Die Liebe der Heiligen zu ihrer Königin

 

Ich sehe dich in tausend Bildern

Maria lieblich ausgedrückt,

Doch keins von allen kann dich schildern,

Wie meine Seele dich erblickt.

 

Ich weiß nun, dass der Welt Getümmel

Seitdem mir wie ein Traum verweht,

Und ein unnennbar süßer Himmel

Mir ewig im Gemüte steht.

(Novalis)

 

Der heilige Leonhard von Porto Maurizio (+ 26. November 1751), dessen Reden uns erhalten sind, leitet eine Rede über die Verehrung der Muttergottes folgendermaßen ein:

„Das erste Mal, da die Pflicht mir gebietet, meinen Mund zur Ehre der heiligsten Jungfrau zu öffnen, fühlt sich mein Herz mit Jubel erfüllt. Es gibt nichts, Geliebteste, was mich mehr erfreut und mich mehr tröstet, als über die große Himmelskönigin zu reden. Kein Ding, sage ich euch mit dem heiligen Bernhard, erfreut mich mehr, als über die Glorie der Jungfrau zu sprechen. Aber was soll ich zuerst über unsere erhabene Frau sagen? Seht, dieses: Maria liebt uns, sie liebt uns innig. Maria, sagt der heilige Petrus Damianus, liebt uns mit unüberwindlicher Liebe.“

 

Der heilige Bonaventura (+ 15. Juli 1274) sagte, wenn er Maria anblicke, komme es ihm vor, als sehe er die Barmherzigkeit selber. „Was zittert die menschliche Schwachheit, zu Maria hin zu treten? An ihr ist nichts Strenges, nichts Furchtbares, sie ist ganz Süßigkeit.“

 

Der heilige Epiphanius (+ 12. Mai 403 als Metropolit von Salamis auf Cypern) nennt Maria „das Auge, das unser Elend sieht, das Herz, das Mitleid mit uns fühlt, die Hand, die sich helfend nach uns ausstreckt.“

 

Der ehrwürdigen Maria Lataste (eine Mystikerin des 19. Jahrhunderts) erschien oft der göttliche Heiland, aber auch die seligste Jungfrau. „Ihre Stimme“, bekannte die begnadete Frau, „war immer sanft, gütig und zärtlich, während der Ton Jesu zuweilen streng und nicht selten drohend war, was ich bei Maria nie wahrnahm.“

 

Der große heilige Kirchenlehrer Bernhard (+ 20. August 1153) sagte einmal in einer seiner Ansprachen: „Man rede nicht mehr von deiner barmherzigen Güte, o Maria, wenn ein einziger Mensch sich erinnern kann, dich in seiner Not angerufen zu haben, ohne erhört worden zu sein.“

„Wir freuen uns aller deiner Tugenden, doch deine Liebe ist deinen Kindern noch teurer. Wir feiern deine Jungfrauschaft, wir erheben deine Demut, doch deine mitleidige Liebe hat noch etwas Tröstenderes für die, welche leiden; wir denken daran mit größerer Liebe, wir flehen zu ihr mit größerem Vertrauen.“

 

Der heilige Anselm (+ 21. April 1109) versichert, um unser Vertrauen zu vermehren, dass die Menschen, wenn sie sich an die Muttergottes wenden, nicht bloß sicher auf ihren Beistand zählen können, sondern dass ihre Gebete oft schneller erhört werden, wenn sie den Namen Mariens anrufen, als bei der Anrufung des Namens Jesu. Als Grund dafür gibt er an: „Jesus, unser Erlöser, ist auch unser Richter, er muss daher die ihm zugefügten Unbilden bestrafen, die seligste Jungfrau dagegen, in ihrer Stellung als Fürsprecherin, ist nur gehalten, Erbarmen mit uns zu haben.“

 

Ein Engel sagte zur heiligen Brigitta (+ 23. Juli 1373):

„Niemand bittet, der nicht durch die Liebe Mariens irgendwelche Gnade erlange. Sie ist so milde, dass niemand ist, der nicht ihre Zärtlichkeit erführe, wenn er Gott durch ihre Vermittlung um etwas bittet.“

 

Ja noch mehr: „das Mitleid dieser liebevollen Mutter ist so groß, dass sie nicht einmal immer die Bitten abwartet, um zu Hilfe zu kommen“, sagt der heilige Alfons von Liguori (+ 1. August 1787).

 

Der heilige Anselm sagt, dass Maria mit ihrer Hilfe denen zuvorkommt, welche nach ihrem Schutz verlangen. Solche Eile hat sie, zu helfen. Daraus können wir schließen, dass sie Gott um viele Gnaden für uns bittet, bevor wir sie nur darum angegangen haben. Diese zarte Fürsorge Mariens zeigte sich schon auf der Hochzeit zu Kana.

 

Zur heilige Brigitta sprach die Muttergottes eines Tages: „Ich werde von allen die Mutter der Barmherzigkeit genannt und ich bin es auch wirklich, denn die Barmherzigkeit Gottes hat mich dazu gemacht. Deshalb“, fügt Maria hinzu, „ist derjenige elend, welcher sich, da er es doch kann, nicht zu mir, der Barmherzigen, begibt.“

 

„Haben wir etwa zu fürchten“, fragt der heilige Bonaventura, „dass, wenn wir bei Maria Hilfe suchen, sie uns dieselbe versagen werde? Nein“, sagt der Heilige: Denn „sie vermag es nicht und hat es niemals vermocht, für einen Elenden, der sich an sie gewendet hat, ihr Mitleid und ihre Hilfe zu versagen.“

 

Zur heiligen Brigitta sagte einst die selige Jungfrau:

„Ich bin die Königin des Himmels und die Mutter der Barmherzigkeit, ich bin die Freude der Gerechten und die Pforte des Heils, durch die die Sünder zu Gott gelangen. Niemandem auf der ganzen weiten Erde habe ich je mein Wohlwollen entzogen, und kein einziger ist, der durch meine Fürbitte nicht irgendeine Gnade erhalten hätte, und hätte sie nur darin bestanden, dass er weniger heftig vom Teufel versucht wurde. Kein Sünder, wenn er nicht unwiderruflich verloren ist, was sich jedoch nur von den Verdammten sagen lässt, ist so verworfen von Gott, dass er nicht durch meine Vermittlung wieder in Gnaden aufgenommen würde.“

 

Der heilige Leonhard von Porto Maurizio anerkannte alles Gute, was er je besaß, als Gnaden von der wohltätigen Hand seiner himmlischen Königin. Diesen Gedanken drückte er auf der Kanzel mit begeisterten Worten aus:

„Was mich betrifft, wenn ich alle die Gnaden betrachte, die ich je von Maria erhalten habe, wisst ihr, wie ich mir vorkomme? Erlaubt mir, dass ich es hier zur Ehre meiner teuersten Königin öffentlich ausspreche. Ich scheine mir eine jener Wallfahrtskirchlein der seligsten Jungfrau zu sein, welche an den Wänden mit Votivtafeln bedeckt ist, auf denen man nichts anderes liest, als: Durch die Gnade Mariens! So glaube ich, bin auch ich von allen Seiten mit Worten beschrieben: Durch die Gnade Mariens! Der gesunde Verstand, das heilige Amt, das mir zuteil geworden, das heilige Kleid, das ich trage, sie sind es durch die Gnade Mariens. Jeder gute Gedanke, jeder gute Wille, jede gute Anmutung, alles durch die Gnade Mariens. Lest nur, lest von innen und außen an Leib und Seele bin ich überschrieben: Durch die Gnade Mariens! Auf diesem Herzen steht eingeprägt: Durch die Gnade Mariens! Auf dieser Zunge wird man finden: Durch die Gnade Mariens! Ohne Ende sei gepriesen meine mitleidige Wohltäterin! Ja, in Ewigkeit werde ich der Barmherzigkeit Mariens Lob singen, und wenn ich ewig gerettet werde, geschieht es nur durch die Gnade meiner erhabenen Königin Maria!“

 

Es gilt bei vielen Christen, auch unter den Gottesgelehrten, die Lehre als sehr wahrscheinlich, dass überhaupt keine Gnade des Erlösers aus dem Herzen Jesu anders als durch die Mutterhand Mariä den Erlösten zuteilwerde.

 

Der heilige Bernhard schreibt:

„Gottes Wille ist es, dass wir nichts erhalten, was nicht durch die Hand Mariä geht.“

 

Auch andere Heilige, wie der heilige Bonaventura, der heilige Antonin, der heilige Bernhardin von Siena lehren dasselbe fast mit denselben Worte und Päpste wie Leo XIII. standen nicht an, sich dieser Ansicht in ihren Schreiben an die katholische Welt einfachhin zu bedienen.

 

Der deutsche Ordensmann und Mystiker Johannes Tauler (+ 1361) schreibt:

„Keiner kann auf ewig verloren gehen, der andächtig und beständig Maria verehrt und anruft.“

 

„Sind wir also“, es sind die Worte des heiligen Alphons von Liguori, „wahre Verehrer Mariä, erfreuen wir uns ihres Schutzes, dann stehen wir gewiss im Buch des Lebens, denn nach dem heiligen Johannes von Damaskus verleiht Gott die Andacht zu seiner heiligen Mutter nur denen, die er selig machen will.“

 

„Ja alle“, ruft der heilige Antonin aus, „alle, die diese große Königin verteidigt haben, müssen selig werden.“

„Und schon auf dieser Welt“, sagt der heilige Bonaventura, „werden die Pflegekinder Mariens von den Heiligen als ihre Brüder und Schwestern anerkannt, und jeder, der das Kennzeichen eines Dieners Mariens trägt, in das Buch des Lebens eingeschrieben.“

Somit ist also die Andacht zur allerseligsten Jungfrau Maria ein Zeichen der Auserwählung.

 

Wenn je ein wahrer Verehrer Mariens verloren ginge, so müsste dies daher kommen, weil Maria ihm nicht helfen könnte oder nicht helfen wollte.

„Aber nichts von diesem“, sagt der heilige Bernhard, „weder die Macht noch der Wille kann ihr fehlen. Unmöglich kann ein wahrer Verehrer Mariens verdammt werden, denn sie kann und will ihn retten.“

 

„Sie kann helfen, denn“, wie Johannes Gerson (+ 12. Juli 1429) sagt, „erhalte die seligste Jungfrau Maria von Gott alles, um was sie unbedingt bitte“, und er fügt hinzu, „sie sende als Königin die Engel aus, um ihre Diener zu erleuchten, um sie rein und vollkommen zu machen.“

Deshalb lässt uns auch die heilige Kirche, um uns Vertrauen zu dieser erhabenen Fürsprecherin einzuflößen, sie mit dem Namen einer mächtigen Jungfrau anzurufen: „Du mächtige Jungfrau, bitte für uns!“

Aber warum ist der Schutz Mariens so mächtig? Da die Bitten Mariens die Bitten einer Mutter sind, so sind sie für Jesus Christus gewissermaßen Befehle. Deshalb ist es unmöglich, dass sie nicht erhört werde, wenn sie bittet.

 

„Was Gott durch seine Macht vermag, vermagst du, Jungfrau, durchs Gebet“, heißt es in einem alten Spruch. Dies wurde auch der heiligen Brigitta geoffenbart, denn eines Tages vernahm die Heilige, wie Jesus zu Maria sprach:

„Verlange von mir, was du willst, denn deine Bitte kann nicht fruchtlos sein.“ Hierauf fügte er die Ursache davon hinzu: „Weil du mir, solange ich auf Erden lebte, nichts versagt hast, so ist es auch billig, dass ich dir im Himmel nichts versage.“

 

Und derselbe Herr sprach in Gegenwart der heiligen Gertrud (+ 17. März 659) zu seiner Mutter:

„Wisse, dass ich kraft meiner Allmacht dir gewährt habe, Barmherzigkeit zu üben, auf welche Weise du es für gut finden wirst, an allen Sündern, die dich anrufen werden.“

 

Es gibt niemanden, er möge auch noch so lasterhaft sein, den Maria nicht durch ihre Fürsprache retten könnte. „Du vermagst alles“, sagt auch der heilige Petrus Damiani (+ 22. Februar 1072), „du kannst sogar die Verzweifelten noch zur Hoffnung auf die Seligkeit aufrichten.“

 

Der heilige Ambrosius (+ 4. April 397) macht darauf aufmerksam, dass Jesus Christus dadurch, dass er sich würdigte, Maria als Mutter zu erwählen, sich selbst auch verpflichtet habe, ihr gehorsam zu sein. Bei anderen Heiligen kann man sagen, Gott sei mit ihnen, bei Maria aber: der Herr habe ihr nicht bloß verliehen, sich mit dem göttlichen Willen zu vereinigen, sondern er selbst habe sich ihrem Willen gefügt, und während die übrigen Jungfrauen dem Lamm folgen, überall wohin es geht, so folge hier das Lamm der Jungfrau Maria, indem es auf Erden sich ihr unterwarf.

An Maria wollte der Ewige zeigen, wie er lieben und begnadigen kann. Ihr ganzes Leben war ein Wunder der Gnade.

 

Es ist daher sehr richtig, was die fromme Konvertitin Kordula Wöhler (+ 6. Februar 1916) sagt: „Von allen erschaffenen Wesen gibt es keines, woran Gott vom Augenblick der Erschaffung an bis in Ewigkeit ein so großes Wohlgefallen haben kann, als an der seligsten Jungfrau. Darum begegnen wir Gott und treten mit ihm in Harmonie, sooft wir unsere Andacht der Jungfrau Maria zuwenden. – Gottes Auge und unsere Augen begegnen sich, sooft wir zu Maria beten.“

 

Der heilige Bernhardin von Siena (+ 20. Mai 1444) predigte: Wie hoch am Himmelszelt die Sterne prangen, so erstrahlt Maria in des Himmels Höhen, nach Gott über allen erhaben.“

„Dasjenige Geschöpf ist nämlich mit der höchsten Würde und Herrlichkeit ausgestattet, das an Vollkommenheit alle anderen übertrifft. Diese Vollkommenheit aber ist in einer Seele umso größer, je größer ihre Gottesliebe ist. Kein Mensch aber, was schon die natürliche Liebe betrifft, liebte Gott so sehr wie Maria, denn niemand steht in so inniger Beziehung zu ihm. Sogar die Engel übertrifft Maria in dieser Hinsicht. Was aber die übernatürliche Gottesliebe angeht, so entspricht die Größe derselben dem Maß der Gnaden, die der Seele zugeteilt werden. Vor allen andern Geschöpfen aber war Maria voll der Gnaden.“

„Niemand steht dem Sohn Gottes näher als Maria. Am nächsten steht sie ihm infolge seiner Menschwerdung, denn er ist Fleisch von ihrem Fleisch, Blut von ihrem Blut. Am nächsten steht sie ihm durch den irdischen Verkehr mit ihm und ihre Teilnahme an seinem Leiden, denn als alle und sogar die Apostel ihn verließen, wich sie nicht von seiner Seite, auch nach der Kreuzigung nicht. Am nächsten steht sie ihm im Himmelreich, in dem sie über die Chöre der Engel hinaus zu ihm emporgestiegen ist.“

 

„Wie das Licht der Sonne den Glanz der Sterne übertrifft, so übertrifft die Glorie der Gottesmutter jene aller anderen Seligen“, sagt der heilige Basilius (+ 1. Januar 379), „und wie die Sterne und der Mond gleichsam verschwinden, wenn die Sonne aufgeht, so wird das Himmelslicht der Heiligen und Engel gleichsam verdunkelt durch Marias Herrlichkeit“, sagt der heilige Petrus Damianus, „und so wird der Mond und die Planeten vom Widerschein der Sonne erglänzen, so empfangen die Seligen von der Anschauung Marias und von dem Widerschein ihrer Herrlichkeit einen Zuwachs von Seligkeit und Freude“, sagt der heilige Bernhardin. Darum wird, nach dem Ausspruch der heiligen Väter, Jubel und Freude der Anteil derjenigen sein, die Maria im Himmelslicht schauen.

 

Viele Heilige weihten ihr ganzes Leben in besonderer Weise der Gottesmutter.

Der heilige Stanislaus Kostka (+ 15. August 1568) hatte schon als Kind Maria, die Himmelskönigin, geliebt und verehrt. Nachdem er aber in seiner Krankheit des Besuches Marias gewürdigt worden war, nahm seine Andacht und Liebe zu ihr in noch viel höherem Grad zu. In Wien hatten seine freien, poetischen Arbeiten meist den Zweck, seine himmlische Mutter und ihre Tugenden zu verherrlichen. Zu ihrem Lob verfasste er in lateinischen Versen eine poetische Umschreibung des Salve Regina. Oft wandte er während des Tages und mitten in der Arbeit seines Blick zum Himmel und rief Maria meist mit dem Lieblingsgebetlein an: O Maria, sis mihi probitia (O Maria, sei mir gnädig). Ja, nach dem Zeugnis seines Erziehers Bilinski pflegte er auf jeder Seite seiner Hefte den angeführten Spruch zu schreiben. In der Erholung oder auf Spaziergängen erzählte er seinen Gefährten gern irgend ein Wunder oder eine Gnadenerweisung der Mutter Gottes, und da verstand er es, nützliche Erwägungen hinzuzufügen und so zarte und liebevolle Gefühle einzuflechten, dass man sich wundern musste und ihn mit Vergnügen anhörte. Derlei Geschichten von der seligsten Jungfrau hatte er sich bei Gelegenheit der geistlichen Lektüre gesammelt. Ebenso hatte er aus den Werken der heiligen Väter und Kirchenlehrer zahlreiche Aussprüche ausgewählt, um damit neue Namen, neue Titel und Ausdrücke zu bilden, die dahin zielten, die Würde, die Heiligkeit und Herrlichkeit Marias immer mehr und mehr hervorzuheben. Vor jeder Arbeit pflegte er sich nach der Seite hinzuwenden, wo seines Wissens ein besonderes Gnadenbild Marias war, und sie um ihren Segen zu bitten. Diese Gewohnheit des Heiligen besteht noch heutzutage im Noviziat von St. Andreas. Morgens beim Aufstehen und abends vor der Nachtruhe wenden sich die Novizen nach der Basilika S. Maria Maggiore, um die Mutter Gottes um ihren Segen zu bitten. Stanislaus beschränkte seine Andacht zur seligsten Jungfrau nicht etwa auf einige fromme Äußerlichkeiten. Er wollte denken und handeln in Vereinigung mit Maria und opferte Gott alles auf durch die Hände Marias, denn sie war seine himmlische Mutter, die er nie genug verehren und lieben zu können glaubte.

 

Der heilige Franz Xaver (+ 3. Dezember 1552) bat Gott nie um etwas als durch die Vermittlung Marias. Niemals unternahm er etwas, ohne sich ihrem mächtigen Schutz zu empfehlen. Wenn er die christliche Lehre erklärte oder predigte, wendete er sich an Maria, um durch sie Erleuchtung und Stärke im Glauben zu erbitten, und beschloss seine Unterweisungen mit dem Gebet: „Gegrüßet seist du, Königin.“ In den vielen Schwierigkeiten, denen er bei seiner apostolischen Tätigkeit begegnete, stellte er sich stets unter ihren mächtigen Schutz und glaubte dadurch über alle Gefahren erhaben zu sein. Um zu beweisen, dass er Marias Diener sei, trug er gewöhnlich einen Rosenkranz um den Hals. Und um die Neubekehrten zum Beten des Rosenkranzes kräftig aufzumuntern, wirkte er mit ihm eine Menge der auffallendsten Wunder.

 

Der heilige Alfons von Liguori lebte nur für Jesus und Maria. Jesus und Maria waren das Atmen seiner Seele. Selbst in seinen Träumen dachte er nur an sie und sprach mit rührender Zärtlichkeit zu ihnen. Ein junger Religiose, der in das Zimmer seines heiligen Stifters trat, während er schlief, hörte ihn laut seufzen: „Wie bist du so schön, o Maria! Wie bist du so schön, o Jesus!“ Und ein anderes Mal: „Ich will meinem Gott Freude machen und müsste auch die ganze Welt zugrunde gehen; was Gott gefällt, will ich allzeit tun.“

 

Von der heiligen Theresia (+ 4. Oktober 1582) wurde gesagt: „Ich kann von Theresia sagen, dass sie der seligen Jungfrau Maria alles verdankt, was ihr eine Kreatur zu verdanken hat, und dass sie dagegen die Gottesmutter so sehr geliebt und geehrt hat, als ein sterbliches Herz sie lieben und ehren kann.“

Als Theresia 1563 ein neues Karmelitinnenkloster gegründet hatte und zur Priorin gewählt wurde, war es der erste Schritt ihrer Verwaltung, dass sie die Muttergottes-Bildsäule an den der Äbtissin (Priorin) vorbehaltenen Platz stellte. Hierauf nahm sie die Schlüssel des Klosters und das Regelbuch und legte sie Maria als Opfergabe zu Füßen mit der Bitte, sie möge die erste Vorsteherin des Hauses sein und dessen Leitung für das Geistliche und Zeitliche übernehmen.

Die heiligste Gottesmutter zeigte bald, wie wohlgefällig ihr diese Huldigung ihrer treuen Dienerin Theresia gewesen war. „Denn, als ich Priorin geworden bin“, sprach Theresia, „sah ich, während man das Salve Regina anstimmte, dass die Muttergottes sich auf den Betstuhl der Priorin, über dem ihr Bildnis steht, umgeben mit einer großen Schar von Engeln, herabließ und sich an denselben Ort setzte.“

 

Der heilige Ignatius von Loyola (+ 31. Juli 1556) stellte gleichfalls sich selbst und seine ganze Gesellschaft wie auch das gesamte Wirken aller ihrer Mitglieder unter den Schutz Mariens, deren Bildnis er stets auf seiner Brust trug.

 

Der heilige Kajetan von Thiene (+ 7. August 1547), Stifter der Theatiner, unternahm nichts wichtiges, ohne vorher mit und vor der Muttergottes sich beraten zu haben.

 

Der selige Antonius Baldinucci (+ 7. November 1717) ließ keinen Tag vorübergehen, ohne der Gottesmutter, der er sein Leben geweiht hatte, in irgend einer Weise seine Liebe bezeugt zu haben, und er hätte lieber auf die notwendige Nahrung verzichtet, ehe er seiner schönen Gewohnheit untreu geworden wäre.

 

Der heilige Vinzenz Pallotti (+ 22. Januar 1850) trug eine ganz besondere Andacht zur allerseligsten Jungfrau Maria.

Es war ihm nicht möglich, irgendetwas zu unternehmen, wenn er nicht zuvor die Hilfe der Gottesmutter angerufen hatte, denn er hegte die Überzeugung, dass unter ihrem gnädigen Schutz alle Dinge, besonders aber die Bemühungen für die Seelen und die Sünder, einen guten Ausgang nähmen.

Er trug beständig ein kleines, überaus schönes Bild der göttlichen Mutter, das Jesuskind auf dem Arm haltend, bei sich und reichte es jenen zum Kuss, die seine Hand küssen wollten, und nicht selten knüpften sich infolge des Glaubens, den er zu erwecken wusste, wunderbare Wirkungen daran.

Jeden Morgen brachte der Diener Gottes seiner himmlischen Mutter sein ganzes vor ihm liegendes Tagewerk dar, mit der innigen Bitte um ihren Beistand.

 

Die heilige Armella (Armilla Nicolas, + 24. Oktober 1671) war 30 Jahre Dienstmagd in einem Herrschaftshaus und bat die seligste Jungfrau um die Gnade, dass sie alle ihre Arbeiten und Dienstleistungen nicht anders verrichten möge, als wenn sie im heiligen Haus bei der heiligen Familie zu Nazaret angestellt, die wahre Dienstmagd der Muttergottes wäre.

Tag und Nacht beschäftigte sich Armella im Geist mit Maria, beobachtete alle ihre Handlungen im Hauswesen, wie sie ihren göttlichen Sohn liebte, wie sie Jesus ihre Zärtlichkeit bezeigte, als ihrem Gott in Ehrfurcht diente, ihn an ihre Brust drückte, auf ihren Armen trug – und suchte dann nach Mariens Beispiel im Geist dasselbe zu tun. Das Haus, wo sie wohnte, schien ihr das Haus der allerseligsten Jungfrau zu sein und es kam ihr vor, als wäre sie Mariä und ihres Sohnes Magd. Bei all ihren Verrichtungen im Hauswesen und in der Küche benahm sich Armella, als wenn es für Jesus, Maria und Josef in Nazaret geschehe. Daher kam ihr die Arbeit auch stets sehr leicht und angenehm vor.

 

Der im Jahr 1888 seliggesprochene und am 20. Juli 1947 durch Papst Pius XII. heiliggesprochene Ludwig Grignon von Montfort (+ 28. April 1716) besaß von Jugend an eine ganz besondere Andacht zur Muttergottes. Sein Lebensbeschreiber wagt zu behaupten: „Ihr werdet vielleicht seit den Apostelzeiten keinen finden, der mehr die allerseligste Jungfrau geliebt und verherrlicht hätte.“ Der Selige verbreitete eine Andacht, die nur für Seelen bestimmt ist, denen es besonders ernst ist im Streben nach Vollkommenheit und Heiligkeit. Es ist dies die Weihe und Hingebung aller eigenen guten Werke an Maria. Diese Weihe geht weiter als der sogenannte „heldenmütige Liebesakt zugunsten der armen Seelen“. Durch diesen nämlich begibt sich derjenige, der ihn ablegt, der freien Verfügung des genugtuenden Wertes aller von ihm und für ihn zu verrichtenden guten Werke. Durch diese Weihe an Maria begibt er sich zu dem der freien Verfügung über den Bitt- und Verdienstwert, soweit es möglich ist, und überträgt alles, was er ist und hat. – Die Andacht besteht darin, dass man sich der allerseligsten Jungfrau ganz und gar, als leibeigen und völliges Eigentum hingibt, um durch sie Jesus Christus gänzlich anzugehören, so zwar, dass man alles mit Maria, in Maria, durch Maria und für Maria tut, in der Absicht, um alles besser und vollkommener mit Jesus, in Jesus, durch Jesus und für Jesus, der unser letztes Ziel und Ende ist und bleibt, tun und vollbringen zu können. Wir weihen und schenken ihr Leib und Seele, den Leib mit seinen Sinnen und Gliedern, die Seele mit all ihren Kräften und Vermögen, die äußeren Güter des Glücks, Haus und Hof, Familie und Einkünfte, um sie, so gut wir es erkennen, zur Ehre und nach dem Willen Gottes und Mariä zu gebrauchen, zu verwenden und zu verwalten. Wir weihen und schenken ihr ferner die inneren Güter der Seele, nämlich unsere Verdienste, Gnaden, Tugenden, guten Werke, und zwar nicht bloß die vergangenen und gegenwärtigen, sondern auch die zukünftigen, kurz alles, was wir nach den Ordnungen der Natur und der Gnade und der Glorie in Zukunft noch besitzen können.

Es muss hervorgehoben werden, dass die Seele infolge dieser Andacht durch die Hände Mariä auch dasjenige Jesus opfert, was ihr am liebsten und teuersten ist, und dessen Opfer auch durch das Ordensleben nicht verlangt wird, nämlich das Recht der freien Verfügung über die Frucht oder den inneren Wert ihrer guten Werke, ihrer Gebete, Almosen, Abtötungen usw., indem sie die volle Verfügung darüber der allerseligsten Jungfrau überlässt, damit sie ganz nach ihrem Gutdünken und Belieben zur höchsten Ehre Gottes, die sie am besten kennt, darüber verfüge. Ferner übergeben wir der lieben Mutter Gottes kraft dieser Andacht alle unsere Gebete und anderen guten Werke, insofern sie genugtuende oder gnadenerbittende Kraft haben, damit sie, was an ihnen anderen zuwendbar ist, austeile und zuwende, wem sie will, und damit, was wir durch sie nach Gottes Willen für uns zu unserem Heil auswirken sollen, sie für uns in Empfang nehme und uns übermittle. Sonach sind wir nach geschehener Aufopferung und Hingabe an Maria, obwohl wir keine Gelübde gemacht haben, dennoch nicht mehr Herren über den Wert oder die genannten Früchte unserer guten Werke, Handlungen, Gebete usw. Nein, sondern die allerseligste Jungfrau kann die Frucht davon zuwenden, wie sie will und wem es ihr beliebt, jetzt einer armen Seele im Fegfeuer die genugtuende Frucht unserer Werke und Leiden, um ihre Pein zu lindern, oder sie ganz davon zu erlösen, dann einem armen Sünder die gnadenwirkende Frucht, um seine Bekehrung zu erlangen.

Wünschen wir demnach, nachdem wir uns in der angegebenen Weise der allerseligsten Jungfrau geweiht haben, irgend einer armen Seele im Fegfeuer Linderung zu verschaffen, oder irgend einen unglücklichen Sünder vor dem Untergang zu bewahren, oder einem unserer Freunde mit unseren Gebeten, Almosen usw. zu helfen, so haben wir, kraft unserer Aufopferung an Maria, kein Recht mehr, den Wert unserer guten Handlung unmittelbar durch uns selbst aufzuopfern, sondern wir müssen die allerseligste Jungfrau demütigst bitten, dass sie es tue. Im Übrigen müssen wir aber zufrieden sein mit dem, was Maria darüber bestimmt, ohne es je erfahren zu wollen, jedoch fest überzeugt, dass der Wert unserer Handlungen nicht anders, als zur größeren Ehre Gottes verwendet wird, eben weil er durch die Hand verteilt wird, deren sich Gott bedient hat, um uns seine Gnadengaben mitzuteilen. Wir dürfen aber auch versichert sein, dass auf diese Weise durch diese selbstlose Hingabe an Maria – weder die armen Seelen im Fegfeuer, noch die armen Sünder, weder wir selbst, noch unsere Freunde zu kurz kommen. In besagter Weise sich durch Maria Jesus hingeben, ist im gewissen Sinn eine Nachahmung des himmlischen Vaters, der uns ja auch seinen göttlichen Sohn durch Maria geschenkt hat, und uns noch immer seine Gnaden durch Maria verleiht. Es ist zweitens eine Nachahmung des göttlichen Sohnes, der nur durch Maria zu uns gekommen ist, und uns so ein Beispiel gegeben hat, dass auch wir tun, ähnlich wie er, dass wir nämlich auf demselben Weg, auf dem er zu uns herabgekommen ist, nämlich durch Maria, zu ihm hinaufsteigen. Es ist drittens eine Nachahmung des Heiligen Geistes, der uns seine Gnaden und Gaben eben durch diese seine von ihm unzertrennliche Braut Maria zukommen lässt.

„Ist es nicht recht und billig“, fragt der heilige Bernhard, „dass die Gabe auf demselben Weg zu ihrem Urheber zurückkehre, auf dem sie zu uns gelangt ist?“

Sich auf die genannte Weise durch Maria Jesus weihen, heißt, alle unsere guten Werke, die nicht selten wegen der ihnen anhaftenden Eigenliebe wahrhaft befleckt und unrein sind, in die Hände Mariä legen, damit diese gütige Mutter und Gebieterin dieses geringfügige Geschenk, das sie von uns empfangen hat, von allen seinen Makeln und Unvollkommenheiten reinige, es heilige, schmücke, und so als eine Gottes würdige und Gott angenehme Gabe ihm selbst darbringe und aufopfere. Welch ein Glück ist das. Es verhält sich hier wie mit einem Landmann, der dem König einen großen Pachtzins schuldig wäre, dabei aber nichts anderes in seinem Vermögen besäße als etwa einige Früchte, die überdies nicht in bestem Zustand wären. Wäre es nun angezeigt, dass der Bauer die Früchte in eigener Person vor das Angesicht des Königs brächte und sie ihm als Pachtzins oder auch nur als Geschenk anböte? Gewiss nicht. Was sollte dieser arme Mann also tun? Gewiss, wenn er nur halbwegs verständig wäre, würde er, falls er bei der Königin in Gnaden stünde, diese seine Früchte der Königin selbst darbringen, und diese würden dann einerseits aus Wohlwollen gegenüber dem armen Landmann, andererseits aus Hochachtung gegenüber dem König diese gütigst annehmen, das Verdorbene und Schadhafte, was daran haftete, beseitigen, und sie sodann – und wenn es auch nur einige Obstsorten, ja nur ein Apfel wäre, - in einer goldenen Schale dem König darbieten. Und könnte der König dann wohl anders handeln, als dass er die obschon geringe Gabe annehme, da sie ihm ja von der Königin selbst im Namen des armen Landmannes, der überdies bei ihr in Wohlwollen steht, dargereicht wird? Ähnlich ist nun aber auch unser Verhältnis zu Gott, unserem Herrn, und zu unserer himmlischen Königin. „Willst du Gott etwas Geringes zum Opfer bringen“, sagt hierher bezüglich der heilige Bernhard, „so sorge dafür, dass du es den Händen Marias übergibst, wenn du nicht abgewiesen werden willst.“ „Bilde dir nicht ein“, sagt der heilige Grignon, „dass es vollkommener sei, bei deinen Verrichtungen und Absichten geraden Weges auf Gott loszusteuern. Das ist eine Täuschung. Denn wenn du ohne Maria dieses Ziel erreichen willst, so werden deine Werke einen geringeren Wert haben. Wirkst du aber durch Maria, so ist sie es, die eigentlich in dir wirkt, und darum werden deine Handlungen überaus edel und in besonders hohem Grad Gott wohlgefällig sein.“

 

Schon der Name Maria erfreute die Heiligen. Die heilige Kreszentia von Kaufbeuren (+ 5. April 1744) konnte den lieben Namen Maria weder hören noch selbst aussprechen, ohne tief ihr Haupt zu neigen, und auch im Äußeren die Andacht und Liebe zu zeigen, von der ihr Herz durchglüht war.

 

Der heilige Johann Baptist de la Salle (+ 7. April 1719) rechnete es sich während seines ganzen Lebens zur Ehre, Diener Mariä zu sein, und bestrebte sich aus allen Kräften, ihre Verehrung zu verbreiten. Er empfahl den Brüdern nichts so sehr, als zu dieser heiligen Jungfrau, der Verwalterin des göttlichen Gnadenschatzes, ihre Zuflucht zu nehmen, und es lag ihm so sehr am Herzen, dass man von ihr mit Ehrfurcht rede, dass er nicht erlaubte, ohne die Worte „heiligste Jungfrau“ beizufügen. Er selbst bediente sich immer dieser Worte und gebrauchte auch in seinen Schriften keine anderen. Er tadelte diejenigen, die ohne darauf Acht zu haben, sie einfach Jungfrau oder heilige Jungfrau nannten.

 

Wenn der heilige Alfons von Liguori den Namen Maria in einem Buch fand, bedeckte er ihn mit Küssen. Er schrieb ihn auch vor alle seine Briefe und alle seine Schriften.

 

Rührend war die Andacht der heiligen Hyazintha Mariscotti (+ 30. Januar 1640), einer geistlichen Tochter der heiligen Klara, zum Namen Maria. Sie unterzeichnete sich immer: „Hyazintha, der Jungfrau Maria“. Sie fühlte eine ganz besondere Zuneigung zu Personen, die diesen Namen trugen, und wenn sie ihn aussprechen hörte, schlug ihr Herz heftig. In der Nähe ihres Klosters wohnte eine Frau dieses Namens, die in aller Frühe von einer Nachbarin laut gerufen wurde. Wenn nun dieser Name an ihre Ohren drang, empfand sie solche Freude, dass sie Tränen vergoss. Auf ihrem Löffel grub sie den Namen Maria ein. Ebenso wollte sie auf ihrem Teller, auf der Tasse, auf der Schere, auf dem Nähkästchen und auf dem Bußhemd, das sie trug, den Namen Maria sehen. Oft schickte sie junge, fromme Mädchen in die Muttergotteskirchen dort zu kommunizieren, um Maria ihre Huldigung darzubringen. Unaufhörlich diesen wunderbaren Namen anrufend gab sie auch ihren Geist auf.

 

Ein besonders inniger Verehrer des Namens Mariä war der heilige Kasimir (+ 4. März 1484), ein Prinz von Polen. Ihr Name schwebte unablässig auf seinen Lippen. Ihr zu Ehren verfasste er einen ungemein zarten und lieblichen Hymnus: „Omni die dic Mariae mea laudes anima – Alle Tage sing und sage usw.“

Vor seinem Tod bat er, man möge das Gedicht, das er zur Verherrlichung des glorwürdigen Namens Mariä verfasst hatte, ihm unter das Haupt in den Sarg legen. Dies geschah auch. Als im Jahr 1604 sein Grab geöffnet wurde, fand man unter seiner Schläfe neben dem unverwesten Körper den Hymnus der allerseligsten Jungfrau.

 

Der heiligen Brigitta offenbarte die seligste Jungfrau, dass, wenn die Schutzengel den Namen Maria vernehmen, sie sich denjenigen nähern, die ihnen anvertraut worden sind und ihnen noch größere Sorge und Obhut widmen, während die Teufel den Namen Maria im höchsten Grad scheuen und genötigt werden, diejenigen augenblicklich zu verlassen, die ihren Namen mit Liebe und Vertrauen anrufen.

 

Der Name Maria hat als Schlachtruf, als Kriegsparole mehr als einmal den Kampf zugunsten derer entschieden, die ihn erhoben hatten, und ihnen Sieg eingebracht. Die Geschichte bezeugt es auf vielen Blättern. In der Schlacht bei Lützen im Jahr 1632 lautete die Parole für die kaiserlichen Truppen: „Jesus, Maria!“ – und ihr ärgster Feind, der Katholikenfeind Gustav Adolf von Schweden, ist dort gefallen. In der gewaltigen Schlacht am Kahlenberg bei Wien, im Jahr 1683, gab der Polenkönig Johann Sobiesky den christlichen Streitern die Parole: „Maria hilf!“ – und sie hat geholfen, die Türken wurden dermaßen in die Flucht geschlagen, dass sie seitdem nie mehr bis Wien vorgedrungen sind.

 

Der heilige Bernhard ruft aus: „O große, o fromme, o liebenswürdige Jungfrau! Dein Name ist so süß und lieblich, dass man ihn nicht nennen kann, ohne von Liebe zu dir und zu Gott, der ihn dir gegeben hat, entflammt zu werden.“

 

Der selige Heinrich Suso (+ 25. Januar 1366) versichert, dass, wenn er den Namen Maria nenne, sein Vertrauen außerordentlich wachse und sein Herz ganz von Liebe entzündet werde. Er versichert weiter, dass dieser wunderbare Name wie Honigseim im Grunde seiner Seele zu schmelzen scheine, und ruft deshalb freudetrunken aus: „O süßer Name! O Maria! Was wirst du erst selber sein, wenn dein Name schon so süß und liebenswürdig ist.“

 

Die Muttergottes offenbarte der heiligen Mechthildis (+ 1282):

„Meine Tochter, nichts vermag meinem Herzen eine größere Freude zu bereiten als der Gruß, der mir durch die Stimme des Engels vom Himmel zuteilwurde. Wenn man mir sagt: Ave Maria, so denke ich an die Ehre, die mir Gott dadurch erwies, dass er mir durch seinen Engel einen solchen Gruß voll Liebe sandte.

Wenn man mir sagt: Du bist gebenedeit unter den Frauen, so gedenke ich aller Segnungen, aller Lobpreisungen, die im Himmel und auf Erden wegen meiner Gotteswürde an mich gerichtet werden. Bei den Worten: Gebenedeit ist die Frucht deines Leibes Jesus, erneuert sich in meinem Herzen die Freude, die ich darüber empfinde, dass ich so innig mit dem Sohn Gottes vereinigt bin, und ich werde daran erinnert, dass es ewig wahr sein wird, dass ich seine Mutter bin, und dass er mein Sohn ist.“

 

Es ist leicht zu begreifen, dass alle Heiligen diesen Gruß Gottes an Maria, am allerliebsten beteten. Da der heilige Alfons Maria Liguori in seinem hohen Alter das Gehör fast gänzlich verloren hatte, musste man ihn seinem Verlangen gemäß täglich dreimal aufmerksam machen, wenn es zum Angelus läutete.

Wenn der heilige Stanislaus Kostka (+ 15. August 1568) das Ave Maria betete, hatte er Freude an jedem Wort.

 

Die heilige Mathilde (+ 14. März 968) pflegte in der Vorbereitung zur heiligen Kommunion ihre himmlische Mutter auf folgende Art durch fünf Ave Maria zu preisen. Das erste Ave Maria betete sie zu Ehren der jungfräulichen Reinheit Mariä, wegen der der Herr sie zu seiner Mutter erwählt hat, zu Ehren ihrer Demut und Ergebung in ihren göttlichen Willen, mit der sie erklärt hatte: Ich bin eine Magd des Herrn, mir geschehe nach deinem Wort und mit der sie dem Sohn Gottes auf dem königlichen Thron ihres Herzens behandelt hat, um durch Maria eine ähnliche Reinheit, Demut und Gleichförmigkeit mit dem göttlichen Willen in der Behandlung des göttlichen Gastes in ihrem Herzen zu erlangen. Das zweite betete sie zu Ehren der Liebe und Ehrfurcht, mit der Maria den Sohn Gottes empfangen hat, um dadurch einen erleuchteten Glauben an den im Sakrament verborgenen Gott und eine ähnliche Liebe und Ehrfurcht gegenüber ihm zu erlangen. Das dritte betete sie zu Ehren der unermesslichen Gnaden, die Maria von ihrem göttlichen Sohn, der in ihr wohnte, empfangen hat, um auf ähnliche Weise durch die heilige Kommunion begnadigt zu werden. Das vierte betete sie zu Ehren der Freude und des Entzückens Marias über die Menschwerdung des Sohnes Gottes in ihr, um die Freude, die Sammlung und den Eifer zu erlangen, auf ähnliche Weise Christus den Herrn in sich aufzunehmen. Das fünfte betete sie zu Ehren der Dankbarkeit Mariä, mit der sie die Wohltaten Gottes pries, um ein gleich dankbares Herz Jesus im göttlichen Sakrament gegenüber zu erlangen. Diese schöne Andacht gefiel Maria so wohl, dass sie ihr oftmals sichtbar erschien, ihre Seele von allen Ängsten und Zweifeln befreite und alle erbetenen Gnaden im reichlichsten Maß ihr mitteilte. Maria stand ihr auch in ihrer Sterbestunde bei. Ihr heiliger Leib wurde nach dem Tod weiß wie Schnee und ihr Angesicht strahlte in wunderbarem Glanz zum Zeichen, wie rein und schön ihre Seele gewesen ist.

 

Das Ave Maria recht und gehörig, d.h. mit Andacht, Aufmerksamkeit, Eingezogenheit und Demut gebetet, ist nach den Aussprüchen der Heiligen der furchtbarste Feind des Teufels, der ihn in die Flucht schlägt, und gleichsam der Hammer, der ihn zermalmt. Es ist die Heiligung der Seelen, die Freude der Engel, das Lied der Auserwählten, der Hochgesang des Neuen Bundes, die Lust und Wonne Mariä und die Ehre und Glorie der heiligsten Dreifaltigkeit. Das Ave Maria ist ein keuscher Kuss der Liebe, den wir Maria geben, es ist eine Purpurrose, die wir ihr darreichen, eine kostbare Perle, die wir ihr opfern, ein Kelch voll göttlichen Nektars (himmlischen Weines), den wir ihr darbieten. Das sind lauter Vergleiche, die von Heiligen stammen.

 

Schon in früher Jugend hatte der heilige Alfons von Liguori das Gelübde gemacht, täglich den Rosenkranz, die Vereinigung vieler Ave Maria zu beten. Niemals hätte er sich zur Ruhe begeben, ohne seiner innigstgeliebten Königin und Mutter diesen Tribut der Huldigung dargebracht zu haben. Er pflegte zu sagen, seine Auserwählung sei an diese Andacht geknüpft, und ein einziges Ave Maria habe mehr Wert, als alle Schätze und Vergnügungen der Welt. Doch konnte ein Rosenkranz seiner großen Liebe zu Maria nicht vollauf Genüge tun, er hatte ihn beständig in der Hand.

 

Man kennt mehr als 200 päpstliche Rundschreiben, Breven, Erlässe, die den Rosenkranz empfehlen.

Papst Pius IX. hat allein nicht weniger als dreißig Dekrete zu Ehren der Rosenkranzkönigin erlassen. Zu einem Bischof, der ihm mehrere Rosenkränze zu segnen vorlegte, sagte er: „Verkünde allen Gläubigen, dass der Papst sich nicht damit begnügt, Rosenkränze zu segnen, sondern, dass er auch selbst alle Tage den Rosenkranz betet und seine Kinder einladet, dasselbe zu tun.“ Eine Anrede an eine korsische Abgesandtschaft schloss er am 7. Mai 1877 mit den Worten: „Sagt den Eurigen, dass der Papst ihnen einen Rat gibt, dass sie nämlich jeden Abend mit der ganzen Familie den Rosenkranz beten, denn der Rosenkranz ist der kurze Inbegriff aller christlichen Gebete.“ Und bei einer anderen Gelegenheit sprach er sich über den Rosenkranz folgendermaßen aus: „Der heilige Rosenkranz ist ein kleines Evangelium und führt diejenigen, die ihn andächtig und fleißig beten, zu dem Frieden, der im Evangelium versprochen ist.“

 

Papst Leo XIII. bezeichnet den Rosenkranz als die geeignetste Gebetsweise, den Übeln unserer Zeit zu begegnen.

 

Der heilige Franz von Sales (+ 28. Dezember 1622), Bischof von Genf, preist und empfiehlt in mehreren seiner Schriften die Rosenkranzandacht. Er hatte sich frühzeitig in die Bruderschaft aufnehmen lassen und betete täglich den heiligen Rosenkranz so andächtig, dass er öfters lange Zeit damit zubrachte, indem er über die Geheimnisse Betrachtungen anstellte. Er predigte häufig über die Vorzüge des Rosenkranzgebetes und veranlasste die Geistlichen, darüber als eine Quelle vieler Gnaden das christliche Volk zu belehren.

 

Der heilige Karl Borromäus (+ 3. November 1584), Kardinal-Erzbischof von Mailand, war von der Wichtigkeit dieser Andacht fest überzeugt und betete nicht bloß selbst täglich den heiligen Rosenkranz, sondern gründete auch die Rosenkranz-Bruderschaft in seiner Kathedralkirche, führte sie unter der Geistlichkeit ein und schrieb sämtlichen Zöglingen des mailändischen Klerikalseminars vor, dass sie täglich einen Teil des heiligen Rosenkranzes beteten. Dieser Gebrauch besteht noch immer in den geistlichen Bildungsanstalten Italiens, Frankreichs und anderer Länder.

 

Wie die genannten Heiligen, so haben es sämtliche heilige Stifter und Beförderer geistlicher Genossenschaften getan. Sie schrieben den Rosenkranz ihren Jüngern vor und verbanden ihn mit den Andachtsübungen ihrer Institute. Der heilige Ignatius, der heilige Vinzentius von Paul, die heilige Theresia, der heilige Philippus Neri, der heilige Antonius von Padua, der heilige Bernardinus von Siena, die heilige Franziska von Chantal gaben sich eifrigst dieser Andacht hin und die übrigen Orden folgten diesem Beispiel.

 

Der heilige Philipp Neri (+ 26. Mai 1595) hatte den Rosenkranz immer bei sich im Bett, und wenn er erwachte fing er ihn sogleich an zu beten.

 

Der heilige Paul vom Kreuz (+ 18. Oktober 1775) bekannte: „Den Rosenkranz will ich beten, solange ich lebe, und wenn ich es nicht mehr mit den Lippen kann, will ich es mit dem Herzen tun.“

 

Der heilige Petrus Claver (+ 9. September 1654), der Apostel der Sklaven, verteilte alle Jahre 8000 bis 9000 Rosenkränze an die in Amerika neuangekommenen Sklaven und sorgte, dass sie ihn bei sich trugen und beten lernten.

 

Zum heiligen Heinrich Suso sprach der Herr: „Diejenigen, die in der Bruderschaft des heiligen Rosenkranzes leben, werden von Krankheiten bewahrt oder befreit, vor vielen Gefahren geschützt, sie stehen leichter auf von den Sünden, leisten schneller und vollkommener Genugtuung für ihre begangenen Sünden, triumphieren leichter in den Versuchungen des Satans, ertragen geduldiger und freudiger die gegenwärtige Drangsal, schaffen Frieden, vermehren die Werke ihrer Tugenden und Verdienste, erweitern die Verehrung Gottes, erwirken ihren Bitten leichtere Erhörung, haben Gott und die Heiligen öfter zur Hilfe bereit, erlangen leichter die endliche Beharrlichkeit, werden gewisser vor der Hölle bewahrt, erwarten ruhiger den Richter an ihrem letzten Ende, erlangen leichter das ewige Leben, schauen Gott im künftigen Leben viel heller, genießen Gott herrlicher und erfreuen sich größerer Güter im ewigen Leben.“

 

Der heilige Klemens Hofbauer (+ 15. März 1820) hat Großartiges zum Heil der Seelen in Wien gewirkt. Immer aber wies er auf Maria, die selige Jungfrau hin und sagte, dass niemand in den Himmel komme außer durch die Mutter Gottes. Gerade damals wurde die altehrwürdige Andacht zum Rosenkranz von den hochmütigen Philosophen und aufgeklärten Gebildeten verhöhnt. Für die Diener und Dienerinnen Gottes aber war der Rosenkranz die Quelle der Weisheit, der Rosenkranz war seine beste Waffe. Gerne nannte er ihn seine „Bibliothek“, weil er nämlich dabei das Leben und Leiden des Herrn und der göttlichen Mutter betrachten und Nahrung für seine Predigten daraus schöpfen konnte. Beinahe immer, auf all seinen Wegen und im Beichtstuhl, hielt der Diener Gottes einen kleinen Rosenkranz, den er von Pius VII. zum Geschenk erhalten hatte, in seinen Händen und betete ihn beständig.

Einmal hatte er diesen teuren Rosenkranz verloren. Als eine Ursulinerin, in deren Kloster er Beichtvater war, ihn fand und ihm wieder brachte, sagte er zu ihr: „Du hast mir auf diese Weise geholfen, die Sünder zu bekehren, denn so oft ich den Rosenkranz für einen Sünder bete, habe ich immer dessen Bekehrung erlangt.“ Wenn man ihn zu einem Kranken rief und bemerkte, es sei aber ein weiter Weg, antwortete er: „Umso besser für den Kranken, da kann ich unterwegs mehr Rosenkränze beten.“ Auch die Ursulinerinnen sowie auch seine Beichtkinder ermahnte er häufig, sie möchten ihm durch das Gebet des Rosenkranzes die Sünder bekehren helfen. Mit ganz besonderer Andacht betete er den Rosenkranz, wenn er zu einem Sünder gerufen wurde, der 30 oder 40 Jahre nicht mehr gebeichtet hatte und sich hartnäckig gegen die Bekehrung sträubte. Er versicherte aber, durch das Rosenkranzgebet erhalte er alle Gnaden von Gott. Sein Gebet um die Bekehrung eines Sünders werde immer erhört, wenn er, zu ihm gerufen, soviel Zeit habe, um den Rosenkranz beten zu können. Strahlend vor Freude sagte er öfter zu den Ursulinerinnen: „Der Herr hat mir wieder eine Seele geschenkt, für die ich den Rosenkranz gebetet habe“ und er dankte ihnen dann auch recht herzlich, dass sie sein Gebet durch das ihrige unterstützten.

Den jungen Männern, die sich seiner Leitung unterstellten, gab er kleine Rosenkränze, die sie unbemerkt auch auf der Straße tragen und beten konnten, und empfahl ihnen, besonders abends, wenn sie ausgehen mussten, den Rosenkranz zu beten, um durch die Fürbitte Mariens den Versuchungen zur Unreinigkeit zu entgehen, die in großen Städten so häufig sind. „Ich bin überzeugt“, sagt ein Zeuge im Seligsprechungsprozess, „dass der Diener Gottes auf diese Weise unzählige Sünden verhindert und viele Seelen gerettet hat.“

 

Wenn der heilige Stifter der Pallottiner, Vinzenz Pallotti morgens, mittags oder abends das gewohnte Glockenzeichen vernahm, so betete er entblößten Hauptes andächtig den Englischen Gruß, unbekümmert um seine Umgebung, wo er auch sein mochte, und hätte er sich auch mitten im Ghetto der Juden befunden. Jeden Tag betete er einen, und sooft er konnte, alle drei Teile des Rosenkranzes. Er betete ihn, wenn er durch die Straßen Roms ging, ja, er hatte fast immer den Rosenkranz in den Händen. Er empfahl diese Andacht allen, und unermüdlich verteilte er Rosenkränze, nicht bloß in der Stadt, sondern auch unter dem Landvolk, wenn es zu ihm zur Beichte kam, oder wenn er sich zum Segnen der Feldfrüchte aufs Land begab.

 

Im Jahr 1879 schrieb der ehrwürdige Franz Josef Rudigier, Bischof von Linz: „Mit welcher Lust schaue ich auf die Pfarrhöfe hin, in denen allabendlich der Pfarrer mit seinem Kooperator und mit seinen Dienstboten den heiligen Rosenkranz betet.“ Mit welcher Erbauung schaute aber auch das fromme Volk in Linz auf seinen Bischof hin, wenn er in der Votivkapelle des neuen Domes allabendlich – so oft es die Umstände erlaubten, - mit seinem Volk gemeinsam den Rosenkranz betete.

 

Außer durch den Gruß des Engels und den Rosenkranz ehrten die Heiligen die Gottesmutter durch verschiedene andere kleine Huldigungen.

Jeden Tag las der ehrwürdige Vinzenz Pallotti in einem Buch, das vom Leben und den Tugenden der Gottesmutter handelte, und davon ließ er sich in Ansehung der Früchte des Heils, die er daraus schöpfte, auch auf Reisen und durch dringende Geschäfte nicht abbringen. Das Buch, dessen er sich gewöhnlich bediente, war „Die heilige Stadt Gottes“ der ehrwürdigen Maria von Agreda. Die gleiche Gewohnheit hatte schon vor ihm der heilige Alfons Maria Liguori und andere Heilige.

 

Der heilige Leonhard von Porto Maurizio betete jeden Tag den Rosenkranz der sieben Freuden Mariens und machte täglich zwölf Verbeugungen als Erinnerung der zwölf vorzüglichsten Gnaden, mit denen die allerheiligste Dreifaltigkeit die seligste Jungfrau ausgestattet hat. Bei jeder Verbeugung flehte er seine himmlische Mutter an um englische Reinigkeit, um tiefe Demut und um die Bekehrung der Sünder, und beteuerte, sie von Herzen zu lieben und bis zum letzten Atemzug lieben zu wollen als seine Mutter und Herrin.

Bei jedem Stundenschlag betete er ein Ave Maria und erweckte einen Akt der Freude über ihre unbefleckte Empfängnis. Wurde das Glockenzeichen zum Englischen Gruß gegeben, so erweckte er nach dem ersten das Gelübde der Armut in die Hände des Jesuskindes, nach dem zweiten das Gelübde des Gehorsams in die Hände Mariens, und nach dem dritten das der Keuschheit in die Hände des heiligen Josef.

 

Der heilige Edmund (+ 16. November 1240) hatte beim Studieren immer ein Bild der seligsten Jungfrau, der Mutter der Weisheit, vor sich. Er liebte besonders die Kirchen, die Maria geweiht waren und verharrte oft lange Zeit im Gebet unter Tränen und Seufzen vor dem Altar der Mutter Gottes.

Auf den Rat eines frommen Priesters beschloss Edmund als junger Mann, seine jungfräuliche Keuschheit durch ein Gelübde dem Herrn zum Opfer zu bringen und sich die seligste Jungfrau zu seiner Braut auszuerwählen. Er legte auch das Gelübde mit der innigsten Andacht vor einer Statue der jungfräulichen Gottesmutter ab, und um das Bündnis, das er mit der Königin der Engel abgeschlossen hatte, heiliger zu machen, besorgte er zwei Ringe, auf denen der Englische Gruß eingegraben war. Den einen Ring behielt er für sich, den anderen gab er der heiligen Jungfrau, indem er ihn an einen Finger ihres Bildnisses steckte. Dieses Bündnis war für Edmund so vorteilhaft, dass er kurz vor seinem Hinscheiden beteuerte, es sei ihm von großer Beihilfe gewesen, um den Teufel niederzuwerfen, den Aufruhr des Fleisches zu unterdrücken und die heftigsten Versuchungen zu überwinden.

 

Bereits der heilige Johannes Damaszenus (+ 4. Dezember 754), diese große Leuchte der morgenländischen Kirche und begeisterter Verehrer der Gottesmutter, berichtet, dass der Samstag dem Andenken der Gottesmutter geweiht war. Dass auch im Abendland schon frühzeitig der letzte Tag der Woche als Muttergottestag galt, bezeugt ausdrücklich der heilige Petrus Damianus, der im 11. Jahrhundert lebte und selbst ein Hauptbeförderer der marianischen Samstagfeier war. Während jedoch im Morgenland der Samstag von jeher als eine Art Festtag gefeiert wurde, wurde er im Abendland als Fasttag betrachtet. Übrigens war es in England, als es noch ganz katholisch war, Sitte, am Samstagnachmittag keine knechtischen Arbeiten zu verrichten. Es war also ein halber Feiertag, der zwar nicht von der Kirche vorgeschrieben war, sondern vom Volk in seiner kindlichen Liebe zu Maria eingeführt und gehalten wurde.

Nach einer von Durandus übermittelten Legende soll vor Zeiten in einer Kirche Konstantinopels sich ein Bild der seligsten Jungfrau befunden haben, vor dem ein Schleier hing, der es ganz bedeckte. Aber dieser Schleier entfernte sich am Freitag nach der Vesper von dem Bild, ohne dass jemand ihn anrührte, bloß durch ein Wunder Gottes, wie wenn er zum Himmel emporgetragen würde, damit das Bild von den Menschen vollkommen gesehen werden könne. Nach der Feier der Vesper fiel der besagte Schleier wieder auf das Bild herab und blieb da bis zum folgenden Freitagabend. Das habe die Marienverehrung am Samstag besonders gefördert.

 

Der heilige Bernhard ist sich mit anderen darin einig, der Samstag sei besonders deshalb Marias Andenken gewidmet worden, weil sie nach dem Tod Jesu, am Samstag vor seiner Auferstehung, den Glauben an seine Gottheit und Auferstehung festhielt und bewahrte, als Stellvertreterin der Kirche, während die Jünger des gestorbenen Jesus nicht recht wussten, woran sie waren.

 

Der heilige Petrus Damianus meint, der Samstag sei deswegen Maria geweiht, weil an diesem Tag Gott nach Vollendung der Schöpfung ruhte und bei der Menschwerdung in Marias Schoß eine Ruhestätte fand.

Im Orden des heiligen Franziskus wurde durch einen Beschluss des Generalkapitels, das im Jahr 1219, also noch zu Lebzeiten des Ordensstifters selbst, stattfand, für alle Klosterkirchen an jedem Samstag eine Muttergottes-Votivmesse angeordnet, die Verordnung dann durch den heiligen Bonaventura als General des Ordens erneuert wurde.

 

Der heilige Karl Borromäus, der heilige Johann vom Kreuz (+ 14. Dezember 1591), der heilige Krispin von Viterbo (+ 19. Mai 1750), der heilige Vinzenz Palotti, der heilige Bernhardin von Siena, die heilige Elisabeth von Portugal (+ 4. Juli 1336), der heilige Aloisius (+ 21. Juni 1591) und viele andere fasteten jeden Samstag.

 

Der gottselige Bischof Nithard von Bamberg nahm an Samstagen nie eine Speise zu sich. Auch vom ehrwürdigen Pater Josef Arriaga aus der Gesellschaft Jesu wird berichtet, dass er vierzig Jahre an Samstagen weder etwas aß noch trank. Der heilige Alfons von Liguori nahm an den Samstagen Maria zu Ehren nie einen Trunk, selbst nicht bei Tisch. Erst im dritten Jahr vor seinem Tod gab er diesen Verzicht auf, weil der Arzt darauf bestand, dass man ihm jeden Abend eine Tasse Schokolade reichen solle.

 

Der heilige Ludwig (+ 25. August 1270), König von Frankreich, versammelte aus Ehrfurcht gegenüber der heiligen Jungfrau jeden Samstag eine Menge Armer in seinem Palast, wusch ihnen demütig die Füße und bediente sie selbst an reich besetzter Tafel. Er wünschte an einem Samstag zu sterben, und sein Wunsch wurde auch erfüllt.

 

Die heilige Königin Radegundis (+ 13. August 587) ließ alle Samstage einen Aussätzigen in ihren Palast kommen, den sie eigenhändig bediente, wusch und reinigte.

Vom seligen Deodatus, einem Schuhmacher, erzählt uns der heilige Gregor, dass er alle Samstage in die dem Apostelfürsten geweihte Basilika ging, wo er zu Ehren Mariens alles verteilte, was er unter der Woche verdient hatte. Überhaupt war es von jeher Gewohnheit vieler Dienerinnen und Diener Mariens, an dem ihr geweihten Samstag ein Almosen zu verabreichen. Sie dachten eben mit Recht, dass derjenige kein Diener der Mutter der Barmherzigkeit sein könne und auf ihre Hilfe keinen Anspruch erheben dürfe, der selbst sein Herz und seine Hand dem Notleidenden verschließt.

 

Der heilige Einsiedler Gerlach (+ 5. Januar 1170) pilgerte jeden Samstag nach dem Liebfrauenmünster in Aachen, um daselbst die Gottesmutter zu begrüßen, und im Jahr 1229 ermahnte eine Synode zu Toulouse die Gläubigen, am Samstag aus Ehrfurcht gegenüber der Mutter unseres Herrn die Kirche zu besuchen.

 

Von der seligen Margareta (+ 16. November 1093), Prinzessin von Ungarn, lesen wir, dass sie am Samstag den Bußgürtel getragen hat. Schon in ihrem siebten Lebensjahr fing sie an diese Buße auszuüben.

 

Die heilige Rosa von Lima (+ 24. August 1617) zierte selbst oder ließ wenigstens jeden Samstag das Bild der Muttergottes mit Blumen zieren, die sie in dieser Absicht gezogen hatte.

Wieder andere Marienverehrer bemühten sich, durch kurze Samstags-Andachten die Herzen der Kinder und Gläubigen in der Liebe und Verehrung zu Maria zu befestigen. Pater Salmeron, einer der ersten Genossen des heiligen Ignatius, predigte jeden Samstag über Maria.

Viele ließen samstagabends ein Lämpchen vor der Madonna brennen.

 

Wir können es als ein sicheres Kennzeichen der großen Heiligen und als einen zuverlässigen Prüfstein der wahren Diener Gottes betrachten, dass ihre Andachten, dass ihre Tröstungen wie ihre Leiden stets genau im Zusammenhang mit dem Kreislauf des Kirchenjahres und dem äußeren kirchlichen Leben stehen. Wer einen Blick in die Schriften der heiligen Brigitta, Gertrud und Mechthild, des seligen Heinrich Seuse, geworfen hat, weiß, wie ihre Visionen und Übungen sich fast immer dem Gang der kirchlichen Festkreise anschließen. Maria von Aignes unterschied, selbst wenn sie den Tag nicht wusste, einen heiligeren von einem anderen am Geschmack.

Erschien ihr der Herr, so sah sie ihn meist, so wie es die Festzeit mit sich brachte, zu Weihnachten an der Brust der Mutter, zu Lichtmess auf den Armen Simeons, zur Leidenszeit in seiner Passion. Maria Bagnesia und Johanna von Orvieto und Coleta hatten selbst teil an den Schmerzen des Herrn und seiner Heiligen, wie sie der Umlauf des Jahres der Reihe nach den Gläubigen in Erinnerung bringt: sie schienen am Fest des heiligen Laurentius (+ 10. August 258) im Feuer geläutert, mit Petrus gekreuzigt zu sein. Man sah sie am Karfreitag wie mit dem Herrn sterbend, am Himmelfahrtstag gleichsam mit ihm zum Himmel schwebend. Der liebwerte Hermann Josef (+ 7. April 1241) wusste es kaum anders, als dass ein besonderer Festtag für ihn auch eine besondere Gnade, d.h. eine besondere Leidensheimsuchung mit sich bringen müsse. Er pflegte deshalb das Wort im Mund zu führen: Hohe Feste und höhere Schmerzen als Gäste.

 

Der heilige Philipp Neri hielt es für das Zeichen eines bedenklichen Seelenzustandes, wenn hohe kirchliche Festtage nicht auch zugleich Tage seien, die das Herz zu größerem religiösen Eifer erwecken. Der heilige Franz von Sales schreibt, dass jeder an heiligen Tagen mehr für Gott leben, und dass jeder, der auf den Namen eines wahren Christen Anspruch machen wolle, auf den öffentlichen Gottesdienst und die gemeinschaftlichen Andachtsübungen mehr halten solle, denn auf seine besonderen Äußerungen der Frömmigkeit. Und der heilige Bernhard wird nicht müde, den Geist, der so gerne eine eigene fromme Liebhaberei dem gemeinsamen kirchlichen Leben vorzieht, als Ausfluss jener Gesinnung zu verfolgen, die sich in dem Gedanken gefällt: „Ich bin nicht wie die übrigen Menschen.“

 

Besonders begnadet durch das geistige Mitleben mit dem ganzen Kirchenjahr war die selige Anna Katharina Emmerick (+ 9. Februar 1824), von der der Emmerickforscher P. Wegener schreibt: „Sie sah im Verlauf jedes Kirchenjahres unsere ganze Heilsgeschichte mit allen Umständen der Zeit, des Schauplatzes und der handelnden Personen, und zwar so treu und vollkommen, wie alles sich in Wirklichkeit begeben hat. Sie sah aber nicht allein diese Tatsachen, sondern sie war wie eine Mitlebende dabei. So befand sie sich zu Weihnachten in Betlehem an der Krippe und betete mit den Hirten an. Mariä Heimsuchung reiste sie mit der heiligen Jungfrau zu Elisabeth usw. Noch mehr, ihr Blick drang noch tiefer als der eines damaligen Augenzeugen, indem sie zugleich die Verheißungen und Vorbilder von dieser Erfüllung im alten Bund sah, und zudem umfasste sie noch in ihrem Geist das Wesen der Feiertage in festlicher und geschichtlicher Bedeutung während des ganzen Christentums.

Wie beging sie die Feste im Kirchenjahr? Vorerst schaute sie den geschichtlichen Hergang aus dem Leben Jesu, Marias, der Heiligen oder der Kirche, worauf das Fest beruht. Alsdann sah sie dasselbe Fest von der himmlischen Kirche vor dem Thron Gottes feiern. Sie sieht nämlich immer die kirchlichen Feste auf der Erde von den Engeln und Heiligen im Himmel zugleich begehen, um hierdurch das Unvollkommene und Fehlerhafte an der Feier der Menschen zu ersetzen, so dass Gott jedes Mal die ganze Ehre, die ihm durch dieses Fest von seinen Geschöpfen kann und soll dargebracht werden, auch dargebracht wird. Sie sieht dieses himmlische Fest auch über allen jenen Gegenden gefeiert, wo der katholische Glaube erstorben ist, und zwar in den Kirchen und von den heiligen Menschen, in denen und von denen es in früherer Zeit begangen worden ist, so dass eigentlich keine Stelle, wo jemals Gott verehrt worden ist, verloren gegangen ist. Auch in den jetzt noch katholischen Ländern sieht sie die aufgehobenen Klosterkirchen verklärt und in ihnen die Feier und das Gedächtnis der großen Heilstaten unseres Gottes von den verklärten Bewohnern der Klöster aus allen früheren Zeiten fortgesetzt.

Ferner wurden ihr bei jeder Festfeier deren innere Gnadenwirkungen vorgestellt, wie für sich, so auch für die Glieder der irdischen Kirche im Allgemeinen und für Einzelne.

Um nur ein einziges kleines Beispiel zu nennen, so begleitete Anna Katharina Emmerick im Advent Maria und Josef auf ihrer Reise von Nazareth nach Betlehem. Diese Zeit regte sie alljährlich zu lauterer Fröhlichkeit an, soweit ihre Krankheiten es erlaubten, sie sang dann auch Adventlieder. Zu Ehren Jesu und Mariä arbeitete sie alsdann fleißig an Mützchen und Binden aus allerlei geschenkten Lappen für Säuglinge und arme Frauen für Weihnachten.

Am Tag vor Weihnachten 1819 hatte sie heftige Schmerzen in allen Wunden und Gliedern, ihre Hände zitterten und zuckten vor Schmerz, sie ertrug es freudig kämpfend. Ihre Adventarbeiten für die Armen hatte sie schon ausgeteilt und sie schickte sich am Abend an, ihre Schmerzen, die ihr immer als Rosen äußerlich gezeigt wurden, als ihr Opfer zur Krippe zu bringen. Auf dem Weg zur Krippe sprach sie: „O, wer die Schönheit, Reinheit, arglose Tiefe Marias sehen kann! Sie weiß alles, und doch ist sie sich des Einzelnen wie nicht bewusst, so kindlich ist sie. Sie schlägt die Augen nieder, und wen sie anblickt, durch den geht ihr Blick wie ein Strahl, wie die Wahrheit, wie ein unbeflecktes Licht durch und durch! Dies ist aber, weil sie ganz unschuldig, Gottes voll und ohne Absicht ist.“

In der Erinnerung und Anschauung der Wunder von Betlehem wurde die kranke Katharina Emmerick wie leuchtend vor Freude, und ihr Geist erhielt eine unaussprechliche Lebendigkeit und Freudigkeit über die Gnade der Geburt Christi. „Sieh,“ rief sie aus, „wie leuchtet und lacht die ganze Natur in ihrer wiederkehrenden Unschuld und Freude! Alle frommen Herzen schlagen in heiliger Sehnsucht der Erlösung entgegen! Über die Sünder kommt Rührung, Reue, Hoffnung, über die Verstockten Unruhe und Verwirrung, die sie nicht verstehen. Alle fühlen die unbegreifliche Bewegung der Zeit, deren Fülle sich naht!“

 

Alle Heiligen und Marienverehrer haben die Marienfeste besonders geliebt und gefeiert.

Die heilige Kreszentia (+ 5. April 1744) diente der Gottesmutter im Geist durch das ganze Jahr wie ihrem göttlichen Sohn bereitwillig und unablässig als Magd. Vor Weihnachten reiste sie im Geist mit Maria nach Betlehem und verweilte bei ihr im Stall mit verschiedenen Übungen und Meinungen, die ihr vom Geist Gottes in reichster Fülle eingegeben wurden. Mit Maria floh sie nach Ägypten, in zärtlichster Liebe ihr dienend, kehrte dann mit ihr nach Nazareth zurück, wo sie gern verweilte und geistig im Dienst Mariä das verrichtete, was sie leiblich in der Klostergemeinde tat. In der Fastenzeit stand sie schmerzensreich mit der schmerzhaften Mutter unter dem Kreuz oder wachte mit ihr am Grab. Und wenn sie überhaupt das Leiden Christi betrachtete, so vergaß sie nie die Schmerzen der Mutter und fühlte auch in ihrem Herzen die Schneide des Schwertes, das Simeon der Mutter des Herrn geweissagt hatte.

Nach ihrer Aussage hat die Mutter des Herrn sich gewürdigt, ihr das gebenedeite Kind in die Arme zu geben. Mehrmals geschah dies, wenn die lauretanische Litanei gesungen wurde.

Am Fest Maria Himmelfahrt sah sie in einer Vision den herrlichen Einzug der Königin des Himmels in die heilige Stadt Gottes.

Vor allen Hauptfesten der Mutter-Gottes hielt sie Novenen mit strengen Fasten, mit Buß- und Tugendübungen, Betrachtungen und Gebeten, die sie an den Vigilientagen noch vermehrte. An den Festtagen selbst war sie ganz mit dem Lob, der Liebe und den Glückwünschen der heiligen Jungfrau beschäftigt.

 

Die selige Veronika von Mailand (+ 13. Januar 1497) sah am Fest Mariä Verkündigung im Gebet verzückt die allerseligste Jungfrau mit einem weißen Kleid angetan, schimmernd von Gold, eine zweifache Krone auf dem Haupt, als Königin des Himmels und der Erde. Auch sah sie das ganze Geheimnis der Menschwerdung, und der Engel, der sie dabei begleitete, sagte ihr, dass die heilige Jungfrau, als ihr der göttliche Gruß überbracht wurde, alsbald den ganzen Verlauf des Lebens und Leidens ihres göttlichen Sohnes erkannt habe.

 

Als die heilige Gertrudis die seligste Jungfrau fragte, welche Andacht ihr an diesem Fest die angenehmste wäre, sagte sie, dass diejenigen, die während der ganzen Oktav zum Gedächtnis der Menschwerdung, 45 Ave Maria andächtig beten wollten, ihr so viele Dienste erweisen würden, als wenn sie vom Anblick der Empfängnis bis zur Geburt zugegen gewesen wären und ihr die wichtigsten Dienste geleistet hätten. Und gleichwie sie ihnen damals keine Bitte versagt hätte, ebenso würde sie auch nicht umhin können, ihnen in all ihren Anliegen zu helfen.

 

Der heilige Aloisius hatte eine ganz besondere Andacht zu diesem Geheimnis. Kaum neun Jahre alt legte er vor einem Bild der Verkündigung Mariä das Gelübde der Jungfräulichkeit ab. Dadurch erhielt er, wie die Prozessakten seiner Heiligsprechung melden, die Gnade, dass er nie von einer unreinen Versuchung belästigt wurde.

 

Der heilige Ignatius von Loyola brachte zu Manresa die ganze Nacht vor diesem Fest am Altar U. L. Frau bald stehend, bald kniend im Gebet zu, indem er die Sünden seines früheren Lebens beweinte, und den ernsten Entschluss fasste, ein neues Leben und einen neuen Feldzug zu beginnen.

Diese Andacht zum Geheimnis der Verkündigung Mariä blieb auch fortan ein teures Vermächtnis des von ihm gegründeten Ordens. Wohin immer die Väter der Gesellschaft Jesu kamen, Kirchen oder Kollegien erbauten, wurden auch die Kongregationen der Verkündigung Mariä gegründet.

 

Eine Lieblingsandacht aller Heiligen war auch die Andacht zur Schmerzensmutter Maria. Eine alte Sage berichtet, der Heiland hätte schon dem Apostel Johannes nach der Himmelfahrt Mariens besondere Gnaden für diejenigen versprochen, die diese Andacht üben.

Im 13. Jahrhundert erschien die Muttergottes an der Stelle, wo heute der Dom von Florenz steht und dann am Monte Senario, den sieben Stiftern des Servitenordens und veranlasste sie, durch ihren Orden die Erinnerung an ihre Schmerzen besonders zu verbreiten. Das schwarze Skapulier und der Rosenkranz von den sieben Schmerzen rührt von diesem Orden her.

 

Der heiligen Brigitta versicherte der Herr, dass die Andacht zu den sieben Schmerzen Mariens ein Zeichen der ewigen Auserwählung sei und dass er im Leben und besonders im Tod jenen besonders beistehen werde, die diese Schmerzen andächtig verehren.

Am 24. Mai 1665 starb zu Agreda in Spanien in dem Kloster zur Unbefleckten Empfängnis, das sie gegründet hatte, die heiligmäßige Maria von Jesus, gewöhnlich Maria von Agreda (+ 24. Mai 1665) genannt, im Alter von 62 Jahren. Von frühester Jugend an wurde sie von Gott durch ungewöhnliche Erleuchtungen unterrichtet. Als ihr elterliches Haus in ein Kloster umgewandelt und die erste Heilige Messe daselbst gelesen wurde, erhielt sie die Offenbarung, dass ihr dort das Leben Mariä werde geoffenbart werden. Sie hat herrliches über die Schmerzen Mariens geschrieben. Nach ihren Mitteilungen war das Leiden Jesu der beständige Gegenstand der Betrachtungen der Gottesmutter. Das Bild ihres heiligsten mit Blut und Wunden bedeckten Sohnes stellte sich ihrem Geistesauge beständig lebendig dar. Es bedurfte nur eines einfachen Blickes ihres Geistes, und die ganze Passion stand als das vollkommenste, treueste Abbild des Geschehenen, mit allen Umständen, mit allen Örtlichkeiten, mit allen Personen vor ihr, und sie hörte alle Worte, alle Schmähungen und Beschimpfungen ihres Sohnes und sah auf das Klarste jede einzelne Handlung.

Sie verrichtete zu Ehren jeder Wunde, die der Heiland der Welt empfangen hatte, eigene Gebete und Begrüßungen, mit denen sie ihrem leidenden Sohn Anbetung, ausgezeichnete Verehrung und Huldigung darbrachte.

Was die göttliche Mutter in den Betrachtungen des heiligen Kreuzweges gelitten hat, das zu fassen übersteigt die menschlichen Kräfte. Es wird aber im Licht der Heiligen des Himmels einstens allen offenbar werden.

Maria von Agreda sagt weiter: „Durch diese unermessliche Liebe hat die Muttergottes für alle andächtigen Verehrer des bitteren Leidens wunderbare Vergünstigungen und Wohltaten erfleht und als die mächtige Königin der Barmherzigkeit hat sie ihnen allen ihren besonderen Schutz und die reichliche Zuwendung der Schätze der Passion zugesichert. Denn sie trägt das heiße Verlangen, dass das Andenken an das bittere Leiden lebendigst in der Kirche erhalten und bis zum Ende der Zeit erhalten werde. Und um dieses ihres Verlangens willen und um die Bitte seiner heiligsten Mutter zu erfüllen, verleiht der göttliche Heiland seiner Kirche die Gnade und Auszeichnung, dass zu allen Zeiten einzelne Seelen von ihm bereitet werden, die in möglicher Gleichförmigkeit mit der heiligsten Gottesgebärerin das bittere Leiden andächtig verehren du lebendig in sich erneuern.“

Es lässt sich auch nachweisen, dass es immer solche Seelen gegeben hat. Der gelehrte Arzt Dr. Imbert führt über 300 Fälle von heiligmäßigen Personen seit dem heiligen Franz von Assisi an, die die Wundmale des Herrn an ihrem Leib trugen, während sie die Leiden des Herrn mitfühlten. Im 19. Jahrhundert zählt man allein über zwanzig. Einer der letztbegnadeten war der heilige Pater Pio von Pietrelcina (+ 23. September 1968).

 

Die heilige Magdalena Sophie Barat (+ 25. Mai 1865) bekannte:

„Keine Bitte an die schmerzhafte Mutter bleibt unerhört. Alle zeitlichen und geistlichen Gnaden stehen der Schmerzensmutter und dadurch auch ihrem Verehrer zur Verfügung. Sie führt uns zum Herzen ihres lieben Sohnes. Wer hat je dessen Leiden und Bitterkeiten besser verstanden als sie, die sie alles dies so überaus innig geteilt?

 

Als der heilige Vinzenz Palotti im Jahr 1832 die schöne Andachtsübung der „Täglichen Ehrenerweisung“ zu Ehren der schmerzhaften Mutter, den sogenannten „Tributo quotidiano“, aus Psalmen und Gebeten des heiligen Bonaventura bestehend, kennen gelernt hatte, ließ er viele tausend Exemplare dieser Gebetsformel in lateinischer Sprache drucken und machte das tägliche Abbeten desselben den Priestern seiner Genossenschaft zur Pflicht. Ebenso ließ er viele tausende Gebetszettel in schöner andächtiger Übersetzung in italienischer Sprache drucken. Später folgten Übersetzungen in andere Sprachen. Sein Verlangen war, die Gebete möchten in alle Sprachen übersetzt und an allen Orten auf der ganzen Erde verbreitet werden, zum reichen Segen des Volkes.

Wie aus dem Seligsprechungsprozess des Dieners Gottes zu entnehmen ist, erklärte einst der böse Feind auf Befragen aus dem Mund eines Besessenen, keiner, der im Leben diese Andacht geübt hat, komme in die Hölle. Die bösen Geister hätten Befehl von Gott, diejenigen im Tod nicht zu versuchen, die in ihrem Leben diese Andacht geübt haben. Dies führte Vinzenz zur Ehre der seligsten Jungfrau an, sowie zum Nutzen und zum Trost der Gläubigen. Er war von der Wahrheit dieser Mitteilung überzeugt, da er wusste, dass Gott, wie er die Versuchungen durch die bösen Geister zulässt, so auch zuweilen gestattet, dass die Dämonen zum Nutzen der Gläubigen eine Wahrheit offenbaren. Doch verfehlte er nicht, stets beizufügen, man müsse mit der gedachten Andacht ein echt christliches Leben verbinden, damit das Vertrauen nicht in sträflicher Vermessenheit ausarte.

 

Besonders ehrten die Heiligen die Gottesmutter in ihrer Sündenreinheit oder in ihrer Gnade der Unbefleckten Empfängnis schon Jahrhunderte bevor dieses Geheimnis zum Glaubenssatz erklärt worden war. Der heilige Paul vom Kreuz (+ 18. Oktober 1775) sagt:

„Die Kirche hat diesen Punkt noch nicht als Glaubenssatz erklärt. Ich aber würde zur Verteidigung dieser Wahrheit gerne mein Blut vergießen und mich martern lassen.

 

Die heilige Kreszentia von Kaufbeuren stand für die beiden Geheimnisse der Unbefleckten Empfängnis und der immerwährenden Jungfrauschaft Mariä ein – nach der Aussage der Schwester Gabriele – wie eine Mauer. „Meine größte Freude wäre“, so wiederholte sie oft, „wenn ich als eine Sklavin der Liebe für das hohe Geheimnis der Unbefleckten Empfängnis mein Leben könnte hingeben, und ebenso, wenn ich mit meinem Blut bezeugen könnte, dass Maria Jungfrau ist vor und nach der Geburt ihres göttlichen Sohnes“.

 

Auch der heilige Leonhard von Porto Maurizio beschloss besonders das Geheimnis der Unbefleckten Empfängnis zu verehren. Ich will nimmer von der Bemühung lassen, dass dieses Geheimnis als Glaubenssatz erklärt werde, und ich bin entschlossen, es durch alle möglichen Wege und Mittel zu unterstützen, möge es auch mein Blut kosten. An meinem Herzen soll das Bildchen der Unbefleckten Empfängnis ruhen, das ich oft in die Hand nehmen und unter den zärtlichsten Liebesäußerungen andächtig küssen und damit die Kranken segnen werde.

 

Dem Zeugnis der Heiligen Schrift und der Überlieferung folgend und selbst erfüllt vom Heiligen Geist haben die Heiligen seit jeher mit Vorliebe immer das Ehrenvollste von Maria so insbesondere bezüglich ihres Freiseins von jeder wirklichen und auch der Erbsünde gedacht.

Der heilige Hieronymus (+ 30. September 420) schreibt: „Es ist kein Zweifel, dass die Mutter des Herrn rein von jeder Sünde gewesen ist.“ „Nein“, sagt der heilige Cyprian (+ 14. September 258), „weder die Billigkeit noch die Gerechtigkeit ließen es zu, dass dieses auserwählte Gefäß durch den allgemeinen Flecken verunreinigt würde. Sie hatte nur die Natur und nicht die Schuld mit uns gemeinsam.“ „O Maria“, ruft der heilige Ephräm (+ im Juni 373) aus, o Maria, du warst rein und unbefleckt und aufs vollkommenste geheiligt, ehe du geschaffen warst, von Anbeginn deines Seins!“

 

Der heilige Chrysostomus (+ 14. September 407) sagt: „Wenn Gott einige Könige aus dem Haus Juda verworfen und sie nicht einmal unter die Ahnen Mariens wollte gezählt haben, weil sie Sklaven der Sünde gewesen sind, wie hätte er in seiner Mutter eine Sünde dulden können?“

 

Der heilige Augustinus (+ 28. August 430), der als der geistvollste und gelehrteste Kirchenlehrer der ersten Jahrhunderte gilt, fügte, als er in einer Abhandlung über die Erbsünde schrieb, hinzu: „Wenn von der Sünde die Rede ist, so soll keineswegs die heilige Jungfrau darin inbegriffen sein!“

 

Der fromme und gelehrte P. Croisset hat eine lange Reihe heiliger Lehrer und Kirchenväter aufgezählt und zwar aus allen Jahrhunderten, die sämtlich in der Lehre von der Unbefleckten Empfängnis Mariä übereinstimmten. Er sagt, dass allein im vierzehnten, fünfzehnten und sechzehnten Jahrhundert mehr als 400 Schriftsteller, darunter 70 Bischöfe, Männer durch Wissenschaft und Frömmigkeit gleich ausgezeichnet, die Unbefleckte Empfängnis Mariä verteidigt haben.

Simon Santagata zählte gegen Ende des siebzehnten Jahrhunderts über 6000 Schriftsteller auf, die der Unbefleckten Empfängnis Mariä das Wort redeten.

Durch alle Jahrhunderte waren es immer gerade die heiligsten und frömmsten Bischöfe, Priester, Ordensleute, Schriftsteller, Fürsten und Gelehrten, die an die Unbefleckte Empfängnis Mariens glaubten und die Lehre förderten und verbreiteten. Päpste erlaubten es, dass sich ganze Staaten und Reiche die seligste Jungfrau Maria unter dem Titel der Unbefleckten Empfängnis zur Patronin wählten, sie billigten es, wenn sich ganze Genossenschaften und Orden zu Ehren der Unbefleckten Empfängnis bildeten, Klöster, Kirchen und Altäre unter diesem Titel eingeweiht wurden und sie lobten das fromme Beginnen derjenigen, die sich eidlich verpflichteten, die Unbefleckte Empfängnis Mariä mit Wort und Schrift zu verteidigen.

 

Der heilige Papst Pius V. (+ 1. Mai 1572) führte im sechzehnten Jahrhundert das Offizium der Unbefleckten Empfängnis in das römische Brevier oder Priestergebet ein. Derselbe Papst verbot, die Behauptung aufzustellen, dass die heilige Jungfrau in der Erbsünde empfangen worden sei.

 

Auch die Verehrung des Herzens Mariä hat viele Anhänger unter den Heiligen gefunden.

So z.B. verehrte der heilige Pfarrer von Ars (+ 4. August 1859) das Herz Mariä besonders in seinen schlichten und doch tiefsinnigen Predigten und Katechesen. Er empfahl es dem gläubigen Volk als beste Zufluchtsstätte in allen Trüb- und Drangsalen. „Ich habe aus dieser Quelle selbst schon so viel geschöpft“, sagte er, „dass sicher nichts darin zurückgeblieben wäre, wenn sie nicht unerschöpflich wäre.“

„Das heiligste Herz Mariä! Gott, der Vater“, sagte er, „sieht mit Wohlgefallen auf dieses Meisterwerk seiner Hände hernieder. Gott Sohn ehrt darin das Herz seiner Mutter, die Quelle, aus der er jenes Blut geschöpft, das er zu unserer Erlösung vergossen hat. Der Heilige Geist findet darin seinen Tempel.“

„Das Herz dieser Mutter ist nur Liebe und Erbarmen, sie verlangt nur danach, uns glücklich zu machen. Man braucht sich nur an sie zu wenden, um der Erhörung sicher zu sein.“

„Die Andacht zur seligsten Jungfrau ist so markig, süß und nährend. Wenn man von irdischen Dingen spricht, z.B. von Politik, wird man dessen müde. Aber wenn man von der seligsten Jungfrau spricht, so ist es immer neu. Das Ave Maria ist ein Gebet, dessen man nie müde wird. Wenn man in ein Haus tritt, so spricht man doch sofort mit dem, den man an der Tür trifft. Nun wohl! Die heilige Jungfrau ist die Pförtnerin des Himmels.“

 

Was die Sonne unter den Sternen ist, das ist Maria unter den Heiligen.

Viele Heilige haben große innere Tröstungen und Frohmachendes in der Verehrung Mariens empfunden.

Von unbeschreiblichem Glück und von Freude wurde die heilige Juliana von Lüttich (+ 5. April 1258) stets erfüllt, wenn sie den Hochgesang der seligsten Jungfrau, das „Magnifikat“, betete und betrachtete. Einer Äbtissin gegenüber äußerte sie sich: „Gering ist, o Frau, was ich fühle, aber alles Gold, womit ich eure Abtei kaufen könnte, wollte ich nicht hingeben, wenn ich das, was die seligste Jungfrau in diesem Lobgesang mir zu fühlen und zu empfinden gewährt, nicht fühlen und empfinden dürfte.“

 

Der heilige Bernardin von Siena war gewohnt, jeden Tag ein gewisses Marienbild zu besuchen, das sich zu Siena an einem Stadttor befand und ihm eine ganz besondere Andacht einflößte. Dieser Eifer des frommen jungen Mannes war der Mutter der Barmherzigkeit so angenehm, dass er wegen ihr die Gnade des Berufes zum Ordensstand erhielt. Nachdem Maria ihn in dem Orden des heiligen Franziskus mit vielen Gnaden und Segnungen überhäuft hatte, erschien sie ihm eines Tages und sprach zu ihm: „Deine Andacht ist mir sehr wohlgefällig, und als Unterpfand des dir vorbehaltenen Lohnes gebe ich dir die Gnade des Predigtamtes und die Gewalt, Wunder zu wirken. Es sind dies die Gaben, die ich dir von meinem göttlichen Sohn erbeten habe, und ich füge diesen noch die Versicherung hinzu, dass du einst mit mir teilnehmen wirst an der Herrlichkeit des Himmels.“

 

Welche Kraft des heiligen Philipp Neri Gebet bei der Gottesmutter hatte, bezeugt folgender Vorfall: Einst lag Cäsar Baronius, einer seiner Jünger, den er besonders lieb hatte, und der ebenfalls ein inniger Verehrer der heiligen Jungfrau war, zum Tod krank darnieder. Schon hatte man ihn mit den heiligen Sterbesakramenten versehen und erwartete jeden Augenblick sein Hinscheiden. Als er ein wenig ruhte, sah er seinen geistlichen Vater Philipp vor sich, der sich aber im Haus zu St. Hieronymus befand, wie er Jesus Christus und seiner heiligen Mutter Maria zu Füßen fiel und sie um die Gesundheit seines Jüngers Baronius bat, indem er sagte: „O Herr, gib mir den Cäsar, gib ihn mir zurück, so wünsche ich es, so will ich!“ Als aber Christus sich weigerte, sah er Philipp sich zur Mutter Gottes wenden und sie bitten und beschwören, dass sie ihm das Leben seines Jüngers von ihrem göttlichen Sohn erlangen möchte. Da legte Maria voll Güte ihre Fürsprache ein und Philipp wurde auf der Stelle erhört. Baronius erwachte in demselben Augenblick und war der festen Überzeugung, er werde in dieser Krankheit nicht sterben. Sobald Philipp wirklich zu ihm kam, erzählte ihm Baronius die Erscheinung und sagte herzlichen Dank. Der Diener Gottes aber verbarg die erwiesene Wohltat mit den Worten: „Es ist zu gefährlich, Träumen Glauben beizumessen, sei aber bereit, dich dem Willen Gottes zu fügen.“

Dass es nicht ein bloßer Traum war, zeigte sich, da Baronius noch an diesem Tag gesund wurde, zu nicht geringer Verwunderung der Ärzte.

 

Der heilige Alfons Liguori gestand am Ende seines Lebens einem Priester, dass er stets über alle Angelegenheiten, besonders über alles, was die von ihm gestiftete Versammlung des heiligen Erlösers betrifft, mit Maria, der weisesten Jungfrau, sich zu beraten pflegte, und setzte hinzu, dass Maria ihm viele und herrliche Dinge mitgeteilt habe.

Als dieser Heilige einmal in S. Giorgio bei der Predigt zur Verehrung der Gottesmutter das Volk aufmunterte, geriet er öffentlich in Verzückung. Man sah ihn über den Katheder, auf dem er gestanden hat, etwas in die Luft erhoben und einen lichten Strahl vom Bild Mariens ausgehen und auf das Antlitz des Predigers fallen. Welchen Nachdruck diese stille Predigt seinen Worten gegeben hat, ist leicht zu ermessen, wenn es nach dieser Predigt kein Haus mehr gab, in dem nicht der Rosenkranz gebetet wurde.

 

Der heiligen Maria Magdalena von Pazzi (+ 25. Mai 1607) erschien die Himmelskönigin oftmals, um sie aufzumuntern und sie im Guten zu stärken. Gott hatte, um ihre Tugend zu läutern, zugelassen, dass sie während mehrerer Jahre von den beschwerlichsten Versuchungen gepeinigt wurde. Aber wie heftig der Kampf auch sein mochte, sie erhielt doch stets durch Maria die Stärke und Kraft, um alle Anfälle des bösen Feindes zu überwinden. Sie hatte ihre Mitschwestern dem mächtigen Schutz Mariens empfohlen, und Maria zeigte ihr in einer besonderen Erscheinung, mit welcher mütterlichen Sorgfalt sie sich aller annimmt, die bei ihr Hilfe und Beistand suchen.

 

Von frühester Jugend an war der heilige Kaspar del Buffalo (+ 28. Dezember 1837) ein liebes Marienkind, Mitglied der Rosenkranzbruderschaft, des Skapuliers, der Bruderschaften vom Namen Mariä und der Unbefleckten Empfängnis. Diese Andacht flammte auf wie eine Feuersäule in seinen Marienpredigten. Bei jeder Mission hielt er solch eine Predigt und sie war immer die längste, aber auch die innigste und eroberte immer die Herzen, die bis dahin verstockt geblieben waren. Er pflegte jede Mission vor deren Beginn der allerseligsten Jungfrau zu weihen und nannte sie die Führerin und Siegerin der Missionen.

Er gab allen Häusern seiner Gesellschaft die Vorschrift, jedes Jahr den Monat Mariens zu feiern und jeden Samstag ein marianisches Beispiel aus dem Leben der Heiligen zu erzählen. Die Marienpredigt war obligatorisch bei Missionen und Exerzitien, und er schrieb ihr die Bekehrung der Sünder zu und die Stärkung der Gerechten. Ebenso gab er den Häusern seiner Kongregation die Weisung, an allen Samstagen, marianischen Vigilien und Festen die fünf Psalmen des Namens Mariä zu lesen. – Den Rosenkranz verbreitete er mit aller Kraft und Energie, betete ihn auf seinen Reisen vier- bis fünfmal des Tages, aber von allen marianischen Geheimnissen liebte er am meisten ihre Unbefleckte Empfängnis. Mit dem heiligen Leonhard von Porto Maurizio bekannte er, dass alles Gute, das er getan habe und noch tue, von Maria herkomme, durch deren gebenedeite Hände der Herr ihm Licht, Kraft und Hilfe spende.

 

Die heilige Kreszentia von Kaufbeuren behauptete,  unzählige Mal erfahren zu haben, das Maria, die allerbeste und treueste Mutter, jenes Versprechen gehalten, das sie ihr in den Kinderjahren gegeben hatte, nämlich als Mutter ihr zur Seite zu stehen. Alle empfangenen Gnaden schrieb sie ihrer mütterlichen Vermittlung zu. Sie beteuerte, keine Bitte wäre ihr bisher, noch würde ihr in Zukunft von Maria abgeschlagen, ja mit mütterlicher Zuvorkommenheit gewähre die gute Mutter schon gar oft und gar vieles vor aller Bitte.

 

Der heilige Pfarrer Vianney von Ars erzählte einem seiner Mitbrüder, um ihn zu trösten, wie auch er von Maria getröstet wurde. Er sagte: „Ehe ich ankam, war ich voll Sorge und Furcht, ich ging weinend meines Weges. Als ich meine tränenfeuchten Blicke erhob, sah ich das Kreuz, das am Weg steht, ich fiel davor auf die Knie nieder und betete seufzend. Da erschien mir die heilige Jungfrau und sagte zu mir: Gehe vertrauensvoll nach Ars, in kurzer Zeit wird man in Frankreich und in anderen Ländern von diesem Ort sprechen. Darauf verschwand sie. Gestärkt durch diese freundlichen Worte ging ich fort. Sie sehen also, lieber Freund, dass Gott unendlich gütig ist, und dass er uns immer zu Hilfe kommt.“

Später erschien ihm die Gottesmutter in der Kapelle, die ihr in Ars geweiht ist. Sie trocknete seine Tränen und kündigte ihm die Bekehrung seiner Pfarrkinder an.

Im Jahr 1850 befahl ihm der Heiland, eine Medaille schlagen zu lassen und sagte ihm, dass alle diejenigen, die sie gläubig und ehrfurchtsvoll tragen, von der Pest verschont bleiben würden.

Diese Medaille ist geschlagen worden. Auf der einen Seite zeigt sie das von Lilien umgebene Bild der unbefleckten Jungfrau, auf der anderen liest man die Bitte: „Heilige Maria, bewahre uns vor der Pest!“ Es lässt sich gar nicht sagen, wie vielen durch die Medaille geholfen worden ist.

 

In der Vorstadt Valdocco zu Turin erbaute der heilige Don Bosco (+ 31. Januar 1888) im Vertrauen auf Gott und die seligste Jungfrau eine herrliche Mariahilf-Kirche. Da er schon im Anfang den Arbeitern für Aushebung der Fundamente 1000 Franken schuldig war und kein Geld hatte, wandte er sich um Hilfe zu Maria. Er besuchte eine schwerkranke Frau, die eine neuntägige Andacht zu Mariahilf angefangen und ihm für den Fall der Erhörung ein Almosen für seinen Bau versprochen hatte. Es war der achte Tag der Novene. Schon die Magd, die ihm öffnete, rief voll Freuden: „Die gnädige Frau ist gesund. Schon zweimal war sie in der Kirche^, um Gott zu danken.“ In der Tat erschien die Frau des Hauses mit den Worten: „Ich bin gesund, mein Vater, ich habe der lieben Mutter Gottes schon gedankt. Hier ist meine Opfergabe, sie soll nicht die letzte sein.“ Es waren genau 1000 Franken.

Die Kunde von dieser Gebetserhörung verbreitete sich mit Schnelligkeit und überall begann man in schweren Anliegen Novenen zu Mariahilf zu halten und versprach im Fall der Erhörung ein Almosen zum Kirchenbau. Und niemals wandte man sich vergebens an sie. Die Almosen flossen überallher so zahlreich, dass Don Bosco im Jahr 1868 die Marienkirche, groß und prachtvoll, mit zwei Türmen und einer Kuppel, mit vielen Altären und der notwendigen Einrichtung vollenden konnte. 850.000 Franken, die die ganze Kirche kostete, wurden nur durch die liebe Gottesmutter „Mariahilf“ infolge Gebetserhörungen gespendet.

In dieser jetzt vielbesuchten Wallfahrtskirche prangt als riesengroßes Hochaltarbild Maria, die Helferin der Christen mit dem Jesuskind, alle einladend, Hilfe zu suchen bei Jesus durch Maria. Sie hat ihrem großen Diener Don Bosco oft und wunderbar geholfen. Jeder Baustein verkündet laut die Tatsache: „Maria hat geholfen! Maria wird immer weiter helfen!“

Don Bosco starb selig am 31. Januar 1888 in Turin, sein letztes Wort war: „Viva Maria!“ Sein Begräbnis war großartiger als das eines Fürsten der Welt, gleichsam ein Triumphzug in den Himmel.

Wenn der Heiland oder seine Mutter Maria oder seine Heiligen in bestimmter Gestalt dem äußeren Auge sichtbar erscheinen, so kann dies geschehen, wenn die Erscheinungen durch Annahme eines ätherischen oder ähnlichen Körpers selbst Gestalt gewinnen, wobei dann der Eindruck des Gesichtsorganes, wie sonst, sich der Seele mitteilt, oder wenn die Erscheinung auf die Seele so stark einwirkt, dass der Eindruck in der Seele sich dem Gesichtsorgan mitteilt und dasselbe ebenso bewegt, wie wenn die Gestalt vor ihr stände oder wenn das Bild der Seele sich von innen heraus in den Sehnerv hineinfotografierte. – Die Erscheinungen des Herrn nach seiner Auferstehung waren persönliche, d.h. mit Gottheit, Leib und Seele stattfindende. Auch nach seiner Himmelfahrt erschien der Herr dem heiligen Apostel Paulus aller Wahrscheinlichkeit nach ebenfalls persönlich. Andere Erscheinungen sind häufig nach der Meinung der Gottesgelehrten, besonders des Papstes Benedikt XIV. keine persönlichen. Ob nun die Erscheinung persönlich oder geistig erfolgt, in jedem Fall sollen durch die von Gott gewollten Visionen diejenigen, die unter großen Opfern den Weg der höheren Vollkommenheiten betreten, gestärkt oder getröstet werden. Gewöhnlich lassen sie eine Erschütterung der Seele zurück und stärken zu großen Dingen, indem sie unentwegt der Seele eingeprägt bleiben. Besonders häufig sind in der Geschichte der Kirche Muttergottes-Erscheinungen. Es hat, wie ein frommer Mann einst sagte, den Anschein, als hätte die göttliche Vorsehung in unserer Zeit die Regierung der Welt in die Hände der Mutter der Barmherzigkeit gelegt, denn es gab keine Zeit, die so vielfach wunderbar die Verherrlichung Mariens anregte, wo die Gnaden, die ihre mächtige Fürbitte erwirkt, so zahlreich auf die Erde strömten.

 

Wie zahlreich sind die Muttergottes-Erscheinungen und die damit verbundenen Gnadenwunder in den letzten zweihundert Jahren. Ein Buch darüber, quellenkritisch behandelt, würde unerhört herrliche Goldadern ergeben. Welche Herrlichkeiten müsste ein Werk über alle historisch sicher nachweisbaren Erscheinungen Mariens und deren geistige Folgen zutage bringen. Mit geschichtlicher Sicherheit und bis zur Evidenzwäre nachgewiesen, dass es keine größere und liebevollere Helferin im Himmel gibt, dass sie die Schatzmeisterin Gottes, des Vaters vielgeliebte Tochter, des Sohnes verehrteste Mutter, des Heiligen Geistes lieblichste Braut ist.

Als die heilige Brigitta in Rom weilte, erschien ihr die seligste Jungfrau und sprach: „Ich bin die Mutter Gottes, weil es ihm also gefiel, ich bin auch die Mutter aller, die in der Freude droben sind. Wenn auch die Kinder, was sie bedürfen, nach ihrem Willen haben, so wird ihnen zur Vermehrung ihrer Fröhlichkeit die Freude erhöht, wenn sie das Antlitz ihrer Mutter freundlich sehen. So gefällt es Gott, alle im himmlischen Hof mit Freude und Jubel über die Jungfräulichkeit, über die Schönheit meiner Tugenden zu erfüllen, obschon sie alles Gute haben.

Ich bin auch eine Mutter aller, die im Fegfeuer leiden, weil alle Strafen, die denen gebühren, die für ihre Sünden gereinigt werden sollten, stündlich um meines Gebetes willen einigermaßen gemildert werden.

Ebenso bin ich auch stets eine Mutter aller Sünder, die sich bessern wollen, und die den Willen haben, nicht weiter gegen Gott zu sündigen. Auch bin ich willig, den Sünder in Schutz zu nehmen, der meinen Sohn mit wahrer Reue und göttlicher Liebe um Barmherzigkeit bitten wird.“

Im Nachfolgenden seien nur einige wenige Muttergottes-Erscheinungen genannt.

Im Jahr 1839 erschien sie der ehrwürdigen Katharina Laboure zu drei wiederholten Malen in der Gestalt, wie sie auf den Medaillen der Unbefleckten Empfängnis abgebildet wird, und gab ihr die Verheißung, dass, wer die geweihte Medaille der Unbefleckten Empfängnis trägt, eines besonderen Schutzes der Mutter Gottes gewürdigt werden soll. Hunderte Millionen solcher Medaillen sind seither verbreitet worden und sind Veranlassung zu Millionen Gebeten, Andachten, Tugenden und Gnaden geworden.

 

Am 20. Januar 1842 erschien die Mutter Gottes in einer Kirche in Rom dem Juden Alfons Ratisbonne. Welchen Segen stiftete auch diese Erscheinung. Ratisbonne wurde plötzlich im Glauben erleuchtet, wurde katholischer Priester, gründete eine Anzahl Wohltätigkeitsanstalten und ein Institut.

Im Jahr 1846 erschien die Gottesmutter zwei Kindern auf den Bergen von La Salette. Und was hat diese Gnade hinterlassen? Heute steht eine Wallfahrtskirche an der Stelle, zu der jährlich ungefähr hunderttausend Pilger wallen. Mehr als 300 Kapellen und Kirchen sind U.L.F. von La Salette geweiht, 320 Bruderschaften wurden gegründet.

Gegen Ende des Jahres 1854 verkündete Papst Pius IX. in Rom feierlich das Dogma der Unbefleckten Empfängnis.

 

Einige Jahre darauf (im Jahr 1858) erschien, wie mit größter Sicherheit von den kirchlichen Behörden festgestellt ist, die Muttergottes selbst zu Lourdes in Frankreich einem unschuldigen frommen Mädchen Bernardette Soubirous (+ 16.4.1879) achtzehnmal. Manchmal sahen Hunderte, später viele Tausende Personen dem über den Anblick der Schönheit Mariens verzücktem Kind zu. In dieser Verzückung spürte es nicht das Feuer einer Kerze in seinen Fingern und verletzte die Flamme nicht die Hand, wie Dr. Dozous staunend feststellte. Auf die wiederholte Bitte des Mädchens an die herrliche Erscheinung, wer sie sei, erhielt sie von der Muttergottes endlich die Antwort: „Ich bin die Unbefleckte Empfängnis“.

Eine Quelle voll reichem Wasserfluss entsprang unter den Fingern des Mädchens. Kaum ein Jahr gab es in den letzten Jahrzehnten, in welchem nicht wenigstens zweihunderttausend Pilger dorthin gewallfahrt wären. Päpste und hunderte Bischöfe haben an die Erscheinungen und Wunder in Lourdes geglaubt, drei Kirchen hat man zur Erinnerung dort erbaut, tausende Weihegeschenke hat die Dankbarkeit für erhörte Gebetsanliegen dort niedergelegt. Tausende wunderbare Heilungen sind auf die Anrufung der Muttergottes von Lourdes hin geschehen.

Diese Heilungen stehen fest durch das Zeugnis einer wahrhaft imposanten Zahl von Ärzten, die im Ärztebüro von Lourdes mitgewirkt haben. Man muss nämlich wissen, dass sich dort bereits im Jahr 1883 ein eigenes Büro gebildet hat, das sich ausschließlich mit der Untersuchung der dort erfolgten Heilungen befasst – eine Art Wunderklinik ganz eigener Art. Angesichts dieser Tatsache wäre es falsch, behaupten zu wollen, alle diese Hunderte und Tausende von Ärzten hätten sich darüber im Irrtum befunden oder hätten nicht unterscheiden können, ob jemand krank oder gesund bzw. geheilt sei. Bei diesen Heilungen handelte es sich oft um Krankheiten, die als unheilbar gelten, wie Lungenkrankheiten, Krebs, Knochen- und Gehirnkrankheiten usw.

Es verschwanden dort große Wunden plötzlich. Lungenschwindsüchtige, denen ein Lungenflügel fast fehlte, wurden plötzlich gesund. Krebskranken fiel im Bad die Kruste vom Gesicht. Durch die Übermacht der Beweise bewogen und von der Gnade Gottes getroffen, bekehrten sich in Lourdes gebildete Menschen verschiedener Nationen, hochbegabte Persönlichkeiten traten für Lourdes ein. Viele hundert Pilgerzüge kommen jährlich nach Lourdes, an manchen Tagen kommen zwanzig bis fünfzigtausend Menschen. Mit Recht konnte schon Papst Pius IX. von der „lichthellen Klarheit der Tatsachen“ in Lourdes sprechen. Noch am Sterbebett, am 12. Dezember 1878, hat Bernardette die Erzählungen von den Erscheinungen der Mutter Gottes in gleicher Weise erzählt wie unzählige Male vorher. Als die Abgesandten der Bischöfe von Tarbes und Nevers erschienen, um sie im Angesicht des Todes noch einmal zu befrage, da leuchtete ihr Antlitz freudig auf und sie starb mit den Worten: „Ich habe sie gesehen, ich habe sie gesehen!“ Eine neue Bestätigung scheint der liebe Gott gegeben zu haben durch die unversehrte Erhaltung des Leibes der heiligen Seherin. Am 22. September 1909 wurde anlässlich der Vorbereitung zur Seligsprechung ihr Grab geöffnet und ihr Leib vollständig unverwest gefunden, obwohl er nicht einbalsamiert worden war und obwohl die Kleider, mit denen er umhüllt war und das Sägemehl, auf dem er lag, nass und verfault waren. Die Heiligsprechung erfolgte am 8.12.1933 ebenfalls durch Papst Pius XI. Kaum etwas wirkt in der Geschichte der Wunder von Lourdes überzeugender als die Tatsache, dass fast alle ursprünglichen Gegner durch die Macht der Ereignisse zuletzt Gläubige wurden. Ungläubig blieben nur jene, die die Tatsachen nicht untersuchten. Dr. Dozous, ein Freidenker, befasste sich mit dem Studium der Erscheinungen, wurde gläubig und schrieb ein Büchlein über die Grotte von Lourdes mit dem Motto: Weil ich gesehen habe, habe ich geglaubt. Auch der ursprüngliche Gegner Rentamtmann oder Steuereinnehmer Estrade schrieb: „Auch ich musste die Waffen strecken.“ Dr. Balencie unterzeichnete zwanzig Jahre lang Atteste über wunderbare Heilungen. Dr. Diday von Lyon war einer jener Ärzte, die am geistreichsten und heftigsten die wunderbaren Begebenheiten von Lourdes angriffen. Er hatte ein Buch geschrieben, in dem er beweisen wollte, dass Bernardette an Halluzinationen litt und die Heilungen an der Grotte natürlich erklärt werden können.

Aber der Mann hatte sich zur Erreichung seines Zweckes mit zu viel Eifer und Scharfsinn dem Studium dieser übernatürlichen Geschehnisse gewidmet, als dass er nicht seine Absicht gründlich hätte ändern müssen. In seinen letzten Lebensjahren konnte man ihn, den früheren Feind alles Übernatürlichen, oft den Rosenkranz beten sehen, und er gestand offen seine für ihn so glückliche Niederlage. Er ist gestorben unter Anrufung der Unbefleckten, die er ehedem verlachte.

Denen, die die Geschichte von Lourdes gelesen haben, ist es bekannt, wie sehr der Regierungsbevollmächtigte Dutour sich die Mühe gab, die Kundgebungen an der Grotte zu verhindern, und wie er Bernardette von Amts wegen zu sich befahl. Er hat später seinen Irrtum eingestanden. Auch der Präfekt Massy, der Bürgermeister Lacade, der Polizeikommissar Jacomet, kurz alle Beamten, die mit Herrn Dutour sich als erbitterte Gegner der Vorkommnisse von Massabielle erklärt hatten, haben den unwiderstehlichen Einfluss der Gnade verspürt, und sind, das Kruzifix an den Lippen, gestorben.

Die erste Kommission zur Untersuchung der wunderbaren Heilungen von Lourdes zählte als Mitglied den praktischen Arzt Dr. Vergez, Inspektor des Bades von Bareges und Professor an der medizinischen Fakultät in Montpellier. „Fragt man mich, was ich in Lourdes gesehen habe“, sagte der berühmte Professor vor seinem Tod, „so kann ich antworten: Auf Grund der Untersuchung gut verbürgter Ereignisse, die das Gebiet der Wissenschaft und der Kunst überschreiten, habe ich Gottes Werke, habe ich Wunder gesehen, berührt.“

 

Im Jahr 1866 erschien die Gottesmutter der kranken Jungfrau Maria Magdalena Kade in Filippsdorf in Böhmen und heilte sie plötzlich von schwerer Krankheit. Es entstand einer der bedeutendsten Marien-Wallfahrtsorte Böhmens.

 

Sowohl die Seherin Katharina Laboure als auch Bernardette Soubirous führten bis zu ihrem Ende zur allgemeinen Erbauung einen heiligmäßigen Lebenswandel. Die Seherin von La Salette starb im Alter von 75 Jahren am 15. Dezember 1904 in Altamura in Italien gleichfalls nach einem heiligmäßigen Leben. Ihr Leichenbegängnis gestaltete sich großartig, der Bischof selbst hielt das feierliche Totenamt.

 

Außerordentlich zahlreich waren im Laufe der Jahrhunderte die Marienerscheinungen, die sich nicht mehr historisch kritisch feststellen lassen, die aber eine lange Tradition für sich haben. So die Legende von der Erscheinung der Gottesmutter vor den Sieben Stiftern des Servitenordens.

Sieben edle Florentiner des 13. Jahrhunderts hatten als Mitglieder einer der vielen religiösen Marienbruderschaften angehört. Sie versammelten sich an bestimmten Tagen zum Lobpreis der Gottesmutter. Es war der 15. August des Jahres 1233, als sich die Bruderschaft in der alten Reparatakirche (dem heutigen Dom) zu diesem Zweck zusammenfand und die sieben Männer, nachdem alle anderen sich schon entfernt hatten, noch im Gebet am Versammlungsort verweilten. Da erschien ihnen im Geleit von heiligen Engeln die Muttergottes. Von einem Feuerball ließen sich Strahlen auf jeden einzelnen nieder, und die Stimme der Jungfrau ermahnte sie, die Welt und alles zu verlassen und vertrauensvoll zu folgen, wohin sie sie führen würde. Mit der kindlichen Einfalt und Ritterlichkeit jener Zeit ergriffen die edlen Männer den Vorschlag des Himmels. Der Bischof ArdingoII., Trotti, billigte nach eingehender Prüfung ihr Vorhaben und schenkte ihnen, da sie in der Stadt bei dem Zudrang des Volkes und der Verwandten kein ruhiges Heim gewinnen konnten, den einsamen Montesenario. Auf der höchsten Kuppe dieses Berges errichteten sie ein ärmliches Gotteshaus mit einer gemeinsamen Wohnung aus Holz für die Nacht, während sie den Tag über einzeln in den nahen Grotten und Höhlen des Berges sich dem Gebet und der Lesung widmeten.

Infolge einer neuen Erscheinung der Muttergottes am Karfreitag des Jahres 1239 nahm ihr Zusammenleben die Gestalt eines Ordens an. Maria erschien ihnen als schmerzhafte Mutter, in der Hand ein schwarzes Ordenskleid, einen Palmzweig und die Regel des heiligen Augustinus mit dem goldenen Titel: Die Diener Marias. Daher auch der Ursprung des Skapuliers der Serviten. Einer Muttergottes-Erscheinung sollen aber auch die Skapuliere der Karmeliten und der Theatiner ihren Ursprung verdanken.

 

Ungeheuer groß ist die Zahl der Muttergotteserscheinungen im Leben einzelner Heiliger, um sie in Versuchungen zu trösten, in Unternehmungen zu ermuntern, nach hingebungsvoller Treue zu erfreuen, im Tod zu stärken.

 

Einige wenige Beispiele!

Als der heilige Vinzenz Ferrerius (+ 5. April 1419) eines Tages in seiner Zelle das Werk las, das der heilige Hieronymus über die beständige Jungfrauschaft Marias geschrieben hat, fühlte er sich von der Liebe zu dieser Tugend so hingerissen, dass er sich auf die Erde niederwarf und aus ganzer Seele die heilige Jungfrau anflehte, sie möchte doch diese Tugend in ihm bewahren und nimmermehr zulassen, dass sie auch nur im mindesten verdunkelt werde. Kaum hatte er sein Gebet vollendet, so hörte er eine Stimme, die zu ihm sagte: „Die Jungfrauschaft ist eine seltene Tugend, diese Gnade wird nur wenigen Personen verliehen und du sollst dir nicht einbilden, dass du zu dieser kleinen Zahl gehörst. Hast du auch bisher diese Tugend unverletzt bewahrt, so werde ich nicht gestatten, dass du noch weiter diesen schönen Ehrentitel trägst.“ Es ist kaum zu begreifen, welchen Schrecken der heilige Mann empfand, als er solche Worte hörte, denn er konnte durchaus nicht glauben, dass Maria jemals einen Menschen verstoßen würde, der ihre Hilfe anflehte, um eine Tugend bewahren zu können, die ihr selbst so sehr am Herzen liegt. Daher setzte er sein Gebet mit verdoppeltem Eifer fort, und bald erschien ihm die Himmelskönigin in himmlischem Glanz und sprach: „Fürchte dich nicht, mein Sohn! Was du eben gehört hast, ist nur Trug vom Vater der Lüge, der nichts anderes beabsichtigt, als dich zu erschrecken und mutlos zu machen. Habe nur guten Mut, beharre in deinen Vorsätzen und bleibe den Versprechungen getreu, die du gemacht hast. Setze dein ganzes Vertrauen auf die Barmherzigkeit meines Sohnes und auf meinen mütterlichen Schutz. Der Teufel wird dir noch manche Versuchungen bereiten, aber gestützt auf die Gnade meines Sohnes, wirst du stets siegreich aus dem Kampf hervorgehen.“

Nach dieser Erscheinung lebte der heilige Vinzenz mehr wie ein Engel als wie ein Mensch und machte mit jedem Tag neue Fortschritte auf dem Weg der Tugend und christlichen Vollkommenheiten.

 

Der heilige Arnulf (+ 18. Juli 641) war ein besonderer Verehrer der sieben Freuden, die Maria auf Erden hatte:

1. Die Freude, die sie hatte, als der Engel ihr die Menschwerdung des Sohnes Gottes verkündete, den sie vom Heiligen Geist empfing.

2. Die Freude, die sie bei dem Gruß der heiligen Elisabeth empfand.

3. Die Freude, als sie ohne Schmerzen ihr göttliches Kind, unseren Heiland, gebar und Jungfrau vor, in und nach der Geburt geblieben ist.

4. Die Freude, als die drei Könige kamen und ihr göttliches Kind anbeteten.

5. Die Freude, als sie ihren göttlichen Sohn im Tempel aufopferte und der Greis Simeon ihn in seine Arme nahm und weissagte.

6. Die Freude, als sie ihren Sohn nach dem Tod auferstanden sah.

7. Die Freude, als sie in den Himmel aufgenommen wurde.

Die allerseligste Jungfrau erschien ihrem eifrigen Diener und sprach: „Warum, mein lieber Sohn, betrachtest du täglich die Freuden, die ich auf Erden so süß empfand? Gedenke auch jener, die ich im Himmel habe, und die ungleich größer sind.“ Hierauf belehrte sie ihn über ihre himmlischen Freuden.

 

Dem heiligen Bernhard erschien Maria mit ihrem göttlichen Kind in einer Christnacht und enthüllte ihm das ganze Geheimnis der Geburt ihres göttlichen Sohnes. Diese Erscheinung entzündete in seinem Herzen das Feuer der innigsten Liebe zu Jesus und Maria, das nie mehr erlosch, und gab auch die Veranlassung zu einem herrlichen Werk, das er später zum Lob Jesu und seiner göttlichen Mutter verfasste. Bernhard erhielt von Maria mehrere große Wohltaten. Unter anderem erschien ihm die seligste Jungfrau in einer Krankheit, die von den Ärzten als unheilbar erklärt wurde, legte ihm die Hand auf und machte ihn in einem Augenblick gesund. Man kann den heiligen Bernhard mit Recht den Lobredner Marias nennen, weil unter den heiligen Vätern und Lehrern der Kirche keiner mit solcher Innigkeit und Salbung, mit solchem Reichtum an Gedanken ihre Herrlichkeit dargestellt hat, wie er.

 

Am Weihnachtsfest 1517 hatte der heilige Kajetan von Thiene in der großen Muttergotteskirche (Maria Maggiore) von Rom viele Stunden gebetet, um sich auf die Darbringung der drei heiligen Messen vorzubereiten. Da erblickte er die Gottesmutter Maria mit dem Jesuskindlein, von hellstrahlendem Licht umgeben, das auf ihn herüberleuchtete. Der heilige Hieronymus, den er seit seiner vor drei Jahren erfolgten Priesterweihe besonders verehrte, war auch zugegen und bedeutete ihm, nur Mut zu haben und das Kindlein von der Mutter zu begehren. Kajetan machte einige Schritte zur Jungfrau hin und empfing das Kind, das er selig in seine Arme schloss.

Am 18. Januar 1518, also nur 24 Tage nach der Vision, erzählte er davon in einem Brief an die Mutter Mignani in folgender Art: „Allzu kühn trat ich gerade im Augenblick der heiligsten Geburt zu der verehrungswürdigen, wahren Krippe hin. Hinreichenden Mut gab mir hierzu der große heilige Hieronymus, mein Vater, der Liebhaber dieses Heiligtums, dessen Gebeine bei dieser heilbringenden Krippe so glücklich und passend ihre Ruhestätte gefunden haben; und fast mit der Zutraulichkeit des guten Geistes entriss ich das Kindlein den Händen der schüchternen heiligsten Jungfrau, der neuen Mutter, meiner Herrin, und ich umarmte den kleinen Leib und die Windeln des ewigen Wortes.“

An der Stelle, wo der Heilige diese Vision hatte, ließ der Kardinal Savelli durch die Theatiner später ein Marmordenkmal durch Bernini errichten. Es stellt den heiligen Kajetan dar, wie er das Kindlein in den Armen hält. An der Epistelseite des Altares liest man folgende Inschrift: „Der heilige Kajetan empfing unter seinem Beschützer, dem heiligen Hieronymus, dessen Gebeine hier in der Nähe ruhen, in der Nacht der Geburt Christi selbst, das göttliche Jesuskind von der Gottesgebärerin in seine Hände.“

Der heilige Kajetan bewahrte von dort an bis zum Tod eine besondere Andacht zur Kindheit Jesu und wurde ein eifriger Beförderer der Weihnachtskrippen. Auch bewog er die Hirten der Umgebung Roms, die Gemüter der Gläubigen durch ihre Schalmeien in freudige Stimmung zu versetzen. Noch jetzt sind die sogenannten Pifferari in Italien bekannt, die meistens zu dritt, ein Greis, ein Mann und ein Kind, vor einem Madonnenbild ihre Andacht in kindlicher Weise kundgeben und besonders vor der heiligen Weihnachtszeit die Städte aufsuchen.

 

Eines Tages wurde der heilige Alfons Rodriguez von der schrecklichsten Verzweiflung versucht. Sogleich griff er zu seiner gewöhnlichen Waffe und fing an, den Rosenkranz zu beten. Um sein Gebet aber recht kräftig zu machen, setzte er bei jedem „Gegrüßet seist du, Maria“ nach den Worten: Heilige Maria, Mutter Gottes, hinzu: „Erinnere dich meiner“. Als jedoch die Versuchung nicht gleich wich, sondern noch immer heftiger wurde, betete er mit noch mehr Inbrunst, mit lauter Stimme ausrufend: „Erinnere dich meiner, o meine Mutter, komm mir doch zu Hilfe, ich gehe zugrunde!“ Und alsbald erschien ihm seine himmlische Helferin auf eine sichtbare Weise, zerstreute alle Versuchungen und erfüllte seine Seele mit dem süßesten Trost.

 

Nach der eigenen Aussage der heiligen Kreszenzia von Kaufbeuren hat die Mutter des Herrn sich gewürdigt, ihr das gebenedeite Kind in die Arme zu geben. Mehrmals geschah dies, wenn die Lauretanische Litanei gesungen wurde. – Am Fest Maria Himmelfahrt sah sie in einer Vision den herrlichen Einzug der Königin des Himmels in die heilige Stadt Gottes.

 

Wegen seines unermüdlichen Eifers, für Jesus Seelen zu gewinnen, und wegen seiner Treue und Liebe zu Maria wurde der heilige Franz Regis auch würdig befunden, dass Jesus und Maria ihm in seiner Todesstunde erschienen, um ihn in seinem Todeskampf beizustehen und seine Seele in die Herrlichkeit des Himmels aufzunehmen. Durch diese Erscheinung ganz entzückt, rief der heilige Johannes Franziskus seinem Gefährten freudig zu: „Ich sehe Jesus und Maria, die mir entgegenkommen, um mich in die Wohnung der Heiligen einzuführen! Ach, mein Bruder, was für ein Glück! Wie zufrieden sterbe ich!“ Mit diesen Worten gab er seinen Geist auf.

 

In den Kanonisationsakten des heiligen Stanislaus Kostka berichtet Mario Franchi das Zeugnis mehrerer Personen: Die allerseligste Jungfrau, umgeben von einer Schar heiliger Jungfrauen sei dem heiligen Stanislaus sichtbar erschienen. In der Unterhaltung mit ihnen und in der Mitte einer so heiligen Schar habe er lächelnd den Geist aufgegeben und noch nach seinem Tod durch die Heiterkeit und Freude seines Gesichtes zur Andacht gestimmt. Franchi fügt bei: Auch Ordensleute, Priester aus der Gesellschaft Jesu, habe ich wiederholt diese Erscheinung erzählen hören. Sie hatten sie aus dem Mund des Novizenmeisters P. Alfons Ruiz, der bei seinem Tod zugegen war. – Dieser Pater bemerkte außerdem noch, der Sterbende habe mit außerordentlicher Freude den Anwesenden gesagt, er sehe deutlich die Mutter Gottes, von einem Chor von Jungfrauen umgeben.

Kein Umgang, kein Verkehr bleibt ohne Einwirkung auf die Seele. Verehren wir deshalb Maria, die Gnadenvolle, verkehren wir gerne in dem Kreis ihrer Bewunderer und die gütige Mutter wird es uns lohnen durch ihre mächtige Fürbitte in jeglicher Lebensnot.

 

Von allen Herzen engelgut,

Die Gottes Geist ersonnen,

War nimmer eins so liebeswarm,

So reich an Himmelswonnen

Als wie Mariens Herze zart,

So ganz von echter Engelsart;

Als wie Mariens Lilienherz,

Das stündlich flammte himmelwärts.

O Jungfrau, Mutter, Mittlerin,

Zieh an dies Herz uns hin!