Vorspiel

 

Der Meister, dem die folgenden Bilder aus der frühesten Kindheit Jesu gelungen sind, ist nach viel Lebenserfahrung aus dem Weltgetümmel in die Mönchskutte geschlüpft. 

 

1. Verkündigung

 

Zwischen Himmel und Erde sind viele Briefe hin und her geflogen. 

 

2. Gang zu Elisabeth

 

Maria ging über das Gebirge, um ihrer alten Base Elisabeth vom Wunder zu erzählen, das sie in sich trug. 

 

3. Besuch bei Elisabeth

 

Man kann sich das Heim des alten Priesters Zacharias und seiner Ehehälfte Elisabeth nicht gemütlich genug vorstellen. 

 

4. Ankunft beim Stall von Bethlehem

 

Tannen, Tannen, liebe ahnungsvolle, fromme Tannen im Umkreis der Abenddämmerung, dahinter noch bleich und nicht recht wach unser guter Mond, ein falber Wiesenplan davor mit einem Pfad, der sich traulich aus der Finsternis des Waldes zur Hütte im Vordergrund schlängelt, - 

 

5. Christi Geburt

 

Ans Christkind

 

Warum bist Du auf diese Welt,

O Kind, so klein gekommen?

 

6. Maria mit dem Kind im Schnee

 

Das Weihnachtskind und der Weihnachtsgedanke sind überall die gleichen. 

 

7. Maria mit dem Kind in der Glorie

 

Die Mütter großer Menschen hatten immer viel zu leiden. 

 

8. Verkündigung an die Hirten

 

Der höchste Stand zu Füßen der Majestät Gottes, das sind die Engel, die ersten Knechte und Herren des Himmels. 

9. Gang der Hirten zum Stall

 

Vor Jahren geschah es, dass der Heilige Vater zu Rom in tiefer Bedrängnis dem Weihnachtsabend entgegensah. 

10. Zug der heiligen Dreikönige

 

Durch alle außerchristlichen Religionen geht ein sonderbarer, selbstsüchtiger, völkischer Zug. 

11. Anbetung der heiligen Dreikönige

 

Niemand wird das Süße und Schwere vergessen, das er als Kind beim ersten Erzählen von den Weisen aus dem Morgenland empfand: 

12. Flucht nach Ägypten

 

Nächtlicher Vagabund zu Josef: "Guter Mann, wohin des Wegs?" 

 

13. Ruhe auf der Flucht

 

Die Erzählung des Evangelisten Lukas aus der frühesten Kindheit Jesu ist - ganz abgesehen vom Heilswert - ein so großes Meisterwerk, dass ihr keine ähnliche Literatur auch nur ans Knie gelangt. 

 

14. Nazareth

 

Es klingt so süß wie das Spiel einer Windharfe: das Idyll von Nazareth. Der Zimmermann Josef hobelt und schnitzelt, Maria spinnt und in den Spänen spielt das heranwachsende Knäblein. Es spielt zuerst mit nichtigem totem Zeug, dann mit Blumen und Lämmern auf dem Rasen, dann mit Kameraden, ganz wie andere Kinder, und niemand merkt, dass dies alles nur äußerliche gütige Anpassung ans kleine Welt- und Lebensgetriebe ist, dass dieses Kind aber in Wahrheit schon längst mit Himmel und Erde, mit Gott und Menschheit, mit Tod und Ewigkeit aufs sicherste und königlichste spielt. Nur Maria und Josef sahen es dieser jungen wunderbaren Knabenstirn an, was da im Tun ist. Und dann und wann fällt ein Wort von dieser Jesuslippe, so groß, so leuchtend, so neu und überzeitlich wie ein vom Himmel fallender Stern, so dass man aufhorcht, erschreckt, schaudert und in Seligkeit die Säume dieses Kinderröckleins küssen möchte. Dann schauen sich die emsigen und alles innig beobachtenden Eltern über ihre Arbeit weg bedeutsam an und neigen das Haupt und fragen: wann wird dieses große Spiel große Wirklichkeit? In diese Zeit fällt der fromme Spaziergang nach dem österlichen Jerusalem und die drei Tage Tempelweisheit den Tempelweisen. Das war wie ein schöner Blitz, der von ferne zückt und von weitem ein Gewitter verkündet. Danach war wieder lange Nazarethstille. Nichts beschämt mich immer so und müsste die prahlerische Welt so beschämen, nicht einmal Jesu Predigt und Liebestaten, wie dieses dreißigjährige Schweigen des größten und lautesten Helden der Geschichte, ein Schweigen, das keiner der vier Evangelisten nachgehend auch nur mit einer Silbe zu brechen wagt. Und doch reifte da der Knabe zum Jüngling und jungen Mann heran. Eine Zeit blühte also poesievoll, saftig und leidenschaftlich wie keine andere, und die Neugier wüsste so gerne das Biographische davon. Sie, die jeden Schnitzel ihrer Götzen sammelt und die Tagebücher ihrer verhätschelten Heroen auswendig lernt, sie möchte womöglich auch das Tagebuch und Taschenbuch Gottes auf Erden literarisch durchschnüffeln. Dabei verpasst sie freilich die wichtigste Notiz aus jenen Tagen: Vorbereitung! Dreißig Jahre Vorbereitung ist nicht zuviel, um die Jahrtausende hinter und vor sich gut zu machen und die verblödete und entseelte Zeit wieder an die Ewigkeit zu gewöhnen. Dreißig Jahre Schweigen ist nicht zu lange, um dann so zu reden, dass jedes Wort feststeht und bleibt. Und hier, Bruder Mensch, schäme dich mit mir über unsere Maulseligkeit. Wir reden zu früh und schweigen zu spät. Wir pfuschen erst darauf los und wollen dann hintennach vorbereiten, wenn wir Ruinen sind. Das Heilige und Heiligende einer schweigsamen Vorbereitung kennen wir nicht mehr. Die Alten haben den Achilles wenigstens in die Spinnstube und den Kyros ins Hirtenbubenfell gesteckt. Aber die Heutigen wollen gleich als reife Genies vom Baum fallen, wollen nicht erst stilles Laub und Blüte, sondern gleich laute Frucht sein. Gehe nach Nazareth, unreifer und frühwelker Mensch, und lerne da, dass selbst der Größte, ehe er den Kreuz- und Glorienbaum übers Weltall streckte, erst ein still und langsam wachsendes Blümlein zu Nazareth war. Ehe er die große Erlösungsfrucht reichte, zuerst "uns hat ein Blümlein bracht". Liebe Seele, du wirst keinen Sommer, noch Herbst feiern, ohne einen langen, stillen Frühling, und ich meine dabei nicht bloß den üppigen Mai, ich meine vor allem den Februar, März und April, diese farblosen, bescheidenen und so gar nicht besungenen Zeiten der geistlichen Vorbereitung. Kein Jerusalem ohne Nazareth, kein Pfingstwunder der Völker dort ohne die stille Familienstube hier!

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Ausklang

 

Weihnachtsbilder, Weihnachtsworte, immer noch haben sie der eitlen Frau Welt wohlgetan und werden ihr, je älter und unweihnachtlicher sie wird, um so mehr wohltun. Sie denkt zurück an jene Zeit, wo sie noch so ganz Kind, so ganz Seele, so ganz christkindgläubig und christkindfroh war. Heimweh befällt sie. Ja jetzt, wo sie so oft anderen Göttern bis zum Ekel dient, würde sie gerne zur seligen Gottheit der Weihnacht zurückkehren, um dort wie die Hirten und Weisen wieder zu gesunden und jung zu werden. Es gibt auch keine Jugend, noch Gesundheit als dort, wo die Welt sie vor zweitausend Jahren holte. Wenn die Menschen trotzdem wieder krank wurden, oft kränker als die, denen nie der Stern von Bethlehem leuchtete, so geschah es nicht wegen dem Gang und Gehorsam zu Jesus, sondern gerade wegen dem steten Wiederdavonlaufen von Jesus, wegen der Halbheit und Verweltlichung unseres Weihnachtsgedankens. Ganz gab sich das Christkind, ganz will es uns. Ach, werden wir wieder ganz und geistlich. Der Hirtenjunge bläst auf einem der Bilder so innig seine Flöte. Er lockt und musiziert so unermüdlich, so sicher, so christkindgewiss. Er ruft uns durch dieses ganze Bilderbuch, durch jeden unserer Tage, durch Haus und Arbeit beharrlich: "Kommt zur Weihnachtsfeier, ihr Feierlosen, ihr Unfesttäglichen, ihr staubigen Werktagsmenschen selbst im Sonntagskleid! Kommt und erlebt wieder einmal, was größer ist als alle Weltfreude, die Freude, ganz und gar fürs Ewige und Unsterbliche geboren zu sein!" Wandere, o wandere dieses Bilderbuch und komme einmal zurück und sage, dass es Tausenden und Zehntausenden, "hat ein Blümlein bracht", ein Himmelsblümlein, das nie verwelkt.

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