staatsbeamten. An der Tür seiner Zelle baten sie ihn, er möge ihnen doch einige Unterweisungen mitteilen, wie er es bei ähnlichen Gelegenheiten zu tun pflegte. Ein so hoch ansehnlicher Besuch setzte seine Demut in Schrecken, und er schwieg einige Zeit. Als man aber in ihn drang zu reden, sagte er seufzend:

 

„Ach, der Herr spricht jeden Tag zu uns durch seine Geschöpfe und durch die Herrlichkeit des Weltalls, die da vor unseren Augen liegt. Er spricht zu uns durch sein Evangelium und unterrichtet uns über unsere Pflichten gegen uns selbst und gegen den Nächsten. Er erschreckt und ermutigt uns zugleich. Indes benützen wir nicht alle Lehren, die er uns gibt. Was könnte nun Marcian noch sagen, er, der mitten unter so eindringlichen Unterweisungen so wenige Fortschritte in der Tugend macht?“

 

Die Bischöfe hatten die Absicht, ihn zum Priester zu weihen. Allein um seiner Demut keine Gewalt anzutun, sahen sie von ihrem Vorhaben ab.

 

Verschiedene Wunder vermehrten noch die allgemeine Verehrung, die man für den Diener Gottes hatte. Man baute an mehreren Orten Kapellen, um ihn nach seinem Tod in eine von ihnen zu beerdigen. Marcian wurde aber darüber tief betrübt und ließ sich von seinen Schülern das Versprechen geben, ihn heimlich an einem unbekannten Ort zu begraben. Man setzt seinen Tod gegen das Jahr 387. Seine Schüler hielten ihr gegebenes Versprechen. Einige Jahre nach seinem Tod entdeckte man jedoch seine Gebeine und verschloss sie in einen steinernen Sarg. Sein Grab wurde häufig besucht und durch mehrere Wunder verherrlicht.

 

Der heilige Vulganius, Missions-Bischof bei Artois, Frankreich,

Patron von Lens,

+ 2.11.700 – Fest: 2. November

 

Der heilige Vulganius war ein Engländer oder Brite von Geburt. Er predigte einige Zeit in der Gegend von Lens, in Artois, den Glauben. Er lebte im 7. Jahrhundert und starb in einer Zelle bei der Abtei zum heiligen Vedastus in Arras, die kurz vorher gestiftet worden war. In seiner handschriftlichen Lebensgeschichte, die in der ehemaligen Abtei Bec aufbewahrt wurde, findet man eine Beschreibung mehrerer an seinem Grab geschehener Wunder. Er ist Patron der Stadt Lens. Sein Fest wird am 2. November begangen.

 

Der selige Rathold von Bad Aibling,

Einsiedler bei Unserer Lieben Frau zur Linde auf dem Georgenberg in Tirol,

+ 2.11. im 10. Jhd. – Gedenktag: 2. November

 

Im 10. Jahrhundert, da die Herzoge von Bayern auch über das Land Tirol regierten, lebten im Markt Aiblingen in Oberbayern begüterte Edelleute. Einer von ihnen, mit Namen Rathold, fasste den Entschluss allem menschlichen Umgang zu entsagen und als Einsiedler sein Leben nur Gott zu weihen. Er verließ heimlich seiner Eltern und Geschwister Haus, allen Freuden und Gütern der Welt entsagend, und flüchtete sich ins raue Stallental, das einsam und schauerlich ins Kalkgebirge eingewühlt, sich nordwestlich von Stans ausbreitet. Er ließ sich dort in einer Felsengrotte nieder, die von einem gewaltigen Lindenbaum beschattet war, zog später nach Rom und Compostela, um an diesen Wallfahrtsstätten die rechte Einsiedlerweihe zu schöpfen. Von dieser Wallfahrt kehrte er als Priester nach Tirol zurück und brachte ein Bildnis der schmerzhaften Mutter Gottes mit sich, das er zur allgemeinen Verehrung unter der Linde neben seiner Höhle aufstellte, woher die Benennung „Unsere Liebe Frau zur Linde“ sich Herschreibt.

 

Die geheimnisvolle Nähe der Gottesmutter leuchtete bald mit unzähligen Wundern, alles Volk der Umgebung strömte ins Gebirge zur Gnadenreichen. Kranke an Leib und Seele fanden Genesung und Trost in allen Wehen des irdischen Lebens.

 

Da Rathold darin den Willen Gottes erkannte, so beschloss er, um den Wallfahrern den Zugang zu dieser Gnadenquelle zu erleichtern, die unzugängliche Felsengrotte zu verlassen und auf einer besser gelegenen Anhöhe eine Kapelle und Einsiedlerbehausung zu bauen. Ratholds Bruder, Ubald mit Namen, und mehrere Edelleute von Freundsberg, Schlitters und Säben schlossen sich fromm gesinnt dem Bauunternehmen an. Man bestimmte die Burghöhe nächst ober dem heutigen Dorf Stans in herrlicher Landschaft zur Stelle des gelobten Gebäudes. Die Bauleute legten Hand ans Werk, aber zu ihrem Nachteil: ein Unfall folgte dem anderen, besonders häufig kamen Verwundungen vor. Die Vögel des Himmels trugen die blutgefärbten Holzabfälle und Splitter auf einen hohen Felsen tiefer ins Tal. Mit Sorgfalt beobachtete man die Richtung ihres Fluges und man fand wirklich auf jenem schroffen Felsen, wo noch das Gotteshaus steht, die davongetragenen Holzabfälle so ordentlich und künstlich übereinandergelegt, dass man den Platz erkannte, wo die Kapelle sollte aufgebaut werden.

 

Man baute also an diesem angedeuteten Ort Kapelle und Zelle, und so entstand die Kirche der schmerzhaften Jungfrau auf Georgenberg mit des Einsiedlers Rathold Behausung. Doch nicht lange blieb er allein. Edeljünglinge, von seinem Beispiel angezogen, wurden seine Schüler. Der Verein wuchs in gesonderten Zellen um die Gnadenstätte der Lindenjungfrau zu einer Klausnergemeinde unter Ratholds Leitung und Aufsicht, von Rom aus mit einer Reliquie des heiligen Georg, von freigebigen Edelherren mit Gut und Gabe beschenkt, durch reichliche Opfer der von weiten Gegenden zusammenströmenden Pilger unterhalten. Auf diese Weise erweiterte sich der Verein auch nach Ratholds Tod ungemein und reifte zu einem geschlossenen Kloster heran. Im Jahr 1125 bestieg Regimbert, früher selbst Benediktinermönch, den bischöflichen Stuhl von Brixen. Er verband die Einsiedler vom Georgenberg durch die Regel des heiligen Benedikt zu einer geregelten Gemeinde, und bestellte den Abt Eberhard zum Vorstand. Die erwähnten Mönche bewohnten Georgenberg bis zum Jahr 1705. Im Jahr 1706 wurde das Kloster nach Viecht übergesetzt, wo ein jetzt in herrlicher Blüte stehendes Kloster erbaut wurde. Das ebenfalls nach Viecht übertragene Gnadenbild wurde, da der Zug der Wallfahrer nach Georgenberg nicht abnahm, wieder nach St. Georgenberg getragen.

 

Neben der eigentlichen Gnadenkapelle der schmerzhaften Mutter Gottes befindet sich auf dem Altar der ehemaligen Klosterkirche das heilige Blut in einem gläsernen Zylinder. Im Jahr 1310 nämlich zweifelte ein dort Messe lesender Priester vor dem Genuss des heiligen Blutes, ob im Kelch bloß Wein oder das Blut Christi sei. Da wallte das Blut wie siedend im Kelch auf und floss über auf das Altartuch, strafend den verwirrten Zweifler. Ein Teil von ihm wurde bis auf den heutigen Tag aufbewahrt.

 

Noch immer wallen fromme Gläubige scharenweise zur Himmelsmutter auf St. Georgenberg und finden dort immer Trost und Linderung und Hilfe. 

 

Pater Basilius von der heiligen Katharina

Gedenktage und Lebensskizzen hervorragender

Mitglieder des Karmelitenordens

 

Am 2. November 1654 verschied zu Koblenz der lobwürdige Pater Basilius von der heiligen Katharina. Er hieß in der Welt Johann Odendael und war am 4. Dezember 1610 zu Köln geboren. Pater Basilius war von frühester Jugend an ein eifriger Verehrer der seligsten Jungfrau. Deshalb schätzte er sich überglücklich, als er am 30. Dezember 1627 in den Orden Unserer Lieben Frau eingekleidet wurde. Dankbar für die ihm zuteil gewordene Gnade legte er den größten Eifer an den Tag, um sich seines Berufes würdig zu erweisen. In das neugegründete Kloster zu Prag versetzt, begann er dort seine seelsorgliche Tätigkeit mit nicht geringerem Erfolg als Eifer. Die ihm eigene Milde gewann ihm in dem Maß alle Herzen, dass ihm auch die größten Sünder nicht widerstehen konnten und unter seinen Zuhörern ein allgemeines Verlangen nach Buße und Besserung des Lebens entstand, wie in Prag, Köln und besonders zu Würzburg mit Dank Gott gegenüber allgemein anerkannt wurde. Der Herr führte ihn auch in die Schule des Kreuzes. Ein arges Steinleiden bereitete ihm oft die schrecklichsten Schmerzen. Ergeben in Gottes Willen, ertrug Pater Basilius sie mit größter Geduld. Im Jahr 1654 kam er nach Koblenz, von wo er Geschäfte halber nach Welmich geschickt wurde. Auf der Rückreise glitt er in der Dunkelheit der Nacht aus und fiel so unglücklich, dass er in Lebensgefahr kam und die heiligen Sterbesakramente empfangen musste. Kapuziner und Jesuitenpatres, die eben beim Fürsten zu St. Goar weilten, nahmen sich seiner in liebevollster Weise an und wachten des Nachts an seinem Lager. Man benachrichtigte die Oberen seines Klosters, worauf Pater Baltasar ihn in einem gemieteten Kahn nach Koblenz brachte. Pater Basilius war jedoch zu schwach, um noch ins Kloster zu gelangen. Man sah sich gezwungen, den Kranken bei einem Kanonikus unterzubringen, der ihm bereitwillig ein Zimmer zur Verfügung stellte. Da lag der gute Pater Tag und Nacht in den größten Schmerzen und opferte diese in heldenmütiger Geduld für die armen Seelen auf. Am Allerseelentag um fünf Uhr früh erlöste ihn endlich der Tod von seinem Leiden. Die Mutter des erlauchten Fürsten besorgte selbst den Schmuck für die Totenbahre. Patres der Jesuiten, Dominikaner, Franziskaner fanden sich zur Beerdigung in der Deutschherrnkirche ein. Auch der Dekan von St. Kastor mit seinem Kapitel erwies ihm die letzte Ehre. Die Kanoniker des Stiftes sangen das Begräbnisamt.

 

Gebet am 2. November

 

Glorwürdigste Jungfrau Maria, du wahre Mutter des Sohnes Gottes. Weil deine Fürbitte am allermächtigsten ist, so erwähle ich dich heute zu meiner herzliebsten Mutter, treuesten Mittlerin und Patronin bei Gott in meinem Leben und Sterben und nach meinem Tod im Fegfeuer. Ich übergebe mich dir als dein Kind und als dein treuer Diener und verspreche dir, dass ich dich allzeit fleißig verehren und nach Möglichkeit deine Ehre befördern will. Nimm du mich auch zu deinem wahren Kind an und was eine treue Mutter an ihrem lieben Kind tut, das tue auch an mir im Leben und im Tod. Amen. 

 

Zu Gott

 

Gott, unser Vater, ich vereinige heute und alle Tage meine Gebete und Wünsche mit dem Opfer und dem Bitten Deiner Kirche für die Seelen der hingeschiedenen Brüder und Schwestern, die wegen ihrer Unvollkommenheit und Sündenmängel noch nicht würdig sind, Dein heiliges Angesicht zu schauen. Sieh an die unendlichen Verdienste Deines Sohnes, unseres Heilandes, und schaue auf die Fürbitten der Heiligen im Himmel und Deiner Kinder auf Erden. Erbarme Dich besonders derjenigen, für die ich zu beten schuldig bin, reinige sie von allen Flecken des Erdenlebens, damit sie bald würdig werden zu schauen, was sie geglaubt, und zu genießen, was sie gehofft und geliebt haben. Amen.

 

Gebet der Kirche

 

O Gott, Schöpfer und Erlöser aller Gläubigen, verleihe den Seelen Deiner Diener und Dienerinnen Vergebung ihrer Sünden, damit sie durch unser demütiges Gebet die Nachlassung der Sünden, die sie allezeit gewünscht haben, erhalten, der Du lebst und regierst, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Man glaubt, dass die seligste Jungfrau als die Mutter der Barmherzigkeit durch ihre mächtige Fürbitte den Seelen der Verstorbenen im Fegfeuer zu Hilfe kommt, besonders jenen, die ihrem Dienst auf Erden ergeben gewesen sind.

 

Andacht am 2. November:

 

Das Thema im November:

Liebe

"Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." (Matthäus 22,37-39)

 

"Wer bis dahin kam, dass er sein Herz ganz und gar auf Gott setzt, der hat keine Liebesneigung zu irdischen Dingen; der Glanz der Ehre, der Schimmer des Reichtums macht keinen Eindruck mehr auf ihn; er findet seinen ganzen Trost und seine Sicherheit in Gott allein." (Die heilige Theresia von Avila)

Wenn der heilige Bernhard irgend ein Vergnügen an etwas Erschaffenem empfand, war er darüber beschämt und sprach seufzend: "Die Liebe zu meinem Gott ist nicht sonderlich brennend in mir; wäre sie es, so würde nichts außer Gott mich lieblich ansprechen!"

Die heilige Katharina von Genua rief, von Liebe zu ihrem Gott entzündet, aus: "Nichts soll von nun an mein Herz an diese Welt heften! Nein, keine Liebesneigung mehr zu etwas, was die Welt liebt! Wäre ich Herrin über tausend Welten, allen würde ich gänzlich entsagen, auf dass Gott vollkommen Herr meines Herzens würde!" 

In dem Herzen des heiligen Ignatius von Loyola war nur Gott, das Verlangen, Ihm zu gefallen und ihm Seelen zu gewinnen.

Man erzählt von dem gottseligen Priester Pater Johannes Cayron, dessen sehr erbauliche Lebensgeschichte Pater Serranne verfasste, dieser heilige Ordensmann habe keine andere Leidenschaft gekannt, als Gott zu lieben und den Nächsten zu Seiner Liebe zu führen.

 

Mein Gott, Dir übergebe ich mein Herz; gänzlich sei es Dir geweiht! Lass nicht zu, dass es je wieder an Dinge dieser Erde gefesselt wird; noch über erschaffene Dinge sich erfreut. Meine einzige Leidenschaft soll sein, Dich zu lieben und andere zu Deiner Liebe zu führen! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 2. November

 

"Die Gebete genügen nicht, um die Seelen aus dem Fegfeuer zu befreien.

Das Blut Jesu Christi kann allein die Flamme auslöschen, die sie verzehren."

 

sel. Heinrich Seuse OP

1298 bis 25.1.1366

 

Betrachtung am 2. November - Am Gedächtnis Allerseelen

 

Nimm, Herr, die Seelen, die in deinem Frieden

Aus dieses Lebens Kämpfen abgeschieden,

Barmherzig auf in deiner Heil`gen Schar,

Dass sie dich selig preisen immerdar.

 

1. 2. Makkabäer 12,45: "Es ist ein heiliger und heilsamer Gedanke, für die Verstorbenen zu beten, damit sie von ihren Sünden gelöst werden." Heilig ist dieser Gedanke, weil er von der Liebe, der ersten aller Tugenden, ausgeht, die fordert, dass wir alle, die wir in Jesus Christus ein Körper sind, einander zu Hilfe kommen, und füreinander beten sollen. Sind wir nun schon gegen unsere lebenden Brüder und Schwestern zu diesem heiligen Liebesdienst verpflichtet, wie weit mehr gegen jene, die keine Verdienste mehr erwerben können, der göttlichen Gerechtigkeit genug zu tun, da sie bereits "in jener Nacht sind, wo niemand mehr wirken kann?"

 

2. Ja, dieser Gedanke ist nicht nur heilig, sondern auch heilsam. Denn unsere Gebete, Almosen und andere guten Werke, ganz vorzüglich aber das unblutige Opfer unserer Erlösung, gereichen den Seelen, die das Leben in Gottes Gnade verließen, zum größten Heil, weil wir dadurch an ihrer statt der göttlichen Gerechtigkeit genugtun. Denn liebevoll nimmt der Vater der Erbarmungen auf, was wir mit Liebe für diese Seelen tun, die er selbst väterlich liebt, und zu seiner ewigen Liebe auserwählte. Es ist also eine heilige Pflicht, für unsere verstorbenen Brüder und Schwestern zu beten, die mit unserem Gebet rechnen und uns zurufen: "Erbarmt, erbarmt euch meiner, ihr, meine Freunde." (Ijob 19,21)

 

3. Es ist ein Ausspruch aller Väter, dass die Strafen der künftigen Welt alle unsere Vorstellungen übertreffen. "Denn jetzt aber, da sein Zorn nicht straft, und nicht groß des Frevels achtet" (Ijob 35,15), dann aber wird der letzte Heller eingefordert. Wie viele Eltern seufzen dort nach der tätigen Liebe undankbarer Kinder. Wie viele Freunde erwarten Hilfe von ihren Freunden und anderen, denen sie einst Gutes taten. Und wie überaus schmerzlich ist für sie die Unbarmherzigkeit ihrer Hinterlassenen. Könnten wir nur einen Blick in diese Gefängnisse der göttlichen Gerechtigkeit tun, wie eifrig würden wir sein, für die Verstorbenen zu beten und zu wirken. Unterlassen wir diese heilige Pflicht an keinem Tag, denn mit dem Maß, womit wir messen, wird uns zurückgemessen werden. Im Buch Kohelet lesen wir: "Versage einem Verstorbenen keine Gnade."

 

3. November

 

Der heilige Hubert, Jäger und Bischof von Tongern,

+ 3.11.727 - Fest: 3. November

 

Am heutigen Tag wird im Erzbistum Köln und in den westlich angrenzenden Bistümern in Holland, Belgien, Luxemburg und Nordfrankreich das Fest des heiligen Hubert begangen, der als der Patron der Jäger gilt.

 

Zu Beginn ist die Legende vom heiligen Hubert in keiner Weise christlich. Hubert, von Geburt ein Herzog war ein Lebemann, war ein leidenschaftlicher Jäger, der alle Tage, nicht nur werktags, sondern auch sonntags, auf die Jagt ritt und der ungezählte Hasen, Füchse, Wölfe, Wildschweine, Rehe und Hirsche auf dem Gewissen hatte. Einmal hat es Hubert in seiner verblendeten Leidenschaft fertiggebracht, hoch zu Ross an einem heiligen Karfreitag auf die Pirsch zu gehen, an dem Tag doch kein Blut fließen darf, weder von Menschen noch von Tieren, weil der liebe Heiland diesen Tag durch sein Blut geheiligt hat.

 

Zehn Treiber hatte der Herzog Hubert damals bei sich, und jeder der zehn Treiber führte zehn Hunde an der Leine, insgesamt hundert Hunde. Man kann sich denken, was das für ein Gekläff und Gerenne gab, als die hundert Hunde im gleichen Augenblick losgekoppelt wurden. Und sofort hatte die Meute einen Hirsch aufgestöbert, einen von den seltenen weißen Hirschen. Mit Trara setzten Hubert und die hundert Hunde weidmännisch hinter dem edlen Tier her. Hart ging es über Stock und Stein, und zweimal schon hatte der wilde Jägersmann das Ziel verfehlt, als sich plötzlich der Hirsch umwendete, wie aus Erz gegossen stehenblieb, und sogleich hielt auch das Ross schnaubend und zitternd still, und die hundert Hunde knickten die Vorderbeine ein, als wollten sie sich auf ihre Art knien, und Hubert selbst sah im Geweih des weißen Hirsches ein strahlendes Kreuz, und eine Stimme redete ernst und mild:

 

„Wie lange willst du wilder Waidmann, noch den Tieren in den Wäldern nachjagen? Wenn du dich nicht wahrhaft zu dem Herrn bekehrst, so wirst du in den Abgrund der Hölle stürzen.“

 

So sprach die Stimme ernst und mild, und Hubert bekehrte sich auf der Stelle. Alles ließ er im Stich, Reichtum und Familie, Haus und Heim, und ging als Klausner büßend in die dichte Einsamkeit des Ardenner Waldes, sieben Jahre lang, und als die sieben Jahre vorüber waren, machte Hubert eine Wallfahrt nach Rom, wo damals Papst Sergius die Kirche leitete, und der Papst weihte den Büßer aus dem Ardenner Wald zum Bischof von Maastricht, wo eben sein Vorgänger, der heilige Märtyrerbischof Lambert, von dem sich eine Reliquie im herrlichen Liebfrauenmünster zu Freiburg im Breisgau befindet, unter den Dolchen von Meuchelmördern den Geist aufgegeben hatte.

 

Fünfundzwanzig Jahre lang hat Hubert den Bischofsstab getragen, und der wilde Jägersmann von ehedem hat als guter Hirt die Schafe und die Lämmlein der Herde Christi mild und treu gehütet, und als er im Jahr 727 starb, wurde er mitten in seinem geliebten Ardenner Wald beigesetzt. Über dem Grab erbaute man einen großen Dom, der heute noch steht, und eine Stadt entstand um den Dom, die nach ihm St. Hubert heißt.

 

Der heilige Malachias, Erzbischof von Armagh in Irland,

+ 3.11.1148 - Fest: 3. November

 

Der heilige Malachias, dessen Leben der heilige Bernard, sein Freund im Leben, sein Beistand im Tod, ausführlich beschrieben hat, wurde zu Armagh in Irland im Jahr 1094 von edlen Eltern geboren. Seine fromme Mutter besorgte seine gottselige Erziehung. Geleitet vom Mutterherzen und frommen Lehrern übergeben, nahm er als Junge, noch mehr als junger Mann in allem Guten dermaßen zu, dass seine Wissenschaft und Frömmigkeit sein Alter und seine Schulkameraden weit übertraf. Kein jugendlicher Fehler wurde an ihm bemerkt, nur hoher Ernst und Gottesfurcht. Seine Freude war in Gott und im Umgang mit frommen Menschen. So war die Jugend des Malachias beschaffen, den Gott zum Wiederhersteller der ehemals so blühenden, jetzt aber so tief gesunkenen Kirche in Irland auserwählt hatte. Dazumal lebte am selben Ort ein Einsiedler, Imar mit Namen, der im Ruf großer Heiligkeit stand. Malachias ging noch als sehr junger Mann zu ihm hin, um die Bahn der Vollkommenheit zu betreten, und übergab sich dessen Leitung. Dieser Schritt wurde von seinen Altersgenossen als Unsinn, bei vielen als Unverstand und Blödsinn gehalten und von den meisten als Torheit verspottet. Aber der junge Mann, der sich und der Welt absterben wollte, um nur für Gott zu leben, achtete nicht das Urteil der Welt und blieb in dieser Klause, wie Bernard sagt, wie in einem Grab. Seine Gelehrigkeit, das Stillschweigen, die Abtötung, der Eifer und die Andachtsglut waren für Imar die Probe seines Berufes, und er liebte ihn sehr. Auch das Urteil der Welt ging bald in Bewunderung für den jungen Heiligen über. Er fand bald einige Nachahmer und Genossen dieses Bußlebens.

 

Jetzt kam die Zeit, dass Gott das Werkzeug zur Besserung der Gläubigen aus der Stille und Verborgenheit hervorzog und in öffentlichen Gebrauch setzte. Zelsus, der Erzbischof von Armagh, berief den Malachias zum Kirchendienst, weihte ihn zum Diakon, und im 25. Lebensjahr zum Priester, gegen alle seine demütigen Gegenvorstellungen, ernannte ihn zu seinem Vikar, übertrug ihm das Predigtamt und die Wiederherstellung der Kirchenzucht. Der Heilige unterzog sich auf die demütigste und liebevollste Weise seinem viel beschwerten Amt. Schon als Diakon nahm er sich tätig der Armen und Kranken an und machte sich eine Freude daraus, nach ihrem Hinscheiden ihnen den letzten Dienst der Beerdigung zu erweisen, obgleich er von seiner eigenen zu vornehm gesinnten Schwester getadelt und verhöhnt wurde, dass er, ein Adelssohn, den Krankenwärter und Totengräber mache. Als Prediger flehte er zu Gott, dessen Werk es ist, Seelen zu bekehren und zu heiligen, um den Geist, der das Leben gibt, und um einen Vortrag, der die Herzen bewegt und leitet. Sein Umgang und die Lebensweise predigte schon zum Voraus das heilige Evangelium. Wenn er nun wirklich predigte, so war seine Rede wie ein verzehrendes Feuer vom Himmel, so dass Hörer und Beobachter bekannten: „Dieser ist ein Mann voll des Heiligen Geistes.“ Mit großem Segen verwaltete er somit seine Stelle und erzog das rohe und ausgeartete Volk zu einem Volk, das Gott in Geist und Wahrheit zu dienen sich beeiferte. Dennoch hielt sich der Diener Gottes in seiner Demut für ein unnützes Werkzeug in den Händen Gottes und suchte einen neuen Lehrmeister auf zur eigenen Heiligung und zur Anleitung im Predigtamt.

 

Mit Bewilligung des Erzbischofs begab er sich zu Malchus, Bischof zu Lismore, einem anerkannt gottseligen und gelehrten Mann, und nahm bei ihm Unterricht über die Kunst, Seelen zu Gott zu führen, über die Kirchenzucht und überhaupt über den Dienst Gottes. Auch hier arbeitete er mit vielem Segen und kam auf Verlangen seines Oberhirten und Imars wieder nach Armagh zurück. Indessen starb seine oben erwähnte Schwester. Er empfahl ihre Seele lange Zeit hindurch Gott im heiligen Messopfer. Als er aber dies dreißig Tage lang später nicht mehr getan hatte, wurde er im Traum erinnert, dass seine Schwester mit Schmerzen seine Beihilfe erwarte und seit dreißig Tagen bitteren Hunger leide. Er fing also mit neuem Eifer wieder an für sie zu beten und las täglich zu ihrer Erlösung die heilige Messe oder ließ sie lesen. Einige Zeit danach glaubte er sie bei der Kirchenpforte zu sehen und bald darauf in der Kirche selbst. Schließlich nach einigen Tagen, als er am Altar stand, erschien sie ihm mitten unter seligen Geistern und voll der Freude, was ihm großen Trost brachte. Eine andere Freude wurde ihm um diese Zeit dadurch zu teil, dass ein Vetter von ihm, der ein großes Vermögen besaß, sich zu einem geistlichen und klösterlichen Leben entschloss, und unter seiner Anleitung ein neues Kloster in Benchor herstellen und gründen ließ, wohin er sich selbst mit noch zehn Geistlichen begab. Dort wurde ihm der Aufenthalt nicht lange vergönnt. Denn bald darauf musste er auf die Ermahnung seines Erzbischofs und seines ersten Lehrers Imars das erledigte Bistum Konner übernehmen. Da öffnete sich seinem heiligen Eifer ein großes, noch sehr unbebautes Feld. Das Volk in diesem Bistum war in den Zustand der Wildheit zurückgefallen, nur der Sünde kundig und erhärtet. Es lässt sich daher auch nicht kurz beschreiben, was der seeleneifrige Mann daselbst tat und zu dulden und zu leiden fand. Mutvoll legte er Hand ans Werk, setzte sein Vertrauen auf Gott, lehrte, predigte, ermahnte, strafte; besuchte barfuß sein ganzes Bistum, von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf, übertrug mit hoher Geduld alle Verspottung und Misshandlung seiner Person, Mühe, Abmattung und widrige Zufälle; brachte ganze Nächte im Gebet und eigener Bußübung zu, um von Gott zu erflehen, was er nicht zu wirken vermochte. Gott segnete seinen Eifer durch wundervolle Bekehrungen; durch eine schnelle Strafe eines Gewohnheitssünders, der während der Sündentat dahinstarb; durch die Wundergabe, die er ihm mitteilte. So wurde auch dieses Volk zu Gottes Volk erzogen. Doch auch dieses Bistum musste er wieder verlassen. Denn Zelsus war gestorben und hatte mit Einstimmung der Geistlichkeit und des Volkes ihn zu seinem Nachfolger ernannt, und zwar neben anderem vorzüglich deswegen, damit dieses Erzbistum nicht von Adeligen, die es sich anmaßten gegen die heiligen Kirchensatzungen zu handeln, gleichsam wie von Erben in Besitz genommen werde. Man drang in Malachias, das Erzbistum zu übernehmen, drohte sogar im Weigerungsfall mit dem Kirchenbann. Er unterwarf sich, sagte jedoch den Versammelten: „Ihr wollt meinen Tod; ich gehorche in der Hoffnung des Martertums; dabei sei jedoch die Bedingung, dass ich, wenn die Sache sich nach eurem Wunsch wendet, die Erlaubnis habe, nach wiederhergestellter Ordnung zu meiner ersten Braut, zu meiner vielgeliebten Armut zurückzukehren.“

 

Zwar wusste sich dessen ungeachtet wieder einer von jenem adeligen Geschlecht in den Besitz des Erzbistums einzudringen, so dass Malachias einstweilen, um größere Übel zu verhüten, noch beim alten Sitz blieb. Da aber dieser Eingedrungene nach drei Jahren starb und er aufs Neue zum Erzbischof berufen und erwählt wurde; so übernahm er jetzt dieses Bistum zur großen Freude des Volkes und der Geistlichkeit. Aber jetzt traf den Heiligen umso mehr die Rache dieser Familie, die ihm den Tod geschworen hatte, bis Gott den Heiligen rettete durch den Untergang derselben. Ein Familienmitglied lauerte mit Bewaffneten in einem Hinterhalt dem Diener Gottes auf und wurde mit drei von ihnen unerwartet vom Blitz erschlagen, während der Heilige in einem Kirchlein für seine Feinde betete und gerettet wurde. Die übrigen Familienmitglieder traf in kurzer Zeit das Gericht Gottes.

 

Nach drei Jahren, während denen er mit Geduld, Sanftmut, Liebe und Eifer das Bistum zu verbessern und die kirchliche Ordnung wieder fest zu gründen versucht hatte, übergab er es einem frommen Geistlichen, Gelasius mit Namen, und kehrte wieder zu seinen alten Schäflein des Bistums Konner zurück. Er wohnte nun in einer früher dort gestifteten Klostergenossenschaft, willens sich nur dem in Gott verborgenen Leben zu widmen; aber der Mann Gottes wurde von allen Seiten angesprochen und um Rat gebeten, er galt als der Apostel des Landes. Auch das Bistum Konner ließ er wieder, wie es in früheren Zeiten gewesen war, und er es für zuträglicher fand, in zwei Bistümer umwandeln, überließ das größere und reichere einem anderen, und behielt für sich das kleinere, weniger ansehnliche Bistum Down.

 

Wichtige Geschäfte brachten ihn schließlich zu dem Entschluss, im Jahr 1139 nach Rom zu reisen. Auf seiner Reise kehrte er in Frankreich auch im Kloster zu Klara-Valla ein, wo der heilige Bernard Abt war, verweilte einige Zeit dort, und schloss mit diesem großen Heiligen, weil beide von ähnlichem Sinn der Gottseligkeit und von der gleichen Liebe des Herrn beseelt waren, innige, bis in den Tod dauernde Freundschaft, so dass Malachias nichts sehnlicher wünschte, als sein Bistum niederzulegen und hier allein dem Herrn leben zu dürfen. Er trug daher bei seiner sehr günstigen Aufnahme zu Rom nebst seinen übrigen Angelegenheiten dem Heiligen Vater auch diese Bitte vor. Allein der Heilige Vater, Innozenz II., der ihm sonst alles gewährte, schlug ihm diese Bitte ab, weil er ihn für die Kirche in Irland unentbehrlich glaubte, und machte ihn noch dazu zu seinem apostolischen Bevollmächtigten für ganz Irland. Auf seiner Rückreise kehrte er wieder beim heiligen Bernard ein; da er aber nicht da bleiben durfte, so ließ er doch nebst seiner Liebe vier von seinen Gefährten da zurück, mit dem Auftrag, sich den Geist und die Regel dieses Klosters eigen zu machen. Nach seiner Heimkehr vermehrte er seine eifrigen Bemühungen für das Heil der Seelen und verwendete sein jetzt großes Ansehen dazu, die Gottseligkeit zu befördern, die Kirchenzucht, betreffend den Gottesdienst, die Verwaltung und den Empfang der heiligen Sakramente, den Lebenswandel der Gläubigen wieder herzustellen. Gott selbst wirkte mit ihm, auch dadurch, dass er ihm öfter die Gabe der Wunder verlieh, so dass er ganz verstockte Sünder wunderbar bekehrte, Besessene befreite, Kranke heilte, fischlose Meerküsten fischreich machte und Tote wieder ins Leben rief. Der heilige Bernardus erzählt uns ausführlich viele solche Wunder von ihm, setzte aber hinzu: „Das größte Wunder war der heilige Mann selbst wegen seiner ausgezeichneten Tugenden und seiner wahrhaft apostolischen Lebensweise.“

 

Nach einigen Jahren veranlassten ihn neue Angelegenheiten seiner Kirche abermals zu einer Reise nach Rom. Als er aber nach Klara-Valla kam und dort wieder seine Einkehr beim heiligen Abt Bernard nahm, erkrankte er daselbst am 18. Oktober an einem starken Fieber. Man wandte alles an, um ihn wieder zur Genesung zu bringen. Allein er selbst sprach: „Meine Kinder, ihr bemüht euch vergeblich, mir das Leben noch länger zu fristen. Ich will zwar die Arzneien nehmen, sie werden aber nichts fruchten. Ich bat täglich den Herrn, mich in eurem Kloster und am Allerseelentag sterben zu lassen. Ich lege meine Seele in die Vaterhände Gottes, der jene, die auf ihn hoffen, nicht zu Schanden werden lässt, und erwarte nach meinem Tod eine große Hilfe von dem Gebet, das die Lebenden am Allerseelentag für die Verstorbenen zu verrichten pflegen.“

 

Nach einigen Tagen erholte er sich zwar wieder, so dass er am Fest Allerheiligen in den Chor ging. Die Brüder sangen weinend die Psalmen, nur er stand mit trockenen Augen da und wartete mit Sehnsucht auf die himmlischen Freuden. Aber kaum war der feierliche Gottesdienst vollendet, als ihn das Fieber um so heftiger ergriff. Da er wieder im Zimmer war, rief er alle zu sich und sagte: „Mir fehlt zur Reise nichts mehr, als die letzte Wegzehrung und Ölung.“ Er empfing die heiligen Sakramente nach seinem Willen in der Kirche mit größter Ergriffenheit und entschlief darauf sanft im Herrn nach Mitternacht, den 2. November, am Allerseelentag 1148, im vierundfünfzigsten Jahr seines Alters. Seine letzten Worte an die Brüder waren: „Freuet euch meiner, und betet für mich, wenn ich gestorben sein werde. Auch ich werde bei Gott für euch beten. Ich habe an Gott geglaubt und habe Gott geliebt; und auch euch habe ich geliebt; die Liebe aber stirbt ewig nicht.“

 

Der heilige Pirmin, Abt und Missions-Bischof der Rheingegend,

+ 3.11.753 – Fest: 3. November

 

Der alemannische Edelmann und königliche Landvogt Sintlas zu Sandeck am Bodensee hörte einst auf einer Reise nach Meltis (Metz) in Lothringen die klare, ergreifende Predigt des Priesters Pirmin und wurde durch sie so hingezogen, dass er den seeleneifrigen Diener Gottes inständig bat, nach dem Oberrhein zu kommen, um das unter Columban zwar eingeführte, aber vielfach wieder sinkende Christentum zu stützen, und durch die Macht seiner Predigt die Unwissenden zu belehren, die schlechten Sitten abzuschaffen und den religiösen Eifer wieder zu beleben. Pirmin sagte zu, verließ seine lothringische Heimat, wo er um das Jahr 676 geboren war, pilgerte nach Rom und erbat sich von Papst Gregor II. die apostolische Sendung, um als Missionar am Oberrhein und in Schwaben predigen, Priester und Kirchen weihen und alle bischöflichen Vollmachten vornehmen zu können. Der Papst erkundigte sich nach seiner bisherigen Wirksamkeit, überzeugte sich von seinem edlen Charakter, seiner Sittenreinheit, seiner Gelehrsamkeit und seinem Eifer für die Ehre Gottes und weihte ihn zum Regionarbischof.

 

Mit mehreren gleichgesinnten Gefährten ließ sich Pirmin zuerst in einer wüsten Gegend unweit Pfungen nieder, wo Herzog Gottfried von Schwaben damals Hof hielt. Mit großem Eifer verkündigte Pirmin in der ganzen Umgegend das Wort Gottes und bekräftigte es durch Wunder. Noch heute erinnert das Pirmini-Brünnlein an seinen Namen. Viele nahmen die christliche Lehre an, andere wollten ihre Laster nicht aufgeben und vertrieben nach dem Tod des Herzogs den Heiligen aus jener Gegend.

 

Pirmin wandte sich an seinen Freund Sintlas, von dessen hochgelegenem Schloss man eine herrliche Aussicht über den Bodensee genoss. Eine Insel im See, früher Sintlas-Au, später Reichenau genannt, gefiel dem Glaubensboten so sehr, dass er den königlichen Landvogt bat, ihm die Insel zu überlassen, damit er dort ein Kloster gründe. Sintlas stellte dem Heiligen vor, dass die unwirtliche Insel nur von Schlangen und wildem Getier bewohnt sei und dass man den Urwald mit seinem Gestrüpp nicht durchdringen könne. Ihm erwiderte der glaubensreiche Pirmin: „Die Erde ist überall des Herrn. Wer unter dem Schutz des Allmächtigen steht und ihm vertraut, wandelt unversehrt über Nattern und Schlangen und tritt Löwen und Drachen unter die Füße.“ Bereitwillig gewährte ihm der Landvogt die Bitte und Karl Martell bestätigte ihm das Eigentumsrecht über die Insel. Pirmin fuhr mit seinen Gefährten über den See, pflanzte auf der Insel das Kreuz auf, fällte Bäume und Gesträuche und begann im Jahr 724 den Bau des später so berühmt gewordenen Klosters, anfangs Sintlasau, erst später Reichenau genannt. Drei Jahre lang stand Pirmin dem aufblühenden Kloster vor. Da begann Gottfrieds Sohn Theobald, Herzog von Schwaben, einen Krieg mit Karl Martell und weil er ohne Grund glaubte, Pirmin halte mit diesem, so befahl er ihm, Reichenau zu verlassen. Pirmin stellte den würdigsten seiner Mitbrüder, namens Heddo, zum Abt auf, ergriff ohne Widerrede seinen Wanderstab und kehrte nie mehr nach Reichenau zurück, unterhielt aber mit Heddo einen steten Briefwechsel und heilige Freundschaft. Die Stiftung Pirmins auf Reichenau wurde eine herrliche Pflanzstätte der Bildung, der Wissenschaft, Kunst und Tugend, und gab der Kirche dreizehn Erzbischöfe und vierunddreißig Bischöfe. Sintlas drückte ihm einst sein Dankgefühl in den Worten aus: „Hochwürdigster Vater! Seit deiner Ankunft lebt das Tote auf, das Verdorrte grünt und blüht, die ganze Gegend ist durch dich mit der Frucht des Lebens beschenkt.“

 

Pirmin wanderte in die Schweizergebirge und stiftete 730 in einer wilden Felsschlucht das Kloster Pfäffers, das er mit zwölf Mönchen aus Reichenau bevölkerte und unter die Leitung des bewährten Baldebert stellte.

 

Bald darauf wanderte der unermüdliche Bischof nach Schwaben und dem Elsass und wirkte unbeschreiblich viel Gutes. Die Abteien und Klöster Morbach, Maurus-Münster, Neuweiler, Schuttern, Schwarzach, Gengenbach, Weißenburg und noch viele andere verbesserte und erneuerte er nach der Regel des heiligen Benedikt. Sein Ansehen und sein Geschick, das Klosterleben zu vervollkommnen, rief ihn auch nach Bayern, um die Klöster Oberaltaich, Niederburg, Mondsee, Pfaffenmünster, Niederaltaich, Ochsenfurt, Bischofsheim und Kitzingen einrichten zu helfen. Bei dieser Gelegenheit gelang es ihm zu seiner größten Freude, zwei neue Klöster, Amorbach und Osterhofen, selbst zu gründen.

 

In seinem hohen Alter war Pirmin darauf bedacht, ein Kloster zu bauen, in dem er seine letzte Ruhe finden wollte. Der edelmütige fränkische Graf Werinher räumte ihm einen passenden Bauplatz im Bliesgau ein nebst Wiesen, Feldern und Wäldern, andere Edelleute brachten reiche Geschenke und Pirmin begann in einer unbewohnten Wildnis mit dem Bau. Da kam ein armer Hirt zu ihm und sprach: „Lieber Vater! Da weiter hinauf, wo zwei Bäche zusammenfließen, ist ein Ort, wo du, so es dem Allmächtigen gefiele, dir eine bequemere Wohnung bauen könntest.“ Pirmin ließ sich dorthin führen und rief voll Entzücken über den schönen Platz aus: „Hier sei der Ort meiner Ruhe, diesen erwähle ich mir zur Wohnstätte!“ Sogleich erbaute er dort eine Kapelle und dann das Kloster Hornbach bei Zweibrücken am Zusammenfluss der Trualbe und Sualbe, und der Segen des christlichen Glaubens, frommer Sitte, und der Künste und Wissenschaften, der Gewerbetätigkeit und des Wohlstandes verbreitete sich ringsumher.

 

Während sich Pirmin in der stillen Klosterzelle auf einen glückseligen Tod vorbereitete, überraschte ihn im Jahr 752 der heilige Bonifatius mit seinem Besuch. Unbeschreiblich war die Freude der beiden heiligen Männer, die sich bisher nicht persönlich gekannt, aber beide in apostolischer Wirksamkeit einander hoch geschätzt hatten. In Lobpreisungen Gottes flossen die Tage wie Stunden dahin. Es war das letzte Aufleuchten der untergehenden Sonne. Am 3. November 753 beschloss der hochverdiente und seeleneifrige Bischof Pirmin seine irdische Pilgerschaft, um die Freuden des Paradieses zu verkosten. Sogleich wurde er an allen Orten, die sein Fuß berührt hatte als Heiliger verehrt, und Wunder verherrlichten ihn nach seinem Tod, wie während seines Lebens. Seine Klöster erwählten ihn zu ihrem Patron und viele Kirchen wurden zu seiner Ehre gebaut. Sein heiliger Leib wurde achthundert Jahre im Kloster Hornbach verehrt, aber bei den Stürmen der Reformation brachte ihn Graf Schweikhart von Helfenstein 1577 nach Innsbruck, wo ihn die Dreifaltigkeitskirche noch heute bewahrt. Der heilige Pirmin ist Hauptpatron der Rheinpfalz und Schutzpatron von Innsbruck.

 

Die heilige Ida von Toggenburg, Gräfin, Einsiedlerin von Fischingen,

+ 3.11.1226 – Fest: 3. November

 

In Gottesfurcht und frommen Tugendübungen lebte die edle Jungfrau Ida auf dem Schloss Kirchberg in der Nähe von Ulm. Kaum hatte sie ihr 17. Lebensjahr erreicht, so vermählte sie ihr Vater, Graf Hartmann, der fromme Stifter des Benediktinerklosters Wiblingen, mit dem reichen und angesehenen Grafen Heinrich von Toggenburg (1197). Lieber hätte Ida ihre Tage in stiller Einsamkeit Gott gewidmet, aber aus Gehorsam reichte sie dem edlen Freier die Hand und zog mit ihm zum Schloss Toggenburg im Norden der Schweiz.

 

Heinrich war schön, reich an Schlössern und Gütern, tapfer im Kampf, aber leidenschaftlich und unbändig, wenn Zorneswut in seinem Innern aufwallte. Ida, voll Sanftmut und Geduld, vermied sorgsam alles, was ihren Gemahl aufregen konnte und ertrug um Christi willen ihr Kreuz. Sooft es ihre häusliche Arbeit gestattete, stieg sie ins Tal hinab zur Klosterkirche in Fischingen und zu der Kapelle der schmerzhaften Mutter in der Au, um Trost und Kraft von Gott zu erbitten. Weil Gott ihre Ehe nicht mit Kindern segnete, so machte sie die Armen zu ihren Kindern. Als ein Engel des Trostes stieg sie hinab in die Dörfer und die Hütten, trocknete die Tränen der Witwen und Waisen, stillte den Hunger der Armen, linderte den Schmerz der Kranken, bekleidete die Nackten, tröstete die Betrübten und erwies sich allen Bedrängten als liebevolle Mutter. Besonders wachte sie sorgfältig über ihr Hausgesinde und ermahnte alle durch Wort und Beispiel zu einem gottseligen Leben. Dafür liebten und ehrten sie alle, die sie kannten, mit Ausnahme eines Dieners des Grafen.

 

Dominico, ein Italiener, hatte sich durch Schmeichelei und Kriecherei das vollste Vertrauen seines Herrn erschlichen. Die fromme Ida dachte nichts Arges und behandelte ihn gütig, wie alle anderen. Als aber der sittenlose Wüstling die Freundlichkeit seiner Herrin als Wohlgefallen an seiner Person deutete, schnitt sie ihm mit angemessenem Ernst jede Hoffnung ab, das Ziel seines gottlosen Begehrens zu erreichen. Da fasste der schändliche Diener den teuflischen Plan, seine Herrin in Schande zu stürzen und lauerte auf eine günstige Gelegenheit. Als sie einst still betend durch den Wald ging, brach der Wollüstling aus dem Versteck hervor, ergriff sie und wollte ihr Gewalt antun. Auf ihr Angstgeschrei und Hilferuf eilte der Knappe Kuno herbei und rettete die gefährdete Herrin. Dankend fiel Ida auf ihre Knie und dankte Gott und der allerseligsten Jungfrau Maria für den Schutz, verzieh dem anscheinend reuigen Frevler und befahl dem Kuno, über den Vorfall zu schweigen, damit Dominico nicht der gerechten Rache ihres Gatten anheimfalle.

 

Statt der hochherzigen Gräfin dankbar zu sein, sann Dominico heimlich auf ihr und des guten Kuno Verderben. Dem nur zu leichtgläubigen Grafen flößte er das Gift des Argwohns ein, dass Ida den Kuno zu huldreich behandele. Das Gift der Eifersucht wirkte. Der leidenschaftliche Graf behandelte seine Gattin immer tyrannischer, ohne einen Grund für sein verändertes Benehmen anzugeben. Ihre arglose Seele litt mit Geduld alle Bitterkeiten, nur in ihrer stillen Kammer und vor dem Bild der schmerzensreichen Mutter unter dem Kreuz ließ sie ihren heißen Tränen freien Lauf.

 

An einem sonnigen Frühlingstag holte Ida ihre kostbaren Brautkleider aus dem Schrank, um sie zu lüften, und ihre Kleinodien, um sie vom Staub zu reinigen. Als sie am Abend ihre Kleider und Schmucksachen wieder einschließen wollte, erschrak sie sehr, weil ihr Brautring verschwunden war. Ida empfahl die Sache Gott und schwieg.

 

Nicht lange danach kam Kuno auf der Jagd an einen Tannenbaum, sah auf ihm ein Nest und stieg hinauf. In dem Nest fand er den Ring, den der Rabe vom Fenster der Gräfin gestohlen hatte, wusste aber nicht, dass es Idas Ehering sei. Voll Freude steckte der glückliche Finder den Ring an den Finger und zeigte ihn den übrigen Dienstboten. Dominico erkannte den Ring und voll teuflischen Hasses flüsterte er dem Grafen zu, den Beweis für die Untreue seiner Gattin könne er jetzt mit eigenen Augen sehen, denn der Knappe Kuno trage ungescheut ihren Ehering. Wutschnaubend lässt der Graf Kuno kommen, sieht an seiner Hand den Ehering, hört nicht auf die Beteuerungen seiner Unschuld, sondern lässt ihn an den Schweif eines wilden Rosses binden und den Schlossberg hinunterschleifen. Darauf ergreift er seine Gemahlin und schleudert sie aus dem Fenster einen 800 Fuß hohen Felsen hinunter, wo sie – wenn nicht ein Wunder geschah – elend zerschmettert werden musste. Doch „Gott hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich auf ihren Händen tragen, damit du nicht deinen Fuß an einen Stein stößt.“ Ida blieb unverletzt. Auf ihren Knien dankte sie Gott voll Inbrunst: „Ewiger und barmherziger Gott! Wieviel schulde ich deiner Majestät, dass du mich aus lauter Gnade mit deiner starken Hand wunderbar erhalten hast! Deswegen opfere ich dir, o mein gebenedeiter Schöpfer und Erlöser, Seele und Leib, Leben und Wandel, all mein Tun und lassen. Ich verzichte auf Eltern und Freunde, wie edel und herrlich sie immerhin seien. Aus freiem Willen verlasse ich alle weltliche Lust und Pracht. Für den Reichtum erwähle ich die Armut, für den Ehestand stete Enthaltsamkeit, für die Selbstliebe Selbstverleugnung, damit ich ungehindert dir allein, Jesus Christus, dienen, mit ganzem Herzen frei anhangen und das ersetzen möge, was im weltlichen Stand leider von mir versäumt worden ist. Meine Seele preise den Herrn und alles, was in mir ist, lobe seinen heiligen Namen! Meine Seele, vergiss nicht die Wohltaten, die er dir erwiesen hat!“

 

Ida ging tiefer in die Wildnis des Rabensteiner Waldes hinein und entdeckte eine Höhle, überdeckt von einer dichten Tanne und daneben eine Quelle. Dort wollte sie bleiben. Mit Baumzweigen und Moos schloss sie die Öffnungen der Höhle, bereitete sich aus Moos ein dürftiges Lager, sammelte Heidelbeeren und essbare Kräuter, trocknete sie für den Winter und flocht aus Binsen und Baumbast Kleider und Matten. Am bittersten vermisste die fromme Klausnerin die Heilige Messe und Predigt und die heiligen Sakramente. Indes bot ihr die Betrachtung der Weisheit, Güte und Allmacht Gottes in der sichtbaren Schöpfung einigen Ersatz. Der Gesang der Vögel, das Rauschen des Waldes, das Murmeln des Quells, die Schönheit des gestirnten Himmels, das Wallen der Wolken erhob ihre Seele zu Gott. Oft kniete sie vor ihrem Holzkreuz nieder und empfand in stillem Gebet einen höheren Trost, eine reinere Freude, als sie auf dem Grafenschloss je empfunden hatte.

 

17 Jahre lang hatte Ida bereits in der schauerlichen Wildnis den süßesten Seelenfrieden trotz aller Entbehrungen genossen. Ihren Gemahl aber folterte das schlechte Gewissen. Unaufhörlich schwebte ihm der Doppelmord vor der Seele und so sehr er auch in Zerstreuungen und Reisen die strafende Stimme in seinem Inneren zu ersticken bemüht war, er fand keine Ruhe bei Tag und Nacht.

 

Eines Tages drang ein Jäger des Grafen in den dunklen Forst, seine Hunde schlugen mächtig an, er folgte der Spur, fand die Höhle und erkannte an einigen Fetzen von kostbarem Zeug in der dasitzenden Person seine frühere Herrin. Voll Ehrfurcht und Freude grüßte er sie, eilte dann atemlos zum Schloss und verkündete seinem Herrn die glückliche Entdeckung. Der Graf wollte der wunderbaren Mär keinen Glauben schenken. Als aber der Jäger die Wahrheit seiner Aussage mit seinem Leben verbürgte, folgte ihm der Graf Heinrich in den dunklen Wald, erblickte mit Schaudern seine Gattin, fiel im Gefühl seiner Freveltat vor der wunderbar Geretteten auf seine Knie und schluchzte: „Vergib mir um Gottes willen!“ Die Gräfin antwortete mit freundlichem Antlitz: „Vielgeliebter Gemahl, ich bitte, steh auf und erweise nicht mir, sondern unserem Herrn und Gott solche Ehrerbietung! Er möge uns unsere Sünden verzeihen, denn wir bedürfen alle seiner Gnade und Barmherzigkeit.“ Sie bat auch um Gnade für Dominico. Der aber kam der Rache seines Herrn zuvor, denn als er hörte, dass die Gräfin noch lebe, erhängte er sich.

 

Heinrich wollte nun seine geliebte Gattin wieder auf sein Schloss führen, sie aber erklärte, dass sie gelobt habe, in der Einsamkeit Gott zu dienen, erbat sich nur als Gnade, dass er ihr eine kleine Hütte neben der Muttergotteskapelle in der Au baue. Mit trauerndem Herzen gab ihr Gemahl ihrem Wunsch nach. Als es geschehen war, verließ Ida die Waldeshöhle, zog in das Häuschen und diente Gott mit Beten und Betrachten, Fasten, Nachtwachen und guten Werken. Was der Graf ihr an Speise schickte, verteilte sie unter die Armen, sie selbst lebte von den Almosen guter Leute. Um dem heiligen Messopfer beizuwohnen und die Sakramente zu empfangen oder sich am mitternächtlichen Chorgesang der Benediktiner zu erbauen, ging sie zum benachbarten Kloster Fischingen. In den finsteren Nächten soll ihr ein Hirsch mit zwölf Lichtern am Geweih vorausgegangen sein.

 

Der Ruf ihrer Schicksale und ihrer Heiligkeit zog viele Menschen herbei, die sie sehen und ihre Fürbitte begehren wollten. Da der Zulauf immer mehr wuchs, bat sie die Klosterfrauen von Fischingen, ihr eine abgeschlossene Zelle einzuräumen. Mit Freuden wurde ihr der Wunsch gewährt. Hier lebte sie noch einige Jahre in Gebet und Abtötung, bis sie, reich an Verdiensten, hochbetagt starb. Ihre Leiche wurde in der Kirche zu Fischingen ehrenvoll beigesetzt. Alljährlich wurde ihr Fest prächtig gefeiert. Ihr zu Ehren wurde eine Bruderschaft eingeführt und von Papst Paul V. kirchlich bestätigt. Der heilige Petrus Canisius beschrieb ihr Leben zum Trost der Leidenden und zur Erbauung aller Christen.

 

Die heilige Wenefrieda, Äbtissin und Märtyrin von Wales, England,

+ 3.11.650 – Fest: 3. November

 

Der Vater der heiligen Wenefrieda oder Winefrida war Thevith, ein sehr reicher und angesehener Edelmann aus North-Wales. Ihre Eltern hatten keine wichtigere Sorge, als dass sie frühzeitig in der Furcht des Herrn herangebildet würde, damit in der Folge ihre Seelenreinheit vor dem Verderbnis der Welt bewahrt bliebe.

 

Um dieselbe Zeit ließ sich der heilige Beuno oder Benno, der an verschiedenen Orten gottselige Genossenschaften errichtet hatte, in der Nachbarschaft nieder. Er war ein sehr tugendhafter Ordensmann, der zur priesterlichen Würde erhoben worden war, und wie man sagt, ein Oheim der heiligen Wenefrieda von mütterlicher Seite. Thevith war über seine Ankunft hoch erfreut. Er gab ihm ein von allen Lasten befreites Grundstück zur Erbauung einer Kirche, und bat ihn, seine Tochter zur Gottseligkeit heranzubilden. Wenn Beuno das Volk unterrichtete, setzte sich Wenefrieda zu seinen Füßen und hörte das von ihm verkündete Wort Gottes mit tiefer Rührung an. Auf diese Weise wuchs die Liebe zu Gott mit jedem Tag in ihrem Herzen, so dass sie den Entschluss fasste, sich Gott als Jungfrau zu weihen. Ihre Eltern stimmten ihrem Vorhaben zu und dankten dem Herrn, dass er sie auf so besondere Weise zur Vollkommenheit berief. Sie legte demnach in die Hände Beunos ihre Gelübde ab und empfing von ihm den Schleier. Dann wurde ihr mit einigen Jungfrauen ein kleines, von ihrem Vater nicht weit von Holy-Well erbautes, Kloster gegeben.

 

Der heilige Beuno kehrte nachher wieder in das erste Kloster zurück, das er zu Clunnock oder Clynog-Vaur erbaut hatte und das gegen vierzig Meilen entfernt lag. Er lebte aber daselbst nicht mehr lange. Seine Grabstätte war im 13. Jahrhundert berühmt. Seinen Namen liest man in den englischen Martyrologien. Leland berichtet, der heilige Beuno habe ein Kloster für weiße Mönche zu Clunnock-Vaur gestiftet. Dieser Ort sei ihm von Guithin, dem Oheim eines der Fürsten von North-Wales, geschenkt worden.

 

Nach dem Tod des heiligen Beuno verließ die heilige Wenefrieda Holy-Well und lebte einige Zeit unter der Leitung des heiligen Deifer. Später zog sie sich zu den Klosterfrauen von Gutherin in Denbighshire zurück, wo der heilige Abt Elerius ihr Führer war, der an diesem Ort einem Doppelkloster vorstand. Nach dem Tod der Äbtissin Theonia wurde sie an deren Stelle erwählt. Vom heiligen Elerius sagt Leland Folgendes: „Elerius ward vor Alters und wird jetzt noch von den Walesern verehrt. Ich vermute, er habe an den Ufern des Elivi, wo gegenwärtig St. Asaph ist, studiert. Nachher zog er sich in die Wüsten zurück. Es ist gewiss, dass er im Tal Cluide ein Doppelkloster erbaute, und dass daselbst viele Personen beiderlei Geschlechts lebten. In dem Frauenkloster war die hochedle Jungfrau Guenvreda, die von Beune erzogen worden war, und der der wütende Caradoc das Haupt abschlagen ließ“. Leland sagt nichts von mehreren bei dieser Gelegenheit geschehenen Wundern, die von Robert von Salop und von anderen Schriftstellern erzählt werden. Indessen liest man doch in dem Lebensabriss der heiligen Wenefrieda, im Anfang zum vierten Band der letzten Ausgabe des Reisebuchs des gedachten Schriftstellers, dass sie durch die Gebete des heiligen Beuno wieder erweckt worden sei.

 

Die heilige Wenefrieda führt in allen Kalendern den Namen Märtyrin. Die verschiedenen uns überlieferten Denkmale stimmen in Betreff ihrer Todesart überein. Man liest, dass Caradoc oder Cradoc Alain, des Landesfürsten Sohn, von heftiger Leidenschaft zu ihr entflammt war und ergrimmt über ihre Weigerung, seinem Begehren nachzugeben, ihr das Haupt abschlug, da sie sich, um ihre Reinheit zu bewahren, in die vom heiligen Beuno zu Holy-Well erbaute Kirche flüchten wollte. Robert von Shrewsbury und andere Schriftsteller setzen noch hinzu, die Erde habe Cradoc an dem Ort verschlungen, wo er diese Gräueltat beging. Und auf dem Platz, wohin das Haupt der heiligen Wenefrieda fiel, sei eine wunderbare Quelle entsprungen, die man da noch sieht und deren Boden mit Steinen und Felsstücken von roten Adern durchzogen bedeckt ist. Um sie herum wächst ein wohlduftendes Moos. Sie sagen ferner noch, dass Wenefrieda, nachdem sie durch die Gebete des heiligen Beuno wieder zum Leben erweckt worden ist, in der Folge allzeit einen roten Streif um den Hals behalten habe, als Merkmal des erlittenen Märtyrertodes. Diese Begebenheiten werden zwar nicht von gleichzeitigen Geschichtsschreibern erzählt, aber wegen der etwa bei einigen Umständen mangelnden Prüfung darf doch die Heiligkeit der Wenefrieda und die ihr zu Holy-Well erwiesene Verehrung nicht als unbegründet verworfen werden. Der alten Lobrede zu Folge, die an ihrem Festtag gehalten wurde, starb sie am 22. Juni. Das ältere Leben der Heiligen setzt ihren Tod, oder vielmehr ihre Beerdigung zu Guthurin auf den 24. Juni. Man liest darin Folgendes:

 

„Der Ort, wo sie mit heiligen Jungfrauen lebte, hieß Guthurin. Sie wurde daselbst begraben am 8. Vor den Kalenden des Julius, und ruht da im Herrn.“

 

Ihr Fest wurde, wahrscheinlich wegen irgendeiner Übertragung ihrer Reliquien, auf den 3. November verlegt. Im Jahr 1391 verordnete Thomas Arundel, Erzbischof von Canterbury, nachdem er vorher seine Geistlichkeit versammelt hatte, dass ihr Fest an diesem Tag in der ganzen Provinz, mit eigenen Tagzeiten von neun Lektionen, die man in das Brevier von Sarum einrückte, gefeiert werden solle.

 

In keinem der Leben der heiligen Wenefrieda ist die Zeit angegeben, in der sie lebte. Allein die meisten Schriftsteller, die von ihr gesprochen haben, glauben mit Alford und Cressy, sie habe gegen Ende des 7. Jahrhunderts gelebt.

 

Im Jahr 1138 übertrug man ihre Reliquien von Guthurin nach Shrewsbury, und setzte sie in der Benediktinerkirche bei, die 1083 von Roger, dem Grafen von Montgomery, außerhalb der Stadtmauern erbaut worden war. Der Abt Herbert erhielt vom Bischof von Bangor die Erlaubnis, diese Übertragung feierlich zu halten, wie uns Robert, der Prior desselben Klosters, berichtet, der auch einige bei dieser Gelegenheit geschehene Wunderheilungen anführt, wovon er Augenzeuge war. Als man die Klöster in England zerstörte, wurde der Sarg der heiligen Wenefrieda geplündert.

 

Nun wollen wir noch einige in den letzten Zeiten durch die Fürbitte der heiligen Wenefrieda gewirkte Wunder melden. Roger Bodenham, Ritter von Bath, der an einem schrecklichen Aussatz litt, und schon von den Ärzten aufgegeben war, die seine Krankheit für unheilbar hielten, badete sich im Jahr 1606 in der Quelle der heiligen Wenefrieda, und erhielt seine Gesundheit. Im innigsten Dankgefühl zu Gott nahm er die katholische Religion an, und gab einen weitläufigen Beglaubigungsschein von seiner Krankheit von sich, den mehrere andere Personen unterschrieben. Johanna Wackemann von Sussex litt an einem furchtbaren Leibgeschwür und war des Todes gewärtig; da sie sich aber drei Mal in einer Nacht in dieser Quelle badete, war sie geheilt. Dieses 1630 geschehene Ereignis ist von ihr und ihrem Mann bezeugt. Eine arme Witwe von Kidderminster, in der Grafschaft Worcester, lag längere Zeit verkrüppelt im Bett. Sie schickte einiges Geld nach Holy-Well – als Almosen für den ersten da sich vorfindenden Armen. Und in dem Augenblick, wo ihr Almosen zu Holy-Well ausgeteilt wurde, stand sie zu Kidderminster gesund auf. Diese Tatsache wurde 1651 untersucht und gerichtlich bezeugt von Jakob Bridges, nachherigem Sherif (Landrichter) zu Worchester. Maria Newmann, die wie ein Totengerippe abgezehrt war, und wegen Schwächlichkeit 8 Jahre lang nicht mehr gehen konnte, nahm umsonst zu allen Heilmitteln in England, Frankreich und Portugal ihre Zuflucht, bis sie ein einziges Bad in der Quelle der heiligen Wenefrieda heilte. Roger Whetstone, ein Quäker bei Bromsgrowe, wurde auf eben diese Weise von einer Lähmung geheilt, wo auch er zum katholischen Glauben zurückkehrte. Der gelehrte Cardinal Baronius erzählt mit Erstaunen von den Wunderheilungen, die ihm der fromme Bischof von St. Asaph, Stellvertreter des Papstes in den bischöflichen Amtsverrichtungen zu Rom, als Augenzeuge mitgeteilt hat.

 

Der heilige Papulus,

Priester und Märtyrer von Lauragais, Frankreich,

+ 284-305 – Fest: 3. November

 

In den Akten des heiligen Saturnin von Toulouse wird auch der heilige Papulus erwähnt. Es wird darin gesagt, er habe an den apostolischen Arbeiten dieses heiligen Bischofs Anteil genommen, und den Völkern des mittägigen Frankreichs im 3. Jahrhundert den Glauben verkündigt. Die Märtyrerkrone war die Belohnung seines Eifers. Er litt gegen Anfang der Regierung des Kaisers Diokletian in Lauragais, einem neun Meilen von Toulouse gelegenen Ländchen. In der Folge wurde da eine Kirche mit einer Abtei erbaut, die sich der Freigebigkeit Karls des Großen sehr zu erfreuen hatte. Johann XXII. hob 1317 diese Abtei auf und gründete damit ein Bistum. Der Ort hat sich zu einer ansehnlichen Stadt erhoben, und trägt den Namen des Heiligen. Die Reliquien des heiligen Papulus bewahrte man zu Toulouse auf, in der Kirche zum heiligen Sernin.

 

Der heilige Florus (französisch „Flour“),

erster Bischof von Lodeve, in Languedoc, Bekenner, Frankreich,

+ 3.11.389 – Fest: 3. November

 

Obgleich man wenig vom Leben des heiligen Florus weiß, ist doch nicht zu zweifeln, dass er der erste Bischof von Lodeve und Apostel dieses Teils von Languedoc gewesen war. Sein Eifer beschränkte sich nicht auf die Grenzen der Gallia Narbonensis. Er drang vor bis in die Cevennen und bis nach Auvergne. Man gibt seinen Tod um das Jahr 389 an. Bei seiner Ruhestätte wurde eine Kirche gebaut. Und der heilige Odilo stiftete daselbst eine Abtei, die aber von Johann XXII. in ein Bistum verwandelt wurde. Die Reliquien des heiligen Florus liegen in der Kathedralkirche der Stadt seines Namens, in Oberauvergne, deren Patron er ist. Sein Fest wird an diesem und auch am ersten Tag im Juni gefeiert, an dem ohne Zweifel seine Reliquien übertragen worden sind.

 

Der heilige Guinail, zweiter Abt von Landevenec in Bretagne,

+ 3.11.570 – Fest: 3. November

 

Der heilige Guinail, Romals und Lecticas Sohn, die beide von hohem Adel waren, wurde in dem Kloster Landevenec unter der Leitung des heiligen Winwaloeus, des ersten Abtes dieser Genossenschaft erzogen. Später widmete er sich in dieser Abgeschiedenheit dem beschaulichen Leben und wurde durch seinen Eifer ein Muster für alle seine Brüder. Der heilige Winwaloeus bestimmte ihn daher kurz vor seinem Tod zu seinem Nachfolger. Allein Guinail gab zu dieser Wahl nicht eher seine Einwilligung, bis man ihm versprach, nach sieben Jahren ihm seine Freiheit wiederzugeben.

 

Nach Verlauf dieser Zeit ging er mit 12 Ordensbrüdern nach England, in der Hoffnung, da den Menschen gänzlich unbekannt zu leben. Allein der Glanz seiner Tugenden und Wunder verbreitete sich bald weit umher. Er predigte an den Küsten von England das Evangelium und drang bis nach Irland vor, um auch da die Lehre Jesu Christi zu verkündigen. Es gelang ihm, viele Seelen den Finsternissen der Abgötterei zu entreißen und viele in das Laster versunkene Christen zur Besserung zurückzuführen. Ebenso stellte er in mehreren Klöstern die verfallene Zucht wieder her.

 

In der Folge kehrte er wieder nach Bretagne zurück, aus Furcht, sein hoher Ruf von Heiligkeit möchte in ihm eitle Gesinnungen erregen. Ein Edelmann aus dem Bistum Quimper, in dem die Abtei Landevenec lag, gab ihm einen Platz zur Erbauung eines Klosters. Nach diesem gründete er noch ein anderes auf der Insel Groie. Stets jedoch nach Verborgenheit strebend, entwich er auf die Insel Cornwall. Aber auch da wurde er entdeckt und genötigt Schüler aufzunehmen, denen er ein neues Kloster erbaute. An letzterem Ort starb er schließlich am 3. November im Jahr 570 und wurde in das Klosterbethaus, das eigentlich nur eine Einsiedelei war, begraben. Seine Ruhestätte verherrlichte Gott durch verschiedene Wunder. Drei Jahrhunderte danach wurde sein Leib erhoben und in der neuen Klosterkirche beigesetzt. Im Jahr 966 trugen die Ordensmänner, aus Besorgnis vor den mit dem Herzog der Normandie verbundenen Dänen, Misshandlungen erdulden zu müssen, die sterblichen Überbleibsel ihres geistlichen Vaters fort, und schlossen sich jenen an, die mit den Leibern des heiligen Maglorius und Samson u.a.m. nach Paris kamen, wo man alle der Kirche zum heiligen Bartholomäus anvertraute. Kurze Zeit später erhielt der Probst von Paris, Teugdon oder Theodulph genannt, den Leib des heiligen Guinail, den er in sein bei der Pfarrei Courcouronne, Bistum Paris, gelegenes Landhaus brachte. Dort erbaute man denn eine Kapelle unter der Anrufung des Heiligen. Aber da man diesen köstlichen Schatz an diesem Ort noch nicht sicher genug glaubte, trug man ihn nach Corbeil und legte ihn in eine Kapelle der Vorstadt St. Jakob. Im Jahr 1007 versetzte man diese Reliquien in eine Kirche derselben Stadt, die der Graf Buchard unter dem Namen des Heiligen hatte erbauen lassen. Diese Kirche bedienten vier Kanoniker, bis Ludwig der Dicke sie 1134 zu einem Priorat regulierter Chorherren, abhängig von der Abtei St. Victor in Paris, erhob.

 

Der heilige Guinail wird zu Vannes unter dem Namen St. Guenael verehrt, und der Dom dieser Stadt rühmt sich, zum Besitz eines Teils seiner Reliquien gelangt zu sein.

 

Der selige Simon Ballachi von Rimini, Italien,

Laienbruder im Orden des heiligen Dominikus,

+ 3.11.1319 – Fest: 3. November

 

Der gottselige Simon, Sohn des Grafen Rudolph von St. Archangelo, einer Stadt bei Rimini in Italien, wurde um die Mitte des 13. Jahrhunderts geboren. Damals war Italien in verderbliche Parteiungen geteilt, die einander mit unbändiger Wut verfolgten. Diese unchristlichen Gesinnungen wurden frühzeitig auch dem von so edlem Geschlecht entsprossenen Simon eingepflanzt, und er trug sie in seinem Herzen bis er vom Heiligen Geist erleuchtet, die Eitelkeit und die Gefahren der Welt erkannte, und sie zu fliehen entschloss. In dieser gottseligen Absicht weihte er sich in seinem 27. Lebensjahr dem Dienst Gottes im Orden des heiligen Dominikus. Das Kloster zu Rimini hatte noch tiefe Eindrücke bewahrt, die die Tugend des heiligen Märtyrers Petrus und des heiligen Thomas von Aquin, die beide daselbst gewohnt hatten, zurückließen. Dieser heilige Sinn bestimmte seine Wahl für dieses Haus, wo er sich als Laienbruder aufnehmen ließ. Obgleich aus einer so angesehenen Familie und Neffe des Bischofs von Rimini, willigte er doch nie in eine Beförderung zu einer höheren Stelle ein, sondern zog das in Gott verborgene Leben allen Auszeichnungen in den Augen der Menschen vor. Eifrig und demütig erfüllte er alle Pflichten seines niederen Standes. Seine Aufmerksamkeit, sein Fleiß und seine Unterwürfigkeit waren bewunderungswürdig. In den Tugenden der Enthaltsamkeit und Abtötung hatte er die höchste Stufe erreicht. Sein Eifer für das Heil des Nächsten war so glühend, dass er oft mit einem Kreuz in der Hand die Stadt durchlief, die Kinder in den Anfangsgründen der Religion unterrichtete, die Sünder durch ernste Ermahnungen von dem Lasterweg abrief, und zwar immer mit dem besten Erfolg. Sein Tod ereignete sich im Jahr 1319 und der Ruf von seiner Heiligkeit war so allgemein, dass man wegen des zusammenströmenden Volkes sein Begräbnis über die gewöhnliche Zeit verschieben musste. Seine sterblichen Überreste wurden seither öfters übertragen bis die Einwohner von St. Archangelo 1817 sie mit viel Feierlichkeit in die Stiftskirche versetzten. Papst Pius VII. erlaubte 1821, nach dem Gutachten der Kongregation der Gebräuche, dass der Dominikanerorden und die Geistlichkeit des Bistums Rimini in Zukunft das Fest des gottseligen Simon feiere. Sein Andenken wird am 3. November geehrt.

 

Der heilige Martin von Porres, Laienbruder von Lima, Peru, OPr.,

+ 3.11.1639 – Fest: 3. November

 

Juan de Porres war ein spanischer Ritter aus Burgos. Er stammte aus vornehmer Familie und war Angehöriger des Ritterordens von Alcántara. Wie viele andere zog er in das neuentdeckte Amerika, um Ehren und neue Rechtstitel zu erwerben. Als die Eroberung abgeschlossen und das eroberte Gebiet befriedet war, ließ Juan de Porres sich in Panama nieder – vielleicht als Herr einer Encomienda der Indios. Doch davon nicht befriedigt, begab er sich schon bald auf der Suche nach größerem Glück nach Lima. Auf seinen Reisen begleitete ihn Anna Velázquez, eine junge Farbige. Juan de Porres versprach ihr, sie zur Frau zu nehmen – der höchste Traum für das junge Mädchen, aber ein Traum, der niemals Wirklichkeit wurde. 1579 trafen die neuen Einwanderer in der Kolonial-Metropole Lima ein. In einem armen Vorstadtbezirk schenkte Anna am 9. Dezember 1579 einem kleinen Sohn das Leben, der auf den Namen Martinico getauft wurde. Seine christliche Erziehung war vor allem das Werk seiner Mutter. Schon bald galt Martinico bei den Nachbarn als Vorbild für die anderen Kinder.

 

Endlich erschien auch eines Tages Juan de Porres in Annas Hütte und bat sie, ihm seine beiden Kinder – die er von nun an auch als solche anerkannte – mitzugeben, damit sie eine angemessene Erziehung erhielten und außerdem bei ihm in Guayaquil wohnten, wohin er vom Vizekönig geschickt worden war. Als er sich anschließend im Haus des Hauptmanns Diego de Miranda vorstellte, fragte dieser ihn: „Warum schleppst du diese beiden Mulatten mit dir herum?“ Das war das erste Mal, dass der kleine Martin die demütigende Bezeichnung Mulatte, die er in der Folgezeit noch so oft hören sollte, kennenlernte. Sie bezog sich nicht auf den Rassenunterschied im eigentlichen Sinn, der in Latein-Amerika als solcher keine Rolle spielte, sondern auf seine soziale Stellung, die ihm seine dunkle Hautfarbe innerhalb der gesellschaftlichen Struktur des spanischen Reiches eintrug. Aus diesem Grund war auch Anna selbst nicht mit nach Guayaquil mitgegangen. Nachdem Juan de Porres zu Gouverneur von Panama ernannt worden war, schickte er seine beiden Kinder zu ihrer Mutter nach Lima zurück.

 

In diesen Jahren erlernte Martin die Kunst des Baders und erwarb sich schon bald umfassende Kenntnisse als Wundarzt und Apotheker. Die Verletzten und von Geschwüren Geplagten ließen sich gerne von dem liebenswürdigen jungen Mann behandeln. Binnen drei Jahren strömten viele Arme, Bedürftige und Kranke in sein Sprechzimmer. Seine liebevolle Fürsorge war unermüdlich. Ja, viele sprachen bereits von wunderbaren Heilungen.

 

Jeden Morgen wohnte Martin der ersten Messe in seiner Pfarrkirche von San Lázaro bei und widmete sich dann bis zum Einbruch der Nacht mit aller Aufmerksamkeit und Hingabe seinen Patienten. Es dauerte nicht lange, und sein Ruf und Ansehen wurden so groß, dass er dieses Lebens der allseitigen Bewunderung müde wurde und beschloss, sich zurückzuziehen. So ging er eines Tages mit Zustimmung seiner Mutter über den Rimac und schlug entschlossen den Weg zu dem großen Dominikanerkloster ein.

 

Martin ließ den Superior schon von Anfang an wissen, dass er beabsichtigte, nicht „Mess- oder Chorpriester“ zu werden, sondern einfacher Laienbruder. Diese wurden als Laienbrüder des Dritten Ordens und als regelrechte Diener betrachtet und waren nicht einmal vollgültige Ordensbrüder. Auf der sozialen Stufenleiter kamen nach den Spaniern zunächst die Indios, dann die Schwarzen und an letzter Stelle die Mulatten. Der Pater wusste nur zu gut, dass die seinerzeit für den Orden geltenden Gesetzesvorschriften „ihm unmöglich machen würden, dem jungen Mann zu gewähren, was er in vieler Hinsicht verdient hätte“, das heißt, frater coadjutor und Priester zu werden. Martin wusste um die tiefe Ungerechtigkeit, die seiner dunklen Hautfarbe angetan wurde. Er wusste ebenso um das adlige spanische Blut in seinen Adern und war sich schließlich durchaus seiner Kenntnisse und seiner Fähigkeiten bewusst, entschloss sich aber, das Opfer zu bringen.

 

Erst neun Jahre später, am 2. Juni 1603, wurde Martins Aufnahme in den Orden endgültig bestätigt, und zwar in dem demütigen Stand, den er selbst sich gewählt hatte: als einfacher Laienbruder. In diesen Jahren als Krankenpfleger und Wundarzt der Klostergemeinde war er unermüdlich darauf bedacht, den anderen zu dienen. Mit Vorliebe wohnte er der ersten Messe bei und oft genug verharrte er die ganze Nacht in Gebet und Buße. Der ganze Konvent betrachtete ihn als Heiligen. Von jenem Jahr 1603 an widmete er sich dem Amt des Krankenbruders und „erfüllte diese Arbeit sein ganzes weiteres Leben lang mit so viel Hingabe und Sorgfalt, dass es Bewunderung und Staunen erregte.“

 

In Lima gab es gegen Ende des sechzehnten Jahrhunderts zehn Hospitäler – für Männer und Frauen, Spanier, Indios und Schwarze, für Kinder und für Aussätzige -, doch war jeder sozialen Klasse ein eigener Gebäudetrakt vorbehalten. Durch die unermüdliche Tätigkeit Martins verwandelte sich das Dominikanerkloster bald ebenfalls in ein wahres Hospital, in dem unzählige Bedürftige „der Goldenen Hauptstadt des Reiches“ Aufnahme fanden und ohne irgendeinen Unterschied der Rasse und sozialen Stellung behandelt wurden. Schließlich kam der Augenblick, in dem alle Zellen des Konvents belegt waren. Zutiefst betroffen, verlangte der Superior von Martin, er solle diese Patienten unverzüglich ausquartieren. Daraufhin verwandelte dieser das Haus seiner Schwester in ein neues Hospital.

 

Martin bewog seine Schwester, ihm bei seiner Tätigkeit zu helfen. So entstand ein Waisenhaus unter der Leitung von Mateo Pastor, Martins altem Bademeister, eine Armenküche für Bedürftige im Konvent selbst und zahllose karitative Werke in der gesamten Stadt.

 

Martins Wirkungsbereich wurde immer größer: Alles Volk, von den Geringsten bis zu den Vornehmen, kam zu ihm, um von ihm seinen Dienst oder seinen Rat zu erbitten. Selbst der Vizekönig von Peru war ein häufiger Besucher in seiner Zelle, und zu seiner Freundschaft nahm Martin Zuflucht, um den Allerärmsten der Stadt zu helfen.

 

Zahlreiche Wunder werden ihm zugeschrieben. Doch das größte Wunder war zweifellos seine tiefe Demut, sein Leben in ständigem Gebet und seine grenzenlose Liebe.

 

Die beständige Buße, die Strenge, die er sich jeden Tag auferlegte, und die Beschränkung des Schlafes auf zwei oder drei Stunden jede Nacht – unterhöhlten seine Gesundheit, und Ende 1639 bekam er Typhus. Das Fieber verzehrte ihn. Doch der Glanz seiner Heiligkeit fand in dieser letzten Krankheit die endgültige Bestätigung vor seiner heimatlichen Klostergemeinde, vor der Bevölkerung von Lima, die den Sterbenden noch einmal in seiner Zelle besuchen Wollte, und selbst vor dem Vizekönig.

 

Martin Porres starb am 3. November. Er wurde 1837 von Papst Gregor XVI. selig- und am 6. Mai 1962 von Papst Johannes XXIII. heiliggesprochen.

 

St. Martin, der Rattenfänger

 

(Aus: „Tiere unterm Regenbogen“, Aloysius Roche, Berlin 1954)

 

Eine ganze Reihe von Bildern und Darstellungen der Heiligen zeigen auch das eine oder andere Tier. Manchmal ist es als Symbol einer Eigenschaft oder Tugend, die besonders zu diesem Heiligen gehörte, dazugegeben. Zum Beispiel bedeutet ein Adler meistens, dass der oder die Heilige sich in ihrem geistlichen Leben hoch in die himmlischen Regionen erhoben hat, und wenn wir ein Mäuschen ganz zufrieden in den Falten eines Nonnenkleides sitzen sehen, dann erinnert uns das daran, dass diese Nonne, die heilige Gertrud, eine große Beterin war, sie betete unbeweglich, tiefkonzentriert und aus ihrem innersten Gemüt. Als solche symbolischen Kennzeichnungen haben die Künstler alle möglichen Tiere benutzt, den Löwen, den Ochsen, die Taube, den Schwan, den Hund und was nicht noch alles. Wenn ein guter Prediger etwa heiliggesprochen werden sollte, könnte man ihn gut mit einem Hahn auf der Schulter darstellen, denn dieses Tier gilt als Wahrzeichen des Predigers.

 

Aber meist ist das Tier schließlich doch um seiner selbst willen auf dem Bild. Soweit wir wissen, hatte die heilige Agnes nichts mit Lämmern zu tun, und das, was sie im Arm trägt, stellt ihre Unschuld dar. Aber im Leben der Heiligen Eustachius und Hubertus spielte ein Hirsch die entscheidende Rolle, und St. Benedikts Rabe war ein ganz realer Vogel. Um sagen zu können, warum dieses oder jenes Tier abgebildet ist, muss man etwas aus dem Leben des Heiligen wissen. Vom heiligen Patrick heißt es, er habe alles giftige Gewürm aus Irland vertrieben; das erklärt, warum auf seinen Bildern die Schlange vorkommt. Die Heiligen Solongia, Bernadette und Johanna von Orleans waren Hirtinnen, jedenfalls eine Zeitlang, und das merkten sich die Künstler dann. Weit in den französischen Pyrenäen, nicht weit von Lourdes, gibt es in einer alten Kirche eine Schnitzerei, auf der dargestellt ist, wie ein Einsiedler einem Wolf einen Dorn aus der Tatze zieht, die dieser ihm aufs Knie gelegt hat. Dieser Einsiedler ist der heilige Aventin; ihm ist die alte Kirche geweiht, und diese Darstellung ist eine Erinnerung an eines seiner wohlbekannten Erlebnisse.

 

Das wunderlichste Wahrzeichen von allen hat aber der Dominikaner Martin Porrès. Er lebte im siebzehnten Jahrhundert und, wie die heilige Rosa, in Lima in Peru. Von ihm wurde gesagt: „Er ist ein Freund der Armen in der Stadt und allen herrenlosen Hunden und Katzen gut!“ Sein Wappentier sind nun aber nicht Hund und Katze geworden, sondern eine Ratte mit riesigem Backenbart. In ganz Spanisch-Amerika ist er als der „Ratten fangende Heilige“ bekannt.

 

Es scheint, dass eine Zeitlang eine Rattenplage in seinem Kloster in Peru bestand, und dass die Ratten sogar versuchten, die Sakristei in Besitz zu nehmen, wo sie die kirchlichen Gewänder und das Altarleinen zerbissen. So etwas ist ja einem der Gefährten des heiligen Franz auch einmal passiert, nur dass die Tiere in diesem Fall Mäuse waren. Natürlich war der Sakristan, der für die Gewänder und das Leinen verantwortlich war, ganz außer sich und überlegte entsprechende Bekämpfungen der Plage. „Ich muss mir Rattengift beschaffen“, sagte er, „das wird mit ihnen aufräumen!“ Bruder Martin hörte das, und ihn machte das bloße Wort Gift ganz elend. „Nein“, rief er laut, „tut das nicht! Überlasst mir die Ratten, und ich will zusehen, dass sie keinen Unfug mehr treiben.“

 

Er hielt sein Wort. Er trug einen großen Korb herbei und setzte ihn im Klostergang nieder, dann rief er etwas in – ja, es muss wohl die Rattensprache gewesen sein! Der Erfolg überraschte alle. Dutzendweise erschienen die Ratten, Ratten aller Arten und Größen, blonde und braune, fette und magere, junge und alte. Alle gelangten schließlich in den Korb. Und als der Korb voll war, trug Martin ihn in den Garten und ließ seinen Inhalt frei. Dann holte er die nächsten Ratten ab, und so ging es weiter. Das wiederholte sich jeden Tag!

 

Offenbar trafen Martin und die Ratten eine Übereinkunft: dafür, dass sie ihm versprachen, die Güter des Klosters nicht mehr zu schädigen, beförderte er sie hinaus, wenn sie hungrig waren! Es ist kein Wunder, dass dieser Heilige als Rattenfänger dargestellt wird. Das große Buch, das diese Tatsache berichtet, fügt hinzu: „Er wird gegen die Ratten angerufen“, und darüber kann man sich eigentlich gar nicht wundern...

 

 Der ehrwürdige Johann Baptist Stöger, Redemptoristen-Laienbruder,

+ 3.11.1883 – Gedenktag: 3. November

 

Am 4. Oktober feiert die Kirche das Fest des großen heiligen Franziskus von Assisi. Am gleichen Tag, 4. Oktober 1810, wurde zu Enzersfeld, fünf Stunden von Wien, ein Bauernkind geboren, auf das der liebe Gott gleichfalls wohlgefällig schaute wie einst auf das reiche Kaufmannskind von Assisi. Sein Name war Johann Baptist Stöger; am Geburtstag wurde es in der Taufe zugleich auch ein Gotteskind. Als Knabe hegte Johann ein großes Verlangen, Priester zu werden, aber sein Vater hielt ihn ab aus törichter Furcht, der Sohn könnte auf Abwege geraten. Den Drang zu studieren konnte dieser aber nicht völlig bezwingen, denn er brachte jeden freien Augenblick, besonders abends bis spät in die Nacht hinein, mit den Büchern zu, die er sich verschaffte. Er lernte die lateinische Sprache, erwarb sich große Kenntnisse in der Geschichte, auch die Heiligenlegende wurde ihm geläufig. In der Arbeit versäumte Johann durch sein Lesen und Studieren nichts. Er war immer der erste und letzte dabei und half noch anderen, wenn er fertig war. Besuch von Gesellschaften liebte er nicht. Gegen seine Eltern war Johann voll Ehrfurcht und Gehorsam. Daher kaufte ihm sein Vater stattliche Pferde und suchte jeden Wunsch des braven Sohnes zu erfüllen. Nur einmal gab es eine abschlägige Antwort. Johann wollte mit seiner Schwester nach Wien, um die große Fronleichnamsprozession sich anzuschauen. „Da ist viel Eitelkeit und wenig Andacht zu sehen,“ wehrte der Vater ab. Johann wurde darüber missgestimmt. Wenn er auch nicht mit Worten seinem Herzen Luft machte, so konnte er doch einige Stunden lang ein gewisses finsteres Gesicht nicht überwinden. Diesen Fehler beweinte er zeitlebens mit bitteren Tränen. Öfters fuhr er mit Gemüse nach Wien und besuchte dort fleißig die Kirche „Maria vom Gestade“, wo unter dem ehrwürdigen Pater Passerat das religiöse Leben und die Feier des Gottesdienstes in schönster Blüte stand. Dort lernte Johann die Redemptoristen kennen und wählte sich Pater Michalek zum Beichtvater.

 

Im Herbst 1835 kam der heiligmäßige Kapuzinerbruder Didakus nach Enzersfeld zur Sammlung. Dieser sprach zu Stöger: „Sie sind in die Redemptoristenkongregation berufen. Bitten Sie nur, man wird Sie aufnehmen.“ Johann tat es und wurde am 2. Januar 1836 als Laienkandidat aufgenommen und ins Kloster nach Weinhaus geschickt. Das Stillschweigen und die religiösen Übungen entsprachen ganz seinem frommen Gemüt. Alle wurden erbaut durch seine Andacht und tiefe Demut. „Ich bin nur für die groben Arbeiten,“ sagte er, aber alle Brüder verwunderten sich, wie geschickt er die feinsten Arbeiten angriff, wenn er dazu gerufen wurde. Vierzehn Monate verbrachte hier der Ordenskandidat, hatte aber keine geringe Versuchung zu bestehen. Weinhaus hatte keinen eigenen Obern, sondern wurde von Wien aus versehen. Bald kam Pater Minister und ordnete an. Dann kam Pater Rektor aus Wien und verlangte das Gegenteil. So kam Unordnung. Aber Johann Stöger hielt diese harte Probe mit musterhafter Treue aus. Ins Noviziat nach Eggenburg versetzt, erhielt er am 19. März 1837 das Ordenskleid. Da er in Weinhaus die Gärtnerei erlernt hatte, wurde er hier mit der Pflege des Gartens betraut. Da ging alles in Ruhe und Ordnung her, und dem Frater Baptist, wie er seit der Einkleidung genannt wurde, war leicht ums Herz. Am 18. März 1840 legte er die heiligen Gelübde ab und blieb bis zum Tod diesem Haus zugeschrieben. Nur einmal musste er es auf zwölf Tage verlassen. Im Sturmjahr 1848 kamen die Aufrührer auch nach Eggenburg und vertrieben die Patres. Bruder Baptist fand bei einem Freund im nahen Roggendorf Unterkunft. Die braven Einwohner von Eggenburg aber, die ihre Redemptoristen, nicht zum wenigsten den frommen Bruder Gärtner hochschätzten und liebten, erwirkten durch eine Bittvorstellung in Wien ihre Rückkehr.

 

Immer schöner entfaltete Bruder Baptist die Blüten aller Tugenden, deren Wohlgeruch sich durch die ganze österreichische Provinz verbreitete. Bald wurde von ihm in allen Häusern nur mehr wie von einem Heiligen gesprochen. Nur er selbst hielt sich für ein unnützes Glied am Körper der Kongregation. „Ich bin der Niemand,“ war sein Lieblingswort. Bei gemeinsamen Arbeiten der Brüder übernahm er stets die letzten Posten. Überall wollte er der letzte sein. Nur in einem Punkt war er stets der erste: im Aufstehen am Morgen. Er hatte das Amt des Aufweckers bleibend übernommen und übte es bis zu seiner letzten Krankheit. Um drei Uhr morgens war er schon im Oratorium, betete den heiligen Kreuzweg und brachte die Zeit bis zum Aufwecken kniend in Betrachtung zu. Wenn die Patres um fünf Uhr in das Oratorium kamen, war Frater Baptist im Winter oft vor Kälte starr und blau, im Sommer vor Schlaf und Erschöpfung so matt, dass man meinte, er müsse umfallen. Er achtete aber keine Beschwerde und ging nach den heiligen Messen ohne je ein Frühstück zu nehmen zu seiner Gartenarbeit. Die heilige Kommunion, die er mit Ausnahme eines Tages in der Woche jeden Morgen empfing, war seine Kräftigung zum Tagwerk. Höchstens ging er in späteren Jahren, wenn die Kräfte ihn ganz verließen, zum Gefäß, in dem sich die Abfälle der Speisen befanden und suchte etwas, eine halb verfaulte Kartoffel oder dergleichen heraus, um sich zu kräftigen. Ebenso genoss er zum Mittag- und Abendessen, wenn es ihm gestattet wurde, nur einige Abfälle, indem er sagte, „sie seien ihm das Liebste“. Wein oder Bier trank er nie. Und bei so karger Nahrung arbeitete der gute Bruder in seinem Garten vom Morgen bis zum Abend wie der stärkste Mann. Er schien es zu seiner Aufgabe gemacht zu haben gegen die eigene Erschöpfung anzukämpfen. Dieses Leben voll der Opfer und Mühen führte der Ehrwürdige Tag für Tag durch volle vierzig Jahre. Einmal wäre er diesem Kampf mit der eigenen Natur beinahe zum Opfer gefallen. Ein Bein wollte seinen Dienst versagen; er arbeitete der Beschwerde zum Trotz fort, bis eine Ader sprang. Mit Mühe schleppte er sich noch bis nahe zur Haustür und wurde dort, nur durch einen glücklichen Zufall, halbtot in seinem Blut liegend, getroffen. Kaum hergestellt, nahm der Streiter Christi den alten Kampf aufs neue auf und setzte ihn fort bis zum letzten Atemzug.

 

Die Beispiele der Heiligen ermunterten den ehrwürdigen Bruder zu solcher Standhaftigkeit. Wenn er von der heldenmütigen Überwindung eines Gottesmannes las oder hörte, schlug er demütig auf die Brust und seufzte: „Das war eine große Seele! Ich bin der Niemand.“ Er setzte sein Vertrauen nur auf die Güte Gottes und die Fürsprache der heiligsten Jungfrau und sagte, er müsse sich an ihr Kleid anhängen und nicht auslassen, ja nicht auslassen, bis sie ihn in den Himmel hineinziehe. Seine Arbeit war Gebet und Opfer. Die einfachsten Arbeiten waren ihm die liebsten, weil er dabei am leichtesten beten und betrachten konnte. Gern sang er auch bei der Arbeit ein frommes Lied. An Sonn- und Festtagen brachte er die ganze freie Zeit in der Kirche zu.

 

Gott, der die Tragkraft seines treuen Dieners kannte, suchte ihn mit den schwersten inneren Leiden heim. Frater Baptist wurde immer wieder von so heftigen Versuchungen gegen die Hoffnung gequält, dass ihn manche Nacht der Kampf mit der Versuchung weit mehr erschöpfte als die Anstrengungen des Tages. „Heute Nacht habe ich wieder meine Schläge bekommen,“ sagte er nicht selten am Morgen zu seinem Beichtvater und sah dabei so erschöpft aus und zermalmt, als wäre er die ganze Nacht auf der Folterbank gequält worden.

Bei einem so harten äußeren und inneren Leben kam aber nie ein Laut der Ungeduld oder Klage über die Lippen des Ehrwürdigen. Der Gedanke: „Es ist der Wille, die Schickung Gottes“ erhielt ihn aufrecht in jeder Trübsal. Im Umgang mit den Nächsten und besonders den Mitbrüdern war Bruder Baptist äußerst zart und achtsam, um ja bei niemand anzustoßen, kehrte aber mit Absicht den Abkömmling vom Lande hervor und wollte für einen Unwissenden und Ungebildeten gelten, der nur für seine Erdarbeit tauglich sei. Es begegnete ihm jedoch das Gegenteil. Wer eine kurze Zeit mit ihm redete, musste ebenso sehr den klaren Verstand des guten Bruders bewundern als seine Einfalt und Demut ihn erbaute. Sah er Gäste einsam in seinem Garten umhergehen und fürchtete er, dass sie etwa aus Versehen allein gelassen wurden, so ging er alsbald auf sie zu, grüßte freundlich und bescheiden und bot seine Gesellschaft an, zeigte ihnen seine Blumenanlage und redete auch mit hohen Herren in verständiger, taktvoller Einfalt.

 

So lebte Frater Baptist in Eggenburg als ein Muster der Abtötung, der Demut und aller Tugenden und zog durch sein Opferleben reichen Gnadentau auf die Kongregation herab. „Dieser Bruder rettet durch sein Gebet mehr Seelen als alle unsre Patres durch ihre Arbeiten,“ sagte Pater Rektor Hayker. Im Jahr 1880 hatte er bereits vierundvierzig Jahre in so harter Buße zugebracht, aber seine Krone war noch nicht vollendet. Da bildeten sich an seinem Bein ekelhafte Geschwüre, so dass er weder stehen noch liegen konnte, sondern Tag und Nacht wie ein zweiter Hiob in seinem Sessel sitzen musste und solche Schmerzen litt, dass er oft vor Übermaß der Leiden laut aufschrie.

 

Zu dieser äußeren Qual gesellten sich die heftigsten Versuchungen der Verzweiflung, so dass der Dulder im Kampf sich auf dem Boden wand und kein Wort hervorzubringen vermochte, außer dass er dem nebenstehenden Beichtvater von Zeit zu Zeit zurief: „Ich bitte um den heiligen Segen“, „Ich bitte um Weihwasser“, Ich bitte um das heilige Kreuzzeichen“. Es war der letzte entscheidende Kampf mit dem Feind des Guten. Der wohlgeübte Kämpfer bestand ihn glorreich, gab nie das leiseste Zeichen von Ungeduld oder Seelenschwäche. So musste schließlich der Satan weichen und die Engel kamen mit der Siegespalme, um den heldenmütigen Streiter Christi zum ewigen Triumph zu führen.

 

Frater Baptist starb, mit den heiligen Sterbesakramenten versehen, am 3. November 1883 im Ruf der Heiligkeit. Verschiedene wunderbare Gebetserhörungen sind erfolgt. Der Seligsprechungsprozess ist bereits in Rom anhängig. Somit dürfen wir hoffen, dass der demütige Frater Baptist erhöht wird und ihm die Ehre eines Seligen zuteil wird.

 

Demut sei auch unser Wesen und Leben: „Ich bin der Niemand.“ Je demütiger der Mensch aber ist, je weniger er auf sich selbst vertraut, um so mehr muss er auf Gott hoffen. Die christliche Hoffnung, vom Heiligen Geist gebildet und vermehrt, ist die Triebfeder unserer Tätigkeit. Die christliche Hoffnung heißt uns mit unerschütterlichem Vertrauen alle Mittel von Gott erwarten, die notwendig sind, um zur ewigen Glückseligkeit zu gelangen. Das ganze Leben des Gerechten ist von dieser Tugend beseelt, die eine Entfaltung des Glaubens ist. Deswegen hat auch der demütige Diener des Herrn, mehr als die Weltkinder, häufigere Versuchungen und die heftigsten und verborgensten Anfälle des Teufels gegen diese Tugend zu ertragen. Rufe oft: Heiliger Geist, behüte, stärke mir die Hoffnung!

 

Pater Thomas von Walden

Gedenktage und Lebensskizzen hervorragender

Mitglieder des Karmelitenordens

 

Am 3. November 1431 beschloss der lobwürdige Pater Thomas von Walden, so genannt, weil er zu Walden in der Provinz Esser (England) um das Jahr 1377 geboren wurde, seine Tage. Er hieß in der Welt Johann Netter, trat zu London in den Orden und wird seines scharfen Geistes, seines sittlichen Ernstes, seines anziehenden Wesens im Verkehr und der Heiligkeit seines Wandels wegen, ferner seiner Gelehrsamkeit halber, die ihm den Beinamen "Doctor praestantissimus" (vortrefflichster Lehrer) eingetragen hat, allgemein in hohen Ehren gehalten. Seine erste Ausbildung erhielt er im Kloster. Später sandten ihn die Ordensobern an die Universität zu Oxford, wo er bald selbst den Lehrstuhl bestieg. Auch wirkte er erfolgreichst als Kanzelredner, weshalb ihn König Heinrich IV. zu seinem Hofprediger bestellte. Nicht wenige Gelehrte wählten ihn zu ihrem Berater. In jener Zeit loderte noch der Brand, den der unglückselige Wikleff entzündet hatte. Mancher brave und fähige, katholische Gelehrte trat ihm entgegen, jedoch keiner so kraftvoll wie Thomas von Walden, dessen "Doctrinale antiquitatum fidei eccl. cath." (Lehrbuch der alten Lehre der katholischen Kirche) so segensreich wirkte, dass es wiederholt gedruckt werden musste. Es enthält eben nicht nur Entgegnungen auf die Behauptungen der Wikleffiten, sondern zugleich eine ausführliche Begründung der katholischen Lehrsätze, namentlich ist es eine fast unerschöpfliche Fundgrube von Aussprüchen der Heiligen Schrift und der heiligen Väter. Aber nicht nur in seinem Vaterland wirkte Thomas. Im Jahr 1409 sandte ihn König Heinrich IV. als Vertreter Englands zum Konzil nach Pisa. Im Jahr 1414 ordnete ihn dessen Nachfolger Heinrich V. zum Konzil nach Konstanz ab, auf dem die Irrtümer des Hus und Wikleff verdammt wurden. Von Konstanz musste er sich nach Polen begeben, um zwischen dem Polenkönig Wladislaw und den Deutschherren zu vermitteln, was ihm auch in Bälde gelang. Durch seine Predigten in Litauen bekehrte er den Herzog Witold und aus dem Volk so viele zum christlichen Glauben, dass er geradezu "der Apostel Litauens" genannt wurde. Hierauf begleitete er seinen königlichen Herrn nach Frankreich, wo er ihm den notwendigen Beistand am Sterbebett leistete. Thomas gestattete sich keine Ruhe. Jeden freien Augenblick benützte er zu literarischer Tätigkeit. Sein zweibändiges Werk über die Sakramente fand den Beifall des Papstes in so hohem Grad, dass er ihn überaus belobte und aufforderte, noch einen dritten Band über die Sakramentalien zu verfassen. Im Jahr 1431 sollte er den erst zehnjährigen König Heinrich VI. zur Krönung nach Paris begleiten. Er kam indes nur bis Rouen. Dort erkrankte er und starb im Kreis seiner Ordensbrüder am 3. November. Da seine Tugenden so zahlreich und gediegen waren wie die Werke, die er verfasste, dürfen wir uns nicht wundern, dass zahlreiche Schriftsteller ihn als Seligen bezeichnen.

 

Gebet am 3. November

 

Allerheiligste Jungfrau, du Vorbild der Demut, die du ungeachtet deiner hohen Heiligkeit und göttlichen Mutterschaft dich immer klein vor den Augen Gottes und der Menschen geschätzt hast, erlange mir durch deine wirksame Fürbitte von deinem geliebten Sohn die Gnade, dir getreu in Demut nachzufolgen, um deiner Liebe willen, da du an demütigen Seelen ein besonderes Wohlgefallen hast. Amen. 

 

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Hubert

 

Verleihe uns, o Gott, auf die Fürbitte des heiligen Hubertus, Lust und Eifer zum Guten, damit wir im Leben reichlich säen und nach dem Tod reichlich ernten, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Im Jahr 1534 hat Papst Paulus III. an diesem Tag einen Teilablass denen erteilt, die zu Rom die fünf Kapellen des Rosenkranzes besuchen, um in ihnen zu beten.

 

Andacht am 3. November:

 

Das Thema im November:

Liebe

"Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." (Matthäus 22,37-39)

 

"Ach, bei weitem nicht so viel Liebe haben wir, als wir sie bedürfen! Denn einer unendlichen Liebe bedürfen wir, Gott so sehr zu lieben, als Er es verdient. Und dennoch verschwenden wir Unglückseligen sogar die geringe Liebe, deren wir fähig sind, an geringe und verächtliche Dinge als hätten wir der Liebe zu viel!" (Der heilige Franz von Sales)

Dieser große Heilige sprach: "Wenn ich wüsste, dass in meiner Seele auch nur ein einziger Liebesfaden sich fände, der nicht von Gott oder für Gott wäre, ich würde ihn auf der Stelle zerreißen. Viel lieber möchte ich gar kein Dasein haben, als im Dasein stehen und Gott nicht ganz und gar, ohne alle Ausnahme angehören."

Der heilige Philipp Neri sprach zuweilen: "Wie ist es möglich, dass, wer an Gott glaubt, außer Gott noch anderes liebt; es sei denn, dass er es um Seinetwillen liebt?" Schmachtend vor Liebe zu seinem Gott brach er in die Klage aus: "O mein Gott, so sehr bist Du der Liebe würdig; und Du befiehlst mir, Dich zu lieben! Warum hast Du mir doch nur ein Herz, und zwar ein so enges Herz gegeben!"

Der heilige Augustinus regte sich selbst an, Gott zu lieben, und sprach so zu seiner Seele: "Was gibt es je auf dieser Welt, das dir gefallen und Anspruch auf deine Liebe machen könnte? Wo immer du deinen Blick hinwenden magst, siehst du nichts, als Himmel und Erde; findest du aber, sei es im Himmel, sei es auf der Erde, irgend etwas, das deiner Liebe würdig ist, wie große Liebe ist dann nicht Derjenige würdig, der die Dinge erschaffen hat, die du liebst! - Frage die Dinge, die du liebst, nach ihren Urheber; und wenn du das Werk bewunderst, so liebe den, der ihm sein Dasein gab. Hefte deine Liebe nie so sehr an etwas Erschaffenes, dass du darüber deinen Schöpfer vergisst. Mein Gott! unendlich größerer Liebe bist Du würdig, als alles, was auf Erden und im Himmel ist. Ich entsage allem, was da vergänglich ist, damit ich Deine Liebe nicht verliere!"

 

Ach, mein Gott, dass ich nur ein Herz habe! Hätte ich Tausende, alle würde ich Sie Deiner Liebe weihen. Doch ach, dass auch dies eine Herz Dich nicht lieben kann, wie Du dessen würdig bist, und es noch vermag, sich an die Eitelkeit zu heften! Erfülle mit Deiner Liebe dieses Herz, das Dir ganz und allein anzugehören verlangt! Amen. 

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 3. November

 

"Der gründlichste Beweis,

den man haben kann,

Vergebung erlangt zu haben,

ist die Lebensbesserung."

 

hl. Ludwig von Granada OP

1504 bis 31.12.1588

 

Betrachtung am 3. November - Gottes Vaterherz

 

Aus deinem Herzen strömt, o Gott, die Liebe,

Die dein Geschöpf zu deinem Bilde schmückt;

Und unbesiegbar sind des Herzens Triebe,

Das wahrhaft liebt und liebend selbst beglückt.

 

1. Gewaltig ist die Liebe guter Eltern für ihre Kinder. Sie scheuen keine Sorgen, keine Anstrengungen, ihr Glück zu fördern. Erkranken aber diese geliebten Kinder, dann ist die ganze Familie ängstlich beschäftigt. Kein Geld wird gespart, keine Nachtwache, kein Opfer gescheut. Also sandte auch jener Fürst, dessen Sohn erkrankt war, nicht seine Leute: er selbst kam zu Jesus, um ihn um die Heilung seines Sohnes zu bitten. Aber liebe Eltern, warum diese Angst? Warum diese Sorgen? Was verliert ihr denn, wenn dieses Kind stirbt? Oder was gewinnt ihr, wenn es am Leben bleibt? Ach, du kennst die Liebe nicht, würden sie dem so Fragenden antworten, uns selbst lieben wir in unserem Kind, und wir selbst sterben gleichsam mit ihm.

 

2. Erkennst du hier das Bild des himmlischen Vaters? Nur einen Funken seiner Liebe legte er in das Herz der Eltern, und wie unüberwindlich wirkt er in ihnen. Was ist aber dieser geringe Funke gegen die unermessliche Liebe des göttlichen Vaterherzens. Denn der Herr selbst spricht in Jesaja 49,15: "Kann denn eine Frau ihr Kindlein vergessen, eine Mutter ihren leiblichen Sohn? Und selbst wenn sie ihn vergessen würde, ich vergesse dich nicht." Nichts zwar verliert er, wenn wir verloren gehen, und nichts gewinnt er, wenn wir selig werden, aber sein Wesen ist die Liebe, er liebt uns als seine Geschöpfe, er liebt sein eigenes Bild in uns.

 

3. Gute Eltern versuchen ihre Kinder durch Güte und Strenge zu bessern, sie verstoßen sie nicht, auch nach vielen Fehlern. Nur wenn sie nach allen Ermahnungen, Wohltaten und Strafen sich also gegen die Eltern empören, dass sie ihnen nach dem Leben stellen, schließen sie sie mit Schmerz vom Vaterhaus aus. So tut es auch unser himmlischer Vater, der seine unendliche Güte gleichsam erschöpft, und schließt nur jene Verstockten vom Himmel aus, die da wünschten, dass kein Gott wäre, und bis an ihr Ende in dem hartnäckigen Trotz gegen ihn verharren. "Sag zu ihnen: So wahr ich lebe - Spruch Gottes, des Herrn -, ich habe kein Gefallen am Tod des Schuldigen, sondern daran, dass er auf seinem Weg umkehrt und am Leben bleibt." (Ezechiel 33,11a)

 

4. November

 

Der heilige Karl Borromäus, Erzbischof, Kardinal von Mailand,

+ 3.11.1584 - Fest: 4. November

 

Der heilige Karl Borromäus war ein eifriger Verehrer des heiligsten Altarsakramentes. Schon als Junge war seine liebste Beschäftigung, kleine Altärchen zu errichten und davor Lobgesänge Gottes zu singen, wozu er auch seine Geschwister und andere Kinder aufzufordern versuchte. Als er heranwuchs, begab er sich, während seine Kameraden mit kindlichen Spielen sich beschäftigten, am liebsten in irgendeine Kirche, um dort seinen Erlöser zu besuchen und anzubeten.

 

An der Hochschule zu Pavia, wo er sich auf den geistlichen Stand vorbereitete, lebte er mitten unter den Ausschweifungen der Studenten ganz zurückgezogen; seine Zeit war dem Studium und dem Gebet gewidmet.

 

Zum Priester geweiht, begann er ein noch strengeres Leben als zuvor, gab sich mit noch größerem Eifer dem Gebet hin und wählte sich einen frommen Ordensmann zum Gewissensrat, auf dass er ihm eine gründliche Anleitung zur Ausübung der christlichen Tugenden geben möge.

 

Sein Oheim, Papst Pius IV., erhob ihn zum Kardinal der heiligen römischen Kirche und übertrug ihm zugleich das Erzbistum Mailand. Von Gott ausersehen, in der Zeit der großen Glaubensspaltung der Kirche eine Stütze zu sein, war er unablässig bemüht, dass das Konzil von Trient, das dem Strom der Glaubensneuerung Einhalt tun sollte, fortgesetzt und zum Schluss gebracht wurde. Er war neben dem Papst die Seele dieser großen Kirchenversammlung. Auch veranlasste er, dass ein eigener Katechismus der katholischen Lehre verfasst, dass das römische Messbuch und Brevier verbessert, dass heilsame Beschlüsse für die Kirchenzucht gefasst und verkündet wurden. Und als die Beschlüsse des Konzils zur Ausführung gebracht werden sollten, war er der erste, der damit den Anfang machte.

 

An sich selber übte er die größte Strenge, und alle Zeit, die ihm übrig blieb, verwandte er auf den Besuch der Kirchen; daneben spendete er reichliches Almosen und gab große Summen Geldes hin zum Schmuck seiner Kathedralkirche und führte ein ärmliches Leben. Keinen Morgen ließ er hingehen, ohne das heilige Messopfer darzubringen, zu dem er sich nicht nur durch inbrünstiges Gebet, sondern auch durch die Beichte jedes Mal vorbereitete; hielt ihn aber eine schwere Krankheit von der heiligen Messe ab, so empfing er wenigstens die heilige Kommunion. Da er selbst erklärte, dass seine größte Wonne darin bestehe, am Fuß der Altäre vor dem Tabernakel zu verweilen, so brachte er oft ganze Nächte in der Kirche zu, und war mit allen Kräften darauf bedacht, die Kirchen von Mailand und die seines Bistums mit geziemender Pracht auszustatten. Auf die Herstellung des überaus herrlichen Domes zu Mailand verwandte er die größten Summen. Besonders sah er darauf, dass in den Kirchen Reinlichkeit und Ordnung herrschte, und der Gottesdienst mit entsprechender Feierlichkeit gehalten wurde. Wer kann schildern, mit welcher Andacht und inneren Sammlung er die heilige Messe las, und mit welch glühender Liebe er überhaupt das Allerheiligste behandelte? Nach der heiligen Messe blieb er stundenlang vor dem Altar knien, um seine Danksagung zu machen. Wenn er die heilige Kommunion austeilte, war er so ergriffen, das er nichts bemerkte, was um ihn vorging. Die Liebe zum allerheiligsten Altarsakrament gab ihm übermenschliche Kraft für sein apostolisches Wirken. Wie viel Mühe gab er sich, die Gläubigen zum fleißigen und andächtigen Besuch des Gottesdienstes und zum würdigen Empfang der heiligen Sakramente anzueifern! Er führte die Bruderschaft vom allerheiligsten Altarsakrament in seiner Metropolitankirche ein, die das Vorbild für alle anderen in seiner Diözese wurde. Er ordnete das 40stündige Gebet aufs neue und verteilte es an alle Kirchen in der Weise, dass nicht ein Tag im Jahr war, an dem nicht das heiligste Sakrament öffentlich zur Anbetung ausgesetzt worden wäre. Unzählige Kirchen wurden von ihm teils erbaut, teils restauriert.

 

Da die Priester die besonderen Diener des Heiligtums sind, so war seine erste und letzte Sorge, sie von der Erhabenheit ihrer Würde zu überzeugen, in ihnen den Geist des Gebetes und der Wissenschaft anzuregen, sie zu einem reinen Lebenswandel anzuspornen und sie mit Eifer für das Heil der Seelen und die Ehre Gottes zu entflammen.

 

Nachdem er heilige Zucht unter der Geistlichkeit hergestellt hatte, weihte er dem christlichen Volk all seine Kräfte. Jedes Jahr besuchte er die Pfarreien, sogar die entlegensten, hielt selbst Christenlehre und drang unaufhörlich darauf, dass die Priester es am Unterricht des Volkes nicht fehlen ließen.

 

Auch in den Klöstern stellte er den Geist wahrer Frömmigkeit wieder her, nachdem der Weltgeist in sie eingedrungen war.

 

Im schönsten Licht zeigte sich seine Seelengröße zur Zeit, als die Pest in Mailand die fürchterlichsten Verheerungen anrichtete. Er ging in die Pestspitäler, um, von Toten und Gefahren des Todes umgeben, den Sterbenden Trost zuzusprechen und ihnen den Beistand der Religion zu leisten. Furchtlos begab er sich an das Bett der Sterbenden, um ihnen die heiligen Sakramente zu spenden. Diesen Heldenmut hatte er sich vom heiligsten Sakrament geholt. Auch den Priestern, die voll heiligen Eifers sich beeilten, den Sterbenden beizustehen und ihnen die heilige Wegzehrung zu reichen, wusste er gleiche Seelenstärke einzuflößen.

 

Unterdessen griff die Pest immer weiter um sich, und der Heilige sah ein, dass nur mehr der Allmächtige diesem fürchterlichen Übel Einhalt gebieten könne. Es wurden darum öffentliche Bußprozessionen gehalten, an denen der Heilige selbst barfuß mit einem Strick um den Hals teilnahm, und endlich nahm das furchtbare Übel nach und nach ein Ende, wie es der Heilige vorhergesagt hatte.

 

Die heilige Eucharistie war in dieser jammervollen Zeit der Pest sein Trost, seine Zuversicht und Zuflucht.

 

Geschmückt mit den schönsten Tugenden, ausgerüstet mit den herrlichsten Gaben des Himmels, glühend für die Ehre Gottes und das Heil der Seelen und dabei geleitet von dem Geist christlicher Klugheit, die er im Gebet errungen, voll tiefer Wissenschaft und Weisheit, die er sich durch fortgesetztes Studium zu eigen gemacht, gelang es ihm, Geistlichkeit und Volk umzuwandeln und Tausende für den Himmel zu gewinnen. Der Heilige hielt öfter geistliche Übungen an einsamen Orten, besonders zog ihn an der Berg Varallo, ein Wallfahrtsort im Bistum Novara an der Schweizer Grenze; dorthin begab er sich im Jahr 1584 in dem Vorgefühl des nahen Todes, obgleich er kaum sein 47. Lebensjahr erreicht hatte. Er verdoppelte jetzt seine Gebete und Bußwerke, legte eine Lebensbeichte ab und schien mehr als je in Gott versenkt. Am 24. Oktober befiel ihn ein Fieber. Die Krankheit nötigte ihn, nach Mailand zurückzukehren, wo er am Allerseelentag in einer Sänfte ankam. Die Ärzte erklärten sogleich das Übel für äußerst gefährlich, und der Beichtvater eröffnete ihm, dass die Stunde nahe sei, wo er vor Gott erscheinen müsse. Mit bewunderungswürdiger Ruhe hörte der Heilige diese Kunde; mit der Andacht eines Engels empfing er die heiligen Sterbesakramente, und am selben Tag Abends (4. November) verschied er, den Blick unverwandt auf das Bild des Gekreuzigten heftend, mit den Worten: „Ecce venio cito – Siehe, ich komme bald.“ Seine Heiligsprechung erfolgte 1610 durch Papst Paul V.

 

Die heiligen Vitalis, Sklave und Märtyrer von Bologna,

und Agricola, Edelmann und Märtyrer von Bologna,

+ 4.11.304 – Fest: 4. November

 

Vom heiligen Ambrosius wissen wir, dass Agricola ein Edelmann aus Bologna war, der seiner Tugenden wegen selbst von den Heiden geliebt wurde, unter denen erlebte. Er unterrichtete seinen Sklaven Vitalis in der christlichen Religion. Beide wurden während der Verfolgung im Jahr 304 verhaftet. Vital wurde als erster auf die Folter gelegt. Er lobte Gott, so lange er ein Wort hervorzubringen vermochte. Als er schließlich seinen ganzen Leib mit Wunden überdeckt sah, bat er den Herrn, er möge ihm die Krone geben, die ihm ein Engel gezeigt hatte. Nach vollbrachtem Gebet gab er seinen Geist auf. Des Agricola Hinrichtung wurde verschoben in der Hoffnung, der Anblick seines leidenden und sterbenden Sklaven werde ihn auf andere Gesinnungen bringen. Allein das Beispiel Vitalis befeuerte noch mehr seinen Mut. Die Obrigkeit und das Volk erzürnten darüber heftig, und der Märtyrer wurde an ein Kreuz geheftet, wo man seinen Leib mit so vielen Nägeln durchbohrte, dass er mehr Wunden als Glieder hatte. Die zwei Blutzeugen wurden auf der Begräbnisstätte der Juden beerdigt. Der heilige Ambrosius entdeckte ihre Gebeine auf seiner Reise, die er 393 vor dem Tyrann Eugen fliehend nach Bologna machte. Er nahm sich von diesen kostbaren Überbleibseln ein wenig Blut aus dem Grabesgrund, samt dem Kreuz und den Nägeln, den Werkzeugen von Agricolas Märtyrertod. Die Gebeine aber überließ er der frommen Witwe Juliana von Florenz, um eine Kirche damit zu bereichern, die sie in dieser Stadt erbaut und der heilige Ambrosius eingeweiht hatte.

 

Der heilige Felix von Valois, Priester und Ordensstifter,

+ 4.11.1212 - Fest: 4. November

 

Wenn die Franzosen Waloa sagen, so schreiben sie Valois, und der heilige Felix von Valois, dessen Fest heute begangen wird, ist, ohne dass sein Name eigens genannt wurde, am 8. Februar schon einmal vorgekommen. Da wird erzählt, dass sich der heilige Johannes von Matha, nachdem er der Erscheinung eines jungen Mannes von überirdischer Schönheit im weißen Gewand mit rotblauem Kreuz auf der Brust gewürdigt wurde, zu einem Einsiedler in einen Wald begab, mit dem er betete und sich über den neuen Orden vom Loskauf der Gefangenen beredete. Nach drei Jahren sahen Johannes und der Einsiedler den Hirsch mit dem leuchtenden rotblauen Kreuz im Geweih, und beide sind dann stehenden Fußes nach Rom gewandert und haben mit dem Segen des Papstes den neuen Orden vom Loskauf der Gefangenen gegründet, dessen Mitglieder im Laufe der Zeit eine Million Christen aus der Sklaverei der Mohammedaner befreite.

 

Eben dieser Einsiedler, von dem erzählt wurde, war der heilige Felix von Valois, der Mitbegründer des Trinitarierordens.

 

Felix stammte aus fürstlichem Geblüt, und es hätte nicht viel gefehlt, dass er König von Frankreich geworden wäre. Weil er aber zu Höherem als nur zum König geboren war – der kleinste Heilige steht bekanntlich himmelhoch über allen Kaisern und Königen –, ließ sich Felix die heilige Priesterweihe erteilen und wurde Einsiedler in dem großen Wald, von wo ihn Gottes Gnade zum Ordensstifter berief.

 

Während Johannes von Matha, sein heiliger Genosse, in die Länder der Mohammedaner zog, um die gefangenen Christen loszukaufen, blieb Felix bis zu seinem Tod im Jahr 1201 daheim und gründete Klöster, in denen er die junge Heldenschar des Ordensnachwuchses ausbildete, befähigte und begeisterte zu dem herrlichen Beruf eines Erlösers aus der Not der Sklaverei.

 

Grenzenlos war die Not. Gehetzt und getrieben, geschlagen und geschunden, seufzten die Christensklaven bei strenger Arbeit in der heißen Sonne Afrikas unter der Knute erbarmungsloser Herren. Erst der neue Orden vom Loskauf der Gefangenen brachte eine Wendung in dem bitteren Schicksal der geknechteten Menschen. Von frischer Hoffnung beseelt, hielten sie nun alle Tage Ausschau auf das Meer, und wenn fern am Horizont wieder ein Schiff erschien mit dem Kreuz am Mast, dann wollte der Jubel unter ihnen kein Ende nehmen. Alle drängten sich vor, jeder wollte zuerst losgekauft werden, jeder zuerst das rettende Schiff besteigen, um endlich heimzufahren.

 

Nie jedoch reichte das Lösegeld für alle, manche mussten zurückbleiben und noch länger in der Knechtschaft schmachten. Was mag in den Herzen der armen Menschen vorgegangen sein, wenn das Erlöserschiff ohne sie die Anker lichtete und davonfuhr, weiter, weiter, jetzt nur noch ein winziger Punkt am fernen Himmel, nun ganz verschwunden, verschwunden damit auch die Hoffnung, je erlöst zu werden. Was mag da in den Herzen der Nichtbefreiten vor sich gegangen sein?

 

Etwas Ähnliches gibt es allerdings heute noch, denn auch heute noch gibt es Seelen in Not, gefangene Seelen im bitteren Leid, die Armen Seelen im Fegfeuer. Selbst können sie sich nicht helfen, ganz sind sie auf die Hilfe anderer angewiesen, auf die Hilfe der Lebenden. Diese aber können ihnen helfen, leicht und schnell sogar, durch Opfer und Gebet, um dadurch ihre lässliche Sündenschuld und zeitlichen Sündenstrafen abzutragen.

 

Da muss doch wohl aus christlicher Liebe ein Orden vom Loskauf der Armen Seelen aus dem Fegfeuer gegründet werden, und alle müssen in den Orden eintreten und besonders im Armenseelenmonat November viel für die Gefangenen im Fegfeuer beten und opfern, damit ihnen nach baldiger Befreiung das ewige Licht leuchte und sie ruhen in Frieden.

 

Der heilige Emmerich, Kronprinz und Bekenner von Ungarn,

+ 2.9.1031 – Fest: 4. November

 

Der Gärtner freut sich, wenn das junge Bäumchen, das er mit liebevoller Sorgfalt aufzog und veredelte, schon frühzeitig viele und kostbare Früchte trägt. Doch viel kostbarer sind die Früchte der Tugend und Gottseligkeit in den Augen des himmlischen Gärtners und aller Guten, deren Auge und Herz entzückt wird durch den Anblick eines Menschen, auf dessen Antlitz der Stempel der Auserwählung ruht, und dessen Leben die herrlichsten Früchte für die Ewigkeit zeitigt. Ein solches Bäumchen im Garten Gottes voll der duftigsten Blüten und köstlichsten Früchte war der heilige Emmerich, der erstgeborene Sohn des heiligen Königs Stephan von Ungarn und der Gisela von Bayern.

 

Emmerich wurde im Jahr 1007 zu Stuhlweißenburg geboren und erhielt in der Taufe den Namen seines Oheims von mütterlicher Seite, des heiligen Kaisers Heinrich II., denn Emmerich hieß so viel wie Heinrich. Der junge Prinz empfing von seinen frommen Eltern und ausgezeichneten Lehrern, insbesondere von dem heiligen Gerhard, der später als Bischof von Czanad den Martertod erlitt, die sorgfältigste Erziehung, und er machte ihnen alle Ehre. Schon in früher Jugend zeigte er einen wunderbaren Eifer in frommen Übungen. Um Mitternacht stand er auf, zündete Kerzen an, betete die Psalmen und erweckte am Schluss eines jeden Psalms einen Akt der Reue. Sein Vater beobachtete ihn öfters heimlich und dankte Gott für einen solchen Sohn.

 

Einst machte der heilige Stephan mit seinem Sohn Emmerich eine Wallfahrt zum St. Martinskloster, das er vor kurzem gestiftet hatte. Die Mönche wollten dem Stifter ihres Klosters besondere Ehre erweisen und zogen ihm in Prozession entgegen. Der König wollte der Ehrenbezeugung ausweichen und sandte ihnen deshalb seinen Sohn entgegen, dass er sie in seinem Namen begrüße. Nach der Landessitte küsste Emmerich jeden Mönch hochachtungsvoll, einige küsste er mehrmals, einen von ihnen, namens Maurus, sogar siebenmal. Der König fragte nach der Ursache eines so ungleichartigen Benehmens. Emmerich antwortete, die Mönche seien alle fromm und tugendhaft, jedoch nicht in gleichem Maße, je heiliger einer sei, desto mehr Küsse habe er ihm gegeben, am meisten dem Maurus, weil der an Reinheit alle anderen übertreffe. Um sich Gewissheit zu verschaffen, ob sein Sohn die übernatürliche Gabe der Unterscheidung der Geister von Gott empfangen habe, kehrte der König nach einigen Tagen zum Kloster zurück und wohnte heimlich um Mitternacht den Metten bei. Da bemerkte er, dass manche Brüder nach dem Chorgebet fortgingen, um in ihren Zellen zur Ruhe zu gehen, andere blieben in der Kirche, um die übrige Nachtzeit sich der Betrachtung und dem Gebet hinzugeben. Diese waren dieselben, die Emmerich mehrmals geküsst hatte. Der König trat nun hervor und grüßte die Mönche freundlich und sie erwiesen ihm ihre Ehrfurcht. Als er zu Maurus kam, wurde sein Gruß nicht erwidert und er brach sein Stillschweigen selbst dann nicht, als ihm der König ernstlich drohte, wenn er ihm keine Antwort gebe. Am anderen Tag machte der König dem Maurus in Gegenwart seiner Ordensbrüder Vorwürfe über sein Benehmen. Er nahm schweigend und demütig den Vorwurf hin. Da erkannte der König, dass sein Sohn in höherer Erleuchtung richtig geurteilt habe, überhäufte Maurus mit Lobsprüchen und ernannte ihn später zum Bischof von Fünfkirchen.

 

Wie an Jahren, so nahm Emmerich an Tugenden und Verdiensten zu. Als er einst in der Kirche des heiligen Georg zu Vesprim inbrünstig zu Gott flehte, er möge ihm offenbaren, was er ihm als wohlgefälligstes Opfer bringen könne, da wurde plötzlich die Kirche lichthell und er hörte eine Stimme von oben: „Die Enthaltsamkeit ist eine preiswürdige Sache, darum fordere ich von dir die Keuschheit des Leibes und der Seele. Opfere diese Gott und bleibe in ihr mit beständigem Vorsatz!“ Der junge Heilige wurde mit Trost erfüllt und gelobte zur Stunde, seine Keuschheit unverletzt zu erhalten.

 

Das Gelübde des Kronprinzen durchkreuzte die dringende Bitte seines Vaters und der Großen des Reiches, dass er sich mit Cziska, einer kroatischen Prinzessin verheirate, um die Thronfolge zu sichern. Aus Ehrerbietung und kindlichem Gehorsam gegenüber seinem Vater gab er schließlich nach in der sicheren Hoffnung, Gott werde ihm ermöglichen, dass Gelübde treu zu bewahren. Sein Vertrauen wurde nicht enttäuscht. Der frommen Braut stellte er den hohen Wert der Jungfräulichkeit vor, und sie willigte ein, dass sie wie Bruder und Schwester in heiliger Josephsehe lebten. Beide wollten lieber eine Ehe führen, die reich an Tugenden, als reich an Kindern wäre. Beide verrichteten mit allem Eifer die Andachtsübungen, kreuzigten das Fleisch durch Fasten und Bußübungen und gewannen die Herrschaft des Geistes über alle Erdengelüste.

 

Desungeachtet sah sich der demütige Diener Christi als schwachen, armseligen Sünder an und erwog öfters die Schwere und Verantwortlichkeit der Herrschaft über ein ganzes Reich. Deshalb wünschte er, Gott möge ihn vor der Königswürde bewahren und die Bande seines Leibes lösen. Sein Gebet wurde erhört. In der schönsten Blüte des Lebens, mit 24 Jahren, empfing er statt der zeitlichen die ewige Krone. Sechs Tage früher, als ihm sein Vater die Königskrone übertragen wollte, starb er am 2. September 1031. Die jungfräuliche Witwe nahm im Frauenstift Niedernburg zu Passau den Schleier. Fünfzig Jahre nach seinem Ableben wurde Emmerich zugleich mit seinem Vater von Papst Benedikt IX. kanonisiert. Bei dieser Gelegenheit stellte man seine Überreste am 4. November auf den Altar des Domes in Stuhlweißenburg.

 

Unter den Wundern, die sich am Grab des heiligen Emmerich ereigneten, wird auch folgendes berichtet: Ein Deutscher, namens Konrad, hatte außerordentliche Laster begangen, war aber durch die Barmherzigkeit Gottes zur Erkenntnis und Sinnesänderung gebracht. Tief zerknirscht reiste er nach Rom und bat den Papst selbst, er möge ihm eine recht schwere Buße auferlegen. Es wurde ihm aufgegeben, er solle sich eiserne Ketten an den Leib schmieden lassen und zu den Gräbern der Heiligen wallfahren, bis an einem von ihnen die Ketten von selbst abfallen würden. Konrads Bußgeist nahm gern die verdiente Buße auf sich. Auf seinen Pilgerfahrten kam er auch an das Grab des heiligen Stephan von Ungarn. Als er dort mit großer Andacht gebetet hatte, überfiel den Weitgereisten der Schlaf. Da erschien ihm der heilige Stephan und forderte ihn auf, er solle zum Grab seines Sohnes Emmerich gehen, dort würden seine Bitten erhört werden. Konrad erwachte und tat, wie ihm im Traum befohlen worden war. Sobald er sich dem Grab des heiligen Emmerich näherte, zersprangen plötzlich die Ketten mit lautem Gekrach und fielen zu Boden, so dass alle Anwesenden in der Kirche zusammenliefen und über das Wunder staunten.

 

Der heilige Klarus, Priester und Märtyrer von Vexin, Frankreich,

+ 4.11.894 – Fest: 4. November

 

Der heilige Clarus von Rochester, in England geboren, verließ als Priester sein Vaterland und setzte nach Gallien über. Im Bistum Rouen lebte er dann mehrere Jahre in Ausübung der heldenmütigsten Tugenden. Wenn er oft die Einsamkeit verließ, so geschah es, um die Heilswahrheiten zu verkündigen. Er starb als Märtyrer der Keuschheit, indem ihn zwei Meuchler ermordeten, die von einer Frau gedungen waren, in deren sündhafte Forderungen er nicht einwilligen wollte. Seinen Tod setzt man gegen das Jahr 894. Er steht an diesem Tag im römischen Martyrologium, wie auch in dem von Frankreich verzeichnet. Seine Verehrung ist im Bistum Rouen, Paris und Beauvais sehr verbreitet. Der Ort, wo er litt, und der seinen Namen trägt, liegt an der Epte, neun Stunden von Pontoise und zwölf von Rouen. Es werden aus der ganzen Umgegend Wallfahrten unternommen. Auch besuchen die Gläubigen eine Einsiedelei in der Nähe, wo er sich der Sage nach soll aufgehalten haben. Ein anderer Ort, St. Clair genannt, wo der Heilige wie man sagt, zuerst gewohnt haben soll, liegt im Bistum Coutances, in der Normandie. Ehehin feierte die Abtei St. Victor in Paris das Fest des heiligen Clarus am 18. Juli mit Oktav. Der Heilige wird von vielen Kirchen in der Normandie als Patron verehrt.

 

Der heilige Amantius, erster Bischof von Rodez, Frankreich,

+ 5. Jahrhundert – Fest: 4. November

 

Der heilige Amantius (gemeinhin St. Chamant genannt) wurde in Rodez geboren. Er trat frühzeitig in den geistlichen Stand und wurde wegen seiner Tugenden auf den bischöflichen Stuhl von Rodez erhoben. Mit unermüdlichem Eifer arbeitete er an der Bekehrung der Heiden, die noch sehr zahlreich in seinem Sprengel waren, und gewann viele Menschen für den wahren Glauben durch die Kraft seiner Predigten und Wunder. Strenge Bußübungen wusste er mit seinen apostolischen Mühen und Arbeiten weise zu vereinbaren. Seine Milde und Nächstenliebe trug ebenfalls zu den von ihm erwirkten Bekehrungen vieles bei. Er starb gegen Ende des 5. Jahrhunderts. Sein Name steht an diesem Tag im römischen Martyrologium, das darin den Martyrologien von Ado und Usuard folgte. Zum Nachfolger bekam er den heiligen Quintian, der 511 seinen Leib erheben wollte, was aber, nach dem heiligen Gregor von Tours, vom heiligen Amantius nicht gutgeheißen, sondern dem heiligen Quintian in einem Traum missbilligt wurde.

 

Der heilige Johannicius, Abt und Bekenner von Bithynien,

+ 4.11.845 – Fest: 4. November

 

Johannicius, der durch Buße die Vergehen seiner Jugend zu sühnen sich bemühte, gelangte zu einer so großen Heiligkeit, dass ihn die griechische Kirche unter die berühmtesten Heiligen des Klosterstandes zählt. In Bithynien geboren, hütete er in seinen ersten Jahren die Schweine. In der Folge ließ er sich unter die Leibwache des Kaisers Konstantin Kopronymus oder dessen Sohnes und Nachfolgers Leo, mit dem Beinamen Chazar, aufnehmen. Er hatte einen starken Körperbau und zeichnete sich aus durch unerschütterlichen Mut. Allein sein Glaube war nicht kräftig genug gegen das böse Beispiel, und er hing der damals vom Hof beschützten Partei der Ikonoklasten an. Indessen war er doch so glücklich, einen heiligen Ordensmann kennenzulernen, der ihn, unter der Regierung der Kaiserin Irene, zugleich aus dem Laster und dem Irrtum riss. Von einer lebhaften Reue durchdrungen, brachte er sechs Jahre im Gebet und in der Abtötung zu, ohne jedoch seinen Stand in der Welt zu verlassen. Endlich aber entsagte er in seinem vierzigsten Lebensjahr dem Waffendienst und zog sich auf den Berg Olymp in Bithynien, bei Prusa (Bursa), zurück. In verschiedenen Klöstern bildete er sich in den Übungen der Vollkommenheit. Er lernte auch lesen und bemühte sich, den Psalter auswendig zu lernen. Sein Gebet dauerte ununterbrochen und allzeit schwebte ihm irgendeine fromme Anmutung auf den Lippen. In der Folge lebte er 12 Jahre lang als Einsiedler, worauf er im Kloster Ereste das Ordenskleid sich geben ließ. Durch die Gabe der Wunder und Weissagungen, sowie durch seine außerordentliche Klugheit, mit der er andere auf den Wegen der Vollkommenheit zu führen wusste, wurde er im ganzen Morgenland berühmt. Unter den Kaisern Leo dem Armenier und Theophil verteidigte er eifrig die Lehre der Kirche in Betreff der Heiligenbilder. Er hatte auch großen Anteil an dem von der Wahrheit errungenen Sieg, als die fromme Kaiserin Theodora den Irrtum der Ikonoklasten unterdrückte. In seinem Greisenalter erbaute er sich eine Zelle bei seinem Kloster auf dem Antide, um sich daselbst zur großen Reise in die Ewigkeit vorzubereiten. Er starb 845 nach den Angaben von einigen im Alter von hundertsechzehn Jahren, nach Angaben anderer von achtzig oder von neunzig Jahren. Drei Tage vorher hatte ihn der heilige Patriarch Methodius besucht.

 

Der heilige Brinstan (Birnstan/Brynstan),

Bischof von Winchester, England,

+ 4.11.934 – Fest: 4. November

 

Der heilige Brinstan war ein Schüler des heiligen Grimbald. Seine Tugenden und Kenntnisse erhoben ihn 931 auf den bischöflichen Stuhl von Winchester, dem der fromme Bischof Trithestan entsagte, der auch im folgenden Jahr starb. Nach Wilhelm von Malmesbury war er ein Bischof von außerordentlicher Heiligkeit. Alle Tage brachte er für die verstorbenen Christgläubigen das heilige Messopfer dar, und während der Nacht betete er auf dem Kirchhof die Psalmen für ihre Seelenruhe. Er ließ keinen Tag vorübergehen, ohne einer bestimmten Anzahl Armen die Füße zu waschen und ihnen am Tisch selbst aufzuwarten. Wenn er sie entlassen hatte, widmete er wieder mehrere Stunden nacheinander dem Gebet. Er starb am 4. November 934, ohne vorausgehende Krankheit. Der heilige Elphegus der Kahle wurde sein Nachfolger.

 

Der selige Heinrich von Zwiefalten,

Prior in Ochsenhausen,

+ 4.11.1262 – Fest: 4. November

 

Ein vergessener Seliger

 

Unser Schwabenland hat manche Heiligen, manche Seligen, die offen verehrt in unseren Kirchen und auf unseren Bildstöcklein stehen. Es hat aber auch solche, die vergessen sind. Kein Altar steht für sie, kein Grab ist ihnen geweiht, kein Hausaltar weiß mehr von ihrer Größe. Wenn dann irgendeiner Zeit findet, in verblichenen Chroniken zu lesen, findet er die goldstrahlende Glorie wie ein neuentdecktes Wunder.

 

Vom Jahr 1238 bis 1262 lebte und wirkte in dem ehemaligen Benediktinerkloster Ochsenhausen der 5. Prior, „der selige Heinrich von Zwiefaltach“. Seine Lebensbeschreibung ist so reich an wunderbaren Ereignissen, dass wir verstehen, warum ihm die Chronik den Namen „der Selige“ gab. Seinen Namen finden wir denn auch in jeder ausführlichen Legende aufgeführt am 4. November. Auch waren in den über hundert Jahren (jetzt schon über 200 Jahre - 1803), seit Aufhebung des Klosters, viele Pfarrherren und Vikare in Ochsenhausen, die sich bemühten, von dem Grab dieses großen Menschen Spuren zu finden, aber umsonst. Die vielen großen Umbauten, seitdem aus dem kleinen Priorat des Stiftes eine mächtige Abtei geworden war, vielleicht auch die Kriege, haben verwischt, was dort einst hochgeehrt war.

 

Der selige Heinrich wurde auf dem Stammschloss Zwiefaltach geboren. Er war ein Mann unserer Abstammung, unseres Schwabenblutes, raschen, zornmütigen und schnell wieder versöhnten Charakters. Reicher Eltern Kind, ein Schlossjunker, fern aller schwierigen körperlichen Arbeit, ein Leichtlerner, ein Lernbegeisterter, einer der durch die Schulaufgaben flog wie ein Schmetterling durch Blumen, dem die Schule Genuss und Freude war. Der Eltern Stolz, der Mitschüler Vorbild. „Seine seltenen Geistesgaben, die ein schöner Körperbau ungemein erhöhte, und sein unermüdlicher Fleiß berechtigten zu den kühnsten Erwartungen“, steht zu lesen in einer Chronik. Schöne Menschen haben einen leichteren Lebensweg, ihr Anblick schon macht ihnen alle Herzen gewogen, denn des Menschen Auge ist für Schönheit reich empfänglich eingestellt. Aber Schönheit ist ein zweischneidiges Schwert und unser Heinrich fiel durch dieses Schwert.

 

Lob und Ehre und Schmeichelei überall und Reichtum als Zugabe: dieses Leben war herrlich. Er begann, es zu genießen, er fand Freude an Festen, er ermüdete dadurch im Studium, er holte Ehre von der Jagd, vom Ritterspiel. Überschwänglich erst im Lerneifer, war er jetzt überschwänglich im Leichtsinn. Den einst auf den Sohn so stolzen Eltern brach der mehr und mehr in die Tiefe sinkende Sohn das Herz.

 

Aber Heinrich war zu sehr umgarnt von falschen Freunden und gleißenden Vergnügungen, als dass ihn der Tod der Teuersten herausreißen konnte zur Umkehr. Nur toller und wilder lärmten seine Feste, nur noch häufiger zog er die adelige, bürgerliche und vagabundierende Jugend auf sein Schloss in den Rausch aller Genüsse, „selbst auf ganz gemeine Tanzplätze“, schreibt der Chronist.

 

Aber Gottes Wege erforscht kein Menschenhirn. Seine Stunde schlägt, wann er will.

 

In gedankenlosem Übermut tanzte Heinrich bei Musik, Wein und Gesang in üppigen Kleidern und reichem Schmuck in lärmender, genusssüchtiger Gesellschaft, die Nacht durch bis zur Dämmerfrühe in den Hallen seines Heimatschlosses. Die erhitzte Tänzerin fliegt mit ihm durch den Saal, lachend und jauchzend. Plötzlich lässt der schöngewachsene Herrensohn sie stehen, seine Arme lassen ihren noch im Tanz sich wiegenden Körper los, erschrocken starrt er hin zum Eingang des Saales und beginnt zu zittern. Seine Tänzerin folgt seinen Blicken, sie sieht nichts Besonderes, - nur den Tumult übernächtig tanzender Menschen. Was hat der Ritter?

 

Mitten durch Lärm und Wirrwarr von Tönen und Farben zieht langsam – ein Schemen und doch wahrhaftig wahr – schweiß- und bluttriefend der Herr Jesus mit dem Kreuz auf der Schulter, müde hebt er das heilige Antlitz und schaut Heinrich ernst und traurig an. Heinrich starrt, seine Augen werden feucht, dann hebt er sein schönes, stolzes Haupt hoch, schaut seine Partnerin an und sagt: „Gute Nacht, nun gehe ich ins Kloster!“

 

Hell lacht die Schöne heraus, jubelnd stimmen die Genossen ein:

 

„Der Heinrich, das ist sein feinster Spaß, er geht ins Kloster! Ha – ha - !“

 

Weiter tobt und rast der Tanz. Er wird schon wieder kommen, der Heinrich; lustig und übermütig, in der Mönchskutte vielleicht – ha – ha – Heinrich geht ins Kloster! –

 

Einen Mantel hat der Ritter sich umgeworfen im Gang. Nimmer denkt er daran, sein Lustkleid abzulegen, - er hat den Herrn gesehen, er muss ihm nach; - der Herr hat ihn gerufen mit seinem Blick, er muss ihm folgen.

 

Ein weiter Weg von Zwiefaltach bis Ochsenhausen, viele Stunden, durch viele Wälder. Heinrich kennt sie von seinen Jagden, aber nun reitet er nicht mehr bequem hoch zu Ross, nun stampft er im kalten, nüchternen Morgengrauen dem Osten zu, - ins Kloster.

 

Ein Tag geht fast hin, bis der müde Wanderer an der Pforte des damals noch kleinen, schmalen Klösterleins steht. Aber frisch ist sein Auge, er weiß, was er will, und er meldet sich dem Prior. Prior Arnoldus, ein früherer Mönch von Sankt Blasien, maß den Herrensohn von oben bis unten: „So schnell öffnet unser Ordensstifter Benediktus seine stillen Pforten nicht; der Herrensohn von Zwiefaltach hat keinen ehrenvollen Ruf für ein Mönchleben.“

 

Heinrich aber beugt Haupt und Knie und bittet: „Dem geringsten Bruder stellt mich als noch geringeren bei, nur jagt mich nicht mehr hinaus in die Welt!“

 

Was Prior und Weltkind weiter beredeten, ist in Gottes Büchern eingetragen. Guten Willens waren beide und darum wurde ihr Tun zum Segen.

 

„Über alle Erwartungen bestand der Ordenskandidat jede Probe“, heißt es. Ferner: „der Eintritt wurde ihm sehr erschwert, denn sein Ruf war an die Pforte vorausgeeilt; aber der rühmliche Bußeifer seines Probejahres verließ ihn die ganze Zeit seines Lebens nie. Wie streng und unerbittlich er gegen sich war, umso schonender und liebreicher war er gegenüber seinen Brüdern und gegenüber allen, die in nähere Berührung mit ihm kamen“, schreibt die Chronik weiter. Zurück zum Gebet und zum Studium, das waren die Wege, auf denen er immer inniger zu Gott kam. Wir wissen, dass er um 1200 geboren ist und dass er schon im Jahr 1238 nach Ableben des Priors Arnold vom Abt Heinrich I. von Sankt Blasien zu dessen Nachfolger ernannt wurde.

 

Wenn wir rechnen, dass seine Leichtsinnszeit mit dem 25. Jahr endete, so war er nach 12-13 Jahren schon zum ersten Leiter des Klosters herangereift. (Damals war Ochsenhausen noch nicht Abtei.) Beweis genug der großen Achtung, die Heinrich genoss. In Demut bat er um Befreiung von dieser Wahl, „denn ich halte jeden meiner Mitbrüder dazu für würdiger als mich“.

 

„In liebevoller Tugend riss er alle durch sein Beispiel der Güte und Frömmigkeit zur Nachahmung hin, so dass mündliche Aufforderungen zum Guten selten not waren.“

 

„Gott gab diesen willigen Mönchen auch bald Zeugnis, dass sie in dem, den sie wie einen Vater liebten, einen Heiligen zu ehren hatten“, also steht es in der Chronik. Wunderbare Gebetserhörungen in verschiedenen Nöten des Klosters und seiner Umgebung setzten immer wieder die Mönche und die Laien in ehrfurchtsvolles Staunen. Manche davon sind aufgezeichnet, viele nicht. Die kostbare Bücherei des Klosters ist, wie mancher große Schatz der Frömmigkeit, der Wissenschaft und der Kunst, verschleudert worden in der bösen Säkularisation. Das kleine, im Viereck des heutigen Kreuzgartens gebaute Klösterlein, dessen eine Seite die Kirche war, wurde eines nachts schwer gefährdet, da Feuer in dem Kirchlein ausgebrochen war. Feuer in der damaligen Zeit war ein fast unbesiegbarer Feind. Wenig Wasser, wenig Löscher, keine bequemen Hilfsmittel, viel Holz, lebhafte Luftbewegung auf der freien Höhe.

 

„Der fromme Prior warf sich am Fuß des Altars sein Angesicht, - und auf sein Gebet verschwand mit einem Mal alle Gefahr.“

 

Dass die Menschen mit ihren Nöten zu dem Seligen pilgerten, sehen wir aus der Erzählung: „Er half einem von Geburt ganz verkrüppelten Knaben augenblicklich auf die Beine und heilte eine schon ziemlich bejahrte Person, die sich mit Nähen kümmerlich genährt hatte, von einer unheilbaren Augenkrankheit.“

 

Er soll auch mit den armen Seelen seiner vorangegangenen Mitmenschen in ständiger Fühlung gewesen sein in Gebet und Hilfe, und seine Umgebung habe oft die Wirkung seines herzlichen Mitleidens mit ihnen geheimnisvoll erfahren.

 

Der Heilige brachte durch diese auffallenden göttlichen Gnadenerweise seinem Kloster viele Wohltäter und Stifter. Für unsere Zeit ist es sehr lehrreich zu wissen, zu was er diese Gaben vor allem verwendete. Er half seinem Mitmenschen, wo er Not sah, und „er wendete die milden Gaben dazu an, seine Bibliothek mit nützlichen Büchern und erbaulichen Schriften zu bereichern und die Kirche und das Klosters mit schönen, heiligen Gemälden zu schmücken“. Frömmigkeit war ihm also nicht bloß ruhige Beschauung, sondern Handeln im Geist Jesu.

 

Er starb im Ruf der Heiligkeit am 4. November 1262. In vier lateinische Verse fassten seine Zeitgenossen sein Leben kurz und treffend.

 

Berühmt hat er Zwiefaltach gemacht

Durch ein gutes Leben in Christus,

Welches er hingegeben seinen Brüdern:

Hier lebte ich als Mönch und Prior,

Den brennenden Tempel löschte ich,

Blinde, Lahme, von Dämonen Gequälte,

Die Schatten in den Flammen

Habe ich zum Heil geführt.

 

Von Elise Miller

Katholisches Sonntagsblatt

 Bistumsblatt der Diözese Rottenburg

88. Jahrgang, Nummer 39, S. 655

Stuttgart, 26. September 1937

 

Selige Franziska von Amboise

Gedenktage und Lebensskizzen hervorragender

Mitglieder des Karmelitenordens

 

Am 4. November 1485 entschlief die selige Franziska von Amboise, Herzogin der Bretagne und Professschwester des Karmelitenordens. Die Selige hatte lange in der Welt gelebt, als Jungfrau, Gattin und Witwe das beste Beispiel gegeben und ihrem hohen Rang entsprechend viel Gutes gewirkt. Am 25. März 1468 verzichtete sie auf alle irdische Größe und Annehmlichkeit und suchte die Einsamkeit und Armut des Karmels auf. Der selige Johannes Soreth kleidete sie ein. Sie ertrug nicht nur die Beschwerden, die mit dem Tragen des groben, rauen Tuches, aus dem das Ordenskleid gefertigt ist, verbunden waren, bereitwillig, sondern trug unter ihm noch eigens ein hartes Bußkleid und geißelte sich häufig bis aufs Blut. Flehte sie auch für alle zu Gott, die des Gebetes bedurften, so ganz besonders für diejenigen, die Kummer und Sorge drückten, sowie für jene, die an der Bekehrung der Seelen arbeiteten. Nach siebenjährigem Ordensleben wurde Franziska zur Priorin gewählt, doch in ihrer Demut trug sie Bedenken, das Amt anzunehmen, bis ihr der General des Ordens den Befehl dazu gab. Nach kurzer Amtsführung erhielt sie den Auftrag, die Stiftung eines neuen Klosters in Couets zu leiten. Als der Bau fertig war, bezog sie mit den übrigen Schwestern aus dem bisherigen Kloster der "drei Marien" das neue Kloster. Wie waren sie so froh, nun in einem gesunden Gebäude wohnen zu können und im Besitz einer eigenen Kirche zu sein, da sie sich bisher mit den Patres in die gleiche Kirche hatten teilen müssen, was nicht wenige Unzuträglichkeiten im Gefolge hatte. Im siebzehnten Jahr ihres Ordenslebens befiel sie eine bedenkliche Krankheit, der sie nach wenigen Tagen erlag. Es ist rührend zu lesen, wie sie während der Krankheit ihre geistlichen Töchter zur Beobachtung der Gelübde, zur Regeltreue und Eintracht ermahnte, sie segnete und zärtlichst Abschied von ihnen nahm. Ihr Todeskampf dauerte drei Stunden, danach gewann sie die Sprache wieder und rief die Hände faltend und zum Himmel blickend: "Seid willkommen, meine gute Frauen!" Gefragt, was sie damit wolle, antwortete sie: "Das sind meine Frauen, die ich stets geehrt und verehrt habe. O wie lange habe ich schon gewünscht, bei ihnen zu sein! Ich bitte euch, macht Platz, damit ich sie empfange." Wenige Minuten danach war sie verschieden.

 

Gebet am 4. November

 

Reinste Jungfrau, die der Allerheiligste zur Mutter sich erkoren hat, du, deren Leben reiner war als das eines Engels, du, deren Seele durch keine Makel der Sünde getrübt worden ist, bitte für uns, damit auch wir allem Reiz der Wollust standhaft widerstehen und keusch an Leib und Seele allezeit des göttlichen Wohlgefallens würdig sind. Amen. 

 

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Karl Borromäus

 

Wir bitten Dich, o Herr, beschütze Deine Kirche auf die Fürbitte des heiligen Karl, den Du für seine bischöfliche Wachsamkeit zur Herrlichkeit des Himmels erhoben hast, und verleihe uns, dass wir Dich immer inniger lieben, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Felix von Valois

 

O Gott, der Du den heiligen Felix zur Befreiung der Gefangenen berufen hast, wir bitten Dich, verleihe uns die Gnade, dass wir, von den Fesseln unserer Sünden befreit, in das himmlische Vaterland eingehen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Der heilige Karl Borromäus war schon in der Jugend mit großer Andacht der göttlichen Mutter zugetan, und hat ihr als einer Fürsprecherin und Schutzfrau die Erhaltung seiner Reinheit anbefohlen und zu verdanken. In seinem bischöflichen Amt hat er sich unter anderem bemüht, das Andenken dieser Andacht auch bei den Soldaten durch beständiges Tragen eines Muttergottesbildes aufrecht zu erhalten. 

 

Andacht am 4. November:

 

Das Thema im November:

Liebe

"Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." (Matthäus 22,37-39)

 

"Es genügt der Seele, die Gott liebt, wie wir Ihn lieben sollen, dass sie weiß, etwas ist vollkommener und gereicht zur größeren Verherrlichung Gottes, um dies sogleich und mit Freude auszuführen, allein in der Absicht, Gott zu gefallen und Ihm ihre Liebe zu zeigen. O mein Gott, wie sehr erleichterst Du die schwierigsten Dinge denen, die Dich über alles lieben und um Deiner Liebe willen alles verlassen!" (Die heilige Theresia von Avila)

Diese Heilige verlangte die Erneuerung und Umbildung ihres Ordens mit aller Sehnsucht und glühte danach, ihrem Beruf vollkommen nachzugehen; gleichwohl aber war, wie sie es selbst bekennt, ihre Sehnsucht dergestalt geordnet, dass sie, wenn Gott ihr kundgegeben hätte, dass sie ihre diesbezüglichen Arbeiten gänzlich aufgeben sollte, dies auf der Stelle getan hätte, ohne den geringsten Kummer darüber zu empfinden. Das große Verlangen zu stillen, das in ihrem Herzen brannte, nichts zu tun, außer was Gott gefällt, verpflichtete sie sich durch ein Gelübde, immer zu tun, was sie hinsichtlich ihrer selbst als das Vollkommenste erkennen würde. Vermessenheit wäre es allerdings für die meisten, ein solches Gelübde abzulegen; die Heilige aber, die es ablegte, erfüllt darin bloß, was ihr als das Verlangen Gottes bekannt war; und nie übertrat sie dieses Gelübde selbst im kleinsten Punkt.

In dem Gebet, in dem die Kirche Gott durch die Fürbitte des heiligen Ignatius von Loyola anruft, spricht sie den eigenen und unterscheidenden Charakter dieses Heiligen aus, der darin bestand, alles für die größere Verherrlichung Gottes zu tun, und erinnert auch, dass Gott ihn erwählt hat, seine Ehre zu verbreiten. 

Bis in welche Tiefe der Demütigungen, Bußübungen, Arbeiten und Gefahren stieg nicht in heiliger Freude der heilige Benedikt Josef Labre, Gott zu gefallen, der ihm bekannt gemacht hatte, dass Er dies alles von ihm verlangt. - Der Gedanke: Gott will es so! ebnete alle Schwierigkeiten, und machte ihm das Schwerste leicht. Er ermutigte sich dadurch, dass er diese Worte oft aussprach; und es war gleichsam sein Wahlspruch: Gott will es so!

 

Dir zu Liebe, mein Gott, will ich alles tun, was ich als das Vollkommenste und Dir Wohlgefälligste erkenne. Nichts will ich in anderer Absicht, als um Deiner größeren Ehre willen tun! Amen. 

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 4. November

 

"Jeder Mensch soll während seines Lebens Fortschritte machen,

Verdienste erwerben und die Tugend üben.

Niemand kann Lohn gewinnen,

der in der Untätigkeit bleibt."

 

gottsel. Johannes Tauler OP

1300 bis 16.6.1361

 

Betrachtung am 4. November - Von der himmlischen Freude

 

Nach dem hohen Vaterlande

Seufzet, hier verbannt, mein Herz.

Wann zerfallen meine Bande?

Wann, ach, weicht der Sehnsucht Schmerz?

Wann verschlingt der Sieg den Streit

In dem Reich der Seligkeit.

 

1. O glückseliges Vaterland in den Höhen, himmlisches Jerusalem, wie glüht mein Herz nach dir. Psalm 87,3: "Herrliches sagt man von dir, du Stadt unseres Gottes." Wann, o wann wird der Tag erscheinen, wo ich unter deine glückseligen Bürger aufgenommen werde, die im lieblichsten Einklang die göttliche Dreieinigkeit loben Tag und Nacht, und, trunken aus dem Strom der göttlichen Wonnen, von Freude zu Freude schweben. Unverwelklich blüht dort ihre Seligkeit in der Fülle unendlicher Liebe. Dort glänzen alle wie die Sonne in ihres Vaters Reich, und singen ewige Triumphgesänge. Dort schauen sie unentwegt die glorreiche Gottheit, lieben sie und werden gleich geliebten Kindern von ihr geliebt und umfangen.

 

2. O Seligkeit, die hoch über allen sterblichen Worten steht. Dort wechseln nicht alternde Tage mit dunklen Nächten, denn dort herrscht der Tag der Ewigkeit, und Gott selbst ist das Licht, das die wunderbare Himmelsburg durch seine Glorie erleuchtet. Dort sind alle in Gott entzückt, und unendlich mehr lieben sie ihn, als ihre eigene Seligkeit. Dort herrscht kein Neid, wo alle groß, alle Kinder Gottes sind, denn das Maß aller ist erfüllt, und die in minderer Glorie glänzen, erfreuen sich der größeren Herrlichkeit ihrer glückseligen Brüder und Schwestern. Die ersten Himmelsfürsten aber sind mit ihnen durch die schönste Liebe verschwistert und tragen Gewänder der himmlischen Glorie.

 

3. O unendliche, unerschaffene Schönheit meines Gottes. Selig, die in deinem Licht wohnen und deine Herrlichkeit schauen. Selig die liebeflammenden Chöre der heiligen Engel, die zahllosen Scharen der heiligen Patriarchen, Propheten, Apostel, Blutzeugen, Bekenner, Jungfrauen und Büßer. Selig alle, die in diese himmlische Heimat aufgenommen werden, und in schöner Vertraulichkeit mit diesen heiligen Bürgern der ewigen Stadt Sion leben, wo alle in einem Geist dich, den König der Unsterblichkeit, preisen, mit deinem eingeborenen Sohn, der diese Seligkeit durch sein Blut ihnen erworben hat, und dem Heiligen Geist, dessen Gnade sie geheiligt und des Himmels würdig gebildet hat. Psalm 42,3: "Meine Seele dürstet nach Gott, nach dem lebendigen Gott. Wann darf ich kommen und Gottes Antlitz schauen?"

 

5. November

 

Der heilige Lätus, Priester und Bekenner von Orleans, Mönch, Einsiedler,

+ 5.11.534 – Fest: 5. November

 

Der heilige Lätus wurde in der französischen Landschaft Berry geboren und hütete in der Jugend die Herden seines Vaters. In der Folge verließ er diese Beschäftigung und trat im Drang nach höherer Vollkommenheit der Mönchsgemeinde von St. Mesmin bei Orleans bei. Hier knüpfte er mit dem heiligen Avitus, der am 17. Juni verehrt wird, enge Freundschaft und zog sich mit ihm in die Einöde von Sologne zurück. Als Avitus später wieder in sein Kloster heimkehrte, wählte Lätus den Forst Inatoire zu seinem Aufenthaltsort. Man setzt seinen Tod in das Jahr 534. Mit der Zeit baute man eine Kapelle auf seinem Grab, und es bildete sich hier allgemach ein beträchtliches Dorf, das des Heiligen Namen führt. Seine Reliquien kamen in die Stiftskirche von Pluviers im Bistum Orleans.

 

Die heilige Berthilla (Bertila),

Jungfrau und Äbtissin von Chelles, Frankreich,

+ 5.11.705 (692) – Fest: 5. November

 

Die heilige Berthilla, aus einem edlen Geschlecht in Soissonnais entsprossen, erblickte das Tageslicht unter der Regierung Dagoberts I., und erlangte durch ihre Frömmigkeit den wahren Adel der Kinder Gottes. Von frühester Jugend an entzog sie ihre Neigungen dem Irdischen, um sie ans Himmlische zu heften. Sie floh, so viel sie vermochte, die eitlen Lustbarkeiten der Welt, und beschäftigte sich einzig mit ernsthaften Gegenständen und besonders mit dem Gebet. Die Köstlichkeiten, die sie in der Unterhaltung mit Gott häufiger kostete, flößten ihr das Verlangen ein, gänzlich der Welt zu entsagen. Da sie sich aber hierüber ihren Eltern nicht zu eröffnen wagte, fragte sie den heiligen Audónus um Rat, der sie in ihrem frommen Vorhaben bestärken zu müssen glaubte. Inzwischen vereinigten sich beide im Gebet zum Vater der Erleuchtung, damit er sich würdigen möchte, seinen Willen auf eine deutlichere Weise kund zu tun; denn der Heilige wusste wohl, dass nichts wichtiger sei, als die Standeswahl; und dass man nicht ohne große Gefahren auf einem Weg gehen könne, den die göttliche Vorsehung nicht vorgezeichnet hat; dass uns die Eigenliebe durch ihre Truggewebe nur zu oft die wahren Beweggründe unserer Handlungen verschleiert; und dass der Geist der Finsternis sich nicht selten in einen Engel des Lichtes gestalte, um uns desto sicherer zu täuschen.

 

Nachdem sich Berthilla überzeugt hatte, dass ihr Beruf vom Himmel komme, zögerte sie keinen Augenblick mehr ihren Eltern zu offenbaren, was in ihrer Seele vorging. Gerührt durch die gottseligen Gesinnungen ihrer Tochter, erlaubten sie ihr, dem Ruf der Gnade zu folgen. Sie führten sie in das Kloster Jouarre in Brie, das kurz vorher der gottselige Ado, der ältere Bruder des heiligen Audónus, im Jahr 630 gestiftet hatte: da wurde sie mit mehreren Jungfrauen von Stand eingekleidet.

 

Die heilige Thelchilda, die man für eine in Faremoutier gebildete Klosterfrau hält, stand damals diesem Haus als erste Äbtissin vor. Sie nahm Berthilla mit Freude auf und unterrichtete sie in den Wegen der Vollkommenheit. Die junge Schwester, die die Einsamkeit als einen sicheren Hafen betrachtete, dankte unaufhörlich dem Herrn, dass er sie durch seine Barmherzigkeit aus den gefahrvollen Stürmen des Weltmeeres errettet hatte, dabei bedachte sie aber auch, dass sie nur insofern verdiene, eine Braut Jesu zu sein, als sie sich bemühen würde, den mühevollen Weg der Demütigungen und Selbstverleugnungen zu gehen, auf dem er allen, die ihm folgen wollen, vorangegangen war. Sie suchte sich daher tief unter all ihre Schwestern zu erniedrigen, sich unwürdig erachtend unter ihnen zu leben. Da inzwischen ihre Klugheit und Tugend ihren Jahren weit vorangeschritten waren, vertraute man ihr das Amt an, die Fremden zu empfangen, dann für die Verpflegung der Kranken zu sorgen, und endlich über das Betragen der Kinder zu wachen, die im Kloster auferzogen wurden. Alle diese Ämter verwaltete sie so gut, dass man sie hierauf zur Priorin erwählte, um die Äbtissin in der Leitung der Genossenschaft zu unterstützen. Nun erstrahlte ihr Gottseligkeitseifer in neuem Glanz. Ihr Beispiel ermunterte alle Schwestern, und sie würden nicht ohne Schamröte eine Satzung übertreten haben, die ihre Priorin mit so viel Treue beobachtete.

 

Zu dieser Zeit ließ die heilige Bathilde, Clodwigs II. Gemahlin, die Abtei Chelles, im Bistum Paris, die von der heiligen Clotilde gestiftet worden war, wieder aufbauen. Um nun in dieser neuen Genossenschaft eine vollkommene Lebensweise einzuführen, bat sie die Äbtissin von Jouarre, ihr einige ihrer Schwestern zu schicken, die durch ihre Tugend und ihre Erfahrung den beabsichtigten Zweck befördern könnten. Berthilla wurde demnach an die Spitze einer neuen Pflanzung gestellt, und gegen das Jahr 646 zur ersten Äbtissin von Chelles gewählt; und bald verbreitete sich ihr Ruf in weiter Ferne. Sie zählte unter ihren Mitschwestern mehrere ausländische Prinzessinnen. Unter diesen war auch Hereswitha, Königin der Ostangeln, eine Tochter Hererichs, Bruder oder Schwager des hl. Edwin, des Königs der Northumberer. Der fromme König Anna, an den sie verehelicht war, gab seine Einwilligung, dass sie sich von ihm trennte, um dem Klosterleben sich zu widmen. Sie ging herauf nach Frankreich im Jahr 646, und starb im Ruf der Heiligkeit zu Chelles, wo sie den Schleier genommen hatte. Ihr Fest ist im englischen Martyrologium von Wilson auf den 20. September verzeichnet.

 

Die heilige Bathilde war 655 Witwe geworden, und stand nun als Regentin dem Reich vor; da aber ihr Sohn, Clotar III., seine Volljährigkeit erreicht hatte, zog sie sich nach Chelles zurück, und legte die Gelübde ab. Sie lebte unter der Leitung der heiligen Berthilla bis in das Jahr 680, wo der Herr sie in das bessere Leben rief.

 

Obgleich auch die Genossenschaft zu Chelles sehr zahlreich und die meisten Klosterfrauen von hohem Adel waren, wurde der Friede doch niemals gestört. Alle strebten mit heiligem Wetteifer, sich wechselseitig in der Demut, Sanftmut, Abtötung und Liebe zu übertreffen. Berthilla, die unter ihren Töchtern zwei große Königinnen sah, suchte sich durch nichts als ihre Liebe zur Vollkommenheit auszuzeichnen. Sie bewies durch ihr Beispiel, dass man nicht wohl zu befehlen verstehe, wenn man nicht wisse gehorsam zu sein. Diese glückliche Seelenstimmung bewahrte sie vor dem Stolz, und allen damit verbundenen Fehlern. 46 Jahre lang stand sie der Genossenschaft mit ungeschwächter Kraft und gleicher Klugheit vor. Die Gebrechen des Alters, weit entfernt ihren glühenden Eifer zu vermindern, steigerten ihn vielmehr mit jedem Tag. Sie starb 692 (705).

 

Wer wahrhaft der Welt entsagt hat, lässt sorgenlos ihre Herrlichkeit seinen Blicken vorübergehen; verachtet ihre nichtigen Bestrebungen; betrachtet ihr tausendfaches Elend, das unter allen Gestaltungen erscheint, ist auf seiner Hut vor ihren verführerischen Schlingen, und weist ihre schmeichelnden Lockungen samt allen Reizen ihrer unseligen Freuden zurück, wodurch so viele Seelen in das ewige Verderben gestürzt werden. Wie einer, der den sicheren Hafen erreicht hat, betrachtet die Gott geweihte Seele das stürmende Meer, von dessen Fluten die unglücklichen Weltkinder, nach mühevollem Kampf, verschlungen werden. Nur die retten sich vom Untergang, deren Seele den Flug nach dem Himmlischen nimmt, ohne sich von irdischen und ungeordneten Leidenschaften zurückhalten zu lassen.

 

Die selige Johanna Benigna Gojos (1615-1692), Laienschwester in Turin,

+ 5.11.1692 – Gedenktag: 5. November

 

Unter den frommen Töchtern des heiligen Franz von Sales, die sich durch eine zärtliche Verehrung für Maria hervorgetan haben, strahlt Johanna Benigna Gojos, im Kloster der Heimsuchung zu Turin, mit einem lieblichen Glanz.

 

Diese edle Seele war während ihres Lebens und bei ihrem Tod die Erbauung aller ihrer Schwestern.

 

Im Monat August des Jahres 1647 suchte der Herr seine Braut mit einer furchtbaren Krankheit heim, der sie beinahe unterlegen wäre. Die Ärzte erklärten, sie nicht zu erkennen, und die Arzneimittel trugen anstatt Linderung zu verschaffen, nur noch zu ihren Schmerzen bei. Innerlich von dem Verlangen nach Genesung und Gott um ihre Gesundheit anzurufen getrieben, versuchte sie eines Tages sich auf ihrem Bett auf die Knie zu werfen. Da sie sich aber erinnerte, dass sie von ihrer Superiorin die Erlaubnis nicht hatte, darum zu bitten, nahm sie sogleich ihre gewöhnliche Lage wieder ein. Noch während zweier Tage litt sie schreckliche Schmerzen. Am 12. Jenes Monats aber, gegen Mittag fühlte sie sich mit einem Mal vom Geist Gottes ergriffen und in ihm verzückt, vermöge eines gänzlichen Stillstands aller Seelenkräfte und einer Entäußerung aller Sinne. Ihre Seele wurde gleichsam in den Himmel versetzt, um darin des Anblicks der heiligsten Jungfrau auf ihrem Thron der Glorie zu genießen. „Ach Gott!“ sagte sie, „wer vermag die Schönheit und Größe dieser unvergleichlichen Königin zu schildern! Sie ist der Art, dass ihr Anblick allein eine Seele glücklich machen kann. Ich sah um diese höchste Königin eine unendliche Zahl von Heiligen geschart, die gleichsam einen ungeheuren Lichtkreis um Maria bildeten und ihr tausend Loblieder sangen; was mich in meinem verzückten Geist zu dem Gedanken veranlasste, es seien diese Seelen ebenso viele Königinnen von Saba, die in diesem himmlischen Jerusalem die unvergleichliche Mutter des ewigen Salomon preisen. Jeder ihrer Blicke, jede ihrer Bewegungen, vermehrte die leuchtende Klarheit, in der ich sie erblickte, in dem Maß, dass dieses Licht bis zu mir drang und mich umfloss. Diese glorreiche Mutter des Erlösers schien mir einmal sich zu erheben und mit ehrfurchtsvoller doch lieblicher Majestät einen Gegenstand anzubeten, der meinem Auge entrückt war, da er wie von einem leuchtenden Dunkel umgeben und bedeckt war, dessen Glanz das stärkste Auge nicht hätte ertragen können. Der Widerschein dieses Gegenstandes, der auf mich fiel, erfüllte mich mit einer so süßen Salbung, dass ich mich sozusagen, in dieser Süßigkeit verlor. Man gab mir zu erkennen, allein auf eine Weise, die nicht unter die Sinne fällt, noch von meinem eigenen Verstand begriffen, noch durch den erhabensten, gelehrtesten und zartesten menschlichen Ausdruck geschildert werden kann, dass dieser unendliche Gegenstand, den ich nicht erblickte, die Gottheit sei. Ach Gott! Dieses Erkennen!!! Ich würde es zu tief herabsetzen, wollte ich nur davon reden, so dass Schweigen die beste Art ist, die man wählen kann, um das Wesen und die Größe solcher Erbarmungen auszudrücken. Auch fand ich nicht, dass man an dieser erhabenen Stätte sich anders als durch diese stumme Sprache mitteilt, was mir ihre Heiligkeit und glorreiche Majestät um so viel deutlicher machte.

 

Diese höchste Königin des himmlischen Reiches bat sodann Jesus, ihren Sohn, um meine Genesung und die Verlängerung meines Lebens, was ihr sogleich gewährt wurde. Allein erst am Tag ihrer glorreichen Himmelfahrt fand ich mich, nachdem mein Geist wieder zu sich gekommen war, gänzlich geheilt und imstande aufzustehen.

 

Der Herr forderte mich einmal auf, von dieser keuschesten Jungfrau zu reden, um ihre Ehre zu erhöhen. Ich erlaubte mir ihm zu antworten: Ach Herr, was kann ich sagen, das ihrem Reichtum an Lieblichkeit und Glorie nahe käme? Der göttliche Erlöser antwortete mir: Sage, was du gesehen hast. Dies strömte durch eines jener innigen Worte in mein Herz, die süßer sind als der Honig, die mich die Wahrhaftigkeit der Stimme meines Bräutigams erkennen lassen, dessen Lippen die Gnade durch den Eindruck des Friedens verleihen, den sie in der Seele zurücklassen. Ich werde deshalb sagen, o Jesus, dass ich deine siegreiche Mutter in ihrer höchsten Glorie geschaut habe auf einem Thron über den Chören der Engel, und dass alles, was nicht Gott und Jesus ist, unter ihr steht, dass du von der wundervollen und unbegreiflichen Höhe deiner Herrlichkeit auf sie, wie auf den Gegenstand deiner Wonne herabblickst, und dass sie zum Teil die aller Seligen ausmacht.

 

Hiernach muss dein armes Geschöpf auch noch bekennen, dass ihr die Erkenntnis wurde, die erhabene Größe Mariens und die Erhöhung ihres Triumphes seien auf die Tiefe ihrer Demut gebaut. Ja die Demut ist es, die sie zur Mutter Gottes machte, und auch die Demut ist es, die sie über die Heiligen und selbst über die Seraphim erhebt.

 

Zum Schluss endlich glaube ich, versichern zu können, dass die Herrlichkeit Mariens hienieden von keiner Seele begriffen werden kann, die noch in einem sterblichen Leib lebt, und dass sie hinreichen würde, die Heiligen zu beseligen, wenn sie Gott, der ihre wesentliche Seligkeit ausmacht, nicht kennen würden.“

 

Gebet am 5. November

 

Ich bitte dich, gutherzigste Jungfrau, lass nicht zu, dass das Blut deines göttlichen Sohnes an mir verloren ist. Erlange mir, dass es meine Seele von allen Flecken der Sünde reinigt, damit ich würdig werde, aus seinen heiligen Wunden Schutz, Trost, Hilfe und Stärke gegen alle Gefahren des Leibes und der Seele im Leben und im Tod zu empfangen. Amen.

 

Zu Gott auf die Fürsprache des heiligen Lätus

 

O Gott, verleihe uns auf die Fürbitte des heiligen Lätus ein reines Herz, damit wir würdig werden, Dich ewig im Himmel zu schauen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Am heutigen Tag wird im römischen Martyrologium das Gedächtnis der heiligen Elisabeth, der Mutter des heiligen Johannes des Täufers, angeführt, die die seligste Jungfrau aus Antrieb des Heiligen Geistes besucht, und von ihr den Lobspruch gehört hat: "Du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes."

 

Andacht am 5. November:

 

Das Thema im November:

Liebe

"Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." (Matthäus 22,37-39)

 

"Wenn die Liebe Gottes einer Seele sich bemächtig, so bringt sie in ihr ein unermüdliches Verlangen hervor, für diejenigen zu wirken, den sie liebt. Was immer sie dann für Gott tut, wie viel Zeit immer sie auf seinen Dienst verwendet, kommt es ihr dennoch vor, als sei alles nichts; ja ohne Unterlass ist sie traurig, dass sie so wenig für ihren Herrn wirkt. Die Liebe lehrt sie, was Gott gebührt; sie sieht im Glanz dieses Lichtes alle Fehler und Unvollkommenheiten ihrer Werke, und wird dabei von lebendigem Schamgefühl ergriffen; denn sie erkennt, wie unwürdig es ist, nicht auf vollkommene Weise für einen so großen Gott zu wirken. Auf dieser Stufe ist sie weit entfernt, Wohlgefallen an sich selbst zu haben und andere zu verdammen." (Der heilige Johannes Chrysostomus)

Der heilige Vinzenz von Paul, der nicht unterließ, große Dinge für seinen Gott zu tun, damit er Ihm wohlgefällig wird, betrachtete sich nicht nur als einen unnützen und trägen, sondern auch als einen bösen Knecht. Es geschah zuweilen, dass er bis auf den Abend ohne Nahrung blieb, weil er die Worte des Apostels auf sich anwendete, die doch ihn gewiss nicht angingen: "Wer nicht arbeitet, der soll auch nicht essen!"

Der heilige Karl Borromäus hatte ein sehnsüchtiges Verlangen, Gottes Ehre zu verbreiten, und ergriff jede Gelegenheit, Ihm wahre Anbeter zu erwirken. Und welchen mühsamen Arbeiten ergab er sich nicht in dieser Hinsicht! Die Abwechslung der mühsamsten Beschwerlichkeiten galt ihm als Erholung, hörte man ihn aber reden, so tat er nichts, und verdiente gleich dem müßigen und trägen Knecht, zu den ewigen Finsternissen verurteilt zu werden. 

 

Wie unwürdig, o Gott, ist es doch, nicht unablässig für Dich, und zwar auf die vollkommenste Weise zu wirken! Ach, voll der Mängel und Fehler sind alle meine Werke! Erbarme Dich dieses unnützen Dieners, dieses bösen Knechtes, der nun beginnen will, Dich inbrünstig zu lieben! Amen. 

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 5. November

 

"Warum traurig und untätig bleiben?

Warum dich erschöpfen in Angst und Trübsalen?

Mut! Erhebe dich! Tue dir Gewalt an.

Betrachte das Leiden Jesu Christi

und du wirst deinen Schmerz überwinden.

 

sel. Heinrich Seuse OP

1298 bis 25.1.1366

 

Betrachtung am 5. November - Von den Fortschritten in der Vollkommenheit

 

Lass dich Kampf und Arbeit nicht verdrießen,

Denn sie blühen dir als reiche Saat;

Dort wirst du im Jubel sie genießen.

Fasse Mut, denn sieh, das Ende naht.

 

1. "Wer gerecht ist," spricht der Herr, "der werde noch gerechter, und wer heilig ist, noch heiliger!" Warum dringt der Herr so sehr auf unsere Zunahme an Gerechtigkeit und Heiligkeit? Weil unsere Zeit, Verdienste für die Ewigkeit zu erwerben, sehr kurz ist, "denn", fügt er bei; "ich komme bald, und mit mir bringe ich den Lohn, und ich werde jedem geben, was seinem Werk entspricht." Er liebt uns, und hat das herzlichste Verlangen, unsere himmlischen Belohnungen zu vermehren. Und diese Liebe drängt ihn, uns zu immer größerem Eifer zu ermahnen, damit er uns eine umso glorreichere Krone erteilen kann. Soll dies Verlangen unseres Herrn uns nicht zu dem lebendigsten Verlangen nach unserer Vollkommenheit anregen?

 

2. So lange wir leben, können und sollen wir unablässig an Gerechtigkeit und Heiligkeit zunehmen, ja es soll dies unsere einzige Beschäftigung und das Ziel aller unserer Werke sein, denn dazu wurde das Leben uns geschenkt. Niemand denke, er habe die Vollkommenheit erreicht. Denn dürfen wir auch dankbar erkennen, dass wir durch Gottes Gnade nun von manchen Sünden und schweren Fehlern frei sind, so verschwinden doch alle unsere Tugenden wie nichts, wenn wir sie mit den heldenmütigen Aufopferungen großer Heiligen vergleichen. Vergessen wir doch niemals, dass jede Minute eine Ewigkeit auf ihren Flügeln trägt, und dass wir, wenn wir sie verlieren, eine Stufe in der Glorie verlieren.

 

3. Die Demut der Heiligen war keine Heuchelei, sie verkannten das Gute nicht in sich, aber sie gaben Gott die Ehre dafür und sprachen mit dem Apostel: "Durch Gottes Gnade bin ich, was ich bin!" (1. Korinther 15,10a) Indessen war ihre Liebe, ihr Verlangen, Gott immer wohlgefälliger zu werden, und noch mehr für seine Ehre zu tun, so groß, ihr Hunger und Durst nach der Gerechtigkeit so verzehrend, dass sie alles, was sie getan und gelitten hatten, als nichts betrachteten, und mit demselben Apostel sprachen: "Ich vergesse, was hinter mir liegt, und strecke mich nach dem aus, was vor mir ist." (Philipper 3,13b) An diese Dinge denke und tue alles, was deine Hand zu tun vermag.

 

6. November

 

Der heilige Winok, Abt von Wormhouth (Wormholt), Flandern,

+ 6.11.717 – Fest: 6. November

 

Mehrere der Briten, die nach Gallien überschifften, um sich der Wut der Angelsachsen zu entziehen, wurden durch ihre Drangsale zur Verachtung des Irdischen und zum Streben nach dem Himmlischen hingezogen. Die Bretagne, wo sich viele ausgewanderte Briten niedergelassen hatten, brachte daher einige Jahrhunderte hindurch viele Heilige hervor. Aus einer dieser britischen Familien stammte Winok, der ein Sohn des Königs Howel III. und Bruder der Könige Salomon und Judoc war. Aus seinem Beispiel ersieht man, wie wichtig und wirksam eine christliche Erziehung ist.

 

In Gesellschaft drei edler junger Männer, die mit ihm einerlei Sinnes waren, machte er mehrere Pilgerreisen, und besuchte zu St. Omer das Kloster Sithiu, das später unter dem Namen St. Bertin bekannt wurde. Der Andachtseifer der dortigen Ordensmänner machte einen so tiefen Eindruck auf sie, dass sie sich in ihre Genossenschaft aufnehmen ließen. Die Namen der drei Gefährten des Heiligen waren Quadenok, Ingenok und Madok.

 

So zahlreich auch die Genossenschaft war, bemerkte man doch an Winok ein besonderes Streben nach Vollkommenheit. Einige Zeit nach seiner Aufnahme schickte der heilige Bertin, der Abt von Sithiu, vier britische Ordensmänner aus, eine fromme Kolonie in den Sümpfen der Meeresküste zu begründen. Herrmann, ein flamändischer Edelmann, schenkte ihnen einen Landstrich, Wormhouth genannt, worüber die Urkunden immer sorgfältig erhalten wurden. Der neuen Genossenschaft stand Winok vor. Nachdem er mit den Brüdern die Zellen und die Kirche erbaut hatte, gründete er auch ein Spital für die Armen, und so brachten sie dann ihr Leben im Dienst Gottes und ihres Nächsten zu.

 

Winoks Kloster wurde sehr zahlreich und verbreitete weit umher den Ruf der Heiligkeit. Der hohe Ruf, in dem der Abt stand, wurde durch Wunder, die Gott durch ihn wirkte, noch vermehrt. Er war der demütigste der Brüder, und man hätte ihn für ihren Diener halten können. Seine größte und liebste Beschäftigung war die Kranken im Spital zu verpflegen. Selbst in seinem hohen Alter unterzog er sich den mühevollsten und erniedrigendsten Arbeiten. Sein glühendes Verlangen mit Jesus zu sein, wurde endlich am 6. November 717 erfüllt. Seine sterbliche Hülle setzte man in der Klosterkirche bei.

 

Als im folgenden Jahrhundert die dänischen Seeräuber an Flanderns Küsten landeten, wurden die Reliquien des Heiligen nach Sithiu gebracht. Im Jahr 920 ließ Graf Balduin der Kahle das Schloss Berg erbauen und befestigen, um seine Staaten gegen die Einfälle der Barbaren zu verteidigen. Neun Jahre danach stiftete er daselbst ein Benediktinerkloster unter der Anrufung des heiligen Martin und des heiligen Winok, wohin auch die Reliquien unseres Heiligen gebracht wurden. Die Güter des Klosters Wormhouth, die in der Nähe lagen, wurden mit dem von Berg vereinigt; und diese Stadt erhielt den Namen Berg-St.-Winok (Das Kloster Wormhouth wurde 880 von den Normannen zerstört. Später wurde auf dessen Stätte ein kleines von der Abtei Berg abhängiges Priorat errichtet).

 

Der heilige Jltut (Elchut, Eltut), Abt und Bekenner in der Bretagne,

+ 6. Jahrhundert – Fest: 6. November

 

Jltut oder Elchut, der aus einer edlen Familie abstammte, wurde in der Grafschaft Glamorgan geboren. Er diente einige Zeit im Krieg unter König Arthur, dessen Verwandter er war, und erwarb sich durch seine Tapferkeit einen hohen Ruf. Er verließ ihn jedoch wieder, da ihm der heilige Cadok, der Abt von Llan-carvan (drei Meilen von Cambridge entfernt, in der Grafschaft Glamorgan), der zuerst Schüler des heiligen German, dann des Dubricius, der später Bischof von Llandaff war, eine gottselige Verachtung der Welt und die Liebe zur wahren Weisheit einflößte. Nach erhaltener Tonsur brachte er einige Zeit unter Cadoks Leitung zu, und erwarb sich große Kenntnisse in den theologischen Wissenschaften. In der Folge stiftete er, nicht weit von Llan-carvan, am Meer ein Kloster, das durch seine Schule berühmt wurde, und den Namen Llan-Jltut oder Llan-twit annahm. Unter seinen Schülern zählte man den heiligen David, den heiligen Samson, den heiligen Maglorius, den heiligen Gildas, und mehrere andere Heilige, wovon einige zur bischöflichen Würde erhoben wurden. Mit dem Nachtwachen, dem Fasten und dem Gebet verband Jltut die Handarbeit. Zuletzt übergab er die Leitung seiner Schule einem seiner Jünger, namens Jsham, um ungehinderter seiner Neigung zur Einsamkeit folgen zu können. Er lebte sodann drei Jahre unter den strengsten Bußübungen in gänzlicher Zurückgezogenheit. Einige Zeit vor seinem Tod ging er in die Bretagne, um seine Schulen und Freunde zu besuchen; zu Dol wurde er vom Herrn in die himmlische Welt gerufen. Sein Tod fällt ins 6. Jahrhundert. Er ist noch Titularpatron einer Kirche in der Grafschaft Glamorgan, die er einst selbst gegründet hatte. Bale und Pitz erwähnen zweier Doktrinalbriefe, die er geschrieben habe, aber die meisten Werke der alten britischen Lehrer sind durch die Länge der Zeit nicht erhalten geblieben.

 

Der heilige Leonhard,

Priester und Einsiedler-Abt von Noblac, Limoges,

+ 6.11.559 - Fest: 6. November

 

Der heilige Leonhard, auch Lienhard genannt, war ein Edelmann am französischen Hof Klodoväus I., den der heilige Remigius zum Glauben bekehrt, getauft hat, und dem der König Taufpate war. Das Evangelium, die erfahrene Gnade Gottes, und das vorleuchtende Beispiel des heiligen Remigius machten so tiefen Eindruck auf die Seele Leonhards, dass er den Hof des Königs und alle zu erwartenden glänzenden Ehrenstellen verließ, um das Reich Gottes in seiner Seele zu gründen und wachsen zu lassen, und sich dem heiligen Erzbischof zur Leitung übergab, um die Wege Gottes besser zu erkennen und weiter zu gehen. Remigius, der seinen Eifer in der Tugendschule und Frömmigkeit wohl bemerkte, hatte ihn lieb und weihte ihn zum Priester oder Diakon. Er zeichnete sich aus in heiliger Liebe, frommen Eifer und Verachtung alles Zeitlichen. Der Bischof sandte ihn aus zum Predigen und erntete vielfache Früchte seines Eifers; denn er predigte mit Geist und Feuer, bekehrte viele zur Buße oder auch zum Glauben, weil Gott mit ihm war. Der Ruf seiner heiligen Beredsamkeit verbreitete sich weit umher, auch bis an den Hof des Königs. Dieser trug ihm hohe Ehrenstellen an, bis zu der Zeit, dass ein Bistum durch ihn könnte besetzt werden. Allein der Heilige wich allen diesen Anträgen aus und erbat sich nur die Erlaubnis vom König, einige Gefangene zu befreien. Um allen weiteren Anträgen des Hofes zu entgehen und dem Verlangen nach stillem Leben zu folgen, begab er sich ins Kloster Mizi, zwei Stunden von Orleans, dem der heilige Maximin oder Mesmin, ein Neffe des Stifters des heiligen Euspizius, vorstand. Große, Demut, Abtötung, Andacht zeichnete hier den Leonhard vor den Ordensgenossen aus, und er und Lätus waren ihnen ein Muster klösterlicher Gottseligkeit und ein Gegenstand der Verehrung wegen ihrer Heiligkeit. Nach dem im Jahr 520 erfolgten Tod des heiligen Maximin verließ der Diener Gottes aus Verlangen nach größerer Einsamkeit das Kloster Mizi und nahm den Weg nach Berry. Da er hier noch einige Götzenbilder fand, entbrannte er mit Gottes Eifer, predigte das heilige Evangelium, wirkte mit Gotteskraft viele Wunder, und in kurzer Zeit fand man keine Spur des Heidentums mehr in dieser Gegend. Von da kam er in die Gegend von Limoges, ließ sich in dem Wald Pauvain nieder, lebte hier einige Zeit gänzlich verborgen vor den Menschen, nur Gott war Zeuge seiner heiligen Bußwerke. Er aß nur Kräuter und wilde Früchte. Sein Eifer trieb ihn aber wieder zu den Menschen der Umgegend, um ihnen zu predigen und die Wege des Heils zu zeigen. Sein Wort bekehrte gar viele und sein Gebet half vielen Kranken und Betrübten. Da trug es sich zu, dass die Königin von Aquitanien in Kindesnöte kam und Gefahr lief, für sich und ihre Lebensfrucht das Leben zu verlieren; der König und seine Großen waren auf der Jagd in der Gegend von Limousin. Da rühmten die Leute die vielen wunderbaren Gebetserhörungen, womit Leonhard von Gott begnadigt war. Sogleich schickte der König Theodebert einen Diener hin, den frommen Einsiedler zu sich zu bitten. Er folgte dem Diener, betete über der Königin, und sie wurde glücklich entbunden. Die Freude war unbeschreiblich. Der König bot dem Diener Gottes große Geschenke und Gnaden an, aber er nahm nichts an, sondern begehrte nur eine Strecke Waldes, in dem er sich aufhielt, was der König gerne bewilligte. Die Kraft seiner Worte und seines heiligen Wandels zog ihm mehrere Jünger zu, die sich seiner Leitung unterwarfen. Es wurde im Wald ein Bethaus erbaut an dem Ort, der Nobiliak oder Noblak heißt, und daraus entstand bei Lebzeiten des heiligen Leonhard ein Kloster, das in der Folge sehr berühmt wurde, und zuerst den Namen Noblak, dann St. Leonhard von Noblak führte. Der Diener Gottes, der in seiner strengen Lebensweise, in der Abtötung, im Gebet, im Eifer für Gottes Wort immer fortfuhr, gab den Zöglingen kräftige Anleitung zu aller Tugend und Vollkommenheit. War er abwesend, so bestellte er andere tüchtige Mönche zum Fortgang in allem Guten. Es war dem Heiligen neben seinen Predigten ein Lieblingsgeschäft, Gefangene in den Kerkern zu besuchen, zu belehren, zu trösten, zu ermahnen, so wie auch wegen seiner großen Verehrung beim König und auch durch sein kraftvolles Gebet zu befreien. Er wusste den Gefangenen das Wort des Herrn recht kräftig und fruchtbar ans Herz zu legen: „Wer Sünde tut, ist Knecht der Sünde“, somit ein Dienstknecht und Gefangener der Hölle. Die erlösten Gefangenen führte er zur Buße, zur Zucht, zur Arbeitsamkeit und zum Gebet an, und viele von ihnen folgten ihm in sein Kloster. Auch gab es von Ferne her Gefangene, die auf den Ruf seines Mitleids wegen ihrer unglücklichen Lage und die Macht seiner Fürbitte bei Gott sich seinem Gebet empfahlen und aus Dankbarkeit für ihre wunderbare Rettung die Ketten ihrer Gefangenschaft zu seinen Füßen brachten, ihm ihre Dienste anboten und seine Jünger wurden. Der Name Leonhards erscholl durch ganz Frankreich und das angrenzende Deutschland und zog ihm eine Menge Leute zu, die entweder sich seinem Gebet empfahlen, oder Befreiung von einem Übel verlangten, oder ihm nachfolgen wollten. Dies sein Leben setzte der Heilige fort zum Dienst Gottes und des Nächsten, zur Erbauung der Gläubigen bis in seinen Tod, der ihn im Jahr 559 in die volle Freiheit der Kinder Gottes setzte. Seine Leiche wurde in der von ihm erbauten Kirche beigesetzt und sein Grab mit vielen Wunderzeichen verherrlicht. Eines der berühmtesten Wunder aus dem vierzehnten Jahrhundert, dafür die Überlieferung der Ortsbewohner, alte Denkmäler und die Prozession am ersten Sonntag im Wintermonat am Ort, wo der Gerettete zu Hause war, zeugen, ist die Befreiung Martels Herrn von Bacqueville in der Landschaft Caux. Er war mit zwei anderen französischen Edelleuten in die türkische Gefangenschaft geraten, wo er sehr lange schmachten und menschlicher Weise alle Hoffnung zur Rettung aufgeben musste. Da vernahm er eines Tages von seinem Wächter, dass er morgen werde zum Tod verurteilt werden. Sogleich warf er sich nieder zum Gebet, flehte den heiligen Leonhard bis in die halbe Nacht mit großem Vertrauen um seine Fürbitte an, gelobte ihm, wenn er gerettet würde, eine Kapelle zu bauen. Darauf schlief er ein und beim Erwachen fand er sich am Eingang des Waldes von Bacqueville auf wunderbare Weise versetzt, und hatte noch die Ketten an Händen und Füßen. Aus Dankbarkeit baute er zur Ehre seines Erretters eine Kapelle in seinem Schloss.

 

Die selige Christina von Stommeln bei Köln, Begine,

+ 6.11.1312 – Fest: 6. November

 

Die ewige Weisheit führt die gottinnigen Seelen auf mannigfaltigen Wegen zur himmlischen Herrlichkeit, die eine auf dem Weg empfindlicher und langwieriger Leiden, die andere auf dem Weg der Verfolgungen und Erniedrigungen, die eine durch vielfache innere Ängste und Prüfungen, die andere durch Anfechtungen des höllischen Widersachers, „der umhergeht, wie ein brüllender Löwe, suchend, wen er verschlinge“. Ist auch die Macht Satans durch den Opfertod Christi gebrochen, kann er auch dem Menschen nur noch in dem Maße schaden, als man ihm Herrschaft über die Seele einräumt, so weiß seine Arglist doch Mittel zu finden, um die Menschenseele zu betören und einzunehmen. Zu diesem Ende kleidet sich der Geist der Finsternis oft in einen Engel des Lichtes, und leider gelingt es seiner Arglist manchmal, den Menschen zu umgarnen und vom rechten Weg abzulenken. Umso ehrenvoller ist es, wenn man in solchen Kämpfen den Sieg gewinnt. Als eine solche Siegerin im Streit mit den Mächten der Finsternis verehren wir die selige Christina, deren geistlicher Führer uns ihr Leben und ihre Kämpfe aufgezeichnet hat.

 

Unweit von Köln am Rhein geboren, bat Christina als dreizehnjähriges Mädchen um Aufnahme in das Beginenkloster dieser Stadt, um vereint mit anderen Jungfrauen und Frauen und Witwen sich den Werken der Andacht und christlicher Liebe zu widmen. Sie legte ein härenes Bußkleid an, umgürtete sich mit einem knotenreichen Gürtel, ging stets barfuß, schlief auf Holz und Stein, fastete viel bei Wasser und Brot, beugte jede Nacht zweimal ihre Knie, rief bei Tag die Heiligen um ihre Fürbitte an und strebte dem kreuztragenden Heiland immer ähnlicher zu werden. Eines Tages geriet sie in der Kirche in Verzückung, so dass man sie aus der Kirche tragen musste, und blieb drei Tage lang in diesem Zustand. Man glaubte, sie sei fallsüchtig oder wahnsinnig geworden, sie aber versenkte sich ganz in die Betrachtung des Leidens Christi und wünschte nichts mehr, als seine Schmerzen mitzufühlen.

 

So ging es zwei Jahre lang. Da kam der Teufel zu ihr in Gestalt des heiligen Bartholomäus und sprach zu ihr: „Tochter, du betest viel und hast ein großes Verlangen, in das Reich Gottes einzugehen. Das wirst du erreichen, wenn du dich tötest. Das ist ganz schnell geschehen und ohne Verzug wirst du in den Himmel eingehen.“ Von dieser Stunde an hatte sie ein halbes Jahr die Versuchung, sich ums Leben zu bringen. Am Brunnen meinte sie, sich hinabstürzen zu müssen. Als ihr einmal Ader gelassen wurde, wollte sie den Verband lösen, um zu verbluten. Der Böse rief ihr zu: „Es ist der Wille Gottes, dass du dich tötest. Wenn du es nicht sogleich tust, wirst du verdammt werden.“ Aber ihr guter Engel sagte ihr, dass dieses Sünde sei.

 

Ein anderes Mal erschien ihr wieder der Teufel in Gestalt des heiligen Bartholomäus, zu dem Christus ein besonderes Vertrauen hegte, und sprach mit sanfter Stimme: „Liebste Tochter, deine Werke sind gut vor Gott und du gefällst ihm überaus, aber du bist einige Zeit in Ruhe des Leibes und der Seele gewesen. Jetzt fehlt es noch, dass du an deinem Körper leidest.“ Und indem er ihr Dornen reichte, fügte er hinzu: „Weil du bisher zu weichlich gewesen bist, so biete ich dir dieses an, damit du deinen Leib zur Ehre Gottes züchtigst.“ Der Geist Gottes aber belehrte sie, dass sie die Ordnung nicht überschreiten solle. Nun quälte sie der Teufel und sprach: „Weil du dem Befehl Gottes nicht gehorcht hast, so will Gott, dass du umgebracht wirst und in die Hölle kommst.“ Sie antwortete: „Du hättest keine Macht über mich, wenn sie dir nicht von oben gegeben wäre. Du kannst mir das Leben nicht nehmen, weil Gott für mich ist.“

 

Öfters quälte sie der Teufel mit Zweifeln an der Gegenwart Christi im heiligsten Altarsakrament, an die Allmacht und Allwissenheit Gottes, oft suchte er sie vom Empfang der hl. Kommunion zurückzuhalten, oft erschien er ihr in Gestalt einer Schlange oder Kröte und setzte sich auf ihre Speisen und grinste ihr aus dem Wasserkrug entgegen, so dass sie Speise und Trank nicht nehmen konnte und unsäglichen Hunger und Durst litt.

 

In der Fastenzeit raunte ihr der Teufel in ihren frommen Betrachtungen des Leidens Christi zu, es sei nicht wahr, dass Christus für uns gelitten habe. Ein anderes Mal suchte er die Weltlust in ihr anzuregen, indem er sprach: „Du hast das elendste Leben und keinen ruhigen Tag. Die in der Welt leben, haben Freude an Eltern, Freunden, Kindern, Gatten. Wenn du dem strengen Klosterleben entsagen und in die Welt gehen willst, mache ich dich reich und dir ein langes Leben. Alle Geistlichen und Enthaltsamen sind betrogen, es ist eine Ketzerei, so zu leben, denn Gott hat von Anfang an den Ehestand angeordnet.“ Da Christina dieser Versuchung widerstand, drohte der Teufel, sie in übles Gerücht zu bringen.

 

Als Christina einmal zur Kirche ging, um die hl. Kommunion zu empfangen, rannte der Teufel in Gestalt eines wilden Pferdes auf sie zu, sprang mit den Vorderfüßen auf ihre Schultern, fasste sie mit den Zähnen am Kopf, riss ihr ein handgroßes Stück samt den Haaren heraus und sprühte Schwefelflammen. Als sie aber den Namen Jesus aussprach, zerfloss der Satan in einem stinkenden Nebel.

 

Dass die Versuchungen und Plagen der seligen Christina nicht etwa Einbildungen waren, sondern wirklich vom Teufel kamen, zeigen viele Begebenheiten, wo sie auf sichtbare Weise und vor Zeugen vom Teufel geplagt wurde.

 

Der Teufel brannte sie am Kinn. Als die Brandwunden wieder heilten, verbrannte er ihr die Ohren, dann die Augen und Stirn, dann die Nase, so dass sie ein Jammerbild war. Während dieser Zeit redete ihr der Teufel innerlich zu, sie solle Gott verleugnen. Einmal durchbohrte er ihr die Ohren, und rief, wenn sie Gott nicht verleugne, so bringe er sie um. Selbst ihre Schwester Gertrud, die bei ihr schlief, wurde im Gesicht gebrannt, weshalb sie nicht mehr bei ihr schlafen wollte. Christina aber erklärte dem Teufel, sie sei bereit, tausendmal für Christus zu sterben. In einer kalten Winternacht wurde sie von bösen Geistern durch das Dornengestrüpp eines nahen Waldes gezogen. Es kam sogar vor, dass sie und andere neben ihr nicht nur im Haus, sondern auch in der Kirche plötzlich mit abscheulichem Unrat überworfen wurden.

 

Nachdem Christina diese und noch viele andere Anfechtungen und Leiden vom Teufel geduldig und standhaft ertragen hatte, ließen die bösen Geister von ihr ab, wie einst von Hiob, und sie lebte noch 24 Jahre in seligem Frieden und frommen Übungen.

 

Der heilige Melanius, Bischof und Bekenner von Rennes, Frankreich,

+ 6.11.530 - Fest: 6. Januar (Niederlegung der Gebeine) und 6. November

 

Der heilige Melanius stammte aus einer vornehmen Familie; verzichtete aber aus Liebe zu Jesus auf alles Irdische und wählte das einsame Klosterleben, in dem er sich so hohe Tugenden auszeichnete, dass ihn wider seinen Willen der heilige Bischof Amandus von Rennes zu seinem Nachfolger ernannte. Wegen seines heiligen Lebenswandels liebte ihn der fränkische König Clodoväus sehr und bediente sich seines Rates in den wichtigsten Staatsangelegenheiten. Im Jahr 511 hatte Melanius auf der fränkischen Kirchenversammlung zu Orleans unter 32 Bischöfen den Vorsitz und durch sein Ansehen beim König wurden die trefflichsten Kirchenverordnungen gemacht und mehrere Kirchen und Klöster erbaut.

 

Er war ein unermüdlicher und wachsamer Seelenhirt und wirkte auf seinen Reisen durch seinen Sprengel viele Wunder an Kranken und Behinderten. Gregor von Tours erzählt, dass der heilige Bischof einst einen vom bösen Geist besessenen und aus Verzweiflung sich selbst erwürgten Menschen wieder zum Leben erweckte. Durch dieses Wunder wurden die Einwohner zu Vannes in der Bretagne, die noch Heiden waren, zur christlichen Religion bekehrt. So wirkte der heilige Melanius zum Seelenheil seiner Gläubigen und zur Ausbreitung des Christentums rastlos sein ganzes Leben hindurch, bis ihm Gott die Stunde seines Todes offenbarte. Er bereitete sich mit der innigsten Andacht auf die Ankunft des Herrn vor und nachdem er mit heiligster Sehnsucht die Sterbesakramente empfangen hatte, starb er im Jahr 530 in einem Kloster zu Plörmöl, das er selbst gestiftet hatte. Aus Dankbarkeit erbauten ihm die Gläubigen ein herrliches Grabmal in der Domkirche zu Rennes, das durch ein Wunder unversehrt blieb, als die ganze Kirche vom Feuer vertilgt wurde.

 

Aus einer anderen Quelle:

 

Der heilige Melanius, Bischof von Rennes,

+ 6.11.530 – Fest: 6. November (Fest seiner Gebeine: 6. Januar)

 

Melanius („Schwarzer“), in Placs in der Bretagne, Bistum Vannes, von hochadeligen Eltern geboren, war gegen das allgemeine Verderben jener Zeit dadurch geschützt, dass einige Bischöfe für seine Erziehung Sorge trugen. Aus ihrer Schule trat er in ein Kloster, wo er in kurzer Zeit durch Erreichung eines hohen Tugendgrades sich auszeichnete.

 

Als der fromme Bischof Amandus von Rennes aufs Sterbebett kam, ließ ihn Gott erkennen, dass Melanius, der mit dem Bischof ohnehin befreundet war, sein Nachfolger werden würde. Auf keine andere Wahl war auch der Herzenswunsch von Klerus und Volk gerichtet, das mit Freuden den Willen Gottes aus dem Mund ihres sterbenden Oberhirten vernahm. Nur einer war anderen Sinnes: Melanius. Sein Vorsatz war es gewesen, das Kloster nie anders verlassen zu wollen, als wenn er die Erde würde verlassen müssen. Sein Widerstand ging aus seiner großen Demut und aus der hohen Auffassung hervor, die er von dem bischöflichen Amt hatte. Aber gerade diese vortreffliche Geistesstimmung war es, die das Bestreben und entschlossene Verlangen jener nur verstärkte, die ihn und keinen anderen als Oberhirten wünschten und sich berechtigt hielten alle Mittel anzuwenden, um ihn dazu geneigt zu machen. Man hörte weder auf seine Gegengründe, noch ließ man sich durch flehentliche Bitten und heiße Tränen von dem als Willen Gottes Erkannten abbringen. Melanius wurde geweiht, obwohl er sich bis zuletzt sträubte. Welch wundersamer Kampf zwischen der Demut und dem Eifer für Gottes Ehre und das Wohl der Kirche! Doch die Erleuchtung und Gnade, die dem Zagenden bei der Weihe zuteil wurden, ließen ihn erkennen, dass wirklich Gott der Urheber seiner Berufung sei, eine Erwägung, die ihn zwar nicht ganz von dem Schrecken heilte, den er vor einem so gefahr- und verantwortungsvollen Amt hatte, die ihm aber das feste Vertrauen gaben, dass der, der ihn berufen, auch die notwendige Hilfe geben würde, den Erwartungen der Gläubigen zu entsprechen. Um diese Hilfe zu verdienen, glaubte der Gute sein Bußleben nur noch strenger fortsetzen zu müssen als bisher, nur um so mehr wachen und entsagen und noch anhaltender beten zu müssen. Immer müsse es das Beispiel sein, das seinem Lehrwort den Eingang in die Herzen der Gläubigen ebnen würde.

 

Melanius wurde denn auch ein auserwähltes Rüstzeug Gottes. Das große Vertrauen und Ansehen, das ihm allenthalben zuteil wurde, bewog den Frankenkönig Chlodwig sich seines Rates für die Ausbreitung des Christentums in seinem ganzen Königreich zu bedienen. Er sah unseren Heiligen als einen neuen Apostel Frankreichs an zugleich mit dem heiligen Remigius von Reims. Melanius war es ja auch, der das Meiste mit beitrug, dass das erste Nationalkonzil von Orleans im Jahr 511 sich versammelte. Mit ebenso viel Mut wie Klarheit verteidigte er dabei die Reinheit des Glaubens gegen den Übermut der Irrgläubigen und hielt gegen die Sittenlosigkeit, die auch unter den Katholiken verderblich auftrat, die strenge Kirchendisziplin aufrecht. Seine apostolischen Arbeiten hatten solchen Erfolg, dass er, ohne von der Bekehrung der Sünder und Ungläubigen zu reden, den Rest des heidnischen Götzendienstes im ganzen Umfang seiner Diözese fast völlig ausrottete. Der Bau der Kathedrale ist sein Werk.

 

Ein Glaubensbote kann meist über außergewöhnliche Kräfte verfügen. Neben einer hervorragenden Weisheit, die aus allen Worten und Taten des Melanius leuchtete, war er von Gott auch mit der Gabe der Wunder ausgerüstet. Der alte Lebensbeschreiber des Heiligen, der fast noch ein Zeitgenosse von ihm gewesen sein soll, nennt unter der Zahl der glänzendsten Wunderzeichen die Erweckung eines Toten und die Heilung einiger Besessenen. Der fromme Erzähler vergisst auch nicht darauf hinzuweisen, dass es dem Heiligen großes Herzeleid verursachte sehen zu müssen, wie die nicht höher denkenden, am Sichtbaren haftenden Leute ihm, dem Diener, eine Ehre zuwiesen, die doch nur seinem göttlichen Meister gebührte. Mit dem Apostel Paulus bekannte er immer von sich: „Jesu Diener bin ich geworden gemäß der Gabe der göttlichen Gnade, die mir verliehen ist nach der Wirkung seiner Macht, mir, dem Geringsten unter allen Heiligen.“ (Epheser 3, 7.8) Da sind wir nun abermals Zeuge eines rührenden Rangstreites zwischen seiner Demut und seinem Eifer für Gottes Ehre und des Nächsten Wohl. Der liebevolle Vater der Seinen konnte den Armen und Leidenden nicht abschlagen, was sie mit so lebendigem Glauben von ihm begehrten. Da bediente er sich denn gewöhnlich eines geweihten Öles oder Weihwassers, das er auch erwärmen und mit dem er den kranken Körper einreiben ließ, damit die Leute, wenn sie ihn solche äußere Mittel gebrauchen sähen, ihre Heilung mehr als Wirkung dieser Mittel denn als Wirkung seines Gebetes betrachteten. Wenn die Demut und Glaubenseinfalt des Mannes nach Gottes Herzen sich solcher unschuldigen Kunstgriffe bediente, um alle Ehre von sich abzulenken, so war das schließlich nur ein Ausfluss der Reinheit und Lauterkeit seiner Absicht im Sinne des Evangeliums, das ja vorschreibt, der Linken nicht wissen zu lassen, was die Rechte tue. Diese Lauterkeit seines ganzen Wesens, die jede Regung des Ehrgeizes, der Selbstsucht und Eigenliebe bei seinen Werken sorgfältig auszuschließen bestrebt war, leitete ihn, dass er aus innerster Überzeugung und reiner Wahrheitsliebe Mittel suchte, die eben durch die Kraft des Gebetes der Kirche wirkten, als deren „geringster Diener“ der Heilige nur erscheinen wollte. Gewiss ist, dass er bei seiner Wundertätigkeit immer das Seelenheil derer im Auge hatte, die in den verschiedensten Anliegen zu ihm kamen; indem er leibliche Hilfe bot, heilte er die Wunden der Seele, ganz nach den Regeln des evangelischen Vorbildes.

 

Aber wie sein Wort, so würden auch die Wunder nur wenig Erfolg gehabt haben, wenn er sich nicht immer durch das Beispiel seines eigenen Lebens gestützt hätte. In seinem ganzen wohlbeherrschten Wandel konnte seine Herde das Abbild Christus des Gekreuzigten schauen. Mit den ständigen Werken der Buße und Liebe segnete er die Erde, Geist und Herz aber strebten unablässig zum Himmel. Leuchtend ragte er über sein Jahrhundert hervor, rühmt von ihm der heilige Gregor von Tours.

 

Endlich rief ihn der Herr ins himmlische Vaterland ab. Melanius starb an seinem Geburtsort in dem Kloster, das er dort erbaut hatte, am 6. November 530, wie angenommen wird, sicher vor 549. Sein Fest wird zu Rennes am 6. November begangen; das römische Martyrologium nennt ihn am 6. Januar.

 

„Meiner will ich mich nicht rühmen, außer meiner Schwachheiten“ (2. Korinther 12,5). Wer mit dieser Demut ausgerüstet an eine Arbeit, eine Pflicht, an ein Amt, in das er sich nicht gedrängt hat, herantritt, darf immer auf göttliche Hilfe bauen, durch die er Großes zur Ehre Gottes vollführen kann, das dem Stolzen, dem Selbstbewussten nie gelingen wird.

 

Gebet am 6. November

 

Sei gegrüßt, du reine, unbefleckte und heilige Gottesgebärerin Maria! Mutter der Barmherzigkeit! Sei uns bei deinem geliebten Sohn, unserem ewigen Richter, eine wirksame Fürsprecherin, auf dass er uns armen Sündern in diesem Tal der Tränen seine unendliche Barmherzigkeit schenke, uns in seiner Liebe und Gnade immerfort erhalte und uns nicht anders als mit zerknirschtem Herzen und einem Gemüt, genährt mit seinem heiligen Fleisch und Blut aus dem Elend dieser Welt hinwegnehmen möge in das himmlische Reich. Amen. 

 

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Leonhard

 

Wir bitten Dich, o Herr, öffne uns auf die Fürbitte des heiligen Leonhard die Augen, damit wir sehen, wie unglücklich die Sünde macht, und uns vor ihr hüten, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Der heilige Leonhard trug eine besondere Andacht zur seligsten Jungfrau, unter deren Namen er seine Kapelle erbaut und bewohnt hat. Durch seine Fürbitte darin haben viele Gefangene die Freiheit erhalten. Auch ist er nach seinem Tod in derselben Kapelle begraben worden.

 

Andacht am 6. November:

 

Das Thema im November:

Liebe

"Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." (Matthäus 22,37-39)

 

"Wer bis zur vollkommenen Liebe Gottes gelangte, den rührt weder Ruhm noch Schmach; er verachtet Versuchungen und Leiden und verliert den Geschmack an allem, außer an Gott. Da er an nichts, was nicht Gott ist, Trost noch Ruhe findet, sucht er einzig seinen Vielgeliebten, und zwar mit solcher Innigkeit, dass, ob er arbeitet oder isst, ob er wacht oder schläft, ob er handelt oder wandelt, alle seine Gedanken und all sein Ehrgeiz dahin zielt, Denjenigen zu finden, den er liebt. Gott ist sein Schatz; und wo der ist, da ist sein Herz. Vergleichen könnte man ihn einem leidenschaftlich liebenden Menschen, der mit aller Sehnsucht nur nach dem einzigen Geschöpf seufzt, das er leidenschaftlich liebt." (Der heilige Johannes Chrysostomus)

Wohin gehst du und was suchst du? So fragte man einen Ordensmann. Er aber antwortete: "Ich gehe zu Gott, und suche Gott; und nicht ablassen will ich, bis ich Ihn gefunden habe."

Der selige Raimundus Lullus wurde auf folgende Weise befragt: Wem gehörst du? Woher kommst du? Wohin gehst du? Wer hat dich hierher geführt? - Auf all diese Fragen antwortete er: "Ich gehöre der Liebe; ich bin aus der Liebe; ich gehe zur Liebe; und die Liebe hat mich hierher geführt!"

Immer war das Herz und der Sinn des heiligen Vinzenz Ferrer voll von Gott; immer dachte er an Gott, nie sprach er anders als von Gott oder mit Gott. Ob er saß oder ging, studierte oder in Gesellschaft war, sah man es ihm an, dass er in Gott gesammelt war und sich mit Ihm vereinigte.

Die Gluten der göttlichen Liebe wirkten im heiligen Aloysius, in der heiligen Katharina von Siena, im heiligen Petrus von Alkantara, in der heiligen Theresia von Avila, im heiligen Philipp Neri, in der heiligen Magdalena von Pazzi, im heiligen Franz von Paula und in mehreren anderen Heiligen Dinge, die unglaublich erscheinen würden wenn man sie erzählte.

Ein Botschafter des heiligen Ludwig, des Königs von Frankreich, begegnete zu Ptolemais einer Frau, die durch die Straßen dieser Stadt lief und in der rechten Hand ein Gefäß voll Wasser, in der linken aber eine brennende Fackel trug und seufzend ausrief: "O Gott, o Gott! ist es je möglich?" - Hierüber verwundert, blieb der Botschafter stehen und fragte sie, was dies bedeuten sollte. - "Auslöschen möchte ich," sprach sie, "auslöschen die Hölle mit diesem Wasser und das Paradies verbrennen mit dieser Fackel, wenn es Gott so gefallen würde, damit Er einzig und allein um Seiner selbst willen geliebt würde!"

Eine fromme Klosterfrau pflegte, wenn man sie fragte, wie viel Uhr es ist, die Antwort zu geben: "Es ist nun gerade die Stunde, Gott zu lieben!"

 

Herr, nur nach Dir allein verlangt mein Herz! Verleihe mir, dass ich nur Dich sehe, nur von Dir gerührt werde, nur Dich koste, nur Deiner gedenke, nur für Dich spreche und wirke! Du bist der Schatz meiner Ewigkeit, und nur in Dir kann mein Herz vollkommen ruhen! Amen. 

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 6. November

 

"Der geringste Grad der Gnade genügt,

um die Hölle und alle Sünden der Welt zu besiegen."

 

hl. Thomas von Aquin OP

1225 bis 7.3.1274

 

Betrachtung am 6. November - Von der Größe der heiligen Gottesliebe

 

O meine Seele, lieben wir den Herrn,

Denn seine Liebe nur versüßt das Leben.

Wer ihn nicht liebt, irrt von der Freude fern;

Denn was kann ihm die arme Erde geben,

Das nicht wie Rauch verschwände in der Zeit?

Doch seine Liebe bleibt in Ewigkeit.

 

1. "Hervorbringen werden sie, Herr, das Andenken an deine überschwängliche Liebe!" So groß ist die Liebe unseres Gottes, wenn sie dem Herzen sich kund gibt, dass darüber dem Menschen alle Freuden der Erde verleiden. Dies sehen wir an den Sündern, die sich aufrichtig bekehrten, und die wegen dieser Liebe und Freundlichkeit des Herrn, der sie nicht als ein strenger Richter bestrafte, sondern als ein milder Vater liebreich aufnahm, ihm mit Freuden alles opfern, was sie früher für die einzige Glückseligkeit gehalten hatten. So groß ist der Trost in ihrem Herzen, dass sie alle Lockungen, die zur Sünde sie zurückführen wollten, mit Abscheu von sich weisen, und gegen die Liebe ihres Gottes mit dem Apostel alles andere gleich dem Gassenkot verachten.

 

2. Unaussprechlich ist der Friede, den diese freundliche Liebe Gottes in ihre Herzen ergießt, und den Salomo ein beständiges Freudenmahl nennt. Ihre Leidenschaften schweigen, oder regen sie sich auch zuweilen, so werden sie doch bald besänftigt. Die innerliche Salbung dieser Liebe versüßt ihnen jedes Leiden, jedes Werk der Buße. Sie genießen im Umgang mit ihrem Gott, zumal aber bei seinem himmlischen Tisch, eine selige Freude, die sie über diese Erde erhebt, und mit Vertrauen sehen sie die Stunde ihrer Auflösung nahen. Sie sind zwar nicht ohne Furcht, doch ist ihre Furcht eine kindliche Furcht, die nicht sowohl der Strafe gedenkt, als den Gegenstand ihrer ewigen Liebe zu beleidigen fürchtet.

 

3. Dies ist der Unterschied zwischen den Kindern der Welt und den Kindern Gottes, dass jene in ihren Leiden klagen und einer trostlosen Verzweiflung sich überlassen, diese aber in den Trübsalen dieses Lebens Gott loben, dessen Hand sie ihnen sendet, und ihn durch ihre Geduld verherrlichen. Denn der Weg der Auserwählten ist der Weg des Kreuzes. Aber die Liebe erleichtert ihnen jedes Kreuz: sie hilft ihnen es zu tragen. Und ob auch die Natur darüber murre, umfangen sie es dennoch friedlich. Öffnen wir dieser göttlichen Liebe unser Herz, und sie wird uns bald in himmlische Menschen umwandeln. Psalm 34,9a: "Kostet und seht, wie gütig der Herr ist."

 

7. November

 

Der heilige Engelbert, Erzbischof von Köln und Martyrer,

+ 7.11.1225 - Fest: 7. November

 

In den Erzbistümern Köln und Paderborn feiert man am heutigen Tag das Fest des heiligen Engelbert im roten Messgewand, obwohl er nicht im eigentlichen Sinn ein Blutzeuge um des Glaubens willen war, dafür aber war er ein Martyrer um der Gerechtigkeit willen.

 

Engelbert, mächtiger Graf von Berg, des Heiligen Römischen Reichs Verweser und Erzbischof von Köln, ist ein Beweis mehr für die tröstliche Tatsache, dass man nicht als Heiliger geboren wird, denn als Engelbert einst im Kloster Heisterbach im Siebengebirge weilte, warf ihm ein unerschrockener Mönch mit mittelalterlicher Dreistigkeit und Derbheit das Wort an den Kopf:

 

„Herr, ihr seid ein tüchtiger Fürst, aber kein guter Bischof.“

 

Es war ein scharfes Wort, wohl zu eng aus dem Klosterwinkel gesprochen. Gerechter schon ist ein Wort, das ein anderer Mönch aus Heisterbach, der berühmte Caesarius, nach des Bischofs Tod niederschrieb:

 

„Hat es ihm im Leben an Heiligkeit gefehlt, so hat es sein kostbarer Tod ausgeglichen, und war sein Wandel nicht vollkommen, so hat ihn sein Leiden geheiligt.“

 

Es liegen also Schatten auf Engelberts Leben, allerdings nicht die schmutzigen Schatten der Unsittlichkeit, denn sein Schild blieb lebenslang rein und lauter, wohl aber lagen darauf die Schatten der Herrschsucht, die sich jedoch mit der Zeit vor einer eisernen Gerechtigkeit verflüchtigten, die wie eine Sonne sein Handeln hell überstrahlte.

 

Im Jahr 1185 wurde Engelbert von Berg geboren und wuchs als ein Hüne an Körper und Geist heran, schlug die geistliche Laufbahn ein, versah schon in jungen Jahren hohe Kirchenämter und wurde dreißigjährig einstimmig zum Erzbischof von Köln gewählt. Als ihn zehn Jahre später der Mordstahl traf, hatte er mehr geleistet als zehn andere, und vor allem hatte er Ordnung geschaffen im deutschen Haus.

 

Von Unordnung strotzte nämlich damals das Reich, denn immer ist es von Nachteil für ein Land, wenn sich zwei um die Krone bewerben und mit Heeresmacht bekriegen, wie es zu jener Zeit Otto IV. und Philipp von Schwaben taten. Da verfielen im Bruderstreit die Sitten und die Gerechtigkeit saß wie eine trauernde Witwe an den Rändern der Wege und an den Ufern der Flüsse, wo die Raubritter den Kaufleuten die Güter wegnahmen, den Bauern Korn und Vieh entführten und überhaupt die kleinen Leute zum Weißbluten brachten. Es war eine trostlose Zeit voll Jammer, und es fehlte die starke Hand.

 

Der Erzbischof Engelbert von Köln besaß die starke Hand, eine mächtige Pranke, die herrlich drein hieb und das Faustrecht der Mächtigen mit gewaltigen Schlägen zertrümmerte. Mit Soldaten und Geschützen zog der Erzbischof von Köln gegen die Schutz- und Trutzburgen der Raubritter am Rhein und in Westfalen, setzte ihnen den roten Hahn aufs Dach, zwang die Zwingherren, das geraubte Gut herauszugeben und Schadenersatz zu leisten, und bei all dem ging er in keiner Weise zart und zimperlich vor, sondern hart und eisern, wie die Übeltäter es verdienten.

 

Es ist wahr, dass man Engelbert von Berg nicht mit anderen Heiligen auf die gleiche Stufe stellen kann, aber seine Heiligkeit ist die der Gerechtigkeit, wie auch Gott gerecht ist und bleibt selbst dann, wenn er mit der ewigen Hölle straft. Jedem muss wahrlich das Herz höher schlagen, wenn er sieht, dass von der Kirche auch solche Männer als Heilige verehrt werden, die nach dem Grundsatz leben: „Fürchte Gott, tue recht und scheue niemand.“

 

Übrigens fastete Engelbert zwei Tage in der Woche, machte weite Wallfahrten, sorgte für die seelsorglichen Belange in seinem ausgedehnten Sprengel, führte Franziskaner und Dominikaner in Köln ein, jedermann hatte freien Zutritt zu ihm, und stets stand er auf der Seite des Rechtes. So war er nicht nur ein guter Fürst, sondern auch ein guter Bischof, unter dem das religiöse Leben sich hob, die guten Sitten wieder aufblühten, der Wohlstand sich mehrte und Recht und Gerechtigkeit herrschten, so dass lange nach Engelberts Tod die Leute immer noch sagten, dass es wohl nie mehr solch gute Zeiten geben werde als in den Tagen Sankt Engelberts.

 

Schwer also lag die Faust des markigen Kölner Erzbischofs auf allen, die Unrecht begingen, und weil sich derjenige, der geschlagen wird, aufbäumt, bildete sich unter den Raubrittern eine Verschwörung, und Engelberts eigener Vetter, Friedrich von Isenburg, stieß ihm bei einem Überfall in der Nähe von Schwelm im Bergischen Land den Dolch ins Herz. So starb der Heilige, der tags zuvor, durch eine Ahnung gedrängt, eine Lebensbeichte abgelegt hatte, als ein Ritter Ohnefurcht und als ein Martyrer für Recht und Gerechtigkeit.

 

Der heilige Amaranth, Märtyrer zu Albi, Frankreich,

+ 249-251 – Fest: 7. November

 

Die besonderen Lebensumstände und Handlungen des heiligen Amaranth sind uns nicht überliefert worden, man weiß nur so viel, dass er für den Glauben starb. Die einen setzen seinen Märtyrertod in die Zeit der Decischen Verfolgung. Andere schreiben ihn der Grausamkeit des deutschen Königs Chrocus zu, der unter den Regierung Valerians Gallien verheerte und viele Christen umbringen ließ. Amaranth besiegelte seinen Glauben im Dorf Vians oder Vieux, bei Albi. Gott fügte es, dass das Grab des heiligen Blutzeugen, das einige Zeit unbekannt geblieben war, zur Erbauung der Gläubigen aufgefunden wurde, und verherrlichte es durch mehrere Wunder. Der heilige Eugen von Karthago, der von den Vandalen wegen seines Glaubens nach Gallien verbannt worden war, wollte am Grab unseres heiligen Märtyrers sterben. In der Folge hat man die Reliquien dieser zwei Heiligen in die Kathedralkirche von Albi versetzt, die unter dem Namen der heiligen Cäcilia geweiht ist. Das Fest des heiligen Amaranth ist in den Martyrologien von Ado und Usuard, sowie im römischen auf den 7. November angegeben.

 

Der heilige Rufus, Bischof und Bekenner von Metz,

+ 7.11.400 – Fest: 7. November

 

Der heilige Rufus, der gegen Ende des 4. Jahrhunderts lebte, war der 8. Bischof von Metz. Er bewies sich als ein treuer Nachahmer der Tugenden seiner Vorgänger, die auch als Heilige verehrt werden. Die Stadt Metz hatte zum ersten Bischof den heiligen Clemens, von Geburt ein Römer, der um die Mitte des 3. Jahrhunderts nach Gallien gekommen war (Man hat nachgewiesen, dass der heilige Clemens nicht vom heiligen Petrus aus Rom geschickt worden war. Der Name des heiligen Bischofs befindet sich in einem Pontifikale des Metzer Doms, dass ungefähr eintausend Jahre alt ist. Man sieht auch aus dem alten Zeremonienbuch eben dieser Kirche, das vom Jahr 1105 ist, dass man die Reliquien dieses Heiligen bei der Markusprozession mit trug). Nach ihm standen der heilige Cölestis und der heilige Felix, die ihn von Rom aus begleitet hatten, dieser Kirche vor. Der heilige Rufus wird am 7. November im römischen und in anderen Martyrologien genannt.

 

Der heilige Willibrord, Bischof und Bekenner von Utrecht,

+ 7.11.739 - Fest: 7. November

 

Am Westrand der Eifel, hart an der deutschen Grenze, liegt auf luxemburgischen Gebiet das Städtchen Echternach. Am Pfingstdienstag eines jeden Jahres strömen dorthin von nah und fern Pilger zuhauf, Tausende und Tausende, zur Springprozession, die in ihrer Art einzig dasteht auf der Welt.

 

Die Glocken läuten. Die Musik spielt. Ein Lied klingt auf, Bischöfe und Äbte schreiten mit Mitra und Stab einher. Viele Priester im weißen Chorrock gehen vorauf.

 

Es folgt die Prozession, die Jungen, die jungen Männer, die Männer, Mädchen und Frauen, alle zu vier oder zu sechs nebeneinander, und keiner geht, sondern jeder springt, nicht nur vorwärts, auch rückwärts, drei Schritte vor und zwei zurück, im strengen Takt geordnet, ein eindrucksvolles Bild.

 

Bald ringt den Springern der Schweiß von der Stirn, aber unentwegt halten sie aus, stundenlang durch die Straßen der Stadt, in das herrliche Gotteshaus, durch die Kirche, in die Unterkirche an dem goldenen Reliquienschrein vorbei, und wenn der letzte Springer endlich den letzten Sprung getan hat, ist die Feier mit einem letzten Flehruf: „Bitte für uns, heiliger Willibrord!“ zu Ende. So ehren Ösling und Eifel, Luxemburg und Deutschland den großen Helfer gegen Pest und Cholera, so ehren sie seit Jahrhunderten den Glaubensboten Sankt Willibrord.

 

Es war eine besondere Zeit, als Willibrord im Jahr 658 in der englischen Landschaft Northumbrien aus edlem angelsächsischem Stamm geboren wurde, und sonderbar waren die Leute, die damals lebten. Uns Menschen von heute ist es schwer verständlich, dass Willibrords Vater Wilgils den Sohn, sehr jung noch, den Mönchen des Klosters Ripon zur Erziehung übergab, während er selbst als Klausner in die Einöde ging, später ein Kloster gründete und als Heiliger starb. Andere Zeiten, andere Sitten.

 

Da saß der Junge Willibrord neben anderen auf der Schulbank, und vor den Schülern stand der Lehrer, wieder ein Heiliger, denn in jener Zeit blühten die Heiligen so zahlreich wie die Frühlingsblumen auf dem Anger. Wigbert hieß der Lehrer, der heilige Wigbert. Nie hat es Wigbert verschmerzt, dass er zwei Jahre in Friesland weilte, um die Heiden zu bekehren, und unverrichteter Dinge hatte heimkehren müssen. Alle Tage kam er im Unterricht auf das große Leid seines Lebens zu sprechen, und dabei rollten ihm die Tränen über die Wangen, und alle Tränen flossen in Willibrords Herz wie in ein Sammelbecken, und durch die Schulfenster hinausblickend, wanderten des Jungen Gedanken mit den Wolken weit über die Nordsee hinweg an die Mündung des Rheins zu den Friesen, zu deren Bekehrung er einst ausziehen werde, und weil Kinderträume später oft Wirklichkeit werden, landete im Jahr 690 der Priester und Mönch Willibrord an der Küste Hollands und gelangte nach Utrecht, ins Herz des Friesenlandes.

 

Wohlgemut begann der Dreißigjährige die Bekehrungsarbeit unter den Heiden, des Erfolges gewiss. Immer war es so, und es wird immer so bleiben, und es ist gut, wenn es so ist, dass nämlich die Jüngeren meinen, sie könnten es besser als die Älteren, denn solange die Jugend dieser Ansicht ist, strebt sie voran und erreicht nicht selten Ziele, die den Älteren unerreichbar blieben.

 

Nach vier Jahren jedoch war Willibrord geradeso weit wie ehedem Wigbert. Zu kräftig war noch der Urwald des Heidentums, als dass er eine Lichtung hätte schlagen können. Da reiste der Glaubensbote nach Rom, um sich Sendung und Segen vom Vater der Christenheit zu erbitten, und als er ein zweites Mal nach der Ewigen Stadt wanderte, weihte ihn der Papst zum Bischof und ernannte ihn zum ersten Erzbischof zu Utrecht, und weil ihm Weihe und Würde vorerst im Friesenland doch nicht weiterhalfen, gründete Willibrord die Abtei zu Echternach, die er aus bescheidenen Anfängen in wenigen Jahren zu hoher Blüte brachte, so dass von ihr jahrhundertelang Segen und Heil in die Länder ringsum ausgingen.

 

Wieder zog der mutige Gottesstreiter Willibrord gegen Norden, drang sogar bis Dänemark vor, predigte auf der Insel Helgoland, und schließlich fasste er unter den Friesen zwischen Schelde und Rhein und darüber hinaus festen Fuß. Die Zahl der Taufen mehrte sich, Kirchen und Kapellen legten sich wie ein Kranz über das weite Land, von England kamen Priester zu Hilfe, und unter diesen befand sich auch Deutschlands späterer Ruhm, Bonifatius, damals noch Winfried genannt, der unter Willibrords Leitung seine Lehrjahre machte.

 

Darüber verging die Zeit, und als sich Willibrord, von Alter und Arbeit gebeugt, nach Echternach zurückzog, wo er achtzigjährig reich an Ehren starb, waren die Friesen dem wahren Glauben gewonnen, und ein Kindertraum war Wirklichkeit geworden.

 

Schön und voll Segen ist es also, wenn Kinder hochgemut davon träumen, dass sie später etwas Großes leisten wollen.

 

Der selige Antonius Baldinucci, Bekenner, Priester und Volksmissionar,

+ 7.11.1717 – Gedenktag: 7. November

 

Am 19. Juni 1665 erblickte Antonius in Florenz das Licht der Welt als Kind einer vornehmen, frommen Familie. Unschuld, Bescheidenheit, Liebe zum Gebet und kindliche Andacht zu Maria zeichneten den Jungen aus. Er besuchte die Schulen der Jesuiten in seiner Vaterstadt und schloss sich mit 13 Jahren der daselbst blühenden Marianischen Kongregation an.

 

1681 trat er in Rom ins Noviziat der Gesellschaft Jesu, um ganz dem heiligen Aloysius nachzufolgen. Nachdem er seine philosophischen Studien vollendet hatte, wurde er Lehrer in den unteren Klassen des römischen Kollegs und Leiter einer zahlreichen Studenten-Kongregation.

 

1696 zum Priester geweiht, wirkte er mit unermüdlichem Eifer und wunderbarem Erfolg als Volksmissionar in Mittelitalien. Stets blieb er ein eifriger Verehrer der seligsten Jungfrau. Auf seinen Missionsreisen führte er ein einfaches Marienbild mit, das zu großer Berühmtheit gelangte. Um die Früchte der Missionen zu erhalten, gründete er an vielen Orten Marianische Kongregationen; auch verfasste er ein eigenes Regelbuch für sie.

 

Am 7. November 1717 starb der apostolische Mann im Anblick seines geliebten Marienbildes bei einer Mission zu Posi in der Campagna. 1893 hat ihn Papst Leo XIII. unter die Seligen eingereiht.

 

Gebet der Kirche: O Gott, der Du den seligen Antonius bei seiner außerordentlichen Demut und strengen Lebensweise mit höchster Liebe zum Heil Unzähliger entflammt hast, verleihe uns durch seine Verdienste und seine Fürbitte, dass wir von bösen Begierden uns losreißen und Dich in allem und über alles lieben, durch Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Aus einer anderen Quelle:

 

Der selige Anton Baldinucci aus der Gesellschaft Jesu,

+ 7.11.1717 – Gedenktag: 7. November

 

In der Oktav von Allerheiligen hatte sich zu Posi, einem kleinen Landstädtchen der römischen Campagna, im 53. Lebensjahr ein großer Volksmissionar, der selige Anton Baldinucci, zur ewigen Ruhe hingelegt. Wohl mochten seine Füße müde gewesen sein; hatte er doch zwanzig Jahre lang fast ununterbrochen dreißig italienische Diözesen durchwandert und Missionen in ihnen gehalten. Es war ein Leben voller Entbehrung und voller Mühen. Wahrlich, er hätte es anders haben können! Da droben im schönen Florenz stand die reiche Villa seines Vaters. Der zählte zu den Vornehmen und Reichen der Mediceerresidenz, hatte Beziehungen zum Hof und war ein weltberühmter Kunstschriftsteller, dessen Werke – es waren im Ganzen 21 Großfoliobände – teilweise noch im 19. Jahrhundert mehrmals aufgelegt wurden.

 

Anton hatte schon das Zeug dazu, in die Fußstapfen seines Vaters zu treten. Im Kolleg der Jesuiten, wo er seine Studien machte, war er immer unter den Ersten und hat später gelegentlich den Professor der Philosophie und ein andermal den der Moralwissenschaft im Kolleg zu Frascati vertreten. Er war von Gott mit reichen Gaben der Natur und des Geistes begabt worden. Ein Sonnenjüngling war Antonio. Die reine Seele von tiefem Glücksempfinden voll und trunken von der Fülle frohen Lebensmutes, das reiche Herz noch nicht ermattet, ungetrübt, das dunkle Auge leuchtend von Jugend und Glut: so stand er da inmitten seiner Freunde, beglückend und beglückt. Licht strahlte aus von ihm, feurig, doch nicht sengend, hell, doch nicht stechend. Die Weihe seltener Unschuld und ein sanfter Ernst des Willens lagen leise dämpfend über dem Sonnenkind des Südens. Wer ihn lieben durfte, liebte ihn mit Ehrfurcht. Doch was die Natur freigebig ihm dargeboten, die herrlichen Gaben des Geistes und Herzens, es war das letzte an ihm. Anton war vor allem ein Gnadenkind. Frohes Spiel der Jugend und stilles Innenleben der göttlichen Führung waren hier in höchster Anmut eins geworden.

 

Die frommen, verständigen Eltern hüteten und pflegten sorgsam die ersten Gnadenkeime. Sie sprossten und trieben in der Heimatluft des Himmels und erwachten früh zur Vollkraft des Lebens. Täglich weilte der kleine Knabe in der Kirche des heiligen Markus zu Florenz, still und gesammelt kniete er da, in Einfalt betend, wie Kinder tun. Aber das Herz war schon voll von Gott, voll von Liebe zum Heiland und diese kindliche Liebe schenkte er in kindlicher Weise ganz dem göttlichen Kinderfreund. Und Maria grüßend bat er sie, dass sie ihm die Perle seiner Unschuld hüte. Begreiflich, dass der Heiland und seine heiligste Mutter sich liebevoll zu ihrem treuen Kind neigten und es mehr und mehr mit Seelenschönheit und Innenreichtum beschenkten.

 

Köstliche Jugend im Schatten der Furcht Gottes und unter der brennenden Sehnsucht nach vertrauterem Umgang mit dem Herrn! Der Jüngling Baldinucci war sich schon dieses beglückenden Sehnens bewusst und pflegte es durch die tägliche Betrachtung. Eine seltene Übung in diesem Alter! Nur der Heilige Geist konnte da Lehrmeister sein. Willig und jeder Anregung von oben aufgeschlossen war der Schüler. Und war wieder Kind und Junge, voll Frohsinn und jauchzender Jugendlust in den Stunden des heiteren Spiels und neckisch sprudelnden Scherzes. Mit gereiftem Mannesernst saß er dann aber wieder bei guter Lektüre und bildendem Lehrstoff. Da wuchs sein Geist, da hob sich das Herz zu hochsinnigem Streben, stärkte sich der Wille zur Tat. Jedes Mittel benutzte Anton, um vor allem im Tugendleben zuzunehmen. Fand er in seinen anregenden Büchern einen guten Gedanken, der ihn besonders ergriff, oder einen schönen Charakterzug, der zur Nachahmung reizte, hatte ihm eine Predigt gut gefallen, nicht zuletzt auch die Früchte und Funken seiner Betrachtungen: das alles schrieb er sich sorgfältig in einem Büchlein auf, um sich immer wieder davon erbauen und anspornen lassen zu können, um treu zu bleiben in der Ausführung, wie er im Empfang treu gewesen. „Lieber Sterben, als meine Zunge mit der geringsten Lüge beflecken,“ so lautet eine solche Aufzeichnung aus dem dreizehnten Lebensjahr.

 

In diesem Büchlein hatte sich Anton auch das Schönste und Wichtigste aus dem Leben des heiligen Aloysius zusammengeschrieben, offenbar um sich an diesem Charakterbild immer wieder zu prüfen und zu begeistern. Sein häufiges Andenken an den englischen Jüngling ist sicher auch dadurch geweckt worden, dass zwei Häuser von seiner elterlichen Wohnung entfernt, in der Engelstraße, jenes Haus stand, das der heilige Aloysius im Herbst 1577 für ein halbes Jahr bezogen hatte. Nun trat Anton in das gleiche Noviziatshaus der Gesellschaft Jesu zu Rom ein wie Aloysius und ging dort den gleichen Weg der Heiligkeit wie er.

 

Aloysius hatte früh seinen Lauf vollendet; dem seligen Anton war eine längere Pilgerfahrt beschieden. Was er in der langen Ausbildungszeit zu Florenz und besonders in Rom an Tugend und Wissen grundgelegt, das sollte er in langer apostolischer Tätigkeit zu Gottes Ehre und der Seelen Heil verwerten.

 

Wahrhaft Großes hat der selige Baldinucci als einer der fruchtreichsten Volksprediger des 18. Jahrhunderts vollbracht! Alle Kräfte des Leibes und Geistes, die er von Jugend auf zielbewusst geübt hatte, mussten dem hohen Beruf dienstbar sein. Zu Fuß und häufig barfuß zog der Missionar von Ort zu Ort, mit einem ärmlichen Talar bekleidet, dem Pilgerhut auf dem Haupt, den Reisestab in der Hand, das Brevier unter dem Arm, ein Kruzifix auf der Brust, den Rosenkranz am Gürtel. Was Wunder,dass ein Mann, der Apostel und Heiliger zugleich war, das Land so erfolgreich durchmissionierte! Es wird uns berichtet, dass er oft einer Menge von ca. dreißigtausend Zuhörern predigte. Da reichten natürlich die Räume der Gotteshäuser nicht mehr aus; unter freiem Himmel, auf weitgedehntem Platz oder unter hohen Bäumen musste er zu den zahllosen Scharen reden. Mit der natürlichen Kunst seiner Beredsamkeit, sorgfältig gepflegt durch lange Übung und unterstützt durch gründliches Wissen und tiefe Erfahrung, noch wirksamer durch die Salbung des Heiligen Geistes, vermochte der Selige die Herzen der Zuhörer zu erfassen, zur Bekehrung und zu einem christlichen Tugendleben zu bewegen. Schien aber das Erdreich, das schon sein Gebet und frommer Wandel lockerte und vorbereitete, allzu hart zu sein für die Aufnahme des Wortes Gottes, dann griff der gottgeeinte Geistesmann auch einmal nach der Wunderkraft des Allmächtigen wie nach einer ihm willfährigen Macht. Ganz bezeichnend für die Glaubenskraft des Predigers und die Wirkungsart seines Wortes ist ein Geschehnis, das ein Augenzeuge im Seligsprechungsprozess berichtet.

 

Mitten in einer Predigt rief Baldinucci mit ruhiger harmloser Miene, als ob es sich um etwas Alltägliches handeln würde: „Kinder! Wollt ihr wissen, wie Tag um Tag die Sünderseelen scharenweise in die Hölle stürzen? Seht, geradeso, wie von dieser Ulme da die Blätter.“ In diesem Augenblick hebt in der Baumkrone ein Rauschen und Wehen an, wie von geheimnisvollen, unfühlbaren Windstößen verursacht, bei völlig ruhiger Luftströmung über den Häuptern der erschauernden Menge. Und ein Rieseln und Rascheln, ein Gleiten und Spreiten der Blätter beginnt und hält eine Weile an, wie im Spätherbst nach Tagen der Windstille die fahlen, abfallreifen Blätter dem Ansturm des Westens erliegen. Entsetzt starrt das Volk das seltsame Ereignis an. Die bange Stille löst sich in einem lauten Aufschrei um Erbarmen auf. Ruhig gemessenen Blickes steht der Wundertäter da. Nun ein Befehl: „Genug!“ und sofort ist dem Fallen der Blätter Einhalt getan. Fast kahl steht die Ulme da, während die anderen Bäume im grünen Frühlingskleid prangen.

 

Der apostolische Eifer des weitgepriesenen Missionars diente aber nicht nur den großen Massen, mit der gleichen Liebe und Selbsthingabe ging er der verstockten Einzelseele nach. Was sein liebevolles Wort nicht vermochte, das erreichte er durch sein Gebet und seine strengen Bußübungen, die er für den Sünder auf sich nahm.

 

Noch sei erwähnt, wie klug Baldinucci seine apostolische Tätigkeit einrichtete: Schon damals – und man schrieb doch erst 1700 – erkannte er neben anderem die Bedeutung und Verbreitung guter Bücher, als lebte er in unserem Jahrhundert des Buches und der Presse. In Viterbo allein ließ er Tausende von Exemplaren geistlicher Bücher drucken. Nicht minder hatte er auch schon Verständnis und eine hilfreiche Hand für die Bedürfnisse und soziale Not seiner Mitmenschen. So machte er seinen Einfluss geltend, dass Arbeitsgelegenheit und Verdienst für die ärmere Bevölkerung geschaffen wurde.

 

Die großen Missionare pflegen große Marienverehrer zu sein. Auch der selige Baldinucci erwies sich als glühender Verehrer und begeisterter Lobredner der lieben Mutter Gottes. Er besaß ein wundertätiges Marienbild, das er von Mission zu Mission mit sich führte. Tausende und Abertausende, darunter geistliche und weltliche Fürsten, haben schon zu seinen Lebzeiten vertrauensvoll vor diesem Bild der allerseligsten Jungfrau gebetet und Trost und Hilfe gefunden. Vor diesem Bild, das in seinem letzten Lebensjahr vom Kapitel zu St. Peter im Vatikan gekrönt worden war, und das noch heute in großer Verehrung steht, hat der Selige, unter dem Segen seiner himmlischen Mutter, im Tod sein inhaltsvolles und erfolgreiches Leben in die Hände des ewigen Hirten der Seelen zurückgegeben, am 7. November 1717. Leo XIII. hat Baldinuccis Namen 1893 in den Katalog der Seligen eingesetzt.

 

Die Jugend muss den Grund legen für ein vollwertiges, heiliges Leben. „Mein Sohn, nimm Lehre an von Jugend auf, so wirst du bis ins Alter die Weisheit finden. Nahe dich ihr, wie einer der Pflügt und sät, und erwarte ihre guten Früchte. Ihre Bearbeitung wird dir einige Mühe kosten, aber bald wirst du von ihrem Gewächs essen“ (Buch Sirach 6,18-20). Wie ein emsiger Ackersmann mühe dich im Frühling des Lebens um die christliche Weisheit, um Heiligkeit, so wirst du ihre Früchte: Erkenntnis, Befriedigung und Seligkeit ernten.

 

Gebet am 7. November

 

Heilige Jungfrau Maria, du bist die gütige Mittlerin zwischen Gott und dem Menschen, die den Himmel mit der Erde - das Höchste und Schätzbarste mit dem Niedrigsten und Armseligsten - vereinigt hat. Du bist das Geleit unseres Lebens, die Pforte der göttlichen Gnade und der sicherste Hafen im sturmbewegten Meer dieses Lebens. Erbitte uns Verzeihung unserer Sünden, und erwerbe uns die Gnade, dass wir deinen Sohn, unseren Herrn, zugleich mit dir, der Mutter der Barmherzigkeit, aus ganzem Herzen lieben und ehren mögen. Amen.

 

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Engelbert

 

O Gott, der Du den Gerechten liebst und segnest, verleihe uns auf die Fürbitte des heiligen Engelbert Liebe zur Gerechtigkeit, damit wir vor Deinen allsehenden Augen stets redlich handeln, und Deine Liebe verdienen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

An diesem Tag wurde im Jahr 680 das 3. Konzil zu Konstantinopel, das das 6. allgemeine ist, im Beisein von 289 Bischöfen und der päpstlichen Gesandten gegen die Monotheliten und den Nestorius eröffnet. In diesem wurde zugleich der Titel einer Mutter Gottes der seligsten Jungfrau zugeeignet und bestätigt. 

 

Andacht am 7. November:

 

Das Thema im November:

Liebe

"Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." (Matthäus 22,37-39)

 

"Die vollkommene Liebe Gottes besteht nicht in andächtigem Zartgefühl, das wir zuweilen gern hätten, sondern in einem festen Entschluss, selbst die geringsten Sünden zu meiden und deshalb die nötigen Mittel anzuwenden; dann in einer glühenden Sehnsucht, Gott in allen Dingen zu gefallen und seine Ehre zu verbreiten." (Die heilige Theresia von Avila)

Die heilige Franziska von Chantal schrieb an eine Oberin ihres Ordens wegen einer Nonne, die man als eine von der Liebe Gottes erfüllte Seele betrachtete, weil sie ungewöhnliche Tröstungen empfand: "Dies gute Kind bedarf es gar sehr, dass man sie über ihren Irrtum belehrt, denn sie macht sich vor, sie steht auf einer hohen Stufe der göttlichen Liebe. Doch nicht so ist es, denn sonst würde sie auf einer hohen Stufe der Tugend stehen, von der sie jedoch weit entfernt ist. Nach meiner Ansicht sind diese Gluten und so gewaltsame Anfälle, die sie empfindet, Wirkungen der Natur und Eigenliebe. Sagen muss man ihr, die Festigkeit der Liebe Gottes besteht nicht darin, dass man schöne göttliche Tröstungen empfindet, sondern dass man pünktlich ist, die Ordensregeln zu beobachten und wahre Tugenden zu üben, nämlich sich zu demütigen, seine eigene Verachtung zu lieben, Beleidigungen und Schwierigkeiten zu ertragen, sich von sich selbst loszuschälen und Gott auf solche Weise zu lieben, dass man nur verlangt, von Gott allein gekannt zu sen. Dies sind untrügliche Merkmale der wahren Liebe. Gott bewahre uns vor dieser sinnlich süßen Liebe, die uns für uns selbst leben lässt, denn die wahrhafte Liebe führt bis zum Tod."

Es wird vom heiligen Thomas von Aquin versichert, seine Seele sei immer rein und klar gewesen wie die Seele eines fünfjährigen Kindes; ihm fürwahr wohnte die vollkommene Liebe inne.

 

Mein Gott, ich liebe Dich, und weil ich Dich liebe, will ich nichts tun, das Dir missfällt, und dagegen alles tun, was dahin führt, Dir zu gefallen und andere zu Deiner Liebe zu führen! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 7. November

 

"Nimm des inneren Menschen wahr;

daran liegt äußeres und inneres Leben."

 

sel. Heinrich Seuse OP

1298 bis 25.1.1366

 

Betrachtung am 7. November - Die Stunde der Rechenschaft

 

Es zittert, Herr, das Mark in den Gebeinen,

Kommt jene ernste Stunde mir zu Sinn,

Wo ich vor dir, dem Richter, muss erscheinen,

Da - übst du Strenge - ich verloren bin.

 

1. Viele leben nun so, als hätten sie sich selbst erschaffen, und wollen keinen Herrn über sich erkennen. Aber es kommt eine Stunde, eine unendlich bittere Stunde, wo der allerhöchste König der Schöpfung, ob sie wollen oder nicht, sie zur Rechenschaft berufen wird. Auch für uns ist diese Stunde bereits im Anzug, darum bereiten wir uns zu dieser Rechenschaft vor. Wozu verwendeten wir unseren Leib, unsere Seele, unseren Verstand, unsere Fähigkeiten, unser Vermögen, unseren Einfluss? Wozu die Zeit, die Gnade Gottes, die Mittel des Heils, die Sakramente der Erlösung? Was werden wir Gott, unserem allerhöchsten König, antworten, wenn er Rechenschaft über seine Gaben von uns verlangt?

 

2. Beherzigen wir diese Stunde ernsthaft, denn schrecklich ist die Todesstunde, wenn das schlafende Gewissen erst dann erwacht. Weit größer und entsetzlicher als je in unserem Leben werden dann unsere Sünden uns erscheinen, Sünden, die wir begehen wollten, Sünden, die wir wirklich begingen, Sünden der Jugend, Sünden des höheren Alters, Sünden, die wir im Verborgenen, Sünden, die wir öffentlich begingen, Sünden, die wir vor uns selbst geheim hielten, und deren wir uns nie gehörig in der Beicht anklagten, persönliche Sünden, und Sünden, wozu wir andere verleiteten. O wie wird der Anblick dieser unermesslichen Schulden uns erschüttern, die wir nun so gleichgültig betrachten.

 

3. Wehe dem Toren, der da wartet, seine Rechnungen zu ordnen, bis diese letzte und schreckliche Stunde erscheint. Eilen wir also zu tun, was jener Knecht, der außer Stande war, die zehntausend Talente zu bezahlen; werfen wir uns zu den Füßen unseres himmlischen Königs und seiner Diener nieder, in Tränen um die Vergebung unserer Schuld zu bitten, und verwenden wir unser ganzes übriges Leben darauf, sie abzutragen. Denn wie groß, wie schwer, wie zahlreich auch unsere Sünden nun sind, wird Gottes unendliche Güte sie uns erlassen, wenn wir uns vor ihm demütigen und uns wahrhaft zu ihm bekehren. Jesus Sirach 5,7+8: "Zögere nicht, dich zu ihm zu bekehren, verschiebe es nicht Tag um Tag! Denn sein Zorn bricht plötzlich aus, zur Zeit der Vergeltung wirst du dahingerafft! Vertrau nicht auf trügerische Schätze; sie nützen nichts am Tage des Zorns."

 

8. November

 

Mariä Schutz

 

Der heilige Gottfried (Godfrid),

Bischof und Bekenner von Amiens, Frankreich,

+ 8.11.1118 - Fest: 8. November

 

Gottfried stammte aus einer adeligen Familie im Bezirk von Soissons. Fulko, sein Vater, beschloss als Witwer sein Leben in einem Kloster. Unser Heiliger war erst fünf Jahre alt, als man ihn der Leitung des Abtes Gottfried vom Berge St. Quintin übergab, der ihn über die Taufe gehoben hatte. Dieser Gottfried war ein Oheim der gottseligen Itta, Gräfin von Bologne und Namur, Mutter Gottfrieds und Balduins, die Könige von Jerusalem wurden.

 

Von seiner frühesten Jugend an beraubte sich der Heilige immer eines großen Teils der ihm gegebenen Nahrung und verteilte sie unter die Armen. Oft sogar erschien er nicht im Speisesaal und schloss sich in irgendeinem Bethaus ein, um sich mit Gott zu unterhalten. Nicht selten widmete er auch den größten Teil der Nacht dieser heiligen Übung. Die häufigen Tränen, die während des Gebetes seinen Augen entströmten, gaben deutlich seine zärtliche Andacht und lebendige Erschütterung zu erkennen. Als er fünfundzwanzig Jahre alt war, weihte ihn der Bischof von Noyon zum Priester. Dieser Ehre erschien er auch vollkommen würdig, nicht nur wegen seiner Tugenden, sondern auch wegen seines täglichen Voranschreitens in der Religionskenntnis. Seine Demut weigerte sich zwar, diese hohe Würde anzunehmen, aber seine Einwendungen wurden nicht gehört.

 

Kurz danach übertrug man ihm die Leitung der Abtei Nogent in Kampagne, die unter ihm durch ihre strenge Zucht bald sehr berühmt wurde. Zwei Äbte zogen sich dahin zurück, um als einfache Ordensmänner unter einem solchen Meister eine größere Vollkommenheit zu erstreben.

 

Gottfried hatte eine solche Wachsamkeit über sich selbst erworben, dass er alle seine Sinne vollkommen beherrschte. Nie redete er ein unnützes Wort, nie hefteten sich seine Augen auf irgendeinen Gegenstand, wenn es nicht notwendig war. Sein Schweigen und sein äußerst sittsames Benehmen waren sichtbare Beweise seiner steten Geistessammlung. Als man ihm eines Tages eine besser als gewöhnlich zubereitete Speise vorstellte, sagte er, sich beklagend: „Wisst ihr nicht, dass das Fleisch sich empört, wenn man ihm schmeichelt?“ Ein ganzes Konzilium drang einst in ihn, die Abtei zum heiligen Remigius in Reims zu übernehmen. Da trat er in die Mitte der Versammlung und sagte, nach Anführung der für ihn sprechenden Kanons: „Gott behüte, dass ich eine arme Braut verachte, und ihr eine reiche vorziehe.“

 

Der Heilige hatte sich bald nach seiner Profession im Kloster aus Gehorsam und mit Herzensfreude der Krankenpflege angenommen. Er pflegte die Kranken mit aller Demut und Liebe sowohl an Leib als an der Seele, war Tag und Nacht bei ihnen, tat alles, was nötig und heilsam war. Er tröstete, ermahnte, betete oder las, wie es dem Leidenden zuträglich war, und nur die Liebe es tun konnte. Als Abt des Klosters Nogent, das so viel als aufgelöst war, hat er dasselbe nicht nur hergestellt von innen durch die Klosterzucht, von außen durch die Bauten, sondern den Bestand auch gesichert für die Zukunft. Er ließ dort auch ein eigenes Armenhaus bauen zur Beherbergung und allseitigen Pflege der Armen und Kranken, denen er selbst diente.

 

Im Jahr 1103 wurde er auf dem Konzilium zu Troyes auf Ansuchen der Gesandten von Amiens zum Bischof dieses Stuhls erwählt. Man musste ihn aber gleichsam mit Gewalt zum Empfang der Bischofsweihe zwingen. Barfüßig unter Gebet und Tränen ging er dann in die Stadt und hielt in der Kirche zum heiligen Firmin eine sehr rührende Rede an das anwesende Volk. Sein Palast war das Haus eines wahren Dieners Jesu. Jeden Tag wusch er dreizehn Armen die Füße und bediente sie zu Tisch. Mit unbeugsamem Eifer widersetzte er sich stets den Bestrebungen der Großen, die hartnäckig an ihren Unordnungen hingen. Ebenso griff er mit kraftvoller Hand die unter seiner Geistlichkeit herrschenden Missbräuche an, und stellte nach vielen überstandenen Schwierigkeiten die Verbesserung in dem Kloster zum heiligen Valerikus her. Als er am heiligen Weihnachtsfest die heiligen Geheimnisse feierte, in Gegenwart Roberts, des Grafen von Artois, der zu St. Omer seinen Hof hielt, wollte er selbst von den Fürsten keine Opfergabe annehmen, weil sie in einem zu weltlichen Gepränge erschienen. Mehrere verließen die Kirche und kehrten in einfacherer Kleidung zurück, um des Segens des heiligen Bischofs nicht beraubt zu werden.

 

Sein heiliger Eifer zur gründlichen und durch alle Stände durchgreifenden Verbesserung zog ihm bei aller seiner Güte und Sanftmut mancherlei Leiden zu. An ihm wurde das Wort des Herrn wahr: „In mir habt ihr Freude, in der Welt werdet ihr Betrübnis haben.“ Neben den Spottreden über ihn, neben Trotz und Verachtung wurde ihm einmal unter dem Schein von Teilnahme Wein mit Gift dargereicht, um ihn los zu werden. Gott aber gab ihm zu erkennen, was es mit dem Wein auf sich hatte, und er blieb bewahrt. Er fuhr aber in seinem Eifer fort, jedoch mit seufzender Seele über die Hartnäckigkeit der Sünde. Er erschien auch auf einer Kirchenversammlung zu Vienne im Delphinat, und führte mit großer Bescheidenheit und Weisheit das Wort über viele Gegenstände, die da beraten wurden zur Verbesserung einer gar nicht rühmlichen Zeit. Die traurige Erfahrung seines Hirtenamtes, der Kummer vergeblich angewandter Mühe, wie er glaubte, die geringe Hoffnung einer besseren Zukunft, und vor allem sein Bußsinn brachten ihn zu dem Entschluss, sein Leben in der großen Kartause zu Grenoble mit Gott allein zuzubringen. Er begab sich nach dieser Versammlung wirklich dorthin und entsagte in einem gar demütigen Schreiben an das zu Beauvais versammelte Konzilium seinem Hirtenamt, weil er dessen unwürdig und unfähig, und nun zu einem stillen Büßerleben vor Gott bereitet sei. Aber seine Bitten wurden nicht angenommen, er musste wieder zur Hirtenlast zurück, und das Volk nahm ihn mit Ehre und Freude wieder auf. Er versuchte jetzt aufs Neue mit heiligem Seeleneifer der einreißenden Ausgelassenheit und den überhandnehmenden Sittenzerfall entgegenzuwirken. Da aber der Erfolg auch nun nicht viel besser wurde, so verkündigte er der Stadt Amiens mit prophetischem Geist die drohende Strafrute Gottes. Und siehe, in der Tat erfüllte sich seine Prophezeiung noch im selben Jahr am heiligen Bartholomäusabend. Eine nachtschwarze Wolke lagerte sich über der Stadt, das Ungewitter brach los, das Feuer schlug allseitig aus und legte die Stadt bis an St. Firminskirche, die bischöfliche Wohnung und wenige Häuser der Armen in Asche. Der heilige Mann half, tröstete, unterstützte, wo er konnte und ermahnte zur Buße und Besserung, mit der Zusicherung: Gott – der da mächtig ist zu nehmen und zu geben – werde sie bald wieder segnen. Aber seine Seele fand keine Ruhe und keinen Trost mehr auf der Erde, sie sehnte sich nach Erlösung aus dem Jammertal, und ihr Seufzen wurde bald erhört. Auf einer unternommenen Reise nach Reims ergriff ihn im Kloster des heiligen Krispin zu Soissons, wo er eingekehrt war, ein heftiges Fieber. Im Gefühl des nahenden Endes empfing er mit großer Andacht die heiligen Sakramente; bat noch, seinen Leichnam ebenda ins Kapitelhaus zu beerdigen, und gab nach wenigen Tagen, die Augen und Hände zum Himmel erhoben, seinen seligen Geist in die Hände seines Schöpfers am 8. November im Jahr 1118, im 11. Jahr seines bischöflichen Amtes.

 

Der eilige wurde dort begraben, und Gott machte die so sehr verkannte Heiligkeit seines Dieners durch viele Wunderzeichen bekannt.

 

Der heilige Willehad, 1. Bischof und Bekenner von Bremen,

+ 8.11.789 – Fest: 8. November

 

Bei der Einführung des Christentums in Sachsen war Karl der Große darauf bedacht, dem immer noch mächtigen Heidentum einen festen Damm entgegenzusetzen in der Errichtung von Bistümern und Schulen unter Leitung würdiger und tüchtiger Männer. So stiftete er das Bistum Osnabrück, dessen erster Bischof Wiho ein Jünger des heiligen Bonifatius war, Paderborn, dem als erster Bischof der Sachse Hathumar vorstand, Münster, dessen Bischofssitz der heilige Ludger zierte, Minden, dessen erster Bischof Hercumbert hieß, Bremen, das Willehad erhielt. Verdens erster Bischof war Patto, Halberstadts erster Bischof Hildegrim. Zum Bistum Hildesheim legte Karl den Grund, aber erst unter seinem Sohn Ludwig dem Frommen wurde es zum bischöflichen Sitz erhoben. Die auserkorene Schar von Bischöfen vereinte sich, um das Christentum in Herz und Geist des Sachsenvolkes einzuführen und die Segnungen der Kirche unter dem trefflich veranlagten Volk auszubreiten.

 

Der unvergleichliche Willehad, ein Schüler Alcuins, kam aus Northumberland nach Friesland und predigte das Evangelium zuerst in der Gegend von Dockum, wo der heilige Bonifatius mit seinen Gefährten die Marterkrone gewonnen hatte. Die Einwohner hatten dem Heiligen ein dankbares Andenken bewahrt, nahmen die christliche Lehre bereitwillig an und eine große Menge Volkes ließ sich taufen.

 

Mit außerordentlichen Kenntnissen und Wissenschaften ausgestattet und von glühendem Eifer beseelt, setzte Willehad seine Missionstätigkeit in weiteren Kreisen fort, unbekümmert um die Gefahren und Schwierigkeiten. Mehrere Heiden beschlossen ihn umzubringen, andere widersprachen ihnen. Sie kamen nun überein, das Los über ihn zu werfen, denn sie meinten, ihre Götter würden so entscheiden, ob man ihn töten solle oder nicht. Gottes heilige Vorsehung ließ nicht zu, dass ihn das Todeslos traf und rettete ihn. In Drenthe gewann er viele Seelen durch seine begeisterten Predigten. Als aber seine Jünger ohne sein Wissen einen Götzentempel zerstören wollten, schwang ein Götzendiener das Schwert, um unserem Heiligen mit einem furchtbaren Streich das Haupt zu spalten, aber eine Halskette, an der ein Kreuz mit Reliquien hing, machte den Hieb unschädlich. Die Götzendiener erkannten voll Staunen, dass er unter einem mächtigen überirdischen Schutz stehe und bezeigten ihm fortan große Verehrung.

 

Mit dem einen großen Ziel im Auge, das Evangelium immer weiter zu verbreiten, ging Willehad über die Weser und drang bis zur Elbe vor. Aber bei dem allgemeinen Aufstand der Sachsen gegen Karl den Großen im Jahr 782 mussten alle Glaubensboten fliehen. Willehad flüchtete sich in das Kloster Echternach unweit von Trier und beschäftigte sich während des Krieges mit Beten und Betrachten, Lesen und Abschreiben der heiligen Schriften. Am Grab des heiligen Willibrord schöpfte er frischen Mut zu seinem apostolischen Beruf. Um diese Zeit unternahm er auch eine Reise nach Rom und erbat sich den Rat und Segen des Papstes Hadrian zu seiner Missionstätigkeit in Deutschland.

 

Nach hergestelltem Frieden kehrte Willehad nach Sachsen zurück, gründete viele christliche Gemeinden und erbaute viele Kirchen. In Anerkennung seiner großen Verdienste wurde er unter dem Einfluss Karls zum Bischof erwählt und er nahm seinen Wohnsitz zu Bremen im Jahr 787. In seiner hohen Stellung blieb Willehad seiner gewohnten Lebensweise treu, genoss nur Wasser und Brot, Gemüse und Baumfrüchte. Niemals aß er Fleisch, nur auf Befehl des Papstes kostete er wegen seiner schwachen Gesundheit etwas von Fischen. Sehr oft fastete er, täglich las er unter Tränen die Heilige Messe und betete den ganzen Psalter. Seine hohen Berufspflichten erfüllte er auf das gewissenhafteste bis in sein hohes Greisenalter. Als er auf dem Sterbebett lag und seine Jünger jammerten, dass seine Schäflein, wenn er sie jetzt verlasse, der Raubgier der Wölfe anheimfallen würden, sprach er: „Seid getrost! Meine Herde empfehle ich demjenigen, der sie mir anvertraut hat. Er wird sie beschützen, denn er ist die lautere Liebe und Erbarmung.“ Dann schloss er selig seine Augen zum letzten Schlummer am 8. November 789. Sein heiliger Leichnam wurde von Plexem nach Bremen überführt und in der von ihm erbauten Kathedrale beigesetzt, wo Gott seinen unermüdlichen Diener durch viele Wunder verherrlichte.

 

Pater Honorat von der heiligen Maria

Gedenktage und Lebensskizzen hervorragender

Mitglieder des Karmelitenordens

 

Am 8. November 1729 ging zu Lille in Nordfrankreich ein Mann zur ewigen Ruhe ein, der der Wissenschaft außerordentliche Dienste leistete, Pater Honorat von der heiligen Maria. Pater Honorat, mit seinem weltlichen Namen Blasius Vauzelle, war am 4. Juli 1651 zu Limoges geboren, trat nach Beendigung seiner Gymnasialstudien in den Karmelitenorden und legte zu Toulouse am 8. März 1671 seine heilige Profess ab. Entflammt von heiligem Eifer für das Heil der Seelen, wünschte er seine Kräfte den Heidenmissionen zur Verfügung zu stellen. Die Oberen glaubten jedoch seine Talente besser ausnützen zu können, wenn sie ihn zum Lehrfach verwendeten. So wurde er nach Beendigung seines Subpriorates zu Malta wieder in seine aquitanische Provinz zurückberufen, um dort viele Jahre lang Philosophie und Theologie vorzutragen. Das Vertrauen seiner Mitbrüder und Oberen übertrug ihm auch die Ämter eines Priors, Definitors, Provinzials und Visitators der drei französischen Provinzen des Ordens, bis der Tod am 8. November 1729 seinem Wirken ein Ziel setzte. Pater Honorat entfaltete eine großartige, schriftstellerische Tätigkeit. Die "Sammlung der Schriftsteller des Ordens der Unbeschuhten Karmeliten" zählt nicht weniger als 19 Druckwerke und 3 ungedruckte Schriften aus der Feder Pater Honorats auf. Darunter befinden sich solche philosophischen Inhalts, in denen er die Systeme Descartes` und Gassendi`s bekämpfte, dogmatische Werke und eine dreibändige Mystik, die ins Italienische und Spanische übersetzt wurde. Sein Hauptwerk bilden indes die "Reflexions sur les règles et sur l`usage de la critique touchant l`histoire d`l`église usw." (Erwägungen über die Regeln und den Gebrauch der Kritik bezüglich der Kirchengeschichte usw.) "Dies ist ein Werk von großer Gelehrsamkeit, in dem der Verfasser, wie er in der Vorrede sagt, sich ein dreifaches Ziel setzte. Er will zuvörderst dartun, dass die Kritik seiner Zeit noch an großen Mängeln leide. Deshalb untersucht er die Werke der berühmtesten Kritiker jener Zeit, die Schriften Tillemonts, Baillets, Ruinarts, R. Simons, Dupins und Natalis Alexanders, und weist nach, dass diese Männer nicht selten in ihren Forschungen, und zwar in wichtigen Fragen, Fehlgriffe tun und in ihren Grundsätzen schwankend sind. Dann sucht er die Ursachen dieser Mängel aufzudecken und gibt schließlich die Mittel an, die dazu dienen können, der Kritik eine größere Sicherheit und Vollkommenheit zu geben. Seinem Werk lag die Überzeugung zugrunde, dass jene Gelehrten in der Kritik mehrfach das richtige Maß überschritten hatten und in ihren Urteilen zu vorschnell waren. Diesen Nachweis hat der Verfasser auch geliefert. Seine Polemik ist bescheiden und klar in den Erörterungen und bei der Aufstellung seiner Regeln der Kritik. Das Werk wurde ins Lateinische, Italienische und Spanische übersetzt und ist jetzt noch von bleibendem Wert." In einer ohne seinen Namen gedruckten Schrift deckte er die Irrtümer auf, die Claudius Fleury in seiner Kirchengeschichte über die römische Kirche, über die Würde des römischen Papstes, die Appellationen an die römischen Päpste, über den den römischen Canones schuldigen Gehorsam, über die Wunder, die Reliquien und die Gewalt der Bischöfe usw. einschleichen ließ. Dies wenige dürfte genügen, um zu beweisen, dass Pater Honorat mit Recht den Ruf eines ebenso gelehrten wie frommen Ordensmannes mit ins Grab nahm.

 

Gebet am 8. November

 

Bring, o Mittlerin Maria, vor den Thron der allerheiligsten Dreifaltigkeit, die Bedrängnis meiner Seele und erbitte mir durch deine viel vermögende Fürbitte eine Milderung dieser Not. Öffne das Herz deiner Barmherzigkeit und gieße einige Gnadengaben auf deinen Diener herab, der dringend dich bittet. Verabscheue meine Armseligkeit nicht, und schaudere vor meinen Sünden nicht zurück. Erzeige dich vielmehr in allen Stücken mild und gütig zu mir. Dann will ich immer dich loben und preisen als meine Mutter, meine Mittlerin und Gnadenspenderin. Amen. 

 

Zu Gott

 

Wir bitten Dich, allmächtiger Gott, gib, dass wir die Fürbitte der heiligen Märtyrer erbitten, deren Standhaftigkeit im Bekenntnis Deines Namens wir verehren, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Gottfried

 

Wir bitten Dich, o Gott, verleihe uns auf die Fürbitte des heiligen Gottfried die Gnade, zu erkennen, dass uns nichts Äußeres, sondern nur ein reines und liebevolles Herz Deinen Augen wohlgefällig mache, und lass uns aus allen Kräften danach streben, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Am heutigen Tag im Jahr 1620 erhielt das Kriegsheer des Kaisers Ferdinand III. durch den Schutz der seligsten Jungfrau, deren Bildnis vor dem Lager der Katholiken stand, und die sie vor der Schlacht unter Singen der Antiphon "Salve Regina" anriefen, bei Prag auf dem weißen Berg gegen den von den Protestanten zum König von Böhmen gekrönten Friedrich, Churfürsten von der Pfalz, einen vollkommenen Sieg. Es war der Sonntag, an dem die Kirche im Evangelium singt: "Gebt dem Kaiser, was des Kaisers ist, und Gott, was Gottes ist."

 

Andacht am 8. November:

 

Das Thema im November:

Liebe

"Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." (Matthäus 22,37-39)

 

"Die Liebe Gottes ist der Baum des Lebens, der mitten im Paradies steht. Gleich allen übrigen Bäumen hat er sechs verschiedene Teile, nämlich: Wurzeln, einen Stamm, Äste, Blätter, Blüten und Früchte. Erhalten wir diesen Baum in unserem Herzen wohl geschmückt in allen seinen Teilen." (Die heilige Theresia von Avila)

Die eben genannte Heilige schilderte diesen geistigen Baum auf eine so angenehme als lehrreiche Weise. Die Wurzeln, spricht sie, sind die Tugenden, kraft derer die Liebe erlangt wird. Ihrer aber sind besonders neun, nämlich:

1. Die wahre Buße und der oftmalige Zutritt zu den heiligen Sakramenten.

2. Die Haltung der Gebote und der Regeln.

3. Die Furcht Gottes.

4. Die Abtötung seiner Leidenschaften und Begierden.

5. Die Furcht und Entfernung der Gelegenheiten.

6. Die Erforschung des Gewissens.

7. Der Gehorsam.

8. Die Demut.

9. Die Barmherzigkeit gegenüber den Nächsten

Der Stamm des Baumes ist die Gleichförmigkeit unseres Willens mit dem Willen Gottes.

Die verschiedenen Äste sind:

1. Ein lebendiger Glaube, kraft dessen wir die Sonne der Gerechtigkeit in der Nähe sehen, ohne von ihr geblendet zu werden. 

2. Ein großes Vertrauen auf den Schutz Gottes, das uns abhält, mitten unter Schwierigkeiten kleinmütig zu werden.

3. Ein eifriges Verlangen, feste Vorsätze und andere innerliche Akte, aus denen der Weg besteht, auf dem man zur wahren Liebe gelangt. 

4. Die Standhaftigkeit, durch die man unter diesem Baum ruht.

Die Blätter sind die Gnaden, die besonders für das Heil anderer verliehen werden, die innerlichen Tröstungen, Erleuchtungen und Entzückungen. Diese Gnaden erhalten den Namen Blätter, weil sie zur Zierde des Baumes dienen und die Früchte zu ihrer Zeit bedecken. Im Winter der Trockenheiten und Trübsale fallen diese Blätter ab; nicht empfunden werden dann diese geistigen Freuden; aber fest bleibt die Liebe Gottes im Herzen gepflanzt.

Die Blüten sind die Werke und heldenmütigen Tugenden, die die von der Liebe entzündete Seele hervorbringt.

Die Früchte sind die Leiden, die Trübsale, die Verfolgungen, die die Seele mit Geduld erträgt, wenn Gott will, dass sie davon bedrängt werde, oder die sie zuweilen selbst auf sich nimmt, Gott umso besser zu dienen und nach dem Beispiel Jesu Christi zu leiden. Dies ist der Baum, den die heilige Theresia uns rät, in unser Herz zu pflanzen.

Eine heilige Klosterjungfrau betrachtete die Liebe Gottes als eine sehr schöne Pflanze, die in einem guten Erdreich wurzelt und sehr fruchtbar an Blüten und guten Werken ist. Eine ihrer vorzüglichsten Früchte, sprach sie, ist die Liebe des Nächsten.

 

Lass, o Herr, Deine göttliche Liebe tiefe Wurzeln in meinem Herzen fassen! Gib, dass diese Liebe nicht unfruchtbar sei, sondern zu jeder Zeit Früchte des ewigen Lebens hervorbringe! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 8. November

 

"Das Herz, das den Geiz überwindet,

entfernt von ihm jeden Gegenstand unmäßiger Sorge.

Das Herz aber, das sich von demselben unterjochen lässt,

kann nie ein reines Gebet verrichten."

 

hl. Ludwig von Granada OP

1504 bis 31.12.1588

 

Betrachtung am 8. November - Dass wir nicht unser eigen sind

 

Bin, Gott, ich dein schon durch das Schöpfungsrecht,

Da du mir Sein und Atem hast gegeben,

So bin ich zweifach dein als ew`ger Knecht,

Da mich dein Sohn erkaufte durch sein Leben.

So nimm denn, Herr, mein ganzes Wesen hin.

Dir diene alles, was ich durch dich bin.

 

1. "Wisst ihr nicht," spricht der Apostel, "dass ihr nicht euer seid? Denn ihr seid um großen Preis erkauft." Wahrlich um großen Preis, um den unendlichen Preis seines Blutes erkaufte uns der Sohn Gottes selbst von der Knechtschaft des ewigen Todes los, zu dem die göttliche Gerechtigkeit uns verurteilt hatte. Du also betrachte dich als ein wahres Eigentum deines Herrn, wie du es denn auch in Wahrheit bist. Denn nicht dein sind diese Augen, nicht dein diese Ohren, nicht dein diese Zunge, nicht dein diese Glieder, sondern sie gehören dem, der sie erkauft hat, und darum dürfen sie auch nur zu seinem Dienst gebraucht werden.

 

2. Mehr jedoch als selbst dies unendliche Lösegeld verpflichtet dich seine unendliche Liebe, sein eigen zu sein. Denn bedurfte er etwa deiner, dass er umso teuren Preis dich erkaufte? Wäre er ohne dich weniger selig, weniger glorreich gewesen? Um deiner selbst willen erkaufte er dich, von ewiger Pein dich zu erlösen. Welchen Nutzen auch hättest du ihm je gewähren können? Ja er fragte dich auch nicht, ob du ihm dienen würdest, wenn er dich erlöst, sondern zuerst erlöste er dich, und erst nachdem er die Freiheit durch sein Blut dir erworben, bittet er dich und spricht durch den Propheten Jeremia: "Kehre zurück zu mir, dieweil ich dich erlöst habe." Wer vermag es noch, einer so großmütigen Liebe zu widerstehen?

 

3. Mehr denn alle Furcht vor der Hölle sollte diese unendliche Liebe dich aneifern, deine Seele rein zu bewahren, und wachsam zu sein, dass du dieses Kleinod nicht verlierst, damit du es ihm als sein Eigentum getreu übergeben kannst. Ja, wenn eine mühsame Arbeit für seine Ehre zu tun, oder irgend ein Leiden um seinetwillen zu dulden ist, so ermahne deine unwilligen oder ermüdeten Glieder, zu bedenken, wem sie gehören. Ebenso sprich auch zu deinen Augen und Ohren und zu deiner Zunge, wenn sie murren, unter der Zucht zu stehen, und nicht zu sehen, zu hören, noch zu sprechen, was sich nicht geziemt, 1. Korinther 6,19-20: "Oder wisst ihr nicht, dass euer Leib ein Tempel des Heiligen Geistes ist, der in euch wohnt und den ihr von Gott habt? Ihr gehört nicht euch selbst; denn um einen teuren Preis seid ihr erkauft worden. Verherrlicht also Gott in eurem Leib!"

 

9. November

 

Der heilige Theodor, Soldat und Martyrer zu Amasea im Pontus,

+ 9.11.306 - Fest: 9. November

 

Theodor war ein Bauernjunge in Kleinasien. Weil es damals auf dem Land noch keine Schulen gab, lernte er weder lesen noch schreiben. Seine Schule war der Hof seiner Eltern. Es war aber eine gute Schule, denn wer auf einem Hof die Augen aufmacht und sich bewegt, wird von selbst ein lebenstüchtiger Mensch, ohne dass er es eigentlich merkt.

 

Bald kannte Theodor alle Kühe im Stall mit Namen und Stammbaum. Er lernte füttern und melken und wusste genau, wie viel Mehl jeweils den Schweinen zur Mast in den Trog geschüttet werden durfte. Als Zwölfjähriger schor er die Schafe. Am liebsten aber ritt er die Pferde zur Tränke. Vierzehnjährig konnte Theodor ein Feld schnurgerade pflügen, konnte eggen und säen, und die Sense gebrauchte er so, dass es schön war, ihm bei der Arbeit zuzuschauen. Hunger hatte er stets für drei, aber auch rote Backen, die von guter Gesundheit zeugten. Und er hatte straffe Muskeln, denen man ansah, dass sie ohne weiteres zwei Zentner spielend heben konnten. So löste in harter gesunder Bauernarbeit ein Tag den anderen in Theodors Leben ab. Langsam aber kam der Junge ins wehrfähige Alter.

 

Eines Tages erhielt Theodor den Einberufungsbefehl. Er musste zu den Soldaten. Als Bauernsohn kam er natürlich zur Reiterei. Dieser Umstand machte ihm den Abschied von den Eltern und dem Hof um vieles leichter, denn solange ein Bauernjunge noch ein Pferd zum umsorgen hat, geht es ihm auch gut.

 

Amasea hieß die Garnison, wo Theodor einrücken musste. Die Stadt lag am Schwarzen Meer. Man schrieb das Jahr 306 nach Christi Geburt, und gerade damals hatte die letzte und grausamste römische Christenverfolgung den Höhepunkt erreicht, so dass auch die Rekruten bei der Vereidigung verpflichtet waren, den heidnischen Göttern Weihrauch zu streuen. Als die Verfügung vor versammelter Mannschaft von einem Offizier verlesen wurde, trauten sich die meisten der christlichen Rekruten nicht zu protestieren. Theodor aber war anders. Er zog vorerst nur die Stirn zusammen, und wenn ein rechter Bauer die Stirn zusammenzieht, dann kann man sich auf etwas gefasst machen. So war es auch bei Theodor. Als nämlich die Reihe an ihn kam, nahm er zwar Weihrauch, warf ihn aber nicht ins Feuer, sondern verstreute ihn auf den Boden und sagte ungeschminkt:

 

„Quatsch mit euren Göttern, ich bin ein Christ, ich opfere nicht!“ Bei diesen Worten horchten alle auf, und alle Hälse reckten sich. Der Offizier brüllte den jungen Mann an und nannte ihn Zementschädel und tobte und wetterte und schimpfte, so wie es bei den Soldaten üblich ist. Schließlich gab der Offizier dem Widerspenstigen drei Tage Bedenkzeit, dann müsse er entweder opfern oder sterben.

 

Theodor trat in die Reihe der anderen zurück. Einige nickten ihm heimlich anerkennend zu, manche schämten sich, weil sie selbst nicht den Mut dazu hatten. Bei Theodor aber war von der langen Rede des Hauptmanns nur der „Zementschädel“ in Erinnerung geblieben, und er beschloss im Stillen, dem Mann einmal klarzumachen, was denn eigentlich ein Zementschädel ist.

 

In der folgenden Nacht ertönte in Amasea laut und schrill die Feuersirene. Als die erschreckten Bürger aus den Betten sprangen, sahen sie, dass der Haupttempel der Stadt in hellen Flammen stand. Bald erwiesen sich alle Löschversuche als vergebens, das herrliche Gebäude brannte bis auf den Grund nieder. Offensichtlich lag Brandstiftung vor, und der Brandstifter war niemand anders als der Zementschädel.

 

Was Theodor getan hat, war sicherlich nicht richtig. Selbst ein heiliger Zorn berechtigt nicht zu einer Brandstiftung. Bald darauf lag der christliche Rekrut auch in Ketten. Als er vor Gericht gefragt wurde, warum er den Brand verursacht habe, gab er die bauernkluge Antwort, er habe die Götter prüfen wollen, aber sie hätten die Feuerprobe schlecht bestanden. Und als man den Zementschädel schließlich zum letzten Mal aufforderte, den christlichen Glauben abzulegen, entgegnete Theodor, strahlend wie ein Held nach gewonnenem Kampf:

 

„Ich war Christ, ich bin Christ, und ich werde immer Christ sein.“

 

Mit diesen Worten sprach Theodor sich selbst das Todesurteil. Neben den qualmenden Überresten des Göttertempels wurde er verbrannt, um im Andenken der Menschen für immer der glorreiche Sieger über den Unglauben und über sich selbst zu bleiben, dessen prachtvolle, mutige Worte heute mehr denn je zu beherzigen sind:

 

„Ich war Christ, ich bin Christ, und ich werde immer Christ sein.“

 

Der heilige Erpho, Bischof von Münster, Westfalen,

+ 9.11.1097 – Fest: 9. November

 

Außerhalb der alten Ringmauern von Münster in Westfalen breitet sich die Vorstadt St. Mauritz aus, deren Mittelpunkt die altehrwürdige Pfarrkirche gleichen Namens bildet. In dieser Kirche erhebt sich ein altersgraues Grabdenkmal, das die Gebeine des zweiten Gründers dieses Gotteshauses und des siebzehnten Bischofs von Münster, des heiligen Erpho, einschließt.

 

Erpho war in Thüringen oder Ostfalen von vornehmen Eltern geboren und ein naher Verwandter des Bischofs Friedrich von Münster. Seine Jugendbildung erhielt er in der berühmten Schule zu Goslar. Nach Vollendung seiner theologischen Studien wurde er nach Reims in Frankreich berufen, wo ihm ein Kanonikat und die Oberleitung der Domschulen übertragen wurde. Als er einige Jahre dieses Amt mit Eifer und Klugheit verwaltet hatte, berief ihn sein Verwandter, der Bischof Friedrich, nach Münster, um in seinem hohen Greisenalter sich der Unterstützung des gelehrten und gewandten Kanonikus zu bedienen.

 

Nach dem Tod des Bischofs Friedrich wählte man zu seinem Nachfolger den verdienstvollen, reich begabten und liebenswürdigen Erpho im Jahr 1085. Gleich beim Antritt seines Oberhirtenamtes machte er es sich zum Gesetz, gegenüber allen Gütig und freigebig zu sein und drückte diese seine Gesinnung in einem Hirtenschreiben mit den Worten aus: „Ich wünsche, es möge zur Kenntnis aller Gläubigen gelangen, dass ich Erpho, durch Gottes Barmherzigkeit der siebzehnte Bischof von Münster, vorhabe, so viel in meinen Kräften steht, die Bitten der Gläubigen zu gewähren, den Unterdrückten zu helfen, die Betrübten zu trösten, die Niedergebeugten aufzurichten, denn dem Allmächtigen gefallen nur die, die Barmherzigkeit üben und anderer Glück nicht beneiden.“

 

Eine außerordentliche Freigebigkeit zeigte Erpho gegenüber Kirchen und Heiligtümern, so dass er von sich mit dem Propheten David sprechen konnte: „Herr, ich habe geliebt die Zierde deines Hauses und den Ort, wo deine Herrlichkeit wohnt.“ Die Marienkirche in Überwasser nebst Kloster, die 14 Jahre vorher bei einem Brand sehr gelitten hatte, stellte er mit neuem Glanz wieder her. Den bei der verheerenden Feuersbrunst im Jahr 1071 sehr beschädigten Dom baute er wieder auf und schenkte ihm zur Vermehrung der Einkünfte zwölf bedeutende Landgüter mit zwei Lehen, die Rimoldinghof genannt werden. Mit großer Feierlichkeit wurde die prachtvolle Kathedrale unter Assistenz des Erzbischofs Hermann von Köln und des Bischofs Heinrich von Lüttich am 2. November 1090 von Erpho eingeweiht.

 

Dem Nonnenkloster auf St. Mauritz, das sein Vorgänger Friedrich um 1070 gegründet hatte, zeigte er sich so freigebig, dass man ihn den zweiten Stifter dieser Kirche nannte. Aber seine außerordentliche Freigebigkeit beschränkte sich nicht auf die Stadt Münster und ihr Weichbild, sondern ergoss sich auch über andere Kirchen, besonders über das Frauenkloster Freckenhorst bei Warendorf. Zu jener Zeit litten die Nonnen große Not, wie er selbst schreibt: „Die Brote, die gegeben wurden, waren klein und schlecht, das Fleisch mager und kaum einen Finger lang. Fische wurden in der Fasten nicht gegeben, außer einem Salm am Gründonnerstag, und sie wussten nicht, wovon sie leben sollten, da sie doch dem Herrn dienten. Wein wurde ihnen gegeben, aber geringer und weniger als sie bedurften. Das Bier war sehr schlecht und kaum genießbar. Das Geld zur Bekleidung reichte kaum zur Hälfte hin.“ Um dieser Armut und Bedrängnis abzuhelfen, überwies der gütige Vater dem Stift reiche Zehnten und einige Landgüter und sorgte dafür, dass die Dienerinnen Gottes in der Folge ihr gutes Auskommen hatten.

 

Wie selbst die Sonne ihre Flecken hat, so blieb auch dieses Gestirn Westfalens nicht völlig fleckenrein, denn im Anfang seiner Herrschaft stand er einige Zeit auf Seite des gebannten Kaisers Heinrich IV. gegen Papst Gregor VII. Als er aber die falschen Beschuldigungen der Parteigänger des Kaisers durchschaut und die Unschuld des großen Gregor erkannt hatte, beweinte er mit bitteren Tränen und aufrichtiger Buße seine Verirrungen und unternahm zur Sühne seiner Schuld zugleich mit dem Grafen Bodo und Ludolph, Propst an St. Mauritz, am 12. Februar 1091 eine Wallfahrt zum Heiligen Land. Um von Gott eine glückliche Fahrt zu erflehen, versammelte er am Tag vor seiner Abreise das gläubige Volk im Dom, schwur öffentlich der Verbindung mit dem Schisma ab und verband sich und die Seinigen von neuem mit der wahren Kirche. Nach vielen Gefahren kamen die drei Gefährten zum Heiligen Land. Ludolph wurde dort am 8. November ermordet. Erpho kehrte glücklich im folgenden Jahr (1092) zu seiner Herde zurück. Von da an fuhr er fort, die ihm anvertrauten Schäflein gut zu weiden, bis er am 9. November 1097 sein tugendreiches Leben schloss. Sein Leichnam wurde in einer Kapelle der Mauritzkirche begraben. Die fanatischen Wiedertäufer des 16. Jahrhunderts zerstörten das Grabdenkmal, aber Jodocus von Werne, Scholaster an jener Kirche, ließ es im Jahr 1620 schöner wiederherstellen.

 

Als das Grab im Jahr 1620 geöffnet wurde, ereignete sich auf die Fürbitte des heiligen Erpho ein augenfälliges Wunder. Egbert von Clevorn zu Darvelt war schon lange Zeit an beiden Füßen gelähmt, so dass er nur mit zwei Krücken sich fortbewegen konnte. Bald darauf musste er sogar auf Händen und Füßen kriechen. Alle ärztliche Hilfe erwies sich als fruchtlos. Seine Gemahlin Elisabeth von Travelmann mahnte ihn wieder und wieder, seine Zuflucht zum heiligen Erpho zu nehmen, denn sie habe aus dem Mund des hochwürdigen Heinrich von Galen, der früher Propst in St. Mauritz war, öfters vernommen, dass an dem Grab des Heiligen schon von alters her viele Gebetserhörungen vorgekommen seien. Vielleicht würde auch ihm die Anrufung des Heiligen helfen. Der Kranke folgte dem Wink und wandte sich im inbrünstigen Gebet zum heiligen Erpho, während seine Gemahlin die Kirche besuchte, denn es war gerade Pfingsten. Kaum hatte seine Gemahlin eine pfündige Kerze geopfert und die Heilige Messe gehört, so verließ der Schmerz das linke Bein, dann das rechte und wich völlig aus allen Gliedern. Dankerfüllt kniete der plötzlich Geheilte nieder vor dem Bild des heiligen Erpho, dessen Überschrift lautet:

 

Pastor bonus et miles Christi,

Ein guter Hirt und Streiter Christi.

 

Der heilige Maturin, Bekenner von Larchant, Frankreich,

+ 1.11.388? – Fest: 9. November

 

Der heilige Maturin, geboren im Bistum Sens, erkannte schon in früher Jugend die Nichtigkeit der Götzen, und nahm das Christentum an. Kaum hatte er die Augen dem Licht des Evangeliums geöffnet, als er alles verließ, was er in der Welt besaß, um sich einzig dem Dienst des Herrn zu widmen. Zum Priester geweiht, bekehrte er viele, die Abgötterei betrieben, unter denen auch sein Vater und seine Mutter gezählt werden. Er starb voll der Verdienste nicht lange vor dem Jahr 388. Sein Leib wurde nach Sens gebracht, und von da in das Dorf Larchent bei Nemours, in der Landschaft Gatinois, versetzt. An diesem dem Kapitel der Pariser Kathedralkirche zugehörigen Orte erbaute man eine Kirche, worin der von den Hugenotten 1568 nicht verbrannte Teil seiner Reliquien noch aufbewahrt wird. Da versammeln sich oft viele andächtige Waller, und der Sarg des Heiligen wird am Fest der Himmelfahrt Christi, und am Dienstag nach dem 11. Juni im feierlichen Bittgang nachgetragen.

 

Auch zu Paris stand eine alte Kirche, die den Namen des heiligen Maturin trug. Das Kapitel von Paris trat sie 1228 den Ordensmännern der allerheiligsten Dreieinigkeit zur Erlösung der Gefangenen ab, und daher erhielten sie, besonders in Frankreich, den Namen Maturiner.

 

Die Einwohner der Landschaft Gatinois verehren den heiligen Maturin als ihren ersten Apostel und Patron. Sein Fest ist vom 1. Auf den 9. November verlegt worden, seit am 1. November das Fest Allerheiligen begangen wird.

 

Der heilige Benen oder Benignus, Erzbischof von Armagh, Irland,

+ 5. Jahrhundert – Fest: 9. November

 

Der heilige Benen stammte aus einer angesehenen Familie in Irland. Sein Vater nahm den heiligen Patricius in sein Haus auf, und da war es auch, wo in der Nähe von Taragh oder Themoria, dem Hauptaufenthaltsort der irländischen Könige, dieser Apostel seine ersten Ostern feierte. Gott belohnte Benens Vater für seine Gastfreundlichkeit, indem er ihn und seine ganze Familie zur Erkenntnis des Christentums berief. Benen, obgleich damals noch sehr jung, gewann seinen Retter aus den Finsternissen des Heidentums so lieb, dass er innig bat, ihm folgen zu dürfen. Patricius nahm ihn mit Zustimmung der Eltern mit sich, und machte ihn zum unzertrennlichen Gefährten seiner apostolischen Arbeiten. Er sagte sogar vorher, dass er einstens sein Nachfolger sein werde. In allen Akten des heiligen Patricius wird auch vom heiligen Benen gesprochen, als von einem durch seine Heiligkeit und Wundergabe ausgezeichneten Mann. Nach dem Tod des heiligen Patricius wurde er auf den bischöflichen Stuhl von Armagh erhoben, auf dem er zehn Jahre mit apostolischem Eifer seine Kirche leitete. Er starb im 5. Jahrhundert.

 

Man liest bei Wilhelm von Malmesbury, der heilige Benen, Schüler des heiligen Patriz, habe Irland verlassen, dann mehrere Jahre lang als Einsiedler auf der Insel Feringmern oder Ferremer, bei Glastenbury, gelebt, und habe da sein Leben beschlossen, seine Reliquien seien unter der Regierung Wilhelms des Roten in die Abtei von Glastenbury versetzt worden. Man nimmt an, dass sich der Schriftsteller geirrt hat, indem er den Heiligen, von dem er spricht, mit dem Erzbischof von Armagh, und den heiligen Patriz von Glastenbury mit dem Apostel Irlands verwechselte.

 

Pater Dominikus von Jesus Maria

Gedenktage und Lebensskizzen hervorragender

Mitglieder des Karmelitenordens

 

Gedächtnis der Auffindung des Bildes Mariä mit dem geneigten Haupt. Der ehrwürdige Pater Dominikus von Jesus Maria entdeckte zu Rom in einem Schutthaufen ein Bild der lieben Mutter Gottes. Weil es voll Staub und Schmutz war, nahm er es mit in seine Zelle, reinigte es, und da er sich auf die Malerei wohl verstand, besserte er es aus. "Während er es voll Andacht und mit größter Ehrerbietung abwischte, fing das Gesicht der heiligsten Gottesmutter an, sich zu bewegen, Dominikus voll Güte anzulächeln und das Haupt neigend Dank zu sagen. Voll heiligen Schreckens und voll Ehrfurcht fiel der Diener Gottes auf seine Knie, ergoss sich in innigsten Danksagungen und Lobpreisungen, und weil er es aus einer Offenbarung wusste, dass die Seele eines vornehmen Wohltäters noch im Fegfeuer leide, bat er um die Erlösung dieser Seele aus dem Reinigungsort." Die allerseligste Jungfrau versprach es, jedoch sollte er noch einige heilige Messen und gute Werke für sie aufopfern. So endete die Erscheinung. Das Haupt der lieben Gottesmutter blieb geneigt, wie es heute noch zu sehen ist. Weil die Himmelskönigin Dominikus die Erlaubnis gab, einige Gnaden zu begehren, bat er, sie möge diejenigen, die sie in diesem Bild andächtig verehren und um Gnaden bitten, barmherzig erhören. Maria antwortete: "Allen denen, die mich in diesem Bild andächtig verehren und ihre Zuflucht zu mir nehmen, will ich ihre Bitten gewähren und ihnen viele Gnaden erflehen. Besonders werde ich die Gebete um Erquickung und Erlösung der Seelen des Fegfeuers gütig aufnehmen und meinem göttlichen Sohn darbringen." Als eine hochgestellte Person - man glaubt, Kaiser Ferdinand II. selbst sei es gewesen - eifrig vor dem Bild betete und das Reich und die katholische Sache der Mutter Gottes mit Inbrunst empfehlend um Hilfe gegen den Schwedenkönig Gustav Adolf bat, sprach Maria durch das Bild: "Ich werde das Haus Österreich allzeit mit meiner Fürbitte beschützen und seine Macht und Majestät erhalten, solange es in Gottseligkeit und Andacht verharren wird." Die Glaubwürdigkeit dieser Versicherung scheint verbürgt durch die andere Erklärung: "Siehe! Der Schwedenkönig, der ärgste Feind der Katholiken, wird von den kaiserlichen Truppen getötet," was auch bald darauf eintrat. Dominikus schenkte das Bild dem Kaiser, der es hoch verehrte. Nach dessen Tod und dem Ableben seiner Gemahlin Eleonora erbten es die Karmeliten zu Wien, in deren Kirche es noch zur Verehrung aufgestellt ist.

 

Schwester Elisabeth von der heiligsten Dreifaltigkeit

Gedenktage und Lebensskizzen hervorragender

Mitglieder des Karmelitenordens

 

Am 9. November 1906 wurde die lobwürdige Schwester Elisabeth von der heiligsten Dreifaltigkeit zu Dijon in Frankreich ins Jenseits abberufen. Schwester Elisabeth hatte Fr. Joseph Catez zum Vater und Marie, geb. Rolland, zur Mutter. Von dieser erbte Schwester Elisabeth ihre innige Liebe zur heiligen Theresia. Früh wurde sie auf ihren Beruf aufmerksam und erklärte dem Herrn Kanonikus von Carcassonne bereits im Alter von sieben Jahren: "Ich will, ich muss Klosterfrau werden." Im Alter von 14 Jahren war sie schon fest entschlossen, in den Karmelitenorden zu treten. Von dieser Zeit an bereitete sie sich auch auf ihren künftigen Beruf vor, besonders durch Selbstverleugnung, worin sie es zur Meisterschaft brachte. Am 2. August 1901 durfte sie zu ihrer Freude die Klausurpforte des Karmel überschreiten. Bald begann für sie eine Zeit harten Kampfes. Doch erlag Schwester Elisabeth auch auf dem Weg der schrecklichsten inneren Bitterkeit nicht, weil sie nicht abließ, sich immer wieder an den heiligen Glauben anzuklammern, den Gehorsam blind zu leisten und der Mutter Priorin gegenüber sich kindlich offen auszusprechen. Dies gab ihr immer wieder Kraft und Frieden, dergestalt, dass man, wie eine Freundin berichtet, ihr nicht nahen konnte, ohne von der Gegenwart Gottes erfüllt zu werden. Sie hatte eine Art, von den erhabensten Dingen zu reden, dass man nicht müde wurde, ihr zuzuhören. Schwester Elisabeth war kein langes Leben beschieden. Sie scheint ihr nahes Ende geahnt zu haben, denn ihre Gehilfin beim Zurechtrichten der Weihnachtskrippe (1905) hörte sie zum Jesuskindlein sagen: "Eia, mein kleiner Liebeskönig, über ein Jahr sehen wir uns mehr in der Nähe." "Wie können Sie das wissen?" forschte die Schwester. Elisabeth blickte die Fragestellerin an und lächelte - sprach aber weiter nicht mehr davon. Von Ende März 1906 ab wurde sie ans Krankenzimmer gefesselt. Die Priorin drängte Schwester Elisabeth, um Genesung zu beten. Gehorsam tat sie es, glaubte jedoch in ihrem Innern die Worte zu vernehmen: "Die Ämter dieser Welt sind nicht mehr für dich." Sie litt überaus und erbaute alle durch ihre Ergebenheit. In der Nacht vom 8. auf den 9. November erreichten ihre Schmerzen den Höhepunkt. In dieser Nacht rief sie der Herr zur Vergeltung. Ihre letzten Worte waren: "Ich gehe zum Licht, zur Liebe, zum Leben." Nun kann sie ihre Mission antreten, die nach ihrer Anschauung darin besteht, "die Seelen zur inneren Sammlung zu ziehen, ihnen zu helfen, aus sich herauszutreten und mittels einer einfachen liebevollen Bewegung Gott anzuhangen."

 

Fest des seligen Ludwig Morbioli

Gedenktage und Lebensskizzen hervorragender

Mitglieder des Karmelitenordens

 

Ludwig Morbioli, dessen Fest heute gefeiert wird (auch am 16. November), der um das Jahr 1450 zu Bologna geboren wurde, hatte von seinen Eltern eine sorgfältige Erziehung erhalten, wich jedoch bald vom rechten Weg ab und führte, durch lockere Kameraden verleitet, ein zügelloses Leben. Indes der Herr wachte über ihn und führte ihn von der breiten Straße des Verderbens auf den beschwerlichen Weg der Buße. Von allen Mitteln entblößt, bat Ludwig in seiner Not zu Venedig um Unterkunft im St. Salvatorkloster regulierter Kanoniker. Der Aufenthalt daselbst und die liebevolle Behandlung machten einen guten Eindruck auf sein Gemüt. Dazu kam ein heftiges Fieber, das ihn an den Rand des Grabes brachte. Beim Gedanken an das strenge Gericht Gottes, das er vielleicht bald zu bestehen habe, wurde er mächtig erschüttert. Damit war die Voraussetzung geschaffen, deren die Gnade bedurfte, um fruchtbar zu werden. Ludwig konnte ihrer Wirkung nicht widerstehen und war nach seiner Genesung ein anderer Mensch. Sofort sagte er den Freuden der Welt Lebewohl und überließ alles, worauf er noch Anspruch hatte, seinem Bruder, damit der seine Schulden bezahle, und erbat sich die Aufnahme in den Dritten Orden Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel. Als Mitglied des Dritten Ordens trug Ludwig nur mehr ganz geringe Kleider, umgürtete sich mit einem groben Strick, den er zufällig auf der Straße fand, ging selbst im Winter barfuß und bat seine Mitbürger um Verzeihung wegen des Ärgernisses, das er bisher gegeben hatte. Auf seinem Stab befestigte er ein Bild des Heilandes und zog mit ihm wie mit einem Banner durch Städte und Dörfer, wo er alle, die ihm begegneten, zu einem Leben der Buße aufforderte. Ludwig ging selbst mit dem schönsten Beispiel voran, begnügte sich mit trockenem Brot und etwas Pflanzenkost, die oft nicht einmal gekocht war, und schlief auf bloßer Erde, wobei ihm ein Stein oder Baumstamm als Kopfkissen diente. Durch dieses sein Beispiel und die Kraft seiner Worte machte er so großen Eindruck, dass die Zuhörer ihn für einen von Gott gesandten Herold hielten und nicht zögerten, seiner Aufforderung Folge zu leisten und ihre Sitten zu bessern. Gegen Ende seines Lebens zog er sich in eine dunkle, enge Kammer unter der Stiege in das Haus des Paul Lipari zurück und starb daselbst auf dem Boden liegend an dem Tag, den er vorausgesagt hatte, am 9. November 1495. Alsbald pilgerten zahlreiche Gläubige, die durch seine Worte gerührt worden waren, zu seinem Grab, um sich seiner Fürbitte beim lieben Gott zu empfehlen. Der Raum unter der Stiege, in dem er gestorben war, wurde in eine Kapelle umgestaltet und von Bedrängten häufig besucht. 

 

Gebet am 9. November

 

Allerseligste Jungfrau und Mutter meines Herrn Jesus Christus! Gewähre mir durch deine Fürbitte, die Gnade von Gott zu erlangen, dass ich wie du in deinem irdischen Leben, Arbeit und Einsamkeit liebe. Du vermagst es durch deine mächtige Fürsprache, mich zur Erreichung dieser Tugenden zu bringen, durch die sich meine Liebe zu Jesus erhöhen wird, und durch die ich Seele und Körper in Unschuld bewahren werde. Amen.

 

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Theodor

 

O Gott, verleihe uns auf die Fürbitte des heiligen Theodor die Gnade, dass wir allzeit standhaft im Glauben und unermüdlich im Guten befunden werden, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Im Jahr 1503 haben am heutigen Tag die geistlichen Jungfrauen, Annonciaden genannt, zum ersten Mal ihre Prozession oder Gelübde mit folgenden Worten abgelegt: "Ich verspreche und gelobe Gott dem Allmächtigen, der glorwürdigen Jungfrau Maria und dem ganzen himmlischen Hof, mein ganzes Leben lang die drei feierlichen Gelübde, nämlich der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams zu halten; ferner die Ordensregel der seligsten Jungfrau und Mutter Gottes Maria, wie auch die ewige Klausur zu beobachten. Im Namen des Vaters, und des Sohnes, und des heiligen Geistes. Amen."

 

Andacht am 9. November:

 

Das Thema im November:

Liebe

"Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." (Matthäus 22,37-39)

 

"Es gibt einige, die sich zermartern, die Kunst zu lernen, wie man Gott liebt, und sie bedenken nicht, dass es keine Kunst noch irgendwelche andere Mittel gibt, als Ihn zu lieben, nämlich zu tun, was Ihm wohlgefällig ist." (Der heilige Franz von Sales)

Durch wundersame Pünktlichkeit, in der Erfüllung des göttlichen Gesetzes, gelangte der heilige Vinzenz von Paul zu einer so großen Liebe. Unablässig wachte er über sich selbst. Abgetötet war er in seinen Leidenschaften, gerade in seinen Urteilen, vorsichtig in seinen Worten, klug in seinem Betragen, pünktlich in seinen Andachtsübungen und vollkommen mit Gott vereint. Die Liebe, die sein ganzes Herz erfüllte, regierte alle Kräfte seiner Seele, und ordnete alle seine Regungen und Werke. Sagen kann man mit Fug und Recht, dass sein ganzes Leben ein fortwährendes Opfer war, das er Gott darbrachte, und worin er nicht nur alle Güter dieser Welt, sondern auch alles, was er von der freigebigen Hand des Herrn, seines Gottes, empfangen hatte, alle seine Einsichten, seine Neigungen und jegliche seiner Begierden opferte. Nichts anderes verlangte er, als dass Gott erkannt und vollkommen verherrlicht, dass sein Wille an allen Orten, zu allen Zeiten und von allen Menschen erfüllt würde. Nach diesem einzigen Ziel richtete er alle Pläne, die er entwarf; alle Worte, die er sprach; alle Werke, die er wirkte.

 

Nicht aufhören will ich, Herr, Dir zu Liebe alles zu tun, was ich als Dir wohlgefällig erkenne. Immer will ich mit Herz und Sinn Dir vereint sein, um einzig für Deine Ehre zu wirken! Amen. 

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 9. November

 

"Sie, die Heiligen, sind in der Herrlichkeit

und wir sind in der Pein, im Leid,

sie triumphieren und wir kämpfen,

sie genießen im Vaterland,

und wir seufzen in der Verbannung."

 

sel. Jordanus von Sachsen OP

1200 bis 13.2.1237

 

Betrachtung am 9. November - Von der Verzeihung der Beleidigungen

 

Wer ist wie du, o unerschaffne Huld.

Die unsrer Schuld du nicht mehr willst gedenken,

Wofern wir selbst nur die geringe Schuld

Aus ganzem Herzen unsren Brüdern schenken.

 

1. Das Reich Jesu Christi ist ein Reich der Liebe, das keinen Hass unter denjenigen duldet, die zur ewigen Liebe im Himmel berufen sind. Indessen ist die menschliche Bosheit, der Eigennutz, die Hoffart, der Neid und die Missgunst so groß, dass unsere Geduld unaufhörlich geübt wird, und wir beständig zu Zorn, Hass und Rache gereizt werden. Bald leiden wir durch Betrug und Raub Schaden an unserem Vermögen, bald werden wir durch Verleumdung um Ehre und guten Ruf gebracht, bald unschuldig verfolgt oder auf andere Weise bitter gekränkt, so dass es in der Tat schwer ist, so vielfältige Beleidigungen gleichmütig zu ertragen, ohne dem Beleidiger zu zürnen. 

 

2. Dennoch fordert unser allerhöchster Herr von uns, dass wir alle diese Beleidigungen und Bosheiten aus ganzem Herzen verzeihen. Da er jedoch die schmerzlichen Wunden kennt, die unserem Herzen durch die Bosheit der Menschen geschlagen werden und unseren Schaden nicht will, setzt er uns, wenn wir seinem Befehl gehorchen, eine unendliche Belohnung vor. Wer von uns ist seiner Gerechtigkeit nicht unermessliche Summen durch zahllose Sünden schuldig? Wer muss nicht erbeben, vor seinem Gericht zu erscheinen? Alle diese Schulden aber erlässt der Herr uns bis auf den letzten Heller, wofern wir unseren Beleidigern verzeihen. In Lukas 6,37b spricht der Herr: "Erlasst einander die Schuld, dann wird auch euch die Schuld erlassen werden."

 

3. Wird aber dein Herz von dieser unendlichen Gnade nur wenig gerührt, so erwäge, dass dein Feind durch schwere Beleidigungen selbst der Rache Gottes anheimfällt, der spricht: "Mein ist die Rache, und ich werde vergelten." (Deuteronomium 32,35) Ja bedenke, dass die Hand Gottes selbst unter der Hand der Menschen verborgen ist, die dich betrüben, und durch deine Geduld dir zu ewigen Verdiensten helfen. Dies bedachten alle frommen und gerechten Menschen. Darum auch schrieb Ijob die Unfälle, die ihn trafen, nicht den Menschen zu, sondern er sprach: "Der Herr hat`s gegeben, der Herr hat`s genommen." Ja selbst unser göttlicher Heiland sprach: "Der Kelch, den mir der Vater gegeben hat - soll ich ihn nicht trinken?"  (Johannes 18,11b) - Matthäus 6,15: "Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, dann wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben."

 

10. November

 

Der heilige Andreas Avellini, Priester und Bekenner von Neapel,

+ 10.11.1608 - Fest: 10. November

 

Eltern, die betont neumodisch sind und auch vielleicht mehr scheinen wollen als andere Leute, geben ihren Kindern zuweilen Namen, die in keinem Heiligenkalender zu finden sind, nennen sie Hasso oder Baldur oder Astra oder Edda oder Heide. Es sind einfachhin heidnische Namen, die mit dem christlichen Brauch, jedem Kind einen Heiligen als Namenspatron zu geben, nicht das Geringste zu tun haben. So ähnlich erging es auch dem Heiligen vom heutigen Tag. Die Mutter Avellini war lieb und gut, aber sie konnte es nicht verhindern, dass der Vater, der ein Springindiewelt war, dem Kind den Namen Lanzelot gab, und Lanzelot war zu der damaligen Zeit ein berühmter Romanheld. Der arme Lanzelot Avellini, der von seinem Vater einen Romanhelden als Namenspatron erhielt!

 

Fast schien es, als ob der Name eine Vorbedeutung habe, denn als Lanzelot in das Alter eines Jugendlichen kam, entwickelte er sich zu einem gutaussehenden Mann. Für Lanzelot Avellini war es schon ein Glück, dass er innerlich ein sauberer Mensch war, der über die verdrehten Mädchenhälse und die zuckersüßen Mädchenblicke herzlich lachen konnte, und schließlich machte der junge Mann dem Getue dadurch ein Ende, dass er Priester wurde. Das soll allerdings nicht heißen, dass er mit der Priesterweihe auch gleich ein Heiliger war, denn das war er nicht.

 

Lanzelot Avellini, der neben der Gottesgelehrtheit auch die Rechtswissenschaft studiert hatte, liebte es, als Anwalt vor Gericht aufzutreten. Ruhm und Geld brachte ihm die Tätigkeit ein, und an Ruhm und Geld hing Avellini mit ganzer Seele. Wohl muss man es ihm gutschreiben, dass er manchen armen Teufel vor dem Gefängnis bewahrte, aber hin und wieder verteidigte er vor Gericht Dinge, die nicht ganz einwandfrei waren, und da geschah es eines Tages, dass ihm in einem Prozess eine dicke Unwahrheit über die Lippen flog. Bisher hatte er wohl pfiffig, nie aber unwahr die Verteidigung geführt, und als ihm die erste Lüge entfuhr, wurde er krebsrot im Gesicht bis über den Hals hinaus. Nein, lügen wollte er nun doch nicht, denn die Lüge macht den Menschen unehrenhaft.

 

Wie es jedem Lügner ergeht, so erging es damals auch dem Lanzelot Avellini, er wurde unruhig und verstört und dachte nur mehr daran, wie die Lüge wohl weiterlaufen und dann die Wahrheit an den Tag kommen werde, denn dass Lügen kurze Beine haben, war ihm bekannt. Über diese Gedanken verging der Tag, und es wurde Nacht. Lanzelot Avellini brütete ständig vor sich hin und fand keine Ruhe, aber schließlich – es ging schon auf die Mitternacht zu – musste er sich doch einmal zu Bett legen. Bevor er sich auskleidete, schlug er seiner Gewohnheit gemäß die Heilige Schrift auf, um einen kleinen Abschnitt daraus zu lesen. Alle Tage machte er es so, und als er es an diesem Tag der Lüge wieder tat, fiel sein Blick auf jene Stelle, wo es heißt: „Ein lügnerischer Mund tötet die Seele.“

 

Lanzelot Avellini las die Worte einmal, zweimal, dreimal, und dann sackte er ab wie einer, der vom Schlag getroffen wird. Die ganze Nacht blieb er auf den Knien liegen, und als der Morgen graute, ging er zur nächsten Kirche, um zu beichten. Gottes Gnade fügte es, dass er dabei an den rechten Beichtvater geriet, der ihm ernst ins Gewissen redete und ihn aufforderte, endlich mit allen Halbheiten Schluss zu machen, die Anwalterei aufzugeben und nur mehr Priester zu sein.

 

Gerade diesen Zuspruch brauchte Lanzelot im Augenblick, und des strengen Beichtvaters strenge Worte fielen bei ihm auf den besten Boden, um bald die besten Früchte zu zeitigen, denn Avellini wurde ein Priester nach dem Herzen Gottes, ein eifriger Prediger, Beichtvater und Caritasapostel und ein Beter und Büßer. Mit sechsunddreißig Jahren ging er ins Kloster, legte den Namen Lanzelot ab und nannte sich fortan Pater Andreas. Auch machte er das schwierige Gelöbnis, täglich in den Tugenden Fortschritte zu machen, und weil es ihm ernst war mit dem Gelübde, konnte es nicht ausbleiben, dass er in den vierzig Lebensjahren, die ihm noch vergönnt waren, zu großer Heiligkeit emporstieg.

 

So groß war die Heiligkeit in ihm, dass sie zuweilen wie Licht von ihm ausstrahlte. Als er einmal in pechschwarzer Nacht mit dem Messner von einem Versehgang heimkehrte, ging von seiner Person ein Glanz aus, der die Finsternis verscheuchte. Übrigens geht dieses Licht unsichtbarerweise von allen guten Menschen aus. Nur die Engel sehen es und der Himmelsvater, die sich darüber freuen.

 

Schön war schließlich auch der Tod des achtzigjährigen Heiligen. Am 10. November 1608 trat er in der Frühe an den Altar, um das heilige Opfer zu feiern, begann das Staffelgebet mit den bekannten Worten: „Zum Altare Gottes will ich treten“, stockte, wiederholte die Worte, stockte noch einmal, sprach sie zum dritten Mal, und dann traf ihn der Schlag, und er ging hinüber zu Gott, der ihn mit ewiger Jugend erfreut. Wegen des schönen Heimgangs wird der Tagesheilige als Patron gegen einen unversehenen Tod angerufen.

 

Der heilige Tryphon, der heilige Respicius,

Martyrer von Nicäa, Bithynien, + 10.11.250,

die heilige Nympha, Jungfrau von Palermo, Sizilien,

+ in Siena am 10.11.450 – Fest: 10. November

 

Tryphon und Respicius waren in Bithynien bei Apamea geboren. Unter der decianischen Verfolgung im Jahr 250 verhaftet, wurden sie mit Ketten beladen nach Nicäa geführt, wo Aquilin, Statthalter von Bithynien und Präfekt des Orients, sich damals aufhielt. Nachdem sie einige Tage im Kerker geschmachtet hatten, führte man sie vor den Richtstuhl. Als sie da unerschrocken ihren Glauben bekannten, sagte ihnen ein neben ihnen stehender Beamter, dass, wer sich weigere zu opfern, lebendig verbrannt werde, und ermahnte sie, Mitleid mit sich selbst zu haben. „Eben dies tun wir ja“, antwortete Respicius, „wir können es nicht besser mit uns meinen, als wenn wir Jesus Christus bekennen, der alle Menschen vor sein Gericht fordern wird, um über alle ihre Handlungen Rechenschaft zu fordern.“ Als ihnen hierauf Aquilin vorstellte, sie hätten doch das Alter, wo sie wissen könnten, was sie zu tun hätten, erwiderte Tryphon: „Ja, darum wünschen wir auch die Vollkommenheit der wahren Weisheit zu erlangen, indem wir Jesus Christus folgen.“ Der Richter befahl, sie jetzt auf die Folterbank zu spannen; und die zwei Blutzeugen, nichts sehnlicher als die Märtyrerkrone wünschend, legten selbst ihre Kleider ab, und boten sich freudig den Schergen dar. Während der beinahe dreistündigen Peinigung bewiesen sie eine bewunderungswürdige Geduld und Seelenruhe. Wenn sie den Mund öffneten, geschah es nur, den Herrn anzurufen, seine Barmherzigkeit und Allmacht zu loben und dem Richter seine Blindheit vorzustellen. Endlich löste man sie von der Folterbank, ließ sie aber, auf des Statthalters Befehl, der auf die Jagd fuhr, der strengsten Winterkälte ausgesetzt. Den Heiligen sprangen die Füße auf, und wurden an mehreren Stellen so wund, dass sie weder gehen noch stehen konnten, ohne die heftigsten Schmerzen zu empfinden. Als Aquilin von der Jagd zurückgekehrt war, fragte er sie, was ihre Gesinnung sei, und da sie bei ihrem Bekenntnis beharrten, befahl er sie ins Gefängnis zurückzuführen, mit der Androhung einer noch härteren Behandlung.

 

Wenige Tage danach reiste Aquilin weg, um einige Städte seiner Statthalterschaft zu besuchen. Nach seiner Rückkehr in Nicäa mussten die zwei Bekenner wieder vor ihm erscheinen, und er machte ihnen die schmeichelhaftesten Versprechungen, um sie zu gewinnen, bat sie sogar dringend, da es noch Zeit sei, ihr Leben zu retten. „Wir können deinem Rat nicht folgen“, war die Antwort der Bekenner; „unser Heil hängt ab von unserer Beharrlichkeit im Bekenntnis des Namens Jesu Christi.“ Aquilin geriet, da er sich besiegt sah, in großen Zorn, ließ die Füße des Tryphon und Respicius mit großen Nägeln durchbohren, und befahl, sie in diesem Zustand, bei einer äußerst großen Kälte, durch die Stadt zu schleppen. Gott aber, der die Kraft der Märtyrer aufrecht hält, flößte ihnen einen weit über die Bosheit des Verfolgers erhabenen Mut ein. Der Statthalter erstaunt und beschämt, ließ sie grausam mit Ruten stäupen, dann mit eisernen Krallen zerfleischen, und zuletzt ihre Seiten mit flammenden Fackeln brennen. Umsonst sannen aber die Schergen auf neue Peinigungen, die beiden Heiligen waren unbesiegbar, und wiederholten unaufhörlich das Gebet: „Herr Jesus! für den wir kämpfen, lass doch nicht zu, dass wir durch den Satan besiegt werden; stärke, unterstütze uns, dass wir unsern Lauf vollenden, damit du in uns kämpfend auch in uns siegen mögest.“ Des folgenden Tages bestanden sie ein neues Verhör und wurden grausam mit Bleiruten zerschlagen. Zuletzt verdammte sie der Statthalter zur Enthauptung, was auch im Jahr 250 vollzogen wurde.

 

Das römische Martyrologium nennt mit diesen zwei Blutzeugen zugleich die heilige Nympha, weil die Leiber dieser drei Heiligen zu Rom in einer Kirche aufbewahrt werden. Die heilige Jungfrau Nympha war zu Palermo, in Sizilien gebürtig. Während der Einfälle der Goten im 5. Jahrhundert rettete sie sich nach Italien, wo sie Gott in großer Heiligkeit und zu Siena im Toskanischen starb.

 

Die Griechen verehren den heiligen Tryphon am 1. Februar. Vor vielen Jahrhunderten stand eine Kirche seines Namens zu Konstantinopel, bei der Sophienkirche. Da die alte Kirche eben dieses Heiligen zu Rom, im Jahr 1604 zerfiel, vereinigte man sie mit der des heiligen Augustin, wo jetzt ein Teil der Reliquien dieser drei Heiligen liegt; der größte Teil der Reliquien aber wurde unter dem Hochaltar der Kirche zum Heiligen Geist in Saxia, die dem großen Spital von Rom angehört, beigesetzt. Saxia nennt man die Straße zwischen der St. Peterskirche und der Tiber, weil Karl der Große nach Besiegung der Sachsen eine Colonie dahin sandte, damit sie da im christlichen Glauben unterwiesen würden.

 

Der heilige Tiberius, der heilige Modestus und die heilige Florentia,

Märtyrer im Narbonnensischen Gallien,

+ 284 – 305 – Fest: 10. November

 

Diese drei Märtyrer starben für den Glauben im Bezirk von Agde, unter den Kaisern Diokletian und Maximian. Tiberius war noch sehr jung, und man sagt, sein eigener Vater sei sein Verfolger geworden. Mit einem anderen Christen namens Modestus ins Gefängnis geworfen, erduldeten beide bitteren Hunger und schreckliche Peinigungen. Und da weder Versprechen noch Drohungen sie erschüttern konnten, wurden sie enthauptet. Eine Frau, Florentia mit Namen, die sich beim Anblick ihrer unerschütterlichen Standhaftigkeit bekehrt hatte, teilte ihre Kämpfe und ihre Kronen. Der Ort ihres Märtyrertodes, den man Cesseron oder Cessarion nannte, liegt zwischen Agde und Pezenas, ungefähr drei Meilen von Beziers. Im 8. Jahrhundert wurde ihnen zu Ehren ein Kloster daselbst erbaut, das sich als regulierte Benediktinerabtei bis zur französischen Staatsumwälzung erhielt. Die Namen der drei heiligen Märtyrer stehen am heutigen Tag in den Martyrologien von Ado und Usuard, so wie auch im römischen.

 

Mutter Anna vom heiligen Alexius

Gedenktage und Lebensskizzen hervorragender

Mitglieder des Karmelitenordens

 

Am 10. November 1777 rief der Allmächtige die lobwürdige Mutter Anna vom heiligen Alexius zu sich. Mutter Anna (Creag) wurde am 26. August 1702 zu Saint-Germain-Laye von irländischen Eltern geboren. Unter die Töchter der heiligen Theresia wurde sie im Jahr 1728 zu Pontoise aufgenommen. Hier lebte sie in untergeordneter Stellung glücklich und zufrieden, bis im Jahr 1745 die kirchlichen Obern sie als Subpriorin nach Saint-Denis beriefen. Nach Ablauf einer 17jährigen Amtszeit wählten sie die Schwestern in St. Jakobs-Kloster zu Paris zu ihrer Priorin. Hierauf versah sie das gleiche Amt im Kloster zu Troyes, bis sie wieder nach Saint-Denis zurückberufen wurde, um daselbst neuerdings die Leitung und Unterweisung der Novizinnen zu übernehmen. Anna war viel und schwer krank. Bei allen ihren Leiden sehnte sie sich jedoch nach keinerlei menschlichem Trost. "Eine Kommunion, eine Stunde Gebet trösten vollkommen" und "eine Karmelitin, die beten und kommunizieren kann, hat keine Klagen zu führen," sprach sie oft. Bewunderungswürdig war ihre Pünktlichkeit in Erfüllung aller Pflichten, besonders bei den gemeinsamen Übungen. So sehr die Geschäfte des Priorates sie auch in Anspruch nahmen, so fehlte sie doch während ihrer zwölfjährigen Amtszeit nicht ein einziges Mal beim göttlichen Offizium. Wegen ihrer guten Gesundheit, deren sie sich trotz ihres Alters erfreute, musste man vermuten, es würde ihr noch ein langes Leben beschieden sein. Anna selbst fühlte jedoch das Ende ihrer Tage nahe und lebte in der Hoffnung, bald in den Besitz Gottes zu gelangen. Am 10. November 1777, als während der Prim eben die Worte gebetet wurden: "Pretiosa in conspectu Domini mors sanctorum eius" (Kostbar ist in den Augen des Herrn der Tod seiner Heiligen) sank sie vom Schlag berührt zu Boden. Der Anfall wiederholte sich und Anna starb noch am selben Morgen, während der Priester, der gerade die heilige Messe für sie feierte, bei der Opferung zugleich mit den heiligen Gestalten ihre Seele dem Herrn darbrachte, eines kostbaren Todes.

 

Gebet am 10. November

 

Demütig komme ich zu dir, du Zuflucht der Sünder, o Jungfrau aller Jungfrauen! Wegen meiner Sünden verdiene ich zwar nicht erhört zu werden, dennoch weiß ich, dass du gerade um des Heils der Sünder willen eine Mutter Gottes und durch die edle Frucht deines Leibes eine Mutter der Barmherzigkeit geworden bist. Deine unaussprechliche Milde zieht mich an und nötigt mich, auf dich ein wahres Vertrauen zu setzen, und an der Hilfe deiner mütterlichen Güte nicht im mindesten zu zweifeln. Ich vertraue fest auf deine Fürbitte und verlasse mich darauf, dass du bei Gott für mich die Gnade erbittest, dass ich nicht ewig verloren gehe. Amen.

 

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Andreas Avellini

 

O Gott, der Du dem heiligen Andreas die Gnade verliehen hast, täglich in der Tugend zuzunehmen, gib uns auf seine Fürbitte, dass auch wir allezeit nach der Vollkommenheit trachten, und glücklich zu der himmlischen Herrlichkeit gelangen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Der heilige Andreas Avellini verehrte die seligste Mutter Gottes täglich mit den Tagzeiten, dem Rosenkranz und Fasten vor ihren Festtagen. Wenn der Rosenkranz noch nicht gebetet war, musste das Essen ausgesetzt oder abgekürzt werden. Er gab öfters sein Vertrauen auf ihre Fürbitte mit den Worten zu erkennen: Jesus zeigt sich zu Zeiten als einen strengen Richter, Maria aber allezeit als eine milde Mutter, wie er dann auch in Anschauung ihres Bildnisses den Geist aufgegeben hat. 

 

Andacht am 10. November:

 

Das Thema im November:

Liebe

"Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." (Matthäus 22,37-39)

 

"Der Mensch erlangt die Liebe Gottes durch einen festen Vorsatz, alles für Gott zu tun und zu leiden und sich von allem zu enthalten, was Ihm missfällt; wenn er nämlich diesen Entschluss in den verschiedenen Gelegenheiten ausübt, die sich dazu erbieten, und in kleinen Dingen sehr treu ist, damit er dann größere umso vollkommener vollbringt." (Die heilige Theresia von Avila)

Diese Heilige erlitt bei den verschiedenen Stiftungen der Ordenshäuser, die sie errichtete, vielfältige und große Widersprüche; doch ließ sie sich dadurch nicht irre machen und erfreute sich sehr, dass sie viel zu leiden hatte. Immer holte sie sich Rat bei weisen Personen, damit sie in nichts gegen den Gehorsam fehlte und sich vor Gott nichts vorzuwerfen hätte. Denn wie eifrig sie auch wirkte, Klöster zu errichten, in denen Gott gedient würde, sagte sie dennoch, sie will lieber die Gründung von tausend Klöstern aufgeben als einer einzigen Unvollkommenheit sich schuldig machen.

Hätte der heilige Vinzenz von Paul die Einfalt und Liebe nur ein wenig verletzen wollen, so wäre er vielen unbescheidenen Fragen, Vorwürfen und Beschimpfungen entgangen. Dies aber weigerte er sich zu tun und gab auch zur Zeit, wo er am meisten zu leiden hatte, nicht das geringste Zeichen der Ungeduld. Immer wirkte er mit der größten Sanftmut und der vollkommensten Ruhe.

Als einst die Kaiserin Eudoxia vom heiligen Chrysostomus forderte, er möchte den Irrgläubigen etwas gestatten, das er nicht glaubte bewilligen zu können, ohne Verrat an der Kirche zu begehen, widersetzte er sich ihrem Begehren. Die Fürstin, über seine Weigerung aufgebracht, ließ ihn durch einen hohen Staatsbeamten mit der Verbannung und dem Tod bedrohen, wenn er ihren Befehlen nicht auf der Stelle gehorchte. Der Heilige aber antwortete: "Geht hin und sagt der Kaiserin, Chrysostomus fürchtet nur eins: die Sünde!"

 

Verleihe mir, Herr, dass ich nur die Sünde fürchte, und ordne die Liebe in mir, dass ich von allem mich enthalte, was Dir missfällt; nie anders als um Deinetwillen wirke und zu leiden verlange, um Dir meine Liebe zu beweisen! Amen. 

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 10. November

 

"Der Tod hat oft Ängste und Schrecken;

viele zittern bei seinem Nahen,

weil viele sich während ihres Lebens nicht im Sterben üben."

 

sel. Heinrich Seuse OP

1298 bis 25.1.1366

 

Betrachtung am 10. November - Von der Barmherzigkeit

 

Barmherzigkeit, dich liebt mein Herz,

Denn du bist Gottes Siegel;

Du linderst mild des Armen Schmerz

Und sperrst der Hölle Riegel.

Du gingst von Jesu Herzen aus,

Und kehrest reich ins Vaterhaus.

 

1. Keine Tugend macht uns Gott so ähnlich, als die Barmherzigkeit. Darum ermahnt sein eingeborener Sohn uns zu dieser Lieblingstugend seines Herzens durch die Worte: "Seid barmherzig, wie es auch euer Vater ist!" (Lukas 6,36) So wohlgefällig ist diese Tugend vor den Augen unseres Gottes, dass er durch den Mund des Propheten spricht: "Barmherzigkeit will ich, nicht Schlachtopfer." (Hosea 6,6a); und durch einen anderen Seher: "Der Herr ist gnädig und barmherzig, langmütig und reich an Gnade. Der Herr ist gütig zu allen, sein Erbarmen waltet über all seinen Werken." (Psalm 145, 8-9) Was anderes auch war das ganze Leben Jesu, als ein beständiger Akt der Barmherzigkeit.

 

2. Durch wie viele Beispiele, Ermahnungen, liebevolle und erschreckende Parabeln auch drängt er uns zu dieser so göttlichen Tugend. Sogar mit der ewigen Verdammnis bedroht er diejenigen, die sie nicht üben. "Denn ich war hungrig, und ihr habt mir nichts zu essen gegeben . . . usw." (Matthäus 25) Darum auch war Barmherzigkeit die Tugend aller Auserwählten. Alle wahrhaft frommen und gottseligen Menschen waren überaus mildherzig. Viele spendeten den Armen mit großer Liebe. Andere scheuten keine Arbeit, keine Schwierigkeit, kein Opfer, dem bedrängten Nächsten zu helfen oder seine Not zu lindern. Noch andere verkauften sogar ihre liebste Habe, Armen, Kranken oder Leidenden dadurch beizustehen. Welche großen Schätze hinterlegten sich diese liebreichen Seelen im Himmel. Wie wohlgefällig wurden sie dadurch dem göttlichen Vaterherzen. Wahrlich, kluge Kaufleute waren sie, die dem ewigen König auf reiche Zinsen borgten. 

 

3. Wie sicher wirst du auf deinem Totenbett sein, wenn du in deinem Leben Barmherzigkeit geübt hast. Schrecklich ist diese Stunde für den Unbarmherzigen, "denn das Gericht ist erbarmungslos gegen den, der kein Erbarmen gezeigt hat. Barmherzigkeit aber triumphiert über das Gericht." (Jakobus 2,13) Hast du aber den Geist Jesu, den Geist der Barmherzigkeit, dann erfreue dich in jener Stunde. Er selbst nämlich spricht: "Selig die Barmherzigen, denn sie werden Erbarmen finden." (Matthäus 5,7) Bist du also mildherzig und liebreich, dann wirst du einen mildherzigen und liebreichen Richter an ihm finden. Matthäus 7,2: "Denn wie ihr richtet, so werdet ihr gerichtet werden, und nach dem Maß, mit dem ihr messt und zuteilt, wird euch zugeteilt werden."

 

11. November

 

Der heilige Veran, Bischof und Bekenner von Cavaillon,

+ 6. Jahrhundert – Fest: 11. November

 

Der heilige Veran aus Gevaudan stammend zeigte von Kindheit an, dass Gott besondere Absichten mit ihm hatte. Aus Andacht zum heiligen Privatus brachte er eine Nacht vor dem Fest dieses heiligen Märtyrers in der Kirche von Javoux zu. Am folgenden Morgen warf er sich zu den Füßen des Bischofs und bat um die Aufnahme in den geistlichen Stand. Als ihm seine Bitte gewährt wurde, verließ er seine Heimat und verbarg sich bei Cavaillon. Doch seine Heiligkeit und seine Wunder machten ihn bald bekannt. Er reiste hierauf nach Italien um die Gräber der Apostel zu besuchen, kehrte aber nach einiger Zeit wieder nach Frankreich zurück. König Siegbert, der von seinen Tugenden gehört hatte, wünschte ihn zu sehen und erhob ihn dann auf den durch Prätextats Tod erledigten Bischofsstuhl von Cavaillon. Im Jahr 585 wohnte Veran dem zweiten Konzil von Macon bei, und hatte großen Anteil an den getroffenen Anordnungen für die Kirchenzucht. Er war auch unter der Zahl der Bischöfe, die nach Paris geschickt wurden, um sich bei König Clotar II. über die Ermordung des heiligen Prätextat von Rouen zu beschweren. Childebert II. ließ, aus Verehrung für unseren Heiligen, seinen Sohn Theodorich, der später zur Regierung gelangte, von ihm taufen. Sonst ist von seinem Leben nichts bekannt. Man eignet ihm einen Brief über die priesterliche Keuschheit zu, der sich in den Konzilsakten befindet. Er starb am 11. November gegen Ende des 6. Jahrhunderts und wurde in einer Kapelle der allerseligsten Jungfrau beigesetzt, die er an der Quelle von Sorge hatte erbauen lassen. In der Folge übertrug man seinen Leib nach Cavaillon und später nach Gergeau, im Bistum Orleans. Von da kam der Teil seiner Reliquien, den man in der seinen Namen tragenden Pfarrkirche aufbewahrte, ins Bistum Paris.

 

Die Martyrologien reden von mehreren Heiligen des Namens Veran.

 

1. Der heilige Veran, den sie dem heiligen Eucherius zum Nachfolger auf dem bischöflichen Stuhl von Lyon geben.

 

2. Der heilige Veran, Bischof von Vence, dessen Leben wir unter dem 9. September lesen.

 

3. Der heilige Veran, Bischof von Chalons an der Saone, in dessen Leben man mehreres aufgenommen hat, was augenscheinlich aus dem des heiligen Veran von Cavaillon entlehnt ist.

 

Der heilige Mennas, Soldat und Märtyrer von Phrygien,

+ 11.11.295 (304) – Fest: 11. November

 

Die Verordnungen des Kaisers Diokletian gegen die Christen wurden im Orient streng vollzogen, als man den heiligen Mennas verhaftete. Er war von Geburt ein Ägypter, und diente in einer römischen Truppenabteilung, die damals ihren Standort zu Cotyäum in Phrygien hatte, an der scytischen Grenze. Nach abgelegten Bekenntnis seines Glaubens wurde er mit Ruten gestrichen und grausam auf die Folter gespannt. Schließlich verdammte man ihn zur Enthauptung. Das Urteil wurde nach der wahrscheinlichsten Meinung um das Jahr 304 vollzogen. Seinen Leib brachte man nach Ägypten. Sein Name war allzeit in den Kirchenkalendern besonders im Orient berühmt, und steht auch im abyssinischen Verzeichnis unter dem 11. November.

 

Es gibt noch einen anderen heiligen Mennas, der unter Maximian in Phrygien litt. Sein Name steht in den Martyrologien des Orients und Okzidents auf den 10. Dezember. Man liest, Justinian habe zu Konstantinopel eine Kirche unter Anrufung des heiligen Mennas erbauen lassen, wohin der Leib des Heiligen von Alexandrien gebracht worden ist. Mancher bezieht diese Quellen auf den heiligen Mennas aus Libyen, mancher aber auf den unter Diokletian gemarterten Krieger.

 

Der heilige Martin (aus Ungarn),

Bischof und Bekenner von Tours, Frankreich,

+ 11.11.400 - Fest: 11. November

 

In der Jahreszeit, in der wir den heiligen Martin feiern, kann es schon sehr kalt sein. Auf hohen Bergen liegt bereits Schnee, stellenweise schon bis tief ins Tal. Der Winter ist nicht mehr fern, und wer noch keine wärmere Kleidung angezogen hat, der wird es bald tun, damit er nicht krank wird.

 

Warme Kleidung besitzen allerdings nicht alle Menschen. Es gibt arme Leute, die im Winter frieren müssen, weil sie nur wenig Warmes anzuziehen haben. Damit wir diese Menschen nicht vergessen, kommt in jedem Jahr zu Beginn des Winters ein Reiter auf seinem Pferd, Sankt Martin, um uns daran zu erinnern, den Armen zu helfen. Zur ganzen Christenheit kommt er am Abend des 11. November, von vielen fröhlichen und singenden Kindern begleitet, und wiederholt in spielerischer Weise an einem Bettler diese Tat der Nächstenliebe, die ihn für alle Zeit berühmt gemacht hat.

 

Bevor aber die Tat erzählt wird, muss erst berichtet werden, wer Martin war und woher er kam.

 

Martin wurde in der Stadt Stein am Anger in Ungarn als Kind nichtchristlicher Eltern geboren. Der Vater, der es mit verbissener Zähigkeit vom einfachen Söldner bis zum Regimentskommandeur gebracht hatte, war mit Leib und Seele Soldat. Und dass unter diesen Umständen des Obersten Sohn mit fünfzehn Jahren ebenfalls die Uniform anzog, war eine Selbstverständlichkeit. Jahrelang war Martin einmal hier und einmal da in der Garnison an der Donau, am Rhein und in Frankreich. In Frankreich holte sich der Achtzehnjährige dann jene Berühmtheit, die ihn in der ganzen Christenheit unsterblich gemacht hat.

 

Martin war damals Taufschüler und besuchte den christlichen Unterricht. Eines Tages erklärte der Priester das Gebot der christlichen Nächstenliebe. Das war etwas ganz Neues, denn Martin hatte durch seine nichtchristliche Erziehung nicht die leiseste Ahnung von dem, was christliche Barmherzigkeit ist, die ja erst Jesus Christus auf die Erde gebracht hat. Martin verließ froh und glücklich die Unterrichtsstunde über das Hauptgebot, und gerade wie er darüber nachdachte, auf welche Weise er die Nächstenliebe ausüben könne, stand am Weg ein Bettler, in Lumpen gehüllt, frierend und zitternd, und bat den Reiter um eine milde Gabe. Martin griff in die eine Tasche, in die andere Tasche, in die dritte und vierte Tasche, aber alle Taschen waren leer, nicht ein Geldstück hatte er bei sich.

 

Martin überlegte, und im Überlegen kam ihm ein guter Gedanke. Von der Schulter nahm er den langen, dicken, wolligen Offiziersmantel, bat den Bettler, die eine Ecke hochzuhalten, während er die andere hielt, zog den scharfen blanken Säbel, schnitt ritsch-ratsch den Mantel von oben bis unten entzwei, schenkte lachend dem Bettler die größere Hälfte und ritt davon.

 

In der Kaserne ist am gleichen Abend viel über den jungen Offizier gewitzelt worden, der mit halbem Mantel vom Ausgang heimkehrte. Aber in der folgenden Nacht erschien dem jungen Mann Jesus Christus, angezogen mit der verschenkten Mantelhälfte. Er lobte ihn wegen des guten Werkes und sagte ihm, dass jede gute Tat, die man selbst dem geringsten Menschen tut, ihm erwiesen sei.

 

Niemand kann froher sein, als es Martin damals war. Bald darauf wurde er getauft, und weil er sich ausschließlich dem Dienst Gottes widmen wollte, hing er den Offiziersrock an den Nagel und wurde der Reihe nach Einsiedler, Mönch, Abt und schließlich Bischof. Sehr alt starb er im Jahr 401, aber am 11. November in jedem Jahr reitet er auf dem Pferd durch die ganze Christenheit und mahnt zu guten Werken für die Armen in der Winterszeit.

 

Auf Bildern sieht man den heiligen Martin meistens mit dem Bettler dargestellt, dem er gerade die Mantelhälfte schenkt. Manchmal sieht man Sankt Martin aber auch in bischöflicher Kleidung, und neben ihm steht eine Gans. Das ist die Martinsgans. In vielen Gegenden begann früher nämlich gleich am Tag nach dem Martinsfest bereits der Advent mit strengem Fasten. Deshalb aßen sich die Leute am Abend vorher noch einmal gründlich satt. Und weil in dieser Jahreszeit die Gänse am fettesten sind, verzehrte man eben eine Gans, die Martinsgans.

 

Der heilige Evodius, 1. Bischof von Puy, Frankreich,

+ 6. Jahrhundert – Fest: 11. November

 

Die Stadt Ruessium, der Hauptort der alten Vellaver, nennt ihren Apostel und ersten Bischof den heiligen Georg, der von Rom aus seine Sendung erhalten hatte. Er wird am 10. November verehrt. Am 29. Dezember wird aber das Fest der Übertragung seiner Reliquien nach Puy begangen, wo sie in einem Sarg in der Kirche seines Namens beigesetzt wurden. Am 24. Februar feiert man das Fest des heiligen Paulin, des 6. Nachfolgers des heiligen Georg, der der Patron der Kirche ist, wo seine Gebeine ruhen. Von ihm hat die alte Stadt Ruessium den Namen St. Paulin erhalten. Allein ihr Glanz ging bald auf Puy über. Der heilige Evodius, Paulins Nachfolger, erbaute zwei Meilen davon auf dem Berg Anis oder Anicium eine Kirche unter Anrufung der allerseligsten Jungfrau, die sehr berühmt wurde, und wohin er den bischöflichen Sitz im 6. Jahrhundert (560 oder 570) verlegte. Dies ist der Ursprung der Stadt Puy, des Hauptortes der Landschaft Velay. Die Kirche von Puy war von den frühesten Zeiten her durch Vorrechte und köstliche Denkmäler ausgezeichnet. Man weiß nicht, in welchem Jahr der heilige Evodius starb. Er wird am 11. November verehrt. Seine Reliquien wurden in einer Kirche von Puy, die seinen Namen trug, in einem Sarg beigesetzt.

 

(Der Bischof von Puy hat das Recht das Pallium zu tragen. Die Bulle Leos IX. vom Jahr 1050 gewährt dies den Bischöfen. Einige Bischöfe der letzten Jahrhunderte hatten dieses Vorrecht nicht gekannt oder vernachlässigt. Aber kurz vor der französischen Staatsumwälzung (Revolution) hat Bischof Galard von Terraube es wieder hergestellt.

 

Die Kirche von Puy war keinem Metropolitansitz unterworfen, sondern stand seit den frühesten Zeiten unmittelbar unter dem Heiligen Stuhl. Leo IX. in der oben erwähnten Bulle setzt diese Freiheit als schon lange bestehend voraus.

 

Das Sonderbarste, wie das älteste Vorrecht der Kirche von Puy, ist der ihr zugestandene Ablass, wenn das Fest Mariä Verkündigung auf den Karfreitag fällt. In den Archiven dieser Kirche lag eine Urkunde Bernards von Ventadour, Bischof von Puy, der ein Jahrgedächtnis für die Seelenruhe derer stiftete, die, durch den Ablass und die Gegenwart Ludwigs des Heiligen in diese Kirche herbeigezogen, Opfer ihrer frommen Neugierde geworden waren. Diese Urkunde ist vom Jahr 1254.

 

Was das Alter der Kirche von Puy beweist, ist der in ihr bis zur französischen Revolution bestehende Gebrauch einer Pfründe für einen Priester, der die Kinder aller Pfarreien der Stadt, in einer an die Kathedrale angebauten und von ihr abhängigen Kapelle, taufen musste. Auch sah man da bis in die letzten Zeiten das Gefäß und den Behälter, deren man sich in den ersten Zeiten des Christentums zum Taufen durch Eintauchen bediente.

 

Die Kanoniker trugen Mitren, wenn sie an hohen Festen am Altar dienten, und ein Ceremoniale aus dem 13. Jahrhundert spricht unter anderem auch von diesem Gebrauch, als von einem schon lange bestehenden. Im Jahr 1426 verlieh Ludwig XI. den Kanonikern das Recht, den Hermelinpelz im Chor als Wintermäntelchen zu tragen. Der Ursprung des kleinen Scapuliers, das die Kanoniker während der Osteroktav trugen, ist unbekannt. Es scheint, dass diese Auszeichnung aus dem 11. Jahrhundert stamme als Erinnerung an Aymard von Monteil, der als apostolischer Legat den Kreuzzug begleitete.

 

Die Kirche von Puy zählte unter ihre Kanoniker die Könige und Dauphins von Frankreich. Karl VII. wohnte, als er im Schloss Espaly bei Puy zum König ausgerufen war, der ersten Vesper des Festes Christi Himmelfahrt im Chorkleid bei. Ludwig XI., sein Sohn Karl VIII., Franz I. wohnten dem Gottesdienst in eben dieser Kirche und auf dieselbe Weise bei.

 

Unter den Reliquien dieser Kirche verdient bemerkt zu werden der Dorn aus der Krone des Erlösers, von Ludwig dem Heiligen, dessen Brief sorgfältig aufbewahrt wurde; die Gebeine des Priesters Tertullian von Rom, die in einem herrlichen Reliquienkasten eingeschlossen waren, der nach einer sehr alten Inschrift vom König Lothar gegeben worden ist; Clemens IV., Johannes XXII., Karl der Große, Philipp der Schöne uvam. hatten diese Kirche ebenfalls mit prachtvollen Reliquienkästchen bereichert. Von Philipp dem Kühnen wurde ein goldenes Kreuz mit einem Stück des wahren Kreuzholzes als Geschenk da aufbewahrt.

 

Als Denkmäler besaß die Kirche von Puy eine Urkunde von Karl dem Großen, der daselbst auf ewige Zeiten sechs Pfründen de pauperie stiftete; eine von Theodulf, Bischof von Orleans geschenkte Bibel, auf Velin in Gold- und Silberbuchstaben; ein griechisches Neues Testament aus dem höchsten Altertum; man glaubt, es sei vom heiligen Hieronymus, wenigstens sind die Schriftzüge aus jenem Jahrhundert; eine goldene Krone von Margarethe von Provence, Gemahlin des heiligen Ludwig; eine goldene Krone von Karl dem Großen, mit merkwürdigen Verzierungen; die Kapelle aus vergoldetem Silber von Karl von Bourbon; die Krone des Johannes Stuart, des Herzogs von Albanien; und mehrere Fahnen, die Karl VII. nach seinem Sieg über die Engländer dahin schenkte.)

 

Der heilige Theodor von Studion (Studita), Abt zu Konstantinopel,

+ 11.11.826 – Fest: 11. November

 

Da der heilige Plato, der Abt von Symboleon, auf dem Berg Olympus in Bithynien in notwendigen Angelegenheiten nach Konstantinopel kam, wurde er wie ein Himmelsbote aufgenommen. Seine Beispiele und seine Ermahnungen wirkten zahlreiche Bekehrungen in dieser Stadt. Er machte dem Hass und den allda herrschenden Streitigkeiten ein Ende; griff das Laster von allen Seiten an, und gründete auf dessen Trümmern das Reich der Tugend. Kurz nach seiner Rückkehr in sein Kloster entschloss sich die erlauchte Familie seiner Schwester Theoktiste, der Welt zu entsagen und seinem Beispiel zu folgen. Sie stiftete die Abtei Sakkudion oder Sakkude bei Konstantinopel im Jahr 781. Unter den Ordensgenossen dieser heiligen Gemeinde zeigte niemand größeren Eifer als der damals 22jährige Theodor, Theoktistes Sohn. Im folgenden Jahr bewog man, jedoch nicht ohne viele Schwierigkeiten, den heiligen Plato, dass er seine Abtei niederlegte, und die Leitung des neuen Klosters übernahm. Theodor machte in der Tugend und in den auf die Religion sich beziehenden Wissenschaften außerordentliche Fortschritte; als 794 der heilige Plato, sein Oheim, das Vorsteheramt niederlegte, um als einfacher Ordensmann seine Tage zu beschließen, wurde er von der Genossenschaft einstimmig zum Abt gewählt.

 

Im folgenden Jahr verstieß Kaiser Konstantin seine rechtmäßige Gemahlin Maria, mit der er sieben Jahre gelebt hatte, und heiratete Theodata, eine nahe Anverwandte des heiligen Plato und des heiligen Theodor. Die beiden Diener Gottes erklärten sich laut gegen ein solches Ärgernis. Der Kaiser wünschte aber nichts sehnlicher als den Theodor zu gewinnen, wozu er sich selbst der Theodata bediente, in der Hoffnung seinen Zweck zu erreichen. Sie bot alles auf, Geschenke, Versprechungen, Verwandtschaftsrücksichten; allein alle ihre Bemühungen blieben fruchtlos.

 

Der Schritt, zu dem sich der Kaiser herabließ, dass er nämlich selbst in das Kloster ging, brachte keine bessere Wirkung hervor; denn weder der Abt6 noch die Genossenschaft erschien zu seinem Empfang. Konstantin, jetzt seines Zorns nicht mehr Meister, war nicht sobald in seinen Palast zurückgekehrt, als er zwei seiner Hofleute in das Kloster schickte mit dem Befehl, den Abt Theodor, und die ihm am meisten ergebenen Mönche stäupen zu lassen. Diese Züchtigung wurde an dem Abt und zehn seiner Ordensgenossen mit der größten Grausamkeit vollzogen; so dass von ihrem ganzen Leib das Blut herabrann. Alle litten die Misshandlung ohne die mindeste Klage, mit Sanftmut und Geduld. Hierauf wurden sie nach Thessalonich verwiesen, wobei noch an jedermann das Verbot erging, sie aufzunehmen, oder für sie auf irgendeine Weise zu sorgen; so konnte ihnen keiner von den Äbten des Landes zu Hilfe kommen. Der heilige Plato wurde in die Abtei zum heiligen Michael eingeschlossen.

 

Der heilige Theodor schrieb von Thessalonich die einzelnen Begebenheiten seiner Reise und verband damit einen Bericht über die erduldeten Leiden. Auch schrieb er an Papst Leo III., der in seiner Antwort dessen Weisheit und Standhaftigkeit große Lobsprüche beilegte.

 

Inzwischen wurde der Kaiser durch seine Mutter Irene, die sich die höchsten Beamten zu gewinnen wusste, vom Thron gestürzt. Man stach ihm mit grausamer Unmenschlichkeit die Augen aus, und er starb im Jahr 797. Irene regierte hierauf allein fünf Jahre lang, und rief die Verbannten zurück. So kam Theodor wieder nach Sakkudion und versammelte seine zerstreute Genossenschaft. Allein da er sich den Anfällen der Muselmänner oder Sarazenen preisgegeben sah, die ihre Streifzüge bis an die Tore von Konstantinopel ausdehnten, fasste er den Entschluss, sich innerhalb der Stadtmauern zurückzuziehen. Der Patriarch und die Kaiserin boten ihm das Kloster Studium an, so genannt von seinem Stifter Studius, einem edlen Römer. Konstantin Kopronymus hatte die vorher darin wohnende Genossenschaft vertrieben. Theodor nahm den Antrag an, und er hatte den Trost zu Studium eine Gemeinde von mehr als tausend Brüdern aufblühen zu sehen: von diesem Kloster erhielt er auch den Beinamen Studita.

 

Im Jahr 802 wurde Irene durch Nikephor, ihren ersten Schatzmeister, des Reiches beraubt, und auf die Insel Lesbos verbannt, wo sie 803 starb. Nikephor hatte am letzten Oktober des vorhergehenden Jahres den Purpur angelegt. Er war ein Mann von falschem und verstelltem Charakter, rachsüchtig und grausam gegenüber allen, die er als seine Feinde in Verdacht hatte. Öffentlich erklärte er sich zu Gunsten der Manichäer oder Paulizianer, die in Phrygien und Lykaonien zahlreich waren. Für ihre Aussprüche und abergläubischen Gebräuche war er bis zur Tollheit eingenommen. Er unterdrückte die Bischöfe und Klöster, die sich zur Lehre der katholischen Kirche bekannten; und da ihm einer seiner Freunde vorstellte, er habe sich durch seinen Geiz und seine Gottlosigkeit dem ganzen Reich verhasst gemacht, gab er ihm diese eines Tyrannen würdige Antwort: „Mein Herz ist verhärtet, erwarte nie etwas anderes von Nikephor, als was du siehst.“

 

Als er gegen die Bulgaren im Jahr 811 zu Felde ziehen wollte, suchte er den Theodor für sich zu gewinnen, der ihm unerschrocken seine Gottlosigkeit vorgehalten hatte. Er sandte von seinen Hofleuten, um den heiligen Abt nach seinem Sinn zu stimmen. Der Mann Gottes redete aber mit ihnen, wie er selbst mit dem Kaiser, dessen Stellvertreter sie waren, würde gesprochen haben: „Du sollst von Reue durchdrungen sein, und das Übel nicht unheilbar machen. Du begnügst dich nicht die anderen an den Rand des Abgrundes zu führen, du wirfst sie mit dir hinein. Der, dessen Auge alles sieht, erklärt dir durch meinen Mund, dass du aus diesem Feldzug nicht mehr zurückkehrst.“ Nikephor rückte mit überlegener Kriegsmacht in die Bulgarei, und weigerte sich, die vom feindlichen König Crummius ihm gemachten Vorschläge anzunehmen. Der beschloss daher in der Verzweiflung entweder zu siegen oder zu sterben. Es gelang ihm Nikephor zu umzingeln, und ihn in dessen eigenem Gezelt am 25. Juli desselben Jahres zu erschlagen. Die Regierung dieses Kaisers hatte 8 Jahre und 9 Monate gewährt. Mehrere Patrizier und die Blüte des christlichen Heeres fanden ihr Grab in diesem Krieg; von den Übriggebliebenen wurde ein großer Teil in die Gefangenschaft geschleppt. Die Bulgaren, die noch Götzendiener waren, suchten durch verschiedene Peinigungen die Christen zur Glaubensverleugnung zu zwingen, und mehrere empfingen die Märtyrerkrone. Die Griechen verehren diese Glaubenshelden am 23. Juli. Crummius ließ aus Nikephors Hirnschädel einen Becher sich bereiten, aus dem er, nach altem seytischen Brauch, bei Festlichkeiten trank. Sthauratius, Nikephors Sohn, wurde hierauf zum Kaiser ausgerufen; da er aber im letzten Gefecht stark verwundet worden war, ging er in ein Kloster, wo er auch zu Anfang des folgenden Jahres an seinen Wunden starb.

 

Zwei Monate nach Nikephors Tod wurde Michael Kuropalates, mit dem Beinamen Rangabe, der Prokopia, Nikephors Tochter, geheiratet hatte, als Kaiser gekrönt. Der war ein freigebiger, prachtliebender, gottesfürchtiger Mann, und ein eifriger Beschützer der katholischen Lehre. Durch seine Bemühungen wurden alle Spaltungen in der Kirche von Konstantinopel beigelegt, und die Versöhnung zwischen dem Patriarchen Nikephor und dem heiligen Plato und Theodor erwirkt. Die Paulizianer ließ er bestrafen, und einige sogar enthaupten. Allein der Patriarch legte für die Unglücklichen Fürbitte ein, indem er dem Kaiser vorstellte, es sei besser an ihrer Bekehrung zu arbeiten, als sie zu töten, obgleich sie der schrecklichsten Gräueltaten schuldig wären. Diese Ketzer wurden Paulizianer genannt von einem Armenier, namens Paul, der aus Konstantinopel entfloh, und in Kappadocien eine Schule errichtete. Er gab sich als vom Himmel erleuchtet aus, und war 30 Jahre lang das Haupt dieser Sekte. Nach seinem Tod verteilte sie sich in mehrere Zweige, die alle in schaudervolle Unzucht versanken.

 

Kaiser Michael fasste, nach seiner durch die Bulgaren erlittenen schmachvollen Niederlage, den Entschluss, dem Reich zu entsagen. Leo der Armenier, Statthalter von Natolien, und Sohn des Patriziers Bardas, der hiervon Kenntnis erhielt, ergriff nun geeignete Maßregeln, sich des Purpurs zu versichern. Er wurde auch am 11. Juli erwählt und zum Kaiser ausgerufen. Michael, seine Gemahlin und seine Kinder zogen sich in ein Kloster zurück. Leo verteidigte Konstantinopel gegen die Barbaren; allein, da er durch eine verlangte Unterredung dem Leben ihres Königs nachstellte, wurde dieser durch eine solche Treulosigkeit so sehr verbittert, dass er Hadrianopel angriff und wegnahm. Der Erzbischof und die Bewohner dieser Stadt wurden als Gefangene in die Bulgarei geschleppt, wo sie mehrere Götzendiener zum christlichen Glauben bekehrten. Der Eifer, womit der Erzbischof und 376 andere Gefangene das Evangelium verkündigten, erregte den Zorn des auf Crummius folgenden Königs, der sie daher grausam hinrichten ließ. Die Griechen gedenken ihrer am 22. Januar als Märtyrer.

 

Während dieser Verwirrungen genoss Theodor die Zurückgezogenheit in seinem Kloster, und machte jeden Tag neue Fortschritte in der Tugend. Er liebte das Streben nach Wissenschaft, verband aber damit jene Demut, ohne die die Kenntnisse nur den Hochmut des Geistes nähren. Er wusste wohl, dass diese Demut und die Reinheit des Herzens den Geist aufhellen und die Neigung läutern; dass, nach Cassians Bemerkung, unmöglich eine verunreinigte Seele die Gabe der geistlichen Wissenschaft, und ein nicht abgetötetes Herz die Gabe der göttlichen Liebe erlangen könne. Theodors Friede wurde jedoch getrübt durch einen Sturm, der die morgenländische Kirche bedrohte.

 

Leo, der Armenier, hatte sich für die Irrlehre der Bilderstürmer erklärt, welche Leo, der Jsaurier, 725 aufgebracht hatte; er befahl sogar dem Patriarchen Nikephor die Verehrung der Heiligenbilder abzustellen, der ihm aber antwortete: „Wir können die alten Überlieferungen nicht verändern. Wir verehren die Bilder, wie wir das Kreuz und das Evangelienbuch verehren, obgleich hierüber nichts geschrieben ist.“ Diese Einwendung war um so bündiger, da die Bilderstürmer zugeben, man müsse das Kreuz und die Evangelien verehren. Der Patriarch wurde deswegen im Jahr 815 seines Amtes enthoben, und ein Ikonoklast auf seinen Sitz erhoben. Dieser war Theodor Cassitera, Stallmeister des Kaisers, der bis dahin im Laienstand gelebt hatte, und weder die einem Bischof notwendigen Kenntnisse noch Eigenschaften besaß. Kaum war Nikephor abgesetzt, als die Ikonoklasten anfingen die Heiligenbilder zu verstümmeln, zu zerschlagen, zu verbrennen und sie auf manchfache Weise zu verunehren.

 

Der heilige Theodor Studita wollte, so viel an ihm lag, dieses Ärgernis gut machen. Er ließ daher bei der Prozession am Palmsonntag die Bilder von seinen Mönchen mittragen, und Lieder singen, wodurch sie ihren Glauben an die von den Ketzern bestrittene Lehre an Tag legten. Als der Kaiser dieses erfuhr, verbot er dem heiligen Abt unter den strengsten Strafen, noch einmal eine solche Prozession zu halten. Theodor ließ dessen ungeachtet von seinem Eifer nicht ab. Der Kaiser verwies ihn daher nach Mysien ins Elend, mit der Weisung, ihn in der Burg Mesope bei Apollonia eng zu verwahren. Doch auch dadurch wurde der Eifer des Heiligen nicht vermindert. Da er die Katholiken nicht mehr durch mündliche Zusprache aufmuntern konnte, tat er es durch Briefe. Der Kaiser, der diesen Briefwechsel entdeckte, ließ den heiligen Abt in den Turm Bonit in Natolien verschließen, und befahl, dass er in Gegenwart des Niketas solle gestäupt werden. Theodor legte selbst sein Gewand ab, und bot seinen durch strenges Fasten abgemagerten Leib den Streichen dar. Dieser Anblick rührte des Niketas, und er fühlte sich sogar von Ehrfurcht gegen den Diener Gottes durchdrungen. Er stellte sich, als wolle er allein den kaiserlichen Befehl vollstrecken, schlug dann auf ein Schaffell, damit die draußen Stehenden es hörten, und färbte mit Blut aus seinem eigenen Arm die Ruten, die er beim Hinausgehen zeigte. Dann stellte er sich, als sei er durch die Anstrengung erschöpft, gleichsam außer Atem gekommen. Durch diese wohlgemeinte List blieb Theodor verschont, und er fuhr fort zur Verteidigung der Katholiken Briefe zu schreiben.

 

Die merkwürdigsten seiner Briefe sind jene, die er an die Patriarchen und an Papst Paschal schrieb. Zum Statthalter Christi sagte er: „Leihe mir Gehör, apostolischer Bischof, von Gott zur Bewachung der Herde Jesu aufgestellter Hirt; du, dem die Schlüssel des Himmels übergeben sind; du, der Stein, auf den die Kirche gebaut ist; denn du bist Petrus, weil du auf dessen Stuhl sitzt . . . Komm uns zu Hilfe.“ Als der Papst den Afterpatriarchen Theodor und alle Bilderstürmer mit dem Kirchenbann belegt hatte, schrieb ihm der Heilige einen Brief, worin er ihn, nach Beglückwünschung seines Eifers, sagt: „Du bist seit dem Anbeginn die reine Quelle des wahren Glaubens; du bist der sichere Hafen der allgemeinen Kirche, ihre Freistätte gegen die Stürme der Ketzerei, die von Gott auserwählte Zukunftsstadt für das Heil seiner Kinder.“ Aus Theodors Briefen und aus anderen Denkmälern ersieht man auch, dass die fünf Patriarchen einhellig die neue Irrlehre verwarfen.

 

Theodor und sein Schüler Nikolaus hatten das Glück, mehrere Ikonoklasten zu bekehren. Allein diese Bekehrungen zogen ihnen die grausamsten Misshandlungen zu. Man hängte sie beide schwebend in die Lüfte, und gab jedem hundert Rutenstreiche, dann warf man sie in einen dunklen und ungesunden Kerker, wo sie niemand sehen durfte. In diesem Gefängnis erduldeten sie drei Jahre lang Kälte, Hunger und Durst. Ihre Wache, von der sie beständig gehöhnt wurden, warf ihnen durch ein Loch ein Stückchen Brot zu. Theodor staunte, dass sie nicht vor Hunger und Elend starben, und schrieb die Erhaltung ihres Lebens nur der göttlichen Barmherzigkeit zu. Auch da wurde noch einmal einer von seinen Briefen abgefangen; und der Statthalter des Morgenlandes erhielt Befehl, ihn deshalb streng zu züchtigen. Dem zufolge wurde dann Nikolaus, der den Brief geschrieben hatte, grausam mit Ruten gestrichen. Nach diesem gab man auch dem heiligen Theodor hundert Streiche, und fuhr dann wieder an Nikolaus fort. Die zwei Diener Gottes blieben halbtot auf der Erde liegen. Doch Nikolaus, seine eigene Not vergessend, eilt, so gut er kann, seinem Lehrer zu Hilfe, der ganz besinnungslos war, und verband, als er wieder zu sich kam, dessen Wunden. Theodor wurde vom Fieber befallen, und litt drei Monate lang große Schmerzen. Ehe er aber noch ganz hergestellt war, musste er mit seinem Schüler nach Smyrna wandern. Den Tag brachten sie auf der Reise und die Nacht im Gefängnis zu. Der Erzbischof von Smyrna, ein rasender Bilderstürmer, hielt Theodor 18 Monate lang in einem unterirdischen Gefängnis eingeschlossen, und ließ ihm hundert Streiche geben. Als man den Heiligen aus seinem Kerker hervorzog, um ihn nach Konstantinopel zu führen, scheute sich sein Verfolger nicht zu sagen, er wünsche, der Kaiser lasse ihm den Kopf abschlagen, oder wenigstens die Zunge aus dem Hals schneiden. In demselben Jahr endete aber mit dem Tod ihres Urhebers auch die Verfolgung der Rechtgläubigen.

 

Michael, Befehlshaber einer Heeresabteilung, die Verbündeten genannt, wurde auf Befehl des Kaisers, gegen den er sich verschworen hatte, ins Gefängnis geworfen, und zum Tod verurteilt. Auf die Vorstellungen der Kaiserin wurde aber, aus Ehrfurcht vor dem hochheiligen Weihnachtsfest, die Vollstreckung des Urteils einen Tag verschoben. Während dieser Zwischenzeit erregten Michaels Mitschuldige einen Aufruhr, und ermordeten den Kaiser selbst in der Christnacht. Seine Familie wurde verwiesen, und Michael aus dem Gefängnis auf den kaiserlichen Thron erhoben. Er stammte aus Phrygien, und erhielt den Beinamen: der Stammler, weil er eine schwere Zunge hatte. Er war in einer gewissen Sekte erzogen worden, die eine Mischung von Judentum und mehreren Irrlehren war. Diese Sekte beobachtete die meisten mosaischen Gesetze; hatte aber statt der Beschneidung die Taufe eingeführt. Ihre Anhänger leugneten die Auferstehung der Toten, und behaupteten, die Unzucht sei erlaubt. Michael verachtete die Wissenschaften, und hatte keine höheren Kenntnisse als sie die letzte Menschenklasse hat. Anfangs heuchelte er eine große Mäßigung gegen die Katholiken; bald aber zeigte er sich in seiner wahren Gestalt, und wurde einer ihrer heftigsten Verfolger. Beim Antritt seiner Regierung rief er die Verbannten zurück, unter anderen auch den heiligen Theodor, der seit sieben Jahren in grauenvollen Kerkern schmachtete. Der Diener Gottes bezeugte dem Kaiser seinen Dank für seine Befreiung, und ermahnte ihn zugleich zur Einigkeit mit der Kirche von Rom, der ersten der Kirchen, und mit den Patriarchen. Auf seiner Rückkehr nach Rom empfing man ihn überall mit großen Ehrenbezeigungen, und er wirkte mehrere Wunder.

 

Der neue Kaiser erklärte sich inzwischen aber auch gegen die Heiligenbilder, und kündigte an, dass er in Konstantinopel keine dulden werde. Theodor machte ihm hierüber Gegenvorstellungen; da diese aber keine Wirkung hervorbrachten, verließ er die Stadt, und zog sich mit seinen Jüngern auf die Halbinsel St. Tryphon zurück. Zu Anfang November befiel ihn da eine Krankheit, wodurch er sich jedoch nicht abhalten ließ, am vierten Tag, der ein Sonntag war, in die Kirche zu gehen, und das heilige Opfer darzubringen. Das Übel vermehrte sich mit jedem Tag, und er war bald nicht mehr imstande, vernehmlich zu sprechen. Dessen ungeachtet gab er noch seine letzte Willensmeinung, in Gegenwart vieler Bischöfe und anderer frommen Personen, die ihn besuchten, zu Papier. Sein Testament enthielt vortreffliche Lehren für seine Ordensbrüder. Er empfahl ihnen, alle ihre Pflichten mit Eifer zu erfüllen, kein Eigentum zu besitzen, die Sorge für das Zeitliche Verwaltern zu überlassen, die Rechnung darüber abzulegen hätten, und sich nur mit dem Seelenheil zu beschäftigen; am Tisch jede ausgesuchte Speise, selbst bei Besuchen von Fremden, zu vermeiden; kein Geld im Kloster zu halten, und allen Überfluss den Armen zu geben; allzeit zu Fuß zu gehen, und bei großen Reisen sich nur eines Esels zu bedienen; die Klostertür niemals Frauen zu öffnen, und mit keiner Frau, es sei denn in Gegenwart zweier Zeugen, zu sprechen; drei Mal in der Woche geistliche Unterredungen zu halten; kein Geschäft zu behandeln ohne den Rat der Obern, usw. Solche Regeln beobachteten die Klostergenossenschaften des Orients, die man ausführlicher im großen Katechismus des Heiligen behandelt finden kann.

 

Als Theodor sein Ende herannahen fühlte, verlangte er, dass man ihm die Kirchengebete vorlese, und empfing die letzte Ölung und die heilige Wegzehrung. Hierauf zündete man Kerzen an, und die Brüder begannen, im Kreis um ihren Abt stehend, die Sterbegebete zu verrichten. Sie beteten eben den 118. Psalm, als der Heilige verschied, im 68. Jahr seines Alters. Er starb am 11. November 826, auf der Halbinsel St. Tryphon, an der Küste von Bithynien bei Konstantinopel. Die Lateiner verlegten sein Fest auf den folgenden Tag. 18 Jahre nach seinem Tod versetzte man seinen Leib in das Kloster Studion.

 

Die heilige Hademund von Ebersberg und Gräfin in Kärnten,

+ 11.11.1029 – Fest: 11. November

 

Die dritte Blume im Kranz von Ebersberg ist die heilige Hademunda. Sie war die Tochter Adalberos und die Schwester des Grafen Ulrich. Mit diesem in heiliger Furcht des Herrn erzogen und zu aller Gottseligkeit angeleitet, verehelichte sie sich mit dem Markgrafen Marquard dem Jüngeren von Kärnten. Nur kurze Zeit lebte sie im Ehestand. Nach dem frühzeitigen Tod ihres Gemahls verteilte sie all ihr Hab und Gut an die Armen und wallfahrtete als arme Pilgerin nach Jerusalem, um dort ihre Lebenstage zu beschließen. An der heiligen Stätte diente sie nach dem Beispiel der heiligen Frauen aus den Zeiten des heiligen Hieronymus dem Herrn in Wachen und Beten und beschloss ihr gottgeheiligtes Leben den 11. November 1029. Ihr Grab verherrlichte der Herr durch viele Wunder, die auf ihre Fürbitte daselbst gewirkt wurden. Auf die Nachricht von ihrem seligen Tod fasste auch ihr Bruder, Graf Ulrich, in seinem hohen Greisenalter den Entschluss, nach Jerusalem zu wallfahrten; allein es wurde ihm missraten, und er, beschloss, wie wir gesehen, seine Tage im Frieden zu Ebersberg.

 

Der heilige Johannes der Almosengeber, Patriarch von Alexandria,

+ 23.1.619 – Fest: 11. November / 23. Januar

 

Nun folgt die anmutige Legende, die niemand lesen oder hören wird, ohne durch sie zur herzlichen Liebe gegenüber dem Nächsten entflammt zu werden.

 

Johannes, genannt der Almosengeber, ein Patriarch zu Alexandria, verharrte einst in der Nacht im Gebet. Da sah er eine wunderbare Jungfrau neben sich stehen, die eine Olivenkrone auf dem Haupt trug. Johannes verwunderte sich sehr über ihre Lieblichkeit und Anmut. Er wagte auch zu fragen, wer sie sei. Sie sprach: „Ich bin die Barmherzigkeit, die den Sohn Gottes vom Himmel heruntergezogen hat. Wähle mich zu deiner Braut! Es soll dich nicht gereuen.“ Von der Stunde an war der fromme Bischof so barmherzig, dass er daher den Namen des Almosengebers erhielt.

 

Johannes pflegte die Armen nicht anders zu nennen, als: „meine Herren“. „Geht“, sprach er zu seinen Dienern, „und schreibt mir meine Herren auf in der ganzen Stadt, und seht wohl zu, dass ihr niemanden überseht.“ Als diese ihn mit großen Augen ansahen, nicht wissend, wen er meine, sprach er: „Die ihr Dürftige und Bettler nennt, die nenne ich meine Herren und Helfer, denn sie sind die rechten Helfer, und vermögen uns das Himmelreich zu verschaffen.“

 

Wenn Johannes Freunde ihm Vorhaltungen machten über seine unbeschränkte Mildtätigkeit, pflegte er ihnen die Historie des Schatzmeisters Petrus zu erzählen.

 

Es war einmal ein kaiserlicher Schatzmeister, namens Petrus. Derselbe war über die Maßen reich und begütert, dabei aber so unbarmherzig, dass er die Armen, die vor seine Tür kamen, mit Schmähungen und Schlägen forttrieb. Als nun die Armen einst, an der Sonne sitzend, von den Häusern sprachen, aus denen sie Almosen zu empfangen pflegten, und niemand vorhanden war, der sich hätte rühmen können, vor des Schatzmeisters Petrus Tür jemals eine Gabe empfangen zu haben, sprach einer von ihnen: „Was gebt ihr mir, wenn ich noch heute ein Almosen aus des Petrus eigenen Hände empfange?“ Sie wurden einig um ein paar Pfennige, worauf der Arme alsbald in die Stadt ging, und vor die Tür des Petrus trat. Als der Schatzmeister nach Hause kam, und einen Bettler an der Tür stehen sah, wurde er wütend und sah sich auch sogleich nach einem Stein um, womit er ihn werfen könne. Es war jedoch kein Stein vorhanden. Dagegen kam eben einer seiner Sklaven gegangen mit einem Korb voll schwarzer Brote, die er soeben vom Bäcker geholt hatte. Außer sich vor Zorn, ergriff der Schatzmeister eins dieser Brote, um es dem Bettler an den Kopf zu werfen. Der Arme fing das Brot auf, und eilte freudig zu seinen Gefährten zurück, und sagte: „Seht die Gabe, die ich aus des Geizigen eigenen Händen empfangen habe!“ Zwei Tage danach wurde der Schatzmeister todkrank. Es kam ihm vor, er stehe vor Gottes Gericht, und seine guten und bösen Taten würden auf der Waagschale gegeneinander abgewogen. Auf der einen Seite standen einige grässliche Männer, die seine Sünden in die eine Schale häuften; auf der anderen standen Männer in weißen Kleidern, die sehr traurig waren, dass sie in die andere Schale nichts dagegen zu legen hätten. Endlich sprach der eine: „Wir haben wenigstens das Gerstenbrot, das er, obgleich im Zorn, dem Armen vorgestern gegeben hat.“ Als es in die Schale gelegt wurde, stand das Zünglein. Die Männer aber sprachen zu Petrus: „Lass dies nicht das einzige bleiben, du dürftest sonst den grässlichen Männern überantwortet werden!“ Als Petrus aus dem schweren Traum erwachte, war er ein anderer Mensch geworden. „Ei,“ rief er aus, „wenn ein einziges Gerstenbrot, hingeworfen noch dazu in böser Absicht, so viel vermag, welcher Lohn wird nicht dem zuteilwerden, der all das Seine den Armen gibt?“

 

Als nun der Schatzmeister wieder genesen war, ging er einst im Hafen spazieren, mit sehr herrlichen Kleidern angetan. Ein Schiffbrüchiger trat zu ihm, und bat um Kleidung. Augenblicklich zog der Schatzmeister sein sehr kostbares Kleid aus, und gab es dem Bettler, der sofort in die Stadt lief, und es dem Trödler verkaufte. Als nun der Schatzmeister auf dem Heimweg sein Kleid in dem Trödelgeschäft hängen sah, betrübte er sich sehr darüber, dass der Arme ihn nicht würdig geachtet hätte, sein Gewand zu tragen, vermochte auch vor Traurigkeit am Abend nicht zu essen. Des nachts aber, als er auf seinem Bett lag und schlief, erschien ihm Unser Herr, glänzender als die Sonne, ein Kreuz in Händen tragend und angetan mit demselben Gewand, das er dem Bettler gegeben hatte. „Petrus,“ sprach der Herr, „warum weinst du?“ „Herr,“ erwiderte er, „ich habe einem Armen mein Kleid gegeben; er aber hat die Gabe verschmäht.“ Der Herr sprach: „Siehe her, Petrus! Kennst du dieses Kleid?“ „Wie sollte ich nicht?“ antwortete Petrus. Da sprach der Herr: „Ich bin derjenige, den du mit diesem Gewand bekleidet hast. Ich danke dir für deinen guten Willen. Ich habe Frost gelitten, und du hast meine Blöße bedeckt.“ Als Petrus aus diesem Traum erwachte, pries er die Armen selig, und rief: „So wahr der Herr lebt, ich will nicht sterben, ich werde denn, wie ihrer einer!“ Am Morgen stand er auf, und verteilte alle seine Habe unter die Armen. Dann rief er seinen Schaffner, und sprach zu ihm: „Ich will dir ein Geheimnis anvertrauen. Wofern du es aber irgendjemanden erzählst, oder dich weigerst, mir zu folgen, so will ich dich an die Barbaren verkaufen. Hierauf gab er ihm zehn Pfund Gold. „Geh hin,“ sprach er, „in die heilige Stadt und kaufe dir Waren dafür, mich aber verkaufe einem Christen, und gib das Geld, was du für mich bekommen wirst, den Armen.“ Der Schaffner dachte, sein Herr habe den Verstand verloren, und weigerte sich, ihm zu gehorchen. Petrus aber sprach zu ihm: „Bedenke, was ich gelobt habe; entweder verkaufe mich, oder ich verkaufe dich den Ungläubigen.“ Also führte der Schaffner ihn zu einem Silberhändler, verkaufte ihm seinen Herrn, als wäre er einer seiner Sklaven, und gab die dreißig Silberlinge, die er für ihn empfing, den Armen. Petrus aber ertrug die Dienstbarkeit mit großer Geduld, verrichtete die niedrigsten Dienste im Haus, beklagte sich auch nicht im Geringsten, wenn das übrige Gesinde ihn neckte, schlug und als einen Blödsinnigen behandelte. Auch erschien ihm der Herr Jesus Christus des Öfteren, tröstete und stärkte ihn, indem er ihn auf die Silberlinge hinwies, um die er ihm zu Liebe sich hatte verkaufen lassen. Zu Konstantinopel war indes allgemeine Verwunderung über das plötzliche Verschwinden eines so angesehenen Mannes. Der Kaiser, der nie einen besseren Schatzmeister gehabt hatte, gab sich viel Mühe, ihn wieder aufzufinden, konnte aber nicht die geringste Kenntnis von ihm erlangen. Nach langer Zeit begab es sich, dass einige Herren der Hauptstadt in das Gelobte Land reisten, ihrer Andacht zu pflegen. Als diese zufälliger Weise von dem Herrn des Petrus zu Tisch geladen wurden, und Petrus gerade bei Tisch aufwartete, wurden die Fremden aufmerksam auf ihn, und einer sprach zum anderen: „Wie ähnlich sieht dieser Diener dem Schatzmeister Petrus!“ Sie beobachteten ihn genauer, und wurden überzeugt, dass er es selbst ist. „Ich will aufstehen,“ sprach der eine, „und ihn festhalten.“ Mittlerweile aber war Petrus fortgeschlichen, um zu entfliehen. Die Tür war verschlossen. „Macht eilig auf“, sprach Petrus zu dem Türhüter, der aber taub und stumm war, und sonst nur durch Winke verstanden werden konnte. „Recht gern“, sprach der, schloss auf, und ließ den Heiligen hinaus. Dann eilte er in den Saal, und während alle sich seiner Rede verwunderten, sprach er: „Der Knecht, der in der Küche diente, ist entflohen. Seht aber wohl zu, ob es nicht ein Knecht Gottes ist. Denn, indem er zu mir sprach: Mach eilig auf! Fuhr eine Flamme aus seinem Mund. Die Flamme berührte meine Zunge und meine Ohren, und auf der Stelle wurde mir Gehör und Sprache verliehen.“ Als das die Speisenden hörten, standen sie sämtlich auf, um dem Entflohenen nachzueilen; er aber war nicht mehr zu finden.

 

Auch des heiligen Bischofs Serapion gedachte Johannes, wenn er seinen Zuhörern die Almosen empfehlen wollte. „Serapion“, sprach er, „hatte einst auf einem Spaziergang einem Dürftigen sein Oberkleid gegeben. Als ihn bald darauf ein anderer Armer in den weg trat, der vor Frost zitterte, zog er auch seinen Leibrock aus, und gab ihm diesen. Er selbst aber blieb, das Evangelium in den Händen haltend, bloß am Weg sitzen. Es kam bald jemand, der ihn fragte: „Vater, wer hat euch denn so heftig ausgezogen?“ „Dieser hier“, sprach er, und zeigte ihm das Evangelienbuch. Als aber dieser Serapion ein andermal von einem Dürftigen angesprochen wurde, und bereits alles weggegeben hatte, was er um und an hatte, verkaufte er selbst das Evangelienbuch, und gab das Geld dem Armen. Als er nun zur Kirche gerufen wurde, und der Diakon ihn fragte, wo sein Evangelienbuch sei, sprach er: „Das Evangelium sagt: Verkaufe alles, was du hast, und gib es den Armen. Da ich nun weiter nichts hatte als das Evangelium, so verkaufte ich es, und tat mit dem Geld, wie es befiehlt.“

 

Mit diesen und ähnlichen schönen Beispielen pflegte der gütige Patriarch seine Zuhörer zur Mildtätigkeit zu ermuntern, jedoch noch kräftiger durch sein eigenes Beispiel.

 

Als einst ein Bettler vor seine Tür kam, und ihn um eine Gabe ansprach, befahl der dem Schaffner, ihm sechs Silberlinge zu geben; der Arme empfing sie und ging. Nicht lange danach kam derselbe Bettler in veränderter Kleidung wieder, und bat aufs Neue um eine Gabe. Johannes befahl dem Schaffner, ihm sechs Gulden zu geben. Der Bettler erhielt sie und ging. Der Schaffner aber sprach zu Johannes: „Lieber Herr, bei dem Gott, den ihr anbetet, dieser Bettler war derselbe, der vorhin sechs Silberlinge empfing. Nur hatte er andere Kleider angezogen, um uns zu betrügen.“ Der Bischof tat, als ob er dies nicht glaube. Gleich darauf kam derselbe Bettler, und abermals in veränderter Kleidung wieder, und bat zum dritten Mal um eine Gabe. Der Schaffner winkte dem Bischof, und zupfte ihn am Mantel, um ihm zu verstehen zu geben, es sei wieder der vorige. Johannes aber sprach zu ihm: „Gib ihm zwölf Silberlinge. Wer weiß, es möchte Unser Lieber Herr selber sein, der auf diese Weise versuchen will, wer von uns beiden es am längsten aushielte, er mit Fordern, oder ich mit Geben.“

 

Ein reicher Einwohner der Stadt sah den frommen Erzbischof einst auf der Straße in sehr schlechter Kleidung umhergehen, indem er die besseren alle den Dürftigen gegeben hatte. Es tat ihm leid, er kaufte einen sehr kostbaren Anzug, und schenkte den dem Bischof. Als Johannes sich des Abends niederlegte, deckte er sich mit diesem Anzug sich zu, konnte aber dafür die ganze Nacht nicht schlafen. Unablässig dachte er daran, dass wohl dreihundert seiner Herren für den Wert dieses Stoffes hätten gekleidet werden können. Die ganze Nacht hindurch jammerte er und sprach: „Wie viele sind diesen Abend schlafen gegangen, hungrig, vom Regen durchnässt, von Frost schaudernd und zähneklappernd. Du aber, nachdem du eine Anzahl großer Fische verschlungen hast, streckst dich auf weichen Polstern, und erwärmst dich mit einem Kleid, das wohl vierzig Silberlinge wert ist? Ziemt das dem Johannes, der gern für so demütig gelten möchte?“ Sobald der Tag anbrach, ließ er den Stoff verkaufen, und das Geld den Armen geben. Als der Reiche das vernahm, kaufte er den Stoff wieder, und schickte ihn dem Erzbischof noch einmal, mit der Bitte, ihn doch für diesmal zu behalten. Allein Johannes hatte ihn kaum empfangen, als er ihn aufs Neue verkaufte. Der Reiche kaufte ihn zum dritten Mal, schickte ihn auch diesmal dem Bischof zurück, und ließ ihm sagen: „Wir wollen doch sehen, wer von uns beiden des Verschenkens zuerst überdrüssig wird, du oder ich!“

 

Als Johannes einst einen Bettler, der ihn um ein Almosen ansprach, fünf Pfennige reichen ließ, erzürnte sich der Bettler über die Geringfügigkeit der Gabe, schalt und schimpfte auf den Bischof. Der Diener wollte über den Unverschämten herfallen, und ihn tüchtig verprügeln. Der fromme Johannes aber verbot es ihm, sagend: „Sechzig Jahre lang habe ich meinen Herrn gelästert durch meine Sünden, und sollte mich ereifern über ein schmähendes Wort meines Mitknechtes?“ Hierauf ließ er den Beutel bringen, stellte ihn dem Bettler zu, und hieß ihn so viel herausnehmen, als er wollte.

 

Mehr als einmal hat man im Feuer des Gebetes den frommen Bischof ausrufen hören: „So recht, gütiger Jesus, so recht! Ermüde du nur nicht mir zu geben, ich meines Teils will für das Austeilen schon sorgen.“

 

Einst war der Kirche eine beträchtliche Summe Geldes eingegangen. Der Schatzmeister wollte sie auf Zins anlegen. Der Erzbischof aber behauptete, man könnte das Geld nicht vorteilhafter unterbringen, als wenn man es den Armen gäbe. Da nun jeder auf seiner Meinung bestand, gerieten sie hart aneinander, und schieden im Zorn. Als es aber um die elfte Stunde kam, schickte der Erzbischof seinen Archipresbyter zum Patrizier, und ließ ihm sagen: „Herr, die Sonne will untergehen.“ Der Patrizier brach in Tränen aus, eilte zu dem Erzbischof, und bat um Vergebung.

 

Ein Neffe des Bischofs war von einem Schenkwirt der Stadt gröblich beleidigt worden. Darüber beklagte sich der Jüngling bei dem Bischof, schmähte und jammerte, und war auf keinerlei Weise zufrieden zu stellen. Endlich sprach Johannes: „Wie hat doch ein Mensch wie dieser sich unterfangen können, gegen des Erzbischofs Schwester Sohn das Maul aufzutun! Glaube mir, lieber Neffe, ich will noch heute ein Ding an ihm tun, dass ganz Alexandrien sich darüber verwundern soll.“ Der Jüngling, der glaubte, er werde seinem Feind den Staubbesen geben lassen, beruhigte sich nunmehr. Als Johannes das merkte, fasste er ihn in seine Arme und sprach: „Lieber Sohn, willst du in der Tat und Wahrheit für den Neffen meiner Wenigkeit gelten, so halte dich bereit, Schmähungen und Schläge geduldig hinzunehmen. Eine echte Verwandtschaft wird nicht sowohl durch das Geblüt bewährt, als durch die Ähnlichkeit der Gesinnung.“ Hierauf ließ er den Schenkwirt kommen, und befreite ihn von allen Abgaben und Steuern, worüber sich dann freilich ganz Alexandrien nicht wenig wunderte.

 

Es hatte das Volk sich angewöhnt, nach verlesenem Evangelium aus der Kirche zu laufen, und draußen allerlei müßiges Geschwätz zu führen. Eines Tages ging der Erzbischof nach verlesenem Evangelium zugleich mit den anderen hinaus, und setzte sich mitten unter ihnen nieder. Als sie sich hierüber verwunderten, sprach er: „Meine Kindlein, wo die Schafe sind, da geziemt auch dem Hirten zu sein. Geht ihr hinein, so will ich mit euch gehen. Bleibt ihr aber hier, so will ich auch hierbleiben.“ Nachdem er dies ein oder zweimal getan hatte, gewöhnte sich das Volk daran in der Kirche zu bleiben.

 

Ein Jüngling hatte eine Nonne entführt. Darüber entrüsteten sich die Priester zum höchsten, und ermahnten den Erzbischof, den Räuber in den Bann zu tun, weil er zwei Seelen ins Verderben gestürzt habe, seine eigene und die Seele derjenigen, die von ihm verführt wäre. Johannes aber verwies ihnen ihre Vorschnelligkeit und sprach: „Nicht so, meine Söhne, nicht so! Ich getraue mich, euch zu überführen, dass auch ihr doppelt fehlt. Einmal, dass ihr das Gebot des Herrn übertretet: Richtet nicht, auf dass ihr nicht gerichtet werdet. Zum andern, indem ihr nicht wissen könnt, ob sie beide noch heute diesen Tag zu sündigen fortfahren, oder ob ihr Vergehen ihnen nicht schon leid sei.“

 

Dieselbe liebevolle Schonung bewies der fromme Erzbischof einem Mönch, Vitalis genannt, der eine ganz eigene Weise ersonnen hatte, die öffentlichen Buhlerinnen der Hauptstadt zu bekehren. Er zeichnete sie alle auf, besuchte dann eine nach der anderen, und sprach zu jeder: „Gewähre mir die und die Nacht, und versage dich an keinen anderen.“ Sobald er nun um die bestimmte Stunde in das Haus und in die Kammer trat, fiel er in einer Ecke des Zimmers auf die Knie, und betete für die Besitzerin des Hauses die ganze Nacht. Früh morgens verließ er sie und verbot ihr aufs schärfste zu sagen, was er bei ihr gemacht hätte. Dies trieb Vitalis eine geraume Zeit, und richtete dadurch seinen guten Namen völlig zu Grunde. Befand er sich bei einbrechender Nacht etwa in einer Gesellschaft, so pflegte er zu sprechen: „Was mache ich doch? Hätte ich doch bald vergessen, dass die und die Freundin mich erwartet. Ich muss hin, auf dass sie nicht über mich zürne.“ Wurde er von anderen wegen solchen anstößigen Wandels gestraft, so sprach er: „Was denkt ihr doch? Meint ihr, dass ich von Stahl und Eisen bin? Bildet ihr euch ein, dass Gott den Mönchen nicht auch ein bisschen Freude gönne? Die Mönche sind Menschen, so gut wie die anderen.“ Manche sagten zu ihm: „Vater, nehmt euch lieber eine eigene Frau, und legt den geistlichen Habit ab, damit die andern sich nicht an euch ärgern.“ Hierauf pflegte er zu antworten: „Wer sich ärgern will, der ärgere sich, und renne meinethalben mit dem Kopf gegen die Mauer. Seid aber ihr über mich zu Richtern bestellt? Bekümmert euch um euch selbst; für mich sollt ihr Gott keine Rechenschaft ablegen.“ Solches sagte er mit großem Lärmen und Geschrei. Als nun die Sache vor den Erzbischof gebracht wurde, weigerte er sich, dem sonst frommen Mönch etwas so Frevelhaftes zuzutrauen. Er ahnte, dass irgendeine löbliche Absicht unter einem so frechen Äußeren verborgen bleibe, und er vertraute, dass Gott solche zu seiner Zeit schon an das Licht bringen werde. Wirklich gelang es dem Mönch, manche dieser Frauen zu bekehren und in Klöstern unterzubringen. Als er eines morgens aus dem Haus einer solchen Frau heraustrat, begegnete ihm einer ihrer Buhler, gab ihm eine Maulschelle und sprach: „Willst du noch nicht ablassen, Bösewicht, von diesen ruchlosen Gängen?“ Vitalis antwortete: „Für diese Maulschelle wirst du eine andere empfangen, die über ganz Alexandrien erschallt.“ Gleich darauf erschien der Teufel dem Wüstling in Gestalt eines Mohren, versetzte ihm eine schreckliche Maulschelle, und sprach: „Die schickt dir der Abt Vitalis.“ Von Stunde an fuhr der Teufel in ihn und plagte ihn erbärmlich, bis Vitalis ihn durch sein Gebet befreite. Vitalis beharrte in dieser Bekehrungsweise, so lange er lebte. Als er gestorben war, fand man an den Wänden seiner Zelle diese Worte geschrieben: „Richtet nicht vor der Zeit!“ Die ehemaligen Buhlerinnen, die durch Vitalis Tod ihres ihm geleisteten Versprechens entbunden wurden, bekannten nun, in welcher Absicht er sie besucht, und was er bei ihnen gemacht habe. Als das Johannes vernahm, pries er Gott, der solches geoffenbart hatte. Auch sprach er: „O wie gern hätte ich die Maulschelle hingenommen, die Vitalis empfing!“

 

Damals herrschte die Sitte, dass, wenn ein Kaiser gekrönt wurde, einige Bauverständige zu ihm traten, und ihm allerlei Proben von Marmor vorlegten, sagend: „Von welcher dieser Marmorarten verlangst du, o Herr, dass wir dir dein Grabmal bauen?“ Dieser bedeutenden Sitte eingedenk, war auch Johannes nicht sobald zu seinem Patriarchat gelangt, als er befahl, dass ihm ein Grabmal errichtet, jedoch nicht ganz ausgebaut würde. So oft er nun an feierlichen Tagen im hohenpriesterlichen Schmuck und von der Klerisei umringt dem Hochaltar  sich näherte, musste ein eigens dazu verordneter Diakon ihm zurufen: „Dein Grabmal ist noch nicht fertig. Befiehl, dass es vollendet werde, denn du weißt nicht, wann der Dieb kommt.“

 

Als Johannes auf dem Totenbett lag, lobte er Gott und sprach: „Ich danke dir, Her, dass du mein Gebet erhört, und mir gewährt hast, dass ich nicht mehr hinterlasse, als einen einzigen Heller. So sei denn auch dieser eine den Armen vermacht!“

 

Es wurde aber des frommen Bischofs würdige Leiche in einem Grabmal beigesetzt, in dem bereits zwei andere Bischöfe ruhten. Sofort rückten deren Leichen auseinander um die Seinige in die Mitte zu nehmen.

 

Wenige Tage vor Johannes Tod war eine Frau zu ihm gekommen, und hatte ihm bekannt, dass sie eine sehr schwere Sünde begangen habe, die sie sich aber irgendjemanden zu gestehen scheue. Der Bischof fragte, ob sie schreiben könne? Sie bejahte dies. „Wohlan,“ so sprach er, „so vertraue deine Sünden dem Paper an, versiegele es und bring es mir! Ich will Gott für dich bitten.“ Die Frau tat es. Als aber der Bischof gleich darauf erkrankte und starb, besorgte sie sich darüber, ihr Brief werde nun in andere Hände kommen, und geriet darüber in die höchste Unruhe. Sie ging zu des Bischofs Grab, weinte und wehklagte. „Weh mir,“ rief sie, „indem ich meine Schmach zu verbergen suchte, muss ich nun fürchten, dass sie aller Welt offenbar wird. Ich beschwöre dich, frommer Bischof, dass du mir entdeckst, wo mein Brief geblieben ist.“ Als sie nun nicht aufhörte zu heulen und schreien, siehe, da erhob sich der selige Johannes aus seinem Grab, zugleich mit ihm erhoben sich die beiden Bischöfe, die neben ihm ruhten. „Frau,“ sprach Johannes, „warum beunruhigst du uns, und lässt diese Heiligen und mich nicht in Frieden schlafen? Sind doch unsere Gewänder ganz nass geworden von deinen Tränen.“ Hierauf reichte er ihr den Brief, noch ebenso fleißig versiegelt, wie er gewesen war. „Nimm hin,“ sprach er, „deinen Brief. Öffne und lies ihn.“ Die Frau öffnete den Brief, und fand ihre Beicht hinweggelöscht, wogegen folgende Worte hingeschrieben waren: „Um Johannes meines Dieners willen soll deine Sünde getilgt sein!“ Die Frau fiel nieder und dankte Gott. Der heilige Johannes aber legte sich mit den beiden Heiligen wieder schlafen. Das geschah im siebenhundertfünften Jahr nach Christi Geburt, unter der Regierung des Kaisers Phocas. 

 

Pater Basilius vom Namen Mariä

Gedenktage und Lebensskizzen hervorragender

Mitglieder des Karmelitenordens

 

Gedächtnis des lobwürdigen Pater Basilius vom Namen Mariä, einer der markantesten Persönlichkeiten des französischen Karmels unserer Zeit. Pater Basilius war zu Rigal in der Diözese Agen am 2. Januar 1824 geboren und nach Vollendung seiner Studien Professor am kleinen Seminar zu Agen geworden. Wegen seiner ausgesprochenen Vorliebe und besonderen Befähigung für die schönen Wissenschaften und die Theologie fand er Aufnahme in "die Schule der Karmeliten", wo er ein Mitschüler des Kardinals Lavigerie, des Bischofs Fulon und anderer ausgezeichneter Persönlichkeiten wurde. Nachdem er sich das Bakkalaureat erworben, wäre er wieder in Agen angestellt worden; er fühlte jedoch den Drang nach dem klösterlichen Leben in sich und trat im September des Jahres 1854 zu Broussey in den Karmelitenorden ein. Nun hatte er, was sein Herz begehrte, und war glücklich. Nicht weniger freuten sich seine Mitbrüder, da Basilius schon gleich vom Beginn seines Noviziates an eine hohe Tugend bekundete und Zeit seines ganzen Lebens einen vorzüglichen Charakter bewies. Eben deshalb wählten sie ihn später auch, trotz seines Widerstrebens, zum Provinzial, als welcher er sein Amt mustergültig verwaltete. Soweit ihm die Zeit zu Gebote stand, predigte er mit einem Eifer, einer Begeisterung und Eindringlichkeit, die Bewunderung erregte. Im Jahr 1856 hielt er die Fastenpredigten in der Kathedrale zu Montpellier und die Maipredigten in der Kathedrale zu Rennes. Hier erwarb er sich durch seinen erbaulichen, echt klösterlichen Wandel die Hochachtung des Bischofs in so hohem Grad, dass er die Gründung eines Klosters Unbeschuhter Karmeliten in der Stadt betrieb und selbst 20.000 Franken aus seinem Privatvermögen dazu beisteuerte. Der Orden beschloss die Gründung auch und beauftragte Pater Basilius mit ihrer Ausführung. Wie viel Mühen, Beschwerden und Entsagungen sind nicht mit einer Klosterstiftung verbunden! Pater Basilius unterzog sich ihnen in willigstem Gehorsam und erntete dafür den wärmsten Dank und die treueste Anhänglichkeit der Bewohner von Rennes. Im Jahr 1861 wurde Basilius die Leitung des Konventes zu Montpellier übertragen. Danach wurde er zum Definitor, im Jahr 1870 wieder zum Provinzial gewählt, drei Jahre darauf mit der Gründung des Klosters zu Toulouse betraut. In allen diesen Stellungen war er der erste bei der Arbeit, der letzte, der sich zur Ruhe begab. Er vermochte das zu leisten bis zum 76. Lebensjahr. Dann verfielen seine Kräfte und er starb am 11. November 1901, jedoch nicht in seinem geliebten Kloster, das ließen die neuen, ungerechten und harten, gegen die Orden erlassenen Gesetze nicht zu, sondern in dem Haus für die alten und kranken Priester der Diözese; bis zum letzten Atemzug durch seine Frömmigkeit, durch sein stets gleichmäßig ruhiges und heiteres Gemüt, seine unbesiegbare Ergebung in Gottes Willen und Herzensgüte für alle ein Gegenstand der Erbauung und Verehrung.

 

Mutter Maria Theresia Josepha vom Kinde Jesu

Gedenktage und Lebensskizzen hervorragender

Mitglieder des Karmelitenordens

 

Gedächtnis der lobwürdigen Mutter Maria Theresia Josepha vom Kinde Jesu. Mutter Theresia Josepha, mit ihrem weltlichen Namen Karoline Driesche, geboren zu Grembergen, begann ihr Ordensleben unter den Töchtern der heiligen Theresia zu Gent im Jahr 1830. Überglücklich durch ihre Aufnahme in die heilige Gemeinschaft, hielt sie eine jede ihrer Mitschwestern für würdiger als sich selbst und bewahrte ihr Leben lang die feste Überzeugung, dass sie alle verdienten, ihr vorgezogen zu werden. So strebte sie mit allen Kräften nach Vervollkommnung und erneuerte jeden Tag den Vorsatz, alle Mühe anzuwenden, um im Guten vorwärts zu kommen: "Wohlan, meine Seele, tun wir Gutes, solange wir Zeit haben. Zum Ausruhen werden wir eine Ewigkeit bekommen." Wie treu sie war und wie peinlich sie sich bemühte, alle, auch die geringfügigsten Vorschriften zu beobachten, geht vielleicht am besten daraus hervor, dass sie nicht einmal das "Kyrie eleison" auswendig anstimmen wollte, weil in den Ordensvorschriften gewünscht wird, man solle alles, was im Chor zu sprechen ist, möglichst aus dem Buch lesen. Innige, heilige Freundschaft unterhielt sie mit Jesus im heiligsten Sakrament. Zu ihm nahm sie ihre Zuflucht in jeder Not und Verlegenheit; ihn besuchte sie, so oft sie während des Tages Gelegenheit fand. Da es nur einmal am Tag gestattet ist, zu kommunizieren, vereinigte sie sich unzählige Male geistlicherweise mit ihrem Jesus. So innig und kräftig ihre Gottesliebe war, so aufrichtig und hilfsbereit benahm sie sich gegen den Nächsten. Besonders nahm sie sich gerne der Kranken an, die sie die Perlen der Gemeinde nannte. Für sie hatte Theresia Josepha immer einen aufmerksamen Blick, ein gutes, tröstendes oder ermahnendes Wort, eine freundliche Miene. Unerschütterlich wie ihr Glaube war ihr Vertrauen auf den Herrn. In diesem ihren Gottvertrauen wurde sie auch nicht wankend, als während der Zeit ihres Priorates Feuer im Kloster ausbrach und es einäscherte. Der Herr ließ ihre Hoffnung nicht zuschanden werden. Mit seiner Hilfe gelang der Wiederaufbau in kurzer Zeit. Im Jahr 1847 wurde Theresia Josepha zu einer Neugründung nach Lokeren berufen. Hier wiederholten sich die Kümmernisse und Sorgen, die ihr beim Brand und Wiederaufbau des Klosters in Gent das Herz beschwert hatten. Indes ihr Vertrauen, zumal auf den heiligen Joseph, hielt sie auch hier aufrecht und half ihr alle Schwierigkeiten überwinden. 22 Jahre lebte und wirkte sie überaus segensreich im neuen Kloster, bis sie, von ganz Lokeren als Heilige gepriesen, am 11. November 1868 in die ewige Heimat eingehen durfte.

 

Mutter Maria Angela vom Kinde Jesu

Gedenktage und Lebensskizzen hervorragender

 

Mitglieder des Karmelitenordens

 

Am 11. November 1909 ging zu Lisieux in Frankreich die lobwürdige Mutter Maria Angela vom Kinde Jesu ins Jenseits hinüber. M. Maria Angela vom Kinde Jesu und vom heiligen Antlitz war eine überaus kindliche, unschuldige Seele, die in ihrer Demut selbst freilich nichts Gutes an sich fand. Je hässlicher sie sich indes vorkam, desto lieber hatten sie ihre Angehörigen, ihre Lehrerinnen und Mitschülerinnen wegen ihres festen Charakters, ihrer Güte, ihrer Liebenswürdigkeit, ihres Verstandes, ihrer Begeisterung und Heiterkeit, in der sie z.B. keine größere Freude kannte, als die Naschereien, die sie selbst erhielt, den Armen zu geben. Nur ein Fehler machte ihr lange zu schaffen, eine große Eigenliebe, die sie zu verschiedenen Eitelkeiten verleitete. Der gelegentlich einer Mission gefasste Entschluss, Trappistin zu werden, war nicht nachhaltig, weil sie die Gesellschaften, in die sie von ihren Eltern geführt wurde, zu sehr gefangennahmen. Im Alter von 18 Jahren begann sie sich ihrem Bruder August mitzuteilen, der eben Seminarist geworden war, und gewann durch den brieflichen Verkehr mit ihm überaus viel für ihre Seele. Sein Hinweis auf das Leben der heiligen Theresia vom Kinde Jesu brachte sie zu dem Entschluss: "Auch ich werde Karmelitin werden." Am 8. April 1900 nahm sie Abschied von den Ihrigen, um sich den Töchtern der heiligen Theresia in Lisieux beizugesellen. Sie gewöhnte sich rasch an die klösterliche Ordnung. Nur einige Zeit hinderte sie zu ihrem eigenen Bedauern der angeborene Hochmut, so rasch auf dem Weg der Vollkommenheit voranzuschreiten, als sie selbst wünschte. Der Herr war indes mit ihr und hörte selbst zur Zeit ihrer Untreue nicht auf, sie mit Liebkosungen zu überhäufen. Einmal schien es ihr, als zeigte er ihr sein Herz mit den Worten: "Siehe mein Herz! So habe ich es für dich durchbohren lassen und du, du kannst nicht die kleinste Wunde ertragen." Ein anderes Mal kam es ihr vor, als reichte ihr das Jesuskind Rosen und sagte: "Die kleinen Opfer, die ich auf deinen Weg streue, sind ebenso viele Rosen, die ich dir anbiete, damit du ihre Blätter unter meine Füße streust. Wenn du dich weigerst, werde ich sie anderen großmütigeren Seelen anbieten." M. Angela weigerte sich nicht, sondern war zu jedem Opfer bereit, ohne auf das Widerstreben ihrer Natur zu achten. Ja sie dankte ausdrücklich dem Jesuskind, dass es ihr Gelegenheit gebe, ihre Fehler abzubüßen, Tugenden zu üben und Verdienste zu erwerben. Die Schwestern bewunderten ihre große Arbeitskraft und Selbstbeherrschung und konnten nicht begreifen, wie ihre Mutter - seit 8. Mai 1908 war M. Angela Priorin - trotz ihrer schlechten Gesundheit soviel zu leisten vermochte. Am 5. Mai 1909 trat das Fieber so heftig auf, dass man gezwungen war, den Arzt zu rufen, der sogleich erklärte, dass M. Angela ohne Wunder verloren sei. Mit inniger Andacht empfing sie deshalb am 17. August die heiligen Sterbesakramente. Durch sie gestärkt, litt sie die bitteren Schmerzen mit größter Geduld, bis der Tod sie erlöste. Merkwürdige Erscheinungen nach ihrem Hinübergang in die Ewigkeit wurden als Beweis für ihre sofortige Aufnahme in das Reich der Seligen aufgefasst.

 

Maria Angela Virgily

Gedenktage und Lebensskizzen hervorragender

Mitglieder des Karmelitenordens

 

Gedächtnis der lobwürdigen Maria Angela Virgily. Maria Angela war das Kind einfacher Schuhmacherseheleute in Ronciglione. Sie zählte noch nicht fünf Jahre, als ihr eine arme Frau begegnete, deren Kind barfuß neben ihr herging, während Maria Angela neue Strümpfe und Schuhe anhatte. Das Mitleid mit dem Kind überwältigte sie. Flugs zog sie Schuhe und Strümpfe aus und schenkte sie der Armen. Geneigt zu allem Guten, legte sie schon als sechsjähriges Mädchen die drei Gelübde der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams ab. Im Gehorsam verpflichtete sie sich viel strenger als die Ordensleute, indem sie gelobte, jedem Menschen zu gehorchen, solange seine Aufträge nicht gegen den Willen Gottes wären. Und was sie gelobt, das hielt sie auch getreulich. Im Alter von 18 Jahren gab ihr Gott durch eine innere Stimme zu erkennen, dass sie ihren Vater bald verlieren würde. Als er drei Jahre darauf wirklich starb, begann große Not bei der vorher schon armen Familie einzuziehen. Um zu helfen, musste Maria Angela um Tagelohn arbeiten. Sie wurde dann durch ihren Fleiß zur Stütze der Familie, wie durch ihre Tugend eine Zierde des Dritten Ordens Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel, dem sie vom 39. Lebensjahr an angehörte. An einem Neujahrstag fühlte sie auf dem Rückweg von der Kirche plötzlich einen Schlag auf den Kopf und bekam ein so heftiges Fieber, dass sie nur mit Mühe das Haus ihrer Verwandten erreichen konnte. Reichliches Blut floss aus den Augen und gänzliche Erblindung trat ein, fünf Jahre litt sie an diesem Übel. Endlich erschien ihr der heilige Joseph in Gestalt eines ehrwürdigen Greises und legte ihr den Zeigefinger auf das rechte Auge. Maria Angela empfand einen heftigen Schmerz, als würde ihr Kopf in der Gegend der Augen mit einem scharfen Gegenstand durchbohrt, doch wurde sie eben dadurch von ihren Leiden befreit. Aus Dankbarkeit für die Wiedererlangung ihres Augenlichtes strebte Maria Angela danach, in Übung jeglicher Tugend noch eifriger zu werden. Auch ertrug sie mit größter Geduld neue schmerzhafte Krankheiten, desgleichen Anfeindungen und Verfolgungen von Seite ihrer Mitmenschen. Gott belohnte sie dafür mit reichlichen, zum Teil auffallenden Gaben. In merkwürdiger Weise kündigte er ihr die Wahl Papst Benedikts XIII. an. In einer tiefen, inneren Sammlung sah sie den heiligen Dominikus und eine Biene mit ihm. Zugleich war ihr, als sagte der Heilige: "Diese Biene wird bei der nächsten Wahl als Papst erkoren werden," woraus sie schloss, dass unter den Kardinälen einer aus dem Dominikanerorden sich befände, der zum Oberhirten der Kirche berufen würde. Ein anderes Mal sah sie während des Gebetes einen großen Saal und in ihm so viele Kreuze, als Kardinäle waren. Ein Kreuz ragte über alle empor, dieses allein trug den Gekreuzigten, in dessen Seitenwunde eine Biene saß. Nach kurzer Zeit sah sie dieses Kreuz sich zum Himmel erheben, von wo es sich nach drei Tagen wieder herabließ, wobei der Gekreuzigte am rechten Arm zwei Schlüssel, das Sinnbild der päpstlichen Gewalt, trug. Als sich das Kreuz wieder an seinem Ort befand, neigten sich alle übrigen vor ihm. Bald erfuhr sie die Bedeutung dieses Gesichtes. Es wurde nämlich Kardinal Orsini aus dem Dominikanerorden zum Papst gewählt. Solche Begnadigungen erregten den Neid des Teufels, der Maria Angela in furchtbarer Weise zusetzte. Er reizte sie nicht nur zur Sünde wie andere Menschen, sondern suchte sie auch durch Erregung eines wüsten Lärmes zu schrecken, ja biss sie in Gestalt eines wütenden Hundes derart in den Finger, dass der Zahn durch und durch drang und viel Blut floss. Gott belohnte ihre Treue durch außerordentliche Gnaden. So geriet sie in Gegenwart des Bischofs von Subu, der zu ihr kam, um ihren Geist zu prüfen, in Verzückung und blieb während des Englischen Grußes lange Zeit frei in der Luft schwebend in dem Zustand. Maria Angela erreichte ein hohes Alter. Als sie am Fest Mariä Himmelfahrt 1726 um die Gnade der Keuschheit flehte, fühlte sie einen heftigen Schmerz in allen Gliedern, gleich als würde sie gerädert. Auf die Frage, was dies doch bedeute, wurde ihr zur Antwort: "Von heute an wirst du das Haus nicht mehr verlassen." So war es in der Tat. Am Abend des 10. November 1734 sagte sie: "Jetzt bitte ich euch, mich nicht mehr zu verlassen, denn Gott ruft mich aus diesem Leben". Kurz nach Mitternacht hauchte sie ihre Seele aus. 

 

Gebet am 11. November

 

Erwirb mir, o liebste Jungfrau Maria, ich bitte dich dringend, die Gnade, dass ich einst getröstet von dieser Welt scheide und getrost vor dem ewigen Richter erscheine. Wenn mich in der Sterbestunde Angst überfällt, weil ich nicht wissen kann, ob ich zur Zahl der Auserwählten gehöre, so tröste mich, du Trösterin der Betrübten und erhalte mir durch deine Fürbitte den Urteilsspruch der ewigen Seligkeit. Amen.

 

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Martin

 

O Gott, der Du siehst, dass wir aus unseren eigenen Kräften nicht bestehen können, verleihe gnädig, dass wir auf die Fürbitte des heiligen Martin gegen alle Widerwärtigkeiten geschützt werden, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Zum heiligen Patriarchen Johannes

 

Heiliger Johannes, flöße mir deine Liebe und dein Erbarmen zu den Dürftigen ins Herz ein, auf dass ich alle Zeit liebevoll und freigebig entweder mit leiblicher Hilfe oder mit Fürbitten, mit gutem Rat oder auf was immer für eine Weise allen denjenigen beistehe, denen ich nach dem Willen Gottes helfen kann und soll, damit, wenn ich sterbe, Gott auch mir ein "Vater des Erbarmens" ist, und ich unter allen Barmherzigen selig werden und ewige Barmherzigkeit erlangen möge.

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Der heilige Martin hat sich mit so großer Andacht dem Gebet gewidmet und hat mit so großer Ehrfurcht dem heiligen Messopfer beigewohnt, dass er nicht nur die Zuseher in Erstaunen setzte, sondern auch die Bewohner des Himmels zu Bewunderern gehabt. Unter vielen Erscheinungen, die er in seinen Entzückungen hatte, wird besonders die seligste Jungfrau Maria in der Lebensbeschreibung angeführt.

 

Andacht am 11. November:

 

Das Thema im November:

Liebe

"Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." (Matthäus 22,37-39)

 

"Es gibt eine treffliche Weise, uns in der Liebe unseres Herrn zu üben; diese besteht darin, dass wir uns daran gewöhnen, Ihn immer vor Augen zu haben. Hierzu sind die drei folgenden Mittel sehr dienlich: 

1. Wenn du irgend ein Werk tun sollst, so denke dir, auf welche Weise der Herr wirkte, als er noch sichtbar auf Erden lebte, und dann wirke in derselben Absicht und in demselben Sinn mit dem Vorsatz, Ihm nachzuahmen.

2. Denke oft daran, dass Er dich vom Himmel sieht und seine Gnaden in reichlichem Maß auf dich herabsendet.

3. Es zeige der Glaube dir die Person des Herrn in allen, mit denen du Umgang hast und die du sonst siehst. 

Wenn wir so handeln, werden wir alle unsere Werke mit größerer Leichtigkeit und Vollkommenheit tun; viele Fehler, z.B. Unruhe, Ungeduld etc. vermeiden, und überdies, wenn wir dem Nächsten dienen, so viel dabei verdienen, als dienten wir dem Herrn selbst." (Der heilige Vinzenz von Paul)

Dieser Heilige befolgte genau den Rat, den er anderen gab. Nie unternahm er etwas, noch tat er auch irgend ein Werk, ohne zuvor sich den Herrn gegenwärtig zu denken und sich zu erinnern, was Er gesprochen und was Er getan hat. Daher auch seine erbauliche Rede: Christus hat so gesprochen, Christus hat sich so verhalten! Zur Zeit, wo er im Haus des Herrn von Gondi wohnte, ehrte er im Herrn des Hauses den Herrn Jesus, in seiner Gemahlin Unsere Liebe Frau, in den Priestern, die er dort sah, die Apostel, in den übrigen Personen aber die Jünger des Herrn, und er sagte, diese Übung sei ihm sehr heilsam gewesen.

Eine fromme Seele, die Verlangen hatte, Jesu Christi immer zu gedenken, gewöhnte sich, in obrigkeitlichen Personen Jesus als den höchsten Herrn, in den Priestern Jesus als den Hohen Priester, in den Armen den armen Jesus, in den Traurigen, den leidenden Jesus, in den Kindern das Kindlein Jesus zu sehen. Alles erinnerte sie an Jesus. Sah sie die Sonne, so sprach sie: Christus ist die Sonne der Gerechtigkeit! - Sah sie irgend ein Licht, so sprach sie: Christus ist das Licht der Welt! - Sah sie ein Lamm: Christus ist das Lamm Gottes, das die Sünden der Welt hinwegnimmt! - Brot: Christus ist das lebendige Brot, das vom Himmel gekommen ist! - ein Buch: Christus ist das Buch der Auserwählten.

 

O mein göttlicher Heiland, sei immerdar in meinem Geist durch das Andenken an Deine Vollkommenheiten, an Deine Geheimnisse und an Deine Liebe! Sei immerdar in meinem Herzen durch heilige Anregungen und das Verlangen, Dir zu gefallen! Verleihe mir, Deine Sprache zu sprechen und Dein Leben zu leben! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 11. November

 

"Die Heiligkeit und die Vollkommenheit

bestehen nicht in schönen Worten,

sondern in guten Werken."

 

sel. Heinrich Seuse OP

1298 bis 25.1.1366

 

Betrachtung am 11. November - Von den Mahnungen des Gewissens

 

Du schreckst mich, Herr, doch schreckst du mich zu Heile;

Hinauszuwerfen, rufst du mir, in Eile

Die Schlange aus dem innersten Gewissen,

Da schwerer Tod erfolgt von ihren Bissen.

 

1. Wie große Gnaden liegen in den Vorwürfen des Gewissens. Dieser Schrei ist die erste Hilfe Gottes, die erste Gnade des Heils, die schnellste Gnade, die unmittelbar auf die Sünde folgt, ja die gleichsam der Sünde selbst entspringt, und deren Stimme im Grunde des Herzens ertönt, den Sünder verurteilt, bedroht und erschreckt. Ist sie aber eine strenge Rüge, so ist sie zugleich eine Einladung zur Buße, und zwar ist sie um so dringender, als sie zugleich ein Zeuge ist, dessen Zeugnis wir nicht verwerfen können, ein Zeuge, der uns überall hin folgt, durch diese heimliche Folter uns peinigt und nicht von uns weicht, bis wir uns ergeben und uns mit Gott versöhnen. 

 

2. Du kostbare Rüge, du bist der Anfang meiner Bekehrung. Du wunderbare Erbarmung des Herrn, durch dich fand ich den Quell des Lebens im Grund meines Todes. Nicht ausweichen kann der Sünder dir, er fühlt dich, auch wenn er nicht will. Du gehst ihm überall nach und deine innerliche Stimme schreckt ihn mitten unter seinen Belustigungen auf. Nur die Beobachtung deines heiligen Gesetzes, mein Gott, verleiht ein gutes Gewissen und wahren Frieden. Dort allein auch will ich ihn suchen, der ein Unterpfand des höchsten und himmlischen Friedens ist.

 

3. Wer die Vorwürfe des Gewissens erstickt, widersetzt sich Gott im eigentlichsten Sinn. Dies aber ist die schwerste Bosheit, der unüberwindlichste Starrsinn. Je lauter der Ruf im Gewissen ertönt, um so unverzeihlicher ist der Widerstand, der diese Stimme Gottes verachtet und zu ersticken sucht. Gott lässt es aber zu, dass der Sünder durch fortwährenden Trotz es endlich bis dahin bringt, diese Stimme nicht mehr zu hören. Doch wehe ihm dann, er ist verloren. Denn die strengste Strafe Gottes in diesem Leben ist, nicht weiter zu drohen und zu erschrecken. Weit furchtbarer ist dies Stillschweigen des Gewissens, als sein lautester Schrei. Psalm 38,2-3: "Herr, strafe mich nicht in deinem Zorn, und züchtige mich nicht in deinem Grimm! Denn deine Pfeile haben mich getroffen, deine Hand lastet schwer auf mir."

 

12. November

 

Maria, Mutter der Göttlichen Vorsehung - Samstag

vor dem 3. Sonntag im November

 

Der heilige Josaphat, Bischof und Martyrer von Polozk,

+ 12.11.1632 - Fest: 12. November

 

Eigentlich hieß der Heilige von heute Johannes und mit dem Familiennamen Kunczewitsch, ein Pole also. Den Namen Josaphat legte sich Johannes später selbst zu, als er 1604 zwanzigjährig zu Wilna in ein Kloster eintrat.

 

Kann man denn auch Josaphat heißen? Ist nicht Josaphat ein Tal in der Nähe von Jerusalem, wo dereinst am Jüngsten Tag das Weltgericht stattfinden soll? Wohl, das stimmt, denn beim Propheten Joel, Kapitel 4, Vers 12 steht geschrieben: „Es sollen sich aufmachen und heraufkommen die Völker ins Tal Josaphat, denn da will ich zu Gericht sitzen.“ Das ist das Tal Josaphat, und so erinnert uns der Name heute bereits an das Evangelium vom letzten Sonntag des Kirchenjahres über das Jüngste Gericht, auf das wir stets vorbereitet sein sollen; denn, so heißt es dort, „wie der Blitz vom Ausgang ausgeht und bis zum Niedergang leuchtet, ebenso wird es mit der Ankunft des Menschensohnes sein“. Blitzartig wird das Gericht der Ewigkeit eintreten, und deshalb muss man stets darauf gerichtet sein. Josaphat ist indessen nicht nur ein Ortsname, sondern auch ein Personenname, und der Tagesheilige heißt nun einmal Josaphat.

 

Johannes Kunczewitsch hatte das Glück, eine gute Mutter zu besitzen, die ihm früh vom lieben Heiland, von der Mutter Gottes, vom Schutzengel und von den Heiligen erzählte. Da konnte es geschehen, dass dem Jungen, wenn die Mutter vom Leiden und Sterben des göttlichen Erlösers sprach, helle Tränen über die Backen liefen. Es waren heilige Tränen, und nie braucht sich ein Kind der Tränen zu schämen, die ihm aus mitleidsvollem Herzen unwillkürlich in die Augen treten, wenn es die Geschichte vom sterbenden Heiland hört oder liest. Der ganze Himmel freut sich über die Tränen und über das Kind, das sie vergießt.

 

Johannes sollte anfänglich Kaufmann werden; er kam in die Lehre, und der Lehrherr gewann den aufgeweckten, braven jungen Mann bald so lieb, dass er ihn, weil er kinderlos war, an Sohnes statt annehmen und zum Erben von Geschäft und Vermögen einsetzen wollte. Da hätte sich Johannes also leicht ein schönes und bequemes Leben machen können, aber er war klüger und verzichtete auf das angebotene Erbe und ging, wie bereits erwähnt, ins Kloster. Das war nicht schlecht getan, denn von der Welt sagt ein Sprichwort: „Die Welt ist eine Insel, darinnen vier Festungen: Goldberg, Neideck, Hohenzorn und Haderwick.“

 

Im Kloster hieß Johannes fortan Pater Josaphat. Der junge Mönch studierte viel und betete noch mehr und war bald ein Muster aller klösterlichen Tugenden, so dass ihn die Mitbrüder zum Abt erwählten, und einige Zeit später wurde Josaphat im Alter von achtunddreißig Jahren zum Erzbischof von Polozk ernannt. Niemand ahnte, dass der kraftvolle junge Kirchenfürst damals die Scheitelhöhe des Lebens längst überschritten hatte und dass die Abendwolken dunkel und schwer sich über ihm sammelten. Fünf Jahre später nämlich wurde Erzbischof Josaphat um des katholischen Glaubens willen auf gräuliche Art ermordet. Das kam folgendermaßen:

 

Das Erzbistum Polozk lag auf der damaligen Grenze zwischen Polen und Russland. Zwar waren die Russen auch Christen, aber sie hatten keine Gemeinschaft mit dem obersten Hirten in Rom. Im Gegenteil, sie bekämpften den Papst und alle Katholiken auf jede erdenkliche Art. Seiner Pflicht entsprechend, ließ es sich Erzbischof Josaphat angelegen sein, die Russen zum einzig wahren römisch-katholischen Glauben hinüberzuziehen. Nicht ohne Erfolg tat er es, denn er war gelehrt und machte alle Gegner schnell mundtot. Dazu war er in seinem ganzen Wesen und Auftreten ein Edelchrist, der keine Forderungen an die Leute stellte, die er ihnen nicht auch selbst vorlebte. Seine ungemessene Wohltätigkeit schließlich gewann ihm alle Herzen. So kam es, dass mit der Zeit viele Irrgläubige zur Mutterkirche zurückkehrten.

 

Über die Erfolge des Erzbischofs geriet natürlich die Gegenseite in hellen Zorn, der allmählich in eine regelrechte Raserei ausartete, und als der verleumdete und verfolgte Oberhirte einst in der Kirche betete, drang eine verhetzte Rotte in das Bischofshaus und misshandelte die Angehörigen des verhassten Mannes. Da lief Josaphat hinzu und sagte: „Ihr sucht doch mich, hier bin ich.“ Bei diesen Worten stürzten sich alle auf den einen mit Stöcken und Lederriemen, und schließlich spaltete einer der Unholde dem mutigen Bischof mit dem Beil den Schädel, eindeutig um des römisch-katholischen Glaubens willen.

 

Das war der glorreiche Tod des heiligen Bischofs und Blutzeugen Josaphat, und weil er auf diese Weise zu Tod kam, findet man heute, auf ihn gedeutet, das Evangelium vom guten Hirten.

 

Der heilige Lebuin (Lebvinus/Liafwin),

Priester und Missionar bei Deventer,

Apostel der Friesen und Westfalen,

+ 12.11.773 – Fest: 12. November

 

England, die Mutter zahlloser Heiligen jener Zeit, war auch die Heimat des heiligen Lebuin oder Liafwin. Schon von früher Jugend weihte sich Lebuin ganz dem Dienst Gottes, so dass man auf ihn die Worte Salomos anwenden konnte: „An seinen Übungen erkennt man den Knaben, ob seine Werke rein und recht sind.“ Mit den zunehmenden Jahren vermehrte sich sein heiliger Eifer, so dass es keine Tugend gab, die in seinem unschuldigen Leben nicht hervorleuchtete.

 

Nachdem Lebuin die Priesterweihe empfangen hatte, zügelte er noch mehr seine Augen vor jedem gefährlichen Blick, seine Ohren vor ungeziemenden Reden, seine Zunge vor eitlem Geschwätz und unpassenden Scherzen, sein Gang war demütig und züchtig, seine ganze Haltung ehrfurchtgebietend. Seine tägliche Übung bestand darin, Gott aufs eifrigste zu verehren, zu wachen und zu beten, die heiligen Wissenschaften zu pflegen, die Regungen des Fleisches mit Fasten zu zähmen und die geistlichen Obliegenheiten im Tempel zu verrichten.

 

Als einst der eifrige Diener Gottes inbrünstig flehte, der Herr möge ihm offenbaren, wie er ihm am besten dienen könne, hörte er eine Stimme, die ihn ermahnte, dass er an der Issel, einem Fluss in Friesland, sein apostolisches Werk beginnen solle. Freudig folgte Lebuin dem Wink des Allerhöchsten, verließ sein Vaterland und reiste nach Utrecht, wo sich der heilige Abt Gregor außerordentlich über den Entschluss Lebuins erfreute und ihm den heiligen Marcellin, einen geborenen Engländer und Zögling des Kollegs in Utrecht, zugesellte, damit er ihn zur Issel begleitete.

 

Lebuin nahm seinen ersten Wohnsitz in dem Dorf Wilp, wo ihn eine katholische Witwe, namens Avenhild, gastfreundlich aufnahm. Dort predigte der Heilige mit einem solchen Eifer, dass sich in kurzer Zeit viele Bewohner taufen ließen, denen er eine Kapelle baute, um dort das heilige Messopfer zu feiern und die katholische Lehre zu verkünden. Bald fasste die Kapelle die Menge der Gläubigen nicht mehr. Deshalb baute er auf der anderen Seite des Flusses, wo jetzt die Stadt Deventer steht, eine größere Kirche und daneben eine Wohnung. Fast kein Tag erschien, wo sich nicht mehrere Menschen taufen ließen und ein christlich-frommes Leben begannen. Die Liebenswürdigkeit, die Herzensreinheit, die Freigebigkeit gegenüber den Armen und eigene Enthaltsamkeit des Heiligen zogen die Herzen des Volkes mächtig an.

 

Als die heidnischen Sachsen vernahmen, dass die benachbarten Friesen bereitwillig die christliche Lehre annahmen, fielen sie mit großer Heeresmacht in deren Land, verwüsteten Deventer mit Feuer und Schwert und mordeten die Christen, die nicht flüchteten. Lebuin würde dem Mordstrahl nicht entgangen sein, wenn ihn die mächtigere Hand Gottes nicht gerettet hätte. Nach dem Abzug der Sachsen baute Lebuin die eingeäscherte Kirche zu Deventer wieder auf und fasste den kühnen Entschluss, unter den ungezähmten Sachsen selbst das Evangelium zu verkünden.

 

Während die Edellinge, die Freien und Volksmänner der Sachsen zu Marcklo in der Grafschaft Hoya an der Weser eine Volksversammlung abhielten, um über Krieg und Frieden zu beraten, Streitigkeiten zu schlichten und Recht zu sprechen, erschien plötzlich Lebuin in ihrer Mitte und redete zu der erstaunten Versammlung: „Merket auf und wisset, dass der Herr, der Schöpfer Himmels und der Erde, des Meeres und aller Dinge, der einzig wahre Gott ist. Er hat uns gemacht, nicht wir selbst, und es ist kein anderer, außer ihm. Die Bildnisse, die ihr als Götter verehrt, sind Gold und Silber, Erz, Stein und Holz, sie leben nicht, bewegen sich nicht, fühlen nicht, denn sie sind Werke von Menschenhand. Der allein gute, gerechte und barmherzige Gott hat mich zu euch gesandt, dass ihr euren früheren Irrtum bereut und euch aufrichtig zu ihm kehrt. Wenn ihr ihn gläubig anerkennt, Buße tut und euch taufen lasst und seine Gebote gehorsam haltet, so wird er euch von allen Übeln bewahren, den Frieden schenken, mit zeitlichem Überfluss erfreuen und im zukünftigen Leben mit ewigen Gütern beglücken. Wenn ihr aber seine heilsamen Vorschriften für nichts achtet und den Irrtum eures verdorbenen Herzens nicht bessern wollt, so wisset, dass euch die Strafgerichte Gottes ereilen werden.“

 

Über die kühne Rede des verhassten Missionars wurden die Sachsen derart ergrimmt, dass sie Pfähle aus den Zäunen rissen, um den verwegenen Eindringling tot zu schlagen. Einige indes wurden im Herzen gerührt, und unter ihnen sprach der Fürst Boto: „Hört, ihr Männer! Wir nahmen die Gesandten der Normannen, Slaven und Friesen ehrenvoll auf und entließen sie reich beschenkt. Seht, hier ist der Gesandte des höchsten Gottes, der uns die Gebote des Lebens und unseres Heils bringt, und von uns nicht allein verhöhnt und verachtet, sondern auch beleidigt und mit dem Tode bedroht wird. Wie groß die Macht seines Auftraggebers sei, zeigt klar seine wunderbare Rettung aus euren Händen. Daher werdet ihr auch erfahren, wie wahr seine Drohungen sein werden, die er im Namen seines Gottes uns ankündigt.“ Durch diese Drohworte wurden die Wütenden eingeschüchtert und man beschloss allgemein, niemand solle den Gesandten Gottes angreifen, unbehelligt könne er gehen, wohin er wolle.

 

Unterdessen kehrte Lebuin in die Gegend der Issel zurück und erschöpfte sich in apostolischen Arbeiten. Den ersehnten Martertod erlitt er nicht, jedoch stand er ohne Blutvergießen eine Art beständigen Martertodes aus, denn er kreuzigte täglich seinen Leib, litt Hunger und Durst, Kälte und Blöße, fastete, wachte und betete ohne Unterlass. Abwechselnd ging er von den Friesen zu den Westfalen, predigte beiden Völkern die wahre Religion und Frömmigkeit und wird mit Recht beider Lehrer und Apostel genannt.

 

Lebuin starb um das Jahr 770, am 12. November, und wurde in dem von ihm erbauten Tempel zu Deventer begraben. Drei Jahre später machten die Sachsen unter Widukind einen Einfall in Holland, verwüsteten die Kirche zu Deventer, fanden aber das Grab des Heiligen nicht. Nachdem Karl der Große die Sachsen vertrieben hatte, schickte Abt Gregor den heiligen Ludger, damals noch Diakon der Kirche zu Utrecht, nach Deventer, um unter dem Schutt der eingeäscherten Kirche die Reliquien des heiligen Lebuin aufzusuchen. Dieser erschien in der Nacht dem heiligen Ludger und zeigte ihm die Stelle seines Grabes, das in der Tat am anderen Morgen dort aufgefunden wurde. An Wundern reich ruhen die Gebeine des heiligen Lebuin in der Stiftskirche, die nach seinem Namen benannt wurde.

 

Der heilige Kunibert, Bischof und Bekenner von Köln,

+ 12.11.663 – Fest: 12. November

 

Köln am Rhein wurde von alters her das „heilige Köln“ oder auch das „deutsche Rom“ genannt, weil es als eine der ältesten Städte auf deutscher Erde auch dem christlichen Glauben zuerst seine Tore öffnete, weil sein Boden besprengt ist mit dem Blut der elftausend Jungfrauen, des heiligen Gereon und seiner Genossen, und weil so viele heilige Bischöfe den Metropolitansitz mit dem Glanz ihrer Tugenden, Wissenschaften und Verdienste verherrlicht haben. Als erster Bischof von Köln wird ja der heilige Maternus genannt, ein Schüler des Apostels Petrus. Dem mutigen Verteidiger des christkatholischen Glaubens auf der Synode zu Sardica (347), dem Kölner Bischof Euphrates, folgte der heilige Severin. Zur Zeit des Königs Dagobert des Großen aber saß der vielberühmte heilige Kunibert auf dem Kölner Stuhl, und hat sich als Bischof und Staatsmann große Verdienste um die Kirche und das Volkswohl erworben.

 

Kunibert wurde an der Mosel im Bistum Trier von frommen Eltern, namens Krallo und Regina, geboren und am Hof des Königs Dagobert I. von Austrasien erzogen. Seinen Sinn auf das Himmlische richtend, widmete er sich dem geistlichen Stand und wurde wegen seiner hervorragenden wissenschaftlichen Bildung, wegen seiner Frömmigkeit, Umsicht, Geschäftsgewandtheit und Charakterfestigkeit als der Würdigste am 25. September 623 zum Bischof von Köln geweiht.

 

Als Bischof entfaltete Kunibert die ganze Kraft seines Geistes, um den Glauben seiner Bistumsangehörigen zu befestigen und religiösen Eifer überall zu verbreiten. Im Jahr 625 sehen wir ihn als einen der mutigsten und entschiedensten Kirchenfürsten auf der großen Synode zu Reims für Wahrheit und Recht eintreten. Am bedeutendsten und nachhaltigsten wurde seine Wirksamkeit, als er nach dem Abtreten des heiligen Arnulph von Metz im Jahr 628 Ratgeber des jungen Königs Dagobert I. wurde. In Verbindung mit Pipin von Landen regierte er jetzt, während Dagobert im Königreich Neustrien residierte, Austrasien gerecht und kräftig, und verblieb in dieser hohen Stellung auch später, als Dagobert im Jahr 633 die Krone des mit ihm unzufriedenen Austrasien an seinen erst dreijährigen Sohn Siegbert III. abgegeben hatte. Kunibert erzog den jungen Fürsten in der Furcht Gottes, in Tugend und Frömmigkeit, so dass er später unter die Heiligen versetzt worden ist. Auch verstand er es, den Adel und die Geistlichkeit so in Eintracht zu verbinden, dass dem Volk das erbaulichste Beispiel gegeben wurde. Durch seinen Einfluss bei den Königen Dagobert und Siegfried erreichte er die Stiftung der Klöster Cougnon, Stablo und Malmedy. Auch suchte er die noch heidnischen Friesen für die Kirche Jesu zu gewinnen, wozu der Kölnischen Kirche das Kastell Utrecht geschenkt wurde, jedoch hatten die Bemühungen der ausgesandten Glaubensboten wenig Erfolg. In Westfalen erwarb er die Stadt Soest mit ihrem ausgedehnten Gebiet für die Kölnische Kirche.

 

Nach Siegberts Tod im Jahr 656 zog sich Kunibert in sein Bistum zurück, unzufrieden über den neuen Hausmeier Grimoald, der den unmündigen Sprössling Siegberts, Dagobert II., heimlich nach Irland entfernte, ihn für tot ausgab und die Krone seinem eigenen Sohn zu verschaffen suchte. Doch noch in demselben Jahr 656 siegte Chlodwig II., König von Neustrien, der Oheim des noch immer für tot gehaltenen Knaben Dagobert, über den Thronräuber und vergab jetzt Austrasien an seinen Sohn Childerich II. im Jahr 658. Kunibert, obgleich hochbetagt, musste auch die Leitung dieses jungen Prinzen wieder übernehmen, bis er am 12. November 663 in die wohlverdiente ewige Ruhe einging.

 

An seinem Ende konnte Kunibert mit inniger Genugtuung auf sein langes Leben zurückblicken, von dem er vierzig Jahre auf dem bischöflichen Stuhl zu Köln zum Segen der Kirche und zum Heil des Staates in unermüdlicher Tätigkeit Gott geopfert hatte. Sein Leichnam wurde in der Klemenskirche, die er selbst für die Bequemlichkeit der Schiffer am Rheinufer erbaut hatte, feierlich beigesetzt, und bald begann man, ihn als einen Heiligen zu verehren und sein Gedächtnis alljährlich am 12. November zu feiern. An die Stelle der Klemenskirche ließ Erzbischof Konrad von Hochstaden im 13. Jahrhundert die jetzige ansehnliche Kirche zu Ehren des heiligen Kunibert selber erbauen. Im romanischen Stil aufgeführt, wurde sie in demselben Jahr 1248 vollendet, wo der Grundstein zum Kölner Dom gelegt wurde.

 

Der heilige Nilus, Einsiedler und Kirchenvater,

+ 4. Jahrhundert - Fest: 12. November

 

Nicht Adel und Ehrenstellen, nicht Reichtum und Glück haben den Namen des heiligen Nilus berühmt gemacht; aber dass er alle diese irdischen Vorzüge aus Liebe zu Gott hinopferte, und sich mit dem reinsten Herzen Jesu anschloss, hat ihm die Verehrung aller Zeiten erworben. In seiner Einsamkeit wusste er sich so verborgen vor den Augen der Welt zu halten, dass uns sogar seine in der Wüste geführte Lebensweise unbekannt ist. Alles, was wir von diesem großen Diener Gottes wissen, beschränkt sich daher auf einige allgemeine Züge. Man glaubt allgemein, dass er von Ancyra in Galatien gebürtig war, und, nach seinen Schriften zu urteilen, eine vorzügliche Erziehung genossen hat, dabei jedoch mehr zur Gottseligkeit, als zu hoher Gelehrsamkeit herangebildet worden sei. Es würde schwer sein, die Zeit zu bestimmen, wo er den heiligen Chrysostomus sich zum Lehrer wählte; doch scheint dies zu Antiochien geschehen zu sein, wohin der Ruf des heiligen Lehrers ihn mochte gezogen haben, als er der Welt entsagte.

 

Der heilige Nilus verehelichte sich mit einer Frau, die seiner würdig war, und zeugte zwei Kinder. Er lebte seiner hohen Geburt gemäß, und wurde vom Kaiser zur Würde eines Präfekten oder Statthalters von Konstantinopel erhoben. Die am Hof des Arkadius herrschenden Laster setzten das zarte Gewissen des Nilus in Schrecken, und er fürchtete in das allgemeine Verderbnis hineingezogen zu werden, und das Verlangen, allein für Gott zu leben, machte auf seine Seele einen so lebhaften Eindruck, dass er sich entschloss, die Welt auf immer zu verlassen. Seine gottselige Ehefrau, die er zärtlich liebte, und von der er ebenso zärtlich wieder geliebt wurde, gab gegen das Jahr 390 ihre Einwilligung zu seiner beabsichtigten Lebensweise. Er ließ ihr das jüngste der Kinder, eine Tochter, überzeugt, dass sie unter einer solchen Aufsicht in allem Guten heranwachsen werde. Seinen Sohn Theodul nahm er mit sich. Beide zogen sich in die Wüste Sinai zurück, wo sie den Übungen der Gottseligkeit sich weihend, große Kämpfe mit den Feinden des Heils zu bestehen hatten. (Nach einigen griechischen Handschriften haben sich die Gattin und die Tochter des heiligen Nilus in ein großes Frauenkloster nach Ägypten begeben.) Die freien Augenblicke verwandte der heilige Nilus zur Abfassung verschiedener Schriften, die bis heute erhalten sind, und als ein bleibendes Denkmal seiner erhabenen Tugend, und von seinen seltenen Rednergaben zeugen. Der hohe Begriff, den man von der Heiligkeit des Dieners Gottes hatte, bewog viele, selbst aus den höheren Ständen, ihn um Rat zu fragen, und wir sehen aus seinen Briefen, dass niemand besser als er die Lehre des Evangeliums und die Grundsätze des inneren Lebens kannte.

 

Die Werke des heiligen Nilus sind zu wichtig, als dass wir nicht in deren Einzelheiten eingehen sollten; und die daraus hervorstrahlenden Züge seiner edlen und tugendhaften Seele werden über seine Lebensgeschichte einen lieblichen Glanz verbreiten.

 

In der Abhandlung von dem Klosterleben zeigt er aus Beispielen des alten Gesetzes, dass es allzeit Menschen gegeben hat, die durch eine belehrende Lebensweise und eine gänzliche Weltentsagung nach Vollkommenheit gestrebt haben. Der geistliche Kampf, sagt er, wodurch wir unsere Leidenschaften bezähmen, um den neuen Menschen anzuziehen, ist die Kunst der Künste; allein wir dürfen nie im Streit ermüden, sondern müssen im heiligen Eifer des Tugendkampfes beharren. Jesus Christus ist vom Himmel auf die Erde gekommen, uns den Weg zu zeigen, der zur wahren Glückseligkeit führt, und den die alten Philosophen nicht gekannt haben. Die ersten Christen ahmten in allen Dingen ihrem göttlichen Meister nach; allein nach und nach erkaltete dieser Eifer. Damals sah man manche Christen die Welt verlassen, den Reichtümern und Vergnügen entsagen, um leichter ihre Leidenschaften zu unterdrücken, und sich besser in der Übung aller Tugenden zu vervollkommnen. Unglücklicher Weise beharrte aber dieser in seinem Ursprung so heilige Stand nicht in seinem hohen Streben, sondern wurde durch die Laster seiner Glieder entstaltet. Kraftvoll erhebt sich der Heilige gegen die Unordnungen der Klostergenossen, und empfiehlt ihnen nicht nur in der angeführten Abhandlung, sondern auch in seinen anderen asketischen Werken, die Armut, den Gehorsam, die Demut, den Frieden und die Eintracht.

 

Das Buch vom Gebet enthält vortreffliche Lehren. Zuerst müssen wir, sagt der Heilige, die Gabe des Gebets und der Tränen begehren. Den Heiligen Geist müssen wir anrufen, damit er in unseren Herzen jene reinen und glühenden Wünsche errege, die allzeit erhört werden. Unsere Seele muss in Bezug auf die Geschöpfe blind und stumm sein, und unser Herz frei von jeder ungeordneten Neigung. „Willst du recht beten, so verleugne dich selbst zu jeder Stunde . . . Bist du geduldig im Leiden, so wirst du froh sein im Gebet . . . Liebst du Gott, so hast du die große Kunst des Gebetes, und betest du recht, so wirst du Gott immer mehr lieben . . . Wie das Sehen der vollkommenste Sinn, so ist das Gebet die göttlichste Tugend . . . Gelangst du im Gebet zu einer Freude, die alle Freuden übersteigt, so bist du zum wahren Gott gelangt.“

 

Die in der Welt leben, sind nicht minder zum Gebet verpflichtet, als die sich besonders dem Dienst Gottes geweiht haben. Ihr Gebet kann aber nur dann wirksam sein, wenn sie damit die Mäßigkeit, die Demut, die Mildtätigkeit, die Verachtung der Erdengüter verbinden.

 

Der Heilige untersucht auch die Frage, ob die Lebensweise der Einsiedler derjenigen vorzuziehen sei, die in Klostergenossenschaften innerhalb der Städte von gottgeweihten Männern geführt werden, und erklärt sich für das Erstere. Bei dieser Behauptung setzt er jedoch voraus, dass die Einsiedler unter einem erfahrenen Meister geprüft worden sind. Denn sie müssen großer Schwierigkeiten gewärtig sein. Er selbst hatte die heftigsten Versuchungen bestehen müssen, aber er unterlag nicht, weil er sich kräftigte durch frommes Lesen, eifriges Gebet, durch Psalmengesang, durch öftere kniefällige Verdemütigungen vor Gott, durch Geduld, Erniedrigung und das Kreuzzeichen. Er empfahl anderen, dieselben Waffen zu gebrauchen, wenn sie ähnliche Versuchungen empfinden sollten. In seinen Abhandlungen über die bösen Gedanken, über die Hauptsünden, u.a.m., zeigt er geeignete Mittel an zur Ausrottung aller Laster. Vor allem hebt er die Gefahr eitler Ehrsucht und des Müßiggangs hervor. Man erkennt, sagt er, dass ein Ordensmann mit diesem letzteren Laster angesteckt ist, wenn er leicht die Augen von dem Buch abwendet, um die ihn umgebenden Gegenstände zu betrachten; wenn er vom kleinsten Geräusch schon an seine Tür hingezogen wird; wenn er träge oder eilig sich seiner obliegenden Pflichten entledigt; wenn er seine Andachtsübungen leichtsinnig aufgibt, um neue zu haschen, und vieles anfängt, ohne eins zu beenden; wenn er auf Neuigkeiten lauert, und hin und her läuft, selbst unter dem Vorwand die Kranken zu besuchen, weil er weniger aus Liebe, als aus Selbstbefriedigungssucht handelt. „Ein Ordensmann, der nicht in seiner Zelle verschlossen bleibt, ist einem ausgetrockneten in die Wüste verpflanzten Zweig vergleichbar, der, da er keine Wurzel fassen kann, niemals Frucht hervorbringen wird.“ Jene, deren Beweggrund eitle Ruhmbegierde ist, vergleicht der Heilige mit einer Angelleine, die man ins Wasser wirft, und die sogleich verschwindet, wie ein durchlöcherter Beutel, der nichts von dem Hineingelegten behält. Die eitle Ruhmbegierde ist wie eine unter dem Wasser verborgene Klippe; wenn wir daran scheitern, so ist es um alle unsere Tugenden geschehen. „Wer diesem Laster ergeben ist, betet gerne öffentlich; wer es aber besiegt hat, betet lieber und freudevoller im Verborgenen. Ein Tor zeigt seine Schätze, und reizt dadurch die Gier der Räuber. Verbirg sorgfältig deine Reichtümer, weil der Weg, den du gehst, mit Räubern besetzt ist. Dann kannst du ganz gesichert sie genießen.

 

Der heiliges Nilus bestand in der Wüste eine sehr schmerzliche Prüfung. Die Sarazenen erschlugen viele Einsiedler des Sinai, und führten den jungen Theodul, des Nilus Sohn, mit anderen Gefangenen weg. Nilus suchte ihn nun aller Orten, und fiel selbst in die Hände dieser Räuber, die ihn jedoch bald wieder entließen. Endlich fand er seinen geliebten Theodul in Eleusa, beim Bischof dieser Stadt, der ihn losgekauft hatte. Mit Freude stellte der Oberhirt dem Vater den Sohn zu, nachdem er jedoch jenen zuvor zum Priester geweiht hatte. Der heilige Nilus zählte damals fünfzig Jahre. Er starb in einem sehr hohen Alter unter Marcians Regierung. Das Jahr und die Umstände von seinem und seines Sohnes Tod sind unbekannt. Seine Reliquien wurden vom Berg Sinai unter der Regierung Justins des Jüngeren nach Konstantinopel gebracht, und nach Nicephor und den Menäen, in der Apostelkirche beigesetzt.

 

Der heilige Renatus, Bischof,

Bekenner und Patron von Angers, Frankreich,

+ 12.11.450 – Fest: 12. November

 

Die Geschichte des heiligen Renatus ist mit so viel Märchenhaften durchflochten, dass es schwer ist, die Wahrheit herauszufinden. Mehrere Schriftsteller haben geleugnet, dass er jemals auf dem bischöflichen Stuhl von Angers gesessen sei. Allein die Überlieferung dieser Kirche sagt: er sei ein Schüler des heiligen Maurillus, und Bischof von Angers gewesen, von wo er auf den bischöflichen Stuhl von Sorrento in Italien gekommen ist, und später seien seine Reliquien nach Angers zurückgebracht worden. Zu welcher Zeit diese Versetzung geschah, ist ungewiss. Man weiß jedoch, dass der Leib des heiligen Bischofs im 9. Jahrhundert schon zu Angers aufbewahrt wurde. Gegenwärtig liegt er in der Kathedralkirche, deren Patron der heilige Renatus, nebst der allerseligsten Jungfrau ist. Sein Hauptfest wird zu Angers am 12. November gefeiert. Derselbe Heilige wurde auch zu Paris in den Kirchen von St. Eustache und des Collegiums von Navarra verehrt.

 

Der heilige Ämilian von Cogolla,

Priester und Einsiedler in Spanien,

+ 12.11.574 – Fest: 12. November

 

Der heilige Ämilian, von armen Eltern geboren, hütete in seiner Jugend die Herden. In seinem 20. Lebensjahr übergab er sich der Leitung eines heiligen Einsiedlers namens Felix, der zu Bilibie, bei Najara sich aufhielt. In den Wegen der Vollkommenheit unterrichtet, kehrte er an seinen Geburtsort in Aragonien zurück. Die vielen Besuche seiner Bekannten bewogen ihn aber, sich in die disterzischen Gebirge zurückzuziehen, die sich bis zum Land der alten Cantabern erstreckten. In dieser Abgeschiedenheit widmete er sich den strengsten Bußübungen. Da ihn jedoch auch da der Glanz seiner Tugenden verriet, weihte ihn der Bischof von Tarragona zum Priester, und nötigte ihn, die Seelsorge von Vengege zu übernehmen. Seine Treue in Erfüllung seiner Pflichten, und seine Liebe zu den Armen zogen ihm Feinde zu. Einige seiner Mitbrüder, die ihm seinen Eifer nicht nachahmen wollten, beschlossen seinen Untergang, um einen Mann, der sie durch seine Heiligkeit beschämte, nicht vor Augen zu haben. Es gelang ihnen auch, den Bischof des Sprengels gegen ihn einzunehmen. Ämilian wurde genötigt seine Seelsorge zu verlassen. Er unterwarf sich dem Willen Gottes, der ihn prüfte, und kehrte freudig in seine Einsamkeit zu seiner früheren Lebensweise zurück. Wie früher war er auch jetzt ein Vater der Armen und der treue Ratgeber aller Bedrängten. Die Fastenzeit hindurch blieb er in seiner Zelle eingeschlossen, und sah niemand als einen Menschen, der ihm die notwendige Speise brachte. Die Wundergabe, mit der ihn Gott auszeichnete, verlieh seinem Namen die verdiente Ehre. Er starb in einem hohen Alter, um das Jahr 574, und wurde in die Kapelle seiner Einsiedelei beerdigt. Man glaubt, dass die seinem Leichenbegängnis beiwohnenden Ordensmänner seine Schüler waren. Ungefähr 50 Jahre nach seinem Tod erbaute man ein Kloster an dem Ort, wo seine Kapelle oder Einsiedelei stand. Gegen die Hälfte des 11. Jahrhunderts wurden seine Reliquien in das Tal verlegt, wo das Krankenhaus für die Ordensmänner stand, und man erbaute daselbst ein zweites Kloster; und jetzt noch wird der Leib des Heiligen daselbst aufbewahrt. Dieses Kloster gehört gegenwärtig zum Bistum Calahorra, in Altkastilien, drei Meilen von der Stadt Najara. Das Fest des heiligen Ämilian, den die Benediktiner zu ihrem Orden rechnen, wird an diesem Tag begangen.

 

Der heilige Livin,

Bischof und Märtyrer zu Eschen und Patron von Gent, Belgien,

+ 12.11.659 – Fest: 12. November

 

Livin war ein frommer und gelehrter Bischof aus Schottland, der nach Flandern schiffte, den Heiden das Evangelium zu verkündigen. Bevor er dieses wichtige Werk begann, wollte er sich auf besondere Weise dem Herrn weihen. In dieser Absicht betete er dreißig Tage lang auf dem Grab des heiligen Bavo zu Gent, und brachte an jedem das heilige Messopfer dar. Nachdem er sich so feierlich dem Herrn geweiht hatte, fing er an das Wort des Lebens zu verkündigen, und bekehrte eine große Menge Heiden in den Bezirken von Alost und Hattem. Zu dem heiligen Bavo hatte er allzeit eine besondere Andacht, und da er in seiner Jugend in der Dichtkunst sich geübt hatte, verfasste er eine Elegie zu Ehren dieses Heiligen, der einige Jahre vorher gestorben war.

 

Die Heiden ermordeten den heiligen Livin zu Eschen im Jahr 659. Man begrub ihn zu Hattem, eine Meile von Gent. Im Jahr 1006 wurden seine Reliquien nach Gent in das Kloster zum heiligen Petrus versetzt. Der Name des heiligen Livin steht auf diesen Tag im römischen Martyrologium.

 

Der heilige Paternus,

Ordensgeistlicher von St. Pierre le Viv, Märtyrer von Sens, Frankreich,

+ 12.11.726 – Fest: 12. November

 

Paternus, geboren im Bezirk von Coutances, bewies von Jugend auf einen unglaublichen Eifer für die Übungen der Armut, der Verdemütigungen und für strenge Bußwerke. Aus Verlangen nach gänzlicher Abgeschiedenheit verließ er das Kloster zum heiligen Paternus in Avranches, verlebte einige Zeit zu Yonne, im Bistum Sens im Kloster zum heiligen Petrus, und zog sich darauf in das nicht weit davon entfernte Kloster St. Pierre le Vif zurück. Allein die Ehrenbezeigungen, mit denen man seiner Tugend huldigte, verleideten ihm auch bald diesen Aufenthaltsort. Er entschloss sich daher, wieder in das Kloster von Yonne zurückzukehren, in der Hoffnung, daselbst verborgener leben zu können. Doch Gott ließ ihn nicht mehr dahin gelangen. Er wurde im serginischen Forst von Räubern, die er zu einem besseren Lebenswandel ermahnte, getötet. Man setzt seinen Tod gegen das Jahr 726. Nach dem damaligen Zeitgebrauch, wo man den frommen Personen, die eines gewalttätigen und ungerechten Todes starben, den Märtyrernamen erteilte, wurde auch Paternus als Märtyrer verehrt. Seine Reliquien brachte man im 10, Jahrhundert in das Kloster zum Erlöser in Bray-sur-Seine.

 

Der heilige Rufus,

1. Bischof und Bekenner von Avignon, Frankreich,

+ 12.11.290 ? – Fest: 12. (14.) November

 

Wie es scheint, war der heilige Rufus von Geburt ein Römer und lebte im dritten Jahrhundert. Von seinem Leben ist uns nichts bekannt. Sein Name steht unter dem 12. November in den Martyrologien von Beda, Ado und Usuard, und im römischen. Sein Fest wird aber zu Avignon am 14. Eben dieses Monats gefeiert. Die Kathedralkirche von Avignon bewahrt seine Reliquien. Eine berühmte Kongregation regulierter Chorherren trug einst seinen Namen.

 

(Die vom heiligen Chrodegand zu Metz eingeführte Regel wurde von den meisten Kathedralkirchen Frankreichs im 11. Jahrhundert angenommen. Sie schrieb das gemeinschaftliche Leben, unter besonderen Satzungen, und den Gehorsam gegenüber einem Obern vor. Nach und nach verließ man aber diese Lebensweise wieder. Unter anderem wichen auch die Kanoniker von Avignon davon ab. Vier von ihnen zogen mit Zustimmung ihres Bischofs Benedikt, und ihrer Mitbrüder an die Kirche zum heiligen Justus an der Stadtmauer, wo die Reliquien des heiligen Rufus aufbewahrt wurden. Der Bischof, das Kapitel und Berengar, der Graf von Avignon, traten ihnen durch eine Urkunde vom 1. Januar 1038 diese Kirche ab. Bald schlossen sich mehrere eifrige Kanoniker aus verschiedenen Kirchen ihnen an, und so erhielt die vom heiligen Rufus benannte Kongregation ihren Ursprung. Sie hat der Kirche 4 Päpste, mehrere große Bischöfe, und viele durch Wissenschaften und Tugenden ausgezeichnete Männer gegeben. Bald gründeten sie auch Einrichtungen in Frankreich, Italien, Spanien, in Norden, in Griechenland, zu Tunis und Algier. Unter dem Oberhirtenamt von Hadrian VI. stiftete ein Engländer, aus eben diesem Orden und Abt zu St. Rufus, ein Ordenshaus in Norwegen, wo er als Legat hingesandt worden war. Als das Kloster zum heiligen Rufus bei Avignon durch die Albigenser zerstört worden war, verlegten die Kanoniker 1140 ihren Sitz in ein ihnen angehörendes Priorat zu Valence in Dauphiné. Dieses Haus wurde dann der Hauptsitz des Ordens, der immer von einem regulierten Abt geleitet wurde. Da jedoch in den letzten Zeiten die Kongregation von St. Rufus nicht mehr zahlreich genug war, wurde sie noch vor der Revolution aufgehoben, und die Einkünfte des Hauptortes so verteilt, dass das Bistum von Valence die des Abtes, und die dortige Kathedralkirche die des Konvents erhielt.)

 

Der heilige Didakus von Alkala, Spanien,

Laienbruder bei den Franziskanern,

+ 12.11.1463 - Fest: 12. November

 

Bei dem Heiligen vom heutigen Tag, einem Spanier, ist bereits der Name nicht ohne Interesse, denn Didakus heißt er auf Latein, spanisch aber lautet der Name Diego, wobei auch das e vollsilbig ausgesprochen wird, also Di-e-go. Das ist auf Deutsch Jakob, und Jakob wollen wir daher den Tagesheiligen auch nennen.

 

Jakob war ein Armeleutekind, lernte weder lesen noch schreiben, wohl aber früh fleißig arbeiten, was sicher kein Fehler ist, denn Kinder, die zeitig zu rechter Arbeit angehalten werden, entwickeln sich später nicht leicht zu verspielten Menschen, wohl aber zu lebenstüchtigen Frauen und Männern.

 

Weil Jakobs Sinn nicht auf die Welt stand, ging er ins Kloster. Dort war er Koch und Küchenmeister.

 

Weil Bruder Jakob viel mit Gott verkehrte, teilte sich auch Gott ihm mit und gab dem ungelehrten Klosterbruder mit der Zeit ein solches Wissen um die übernatürlichen Dinge, dass selbst berühmte Gottesgelehrte nicht mehr mitkamen, sondern bei Bruder Jakob in die Schule gingen, der seine Kenntnisse übrigens nicht mühsam zu lernen brauchte, sondern von Gott eingegossen erhielt, wie man Öl in eine Lampe gießt, damit sie leuchte.

 

Später hat Bruder Jakob eine Zeitlang als Missionar unter den Heiden auf den Kanarischen Inseln an der Westküste Afrikas mit gutem Erfolg gewirkt. Noch später kam er als Krankenpfleger nach Rom. Da hat er viele gesund gemacht, oft durch ein einfaches Kreuzzeichen oder durch Öl, das er der Ampel entnahm, die vor dem Muttergottesaltar brannte. Die Leute behaupteten damals steif und fest, der Klosterbruder wirke Wunder. Die Aussage ist sicher nicht von der Hand zu weisen, denn mit Gottes Hilfe geschehen auf die Fürbitte der Heiligen Wunder zu allen Zeiten.

 

Als Bruder Jakob ein alter Mann geworden war, kehrte er nach Spanien heim, um dort zu sterben. Bevor er starb, musste er noch manche schmerzhafte Krankheit durchmachen. Schließlich schlug aber auch für ihn die letzte Stunde. Von Augenblick zu Augenblick verlangsamte sich der Atem und setzte endlich ganz aus, so dass die Mitbrüder, die am Sterbelager knieten und beteten, der Meinung waren, er sei bereits verschieden. Doch da öffnete Bruder Jakob noch einmal groß die Augen und lachte aus vollem Herzen, und als man ihn fragte, warum er denn lache, gab er zur Antwort: „Ich hätte nicht geglaubt, dass es im Paradies solch schöne Blumen gibt, wie ich sie soeben sah.“ Mit diesen Worten und dem Lächeln auf den Lippen ging Bruder Jakob gleich darauf hinüber in den Himmel, in den er kurz zuvor bereits einen Blick hatte werfen dürfen.

 

Aus anderen Quellen:

 

Der heilige Diego, ein Laienbruder aus dem Franziskanerorden, wurde in der Burg St. Nikola in der Diözese Sevilla geboren. Schon in seiner Jugend wurde er von einem heiligen Priester in den Grundlagen des vollkommenen Lebens unterrichtet. Das große Verlangen, Jesus dem Gekreuzigten nachzufolgen, veranlasste ihn, der Welt für immer zu entsagen, in den Franziskanerorden einzutreten, um als Laienbruder dort die Gelübde abzulegen. Mit einem Priester zusammen auf die kanarischen Inseln gesandt, bewies er einen unermüdlichen Eifer in der Bekehrung der Götzendiener und wurde, obwohl nur ein Laie, von seinem Obern zum Guardian eines Klosters ernannt, das auf der Insel Fuerteventura gegründet worden war. Darauffolgend wieder nach Spanien zurückgekehrt, wohnte er in verschiedenen Klöstern seines Ordens, ohne in seinem Eifer nachzulassen, und war so in Gott versunken, dass er nur zu ihm und von ihm reden konnte. Im Jahr 1450, wo der heilige Bernhardin von Siena aus dem Franziskanerorden heiliggesprochen wurde, begab er sich nach Rom und diente während seines Aufenthalts dort den Kranken seines Ordens mit einer Liebe, die nur ein Heiliger ausüben kann. Als er wieder nach Spanien zurückgekehrt war, brachte er den größten Teil seines übrigen Lebens in den Klöstern von Sevilla, Saussaya und Alcala zu und ging jeden Tag mit großen Schritten weiter in der Vollkommenheit. Er starb ruhig im Herrn, am 12. November 1463, und wurde nach seinem Tod von Gott durch viele Wunder verherrlicht.

 

Der heilige Diego tat sich besonders durch seine Verehrung für die heilige Jungfrau hervor. Er fastete alle Samstage und am Vorabend ihrer Feste bei Wasser und Brot. Bei seinen Unternehmungen nahm er zu ihr mit dem größten Vertrauen seine Zuflucht. Er hatte auch die Gewohnheit, mit dem Öl ihrer Lampe die Kranken zu bestreichen, die zu ihm kamen, worauf er sie mit dem Zeichen des Kreuzes bezeichnete, wodurch viele geheilt wurden. Einmal begegnete er zu Sevilla einer armen Frau, die ein entsetzliches Geschrei ausstieß, wie wenn sie in einem Zustand des Wahnsinns gewesen wäre. Die Ursache ihrer Schmerzen war der Verlust ihres Sohnes, der sich in einem Ofen versteckt hatte, in den man ohne zu wissen, dass er sich darin befand, Feuer anzündete. Die unglückliche Mutter, die ihm nicht helfen konnte, weinte, jammerte, war außer sich. Der Heilige hatte Mitleid mit ihr und riet ihr, in die Hauptkirche zu gehen, sich vor dem Bildnis der seligsten Jungfrau anzuempfehlen, auf Gott zu hoffen, und ihr Sohn werde gerettet werden. Die arme Mutter folgte diesem Rat, und die seligste Jungfrau nahm ihren Sohn auf so wunderbare Weise in Schutz, dass man ihn unversehrt aus dem Ofen brachte, obwohl das Holz, das man eingelegt hatte, gänzlich verbrannt war. Das Gerücht von diesem Wunder verbreitete sich in der Stadt, und vermehrte die Verehrung zum Bildnis der heiligen Jungfrau, dem man in der Folge viele andere Wunder verdankte. Um die Herrlichkeit seiner heiligen Mutter an das Licht zu bringen, bediente sich Gott der zärtlichen Liebe, die der heilige Diego für sie hegte.

 

Mutter Theresia Maria vom heiligen Joseph

Gedenktage und Lebensskizzen hervorragender

Mitglieder des Karmelitenordens

 

Gedächtnis der lobwürdigen Mutter Theresia Maria vom heiligen Joseph. Theresia Maria (Klara), eine Tochter Ferdinands, des Herzogs von Bayern, war am 10. März 1608 zu München geboren. Da ihre Mutter, die dem Vater in unebenbürtiger Ehe angetraute Maria Pettenbeck, allzeit kränkelte, verbrachte Theresia Maria die ersten fünf Jahre ihres Lebens bei ihrer Tante in München, die beiden folgenden Jahre zusammen mit ihrer Schwester Maximiliana in einem klösterlichen Institut. Danach wurde sie gemäß dem Wunsch des inzwischen verstorbenen Vaters an den Hof der Königin Konstantia von Polen gebracht. Da Theresia Maria von Natur aus eine heftige Gemütsart besaß, fürchtete die Königin sehr für ihre Zukunft. König Sigismund tröstete sie jedoch, indem er versicherte: "Lasset sie jetzt! Ihr werdet sehen, sie geht noch ins Kloster." Theresia selbst war aber weit entfernt, so zu denken, betete im Gegenteil, Gott möge sie doch vor so einem Schritt bewahren. Einmal sah sie im Traum ein gewaltiges Feuer und erkannte, dass dies das höllische Feuer sei. Gleich darauf erblickte sie einen Ort unaussprechlicher Freude. Als sie in ihn eintreten wollte, wurde ihr aber gesagt: "Dahin wirst du nicht gelangen, sondern in die Hölle kommen, wenn du nicht dein Leben besserst und Buße tun." Dieser Traum machte einen tiefen Eindruck auf Theresia, wenn er auch nicht lange anhielt. Im Alter von 18 Jahren vernahm sie, während am Samstag vor Septuagesima eben das doppelte "Alleluja" gesungen wurde, eine Stimme, die zu ihr sprach: "Du wirst das fröhliche Alleluja nie mehr hören, sondern verdammt werden, wenn du dich nicht durch ein Gelübde verpflichtest, ins Kloster zu gehen." Auch durch diese Worte wurde sie tief erschüttert. Doch widerstrebte sie noch lange, bis sie zu sprechen vermochte: "Wenn es einmal nicht anders sein kann, dann verspreche ich, Klosterfrau zu werden; aber nicht frohgemut, sondern nur notgedrungen." Kurz darauf sandte ihr die Schwester Maximiliana ein "Leben der heiligen Theresia", bei dessen Lesung sie wunderbar erleuchtet wurde. Nun fasste sie unwillkürlich den Entschluss, Karmelitin zu werden. Nach dem Tod der Königin Konstantia träumte ihr, die Verstorbene komme ihr auf dem Weg durch eine Stadt entgegen, fasse sie an der Hand, führe sie in eine Kirche und spreche vor dem Hochaltar: "Da musst du dich Gott hinopfern." Sie wusste damals noch nicht, dass es in Polen Karmelitinnenklöster gibt. Wie staunte sie, als sie später nach Krakau kam und in der Kirche der Karmelitinnen genau die Kirche erkannte, die sie in jenem Traum gesehen hatte. Jetzt war sie überzeugt, dass Gott sie dort haben wolle, und trat trotz der vielen Hindernisse am 21. Februar 1634 ein. Ihr neuer Beruf forderte allerdings viele Opfer, war ja ihre jetzige Lebensweise der früheren so ganz entgegengesetzt. Doch Theresia erfüllte alle ihre Pflichten mit Mut und Ausdauer und empfand, wenn sie Holz in die Küche trug, die Gänge fegte oder im Winter die Öfen heizte, mehr Freude als ehedem bei den glänzenden Festen am Hof und fühlte sich gleichsam als Herrin der Welt. Zwar blieben ihr auch Kämpfe nicht erspart, aber sie überwand diese siegreich, wobei ihr besonders die kindliche Offenheit nützte, die sie ihren Vorgesetzten gegenüber an den Tag legte. Sieben Jahre nach der heiligen Profess wurde sie zur neuen Gründung in Lemberg abgeordnet. Als die Türkengefahr sie zwang, diese Stadt zu verlassen, und die Oberen daran dachten, sie zu einer neuen Stiftung in Warschau zu bestimmen, bat Theresia sie inständig, doch davon abzusehen. Sie wollte dem königlichen Hof nicht so nahe sein und sprach: "Lieber will ich in meinem Nestchen sterben, da, wo ich wiedergeboren bin." Man erfüllte ihren Wunsch und beließ sie bei ihren Schwestern, die sie zu ihrer Priorin wählten. Am 12. November 1632 starb sie, jedoch nicht in Krakau, sondern auf einem Schloss des Bischofs in Kielce, wohin sie wegen der herrschenden Pest mit dem ganzen Konvent hatte flüchten müssen. Nach dem Tod wurde ihr Leichnam mit den größten Ehren nach Krakau zurückgebracht und in der königlichen Gruft beigesetzt. 

 

Pater Sigismund von allen Heiligen

Gedenktage und Lebensskizzen hervorragender

Mitglieder des Karmelitenordens

 

Am 12. November 1753 schied zu Würzburg der lobwürdige Pater Sigismund von allen Heiligen aus dem Leben. Pater Sigismund, Johann Michael Dürr, war am 27. September 1677 zu Thüngersheim in Franken geboren. Seine frommen Eltern ließen ihn zu Würzburg das Gymnasium besuchen und Philosophie studieren, und waren nicht wenig erfreut, zu sehen, dass er wie in der Wissenschaft so auch in der Tugend die schönsten Fortschritte machte. Sein frommes Gemüt führte ihn im Jahr 1700 in den Karmel. Das Noviziat machte er zu Köln, die theologischen Studien vollendete er zu Augsburg. Sein Seeleneifer drängte ihn, sich durch ein Gelübde zu verpflichten, Missionar zu werden. Zur Vorbereitung auf diesen seinen apostolischen Beruf wurde er nach Rom geschickt, wo er durch seine Kenntnisse in so hohem Grad hervorragte, dass er würdig gefunden wurde, vor Kardinälen in öffentlicher Disputation aufzutreten, was er auch mit großem Erfolg tat. Bald darauf trat er die Reise in die Missionen an, begab sich nach Lissabon und Cadix, um dort auf eine Reisegelegenheit nach Indien zu warten. Aber statt des ersehnten Schiffes kam der Befehl, in die Heimat zurückzukehren. Pater Sigismund tat es im gleichen Gehorsam wie einst die jugendliche Reformatorin des Ordens, die heilige Theresia. Da es ihm nicht vergönnt war, Heiden in den Schoß der heiligen Kirche zu führen, bemühte er sich um so eifriger, durch Gebet, Bußübungen und seelsorgliche Betätigung Sünder zu bekehren. Mit Staunen liest man, mit welchem Eifer er im Beichtstuhl wirkte, aber auch wie hoch und nieder in Scharen sich um ihn drängte. Pater Sigismund besaß eben die wunderbare Gabe, zum Herzen zu reden und jedem gerade das zu sagen, was er bedurfte. Während der letzten beiden Lebensjahre machten es ihm seine Gebrechlichkeit und seine Leiden unmöglich, dies Werk der Barmherzigkeit fortzusetzen, nur einzelne Herren, die man nicht abweisen konnte, hörte er noch in der Zelle Beichte. Dabei machte er, wie sein Leben lang, so auch jetzt noch, solange er es vermochte, die gemeinsamen Übungen gewissenhaft mit, zum Beispiel den Chor und die Betrachtung, wozu er in der Regel als erster erschien. Im Jahr 1752 war es ihm gegönnt, seine Jubelprofess zu feiern. Gegen Ende des folgenden Jahres starb er, mit dem greisen Simeon sprechend: "Nun lässt du deinen Knecht in Frieden scheiden, Herr, nach deinem Wort; denn meine Augen haben dein Heil gesehen." Als man in den siebziger Jahren des 19. Jahrhunderts seine Gruft öffnete, fand man seinen Leib ganz unversehrt, als ob er nur schlafe; doch zerfiel er in Staub, nachdem er einige Tage an der Luft gestanden hatte.

 

Mutter Alberta vom heiligen Joseph

Gedenktage und Lebensskizzen hervorragender

Mitglieder des Karmelitenordens

 

Gedächtnis der lobwürdigen Mutter Alberta vom heiligen Joseph. Mutter Albertas Geburtstag war der 24. Oktober 1840, ihr weltlicher Name Katharina Kaufmann, ihr Geburtsort Peuerbach in Oberösterreich. Sie war von klein auf sehr zartfühlend und mitleidig. Eine köstliche Probe davon gab sie in der frühesten Jugendzeit. Als sie auf Bildern eines Gebetbuches der Mutter sah, wie die Henker auf Jesus einschlugen, kratzte sie ihre Fäuste aus und sagte in ihrem kindlichen Sinn triumphierend: "Jetzt schlag zu, wenn du kannst." Gern schenkte sie den Armen, was sie selber hatte. Wenn sie aber selbst nichts mehr hatte, so ging sie zur Mutter und bettelte für sie. Ihr Lieblingsbuch war die Heiligenlegende, am liebsten las sie die Leben der heiligen Jungfrauen, wofür sie auch andere zu gewinnen suchte. Groß war ihr Einfluss auf ihre Geschwister und Gespielinnen, so groß, dass sie ihr zum Teil in das Kloster nachfolgten. Ihr Eintritt erfolgte zu Graz am 31. Dezember 1861. Da der Staat in jener Zeit die Ablegung der heiligen Gelübde erst nach Vollendung des 24. Lebensjahres gestattete, hatte Mutter Alberta eine lange Zeit bangen Harrens durchzumachen. Sie fürchtete sehr, wieder entlassen zu werden, obwohl sie in Wirklichkeit ob ihrer Liebenswürdigkeit von allen hochgeschätzt wurde. Während der ersten Zeit ihres Ordenslebens hatte sie auch mit argem Heimweh zu kämpfen. Sie konnte deshalb später in aller Wahrheit zu den Novizinnen sagen: "Diese Tränen kenne ich gut, ich habe sie auch einmal geweint." Welche Schwierigkeiten ihr auch begegneten, sie erschrak vor keiner, ja ihr Eifer war so groß, dass sie sich mit Erlaubnis des Beichtvaters durch ein Gelübde verpflichtete, stets das Vollkommenere zu tun. Wie sie sich in Graz bestrebt hatte, möglichst vollkommen zu leben und andere dazu anzueifern, so auch in Wien-Baumgarten, wohin sie im Jahr 1890 geschickt wurde. Wohl hatte sie als die Leiterin der Gemeinde mit Schwierigkeiten zu kämpfen, weil durch die gleichzeitigen Neustiftungen in Selo und Mayerling die Mittel sehr knapp wurden. Doch verzagte sie nicht, sondern setzte ein kindliches Vertrauen auf den heiligen Joseph, zu dem sie sprach: "Du musst helfen, es sind ja deine Kinder, es ist ja dein Kloster." Und Sankt Joseph blieb ihr gewogen. Mutter Alberta regierte nicht nur, sie war den Ihrigen auch eine gute, treubesorgte Mutter. Hatte sie sich gesättigt, so stand sie gern vom Tisch auf, um die Schwestern zu bedienen, oder ging in die Küche, um zu helfen, damit die Laienschwestern auch ihre Mahlzeit etwas früher einnehmen konnten. Herzlich freute sie sich, wenn sie ein Almosen geben konnte, sei es, dass sie einer Schwester einen Apfel oder sonst eine Kleinigkeit reichte, sei es, dass sie einem Armen ein Kleidungsstück übergab, oder einer bedürftigen Kirche Paramente zukommen ließ. Dabei war sie einfach, gütig und froh wie ein Kind. Obwohl sie bald nach der Profess erkrankte und die übrige Lebenszeit mehr oder weniger leidend blieb, machte sie doch alle gemeinsamen Übungen nach Möglichkeit mit und erfüllte während 15 Jahren ihre Pflichten als Priorin in musterhafter Weise. Als ihre Amtszeit wieder abgelaufen war, lehnte sie mit Rücksicht auf ihren leidenden Zustand eine Wiederwahl auf das entschiedenste ab und erbaute die ganze Gemeinde durch die völlige und kindliche Ergebung, mit der sie sich der neuen Priorin unterordnete. Mit dem Osterfest 1910 begann ihre eigentliche Leidenszeit. Es traf sie ein Schlaganfall. Leiden folgte auf Leiden bis zu ihrer völligen Erschöpfung. Doch Mutter Alberta klagte nicht. Trotzdem sie manche Speisen nicht mehr vertragen konnte, wollte sie dennoch keine Ausnahme machen, sondern nur genießen, was die anderen auch erhielten. Das war eben das Vollkommenere und nach dem Vollkommeneren strebte sie bis zum letzten Augenblick ihres Lebens, bis sie sanft entschlummerte am 12. November 1911.

 

Gebet am 12. November

 

Maria, du Spenderin der Gnaden! Von dir redet die Schrift mit den Worten: "Wo die Frau nicht ist, da seufzt der Arme." Ja, wo sollte ich Trost finden, wenn nicht bei dir, wo Rettung suchen, Hilfe erhoffen? Wen du schützt, der lebt sicher. Wer dich verlässt, ist verloren. Siehe, arm und elend wie ich bin, seufze ich zu dir empor. Strecke deine Rechte nach mir aus, wie eine Mutter nach dem fallenden Kind. Halte mich fest auf dem Pfad des Guten, dass ich nicht wanke und strauchle. Stehe mir immer schirmend zur Seite, wenn Gefahr mir droht, wenn die Sünde mir winkt, wenn Feinde mir nachstellen. Ganz besonders aber hilf mir in der Stunde des Todes. Amen. 

 

Zu Gott

 

Wir bitten Dich, o Gott, verleihe uns die Gnade, die kurzen Leiden dieses Lebens Dir zu Liebe recht willig und standhaft zu tragen, und uns dadurch der ewigen Freuden würdig zu machen, durch Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Didakus

 

O Gott, der Du durch eine wunderbare Anordnung das, was vor der Welt schwach ist, erwählst, um das Starke zu beschämen, verleihe uns, dass wir auf die Fürbitte des heiligen Didakus zur ewigen Herrlichkeit im Himmel aufgenommen werden, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Der heilige Abt Theodorus, der wegen seines von dem Konsul Studius gestifteten Klosters Studita genannt, und dessen Festtag gestern gefeiert wurde, hat für die Ehre der seligsten Mutter Gottes sowohl in seinen Reden von der seligsten Jungfrau, als in seinen Arbeiten und Leiden zur Verteidigung ihrer Bildnisse gegen die bilderstürmerischen Kaiser im 9. Jahrhundert tapfer gekämpft. Er starb nach siebenjährigem Leiden im Jahr 826 und schrieb verschiedene gelehrte Werke.

 

Andacht am 12. November:

 

Das Thema im November:

Liebe

"Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." (Matthäus 22,37-39)

 

"Wenn du den Umfang deiner Liebe zu Gott wissen willst, so forsche, wie groß dein Verlangen nach Leiden und Demütigungen ist. Die Seele wächst in der Liebe Gottes nach Maßgabe ihres größeren Verlangens zu leiden und erniedrigt zu werden. Dies sind die sicheren Merkmale dieses himmlischen Feuers; alles übrige ist nur Rauch." (Der heilige Vinzenz von Paul)

Der heilige Johannes vom Kreuz bat den Herrn, zur Belohnung für die vielen Leiden und Verfolgungen, die er um Seinetwillen ertragen hatte, ihm immer noch größere Leiden und Demütigungen zu bereiten. Sein Wahlspruch war: "Um Deinetwillen leiden und verachtet werden!"

Als die heilige Mechthild die Worte des Evangeliums singen hörte: "Simon Johannis, liebst du Mich mehr, denn diese?" wurde sie wie in Gott entzückt, und es kam ihr vor in dieser Entzückung als fragte Christus sie: Mechthild, liebst du Mich mehr als alles in der Welt? Sie antwortete: Du weißt, Herr, dass ich Dich liebe! - Der Herr fragte weiter: Liebst du mich so sehr, dass du um Meinetwillen Schmerzen, Peinen und Erniedrigungen leiden möchtest? Hierauf antwortete sie: Du weißt, Herr, dass kein Kreuz mich von Dir zu trennen vermag! - Wenn aber, fragte der Herr, diese Martern furchtbar wären, würdest du sie Mir zu Liebe gern und mit Freude leiden? Da sprach sie: Ja, mein Gott, zu allem bin ich bereit. Glückselig würde ich sein, wenn ich etwas für Dich zu leiden hätte, der Du mir zu Liebe so vieles gelitten hast; alles würde mir leicht vorkommen bei dem Gedanken, dass Du mir zu Liebe ein Mann der Schmerzen werden wolltest!

Deutlich zeigte der heilige Benedikt Josef Labre durch seine Lebensweise, dass ihn gleichsam nach Leiden und Demütigungen hungerte. Die Liebe, die er zu seinem göttlichen Heiland trug, entzündete seine Sehnsucht nach Leiden auf wundersame Weise. Eines seiner gewöhnlichen Schlussgebete war: "O Jesus, meine Liebe, ich gebe Dir mein Herz! O unendlich geliebter Heiland, pflanze Dein heiliges Leiden in mein Herz!

 

Gib mir, o Herr, die Liebe und das Verlangen nach Demütigungen und Leiden; und gestatte nicht, dass je ein Kreuz mich von Dir trennt! Präge Dein heiliges Leiden mir tief ins Herz, auf dass ich mich glückselig achte, wenn mir um Deinetwillen irgendein Leiden zuteilwird! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 12. November

 

"Wenn ihr betet,

so habt allezeit die Gegenwart Gottes vor Augen,

und ihr werdet wie eine unerschütterliche Säule,

an der sich alle Angriffe und alle Spöttereien des Teufels brechen."

 

hl. Ludwig von Granada OP

1504 bis 31.12.1588

 

Betrachtung am 12. November - Von Gottes barmherziger Strenge

 

Barmherzig bist du, Herzergründer.

Schlägst du, so heilst du den Sünder;

Denn träfen ihn nicht deine Pfeile,

Er käme nimmermehr zum Heil.

 

1. Gott folgt dem Menschen, der durch die Sünde ihn verlässt, überall nach, und seine Barmherzigkeit ist es, die ihm die Hindernisse in den Weg legt, die seine sündhafte Lust stören und verbittern. Denn verleiden will er ihm die Sünde und zur reinen und wahren Freude ihn zurückführen. Wären die falschen Freuden dieser Welt nicht von Dornen durchflochten, würde der Sünder, der ihnen nachjagt, nicht dabei verwundet und gepeinigt. Wären ihre Früchte nicht so bitter und brächte ihr Genuss nicht Ekel und Überdruss hervor, so wäre die Rückkehr zu Gott gleichsam unmöglich, weil der Leidenschaft eine Art unvermischter Glückseligkeit innewohnte. 

 

2. Gott jedoch hat barmherzige Absichten mit dem Sünder. Er weckt ihm Hindernisse, Kummer, Verlegenheiten und Verdruss aller Art, damit er einsehen lerne, dass die Glückseligkeit nicht dort ist, wo er sie sucht, und von seinen Verirrungen zurückkehrt. Wäre der verlorene Sohn nicht nahe daran gewesen, vor Hunger und Elend zu verschmachten, er wäre weder in sich gegangen, noch in das väterliche Haus zurückgekehrt. Das gegenwärtige Elend weckt die Erinnerung an den früheren Wohlstand, sowie die Hoffnung, wieder dazu zu gelangen. Und dies ist es, was die meisten zurückführt. Ich war glücklich, spricht der Sünder, als ich unschuldig war, und war elend, als ich mich strafbar machte. So kehren wir denn zu Gott zurück.

 

3. Gottes Absicht ist keineswegs, uns alle Freuden zu entziehen, sondern uns zur Einsicht zu führen, dass die wahre Freude von einem reinen und frohen Gewissen ausgeht, das nur in seinem Dienst erlangt wird, und dass alles Vergnügen, das die Vernunft missbilligt und die Religion verdammt, immer mehr Bitterkeit als Süße in sich fasst. Davon auch überzeugt uns selbst unser innerstes Bewusstsein. Wie also können wir noch warten, zur Ordnung Gottes zurückzukehren, die der unversiegbare Quell einer reinen, heiteren, lieblichen Freude ist, da alle Leidenschaften der Vernunft, die Vernunft aber Gott unterworfen ist und ihn besitzt, einer Freude, die keinen Überdruss, keine Angst, keine Reue kennt? Psalm 32,11: "Freut euch am Herrn und jauchzt, ihr Gerechten, jubelt alle, ihr Menschen mit redlichem Herzen!"

 

13. November

 

Der heilige Stanislaus Kostka von Polen, Novize SJ,

+ in Rom 15.8.1568 – Fest: 15. August und 13. November im Jesuitenorden

 

Wie schön und anmutsvoll erscheint eine Lilie, die vom Tau des Himmels befeuchtet und von der Morgensonne beschienen, ihren Glanz und süßen Duft ausgießt. Aber noch schöner ist eine jugendliche Seele, die, mit himmlischer Gnade erfüllt, von Tag zu Tag sich herrlicher entfaltet in Tugend und Gottesfurcht. Eine solche prächtige Blume im Garten Gottes war der heilige Stanislaus, der am 28. Oktober 1550 zu Kostka in Polen das Licht der Welt erblickte. Sein Vater, Johannes Kostka, und seine fromme Mutter, Margareta Kriska, stammten aus einem alten Adelsgeschlecht. Der kleine Stanislaus wuchs in Unschuld und frommen Übungen heran und hatte eine solche zarte Schamhaftigkeit, dass er in Ohnmacht fiel, wenn er ein unkeusches Wort hörte.

 

Im Jahr 1564 kam Stanislaus mit seinem älteren Bruder Paul ins Konvikt der Jesuiten nach Wien, um sich weiter auszubilden, und zeichnete sich durch Eifer im Gebet und Studium, durch seine Zurückhaltung und Unschuld so sehr aus, dass ihn alle seine adeligen Mitschüler lieb gewannen. Doch schon nach zwei Jahren wurde das Konvikt vom Kaiser aufgehoben, und Stanislaus musste mit seinem Bruder Paul aus Mangel an Platz in einem lutherischen Haus Kost und Wohnung nehmen. Der fromme junge Mann widmete alle seine Zeit dem Studium und Gebet, fastete viel und suchte seine einzige Erholung im Besuch des Allerheiligsten in der Jesuitenkirche und im Preis der Himmelskönigin.

 

Die Demut und Zurückhaltung, die Enthaltsamkeit und Schweigsamkeit, die allsonntäglichen Beichten und Kommunionen seines jüngeren Bruders waren dem adelstolzen, genusssüchtigen Paul ein Dorn im Auge. Unaufhörlich quälte und beschimpfte und verhöhnte er ihn, schlug ihn und trat ihn mit Füßen. Auch sein Hofmeister tadelte ihn als Betbruder, der weniger auf feine, adelige Manieren achte, als auf seinen schwärmerischen Hang zu frommen Übungen. Stanislaus ertrug alle Unbilden mit himmlischer Geduld, aber mehr und mehr stieg in ihm der Wunsch auf, der Welt gänzlich zu entsagen und in die Gesellschaft Jesu einzutreten. Er teilte deshalb seinem frommen Beichtvater seinen Entschluss mit und bat den Ordensprovinzial Laurentius Magnus um Aufnahme in den Jesuitenorden. Es wurde ihm die Aufnahme unter der Bedingung gewährt, dass seine Eltern einwilligten, aber auf diese durfte er nicht rechnen.

 

Infolge der Fasten, Nachtwachen und ständigen Quälereien durch seinen Bruder, ergriff ihn im Jahr 1566 eine tödliche Krankheit. Stanislaus verlangte sehnlichst nach den heiligen Sterbesakramenten, aber weder der protestantische Hausherr, noch sein Bruder und Hofmeister ließen sich bewegen, sein Begehren zu erfüllen. Im tiefsten Seelenschmerz flehte Stanislaus zur heiligen Barbara, sie möge ihm die Gnade des heiligen Sakramentes verschaffen. Seine Bitte wurde erhört. Um Mitternacht erschien ihm die heilige Barbara, begleitet von zwei Engeln, die ihm die heilige Kommunion reichten. Bald darauf erschien ihm die Mutter Gottes, legte das Jesuskind in seine Arme, tröstete ihn und mahnte ihn, in die Gesellschaft Jesu einzutreten. Welche Freude mochte das Herz des frommen jungen Mannes in jener seligen Stunde bewegen.

 

Bald genas Stanislaus von seiner schweren Krankheit und begehrte Aufnahme in den Jesuitenorden. Der Provinzial verweigerte ihm aber die Aufnahme, bis er die Genehmigung seiner Eltern eingeholt habe. Darauf riet ihm ein frommer Priester, den Provinzial von Oberdeutschland, Petrus Canisius, oder den Ordensgeneral Franz Borgias in Rom zu Rate zu ziehen. Stanislaus sah diesen Rat als einen Wink vom Himmel an. Als ihn sein Bruder wieder hart behandelte, sprach er zu ihm: „Du zwingst mich, Bruder, dass ich dir entlaufe, und du wirst es bei unseren Eltern zu verantworten haben.“ Hierauf legte er seine Kleider ab, hüllte sich in ein Bettlergewand, hörte noch die Heilige Messe und begab sich auf die Reise mit dem festen Vorsatz, niemals zurückzukehren, und sein Brot so lange zu erbetteln, bis er Aufnahme in den Jesuitenorden gefunden hätte. Nach einigen Stunden jagten sein Bruder, der Hofmeister und Hauswirt ihm nach, holten ihn ein, erkannten ihn aber nicht. Stanislaus kam wohlbehalten nach Augsburg und da er den heiligen Petrus Canisius dort nicht fand, eilte er zu ihm nach Dillingen.

 

Um seinen Beruf zum Ordensleben zu prüfen, befahl ihm der Ordensobere, die Hausarbeiten im dortigen Kolleg zu verrichten und freudig verrichtete der Noviz die niedrigsten Dienste. Nach kurzer Zeit schickte ihn Petrus Canisius mit zwei Jesuiten und Empfehlungsschreiben nach Rom zum Ordensgeneral Franz Borgias. Am 28. Oktober 1567 trat Stanislaus in das Noviziat. Wer kann die unendliche Freude beschreiben, die jetzt das Herz des frommen jungen Mannes bewegte? Sein Vater schrieb ihm Briefe voll der härtesten Vorwürfe, er beantwortete sie mit kindlicher Ehrfurcht und bewunderungswürdiger Weisheit, zog aber den Willen Gottes jedem anderen Willen vor.

 

Als Noviz lebte Stanislaus wie ein Heiliger, himmlischer Friede lag in seinem Antlitz, Engelsunschuld strahlte aus seinen Augen, seine Demut, sein Gehorsam, sein Gebetseifer, seine kindliche Fröhlichkeit erregten die Bewunderung aller. In der Anbetung des heiligsten Sakramentes und bei der heiligen Kommunion genoss er ein solches Übermaß von Wonne, dass er oft in Verzückung geriet und einem Engel des Himmels glich. Seine Liebe und Verehrung zur Himmelskönigin kannte keine Grenzen, denn ihr verdankte er seinen Eintritt in den Orden. Den Rosenkranz legte er nicht aus den Händen und in seine Unterredungen flocht er immer das Lob Mariens. Sein ganzes Leben war ein fortgesetztes Gebet, eine strenge Bußübung und ein unermüdliches Ringen nach Vollkommenheit, ein inniges Sehnen nach dem Himmel.

 

Im ersten Jahr seines Noviziats und in den ersten Tagen des Monats August unterredete sich Stanislaus mit dem Pater Emanuel und rief in heiliger Entzückung aus: „O mein Vater! Welch ein seliger Tag war es für die Heiligen, als die allerseligste Jungfrau in den Himmel aufgenommen wurde. Ich bin überzeugt, dass sie alle Jahre, so wie wir, durch ein besonderes Jubelfest dieses Andenken erneuern und ich hoffe zuversichtlich, der ersten Feierlichkeit, die sie wieder begehen werden, beiwohnen zu können.“ Niemand dachte an die Erfüllung dieser Vorhersage. Er aber schrieb am Fest des heiligen Laurentius nach der heiligen Kommunion einen Brief an die Himmelskönigin, indem er sie innig bat, ihn aus diesem Tal der Tränen hinweg zunehmen und an ihrer Himmelsfreude teilnehmen zu lassen, und er legte diesen Brief auf seine Brust. Schon am Abend fühlte er sich krank und sagte: „Ich werde von meinem Bett nicht mehr aufstehen.“ Am 14. August empfing er freudestrahlend die heilige Wegzehrung und letzte Ölung, brachte einige Zeit im Gebet zu und küsste mit inniger Zärtlichkeit das Bildnis der Mutter Gottes. Hierauf begehrte er ein Kruzifix, hielt es fest in der Hand, dankte dem Heiland für alle Gnaden, die er je in seinem Leben empfangen hatte, und küsste mit heiliger Inbrunst die fünf Wunden. Gefragt, ob er zum Sterben bereit sei, rief er aus: „Bereit ist mein Herz, o Gott, bereit ist mein Herz.“ Jetzt erschien ihm die Himmelskönigin mit einer großen Schar heiliger Jungfrauen, und den Namen Jesu und Maria auf den Lippen hauchte er seine reine Seele aus im Frührot des 15. August 1568, im achtzehnten Lebensjahr.

 

Papst Klemens VIII. sprach ihn selig, Papst Benedikt XIII. nahm ihn zugleich mit dem heiligen Aloysius im Jahr 1726 in das Verzeichnis der Heiligen auf. Viele Wunder verherrlichten sein Grab.

 

Der heilige Volkwin / Volquin,

1. Abt und Bekenner von Sichem, Thüringen,

+ um 1170 – Fest: 13. November

 

Als der heilige Bernhard die deutschen Länder durchzog und mit seinem zündenden Wort die einen zum Kreuzzug gegen die Sarazenen begeisterte, um mit bewaffneter Hand das heilige Land zu befreien, die anderen zum Streben nach Tugend und Vollkommenheit entflammte, entschlossen sich viele fromme Männer und Frauen, die trügerische Welt zu verlassen, um in einsamer Klosterzelle alle Gedanken und Werke der Ehre Gottes und dem Heil der Seele zu weihen. Zu diesen gottbegeisterten Männern gehört auch der heilige Volquin.

 

Angezogen von der außerordentlichen Tugend und Gottseligkeit des heiligen Bernhard, der sehr viele Menschen zu seiner Nachfolge und zum Eintritt in den von ihm gegründeten Zisterzienserorden bewog, verließ Volquin die Pfarrstelle, die er bisher in Westfalen verwaltet hatte, um den Weg der Vollkommenheit zu beschreiten. Seine Probezeit legte er im Kloster Walkenried in Thüringen ab, und stieg in kurzer Zeit in allen Stufen der Heiligkeit zu einer solchen Höhe, dass er schon zu Lebzeiten des heiligen Bernhard zum ersten Abt des Klosters Sichem in Thüringen im Jahr 1141 erwählt wurde.

 

Die verschiedensten Tugenden traten bei Volquin in bewunderungswürdiger Weise hervor. Auch in seiner Abtwürde besuchte er fortwährend die Gefängnisse, die Krankenspitäler, die Hütten der Armen, die Wohnungen der Witwen und Waisen, und mit zuvorkommender Liebe traf er Fürsorge, dass den Bedürftigen nichts mangele. Die Pilger und Reisenden, die ihr Weg zum Kloster Sichem führte, nahm er nicht nur sehr gastlich auf, sondern wusch auch eigenhändig und demütig ihre Füße, indem er die Mahnung des göttlichen Heilandes auf sich bezog: „Wenn ich, euer Herr und Meister, euch die Füße gewaschen habe, so sollt auch ihr einander die Füße waschen.“ Für Gott und himmlische Dinge war er derart eingenommen, dass er alles Irdische verachtete und sein einziges Vergnügen nur in der Betrachtung und Erstrebung übernatürlicher und ewiger Güter fand. Reich an Tugenden und glänzend durch viele Wunder, ging er zur himmlischen Glückseligkeit ein am 13. November um die Mitte des 12. Jahrhunderts.

 

Die reichsunmittelbare Zisterzienser-Abtei Walkenried wurde gleich dem Kloster Sichem im Westfälischen Frieden säkularisiert und als Reichslehn dem Hause Braunschweig überlassen.

 

Der heilige Homobonus, Kaufmann zu Cremona,

+ 13.11.1197 – Fest: 13. November

 

Der heilige Homobonus war der Sohn eines Kaufmanns zu Cremona in Italien. Sein Familienname war Tucinge; sein Taufname aber Homobonus, Gutmensch, der schon anzukündigen schien, was er einst werden wird. Zum Kaufmann bestimmt, erhielt er auch eine diesem Gewerbe entsprechende Erziehung. In den Lehren und Beispielen seines Vaters fand er die schönsten Beweggründe zur Redlichkeit, Gottesfurcht und Tugend. Von Kindheit an bewies er einen großen Abscheu selbst gegen jeden Schein der Ungerechtigkeit, er würde lieber sein ganzes Vermögen verloren, als die geringste Sünde begangen haben. Seinen Stand sah er als eine von Gott ihn angewiesene Beschäftigung an, und erfüllte treu die ihm obliegenden Pflichten aus Gehorsam gegenüber dem Willen des Himmels, so wie aus Gerechtigkeitsgefühl gegenüber sich und seiner Familie, und gegenüber den Menschen. Nach dem Willen seiner Eltern verehelichte er sich mit einer tugendhaften Frau, die ihn in der Führung des Hauswesens unterstützen konnte. Die gute Ordnung, die unter seinen Hausgenossen herrschte, war ein Beweis von der Wachsamkeit und Heiligkeit des Hausvaters.

 

Durch diese verschiedenen Mittel heiligte sich der Diener Gottes in seinem Stand. Es entging ihm keine Gelegenheit, wo er die christlichen Tugenden ausüben konnte; die Widersprüche, die er zu erdulden hatte, vermochten nicht seine Seelenruhe zu trüben, denn er ertrug sie in stiller Ergebung und Demut. Auf Unannehmlichkeiten antwortete er durch sanftes Stillschweigen oder liebevolle Gegenvorstellungen, denen selbst seine Gegner nicht zu widerstehen vermochten. Er war sich selbst so vollkommen abgetötet, dass man zu Cremona sagte, er sei ein Mensch ohne Leidenschaft.

 

Seine Liebe zu den Armen kannte keine Grenze. Nach dem Tod seines Vaters, der ihm ein ansehnliches Vermögen hinterließ, wurden seine Almosenspenden noch reichlicher. Er suchte die Armen in ihren Hütten auf, und bestrebte sich bei Linderung ihrer leiblichen Not, sie zugleich zur Besserung ihres Lebens anzuregen. Seine Gattin machte ihm zuweilen Vorwürfe, seine Familie müsse durch seine allzu häufigen Almosen in Armut geraten; allein er entgegnete ihr, die beste Weise sein Geld anzulegen, sei, es den Armen geben, denn dadurch werfe es hundertfache Zinsen, wie Jesus Christus es selbst versprochen habe. In seiner Lebensgeschichte liest man auch, seine außerordentlichen Wohltätigkeitswerke seien oft durch Wunder verherrlicht worden, und Gott habe ihm die Gabe verliehen, seine zur Linderung menschlicher Not bestimmten Spenden zu vervielfachen.

 

Mit der Wohltätigkeit verband Homobonus zugleich die Enthaltung und Abtötung. Dabei wusste er die treue Erfüllung seiner Berufspflichten mit der heiligen Übung des Gebets zu vereinbaren. Dieser so beglückenden Erhebung der Seele zu Gott widmete er einen beträchtlichen Teil seiner Zeit, und wenn er durch äußere Geschäfte zerstreut schien, vereinigte er durch fromme Seufzer und Schussgebetchen sein Herz mit dem Vater im Himmel; so dass alle Orte, wo er sich befand, für ihn Orte des Gebetes waren. Um Mitternacht stand er jedes Mal auf, wohnte der Mette in der Kirche zum heiligen Ägidius bei, und erst am Morgen kehrte er nach dem Hochamt in seine Wohnung zurück. Seine Andacht wirkte, besonders beim heiligen Messopfer, so fühlbar auf alle, die ihn sahen, dass sie immer erbaut die heilige Stätte verließen. In demütiger Zerknirschung lag er, bis der Priester zum Altar trat, vor einem Bild des Gekreuzigten. Seine Beispiele und seine Reden bekehrten viele Sünder. Die Sonntage und Feste des Herrn und der Heiligen widmete er einzig dem Gebet, und betend ging er hinüber zum Empfang der Tugendbelohnungen. Am 13. November 1197 wohnte er seiner Gewohnheit gemäß der Mette bei, und blieb vor einem Kruzifix auf den Knien liegen, bis der Priester die heilige Messe anfing. Beim Gloria in excelsis streckte er seine Arme aus. Kurz nachher beugte er sich mit seinem Angesicht zur Erde nieder. Die Anwesenden glaubten, er habe dies andachtshalber getan. Als man aber wahrnahm, dass er beim Evangelium nicht aufstand, trat man ihm näher, und bemerkte, dass er nicht mehr lebte.

 

Sicard, Bischof von Cremona, untersuchte den Heldenmut der Tugenden, die der gottselige Homobonus in seinem Leben geübt hat, so wie die Zuverlässigkeit der von ihm gewirkten Wunder, und begab sich mit mehreren ehrwürdigen Personen nach Rom, um dessen Heiligsprechung nachzusuchen, die auch Innocentius III. durch seine Bulle von 1198 gab. Der Leib des Heiligen wurde 1356 erhoben, und in die Kathedralkirche von Cremona versetzt. Sein Haupt blieb aber in der Kirche zum heiligen Ägidius. Der berühmte Vida von Cremona hat einen Hymnus zu Ehren des heiligen Homobonus, Patron seines Vaterlandes, verfasst.

 

Die Bruderschaft der Kaufleute von Lyon wählte eben diesen Heiligen, weil er in seinem sterblichen Leben demselben Geschäft wie sie sich gewidmet hatte, zu ihrem Patron.

 

Die Fähigkeiten und Bedürfnisse des Menschen beweisen, dass er zum Arbeiten geboren ist; zu arbeiten ist er auch als Glied der menschlichen Gesellschaft schuldig. Es wäre ungerecht, wenn er, zu den gemeinschaftlichen Lasten nicht beisteuernd, doch von dem gemeinschaftlichen Gewinn genießen wollte. Ein den Lustbarkeiten und Vergnügungen gewidmetes Leben ist demnach eines vernünftigen Geschöpfes, und noch vielmehr eines Christen unwürdig. Man beobachte jene, die keine ernste Beschäftigung haben, und man wird finden, dass ihnen ihr Leben selbst eine Last ist. Die von Natur aus tätige Seele bedarf der Übung, und kein Mensch kann glücklich sein, wenn er sich nicht eine Art von Beschäftigung zu machen weiß. Diese Wahrheit gewinnt noch an Kraft und Eindringlichkeit, wenn man von der Sinnlichen zur sittlichen Ordnung übergeht. Doch dabei wird es der Bemerkung nicht bedürfen, dass Gewerbe, die zur Sünde verleitet, jederzeit verboten sind. Die anderen müssen nach Verhältnis ihrer Nutzbarkeit für die Gesellschaft, und der in ihnen sich darbietenden Gelegenheiten zur Tugendübung geschätzt werden. Man kann sie alle heiligen, wenn man sie auf Gott, das große Ziel und Ende aller erschaffenen Dinge bezieht. Jedes Gewerbe greift ein in den allgemeinen Plan der Vorsehung, und der macht sich vor Gott strafbar, der die ihm nach seinem Beruf obliegenden Pflichten nicht erfüllt. Die mechanischen Künste zielen zwar ihrer Natur nach nicht nach Erweckung der Tugend; allein sie werden doch für alle verdienstlich, die sie durch Religionsgründe und christliche Tugendübungen veredeln. Diese Tugenden sind übrigens die Frucht des Gebetes, der Betrachtung des göttlichen Gesetzes und der Selbstbewachung. Wir müssen uns daher allzeit einige Augenblicke für diese gottseligen Übungen vorbehalten, und ihnen sogar den Vorzug geben, wenn sie hier und da mit einigen Geschäften des gewöhnlichen Lebens nicht vereinbarlich wären. Diese Augenblicke werden uns auch nie fehlen; finden wir doch solche für unsere Lustbarkeiten und Vergnügungen! Wir sollen heilig werden, und nur auf dem Weg inniger Gottergebenheit können wir es werden.

 

Der heilige Mitrius, Märtyrer zu Aix, Frankreich,

+ 284 – 305 – Fest: 13. November

 

Der heilige Gregor, der eine ehrenvolle Erwähnung von dem heiligen Mitrius (französisch Saint Merre) macht, weist auf seine Lebensgeschichte hin, die uns aber nicht überliefert ist. Es scheint, der heilige Mitrius habe zu Aix in Provence unter Diokletians Regierung den Märtyrertod erlitten. Er soll mehrere sehr grausame Folterqualen nicht nur mutvoll, sondern sogar freudig bestanden haben. Er ist der Hauptpatron von Aix, wo man ihn am 13. November verehrt. Sein Name steht auf diesen Tag in den Martyrologien. Wir lesen auch beim heiligen Gregor von Tours, dass Gott das Grab des heiligen Mitrius durch verschiedene Wunder verherrlichte.

 

Der heilige Brictius, Bischof von Tours,

+ 444 – Fest: 13. November

 

Brictius, geboren in Tours, wurde in dem Kloster und unter der Leitung des heiligen Martin herangebildet. In der Folge aber verfiel er in Lauigkeit und Stolz, und verursachte seinem Lehrer manchen Kummer. Der heilige Martin sagte jedoch voraus, dass er sich bekehren und sogar ihm auf dem bischöflichen Stuhl von Tours nachfolgen werde. Und wirklich wurde er um das Jahr 400 zum Bischof von Tours erwählt. Nach empfangener Weihe führte er den musterhaftesten Lebenswandel. Gott ließ ihn aber seine früheren Fehler durch Trübsale büßen. Sein guter Name wurde durch Verleumdung angefeindet, und es kam so weit, dass ihn das Volk aus der Stadt vertrieb. Er begab sich nach Rom, und blieb da mehrere Jahre, bis er durch Geduld über die Bosheit seiner Feinde siegte. Er wurde wieder in sein Bistum eingesetzt, und stand ihm, bis zu seinem 444 erfolgten Tod als ein Heiliger vor. Sein Andenken wurde ehedem in Frankreich hoch verehrt. Die Protestanten Englands haben auch seinen Namen in ihren Kalendern gelassen.

 

Der heilige Abbo, Abt von Fleury und Märtyrer von Gascogne,

+ 13.11.1004 – Fest: 13. November

 

Abbo oder Albo stammte aus dem Orleanais. Seine Bildung erhielt er im Kloster Fleury, oder St. Benedikt an der Loire, wo er auch die Gelübde ablegte. Er besaß für seine Zeit große Gelehrtheit, doch zeichnete er sich noch mehr durch seine Tugenden aus. Auf Ersuchen des heiligen Oswald, des Bischofs von Worchester, der auch im Kloster Fleury als Ordensmann gelebt hatte, schiffte er nach England über, und wurde der Klosterschule von Ramsey vorgesetzt. Nach seiner Rückkehr in sein Kloster Fleury, wurde er zum Abt erwählt, und führte da eine vortreffliche Zucht ein. Wegen des hohen Rufes seiner Heiligkeit und Einsichten, in dem er stand, fragte man ihn von allen Orten her um Rat. Tapfer verteidigte er die Rechte seiner Abtei gegen den Bischof von Orleans, und verfasste hierüber eine Rechtfertigungsschrift an die Könige Hugo Capet und dessen Sohn Robert. Der letztere sandte auch den gelehrten Abt nach Rom, um mit dem Papst wegen wichtiger Angelegenheiten zu unterhandeln, und der Erfolg rechtfertigte die getroffene Wahl.

 

Im Jahr 1003 erbaute man wieder das Kloster Squirs oder Reole, im Bistum Bazas, das während der Einfälle der Normänner zerstört worden war. Da dieses Haus von Fleury abhing, begab sich der heilige Abbo dahin, um die Ordnung daselbst einzuführen. Einige Zeit danach machte er, aus eben dieser Absicht, eine zweite Reise dahin. Bei dieser Gelegenheit verlor er aber das Leben in einem Streit, der sich zwischen seinen Begleitern und den Gascognern erhob. Während er die erhitzten Gemüter zu besänftigen versuchte, und seinen Dienern sogar Unrecht gab, durchbohrte ihn ein Gascogner mit einer Lanze, woran er 1004 starb. Da seine Heiligkeit durch verschiedene Wunder sich erwies, verehrte man ihn als einen Märtyrer. Sein Fest steht an diesem Tag in den Martyrologien Frankreichs, und in dem der Benediktiner.

 

 Der heilige Siard von Mariengaarden, Prämonstratenserabt,

+ 13. oder 17.11.1230 – Fest: 13. November – mancherorts 17. November

 

Der heilige Siard stammte aus Friesland und war von vornehmer Abkunft. Seine Bildung genoss er in der Klosterschule bei den Prämonstratensern in Mariengaarden und ergriff dann auch selbst den Ordensstand in diesem Kloster. Als Abt Johann am 20. Juni 1194 starb, wurde Siard auf Wunsch des Verewigten zu seinem Nachfolger gewählt. Siard leitete das Kloster so, dass er immer selbst das erste und beste Beispiel gab. Er machte keinen Gebrauch von den Vorrechten, die die Ordensstatuten den Äbten einräumen, sondern war in Kleidung und Nahrung dem letzten der Brüder gleich. Wenn einmal für ihn eine besondere Speise zubereitet wurde, verteilte er davon auch an die anderen. Er beteiligte sich auch an der vorgeschriebenen Handarbeit und trug bei der Ernte auf dem Feld die Getreidehäuflein zu Garben zusammen. Wenn sich die Brüder außerhalb des Klosters begaben, pflegte er ihnen drei Dinge zu empfehlen und ihre Erfüllung zu wünschen: Eine glückliche Reise, einen friedsamen Aufenthalt und eine getreue Wiederkehr.

 

Sehr wohltätig war Siard gegenüber den Armen. Wenn er ausging, steckte er sich Brot ein, um es an die Bedürftigen zu verteilen. Aber alle Güte kann den Besten nicht gegen die Bosheit und Leidenschaft des Mitmenschen schützen. Auch ins Kloster finden und fanden schon öfter Leute den Weg, die sich von nur allzu weltlichen, rein menschlichen Absichten leiten lassen. Ohne Beruf, lassen sie sich von den Leidenschaften beherrschen; im Überfluss der missbrauchten Gnaden erstickt der letzte Funke eines besseren Geistes, die Bosheit verhärtet sich. Gute und gewissenhafte Obere, die warnen, mahnen und strafen, müssen natürlich für ein zuchtloses Leben als Vorwurf und Hindernis erscheinen. Was nun immer die Ursache gewesen sein mag, ein Insasse des Klosters vergaß sich so weit, dass er in einer Nacht einen Anschlag auf den Abt machte und tätlich gegen ihn vorging. Was tat der Heilige? Er legte Fürsprache für den Unglücklichen ein und erwirkte von dem Kapitelsrat, dass die strengen Strafen, die in den Ordensstatuten festgesetzt sind, nicht zur Anwendung kamen, der gütige Abt schickte vielmehr den Übeltäter nach Rom, damit er vom Papst die Buße und Lossprechung erhalte und zu dauernder Besserung gelange. Bald darauf starb der Klosterbruder. Siard genas von seiner Verwundung, wurde aber noch in demselben Jahr von Gott abberufen. Es war am 13. November 1230. Sein Leichnam wurde in der Kirche zu Mariengaarden begraben.

 

Im Jahr 1560 wurde das Kloster Mariengaarden dem neugegründeten Bistum Leeuwarden zur Dotation zugewiesen, aber 1578 von den Kalvinisten durch Brandstiftung völlig zerstört. Ein edler Friese namens Siard van Hensena brachte die Reliquien des heiligen Siard mit Bewilligung des Papstes Clemens VIII. in die Diözese Hildesheim nach Deutschland. Im Jahr 1608 wurden die Gebeine mit Zustimmung des Erzbischofs von Köln geteilt; der eine Teil kam in die Prämonstratenserabtei St. Foillan in Hennegau und von dort in die Pfarrkirche von Strepy in der Diözese Tournai, der andere Teil kam in das Prämonstratenserkloster Tongerloo in Belgien.

 

Almosen befreit von Sünde und vom Tod und lässt die Seele nicht an den Ort der Finsternis kommen. Barmherzige Gesinnung wäscht die Sünde ab und macht, dass wir selbst Barmherzigkeit finden und das ewige Leben gewinnen. Auf welche Weise du nur immer kannst, sei barmherzig.

 

Pater Petrus vom heiligen Andreas

Gedenktage und Lebensskizzen hervorragender

Mitglieder des Karmelitenordens

 

Am 13. November 1642 starb zu Lublin der lobwürdige Pater Petrus vom heiligen Andreas. Der lobwürdige Pater Petrus vom heiligen Andreas (Kordonski) gehörte vor seinem Eintritt ins Kloster dem Soldatenstand an, und es gab in Litauen mehrfach Proben eines hohen Mutes wurde er von den Feinden gefangen und auf eine sumpfige Insel verbracht, wo ihn griechische Mönche bewachten. Das gab seinem ganzen Leben eine neue Wendung. Einer der Mönche, der die Aufsicht über ihn hatte, gab ihm nämlich ein Buch über das Leben der Wüstenväter zu lesen. Der Inhalt dieses Buches machte einen tiefen Eindruck auf sein Gemüt, und veranlasste ihn, eine strengere Lebensweise zu beginnen. Durch die siegreichen Polen befreit und nach Krakau zurückgekehrt, trat Petrus im Jahr 1609 trotz seiner 30 Lebensjahre ins Noviziat unserer Väter. Hier lebte er ganz der Buße, ganz der Abtötung, der Zurückgezogenheit und dem Stillschweigen. Gerne verrichtete er die geringsten Arbeiten. So trug er z.B. wohlgemut seine Ladung Ziegelsteine auf dem Rücken an den Platz, zu dem er seine Last zu bringen hatte. Wiederholt zum Prior des Konventes in Krakau und zum Provinzial gewählt, kam er den Pflichten seines Amtes in gewissenhafter Weise nach. Am liebsten war und blieb es ihm freilich, ganz allein und fern von allen Menschen in einer unbeachteten Stelle des Gartens mit Gott zu verkehren. So "betrachtete er" nach Möglichkeit "Tag und Nacht im Gesetz des Herrn und wachte im Gebet", wie unsere heilige Regel wünscht. Gewahrte er, dass da oder dort ein Mitbruder die klösterliche Zucht nicht vollkommen einhielt, so empfand er tiefes Herzeleid und ruhte nicht, bis er den Betreffenden durch Gebet und fromme Übungen zur Besserung des Lebens brachte. In der Einsamkeit und beim Gebet entbrannte sein Seeleneifer, in dem er dem Herrn sein Leben für alle Ungläubigen und Sünder anbot, um ihnen die Gnade der Bekehrung zu erlangen. Auf sein Betreiben wurde im Jahr 1633 der Einsiedlerkonvent zu Czerna in Galizien errichtet, der eine hohe Blüte erreichte und noch heute der wiedererrichteten polnischen Provinz als Noviziat dient. Am 3. November 1642 starb Pater Petrus zu Lublin im Alter von 61 Jahren im Ruf hoher Heiligkeit.

 

Gebet am 13. November

 

Göttliche Mutter und Jungfrau! Wie erhaben bist du vor Gott und den Menschen, denen die Gnade zuteilwird, deine Würde zu erkennen. Vor dem Angesicht Gottes bist du voll Gnaden, die dir von ihm erteilt wurden, oder die du durch deine große Liebe erworben hast. Vor den Menschen bist du groß, weil du ihnen als die Urheberin eines neuen und höheren Lebens erscheinst. Verleihe mir also, du liebste und mächtigste der Jungfrauen, dass ich nach deinem Beispiel einzig nach dem Beifall meines teuren Heilands strebe und dass all mein Tun und Lassen nach seinem heiligen Willen eingerichtet sei. Amen.

 

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Stanislaus

 

O Gott, der Du unter anderen Wundern Deiner Weisheit auch dem zarten Alter die Gnade einer reifen Heiligkeit verliehen hast, wir bitten Dich, verleihe, dass wir durch ein immer tätiges Leben uns nach dem Beispiel des heiligen Stanislaus von dieser Welt losmachen, und zur ewigen Ruhe zu gelangen trachten, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Homobonus

 

O Herr, verleihe uns auf die Fürbitte des heiligen Homobonus, Liebe zu Dir, zur Gerechtigkeit und zu unseren Nächsten, damit wir vor Dir Gnade finden und Barmherzigkeit erlangen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Man kann sagen, dass den heiligen Stanislaus die kindliche Andacht zur seligsten Mutter Gottes so bald zur Vollkommenheit und zur himmlischen Glückseligkeit befördert hat. Sie hat sich ihm als eine Mutter in seinen größten Angelegenheiten gezeigt, hat ihn in den geistlichen Stand geleitet, und in kurzer Zeit zu ihrer großen Herrlichkeit in den Himmel gleichsam an der Hand geführt.

 

Andacht am 13. November:

 

Das Thema im November:

Liebe

"Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." (Matthäus 22,37-39)

 

"Je weniger ein Mensch Begierden hat, umso mehr Liebe hat er. Wer keine Begierde mehr in sich fühlt, der besitzt die vollkommene Liebe." (Der heilige Augustinus)

Der heilige Franz von Sales sagte zuweilen zu denjenigen, denen er sein Inneres aufschloss: "Ich will wenig, und sehr wenig will ich das Wenige, das ich will. Ich habe beinahe kein Verlangen, und sollte ich noch einmal geboren werden, so möchte ich gar keines haben."

Die heilige Theresia von Avila war so fest überzeugt, dass die vollkommene Liebe jedes irdische Verlangen ausschließt, das sie ausrief: "O Gott, meine Liebe! Mehr liebst Du mich als ich mich selbst lieben, ja mehr als begreifen kann! Warum sollte ich je mehr verlangen als was Du mir geben willst!"

Ein geistlicher Führer sprach zu einer seiner Beichttöchter, die ihn um eine heilsame Ermahnung bat: "Merken Sie wohl, was ich Ihnen nun sage, die Worte: Ich will; ich will nicht; ich will lieber, - sollen nie aus Ihrem Mund kommen, und die Gedanken, die diese Worte ausdrücken, sollen nie in Ihrem Herzen sein!"

 

Mein Gott, ich verlange weder Reichtum, noch Ehre, noch Lüste dieser Welt, noch verlange ich auch die Achtung der Menschen, Gesundheit und Leben. Nach nichts Irdischem ergeht mein Verlangen, nur nach Dir verlange ich und nach der Erfüllung Deines Willens! Amen.

 

 Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 13. November

 

"Jesus Christus, der Meister der Demut,

offenbart nur den Demütigen die Wahrheit,

die er den Stolzen verbirgt."

 

hl. Vincenz Ferrerius OP

1350 bis 5.4.1419

 

Betrachtung am 13. November - Von der täglichen Gewissenserforschung

 

O gib mir, Herr, der Liebe Licht und Mut,

Und lehre mich mein Inn`res wohl erkennen,

Und in der heiligen Zerknirschung Glut

Entdeckte Fehler gleich der Spreu verbrennen.

 

1. Wer sich selbst nicht kennt, geht gleich einem Blinden beständig in der Irre, und fällt beinahe jeden Augenblick, teils aus blinder Vermessenheit, teils aus Irrtum und Schwäche. Zur genauen Erkenntnis unser selbst aber führt uns nur die tägliche Erforschung unseres Innern. Denn wie werden wir je unsere Fehler und Untugenden ausrotten, wenn wir sie nicht kennen? Wie aber lernen wir sie kennen, wenn wir nicht in das Innere unseres Gewissens dringen und alle seine Fakten genau durchforschen? Wie voll des Aussatzes ist ein Herz, dessen tägliche Reinigung vernachlässigt wird, oder dessen Krankheiten wir zu entdecken fürchten? Nur durch tägliche und wiederholte Erforschung ihrer innerlichen Triebe, Neigungen und Fehler gelangten heilige Seelen zur Reinheit des Herzens.

 

2. Diese besondere Erforschung ergeht besonders über die herrschende Neigung des Gemütes, die der Quell und die Wurzel aller oder doch der meisten und der größten unserer Fehler ist, die aber unsere Eigenliebe oft sehr sinnreich vor uns selbst verbirgt. Daher ist diese tägliche, aufmerksame Erforschung notwendig, sie zu entdecken, um sie zu bekämpfen, zu überwinden, und uns in beständiger Wachsamkeit gegen sie zu erhalten. Nur auf diesem Weg können wir mit Gottes Gnade dahin gelangen, dass wir allmählich alle unsere Leidenschaften wirksam besiegen und eine vollkommene Herrschaft über alle Regungen unseres Herzens erlangen. Richten müssen wir uns also selbst mit aller Strenge und uns nichts vergeben.

 

3. Diese tägliche Erforschung gehört zu den wesentlichsten Übungen des geistigen Lebens, und es gibt auch kein kräftigeres Mittel, uns vor Trägheit und Lauigkeit im Dienst Gottes zu bewahren. Denn es ist nicht möglich, sein Inneres aufmerksam zu durchforschen, und dabei über bedeutende Fehler sich zu verblenden und sie überhand nehmen zu lassen. Wer täglich bis zu dem Quell seiner Fehler, bis an das innerste Mark seiner Werke dringt, sich immer mehr zu reinigen und durch demütige Reue über die geringsten Vergehen mit Gott sich versöhnt, der schläft sehr sicher, und ist immer bereit, vor seinem Richter zu erscheinen. - Psalm 77,7: "Mein Herz grübelt bei Nacht, ich sinne nach, es forscht mein Geist."

 

14. November

 

Der heilige Laurentius, Erzbischof von Dublin,

+ in Frankreich 14.11.1181 – Fest: 14. November

 

Dieser heilige Erzbischof war der Sohn eines reichen und mächtigen Fürsten von Leinster in Irland und wurde in seinem zehnten Lebensjahr dem König Dermata von Meath als Geisel übergeben, später aber den Händen des Bischofs von Glendonoch, der ihn in der Gottesfurcht erzog. Er zählte noch nicht ganz fünfundzwanzig Jahre, als ihn die Mönche von Glendonoch zu ihrem Abt erwählten, und nach dem Tod des Erzbischofs Gregor von Dublin setzte man ihn als Würdigsten auf den erledigten Oberhirtenstuhl. Mit unermüdlicher Tätigkeit erfüllte er seine apostolischen Pflichten und wachte sorglich über sich und die ihm anvertraute Herde. Vor allem verbesserte er die Sitten der Geistlichkeit und suchte nur echte Religionsdiener dem Herrn zu weihen. Im Jahr 1163 bewog er die weltlichen Kanoniker seiner Domkirche, die Vorschrift der regulierten Chorherren anzunehmen und legte selbst das Ordensgewand an. Er war rastlos in der Verkündigung des göttlichen Wortes, eifrig im Gebet, strenger Enthaltsamkeit ergeben, ein mildtätiger Vater der Armen. Damit er im Guten nicht erkalte, zog er sich von Zeit zu Zeit in das Kloster Glendonoch zurück und nahm dort seine Wohnung in einer in der Nähe liegenden Grotte. Zu seiner Zeit eroberten die Engländer einen großen Teil Irlands, und König Heinrich II. kam 1172 selbst nach Dublin, um die Huldigung zu empfangen. Angelegenheiten seines Bistums führten den Heiligen später nach Canterbury, wo gerade der Hof sich aufhielt, und hier geschah es, dass ein Geistesgestörter, als er an den Altar trat, die Messe zu beginnen, ihm einen so gewaltigen Streich auf das Haupt versetzte, dass er zu Boden stürzte. Als der Erzbischof wieder zur Besinnung gekommen war, verlangte er Wasser, segnete es mit dem Kreuzzeichen und verlangte hierauf, dass man damit seine Wunde auswusch. Alsbald hörte das Blut zu fließen auf, und er las die Heilige Messe. Papst Alexander III. versammelte zur Verbesserung der Kirchenzucht und Ausrottung der Irrlehren 1179 in Rom das dritte Konzil von Lateran. Mit dreihundert anderen Bischöfen erschien auch Laurentius dabei und wurde vom Oberhaupt der Christenheit zum Legaten im Königreich Irland ernannt. Von Rom heimgekehrt fand er sein Bistum von einer schrecklichen Hungersnot betroffen, die drei Jahre anhielt. Fortan speiste er täglich dreihundert Ortsarme und fünfzig Fremde. Dabei ernährte er oft zu gleicher Zeit mehrere hundert von ihren Müttern verlassene Kinder. Als zwischen dem irischen Häuptling Deronog und Heinrich II. Feindschaft ausbrach, übernahm er die Rolle des Versöhners und reiste dem König bis in die Normandie nach, um den Frieden wieder herzustellen. Kurz darauf wurde er von einer heftigen Krankheit befallen und sah sich genötigt im Kloster der regulierten Chorherren von Eu Zuflucht zu nehmen. Hier starb er am 14. November 1181 und wurde in der Abteikirche begraben. Papst Honorius III. reihte ihn 1226 den Heiligen an. Die Stadt Eu erwählte ihn zu ihrem Hauptpatron.

 

Der selige Serapion, Priester und Martyrer in Algier,

+ 14.11.1240 – Fest: 14. November

 

Der selige Serapion aus dem Orden der heiligen Maria de Mercede zur Erlösung der gefangenen Christen, Martyrer in Algier, war der erste seiner Genossenschaft, der sein Blut für den Glauben vergoss. Zu Ende des 12. Jahrhunderts in England geboren trug er als junger Mann die Waffen und machte unter dem Befehl des Herzogs von Österreich in Spanien einen Feldzug gegen die Mauren mit. Später trat er in die Dienste des Königs Alphons IX. von Kastilien, verließ sie aber wieder, um sich dem Orden de Mercede einverleiben zu lassen, der um diese Zeit von dem heiligen Petrus Nolascus begründet worden war. Er wurde von seinen Obern öfters dazu ausersehen, den Ungläubigen das Lösegeld für die Gefangenen zu überbringen, und war in der Ausführung dieser Aufträge stets glücklich. Der heilige Stifter übertrug ihm die Leitung der Novizen, aber im Drang, den neuen Orden auch in sein Vaterland zu verpflanzen, bat er um die Erlaubnis, nach England übersetzen zu dürfen und erhielt sie. Unterwegs fiel er in die Hände von Seeräubern, die ihn arg misshandelten und zuletzt ins Meer warfen. Mit der Hilfe Gottes erreichte er dennoch die Küste und begab sich nach London, dann nach Irland und Schottland, ohne aber hier die gehofften Erfolge erreichen zu können. Nach Spanien zurückgekehrt wurde er mit noch einem Bruder von dem heiligen Petrus Nolascus zu den Mauren in Algier geschickt, konnte jedoch, da er nicht mit hinlänglichen Mitteln ausgestattet war, nur fünfundachtzig spanische Sklaven loskaufen. Die der übrigen Nationen, als sie sich verlassen sahen, gingen zu ihm und stellten ihm kläglich ihre traurige Lage vor, sowie die Gefahr, in der ihr Glaube unter den fortwährenden Quälereien schwebte. Gerührt hierdurch schickte er seinen Gefährten nach Spanien zurück, um dort neue Summen zu holen, während er selbst als Tröster der Gefangenen in Algier zurückblieb. Sein heiliger Wandel und seine heldenmütige Aufopferung machten solchen Eindruck auf einige Muselmänner, dass sie sich von ihm taufen ließen. Aber diese Bekehrungen erregten in dem Grad den Zorn des Königs von Algier, dass er den Diener Gottes ergreifen und in einen finsteren Kerker werfen ließ. Hier wendete man, um ihn abtrünnig zu machen, gegen ihn häufig wie bei den Mohammedanern übliche Bastonade an. Er aber pries während der grausamen Hiebe Gott mit lauter Stimme und äußerte ebenso laut seinen Abscheu gegen den Lügenpropheten der Ungläubigen. Als der König vernahm, dass der Gefangene den großen Muhamed gelästert habe, verurteilte er ihn zum Tod und überließ ihn der Wut des Pöbels. Die rasende Menge zog den Heiligen aus dem Kerker hervor und hing ihn zwischen zwei Pfählen kopfüber auf, so dass seine Füße und Hände die Gestalt eines Andreaskreuzes bildeten. In dieser Lage schnitten ihm die Unmenschen die Glieder stückweise vom Leib. Während dieser entsetzlichen Marter dankte er Gott und bat für die armen Gefangenen, die tränenüberströmt dem Leiden ihres Wohltäters und Freundes zusahen. Er errang die Palme im Jahr 1240, und die zahlreichen Wunder, die Gott nach seinem Tod durch ihn wirkte, verschafften ihm in Spanien alsbald die kirchliche Verehrung. Selbe wurde 1728 vom Papst Benedikt XIII. bestätigt.

 

 Nochmals: Der selige Serapion, aus dem Orden Mariens von der Erlösung der Gefangenen, Martyrer, + 14.11.1240 – Gedenktag: 14. November (Aus: Heiligen-Legende von Lorenz Beer, Regensburg, Verlag Josef Habbel, 1928)

 

Der alte Sindonite (Fest: 21. März) hat im Leben der Kirche seine Nachahmer gefunden. Eigene Orden entstanden, die Nolasker oder Mercedarier und die Trinitarier, deren Mitglieder sich hingaben, um die Christensklaven aus der Gewalt der Sarazenen zu befreien. Der heilige Petrus Nolaskus gründete im Jahr 1223 den Orden der allerseligsten Jungfrau Maria von der Erlösung der Gefangenen. Unter diesem Titel „Maria de Mercede“ wird am 24. September ein eigenes Muttergottesfest begangen. Die Schmerzensmutter unterm Kreuz ist die erste geworden, die zugleich mit ihrem göttlichen Sohn sich hingeopfert hat zur Erlösung der ganzen Menschheit. Der erste Martyrer aber aus dem Mercedarierorden, der beim Liebeswerk der Befreiung seiner Mitmenschen aus der Sklaverei sein Leben hingab, führt denselben Namen Serapion, den man ihm sicher als Ordensnamen gegeben hat, in Erinnerung und zur Ehrung des alten vorbildlichen Führers der christlichen Caritas.

 

Der selige Serapion, der jüngere Held christlicher Liebesbetätigung, stammt aus England. Als junger Mann trug er die Waffen und machte unter dem Befehl eines österreichischen Herzogs einen Kreuzzug gegen die Mauren (Mohammedaner) in Spanien mit. Dann trat er zu dem gleichen Zweck in die Dienste des Königs Alphons IX. von Kastilien. Nicht Abenteuerlust war es, was den mutigen Mann aus dem damals noch für katholisches Leben und Lieben begeisterten englisch-iroschottischen Inselreich mit den bekannten „Schottenmönchen“ in die Ferne trieb; religiöse Beweggründe müssen ihm den Wanderstab und das Schwert in die Hand gedrückt haben. Das dürfen wir daraus schließen, dass er sich unverzüglich dem Orden „Mariens von der Erlösung“ anschloss, als er von seinem Entstehen und seinen hochedlen, menschenfreundlichen Bestrebungen hörte. Von seinen Oberen wurde Serapion öfters dazu ausersehen, das vom Orden gestellte und gesammelte Lösegeld für die Freigabe der Gefangenen den Ungläubigen zu überbringen. In der Ausführung dieser Aufträge war er stets glücklich.

 

Für die Vervollkommnung seines persönlichen Lebens, im Eifer für die Erreichung der Ordensaufgaben und der genauesten Erfüllung der übernommenen Pflichten hat der Selige seine ganze Kraft eingesetzt, so dass er seinen Mitbrüdern zur Aneiferung und Erbauung diente. Darum übertrug ihm der heilige Stifter Petrus Nolaskus, den er selber als Vorbild heiligen Wandels vor Augen zu haben das Glück hatte, die Leitung der Novizen des Ordens. Nur einem regeltreuen, frommen und geschickten Ordensmann wird man ein so wichtiges Amt anvertrauen, zumal in den Erstlingsjahren einer neuen Genossenschaft. Indessen genügte es dem eifrigen Novizenmeister nicht lange, in der Stille des Klosters für den Ordensnachwuchs zu sorgen. Sein Blickfeld dehnte sich ins Weite. Dem Drang folgend, den Orden der Mercedarier (zur Erlösung der Gefangenen) auch in sein Heimatland zu verpflanzen, erbat sich Serapion die Erlaubnis, nach England zurückkehren zu dürfen. Unterwegs begegnete ihm dasselbe Schicksal, das er von Berufs wegen anderen zu mildern beflissen war: er fiel selbst in die Hände der Korsaren, die damals alle Meere unsicher machten. Die gottlosen, beutegierigen Seeräuber misshandelten den mittellosen Gefangenen aufs ärgste und warfen ihn schließlich nahe der englischen Küste ins Meer. Mit Gottes Hilfe gelang es dem kräftigen, wagemutigen Mann sich ans Land zu retten. Er begab sich zunächst nach der Hauptstadt London, dann nach Irland und Schottland. Aber merkwürdig! Der Prophet gilt ja immer am wenigsten im eigenen Vaterland; das musste auch Serapion erfahren. Er fand nicht den erhofften Zugang und die notwendige Unterstützung, um eine lebenskräftige Niederlassung seines Ordens in den nördlichen Ländern zu begründen. So kehrte er wieder nach Spanien zurück, ohne Erfolg, zur eigenen heilsamen Verdemütigung.

 

Der Stifter Petrus Nolaskus sandte nun seinen wiedergewonnenen Genossen am Liebeswerk nebst einem Begleitbruder zu den Mauren nach Algier in Nordafrika. Wie drückend war hier das Elend, wie groß die Zahl der gefangenen Christen! Die unzulänglichen Mittel, mit denen man ihn ausgerüstet hatte, reichten nur hin, um fünfundachtzig Spanier loszukaufen. Die Gefangenen aus anderen Nationen aber klagten so eindringlich über ihre traurige Lage und die stete Gefahr, in der ihr Glaube unter den fortwährenden Quälereien, Drohungen und Verführungen der Mohammedgläubigen schwebte, dass Serapion, tief gerührt von solch bitterer Not, zum Trost der Verlassenen in Algier zurückzubleiben beschloss. Sein Gefährte Berengar sollte mit den Befreiten heimkehren und in Spanien weitere Summen zu einem hinreichenden Lösegeld sammeln.

 

Der heilige Wandel des Dieners der christlichen Liebe, seine aufopfernde, völlig selbstlose Fürsorge für die unglücklichen Sklaven wirkten tröstend und aufrichtend auf die christlichen Brüder, verfehlten aber auch nicht den tiefsten Eindruck auf denkende, besseren Gefühlen zugängliche Muselmänner. Der Jünger und heldenmütige Befolger des Evangeliums Christi hatte sogar die Freude, einige der Mauren taufen zu können. Diese Bekehrungen erregten aber den Zorn des Königs von Algier. Er ließ den unbequemen Christusprediger der Tat in den Kerker stecken. Hier wendete man alles an, um ihn abtrünnig zu machen, besonders häufig die bei den Mohammedanern gebräuchliche Tortur der Stockschläge auf die Fußsohlen. Der unerschrockene Bekenner aber bekundete nicht nur laut seine unwandelbare Treue gegen den lieben Heiland Jesus Christus, sondern äußerte auch trotz der grausamen Hiebe seinen Abscheu gegen Mohammed und seine falsche Religionslehre. Mit dieser „Lästerung“ des „großen Propheten“ hatte der Selige sein Leben verwirkt. Der Maurenfürst verurteilte ihn zum Kreuzestod und überließ ihn dem wütenden Christenhass des fanatisierten Pöbels. Dieser hing Serapion zwischen zwei Pfählen, den Kopf nach unten, derart auf, dass seine Hände und Füße die Gestalt eines schrägen Kreuzes, eines sogenannten Andreaskreuzes, bildeten. In dieser Lage schnitten ihm die Unmenschen Glied um Glied vom Leib. Während dieser entsetzlichen Qualen dankte der heldenhafte Martyrer Gott für die Gnade des Glaubens und bat noch als echter Jünger der Liebe für die armen Gefangenen Christen, die weinend dem Leiden ihres Wohltäters und Freundes zusahen, der zu ihrer Rettung sich der eigenen Lebensgefahr ausgesetzt hatte.

 

Das Jahr des ruhmreichen Martyriums ist das Jahr 1240. Die Wunder, die der Allmächtige durch seinen Blutzeugen wirkte, verschafften ihm in Spanien die kirchliche Verehrung des Volkes, die später, 1728, durch Benedikt XIII. formgemäß gutgeheißen wurde. Das römische Martyrologium nennt Serapion am 14. November; doch wird auch der 7. Dezember als Gedenktag bezeichnet.

 

Der großen Genossenschaft Unserer Lieben Frau von der Gnade zur Erlösung der gefangenen Christen gehören wir alle an. Am Allerseelentag ist erster Bruderschaftstag und oberstes Titularfest. Wohl dürfen wir nie vergessen, die Mutter der Barmherzigkeit immer wieder um die Befreiung von der Knechtschaft der Sünde und von den Ketten des bösen Feindes anzurufen. Auf alten Bildern und Statuen Mariens finden wir gerade den Türkenkopf und den Halbmond sehr gerne als Sinnbild des Teufels unter den Füßen der Gottesmutter, der erhabenen Siegerin über den Un- und Irrglauben. Aber noch andere, wirklich arme Seelen sind in einer harten, schwer drückenden Gefangenschaft. Unerträglich lang ist ihre Dauer. Mit dem duldenden Hiob führen die leidenden Seelen bittere Klage über ihre Not und Verlassenheit: „Wo ist denn nun mein Harren, und wer achtet auf mein geduldiges Warten?“ (Hiob 17,15) Wir, ihre Mitbrüder und Schwestern, sind es, zu denen die armen Seelen so flehentlich ihre Hände ausstrecken, dass wir für sie das unerlässliche Lösegeld sammeln: Gebete, Überwindungen, Opfer, die Früchte der Heiligen Messe u.a. Maria aber, die Königin des Fegfeuers, die ihre leidenden Kinder so zärtlich liebt, nimmt unsere Genugtuungswerke auf und bringt sie mit den ihrigen vereint vor Gottes Thron. Wir noch ärmere Seelen haben dabei das unermessliche Verdienst, wir werden zu der in ihrer Größe unfassbaren Fähigkeit erhoben, als lebendige Glieder der großen Heilsgemeinschaft, Mercedarier, Helfer, Retter sein zu können, Seelen aus dem dunklen Kerker „zum heiligen Licht, vom Tod zum Leben hinüberführen zu können“.

 

Der heilige Dubricius, Bischof von Landaff, England,

+ 14.11.522 – Fest: 14. November

 

Mitten in dem Verderbnis, das vor dem Einfall der Angelsachsen unter den alten Briten eingerissen war, erweckte Gott heilige Hirten, die durch Wort und Beispiel ihre Landsleute zur Buße anmahnten. Unter die Zahl dieser Gottesmänner gehört auch Dubricius, dessen Hauptwirkungskreis South-Wales war. Er war auf der Insel Miserbdil geboren worden, nahe bei dem Fluss Guy. Zuerst war der Heilige in der Provinz Warwick aufgetreten. Er hat die Heiligen Schriften zu Hentlan erklärt und eine zweite Schule zu Moch-res errichtet. Von allen Gegenden Britanniens kamen Schüler zu ihm, so dass er schließlich um die Tausend um sich versammelt sah. Unter ihnen waren der heilige Samson, der heilige Teliaus und viele andere, von denen manche durch Tugend und Wissenschaft berühmt zur bischöflichen Würde erhoben wurden. Die der Bildung seiner Schüler gewidmete Sorgfalt hinderte ihn jedoch nicht, seine eigene Heiligung zu wirken, und auf die Stimme des Geistes Gottes in der Einsamkeit und im Gebet zu horchen. Auf einer um das Jahr 446 gehaltenen Synode weihte ihn der heilige German zum Bischof von Landaff. Und als er 495 auf den erzbischöflichen Stuhl von Caerleon versetzt wurde, erhielt er den heiligen Teliaus zum Nachfolger im Bistum Landaff. In einer 512 zu Brevi gehaltenen Synode legte er schließlich sein Erzbistum zu Gunsten des heiligen David nieder, und zog sich zurück auf die Insel Bardsey oder Euly, an der Küste der Provinz Caernarvon, wo er kurz danach starb und begraben wurde. Man liest bei Camden und anderen Schriftstellern, dass zwanzigtausend Heilige, das heißt zwanzigtausend Einsiedler oder Klostergeistliche, auf dieser Insel begraben seien. In der Folge wurden die Reliquien des heiligen Dubricius nach Landaff gebracht.

 

Der heilige Sidonius,

Abt und Bekenner von Jumieges (Caux, Normandie), Frankreich,

+ 14.11.689 – Fest: 14. November

 

Der heilige Philibert, der Abt von Jumieges, sandte einige seiner Mitbrüder wegen verschiedener Liebeswerke nach Irland. Sidonius oder Saens, ein junger Irländer, wurde durch die Tugenden dieser Gottesmänner so ergriffen, dass er sich ihnen bei ihrer Rückkehr nach Frankreich anschloss, und sich in das Kloster Jumieges aufnehmen ließ. Abtötung und Demut waren die Tugenden, denen er vorerst nachstrebte, und bald wurde er ein Muster für die Frömmigkeit des Hauses. Sein Ruf drang bis zum heiligen Audonus, dem Erzbischof von Rouen, und an den Hof des Königs Theodorich III. Audonus, unterstützt durch die Mildtätigkeit des Fürsten, stiftete in der Landschaft Caux, um das Jahr 674, ein Kloster, und erkor den heiligen Sidonius zu dessen ersten Abt. Der heilige Bischof schloss mit dem heiligen Ordensmann Freundschaft, so dass der ihn in den schwierigsten Angelegenheiten zu Rate zog, und ihn zum Gefährten wählte auf einer Wallfahrtsreise nach Rom. Der heilige Sidonius starb um das Jahr 689. Seine Abtei wurde im 9. Jahrhundert, während der normannischen Kriege, zerstört. In den letzten Zeiten stand an diesem Ort ein von der Abtei St. Vandregesil abhängiges Priorat, das, so wie der sechs Meilen von Rouen entlegene Marktflecken, den Namen des Heiligen beibehielt. Neben diesem Priorat gab es auch noch eine nach dem Heiligen benannte Zisterzienserabtei zu Unserer Lieben Frau von St. Saens.

 

Der selige Gabriel von Feretti, Provinzial von Ancona in Italien,

+ 12.11.1456 – Gedenktag: 14. November

 

Der gottselige Gabriel von Feretti, gebürtig zu Ancona von einer edlen Familie, empfing von seinen Eltern eine christliche Erziehung und trat jung in den Orden des heiligen Franziskus. Die Tugenden der Demut und der Selbstverleugnung glänzten am hellsten in seinem Lebenswandel. Sein Verdienst erhob ihn zur Würde des Obern über die Franziskaner der Provinz Mark. Er stand seinen Brüdern mit Klugheit vor, dehnte seinen Orden in dem Land aus, indem er neue Klöster errichtete, und erwarb sich bei seinen Lebzeiten schon den Ruf eines Heiligen. Seine Vereinigung mit Gott war ununterbrochen und er sprach in allen seinen Reden von diesem höchsten Seelenglück. Er starb zu Ancona in einem hohen Alter am 12. November 1456. Seinen Leib, der unter Papst Innocenz VIII. unverwest gefunden worden war, übersetzte man in ein marmornes Mausoleum. Papst Benedikt XIV. gestattete die Tagzeiten zur Ehre dieses Dieners Gottes zu beten, dessen Fest am 14. November begangen wird.

 

Seliger Alanus

Gedenktage und Lebensskizzen hervorragender

Mitglieder des Karmelitenordens

 

Gedächtnis des seligen Alanus. Vom seligen Alanus berichtet Grossi (+ 1434), dass sein Jahrestag, der 12. November in einem alten Kalendarium des Kölner Klosters unseres Ordens steht. Man hat daraus geschlossen, dass Alanus in Köln gestorben sei. Doch kann man dieses nicht als unbedingt sicher behaupten, da dieses Kloster erst um das Jahr 1256 gestiftet wurde. Johannes Bale (+ 1563) nennt Alanus einen verehrungswürdigen Pater, der das Wort in seiner Gewalt hatte, wissenschaftlich hoch gebildet war, ein sanftes Gemüt, ein leicht zugängliches Wesen besaß und überaus heilig lebte. Seine Frömmigkeit führte ihn in das Heilige Land, wo er die verehrungswürdigen Stätten besuchte, auf dem Berg Karmel die dort lebenden Einsiedler kennenlernte, sich ihnen anschloss und deren fünfter General wurde. Da zu jener Zeit die Bedrängnisse durch die Sarazenen immer heftiger wurden und den Karmeliten das Verbleiben im Heiligen Land mehr und mehr schwierig machten, sandte Alanus zuerst Radulph Fresborne und den Briten Joo nach England. Es dauerte nicht lange und er folgte ihnen selbst nach Europa nach. Im Jahr 1247 erhielt er auf dem Kapitel zu Aylesford den heiligen Simon von Stock als Nachfolger im Generalat. Ob Alanus damals bereits gestorben war oder später aus dem Leben schied, kann nicht mehr festgestellt werden. Alanus wird auch in den Acta Sanctorum der Bollandisten angeführt. Dass er öffentliche Verehrung genossen hat, lässt sich nicht nachweisen. Von den Ordensschriftstellern wird er jedoch allgemein als der "selige Alanus" bezeichnet.

 

Schwester Theresia von Jesus

Gedenktage und Lebensskizzen hervorragender

Mitglieder des Karmelitenordens

 

Am 14. November 1893 starb im Karmel zu Lemberg (Galizien) die lobwürdige Schwester Theresia von Jesus, die schon dadurch allein, dass sie das Ordensleben erwählte, zu einer Heroldin des Glaubens geworden ist. Sie lebte nämlich in so glänzenden Verhältnissen, dass eine hohe Begeisterung und eine gewaltige übernatürliche Kraft dazu gehörte, diesen Schritt zu tun. Schwester Theresia wurde am 20. März 1837 zu Braunau geboren und war eine Gräfin Stolberg-Stolberg. Nachdem sie in den glücklichsten Familienverhältnissen aufgewachsen und herangereift war, wurde sie Hofdame ihrer Majestät, der verwitweten Königin Maria von Sachsen und genoss deren ganzes Wohlwollen und Vertrauen. Später verlebte sie acht Jahre im elterlichen Haus. Als im Frühjahr 1874 ihr Vater starb, brachte sie ihren längst gefassten Entschluss zur Ausführung und begab sich nach Köln, wo sie in das Kloster der Karmelitinnen eintrat. Leider konnte sie hier nur wenige Jahre verbleiben, weil die sogenannte Aufklärung des Jahrhunderts sogar die Anwesenheit dieser wenigen Ordensfrauen unerträglich fand. Theresia ging denn mit den übrigen Schwestern in die Verbannung, zuerst nach Echt in Holland, dann nach Ucele bei Brüssel, schließlich ließ sie sich bestimmen, bei der Gründung des von ihrer Jugendfreundin, Gräfin Raczynska gestifteten Klosters zu Lemberg mitzuwirken. Hier befiel sie ihre letzte, tödliche Krankheit, deren Opfer sie wurde. Am königlichen Hof zu Dresden lebten um jene Zeit noch hochgestellte Frauen, die während ihres Aufenthaltes am Hof mit ihr verkehrt hatten. Damals hatten sie den Entschluss der hohen Frau, ein so herrliches Leben mit der Abgeschiedenheit, Armut und Strenge des Karmels zu vertauschen, nicht begreifen können. Auf die Nachricht von ihrem Hinscheiden beglückwünschten sie aber die edle Verstorbene zur Ausführung ihres Vorhabens und zur Beharrlichkeit in ihrem Beruf in Erwägung der Wahrheit, dass man ja aus der schlichten Klosterzelle viel leichter vor den ewigen Richter hintritt als aus dem Glanz und Geräusch des Hoflebens.

(Die Übersiedlung von Köln nach Echt wurde am 3. Juli 1875 vollzogen. Der herzliche Empfang, den sie dort fanden, tröstete sie und linderte den Schmerz über das Herzeleid, das ihnen die Aufklärer zu Köln zugefügt hatten. Diese begnügten sich nicht damit, die armen Schwestern aus ihrem wohlerworbenen Heim nur zu verweisen. Der Polizeikommissar durchrannte die Pfortenzimmer mit gezogenem Degen, drohte die Klausurtür aufzubrechen, erfüllte selbst die Sakristei und Kapelle mit seinem wüsten Geschrei und stellte so unverschämte Zumutungen an die Schwestern, dass sogar die Behörde sich gezwungen sah, ihn zu bestrafen.)

 

Gebet am 14. November

 

Allerreinste Mutter Maria! "Schön bist du und kein Makel ist an dir." Ich aber bin sündenbefleckt und unrein; und doch weiß ich, dass du die Sünder liebst und nichts sehnlichster wünschst, als dass sie rein werden. So bitte denn Jesus für mich, dass er mit seinem kostbaren Blut, das er auch für mich am Kreuz vergossen hat, meine Seele reinige von allen Makeln. Erlange mir die Gnade, dass ich eine aufrichtige reumütige Beicht verrichte und fortan würdige Früchte der Buße bringe. Ach wie oft folge ich nicht meiner besseren Erkenntnis, sondern meinen verdorbenen Neigungen. Hilf diesem Übel ab, gütigste Mutter, höre nicht auf, mich mit deiner alles vermögenden Fürbitte zu unterstützen, bis die Reinheit besitze, die mich würdig macht, dich und den heiligen dreieinigen Gott im Himmel zu schauen. Amen.

 

Zu Gott

 

Du sprichst auf so vielfältige Weise zu uns, o Herr, und wir hören so selten auf Deine heilbringende Stimme. Lass doch nicht das Gewirr zeitlicher Sorgen und finsterer Leidenschaften unseren inneren Sinn betäuben, sondern führe uns von Zeit zu Zeit wenigstens in die beseligende Einsamkeit des Herzens, wo wir Deinen Willen vernehmen, und gib uns die Gnade, ihn, wie Deine Heiligen, im ganzen Leben treu zu befolgen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Im Jahr 1290 wurde zu Rom an diesem Tag vom Papst Nikolaus IV. der erste Stein in Gegenwart aller Großen und des ganzen Volkes zur heiligen Kirche Maria major gelegt. Die edelsten und reichsten römischen Einwohner haben die Kosten zu dieser prächtigen Kirche, worin der Chor-Altar mit dem Tabernakel am meisten bewundert wird, bezahlt.

 

Andacht am 14. November:

 

Das Thema im November:

Liebe

"Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." (Matthäus 22,37-39)

 

"Unsere Liebe zu Gott wird zumal an unserer Nächstenliebe erkannt. Denn beinahe nie ist die Liebe Gottes von der Liebe zum Nächsten getrennt; und je mehr wir in der Nächstenliebe zunehmen, umso mehr schreiten wir in der Gottesliebe voran. Sieh nun, wie es um deine Gottesliebe steht. Wenn sie vollkommen ist, so ist es auch die andere und dann hast du alles getan. Nur sollen wir nicht immer sagen, dass wir dies und jenes für den Nächsten tun wollen, ohne je Hand ans Werk zu legen." (Die heilige Theresia von Avila)

Tertulian berichtet von den ersten Christen, sie hätten einander so vollkommen geliebt, dass die Heiden darüber erstaunten und ausriefen: "Seht doch, wie innig diese Christen einander lieben! Wie sie einander hochachten! Wie sie aufmerksam sind, einander zu dienen! Ja, wie sie sogar bereit sind, für einander in den Tod zu gehen!"

Der heilige Hieronymus erzählt von dem heiligen Johannes, dem Evangelisten, dass er in seinem hohen Alter, das ihm nicht mehr zu gehen gestattete, sich von seinen Jüngern in die Versammlung der Christen tragen ließ, und, weil er vor Altersschwäche keine längeren Reden mehr halten konnte, sich auf die wenigen Worte beschränkte: "Meine Kindlein, liebt einander!" Da nun diejenigen, die nur immer dieselben Worte aus seinem Mund vernahmen, sich darüber verwunderten, fragten sie ihn, warum er ihnen nie etwas anderes sage? Der Apostel aber gab ihnen die denkwürdige Antwort: "Meine Kindlein, dies ist das Gebot des Herrn; wenn ihr es haltet, so habt ihr alles getan!"

Da die heilige Franziska von Chantal vor Verlangen glühte, dass alle Werke ihrer Töchter vom Geist der Liebe ausgingen, ließ sie an die Wand des Ganges, durch den die Klosterjungfrauen am meisten zu gehen hatten, die Eigenschaften aufzeichnen, die der heilige Apostel Paulus von der Liebe angibt: "Die Liebe ist geduldig, sie ist sanft, ohne Eifersucht, ohne Ehrgeiz, ohne Eigennutz, ohne Bosheit. Sie glaubt alles, sie hofft alles, sie erträgt alles!" Und so es einer Nonne widerfuhr, dass sie gegen die Liebe sich versündigte, sandte sie sie hin auf den Gang, dort diesen Ausspruch zu lernen, den sie den Spiegel des Klosters nannte. Oft las sie ihn selbst in ihrer Gegenwart, kehrte sich dann zu ihnen und sprach mit ganz feurigen Blicken: "Wenn ich die Sprache der Engel redete und ich habe die Liebe nicht, so bin ich nichts; und wenn ich meinen Leib den Qualen und dem Feuer preisgäbe und ich habe die Liebe nicht, so fruchtet dies alles mir nichts!"

 

Lieben will ich, Herr, meinen Nächsten um Deinetwillen, weil er von Dir kommt, zu Dir geht und Dir angehört. Immer will ich Dich in ihm sehen, für ihn beten und Dir zu Liebe ihm alles Gute tun! Amen. 

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 14. November

 

"Du, o Königin des Himmels und der Erde,

bist die allezeit offene Pforte der Barmherzigkeit,

die niemals irgendjemand verschlossen ist;

das Weltall würde eher untergehen,

als dass du deinen Beistand dem versagtest,

der ihn aus Grund des Herzens anruft."

 

sel. Heinrich Seuse OP

1298 bis 25.1.1366

 

Betrachtung am 14. November - Von der Heuchelei

 

Die schwarze Heuchelei flieht scheu das Licht,

Denn Satans falsche Bosheit ist ihr eigen;

Doch wehe, wenn der Herr sie im Gericht

In ihrer nackten Schändlichkeit wird zeigen.

 

1. Der Heuchler betrachtet die Frömmigkeit als einen schönen Schleier, die Bosheit und Verdorbenheit seines Herzens zu bedecken, um dadurch die Menschen, ja Gott selbst zu täuschen. Darum auch zürnte unser Herr keinem Sünder so schwer, als den Heuchlern, die er ein getünchtes Grabmal, ein Natterngezücht nannte. Oft aber lässt Gottes Vorsehung es zu, dass schon in diesem Leben dem Heuchler die Larve herabgerissen wird, und er vor den Augen aller in seiner ganzen Hässlichkeit erscheinen muss. Gibt man sich so viel Mühe, seine Ausschweifungen vor dieser Welt zu verbergen: wie weit mehr sollte man sich bemühen, sie durch wahre Buße vor jener Welt zu verbergen, wo aller Gedanken offenbar werden, und die Heuchelei mit ewiger Schande bedeckt wird. 

 

2. Mit Recht verabscheuen wir dieses hässliche Laster. Wie oft aber verfallen wir selbst in dieses Laster hinein, geben uns den Anschein, besser zu sein als wir sind, und verbergen unsere Fehler unter dem Schleier der Sittsamkeit. Wie viele guten Werke auch tun wir aus Eitelkeit, oder aus anderen unreinen Absichten. Ja wie oft treten wir sogar vor den Herrn, nennen ihn unseren Gott, unseren Erlöser, unser Vorbild. Kann er uns nicht antworten: Ihr Heuchler, wenn ich euer Gott, euer Erlöser, euer Vorbild bin, wo ist dann eure Liebe, eure Ehrfurcht, euer Gehorsam, eure Nachfolge? Müssen wir aber bei so gerechten Vorwürfen nicht verstummen?

 

3. Ja mehr noch. Wie oft bitten wir ihn um Gnaden, um Demut, um Keuschheit, um die Gaben der innerlichen Sammlung und Andacht. Kann er uns nicht mit Wahrheit sagen: "Ihr Heuchler, was versucht ihr mich? Warum bittet ihr mich um Gnaden, die es euch nicht ernst ist, zu erlangen, da ihr alles Mögliche tut, dass ich sie euch nicht verleihe, oder - wenn ich sie euch verleihe, - ihre Wirkungen zu vereiteln?" Kehren wir in unser Inneres ein, erkennen wir unsere Schuld, klagen wir uns der Schuld vor dem Herrn an, und bitten wir ihn ganz im Ernst und dringend um die Gnade an, uns zu bessern. Lukas 6,46: "Was sagt ihr zu mir: Herr! Herr!, und tut nicht, was ich sage?"

 

15. November

 

Der heilige Albert Magnus Bollstädt, Bischof und Kirchenlehrer,

+ 15.11.1280 - Fest: 15. November

 

Albert, ein Schwabe aus dem Rittergeschlecht von Bollstädt, wurde im Jahr 1193 in Lauingen an der Donau geboren. Von seiner Kindheit und Jugend weiß man heute nichts mehr. Wenn man aber die Bücher liest, zwanzig dicke und große Bände, die er geschrieben hat, so kommt man zu der Überzeugung, dass sich Albert in jungen Jahren nicht ausgeruht hat, sondern weit durch die Welt gewandert ist, denn in allen Dingen weiß er gut Bescheid. Er muss scharfe Augen gehabt haben, die sich durch den Schein nicht trügen ließen, sondern den Menschen bis tief hinein ins Herz schauten und den Sachen bis auf den letzten Grund gingen. Von Oberflächlichkeit und Flatterhaftigkeit ist bei Albert nicht die geringste Spur zu finden. Deshalb ist er auch der größte Gelehrte deutscher Sprache im Mittelalter geworden.

 

Als Student an der italienischen Hochschule Padua trat Albert in den damals noch jungen Dominikanerorden ein und kam zur weiteren Ausbildung nach Köln am Rhein. Die Legende weiß zu berichten, dass Albert anfangs im Lernen nicht gut voran kam. Da sei ihm – er war ein großer Marienverehrer – die Mutter Gottes erschienen und habe ihm gesagt, sie wolle ihm helfen, aber vor seinem Tod werde er alle Weisheit wieder vergessen zum Zeichen dafür, dass die Gelehrtheit eine besondere Gnade des Himmels gewesen sei. Man kann sich denken, dass Albert daraufhin mächtige Fortschritte im Lernen machte, denn derjenige, dem die Mutter Gottes unter die Arme greift, springt mit der gleichen Leichtigkeit über die größten Berge von Schwierigkeiten, wie ein Kind über die Steine am Straßenrand hüpft. Man merke sich also wieder einmal mehr, dass man sich mit Vertrauen an die Mutter Gottes halten muss.

 

Als Albert ausgelernt hatte, wurde aus dem Schüler ein Lehrer, und er lehrte nacheinander an den hohen Schulen zu Hildesheim, Freiburg im Breisgau, Regensburg, Straßburg, Paris und zuletzt und am längsten in Köln. Er unterwies die Studenten über alle Dinge, die es vom Himmel bis unter der Erde gibt, und sprach tief und hoch und gründlich von Gott und von den Engeln und Heiligen. Er sprach von Sonne, Mond und Sternen, von Wolken und Wind, von Vögeln und Fischen und von allem, was auf Erden kreucht und fleucht, von Fels und Stein und Gras und Halm und Wasser und Land. Und er sprach natürlich auch von den Menschen, dass sie vor Gott alle gleich sind und dass deshalb keiner den anderen unterdrücken oder bedrängen darf und dass die Reichen den Armen helfen müssen. Das und vieles andere mehr lehrte Albert die Studenten, die immer nur staunten, dass ein einzelner Mann so gelehrt sein konnte, wie Albert es war.

 

Einmal befand sich unter Alberts Schülern einer, der so steif war, dass er kaum ein Wort zu sagen wusste. Die anderen nannten ihn deswegen den stummen Ochsen. Albert aber, der den stummen Ochsen bald durchschaut hatte, meinte zu dem Studentengerede: „Wartet nur ab, der Ochse wird einmal seine Stimme erheben, dass sie auf der ganzen Erde bis zum Ende der Welt zu hören ist.“ Albert hat Recht behalten, denn der stumme Ochse war der heilige Thomas von Aquin, ein Schüler, der dem großen Meister gleich war und der ihn später im scharfen Denken noch übertraf, ihn aber in der Vielseitigkeit des Wissens nicht erreichte. Heute noch erklingt die Stimme des stummen Ochsen in allen Schulen, in denen sich junge Männer auf den Priesterstand vorbereiten.

 

Zwischendurch war Albert zeitweilig Ordensoberer, und er musste die ihm unterstellten Klöster visitieren; das bedeutet, dass er überall nach dem Rechten zu schauen hatte. Die Klöster lagen aber weit auseinander. Von Riga an der Ostsee bis Konstanz am Bodensee und von dieser langen Strecke aus noch kreuz und quer durch das Land. Alle Wege hat Albert zu Fuß gemacht in Regen, Wind und Schnee und Gluthitze. Das war eine Leistung, die ihm so leicht keiner nachmacht. Zwei Jahre lang war Albert auch Bischof von Regensburg, aber über alles glücklich fühlte er sich, als er mit Erlaubnis des Papstes wieder nach Köln an die Schule zurückkehren durfte, denn nichts tat er lieber als unterrichten. Für immer wird es sein größtes Verdienst bleiben, dass er die weltliche Weisheit dem göttlichen Glauben unterordnete.

 

Einige Zeit vor dem Tod des Heiligen, im achtundachtzigsten Lebensjahr, geschah es, dass Albert, der glänzende Lehrer, mitten im Unterricht vor Hunderten von Studenten auf einmal stockte und stotterte und nicht mehr weiterkam und gar nichts mehr wusste und wie ein Kind zu reden begann. Da lächelte er verträumt vor sich hin und zog sich in die stille Klosterzelle zurück und wollte mit keinem Menschen mehr reden, sondern sich einzig nur auf den Tod vorbereiten, der nach der Ankündigung der Mutter Gottes von damals nahe war.

 

So hat Albert, der Lehrer der Weisheit, am Ende des Lebens die höchste Weisheit geübt, die darin besteht, dass man sich mit aller Sorgfalt auf die Ewigkeit vorbereitet.

 

Der heilige Leopold III. Babenberg, Markgraf von Österreich,

+ 15.11.1136 – Fest: 15. November

 

Der heilige Leopold, von seiner Jugend an „der Fromme“ genannt, war ein Sohn Leopolds III., des Schönen, und Ithas, Kaiser Heinrichs III. Tochter, und wurde am 29. September 1073 zu Melk an der Donau geboren. Schnell entwickelte er die Früchte der guten Erziehung, die ihm seine Eltern angedeihen ließen. Jedermann bewunderte an dem fürstlichen jungen Mann die Fülle der Tugenden, die ihn zierte, seine Nüchternheit, Keuschheit, Zurückgezogenheit, Bescheidenheit, Selbstbeherrschung, Gebetsliebe und Freude am Lesen geistlicher Bücher, besonders der Heiligen Schrift, und versprach sich großen Segen für das Vaterland, wenn er einmal zur Regierung gelangen würde. Er war erst vierundzwanzig Jahre alt, als die schwere Bürde des Herrscheramtes auf seine Schultern gelegt wurde. Im Gefühl der menschlichen Schwäche flehte er zum Himmel um Segen und Erleuchtung, und diese Gaben wurden ihm reichlich zuteil. Er waltete im vollen Sinn des Wortes mit Gott, und sein Hof wurde der Sitz der Gerechtigkeit, Wohltätigkeit und jeder christlichen Tugend. Die Geschichtsschreiber jener Zeit entwerfen ein schönes Bild von dem Glück, das Österreich unter dem Zepter Leopolds genoss. Doch so sorgsam er auch seinen Fürstenpflichten nachkam, verlor er bei der Leitung der zeitlichen Geschäfte doch nie das Ewige aus dem Auge. Es gibt nicht mehr als ein göttliches Gesetz für die Hohen und Niederen der Erde, und beide können nur auf ein und demselben Weg zur Seligkeit gelangen. Diese wichtige Erkenntnis bewog ihn, sein Leben nach der für alle Menschen gegebenen Richtschnur zu regeln. Er wohnte fleißig dem Gottesdienst bei, empfing oft die heiligen Sakramente und hielt treu an der damals hart bedrängten Kirche. Agnes, die Tochter des Kaisers Heinrich IV., mit der er sich in seinem dreiunddreißigsten Jahr vermählt hatte, war ihm eine gleichgesinnte, eifrige Teilnehmerin an allen Werken der Gottseligkeit. Sie hielten miteinander häufig eine Andacht, auch bei der Nacht, trugen Sorge, dass jeder an ihrem Hof das Leben nach den Vorschriften der christlichen Religion einrichtete, und gingen überall mit dem besten Beispiel voran. Ihre Ehe wurde mit neunzehn Kindern gesegnet, von denen elf am Leben blieben und in der Furcht des Herrn erzogen zu hohen Würden, teils geistlichen, teils weltlichen gelangten. Der Eifer für Gottes Ehre beseelte das fromme fürstliche Paar in dem Grad, dass es auf seine Kosten fast alle baufälligen Kirchen im Land wieder herstellte, auch zwei herrliche Klöster neu gründete, das zu Neuburg am Kahlenberge und das zum heiligen Kreuz im Tal Sattelbach. Von der Demut, dieser Grundlage aller Heiligkeit, gab Leopold vielfältig Beweise. Recht augenfällig trat diese Tugend an ihm hervor, als 1125 auf dem Tag zu Mainz die Kurfürsten ihn zum Kaiser erwählen wollten. Denn da bat er kniefällig und unter vielen Tränen, einem anderen, tauglicheren Fürsten diese Würde zu übertragen. Bei aller Frömmigkeit, bei aller Milde und Güte zeigte er aber gleichwohl Heldenkraft, wo es galt, sein Land und sein Recht gegen feindliche Angriffe zu verteidigen. Vierzig Jahre hindurch hatte der treffliche Fürst sein Volk ruhmvoll beherrscht, als er im Herbst 1136 schwer erkrankte und nach würdiger Vorbereitung am 15. November des Todes verblich. Sein Hintritt erfüllte Österreich mit unsäglicher Trauer. Die Leiche wurde im Kloster Neuburg feierlich beigesetzt, und schon in den ersten Tagen erfolgten beim Grab zahlreiche Wunder an Kranken und Presshaften. Die Heiligsprechung Leopolds unternahm Papst Innocenz VIII. im Jahr 1484. Österreich ehrt ihn als seinen ersten Landespatron.

 

Der heilige Machutus, Bischof von Aleth, Bretagne, Frankreich,

+ 15.11.565 – Fest: 15. November

 

Der heilige Machutus (auch Machutes, Maclovius, Macliavus und französisch: Malo, Maclou und Mahout genannt) war ein Sohn Wents oder Gwents, eines britischen Edelmannes, der in der Provinz der Siluren lebte, die später seinen Namen erhielt, und jetzt Montmouth heißt. Er ließ Castel-Went, jetzt Chepstowe, am Fluss Wye, erbauen. Seine Gemahlin Derwele, war eine Verwandte Ammons und Ubrafels, der Väter des heiligen Samson und des heiligen Maglorius. Diese Einzelheiten finden wir in den alten Akten des heiligen Machutus.

 

Unser Heiliger erblickte das Tageslicht im Tal Lan-Carvan, in der Grafschaft Glamorghan. Seine Mutter war dorthin gereist, das vom heiligen Cadoc daselbst gestiftete Kloster zu besuchen, dessen dritter Abt der heilige Brendan war. Er war vor kurzem dem Ellenius in dieser Würde gefolgt.

 

Der heilige Machutus erhielt die Taufe durch den heiligen Brendan, der ihn auch später in den Wissenschaften und in der Gottseligkeit heranbildete. Das Kloster Lan-Carvan war besonders nach dem Tod des heiligen Jltut eine berühmte Schule geworden. Der heilige Machutus empfing da, vom heiligen Brendan vorgestellt, die heiligen Weihen. Als Priester schiffte er nach Armorika oder Bretagne über. Man sagt sogar, er habe, zum Regionarbischof geweiht, sein Vaterland verlassen. Er landete auf einer kleinen Felseninsel, wo ein heiliger Einsiedler, Aaron mit Namen, lebte, der ebenfalls dahin aus Großbritannien gekommen war. An diesem Ort wurde später die Stadt St. Malo erbaut.

 

Obgleich die Stadt Aleth den britischen Fürsten von Domnonea und den Königen von Frankreich unterworfen war, die sich zum Christentum bekannten, waren doch die meisten ihrer Einwohner damals noch Heiden. Der heilige Machutus verließ daher im heiligen Bekehrungseifer seine stille Einsamkeit und verkündigte den Ungläubigen und der kleinen Zahl der im Land wohnenden Christen, die Lehre des Evangeliums. Er wollte die einen vom Irrtum zurückführen, und die anderen in der Wahrheit besser unterrichten. Sein Bekehrungswerk begann er gegen Ende der Regierung Juduals, des Fürsten von Domnonea. Nach Juduals Tod wurde die Herrschaft unter dessen Kinder verteilt. Judhael, der älteste Sohn, war der Vater des heiligen Judicael, des späteren Königs von Domnonea. Haeloch oder Haleou, der zweite, wurde Graf von Aleth.

 

Der heilige Machutus hatte anfangs vieles zu erdulden von diesem Fürsten; endlich aber gelang es ihm, dessen Vorurteile zu zerstreuen, und dessen Schutz bei seinem gottseligen Unternehmen zu erlangen. Seine Heiligkeit, begleitet von der Wundergabe, siegte über die Hartnäckigkeit der verstocktesten Sünder. Er stand 40 Jahre der Kirche von Aleth als Bischof vor, die er ohne Unterlass durch Rede und Beispiel unterrichtete. Ebenso arbeitete er an seiner eigenen Heiligung durch anhaltendes Gebet, sowie durch Wachen, Fasten und andere Bußübungen. Er wusste jeden Augenblick zu seinem und anderer Heil zu benützen. Selbst auf seinen Reisen redete er entweder von Gott, oder betete Psalmen zu dessen Lob. Es gelang ihm, beinahe alle Heiden seines Bistums zu bekehren; auch gründete er viele Kirchen. Nach Aarons Tod übernahm er ebenfalls die Leitung des Klosters, das sich auf der Insel gebildet hatte, und sehr zahlreich geworden war.

 

Nach dem Tod Haelochs, des Grafen von Aleth, erregten einige Übelgesinnte eine so heftige Verfolgung gegen den Heiligen, dass er durch die Flucht entrinnen musste. Das Schiff, mit dem er abgesegelt war, landete an Aquitaniens Küste. Da begab sich der heilige Machutus in die Stadt Saintes, deren Bischof Leontius ihn mit großer Ehrfurcht aufnahm. Nachdem er kurz hierauf nach Aleth zurückberufen wurde, suchte er sich seines bischöflichen Amtes zu entledigen. Er ernannte den heiligen Gudwal (Der heilige Gudwal stammte aus dem Land Wales. Er wird am 6. Juni verehrt. Seine Reliquien wurden im 10. Jahrhundert in das Kloster St. Peter von Gent gebracht, wo man sie mit großer Verehrung aufbewahrte) zu seinem Nachfolger, und kehrte nach Saintes zurück, um sich dort ungestört zur Reise in die Ewigkeit vorzubereiten. Er starb am 15. November um das Jahr 565.

 

Seine Reliquien befanden sich lange in der Kirche seines Namens, außerhalb der Mauern von Saintes, bis sie im 9. Jahrhundert nach St. Malo übertragen wurden. Im folgenden Jahrhundert versetzte man sie aus Furcht vor den Normännern nach Paris, wo sie zuerst in der Kirche des Palastes, dann in der des heiligen Maglor aufbewahrt wurden. Später kamen sie größtenteils in die Abtei St. Victor; doch erhielten auch das Seminar zu St. Maglor, in Paris, sowie St. Malo, Saintes, Rouen, Pontoise und andere Orte einige Teile dieser geheiligten Überbleibsel.

 

Das Kloster der Insel Aaron wurde in eine Kathedrale umgeändert, und mit regulierten Kanonikern versehen, als der gottselige Johann von la Grille, Bischof von Aleth, im Jahr 1141 den bischöflichen Sitz dahin verlegte. Anna von Bretagne befestigte die Insel, auf der die Stadt St. Malo steht. Die ehemalige Stadt Aleth ist gänzlich zerstört.

 

Der heilige Leontius II., Bischof und Bekenner von Bordeaux,

+ 15.11.565 – Fest: 15. November

 

Der heilige Leontius, mit dem Beinamen „der Jüngere“, um ihn von einem anderen Leontius, seinem Vorgänger auf dem bischöflichen Stuhl von Bordeaux zu unterscheiden, wurde um das Jahr 410 zu Saintes geboren. Er stammte aus einem der edelsten Häuser in Aquitanien. In seiner Jugend tat er Waffendienste gegen die Westgoten in Spanien und im narbonnensischen Gallien. Man bewog ihn die Placidina zu heiraten, die unter ihre Vorfahren den heiligen Sidonius und Kaiser Avitus zählen konnte. Wegen seiner unbescholtenen Lebensweise, seiner reinen Sitten, seiner Gerechtigkeitsliebe, seiner Frömmigkeit und seiner Almosen wurde er in späteren Jahren des bischöflichen Amtes würdig erachtet. Das Volk und die Geistlichkeit von Bordeaux erwählten ihn nach dem Tod von Leontius I., oder des Älteren, im Jahr 541 zu ihrem Oberhirten. Von dieser Zeit an betrachtete er seine Gemahlin Placidina nicht mehr anders als eine geliebte Schwester, und sie, ganz der Gottseligkeit ergeben, fand ihre höchste Wonne den gottgeweihten Gemahl in allen guten Werken, so viel sie vermochte, zu unterstützen. Leontius verwendete seine beträchtlichen Güter zum Bau vieler Kirchen, die er auch mit den erforderlichen Einkünften versah, und unter denen auf seinen Gütern besonders bemerkt zu werden verdienen, die zum heiligen Martin von Tours, und zum heiligen Vincentius von Agen; dann die zum heiligen Nazarius, zum heiligen Dionysius und zu der allerseligsten Jungfrau in Bordeaux; endlich die zum heiligen Eutropius von Saintes, in der Stadt dieses Namens.

 

Man findet einen Leontius von Bordeaux unter den Bischöfen des 4. Konzils von Orleans. Es ist wahrscheinlich, dass dies Leontius der Ältere war. Dem sei jedoch wie ihm wolle, unser Heiliger, der dem 5. Konzil eben dieser Stadt nicht beiwohnen konnte, schickte den Priester Vincentius dahin. In eigener Person erschien er aber auf dem 2. und 3. Konzil von Paris, die 551 und 557 gehalten wurden. Im Jahr 565 versammelte er auch ein Konzil aus seiner Provinz zu Saintes, worin Emerius, Bischof dieser Stadt, abgesetzt wurde, da dessen Weihe, weil ohne Zuziehung des Metropoliten, also gegen die Kanons des letzten Konzils von Paris geschehen, gesetzwidrig war. Man wählte an dessen Stelle den Priester Heraklius von Bordeaux. Als jedoch die Urkunde dieser Wahl dem König Charibert vorgelegt wurde, geriet er in großen Zorn, wies den Abgesandten von seinem Angesicht, und schickte ihn in die Verbannung. Er wollte, dass Emerius, obgleich er keinen anderen Rechtsgrund als ein Dekret des Königs Clotar hatte, im Besitz des bischöflichen Stuhls von Saintes verbliebe, und die Bischöfe, die zu dessen Verurteilung mitgewirkt hatten, wurden mit einer Geldstrafe belegt. In der Folge glich sich jedoch die Sache aus, und der heilige Leontius selbst erkannte Emerius als Bischof von Saintes an. Er starb um das Jahr 565, und wird an diesem Tag zu Bordeaux verehrt; allein sein Name steht in keinem Martyrologium. Es scheint nicht, dass Placidina, obgleich sie einen sehr heiligen Lebenswandel geführt hat, jemals in der Kirche öffentlich als Heilige verehrt worden wäre.

 

Der heilige Eugen, Märtyrer von Paris,

+ 2. Jahrhundert – Fest: 15. November

 

Der heilige Eugen, Schüler des heiligen Dionysius, erster Bischof von Paris, litt den Märtyrertod kurz nach seinem gottseligen Meister, zu Deuil, in Paris, und wurde daselbst begraben. In der Folge brachte man seine sterbliche Hülle in die Abtei St. Denys. Wir lesen bei Mariana, dass des Heiligen Reliquien, wenigstens zum Teil, im Jahr 1148 nach Toledo, in Spanien, gebracht worden seien. Aus Versehen hat man diesen heiligen Blutzeugen mit dem frommen und gelehrten Bischof von Toledo verwechselt, der denselben Namen führte.

 

Eugen von Toledo starb 657, nach zwölfjähriger bischöflichen Amtsführung. Dieser durch vorzügliche Heiligkeit ausgezeichnete Oberhirt stand dem 9. und 10. Konzil von Toledo vor. Er hat mehrere Epigramme über fromme Gegenstände, und ein Gedicht über das Werk der sechs Tage, oder über die Schöpfung, hinterlassen. Der heilige Ildefons, sein unmittelbarer Nachfolger, erwähnt seiner mit Lob.

 

Einige Schriftsteller verteidigen auch die Überlieferung der Kirche von Toledo, der heilige Eugen, von dem hier die Rede ist, müsse Eugen II. genannt werden, und der heilige Eugen, Schüler des heiligen Dionys von Parias, habe in Spanien das Evangelium gepredigt, sei erster Bischof von Toledo gewesen, und habe in dieser Stadt den Märtyrertod erlitten.

 

Der heilige Paduin, Abt und Bekenner bei Le Mans, Frankreich,

+ 15.11. 6. Jhd. – Fest: 15. November

 

Der heilige Paduin (französisch Pavin), gebürtig in der Landschaft Maine, verließ in seiner Jugend die Welt, um sich in der Abgeschiedenheit Gott zu weihen. Der Name des Klosters, in das er sich verschlossen hatte, ist jedoch unbekannt. In der Folge zog man ihn aus seiner Einsamkeit hervor, und machte ihn zum Prior des Klosters zum heiligen Vincentius bei Mans, das der Diözesanbischof Domnulus hatte erbauen lassen. Mit einer vorzüglichen Heiligkeit verband Paduin eine seltene Rednergabe, wodurch es ihm gelang, Geist und Herz seiner Zuhörer der Wahrheit zu öffnen, und sie zu gottgefälligen Menschen umzuschaffen.

 

Als der heilige Domnulus ein Kloster mit einem Spital unter Anrufung der allerseligsten Jungfrau, zwischen dem Fluss Sarte und dem Landgut Beaugé erbaute, und Ordensmänner dahin schickte, übergab er die Leitung desselben unserem Heiligen mit der Abtswürde. Paduin war für die neue Genossenschaft ein schönes Beispiel der Demut, des Eifers, der Geduld und der Nächstenliebe, bis er am 15. November gegen Ende des 6. Jahrhunderts starb. Sein Name steht unter diesem Tag im Martyrologium Frankreichs und in dem der Benediktiner.

 

Der heilige Desiderius,

Bischof und Bekenner von Cahors, Frankreich,

+ 15.11.654 – Fest: 15. November

 

Der heilige Desiderius (französisch: Saint Didier oder Géry) wurde im Bezirk von Albi gegen das Jahr 580 aus einer edlen gallischen Familie geboren, und mit seinen zwei Brüdern Rusticus und Siagrius am Hof Clotars II. erzogen. Rusticus, der in den geistlichen Stand trat, wurde Diakon an der Kirche von Rodez, dann Abt oder Vorsteher der königlichen Kapelle und zuletzt Bischof von Cahors. Siagrius erhielt die Grafschaft Albi, und die höchste obrigkeitliche Würde in Marseille.

 

Desiderius machte große Fortschritte in den Wissenschaften, und erwarb sich einen berühmten Namen durch seine Beredsamkeit. Als Bewahrer der besonderen Kasse des Königs bewies er eine bewunderungswürdige Uneigennützigkeit. Er lebte am Hof wie der strengste Ordensmann; die von seinen Amtsgeschäften erübrigte Zeit widmete er dem Gebet, dem Lesen der heiligen Bücher, und der Betrachtung des göttlichen Gesetzes. Er untersagte sich alle weltlichen Lustbarkeiten, die so leicht das Menschenherz vergiften. Durch die Reden und Beispiele mehrerer damals am Hof lebender heiligen Männer, als: eines heiligen Arnulf, eines heiligen Audon, eines heiligen Eligius, wurde er mit jedem Tag mehr zur Tugend angefeuert. In diesen frommen Gesinnungen bestärkten ihn die Briefe seiner frommen Mutter Erchenefreda. Sie empfahl ihm besonders die Gegenwart Gottes nie aus den Augen zu verlieren, ihn stets zu fürchten und zu lieben, alles zu vermeiden, was ihn beleidigen könnte, dem König getreu zu sein, die zu lieben, mit denen er leben müsse, und sie durch seinen Lebenswandel zum Guten anzuregen.

 

König Dagobert schenkte, wie vorher sein Vater Clotar, dem heiligen Desiderius ein großes Vertrauen. Er überhäufte ihn sogar mit neuen Ehrenstellen. Und als sein Bruder Siagrius gestorben war, ernannte er ihn zu seinem Nachfolger, jedoch mit der Bedingung, dass er am Hof verbleiben müsse. Einige Zeit danach wurde Rusticus, Desiderius anderer Bruder, von einigen Bösewichten in Cahors gemeuchelt. Dieser Frevel wurde nach Gebühr bestraft. Als man hierauf zu Cahors erfuhr, dass der König gerne Desiderius als Nachfolger seines Bruders Rusticus auf dem bischöflichen Stuhl sähe, beeiferten sich die Geistlichkeit und das Volk, ihn zu ihrem Oberhirten zu erwählen. Der bei dieser Gelegenheit vom König erlassene Beschluss ist zu merkwürdig, als dass wir ihn hier nicht anführen sollten.

 

„Dagobert, König der Franken, an die Bischöfe, Herzoge und an das ganze Volk Galliens.

 

Wir müssen Sorge tragen, damit unsere Wahl vor Gott und den Menschen wohlgefällig sei; und weil uns der Herr die Leitung der Königreiche anvertraut hat, dürfen wir nur denen die Würden übertragen, die sich auszeichnen durch die Weisheit ihres Wandels, durch die Rechtschaffenheit ihrer Sitten und durch den Adel ihrer Geburt. Da wir demnach erkannt haben, dass Desiderius, unser Schatzmeister, sich von seiner Jugend auf durch seine Frömmigkeit ausgezeichnet hat, wie ein wahrer Krieger Jesu Christi, unter der Dienstkleidung der Welt; und dass der gute Geruch seiner englischen Sitten, des wahrhaft priesterlichen Wandels sich bis in die entferntesten Provinzen verbreitet hat, so gewähren wir den Wahlstimmen der Bürger und Äbte (Man muss unter den Äbten die Vorsteher der geistlichen Genossenschaften verstehen. Es waren damals nach dem Verfasser der Lebensgeschichte des Heiligen noch keine Klöster zu Cahors.) von Cahors, dass er ihr Bischof sei. Wir glauben, dass dies die Wahl und der Wille Gottes ist, dem wir folgen, weil wir uns selbst Gewalt antun, indem wir uns eines so notwendigen Beamten berauben. Allein was es auch kosten mag, wir müssen den Kirchen Hirten verschaffen, welche die von uns ihren Sorgen anvertrauten Völker, nach Gottes Willen leiten. Daher wollen und befehlen wir, dem Begehren der Bürger gemäß, und nach unserem mit dem ihrigen übereinstimmenden Willen, dass Desiderius zum Bischof geweiht werde, damit er für uns und für alle Stände der Kirche bete; und wir hoffen, dass Gott durch das Verdienst der Gebete eines so heiligen Oberhirten, und ein langes Leben verleihen werde.“

 

Diese Urkunde ist vom April 629.

 

Desiderius widmete sich als Bischof mit ganzer Seele seinem erhabenen Amt; er arbeitete unermüdlich an der Ausrottung des Lasters und an der Begründung des Reiches der Tugend; jedem Unglücklichen versuchte er Hilfe zu leisten, und benutzte sein Ansehen einzig zur Beförderung der Ehre Gottes und zur Unterstützung der Armen. Die bestehenden Kirchen schmückte er gemäß ihrer hohen Bestimmung mit neuen Verschönerungen, und ließ, wo es zweckdienlich war, neue erbauen. Vor ihm waren noch keine Klöster in Cahors; er stiftete daher zwei in dieser Stadt. Das erste davon, das nicht weit vom bischöflichen Palast entfernt lag, und dem heiligen Amandus von Rodez gewidmet war, bestimmte er zu seiner Grabstätte. Seinem Beispiel folgten nun mehrere Gläubige bei Stiftung von Klöstern, die teils die Regel des heiligen Columban, teils die des heiligen Benedikt annahmen, die man damals, soviel möglich, zu vereinigen suchte. Es scheint ein Irrtum zu sein, dass man unter die damals errichteten auch das Kloster Moissac gezählt hat; man setzt dessen Stiftung gewöhnlich in Clodwigs Zeiten. Unser Heiliger dehnte seinen Eifer sogar bis in die Landschaft Albigeois aus, wo er gleichfalls mehrere fromme Anstalten errichtete.

 

Sein hohes Alter und seine Körpergebrechen mahnten ihn endlich an sein herannahendes Ende; er machte deshalb sein Testament, worin er seine Kirche zur Erbin aller seiner Güter machte, der er zugleich aber auch die Unterhaltung der von ihm ernährten Armen empfahl. Er starb im Bezirk von Albi am 15. November 654. Sein Leib wurde nach Cahors gebracht, und in der Kirche zum heiligen Amandus beigesetzt. An seinem Grab sind mehrere Wunder geschehen. Zu Cahors steht eine nach dem heiligen Desiderius benannte Pfarrkirche; allein sein Leib ist nicht mehr dort.

 

Das Bistum Cahors war ehemals ein Suffraganat von Bourges; später aber kam es unter Albi, das unter Ludwig XIV. zu einem Erzbistum erhoben wurde.

 

Wir haben noch Briefe, die der heilige Desiderius geschrieben hat, oder die ihm von den berühmtesten Personen seiner Zeit geschrieben worden. Sie beweisen, dass der heilige Bischof für seine Zeit keine geringen Kenntnisse besaß; sie beweisen aber auch zugleich, dass man zu seiner Zeit den guten Geschmack und das gute Latein nicht mehr kannte.

 

Die selige Lucia Broccadelli aus Narni,

italienische Mystikerin, Dominikanerin,

+ 15.11.1544 – Gedenktag: 15. November

 

Von ihrem fünften Lebensjahr an besuchte Lucia, die später in den Orden der Dominikanerinnen eintrat, oftmals eine Kirche des heiligen Augustin. Es war in dieser Kirche eine Marmorstatue, die die heilige Jungfrau mit ihrem göttlichen Sohn auf den Armen darstellte, und vor der sie jeden Tag den Rosenkranz und sieben Mal den Englischen Gruß betete.

 

Eines Tages, da ihre Inbrunst größer war als gewöhnlich, bat sie die heilige Jungfrau ganz demütig und treuherzig, ihr doch das Jesuskindlein zu geben. Die unschuldige Bitte Lucias war Marien so angenehm, dass sie es ihr gab. Das fromme Kind nahm es in seine Arme, herzte es, und nahm es mit sich nach Hause, wo es drei Tage blieb, und Lucias Seele mit unaussprechlichem Trost erfüllte; worauf es in die Kirche auf den Armen seiner Mutter zurückkehrte. Als das junge Mädchen erfuhr, dass man sie einem Mailänder Edelmann zur Ehe versprochen habe, empfand sie darüber ein so großes Leid, dass sie ohnmächtig wurde. Aber die Mutter Gottes erschien ihr und sagte, sie solle nur in diese Verbindung einwilligen, sie selbst wolle die Wächterin ihrer jungfräulichen Reinheit sein. Sie führte mit dem Grafen Pietro di Alessio eine dreijährige rein geistliche Ehe. Barfuß, aber so, dass niemand es wahrnehmen konnte, pflegte sie jeden Samstag eine Meile von der Stadt ein Bild der heiligen Jungfrau zu besuchen. Durch die frommen Übungen erwarb sie sich die Gunstbezeigungen der Himmelskönigin, die schließlich wollte, dass sie die Braut ihres göttlichen Sohnes im Orden des heiligen Dominikus werden sollte. Und stets beehrte sie sie mit besonderen Beweisen ihres Wohlwollens. Lucia empfing im Jahre 1496 die Stigmata in Viterbo, die Wundmale unseres Herrn Jesus Christus. Sie war Gründerin und Oberin der Klöster S. Domenico von Viterbo und S. Caterina von Siena in der Stadt Ferrara.

 

Am 26. Mai 1935, 391 Jahre nach ihrem Tod, wurden ihre Gebeine feierlich in ihre Heimatstadt Narni zurückgeholt. Lucia ist in Viterbo, Narni und Ferrara immer noch berühmt und hochverehrt für ihre Reinheit des Geistes und für den Glauben, den sie gelebt hat.

 

Ein besonders wichtiges Dokument ihres persönlichen und mystischen Lebens, ist die Autobiographie der seligen Lucia, die acht Monate vor ihrem Tod im Jahr 1544 verfasst wurde und als verloren galt. Sie wurde vor kurzem in Bologna unter dem Titel „Das dominikanische Leben der seligen Lucia da Narni“ wiederentdeckt. 

 

Pater Johannes Bessières

Gedenktage und Lebensskizzen hervorragender

Mitglieder des Karmelitenordens

 

Der 15. November ist der Todestag des gottseligen Pater Johannes Bessières. Pater Johannes Bessières stammte aus Saint-Pojet im Departement Lot (Frankreich)Er hatte, wie es ihm sein Gewissen gebot, den Bürgereid verweigert, durfte aber noch in seiner Heimat verbleiben, wo er alle Kraft aufbot, um den katholischen Bewohnern geistliche Dienste zu leisten. Im Jahr 1793 wurde er verhaftet und im folgenden Jahr 1794 zur Verschiffung nach Bordeaux geliefert. Es fand eben eine Deportation statt, auf dem Schiff fehlte jedoch der Raum, um auch ihn noch aufzunehmen. So blieb er in dem ehemaligen Katharinenkloster in Haft. Da hier Krankheit und Leiden seine Kräfte zusehends verzehrten, sah man sich genötigt, ihn eilends in das Sankt-Andreas-Hospital der Stadt zu verbringen, in dem der sechzigjährige Märtyrer am 15. November 1794 seine Seele aushauchte.

 

Bruder Ignaz von der Unbefleckten Empfängnis

Gedenktage und Lebensskizzen hervorragender

Mitglieder des Karmelitenordens

 

Am 15. November 1897 hatte der Linzer Konvent das Hinscheiden des lobwürdigen Laienbruders Ignaz von der Unbefleckten Empfängnis, eines Mannes zu betrauern, der trotz seiner bescheidenen Stellung eine Zierde und eine wahre Stütze des Klosters war. Frater Ignaz (Kilian Neumann) war am 23. Juli 1837 zu Allentsteig in Niederösterreich geboren und mit guten Talenten begabt. Am 21. September 1862 legte er seine Gelübde ab. Nach seiner Profess verbrachte er zwei Jahre im Kloster zu Raab. Seit dem Jahr 1864 war er Pförtner zu Linz. Ein Asthmaleiden zwang ihn am 20. September 1897 die Pforte zu verlassen, um sich auf einen guten Tod vorzubereiten. Unzählige erkundigten sich während seiner Krankheit um das Befinden des "guten Fraters Ignaz". Selbst der hochwürdigste Herr Bischof besuchte ihn wiederholt. Seine Tugenden, vornehmlich seine Geduld, seine Demut, sein Gehorsam, seine Leutseligkeit, eine wahrhaft heroische Nächstenliebe, hatten ihn zum Freund und Liebling aller gemacht. "Hunderte, ja Tausende kamen gepressten Herzens zu ihm und haben Trost und Ermunterung, sehr oft auch Hilfe gesucht und gefunden. Man kann sagen, es gibt kein Elend des häuslichen Lebens, in dem nicht viele ihre Zuflucht zu ihm genommen hätten und wofür er nicht Ermunterung oder ein Heilmittel geboten oder gewusst hätte. Ja, manche schlossen ihm ihr innerstes Gewissen so kindlich offen auf, wie sie es vielleicht dem Beichtvater gegenüber nicht getan hätten. So mächtig war der Eindruck, den er auf sie machte, und so großes Vertrauen wusste er sich in vielen Herzen zu erobern . . . Wenn jemand zu ihm kam und ihm sein Elend aufdeckte, war es nie so tief und eingewurzelt, dass er es nicht zu überwinden oder wenigstens zu lindern vermocht hätte. Für jede Wunde wusste Frater Ignaz einen heilenden Balsam. Kurz, die leidende, arme, hilfsbedürftige Menschheit fand bei ihm immer ein fühlendes Herz und eine hilfsbereite Hand . . . Zu ihm kamen Arme um Brot, Schuhe, Kleider, Krankenkost, Arzneien, Geld usw., Jünglinge um Rat, Frauen um Kraft, Mütter um Trost, Geschäftsleute um Empfehlung, angesehene Leute um Hilfe in ihren Anliegen: Gefährdete, die Schutz, Schwankende, die Festigkeit, Verzweifelnde, die eine Hand suchten, die sie vom Rand des Verbrechens, des Wahnsinns, des Selbstmords zurückzöge. Wer weiß, was aus manchem geworden wäre, hätte er nicht in der Prüfungsstunde den guten Frater Ignaz gefunden, der es verstand, ihm den verlorenen Frieden wieder ins Herz zu pflanzen."

 

Pater Raphael vom heiligen Joseph

Gedenktage und Lebensskizzen hervorragender

Mitglieder des Karmelitenordens

 

Gedächtnis des lobwürdigen Pater Raphael vom heiligen Joseph. Pater Raphael vom heiligen Joseph (Joseph Kalinowski), wurde am 1. September 1835 zu Wilna in Litauen geboren. Nach Vollendung seiner Gymnasialstudien, die er in einem adeligen Institut mit solchem Erfolg machte, dass sein Name auf die sogenannte goldene Tabelle gesetzt wurde, besuchte er die Militärakademie zu Petersburg, wo er wegen seines Fleißes und seiner Begabung allgemeine Anerkennung fand und 1857 zum Leutnant und außerordentlichen Professor ernannt wurde. Schon zwei Jahre später übertrug man ihm den Bau einer Eisenbahn von Odessa nach Kurks. Noch nicht ganz 27 Jahre alt wurde er zum Hauptmann des Generalstabs befördert. Unterdessen bereitete sich in Polen der Aufstand des Jahres 1863 vor. Raphael hielt die Sache seines Volkes für eine gerechte. Noch war er Offizier der russischen Armee. Als man ihn jedoch nach Warschau schicken wollte und ihm zumutete, sich gegen seine Stammesgenossen gebrauchen zu lassen, nahm er seinen Abschied und schloss sich seinen Landsleuten an. Bald wurde er wegen seiner hervorragenden Fähigkeiten und seiner Charakterfestigkeit von der Nationalversammlung zum Leiter des Aufstandes in ganz Litauen mit unumschränkter Gewalt ernannt. Es gelang den Russen, ihn durch Verrat in ihre Hände zu bekommen. Sie verurteilten ihn zum Tod, was er ruhig und gelassen über sich ergehen ließ. Doch man scheute sich, das Urteil zu vollziehen, da Raphael bei Freund wie Feind als Heiliger galt. Sein Tod wäre als Martyrium angesehen worden, was die Erbitterung noch mehr angefacht hätte. Darum begnadigte man ihn zu zehnjähriger Zwangsarbeit in der Festung Omsk und zu lebenslänglicher Verbannung nach Sibirien. Die Feder sträubt sich die Leiden zu schildern, die er hier durchzumachen hatte. Er ertrug sie aber mit so vollkommener Geduld, dass seine Mitverbannten mit Bewunderung auf ihn blickten und in die Allerheiligenlitanei die Anrufung einrückten: "Durch die Gebete Kalinowskis, erlöse uns, o Herr!" Nach zehn Jahren wurde er begnadigt unter der Bedingung, dass er Russland verlasse und es nicht mehr betrete. Er begab sich nach Paris, wo er die Erziehung des jungen Fürsten Czatoryski, der später Salesianer wurde und im Ruf der Heiligkeit starb, leitete. Nach Erfüllung dieser Aufgabe bat er 1877 um die Aufnahme ins Noviziat der Unbeschuhten Karmeliten zu Graz. Im Orden erwies er sich gleich tüchtig wie in der Welt, weshalb ihn das Generaldefinitorium zum ersten Prior von Czerna bestellte. Das Vertrauen seiner Mitbrüder berief in später viermal zum Prior, dreimal zum Definitor, auch zum Provinzialvikar. Es ist keine Übertreibung, wenn Pater Raphael eine Säule des polnischen Karmel und eine Leuchte für alle Religiosen genannt wird. Streng gegen sich und persönlich abgetötet, war er für seine Untergebenen, besonders für die Kranken besorgt wie eine Mutter. Als er 1906 das letzte Mal zum Prior von Wadowice gewählt war, sprach er in seiner Antrittsrede: "Aus Gehorsam übernahm ich die Pflichten des Priors in diesem Kloster. Meine teuren Brüder, ich fühle, dass ich nicht mehr lange auf dieser Erde unter euch verbleiben werde, ich bitte deswegen, dass Sie mich unterstützen, mich zum Tod vorzubereiten." Seine Ahnung ging in Erfüllung. Schon im Dezember des gleichen Jahres ergriff ihn eine schwere Krankheit, monatelang schwebte er zwischen Leben und Tod, bis er am 15. November 1906, während die Mitbrüder die Allerheiligenlitanei beteten, selig im Herrn entschlief. Das Volk betrachtete ihn als Heiligen, küsste mit Ehrfurcht seine Kleider, Hände und Füße und berührte Andachtsgegenstände an seinem Leib. Der Erzbischof von Lemberg schrieb: "Ich nehme herzlichen Anteil an Ihrer Trauer. Ein großer Trost ist aber die Hoffnung, dass wir in ihm einen mächtigen Fürsprecher bei Gott erlangt haben." Tatsächlich wird versichert, dass auf seine Anrufung und nach dem Gebrauch von Reliquien Pater Raphaels in verschiedenen Gegenden wunderbare Heilungen und Gebetserhörungen vorkamen.

 

Gebet am 15. November

 

Glückseligste Jungfrau! Bei wem kann ich mit solchem Recht und Vertrauen um die Liebe Jesu bitten, als bei dir, der Mutter meines allerteuersten Erlösers. Du liebtest Jesus auf eine alle andere Liebe übertreffende Weise, insbesondere wegen der Hoheit deiner Seele, der Reinheit deines Herzens und der besonderen Gnadenfülle, die über dich ausgegossen war. Darum nehme ich zu dir meine Zuflucht, o Mutter der schönen Liebe, und bitte dich inständig, mir durch deine Fürbitte zu erwirken, dass ich deinen eingeborenen Sohn mit allen Kräften meiner Seele lieben und einst von Angesicht zu Angesicht schauen kann. Amen. 

 

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Leopold

 

O Gott, der Du den heiligen Leopold aus dem irdischen Reich in das himmlische versetzt hast, verleihe uns auf seine Fürbitte die Gnade, das Zeitliche so zu gebrauchen, dass wir des ewigen Lebens teilhaftig werden, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Als der griechische Kaiser Johannes Commenus im Jahr 1123 gegen die Skythen ins Feld zog, ließ er das Bildnis der seligsten Jungfrau vor seinem Kriegsheer hertragen, und betete vor ihm eifrig, wenn er seine Kämpfer sehr ermüdet oder in Gefahr sah. Der Erfolg war: sein Vertrauen auf die Fürbitte der Mutter Gottes wurde dadurch gekrönt, dass er am heutigen Tag bei gänzlicher Niederlage der Skythen, mit der Sieges-Palme in der Hand, das Schlachtfeld verließ.

 

Andacht am 15. November:

 

Das Thema im November:

Liebe

"Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." (Matthäus 22,37-39)

 

"Der uns befohlen hat, den Nächsten zu lieben, hat uns auch die Weise vorgeschrieben, wie wir ihn lieben sollen; lieben sollen wir ihn nämlich wie uns selbst. Dies ist unsere Richtschnur und nicht überschreiten können wir sie, ohne uns zu versündigen. Es ist so wesentlich, unseren Nächsten so zu lieben, dass wir ihn, wenn wir ihn anders lieben, ihn nicht genug lieben würden." (Der heilige Franz von Sales)

Ein frommer Mensch pflegte, wenn ein Armer ihn um Almosen ansprach, oder irgend sonst jemand ihn um etwas ersuchte, die Frage an sich zu stellen: "Wenn ich an der Stelle dieses Menschen, und er an meiner Stelle wäre, was möchte ich wohl, dass sie für mich täte?" Und sein Schluss war: "So tun wir es denn also um Christi willen!"

Ein sehr würdevoller Bischof hatte einmal einen Gast bei Tisch, der böse Reden gegen einen Abwesenden führte, was dem geistlichen Oberhirten sehr schmerzlich war. Da er nun dem Verleumder eine heilsame Lehre geben wollte, befahl er einem seiner Diener, schnell den herbeizuholen, dessen guter Ruf angegriffen wurde. Der Verleumder erschrak über diesen Befehl, der Bischof aber sprach in großer Ruhe: "Ich lasse diesen Herrn rufen, damit er auf Ihre Beschuldigungen antwortet; denn es wäre ungerecht, ihn zu verurteilen, ohne seine Gegengründe anzuhören."

 

Verleihe mir, Herr, dass ich Dir zu Liebe gegenüber allen, die ich im Unglück leiden sehe, mich so betrage, wie ich wollte, dass sie sich mir gegenüber verhalten, wenn ich an ihrer Stelle, uns sie an meiner wären! Amen. 

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 15. November

 

"Gott lässt uns zuweilen während langer Zeit

in der Unfähigkeit das Gute zu tun,

damit wir lernen uns zu demütigen

und uns nie in uns selbst zu rühmen."

 

hl. Vincenz Ferrerius OP

1350 bis 5.4.1419

 

Betrachtung am 15. November - Der Mensch ein Bild Gottes

 

Du schufst die Seele, Herr, zu deinem Bilde;

Du bist ihr Ursprung und ihr höchstes Ziel.

Dein ist sie zweifach: denn es schuf sie deine Milde,

Und schuf sie neu, als durch die Schuld sie fiel.

 

1. "Herr," ruft der Prophet in hohem Erstaunen aus, "du lässt dein Angesicht über uns leuchten!" (Psalm 4,7b) Geadelt hast du den Menschen durch Vernunft, Freiheit und Unsterblichkeit, und ihn erschaffen nach deiner Ähnlichkeit, denn rein, heilig und fleckenlos ging er aus deinen Händen hervor. Als dein Bild hattest du ihn erschaffen, und selbst der tiefste Fall, in dem durch die Schuld deine göttliche Ähnlichkeit erlosch, vermochte es nicht, dein unsterbliches Bild in ihm zu auszutilgen. Psalm 49,21: "Der Mensch in Pracht und Ehren, doch ohne Einsicht, er gleicht dem Vieh, das verstummt."

 

2. Dies ist das Elend, worin die menschliche Natur nun schmachtet, und leider sind die meisten Menschenkinder so gänzlich in diese Tierheit versunken, dass sie gleich den Tieren des Feldes allen blinden Trieben ihrer Begierlichkeit folgen, und dieser schändlichen Herrin wie geborene Knechte gehorchen. Aber so edel ist die menschliche Seele, dass das Licht des göttlichen Angesichtes, mit dem sie besiegelt wurde, selbst durch diese Finsternisse hindurchdringt, und an ihr unsterbliches Ziel sie ermahnt. Ja so unendlich auch ist ihr Wert, dass die ewige Weisheit selbst vom Himmel kam, ihr Bild aufsuchte, es in ihrem Blut reinigte, und die göttliche Ähnlichkeit wiederherstellte, damit es würdig würde, in den lebendigen Bildersaal des ewigen Königs aufgenommen zu werden, und in unsterblicher Herrlichkeit zu glänzen.

 

3. Ja sie brachte auch Arzneien aus den himmlischen Höhen mit, auf dass jede Seele das Licht ihrer Vernunft und ihrer angeborenen Freiheit anwendet, die Wunden ihres Falles zu heilen, und stellte sich selbst als das Urbild auf, dem wir uns gleichförmig bilden müssen, um zu unserer ursprünglichen Würde wiederhergestellt zu werden. Darum blicken wir ohne Unterlass zu diesem göttlichen Urbild auf, und bilden wir die Züge seiner Sanftmut, seiner Demut, seiner Geduld, seiner Gerechtigkeit, seines Gehorsams, seiner Liebe in uns nach, auf dass der ewige Vater sein Bild in uns erkenne und in seine ewige Glorie uns aufnehme. "Wie wir nach dem Bild des Irdischen gestaltet wurden, so werden wir auch nach dem Bild des Himmlischen gestaltet werden." (1. Korinther 15,49)

 

16. November

 

Der heilige Otmar, Abt und Bekenner von St. Gallen,

+ 16.11.759 - Fest: 16. November

 

Othmar, ein heiliger Abt zu St. Gallen aus dem 8. Jahrhundert, stammte aus einem vornehmen Geschlecht Alemanniens und kam schon im Kindesalter durch seinen Bruder nach Chur in Graubünden an des Grafen Viktors Hof, wo er eine gute Erziehung genoss und sich sowohl durch Talent und Fleiß, als auch und zwar noch weit mehr durch sein andächtiges und frommes Wesen auszeichnete. Gottes Gnade und seine Herzensneigung zog ihn in den Priesterstand. Das wahrhaft priesterliche Leben führte ihn bald an eine Kirche, genannt zum heiligen Florin, wo er mit aller Liebe und Treue und mit großem Segen und Ruhm den heiligen Dienst verrichtete. Dies bewog Waltram den Grafen Thurgaus in zu berufen, das durch allerhand Unfälle zerrüttete Kloster St. Gallen wiederherzustellen. Dafür musste zu größerer Sicherheit die Zustimmung des Königs in Frankreich nachgesucht werden, die dazu auch gegeben wurde. Dies geschah unter Karl Martel, Pipins Vater, im Jahre 720. So wurde Othmar Abt zu St. Gallen. Da gab es freilich für den Diener Gottes viele Sorgen, viel Arbeit und manche Beschwerde. Aber die Liebe Gottes half die Bürde tragen und Gottes Wohlgefallen und Segen begleitete seinen treuen Diensteifer. Was nötig war, wurde mit Gottes und guter Leute Aushilfe gebaut, das Eigentum des Klosters durch stehende gerechte Verwaltung gesichert, die gegenwärtigen Mönche erbaut und zur Vollkommenheit angeleitet, das Kloster mit mehreren neuen Ordensgliedern, angezogen durch seine hervorleuchtende Regelmäßigkeit und das Beispiel des frommen Abtes, vermehrt und so der äußere und innere Bestand des Klosters für die Zukunft gesichert. St. Gallen blühte auf unter Othmar, sein Beispiel war die lebendige Ordensregel und die Klostertugend trat ins Leben. Der Heilige hatte bei aller Sorge für das Zeitliche sein Herz bei Gott. Denn er liebte das Gebet, jede freie Stunde wurde dazu verwendet Er war äußerst demütig, floh die Ehre vor der Welt und alles Großtun. Er hielt seinen irdischen Menschen in strenger Zucht, fastete viel, dass er oft, seiner Gewohnheit nach, zwei Tage während den vorzüglichen Fasttagen keine Speise genoss. Dem Beten und Fasten setzte er heilige Betrachtung in Nachtwachen bei. Aber das ist noch nicht alles, was ihn so ehr- und liebenswürdig machte. Er bewies seine große Liebe Gottes und die Ausübung seiner Demut und Verleugnung in der Liebe gegen seinen Nächsten und besonders gegen die Armen, dass er in dieser Hinsicht jedem anderen großen Almosengeber an die Seite gestellt werden darf. Er pflegte die Armen selbst und gab ihnen, was er erübrigen konnte. Für die Aussätzigen ließ er eine eigene Wohnung bauen, pflegte sie, stand oft bei Nacht auf, ihre Geschwüre, ihre Wunden zu reinigen, sie mit Speise zu laben und mit Gottes Wort zu trösten. Einst war er bei Pipin dem König und dieser schenkte ihm bei der Abreise viele Goldstücke. Der fromme Abt aber war kaum zum Palast hinaus gekommen, so war das Geld bis auf wenige Stücke schon in den Händen der Armen. So fromm und heilig führte Othmar die Abtstelle durch vierzig Jahre. So groß aber immer seine Heiligkeit war, so wurde dennoch sein inwendiges Gottesleben erst kurz vor seinem Tod sichtbar, nämlich ein Glaube, der, wie ein Kind in der Mutter Schoß, ebenso in Gott ruht, eine Abgestorbenheit in sich selbst, die zu allem Andrang von außen schweigt, Heldentugenden eines vollendeten Christen. Die Veranlassung dazu war folgende: Durch Anstiftung des Teufels, des Feindes alles Guten, wie Walefrid Strabo, Abt der Reichenau, in der Lebensbeschreibung dieses Heiligen sagt, wurden zwei Landvögte des Thurgaus Warinus und Ruthard Todfeinde des Abts zu St. Gallen. Sie sahen mit neidischen Augen auf den aufblühenden Wohlstand des Klosters, und griffen mit gierigen Herzen und gewaltigen Händen nach dessen Gut. Othmar konnte und durfte nicht schweigen zur ungerechten Verkürzung des Klostergutes und der Gefahr der künftigen Auflösung aus Mangel des Unterhalts. Er führte Klage beim König in Frankreich gegen die Gaugrafen. Der König befahl die Aufhebung der Ungerechtigkeit und Wiedererstattung. Stattdessen aber wurde aller Zorn auf den Abt geladen und seine Absetzung und Entfernung beschlossen. Und wie? Die Bosheit nahm Zuflucht zur Lüge und Verlästerung, und fand ein taugliches Werkzeug an einem Ordensgenossen namens Lambert. Das gab ihrer Sache mehr Schein, dem Heiligen aber mehr Schmerz, vom Sohn des Hauses selbst verraten zu werden. Der bösartige Mönch streute als Gerücht aus: Othmar habe eine Weibsperson geschändet. Dies wurde zur Klage erhoben, ein geistliches Gericht zu Konstanz über den Angeklagten versammelt und Othmar musste erscheinen. Die falsche Anklage wurde bezeugt von dem Elenden und der Unschuldige, erst durch das zudringliche Bitten seiner Freunde bewogen, sprach nichts zu seiner Rechtfertigung, als dieses: „Ich bekenne, dass ich Gott vielfach beleidigt habe, aber nicht durch dieses Laster; dafür nehme ich Gott zum Zeugen.“ Der Unschuldige wurde verurteilt und gefangen gehalten. Mittlerweile ergriff Gottes Richterhand den Verleumder. Ein jähes Fieber befiel ihn, zog seinen Leib zusammen, dass er mit gekrümmten Leib nur die Erde, nimmer aber den Himmel anschauen konnte. Sein Gewissen war der Dolmetsch dieser Plage und zwang ihn, Gottes Gericht über ihn und die Unschuld des misshandelten Heiligen wiederholt zu bekennen. Aber das so auffallende Zeichen an dem Verleumder änderte nichts an der Misshandlung des heiligen Abtes. Mit Gewalt hatten ihn die Gaugrafen schon vor der Anklage und dem Verhör in Konstanz, da er die Fortsetzung der Ungerechtigkeit dem König anzeigen wollte, auf der Reise aufgefangen und eingesperrt. Jetzt drangen sie mit Gewalt auf seine Entfernung. Im Gefängnis ließ man ihn beinahe vor Hunger verschmachten. Nun kam er nach Stein am Rhein, wo ihm ein Gutsbesitzer auf der Insel Werth zu wohnen erlaubte. Da lebte nun der Heilige zwar dem Leibe nach in großer Not, aber die Seele lebte umso feuriger und eifriger in Gott. Nach zwei Jahren rief der Herr die verschmähte Unschuld in die Heimat der Liebe und des ewigen Lebens am 16. November 761. Der Leichnam lag zehn Jahre auf der Insel, wurde dann auf Gottes Mahnung hin von den Mönchen zu St. Gallen erhoben, unverwest befunden und in das Kloster zurückgebracht, wo er nun in der Klosterkirche ruht und Gott mit Wunderzeichen seinen Diener verherrlicht.

 

O Unschuld, weine nicht, wenn es dir auf der Erde übel geht! Es ist ein Auge im Himmel, das alles sieht, ein Ohr, das auf alles achtet, und ein Herz, das alles wahrnimmt, was dir wohl oder weh tut.

 

Der heilige Waltger, Graf und Stifter von Kloster Herford, Westfalen,

+ 16.11.825 – Fest: 16. November

 

Waltgers Wiege stand auf dem uralten Ahnensitz Dornberg in der Nähe von Bielefeld, wo er frühzeitig unter den Augen seines Vaters Dedda und seiner Mutter Hedwig in guten Sitten und Heiligkeit aufwuchs. Sein Großvater Adolf gehörte zu jenen Edelingen Westfalens, die vom heiligen Bonifatius auf seiner Durchreise nach Friesland im Evangelium unterrichtet und getauft worden waren. Der Glaube Adolfs ging auf seinen Sohn Dedda über, der zur Zeit der Kämpfe Widukinds für den alten heidnischen Götzendienst seine christliche Religion mit seiner Gemahlin standhaft hielt, aber nur im Verborgenen, um nicht in den feindlichen Fehden seine Güter und sein Leben zu verlieren. Von der Frömmigkeit seiner Eltern wich Waltger nicht ab. Weder die Berühmtheit seines erlauchten Geschlechtes, noch der Glanz und die Würde seines ererbten Grafenstandes, noch seine sehr reichen Besitztümer konnten ihn zum Stolz oder zur Ausschweifung verleiten. Je mehr ihn der Himmel mit Glücksgütern überhäuft hatte, desto geringer schätzte er die Erdengüter, indem er beständig den Ausspruch Davids erwog: „Glücklich der Mann, der seine Hoffnung auf den Namen des Herrn setzt und nicht achtet auf die Eitelkeiten und Torheiten!“

 

Als der Westfalen- und Sachsenherzog Widukind den katholischen Glauben angenommen hatte, schloss Waltger mit ihm das innigste Freundschaftsbündnis und gründete auf seinen Rat die Kirche zu Herford nebst dem berühmten Frauenstift, das eine vorzügliche Pflanzschule der heiligsten Frauen wurde.

 

Nach dem Tod seiner Eltern beschloss Waltger im ehelosen Stand zu verbleiben und sein reiches Erbe zum Bau und Unterhalt eines Klosters zu verwenden. Nachdem Kaiser Ludwig ihm um das Jahr 816 die Erlaubnis dazu erteilt hatte, warf er sich auf die Knie nieder und flehte zu Gott, er möge ihm einen passenden Platz zeigen, wo er zu Ehren der allerseligsten Jungfrau und Gottesmutter eine Kirche bauen solle. Kaum hatte er sich vom Gebet erhoben, so erschien ihm eine schneeweiße Kuh, die auf jedem Horn eine brennende Kerze trug, dem Waltger voran ging und ihm den Platz für den zu erbauenden Tempel zeigte. Sogleich wurden dort die Bäume gefällt, die Felsen geebnet und in kurzer Zeit war dort eine Kirche gebaut, wo jetzt noch die Waltgers-Kirche mit der Überschrift steht: „Waltger, der Fürst dieses Landes, ist der Gründer der Kirche zu Herford.“

 

Um seinem edlen Werk den Schutz des Himmels zu sichern, sann er darauf, die Reliquien einiger Heiligen zu gewinnen. Da England einst eine große Menge Heiliger hervorbrachte, und der König dieses Landes ihm geneigt war, so ergriff er den Pilgerstab und kam glücklich nach England. Der König ging bereitwillig auf seinen Wunsch ein und als Unterpfand seiner vorzüglichen Verehrung schenkte er seinem Gast die Reliquien des heiligen Oswald, des ehemaligen englischen Königs und Märtyrers, zugleich mit dessen Schwert, das sich im Kampf gegen die Feinde des christlichen Glaubens bewährt hatte. Wer war froher, als Waltger, den die empfangenen Unterpfänder reicher machten, als alle Schätze und Reichtümer seiner Ahnen. Voll Dang gegenüber dem gütigen König beschleunigte er seine Rückreise in die Heimat, errichtete ein Stift für 14 gottgeweihte Jungfrauen, gab ihnen all sein Vermögen und behielt für sich selbst nur zwei Präbenden, aus deren Einkünften der um Christi willen arm Gewordene sein Leben anständig fristen konnte. Die erste Äbtissin, die er dem neuen Kloster vorsetzte, war seine blutsverwandte Swala, eine Frau vom höchsten Adel und ausgezeichneter Klugheit, unter deren weiser Leitung das neue Jungfrauenstift bald in allen Tugenden leuchtete.

 

Der neuen Kirche fehlte nur noch der kaiserliche Schutz, um sie vor den Geierklauen der Feinde zu sichern. Deshalb begab sich Waltger zu Fuß und im schlichten Reiseanzug zum Kaiser Ludwig dem Frommen, der sich gerade in Westfalen aufhielt, um einen Schutzbrief von ihm zu erbitten. Als der Kaiser ihn sah, hielt er ihn anfangs für einen Bettler, als er ihn aber genauer ansah, wunderte er sich, und fragte, warum er, ein Mann von so hohem Adel, in einem so gewöhnlichen Anzug erscheine? Waltger beugte sein Knie und entgegnete: „Mein Kaiser, ich habe nur Eine Tochter, die Kirche in Herford, der ich all mein Vermögen übertragen habe. Ich bitte, dass du sie mit deinem kaiserlichen Ansehen befestigst, und was meine Schwäche nicht vermag, aus dem Schatz deines Vermögens freigebig hergebest.“ Gern sicherte der Kaiser der Genossenschaft seinen beständigen Schutz und verlieh ihr dieselben Rechte und Privilegien, deren sich das Jungfrauenstift zu Soissons in Frankreich erfreute. Von der Zeit an blühte in Herford die Religion in dem Maße, dass zahlreiche Töchter von Fürsten und Grafen dort zusammenströmten, um mit Verachtung weltlicher Dinge Gott allein zu dienen.

 

Was soll ich noch von den übrigen Tugenden Waltgers hinzufügen? Nachdem er alle Sorge für seine Stiftung aufgewandt hatte, brachte er den Rest seines Lebens in frommen Übungen zu. Sein ganzes Bestreben war, in Nachtwachen und Gebeten Gott zu dienen, sein Fleisch mit Fasten und Enthaltsamkeit zu kreuzigen, den Gelüsten einen Zaum anzulegen, den Bedrückten und Leidenden zu helfen, das Irdische zu verachten, das Himmlische zu betrachten, der Welt abzusterben, Gott zu leben und das Feuer göttlicher Liebe durch fortwährende Betrachtungen zu entzünden. Was die Welt an Freude bot, wollte er nicht berühren, nur die Herrlichkeit des Himmels war sein Streben. Und weil man nur durch die Pforte des Todes zum ewigen Leben gelangt, war es sein einziges Sehnen, bald von den Banden des Fleisches befreit zu werden und die weltabgewandten Augen im erwünschten Tod zu schließen. Als ihn ein hitziges Fieber befiel und von Tag zu Tag zunahm, stärkte er sich frühzeitig mit der heiligen Wegzehrung und den übrigen Sakramenten der Kirche und krönte den irdischen Lebenslauf mit einem seligen Ende am 16. November 825. Sein Leib wurde während der Heiligen Messe in der von ihm erbauten Kirche zu Herford beigesetzt. Häufige Wunder und Zeichen verherrlichten sein Grab. Nur zwei will ich hier nennen.

 

Ein Wolf hatte einer vornehmen Frau, namens Bebeca, den Sohn geraubt. Die geängstigte Mutter, die öfters die himmlische Hilfe Waltgers erfahren hatte, erhob ihre Hände zum Himmel und beschwor den Heiligen, sie und ihren Sohn zu beschützen. Ihr Vertrauen täuschte sie nicht. Denn wie sie später aus dem Mund ihres Sohnes erfuhr, ließ ihn der Wolf zu derselben Stunde aus seinen Zähnen los, bewachte ihn drei Tage mit mütterlicher Sorgfalt und brachte ihn ohne die geringste Wunde zurück. – Ein glaubensloser Mensch spottete über dieses und andere Wunder des heiligen Waltger und nannte sie Altweibergeschwätz. Gott schlug ihn zur Strafe in der nächsten Nacht mit höchst schmerzlichen Geschwüren, gegen die sich alle ärztliche Hilfe fruchtlos erwies. Da kam er zur Einsicht, dass sein pestartiges Leiden die Strafe für seinen Frevel sei. Er bereute sein Unrecht, rief den heiligen Waltger inbrünstig um Hilfe an und versprach Besserung. Sogleich verließ ihn der Schmerz, und in wenigen Tagen erhielt er seine volle Gesundheit wieder.

 

Der heilige Edmund von Canterbury, Erzbischof,

+ 16.11.1240 – Fest: 16. November

 

Der Segen des heiligen Edmund

 

Es war in einer Novembernacht des Jahres 1240. In einer Zelle der regulierten Chorherren zu Soisoy in Frankreich lag Edmund Rich, der heilige Erzbischof von Canterbury und Primas von England, auf dem Sterbebett. Bei ihm wachte sein treuergebener Kaplan Bertrand zu seiner Pflege und Bedienung. Der Kranke hatte eben nach seiner Gewohnheit sich die Stirn mit dem Namen Jesus bezeichnet, als er sich zu Bertrand wandte mit der Mahnung: „Sei darauf bedacht, jeden Abend vor dem Schlafengehen die Worte: Jesus von Nazareth, König der Juden – er meinte die Anfangsbuchstaben der lateinischen Worte Jesus Nazarenus Rex Judaeorum – auf deine Stirn zu zeichnen.“ Und dann erzählte der Erzbischof in demütiger Vertraulichkeit seinem Kaplan das wunderbare Vorkommnis, von dem dieser sein frommer Brauch sich herschrieb.

 

„Als ich“, so lautete seine Erzählung, „zu Oxford die niederen Schulen besuchte, gingen eines Tages meine Kameraden vor die Stadt hinaus, um auf einer Wiese zu spielen, und ich schloss mich ihnen an, weil ich nicht als Sonderling erscheinen wollte. Während indes meine Mitschüler sich mit dem Spiel vergnügten, ging ich, mit frommen Gedanken beschäftigt, im angrenzenden Wäldchen allein spazieren. Plötzlich sah ich vor mir einen überaus holdseligen Knaben, der mich beim Namen nannte und freundlich grüßte. Betroffen von der Erscheinung und dem Gruß, blieb ich stillschweigend stehen. Da sagte der Knabe: „Edmund, kennst du mich nicht?“ Worauf ich in aller Einfalt antwortete: „Nein, ich erinnere mich nicht, jemals dich gesehen zu haben.“ Darauf der Knabe: „Das wundert mich, dass du mich nicht kennst. Sitze ich doch in der Schule neben dir zu deiner Rechten, und wo immer du hingehst, bin ich als dein Gefährte bei dir. Schau mir ins Angesicht und beachte, was auf meiner Stirn geschrieben steht!“ Bewundernd blickte ich auf und las auf seiner Stirn in leuchtenden Buchstaben die Worte: „Jesus von Nazareth, König der Juden.“ Dann fuhr die Erscheinung fort: „Edmund, ich bin der, dem zuliebe du dich so oft durch Fasten kasteist, und von dessen Güte du den Lohn dafür erwartest. Sei versichert, all das Begehrenswerte, das dir deine Mutter versprach, wenn du treu bis ans Ende ausharrst, wird dir mehr als hundertfältig zuteilwerden.“ Nun machte mir der Knabe die Zeichen auf meine Stirn und sprach: „Bezeichne dich oft mit diesen Buchstaben und denke dabei an mich!“ Nach diesen Worten verschwand der Knabe sowie der Glast, der ihn umstrahlt hatte. Den Platz, wo die Erscheinung stattfand, erfüllte ein lieblicher Wohlgeruch, mein Herz aber durchdrang eine unaussprechliche Freude und Wonne, die mich über die Wirklichkeit der göttlichen Heimsuchung nicht in Zweifel ließen.

 

Ich folgte daher der höheren Weisung und seitdem habe ich die Gewohnheit, mich nicht bloß auf der Stirn häufig mit dem heiligen Namen zu bezeichnen, sondern auch meine Sinne und Glieder auf diese Weise zu segnen.“

 

Des heiligen Erzbischofs Erzählung, sein Beispiel und seine ausdrückliche Aufforderung verfehlten ihre Wirkung auf Bertrand nicht. Auch er eignete sich die Gewohnheit an, sich in der Weise zu segnen, wie er es so oft bei Edmund gesehen hatte. Der fromme Brauch fand dann bald vielfach bei Laien und Geistlichen Eingang, da sowohl Bertrand in seiner Biographie des Erzbischofes als auch zwei andere Vertraute des Heiligen in ihren Lebensbeschreibungen desselben von dieser wunderbaren Erscheinung und der Gewohnheit Edmunds berichten.

 

Hier haben wir wohl den Ursprung der früher weitverbreiteten Gebetsformel, die unter dem Namen „Segen des heiligen Edmund von Canterbury“ bekannt ist, und also lautet: „Jesus von Nazareth, König der Juden!“

 

Dieser siegreiche Titel verteidige uns vor allen Übeln! Heiliger Gott! Heiliger, starker Gott! Heiliger, unsterblicher Gott! Erbarme dich unser!

 

Die heilige Margareta, Königin von Schottland,

+ 16.11.1093 – Fest: 16. November

 

Wie toll das Leben mit einem Menschen umspringen kann, zeigt die Geschichte der heiligen Margareta. Sie kam im Jahr 1045 als Tochter eines landflüchtigen britischen Königs in Ungarn zur Welt, in England wuchs sie auf, wurde Königin von Schottland, und ihre sterblichen Überreste ruhen heute in Spanien. Wer aber wie die heilige Margareta von Schottland fest an die göttliche Vorsehung glaubt, der gelangt auch auf krummen Wegen zu dem hohen Ziel, für das ihn der liebe Gott bestimmt hat.

 

Schon darin zeigt sich im Leben der heiligen Margareta Gottes Vorsehung, dass sie in der Fremde, fern der Heimat, geboren wurde. Aus dem Unglück erwuchs der jungen Prinzessin insofern ein großes Glück, dass sie mit eigenen Augen den Segen wahrnahm, der von einem heiligen Herrscher ausgeht. Es war dieser Herrscher der Gastgeber der Eltern, der heilige Stephan von Ungarn. Das Beispiel, das ihr dieser Fürst voll königlichen Edelsinns in der Jugend gab, war für sie zum Heil des ganzen schottischen Volkes richtungweisend, als sie selbst Königin wurde. Ein Unglück ist also nicht immer ein Unglück, sondern kann auch ein Glück sein.

 

Als später die königliche Familie nach England heimkehren konnte, zeigte sich ihr bald in einem neuen scheinbaren Unglück zum zweiten Mal die göttliche Vorsehung, die alles zum Besten lenkt und leitet. Der Vater starb nämlich, es brachen Thronstreitigkeiten aus, und Margareta musste mit ihrem Bruder Edgar das Land fluchtartig verlassen, und weil bekanntlich kein Unglück allein kommt, trieb der Sturm das Schiff, mit dem sie das Festland erreichen wollten, weit vom Weg ab nach Norden, wo es an der schottischen Küste zerschellte. König Malkolm von Schottland nahm die Schiffbrüchigen gastlich auf, verliebte sich bald in Margareta, warb um ihre Hand, und als sie ihm das Jawort gab, feierten sie Hochzeit. Aus der flüchtigen Prinzessin war eine Königin geworden. Ein Unglück ist also nicht immer ein Unglück, sondern kann auch ein Glück sein.

 

Wenig später jedoch stellte es sich heraus, dass das neue Glück schon wieder ein neues Unglück im Schoß barg. Malkolm war nämlich ein Draufgänger und Streithahn und ein Geizkragen dazu, der im Jähzorn manches Unrecht beging, und wenn dieser Mann eine gleichartige Frau bekommen hätte, so wäre des Unheils wohl nie ein Ende geworden. Deshalb fügte es wieder die göttliche Vorsehung, dass der aufbrausende König in Margareta eine Gattin erhielt, die veredelnd auf ihn einwirkte und ihn nicht nur zu einem guten Menschen, sondern auch zu einem tüchtigen Herrscher umbildete, so dass das ganze Land der Königin Dank wusste.

 

Es folgten schöne und frohe Jahre. Die königliche Familie bildete einen Hort der Liebe und des Friedens. Sechs Söhne und zwei Töchter machten das Glück der Eltern voll, und keins von den Kindern hat ihnen je Schande gebracht. Alle gediehen prächtig; Margareta selbst lehrte sie beten und erklärte ihnen auch den Katechismus und die Biblische Geschichte. Man darf aber durchaus nicht meinen, dass die Königin in der Erziehung zimperlich gewesen sei. Wenn beispielsweise einer von den Prinzen, weil er etwas angestellt hatte, von einem Lehrer gestraft wurde und sich deswegen bei der Mutter beklagte, so erhielt er von ihr eine zweite Portion Schläge.

 

Mit königlicher Freigebigkeit nahm sich Margareta der Armen des Landes an. Bis zu dreihundert speiste sie täglich. Auch in die Spitäler und in die Gefängnisse ging die hohe Frau, die es als ihr Vorrecht ansah, sich als gütige Landesmutter vor allem der Ärmsten anzunehmen.

 

Über all dem verstrichen dreißig segensvolle Jahre. Da kam über die gute Königin in einem letzten schweren Unglück noch einmal die göttliche Vorsehung. Margareta lag nämlich im Sterben, als ihr gemeldet wurde, dass der Gatte und der liebste Sohn im Kampf gefallen waren. Da faltete sie die Hände und betete: „Gott, ich danke dir, dass du mich vor meinem Ende mit diesem großen Leid heimsuchst, um mich dadurch von den Flecken meiner Sünden zu reinigen, damit ich zu dir in den Himmel komme.“ So tief war Margareta in das Verständnis der göttlichen Vorsehung eingedrungen, die aus allem Unglück Glück werden lässt bis zum höchsten Glück, das in der ewigen Seligkeit besteht.

 

Die heilige Agnes von Assisi, Klarissin,

+ 16.11.1253 – Fest: 16. November

 

Die heilige Jungfrau und Martyrin Agnes, diese liebliche Erscheinung der ersten christlichen Zeit, hat im Laufe der folgenden Jahrhunderte eine große Anzahl von Namensgenossinnen und Nachfolgerinnen in der Jungfräulichkeit und Heiligkeit gehabt. Zu diesen gehört auch die heilige Agnes von Assisi, die leibliche Schwester der heiligen Mutter Klara, der ersten geistlichen Tochter des heiligen Franziskus und Mitstifterin seines zweiten, des Klarissen-Ordens. Als Klara, achtzehn Jahre alt, vom heiligen Franziskus mit dem Ordensgewand bekleidet und vorläufig in dem Benediktinerinnenkloster Sankt Angelo in Panzo untergebracht worden war – im Jahr 1212 – erfasste auch ihre noch im Elternhaus weilende vier Jahre jüngere Schwester Agnes ein mächtiges Sehnen nach dem Paradies des gottgeweihten Lebens und so verließ sie schon sechzehn Tage nach der Einkleidung Klaras gleichfalls das Elternhaus und die Welt und begab sich zu ihrer Schwester nach Sankt Angelo, um gleich dieser eine Jüngerin des heiligen Franziskus zu werden und ein Leben des Gebetes und der strengsten Armut zu führen. Aber das sollte nicht ohne Kampf und Leid abgehen. Denn als ihre Verwandten, die ohnehin noch über die Weltflucht Klaras erbittert waren, von diesem Entschluss der Agnes erfuhren, stürmten sie in das Kloster Sankt Angelo und suchten die Jungfrau zuerst durch Schmeicheleien und Lockungen, dann aber durch Drohungen von ihrem heiligen Vorhaben abzubringen. Jedoch vergebens. Nun schritten sie zur rohen Gewalt. Man schlug die Arme, riss ihr die Kleider vom Leib, zerrte sie an den Haaren und zuletzt packte sie einer dieser „zärtlichen Verwandten“ kurzerhand, um sie nach Hause zu tragen. Jetzt aber griff die göttliche Wundermacht ein. Agnes wurde plötzlich so schwer, dass man sie nicht von der Stelle bringen konnte und ein Oheim, der sie schlagen wollte, fühlte einen solchen Schmerz in der Hand, dass er davon abstehen musste. Entwaffnet und beschämt kehrten die Angreifer nach Hause zurück, Agnes aber begab sich frohlockend wieder ins Haus des Herrn zu ihrer Schwester.

 

Mittlerweile hatte der heilige Franziskus für seinen Frauenorden Kloster und Kirche Sankt Damiano bei Assisi erworben und führte nun Klara und ihre Schwester daselbst ein. Zugleich nahm er auch Agnes durch Abschneiden der Haare und Erteilung des Ordensgewandes förmlich in den neuen Orden auf. An der Seite Klaras und der übrigen Bräute Christi, die sich ihr angeschlossen, führte nun Agnes ein heiliges, engelgleiches Leben. Insbesondere verschärfte sie die ohnehin schon äußerst strenge Lebensweise des Ordens noch durch freigewählte schwere Abtötungen. In Anbetracht dieser Heiligkeit erkor sie der heilige Franziskus, in Florenz auf dem Berg Celio ein neues Kloster ihres Ordens zu gründen und machte sie zu dessen Oberin. Diese Trennung von Klara und ihren ersten Mitschwestern und vom Mutterkloster Sankt Damian verursachte der heiligen Agnes nicht geringes Herzeleid, wie aus einem noch vorhandenen Brief an Klara hervorgeht. Aber die Braut des Herrn wusste sich doch vollkommen in seinen Willen zu ergeben und leitete das neue Kloster ganz im Geist des heiligen Franziskus und der heiligen Mutter Klara, so dass viele fromme und zum Teil sehr vornehme Jungfrauen die Welt verließen und sich der heiligen Agnes anschlossen. Als sie in ihr achtundfünfzigstes Lebensjahr eingetreten war, erhielt sie die Nachricht, dass Klaras Lebensende bevorstehe und dass diese sie nochmals zu sehen wünsche. So eilte Agnes nach Sankt Damiano, tröstete und pflegte ihre heilige Schwester und drückte ihr zuletzt die Augen zu. Vorher aber hatte sie aus ihrem Mund noch die Ankündigung vernommen, dass sie ihr bald nachfolgen werde. Und so geschah es auch. Siebenundneunzig Tage nach dem Hinscheiden der heiligen Klara, am 16. November 1253, ging auch sie zur Hochzeit des göttlichen Lammes ein.

 

Das Volk verehrte Agnes sofort als Heilige und die Kirche erkannte diese Verehrung an. Ihre Heiligkeit hatte übrigens Gott schon bei ihren Lebzeiten durch liebliche Wunder bezeugt. Klara sah in einer Nacht im Gebet einmal die Schwester von der Erde erhoben und von einem Engel mit drei Kronen geschmückt werden – zum Lohn für eine dreifache fromme Betrachtung: Über die Güte und Geduld Gottes gegenüber den Sündern, über die Liebe des leidenden Heilandes gegenüber ihnen und über die Leiden der armen Seelen im Fegfeuer. Ein anderes Mal ward sie sogar gewürdigt, das göttliche Jesuskind zu schauen.

 

Hatten die Verwandten der heiligen Agnes von Assisi recht, dass sie über ihren Eintritt in den Ordensstand so erzürnt waren? Nein, denn dieser Stand ist nichts anderes als der Stand Jesu Christi selbst und von ihm empfohlen mit den Worten: „Willst du vollkommen sein, so geh hin, verkaufe alles, was du hast und gib es den Armen . . . und komm und folge mir nach.“ (Matthäus 19,21) Glückselig, wer dazu berufen ist!

 

Andacht zur Mutter Gottes vom Berge Karmel

 

Der 16. November 1894 wird den Verehrern der seligsten Jungfrau Maria vom Berge Karmel stets im Gedächtnis bleiben. Schon am 31. Oktober bemerkten die Einwohner von Palmi, einer Stadt Calabriens, dass Maria vom Berge Karmel, - eine Statue - ein ganz blasses Angesicht zeigte. Die gesamte Bevölkerung, mit ihr alle Beamten und Geistlichen sahen, wie die Mutter Gottes bald leichenblass wurde, bald holdselig lächelte, bald die Augen öffnete und wieder schloss, und reichliche Tränen vergoss. Da sich dieses auffallende Ereignis während der folgenden Tage wiederholte, eilten auch viele Besucher aus der Umgebung herbei. Selbst der Bischof von Mileto und der Erzbischof von Reggio fanden sich ein. Am verhängnisvollen 16. November waren die Veränderungen im Gesicht der Gottesmutter besonders auffällig. In heiliger Begeisterung nahm deshalb das Volk die Statue und trug sie in feierlicher Prozession, an der sich mehr als 10.000 Personen beteiligten, bis zur Grenze des Stadtbezirkes. In diesem Augenblick vernahm man ein gewaltiges, unterirdisches Dröhnen. Ein furchtbares Erdbeben vernichtete in der kurzen Zeit von kaum 1 Minute die ganze blühende Stadt. Nur die Einwohner blieben verschont, die an der Prozession teilgenommen hatten, und verdankten so ihrer Andacht zur Mutter Gottes vom Berge Karmel ihr Leben. 

 

Gebet am 16. November

 

Heilige Maria, Mutter Gottes! Nimm uns als deine Kinder an und wende uns armen Sündern, für die dein göttlicher Sohn sein heiliges Blut vergossen hat, deine Mutterliebe zu. Erbitte den Gefallenen Bekehrung, den Reuigen Verzeihung, den Gerechten die Gnade der Beharrlichkeit. Ja zeige dich uns allen als unsere Mutter. Amen. 

 

Zu Gott auf die Fürsprache der heiligen Margareta von Schottland

 

O Gott, der Du der heiligen Königin Margareta eine große Liebe zu den Armen gegeben hast, verleihe, dass durch ihre Fürbitte und ihr Beispiel die Liebe in unseren Herzen stets vermehrt werde, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Gebet der heiligen Margareta vor ihrem Tod

 

Allmächtiger Gott, ich danke Dir, dass Du mir eine so große Trübsal in den letzten Augenblicken meines Lebens geschickt hast. Ich hoffe, sie wird durch Deine Barmherzigkeit dazu dienen, mich von meinen Sünden zu reinigen. Amen. 

 

Zu Gott

 

Herr, bewahre die unübertreffliche Gabe Deiner Gegenwart in mir. Vollende mich ganz in der Vereinigung mit Dir. Ziehe mich so innig zu Dir, dass ich unter den äußeren Geschäften, wodurch ich das Heil meines Nächsten befördern muss, ungeteilt und ungestört bleibe, und wenn ich sie zu Deiner Ehre auf die beste Weise vollbracht habe, sogleich in mein Inneres zu Dir wieder einkehre, wie das Wasser nach dem Sturm zur vorherigen Stille wieder zurückkehrt. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Der heilige Edmund hat die seligste Jungfrau von Kindesjahren an als seine Mutter angesehen, vor ihrem Bildnis die ewige Keuschheit gelobt, und dies beim Studieren vor Augen gehabt und zu dieser Mutter des Lichtes seine Betrachtungen in einer Art von Verzückung öfters gerichtet. Er hat demnach selbst bekannt, dass ihm diese Mutter der Barmherzigkeit in allen seinen Anfechtungen, Schwierigkeiten, Verdrießlichkeiten und Schmerzen geholfen hat. 

 

Andacht am 16. November:

 

Das Thema im November:

Liebe

"Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." (Matthäus 22,37-39)

 

"Die Liebe des Nächsten ist ein Zeichen der Auserwählung, da sie zeigt, dass wir wahre Jünger Christi sind. Diese göttliche Tugend war es, die unseren Heiland bewog, ein armes Leben zu führen und an einem Kreuz zu sterben; weshalb wir auch Gott preisen sollen, wenn wir uns in der Gelegenheit befinden, der Nächstenliebe wegen zu leiden." (Der heilige Vinzenz von Paul)

Ein Mann, Eulogius mit Namen, der sich mit großer Liebe auf das Studium der Wissenschaften verlegte, fasste den festen Vorsatz, dem Dienst Gottes sich gänzlich zu weihen. Er teilte demnach sein Vermögen unter die Armen aus und betete dann mit Eifer zum Herrn, ihm die Lebensweise zu zeigen, die er nach seinem göttlichen Willen führen sollte. Der Herr erhörte sein Gebet, und gab ihm, als er sich kurz darauf auf den öffentlichen Marktplatz begab und dort einen armen Aussätzigen sah, der ohne Hände und Füße war, ein mitleidiges Verlangen ein, für diesen Armen zu sorgen, so lange er lebt. Diesen Vorsatz führte er sogleich aus, nahm den Aussätzigen zu sich und diente ihm fünfzehn volle Jahre hindurch mit aller möglichen Treue. Um diese Zeit aber begann dieser Unglückliche, der bis dahin von Dankbarkeit gegen seinen Wohltäter durchdrungen war, auf einmal undankbar zu werden. Heftig vom bösen Geist versucht, hörte er nicht auf, den frommen Eulogius zu beleidigen. "Ihr müsst", sprach er zu ihm, "viele schwere Missetaten begangen haben, dass man Euch zu einer solchen Buße verurteilte. Ich mag nicht länger bei Euch wohnen, führt mich auf den Platz und an den Ort zurück, von wo Ihr mich genommen habt. Die Freigebigkeit der Reichen wird mich in den Stand setzen, nach meinem Willen zu leben; wenigstens habe ich das Vergnügen, die Vorübergehenden zu sehen." Vieles hatte Eulogius zu leiden, indessen wurde er nicht ungeduldig, vielmehr verdoppelte er seine Aufmerksamkeit für den Elenden und ließ nicht ab, den Herrn zu bitten, dass Er das Herz des Armen wenden möchte, der ihm so teuer war; ja, nicht leicht fürchtet ein Geiziger so sehr den Verlust seines Reichtums, als er fürchtete, von seinem Aussätzigen sich trennen zu müssen. Da er nun nicht mehr wusste, was er tun sollte, ihn zu besänftigen und bei sich zu behalten, kam ihm in den Sinn, ihn auf ein Schiff zu bringen und zum heiligen Antonius zu führen. Dieser stellte dem Armen, den die Vorsehung unter ihren Schutz genommen hatte, was er in seiner Blindheit nicht einmal erkannte, sein schamloses Betragen vor Augen und erklärte ihnen, das Ganze sei Versuchung, und sie hätten beide nur noch vierzig Tage zu leben. "Möchtet ihr nun", sprach er, "wegen vierzig Tagen, die ihr noch auf dieser Erde zu leben habt, euch voneinander trennen und der Krone entsagen, die auf euch wartet?" - Bei diesen Worten wurde der Aussätzige von seiner Versuchung befreit, Eulogius aber sehr getröstet, und beide wohnten neuerdings unter einem Dach und hörten nicht auf, Gott zu preisen. Als nun die vierzig Tage zu Ende gingen, da wurde die Weissagung erfüllt. Beide starben an einem Tag, und zwar Eulogius zuerst und empfing im himmlischen Reich die Krone der Glorie vom Herrn, dem er in diesem Armen gedient hatte.

 

Dir zuliebe, mein Gott, will ich dem Nächsten dienen, worin immer ich es vermag, und glückselig will ich mich achten, wenn ich wegen seines Undankes und seiner Fehler Schweres ertragen muss! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 16. November

 

"Ich will, dass du alle Geschöpfe liebst,

weil alle würdig sind geliebt zu werden.

Sie sind alle, die Sünde ausgenommen,

von der höchsten Güte gemacht worden."

 

sel. Heinrich Seuse OP

1298 bis 25.1.1366

 

Betrachtung am 16. November - "Gebt dem Kaiser was des Kaisers,

und Gott was Gottes ist."

 

Du sprichst, Herr, und ein Lichtstrahl ist dein Wort.

Beschämt gehn seine argen Feinde fort;

Doch horchen alle Völker, - denn der Frieden

Wird nur durch dein Gesetz der Welt beschieden.

 

1. Selten löste der Herr die arglistigen Fragen seiner Widersacher, ohne dabei zugleich ein Geheimnis oder eine Sittenlehre auszusprechen. Also ist auch obiger Ausspruch des Herrn ein Grundsatz der Religion und ein Gebot des christlichen Gesetzes. Darum spricht der Apostel Petrus: "Unterwerft euch um des Herrn willen jeder menschlichen Ordnung: dem Kaiser, weil er über allen steht, den Statthaltern, weil sie von ihm entsandt sind." (1. Petrus 2,13a) "Jeder", fügt der Weltapostel bei, "leiste den Trägern der staatlichen Gewalt den schuldigen Gehorsam. Denn es gibt keine staatliche Gewalt, die nicht von Gott stammt; jede ist von Gott eingesetzt. Wer sich daher der staatlichen Gewalt widersetzt, stellt sich gegen die Ordnung Gottes, und wer sich ihm entgegenstellt, wird dem Gericht verfallen." (Römer 13,1-2) Sehen wir nicht, sogar in unseren Tagen, welche Verheerungen, welche Staatsumwälzungen, welche Gräuel, welches Blutvergießen, welches unaussprechliche Elend der Ungehorsam gegen dieses heilige Sittengebot nach sich zieht. 

 

2. Folgerte aber der Herr, es sei dem Cäsar der Tribut zu geben, weil die Zinsmünze mit Cäsars Bild geprägt war, so zeigte er dadurch uns deutlich, dass wir uns Gott geben sollen, weil das Bild Gottes uns eingeprägt ist. Ihm verdanken wir Dasein und Leben. Opfern müssen wir ihm daher unser ganzes Wesen, unseren Leib und unsere Seele. Wir opfern ihm aber den Leib, "wenn unsere Glieder, die einst der Missetat dienten, nun der Gerechtigkeit zur Heiligung dienen;" wenn wir unsere Kräfte und Fähigkeiten zu seinem Dienst verwenden, und unsere Glückseligkeit nicht in fleischlichen Lüsten, noch in verweslichen Gütern dieser Welt, sondern in ihm suchen. Denn dies ist ein reines, Gott wohlgefälliges Opfer: "sich vor jeder Befleckung durch die Welt zu bewahren." (Jakobus 1,27b)

 

3. Ganz vorzüglich aber sind wir verpflichtet, den edelsten Teil unser selbst, unsere Seele, ihm zu opfern. Dies aber geschieht durch innerlichen und äußerlichen Gottesdienst, durch Unterwerfung unseres Geistes zum Glauben an seine göttlichen Offenbarungen, durch eine Liebe, die ihn über alles liebt, durch Reinheit des Gewissens und ein Leben nach seinem heiligen Gesetz. Wie haben wir diese Pflicht bis jetzt erfüllt? Haben wir Gott das Leben geweiht, das wir von ihm empfingen? Haben wir seine Gaben zu seiner Ehre verwendet? Säumen wir nicht, diesen Ehrenzins ihm zu bezahlen, der ihm gebührt. Psalm 29,2a: "Bringt dar dem Herrn die Ehre seines Namens."

 

17. November

 

Der heilige Gregor "der Wundertäter",

Bischof von Neucäsarea im Pontus,

+ 17.11.271 - Fest: 17. November

 

Der Beiname des heiligen Gregor deutet darauf hin, dass wir es hier mit einer echten Legende zu tun haben. Gregor ist allerdings eine geschichtliche Person, er lebte im 3. Jahrhundert, war von Geburt kein Christ, bekehrte sich als junger Mann zum Christentum, wurde Priester und später der erste Bischof in seiner Heimatstadt Neu-Cäsarea am Schwarzen Meer. Bischof Gregor war ein gelehrter Mann, der auch Bücher geschrieben hat, die noch vorhanden sind und aus denen hervorgeht, dass er klug und ernst war und genau den Glauben besaß, der nach den Worten von Jesus Christus Berge versetzen kann.

 

Mit einem versetzten Berg beginnt denn auch die eigentliche Legende des Heiligen. Die Geschichte ereignete sich folgendermaßen. Gregor wurde, wie erwähnt, der erste Bischof in seiner Vaterstadt. Als er das hohe Amt antrat und seine Christen zählte, stellte es sich heraus, dass es ganze siebzehn waren. Selten hat ein Bischof eine solch kleine Herde zu hüten gehabt, aber was klein ist, kann wachsen, und so ging es auch mit dem Senfkörnlein der jungen Christengemeinde in Neu-Cäsarea. Durch die Wohltätigkeit, die Liebenswürdigkeit und die Predigt des Bischofs nahm die Zahl der Gläubigen schnell zu, und bald ergab sich die Notwendigkeit, eine größere Kirche zu errichten, die Raum für alle bot.

 

Man begann also mit dem Bau. Und während man baute, vervielfältigten sich die Bekehrungen derart schnell, dass das neue Gotteshaus, wenn man so weiterbaute, bei der Fertigstellung bereits wieder zu klein gewesen wäre. Notgedrungen musste man daher den Bau noch während des Baues erweitern. Das war leicht gesagt, aber schwer zu bewerkstelligen, denn ein angrenzender Berg stoppte alle Vergrößerungspläne. Da war wirklich guter Rat teuer.

 

Bischof Gregor überlegte mit dem Baumeister und sprach mit den Maurern, aber alle erklärten ihm nur, dass man entweder auf den Erweiterungsbau verzichten oder den Berg verschieben müsse. Weil letzteres nach menschlichem Ermessen undenkbar war, lächelten die Handwerker spöttisch, als sie diese unmögliche Möglichkeit erwähnten. Der Bischof lächelte nicht, vielmehr kam ihm plötzlich der Gedanke an die Worte von Jesus Christus in den Sinn, von denen das Evangelium berichtet. Es heißt da:

 

Habt Glauben an Gott! Wahrhaft, ich sage euch, wer zu diesem Berg sagt: „Heb dich hinweg und stürz dich ins Meer!“ und wer dabei in seinem Herzen nicht zweifelt, sondern glaubt, dass alles, was er sagt, geschehen werde, dem wird es in Erfüllung gehen. Darum sage ich euch: Bei allem, was ihr auch im Gebet erflehen möget, glaubt nur, dass ihr es erhaltet, so wird es euch zuteilwerden.

 

An diese Worte dachte Bischof Gregor in seinen Bausorgen, und gleich war es ihm klar, dass gebetet werden musste. Da betete er, betete aber nicht so oberflächlich, sondern betete, wie Heilige beten, ohne Unterlass und mit einem Vertrauen, das noch fester war als Felsgestein. Er betete, in seinem Zimmer auf den Knien liegend, die ganze Nacht hindurch und erinnerte Jesus Christus an sein Wort, dass ein vertrauensvolles Gebet Berge versetzen könne. Erst als der Morgen graute, erhob sich der stürmische Beter, feierte in der gleichen Meinung die heilige Messe und legte sich anschließend nieder, um nach der durchwachten Nacht ein Stündchen zu ruhen.

 

Kaum jedoch lag Gregor im ersten Schlaf, da wurde er plötzlich geweckt. Es klopfte einer draußen an der Zimmertür so heftig und laut, dass man meinen konnte, es donnere, und eine Stimme – es war die Stimme des Baumeisters – rief: „Herr Bischof, komm, komm schnell! Es hat sich etwas Seltsames zugetragen! Herr Bischof, komm, komm schnell!“

 

Gregor aber beeilte sich gar nicht, denn was geschehen war, wusste er bereits. Als er mit dem Baumeister den Bauplatz erreichte, sah er, dass sein Gebet Wirklichkeit geworden war. Der Berg hatte sich zurückgeschoben und sogar noch mehr Platz freigegeben, als eigentlich nötig war. Die Maurer lächelten nicht mehr spöttisch, und alle Leute aus der Stadt waren gekommen, und auf das Wunder hin bekehrten sich bis auf siebzehn, die nicht Christen werden wollten. So mussten die Pläne noch einmal vergrößert werden, und es stellte sich heraus, dass der Berg so weit zurückgegangen war, wie es der zweimal vergrößerte Bauplan verlangte.

 

Noch andere Wunder von ähnlicher Art wirkte Bischof Gregor in Menge. Daher heißt er auch Wundertäter. Das schönste Wunder jedoch, das er vollbrachte, war das Wunder von dem versetzten Berg.

 

Die heilige Gertrud, Äbtissin von Helfta,

+ 17.11.1302 – Fest: 17. November

 

Unter dem Namen Gertrud verehrt die Kirche mehrere Heilige. Am 17. März feiert sie das Andenken an die heilige Gertrud, die Tochter Pipins von Landen und Ittas, die dem Kloster Nivell in Braband als Äbtissin vorstand und am 17. März 659 im jugendlichen Alter von 33 Jahren starb. Eine andere heilige Gertrud war die Tochter der heiligen Elisabeth, Landgräfin von Thüringen. Sie starb als Äbtissin des Prämonstratenserinnen-Ordens zu Altenburg am 13. August im Jahr 1297. Von den beiden genannten ist verschieden die heilige Gertrud, geboren zu Eisleben in der Grafschaft Mansfeld aus dem gräflichen Geschlecht von Hackeborn, die leibliche Schwester der heiligen Mechthilde. Ihre frommen Eltern schickten die kaum fünfjährige Tochter in das Benediktinerinnenkloster Rodalsdorf, wo sie, wie an Alter, so an Weisheit und Gnade zunahm. Die höchst talentvolle Gertrud erwarb sich einen so großen Reichtum an Kenntnissen und Wissenschaften, besonders im Verständnis der Heiligen Schrift, dass die gelehrtesten Männer sie um Aufschluss baten und ihre hohe Einsicht bewunderten. Am liebsten unterhielt sie sich im Zwiegespräch mit Jesus im heiligsten Altarsakrament und seiner lieben Mutter Maria, und von ihnen sprach sie so begeistert, dass die Glut ihres Herzens alle Zuhörer erwärmte.

 

An Gertrud bewährte sich das Wort des Herrn: „Gott widersteht den Hoffärtigen, nur den Demütigen gibt er seine Gnade.“ Sie hielt sich selbst so gering, dass sie zu sagen pflegte: „Ich halte es für ein besonderes Wunder, dass die Erde mich, die unwürdigste Sünderin noch trägt.“ Wegen dieser Tugend der Demut würdigte sie Gott vieler Verzückungen und Offenbarungen und mahnte sie, sie aufzuschreiben. Diese göttlichen Mitteilungen sind noch heute eine Fundgrube himmlischer Weisheit und ein Sporn christlicher Tugenden. Je mehr Gott seine auserwählte Tochter auszeichnete, desto mehr übte sie sich in Fasten, Nachtwachen und strengen Bußübungen.

 

Wegen ihrer Demut, ihrer pünktlichen Beobachtung der Ordensregeln hatten sie alle Ordensschwestern sehr lieb und wählten sie, obgleich sie kaum 30 Jahre zählte, zur Äbtissin. Bald darauf zog sie mit ihren Schwestern nach dem Kloster Helfeda (Helfta), wo sie bis zu ihrem Tod blieb. Trotz ihrer Würde betrachtete sie sich als die Magd aller. Deshalb gewann sie auch die Herzen aller Mitarbeiterinnen, die unter einer solchen Leitung unermüdlich nach Vollkommenheit strebten. Aber nicht nur innerhalb ihrer Klostermauern, sondern auch in weiteren Kreisen verbreitete ihre Güte vielen Segen. Alle Bedrängte nahmen in leiblicher und geistiger Not ihre Zuflucht zu der guten Äbtissin, und keiner verließ sie ohne Trost und Hilfe. Als einst die Bauern im Frühling wegen des andauernden Winterfrostes ihren Acker nicht bestellen konnten und eine Missernte befürchteten, ersuchten sie Gertrud um ihre Fürbitte bei Gott. Sie betete bei ihrem himmlischen Bräutigam um Erbarmen, und sogleich trat das heiterste Wetter ein. Als die Leute einst des langwierigen Regens wegen ihre Ernte nicht einbringen konnten, nahmen sie wieder ihre Zuflucht zu Gertrud. Auf ihr Gebet heiterte sich sogleich der Himmel auf, so dass die Ernte glücklich vollendet wurde.

 

So sehr Gertrud durch ihre Amtsgeschäfte und durch die Ansprüche vieler Menschen belästigt wurde, so betrachtete sie doch als wichtigstes Geschäft den innigen Verkehr mit Jesus und seiner heiligen Mutter. Dafür erfreute sie der liebe Heiland mit der Gabe der himmlischen Anschauung und vieler Offenbarungen. Einst betrachtete sie vor der heiligen Kommunion ihre Unwürdigkeit, setzte aber ihr Vertrauen auf Gottes Güte und sprach: „Was hilft ein längerer Aufschub? Wenn mir auch tausend Jahre zur Vorbereitung vergönnt wären, ich vermöchte mich doch nicht würdig vorzubereiten, weil ich aus mir selbst gar nichts habe, was eine so würdige Vorbereitung bewirken könnte. Mit Demut und Vertrauen will ich ihm daher entgegen gehen, und wenn mich der Herr sieht, wird er wohl durch seine Liebe bewogen, mir das entgegenzusenden, wodurch ich würdig vorbereitet erscheinen möge.“ Mit dieser Betrachtung ihrer Armseligkeit schritt sie zaghaft dem Altar zu. Da erschien ihr der Heiland, sah sie mit den Augen seiner erbarmenden Liebe an und sandte ihr entgegen seine Unschuld, mit der er sie wie mit einem schneeweißen Gewand bekleidete, seine Demut, womit er sich herablässt zu den Unwürdigsten, sein Verlangen, womit er nach der Umarmung der Menschenseele begehrt, ferner seine Liebe, mit der er sich zu den Seelen herablässt, endlich sein Vertrauen, das es eine Wonne nennt, bei den Menschenkindern zu sein. – Einst betrachtete sie vor der heiligen Kommunion, mit welchem Fleiß man den Mund bewahren müsse, der unter allen Gliedern des Leibes gewürdigt ist, das kostbarste Geheimnis Christi zu empfangen. Sie wurde durch folgendes Gleichnis belehrt: „Wenn jemand seinen Mund nicht von eitlen, falschen, hässlichen Worten und Nachreden bewahrt und also unbußfertig zum Tisch des Herrn geht, der nimmt Jesus ebenso auf, wie einer, der seinen Gast beim Eintritt in sein Haus mit Steinen bewirft.“ „Wer dies liest“, sagt hier die Heilige, „der betrachte mit Seufzen, wie wenig eine so große Grausamkeit und eine so große Güte zusammen passen, und wie abscheulich es ist, dass derjenige, der voll Sanftmut zum Menschen kommt, um sein Heil zu wirken, so grausam von dem, den er selig machen will, verfolgt werde. Und so kann man auch von allen Sündern urteilen.“

 

Mit ihrer Liebe zu Jesus im allerheiligsten Altarsakrament hielt ihre Verehrung der allerseligsten Jungfrau Maria gleichen Schritt. Am Fest Mariä Verkündigung sah Gertrud in der Verzückung, wie Jesus sich zu seiner Mutter neigte und in ihr jene Wonne erneuerte, wie sie sie bei seiner Menschwerdung erfuhr. Dabei hielt sie eine kostbare Belehrung über die fromme Meinung, in der man das Ave Maria beten soll. Bei den Worten: „Gegrüßet seist du, Maria“ soll man zu Gott bitten um Trost für alle Bedrängten, bei den Worten: „Voll der Gnade“ um das Verlangen nach Gnade für diejenigen, die sie dringendst bedürfen, bei den Worten: „Der Herr ist mit dir“ für alle Sünder um Bußfertigkeit und Liebesreue, bei den Worten: „Du bist gebenedeit unter den Frauen“ um die Gnade der Beharrlichkeit im angefangenen frommen Leben, bei den Worten: „Und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes“ für alle Auserwählten um die Gnade der Vollkommenheit, zum Schluss dieses Gebetes soll man beifügen: „Jesus, du Abglanz der Herrlichkeit des Vaters und Ebenbild seiner Wesenheit.“

 

Die flammende Liebe zu Jesus ergriff das Herz der heiligen Gertrudis immer mächtiger, je näher sie dem Tag kam, der sie auf immer mit ihrem himmlischen Bräutigam vereinigen sollte. Bereits hatte sie vierzig Jahre lang das Kloster geleitet und ihrem Amt alle Ehre gemacht. Nachdem sie täglich in frommen Betrachtungen und Gebeten mit ihrem Herrn verkehrt hatte, wurde sie ihm auch in den Leiden ähnlich. Ihre letzte Krankheit war ein fortwährendes Hinschmachten in der Liebe Jesu. Obgleich ihre Zunge gelähmt, einer ihrer Füße fast erstorben war und heftige Schmerzen ihren ganzen Körper durchzuckten, so ließ sie sich doch noch täglich in die Kirche führen, um der Heiligen Messe beizuwohnen und die heiligen Sakramente zu empfangen. Das Feuer der Liebe zehrte alle ihre Kräfte auf. Während alle ihre geistlichen Töchter ihr Sterbebett umstanden und in Tränen zerflossen, erschien Jesus und Maria mit sehr vielen Engeln und Heiligen, himmlischer Wohlgeruch erfüllte die Zelle und unbeschreibliche Freude verklärte das Antlitz der Sterbenden. Ein Priester las ihr die Leidensgeschichte Jesu vor. Bei den Worten: „Er neigte sein Haupt und gab seinen Geist auf“, führte ihr himmlischer Bräutigam ihre schöne Seele in das Paradies ewiger Wonne am 17. November 1302.

 

Die Offenbarungen der heiligen Gertrud sind von dem frommen Kartäusermönch Johann Lansperch herausgegeben worden und bieten noch heute der betrachtenden Seele himmlisches Manna.

 

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Aus der Zeitschrift "Leo" vom 4. Juni 1911:

 

Die Wunderblume von Helfta bei Eisleben

 

Der deutsche Katholik ist oft versucht, mit heiligem Neid auf den südlichen Garten Gottes zu blicken mit seinen zahlreichen Heiligen, die gleich der Sonne ihrer südlichen Heimat in glühender Gottesliebe brannten und in göttlicher Liebesglut sich verzehrten. Doch Gottes geheimnisvolle Gnadensonne bescheint auch den nördlichen Teil dieses himmlischen Gartens; auch im Norden "weht der Geist Gottes, wo er will", und lässt Blumen ersprossen, die an Schönheit und Duft den südlichen Genossinnen nicht nachstehen. Denken wir nur an eine heilige Elisabeth, an eine heilige Hedwig, Kunigunde, Hildegard, Mechthild, ganz besonders aber an die Wunderblume von Helfta: die heilige Gertrud die Große. Es ist nicht möglich, die Gnadenschätze aufzuzählen, die uns Gott durch die heilige Gertrud für unser geistig-religiöses Leben zufließen ließ. Nur auf eine Gnade soll hingewiesen werden: St. Gertrud ist die Prophetin des Kultus des heiligsten Herzens Jesu. Sie hat die unermessliche Liebe des göttlichen Herzens geschaut und gekostet, sie hat die Herrlichkeit des heiligsten Herzens gesehen und ist ihrer teilhaftig geworden, wie keine Seele vor ihr und wohl auch keine nach ihr, ausgenommen die selige Margareta Alacoque. Doch sei Gott besonderer Dank dafür gesagt, dass sie all das, was sie vom göttlichen Herzen empfangen, nicht für sich zurückbehalten hat, sondern in ihren Werken: "Gesandter der göttlichen Liebe" und "Geistliche Übungen" als kostbares Erbteil der Nachwelt überlieferte. Jahrhunderte sind dahingegangen, seitdem das göttliche Herz sich ihr enthüllte, seitdem ihr reines, nur für Christus lebendes und glühendes Herz ausgeschlagen. Die heilige Gertrud ist es, die uns die Erstlingsfrüchte der gnadenvollen Andacht zum göttlichen Herzen brachte. Für dieses Himmelsgeschenk können wir der heiligen Gertrud nie genug dankbar sein. Diesen Dank könnten wir aber in etwa dadurch zum Ausdruck bringen, dass wir das Andenken unserer großen deutschen Heiligen in vielfältiger Weise fördern. Die unselige Glaubensspaltung des 16. Jahrhunderts, die gerade in Eisleben ihre Wiege hatte, hat das einstige, so herrlich blühende klösterliche Leben in vielen Teilen unseres deutschen Vaterlandes weggefegt. Nur noch Trümmer sind da zu sehen, wo ehemals Stätten tieffrommen Klosterlebens sich erhoben. Hunderte von Klöstern sind verschwunden und ihre Namen nennt uns nur noch die Geschichte. So sank auch das Kloster Helfta, in dem die hl. Gertrud und hl. Mechthild im Verein mit vielen frommen Klosterfrauen ein wahrhaft wunderbares, geheimnisvolles Leben in Christus führten, in Trümmer. Im Jahr 1342 wurde es größtenteils ein Raub der Flammen. Dasselbe Schicksal widerfuhr dem nach der Stadt Eisleben verlegten und "Neuhelfta" genannten Kloster im Bauernkrieg 1525. Von diesem Klosterbau bestehen noch bedeutende Reste, die durch den Mut und die Entschlossenheit des nun in Gott ruhenden katholischen Missionspfarrers Schulte in den Besitz der katholischen Gemeinde zu Eisleben gekommen sind.

 

Das ist aber auch alles, was diese arme Gemeinde besitzt. Auf diesem Boden, der wahrscheinlich die sterblichen Überreste der heiligen Gertrud birgt, soll nun eine neue, der hl. Gertrud geweihte Kirche erbaut werden (1911). De katholische Pfarrgemeinde ist arm, bitter arm. Es gehören zu ihr gegen 3000 arme Berg- und Landwirtschaftsarbeiter. Sie besitzt zur Zeit nur ein kleines baufälliges Kirchlein, das nur 108 Sitzplätze hat und kaum 400 Personen fasst. Eine Vergrößerung dieses Kirchleins ist unmöglich und schon durch seine ungeeignete Lage ausgeschlossen. Eine neue Kirche muss gebaut werden, sollen nicht Hunderte von Seelen verloren gehen. Hier muss geholfen werden, Gott will es!

 

Deshalb ergeht an alle deutschen Katholiken der Ruf: Helfer zu sein der armen katholischen Gemeinde Eisleben zum Bau ihrer Kirche. Helft mit, unserer großen heiligen Gertrud, der Ehrenkrone und Prachtblume Deutschlands, ein Denkmal setzen, das ihrer Größe würdig ist.

 

Auf, ihr treuen Verehrer des heiligsten Herzens Jesu aller Nationen! Zollt der Prophetin des göttlichen Herzens euren Dankestribut durch freudige, opferreiche Beiträge zum Bau einer Gertrudenkirche, auf dass der Herr baldigst eine würdige Wohnung habe in der Heimat derjenigen, deren Herz ihm stets ein lieblicher, lebendiger Tabernakel gewesen ist. 

 

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Eine Vision der heiligen Gertrud

 

Dass die Armen Seelen nicht früher in den Himmel eingehen können, als bis sie von ihren Makeln vollkommen gereinigt sind und entweder durch ihre Peinen oder durch das, was für sie geleistet wird, vollkommene Genugtuung erreicht haben, zeigte Jesus der heiligen Gertrud durch folgende Vision: Die Heilige erblickte die Seele einer sehr tugendhaften Nonne. Sie stand vor dem Herrn in den Schmuck der Liebe gekleidet; aber sie wagte nicht, ihre Augen zu ihm zu erheben, und zeigte durch Gebärden sogar ihr Verlangen, von ihm fern zu sein. Verwundert darüber fragte Gertrud den Herrn: "Gnädigster Gott! Warum nimmst du diese Seele nicht in die Arme deiner unendlichen Liebe auf, und was sind das für sonderbare Gebärden des Misstrauens?" Da streckte der Heiland liebevoll seine Rechte aus, wie wenn er die Seele näher an sich ziehen wollte; sie aber zog sich mit tiefster Demut vor ihm zurück. Noch mehr erstaunt fragte nun Gertrud die Seele, warum sie vor dem himmlischen Bräutigam zurückfliehe, der doch so würdig sei geliebt zu werden, und erhielt zur Antwort: "Weil ich noch nicht vollkommen von den Flecken gereinigt bin, die meine Sünden hinterlassen haben. Und wenn er mir in diesem Zustand den freien Eintritt in den Himmel gewährte, so würde ich ihn nicht annehmen. Denn so glänzend ich auch in deinen Augen erscheine, weiß ich doch, dass ich noch keine passende Braut meines Herrn bin."

 

Die selige Salome, Äbtissin,

+ 17.11.1268 – Gedenktag: 17. November

 

Die gottselige Salome war die Tochter des Herzogs von Krakau, und wurde am Hof des Königs von Ungarn, Andreas, dessen Sohn ihr zur Ehe bestimmt war, erzogen. Als sie aber das zur Verehelichung erforderliche Alter erreicht hatte, beredete sie ihren Bräutigam in der Keuschheit zu leben, wozu sich auch beide verpflichteten. In ihrem Witwenstand erbaute sie Klöster für den Orden der heiligen Klara, zog sich in eines von ihnen zurück, dessen Äbtissin sie wurde. In dieser stillen Abgeschiedenheit lebte sie bis zu ihrem 68. Lebensjahr, und starb am 17. November 1268 im Ruf der Heiligkeit. Ihr Fest wurde durch Gestattung des Papstes Klemens X. an dem Tag ihres seligen Hintritts gefeiert.

 

Der heilige Hugo von Lincoln, Kartäuser und Bischof,

+ 16.11.1200 – Fest: 17. November

 

Über dem Eingangstor der Kartause zu Parkminster in England befindet sich die steinerne Figur eines Mönches im bischöflichen Ornat mit einem Schwan zu seinen Füßen. Es ist der heilige Hugo, Bischof von Lincoln, der neben dem heiligen Hugo, Bischof von Grenoble, dem Freund des heiligen Bruno und Stifter der Großen Kartause, im Kartäuserorden besonders verehrt wird. Aus diesem Orden hervorgegangen, ist er auch als Bischof seiner Gesinnung nach und in seinen Lebensgewohnheiten stets Kartäuser geblieben.

 

Geboren im Jahr 1140 in der Dauphiné in Südfrankreich auf dem Schloss zu Avalon, hatte er das Glück Eltern zu besitzen, die mit dem Adel des Blutes einen feurigen Glauben und eine nicht gewöhnliche Tugend verbanden. Seine fromme Mutter, die ihn schon früh zu Werken der Nächstenliebe anleitete, wurde ihm im Alter von acht Jahren entrissen. Sein Vater aber trat, dem Zug seines Herzens folgend, mit seinem Sohn in das nahegelegene Kloster regulierter Kanoniker zu Villard-Benoit ein, wo er selbst das Ordensgewand nahm und den jungen Hugo einem älteren Geistlichen zur Erziehung übergab, der ihn gleichzeitig auf die Ablegung der Ordensgelübde vorbereiten sollte. Im Alter von fünfzehn Jahren konnte sich Hugo bereits dem höchsten Herrn weihen. Bald darauf wurde ihm die Pflege seines alten, erkrankten Vaters übertragen, der ihm wie ein zweiter Patriarch Isaak sterbend seinen väterlichen Segen spendete. Mit neunzehn Jahren Diakon geworden, durfte er in der Kirche der Kanoniker das Predigtamt ausüben und darnach die Verwaltung eines den Kanonikern gehörigen Priorats mit kleiner Pfarrei übernehmen. Zur Darbringung des heiligen Opfers und Spendung der heiligen Sakramente wurde ihm ein älterer Kanoniker zur Seite gegeben. Mit aller Wachsamkeit, Klugheit und Energie verwaltete Hugo dieses Amt. Bei einem Besuch in der unweit gelegenen Großen Kartause reifte in ihm jedoch der Entschluss, die Welt zu verlassen und sich ganz dem beschaulichen Leben zu widmen. Der Teufel wusste wohl, was für ein gefährlicher Gegner ihm in Hugo erstehen sollte, darum trat er mit ihm in einen furchtbaren Kampf, besonders auf Erregung der Sinnlichkeit, um ihm die Ruhe des Herzens zu rauben und die Einsamkeit missliebig zu machen. Hugo kämpfte dagegen mit den Waffen des Gebetes, der Tränen und der Abtötung, bis es Gott gefiel, ihn aus der Finsternis in das Licht seiner Tröstungen zu versetzen. Nach Ablauf eines Jahres konnte Hugo seine Ordensprofess als Kartäuser ablegen und wurde nun mit der Krankenpflege eines älteren Mitbruders beauftragt, der ihn auf die Priesterweihe vorbereitete und ihm mit prophetischen Worten verkündete, dass er an dem von Gott bestimmten Tag einmal Bischof werden würde. Indes verflossen zehn Jahre in aller Stille für unseren Heiligen, als ihm das Amt eines Prokurators oder Schaffner des Klosters übertragen wurde, das ihn zu seinem Bedauern der Einsamkeit und der Ruhe der Zelle entriss und ihn zwang, sich mit zeitlichen Angelegenheiten zu beschäftigen. Er bemühte sich trotzdem, auch diesem Amt durch eine seltene Klugheit und Sicherheit des Urteils gerecht zu werden. Bei seinen vielfachen Beschäftigungen hatte er sich doch so in der Gewalt, dass er sich nach Belieben in tiefe Sammlung versetzen konnte. Die ihn um Rat fragten, erhielten nicht bloß trefflichen Bescheid, sondern empfingen auch heilsame Belehrungen und Ermahnungen für ihr Seelenheil. Besondere Vorliebe zeigte er für die Armen, denen er mit Freuden an der Klosterpforte die Almosen ausspenden konnte. Nach sieben Jahren etwa kamen neue, noch schwerere Versuchungen über Hugo, die so heftig waren, dass er meinte, daran sterben zu müssen. Sein Vertrauen auf Gottes Beistand verließ ihn indes nicht. Er vervielfältigte seine Gebete, seine Beichten, seine Bußübungen, bis ihm eines Nachts, da er sich auf den Boden hingeworfen hatte und nach flehentlichem Gebet um Befreiung von seinem Leiden in einen leichten Schlummer gefallen war, der eben verstorbene Prior der Kartause erschien, der ihm seinen Beistand versprach. Als sich Hugo vom Boden erhob, fand er sich wunderbar geheilt und hatte auch später nie mehr Versuchungen in gleicher Heftigkeit zu leiden.

 

Gott hatte ihn geprüft und in der Prüfung bewährt gefunden. So war er denn würdig, den ihm von der Vorsehung bestimmten hohen Posten einzunehmen. Wenige Tage später kamen Gesandte aus England mit Briefen Heinrichs II., worin Hugo zum Prior der Kartause von Witham erbeten wurde, die von dem König zur Sühne für die Ermordung des heiligen Thomas von Canterbury gestiftet worden war.

 

Als Prior war Hugo ein Muster für die ihm untergebenen Religiosen, sowohl in der treuen Beobachtung der Ordensregel als ganz besonders im Gebetsleben. Wie sehr er nämlich dem Gebet ergeben war, konnte nichts besser offenbaren als das oft wiederholte „Amen“, das man ihn sogar im Schlaf sprechen hörte. Der Ruf des tugendhaften Priors von Witham verbreitete sich in ganz England. Viele holten sich Rat und Trost bei ihm. Auch der König erkannte den Wert des vorzüglichen Mannes und nahm ihn mit Vorliebe zu seinem Ratgeber. Hugo benützte seine Stellung, um mit aller Klugheit, aber auch mit vollem Freimut gegenüber den Übergriffen der königlichen Gewalt für die Rechte und Freiheiten der Kirchen und Klöster einzutreten, wie er es auch später in gleicher Weise bei dem Nachfolger und Sohn Heinrichs II., Richard Löwenherz, tat. Der König legte den größten Wert auf die Gebete des frommen Priors. Dass er mit Recht ein starkes Vertrauen auf dessen Fürbitte haben durfte, erfuhr er in einem schrecklichen Schneesturm auf der Fahrt von der Normandie nach England, wo er mit den übrigen Passagieren gerettet wurde, als er sich im Gebet an Gott wandte mit der Berufung auf die Verdienste und die Fürsprache des Priors von Witham.

 

Doch es war Gottes Wille, dass sich Hugos Tugenden in einer noch höheren Stellung in ihrem vollen Glanz entfalten sollten. Es wurde ihm der Bischofssitz von Lincoln angeboten, den Hugo jedoch erst unter Gehorsam gegen den Generaloberen annahm. Sehr bald nach seiner Inthronisation sah man einen Schwan von ungewöhnlicher Größe in einem der bischöflichen Landgüter, der eine merkwürdige Zutraulichkeit zum heiligen Hugo zeigte, indem er sich greifen und in das Zimmer des Bischofs führen ließ, wo er sich an ihn schmiegte, Bissen Brotes aus seiner Hand nahm, sich von ihm streicheln ließ, zuweilen den Kopf und den langen Hals in die weiten Ärmel des Heiligen steckte, ja sogar den Wächter an seinem Bett machte, wo er niemand vorübergehen ließ, ohne dass er sich dagegen sträubte oder heftige Schreie ausstieß. So oft der Bischof auf dieser Besitzung erschien, zeigte es der Schwan zuvor durch sein lebhaftes Benehmen und seine Schreie an und bekundete eine große Freude, sobald er die Stimme seines Herrn hörte, folgte ihm in das Haus, stieg mit ihm die Treppe hinauf und legte sich in dem Zimmer nieder, wo ihn nur Gewalt verjagen konnte. Bei der letzten Anwesenheit des Bischofs ließ er sich nicht zu ihm führen, sondern blieb traurig und verdrießlich in seinem Teich. Als man ihn nach drei Tagen endlich ergriffen und in das Zimmer des Bischofs gebracht hatte, ließ er den Kopf hängen und gab nur Zeichen der Niedergeschlagenheit und Betrübnis. Es war, als ob das unvernünftige Tier durch den Erweis seines Kummers dem geliebten Meister seinen Abschiedsgruß habe zurufen wollen. Sechs Monate später war der heilige Hugo nicht mehr unter den Lebenden auf Erden. Die Zeitgenossen erblickten in dem Schwan ein Sinnbild seines Lebens und seines Todes. Die weiße Farbe bedeutete die Reinheit seiner Seele, der Schwanengesang die Ruhe seines Todes.

 

Hugo richtete als Bischof zunächst sein Hauptaugenmerk auf die Heiligung seines Klerus: Wissenschaft und Frömmigkeit sollten die Priester seiner Diözese zieren. Die Anstrengungen des bischöflichen Amtes konnten ihn trotz häufiger Magen- und Seitenschmerzen, den Folgen seines strengen Fastens, nicht hindern, gewissenhaft allen Verpflichtungen nachzukommen. So groß seine Güte gegenüber den Armen und Untergebenen sonst war, so wusste er doch auch in aller Strenge von seinem Hirtenamt Gebrauch zu machen, wo man versuchte, die kirchlichen Rechte zu schmälern. Wenn es nicht anders möglich war, sprach er die Exkommunikation über solche Schuldige aus und der Himmel bestätigte das Urteil, indem nicht selten ein plötzlicher Tod diese überraschte oder heftige, körperliche Schmerzen sie heimsuchten.

 

Eine besondere Vorliebe zeigte der heilige Bischof indes für die kleinen Kinder, deren Taufunschuld und reine Blicke ihn anzogen und trösteten. Die Kinder wiederum empfanden eine lebhafte Zuneigung zu dem heiligen Bischof, näherten sich ihm ohne Scheu und fingen sogleich an, mit ihm zu spielen. Mehrere Wunderheilungen an kranken Kindern bezeugten, wie wohlgefällig Gott die Fürsprache des Freundes der Kinder war. Eine andere Klasse von Menschen, nämlich die Aussätzigen, waren der Gegenstand der zärtlichsten Liebe und Fürsorge unseres Heiligen, der in ihnen das Abbild des Erlösers sah, der nach den Worten des Propheten Jesaja im Tod „wie ein Aussätziger“ sich zeigte. Er gab ihnen Almosen, tröstete sie mit liebreichen Worten, umarmte und küsste sie. Endlich war es ihm ein unabweisbares Bedürfnis, aus seiner Liebe für die armen Seelen hervorgehend, das Begräbnis der Toten mit den kirchlichen Zeremonien an den Orten zu besorgen, wo er sich gerade aufhielt und es ermüdete ihn nicht, mehrere Begräbnisse nacheinander vorzunehmen. Um dieser Liebespflicht nachzukommen, scheute er es nicht, selbst den König Heinrich, der ihn zu Tisch geladen hatte, auf sich warten zu lassen. „Es ist besser,“ sagte er, „einen irdischen König ohne uns speisen zu lassen, als das Gebot des Königs der Ewigkeit zu übertreten.“ Bei aller äußeren Tätigkeit blieb ihm die Sehnsucht nach dem Klosterleben, dem er gegen seinen Willen entrissen worden war. Jedes Jahr zog er sich mehrere Monate in die Einsamkeit der Kartause zu Witham zurück, wo er in allem wie ein einfacher Ordensmann sich verhielt. Sein Ordensgewand behielt er auch als Bischof bei und seine beständige Geistessammlung, die er auch auf der Reise beobachtete, kennzeichnete ihn als Sohn der Einsamkeit. Er wollte eben ein Kartäuser bleiben, ein Kartäuserbischof sein. Wie sehr er ein Geistesmann war, offenbarte die Erscheinung des göttlichen Heilandes als Kind bei einer heiligen Messe. Diese Erscheinung war einem jungen Geistlichen als Zeichen der Wahrheit eines göttlichen Auftrages an den Heiligen gegeben worden.

 

Als Vertreter des Königs beim Friedensschluss zwischen England und Frankreich zu Andelys am 22. Mai 1200 war es ihm vergönnt, vor seiner letzten Krankheit noch einmal das Land seiner Geburt und die ihm so teuren Stätten seiner Jugendzeit zu besuchen. Nach seiner Rückkehr musste er sich in seinem Haus zu London fieberkrank niederlegen. Zwei Monate hindurch konnte er sich auf den Tod vorbereiten, wie es nur ein Heiliger tun kann. In der Oktav des heiligen Martin, am 16. November, als man abends die kirchliche Tagzeit der Komplet betete, ließ er sich auf den Boden auf von ihm selbst geweihte Asche legen und beim Beginn des Canticums „Nunc dimittis“ („Nun lässt du, Herr, deinen Diener in Frieden scheiden“) ging seine reine Seele hinüber in die glorreiche Ewigkeit. Er hatte ein Alter von sechzig Jahren erreicht. Die Übertragung seiner Leiche von London nach Lincoln glich einem wahren Triumphzug. Unterwegs und an seinem Sarg geschahen mehrere außerordentliche Krankenheilungen. Großartig gestaltete sich das Begräbnis, dem zwei Könige, Wilhelm von Schottland und Johann-ohne-Land von England, beiwohnten, die abwechselnd mit den Vornehmsten des Gefolges es sich als Ehre anrechneten, den heiligen Leib in die Kathedrale zu tragen. Zahlreiche Wunder am Grab des Heiligen führten schon zwanzig Jahre später unter Honorius III. seine Heiligsprechung herbei. Im sechzehnten Jahrhundert unter dem tyrannischen Reformator Heinrich VIII. wurden seine Gebeine zerstreut. Sein Name blieb trotzdem im anglikanischen Kalender bis auf den heutigen Tag. Sein Andenken ist in Verehrung selbst bei denen, die seinen Glauben nicht teilen, denn unser Kartäuserbischof galt stets als einer der großen Männer Englands.

 

„Tue zu jeder Zeit und an jedem Ort, was du tun musst, und tue es mit möglichster Vollkommenheit. - Liebe im Herzen, Wahrheit auf den Lippen, Reinheit im Körper; ohne diese Bedingungen verdienen wir nicht unseren schönen Namen, sind wir nicht Christen.“ (Heiliger Hugo)

 

Mutter Ludovica-Mauritia vom heiligen Raphael

Gedenktage und Lebensskizzen hervorragender

Mitglieder des Karmelitenordens

 

Am 17. November 1837 berief der Herr die lobwürdige Mutter Ludovica-Mauritia vom heiligen Raphael zu sich. Mutter Raphaela, so wurde sie gewöhnlich genannt, war am 6. Februar 1746 geboren und trug in der Welt den Namen Hesselin de Mergé. Ihre Mutter versuchte alles, um sie in der Welt zurückzuhalten, doch Raphaela ruhte nicht, bis sie am 20. Oktober 1771 in den Karmel zu St. Denis bei Paris aufgenommen wurde. Wegen ihrer ebenso großen Fähigkeit wie Tugend wählten sie die Schwestern von Besancon zu ihrer Priorin. Dieses Amt verwaltete Mutter Raphaela vortrefflich, doch nur kurze Zeit. Sie wurde, weil sie den Bürgereid verweigerte, in den Kerker geworfen und musste nach ihrer Befreiung aus dem Kerker nach Piemont flüchten. Hier führte sie mit einigen Schwestern ein gemeinsames Leben. Als nach fünf Jahren die Verfolgung der Orden auch im Königreich Sardinien begann, kehrte Mutter Raphaela mit ihren Schwestern in das inzwischen wieder ruhiger gewordene Paris zurück. Auch in Paris begannen sie sofort wieder klösterlich zu leben, obschon in weltlichen Kleidern. Auf ihre Beschwerde, dass sie mit einem bloßen Drittel ihrer Pension unmöglich leben könnten, antwortete der erste Konsul spöttisch: "Da sie sich vereinigt hätten, erwärmte sie ja alle das gleiche Feuer." Die Schwestern nahmen ihn beim Wort und begannen sofort den Habit anzulegen und die Klausur zu errichten. Man verklagte sie deshalb, aber der Kaiser sagte: "Lasst sie gewähren; es verursacht ihnen weniger Kosten, wenn sie sich gleich kleiden. Die alten Habite der einen taugen noch zum Flicken der anderen." Und bezüglich der Klausur bemerkte er: "Man braucht solche Häuser im Reich, um die verschrobenen Köpfe darin unterzubringen." So war die Genossenschaft gebildet und anerkannt. Mutter Raphaela wurde am 15. Juli 1807 als Priorin gewählt und blieb in diesem Amt 15 Jahre lang. Während dieser Zeit arbeitete sie mit ebensoviel Geschick als Eifer mit gleicher mütterlicher Milde und Festigkeit an der Einführung der klösterlichen Zucht, dass diese bald wieder in derselben Weise blühte wie in den besten Zeiten des Ordens unter Mutter Theresia vom heiligen Augustin (Prinzessin Louise von Frankreich). Aber nicht nur vortrefflich zu regieren verstand Mutter Raphaela, sie verstand es ebenso, zu gehorchen. Als sie im Jahr 1829 von ihrem Amt zurücktrat, um sich ausschließlich mit der Vorbereitung auf den Tod zu beschäftigen, gab sie das schönste Beispiel vollkommenen Gehorsams, bat um alles, auch das Geringste, was sie bedurfte, redete mit der Mutter Priorin nie anders als kniend und wollte in nichts eine Ausnahme machen, obwohl ihr Alter ein hinreichender Grund gewesen wäre. Ihr Grundsatz, den sie aus ihren letzten Exerzitien mitnahm, lautete: "Nichts fordern, auch nichts zurückweisen, sondern mit Gottes Gnade alles ohne Klage tragen und alles bereitwillig hinnehmen, was einem Widerwärtiges zustoßen kann." Danach richtete sie ihr Leben ein. Am Montag, den 20. Oktober 1837 beteiligte sie sich noch mit gewohnter Heiterkeit an der Rekreation; gegen Mitternacht berührte sie ein Schlag, an dessen Folgen sie drei Wochen litt, bis sie am 17. November 1837 sanft im Herrn verschied. 

 

Gebet am 17. November

 

Demütigste Jungfrau! Du ragst zwar, wie eine Palme über die Gesträuche, über alle deines Geschlechtes durch den Vorzug, den Gott dir gegeben hat, und dennoch nanntest du dich die Magd des Herrn. Dein Beispiele gebe auch uns Liebe zur Demut ein und erfülle uns mit Abscheu vor aller Selbsterhebung, vor allem Stolz. Wie viel Ursache haben wir, demütig zu sein, da unsere Schwachheit und Sündhaftigkeit uns beständig vor Augen schwebt. Bitte Gott für uns, o Maria, dass er uns Gnade zu einer ihm wohlgefälligen Demut verleihen möge. Amen. 

 

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Gregor

 

O Gott, der Du dem heiligen Gregor die Wundergabe verliehen hast, gib uns die Gnade, nach dem Licht des Glaubens zu leben, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Als der heilige Gregor vor Antritt in seinem Bistum Gott um Erleuchtung mit eifrigem durch die Nacht fortgesetzten Gebet bat, erschien ihm die seligste Jungfrau in einer ganz herrlichen Gestalt und der heilige Johannes Evangelist in der ehrwürdigen Gestalt eines Alten, dem die seligste Jungfrau auftrug, die Geheimnisse der Wahrheit dem Gregor zu erklären. Er hörte also:

"Es ist nur ein Gott, der Vater des lebendigen Wortes, der in sich bestehenden Weisheit, der Macht und des ewigen Ebenbildes; ein Vollkommener, der den Vollkommenen geboren hat; ein Vater des eingeborenen Sohnes. Es ist ein Herr, der Einige aus dem Einigen, Gott aus Gott, der Ausdruck und das Ebenbild der Gottheit, das kräftige Wort; die Weisheit, die alles, was gemacht worden ist, vollkommen begreift; die Kraft und die Macht, die alle Geschöpfe hervorgebracht hat; der wahre Sohn des wahren Vaters; der Unsichtbare dessen, der unsichtbar ist; der Unverwesliche dessen, der keiner Verwesung unterworfen ist; der Unsterbliche dessen, der vom Tod nichts weiß, der Ewige des Ewigen. Und ein heiliger Geist, der aus Gott ausgeht, und der durch den Sohn den Menschen erschienen ist; ein Bildnis des Sohnes, ein Vollkommenes des Vollkommenen; das Leben, der Ursprung des Lebens, die heilige Brunnquelle, die Heiligkeit und der Urheber der Heiligmachung. Durch ihn wird der Vater bekannt gemacht, der über Alles und in Allem ist; und Gott der Sohn, der auch überall ist. Dieses ist die vollkommene Dreifaltigkeit, die nicht zerteilt, sondern Eins in der Glorie, in der Ewigkeit, in der Herrschaft ist."

Dieses Glaubensbekenntnis wurde in hohen Ehren gehalten, und war nach Zeugnis des heiligen Gregor von Nissa zu seiner Zeit in der Kirche zu Neu-Cäsarea in der Handschrift des wundertätigen heiligen Gregor noch zu lesen. Welch ein herrliches Denkmal vom alten Glauben!

 

Andacht am 17. November:

 

Das Thema im November:

Liebe

"Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." (Matthäus 22,37-39)

 

"So sehr liebt Christus unseren Nächsten, dass er sein Leben für ihn gab. Freude bringt es diesem göttlichen Erlöser, wenn wir uns aufopfern, ihm Gutes zu tun. Alle Dienste, die wir dem Nächsten um Seinetwillen erweisen, Ihm unsere Liebe zu zeigen, sind Ihm überaus angenehm. Ach, wenn wir bloß begreifen würden, wie wichtig die Tugend der Nächstenliebe ist, wie sehr würden wir uns anstrengen, solche Werke zu tun." (Die heilige Theresia von Avila)

Die heilige Magdalena von Pazzi pflegte zu sagen, sie betrachtet als verloren den Tag, wo sie nicht auf irgendeine Weise die Nächstenliebe ausgeübt hat.

Der heilige Vinzenz von Paul tat beinahe nichts anderes. Nie ließ er eine Gelegenheit vorübergehen, diese Tugend zu üben.

Eine junge Tochter aus gutem Haus, die ein unschuldiges und frommes Leben führte, fasste den Vorsatz, dem Herrn, so oft nur möglich, ihre Liebe in den Armen zu zeigen. Da sie nicht viel Geld zu ihrer Verfügung hatte, und folglich nicht nach ihrem Verlangen Almosen spenden konnte, suchte sie ihnen auf andere Weise zu dienen und hatte ihre Freude daran, wenn sie die zerrissenen Kleider von ihnen ausbessern konnte, die sie deshalb mit liebevoller Zudringlichkeit von ihnen forderte. Und mehrere Jahre hindurch war dies ihre gewöhnliche Beschäftigung. Da sie nun einst aus dem Haus ging, begegnete ihr auf dem Weg ein Bettler, den sie früher nie gesehen hatte und den man auch später vergeblich suchte. Dieser näherte sich ihr, begrüßte sie ehrerbietig und sprach: "Du gute Seele, preise den Herrn! Ich bringe dir die Botschaft, dass du in sechs Tagen aus dieser Welt scheiden wirst!" - Sie erschrak aber keineswegs über diese Worte, sondern erfreute sich vielmehr darüber in ihrem Herzen und erzählte sie ihrer Familie, die nichts unterließen, ihr das ganze als ein albernes Geplauder auszureden, zumal, da sie vollkommen gesund war. Doch sie sagte zu ihnen: "Was ist denn für eine Gefahr dabei, wenn ich mich auf meinen Tod vorbereite? Es wird auf keinen Fall anders geschehen als Gott will. Niemand wird mich aber von der Überzeugung abbringen, dass dies eine Ermahnung vom Himmel war und ich preise den Herrn dafür." Wirklich tat sie alles, was sie getan haben würde, wenn sie fest überzeugt gewesen wäre, dass Christus durch diesen Armen zu ihr gesprochen hätte, wie sie es vermutete. Nachdem nun die sechs Tage vorüber waren, starb sie in heiliger Freude und wünschte sich Glück, dass sie die Armen geliebt hatte.

 

Verleihe mir, o Gott, eine solche Liebe zu den Armen, dass ich meinen göttlichen Heiland in ihnen sehe und ihnen entweder selbst oder durch andere so sehr diene, als es meine Verhältnisse gestatten! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 17. November

 

"Wie das Schiff, das einen guten Steuermann hat,

mit der Hilfe Gottes eine glückliche Fahrt macht

und gewöhnlich den Hafen erreicht,

so gelangt die Seele, die von einem guten Hirten geleitet ist,

unerachtet vieler Sünden und Gebrechen, in den Himmel."

 

hl. Ludwig von Granada OP

1504 bis 31.12.1588

 

Betrachtung am 17. November - Vom Laster der Verleumdung

 

Setze, Herr, vor meines Mundes Pforte

Eine Wache zum Gericht;

Dass nur milde und gerechte Worte

Treten an des Tages Licht.

 

1. Kein Laster ist im eigentlicheren Sinn niederträchtiger, als die Verleumdung. Ergießt deine Galle sich über einen Feind, so geschieht dies offenbar aus Hass, aus Rachsucht, und zwar dann, wenn er am wenigsten imstande ist, sich zu verteidigen. Was aber ist je eines ehrliebenden Gemütes unwürdiger? Ergeht deine Verleumdung über einen Freund, so ist dies schändliche Falschheit und Verrat. Wie kannst du je in seiner Gegenwart ihn loben und deiner Liebe ihn versichern, dann aber mit der gleichen Zunge ihm Böses nachreden, und seinen Ruf schänden? Ist dies nicht Niederträchtigkeit? Verleumdest du aber eine gleichgültige Person, die dir nichts zu Leide tat, so ist dies gräuliche Bosheit und Schäbigkeit des Herzens.

 

2. Und mit welchen Waffen ficht die Verleumdung! Mit einer arglistigen Zunge, die ihr Gift verbirgt, desto meuchlerischer zu verwunden oder zu töten. Die niederträchtigsten Verleumdungen werden insgeheim und im Vertrauen, immer aber in Abwesenheit des Verleumdeten ausgestreut, damit er sich nicht wehren kann. Kaum ist eine schmählichere Feigherzigkeit denkbar! Wohl nennt der Prophet einen solchen Lästermund ein offenes Grab, das Fäulnis und Gestank aushaucht, wodurch die Unschuld und die Gerechtigkeit getötet werden. Was gehen die Fehler der anderen dich an? Möchtest du, dass man so mit dir umgeht? So bedecke sie denn mit dem Mantel der Nächstenliebe, und wende deinen Eifer gegen dich selbst, und du wirst vollauf zu tun finden.

 

3. Hältst du etwa den Raub der Ehre und des guten Rufes deines Bruders für einen geringen Raub? Das bürgerliche Leben raubst du ihm dadurch, und tötest überdies deine eigene Seele, oder schlägst ihr doch unheilbare Wunden. Denn verziehen wird diese Sünde nur, wenn sie durch Widerruf ersetzt wird. Hast du aber je widerrufen? Oder kam jemand in der Absicht zu dir, eine Verleumdung zu widerrufen? Wie schmerzliche Übel erzeugt oft ein unbesonnenes Wort, und wie schwer ist es, sich dafür zu entschuldigen. Lerne schweigen und deine Zunge bändigen, die "ein Feuer, eine Welt voll Ungerechtigkeit ist". (Jakobus 3,6a) "Aufgrund deiner Worte wirst du freigesprochen, und aufgrund deiner Worte wirst du verurteilt werden." (Matthäus 12,37)

 

18. November

 

Der heilige Maximus, 7. Bischof und Bekenner von Mainz,

+ 5. Jhd. ? - Fest: 18. November

 

Maximus war der Nachfolger des heiligen Luzius II. auf dem bischöflichen Stuhl zu Mainz, nach dessen Martertod unter Konstanzius dem Günstling der Arianer, unter dem Papsttum des Liberius ungefähr im Jahr 354. Er war in Mainz von christlichen Eltern geboren worden, von ihnen erzogen im katholischen Glauben und bewahrt sowohl von der Ansteckung des Heidentums als der Ketzerei der Arianer, unter denen sie vermischt leben mussten. Gottselige Priester vollendeten diese Erziehung sowohl in Frömmigkeit als in der Wissenschaft des Heils, worin er sich vor vielen anderen auszeichnete. Er wurde Priester, ein Eiferer des Glaubens und Bischof der Stadt. Selbst in aller Demut, Armut und Andacht ein Beispiel der Gottseligkeit, verkündete er mit Wort, mit Schrift und mit seinem Leben, bald im Geheimen, bald öffentlich, in und außerhalb von Mainz, Jesus den Gekreuzigten, den Heiden Torheit, den Juden Ärgernis, unter Spott und Schmach, Armut und Verfolgung. Der Abt von Trithenheim meldet von ihm in der Lebensbeschreibung: „In dieser Zeit war bei den Deutschen kein Bischof gelehrter und heiliger befunden, als Maximus, der mit solcher Lebensunschuld und Gottesgelehrtheit das Gesetz Gottes festgehalten, es gegen den Irrtum der Ketzer mit Wort und Schrift verteidigt und die Verfolgung, gegründet in göttlicher Liebe, ohne Furcht bestanden hat. Siebenmal haben ihn die Arianer von Mainz vertrieben, siebenmal führte Gott ihn wieder zu seiner Herde zurück. Ein Mann im Sturm ohne Kleinmut, ohne Verdrossenheit, niemals gebeugt und niemals überwunden.“ Er starb im hohen Alter, bestimmte vor seinem Hinscheiden den Sydonius, einen Lebens- und Gefahrgenossen, zu seinem Nachfolger im Jahr 378. Sein Leichnam ruht in St. Albans Stiftskirche.

 

Der heilige Odo, Abt und Bekenner von Cluny,

+ 18.11.942 – Fest: 18. November

 

Der heilige Odo, Abt des Benediktinerordens zu Cluny in Frankreich, wurde 879 aus adeligem Geschlecht geboren und empfing im Alter von neunzehn Jahren die Tonsur nebst einem Kanonikat an der Kirche von Tours. Sodann begab er sich nach Paris und vollendete dort innerhalb von vier Jahren seine theologischen Studien. Nach Tours zurückgekommen verschloss er sich in eine Zelle, um einzig sich der Betrachtung zu widmen. Zu dieser Zeit las er die Regel des heiligen Benedikt, und alsbald war sein Entschluss gefasst, sich ebenfalls unter das süße Joch derselben zu begeben. Nach drei Jahren harter Prüfung entsagte er seinem Kanonikat und nahm im Kloster Beaume das Ordenskleid. Was er mit sich brachte, war eine Bibliothek von hundert Bänden, damals ein großer Schatz. Als der Abt Berno von Cluny starb, nötigten ihn die Bischöfe des Landes, die Leitung dieses Klosters nebst der von Massay und Deols zu übernehmen. Odo führte in den genannten Genossenschaften die Regel des heiligen Benedikt in ihrer ganzen Reinheit ein, und auch mehrere andere Klöster nahmen seine Verbesserungen an und unterwarfen sich seiner Führung, wodurch die Kongregation von Cluny, eine der blühendsten und zahlreichsten, entstand. Der Heilige war ein Mann der Liebe und behandelte, obwohl gegen sich selbst hart, seine Untergebenen nur mit Liebe. Öfters pflegte er zu sagen, wenn er sollte verdammt werden, so möchte er es lieber wegen gütiger Nachsicht, als wegen unbescheidener Strenge sein. Bei allen, die ihn kannten, in hoher Achtung stehend wurde er selbst von Päpsten und Fürsten geschätzt und in mancherlei Anliegen zu Rate gezogen. Er verehrte mit besonderer Andacht den heiligen Martin von Tours. Daher ließ er sich, als er seine Todesstunde nahe fühlte, in diese Stadt bringen, wo er am 18. November 942 starb und in der Kirche des heiligen Julian begraben wurde.

 

Der heilige Romanus, Exorzist und Märtyrer von Antiochia,

und der heilige Barula, Junge und Märtyrer von Antiochia,

+ 18.11.303 – Fest: 18. November

 

Die heiligen Romanus und Barula sind Märtyrer zu Antiochia. Romanus war Exorzist in einem Flecken unweit von Cäsarea in Palästina. Beim Ausbruch der Christenverfolgung unter Diokletian verließ er seinen Wohnort und zog im Land herum, die Gläubigen zur Ausdauer in den Drangsalen zu ermahnen. Sein Eifer führte ihn bis nach Antiochia in Syrien, und als er im Gerichtshof daselbst wahrnahm, dass einige gefangene Christen zu wanken anfingen, befeuerte er sie mit lauter Stimme, ihrem Bekenntnis treu zu bleiben. Der Statthalter Asclepiades, erzürnt über solche Kühnheit, ließ ihn ergreifen und verurteilte ihn zum Feuertod. Dem Kaiser, der während der Verhandlungen zu Antiochia anlangte, schien diese Strafe noch nicht hart genug, und er befahl, dem Märtyrer vor der Hinrichtung erst noch die Zunge aus dem Hals zu schneiden. Aber was geschah? Der so verstümmelte Romanus redete jetzt schier geläufiger als vorher und dankte mit vernehmlichen Worten dem Allmächtigen, der solche über die Naturkräfte erhabenen Wunder tut. Die Heiden waren bestürzt, die Christen jubelten. Um weiterer Aufregung zuvorzukommen, ließ Diokletian den Heiligen in das Gefängnis zurückführen, wo er an seinen Ketten aufgehängt und erdrosselt wurde.

 

Mit der Geschichte dieses Blutzeugen bringt sein Lebensbeschreiber Prudentius die eines Jungen, namens Barulas in Verbindung. Romanus hatte während seines Verhörs dem Richter gesagt, die Lehre von der Einheit Gottes sei so tief in der Natur des Menschen gegründet, dass ihre Wahrheit selbst von unmündigen Kindern erkannt werde. Um das zu erweisen, wendete er sich an den ihm zunächst stehenden Jungen und fragte ihn, ob es vernünftiger sei, an einen einzigen Gott zu glauben oder mehrere Götter zu verehren? Und der Kleine antwortete ohne Verzug: „Es ist nur ein Gott und Jesus Christus ist sein Sohn.“ Der Richter, ergrimmt so beschämt worden zu sein, ließ den jungen Bekenner grausam mit Ruten stäupen und sodann enthaupten. Die Mutter sprach ihrem Söhnlein während der Peinigung unaufhörlich Mut zu und sah, über die Gefühle der Natur sich erhebend, ruhig, ja sogar freudig auf dessen Vollendung hin.

 

Schwester Maria Josepha Remer

Gedenktage und Lebensskizzen hervorragender

Mitglieder des Karmelitenordens

 

Am 18. November 1831 nahm zu Neapel eine Seele ihren Flug zum Himmel, der der Herr Gebetsgnaden gewährt hatte wie selten anderen. Schwester Maria Josepha Remer, das Kind eines deutschen Vaters und einer italienischen Mutter, wurde am 1. Januar 1769 zu Torre di Caserta geboren und wäre von der Hebamme, die dachte, das Mädchen mit seiner gespaltenen Oberlippe wäre doch außerstande, die Milch aufzunehmen, beinahe getötet worden. Der Großvater rettete ihm das Leben, indem er sagte, das Kind könnte seine Stütze im Alter werden. Maria Josepha gab schon in den ersten Jahren Zeichen größter Frömmigkeit. Ganz außerordentliche Fortschritte in der Tugend machte sie, als sie im Alter von neun Jahren nach Neapel kam, wo Herr Mariano Pastiglione ihr Beichtvater wurde, der sie zeitlebens als weltliche Tertiarin des Karmelitenordens leitete. Dem neapolitanischen Gebrauch gemäß durfte sie das Ordenskleid tragen, das wunderbarerweise mit ihr wuchs und 50 Jahre lang verwendungsfähig blieb. Maria Josepha wurde ein Vorbild für alle Tertiaren, indem sie ebenso treu jede Regel des Ordens beobachtete, wie sie ihre häuslichen Pflichten erfüllte, streng fastete - sie aß nie mehr als täglich etwas Suppe und zwei weiche Eier, dass man staunen muss, wie sie bestehen konnte - und unablässig betete. Nachdem ihre Eltern gestorben waren und ihr Bruder sich verheiratet hatte, zog sie mit noch drei anderen zu zwei ähnlich gesinnten Mädchen in das gleiche Haus, wo sie eine Art klösterliches Leben führten. Hier lebte sie ganz dem Gebet und der Tugendübung, einzig Gott und den Armen und Kranken. Im 62. Jahr ihres Lebens befiel sie eine Krankheit, die ihren Tod herbeiführen sollte. Im September 1831 betete sie wie gewöhnlich in der Katharinenkirche vor dem Altar der Guten Hirtin, die sie besonders verehrte. Plötzlich sah sie Jesus hinter dem Altar hervorkommen. Der Herr sagte: "Maria Josepha, bereite dich, mit mir zu kommen, nach zwei Monaten!" Unklar darüber, was sie hiervon halten sollte, teilte sie es dem Beichtvater mit, der das Gesicht für echt hielt und bei dieser Meinung auch blieb, als andere meinten, es könne nicht sein, weil Maria Josepha so stark und blühend aussehe. Am 7. November begann Maria Josepha, sich plötzlich krank zu fühlen und Blut zu erbrechen. Die letzten vierzehn Tage verbrachte sie in einer fast ununterbrochenen Verzückung und Vision. Wiederholt rief sie dabei aus: "O wie schön, o wie schön!" Um die Ursache dieser Äußerung der Freude befragt, gab sie einmal zur Antwort, sie habe das Jesuskind im Stall zu Betlehem anbeten dürfen. Ein anderes Mal klagte sie: "Ach, was habe ich doch Schlimmes getan, dass ich wieder in diese garstige Welt zurückgebracht worden bin?" Auf Befragen erklärte Maria Josepha, sie habe in Begleitung des heiligen Joseph die heiligen Orte zu Jerusalem besuchen dürfen. Wieder einmal klatschte sie vor Vergnügen in die Hände und sprach: "O Pater, o Pater; wie schön! Ich bin durch den heiligen Michael vor den Thron der heiligsten Dreifaltigkeit geführt worden; diese hat Gericht über mich gehalten und mir drei Tage Fegefeuer in dieser Welt auferlegt." - Vier oder fünf Tage vor ihrem Abscheiden kam der Ritter Biagio Ignesti mit seiner Gemahlin Raphaela und den beiden Söhnchen Bartholomäus und Alexander, sowie dem Töchterchen Adelheid, um den Segen Maria Josephas zu erbitten. Da sprach Maria Josepha: "Guter Don Biagio, du wirst alt, alt werden." Zur Gemahlin sagte sie: "Donna Raphaele wird eine zufriedene Mutter werden." Dann ließ sie den kleinen Bartholomäus herbeikommen und machte ihm drei Kreuzchen auf die Stirn. An den kleinen Alexander richtete sie die Worte: "Du wirst ein braver Soldat werden." Der kleinen Adelheid stellte sie in Aussicht, sie würde mit ihrem (Maria Josephas) Neffen verheiratet werden. In der Folge bewahrheitete sich alles, wie es Maria Josepha vorhergesagt hatte. Am 18. November schied sie mit zum Himmel gerichteten Augen und freudestrahlendem Angesicht aus dem Leben. Nicht nur das gewöhnliche Volk verehrte sie als Heilige. Selbst der Generalvikar gestattete, dass in seiner Gegenwart ein Schreiben in ihren Sarg gelegt wurde, in dem der Beichtvater erklärte, "Maria Josepha sei in der Taufunschuld gestorben, sie habe während ihres Lebens die theologischen sowie die Kardinaltugenden geübt, und viele außerordentliche Gnaden erfahren." Die Erinnerung an sie blieb um so lebendiger, je zahlreicher und auffallender die Gnaden waren, die viele ihrer Verehrer durch ihre Vermittlung erlangten.

 

Gebet am 18. November

 

Sei gegrüßt, glorwürdigste Jungfrau, du liebliche Morgenröte unseres Heils, du glänzender Stern Jakobs, du wunderbare Blume des Paradieses, weißer als die Lilie, lieblicher als die Rose, geschmückt mit allem Liebreiz himmlischer Schönheit. Aus innerstem Herzen frohlocken wir über deine große Glorie und preisen deinen heiligen Namen, der wie ein sanfter Tau unsere trockenen Herzen erquickt. Gebenedeite Jungfrau, sieh mit gnädigem Blick uns an und nimm mit erbarmender Liebe unseren Gruß auf. Amen.

 

Zu Gott am Tag der Weihe der Kirche zum heiligen Petrus

und zum heiligen Paulus in Rom

 

Wie sehr verherrlichst Du, o mein Gott, Deine treuen Diener. Die Bosheit hat sie auf Erden verfolgt, und Du hast sie zu Dir in den Himmel erhoben, Deiner Kirche zum Schutz und den Gläubigen zur Nachahmung dargestellt. Lass uns nie solche Muster der Tugend, solche Väter im Glauben aus dem Andenken verlieren. Deine heilige Kirche hat treu die Erinnerung an ihre ersten Hirten erhalten, damit sie als ihre ersten Gründer allen künftigen Hirten einleuchtend, bis an das Ende der Zeiten in ihr segensreich fortwirken. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Im Jahr 1095 wurde der Anfang des Konzils zu Clermont gemacht, dem Papst Urban II. vorstand, um einen Kreuzzug gegen die Sarazenen zu bewerkstelligen. In diesem Konzil wurde den Geistlichen auferlegt, täglich die kleinen Tagzeiten der Mutter Gottes, und samstags das große Offizium zu beten.

 

Andacht am 18. November:

 

Das Thema im November:

Liebe

"Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." (Matthäus 22,37-39)

 

"Wer ermisst die große Liebe des Sohnes Gottes zu den Armen! Er selbst wählte den Stand eines Armen; Er wollte der Vater der Armen sein und sprach ausdrücklich, dass man Ihm selbst tut, was man Seinen Armen tut. Es geziemt sich also, die Armen mit einer ganz eigenen Liebe zu lieben, Christus in ihnen zu schauen und sie so hoch zu achten, als Er sie achtete." (Der heilige Vinzenz von Paul)

Dieser Heilige, der wahrlich alle Armen im Herzen trug, wurde bei einer bevorstehenden Hungersnot überaus traurig und sprach sorgenvoll: "So oft ich daran denke, werde ich vom Schmerz durchdrungen. Nicht unserer Gesellschaft wegen, sondern um der Armen willen. Denn wir werden umhergehen und um Brot bitten, und versagt man es uns, so können wir als Kapläne dienen. Was aber sollen die Armen tun? Wohin können sie gehen?"

Die Liebe des Herrn Durphée, des Bischofs zu Limoges, gegenüber den Armen war so groß, dass man von ihm sagte, er hätte sich gern selbst in Brot verwandeln lassen, ihren Hunger zu stillen.

Herr Denysiot, ein sehr würdiger Priester des Bistums Autün, der vor wenigen Jahren dies irdische Leben verließ, verurteilte sich bei dem Ausbruch einer Hungersnot zum beständigen Fasten, um alles, was er erübrigen konnte, zur Unterstützung der Armen seiner Pfarre zu verwenden. Er beschränkte also seine einzige Mahlzeit auf Bohnen, mit Wasser und Salz gekocht, und auf schwarzes Brot, wozu noch je zuweilen einige Nüsse als Konfekt beigegeben wurden, so dass die Ausgaben für seinen Tisch sich jährlich kaum bis auf achtundvierzig Livres beliefen. Er war damals Pfarrer zu St. Fargeau. Da er aber, auf den Rat des Vorstehers vom Seminar, diese Pfarre an einen Priester abgegeben hatte, der ebenfalls vom Geist der Liebe für die Armen beseelt war, wurde seine, durch eine solche Lebensweise zerrüttete Gesundheit gegen alle Hoffnung wieder hergestellt. Bald darauf berief die Vorsehung ihn nach Autün, wo er aus Gehorsam die Pfarre zum heiligen Quintinus übernahm, und zwölf Jahre hindurch, während der er ihr vorstand, der Vater aller Dürftigen war. Da er so oft und so eindringlich über die Liebe zu den Armen sprach, wurden ihm die Hände christlicher reicher Leute aufgetan. Seine sinnreiche Liebe brachte es durch unermüdliche Tätigkeit dahin, dass er ein ganzes Magazin voll Kleider für Männer, Frauen und Kinder sich verschaffte, Arme aller Art zu kleiden und das notwendige Brot denjenigen zu spenden, die es sich nicht verdienen konnten. Seine größte Freude war, in die Gefängnisse zu gehen, die Gefangenen dort zu trösten und ihnen eine hilfreiche Hand zu bieten und in Spitälern bei armen Kranken sich aufzuhalten, die er mit aller geistlichen und leiblichen Hilfe versorgte, die sie von seiner grenzenlosen Liebe erwarten konnten. Gern hätte er sein ganzes Leben bei ihnen zugebracht!

 

O mein göttlicher Heiland, der Du selbst arm werden wolltest und die Armen so sehr liebtest, dass Du, was man ihnen tut, so reichlich belohnst, als hätte man es Dir selbst getan, verleihe mir eine große Liebe zu den Armen und gestatte nicht, dass sie unfruchtbar ist! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 18. November

 

"Christus selbst lenkt das Schiff des Petrus,

darum kann es nicht untergehen,

wenn er auch zuweilen zu schlafen scheint."

 

hl. Antonius von Florenz OP

1389 bis 2.5.1459

 

Betrachtung am 18. November - Von der Gelegenheit

 

Herr, leite weise mich in allen Dingen, 

Und lehre mich das Gute gut vollbringen,

Mit Klugheit meiden alle argen Schlingen,

Und deinen Lobgesang mit Freuden singen.

 

1. Die Tugend wird in der Gelegenheit geübt, die Sünde wird in der Gelegenheit begangen. Suchen also müssen wir die Gelegenheit, die Demut, die Nächstenliebe, die Geduld, und überhaupt jene Tugenden zu üben, die unsere Eigenliebe abtöten, - meiden dagegen die Gelegenheiten, die unseren Sinnen schmeicheln, unser Herz verweichlichen und unsere Unschuld gefährden. Unser großer Fehler aber ist, dass wir gerade das Umgekehrte tun: den Gelegenheiten ausweichen, die wir suchen sollen, und die suchen, die wir auf alle Weise meiden sollen. Wir möchten gern geduldig sein, ohne zu leiden, demütig sein, ohne erniedrigt zu werden, liebevoll sein, ohne die Nächstenliebe anders als im Herzen zu üben. Dies aber sind Tugenden in der Einbildung.

 

2. Täusche dich nicht selbst! Die Tugend ist eine Kraft, die in der Gelegenheit die Probe besteht. Wie aber bestehst du sie? Stark bist du, doch nur in deiner Betkammer, da fasst du die kräftigsten Vorsätze. Kommt es jedoch zur Ausführung, dann bist du schwach und verzagt, und kannst den leichtesten Spott, die mindeste Verachtung nicht ertragen. Wäre es also nicht besser, ich würde jede Gelegenheit vermeiden? Weichst du der Gelegenheit zum Guten aus: wann wirst du dann je Tugenden üben? Wann wirst du dich selbst überwinden? Wann wirst du deine Zunge und die Aufwallungen deines Herzens bezähmen? Wann die Verdienste für den Himmel gewinnen? "Gib dem Weisen Gelegenheit," spricht die Schrift, "so wird er an Weisheit zunehmen!" (Sprichwörter 9,9) 

 

3. Nicht diese Gelegenheiten sind es, die du meiden sollst, sondern die, wo auch eine geprüfte Tugend Gefahr läuft. Du sagst, diese und jene Gesellschaften brächten dir keine Gefahr. Wurdest du etwa darin nie zur Sünde versucht? Kehrtest du mit ganz reiner Einbildung und ebenso keuschem Herzen daraus zurück? Lernt man nicht in solchen Gelegenheiten die Welt und ihre Torheiten lieben? Erkaltet darin nicht die Liebe und Frömmigkeit? Epheser 5,15a: "Achtet also sorgfältig darauf, wie ihr euer Leben führt.", denn voll der Schlingen ist die Welt. Gott bestraft die Vermessenheit durch Demütigung, darum sei auf deiner Hut, und fürchte dich selbst als deinen größten Feind! Matthäus 26,41a: "Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet."

 

19. November

 

Die heilige Elisabeth, Landgräfin von Thüringen,

+ 19.11.1231 - Fest: 19. November

 

Die heilige Elisabeth, in Ungarn geboren, kam mit vier Jahren nach Thüringen. Dort ist sie auf Schloss Wartburg groß geworden. Zu keiner Zeit hat sie sich etwas darauf eingebildet, dass sie Königstochter war und Fürstin werden sollte. Als Mädchen war sie einfach und gläubig zugleich, und oft hat sie ihre kleine Krone, den Ring und die Perlenschnur vor einem Kreuz Jesus Christus ehrend zu Füßen gelegt.

 

Sehr früh ist Elisabeth die Frau des Landgrafen Ludwig von Thüringen geworden. Sie lebten in einer sehr glücklichen Ehe, so wie zwei Königskinder, die sich sehr lieb haben, und bekamen drei Kinder. Selten sind ein Mann und eine Frau so froh übereinander gewesen als Ludwig und Elisabeth von Thüringen im Kreis ihrer Kinder. So groß war das Glück, dass Elisabeth alles Liebe und Gute den leidgeprüften Menschen ihrer Zeit weitergeben wollte.

 

Elisabeth wurde zum leuchtenden Vorbild der schenkenden und dienenden Nächstenliebe. Alles gab sie mit Liebe her, Geld und Gut, Getreide und Brot, Speise und Kleider und sich selbst dazu, denn sie scheute weder Wind noch Wetter noch Hitze noch Frost noch Weg noch Steg, um überall im Land den Armen und Notleidenden zu helfen. Die Fürstin Elisabeth selbst reinigte den Kranken die verlausten Betten und die schmutzigen Zimmer, nahm sich der Waisen an und ließ ein Spital für Aussätzige bauen, und als sie einmal einen Hund sah, der einen allzu schweren Karren keuchend mit letzter Kraft den Berg hinauf zog, da löste sie dem Tier die Riemen und spannte sich selbst vor den Wagen.

 

Die Legende erzählt, dass Ludwig einmal Elisabeth auf einem Gang im Schnee überraschte und sie scherzend fragte, was sie so schwer unter dem Mantel trägt. Lächelnd gab Elisabeth den Scherz zurück und sagte, es seien Rosen mitten im Winter. Und als Ludwig lieb den Mantel zurückschlug, war Elisabeths Scherzwort zur Wirklichkeit geworden. Rosen, weiß und rot, blühten mitten im Winter im Korb unter ihrem Mantel.

 

So erzählt die Legende, und wenn es auch nur Legende ist, so spricht sie doch Wahrheit, denn wo immer ein Mensch, von Gott angeleitet, anderen, die in Not und Armut und Krankheit und Gebrechen und Kummer und Sorgen leben, mit Rat oder Tat am Leib oder an der Seele hilft, da blühen Rosen, weiß und rot, sogar mitten in Eis und Schnee.

 

Viel Leid ist später über Elisabeth gekommen. Früh starb ihr Mann. Von harten Menschen wurde sie aus dem Haus vertrieben. In einem Stall hat sie gewohnt. Eine Frau, der sie zuvor viel Gutes ohne Ende erwiesen hatte, stieß sie verächtlich in eine Pfütze am Weg. Man nahm ihr die Kinder und tat ihr viel andere böse Dinge an. Doch das alles trug Elisabeth nach Art der Christen als starke Frau, aber als man ihr verbot, Almosen zu spenden, und sie sich dem Gebot fügen musste, da wollte ihr Herz vor Kummer brechen.

 

Wie muss man doch diese herrliche Frau selig preisen, deren größtes Leid darin bestand, dass sie anderen nicht mehr helfen durfte!

 

Die heilige Elisabeth starb am 17. November 1231 in Marburg.

 

* * * * * * *

 

Das Leben des heiligen Elisabeth nach Ferdinand Heitemeyer von 1889:

 

Im Garten Gottes blühen die schönsten Blumen: Das Veilchen der Demut, die Lilie der Keuschheit, die Rose der Liebe, das Immergrün der Hoffnung, der Rittersporn des Starkmutes, die Sonnenblume himmlischen Strebens, die Passionsblume der Leidensfreudigkeit und tausend andere, die das Auge und Herz des Beschauers erfreuen. Ein solcher Gottesgarten voll der lieblichsten und duftigsten Tugendblüten war das Herz der heiligen Elisabeth. Bis in die spätesten Zeiten wird der Glanz und Duft dieser schönsten Blüte Deutschlands hochgeschätzt und geliebt sein.

 

Der fromme König Andreas II. von Ungarn und seine edelmütige Gemahlin Gertrud von Meran und Andechs wurden im Jahr 1207 durch die Geburt eines holden Kindes erfreut, das in der heiligen Taufe den Namen Elisabeth, d.h. „die Gottgeweihte“, empfing. Schon früh zeigte sich die Gnade Gottes an dem Kind, denn kaum fing es an zu sprechen, so ertönte der süße Name Jesus von seinen Lippen und es war seine Lust, die Tränen der Armen durch herzliches Mitleid und reichliche Gaben zu trocknen. In dem Kind schien dem ganzen Land ein Glücksstern aufgegangen zu sein, denn Friede und Segen ergoss sich seit seiner Geburt über das Königreich.

 

Im Jahr 1211 erschien eine Gesandtschaft des mächtigen und berühmten Landgrafen Hermann I. von Thüringen und Hessen unter Führung des edlen Ritters Walter von Varula am Hof des Königs von Ungarn, und bat für den jungen elfjährigen Landgrafen Ludwig um die Hand der kleinen Elisabeth. König Andreas willigte ein und übergab dem Gesandten sein vierjähriges Kind, damit es, der Sitte jener Zeit gemäß, am Hof ihres Verlobten erzogen würde. In einem goldgestickten Gewand, in einer silbernen Wiege liegend und mit reichen Schätzen ausgestattet, von dreizehn ungarischen Edelfräulein und vielen Rittern begleitet, kam Elisabeth glücklich auf der Wartburg bei Eisenach an. Ungemeiner Jubel herrschte am Hof des Landgrafen und alle bewunderten die Schönheit und Anmut des Kindes. Unter großen Feierlichkeiten, die die berühmtesten deutschen Meistersänger mit ihren Liedern verherrlichten, fand die Verlobung des elfjährigen Prinzen Ludwig mit Elisabeth statt.

 

Mitten unter den Freuden des Hoflebens entfaltete Elisabeth die schönsten Tugenden. Alle ihre Gedanken und Bestrebungen waren auf Gott gerichtet. So oft sie konnte, kniete sie am Altar der Schlosskapelle nieder und überließ sich frommen Gebeten und Betrachtungen. Fand sie die Kapelle verschlossen, so küsste sie andächtig das Schloss, die Tür und äußere Mauer aus Liebe zu Jesus, der im Tabernakel wohnte. Gern ging sie mit ihren Gespielinnen auf den Gottesacker und mahnte sie: „Erinnert euch, dass wir einst nichts als Staub sein werden! Darum lasst uns Gott lieben! Kniet nieder und sprecht mit mir: „Herr, durch deinen grausamen Tod und durch deine geliebte Mutter Maria erlöse diese armen Seelen von ihrer Pein! Herr, durch deine heiligen Wunden mach uns selig!“ Wer zu ihr von Gott und seinen heiligen Geboten redete, dem schenkte sie ihre volle Aufmerksamkeit. Nichts lernte sie so gern, als Gebete und betete täglich eine Anzahl derselben. Wurde sie am Tag daran verhindert, dann holte sie in der Nacht das Versäumnis nach. Den engelreinen Jüngling Johannes wählte sie zu ihrem besonderen Beschützer und schlug niemand eine Bitte ab, der sie im Namen dieses heiligen Apostels anflehte. Eine grenzenlose Barmherzigkeit hegte sie gegenüber allen Armen und Kranken. Alles Geld und alle Lebensmittel, die sie erhaschen konnte, brachte sie den Notleidenden. Sie ließ dafür ein Vaterunser oder Ave Maria beten.

 

Mit dem Tod des Landgrafen Hermann begann für die neunjährige Elisabeth eine schwere Prüfungszeit. Während seines Lebens durfte niemand die zärtlich von ihm geliebte Königstochter in ihren frommen Andachtsübungen stören, als er aber gestorben war, hatte sie von der Witwe, der Landgräfin Sophie, und deren hoffärtigen Tochter Agnes vieles zu leiden und bekam die bittersten Vorwürfe wegen ihrer Demut, Einfalt und Gottinnigkeit. Voll Spott und Gift sagten sie ihr, sie habe nichts Fürstliches an sich und eigne sich wohl zu einer einfältigen Dienstmagd oder Klosterfrau, nicht aber zu einer Fürstin.

 

Einst befahl die Landgräfin am Mariä Himmelfahrtstag den beiden Prinzessinnen Agnes und Elisabeth, ihre schönsten Kleider anzulegen, ihre goldenen Kronen aufzusetzen und mit ihr nach Eisenach zum Hochamt in die Liebfrauenkirche zu gehen. Dies geschah. Kaum aber knieten alle drei vor dem großen Kruzifix, als Elisabeth schweigend ihre Krone abnahm, auf dem Boden niederkniete, und den Zipfel ihres Mantels mit Tränen benetzte. Sophie und Agnes machten ihr bittere Vorwürfe, doch Elisabeth erwiderte sanftmütig: „Vor meinen Augen hängt mein Gott und König mit einer scharfen Dornenkrone, und ich elendes Geschöpf sollte vor ihm mit einer kostbaren, goldenen Krone erscheinen? Sollte ich ihn verhöhnen? Ach, das kann ich nicht!“

 

Elisabeth duldete alle Kränkungen und Feindseligkeiten der Landgräfin und ihrer Tochter gottergeben. Während sie mit dem Plan umgingen, die ungarische Königstochter in ein Kloster zu stecken oder zu ihrem Vater heimzuschicken, erhob Elisabeth ihre Hände zu Gott und sprach: „Herr, dein Wille geschehe!“ Dann wartete sie ruhig ab, was Ludwig beschließen würde. Ludwig aber blieb seiner Verlobten getreu und er liebte sie wegen ihrer Tugend und Frömmigkeit von Tag zu Tag mehr. Einst sprach er zum Grafen Varula, indem er seine Hände gegen den nächsten Berg ausstreckte: „Wenn dieser Berg da ganz von Gold wäre und mir allein gehören sollte, aber ich müsste Elisabeth dafür lassen, - ich täte es nicht. Ich liebe sie und werde sie heiraten.“

 

Sobald Ludwig das zwanzigste Lebensjahr erreicht hatte, nahm er im Jahr 1220 die dreizehnjährige Elisabeth unter großen Feierlichkeiten zur Ehe. Ein so frommes, schönes und glückliches Ehepaar hat die Welt selten gesehen. Ihre innige Liebe zueinander tat der Liebe Gottes keinen Abbruch, beide ermunterten sich zu Werken der christlichen Nächstenliebe und nannten sich, wie in der frühen Kindheit, nur Bruder und Schwester.

 

Ludwig war ein Mann von seltener Schönheit, seine blonden Haare wallten reich über Nacken und Schultern, seine Wangen blühten im Rot der Unschuld, sein Auftreten war würdevoll, Anmut und Heiterkeit lagen auf seinem Antlitz. Mit seiner leiblichen Schönheit und Würde wetteiferte seine Frömmigkeit. Täglich hörte er die Heilige Messe. Er war ein Beschützer der Unschuld, ein strenger Richter über die Gottlosen, ein Freund der Frommen, ein freigebiger Wohltäter der Armen. Oft besuchte er das Kloster Reinhardsbrunn, das seine Vorfahren gebaut hatten, beschenkte und tröstete die Kranken im Kranken- und Pilgerhaus, das damals bei jedem Kloster stand, und ahmte in viele Stücken dem Leben der Mönche nach. Sein Volk liebte ihn sehr, und im ganzen Land herrschte Eintracht und Sicherheit.

 

Elisabeth vereinte mit ihrer Jugend Hoheit und Würde. Von bräunlichem Angesicht, schwarzem Haar, schlankem Wuchs, würdevollem Gang, nahm sie durch ihre freundlichen Mienen und ihr gütiges herablassendes Wesen alle Herzen für sich ein. Unter ihren fürstlichen Kleidern trug sie ein Bußgewand, jeden Freitag und jeden Tag in der Fasten ließ sie sich aus Liebe zum leidenden Heiland von einer vertrauten Magd geißeln, den Andachtsübungen und der Armenpflege widmete sie sich nach Herzenslust und erbaute durch ihre innige Andacht bei jedem Gottesdienst das Volk. Oft stand sie in der Nacht auf und betete lange und inbrünstig. In Speisen und Getränken tat sie sich viel Abbruch. Oft stand sie von der reichsten Tafel hungrig und durstig auf, oder, wenn es ihr Gemahl nicht bemerkte, nahm sie nur Wasser und Brot.

 

So streng und hart Elisabeth sich selbst behandelte, so liebreich war sie gegenüber ihren Mitmenschen, besonders gegenüber den Dürftigen und Siechen. Soviel ihr Gemahl ihr auch an Geld und Lebensmitteln überließ, es reichte ihrer Freigebigkeit nicht zu. Zuweilen beraubte sie sich ihrer eigenen Kleider, um den Notleidenden helfen zu können. Als sie einst schon alles fortgegeben hatte, flehte sie ein Dürftiger noch dringend um ein Almosen an. Da nahm sie einen ihrer mit Edelsteinen besetzten Handschuhe und gab ihn dem Dürftigen. Ein junger Ritter kaufte ihn den Handschuh ab und steckte ihn als Unterpfand des göttlichen Schutzes an seinen Helm. Auf dem Todesbett versicherte er, dass er seine Rettung in den Schlachten, seinen Ruhm und seine Siege diesem Andenken der heiligen Elisabeth verdanke.

 

Nicht zufrieden, den Armen an ihrer Pforte Gaben auszuteilen, suchte sie auf weiten und beschwerlichen Wegen die Bedürftigen in ihren Hütten auf, scheute nicht den Schmutz und die verpestete Luft, pflegte die Kranken, tröstete die Bekümmerten, hob die Kinder der Armen aus der Taufe, wachte bei den Leichen und folgte ihnen zum Grab. Besonders nahm sie sich der Aussätzigen an, die von den Gesunden sorgfältig gemieden wurden. Sie wusch ihnen Hände und Füße, kniete demütig vor ihnen nieder und küsste ihre Wunden und Geschwüre. Eines Tages schleppte sie einen Aussätzigen in ihr Schloss, reinigte ihn und legte ihn, da sonst kein Platz mehr übrig war, in das Bett ihres Gemahls. Inzwischen kehrte der Landgraf zurück und seine Mutter klagte ihm zürnend: „Komm und schau, ich will dir ein Wunder von deiner Elisabeth zeigen!“ Aufgeregt eilte er in sein Schlafgemach und fragte: „Frau, wer ist da in meinem Bett?“ Zugleich riss er die Decke weg und – o Wunder! – statt des Aussätzigen erblickte er in seinem Bett das Bild des Gekreuzigten. Sprachlos vor Erstaunen steht er da, weint, küsst Elisabeth und spricht: „Meine liebe Schwester, solche Gäste lege nur oft in mein Bett, das ist mir wohl zu Dank. Lass dich von niemand in der Ausübung deiner Tugenden irre machen!“

 

Als sie einst den Berg hinabging und Fleisch, Brot und Eier für ihre Armen unter dem Mantel trug, begegnete ihr Ludwig und fragte sie neugierig: „Lass sehen, was du trägst!“ Während er ihren Mantel zurückschlug, sah er nur rote und weiße Rosen, die schönsten, die er je gesehen hatte, und doch war die Zeit der Blumen längst vorüber. Über ihrem Haupt schwebend sah er ein leuchtendes Kruzifix, weshalb er an dieser Stelle daraufhin eines aufrichten ließ.

 

Im häuslichen Kreis war Elisabeth immer heiter und wohlgemut, spann mit ihren Dienerinnen Wolle und verfertigte Leinen für ihren Bedarf und für die Armen. Ihren Gemahl liebte sie mit unaussprechlicher Zärtlichkeit, saß neben ihm am Tisch und begleitete ihn trotz ungestümer Witterung auf seinen kleinen Reisen. Musste er auf längere Zeit die Wartburg verlassen, so legte sie schwarze Witwenkleider an bis zu seiner Heimkehr. Oft unterhielt sie sich mit ihrem Gemahl über die Liebe zur Armut um Christi willen. Sie pflegte dann ärmliche Kleider anzulegen, ihr Haupt mit einem zerrissenen Schleier zu bedecken und im prophetischen Geist sprach sie: „So werde ich einhergehen, wenn ich um Gottes Willen arm und elend sein werde.“ Einst überraschten sie vornehme Herren in ihrem ärmlichen Anzug. Ihr Gemahl geriet in die peinlichste Verlegenheit, sie aber trat nach kurzem Gebet unbefangen vor die Herren und diese konnten sich nicht sattsehen an der reizenden Schönheit, an dem Prachtgewand von himmelblauer Seide und dem Perlengeschmeide der Tochter ihres Königs. Wie zärtlich sorgt doch Gott für die Seinigen! Gerührt über diesen Gnadenerweis Gottes rief der fromme Landgraf aus: „Wahrlich, unser Gott ist ein sehr guter Gott! Es ist ehrenvoll, einem solchen Herrn zu dienen, der den Seinen so getreulich zu Hilfe kommt. Auch ich will von diesem Tag an immer mehr sein Knecht sein.“ Er hielt Wort und bemühte sich, seiner heiligen Gattin möglichst ähnlich zu werden.

 

Um diese Zeit kamen die ersten Franziskanerbrüder nach Deutschland und kehrten auf der Wartburg ein, erzählten gar vieles von ihrem Ordensstifter, dem heiligen Franziskus von Assisi, und wie auch Weltleute an ihrem Orden teilnehmen könnten; denn der Heilige Vater habe für diese den Dritten Orden gestiftet. Elisabeth erbat sich und erhielt von ihrem Gemahl die Erlaubnis, sich in diesen Orden aufnehmen zu lassen. Sie war das erste Mitglied dieses segensreichen Ordens in Deutschland. Der heilige Franziskus schickte der Fürstin, die die Armut so lieb hatte, seinen alten Mantel als Unterpfand seiner Hochachtung, und Elisabeth trennte sich erst im Tod von diesem kostbaren Andenken.

 

Mit ungefähr siebzehn Jahren verlor Elisabeth ihren Beichtvater. Ihr Gemahl wandte sich an den Papst um einen guten Seelenführer. Dieser empfahl ihr den frommen und gelehrten Meister Konrad von Marburg, dessen gewaltiger Feuereifer und musterhafter Wandel viel zur Unterdrückung der albigensischen Ketzerei beigetragen hatte. Elisabeth legte ihm im Jahr 1225 das Gelübde des Gehorsams ab für alle Dinge, die nicht dem Recht der heiligen Ehe widerstrebten, sowie auch das Gelübde, für den Fall, dass sie ihren Gemahl überlebe, im keuschen Witwenstand zu verbleiben.

 

Als der Landgraf im Jahr 1225 mit dem Kaiser auf dem Reichstag zu Cremona in Italien weilte, entstand im Thüringer Land eine furchtbare Hungersnot, so dass die Leute Gras und Wurzeln aßen und die Wege mit Leichen bedeckt waren. Voll des innigsten Mitleids verteilte Elisabeth den ganzen Schatz des Landgrafen unter die Armen, ließ die Vorratskammern öffnen und speiste täglich 900 Arme, ließ zu dem Krankenhaus am Fuß der Wartburg noch zwei Krankenhäuser in Eisenach bauen und ging täglich selbst den beschwerlichen Weg, „Kniebrecher“ genannt, um die Kranken zu pflegen, die Betten zu reinigen, den Sterbenden im Todeskampf beizustehen. Zuletzt verkaufte sie noch ihre Edelsteine und Kostbarkeiten, um keinen Armen abweisen zu brauchen. Als der Landgraf heimkehrte und die Verwalter über die Verschwendung seiner Gemahlin klagten, wies er sie mit den schönen Worten zurück: „Wenn mir nur Eisenach mit der Wartburg und Naumburg bleibt, dann kann meine Elisabeth in Gottes Namen verschenken, wem, was und wann sie will. Almosen macht niemand arm.“

 

Gott hatte die frommen und edelmütigen Edelleute mit einem Söhnlein und drei Töchtern beschenkt. Barfuß trug Elisabeth jedes Kind beim ersten Ausgang selbst zur Kirche, um es Gott aufzuopfern. Aber bald wurde das Familienglück getrübt; denn der Kaiser erließ einen Aufruf zu einem Kreuzzug in das Heilige Land. Im Herbst 1227 musste Ludwig den Kaiser begleiten und übertrug die Regierung seinem Bruder Heinrich. Der Abschied Elisabeths von ihrem teuren Gemahl war ein herzzerreißender, da sie ahnte, dass sie ihn nicht wiedersehen werde. Schon bald erkrankte Ludwig und starb zu Otranto in Italien eines seligen Todes. Wer möchte die Trauer schildern, die die liebende Gattin bei der Todesnachricht ergriff? Nur im Gebet fand sie Stärke, den bitteren Leidenskelch zu trinke, den Gott ihr darreichte. Sie sollte den Kelch bis zur Hefe leeren.

 

Heinrich, der Bruder des verstorbenen Landgrafen, verstieß sofort Elisabeth mit ihren vier Kindern wie eine nichtswürdige Verbrecherin von der Wartburg und erklärte sie aller Güter verlustig. Weinend stieg die verlassene Witwe mitten im rauen Winter von der Wartburg herab, ihr jüngstes Kind auf den Armen, die anderen drei von ihren Frauen geführt. Vergebens klopfte sie an alle Türen in Eisenach. Niemand öffnete ihr; denn alle fürchteten den Zorn des neuen Landesherrn, der den strengen Befehl erlassen hatte, weder Elisabeth noch ihre Kinder in ein Haus aufzunehmen. Vor Frost erstarrt, von Hunger gequält, erlaubte ihr endlich ein Wirt, in einem Schweinestall zu übernachten. Die Königstochter, die in einer silbernen Wiege nach Eisenach kam, saß dort jetzt auf einem Haufen halbverfaulten Strohs. In ihrer Not betete sie zu Gott und ein wunderbarer Friede ergoss sich in ihre Seele. Um Mitternacht hörte sie in dem von ihrem Gemahl Ludwig gestifteten Franziskanerkloster zur Mette läuten. Sogleich eilte sie mit ihren Kindern zur Kirche und bat nach der Andacht die Mönche, ein Te Deum zu singen, um Gott zu danken für die Trübsal, die er über sie verhängte. Bis zu Tagesanbruch blieb sie in der Kirche. Dann bettelte sie an den Türen um ein Obdach und Speise und Trank für ihre Kinder. Nach langem vergeblichen Umherlaufen erbarmte sich ihrer ein armer Priester, aber auch da vertrieben sie ihre Feinde. Arme Leute nahmen ihr nun heimlich ihre Kinder ab und verpflegten sie, sie selbst ernährte sich mit Spinnen. Als Elisabeth einst mit einer schweren Bürde über einen schmutzigen Bach ging, trat ihr ein boshaftes Bettelweib entgegen, die viele Wohltaten von ihr empfangen hatte, stieß sie in das Wasser und sagte spottend: „Da liege, du Närrin! Du hast es nicht verstanden, Landgräfin zu sein; jetzt hast du, was dir gebührt!“ Elisabeth ertrug diese Schmach geduldig und sagte beim Aufstehen lächelnd: „Das ist dafür, dass ich einst Gold und Edelsteine trug.“ Jesus erschien ihr, tröstete sie und nannte sie seine Schwester und Freundin. Die Mutter Gottes nahm ihre Hände zwischen die ihrigen und sprach: „Willst du meine Tochter sein, so will ich deine Mutter sein!“

 

Nach einiger Zeit erfuhren Elisabeths Verwandten ihre unwürdige Behandlung, und ihr Oheim Egbert, Bischof von Bamberg, wies ihr das Schloss Bodenstein zum Wohnsitz an, trug väterliche Sorge für sie und ihre Kinder und gedachte sie dem Kaiser Friedrich II., der seine Gemahlin vor kurzem verloren hatte, zu vermählen. Aber die verstoßene Bettlerin hatte sich bereits einem edleren Bräutigam, Jesus Christus, verlobt.

 

Nach einiger Zeit kehrten die thüringischen Ritter aus dem Gelobten Land zurück und brachten die Leiche ihres geliebten Landesherrn von Otranto nach Bamberg, von da nach Reinhardsbrunn. Empört über die schmachvollen Unbilden, die man ihrer Landesfürstin angetan hatte, zwangen sie Heinrich, das Witwengut herauszugeben, ein Leibgeding von 500 Mark Silber zu zahlen, und ihrem Sohn Hermann die Nachfolge zu sichern. Elisabeth umarmte ihren ehemaligen Todfeind und ließ keinem ihrer Beleidiger das Unrecht vergelten.

 

Um ihrem Heiland möglichst gleichförmig zu werden, verließ Elisabeth ihren Palast und bezog eine arme Lehmhütte neben der Franziskanerkirche zu Marburg, legte am Karfreitag die Gelübde der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams ab, ließ sich ihr schönes Haar abschneiden, empfing das graue Büßerkleid, umgürtete sich mit einem Strick, und flehte zu Gott inbrünstig um drei Gaben, nämlich um Kraft, Schimpf und Verleumdungen der Menschen geduldig zu ertragen, dann um gänzliche Verachtung aller irdischen Güter, endlich um Abnahme ihrer übermäßigen Liebe zu ihren Kindern. Ihr frommer, aber auch sehr strenger Beichtvater Konrad unterstützte sie in ihrem Streben nach Vollkommenheit. Ihr Sohn Hermann wurde zur Erziehung auf das Schloss Kreuzberg gebracht, ihre Töchter fanden Unterkunft im Kloster Altenburg, wo die jüngste, Gertrud, später Äbtissin wurde; die älteste heiratete den Herzog von Brabant, die mittlere starb früh. Auch von ihren ältesten und vertrautesten Leidensgefährtinnen Isentrude und Guda musste sie sich trennen. Nach dem Beispiel ihres seraphischen Vaters Franziskus lebte fortan die Königstochter in der äußersten Armut, um dem Heiland möglichst gleichförmig zu werden. Wie früher waren die Armen und Kranken ihre liebsten Freunde. Sie ließ zu Marburg ein Hospital bauen und verrichtete dort täglich die niedrigsten und ekelhaftesten Dienste. Sie küsste sogar die scheußlichsten Wunden und tat für die Elenden mehr, als eine Mutter für ihre Kinder tun kann. Für diese außerordentliche hingebende Liebe belohnte sie Gott mit der Wundergabe. Ein taubstummer und gelähmter Junge lag einst vor der Tür des Spitals, das sie mit Tagesanbruch zu besuchen pflegte. „Was fehlt dir, mein liebes Kind?“ fragte sie zärtlich. Da der Junge auf ihre wiederholten Fragen schwieg, sprach sie traurig: „Im Namen Jesu sage mir, was dir fehlt!“ Der Junge stand auf, lobte Gott und war von all seinen Leiden befreit. – Ein an Händen und Füßen Verstümmelter rief ihr einmal zu: „Eilet, Frau! Ich bin aus Reinhardsbrunn, wo euer Gemahl begraben liegt. Aus Liebe zu seiner Seele helft mir! Betet für mich!“ Mit überirdischer Zärtlichkeit sah Elisabeth den Unglücklichen an, und siehe, von Stunde an war er gesund. – Ein Blinder bat um ihr Gebet. „Bete du selbst mit!“ entgegnete sie und ließ ihn neben sich hinknien. Je inniger sie betete, desto heller wurden seine Augen, bis er ganz deutlich sah. Dann erhob sie sich und sprach: „Nun musst du Gott dienen, fleißig arbeiten und jede Sünde meiden.“ – Zur Winterzeit wünschte ein Kranker einen Fisch. Elisabeth ging zur nächsten Quelle und betete: „O Herr Jesus Christus, ist es dein Wille, so gib mir einen Fisch für den armen Kranken!“ Sogleich fand sie in dem Eimer, mit dem sie Wasser schöpfte, einen großen Fisch, den sie dem Armen mit Freuden brachte.

 

Um diese Zeit kamen Gesandte ihres Vaters, der von ihren Leiden gehört hatte, und luden sie ein, an den königlichen Hof zu Budapest zu kommen. Als der ungarische Gesandte sie in der niedrigen Lehmhütte, in gesticktem Kleid, beim Wollspinnen antraf, weinte er bitterlich und sprach: „Hat man je eines Königs Tochter Wolle spinnen sehen? Wer hat euch in dieses Elend versetzt?“ „Niemand – antwortete Elisabeth freundlich – als der reichste Sohn des himmlischen Vaters, der mich durch sein Beispiel gelehrt hat, den Reichtum zu verachten und die Armut mehr zu lieben, als alle Schätze der Welt. Dabei fehlt es mir an nichts und ich bin ganz glücklich. Sagt meinem Vater, er solle sich meinetwegen nicht betrüben, sondern sich vielmehr freuen, dass er eines seiner Kinder im Dienst des Königs des Himmels und der Erde hat. Nur um eins bitte ich, dass er für mich bete und beten lasse, ich will es auch für ihn tun mein Leben lang.“

 

Mehr und mehr schälte sich Elisabeth von der Welt los und teilte ihre Zeit zwischen Gebet und Betrachtung und christlichen Liebeswerken. Öfters erschien ihr ein Engel, der einst zu ihr sprach: „Ich bringe dir keine Krone mehr; denn du leuchtest vor Gott, der dich selbst mit göttlichen Ehren krönen will.“ Oft zeigte sich ihr der göttliche Heiland selbst von Angesicht zu Angesicht und tröstete sie. Erwachte sie aus ihren Verzückungen, dann glänzte ihr Angesicht wunderbar und ihre Augen leuchteten gleich Sonnenstrahlen. Dauerten solche Verzückungen länger, dann bedurfte sie keiner irdischen Nahrung mehr; die heilige Kommunion allein reichte für sie hin. Sie weinte viel, aber es waren mehr Tränen der Wonne, als der Trauer.

 

Die Stunde nahte, nach der sich Elisabeth so lange gesehnt hatte, die Stunde der ewigen Vereinigung mit ihrem himmlischen Bräutigam. Jesus Christus erschien ihr lichtumflossen und sprach zu ihr mit sanfter Stimme: „Komm zu mir, du auserwählte Braut, meine süße, liebe Freundin, gehe ein in die Wohnung, die dir von Ewigkeit bereitet ist. Ich will dich selbst hineinführen.“ Voll Freuden ging Elisabeth noch einmal zu ihren Kranken und Armen, segnete sie und teilte, was sie noch hatte unter sie aus. Dann begab sie sich zu ihrem kranken Beichtvater und nannte ihm die Stunde ihres Todes. Vier Tage später ergriff sie ein heftiges Fieber und quälte sie 14 Tage. Nach Empfang der heiligen Sterbesakramente schenkte sie der treuen Dienerin Guda ihre letzte und liebste Habe, den armen Mantel des heiligen Franziskus und sprach den Wunsch aus, in der Hospitalskirche begraben zu werden. Dann geriet sie in Verzückung, sang wunderbar schön, und ihr Antlitz verklärte sich derart, dass die Umstehenden den Glanz kaum ertragen konnten. Freudig rief sie aus: „O Maria, komm mir zu Hilfe! Der Augenblick ist da, wo der Allmächtige seine Freunde zur Hochzeit ladet. Es naht der Bräutigam, die Braut zu holen.“ Dann hieß sie mit leiser Stimme alle Still sein, neigte ihr Haupt wie zu sanftem Schlummer und ging hinüber zu den Chören der Engel und Heiligen in der Nacht des 19. November 1231. Sogleich verbreitete sich in der Hütte ein außerordentlicher Wohlgeruch und in den Lüften hörte man einen himmlischen Gesang. Die Heilige hatten eben ihr 24. Lebensjahr erreicht.

 

Unbeschreiblich war die Trauer des Volkes und das Wehklagen der Armen über das Hinscheiden ihrer größten Wohltäterin. Die Spuren früherer Leiden waren vom Angesicht der Leiche verschwunden, die Wangen waren sanft gerötet. Unter wunderbarem Gesang aus der Höhe wurde die Leiche begraben. Unzählige Wunder verherrlichten ihren Namen: Blinde wurden sehend, Lahme gehend, Fallsüchtige, Verwachsene, Rasende, Verwundete wurden geheilt, Tote erweckt. Daher erhob sie schon vier Jahre nach ihrem Tod Papst Gregor IX. zur Ehre des Altares. Unbeschreiblich war die Freude des deutschen Volkes über diese Ehre. Mehr, als eine Million Menschen strömten aus den deutschen Ländern, aus Ungarn, Böhmen, Frankreich, Spanien und Italien zusammen, um der Erhebung der Leiche beizuwohnen. Ein lieblicher Wohlgeruch stieg aus dem Grab empor. Der heilige Leib war noch ganz unversehrt. Kaiser Friedrich setzte der Heiligen eine goldene Krone aufs Haupt und führte ihre drei Kinder zum Opfer. Aus den reichen Spenden wurde eine prachtvolle Kirche gebaut. Zu Ehren der heiligen Elisabeth wurden in allen Ländern Europas und selbst jenseits des Meeres Kirchen, Klöster und Spitäler erbaut und noch heute eifert der Elisabethen-Verein der Heiligen in Werken der christlichen Liebe und Barmherzigkeit nach.

 

Trittst du jetzt in die schöne Elisabethen-Kirche zu Marburg, so findest du nicht mehr zahllose Pilgerscharen, du siehst keinen Priester am Altar, in der schönen Grabkapelle bemerkst du noch die Spuren von den Knien der Pilger, aber vergebens suchst du die Gebeine der Heiligen. Ein Nachkomme der heiligen Elisabeth, Landgraf Philipp von Hessen, der vom katholischen Glauben abfiel und Luthers Lehre annahm, riss unter gemeinem Spott und Hohn die Reliquien seiner Ahnfrau aus ihrer Ruhestätte und niemand weiß, wohin sie gekommen sind. Auch auf der Wartburg zeigt sich keine Spur mehr von dem Walten der Heiligen. Doch in dem Herzen des katholischen Volkes lebt die Verehrung der lieben heiligen Elisabeth fort und ihr schönes Beispiel hat schon Tausende zur Nachfolge und dem Weg der christlichen Liebe und des Erbarmens gegenüber Armen und Kranken entflammt. Heilige Elisabeth, bitte für uns, dass wir dir mehr und mehr in Werken christlicher Barmherzigkeit nachfolgen!

 

Die heilige Elisabeth gelangte zu dem hohen Grad der Vollkommenheit, indem sie folgende 12 Lebensregeln ihres Beichtvaters Konrad genau befolgte:

 

1. Ertrage geduldig Verachtung in freiwilliger Armut.

 

2. Lass dir die Armut am Herzen liegen.

 

3. Lass fahren menschlichen Trost und die Lüste des Fleisches.

 

4. Sei barmherzig gegenüber dem Nächsten.

 

5. Danke Gott dafür, dass er dich durch seinen Tod von der Hölle und dem ewigen Tod erlöst hat.

 

6. Trage dein Kreuz in Geduld aus Liebe zum Gekreuzigten.

 

7. Habe Gott stets in deinem Herzen und in deinen Gedanken.

 

8. Weihe Leib und Seele ganz deinem Gott.

 

9. Erinnere dich, dass du ein Geschöpf Gottes bist, und bestrebe dich, ewig mit ihm vereinigt zu werden.

 

10. Was du willst, dass es dir die Menschen tun, tue auch ihnen.

 

11. Denke immer an die Kürze des menschlichen Lebens. Strebe immerfort nach dem himmlischen Leben.

 

12. Bereue stets deine Sünden und flehe zu Gott, dass er sie dir vergebe.

 

* * * * * * *

 

Die heilige Elisabeth von Thüringen

 

Von Reinhold Schneider, aus „Die großen Deutschen“, Deutsche Biographie, herausgegeben von Hermann Heimpel, Theodor Heuß und Benno Reifenberg, im Propyläen-Verlag bei Ullstein, Berlin 1956

 

Auf dem Marburger Schrein, der um die Mitte des 13. Jahrhunderts, etwa zwanzig Jahre nach Elisabeths Tod, ihre Gebeine aufnahm, ist ihr Leben in acht entscheidenden Szenen vergegenwärtigt:

Landgraf Ludwig, ihr Gemahl, hält in betenden Händen das Kreuz und lässt sich vom Bischof von Hildesheim weihen;

die Gatten, Ludwig als Pilger gekleidet, sehen einander in der Abschiedsstunde mit wissendem Todesernst in die Augen;

die Witwe streift einem sich duckenden Armen ein Gewand über;

sie empfängt von heimkehrenden Kreuzfahrern den Ring des toten Gatten und in einem Säckchen, das der erste Gepanzerte eben vom Sattel seines Pferdes nimmt, die Gebeine;

sie beugt sich den herandrängenden Armen zu, gebend mit der Rechten, mit der Linken nehmend aus dem Vorrat der Dienerin;

kniend lässt sie sich von einem Priester mit der Kutte des Dritten Ordens des Franziskus bekleiden, so wie sie die Bettler bekleidet hat;

untergehend in der Welt der Armen, kniet sie vor einem trinkenden Aussätzigen, umgeben von Bettlern, die ihre Becher halten;

ganz in Sorge und Liebe verwandelt, speist sie mit dem Löffel einen blinden Greis, umschart von emsig essenden Bettlern.

 

Es ist nichts gesagt von der Geburt der Königstochter in Ungarn (1207), nichts vom Tod in dem von ihr gegründeten Siechenhaus in Marburg (1231), aber Gültigeres kann nicht gesagt werden von der Überfülle der Liebe, des Leidens, der Freude, die in dieses jugendliche Leben gefasst ist und aus ihm noch immer in die Welt strömt. Elisabeth war Fürstin und Heilige, gesegnet und beschwert mit Herrschaften und verzehrt von dem Wunsch, Schwester der Ausgestoßenen, der von Elend Zerstörten, der Unerträglichen zu sein; sie war so sehr Mutter aller – und immer der Erniedrigten –, dass sie Mutter ihrer Kinder nicht mehr sein konnte; in solchem Grad Braut Christi, dass sie es bereute, Gattin des geliebten Gatten geworden zu sein; zwei Schwerter kreuzten sich in ihrem Herzen, aber sie strahlte vor Freude und weinte vor Glückseligkeit.

 

Gaudens in tribulatione: das ist das immer wiederkehrende Zeugnis; ihre unzerstörbare Heiterkeit war nur der Unerschöpflichkeit ihrer Tränen zu vergleichen (lacrimas infinitas); sie ist – das muss zu Anfang gesagt werden – eine in gewisser Hinsicht befremdende, bestürzende Existenz. Ihr Leben lässt sich so wenig ins Idyll verkehren wie das des Franziskus. Sie steht nicht allein in der Landes-, sondern in der Weltgeschichte, und zwar an bedeutender Stelle; und sie steht in der Heilsgeschichte. Die beiden Bereiche sind in ihrem Leben nicht voneinander zu scheiden; die Wirkungen fluten aus dem einen in den anderen hinüber und wieder zurück. Das Weltliche, das Geschichtliche in ernsterem Sinne ruft die Heiligkeit hervor, und die Heiligkeit erweist sich als eine die Geschichte tragende Kraft. Eine Heilige wird für den Gläubigen unermesslich mehr bedeuten als für den, der seinen Glauben nicht teilt und teilen kann; aber auch diesen, der die paradoxen Voraussetzungen der christlichen Existenz nicht annimmt, müsste Elisabeth bewegen. Was die Frau in der Geschichte vermag – und was sie nicht vermag; was ihre wirkliche Berufung ist als geschichtliche Person und in welchem Maße Gang und Bestand der Geschichte auf sie angewiesen sind; das leuchtet in ihr auf. Sie hat nie aufgehört, geschichtliche Person zu sein, auch heute nicht; sie ist noch immer in der Macht, unaufhebbare Gegensätze wenn auch nicht zu versöhnen, doch zu heilen; mit ihr beugt sich das Hohe in die Niedrigkeit; mit ihr steigt das Niedrige empor. Wohl kann und muss zu einer jeden Stunde von einer Wende der Zeit, des Lebensgefühls gesprochen werden; aber in der Spanne, die Elisabeth zugemessen war, sind zwei Machtformen, Papsttum und Kaisertum, zu einem Streit angetreten, dessen Wiederholung zur Natur, zum Kosmos, zum Mitmenschen aufgestiegen, die nicht mehr entbehrt werden können. Vielleicht darf diese Behauptung gewagt werden, wenigstens hinsichtlich der Reinheit und Folgerichtigkeit: In Elisabeth ist die erste gotische Gestalt erschienen – so wie die zu ihren Ehren errichtete Kirche in Marburg die erste gotische Kirche in Deutschland ist. Wir dürfen die Blüten der Legende, die sie umrankt, nicht knicken; sie sind zu innig um sie geschlungen; wohl aber müssen wir sie ein wenig zur Seite biegen, um die Schmerzen zu ahnen, die Elisabeth verschwieg. Nicht die Wunder sind das Wesentliche, sondern die Liebe und der Glaube und die weltgeschichtliche Sendung.

 

Die heilige Spinnerin

 

Von Prof. Dr. Nikolaus Welter (Luxemburg)

 

Der Frost knarrt in den Gassen,

Die Wartburg ragt im Schnee.

Ich sitze hier verlassen,

Allein mit meinem Weh.

Durch Tür und Fenster streicht der Wind;

So frier ich feines Königskind.

Dass ich der Not entrinne,

Ich arme verwitwete Herzoginne,

Ich spinne, spinne, spinne.

 

Das war vor vielen Jahren.

Ich kam mit reichem Tross

Aus Ungarn hergefahren

Zu Hermanns Fürstenschloss.

Behüt dich Gott, mein Türingland,

Wo ich die zweite Heimat fand

Zum trauten Herzgewinne.

Nun sitz ich verwitwete Herzoginne

Und spinne, spinne, spinne.

 

O Ludwig, süßer Knabe,

Mein Schirm und meine Lust,

Wie ich geliebt dich habe,

Gott ist`s und dir bewusst.

Ich stets dein Stolz, du stets mein Heil

Und Jesus unser bestes Teil,

Der reine Fürst der Minne.

Nun sitz ich verwitwete Herzoginne

Und spinne, spinne, spinne.

 

Als du zum heil`gen Streite

Entrolltest dein Panier,

Mein Geist flog dir zur Seite,

Dein Herz, es blieb bei mir.

Doch wie du gingst zum Himmel ein,

Den Weg, den machtest du allein,

Drob schwanden mir die Sinne.

Nun sitz ich verwitwete Herzoginne

Und spinne, spinne, spinne.

 

Seit du von uns geschieden,

Ist unser Glück gering.

Der Wolf brach in den Frieden,

Der deinen Herd umfing.

Die Fürstin fleht, ihr Kindlein klagt;

Sie haben uns davongejagt:

Da ward der Not ich inne.

Nun sitz ich verwitwete Herzoginne

Und spinne, spinne, spinne.

 

Der Schnee knarrt in den Gassen,

Die Träne friert im Nord.

Ein Hüttlein steht verlassen,

Da treibt uns niemand fort.

Durch Tür und Fenster streicht der Wind -

So büßte einst der Jungfrau Kind,

Der Welt zum Heilgewinne.

Ich arme verwitwete Herzoginne,

Ich spinne, spinne, spinne.

 

Ihr Kinder, lasst uns scheiden,

Euch brächt` der Winter Tod.

Ich will zu Ende leiden

Die heil`ge Prüfungsnot.

Ich weiß, wo ihr geborgen seid,

Zieht hin, ihr Schäfchen, und gedeiht.

Dass ich der Not entrinne,

Ich arme verwitwete Herzoginne,

Ich spinne, spinne, spinne.

 

Es bringt der Freudelosen

Der Herr des Trosts genug.

Er gab mir rote Rosen,

Da ich nur Speise trug.

Er hüllt einst meine Ärmlichkeit

In seines Himmels Königskleid.

Dass ich mein Heil gewinne,

Ich arme verwitwete Herzoginne,

ich spinne, spinne, spinne.

 

Die heilige Elisabeth

 

(Alban Stolz – Der christliche Sternenhimmel, 1915)

 

Die Stadt Marburg ist protestantisch; aber aus der katholischen Zeit her steht dort noch eine sehr schöne gotische Kirche. Obschon auch aus dieser Kirche der katholische Gottesdienst verbannt ist, so sieht man doch an einem Pfeiler noch das Standbild von einer Heiligen, die in der Hand eine kleine Kirche hält, mit der anderen einem Armen zu ihren Füßen Almosen reicht. Desgleichen sieht man auf alten verwahrlosten Bildern verschiedene Begebenheiten dargestellt, bei denen eine junge Frau die Hauptperson spielt. All diese Darstellungen beziehen sich auf die heilige Elisabeth, und die Kirche trägt auch ihren Namen. Ich will nun ihr Leben schreiben; sie ist nur 24 Jahre alt geworden, und doch ist ihr Leben so groß und schön, dass es mir leid ist, die Erzählung nur in wenige Blätter fassen zu müssen.

 

Ein frommer König in Ungarn, Andreas II., bekam ein Töchterlein, welches in der Taufe den Namen „Elisabeth“ erhielt; in unserer Sprache bedeutet das „voll von Gott“. Wie ein sanfter Morgenwind regte sich in dem Kind, als es erst drei Jahre alt war, schon die Liebe zum Almosengeben. Nach der wunderlichen Sitte der damaligen Zeit (um 1200) wurde das Kind schon im vierten Jahr seines Lebens verlobt mit dem jungen Landgrafen Ludwig von Thüringen und wurde nach Eisenach in die Wartburg gebracht, um neben ihrem künftigen Bräutigam erzogen zu werden.

 

Das liebe Kind konnte noch nicht lesen und zeigte doch schon solche Frömmigkeit, dass es gar viel in die Schlosskapelle ging, ein großes Psalmbuch aufschlug, mit gefalteten Händlein zum Himmel aufblickte und in einer kindlichen Andacht verweilte, die wir arme Sünder so wenig begreifen wie die ewige Anbetung der himmlischen Engel. Das Kind fand so sehr die verlorene Heimat in der Kirche, dass es die Tür und das Schloss daran und die Mauer küsste, wenn sie verschlossen war. Man hatte noch einige Mädchen von gleichem Alter und vornehmem Geschlecht der kleinen Prinzessin zu Gespielen und Mitschülerinnen beigegeben. Wenn sie mit diesen um einen Preis spielte und etwas gewann, gab sie es armen Mädchen, mit der Bedingung, eine bestimmte Zahl Vaterunser zu beten. Auch sonst alles Geld, das sie von ihren künftigen Schwiegereltern bekam, teilte sie unter die Armen aus und bettelte deshalb oft, um desto mehr geben zu können. Wenn Elisabeth mit dem vielen Gebet, das sie zu verrichten Pflegte, am Tag nicht fertig werden konnte, so betete sie für das Versäumte noch im Bett, während die Dienerinnen meinten, sie schlafe schon lange.

 

Schon als Kind war Elisabeth sorgfältig bemüht, den Namen Gottes nie unehrerbietig auszusprechen. An Sonn- und Feiertagen wollte sie Gott ein Opfer der Demut bringen, indem sie irgend einen für ihren Stand gebräuchlichen Putz, z.B. Handschuhe, nicht anlegte. Insbesondere fühlte Elisabeth in früher Kindheit schon, welch großen Wert für ein christliches Leben die Selbstverleugnung habe. War sie beim Spielen glücklich und freute sich darüber, so hörte sie plötzlich auf und sagte: „Jetzt will ich Gott zulieb aufhören.“ Die Tänze waren damals viel unschuldiger als jetzt, man wusste nichts von unehrbaren Tänzen; wenn aber die kleine Elisabeth einmal herumgetanzt hatte, so sagte sie: „Ein Rundtanz ist genug für die Welt, die anderen unterlasse ich zu Ehren Christi.“

 

Die heilige Elisabeth hat in der Kindheit von selbst gefunden, was der Seele zuträglich ist; Gott und ihr Schutzengel haben das Kind von inwendig heraus erzogen. Dies tut Gott und der Schutzengel zwar auch bei anderen Kindern in gewissem Grad, aber gewöhnlich ist den Eltern ein Hauptteil von dem zugewiesen, was für das Heil der Kinder notwendig ist. Was das Kind Elisabeth durch göttliche Eingebung selber tat, das sollten die Eltern sorgfältig bei ihren Kindern anpflanzen. Sie sollten sie mancherlei Gebete lehren und anhalten, nie zu Bett zu gehen, ohne ihre Gebetspflicht vollständig erfüllt zu haben. Sie sollen die Kinder zur Barmherzigkeit anhalten, das Almosen durch die Kinder geben und sie aufmuntern, von ihrem kleinen Besitz andern Geschenke zu machen. Dann sind auch sehr junge Kinder schon zur Selbstverleugnung bereit, wenn ihnen die Eltern zeigen, wie der Mensch freiwillig etwas unterlassen kann, wozu er Lust hat, z.B. noch mehr zu essen, etwas zu sagen; und wie man freiwillig etwas tun kann, was einem unangenehm ist, z.B. bei großer Kälte in die Kirche gehen. Wenn das Kind weiß, dass Gott ein Wohlgefallen an solchen Selbstverleugnungen hat und die eigene Seele davon stark wird, so ist es oft eifriger und tapferer darin, wie die meisten erwachsenen Menschen.

 

Bald gingen für das arme Mägdelein auch die Leiden an. Die Mutter und Schwester hatten einen Widerwillen gegen die große Frömmigkeit, den demütigen Anzug und das eingezogene Benehmen der jungen Elisabeth. Sie verspotteten sie oft und suchten den jungen Regenten zu bereden, sie nach Hause zu schicken und eine andere Prinzessin zu nehmen, die sich fürstlicher zu benehmen wisse. Die übrigen Hofleute zeigten gleichfalls bei solchen Umständen gegen das verlassene Mädchen Verachtung und Spott. Einmal ging Elisabeth mit den beiden Fürstinnen nach Eisenach in die Kirche; es war Mariä Himmelfahrt, deshalb hatten alle drei die schönsten Kleider an und goldene Kronen auf. Sie knieten auf einen Betstuhl vor einem großen Kruzifix; da nahm die junge Königstochter die Krone von ihrem Haupt und warf sich anbetend auf die Erde nieder. Die Landgräfin fing an zu schelten, ob sie eine Närrin sei, dass sie wie eine alte Nonne oder ein müder Gaul auf die Erde falle, ob ihr die Krone zu schwer sei? - Elisabeth richtete sich auf und sprach: „Liebe Frau, nehmt es nicht übel. Hier sehe ich den barmherzigen, süßen und milden Heiland mit Dornen gekrönt. Es wäre gegen ihn ein Spott, wenn ich vor ihm stehen bliebe mit einer Krone von Perlen, Gold und Edelsteinen.“ Darauf beugte sie sich wieder betend und weinend zur Erde nieder. - So keimte und blühte die unschuldige Elisabeth unter Trübsalen wie die Lilie unter Dornen und duftete den Wohlgeruch der Demut und Geduld aus.

 

Außer Gott hatte Elisabeth noch den Trost, dass sich der Landgraf nicht von der angelobten Liebe und Treue abbringen ließ; er verehelichte sich wirklich mit ihr, als er 18 Jahre alt war und Elisabeth kaum aufgehört hatte, den Jahren nach ein Kind zu sein. Ludwig aber hatte alle Eigenschaften, die ein Ehegemahl nur wünschen kann; er war nicht nur ausgezeichnet schön, freundlich und überall hochgeachtet, sondern auch einer der tugendhaftesten Fürsten aller Zeiten. Es konnte daher nicht anders kommen, als dass beide miteinander die schönste christliche Ehe führten und sich wechselseitig in der Gottseligkeit zur Vollkommenheit aneiferten. So oft der Landgraf längere Zeit in Geschäften abwesend sein musste, legte Elisabeth Witwenkleider an und führte ein strenges Büßerleben, kam er zurück, so schmückte sie sich wieder, wie es in ihrem hohen Stand üblich war. Sie tat das, um ihrem Ehegatten nicht zu missfallen, keineswegs aus Eitelkeit. Später beseitigte sie auch sonst allen prachtvollen Anzug, wo es nicht gerade die Umstände notwendig machten. Sie war zu diesem Entschluss gekommen nach einem Kirchgang, als sie des Festtages wegen sehr prächtig gekleidet in der Kirche erschienen war. Hier nahm sie sich dann bei dem Anblick eines Kruzifixes so schwer den Unterschied ihres Aufzuges und die Blöße des Heilandes zu Herzen, dass sie ohnmächtig davon wurde. Ja, die Liebe zur Armut wuchs so sehr in ihrem Herzen, dass sie manchmal bei ihren Kammerfrauen wie eine Bettlerin gekleidet sich zeigte und prophezeite: „So werde ich umhergehen, wenn ich um Gottes willen arm und elend sein werde.“

 

Während Elisabeth sehr streng gegen ihren eigenen Leib war, so dass sie manchmal nur trockenes Brot aß, mitten in der Nacht zum Gebet aufstand, ein härenes Bußhemd auf dem bloßen Leib trug, so war sie unendlich gütig gegenüber Armen und Kranken und wurde deshalb bald allgemein die Beschützerin der Armen genannt. Sie verwandte nicht nur allen Überfluss an diese, sondern beraubte sich oft ihrer eigenen Kleider, um Notleidenden zu helfen. Sie ging selbst in die ärmsten und unsaubersten Hütten, um das menschliche Elend aufzusuchen, ja, sie betrat sie gleichsam mit Andacht und brachte nicht nur Erquickung für den Leib, sondern auch für die Seele durch ihr liebevolles, gottseliges Zusprechen. Wenn ein Armer starb, ging sie nicht nur mit der Leiche, sondern wachte manchmal bei dem Leichnam. Zuhause verwandte sie ihre freie Zeit besonders dazu, um mit ihren Kammerfrauen Kleider für Arme zu verfertigen. Am meisten aber zeigte Elisabeth die Größe ihrer christlichen Liebe an den Aussätzigen. Wo die geringste Magd einen solchen Unglücklichen aus Abscheu und Entsetzen nicht berühren wollte, da verpflegte und wusch die junge Fürstin diese, als wäre sie ihre leibliche Mutter. In der Kirche zu Marburg sieht man auch ein Bild, wie ein Fürst die Decke vom Bett reißt und den Heiland am Kreuz drin liegen sieht. Es soll an ein Ereignis im Leben der heiligen Elisabeth erinnern. Sie hatte nämlich gerade wieder einen kleinen Aussätzigen, der sich in einem jämmerlichen Zustand befand, gereinigt, gesalbt und verbunden und ihn in das Ehebett gelegt. Da kam der Landgraf gerade von einer Reise zurück; sogleich führte ihn seine Mutter ins Schlafgemach und sagte: „Sieh`, deine Frau legt Aussätzige in dein eigenes Bett, ohne dass ich es hindern konnte, sie will dich selbst aussätzig machen.“ In augenblicklichem Unwillen riss der Landgraf rasch die Decke von seinem Bett. Da öffnete aber Gott plötzlich sein inneres Auge so, dass er statt des Aussätzigen den Gekreuzigten im Bett liegen sah, d.h. er erkannte plötzlich mit dem Auge des Glaubens, dass das, was einem solchen Armseligen getan wird, dem Heiland selbst getan ist. Darauf sprach er zu Elisabeth: „Liebe Schwester, solche Güte sollst du mir recht viel ins Bett legen, das ist mir ganz recht.“ Elisabeth benützte diese gute Stimmung des Landgrafen zur Bitte, ein Hospital stiften zu dürfen, in welches sie jeden Tag selbst Speise und Trank brachte. Als später eine Hungersnot im Land ausbrach, da waren die Werke der Barmherzigkeit, die Elisabeth an den Armen, Kranken, Gefangenen ausübte, so zahllos und mannigfaltig, dass eine Beschreibung davon hier zu viel Raum einnehmen würde. Oft betete sie bei der mühsamsten Verpflegung ekelhafter Notleidenden: „O Herr, ich kann dir nicht genug danken, dass du mir gestattest, diese armen Menschen, deine liebsten Freunde, aufzunehmen und sie auf diese Weise zu verpflegen.“

 

In dem Jahr, da Elisabeth geboren wurde (1207), geschah die Wiedergeburt des heiligen Franziskus von Assisi. Es gab aber nicht wohl zwei Personen, die unter den ungleichsten Lebensverhältnissen eine gleichmäßigere Gesinnung hatten in Liebe zur Armut, in Demut und Gottseligkeit, als der heilige Franziskus und die heilige Elisabeth. Sie war auch die erste Person, die in Deutschland in den dritten Orden eintrat und seine Übungen annahm.

Elisabeth bekam in ihrer glücklichen Ehe einen Knaben und drei Mädchen. So oft sie den ersten Ausgang nach der Geburt eines Kindes machte, ging sie barfuß, in einem wollenen Kleid heimlich den steinernen Weg hinab und trug ihr Neugeborenes in die Katharinenkirche von Eisenach. Dort legte sie es mit einem Wachslicht und einem Lämmlein auf den Altar und sprach ein Gebet, worin sie dem Heiland und der Mutter Gottes das Kind aufopferte und Gott um seinen heiligen Segen für das Kind anflehte, dass es gut und treu dem Herrn dienen möge.

 

Nun sollten aber auch an der gottgeliebten jungen Frau die Worte der Schrift sich erfüllen: „Wen Gott lieb hat, den züchtigt er, und er schlägt einen jeden, den er als Kind annimmt.“ Der fromme Gemahl der heiligen Elisabeth hatte sich um der Liebe Christi willen auch entschlossen, den Kreuzzug mitzumachen, um das heilige Grab den Händen der Ungläubigen zu entreißen. Elisabeth erschrak zuerst, so dass sie zu Boden sank, dann aber opferte sie sich und ihren Gemahl Gott auf. Mit unendlichem Schmerz trennten sich beide; ihre kleinen Kinder riefen ihm beim Abschied die Worte zu: „Gute Nacht, lieber Vater; viel tausend gute Nacht, herzgoldiger Vater!“ Ja, wohl habt ihr armen Kinder richtig gesprochen: gute Nacht; denn der Vater starb schon auf der Reise, da er noch nicht weiter als nach Italien gekommen war. Die verwitwete Elisabeth war erst mit ihrem letzten Kind niedergekommen, als ihr die Todesnachricht gebracht wurde. In einem alten Lied aus jener Zeit heißt es von ihr:

 

„Da wurde sy und darnach rodt,

Die Arm fylen ir in den Schos,

Dy Hende sie ineinander schloß,

Ach Herre Got, ach Herre Got, sy sprach,

Nu ist mir alle dy Welt todt.“

 

Bald nach dieser Todesanzeige wurde gegen die liebreichste Fürstin der Welt eine unmenschliche Grausamkeit verübt. Die beiden Schwager wollten die Herrschaft über das Land an sich reißen und entschlossen sich deshalb, die Witwe ihres Bruders samt den Kindern aus dem Land zu vertreiben. Mit Schimpfreden wurde sie aus der Wartburg ausgetrieben; man erlaubte ihr nicht einmal das Geringste mit sich zu nehmen, außer den Kindern und zwei treuen Dienerinnen. Mitten im harten Winter musste die junge fürstliche Witwe zu Fuß den rauen Weg zur Stadt Eisenach hinabsteigen. Hier hatte sie unermessliche Wohltaten jahrelang gespendet, aber von allen Türen, wo die bisherige Landesfürstin einkehren wollte, wurde sie abgewiesen, wie man nicht die elendste Bettlerin abweist; denn ihr schändlicher Schwager, Landgraf Heinrich, hatte streng verboten, sie aufzunehmen. - Dreihundert Jahre später widerfuhr der Person des Heilandes auf der Wartburg und in Eisenach das gleiche, was seiner treuen Magd Elisabeth daselbst geschehen war; er wurde ausgetrieben im heiligen Altarsakrament und fand dort bei niemand mehr Einkehr. In der Wartburg nämlich saß Luther, und Eisenach wurde ein Hauptsitz des Protestantismus.

 

Da stand die arme Königstochter mit vier Kindern in der Winterkälte weinend auf der Straße, und kein Mensch erbarmte sich ihrer. Sie versuchte es noch bei einem elenden Wirtshaus, weil jedermann da Zulass hat; der Wirt, wahrscheinlich um nicht in Ungnade zu fallen, wies ihr einen schlechten Stall zum Übernachten an, worin altes Gerümpel und Schweine waren. Da die Fürstin hier im tiefstem Schmerz und Erniedrigung saß, berührte der Finger Gottes ihre Seele; es kam auf einmal eine himmlische Ruhe und Freude über sie. Indem sie bis Mitternacht voll übernatürlichen Trostes dasaß, hörte sie läuten, es kam von dem Franziskanerkloster, welches sie in den früheren Jahren gegründet hatte. Alsbald ging sie dort in die Kirche und bat nach vollendetem Gottesdienst die Mönche, sie möchten das Tedeum singen für die Trübsale, womit Gott sie begnadet habe. Mit lauter Stimme dankte sie dem Herrn, dass sie nun arm und entblößt sei, wie er selbst in der Krippe zu Bethlehem gewesen war.

 

Bald fing aber neuer Jammer an, als sie die armen Kinder anschaute, die über Frieren und Hunger klagten, und sie wusste nach einigen Tagen keinen anderen Rat mehr, als dass sie tat, was einem Mutterherzen unendlich weh tut. Um die ganz kleinen Kinder nicht zugrunde gehen zu lassen, gab sie sie in einige entfernte Orte, wo mitleidige Personen sich anboten, sie zu ernähren. Sie selber suchte sich mit Spinnen ihren Unterhalt zu verdienen, und selbst von diesem armseligen Verdienst gab sie noch Almosen, so sehr war es ihr Bedürfnis, wohlzutun. Je ärmer aber Elisabeth äußerlich geworden war, desto reicher wurde sie innerlich. Sie hatte häufig göttliche Tröstungen und himmlische Erscheinungen.

 

Endlich erfuhr der Bischof von Bamberg, der Bruder ihrer verstorbenen Mutter, diese Bedrängnis, nahm Elisabeth samt ihren Kindern zu sich und gab ihr das Schloss Bodenstein zur Wohnung nebst gehörigem Lebensunterhalt. Während dieser Zeit geschah es, dass die Kreuzritter aus dem Morgenland zurückkehrten. Als die Thüringer in Italien landeten, gruben sie den Leichnam ihres Herrn aus, um ihn in die Heimat zu bringen. Seine Gebeine waren schneeweiß und wurden in einem Sarg auf einem Pferd fortgeführt. Als sie in Bamberg angekommen waren und vor Elisabeth der Sarg geöffnet wurde, warf sie sich mit glühendem Schmerz und Liebe über die Gebeine und küsste sie mit tausend Tränen. Endlich aber fasste sie sich im Aufblick zu Gott und sprach die schönen Worte heiliger Ergebung: „Du weißt, mein Gott, wie sehr ich meinen Mann geliebt, und dass ich seine teure Gegenwart tausendmal allen Freuden der Welt vorgezogen hätte. Aber gegen deinen Willen möchte ich ihn auch nicht um den Preis eines Haares wieder ins Leben zurückrufen; ich empfehle ihn und mich deiner Gnade, dein Wille geschehe an uns.“

 

Als die Kreuzritter von Thüringen nach Eisenach und der Wartburg gekommen waren, machten sie dem Landgrafen Heinrich bittere Vorwürfe über sein niederträchtiges Benehmen gegen die Witwe seines Bruders. Der Fürst entschuldigte sich, schlechte Ratgeber hätten ihn aufgehetzt, und er sei bereit, alles wieder gut zu machen. Als er nun von den Rittern zu Elisabeth geführt wurde, bat er sie um Gottes willen, ihm alles zu verzeihen. Elisabeth konnte kein Wort reden, sondern fing an bitterlich zu weinen, so dass auch der Landgraf und die tapferen Ritter in Tränen ausbrachen. Es wurde dann alles friedsam geordnet und Elisabeth wieder als Herrin in die Wartburg eingeführt.

 

Doch sagte es ihrem Gemüt auf die Dauer nicht zu, an einem fürstlichen Hof in Ansehen und Übermaß zu leben. Die Armut und Niedrigkeit, in die sie gewaltsam gestoßen worden, war ihr lieb, sie fühlte sich dort dem Heiland näher. Darum wollte sie freiwillig jetzt dorthin zurückkehren. Elisabeth zog in die Stadt Marburg und ließ sich daselbst ein ganz geringes Häuschen neben dem Franziskanerkloster herrichten, um als wahre Franziskanerin zu leben. Sie ließ sich förmlich dazu einkleiden; es wurde ihr das Haar abgeschnitten, ein graues Kleid mit einem Strick umgürtet war ihr Anzug und von nun an ging sie stets barfuß; die Einkünfte, die sie auf Befehl des Beichtvaters behalten musste, verwandte sie zu Wohltaten und was sie selbst brauchte, verdiente sie sich durch Wollespinnen. Gewöhnlich aß sie nur Gemüse, das sie sich selbst und zwar ohne Salz kochte. Bei dieser armseligen Lebensart zeigte sie aber stets große Heiterkeit und Sanftmut. In dem Krankenhaus, welches sie zu Marburg erbauen ließ, übte sie die schwersten und niedrigsten Dienste; besonders suchte sie die ekelhaftesten Kranken auf, zu denen niemand wollte, verpflegte sie auf das Freundlichste und küsste selbst ihre Wunden und Geschwüre. Außerdem ging sie in die ärmsten Häuser, um Arme und Kranke aufzusuchen und zu verpflegen. In ihrer eigenen Wohnung verpflegte sie einen lahmen, blinden Knaben, der fortwährend Blutfluss hatte und wachte ganze Nächte bei ihm. Nach dessen Tod nahm sie ein aussätziges Mädchen zu sich, das so abscheulich aussah, dass man es kaum ansehen konnte. Diesem machte Elisabeth ein Bett neben dem ihrigen und erwies ihm die mütterlichste Zärtlichkeit.

 

Endlich nach langer Zeit kam durch Pilger die Kunde von dem armseligen Zustand seiner Tochter an den König von Ungarn. Höchst bestürzt sandte er alsbald einen Grafen mit zahlreichem Gefolge ab. Zuerst kam die Gesandtschaft zur Wartburg zum Landgrafen Heinrich. Dieser erklärte, dass Elisabeth eine Närrin sei, die freiwillig nur mit Bettlern und Aussätzigen lebe. Als der Graf nun seines Königs Tochter in einer elenden Kammer mit zerflicktem Rock Wolle spinnen sah, entsetzte er sich so sehr, dass er zuerst kein Wort hervorbrachte und nur das Kreuz machte. Alles Zureden aber, Elisabeth solle nach Ungarn zu ihrem Vater zurückkehren, war vergeblich. Die Antwort der Heiligen lässt sich in die Worte des Breviers zusammenfassen: „Das Reich der Welt und alle Herrlichkeit dieser Zeit habe ich verachtet wegen der Liebe meines Herrn Jesus Christus, den ich geschaut, den ich geliebt, an den ich geglaubt, den ich auserwählt habe.“

 

Elisabeth hatte ihrem Beichtvater vollkommenen Gehorsam gelobt und wurde darin auf harte Proben gestellt. Da der strenge und sonderbare Beichtvater bemerkte, dass ihre größte Leidenschaft war, den Armen möglichst viel zu geben, befahl er ihr, nie mehr als einen Pfennig zu geben. Elisabeth wollte den Gehorsam und ihren Wohltätigkeitstrieb vereinigen und sagte den Armen, sie sollten mehrmals am Tag kommen. Als der Beichtvater diese fromme List erfuhr, gab er der Fürstin Ohrfeigen. Sie duldete das gern, weil auch der Herr geschlagen wurde. Zuletzt verbot er ihr jede Gattung von Almosen. Weil aber die heilige Elisabeth nicht leben konnte ohne Werke der Barmherzigkeit, so diente sie desto eifriger den Kranken und leistete ihnen mit größter Liebe alle Dienste, vor denen sonst die niedrigste Magd Widerwillen oder Ekel hat. - Später entfernte der Beichtvater ihre zwei treuen Freundinnen, Ysentrud und Guda, die in allem Elend bei Elisabeth ausgeharrt hatten. Diese Trennung war über alle Maßen schmerzlich. Elisabeth meinte, es zerreiße ihr das Herz – dennoch gehorchte sie ohne Murren. Der Beichtvater gab ihr dafür zwei andere Personen ins Haus, die eine roh, grob und überaus hässlich, die andere taub, wunderlich und tückisch. Er wollte die heilige Elisabeth dadurch in Geduld und Demut üben, und wirklich unterwarf sich Elisabeth diesen gemeinen Weibern, als wäre sie ihre Magd.

 

Die mannigfachen Wunder, die Gott schon zu Lebzeiten seiner geliebten Dienerin auf deren Gebet wirkte, dann die Erscheinungen, womit sie begnadigt wurde, muss ich hier übergehen und dafür nur noch ihr glückseliges Ende erzählen. Als sie 24 Jahre alt war, kündigte ihr der Heiland in schöner, freundlicher Weise an, dass sie jetzt zu ihm kommen solle. Einige Tage darauf wurde sie krank. Während die kranke Elisabeth einst das Gesicht gegen die Wand gekehrt hatte, hörte die eine Dienerin einen ungemein süßen, lieblichen Gesang. Die Dienerin fragte nachher, was dies gewesen sei. Elisabeth sagte: „Es ist zwischen mir und der Wand ein schöner Vogel gesessen und hat mir so süß vorgesungen, dass ich vor Freude mitsingen musste. Der schöne Vogel hat mir auch geoffenbart, dass ich nun am dritten Tag sterben soll.“ - So geschah es dann auch, und man kann nirgends ein lieblicheres Sterben lesen, als der umständliche Bericht über deren Tod erzählt. Es war ein Sterben in lauter Freude und Frohlocken. Im Augenblick, da sie starb, verbreitete sich wunderbarer Wohlgeruch in der Hütte und man hörte ein wunderbares Singen in der Luft.

 

Was ich von dem schönen Leben und Sterben der heiligen Elisabeth erzählt habe, ist für uns arme Sünder größtenteils so hoch, wie wenn man hoch in der Luft über alle Berge hinaus einen Adler schweben sieht. So gut und lieb alles ist, was sie getan hat, so schwer und unerschwinglich will es uns vorkommen. Doch geht dies eben auch nicht, dass wir nur mutlos und tatlos die hohe Tugend der heiligen Elisabeth anstaunen. Etwas ist in ihrem Leben erzählt, das kann jeder von uns nachahmen, er mag sonst noch so weit abstehen von dieser gleichsam wie ein Blümchen aus dem Lebensgarten der lieben Elisabeth. Als nämlich Elisabeth ins tiefste Elend verstoßen um Mitternacht in der Franziskanerkirche war, begehrte sie, dass das Tedeum zum Lob Gottes gesungen werde. Mache es in Zukunft auch so. Wenn dir ein schweres Leid widerfahren ist oder ein Kreuz dich besonders schwer drückt, da nimm dich zusammen und zwinge deine trübselige Seele zum Lob Gottes, bete das Tedeum, weil das Lob Gottes im Leiden unendlich kostbar ist. Ich will deshalb das Tedeum der katholischen Kirche wörtlich hersetzen. Schlage im Kreuz dann nur allemal das Leben der heiligen Elisabeth auf und bete also:

 

Dich, Gott, loben wir,

dich, Herr, preisen wir.

Dir, dem ewigen Vater,

huldigt das Erdenrund.

Dir rufen die Engel alle,

dir Himmel und Mächte insgesamt,

die Kerubim dir und die Serafim,

mit niemals endender Stimme zu:

Heilig, heilig, heilig

der Herr, der Gott der Scharen!

Voll sind Himmel und Erde

von deiner hohen Herrlichkeit.

Dich preist der glorreiche Chor der Apostel;

dich der Propheten lobwürdige Zahl;

dich der Märtyrer leuchtendes Heer;

dich preist über das Erdenrund

die heilige Kirche;

dich, den Vater unermessbarer Majestät;

deinen wahren und einzigen Sohn;

und den Heiligen Fürsprecher Geist.

Du König der Herrlichkeit, Christus.

Du bist des Vaters allewiger Sohn.

Du hast der Jungfrau Schoß nicht verschmäht,

bist Mensch geworden,

den Menschen zu befreien.

Du hast bezwungen des Todes Stachel

und denen, die glauben,

die Reiche der Himmel aufgetan.

Du sitzest zur Rechten Gottes

in deines Vaters Herrlichkeit.

Als Richter, so glauben wir,

kehrst du einst wieder.

Dich bitten wir denn,

komm deinen Dienern zu Hilfe,

die du erlöst mit kostbarem Blut.

In der ewigen Herrlichkeit

zähle uns deinen Heiligen zu.

Rette dein Volk, o Herr,

und segne dein Erbe;

und führe sie

und erhebe sie bis in Ewigkeit.

An jedem Tag benedeien wir dich

und loben in Ewigkeit deinen Namen,

ja, in der ewigen Ewigkeit.

In Gnaden wollest du, Herr,

an diesem Tag uns ohne Schuld bewahren.

Erbarme dich unser, o Herr,

erbarme dich unser.

Lass über uns dein Erbarmen geschehn,

wie wir gehofft auf dich.

Auf dich, o Herr,

habe ich meine Hoffnung gesetzt.

In Ewigkeit werde ich nicht zuschanden.

 

Gott loben im Glück ist Silber, ihn loben in der Trübsal ist pures Gold.

 

Gebet am 19. November zur heiligen Elisabeth

 

Heilige Elisabeth, Mutter der Armen, bitte bei Gott für die Reichen um ein reiches Herz, reich an Erbarmen, und für die Armen um Geduld und Ergebung in den göttlichen Willen, uns allen aber erbitte die Gnade der Liebe und Treue auf Erden und der ewigen Seligkeit im Himmel. Amen. 

 

Zu Gott auf die Fürbitte der heiligen Elisabeth

 

Erleuchte uns, o Gott, und mache, dass wir auf die Fürbitte der heiligen Elisabeth die irdischen Freuden verachten, und uns allezeit des himmlischen Trostes erfreuen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Die heilige Elisabeth hatte schon von Kindheit an die seligste Jungfrau ihre Mutter genannt, der sie später mit zartester Andacht ergeben war. Und sie redete von ihr mit Liebes-Anmutungen und mit einer Art von Verzückungen. Man zeigt noch heutzutage in Hall und Villvord das Mutter-Gottes-Bildnis, das sie besonders verehrt hatte.

 

Andacht am 19. November:

 

Das Thema im November:

Liebe

"Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." (Matthäus 22,37-39)

 

"Kranke besuchen und ihnen helfen ist ein Werk, das dem Herrn höchst angenehm ist, da er dies Werk der Barmherzigkeit auf alle Weise empfiehlt. Wollen wir es aber mit größerem Eifer und Verdienst tun, so müssen wir den Herrn selbst in den Kranken betrachten, da Christus bezeugt, er wird, was man ihnen tut, so ansehen, als hat man es Ihm getan." (Der heilige Vinzenz von Paul)

Unbeschreiblich war die Liebe, die die heilige Magdalena von Pazzi allen schwächlichen und Kranken Schwestern ihres Klosters erwies. In allem, was nur einigermaßen von ihr abhing, diente sie ihnen einzig Gott zu Liebe und betrachtete sie bald als Tempel des Heiligen Geistes, bald als Schwester der Engel, bald als Christus selbst, dem sie in ihnen diente.

Der heilige König Ludwig bediente die Armen auf den Knien und mit entblößtem Haupt. Er betrachtete sie als Glieder Christi, die mit ihrem göttlichen Haupt vereint und gleich Ihm an das Kreuz geheftet wären.

Es gereichte dem heiligen Johannes Berchmans zu unaussprechlicher Freude, wenn er bei Kranken sein durfte. Er hatte eine eigene Gabe, sie dahin zu führen, dass sie ihren Zustand liebten. Gern las er ihnen einiges aus einem Andachtsbuch vor, und sagte ihnen immer etwas, ihre Andacht zur allerseligsten Jungfrau, zur Trösterin der Betrübten, anzuregen. 

 

Flöße mir, Herr, Worte ein, die Armen und Betrübten zu trösten und sie dahin zu bewegen, dass sie ihren Stand hochachten, lieben und heiligen! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 19. November

 

"Alles was Gott uns gibt und alles was er zulässt in diesem Leben,

hat keinen anderen Zweck, als uns in ihm zu heiligen."

 

hl. Katharina von Siena OP

1347 bis 29.4.1380

 

Betrachtung am 19. November - Schlechte und gute Bücher

 

Was suchst du, Seele, eitlen Tand und Lügen,

Die heuchlerisch der Wahrheit Larve tragen?

Wenn sie geschminkt dich um dein Heil betrügen,

Wirst, ach, zu spät den Irrtum du beklagen.

Der Quell der Wahrheit ward dir aufgetan,

Warum denn liebst du den falschen Wahn?

 

1. Wer das Gift liebt, hat Lust vergiftet zu werden. Und wer gerne schlechte Bücher liest, hat Lust schlecht zu werden. Wie viele, die vom Vorwitz sich verleiten ließen, Bücher zu lesen, die die Religion und die guten Sitten untergraben, wurden an dieser Angel des bösen Geistes gefangen, und verloren Glauben und Sitten. Aber selbst Bücher, die weniger gefährlich scheinen, sogenannte Romane, Novellen, Schauspiele und ähnliche, verderben das jugendliche Gemüt, geben schiefe Ansichten vom Leben und erwecken die schlummernden Leidenschaften. Sei es auch, dass du anfangs ihre Wirkungen nicht empfindest, so streuen sie doch bösen Samen in das Herz, und unfehlbar wird er aufgehen und Früchte des Verderbens bringen zu seiner Zeit.

 

2. Wer das Heil seiner Seele so wenig liebt, dass er es um solcher Hirngespinste willen auf das Spiel setzt, der verdient es zu verlieren. Nichts Gutes lernst du aus solchen Büchern, sie sind gleich jenen unreifen Trauben, von denen der Prophet spricht, die die Zähne abstumpfen. Sie verleiden den Geschmack an Büchern, die zur Gottesfurcht und Frömmigkeit anleiten, und du setzt dich umso schwereren Versuchungen aus, wenn sinnliche Laster unter dem Schleier der Ehrbarkeit darin erscheinen, die Leidenschaft gerechtfertigt wird, und der Pfeil das Herz umso sicherer trifft, wenn er im Verborgenen abgeschossen wird.

 

3. Sogar heilige Bücher sollst du nicht ohne Unterschied lesen. Nicht wenige wurden durch das Lesen, selbst der Heiligen Schrift, irrgläubig und ungläubig. Schriften, die zur höchsten Vollkommenheit anleiten, sind nicht für Anfänger geschrieben. Darum wähle auch hierin mit Sorgfalt, und befolge den Rat desjenigen, der deine Seele leitet, und weiß was dir gut tut. Lies und beherzige die großen Wahrheiten des Heils, die deine Seele nähren und erheben, und blicke in das Leben der Heiligen Gottes wie in einen Spiegel, dein Leben nach Gottes Wohlgefallen zu ordnen. Eine solche Lesung wird dich erfreuen, trösten, kräftigen und mit Gottes Gnade zum Heil führen. 1. Makkabäer 12,9b: "Denn unser Trost sind die heiligen Bücher, die wir besitzen."

 

20. November

 

Die heilige Jungfrau Mechtildis, Äbtissin in Helfta,

+ 19.11.1299 - Fest: 20. November

 

Die heilige Mechtildis war gebürtig aus Eisleben in Obersachsen und stammte mit ihrer heiligen Schwester Gertrudis aus dem Haus der Grafen von Hackeborn, die nahe verwandt waren mit Kaiser Friedrich II. Mechtildis wurde bei den Benediktinerinnen von Rodalsdorf in der Diözese Halberstadt erzogen. Von Jugend an bewies sie eine große Sittenreinheit und Abneigung gegen alle Welteitelkeiten. Ihr Gehorsam entzückte ihre Vorsteherinnen; sie verrichtete jederzeit mit derselben Freude und Pünktlichkeit alles, was ihr aufgetragen wurde. Ihre Liebe zur Abtötung erstaunte alle, die sie kannten. Nie schmeichelte sie ihrem Körper und obwohl sie von schwächlicher Leibesbeschaffenheit war, enthielt sie sich dennoch des Weines und des Fleisches. Ihre Demut vermied alles, was Aufsehen erregen konnte; sie verbarg mit gleicher Sorgfalt ihre Tugenden, wie andere ihre Laster den Augen der Menschen zu entziehen streben.

 

Niemals wollte sie ihre Einsamkeit verlassen und als sie das Alter erreicht hatte, wo sie sich Gott durch Gelübde weihen konnte, legte sie diese im Kloster Rodalsdorf ab. Einige Zeit danach schickte man sie nach Dießen in Bayern, wo sie Vorsteherin des dortigen Klosters wurde. Bald führte sie da die Übung der erhabensten Tugenden ein. Völlig überzeugt, dass man ohne gewissenhafte Beobachtung aller Ordensregeln umsonst die klösterliche Vollkommenheit zu erreichen streben würde, ermahnte sie ihre Schwestern, denselben sich unbedingt zu fügen und lieber der zu jeder Verrichtung bestimmten Zeit zuvorzukommen, als sich aus Nachlässigkeit die geringste Verspätung zu erlauben.

 

In dem Kloster Edelstetten in Schwaben war damals große Lauigkeit eingerissen. Der Bischof des Sprengels befahl deshalb der heiligen Mechtildis, dahin zu gehen und sich dem guten Werk der Verbesserung zu unterziehen. Sie aber gab verschiedene Gründe vor, um diesen Auftrag wieder los zu werden, und nahm sogar zu Bitten und Tränen ihre Zuflucht. Es war aber alles umsonst. Sie musste gehorchen. Kaum war sie in der neuen Klostergemeinde angekommen, so führte sie dort in kurzer Zeit wieder die vollkommenste Ordnung ein. Niemand konnte der vereinten Kraft ihrer Sanftmut und ihres Beispiels widerstehen. Sie war streng gegen sich und voll der Güte gegen andere. Sie wusste ihren Untergebenen durch Beobachtung der Regeln Liebe für dieselben einzuflößen, und schlug jenen Mittelweg ein, der darin besteht, dass man die menschliche Schwachheit schont, ohne die Bande der Pflicht zu lockern. Ihre Ermahnungen begleitete immer jener Geist der Liebe, der die Tugend angenehm macht. Sie verpflichtete ihre Schwestern zur strengsten Klausur und hielt sie von aller Gemeinschaft mit Weltleuten abgesondert; dadurch bewahrte sie die Nonnen vor dem Geist der Zerstreuung, deren gewöhnliche Folgen sind, dass die Liebe erkaltet und der Eifer erlischt.

 

Mechtildis hatte kein anderes Bett, als ein wenig Stroh. Ihre Nahrung war sehr einfach und sie aß nur, was zur Erhaltung des Körpers unumgänglich notwendig war. Sie teilte ihre ganze Zeit zwischen Gebet, Lesen und Handarbeit ein und beobachtete das strengste Stillschweigen. Der Geist der Zerknirschung, von dem sie beseelt war, erpresste ihren Augen einen nie versiegenden Tränenstrom. Zu keiner Zeit sagte sie sich von der Regel los, nicht einmal am Hof des Kaisers, wohin sie sich in Angelegenheiten ihres Klosters hatte begeben müssen. Wenn sie einer Krankheit wegen das Bett hüten musste, war ihr größter Schmerz, dass sie nicht mit den anderen Schwestern dem Gebet und Nachtgottesdienst beiwohnen konnte. Sie starb zu Dießen am 19. November 1299, andere Quellen sagen am 29. März, nicht lange nach dem Jahr 1300 und noch vor ihrer Schwester, der heiligen Gertrudis. Ihr Name wurde niemals in das römische Martyrologium aufgenommen; man findet ihn aber in den Kalendern, jedoch an sehr verschiedenen Tagen.

 

Aus anderer Quelle:

Die heilige Mechthilde von Hackeborn, Nonne in Helfta,

+ 19.11.1299 - Fest: 20. November

 

Die siebenjährige Gräfin Mechthilde von Hackeborn war vor Freude außer Rand und Band. Sie lief durch das ganze Schloss, zunächst zu den alten Großeltern, dann zu den Dienstmädchen in die Küche und dann zu den Knechten im Stall und erzählte allen mit strahlenden Augen, dass Vater und Mutter zu einem Besuch ihrer Schwester Gertrud ins Kloster Rodersdorf fahren wollten, und sie dürfe mitreisen. Selten ist ein Kind so froh gewesen wie damals Mechthilde von Hackeborn.

 

Am anderen Morgen kämmte die Frau Gräfin ihrer Tochter das blonde Haar, zog ihr das beste Kleid an und ermahnte sie, wie es viele Mütter tun, sich nur nicht schmutzig zu machen; denn auf dem weißen Stoff sähe man gleich den kleinsten Fleck. Natürlich versprach Mechthilde, wie es Kinder tun, hoch und heilig, achtzugeben und vorsichtig zu sein. Dann setzten sich Vater und Mutter mit der Tochter in den Wagen, der Kutscher knallte mit der Peitsche und schnalzte mit der Zunge. Die Pferde zogen an, und eines kleinen Mädchens Traum ging selig in Erfüllung. Lange noch winkte Mechthilde mit dem Taschentuch zurück und niemand ahnte, und sie selbst auch nicht, dass dieser Abschied ein Abschied für immer war.

 

Einige Stunden später gelangten sie nach schneller Fahrt in Rodersdorf an. Da sah Mechthilde ihre Schwester Gertrud wieder. Wie ganz anders sah sie aus als damals, als sie das elterliche Schloss verließ! Das lange weite Ordenskleid stand ihr vornehm und feierlich, und weil sie bereits Äbtissin war, führte sie einen hohen goldenen Hirtenstab. Mechthilde konnte nur staunen, und ehrfürchtig wie im Gebet strich sie scheu über das Kleid der Äbtissin hin.

 

Mittlerweile waren die Eltern mit Gertrud ins Gespräch gekommen und unterhielten sich über hundert Dinge, für die Mechthilde nicht das geringste Interesse hatte. Deshalb huschte sie in einem günstigen Augenblick heimlich aus dem Zimmer und wanderte durch die Gänge und Säle des Klosters. Und wenn Mechthilde einer der ernsten würdigen Ordensfrauen begegnete, machte sie ehrfurchtsvoll einen Knicks und sagte: „Gelobt sei Jesus Christus!“, und über die Höflichkeit der kleinen Besucherin erfreut, antwortete jede Schwester lächelnd mit den Worten: „In Ewigkeit. Amen.“

 

Schließlich kam Mechthilde in die Klosterkirche, kniete hin, betete erst ein Weilchen und ging dann umher und schaute sich die Altäre und Bilder an, und alles gefiel ihr sehr gut. Da erklang auf einmal zart und feierlich Orgelspiel durch den hohen heiligen Raum. Im langen Zug schritten die weißen Nonnen einher, allen voran mit dem goldenen Hirtenstab Mechthildes Schwester Gertrud. Die Äbtissin setzte sich auf den Thron, und nachdem die Nonnen zunächst schön und würdevoll vor dem Allerheiligsten das Knie gebeugt hatten, schritten sie an ihre Plätze. Sie sangen das Gotteslob, festlich und feierlich, einmal einzeln und dann wieder alle zusammen, und die Orgel spielte dazu schöner, als die Nachtigallen schlagen. Mechthilde, die alles sah und hörte, glaubte, im Himmel zu sein, und beschloss bei sich, nicht mehr heimzukehren, sondern für immer im Kloster zu bleiben.

 

Als Vater und Mutter gegen Abend aufbrechen wollten, war Mechthilde verschwunden. Jedes Rufen war umsonst. Alle Schwestern suchten nach ihr, ohne sie zu finden, bis endlich eine der Nonnen auf den Gedanken kam, auf der Orgelbühne nachzuschauen. Und richtig, da hatte sich die Gesuchte versteckt. Durch nichts aber, weder durch Versprechungen noch durch Drohungen, war Mechthilde zu bewegen, mit heimzufahren. Vater und Mutter schimpften mit ihr, bis Gertrud den Streit entschied und sagte, die Eltern sollten die Kleine einige Tage im Kloster lassen, sie werde schon wieder vernünftig, wenn sie am eigenen Leib erfahre, dass das Ordensleben nicht bloß in Gesang und Orgelspiel, sondern auch in Nachtwachen und Fasten und harter Arbeit besteht.

 

Gesagt, getan. Die Eltern fuhren heim. Mechthilde blieb und musste vom ersten Tag an alle Strengheiten des Ordenslebens mitmachen, aber sie hielt tapfer aus, legte später, als sie alt genug dazu war, die heiligen Gelübde ab und wurde eine solch eifrige und tugendhafte Ordensfrau, dass sie in wundervollen Visionen schon auf der Erde Jesus Christus öfters sehen durfte.

 

Dass die heilige Mechthilde, die im Jahr 1299 starb, so hoch begnadet wurde, dürfte wohl der Tatsache zuzuschreiben sein, dass sie sich ganz Gott weihte und lebenslang an dieser Weihe festhielt.

 

Der heilige Eadmundus, König und Märtyrer von England,

+ 20.11.870 – Fest: 20. November

 

Der heilige Eadmundus, König der Ostangeln in England und Märtyrer, wurde am Weihnachtsfest 855, damals noch sehr jung, auf den Thron seiner Väter erhoben und im Schloss Bures gekrönt. Seine sittlichen und religiösen Eigenschaften machten ihn zum Muster eines guten Fürsten. Er hasste die Schmeichler und Ohrenbläser und fürchtete das Getriebe der menschlichen Leidenschaften. Fern von Stolz und Hoffart ging sein ganzer Ehrgeiz dahin, den Frieden zu erhalten und das Glück seiner Untertanen zu sichern. Daher sein Eifer für die gewissenhafte Pflege der Gerechtigkeit und Beförderung der guten Sitte. Er war der Vater seiner Untertanen, besonders der Armen, der Beschirmer der Witwen und Waisen, die Stütze aller Schwachen. Den Glanz dieser Tugenden erhöhte noch seine Frömmigkeit. Fünfzehn Jahre hatte er glücklich regiert, als die Dänen ins Land einfielen, die im Übermaß ihrer Wut und Grausamkeit und noch mehr aus Hass gegen den christlichen Namen aller Orten die Kirchen und Klöster zerstörten und die Priester, Ordensmänner und Nonnen ermordeten. Edmund erlag der Übermacht der Barbaren und geriet in ihre Gefangenschaft. Mit schweren Ketten beladen führte man ihn vor das Zelt des Heerführers Hinguar, der ihm zumutete, dem Glauben zu entsagen. Er aber antwortete, dass die Religion ihm teurer als das Leben sei, weshalb er nie einwilligen werde, den Gott zu beleidigen, den er anbete. Auf dieses banden ihn die ergrimmten Heiden an einen Baum und schossen mit Pfeilen nach ihm, wodurch sein ganzer Leib mit Wunden bedeckt wurde. Endlich ließ ihm Hinguar das Haupt vom Rumpf trennen. Also endete der Diener Gottes am 20. November 870. Seine Heiligkeit wurde durch verschiedene Wunder bezeugt, und an dem Ort, wo er das Martyrium erlitten hat, gründete man in der Folge ein Priorat, das seinen Namen trug.

 

Der heilige Bernward, Bischof von Hildesheim,

+ 20.11.1022 – Fest: 20. November

 

Der heilige Bernward bildet mit seinem Nachfolger, dem heiligen Godehard, ein Doppelgestirn, das bis in die spätesten Zeiten dem Bischofsstuhl zu Hildesheim zur höchsten Zierde gereichen wird. Die Zeit seiner Geburt fällt in die Mitte des zehnten Jahrhunderts, wo die mächtigen Ottonen aus dem edlen Volk der Sachsen die Kaiserkrone trugen und ihre ritterlichen Züge nach Italien unternahmen und eine enge Verbindung mit der Hauptstadt der Christenheit und dem Land tausendjähriger Bildung unterhielten.

 

Bernwards Großvater mütterlicherseits war der Pfalzgraf Athelbero von Sachsen, sein Oheim Volkmar, Bischof von Utrecht, sein Vater (Graf Dietrich?) wird, vielleicht seines frühen Todes wegen, nicht genannt, seine Geschwister waren Graf Tammo, Thietburg und Judith, später Äbtissin von Ringelheim. Seine ersten Kinderjahre verlebte Bernward auf dem Schloss Sommerschenburg im Herzen des Sachsenlandes, wo er um das Jahr 952 das Licht der Welt erblickte. Da seine Mutter früh Witwe geworden war, so schickte ihn sein Oheim Volkmar an den Bischof Osdag von Hildesheim, der den Jungen der Leitung des Priesters Thangmar, des Vorstehers der blühenden Domschule, übergab. Unter diesem ausgezeichneten Lehrer entfalteten sich Kunst und Wissenschaft so herrlich, dass die Söhne der ersten Familien des Landes, z.B. der spätere Kaiser Heinrich II., der große Bischof Meinwerk von Paderborn, dort erzogen wurden. Dieser Thangmar begleitete von nun an als Lehrer, Freund und Ratgeber Bernward auf allen seinen Wegen, schloss ihm die Augen und schrieb auch die Geschichte seines ehemaligen Schülers und Bischofs.

 

Wie Thangmar seinen talentvollen Schüler unterrichtete, drückt er in den Worten aus: „Ich nahm ihn auch zuweilen mit mir, wenn ich in Geschäften des Herrn Bischofs das Domkloster verließ. Häufig brachten wir den ganzen Tag, während wir ritten, mit wissenschaftlichen Übungen zu, indem wir bald eine nicht weniger umfangreiche Lektion lasen, als wenn wir in der Schule dazu Muße hätten, bald dichtend uns unterwegs am Versmaß vergnügten, dann wieder unsere Übung in die Palästra der Prosa versetzten, zuweilen einfach den Inhalt des Gelesenen erörterten und häufig mit künstlichen Vernunftschlüssen uns abmühten. – Fast keine Stunde, nicht einmal die der Erholung, konnte ihn der Untätigkeit beschuldigen, und obgleich sein Geist von lebhaftem Feuer für jede höhere Wissenschaft entzündet war, verwandte er nichtsdestoweniger doch auch viel Fleiß auf die leichteren Künste, die wir die mechanischen nennen. Im Schreiben tat er sich besonders hervor, die Malerei übte er mit Feinheit; er war ausgezeichnet in der Kunst, Metalle zu bearbeiten, edle Steine zu fassen und in jeglicher Herrichtung, wie es auch später durch viele prächtige Gebäude, die er erbaute, zu Tage trat.“

 

Die Kunst und Wissenschaft stand damals noch im Dienst und im Gottesfrieden der Kirche und hatte keine andere Bestimmung, als Verherrlichung des christlichen Gottesdienstes. Deshalb lag Bernward alles daran, Kunst und Wissenschaft mit Liebe und Beharrlichkeit zu pflegen. Außerdem entwickelte der aufstrebende junge Mann eine außerordentliche Tüchtigkeit und Gewandtheit in allen Staatsgeschäften, so dass sein Großvater, der Pfalzgraf Athelbero, ihn bis zu seinem Lebensende nicht mehr von sich ließ und ihn als seine rechte Hand gebrauchte.

 

Nach Beendigung seiner wissenschaftlichen Studien ging Bernward nach Mainz, wo er im Haus des Erzkanzlers des Deutschen Reiches freundschaftliche Aufnahme fand. Willigis erteilte ihm die höheren Weihen, nachdem er sich „durch die Strenge seiner Sitten und die Rechtschaffenheit seines Lebens von seinen Fortschritten im geistlichen Leben überzeugt hatte.“ In Mainz hatte der Dombau im Jahr 978 begonnen und bot Bernward erwünschte Gelegenheit seine Kenntnisse in der Baukunst zu erweitern.

 

Um 987 starb Pfalzgraf Athelbero. Bernward, der schon einen ehrenvollen Ruf seines Oheims Volkmar aus kindlicher Liebe zu seinem Großvater ausgeschlagen hatte, erhielt von der Kaiserin Theophanu einen glänzenden Ruf zur alten karolingischen Pfalz in Nymwegen, um die Erziehung ihres minderjährigen Sohnes, des Kaisers Otto III., zu übernehmen. Bernward den kaiserlichen Jungen dergestalt, dass er wunderbare Fortschritte im Lernen machte und zur Übernahme der Regierungsgeschäfte befähigt wurde. Am kaiserlichen Hof fand der Kunstsinn Bernwards die reichlichste Nahrung, denn was die Kunst Italiens und des Morgenlandes Schönes geschaffen hatte, bot sich im Kaiserpalast den Augen des Beschauers dar. Hier wirkten mit Bernward zusammen als Freunde, Ratgeber und Lehrer des jungen Kaisers der kunstgebildete und staatskluge Willigis von Mainz, und Gerbert, der spätere Papst Sylvester II., in griechischer Sprache und Kunst erfahren, in Philosophie und Naturkunde seine Zeit weit überragend.

 

Nach dem Tod des Bischofs Gerdags erwählte die Geistlichkeit Hildesheims Bernward zum Bischof. Erzbischof Willigis weihte ihn 993. Jetzt konnte der neue Kirchenfürst ungehindert seine Wirksamkeit für sein Bistum, für Kunst und Wissenschaft und Tugend entfalten. Zunächst war es seine Sorge, sein Bistum gegen die räuberischen Einfälle der heidnischen Normannen zu schützen. Deshalb legte er an den Marken seines Sprengels die festen Burgen Wirinholt und Mundsburg an, bevölkerte die wüsten Orte mit Ansiedlungen und legte den Grund zu Städten. Seinen Bischofssitz umzog er mit Mauern und Türmen, dass „seinesgleichen an Schönheit und Sicherheit im ganzen Sachsenland nicht zu finden war.“ Hildesheim verehrt in ihm seinen zweiten Gründer.

 

Wie Bernward sein Land gegen feindliche Einfälle schützte, so eifersüchtig wahrte er auch seine bischöflichen Rechte. Sieben Jahre lang widerstand er den Eingriffen des Erzbischofs Willigis in betreff des Klosters Gandersheim, und der mächtige Kurfürst sowohl, wie die stolze Äbtissin des Klosters, die Königstochter Sophia, mussten sich endlich dem unerschütterlichen Vertreter seines Rechts beugen. In dieser Angelegenheit ging Bernward selbst nach Rom zum Kaiser und zum Papst Sylvester II. und dämpfte durch sein Ansehen und heroisches Handeln einen Aufstand der rebellischen Tiburtiner und Römer. Mit seiner Entschiedenheit setzte er auch die Wahl Heinrich II. durch, den er und Willigis zum König salbten.

 

Bernward hat sich unsterbliche Verdienste für die politische Größe Deutschlands erworben, aber noch herrlicher sind die Lorbeeren, die er sich durch sein frommes, gotterfülltes Walten als geistlicher und mildtätiger Vater der Seinen, durch seine Pflege der kirchlichen Künste und Wissenschaften und durch seinen Eifer für die Zierde der Gotteshäuser erworben hat. Er gründete Schulen und förderte die geistige Entwicklung des Volkes, in der Domschule entfaltete sich eine außerordentliche wissenschaftliche Tätigkeit. Die Heilige Schrift und andere wertvolle Bücher ließ er abschreiben. Er selbst schrieb ein mathematisches Werk und ein wertvolles Buch über Alchemie. Er selbst übte das Geheimnis, Metalle zu scheiden und zu mischen, praktisch aus, er war Künstler und Förderer der Kunst im ausgedehntesten Sinne des Wortes. Was an Metallarbeiten aus Bernwards Zeit noch erhalten ist, erregt die Bewunderung aller Kunstkenner. Seine Christussäule mit Darstellungen des Lebens Jesu, die bronzenen Flügeltüren am Dom, sein goldenes Kreuz, seine beiden reichverzierten Leuchter aus einer eigentümlichen Mischung von Gold, Silber und Eisen und andere Kunstgegenstände sichern Bernward für alle Zeiten einen ehrenvollen Namen in der Kunstgeschichte. Von den Malereien und Mosaiken, womit er den Dom zierte, ist leider nichts geblieben, weil sie im Brand vernichtet wurden.

 

Der fast siebzigjährige Bischof erlebte noch die große Freude, dass er sein Lieblingswerk, die Abteikirche des heiligen Michael, soweit vollendet sah, dass er die Weihe am 29. September 1022 zugleich mit der Weihe der Christussäule vornehmen konnte. Bernwards Freund, Bischof Benno von Oldenburg, geriet bei dieser Einweihung so sehr ins Gedränge, dass er nach wenigen Tagen starb. Der Tod, der die beiden Freunde getrennt hatte, sollte sie nur zu bald wieder vereinigen.

 

Am 1. November verfügte Bernward testamentarisch über sein bedeutendes Privatvermögen zu Gunsten der Michaelsabtei, 10 Tage später erkrankte er und empfing in der Martinuskapelle aus der Hand des Abtes Goderamm das Benediktinerkleid und legte die Ordensgelübde ab und ging am 20. November zum besseren Jenseits hinüber. Sein Leib wurde in der Krypta jener Kirche in demselben Steinsarg beigesetzt, den er schon zu Lebzeiten für sich bereitet hatte. Leuchtende Wunder verherrlichten das Grab des allgeliebten Oberhirten. Deshalb versetzte ihn der Papst am Sonntag vor Weihnachten 1192 feierlich unter die Zahl der Heiligen.

 

In seiner Demut hatte Bernward sich selbst die Grabschrift verfasst:

 

„Bernward war ich voreinst, ein gebrechlicher Mensch. Es umschließet

Jetzt mich der grausige Sarg, Asche nur bin ich und Staub.

Weh! nicht war ich gewachsen der Pflicht des erhabensten Amtes,

Aber der Seele sei Ruh, singet ihr Amen dazu!“

Benno, Bischof von Meißen, verfasste ihm folgendes Lobgedicht:

„Siehe die Gruft sie umschließt das Gebein Bernwardus, des Bischofs,

Jenes erhabenen Mannes, der uns ein Wunder erschien,

Der wie ein leuchtender Stern in der Heimat Krone geglänzt hat,

Würdig erfunden von Gott, hoch von den Menschen geliebt;

Denn stets ist er der Kirche der trefflichste Bischof gewesen.

Lohn es Emmanuel ihm, lohn es ihm Michaels Huld!

Endlich am zwanzigsten Tag in dem elften der Monate tauscht er

Für dies irdische Sein glücklich den Himmel sich ein.“

 

Schwester Maria Theresia vom heiligen Herzen

Gedenktage und Lebensskizzen hervorragender

Mitglieder des Karmelitenordens

 

Am 20. November 1874 pflückte der Herr eine Blume, die dem Karmel in Frankreich zu großer Zierde gereichte, Schwester Maria Theresia vom heiligen Herzen. Sie war am 26. Mai 1829 geboren und besaß glänzende Gaben der Natur wie der Gnade. Der Priester, der Louise, dies ist der Taufname Schwester M. Theresias, den ersten Religionsunterricht erteilte, versicherte, er habe nie ein liebenswürdigeres, fröhlicheres und lebhafteres Kind gesehen. Nur ein Fehler haftete ihrem Charakter anfänglich an, eine ungemeine Heftigkeit, ein Erbstück von ihrem Vater. Louise hatte aber auch ein überaus gefühlvolles Herz, dem es ein Bedürfnis war, nach Möglichkeit Trost zu spenden. Von großer Andacht zu Maria erfüllt, ließ sie nicht nach, ihre Eltern zu bitten, bis sie sie in die Kathedrale führten und mit dem heiligen Skapulier bekleiden ließen. Wie entschieden sie war und wie fest sie sein konnte, bewies sie selbst ihrem Vater gegenüber, der keinen Widerspruch duldete. Louise hatte viel von der Gefährlichkeit des Theaters gehört. Als nun ihr Vater sie einmal in die Oper mitnahm, ging sie wohl, schloss jedoch, sobald sie Platz genommen hatte, die Augen und merkte auf nichts anderes als auf den Rosenkranz, den sie betete. Als Beichtvater wählte sie sich einen Msgr., dessen heiligmäßiger Wandel sie mächtig anzog und der seinerseits alsbald eine auserlesene Seele in ihr erkannte. Hatte sie sich zuvor damit begnügt, zu glauben, zu lieben und Gott in der Einfalt und Aufrichtigkeit ihres Herzens zu dienen, so wurde sie durch ihn angeleitet, auf dem Berg der Vollkommenheit von Stufe zu Stufe emporzuklimmen. Auf den Herrn, mit dem sie sich vermählte, übte sie den vorteilhaftesten Einfluss besonders auf dessen Seelenleben aus. Das schöne Verhältnis sollte indes nicht lange währen. Ihr Ehemann wiegte sich zwar in den schönsten beruflichen Hoffnungen, denn er hatte sein Examen gut bestanden und war Kapitän geworden, der Dreimaster jedoch, dessen Führung man ihm anvertraute, versank mit Mann und Maus in den Wellen. Louise ahnte das Unglück, fand während jener Nächte keine Ruhe, erhob sich von ihrem Lager, sank mit Tränen in den Augen auf die Knie und sendete die inbrünstigsten Gebete für ihren Mann und ihre beiden Kinder zum Himmel empor. Unter Tags fand sie doch wieder einigen Trost vor dem Tabernakel. Auch die ermunternden Worte ihres geistlichen Vaters träufelten lindernden und stärkenden Balsam in ihre wunde Seele. Sie brauchte dringend diese Hilfe und Stärkung, da die Kinder gefährlich erkrankten und sie selbst vom Typhus befallen wurde. Ihre Verhältnisse waren durch den Tod des Mannes äußerst misslich geworden, doch gelang es ihr, durch ihrer Hände Arbeit so viel zu verdienen, dass sie für sich und ihre Kinder den Unterhalt erwerben konnte. Mehr als an der Sorge, dass ihre Söhne eine gesicherte Lebensstellung erlangten, lag ihr noch an ihrer religiösen Ausbildung. "Ich kann mir gar nicht vorstellen, dass ihr dem lieben Gott nicht dient, wenn ihr einmal groß werdet; lieber wollte ich euch sterben sehen" sprach sie. Um sie in guten Händen zu wissen, vertraute sie ihre Lieblinge den Jesuitenpatres zur weiteren Ausbildung an. Man wunderte sich allgemein, dass sie all das vermochte. Woher nahm sie die nötige Kraft? Sie durstete förmlich nach dem Gebet und hatte einen wahren Hunger nach der heiligen Kommunion. Dies war das Geheimnis ihrer Stärke. Aber auch sonst war sie ein vollkommenes Muster für die Mitglieder des Dritten Ordens Unserer Lieben Frau vom Berge Karmel, dem sie seit den fünfziger Jahren ihres Jahrhunderts angehörte. Und wie viel tat sie, was aller Welt entging! Obwohl ohnehin durch Schwäche und Krankheit arg gequält, geißelte sie sich z.B. noch jede Woche dreimal und trug fast immer einen scharfen Bußgürtel. Oft hatte sie gefleht, der Herr möge sie so lange leben lassen, als ihre beiden Söhne der Mutter bedürfen. Als beide ihre Versorgung gefunden hatten, der eine als Karmelit, der andere durch seine Aufnahme in die Militärschule St. Cyrus, folgte sie bereitwilligst dem Herrn, der sie zu sich rief, sprechend: "O, mein Jesus, bin ich glücklich! O Jesus, ich habe dir alles gegeben, gib du dich mir jetzt!"

 

Pater Prosper vom Heiligen Geist

Gedenktage und Lebensskizzen hervorragender

Mitglieder des Karmelitenordens

 

Gedächtnis des lobwürdigen Pater Prosper vom Heiligen Geist. Prosper war ein Spanier und trat zu Rom in den Orden der Unbeschuhten Karmeliten. Durch den ehrwürdigen Pater Dominikus von Jesus Maria in das Ordensleben eingeführt und von trefflichen Lehrern wissenschaftlich herangebildet, begab er sich im Jahr 1620 in die persische Mission. Drei Jahre wirkte er mit apostolischem Eifer in Ispahan, dann wurde er vom General des Ordens für Aleppo in Syrien bestimmt. Auf der Reise dahin erkrankte Prosper auf der Insel Malta. Hier sah er, in einen tiefen Schlaf versunken, sich mit einem Mal an den Fuß des Berges Karmel versetzt. Wie er so zu dem heiligen Berg emporblickte, trat ihm ein ehrwürdiger Greis mit weißem Mantel, mit weißem Bart und weißen Haaren entgegen, legte ihm die Hand aufs Haupt und sprach: "Sei willkommen, mein Sohn!" Dann fasste er ihn bei der Hand, führte ihn auf den Berg, zeigte ihm drei Grotten und sagte: "Da habe ich gewohnt." Als Prosper von diesem Traum erwachte, war er vollständig geheilt und imstande, die Reise nach Aleppo augenblicklich fortzusetzen. Am 5. Oktober 1631 wurde er durch den Generalprokurator des Ordens, Pater Paulus-Simon beauftragt, sich zum Berg Karmel zu begeben und diesen zu erwerben. Schon eine Woche darauf begab sich Prosper daran, auch diesen Befehl auszuführen. Und es gelang. In Nazareth war er nicht wenig überrascht, einen guten Freund zu treffen, der ihm sagte: "Pater, ich habe dir etwas anzuvertrauen. Deine Angelegenheit ist bereits erledigt. Heute Nacht nach der Mette ist mir die heilige Theresia erschienen und hat mir aufgetragen, dir zu sagen, du sollst deinen Weg mit Mut und Freude fortsetzen." Prosper tat es und stieß zwar auf Schwierigkeiten, vermochte sie aber mit Hilfe des Empfehlungsschreibens, welches ihm der französische Konsul zu Aleppo ausgefertigt hatte, und mit Berufung auf den Auftrag seiner Obern glücklich zu überwinden. Sein Herz schlug höher, als am 29. November 1631 der Berg Karmel dem Orden der Unbeschuhten Karmeliten verschrieben wurde. Zum Dank dafür feierte er an diesem Tag das heilige Opfer in der Grotte El Kadher. Und der ganze Orden nahm Anteil und gab seiner Freude dadurch Ausdruck, dass er am 13. Mai des folgenden Jahres auf dem Generalkapitel beschloss, künftig solle der General des Ordens den Titel "Prior des heiligen Berges Karmel" führen. Längere Zeit wohnte Prosper in der Prophetenschule. Später vertauschte er sie gegen eine andere näher beim Gipfel des Berges gelegene Grotte. Da richtete er sich häuslich ein, dass er darin wohnte wie in einem Kloster in einer Zelle und einer Kapelle. Hier starb er auch am 20. November 1653, lebhaft betrauert von allen Umwohnern, zumal von den Armen.

 

Gebet am 20. November

 

Geduldigste, sanftmütigste, allerreinste und heiligste der Jungfrauen, die du gleich einem Felsen im tobenden Meer den Widerwärtigkeiten und Verfolgungen, durch unerschütterliche Sanftmut und Geduld widerstanden hast, gib, ich bitte dich, dass ich unter deiner Leitung meine zu lebhaften Gemütsbewegungen zügle und mit Geduld und Sanftmut alles ertrage, was mich zur Heftigkeit anregen und von der näheren Gemeinschaft mit Gott abhalten könnte. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Heute ist der Vorabend des Festes Mariä Opferung. Papst Urban V. hatte ihn um das Jahr 1366 angeordnet, und Papst Paul II. hat durch eine Bulle im Jahr 1464 jenen alle Jahre einen Teilablass verliehen, die am Abend dieses Festes fasten, und das Fest selbst feiern würden.

 

Andacht am 20. November:

 

Das Thema im November:

Liebe

"Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit all deinen Gedanken. Das ist das wichtigste und erste Gebot. Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." (Matthäus 22,37-39)

 

"Um für den Nächsten die Liebe zu hegen, die unser Herr verlangt, muss man ein zartes, mitleidvolles und herablassendes Herz, selbst zu der Zeit haben, wo wir, wegen irgend eines natürlichen oder sittlichen Fehlers, Widerwillen gegen ihn empfinden, weil wir ihn dann, des Heilands wegen, lieben. Der Grundsatz der Heiligen war, dass wir, wenn wir den Nächsten lieben und ihm Gutes tun, nie die Person, der wir dienen, sondern Denjenigen im Auge haben sollen, wegen dessen wir ihm dienen." (Der heilige Franz von Sales)

Die heilige Franziska von Chantal erzeigte eine besondere Liebe denjenigen, an denen sie persönliche Fehler sah, oder die ihr irgendeinen Verdruss erweckt hatten. "Man muss wohl etwas leiden," sprach sie, "unser Heiland hat uns das Ertragen des Nächsten als ein Grundgesetz aufgestellt. Hätte aber unser Nächster keine Fehler, oder täte er uns nichts zuleide, worin hätten wir ihn dann zu ertragen?" Es war unter den Nonnen ihres Ordens eine, der es unsägliche Überwindung kostete, die Fehler einer Person zu ertragen, mit der sie zu leben verpflichtet war. Dieser schrieb sie Folgendes: "Denken Sie, geliebte Tochter, oftmals über die Worte der Heiligen Schrift nach: Christus hat uns geliebt und in seinem Blut gewaschen. Merken Sie wohl, dass er, uns zu lieben nicht wartete, bis Er von unseren Unreinheiten uns gereinigt hatte, sondern dass Er uns liebte, als wir noch schlechte und unreine Geschöpfe waren, denn nachdem er uns geliebt hatte, reinigte er uns. Lieben wir also, ohne lange zu prüfen, unseren Nächsten trotz aller seiner Fehler, so wie er ist. Und weil wir es nicht vermögen, seine Unvollkommenheiten in unserem Blut abzuwaschen, so hegen wir wenigstens das Verlangen, es bis auf den letzten Tropfen in dieser Absicht zu vergießen."

 

Gib mir, o Gott, ein mitleidvolles und teilnehmendes Herz für meinen Nächsten. Um Deinetwillen will ich ihn lieben, Dich will ich in ihm sehen und nie vergessen, dass Du uns als Grundgesetz aufgestellt hast, den Nächsten zu ertragen! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 20. November

 

"Wer wahrhaft demütig ist wagt es nicht,

seine Wünsche bis zu außerordentlichen Gnaden zu erheben,

die Gott zuweilen seinen Auserwählten zuteilwerden lässt;

denn er hat eine solche Geringschätzung vor sich selbst,

dass er sich deren unwürdig glaubt."

 

hl. Albertus Magnus OP

1200 bis 15.11.1280

 

Betrachtung am 20. November - Von unserem Stand und Beruf

 

Führe, Herr, mich auf dem Pfade,

Den du mir verordnet hast;

Denn mit deiner milden Gnade

Wandelt sich in Lust die Last,

Und ich wandle froh und leicht,

Bis ich dich, mein Ziel, erreicht.

 

1. Die Kirche ist ein Körper, dessen Haupt Christus ist, alle Gläubigen aber sind Glieder an diesem Leib. Jedes Glied hat seine eigenen Verrichtungen, alle jedoch sind von dem selben Geist beseelt. Das Wohl und die Vollkommenheit jedes einzelnen Gliedes aber besteht darin, dass es an seiner Stelle tut, was es tun soll. Wollte das Auge die Stelle der Hand, die Hand aber die Stelle des Auges einnehmen, so würde dadurch die Ordnung des Ganzen gestört. Also hat Gott jedem von uns seine Stelle durch seinen Beruf angewiesen. Mit diesem Beruf aber hat er seinen Schutz, seine Gnade und unseren Frieden verknüpft, so dass wir ohne sonderliche Mühe zur Vollkommenheit und zur Seligkeit gelangen können.

 

2. Sind wir nicht in dem Stand und Beruf, den Gottes Vorsehung uns angewiesen hat, so leiden wir gleich einem verrenkten Glied, und Gott beschützt uns nicht mehr durch seinen besonderen Schutz, weil wir die Ordnung freiwillig verließen, die er uns vorgezeichnet hatte. Über Seelen aber, die außerhalb der Ordnung Gottes leben, hat der unsichtbare Feind Gewalt. Sie fallen in mancherlei schwere Sünden, weil sie nicht mehr von den Gnaden gekräftigt werden, die mit dem Stand verknüpft sind, zu dem sie berufen waren, und es erübrigt ihnen nichts als eine reumütige Buße, die von ihren Verirrungen sie zurückführe. Kehren sie aber nicht zurück, so schwebt ihr Heil in großer Gefahr.

 

3. Dies ist die Ursache der Verdammnis vieler. Sie drängen sich in einen Stand und in Ämter ein, zu denen die Leidenschaft sie antreibt, ohne dabei Gott um Rat zu fragen. Sie werden es überdrüssig, zu tun, was Gott will, dass sie tun sollen. Sie wollen Beschäftigungen betreiben, wozu er ihnen keine Talente gegeben hat. Darüber aber verlieren sie die Ruhe, die Frömmigkeit und fürchten sich vor Gott, weil ihr Gewissen ihnen sagt, dass sie seine Vorsehung verachten. Darum bedenken wir wohl, ob wir tun, was Gott von uns verlangt, gehorchen wir unseren Vorgesetzten, und seien wir Gott getreu. 1. Korinther 7,20: "Jeder soll in dem Stand bleiben, in dem ihn der Ruf Gottes getroffen hat."

 

21. November