Ach, wer doch das könnte!

 

Gemäht sind die Felder, der Stoppelwind weht;

hoch droben in Lüften mein Drache nun steht,

die Rippen von Holze, der Leib von Papier,

zwei Ohren, ein Schwänzlein sind all seine Zier.

 

Und ich denk': so drauf liegen

im sonnigen Strahl -

Ach wer doch das könnte

nur ein einziges Mal!

 

Da guckt' ich dem Storch in das Sommernest dort:

Guten Morgen, Frau Storchen, geht die Reise bald fort?

Ich blickt' in die Häuser zum Schornstein hinein:

Papachen, Mamachen, wie seid ihr so klein!

 

Tief unter mir säh' ich

Fluss, Hügel und Tal -

Ach wer doch das könnte

nur ein einziges Mal!

 

Und droben, gehoben, auf schwindelnder Bahn,

da fasst' ich die Wolken, die segelnden, an;

ich ließ mich besuchen von Schwalben und Kräh'n

und könnte die Lerchen, die singenden seh'n;

 

die Englein belauscht' ich

im himmlischen Saal -

Ach wer doch das könnte

nur ein einziges Mal!

 

Viktor Blüthgen

 


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