Die Heiligen im Februar

 

1. Februar

 

 Der heilige Ignatius, Bischof und Martyrer von Antiochia,

 + 20.12.107 - Fest: 1. Februar

 

"In jener Zeit", so berichtet das Evangelium, "traten die Jünger vor Jesus mit der Frage: Wer ist denn der Größte im Himmelreich? Da rief Jesus ein Kind herbei und stellte es mitten unter sie mit den Worten: Fürwahr, ich sage euch, wenn ihr euch nicht bekehrt und werdet wie die Kinder, so werdet ihr nicht in das Himmelreich eingehen. Doch wer sich demütig macht wie dieses Kind, der ist der Größte im Himmelreich."

 

So berichtet das Evangelium, und die Legende will wissen, dass jenes Kind, das Jesus damals den Aposteln als Beispiel vor Augen stellte, der spätere heilige Martyrer Ignatius war, dessen Gedächtnis man heute begeht. Der Heilige muss daher gerade den Kindern wert und teuer sein, denn in dem kleinen Ignatius hat der liebe Heiland alle Kinder hoch geehrt und sie den großen Leuten sogar als Muster hingestellt. Sie müssten werden wie die Kinder, hat er ihnen gesagt, sonst könnten sie nicht in den Himmel kommen.

 

Vom heiligen Ignatius berichtet die Legende weiter, dass er später nach Ephesus in Kleinasien ging, wo der Lieblingsjünger Johannes als Bischof wirkte. Bei diesem großen Heiligen ist er in die Schule gegangen, und weil im Hause des heiligen Johannes bekanntlich auch die Mutter Gottes weilte, durfte Ignatius alle Tage die Hochgebenedeite sehen, durfte ihr kleine Gefälligkeiten erweisen und durfte mit ihr reden, und Maria hat ihn gern gehabt und hat ihn oft mit ihrem kräftigen Muttersegen beglückt und begnadet.

 

Später wurde Ignatius vom heiligen Apostel Johannes zum Bischof der Weltstadt Antiochien geweiht. In dieser Stellung wirkte er vierzig Jahre lang als der gute Hirt seiner Herde, und ganz glorreich war schließlich sein Sterben.

 

Als nämlich die dritte römische Christenverfolgung ausbrach, wurde Ignatius verhaftet und zum Tod um des Glaubens willen verurteilt. Nicht an seinem Wohnort Antiochien sollte er den Tod erleiden, sondern in Rom. Dort wollte man ihn zur Schaulust der Menge im Zirkus den wilden Tieren vorwerfen.

 

Von Antiochien in Asien bis nach der Hauptstadt des römischen Reiches war es eine weite Strecke. Die Reise, die teils zu Fuß und teils mit dem Schiff zurückgelegt werden musste, dauerte mehrere Monate, und was das für einen achtzigjährigen Mann bedeutet, kann man sich leicht ausdenken. Zehn Soldaten begleiteten den Glaubenszeugen. Ignatius war gut zu ihnen, aber je freundlicher er sich gegen sie benahm, desto unfreundlicher behandelte man ihn. Es war ein harter Kreuzweg für den Christusjünger.

 

Um den Gefangenen überhaupt lebend nach Rom zu bringen, musste unterwegs zweimal eine Ruhepause eingelegt werden. Diese Zeit benutzte Ignatius, um eine Reihe herrlicher Briefe an die ihm bekannten Christengemeinden zu schreiben, in denen er die Gläubigen zur Treue gegen Christus aufforderte.

 

Dann drängte er selbst zur Weiterreise, denn eine glühende Sehnsucht nach dem Martertod erfüllte ihn, und als er unterwegs hörte, dass die Christen in Rom ein Gnadengesuch für ihn an den Kaiser planten, bat und beschwor er sie, es doch nicht zu tun. "Erweist mir kein unangebrachtes Wohlwollen", schrieb er, "sondern lasst mich eine Speise der wilden Tiere werden, denn ich bin ein Brotkorn Gottes und muss von den Zähnen der wilden Tiere zermalen werden, nur dass ich zu Jesus Christus gelange."

 

Welch ein Held war dieser Bischof Ignatius, der trotz seiner achtzig Jahre mit dem feurigen Mut eines jungen Mannes für Christus in den Tod ging.

 

Die heilige Brigida (Brigitta), Jungfrau und Ordensstifterin in Irland,

+ 1.2.523 – Fest: 1. Februar

 

Die heilige Viehpatronin und Patronin Irlands, die das erste Frauenkloster Keldare gründete, lebte zur Zeit des Apostels Irlands, des heiligen Patrick. Ihr Leben ist so von Wundern umrankt, dass man sie die Wundertäterin nannte. In ihrer rührenden Sorge für die Armen gab sie die ihr geschenkten kostbaren Altartücher den Notleidenden. Am 1. Februar 523 starb die Siebzigjährige. Eine Reliquie brachten irische Mönche nach Köln in die Kirche Groß-St. Martin. Das mag ihre Verehrung am Rhein und in Westdeutschland begründet haben. Da sie trotz ihrer Stellung im Kloster freiwillig die Wartung des Viehs besorgte, so wurde sie Patronin der Kühe. Sorgte ja ihr Landsmann St. Wendelin für die Schafe, Antonius für die Schweine, Quirinius für die Pferde. Diese Viehpatronate zeigen wieder, wie stark volksverbunden die Heiligen waren, wie aber auch die Sorge für das Vieh eine heilige Pflicht war.

 

Der selige Klarus, Mönch und Klausner von Seligenstadt,

+ 1.2.1043 – Fest: 1. Februar

 

Im Kloster Seligenstadt im Odenwald in der Diözese Mainz lebte im 11. Jahrhundert ein Mönch, der den Ordensnamen Klarus, der Berühmte, führte. Diesem Namen machte er durch ein tugendhaftes Leben und Kenntnis der weltlichen und geistlichen Wissenschaften alle Ehre. Da wehte eines Tages durch seine Seele ein wunderbarer Hauch vom Heiligen Geist und mächtig rührte ihn die ewige Liebe. Von Stund an verwandte der Begnadete all den Eifer, mit dem er bisher die Wissenschaft pflegte, ganz auf Erwerbung der vollkommenen Liebe Gottes. Willst du aber Gott finden und ihm allein mit ganzer Kraft dienen, dann musst du den Verkehr der Welt meiden. Deshalb ließ sich der selige Klarus in eine ganz enge Zelle neben dem Kloster einschließen. Dreißig Jahre brachte er hier Gott das Opfer seines Dienstes, indem er seinen Geist beständig darauf gerichtet hielt, Gott mit Akten des Lobes und der Liebe zu verherrlichen. Im achten Jahr nach seiner Einschließung wurde er von Gott der prophetischen Schau gewürdigt, einer Gabe, die bis zum Tod andauerte. Wie dankbar war doch hierfür der Selige und tat alles, um diese seine innige Gottvereinigung fest zu bewahren. Seinen Leib hielt er in strenger Zucht. Er aß nie Fleisch, überhaupt nichts, was ehemals Leben in sich hatte; Wein und Bier kam nicht in seine Zelle. Seinen Geist ließ er nie müssig sein, nährte ihn vielmehr beständig durch das Studium der Heiligen Schrift, durch Gebet und Betrachtung.

 

Schon längst der Welt entrückt, hatte der Selige sich so durch gute Werke bereit gemacht, sie ganz zu verlassen. Am 1. Februar 1043 ging er in die ewige Ruhe des himmlischen Vaterlandes ein. Bei seinem Hingang hörten mehrere Mitbrüder den englischen Lobgesang: „In den himmlischen Reichen ist der Heiligen Wohnung, Halleluja, und in Ewigkeit währet ihre Ruhe, Halleluja.“

 

Nicht jeder ist berufen, sich gänzlich von der Welt abzuschließen, aber für jeden gilt das Apostelwort: „Flieht die Welt und was in ihr ist!“ Jeder soll sein Herz zu einer kleinen Einsiedlerzelle machen, wohin die Welt nicht dringen kann. Dahin soll er sich immer wieder zurückziehen, um Gott zu loben und anzubeten. Und der Herr wird dann dieses Herz auch zu einer Stätte innigster Liebesvereinigung und himmlischen Friedens machen.

 

Der heilige Pionius, Priester und Martyrer,

+ 1.2.250 - Fest: 1. Februar

 

Pionius war ein Priester in Smyrna und hatte viele Jahre durch sein Wort und Beispiel die Christen im Glauben gestärkt.

 

Im Jahre 250 offenbarte ihm Gott im Traum, dass er am Fest des heiligen Polykarp des Glaubens wegen von den Verfolgern ergriffen werde. Er bereitete sich daher am Tag zuvor mit Asklepias und Sabina durch Fasten und Gebet auf die kommenden Leiden vor. Als sie am Todestag des heiligen Bischofs noch beteten, kam Polemon, ein Vorsteher eines Götzentempels, mit Schergen und führte sie, weil sie sich weigerten am Götzenopfer teilzunehmen, mit Gewalt auf den öffentlichen Platz. Hier ermahnte sie Polemon in Gegenwart vieler Juden und Heiden wiederholt, den Göttern zu opfern, wenn sie dem Tod entgehen wollten. Die Bekenner weigerten sich aber standhaft. Da sagten einige aus dem Volk aus Mitleid: "Es ist doch gut zu atmen und das Licht zu sehen." Pionius antwortete: "Wohl ist es gut zu leben und das Licht zu schauen; aber jenes Licht, nach welchem wir verlangen! Wir verlangen nach einem andern Licht. Wir verkennen zwar diese Gaben Gottes nicht; aber wir verlassen sie gerne, weil wir uns nach höheren Dingen sehnen."

 

Hierauf fanden noch verschiedene lebhafte Reden statt, und man sah Sabina lächeln, als Pionius einen Heiden mit wenigen Worten abgefertigt hatte. "Du lachst?" rief man ihr drohend zu. Sie antwortete: "Ich lache, wenn es Gott gefällt; denn wir sind Christen." "Nun," hieß es, "so wird dir widerfahren, was du nicht willst. Denn die Frauen, welche sich zu opfern weigern, werden in Häuser der Unzucht geführt." "Darüber," sagte sie ohne Unruhe, "wird der heilige Gott walten." Darauf legten sie noch, einer nach dem andern, das Bekenntnis ab, dass sie den allmächtigen Gott anbeten, und wurden ins Gefängnis geführt. Man ließ ihnen hier die Freiheit, zu tun, was sie wollten. Sie unterhielten sich daher den ganzen Tag und einen großen Teil der Nacht mit Gott im Gebet und mit geistlichen Gesprächen. Doch kamen verschiedene Heiden zu ihnen, um sie in ihrem Vorsatz zu erschüttern. Sie mussten aber die Weisheit des Pionius bewundern. Auch solche kamen zu ihnen, welche sich durch Zwang zum Falle hatten hinreißen lassen, und jammerten und weinten. Dies war für Pionius ein herzzerreißender Anblick, um so mehr, da einige darunter waren, welche bis dahin einen unsträflichen Wandel geführt hatten. Er konnte sich der Tränen nicht enthalten, und sprach ihnen zu mit der zärtlichsten Liebe. Unter anderem sagte er: "Ich leide eure Peinen, und werde so gequält, als würden mir meine Glieder vom Leibe gerissen, indem ich vor mir sehe die Perlen der Kirche von den Füßen der Schweine zertreten, - euch, meine Kinder! die ich abermals mit Schmerzen gebäre, bis dass Christus in euch eine vollkommene Gestalt gewinne!" "O meine Söhne," setzte er hinzu, "glaubet ja nicht, dass Gott von uns gewichen sei; wir sind von Ihm gewichen!"

 

Nachdem er sie entlassen, kam Polemon, und rief mit fürchterlicher Stimme: "So eben hat euer Vorsteher (der Bischof Eudämon) geopfert. Die Obrigkeit befiehlt euch, sogleich in den Tempel zu kommen." Da sich Pionius auf die Ankunft des Proconsuls berief, wurden sie mit Gewalt aus dem Kerker geschleppt in den Tempel, wo sie sich standhaft zu opfern weigerten. Als man sie mit donnernder Stimme fragte, (noch stand ihr abtrünniger Bischof vor dem Götzenaltar) warum wollet ihr nicht opfern? antworteten sie: "Weil wir Christen sind." Auf die Frage der Richter, welchen Gott verehrt ihr? sagte Pionius: "Denjenigen, der den Himmel erschaffen, und ihn mit Gestirnen geschmückt, - der die Erde gegründet, und sie mit Bäumen und Blumen geziert hat." "Meinst du", fragten die Richter, "den Gekreuzigten?" "Ja," antwortete Pionius, "den, welchen der Vater zum Heil der Menschen gesandt hat."

 

Jetzt versuchte man, dem Pionius Opferkränze auf das Haupt zu setzen. Er aber zerriss sie, und warf sie vor den Altar. Die Bekenner riefen laut: "Wir sind Christen!" Einige vom Volk gaben ihnen Backenstreiche, worüber sie sich freuten, mit ihrem Heiland auch dieser Schmach teilhaftig zu werden. Die Richter blieben unschlüssig, was sie tun sollten, und ließen sie wieder in das Gefängnis führen. Die Bekenner lobten und priesen Gott. Als nach einigen Tagen der Proconsul nach Smyrna gekommen war, ließ er den Pionius vor den Richterstuhl fordern, redete ihm noch einmal zu, und verurteilte ihn dann, verbrannt zu werden.

 

Freudig ging Pionius dem Tod entgegen, entkleidete sich selbst, und bot auf dem Scheiterhaufen selbst die Hände hin, um sie an den Pfahl zu nageln. Als ihn das Volk so angenagelt sah, wurde es bewegt und rief ihm zu: "Pionius! ändere deinen Sinn, so werden dir deine Nägel wieder ausgezogen." Er aber antwortete: "Wohl fühle ich die Nägel!" und bald darauf sprach er: "Möge das ganze Volk überzeugt werden, dass eine Auferstehung der Toten künftig sei!" Schon sauste die Flamme, als er die Augen schloss und leise betete. Bald eröffnete er sie wieder, sah mit freudigem Blick in die Glut, und sagte: "Amen!" Dann atmete er den Geist aus mit diesen Worten: "Herr, nimm meine Seele auf!"

 

Nach eingesunkener Glut fand man seine Leiche frisch und wie verjüngt, und Haare und Bart unversengt. Die Gläubigen wurden darüber mit großer Freudigkeit erfüllt. Asklepias und Sabina sollen gekreuzigt worden sein.

 

Der selige Wolfhold, Priester zu Hohenwarth,

+ 1.2.1100 – Gedenktag: 1. Februar

 

In derselben Zeit mit der seligen Richildis lebte in Hohenwarth ein gottseliger Priester namens Wolfhold. Aus seinem Leben weiß man nur, dass er gewohnt war, den größten Teil der Nacht immer betend in der Kirche zuzubringen. Die zur Nachtzeit verschlossene Kirche wurde ihm jedesmal, wenn er sich ihr näherte, von den heiligen Engeln geöffnet, und wenn er wieder zurückkehrte, schlossen die seligen Diener Gottes die Tür wieder zu. Nach seinem seligen Tod nahm das Volk seine Zuflucht zur Fürbitte des treuen Dieners Gottes. Die Urkunden des Klosters Hohenwarth enthielten viele Wunder, die an seinem Grab geschahen. Um das Jahr 1492 war zu Hohenwarth ein von Seiboltsdorf gebürtiger Schneider namens Stephan, der entsetzlich an Steinschmerzen litt. Die Ärzte erklärten ihm, dass sie eine Operation vornehmen wollten, dass diese aber gar leicht den Tod nach sich ziehen könne. Er solle sich also aufs Sterben gefasst machen. Dem armen Stephan wurde entsetzlich bange. Die ganze folgende Nacht litt er wahre Todesangst. Zuletzt nahm er seine Zuflucht zu den heiligen Patronen von Hohenwarth und gelobte, auf bloßen Füßen zur Klosterkirche hinauf zu rutschen, wenn er von seinem Übel befreit würde. Darauf schlummerte er ein. Im Schlaf erschien ihm ein gar ehrwürdiger Priester mit zwei heiligen Jungfrauen und fragte ihn, ob er gesund werden wolle. Stephan antwortete: Freilich wünsche ich, geheilt zu werden. Siehe nur, wie entsetzlich ich leide. Kannst du es, so hilf mir Armseligen. Ich will es dir in alle Ewigkeit nicht vergessen. Aber sage mir, wer bist du denn? Der Priester antwortete: „Ich bin Wolfhold und war Seelsorger dieses Ortes. Man nannte mich nur den Wochner. Mein Leichnam liegt in der Kirche dahier begraben. Ich bin von Gott gesendet worden, dich von deinem Elend zu befreien, damit die Leute Gott preisen und seine Heiligen verehren mögen. Die eine dieser Jungfrauen ist Richildis, die andere ist Juliana, eine Gefährtin der heiligen Ursula. Beide ruhen hier in einem Grab.“ Als Stephan von seinem Schlaf erwachte, fühlte er sich von seinen Schmerzen vollkommen befreit, und zugleich fand er den Stein, der ihm solche Leiden verursacht hatte, in seiner rechten Hand. In aller Frühe verkündete er die wunderbare Heilung zuerst seiner Frau und dann den Ärzten, die bald darauf kamen, um die Operation an ihm vorzunehmen. Alle erstaunten und lobten und priesen Gott, der wunderbar ist in seinen Heiligen. Durch dieses Wunder wurde die Verehrung des seligen Wolfhold und der seligen Richildis ungemein befördert, und fortwährend kamen Leidende, die auf die Fürbitte der seligen Diener Gottes Befreiung von ihren Leiden erlangten.

 

Die gottselige Virdiana von Castello Fiorentino

(Veridiana Attavanti, Verdina, Beridiana), Einsiedlerin von Fiorentino,

+ 1.2.1242 – Gedenktag: 1. Februar

 

Die gottselige Viridiana brachte ihre Jugend in großer Unschuld zu, erwarb sich durch ihre erhabenen Tugenden allgemeine Hochachtung, und wurde durch harte innere Leiden geprüft. Der heilige Franziskus von Assisi besuchte und tröstete sie, und gab ihr das Kleid des vor kurzem von ihm gestifteten Ordens. Sie starb in heiliger Freudigkeit am 1. Februar 1242.

 

Diese heilige Jungfrau ist wohl zu Castello Fiorentino in Etrurien von armen aber frommen Eltern geboren worden. Sie führte als junge Frau das Hauswesen eines reichen Verwandten, namens Attavanti. Während sie mit aller Treue den häuslichen Geschäften nachging, diente sie zugleich mit Gebeten und Liebeswerken dem himmlischen Herrn. Eines Tages verteilte sie den ganzen Vorrat an Gemüse unter die Armen. Hierüber schmähte der Hausherr die fromme Geberin in Gegenwart der Dienstboten und Nachbarn. Als er auch am folgenden Tag noch zu schimpfen fortfuhr, führte Virdiana ihn zu dem wunderbar wieder aufgefüllten Kasten und sagte: „Halte ein mit deinem Zanken, denn Christus hat das, was er in Person der Armen erhalten hat, wieder ersetzt.“ Um aller Ehre vor der Welt zu entgehen, machte die Heilige bald darauf eine Wallfahrt nach St. Jakob in Compostella. Von dort zurückgekehrt, entschloss sie sich, auf die Bitten ihrer Familie, in der Heimat zu bleiben, wenn man ihr eine Zelle bauen würde. Unterdessen lebte sie zu Rom drei Jahre lang in Gebeten und heiligen Übungen. Hierauf kehrte sie nach Castello Fiorentino zurück, wo sie nach abgelegter Beicht das heiligste Altarsakrament empfing und in der Person ihres Pfarrers (andere Lebensbeschreibungen sprechen hier vom heiligen Franziskus selbst), der ihr den Schleier gab, dem lieben Gott Gehorsam gelobte. Danach wurde sie in feierlichem Zug in die für sie erbaute Zelle geführt, deren Eingang alsbald vermauert wurde. Nur ein kleines Fenster wurde offen gelassen. Sie trank nie Wein, aß nur wenig und dies nur nach Sonnenuntergang, schlief auf dem nackten Boden, trug ein härenes Gewand, und einen eisernen Gürtel, und war beständig mit Wachen, Fasten und Beten beschäftigt. Als sie eines Tages betete, Gott möchte ihr zur Übung in der Tugend Ähnliches widerfahren lassen, was nach der Legende dem heiligen Einsiedler Antonius widerfahren war, krochen alsbald durch das Fenster ihrer Zelle zwei große Schlangen, worüber sie sich anfangs entsetzte. Doch sie fasste Mut und bezeichnete sich mit dem heiligen Kreuz, worauf die Schlangen ganz harmlos sich ihr zu Füßen legten, und mit ihr aus derselben Schüssel aßen, sie aber auch manchmal mit den Schweifen schlugen und mit ihren Zähnen bissen, ohne dass die Heilige davon einen Schaden litt. Auf solche Weise brachte sie 34 Jahre von 1208 bis 1242 in ihrer Zelle zu. Ohne eine besondere Krankheit zu haben, starb sie unter Abbetung der Bußpsalmen. Plötzlich fingen alle Glocken von selbst zu läuten an und ein unmündiges Kind verkündete den Tod der Heiligen. Als man zur Zelle kam und sie erbrach, fand man sie selbst im Tod noch kniend. Ihr Leib wurde in der benachbarten Kirche begraben, und es begaben sich beim Begräbnis und auch später an ihrem Grab viele Wunder. Später wurde ein Altar unter ihrem Namen geweiht. Einem bestimmten Orden scheint sie nach einigen Lebensbeschreibungen nicht angehört zu haben. Aufgrund anderer Berichte reklamierten die Franziskaner als auch die Kamaldulenser sie für sich. Eine Übertragung ihrer Reliquien notieren die Bollandisten aus einem neueren Kartäuser-Martyrologium am 19. Juni. Auch zu Montaone wird die heilige Virdiana als Patronin verehrt. Auf Bildern sieht man die Heilige vor einem Kruzifix kniend, von Schlangen umgeben. 

 

Der selige Andreas von Conti, Franziskaner,

+ 1.2.1302 – Gedenktag: 1. Februar

 

Der selige Andreas von Conti, aus der Familie der Grafen von Segni in Italien, wollte aus Demut nicht anders als Laienbruder aufgenommen werden. Als einer seiner Oheime unter dem Namen Alexander IV. zum Papst erwählt wurde, trug er ihm die Kardinalswürde an. Der heilige Ordensmann zog aber die Verborgenheit in den stillen Klostermauern aller irdischen Größe vor. Er schloss sich den Minderbrüdern der Franziskaner an und lebte als Eremit in Piglio. Andreas von Conti gilt als Verfasser der Schrift „Über die Geburt der seligen Jungfrau Maria - Er starb 1302, in einem Kloster bei Anagni, seiner Geburtsstadt. Sein Orden feiert sein Andenken am 1. Februar. Er wurde im Jahr 1724 seliggesprochen.

 

Der fromme Arnold – Gedenken: 1. Februar

 

Arnold war ein Verwandter des berühmten Gerhoh (Fest: 27. Juni). Sein Geburtsort ist wahrscheinlich Polling in Oberbayern. Von seinem Leben und seinen Taten ist uns nur so viel berichtet, dass er gottselig, fromm und still ein mit Gott in Christus verborgenes Leben geführt und durch sein Beispiel die ganze Gemeinde erbaut hat. Das Merkwürdigste ist sein Todeskampf und sein Scheiden aus dieser Welt. Darüber hat uns einer seiner Mitbrüder ausführliche Nachrichten hinterlassen.

 

Schon in der letzten Adventwoche des Jahres 1165 wurde Arnold von einem Fieber befallen. Dieses Fieber verließ ihn nicht mehr und zehrte von Tag zu Tag an seinen Kräften. Der Kranke wurde immer schwächer, und ein paar Tage vor dem Fest Mariä Lichtmess 1166 glaubte er wirklich, sein Ende sei nahegekommen. Während der ganzen Krankheit hatte er mit bewunderungswürdiger Geduld ausgeharrt, voll Ergebung in den heiligsten Willen des Herrn. In den größten Schmerzen hatte er immer mit freudigem und heiterem Angesicht seine Mitbrüder getröstet und ermahnt, dass sie seiner im Gebet gedenken möchten.

 

Diese Ruhe und Freudigkeit dauerten bis auf den letzten Tag. Mit innigster Andacht hatte er noch die heiligen Sakramente der Sterbenden empfangen, und sich zum Kampf gegen Widersacher und zu einem seligen Hinscheiden vorbereitet. Jetzt erst kamen die Stunden schwerer Prüfung.

 

Nach Empfang der heiligen Wegzehrung ließ Arnold alle seine Mitbrüder zu sich in seine Zelle kommen. Er war schon sehr schwach und die Todesangst machte seinem Herzen bange. Da bat er denn alle seine Brüder recht inständig, sie möchten ihn doch nicht verlassen im letzten Kampf, den er mit dem bösen Feind noch zu kämpfen hätte. Sie möchten ihn doch unterstützen mit ihrem Gebet, wenn er vor Schwäche nicht mehr werde beten können. Insbesondere bat er sie, sie sollten ihn in die heiligsten Wunden des gekreuzigten Heilandes, und in den mütterlichen Schutz der seligsten Jungfrau und Mutter Gottes empfehlen. Auch möchten sie das Opfer der heiligen Messe für ihn aufopfern, dass er ja nicht unterliege in diesem Kampf.

 

Den Brüdern graute ob dem Todeskampf. Weinend und betend empfahlen sie die Seele des Kämpfenden in den göttlichen Schutz und flehten zum Herrn, dass er auch ihnen gnädig sein wolle in der letzten Stunde. Der sterbende Bruder aber wurde ruhiger. Gar andächtig küsste er das Kreuz, und sprach dann noch zu den betenden Brüdern: „Seht, wie diese Geister der Finsternis das Licht scheuen, das wir im Gekreuzigten haben, wie feige sie allesamt vor ihm die Flucht ergreifen. Das Kreuz ist das triumphierende Zeichen, in dem sie überwunden wurden. Lasst uns nun, um Gottes Beistand zu erlangen, das heilige Vater unser beten! Lasst uns auch zum Bekenntnis der heiligsten Dreieinigkeit den Glauben sprechen. Vor solchem Bekenntnis erschrecken alle Mächte der Hölle und ergreifen die Flucht. Lasst uns auch zu Maria beten, dass sie uns Verzeihung und Gnade erflehe bei ihrem Sohn. Lasset uns alle Heiligen Gottes um ihre Fürbitte anrufen!“

 

Nun begannen die Mönche die Litanei zu allen Heiligen zu beten. Nachdem alle Heiligen der Ordnung nach angerufen waren, rief Arnoldus aus: „Kehrt wieder zurück zu Maria und ruft aufs Neue sie an, dass sie für mich fürbitte.“

 

Hierauf begann ein neuer Kampf. Dem treuen Diener Gottes war es, als stünde er vor dem Gericht des gerechten Gottes. Die so oft betrachteten Schrecken des Gerichts sollte er noch in seinem Leibesleben erfahren. Da stand neben ihm der Verkläger der Kinder Gottes, der Tag und Nacht auf das Verderben der Gerechten sinnt. Das ganze vergangene Leben wurde hier aufgerollt und alle seine Vergehen wurden gegen ihn als Anklage vorgebracht. Die betenden Brüder hörten den Diener Gottes öfters ausrufen: „Nur heraus, nur heraus mit den Anklagen, ich habe schon längst mich selbst dessen angeklagt und alles gründlich bereut. Ich leugne gar nichts. Die Gnade meines Herrn hat mir alles verziehen.“ Darauf erblickte er neben sich die Königin des Himmels, die Mutter der Barmherzigkeit, und rief ihr zu: „Sprich nur ein Wort, o meine Mutter, und alle meine Ankläger müssen verstummen.“

 

Wie der Diener Gottes zuerst in das Reich der Finsternis einen Blick getan hat, um mit ihm ganz aufzuräumen und fertig zu machen, so wurde ihm jetzt auch ein Blick in das Reich des Lichtes gegönnt. Auf einmal rief er aus: „Welch eine Glorie und Freude der Heiligen hab ich geschaut! Wie ist doch alles, was die betrogene und betrügerische Welt anbietet, so gar nichts im Vergleich mit dieser Herrlichkeit!“ Jetzt wollte er sich aufrichten und rief: „Ich komme, ich komme!“ Allein alsobald fiel er wieder zurück auf sein Lager, senkte sein Haupt und verschied, als eben die Sonne aufging und seine Zelle zu erleuchten begann, selig im Herrn.

 

Der heilige Siegbert (Sigibert), König und Bekenner von Austrasien,

+ 1.2.656 – Fest: 1. Februar

 

Siegbert war der Sohn Dagoberts I., des Königs von Frankreich. Der Vater hatte eine Zeitlang ein unordentliches Leben geführt, wurde aber über die Gnade, die ihm Gott erzeigt hatte, indem er ihm einen Sohn gab, so gerührt, dass er aus Erkenntlichkeit für diese Gnade, den Entschluss fasste, sich gänzlich zu bessern. Er beschloss daher, seinen Sohn durch den heiligsten Bischof seines Reiches taufen zu lassen, und richtete dabei seine Augen auf den heiligen Amandus, den Bischof von Maastricht, den er vorher, wegen der edlen Freimütigkeit, mit der er ihm seine Ausschweifungen vorhielt, verbannt hatte. Er ließ ihn deshalb nach Chlichy bei Paris kommen, warf sich ihm zu Füßen, bat ihn um Verzeihung wegen der Ungerechtigkeit, die er an ihm begangen hatte, und bestimmte ihn zugleich unter Beistand des Audonus, und des heiligen Eligius, die noch Laien waren, seinem Sohn das heilige Sakrament der Wiedergeburt zu erteilen. Die Taufzeremonie wurde mit großer Pracht in Orleans verrichtet, wohin Charibert, der König eines Teils von Aquitanien, sich begeben hatte, um bei seinem Neffen die Patenstelle zu vertreten. Die Erziehung des jungen Prinzen wurde dem gottseligen Pipin von Landen, dem Oberaufseher des Pallastes anvertraut, der gezwungen dem Hass des Adels nachzugeben, sich mit ihm in die Staaten des Königs Charibert zurückzog, wo er mehrere Landgüter von seiner Gemahlin Itta besaß. Nach Verlauf dreier Jahre rief Dagobert Pipin zurück, und ernannte seinen Sohn Siegbert zum König von Austrasien (Dies ereignete sich im Jahr 633, da Siegbert kaum drei Jahre alt war.). Zugleich gab er ihm als Rat den heiligen Cunibert, den Bischof von Köln und den Herzog Adelgis, und vertraute die Verwaltung des ganzen Reiches dem Pipin an, den er jedoch immer bei sich behielt. Im folgenden Jahr wurde Dagobert ein zweiter Sohn geboren, der unter dem Namen Chlodwig bekannt ist. Die Furcht, es möchte unter den Brüdern Trennung entstehen, bewog ihn, seinen Staat unter ihnen zu verteilen. Er bestätigte daher Siegbert als König von Austrasien, und erteilte Chlodwig Neustrien zu, oder das abendländische Frankreich, neben einem Teil von Burgund.

 

Nach Dagoberts Tod, der im Jahr 638 erfolgte, lebten beide Brüder in der vollkommensten Einigkeit. Siegbert befolgte Pipins Rat, der ihn wie seinen Sohn liebte, und immer noch bei ihm das Amt eines Oberaufsehers des Pallastes vertrat, und bald sah man an ihm, dass er vollkommen den Sorgen entsprach, welche dieser weise Lehrer angewendet hatte, um ihn zu allen Tugenden eines Christen und Königs heranzubilden. Als ihm Pipin im Jahr 640 durch den Tod hinweggerafft wurde, bestimmte er Grimoald als Oberaufseher des Pallastes an seines Vaters Stelle. Durch seine Frömmigkeit, Klugheit und Tapferkeit erwarb er sich die Liebe und Achtung seiner Untertanen, und sein Name war der Feinde Schrecken. Die Thüringer waren die einzigen, die gegen ihn die Waffen ergriffen. Allein er wusste sie bald wieder zu ihrer Pflicht zurückzuführen. Und dieser Krieg, der einzige, zu dem er genötigt wurde, hatte weiter keine anderen Folgen. Diese friedliche Stimmung seines Herzens, die durch anhaltendes Gebet und fromme Übungen der Religion unterstützt wurden, musste reichliche Gnaden auf ihn herabziehen. Er verwandte einen großen Teil seiner Einkünfte zur Unterstützung der Armen, baute und versah Krankenhäuser, Kirchen und Klöster (er gründete 12 Klöster) mit den nötigen Einkommen. Dieser tugendhafte Fürst lebte nur kurze Zeit, wenn man ein Leben, das mit guten Werken so ausgestattet ist, wie das seine, kurz nennen kann. Er starb am 1. Februar 656 in seinem 25. Lebensjahr. Sein Leib wurde in die Abtei zum heiligen Martin bei Metz begraben. Im größten Teil des Landes, das er beherrschte, wie auch in den Kirchen und Klöstern, die er begründet hatte, wurde er öffentlich verehrt. Da man im Jahr 1063 seinen Leichnam noch unversehrt fand, wurde er aus der Erde erhoben, und an der Seite des Hochaltars beigesetzt. Im Jahr 1170 wurden seine Gebeine in ein silbernes Kästchen gelegt. Als aber Franz von Lothringen, der Herzog von Guise, im Jahr 1552 genötigt war, alle Klöster in den Vorstädten von Metz, die von Karl V. belagerte Stadt, zu zerstören, wurden die Gebeine des heiligen Siegbert in die Jakobinerkirche dieser Stadt versetzt, danach aber in die Stiftskirche Unserer Lieben Frau in Nanzig gebracht. 

 

Gebet des heiligen Ephrem am 1. Februar

 

Unbefleckte und vollkommen reine Jungfrau Maria, Mutter Gottes, Königin der Welt, Hoffnung der Verzweifelnden, du bist die Freude der Heiligen, du bist die Friedensstifterin zwischen Gott und den Sündern, du bist die Fürsprecherin der Verlassenen, ein sicherer Hafen für die Schiffbrüchigen. Du bist der Trost der Welt, das Lösegeld der Sklaven, die Freude der Betrübten, das Heil der ganzen Welt. O große Königin, wir fliehen unter deinen Schutz. Du bist unsere einzige Hoffnung, o allertreueste Jungfrau. O Maria, unsere Gebieterin, nach Gott setzen wir auf niemanden Vertrauen als auf dich. Wir tragen den Namen deiner Diener. Lass also nicht zu, dass der böse Feind uns mit sich in die Hölle reißt. Gegrüßet seist du, beste Mittlerin zwischen Gott und den Menschen, o Mutter unseres Herrn Jesus Christus. Gegenstand der Liebe deines Gottes und aller Menschen. Ehre und Preis sei dir mit dem Sohn, dem Vater und dem heiligen Geist. Amen. 

 

Zu Jesus Christus

 

Verleihe uns, o Jesus, der Du für uns gekreuzigt worden bist, die Gnade, dass wir die Leiden nicht fürchten, weil sie uns reinigen und zu Deinen Schülern machen, der Du lebst und regierst mit Gott dem Vater in Einigkeit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 

 

Zu Gott auf die Fürbitte der heiligen Brigitta

 

Wir bitten Dich, o Gott, verleihe uns auf die Fürbitte Deiner heiligen Jungfrau Brigitta Liebe zur Reinheit und Eifer zu allem Guten, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Andacht am 1. Februar:

 

 Das Thema im Februar:

Von der Demut

"Wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden." (Lukas 14,11)

 

"Die Demut ist die Grundveste aller Tugenden; es gibt keine bessere Vorbereitung, himmlische Gaben zu erlangen." (Der heilige Augustinus)

Keine Tugend empfahl der heilige Vincenz von Paul so dringend zu üben, als die Demut.

Dies auch war die Tugend, nach der der heilige Aloysius mit der größten Sehnsucht verlangte; täglich flehte er zu den heiligen Engeln, durch ihre Fürbitte zu erlangen, dass er auf diesem königlichen Weg gehen möchte, den sie zuerst betraten.

Ein heiliger Ordensmann pflegte zu sagen: "Mit Freuden würde ich beide Augen hingeben, wenn ich dafür die wahre Demut erlangen könnte."

Der Herr sprach, wie wir im Leben der heiligen Katharina von Siena lesen, einst zu dieser Seiner großen Dienerin, um sie in der Demut zu erhalten: "Weißt du, meine Tochter, wer Ich bin, und wer du bist? Glückselig wirst du sein, wenn du dies weißt. Ich bin Derjenige, der ist; du aber bist die, die nicht ist!" - Dies soll auch jeder von uns zu sich selbst sprechen: "Ich bin was nicht ist; mein Name ist das Nichts; alles Wesen, das ich zu haben scheine, ist mir fremd; gänzlich kommt es mir von Gott; und zwar so sehr, dass ich ohne Ihn in alle Ewigkeit nicht einmal eine Mücke sein könnte. Ein bloßes Nichts bin ich aus mir selbst; und mein Gutes ist eine Anhäufung seiner Wohltaten, das aufhört, sobald es Ihm gefällt, sie mir zu entziehen; und dies gilt nicht nur von dem Leben und von den Gütern der Natur, sondern auch der Gnade; denn entzöge Gott mir diese Hilfe, so würde ich augenblicklich in die größten Laster versinken!"

 

Verleihe mir, o Gott, die Tugend der Demut, die so wohlgefällig vor Deinen Augen ist! Gib mir, dass ich mein Nichts, mein Elend, meine Schwäche erkenne, und durch diese Kenntnis immer mehr angeregt werde, mich vor Dir in Staub aufzulösen, und unablässig um Deine Gnade zu bitten. Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 1. Februar

 

"Das Kreuz ist die wahre und einzige Leiter zum Himmel;

ohne das Kreuz ist das Hinaufsteigen ganz unmöglich."

 

hl. Rosa von Lima OP

1586 bis 24.8.1617

 

Betrachtung am 1. Februar - Von Stürmen der Versuchungen und Trübsalen

 

Sieh, Herr, des Sturmes Wut hat sich erhoben;

Die Winde heulen und die Wellen toben.

Komm mir zu Hilfe in so bittrer Stunde,

Sonst gehe ohne Rettung ich zu Grunde.

 

1. So lange wir leben, wird es uns niemals an Trübsalen und Versuchungen mangeln, die gleich Stürmen über uns kommen und uns erschüttern werden. Was aber sollen wir tun, wenn diese Stürme wüten? Hinzutreten sollen wir gleich den Jüngern zum Herrn, und durch Gebet und lauten Ruf ihn aufwecken. Denn nur darum scheint er zu schlafen und unsere Not nicht wahrzunehmen. Rufen wir also zu ihm: "Herr, rette uns, wir gehen zu Grunde!" Lässt aber nach unserem inbrünstigen Gebet der Sturm nicht nach, so lassen wir ihn toben, schlafen wir selbst zu den Füßen Jesu. Verlassen wir uns nämlich auf seine Vorsehung, denn gewiss wird er bald den Winden und Wellen gebieten, und den Frieden uns zurückgeben.

 

2. Was zögerst du, kleingläubige Seele? Geschieht je das Geringste in der Welt ohne Anordnung oder bestimmte Zulassung deines Herrn? Ist nicht er der König der Schöpfung, der Herr des Himmels und der Erde? Glaubst du, er vermag es nicht, diesen Sturm zu besänftigen? Halte noch kurze Zeit aus, und du wirst mit Erstaunen sehen, wie das stürmische Meer seinen Befehlen gehorcht, und wie seine Wogen gleich einem Spiegel sich ebnen. Notwendig ist dieser Sturm dem Meer, damit seine Gewässer nicht faulen. Notwendig ist dir die Prüfung, damit du nicht erschlaffst. Aber auf die Trübsal folgt Trost, auf Unruhe Friede, auf die Nacht der Tag und auf die Stürme große Ruhe.

 

3. Herr, sieh die Gefahren, in denen ich schwebe. Verschlungen werde ich von den Wogen der Trübsale, von den Stürmen der Versuchungen. Psalm 46,4 und 6,4: "Wenn deine Wasserwogen tosen und schäumen, dann ist meine Seele tief verstört, du aber, Herr, wie lange säumst du noch?" Fürchte dich nicht. Nichts Böses wird dir widerfahren. Niemals aber kannst du deinen Glauben, deine Hoffnung, deine Liebe deutlicher zeigen, als in den Prüfungen des Herrn, denn darum sandte er dieses Ungewitter, deine Treue zu ihm zu bewähren. Aber niemals ist er dir näher, als wenn du alles für verloren hältst. Psalm 27,14: "Hoffe auf den Herrn, und sei stark. Hab festen Mut, und hoffe auf den Herrn."

 

2. Februar

 

Mariä Lichtmess

 

Der heilige Laurentius, Erzbischof von Canterbury,

+ 2.2.619 – Fest: 2. Februar

 

Der heilige Laurentius war von Geburt ein Römer und Ordensmann und als der heilige Papst Gregor vierzig Missionare im Jahr 596 nach England schickte, denen er den heiligen Augustin zum Anführer gab, begleitete sie Laurentius aus heiligem Eifer zur Verbreitung des wahren Glaubens. Sie besuchten auf ihrer Reise durch Frankreich den christlichen König und die frommen Bischöfe und kamen endlich glücklich in England an, wo sie der König Ethelbert sehr gütig aufnahm und ihnen zu Canterbury Wohnungen anwies, wo sie durch ihre Predigten und ihr heiliges Leben viele Heiden und im Jahr 597 den König selbst zum Christentum bekehrten. Als die Zahl der Bekenner Jesu sich von Tag zu Tag vergrößerte, reiste Laurentius wieder nach Rom, um dem obersten Kirchenhirten die günstigen Nachrichten ihres segensvollen Unternehmens zu hinterbringen und ihn zu bitten, einen Bischof zu ernennen für die neuen Christengemeinden. Papst Gregor erwählte den heiligen Augustin zum Erzbischof zu Canterbury und überschickte ihm bei dieser Gelegenheit das Pallium, mehrere Glaubensprediger, geistliche Kleidungen und heilige Reliquien. Bis auf das Jahr 608 arbeitete Augustin rastlos an der Bekehrung der Engländer, der Sachsen und Angeln, und ernannte und weihte noch vor seinem Tod den heiligen Laurentius zu seinem Nachfolger, der nicht nur nach dem Beispiel seines Vorgängers mit unermüdeter Sorgfalt über die ihm anvertraute Herde wachte, sondern auch alle Mittel anwendete, um die Bewohner Schottlands und anderer angrenzender Länder im wahren Glauben zu erhalten und sie zu bewegen, mit der römischen Kirche zu gleicher Zeit das Osterfest zu feiern.

 

Schon stand die Kirche in England in der hoffnungsvollsten Blüte, als der fromme König Ethelbert starb und sein Sohn Eduald den Thron bestieg, der ein lasterhafter Mensch war, im Heidentum lebte und sogar die Gemahlin seines Vaters zur Beischläferin hatte. Noch größer wurde das Unglück und die traurige Lage der christlichen Religion, als auch Sabereth starb, der so christlich gesinnte sächsische König, und seine drei Söhne überall die Gläubigen verfolgten und den Götzendienst wieder einführten. In einer Versammlung der Geistlichen unter dem Vorsitz des Erzbischofs wurde also beschlossen, das Bekehrungswerk Englands ganz wieder aufzugeben und über Frankreich und Rom zurückzukehren. Schon hatten Melitus und Justus, die eifrigsten Gefährten des heiligen Laurentius, England verlassen, und auch er war schon bereitet, ihnen mit den übrigen Missionaren nachzufolgen, als er die letzte Nacht vor seiner Abreise in der Hauptkirche der heiligen Apostelfürsten Peter und Paul unter vielen Tränen zu Gott um die Erhaltung der verfolgten Kirche flehte und schließlich von einem Schlummer überfallen wurde. Da erschien ihm der heilige Apostel Petrus, schlug ihn mit einer Geißel heftig und wies ihn hin auf die Treulosigkeit, die durch das Blut Jesu so teuer erkauften und ihm von Gott anvertrauten Seelen dem Verderben zu überlassen. „Hast du“, sprach er, „deine heiligen Pflichten ganz vergessen und gilt dir mein Beispiel denn gar nichts, der ich Ketten und Schläge, Gefängnis und Qualen, ja selbst den Martertod willig gelitten habe, ohne je daran zu denken, durch Flucht meine Herde zu verlassen?“ Diese Ermahnung und Züchtigung ermutigte den heiligen Erzbischof so sehr, dass er sogleich am folgenden Morgen zum König ging, ihm die frischen Wunden seines Körpers zeigte und im Namen des wahren und lebendigen Gottes ihn beschwor, abzulassen von der Verfolgung der Kirche Jesu und die errichteten Götzenbilder zu zerstören. Der König wurde gerührt, er änderte seinen lasterhaften Lebenswandel, empfing die heilige Taufe zur Vergebung seiner Sünden, ließ den Melitus und Justus wieder aus Frankreich zurückbringen und unterstützte und beförderte die Bemühungen der frommen Glaubensprediger so eifrig, dass in kurzer Zeit das Christentum in seinem Reich von neuem aufblühte. Unter seiner Regierung noch, nämlich im Jahr 619, starb der heilige Laurentius als ein lebensmüder Greis und wurde in der Kirche der heiligen Apostel neben dem heiligen Erzbischof Augustin beigesetzt.

 

Der heilige Kornelius, Hauptmann und Bischof von Cäsarea,

+ 1. Jhd. – Fest: 2. Februar

 

Mit heiliger Sehnsucht blicke ich zurück in jene seligen Zeiten des ersten christlichen Jahrhunderts, wo die gottbegeisterten Jünger des göttlichen Erlösers noch lebten und durch ihre einfachen, apostolischen Predigten die verlorenen Kinder Israels und die verblendeten Anbeter falscher, erdichteter Götter einführten in das Reich der Wahrheit und des Lichtes, sie versammelten unter dem siegreichen Zeichen des Christentums unter dem heiligen Kreuz, an dem Jesus von Nazareth mit seinem Blut die Schuld des sündigenden Menschengeschlechtes ausgetilgt hatte. Damals ging der verfinsterten Welt durch die Religion der Liebe in jugendlicher Schönheit die Sonne des Heils auf und Herzensfriede, den die Welt nicht geben kann, und innige Bruderliebe, Seelenreinheit und die beseligende Hoffnung eines ewigen Lebens bei und mit Gott beglückte die jungen Gläubigen. Unter den ersten, die durch die unendliche Barmherzigkeit Gottes zum Christentum berufen wurden, befand sich auch Kornelius, der heidnische Hauptmann bei der italienischen Legion, ein gerechter und tadelloser Mann, der allenthalben Menschenelend linderte und mit Gebet und Tränen den Weg des Heils suchte. Gott erhörte sein Flehen und eröffnete ihm durch seinen Engel, dass er Männer nach Joppe senden sollte zum Simon Petrus, der dann nach Cäsarea kommen und ihm Unterricht in der heiligen Religion erteilen würde. Unterdessen wurde dem heiligen Petrus, der als ein geborener Jude die Heiden als unrein verabscheute, in einer Erscheinung die Berufung der Heiden zum Christentum kundgetan und er begleitete freudig die Boten des Hauptmanns nach Cäsarea.

 

Als der Apostel in das Haus des Kornelius trat, fiel der ihm zu Füßen, was der heilige Petrus aber dadurch verhinderte, dass er ihm sagte, er sei nur ein sündiger Mensch und alle Ehre gebühre nur Gott und seinem Sohn Jesus, dem guten Heiland. Dann unterrichtete er den Hauptmann und seine Familie in den Heilswahrheiten und taufte sie im Namen des dreieinigen Gottes, worauf Kornelius seine Wohnung sogleich in ein christliches Gotteshaus veränderte, das der heilige Paulus besuchte, als er von Rom nach Jerusalem ging, und auch noch zu den Zeiten des heiligen Hieronymus stand. Unterdessen wirkte Kornelius mit der Gnade Gottes so sehr und zeichnete sich durch ein so heiliges Leben aus, dass er nach dem Tod des Zachäus, des Bischofs von Cäsarea, vom heiligen Petrus zu dessen Nachfolger erwählt und geweiht wurde. Mit unermüdetem Eifer predigte er Juden und Heiden das Evangelium und bekehrte unzählige Menschen zum Glauben an Jesus.

 

Mehrere Geschichtsschreiber des Altertums und besonders Metaphrastes erzählen, dass der heilige Kornelius auch nach Scepsis, einer Stadt in Mysien, kam, wo ihn der Landpfleger Demetrius nur unter der Bedingung das Predigen erlaubte, wenn er zuvor durch ein Zeichen die Wahrheit seiner Sendung beweisen würde. Kornelius begab sich zum Tempel des Apollo, der sogleich, nachdem der Heilige sich mit dem Kreuz bezeichnet hatte, im Beisein einer Menge Volkes zusammenstürzte, worüber die Heiden in eine solche Wut gerieten, dass sie ihn zu morden suchten. Allein Demetrius schützte den Heiligen und empfing von ihm nebst 207 Einwohnern der Stadt die heilige Taufe. Nach vielen Bekehrungen und heftigen Verfolgungen starb schließlich der heilige Kornelius im Jahr 41 und erhielt von der katholischen Kirche den Ehrennamen eines Blutzeugen Jesu.

 

Der heilige Burkard, Bischof zu Würzburg, im 8. Jahrhundert,

+ 2.2.752 - Fest: 2. Februar / 14. Oktober

 

Burkard verdankte sein zeitliches Leben und seine gute Erziehung frommen Eltern aus dem Adelsstand in England, Gott aber ein kindlich frommes Gemüt. Schon als Kind fand er keine Freude an den Kinderspielen, sondern am Beten und am Besuch der Gottesdienste. Unverdrossen erlernte er, was mit der Zeit ihm zu seinem Seelenheil und Beförderung der Ehre Gottes dienen konnte. An zeitlichen Dingen hatte er kaum ein Interesse. Seinen Leib versuchte er durch Enthaltsamkeit als Tempel des heiligen Geistes zu bewahren und mit Tugenden auszuschmücken. Er hatte ein immer größeres Verlangen, mit ungeteiltem Herzen Gott zu dienen. Etwa zu dieser Zeit suchte der heilige Bonifatius, der Apostel Deutschlands, tüchtige Arbeiter für seine große Mission und lud den heiligen Lullus und den heiligen Burkard zu diesem apostolischen Werk ein. Beide folgten dem Ruf und legten mit der Zeit die schönsten Proben ihrer Heiligkeit und ihres Religionseifers ab. Einige sagen, Bonifatius habe den Burkard mit sich nach Rom zum Papst Zacharias geführt und dort zum Bischof von Würzburg weihen lassen. Einige andere sind der Meinung, Bonifatius habe ihn konsekriert und nach Würzburg geschickt, obschon dadurch die Demut des Heiligen sehr gekränkt wurde. Würzburg zählte damals schon viele Gläubige seit der Zeit des heiligen Kilian und seiner Gehilfen. Burkard wurde von ihnen mit Freude im Herrn aufgenommen. In diesem Amt war der treue Oberhirt das Licht zur Erleuchtung der noch übrigen Heiden und der treue Haushalter der göttlichen Geheimnisse für die Gläubigen, indem er mit Nachdruck sowohl auf den heiligen Glauben, als auf die Erfüllung der Glaubensvorschriften drang, weil ohne beides die Erbarmung Gottes fruchtlos, ja nur zu größerer Verdammung sein würde. Seine Predigt wurde durch seinen Lebenswandel bestätigt und sein Hirtenamt durch sein eifriges Gebet von Gottes Geist gesegnet. An ihm sah man die christliche Sanftmut gegenüber jedermann, Geduld bei den Lästerungen böser Zungen, Mitleid gegenüber Armen und Betrübten, große Abtötung seiner selbst, Demut im ganzen Lebenswandel und bei der Hauseinrichtung, Gebets- und Seeleneifer, so dass sein geistliches Ansehen bei Großen und Kleinen vieles vermochte, wodurch die Ehre Gottes befördert wurde, weil der Heilige alles nur aus der Liebe zu Gott tat. Durch seine große Verehrung Gottes erhob Pipin die Bischöfe von Würzburg zu Grafen des Landes.

 

Um der Religion Kraft und Würde zu geben und die Gläubigen zur Dankbarkeit und Andacht zu ihren ersten Glaubensboten zu bewegen, fasste Burkard nach zwei Jahren seines Hirtenamtes den frommen Entschluss, die heiligen Leiber des heiligen Kilian und seiner Gehilfen zu erheben und der öffentlichen Verehrung auszusetzen. Für den guten Ausgang seines Vorhabens verordnete er einen Tag des Gebetes und des Fastens. Dann ging er mit der Geistlichkeit und dem Volk an den Ort, wo man glaubte das Heiligtum zu finden. Dort stach der erste in die Erde. Andere Arbeiter gruben die Erde aus und das Heiligtum wurde gefunden, das sich durch Wohlgeruch und Heilung vieler Pestkranken bei und nach der Entdeckung bewährte. Auf ihren Gräbern wurde eine Kirche erbaut und von nun an wurden diese Märtyrer öffentlich verehrt. Burkard stiftete auch mehrere religiöse Institute für Frauen und Männer. Seine Hirtentreue war von Gott so gesegnet, dass die ganze Umgegend zu Jesus Christus bekehrt wurde. Indessen nahmen bei seiner zehnjährigen Amtsführung seine Kräfte zusehends ab und er sehnte sich danach, die letzten Lebenstage enthoben von der Hirtenlast in stiller Ruhe zu verleben und sich zum Tod zu bereiten. Mit Bewilligung des heiligen Lullus (Bonifatius predigte damals in Friesland) und Pipins weihte er den zum Nachfolger bestimmten Megingaud oder Megingoz, einen Jünger des heiligen Wigbert, zum Bischof und übergab ihm den Hirtenstab. Darauf zog er nach Hohenbrug, einem einsamen Ort des Bistums, nahm den Büchervorrat mit sich, und verlebte da mit sechs Mönchen oder Priestern, die den frommen Eifer mit ihm teilten, den Rest seiner Tage im Wachen, Fasten und Beten. Er starb am 9. Oktober 752, wurde neben dem heiligen Kilian auf dem Marienberg begraben, wo er unter Anrufung des heiligen Andreas ein Kloster gebaut hatte. Hugo, Bischof zu Würzburg, erhob mit Erlaubnis und auf Befehl Papst Benedikts VII. die Gebeine des Heiligen im Jahr 983 am 14. Oktober, weshalb sein Andenken um diese Zeit gehalten wird. Die Ehre des Heiligen vor Gott wurde bekannt durch viele Wunderwerke.

 

Die heilige Hadeloga (Adela), Äbtissin von Kitzingen, Unterfranken, OSB,

+ 2.2.750 – Fest: 2. Februar

 

Hadeloga war eine Tochter Karl Martels und dessen Gemahlin Kunehild. Sie wurde auf dem Schloss Schwanberg, eine Meile von Kissingen entfernt, auferzogen. Ausgezeichnet an geistigen Anlagen war die Fürstentochter auch von bewunderungswürdiger Schönheit. Ihre Liebe und Freundlichkeit machte sie allen Menschen beliebt. Allein sie suchte nicht den Menschen, sondern vor allem ihrem Herrn und Gott zu gefallen und für ihn allein zu leben. Als man für die Söhne der Könige und Herzoge um ihre Hand warb, und ihr Vater selbst ihre Verehelichung wünschte, fand man sie schon ihrem himmlischen Bräutigam, Jesus Christus, verlobt. Auch die seligste Jungfrau Maria, in deren Fußstapfen zu treten sie stets bemüht war, rief sie täglich um ihren Schutz an. „Heilige Maria, Mutter Gottes, Jungfrau der Jungfrauen, Mutter und Königin keuscher Seelen, bewahre mich in meiner Jungfräulichkeit, die ich dir gelobt habe. Sei meine Beschützerin, dass ich nicht dieser Welt mich hingebe und geschieden werde von deinen Jungfrauen, die das Verderben der Welt verlassen und dir nachfolgen und der innigsten, seligsten Vereinigung mit Christus, dem ewigen Bräutigam, gewürdigt werden.“

 

Durch solche glühende Andacht und so inniges Gebet erwarb die edle Jungfrau den besonderen Beistand des göttlichen Geistes, der sie als eine würdige Braut des Herrn schützte, vor aller Befleckung bewahrte und sie zu seinem heiligen Tempel einweihte.

 

Über diesen Entschluss seiner Tochter war Karl Martel sehr erzürnt. Allein so oft er das holde, himmlische Antlitz seiner Tochter sah, legte sich seine Wut, wenn er auch sich vorgenommen hatte, sie für ihren Ungehorsam gegen seinen Willen zu bestrafen. Indessen glimmte des Vaters Zorn heimlich fortwährend, und böswillige Hofleute unterließen nicht, ihn immer mehr zu reizen. Die gottselige Jungfrau ertrug alle Unbilden, die ihr angetan wurden, mit himmlischer Geduld und betete zu Gott, dass er den Sinn des Vaters ändern wolle.

 

Allein der Vater wurde immer mehr aufgehetzt. Selbst der Kaplan, der die geistige Führung der gottgeweihten Jungfrau übernommen hatte, musste seinen Zorn fühlen. Endlich kam es so weit, dass er die standhaft auf ihrem Vorsatz beharrende Tochter aus dem Haus verstieß und auch den Kaplan davonjagte. Der war sehr reich. Er fasste nun den Entschluss, mit seinem Geld Grundstücke aufzukaufen und ein Kloster zu gründen. In dieser Absicht kam er in die freundliche Maingegend. Hier fand er ein weithin verödetes Land mit reichlichen Waldungen. Diese Gegend bestimmte er zur Ausführung seines Vorhabens. Er erbaute ein Kloster für gottgeweihte Jungfrauen, die nach der Regel des heiligen Benedikt zu leben entschlossen waren, und errichtete zugleich für sich und einige Brüder ein Gebäude, in dem sie Gott dienten in Gebet und Psalmengesang. Dies ist der Anfang des später so berühmten Klosters Kitzingen am Main, in der Würzburger Diözese. Die gottselige Hadeloga trat in dieses Kloster ein und wurde als erste Äbtissin ein Vorbild für eine Schar heiliger Jungfrauen, die zugleich mit ihr und dann viele Jahrhunderte nachher daselbst dem Herrn dienten.

 

Sie war unermüdlich im Gebet, brachte ganze Nächte betend zu und lebte samt ihren Untergebenen ganz der Betrachtung der ewigen Wahrheiten. Die Fasten hielt sie mit außerordentlicher Strenge, und wo sie immer einer Schwester einen Dienst erweisen konnte, tat sie es mit Freuden. Die niedrigsten Arbeiten verrichtete sie, als wäre sie die letzte Magd. Die inneren Versuchungen ihrer Untergebenen waren ihr durch den Geist geoffenbart, und oft war es ein einziges Wort, womit sie eine Schwester in ihrer Anfechtung ganz aufrichtete.

 

Die Heilige wird als eine liebevolle Mutter der Armen gerühmt. Mit innigstem Mitleiden fühlte sie die Not der Leidenden, und mit Freuden entbehrte sie selbst des Notwendigen, um anderen helfen zu können. Oft half sie in wunderbarer Weise, denn der Herr hatte sie nicht bloß mit dem Blick ins Innere des Menschen, sondern auch mit der Wundergabe begnadet.

 

So wurde das neue Kloster unter der weisen Leitung seiner heiligen Stifterin, eben so im Zeitlichen wie im Geistlichen geordnet und gesichert, und die Heilige konnte getrost ihr Ende herannahen sehen. Dieses wurde ihr in besonderer Gnade geoffenbart. Im Hinblick auf ihr mühevolles Leben voll Entsagung und Leiden, und auf das nahe Ende, rief sie zum Herrn: „Aus Liebe zu dir, Herr Jesus Christus, habe ich jede irdische Liebe und Vermählung verschmäht, den unerträglichen Hass meines Vaters auf mich geladen und viel Mühseligkeit und Elend erduldet; habe nun Erbarmen mit mir und verleihe gnädig, dass ich noch vor dem Tag meines Hinscheidens durch aufrichtige Beicht und innere Liebesreue vollkommen gereinigt werden möge. Gib gnädig, dass ich bei meinem Hinscheiden aus dieser Welt der Aufnahme in den seligen Chor deiner heiligen Jungfrauen gewürdigt werden.“

 

Endlich am Lichtmesstag, der auf einen Sonntag fiel, war ihr Sterbetag angebrochen. Sie ließ noch alle ihre Schwestern zu sich kommen und sprach zu ihnen: „Seht, ich gehe nun zu Christus, meine teuersten Schwestern. Seht zu, dass der Satan keines von den Schäflein raube, die ich mit der Hilfe des Herrn in Schweiß und Mühseligkeit an diesem Ort dem Herrn gewonnen und vereinigt habe. Wacht mit aller Sorgfalt, dass dieser geheiligte Ort ja nicht durch Teufels Trug oder durch fleischliche Befleckungen entweiht werde. Vergesst nicht, wie ich vor euch gelebt und mit dem Beispiel euch vorangegangen bin, damit auch ihr mit der Gnade Jesu Christi auf denselben Wegen verharrt.“

 

Hierauf legte sie nochmal ihre Beicht ab, empfing den Leib des Herrn und empfahl ihre Schwestern Christus, dem guten Hirten, mit den Worten: „Herr Jesus Christus, bester Hirt über alle Hirten, behüte diese Schwestern, die du mit deinem kostbaren Blut erlöst hast. Verhüte gnädig, dass ja keine vom Satan angefallen und zerrissen werde. Aber auch meine Seele empfehle ich in die Hände deiner erbarmungsvollen Liebe, wie du deine Seele am Kreuz in die Hände deines Vaters empfohlen hast.“ Also redend gab sie ihren Geist auf.

 

Der Leib der gottgeheiligten Jungfrau wurde einbalsamiert und in der Kirche des Klosters vor dem Altar der seligsten Jungfrau Maria zur Erde bestattet. Die Trauer der Schwestern, der Mönche und der Armen war allgemein.

 

Als die Zeit ihres Todes werden die Jahre 750 bis 770 angegeben. 

 

Die heilige Katharina Kasper, Ordensgründerin,

+ 2.2.1898 – Fest: 2. Februar

 

Am 2. Februar 1898 starb in ihrem Heimatort Dernbach im Westerwald eine achtzigjährige Frau, Katharina Kasper mit Namen, die man zeitlebens, in jungen Jahren spöttisch und in ihrem Alter ehrfurchtsvoll, das „Dernbacher Kathrinchen“ nannte.

 

Nicht gerade arm, aber notvoll verlief Katharina Kaspers Jugend auf dem kleinen Bauernhof zu Dernbach. „Kathrinchen“, meinte zuweilen der Volksschullehrer, „wenn du nicht so oft im Unterricht fehltest, so würdest du bald auf dem obersten Platz sitzen.“ Kathrinchen gehörte also nicht zu den besten Schülerinnen, weil sie nicht regelmäßig zur Schule kam. Sie war nämlich schwächlich und kränkelte viel.

 

Katharina Kasper lernte allerdings leicht und schnell. Am liebsten hatte sie die Glaubensstunde, und wenn da einmal, selten genug, vom Ordensstand und von den drei Evangelischen Räten die Rede ging, war das Mädchen mit Leib und Seele dabei. Damals gab es in Deutschland kaum noch Klöster. Etwa sechzig Jahre vorher waren sie samt und sonders unterdrückt worden, und man hatte Fabriken und Zuchthäuser daraus gemacht.

 

Katharina Kasper interessierte sich also als Kind schon für das Ordensleben, obwohl sie nie ein Kloster oder Ordensschwestern zu Gesicht bekam. Ihre Gedanken kreisten oft um die heiligen Gelübde der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams. Einmal sagte sie unvermittelt zur Mutter: „Wären wir doch so recht arm, dann wäre ich froh!“ Betroffen und besorgt schaute die verständige Frau auf das Kind und antwortete unwirsch: „Aber, Mädchen, wir sind doch arm genug. Man sollte meinen, du seiest nicht gescheit, dass du solch dummes Zeug daherredest.“

 

Gott hatte viel mit dem Kind vor, wenn auch vorläufig von großen Dingen bei Katharina Kasper nichts zu merken war. Als junges Mädchen musste sie tüchtig bei der Arbeit im Stall und auf dem Feld helfen. Katharina Kasper war dabei fromm und nahm sich liebend und sorgend der Dorfkranken an. Als der Vater starb, gestalteten sich die Verhältnisse daheim immer ärger und ärmer, bis Katharina schließlich, um für sich und die Mutter den Lebensunterhalt beizutreiben, bei den Nachbarn taglöhnerte. Sogar an Wegarbeiten beteiligte sie sich.

 

Bei der letztgenannten Tätigkeit geschah dann eines Tages etwas Sonderbares. Als die Steinklopferin nämlich bei der Arbeit einmal ein Weilchen rastete, hatte sie ein Gesicht. Vor ihren staunenden Augen zog eine lange Reihe von Ordensfrauen vorüber, und zugleich wurde der Seherin innerlich bedeutet, dass sie diese Schwesterngemeinschaft ins Leben gerufen werde.

 

Wie aber sollte das möglich sein, dass aus einer bettelarmen Steinklopferin eine Ordensstifterin wurde? Das war deswegen möglich, weil bei Gott kein Ding unmöglich ist. Tatsächlich hat Katharina Kasper später einen Orden von Barmherzigen Schwestern gegründet. Mit einem kleinen Krankenhaus fing es ganz armselig an, und als die heilige Katharina Kasper 1898 starb, waren es bereits zweihundert Krankenhäuser, und wieder fünfzig Jahre später waren es fünfhundert, in denen fünftausend Barmherzige Schwestern aus der Gefolgschaft des Dernbacher Kathrinchens ungezählten Kranken unbeschreiblich viel Gutes antun. Dieser unermessliche Segen ist von einem schlichten Bauernmädchen ausgegangen, das ein heiligmäßiges Leben führte und das eines Tages von der Kirche feierlich heiliggesprochen wird.

 

Wenn es nicht so manche prachtvolle junge Mädchen von der Art des Dernbacher Kathrinchens gegeben hätte, und Gott sei Dank immer noch gibt, so blieben viele Großtaten der Liebe, die geschehen, ungeschehen.

 

Maria Katharina Kasper wurde am 16. Maria 1978 durch Papst Paul VI. selig- und am 14. Oktober 2018 durch Papst Franziskus heiliggesprochen.

 

Die heilige Katharina von Ricci aus Florenz, Dominikanerin III.OPr.,

+ 2.2.1589 – Fest: 2. Februar

 

Diese Heilige wurde zu Florenz 1522 geboren. Peter von Ricci, ihr Vater, und Katharina Bonza, ihre Mutter, waren von einer sehr ausgezeichneten Familie im Toskanischen. Bei ihrer Taufe empfing sie den Namen Alexandrina. Aber als sie sich durch die Ablegung der feierlichen Klostergelübde Gott heiligte, nahm sie den Namen Katharina an. Da sie ihre Mutter in ihrer Kindheit verloren hatte, nahm ihre Patin, eine gottesfürchtige Matrone, die Sorge für ihre Erziehung auf sich. Bald bemerkte man die glücklichen Anlagen, die Gott in des Kindes Herz gelegt hatte. In ihrem sechsten oder siebten Lebensjahr gab der Vater seine Tochter zur weiteren Bildung in das Kloster Monticelli in Florenz, wo ihre Muhme, Ludowica von Ricci, als Nonne lebte. Die Einsamkeit, die gewöhnlich einem Kind nur düster und traurig erscheint, war für die kleine Alexandrina ein Ort der Wonne. Entfernt vom Geräusch und Getöse der Welt, überließ sie sich ungestört ihren sanften Gefühlen der Andacht und Gottseligkeit.

 

Nachdem sie ihr Vater einige Jahre später in die Welt zurückgerufen hatte, befolgte sie auch da noch, so viel wie möglich, die im Kloster vorgeschriebene Lebensweise. Allein die Gefahr der Zerstreuung, die mit dem Stand der Personen ihres Ranges unzertrennlich ist, flößte ihr bald Verachtung gegen die Welt ein. Sie fasste daher den Entschluss, die Welt zu verlassen, um sich für immer in die Stille Einsamkeit zu vergraben. Sie eröffnete ihr Vorhaben ihrem Vater, der nach vielen Schwierigkeiten endlich seine Einwilligung dazu gab. Katharina verschob nun nicht länger die Ausführung ihres Vorhabens. Sie trat in die Genossenschaft der Dominikanerinnen der Stadt Prato, im Toskanischen, wo der Pater Timotheus von Ricci, ihr Oheim, Beichtvater war, und nahm da in ihrem vierzehnten Lebensjahr den Schleier.

 

Gott, der die heilige Katharina zu einer würdigen Braut seines gekreuzigten Sohnes bilden wollte, setzte ihre Geduld auf die härtesten Proben. Zwei Jahre suchte er sie mit harten Krankheiten heim, die ihr empfindliche Schmerzen verursachten, und durch Arznei mittel nur verschlimmert wurden. Die Heilige, weit entfernt zu murren, freute sich vielmehr, dass sie an den Leiden Jesu, die sie zum beständigen Gegenstand ihrer Betrachtungen machte, einigen Anteil nehmen konnte. Endlich erhielt sie gleichsam, wie durch ein Wunder, ihre Gesundheit wieder. Allein sie wurde ihr nur ein Mittel, sich den strengsten Bußübungen zu unterziehen. Ihre Abtötungen waren ganz außerordentlich. Sie fastete zwei bis drei Tage in der bei Wasser und Brot: zuweilen brachte sie ganze Tage ohne Nahrung zu. Ihren Leib züchtigte sie durch harte Geißelungen und trug eine schwere eiserne Kette um ihre Lenden. Mit dieser Liebe zur Abtötung vereinigte sie einen vollkommenen Gehorsam, eine unwandelbare Sanftmut und vor allem eine tiefe Demut. Daher jene Selbstverachtung, jene Furcht vor Lobeserhebungen und Auszeichnungen, und das Verlangen, gänzlich den Menschen unbekannt zu sein. Unaufhörlich arbeitete sie dahin, die verderbten Neigungen der Natur zu zügeln, damit ihr Herz, von jeder Anhänglichkeit an die Erde befreit, sich durch die geheiligten Bande der innigsten Liebe mit Gott vereinigen könnte. Ihr Streben, stets das zu tun, was Gott am wohlgefälligsten sei, gab ihr oft Gelegenheit, die heldenmütigsten Tugenden auszuüben. In der Glut des Gebets, erlangte sie jenen hohen Geschmack an den himmlischen Wahrheiten, jenen Geist der gänzlichen Lostrennung von sich selbst und allem Irdischen, jene innige Liebe zu Jesus in seiner Armut, in seinen Leiden und seiner Vernichtung, Tugenden, die einen herrlichen Glanz sogar über jede ihrer äußeren Handlungen verbreiten.

 

Katharina wurde, obgleich noch sehr jung, zur Novizenmeisterin und dann zur Unterpriorin erwählt. Schließlich macht man sie in einem Alter von fünfundzwanzig Jahren zur beständigen Priorin. Der hohe Ruf von Heiligkeit und Klugheit, in dem sie stand, zog eine große Anzahl Fürsten, Bischöfe und Kardinäle in ihr Kloster. Sie stand mit dem heiligen Philipp von Neri in Briefwechsel und mit beiden trug sich etwas ähnliches zu, wie mit dem heiligen Johannes von Ägypten, nach der Erzählung des heiligen Augustin. Da sie beide sehr großes Verlangen hatten, sich zu sehen, gewährte ihnen Gott diesen Wunsch vermittelst eines Gesichtes, wodurch sie sich lange Zeit miteinander unterhielten. Der heilige Philipp von Neri, den man keineswegs der Leichtgläubigkeit, hinsichtlich der Gesichte, anklagen wird, bezeugte in der Folge die Wirklichkeit des soeben erwähnten. Nur Gott allein kennt alle die Freudenentzückungen, die er seiner Dienerin gewährte, besonders wenn sie in Betrachtungen über das Leiden Jesu versenkt war, das sie an gewissen Tagen in der Woche besonders zu verehren pflegte. Schließlich starb die heilige Katharina 1589 nach einer langen Krankheit am 2. Februar, in einem Alter von siebenundsechzig Jahren. Sie wurde 1732 von Papst Clemens XII. selig- und 1746 von Papst Benedikt XIV. heiliggesprochen.

 

Das Beispiel der größten Heiligen lehrt uns, dass die Betrachtung niemals von dem tätigen Leben geschieden sein soll. In den klösterlichen Vorschriften wird befohlen, allzeit das eine mit dem anderen zu vereinigen. Und dies entspricht ganz der menschlichen Natur, wo dem Geist die Entspannung und dem Körper die Übung notwendig ist. Wir haben zudem immer auch gewisse Pflichten in Bezug auf unseren Nächsten und auf uns selbst zu erfüllen. Wer dies versäumt unter der Ausrede, er widme sich der Beschauung, der würde irre gehen. Wir sind zwar Bürger des Himmels, aber diese Eigenschaft schließt diese Pflichten nicht aus. Die von Gott eingeführte Ordnung verlangt demnach, dass die Beschauung mit dem tätigen Leben durch die unzertrennbarsten Bande vereinigt werden. Die wahre Andacht besteht demnach in der heiligen Gewohnheit, alle seine äußeren Beschäftigungen in der Gegenwart Gottes zu verrichten, ihn nie aus dem Auge zu verlieren, und sich ihm oft durch geheime Anmutungen zu nähern. Die heilige Katharina von Ricci besaß diese große Kunst in diesem erhabensten Grad. Dieses hinderte sie aber nicht, bestimmte Stunden der Betrachtung zu widmen, in der sie ihre innigste Wonne fand. Sie erhob sich alsdann über die Sinnenwelt, um ihren ganzen Geist auf die Größe und Güte Gottes zu wenden; und dadurch feuerte sie sich immer mehr an, ihn zu loben, anzubeten und von ganzem Herzen zu lieben. 

 

Zum Fest Mariä Reinigung

 

Maria, die Jungfrau,

Die durch der Gnade Tau

Rein war und an Tugenden Reich,

Sie wollte sich doch halten gleich,

Wie jede andere Frau auch pflag:

Darum ging sie am vierzigsten Tag

Und opferte den Erstgebornen

Im Tempel, den zum Heil Erkornen.

 

Simeon hieß ein alter Mann,

Gott gänzlich untertan,

Getreu, rein und gut,

In vieler Tugenden Hut,

Wie die Vollkommenen sind;

Man sagt, er war vom Weinen blind.

Der bat, dass Gott den Heiland sende

Und seine Sehnsucht ende.

Und Gott erhörte das Gebet,

Das er mit reinem Willen tät:

Er ließ den greisen Frommen

Erschau`n des Heilands Kommen

Und gab dem treuen Simeon

Für so viel Treue seinen Lohn.

 

Wie er da durfte schauen

Die Frucht der reinsten Frauen,

Das Kind er an sich drückte;

Gott der Herr ihn verzückte

In hohe Prophezieen,

Da er an Marien

Und dem Kinde künftig sah

Das ganze Leid, das noch geschah.

 

O Simeon, du guter,

Im Schauen hochgemuter, 

Wie würdest du erst klagen,

Sähst du in deinen Tagen

Der Heiligen Wunden alle voraus!

Ach, mancher bluttriefende Strauß

Und manches Schwert der Schmerzen

Droht allen frommen Herzen.

 

(Aus: "Goldene Legende der Heiligen"

von Joachim und Anna bis auf Constantin den Großen

neu erzählt, geordnet und gedichtet von

Richard von Kralik, 1902)

 

Gebet am 2. Februar

 

O mein Gott, ich bringe mich selbst Dir heute zum Opfer dar in Vereinigung mit dem Opfer, das Maria Dir heute darbringt. Ich opfere Dir Deinen Mensch gewordenen Sohn auf und bitte Dich, du wollest mir um Seiner Verdienste willen Deine Gnade verleihen. Ich verdiene sie zwar nicht, aber Jesus hat sich ja selbst Dir zum Opfer darbringen wollen, um sie mir zu erlangen. Erbarme Dich also meiner aus Liebe zu Jesus. Amen. 

 

Zu Gott

 

Gott, dessen eingeborener Sohn heute im Tempel durch Seine heiligste Mutter dargestellt wurde, verleihe, dass das Leben Marias uns wie ein helles Licht vorleuchtet, und wir durch seine Nachahmung würdig sind, Dir dereinst im Tempel Deiner ewigen Herrlichkeit dargestellt zu werden, durch denselben Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Andacht am 2. Dezember:

 

Das Thema im Februar:

Von der Demut

"Wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden." (Lukas 14,11)

 

"Die Demut ist die Mutter einer großen Anzahl Tugenden; denn sie gebiert den Gehorsam, die Furcht Gottes, die Geduld, die Sittsamkeit und den Frieden." (Der heilige Thomas von Villanova)

Die heilige Franziska von Chantal hatte eine so besondere Liebe zur Demut, dass sie beständig auf ihrer Hut war, damit sie nie eine Gelegenheit vorübergehen ließ, sie auszuüben. In einem ihrer Briefe an den heiligen Franziskus von Sales spricht sie: "Ich bitte Sie, geliebtester Vater, um der Ehre Gottes willen, helfen Sie mir, mich demütigen!"

 

Bedenke ich, mein göttlicher Heiland, bis in welche Tiefe der Demut Du um meinetwillen gestiegen bist, dann erröte ich über meinen Abscheu vor Demütigungen. Doch mit Deiner Gnade will ich mich bessern und keine Gelegenheit vorüberlassen, mich zu demütigen; auf dass ich durch treue Nachahmung Dir wohlgefalle! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 2. Februar

 

"Maria ist das erhabenste, das göttlichste, das jungfräulichste,

das reinste, das schönste, das liebenswürdigste von allen Geschöpfen."

 

sel. Heinrich Seuse OP

1298 bis 25.1.1366

 

Betrachtung am 2. Februar - Das Fest Mariä Lichtmess

 

O Licht der Welt, du scheuchest fern die Nacht.

Du hast, die Licht im Herrn sind, angefacht.

Verschmähe, Jesu, meine Seele nicht,

Und sprich ein Wort, dann wird auch sie zum Licht.

 

1. Betrachte in Andacht die Heiligen und Gerechten, die heute im Tempel zu Jerusalem sich versammeln. Dort ist die durch langjährige Abtötung und Gebet leuchtende Prophetin Anna, dort der heilige, von Gottes Geist erfüllte Greis Simeon, dort der heilige Patriarch Joseph, dem der ewige Vater die Pflege der Kindheit seines Eingeborenen übergeben hat, dort Maria, die jungfräuliche Gottesgebärerin, dort endlich Jesus, der Sohn Gottes, der hier seinem ewigen Vater zu einem Morgenopfer sich darbringt, und zwar nun sich loskaufen lässt, doch nur um später durch sein Abendopfer uns selbst loszukaufen.

 

2. Wie wunderbar ist diese heiligste Versammlung. Wie leuchtend sind die Beispiele der Heiligkeit aller. Ganz besonders aber glänzt bei dieser heiligen Feier die Demut der hochgebenedeiten Jungfrau, die, ob auch reiner denn die Sterne des Himmels, dennoch unter den Sünderinnen zur gesetzlichen Reinigung erscheint, zu der sie nicht verpflichtet ist, da sie vom Heiligen Geist selbst empfangen, und als Jungfrau geboren hat. Sie, die Heiligste der Heiligen, spricht zu dem Priester: "Nimm hin dies Opfer für meine Reinigung, bringe dem Herrn es dar, und bitte für mich!" O Abgrund der Demut! Ach, hätten wir doch bei unseren Sünden die Demut, die die Heiligen bei ihren Tugenden hatten.

 

3. Diese heiligsten Personen kamen im Tempel zusammen. Der Tempel war ihr Lieblingsaufenthalt. Hier schütteten sie ihr Herz vor Gott aus. Hier empfingen sie Erleuchtungen und Gnaden zu einem so heiligen Lebenswandel. Hier offenbarte Gott ihnen die verborgensten Geheimnisse. Sie alle vereinigten sich mit heiliger Freude um Jesus, den sie als das Licht der Welt mit ehrfürchtigster Liebe umfingen. Thront aber nicht der gleiche Gott und Erlöser in unseren Tempeln? So versammeln wir uns denn mit so vielen frommen und heiligen Seelen, die daselbst mit inbrünstiger Andacht ihn anbeten. Flehen wir ihn um seine Gnade an, und wirken wir getreu damit, dann werden wir dem Tod getrost entgegen sehen, und mit jenem heiligen Greis ausrufen: "Nun lässt du, Herr, deinen Knecht, wie du gesagt hast, in Frieden scheiden. Denn meine Augen haben das Heil gesehen." (Lukas 2,29-30)

 

3. Februar

 

Der heilige Anscharius (Ansgar), Bischof von Hamburg und Bremen,

+ 3.2.865 - Fest: 3. Februar

 

Anscharius wurde am 8. September 801 im nördlichen Frankreich geboren und verlor seine Mutter schon als er sechs Jahre alt war. Sein Nachfolger im Erzbistum und Verfasser seiner Lebensgeschichte, der heilige Rembert, schreibt, dass er sich nicht lange vom gewöhnlichen Leichtsinn der Jugend beherrschen ließ, sondern schon als Junge den Ernst eines Mannes zeigte. Der Grund dafür waren folgende Ereignisse:

 

"Es träumte ihn," wie Rembert wörtlich erzählt, "dass er auf einem sehr morastigen und schlüpfrigen Wege wandelte, und nur mit der allergrößten Anstrengung sich durcharbeiten konnte. Neben diesem lief ein anderer anmutiger und wohlgebahnter Weg. Auf demselben wandelte eine Gesellschaft weiß gekleideter Frauen, angeführt von einer durch Schmuck und Anstand vor allen übrigen sich auszeichnenden, großen und erhabenen Frau, welche die Gebieterin aller übrigen zu sein schien. Auch seine Mutter sah Anschar unter diesen Frauen. So wie er sie erkannte, wollte er zu ihnen laufen; vermochte aber nicht, sich aus dem Morast loszuarbeiten. Da kam es ihm vor, als spräche die Gebieterin der übrigen,- in welcher er bald die heilige Jungfrau Maria erkannte - so zu ihm: "Mein Sohn, willst du zu deiner Mutter?" Und als er nun mit sehnlichem Verlangen sprach: "Gerne! gerne!" da erwiderte sie: "Willst du Teil an unserer Gemeinschaft haben, so fliehe alle Eitelkeit und lass fahren die Kinderpossen! Denn wir verabscheuen gar sehr alles, was eitel und böse ist, und keiner kommt zu uns, den dergleichen noch erfreut."

 

Diese Erscheinung machte auf das Gemüt des Jungen einen so tiefen Eindruck, dass er eine Zeit lang alle Kinderspiele unterließ. Bald aber glaubte er durch seinen erwachenden Verstand nicht mehr an die Erscheinung. Er hielt sie für einen gewöhnlichen Traum, und lebte zerstreut, wie zuvor. Gott weckte ihn aber bald wieder aus dem Schlaf des Leichtsinns durch eine abermalige Erscheinung in einem Traum und durch den Tod des Kaisers Karl des Großen, den er noch kurz zuvor in seiner ganzen Herrlichkeit und Pracht gesehen hatte. Die schnelle Vergänglichkeit aller irdischen Freuden und Ehren machte mit dem Traumgesicht auf sein Herz diesmal einen bleibenden Eindruck, obgleich er erst im dreizehnten Lebensjahr war. Er wurde von diesem Augenblick an noch ernster und verlor in all seinem Tun und Lassen die Ewigkeit nie mehr aus seinen Augen.

 

Im Jahre 822 wurde er im Kloster Neu-Corvei in Westphalen zum Vorsteher der dortigen Schule, nach drei Jahren zum Glaubensprediger von Dänemark, wo er großen Segen stiftete, und im Jahre 832 zum Erzbischof von Hamburg ernannt.

 

Anscharius befürchtete, wie der heilige Paulus, nachdem er andern Christen gepredigt hatte, am Ende selbst verworfen zu werden. Um dies zu verhindern, heiligte er alle seine Gedanken, Worte und Werke durch den Beweggrund der Liebe Gottes und durch beständige Herzensandacht, und hielt seinen Leib mit seinen Neigungen und Leidenschaften durch eine abtötende Lebensweise in strenger Zucht. Er trug ein härenes Bußkleid, aß gewöhnlich nur Brot und trank nur Wasser. Das viele Gute, das durch ihn geschah, schrieb er nur Gott zu. Seine Liebe zu den Armen war so groß, dass er keine größere Freude kannte, als ihnen die Füße zu waschen, und sie am Tisch zu bedienen. Um die Gefühle der Liebe und Reue immer lebendig in seinem Gemüt zu erhalten, hatte er sich eine Sammlung sehr rührender Stellen gemacht, von denen er immer einige am Ende eines jeden Psalmes beisetzte. Er ging ein in die Ruhe des Herrn am 3. Februar 865. Auf seine Fürbitte geschahen nach seinem Tod viele Wunder.

 

Maria ist unsere Mutter und unsere mächtige Fürsprecherin bei Gott. Wollen wir sie auf eine ihr wohlgefällige und uns nützliche Art verehren, und uns jetzt ihres Schutzes, einst aber ihrer Gesellschaft erfreuen, so bekämpfen wir wie der heilige Anscharius unsere bösen Neigungen und entfernen uns immer weiter weg von den Eitelkeiten der Welt, und leben wir entweder unschuldig oder doch wahrhaft bußfertig.

 

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Preist die Welt kühne Helden, die mit dem Schwert die Feinde besiegten, blutige Schlachten schlugen und sich fremde Länder und Völker unterwarfen, so verdienen jene doch höhere Verehrung und Liebe, die nicht unter Kanonendonner, Mord und Brand in fremdes Gebiet eindrangen, sondern mit dem weltbesiegenden Wort des Evangeliums die Herzen der Völker eroberten und mit dem Licht der ewigen Wahrheit die Todesschatten des Heidentums verscheuchten. Als einen solchen Helden des Glaubens und der heiligen Liebe verehren wir den heiligen Ansgar.

 

Ansgar oder Anschar, gewöhnlich der Apostel des Nordens genannt, wurde am 8. September 801 im nördlichen Frankreich von angesehenen Eltern geboren, und von seiner frommen Mutter frühzeitig zur Gottesfurcht und Frömmigkeit angeleitet. Da sie ihm aber schon im fünften Lebensjahr durch den Tod entrissen wurde, so schickte ihn sein Vater in die berühmte Klosterschule zu Altcorvey in Frankreich, wo er unter der liebevollen Leitung des gelehrten Paschasius Radbert sich durch Fleiß, Frömmigkeit und Fortschritte in den Wissenschaften auszeichnete. Sein männlicher Ernst setzte seine jugendlichen Mitschüler in Erstaunen. Die Ursache war ein wunderbarer Traum. Ihm träumte einst, er gehe auf einem morastigen, sehr schlüpfrigen Weg. Neben dem Sumpf lief ein anmutiger, wohlgebahnter Weg hin, auf dem viele weißgekleidete Frauen und Jungfrauen liefen. Unter ihnen erkannte er auch seine selige Mutter. Er wollte zu ihr hineilen, vermochte aber nicht sich aus dem Morast herauszuarbeiten. Da sprach zu ihm eine hohe Frau, in der er die allerseligste Jungfrau zu erkennen glaubte: „Mein Sohn, wenn du an unserer Seligkeit teilnehmen willst, so musst du alle Eitelkeit der Welt fliehen und alle Kinderpossen ablegen; denn wir verabscheuen alles, was eitel und böse ist, und keiner kommt zu uns, der an solchen Dingen noch Freude hat.“ Dieses Traumgesicht machte auf Ansgar einen unauslöschlichen Eindruck.

 

Noch eine andere Begebenheit bestärkte den frommen jungen Mann in seinem Lebensernst. In seinem dreizehnten Lebensjahr hatte er den Kaiser Karl in aller Pracht und Herrlichkeit, mit Krone und Zepter, umgeben von den Großen des Reiches gesehen, und hörte dann, der Kaiser sei gestorben. Da erkannte er die Wahrheit des göttlichen Ausspruchs: „Alles ist eitel! Die Welt vergeht mit ihrer Lust, nur wer den Willen Gottes tut, bleibt in Ewigkeit.“ Mit neuem Eifer widmete er sich frommen Übungen und den Wissenschaften, empfing das Ordenskleid des heiligen Benedikt und erhielt schon mit 20 Jahren die Oberaufsicht über die Klosterschulen.

 

Kaiser Ludwig der Fromme errichtete nach dem Muster des Klosters Corvey in Frankreich, ein ähnliches Kloster in Westfalen bei Höxter an der Weser, und nannte es Neu-Corvey. Dorthin schickte der Abt Wala den eifrigen Ansgar und übertrug ihm die Einrichtung und Leitung der Schulen, sowie das Predigtamt. Erst im Jahr 826 bot sich ihm Gelegenheit, seinen heroischen Entschluss auszuführen, den Heiden das Evangelium zu verkünden.

 

Harald, der König der heidnischen Dänen, war zum deutschen Kaiser Ludwig gekommen, um Hilfe gegen seine Feinde zu erbitten, lernte die christliche Religion kennen und ließ sich in Mainz taufen. Ansgar mit seinem Freund Autbert begleitete den König nach Dänemark, predigte dort den Dänen das Evangelium und bekehrte unzählige zum christlichen Glauben. Vor ihm hatten schon Ebbo und Halitgar den Samen des Evangeliums ausgestreut, aber des dauerhaftesten und wirksamsten Erfolges konnte sich nur Ansgar rühmen. Unter unsäglichen Opfern und Anstrengungen reiste der eifrige Mönch im ganzen Land umher, besiegte alle Hindernisse, bildete Gemeinden und errichtete eine Pflanzschule, aus der die ersten Bischöfe Dänemarks und Schwedens hervorgingen.

 

Im Jahr 831 wurde Ansgar vom Kaiser Ludwig zurückberufen, um in Verbindung mit seinem alten Freund Witmar die erste Missionsreise nach Schweden anzutreten, wie es der König Biöre wünschte. Von Wikingern ausgeplündert kam er in Birka an, predigte jeden Tag, taufte viele Heiden und erbaute eine Kirche. Nach anderthalb Jahren kehrte er zum Kaiser zurück.

 

Als die Zahl der Neubekehrten in Dänemark und Schweden mehr und mehr zunahm, gründete Kaiser Ludwig ein Erzbistum in Hamburg, und ernannte mit Genehmigung des Papstes Gregor IV. den hochverdienten Ansgar zum Erzbischof von Hamburg. Im Jahr 833 wurde Ansgar konsekriert, empfing vom Papst das Pallium und die Würde eines apostolischen Legaten bei den Dänen, Schweden, Slaven und anderen nordischen Völkern. Seine erste Sorge war, Anstalten zum Besten der Stadt und des Erzbistums zu gründen. Er baute den Dom, die Peterskirche, ein Kloster mit sehr reichhaltiger Bibliothek und eine Bildungsanstalt für junge Priester. Dabei vergaß er nicht seine nordalbingischen Missionen in Dänemark, Schweden und Norwegen. Dorthin sandte er von Zeit zu Zeit Glaubensboten und reiste selbst dahin, um sie zu unterstützen.

 

Eine harte Prüfung wurde unserem Heiligen bereitet, als im Jahr 845 ungefähr 600 Schiffe der normannischen Seeräuber den Elbstrom hinauffuhren, Hamburg überfielen und niederbrannten, und die Einwohner niedermetzelten oder als Sklaven mit sich führen. Kaum rettete Ansgar durch die Flucht das nackte Leben. Mit Hiob sprach er gottergeben: „Der Herr hat`s gegeben, der Herr hat`s genommen, der Name des Herrn sei gepriesen.“ Vergebens suchte der heimatlose Erzbischof lange ein Unterkommen. Schließlich erbarmte sich eine reiche und vornehme Frau, namens Ikia, des Obdachlosen und seiner Genossen und schenkte ihm eines ihrer Schlösser, nämlich Ramesloh, einige Stunden südlich von Hamburg. Als Kaiser Ludwig die feindlichen Normannen vertrieben hatte, kehrte Ansgar nach Hamburg zurück, sammelte seine zerstreute Herde wieder um sich und baute die Stadt wieder auf.

 

Nach dem Tod des Bischofs Leuderich von Bremen wurden im Jahr 848 die beiden Bistümer Hamburg und Bremen miteinander vereinigt und Ansgar nahm seine erzbischöfliche Residenz zu Bremen, weil es sich durch günstigere Lage empfahl. Der Heilige knüpfte gleich eine Verbindung mit dem Dänenkönig Horich an, überwand die entgegenstehenden Hindernisse und gründete die Kirche von Hadeby oder Schleswig. Unermüdlich predigte er und zwar mit so hinreißender Beredsamkeit, dass auch die Verstockten sich bekehrten. In Schweden fasste die christliche Religion am tiefsten Wurzel, als der König Olaus die Würfel entscheiden ließ, ob er das Christentum annehmen soll und diese zu Gunsten des letzteren fielen.

 

Während seiner rastlosen Bemühungen, Seelen für das Reich Gottes zu gewinnen, vergaß er seine eigene Heiligung nicht. Alle seine Gedanken, Worte und Werke ließ er von der Liebe leiten. Seinen Leib kreuzigte er durch Fasten und Abtötungen. Er trug ein härenes Bußkleid, aß gewöhnlich nur Brot und trank nur Wasser. Überall, wohin er kam, sorgte er liebreich für die Armen und setzte sich erst zu Tisch, wenn er seine lieben Armen gespeist hatte. Durch seine dringenden Bitten und Ermahnungen erwirkte er den Sklaven die Freiheit. Die Kranken tröstete er, betete über sie und viele wurden sogleich gesund. Als man ihn eins wegen eines offenbaren Wunders pries, sprach er voll Demut: „Das größte Wunder der Allmacht und Barmherzigkeit Gottes ist, dass ein sündiger Mensch heilig werde; und ich flehe zu Gott, dass dieses Wunder auch an mir zustande kommen möge.“ Den glücklichen Erfolg seiner Predigten und Bekehrungsarbeiten schrieb er nicht sich, sondern allein Gott zu.

 

Ansgar hatte nichts sehnlicher gewünscht, als seine irdische Wirksamkeit mit dem Martertod beschließen zu können und schrieb es seiner Unwürdigkeit zu, dass sein Verlangen nicht erfüllt wurde. Ganz abgezehrt brachte er auf seinen Sterbebett vier Monate lang in stiller Andacht zu, gab seinen Jüngern noch heilsame Ermahnungen, empfing die heiligen Sterbesakramente, betete mit aufgehobenen Händen für Freunde und Feinde, dankte Gott mit freudigem Herzen für die glückliche Vollendung seines Tagewerks, ließ das Te Deum anstimmen und verschied selig am 3. Februar 865 zu Bremen. Auf seine Fürbitte geschahen viele Wunder, und sein Name wurde bald nach seinem Tod in das Verzeichnis der Heiligen gesetzt. Die Hauptkirche zu Bremen wurde nach ihm St. Ansgariuskirche genannt. Bis zur Reformation wurde er als Apostel des Nordens verehrt. Sein Nachfolger, der heilige Rembert, hat sein Leben beschrieben.

 

Der heilige Celerinus, Diakon und Martyrer von Afrika,

+ 3. Jhd. – Fest: 3. Februar

 

Der heilige Celerinus wurde zu Anfang des 3. Jahrhunderts zu Karthago in Afrika geboren, von seinen frommen und christlichen Eltern gottselig erzogen und wegen seiner hohen Tugenden vom heiligen Cyprian unter die Zahl seiner Jünger aufgenommen. Er erwarb sich die Liebe seines heiligen Oberhirten so sehr, dass er ihm die Briefe anvertraute, die er während der heftigen Christenverfolgung nach Rom schickte, um mit den Nachfolgern des heiligen Petrus in steter Vereinigung zu leben. Als Celerinus das erste mal im Jahr 250 nach Rom kam, wurde er wegen seines unerschrockenen Eifers für die christliche Religion ins Gefängnis gesperrt, grausam gemartert und schließlich wieder freigelassen. Nach seiner Rückkehr nach Karthago weihte ihn der heilige Cyprian auf die Ermahnung Gottes zu seinem Diakon und der eifrige Diener Gottes widmete sein ganzes Leben der Verteidigung seiner heiligen Religion und starb schließlich als Blutzeuge Jesu. Welchen Ruhm er sich in der Kirche Gottes erworben habe, mit welcher Bereitwilligkeit er sein Blut und Leben für das Christentum opferte, lesen wir in der Rede, die der heilige Cyprian am Gedächtnistag des Martertodes unseres Heiligen an die Gläubigen zu Karthago hielt. „Celerinus“, sagt er, „war ein so tugendhafter und heiliger Mann, dass er nicht durch menschliches, sondern durch göttliches Urteil des priesterlichen Amtes für würdig geachtet wurde. Stets wachsam und bewaffnet gegen die Feinde der Kirche Gottes, war er immer der erste im Kampf und bahnte seinen Gefährten den Weg zum Sieg. Keine Marter, nicht Hunger und Durst, nicht die 19 Tage hindurch dauernden Qualen, wo er an der Tür des Kerkers aufgehangen war, konnten seinen Mut brechen, seine Geduld ermüden: an Fesseln geschmiedet, blieb sein Geist frei und selbst als Gefangener schien er der Gebieter seiner Verfolger zu sein. Das Geschlecht, aus dem er entsprossen war, war von jeher ein heiliges, denn seine Eltern und Verwandten zeichneten sich durch ruhmvolle Frömmigkeit aus. Celerina, seine Großmutter, Laurentius, seines Vaters Bruder, und Ignatius, sein Oheim, erhielten alle die Martyrerkrone.“

 

Der heilige Celerinus starb am dritten Februar zwischen den Jahren 259 und 260.

 

Der selige Johannes Nelson, Priester und Märtyrer in England, SJ,

+ 3.2.1578 – Fest: 3. Februar

 

Wenn in unserem Geist die Erinnerung an eine schwere Verfolgungszeit des christlichen Glaubens, an eine Märtyrerzeit auftaucht, so schwebt ihm gewöhnlich das Bild des Amphitheaters zu Rom vor. Ein grausamer Diokletian oder Nero bringt unser beleidigtes menschliches Gefühl in Erregung. Und doch bietet das schon längst christliche England des 16. Jahrhunderts ein Saatfeld von Märtyrerblut, für Christus und seine Wahrheit vergossen, das nicht weniger fruchtbar und glorreich ist als irgend eines aus der Heldenzeit der Kirche. Dort wütete ein Wüstling und Tyrann auf dem Thron, Heinrich VIII., und eine nichtswürdige, eitle Königin, Elisabeth, durch ihre dienstbaren Schergen Jahrzehnte hindurch mit den ausgesuchtesten und gewalttätigsten Mitteln gegen die Katholiken, besonders die katholischen Priester, die ihrer Neuerung in Glaubenssachen zu widerstehen und für die Erhaltung der katholischen Religion zu wirken wagten. Vielfach haben diese seeleneifrigen Apostel sich im Ausland auf ihren gefahrvollen Beruf vorbereitet. Kaum einige Monate, während derer sie von den furchtbaren „Priesterjägern“ wie gehetztes Wild im Land herumirrten, waren ihnen meist zur Aussaat gegönnt. Ein entsetzlicher Tod am Galgen oder ein langes Siechtum im Kerker war ihr Los, ihr zumeist selbst ersehnter Lohn, die Krone eines Märtyrers Christi.

 

John Nelson dürfen wir heute als ersten dieser ruhmreichen Helden grüßen. Er war im Jahr der Losreißung Englands vom Heiligen Stuhl, 1534, in Yorkshire geboren. Schon hatte er das vierzigste Lebensjahr zurückgelegt, als er von dem Seminar in Douay in Flandern und seinem Zweck hörte. So glühend war er für den Glauben seiner Väter begeistert, dass ihn sein Alter nicht zurückhalten konnte, die Studien nochmals aufzunehmen, um sich zum Dienst der heiligen Kirche in seiner Heimat vorzubereiten. Im Jahr 1573 kam er nach Douay und schon nach drei Jahren war er als würdiger Missionar wieder auf dem Weg nach England.

 

Allzu kurz war ihm die Gelegenheit gegönnt, am Seelenheil seiner Landsleute zu arbeiten. Am Abend des 1. Dezember 1577 wurde er zu London in seinem Zimmer verhaftet, während er eben beim Lampenschein das Breviergebet, die Matutin für den folgenden Tag, verrichtet. Das genügte natürlich, ihn als papistischen Priester sofort in den Kerker zu werfen. Vor die Kronkommissare gestellt, wurde er aufgefordert, den Suprematseid, der die Königin als Oberhaupt der englischen Kirche erklärte, zu leisten. Er verweigerte ihn ganz entschieden, denn niemals habe er gelesen oder gehört, dass ein weltlicher Fürst mit der obersten Leitung der Kirche betraut sei. Das sei allein der Papst. Als man ihn fragte, was er denn von der englischen Kirche halte, entgegnete er, sie sei ohne allen Zweifel sowohl schismatisch als auch häretisch (irrgläubig). Aufgefordert, was er unter Schisma verstehe, erklärte Nelson: „Das Schisma ist die freiwillige Trennung von der Gemeinschaft des römisch-katholischen Glaubens.“ Sofort zogen die Kommissare den richtigen Schluss: „Wie? Also ist die Königin schismatisch?“

 

„Das weiß ich nicht,“ antwortete er vorsichtig, „denn ich kenne die Gesinnung ihres Herzens betreffs der Verkündigung und Verteidigung der neuen Religion nicht.“

 

„Gerade sie ist es,“ drängten die Kommissare, „welche diese Religion verkündigt und verteidigt. Was denkst du also?“ Der Selige schwieg einen Augenblick. Er kannte das Statut wohl, das jeden, der die Königin schismatisch oder häretisch nannte, mit der Strafe des Hochverrats bedrohte. Er wollte sie nicht ohne Not reizen, aber auch seinen Glauben nicht verleugnen. So antwortete er bedingungsweise: „Wenn sie diese Religion öffentlich verkündigt und verteidigt, so ist sie zweifelsohne schismatisch und häretisch.“ Dieses Bekenntnis war genügender Beweis, ihn auf Leben und Tod anzuklagen. Sieben Wochen später wurde Nelson, da er auf dieser bedingt gegebenen Behauptung verblieb, zum Tod des Hochverrats verurteilt. Mit großer Seelenruhe nahm er das Urteil auf. Es war am Vorabend von Mariä Lichtmess. Am Tag nach diesem schönen Muttergottesfest sollte es vollstreckt werden. Mit Fasten und Beten bereitete sich der Selige auf den Hingang vor, der für ihn der Eingang in die unaussprechlichen Wonnen werden sollte, die der Herr seinen treuen Blutzeugen vorbehalten hat. Von irdischen Dingen wollte er so wenig hören, dass er nicht einmal die Märtyrerakten, wie ihm ein Freund riet, zur Lesung nehmen wollte. Er habe Betrachtungsstoff genug, sagte er, und denke an das blutige Leiden, das so viele tausend Heilige für Christus geduldet hatten. Eine Quelle süßer Zuversicht war ihm der Empfang der heiligen Kommunion. Ist doch kein Kerker so tief und keine Mauer zu dick, dass nicht der eucharistische König zum Trost seiner Getreuen Eingang fände. Noch bevor sein Urteil gesprochen war, kamen nämlich einige Katholiken zu ihm in den Kerker und wünschten aus seiner Hand mit dem Himmelsbrot gespeist zu werden. Ein Priester würde ihm denselben Liebesdienst erweisen. Sie schlugen den Tag nach Mariä Lichtmess vor, weil man an diesem Tag am wenigsten Argwohn schöpfen würde. Allein Nelson entschied für vier Tage vorher, ohne eine Ahnung zu haben, dass er dem Martertod unmittelbar nahe sei. Ohne diese glückliche Fügung würde er die heilige Wegzehrung nicht mehr haben empfangen können. Auch hatte der Selige während seiner Gefangenschaft um Aufnahme in die Gesellschaft Jesu nachgesucht und sie erhalten.

 

Am Morgen des 3. Februar besuchten ihn nochmals zwei seiner Verwandten, vermutlich Brüder. „Was fangt ihr an,“ sprach er zu den Weinenden. „Ich sollte in dieser Stunde von euch getröstet werden. Weint und seufzt über eure Sünden! Was mich betrifft, so bin ich der zuversichtlichen Hoffnung, dass mir dieser Tod das größte Glück bringen wird.“ Gefasst nahm er Abschied. Die ihn besuchenden anglikanischen Geistlichen wies er kurz ab, ohne sich in einen Disput mit ihnen einzulassen. Als die Beamten, die ihn auf die Schleife warfen, ihn aufforderten, er solle die Königin um Verzeihung bitten, weigerte er sich, da er sich keines Vergehens bewusst sei. Die Volksmenge schrie tobend, dann würde er auch mit all den ausgesuchten Qualen eines Hochverräters sterben. „Gut,“ sagte er, „Gottes Wille geschehe! Ich sehe den Tod vor Augen und sterbe gerne. Besser ist es, hier unter den ausgesuchtesten Qualen zu sterben, als die ewigen Qualen der Verdammten in der Hölle zu leiden.“ Schon auf dem Karren stehend, der unter den Füßen weggezogen zu werden pflegte, wenn der Hinzurichtende die Schlinge um den Hals hatte, betete Nelson die gewöhnlichen Gebete eines katholischen Christen nebst dem Miserere, De profundis und Confiteor. Darauf sprach er zu dem versammelten Volk:

 

„Euch alle, so viele ihr am heutigen Tag diesem Schauspiel anwohnet, fordere ich zu Zeugen auf, dass ich ein Katholik bin und für meinen Glauben, den ich nicht verraten wollte, mit größter Freude Blut und Leben hinopfere. Deshalb bitte ich den allmächtigen Gott, dass er gemäß seiner großen Barmherzigkeit eure Herzen erleuchten wolle, damit ihr wahre Katholiken werdet und im Schoss der heiligen, katholischen, römischen Kirche lebt und sterbt.“

 

Das Volk schrie bei diesen Worten: „Nieder mit dir und deinem römisch-katholischen Glauben!“ Der Selige aber wiederholte unerschrocken nochmals diese Bitte. Dann bat er alle um Verzeihung und forderte die anwesenden Katholiken auf, für ihn zu beten. Viele riefen offen: „Herr, nimm auf seine Seele!“

 

Nochmals bedrängten ihn die Beamten, die Königin um Verzeihung zu bitten: Einen Augenblick sich besinnend, sprach der Selige: „Wenn ich sie oder sonst jemand beleidigt habe, so bitte ich sie und jedermann um Verzeihung, wie auch ich allen verzeihe.“

 

Sobald der Selige hing, wurde er wieder vom Strick losgeschnitten. Man riss ihm, noch bei voller Besinnung, die Eingeweide aus dem Leib. Als der Henker nach seinem Herzen griff, betete der Sterbende noch namentlich für seine Verfolger. Das Volk, das noch kurz zuvor sosehr gegen den Seligen tobte, wurde jetzt hiervon tief ergriffen. Die ehrwürdigen Gliedmaßen des Seligen wurden in der üblichen Weise an den vier Toren der Hauptstadt, sein Haupt an der Londoner Brücke aufgespießt. Nach einem Bericht des Kardinals Allen wirkte Gott durch die Reliquien des seligen Blutzeugen verschiedene Krankenheilungen.

 

„Für die Frommen ist der Tod nur wie eine Wäsche,“ sagte der heilige Pfarrer vor Ars. Die Wäsche muss erst in der Lauge liegen, dann wird sie schön weiß. Der Tod wird die Frommen zur Verherrlichung. Darum fürchteten sie nicht den leiblichen Tod, sondern nur den ewigen. Lieber die ausgesuchtesten Qualen des irdischen Leidens und Todes als die Qualen der Hölle!

 

Der heilige Blasius, Bischof und Märtyrer von Sebaste, Armenien,

+ 3.2.316 – Fest: 3. Februar

 

Die Lebensgeschichte dieses heiligen Bischofs ist uns unbekannt. Wir wissen von ihm nur, dass er Bischof von Sebaste war, und auf Befehl des Agricolaus, des Statthalters von Cappadocien und Kleinarmenien, um das Jahr 316, während der Verfolgung des Licinius, gemartert wurde. Ferner finden wir noch in den Akten des heiligen Eustrat, der unter Diocletian hingerichtet wurde, dass der heilige Blasius, der Bischof von Sebaste, seine Gebeine mit Ehrfurcht sammelte, um sie mit jenen des heiligen Orest zu begraben, und dass er mit aller Genauigkeit die letzten Befehle des seligen Eustrat (13. Dezember) vollzog. Das Fest unseres Heiligen ist bei den Griechen ein gebotener Feiertag, und wird am 11. Februar gefeiert. Man findet auch seinen Namen in den alten Martyrologien des Abendlandes, die dem heiligen Hieronymus zugeschrieben werden. Als durch die Kreuzzüge die Gebeine des heiligen Blasius ins Abendland gebracht wurden, ist seine Verehrung da zugleich sehr verbreitet worden. Durch viele wunderbare Heilungen, die auf seine Fürbitte geschehen sind, hat sich die Verehrung dieses heiligen Märtyrers beim Volk noch vermehrt. Er ist Titularpatron von Ragusa.

 

Dürfen wir wohl der Peinen gedenken, die die Märtyrer aus Liebe zu Jesus Christus erduldet haben, ohne uns unserer Feigheit zu schämen? Was für eine Unbeständigkeit in unseren Entschlüssen, einem Gott zu dienen, der so viel für uns getan hat! Die kleinste Beschwerde bringt uns in Verwirrung, und wir kehren schnell wieder auf den Weg unserer ersten Verirrungen zurück. Werden wir denn nie den Mut haben, unser Leben nach unseren besseren Einsichten einzurichten? Werden wir uns immer als Schwächlinge vom Strom der Welt hinreißen lassen, ihren verführerischen Beispielen folgen, und ihre falschen Grundsätze annehmen, die wir doch, als dem Geist des Evangeliums zuwider, verdammen, wofern wir nur ein wenig mit ruhigem Gemüt über dieselben nachdenken? Werden wir nie aufhören, Sklaven einer Einbildung zu sein, die die Hindernisse immerdar in unseren Augen vergrößert, um uns vom einzig wichtigen Werk der Bekehrung stets zurückzuhalten. Soll uns denn immer die Eigenliebe blenden, die uns unsere Schlaffheit unter trügerischem Schein verbirgt? Fassen wir heute einen neuen Entschluss, uns fest an Gott anzuschließen. Allein dieser Entschluss muss auch wirksam sein, und uns siegreich aus allen Kämpfen führen, die wir gegen das Fleisch und die Welt zu bestehen haben, und die uns immer in unsere alten Treulosigkeiten zurückzuwerfen versuchen.

 

Die heilige Werburg (Wereburga), Prinzessin und Äbtissin von Hanbury,

England, Benediktinerin, Schutzheilige von Chester,

+ 3.2.699 – Fest: 3. Februar

 

Die heilige Wereburga hatte zum Vater Wulfer, der König von Mercia, und zur Mutter, die heilige Ermenilda, eine Tochter Ercomberts, des Königs von Kent, und der heiligen Serburga. In herrlichem Glanz strahlte ihre Geburt, da sie von dem mächtigsten angelsächsischen König abstammte. Sie war aber glücklich genug, sich durch einen Vorzug, den die Welt so sehr schätzt, nicht zu eitlem Stolz verleiten zu lassen, denn von Jugend auf hatte sie die menschliche Hoheit verachten gelernt. Sie hatte drei Brüder, von denen zwei, Wulfad und Rufin, die Märtyrerkrone empfingen. Kenred, der andere Bruder, starb in Rom im Ruf der Heiligkeit. Ermenilda, ihre tugendhafte Mutter hatte nichts unterlassen, um diese jungen Pflanzen, die ihr der Himmel anvertraut hatte, gut heranzubilden. Auch hatte sie den Trost, sie in der Gnade und Weisheit vor Gott und den Menschen aufwachsen zu sehen. Werburg hatte vor allen auf eine besondere Weise ihren Sorgen entsprochen. Ihre Demut, ihr Gehorsam und sanftes Wesen hatte etwas ganz Ungewöhnliches. Sie wohnte regelmäßig den gottesdienstlichen Verrichtungen mit ihrer Mutter bei. Allein da das öffentliche Gebet ihren Andachtseifer noch nicht zu befriedigen vermochte, verrichtete sie in ihrem Gemach noch besondere, die oft mehrere Stunden währten. Sie hatte ein heiliges Verlangen nach frommen Ermahnungen und gottseligen Reden. In einem Alter, wo man meistens nur an Spielen und eitlen Vergnügungen sich ergötzt, bemerkte man an ihr den Ernst, die Eingezogenheit, und den Geist der Abtötung, die schönen Kennzeichen vollkommener Seelen. Jede Freude, die nicht von dem Zeugnis eines guten Gewissens kam, hatte für sie nicht die mindesten Reize. Ihre Herzenszerknirschung war so lebhaft, dass sie nie aufhörte, ihr Elend und die unselige Notwendigkeit, von Gott entfernt zu leben, mit bitteren Tränen zu beweinen. Ihre Liebe zur Reinheit geriet bei dem Anblick der geringsten Gefahr in Schrecken. Sie bewahrte diese Tugend durch strenge Wachsamkeit über alle ihre Sinne, durch langes Fasten und unausgesetztes Gebet.

 

Wegen ihrer seltenen Schönheit, mit der die herrlichsten Eigenschaften und glänzendsten Tugenden vereint waren, warben viele der edelsten jungen Männer um ihre Hand, allein sie bestand fest auf dem Entschluss, den sie gefasst hatte, Gott ihre Jungfrauschaft zu weihen. Der Fürst der gegen Abend wohnenden Sachsen hatte ihr reiche Geschenke gesandt, um sie zu gewinnen, aber sie versuchte sie samt dem Heiratsantrag von sich abzulehnen, indem sie sagte, sie habe sich schon zu ihrem Bräutigam Jesus Christus, den Erlöser der Menschen, auserwählt. Einen noch glänzenderen Sieg erhielt sie über die Bemühungen Werbods, eines der ersten Großen des Hofes. Wulfer, der ihn wegen der wichtigen Dienste, die er ihm geleistet hatte, sehr liebte, versprach ihm seine Tochter zur Ehe, jedoch mit der Bedingung, dass sie ihre Zustimmung dazu geben müsste. Dieses Versprechen betrübte auf eine empfindliche Weise die Königin, und die zwei Prinzen, Wulfad und Rufin. Die beiden, die vor kurzem den christlichen Glauben angenommen hatten, eilten, unter dem Vorwand auf die Jagd zu gehen, zu dem heiligen Ceadda, dem Bischof von Litchfield, der eine in einem Forst gelegene Einsiedelei bewohnte. Dieser Heilige unterrichtete sie zuerst, taufte sie, und sandte sie dann wieder zurück. Werbod, der wusste, dass sie seiner Ehe entgegenstanden, beschloss ihren Untergang. Man sagt sogar, dass er sich von dem König einen seinen Absichten günstigen Befehl erwirkt habe, indem er ihn gegen seine Kinder dadurch einzunehmen wusste, dass er ihm mit den schwärzesten Farben den Besuch schilderte, den sie dem heiligen Ceadda abgestattet hatten, und falsche Zeugen unterstellte, die sie der schrecklichsten Verbrechen beschuldigen mussten. Dieser Treulose vermochte alles über Wulfer, und er war es auch, der ihn den Götzendienst zu begünstigen bewog. Allein die Strafe, die seine verabscheuungswürdigen Ränke verdienten, blieb ihm nicht aus. Kaum waren die Prinzen ermordet, als der König den lebhaftesten Schmerz empfand. Durch die gerechten Vorwürfe seines Gewissens in Schrecken gesetzt, ging er in sich, tat wegen seines Verbrechens Buße, und befolgte in allem den Rat der Königin, und des heiligen Ceadda. Er zertrümmerte alle Götzenbilder, änderte ihre Tempel in Kirchen um, stiftete die Abtei von Peterborough und die Priorei von Stone, in dem seine zwei Söhne begraben wurden, und suchte überall die Verehrung des wahren Gottes durch seinen Eifer und seine Beispiele zu verbreiten.

 

Die heilige Wereburga wurde durch eine so unverhoffte Bekehrung ganz entzückt, und entdeckte nun ohne Furcht ihrem Vater das glühende Verlangen, das sie zum klösterlichen Leben hatte. Anfangs versagte ihr der König seine Zustimmung, schließlich aber wurde er genötigt, den wiederholten Bitten seiner Tochter nachzugeben. Er erhob sich dann über die Regungen der Natur, und brachte Gott großmütig das Opfer, das er von seiner Zärtlichkeit forderte. Von seinem ganzen Hofstaat begleitet, führte er selbst seine Tochter nach Ely. Die heilige Edildruda, die Äbtissin des Klosters, kam in feierlichem Zug mit allen Nonnen, die Prinzessin an der Pforte zu empfangen. Werburg bat dann auf den Knien liegend um die Gnade, in ihre Gemeinschaft aufgenommen zu werden, und zwar als eine Büßerin, was ihr auch bewilligt wurde. Die Demut und Geduld, mit der sie die gewöhnlichen Prüfungen aushielt, bewiesen deutlich, dass ihr Beruf von Gott kam. Sie hatte keinen eigenen Willen mehr, oder besser zu sagen, sie handelte stets nur nach dem Wink ihrer Oberin. Ihr Vater wohnte mit mehreren anderen Fürsten bei, als sie feierlich das Ordensgelübde ablegte. Durch genaue Beobachtung der vorgeschriebenen Regeln, durch Liebe zum Gebet, zur Betrachtung und durch stete Bußfertigkeit wurde unsere Heilige bald ein Muster ihrer Mitschwestern. In der Folge verließ sie das Kloster Ely, auf die dringenden Bitten des Königs Ethelred, ihres Oheims, der ihr den Auftrag gab, die klösterliche Zucht bei allen Nonnen seines ganzen Reiches wiederherzustellen. Dieser Fürst gab auch hinreichendes Grundvermögen, um drei Klöster zu bauen.

 

Werburg unterließ nichts, um die ihrer Sorge anvertrauten Seelen immer mehr und mehr in der Heiligkeit zu vervollkommnen. Und selbst ihre Lebensweise war ein ununterbrochener Unterricht in allen Tugenden. Neben den vorgeschriebenen Tagzeiten betete sie jeden Tag den Psalter auf den Knien. Nach der Mette blieb sie in der Kirche, und betete da, bis die Sonne aufging, entweder kniend oder das Angesicht zur Erde geneigt. Ihre Andacht war so zärtlich, dass man sie oft mit Tränen in den Augen erblickte. Sie fand eine außerordentliche Wonne beim Lesen der Lebensbeschreibungen der Väter der Wüste, und strebte unausgesetzt, ihren Eifer für die evangelische Vollkommenheit nachzuahmen. Daher die Liebe der Abtötung, die man an ihr bemerkte. Ihre Nahrung war ganz einfach, und diese gestattete sie sich des Tages nur einmal. Als ihr Gott die Stunde ihres Todes geoffenbart hatte, sagte sie diese ihren Schwestern vorher. Dann besuchte sie noch einmal ihre Klöster, um ihnen die letzten Verhaltensbefehle zu erteilen, und starb in Trentham, am 3. Februar gegen Ende des 7. Jahrhunderts. Sie wurde, ihrem Wunsch gemäß, zu Hambury begraben. Im Jahr 708 wurde ihr Leib, in Gegenwart des Königs Coelred, seiner Hofbedienten und mehrerer Bischöfe, erhoben. Da man ihn noch ganz unverwest fand, wurde er am 21. Juni in einen sehr reichen Sarg gelegt. In diesem Zustand blieb er zweihundert Jahre. Aber während der Einfälle der Dänen zerfiel er in Staub. Im Jahr 873 brachte man den Sarg unserer Heiligen nach West-Chester in eine prachtvolle Kirche, die später zur Kathedrale erhoben wurde. Bei Bradshaw finden wir den umständlichen Bericht über mehrere Wunder, die durch die Fürbitte der heiligen Werburg gewirkt wurden, alsda sind: Heilungen, die die Kräfte der Natur übersteigen, die Befreiung von Chester, das im Jahr 1180 von den Walisern, Dänen, und Schottländern belagert wurde, und die plötzliche Löschung eines schrecklichen Brandes, die, als man in Prozession mit dem Sarg der Heiligen umging, erfolgte.

 

Aus „Tiere unterm Regenbogen“, von Aloysius Roche, Berlin 1954:

 

Graugänse

 

Die heilige Verylde ist keine sehr bekannte Heilige, wenigstens heutzutage. Aber zu ihrer Zeit – es war das achte Jahrhundert – war sie berühmt. Die Stadt Gent, in deren Nähe sie lebte, erwählte sie sich als Patronin.

 

Während eines besonders harten Winters kamen Graugänse auf der Suche nach Nahrung landein geflogen und ließen sich auf einem Feld nieder, das ihrem Kloster gehörte. Graugänse sind sehr große Vögel, die man heute noch in größerer Zahl auf den Klippen-Inseln um Schottland findet.

 

Die Arbeiter, die das Klosterland bestellten, entdeckten, dass diese Graugänse ganz zahm waren – sie umzingelten sie und trieben eine davon in ein kleines Gehege mit der Absicht, sie zu essen. Aber die Oberin des Klosters fand sehr bald heraus, was geschehen war, und gab strenge Weisung, dass auf keinen Fall einer der großen Wildvögel getötet werden dürfte. „Sie sind unsere Gäste“, sagte sie, „sie haben ein Recht auf unsere Gastfreundschaft!“ So bekamen sie ein köstliches Nachtessen von Körnern und dazu das feste Versprechen völliger Freiheit für den folgenden Tag.

 

Irgendein Vielfrass aber stand während der Nacht auf und stahl eine der Graugänse, er dachte, das könne ja keiner merken. Aber es wurde doch entdeckt. Am nächsten Tag, als die Heilige die Graugänse freundlich entlassen wollte, beobachtete sie, wie sie der Reihe nach durch das Pförtchen kamen, und es kam ihr der Verdacht: „Da fehlt doch eine!“ Die Klosterglocke wurde geläutet, und als die sämtlichen Dienstleute versammelt waren, machte sie sich daran, die Wahrheit herauszufinden. Der Dieb gestand und bekam ohne Zweifel eine handfeste Buße. Die fehlende Gans wurde zurückerstattet und nahm ihren Platz am Ende der Reihe ein.

 

Eine Engländerin, die es auch mit Graugänsen zu tun hatte, war die heilige Werburg, die in Chester begraben ist. Eine Zeitlang lebte sie im englischen Weedon. Dahin kamen einst sehr viele Wildgänse, die sich daran machten, die Ernte, die dem Kloster gehörte, gänzlich zu vernichten. Natürlich beklagten sich alle Anwohner, ein armes Volk, dessen tägliches Brot von dieser Ernte abhing. Sie brachten ihre Klagen bis zur Oberin vor.

 

Einwohner eines Klosters müssen lernen zu tun, was ihnen aufgetragen wird, sonst könnte kein Kloster existieren. Werburg dachte, auch diese lästigen Gänse könnten einmal etwas Gehorsam leisten. Sie rief einen der Landarbeiter und gab ihm folgenden Auftrag: „Geh“, sagte sie, „und bring mir die Gänse her. Ich muss ihnen etwas sagen.“

 

Der Mann kratzte sich den Kopf, und das war nicht verwunderlich; er dachte, wie in aller Welt sollte es nur möglich sein, die Graugänse zusammenzutreiben und in den Vorhof des Klosters zu bringen. „Ja“, sagte er zu sich selbst, „ich kann’s eben nur versuchen, und wenn es dann misslingt, geht es mich schließlich nichts an.“

 

Er sah das Ganze eigentlich als eine Art Scherz an, als er in die Felder ging und nun den Graugänsen mit lauter Stimme zurief, die Mutter Oberin wolle sie sozusagen im Sprechzimmer empfangen. Aber wie erstaunt war er, als er diese wilden Geschöpfe flügelschlagend und laufend zugleich in Richtung auf das Kloster eilen sah! Am Tor ließen sie sich dann für die Nacht nieder.

 

Als der Morgen kam, erschien Werburg, und nachdem sie den Gänsen Vorwürfe über ihr übles Verhalten gemacht hatte, befahl sie ihnen, wegzufliegen und in Zukunft die Gegend zu meiden. Sie hatte kaum geendet, da erhob sich die ganze Schar Graugänse wie eine Wolke und flog im Kreis über den Hof, - wie jeder dachte, als eine Art Vorbereitung zur Abreise. Aber es musste wohl irgend etwas nicht in Ordnung sein, denn anstatt fortzufliegen, ließen sich die großen Vögel auf dem Klosterdach nieder und begannen, die Luft mit ihrem Geschrei zu erfüllen.

 

Darüber wurde Werburg nachdenklich und versuchte, das Geheimnis zu lösen, das diesen lärmenden Klagen zu Grunde lag. Sie erhob ihre Stimme und sagte zu den Umstehenden: „Wenn diese armen Vögel etwa von einem von euch ein Unrecht erlitten haben, dann soll der jetzt vortreten und es sagen und seine Schuld zugeben!“ Daraufhin bekannte einer der Männer, dass er eine der Gänse gefangen und sie an einem verborgenen Ort versteckt hatte.

 

Natürlich musste er die Graugans sofort wieder hergeben. Das Tier war lebendig und unverletzt. Sobald es in Freiheit gekommen war, vereinte es sich mit den anderen, und, wie auf ein gegebenes Zeichen, erhob sich dann die ganze Schar in die Luft und verschwand am Horizont.

 

Werburg beobachtete sie, bis sie außer Sicht waren, und als sie ins Kloster zurückkehrte, murmelte sie für sich die Worte der Heiligen Schrift: „All ihr Vögel in der Luft, lobpreiset den Herrn!“

 

Der heilige Hadelin von Celles, Abt in der Diözese Lüttich, Belgien, OSB,

+ um 690 – Fest: 3. Februar

 

Der heilige Hadelin aus Aquitanien im mittleren Frankreich geboren, verließ sein Vaterland und alles, was er in der Welt besaß, um Jesus Christus nachzufolgen. Er widmete sich zuerst dem Bußleben in der Abtei von Solignac in Limousin. Von da ging er mit dem heiligen Remaclus, seinem Abt, in die Abtei von Cougnon, die an dem Fluss Semoy lag. Nach einiger Zeit musste er seine Einöde verlassen um der Kirche von Maastricht seine Dienste zu weihen, deren Verwaltung dem heiligen Remaclus anvertraut worden war, nachdem der heilige Amand das bischöfliche Amt niedergelegt hatte. Der neue Bischof erhob ihn zur Priesterwürde, um seinem Eifer einen größeren Wirkungskreis zu verschaffen. Als der heilige Remaclus sich in die Abtei von Stablo zurückbegab, folgte ihm der heilige Hadelin auch dahin. In der Folge trennten sie sich jedoch, und der heilige Hadelin suchte sich seinen Wohnort an dem Fluss Lesch, eine halbe Meile von Dinan entfernt. Bald versammelten sich einige andere Einsiedler um ihn, und alle dienten Gott mit glühendem Eifer durch Gebet, Fasten und Wachen. Der Ruf von Hadelins Heiligkeit lockte allerdings viele Besucher an. Da Pipin, der Oberaufseher des Pallastes mit Plectrud, seiner Gemahlin, ihn besuchte, gab er beiden heilsame Lehren über die Eitelkeit der Welt, über die Größe der himmlischen Güter und über die Pflicht, die allen Menschen aufgetragen ist, die heiligen Lehren des Evangeliums zu beobachten. Die Freigebigkeit Pipins und einiger anderer Großen setzte ihn in den Stand, ein Kloster zu bauen, wo er seine Schüler versammelte und sie durch seine Tugenden zu einem frommen Lebenswandel anzufeuern fortfuhr. Dieses Kloster bekam den Namen Celles, wegen der kleinen Zellen, die sich in ihm befanden. Als Hadelin krank geworden war, bereitete er sich mit neuem Eifer darauf vor, um vor Gott erscheinen zu können, und ermahnte seine Schüler, beständig ihren Tod vor Augen zu haben. Er starb um das Jahr 690, nachdem er die heilige Wegzehrung empfangen hatte. Sein Leichnam wurde in Celles begraben, wo in der Folge Stiftsherren, statt der Ordensgeistlichen, eingeführt wurden. Da aber im Jahr 1338 das Stift nach Wiset, einer kleinen Stadt an der Maas, zwischen Lüttich und Maastricht gelegen, versetzt wurde, nahm man auch die Reliquien des Heiligen mit dorthin. Die Übertragung seiner Gebeine wird am 11. Oktober gefeiert und am Sonntag in der Oktav von Mariä Geburt. Sein Fest aber feierte man von Anfang an am 3. Februar. 

 

Gebet am 3. Februar

 

Maria, du wünschst so sehr, dass dein Sohn Jesus geliebt wird. Wenn du mich liebst, so bitte ich dich, erlange mir die Gnade, dass ich eine große Liebe zu Jesus erhalte, so dass ich nichts anderes liebe als Jesus allein. Erlange mir auch eine große Liebe zu dir, die du das liebreichste und liebenswürdigste unter allen Geschöpfen bist, und von Gott am meisten geliebt wirst. Erlange mir doch von Gott eine größere Liebe. Denn dich lieben ist eine Gnade, die Gott nur denen gewährt, deren Heil dir am Herzen liegt. Amen.

 

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Blasius

 

O Gott, befreie uns durch die Fürbitte des heiligen Blasius von jedem Übel der Seele und des Leibes, und lass uns Deiner teilhaftig werden, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Anscharius

 

Verleihe uns, o Gott, dass wir durch die Fürbitte des heiligen Bischofs Anscharius alle Leiden dieser Welt geduldig ertragen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Verschiedene Ordensstände der Benediktiner, Kluniazenser, Zisterzienser, Karmeliter hielten von dem gestrigen Fest eine Oktav. Von dieser Oktav schrieb schon Gerson in einem Brief, den er aus der Kirchenversammlung zu Konstanz im Jahr 1416 schrieb.

 

Andacht am 3. Februar:

 

Das Thema im Februar:

Von der Demut

"Wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden." (Lukas 14,11)

 

"Wer nicht tief in der Demut begründet ist, der kann unmöglich zu einer hohen Stufe des innerlichen Gebetes emporsteigen." (Die heilige Theresia von Avila)

Die heilige Brigitta vernahm einst vom Herrn, dass eine Seele, die himmlische Dinge sucht, sich tief erniedrigen und auf der Bahn der Demut gehen muss.

Die heilige Katharina von Genua war so sehr von der Erkenntnis ihres eigenen Nichts durchdrungen, dass sie nicht einmal sich nennen wollte. Immer betrachtete sie sich als ein bloßes Nichts aus sich selbst, das nur so viel Wesen hat, als es Gott gefiel, ihr mitzuteilen; und verfiel sie in irgend einen Fehler, so sprach sie alsbald zu sich selbst: Alle diese Mängel sind Wirkungen dessen, was ich aus mir selbst bin; und ich bin fest überzeugt, dass ich aus mir selbst es nicht vermag, bessere Früchte zu wirken. Begehe ich nichts Böses mehr, so geschieht dies nur darum, weil Gott mich zurückhält.

Die heilige Clara von Montefalcone wurde längere Zeit hindurch des süßen himmlischen Trostes beraubt, mit dem der Herr sie zu begnaden pflegte; und dies bloß darum , weil sie bei Gelegenheit eines guten Werkes der Eigenliebe nicht widerstanden hatte; wiewohl sie ihren Fehler bitter beweinte und sich dafür bestrafte.

 

Ich bitte Dich, Herr, verleihe mir die kostbare Gabe der Demut, die die Blicke Deiner Barmherzigkeit auf sich zieht, das Herz mit Gnaden bereichert und die Seele dahin führt, dass sie Dir auf Erden gefällt, und Dich ewig im Himmel liebt! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 3. Februar

 

"O glänzendes Licht, göttliches Wort, wunderbare Weisheit,

Lamm, die Reinheit und Demut selbst, wie bist du von deinen Henkern,

diesen reißenden Wölfen und hungrigen Tigern,

so grausam misshandelt worden."

 

sel. Heinrich Seuse OP

1298 bis 25.1.1366

 

Betrachtung am 3. Februar - Über die Welt

 

Sieh, die Welt ist voll Gefahren.

Wie auf sturmbewegtem Meer

Wankt mein Schifflein hin und her.

Gib mir, Herr, hindurch zu fahren

Ohne Schiffbruch fort und fort

Bis zu dir, dem sichern Port.

 

1. Niemals wirst du zu dem wahren Frieden der Kinder Gottes gelangen, so lange du dein Herz nicht von dieser Welt entfesselst, weil du niemals zur Freiheit gelangen kannst, sondern, je nach ihrem beständigen Wechsel, bald fröhlich, bald betrübt und verwirrt sein wirst. Nicht umsonst verglichen alle heiligen Lehrer die Welt dem Meer, wo beständige Stürme herrschen, wo alle Fluten bitter sind, wo die kleineren Fische beständig von den größeren verschlungen werden, und wo die Schiffer in fortwährender Gefahr schweben, durch Schiffbruch umzukommen. Denn also verhält es sich genau mit der Welt. Wie aber kann je eine christliche Seele diese Welt lieben, und ihr Herz an sie setzen.

 

2. Indessen können wir dennoch manches von den Schiffern lernen, um unsere eigene Schifffahrt auf diesem sturmbewegten Meer zu ordnen. Fahren nämlich auch die Schiffer auf dem Meer, so trinken sie doch niemals von seinen salzigen Gewässern. Auch halten sie sich nicht auf, ob sie auch an noch so schönen Städten oder Inseln vorüber segeln, sondern sie benützen den günstigen Wind, um in ihrer Fahrt weiter zu kommen, und ihr Ziel zu erreichen, denn nicht das Meer ist ihr ständiger Aufenthalt. Sie segeln nur hindurch und blicken oft zum Himmel und zu den Sternen, den Lauf ihres Schiffes recht zu richten, damit sie den ersehnten Hafen nicht verfehlen.

 

3. Schließlich sind auch alle Schiffer unablässig beschäftigt. Einige sind bestimmt, das Schiff zu leiten, andere, die Segel aufzuspannen oder einzuziehen. Andere stehen am Ruder, und jeder hat daselbst seine eigene, vom obersten Befehlshaber ihm angewiesene Arbeit, die so lange dauert, als die Schifffahrt selbst, damit sie die Schätze, die sie mit sich führen, glücklich in die Heimat bringen. Also sollen auch wir während unserer Schifffahrt getreu in dem Beruf arbeiten, den Gottes Vorsehung uns angewiesen hat, und diese Welt nur im Vorübergehen gebrauchen. "Denn wir haben hier keine bleibende Stätte, sondern wir suchen die künftige", spricht der Apostel. Psalm 39,13: "Höre mein Gebet, Herr, vernimm mein Schreien, schweige nicht zu meinen Tränen. Denn ich bin nur ein Gast bei dir, ein Fremdling wie all meine Väter."

 

4. Februar

 

Der heilige Andreas Corsini, Bischof von Fiesole, Italien,

+ 6.1.1373 - Fest: 4. Februar

 

Die Eltern unseres Heiligen, vornehme und gottesfürchtige Leute in Florenz, beteten lange Zeit zu Gott, dass er ihnen eine Nachkommenschaft schenken möge, und sie wurden erhört. Ihnen wurde 1302 ein Junge geboren. Da man an diesem Tag gerade das Fest des heiligen Apostels Andreas feierte, erhielt er den Namen Andreas. Am Tag vor der Geburt träumte die Mutter, sie werde einen Wolf zur Welt bringen, der einem Karmeliterkloster zueilend in ein Lamm verwandelt würde.

 

Andreas war ein lebhafter Junge, hatte einen hellen, durchdringenden Verstand. Allerdings fühlte er sich von Natur aus sehr zu sinnlicher Lust hingezogen, was seinen Eltern, besonders seiner Mutter, viele Kummer verursachte. In der Gesellschaft anderer junger Leute machte er Jagd auf alle Freuden, die ihnen die große Welt ermöglichte. Spiele, Trinkgelage und schlechte Gesellschaften löschten in ihm den letzten Funken der Gottesfurcht aus. Seine Frechheit und sein Übermut übertraf sogar die seiner Gefährten. Die fromme Mutter warf sich vor dem Bild der Himmelskönigin auf die Knie und flehte zu ihr: "Du weißt es, liebe Mutter Gottes, du Mutter unseres Erlösers, wie die Seele meines Sohnes, die dein Sohn durch sein kostbares Blut so teuer erkauft hat, in Gefahr steht, ewiglich zu Grunde zu gehen. Du weißt es, wie ich dir meinen Sohn in frühester Kindheit, ja von Geburt an aufgeopfert und deiner Pflege ihn so inniglich empfohlen habe. O erbarme dich meiner, du mächtige und gebenedeite Jungfrau!, und bitte für ihn deinen göttlichen Sohn." Darauf fing die Mutter bitterlich zu weinen an. Und so traf sie Andreas an, als er sich gerade ankleidete, um in eine lustige Gesellschaft zu gehen. Von den Tränen der Mutter bewegt, fragte er sie nach der Ursache ihres Leids, und war sehr betroffen, als sie ihm wieder sein liederliches Leben ernst vorhielt und den Abgrund des Verderbens, an dem er stehe. Als aber die Erzählung des Traums entschlüpfte, den sie am Tag vor der Geburt des Jungen gehabt hatte, und sie ihm sagte, dass zu ihrem größten Leid der erste Teil des Traumes wahr geworden wäre, ermahnte sie ihn, er möge nun darauf sehen, wie er den Wolf in das Lamm verwandle. Der Sohn bedeckte voller Scham sein Gesicht, und von Gottes Gnade angerührt fing er bitterlich zu weinen an; und als er vor lauter Schluchzen zu Worte kommen konnte, sprach er: "Ja Mutter, du sollst es erleben, dass aus dem Wolf ein Lamm geworden ist. Du hast mich der Mutter Gottes aufgeopfert. Ich will nun ganz und gar in ihren Dienst treten. Erbitte mir von Gott Verzeihung meiner Sünden und verzeih auch du mir all das Herzensleid, das ich dir durch mein gottloses Leben angetan habe." Andreas wurde Karmeliter. Während des Probejahres hatte er schreckliche Anfechtungen zu überwinden. Seine böse Natur und seine Gewohnheiten versuchten ihn auf alle erdenkliche Weise zur früheren Gottlosigkeit zu verleiten. Man erzählt, es sei ihm während des Noviziats der Teufel in der Gestalt eines seiner früheren Freunde erschienen und habe ihn zu überreden versucht, das geistliche Kleid abzulegen und wieder in die Welt zurückzukehren. Aber getreu seinem Vorsatz ein beständiges Stillschweigen zu beobachten, habe er den Satan besiegt; dieser sei beschämt verschwunden.

 

So wurde Andreas aus dem vornehmen Geschlecht der Corsini zum Priester geweiht und geschickt, um auch die verstocktesten Sünder auf den dornigen Weg der Buße zur Gottseligkeit zurück zu bringen. Einer seiner Verwandten wurde bis zur Verzweiflung von Melancholie geplagt. Um sich davon abzulenken, verwandelte er sein Haus in ein öffentliches Spielhaus. Andreas brachte ihn dazu, statt dessen täglich sieben Vater Unser und Ave Maria zusammen mit dem Salve Regina zu beten, und die Melancholie war verschwunden.

 

Der allerseligsten Jungfrau war der heilige Andreas mit solcher Andacht und Liebe zugetan, dass sie ihm einmal, als er eben die Messe las, erschien und sprach: "Du bist mein Diener, in dir will ich mich rühmen."

 

Andreas erhielt auf der hohen Schule zu Paris den Doktorhut, kehrte von da nach Florenz zurück, und wurde zum Vorsteher seines Klosters erwählt. Bald darauf wollte die Stadt Frisoli, eine Meile von Florenz entfernt, ihn zu ihrem Bischof haben. Andreas, der davon hörte, floh und versteckte sich in einem Karthäuserkloster. Umsonst war alles Nachfragen und Suchen. Bereits schritt man zu einer neuen Wahl. Da schreit ein dreijähriges Kind aus der Menge des versammelten Volkes laut auf: "Andreas, den Gott zu unserem Hirten bestimmt hat, befindet sich wirklich bei den Karthäusern im Gebet." Andreas, der den Willen Gottes erkannte, ließ sich zum Bischof von Frisoli weihen und sah ein, dass ein Bischof mehr in der christlichen Vollkommenheit, als an Würde den Priester übertreffen sollte. So wurde er noch strenger gegen sich selber, fastete, trug sein ganzes Leben hindurch ein Bußkleid, betete täglich die sieben Bußpsalmen und schlief nur kurze Zeit auf gedörrten Rebschossen. Je strenger er zu sich selbst war, um so liebevoller war er gegenüber den anderen. Besonders wichtig war es für ihn, große und verstockte Sünder, diese verirrten Schafe, zu Christus, dem guten Hirten, zurückzubringen. Was ihm denn auch mit Gottes Gnade besonders gut gelang, zu großer Erbauung und zum Segen für sein ganzes Bistum.

 

Von Papst Urban V. beauftragt, begab er sich als außerordentlicher Gesandter nach Bononien, und stillte dort die Auseinandersetzungen und die Uneinigkeit der Bürger durch seine Milde und sein sanftmütiges Zureden.

 

Nachdem dieser heilige Bischof das 71. Jahr bereits angetreten hatte, wurde er in der heiligen Nacht, in der man die gnadenreiche Geburt unseres Herrn feiert, während er die heilige Messe las, innerlich von Gott ermahnt, dass die Stunde seines Todes herannahe. Sogleich darauf überfiel ihn ein heftiges Fieber. Die ganze Stadt erschrak und weinte um ihren heiligen Bischof, der ihr sollte entrissen werden. Er selber aber war voller Freude und voll des lebendigen Vorgefühls seiner künftigen Seligkeit. So starb er am 6. Januar 1373. Sein Leichnam wurde, wie er es selber verordnete, in der Karmelitenkirche in Florenz begraben. Im Jahre 1440 versetzte Papst Eugen IV. den heiligen Andreas Corsini in die Zahl der Seligen, Papst Urban VIII. 1629 in die Zahl der Heiligen, und verordnete seinen Festtag auf den 4. Februar.

 

Der heilige Rhabanus Maurus, Erzbischof und Bekenner zu Mainz,

+ 4.2.856 - Fest: 4. Februar

 

Was der erste Erzbischof von Mainz, Bonifatius, der große Apostel der Deutschen, ruhmreich begonnen hatte, hat der fromme und gelehrte Rhabanus Maurus mit den Waffen des Geistes, der Liebe und des Kreuzes glücklich vollendet. In der Reihe vieler ausgezeichneter Kirchenfürsten auf dem Mainzer Bischofsstuhl glänzt er als einer der gelehrtesten und verdienstvollsten.

 

Rhabanus wurde zwischen 774-776 zu Mainz geboren und gehörte einem weitverbreiteten, alten Geschlecht an. Schon frühzeitig entwickelten sich seine außerordentlichen Geistesgaben. Zur weiteren Ausbildung übergaben ihn seine Eltern den Mönchen des Klosters Fulda. Unter der Leitung des Abtes Baugolf genoss Rhabanus einen gründlichen Unterricht nicht bloß in den theologischen, sondern auch in den weltlichen Wissenschaften und wurde 801 zum Diakon geweiht. Darauf ging er nach Tours, um den weisen Lehren des berühmten Lehrers Alcuin zu lauschen, und dieser gewann den hochbegabten und bescheidenen Schüler so lieb, dass er mit ihm einen innigen und unauflöslichen Freundschaftsbund schloss und ihm wegen der Reinheit seiner Sitten den Namen Maurus, des Lieblingsschülers des heiligen Benedikt gab.

 

Nach seiner Rückkehr nach Tours übernahm Rhaban mit dem ebenso frommen als gelehrten Samuel die Leitung der Schulen zu Fulda und brachte sie zu einer hohen Blüte. Einige Jahre später hob der Abt Radgar die vom heiligen Bonifatius und Sturmius eingeführten und erprobten Einrichtungen auf, änderte die Ordensregel und Kleidung der Mönche, hob die Studienzeit auf und brachte die größte Unordnung herbei, so dass die völlige Auflösung des Klosters befürchtet wurde. Dem Rhaban nahm er selbst sein Teuerstes weg, seine Bücher, um ihn, so wie die übrigen Mönche als Handlanger zu seinen kostspieligen Bauten zu verwenden. Erst im Jahr 817 wurde Radgar abgesetzt und Abt Eigil trat an seine Stelle.

 

Mit Eigil kehrte der Friede und die Pflege der Wissenschaften in das Kloster Fulda zurück und Rhaban übernahm wieder das ihm so teure Lehramt. In kurzer Zeit verbreitete sich der Ruhm der Fuldaer Schule durch ganz Europa und der berühmte Albertus Magnus trug kein Bedenken, dem ebenso frommen als weisen Benediktinermönch Rhaban den Ehrentitel eines Kirchenlehrers beizulegen. In dieser Zeit verpasste Rhaban mehrere Bücher, die sich nicht nur über theologische Wissenschaften, sondern auch über Zeitrechnung, Sternkunde und Rechenkunst verbreiteten.

 

Nach dem Tod Eigils eröffnete sich ihm ein neuer Wirkungskreis, indem ihn die Wahl der Brüder zum Abt erhob. In diesem Amt verkündete er eifrig die Lehre des Heils in Predigten und Homilien, eiferte gegen den noch bestehenden Aberglauben und den Umgang mit Heiden, beendete den Bau des Klosters zu Fulda, vermehrte die kleinen Klöster, ließ die Klostergüter nicht mehr durch Laien, sondern durch Geistliche verwalten, damit niemand ohne Gottesdienst sei und niemand ohne die hl. Sakramente aus dem Leben scheide. Zur Verherrlichung des Gottesdienstes und Erweckung der Andacht ließ er die Kirchen durch tüchtig ausgebildete Mönche mit Malereien, Bildwerken und Metallarbeiten ausschmücken und für die Reliquien kostbare Schreine anfertigen. Noch im höheren Grad beförderte er die Wissenschaften. Eine Menge der frömmsten und gelehrtesten Männer seiner Zeit empfing aus seinem Mund das Wort der Wahrheit und Weisheit, oder begeisterte sich an seinem Beispiel zu den großmütigsten und segensreichsten Opfern für die Ehre Gottes und das Heil der Seelen. Seine Bibliothek nahm derart zu, dass fast alles, was die Weisheit der Welt je hervorgebracht hatte, dort zu finden war. Er selbst verfasste eine Reihe von Büchern, aus denen der Reichtum seines Wissens und seine glühende Begeisterung für das Reich Gottes hervorleuchtet. So verbreitete sich Rhabans Tätigkeit und Ruhm in den weitesten Kreisen, und zwar insbesondere auch dadurch, dass er mit seinen Mönchen mehrere neu entstandene berühmte Klöster, wie Corvey und Hirschau, bevölkerte. Dabei vergaß er nicht die zarte Sorgfalt für Arme und Bedrängte. So ordnete er an, dass jedes Mal nach dem Tod eines Mönches sein täglicher Anteil an Speise und Trank dreißig Tage lang den Dürftigen verabreicht werden sollte.

 

Dem Kaiser Ludwig war Rhabanus immer treu geblieben und hielt es nach dessen Tod mit Kaiser Lothar. Als dieser aber gestürzt war, konnte Rhaban nicht mehr Abt zu Fulda bleiben und übergab seine Würde an seinen Schüler und Freund Hatto (842). Bis zum Jahr 847 hielt er sich teils bei seinem Freund Haymo zu Halberstadt, teils auf dem Petersberg bei Fulda auf und schrieb mehrere sehr wertvolle Werke.

 

Nach Otgars Tod 847 wurde Rhabanus auf den Erzbischöflichen Stuhl zu Mainz berufen. Obwohl im Alter weit fortgeschritten, entfaltete der neue Kirchenfürst eine außerordentliche Tätigkeit. Um die Reinheit des Glaubens zu erhalten, den Eifer der Geistlichkeit und die guten Sitten des Volkes zu fördern, berief er ein Provinzial- und ein Nationalkonzil, verdammte die Ketzerei des Mönches Gottschalk, erließ mehrere sehr nützliche und zeitgemäße Kirchengesetze, die durch den Kaiser bestätigt und bekräftigt wurden gegen unbefugte Eingriffe weltlicher Großen. Seine Mußezeit benutzte Rhaban, um noch mehrere ausgezeichnete Werke zu verfassen, z.B. über das Leiden des Herrn und seiner Heiligen, über das heiligste Altarsakrament, Homilien, ein Lied vom Lob des hl. Kreuzes u.a., die das Gemüt tief ergreifen.

 

Seine vorzügliche Barmherzigkeit gegenüber den Armen legte er besonders während einer großen Hungersnot im Jahr 850 an den Tag. Denn täglich speiste er mehr als 300 Arme, diejenigen nicht mit eingerechnet, die er an seinem eigenen Tisch fortwährend verpflegte. Durch fortwährende Arbeiten für Gottes Ehre und das Heil der Menschen erschöpft, ging er zum unsterblichen Leben hinüber am 4. Februar 856 zu Winkel im Rheingau, nachdem er neun Jahre lang den erzbischöflichen Stuhl geziert hatte. Sein hl. Leib wurde in der St. Albanskirche zu Mainz beigesetzt. Vom Kardinal-Erzbischof Albert von Mainz wurden im Jahr 1515 die Reliquien des heiligen Rhabanus Maurus mit denen des heiligen Maximus feierlich nach Halle in Sachsen übertragen. Noch heute zeigt man seine Wohnung zu Winkel. Sein Andenken lebt unter den Bewohnern des Rheingaues fort und viele rufen ihn um seine Fürbitte an.

 

Der heilige Rembert, Erzbischof von Hamburg und Bremen,

+ 11.6.888 – Fest: 4. Februar

 

Kaiser Ludwig der Fromme erfüllte vollkommen sein Versprechen, das er seinem christlichen Vater, Karl dem Großen, damals gemacht hatte, als er ihn zum Herrscher über alle von ihm besessenen und eroberten Reiche ernannte. Als ein Freund und Beschützer der katholischen Kirche, verbreitete er mit rastloser Sorgfalt die heilige Religion in den entferntesten Ländern, sorgte für die Bildung eifriger Priester, die er als seine Väter liebte, und erbaute Klöster und Kirchen, damit dem gläubigen Volk das Wort Gottes zu jeder Zeit verkündigt wurde. Unter den Gottesmännern, die während seiner Regierung das Reich Gottes erweiterten und in den entferntesten nordischen Provinzen das Heidentum bekämpften, zeichnete sich besonders der heilige Anscharius, Erzbischof von Hamburg und Bremen aus. Als er auf dem Totenbett lag und die Christen und seine Geistlichen ihn unter Tränen fragten, wer sein Nachfolger werden sollte, antwortete er ihnen, dass er mit gutem Gewissen behaupten könne, sein Jünger Rembertus sei wegen seiner Gelehrsamkeit und Frömmigkeit bei weitem würdiger, Erzbischof zu sein, als er selbst verdient habe, je zum Diakon geweiht zu werden. Auf dieses Zeugnis wurde Rembert nach dem Tod des heiligen Oberhirten einstimmig zum Bischof gewählt und erhielt von Lintbertus, dem Erzbischof zu Mainz, die heilige Weihe. Er war aus Flandern gebürtig und erwarb sich schon als Knabe durch seine Frömmigkeit so sehr die Liebe des heiligen Anscharius, dass er ihn im Kloster Thurolt erziehen ließ und ihn dann zu seinem vertrautesten Jünger wählte, der ihn auf allen seinen Reisen begleitete und später sein heiliges Leben beschrieb.

 

Ehe der neue Erzbischof seinen oberhirtlichen Stuhl in Besitz nahm, begab er sich in das Kloster Corvey, legte die feierlichen Ordensgelübde des heiligen Benedikt ab, die er sein ganzes Leben lang getreu beobachtete, und wählte den Aldegarius, einen Ordensbruder, zu seinem Jünger, den er stets um sich hatte und zum Zeugen aller seiner Handlungen machte. Als ein Muster der Demut, Abtötung und aller christlichen Tugenden leuchtete er seiner Herde und besonders seiner Geistlichkeit voran und nachdem er in seinem Bistum die schönste Ordnung eingeführt, mehrere Klöster und Kirchen errichtet und eingeweiht hatte, machte er selbst eine Missionsreise in die dänischen und schwedischen Provinzen, um die Überreste des Heidentums zu vertilgen und allenthalben die Anbetung des wahren und einzigen Gottes einzuführen. Bei dieser Gelegenheit verwendete er sein Hab und Gut zur Unterstützung der Armen und zur Befreiung der Gefangenen, und als er unter den slavischen Völkern eine gottgeweihte Jungfrau in Fesseln erblickte und nichts mehr hatte, um ihre Loslassung zu erkaufen, gab er sein eigenes Pferd und seine bischöfliche Kleidung für die Gefangene. Durch sein Gebet wirkte er schon im Leben auffallende Wunder, stillte öfters auf seinen Seereisen nach Schweden die heftigsten Stürme des Meeres, erteilte mehreren Blindgeborenen das Augenlicht und befreite den Sohn eines schwedischen Königs vom bösen Geist.

 

Nach so vielen und beschwerlichen Reisen erkrankte der heilige Erzbischof Rembertus, nachdem er 23 Jahre unermüdet im Weinberg des Herrn gearbeitet hatte und empfing bis zu seinem Tod mit innigster Andacht täglich die heilige Kommunion. Er starb am vierten Februar im Jahr 888 in einem Alter von 68 Jahren und wurde seinem Verlangen gemäß bei der Domkirche in Bremen beerdigt.

 

Der heilige Gilbert, Priester und Ordensstifter von England,

+ 4.2.1190 – Fest: 4. Februar

 

Der heilige Gilbertus wurde im Jahr 1083 aus der berühmten Familie von Gent in der Grafschaft Lincoln in England geboren und erhielt seine wissenschaftliche Bildung in Frankreich, wo er sich durch seinen Fleiß und seine Frömmigkeit unter allen jungen Männern so vorzüglich auszeichnete, dass er nach seiner Rückkehr nach England zum Priester geweiht und von Bischof Alexander in Lincoln als Beichtvater gewählt wurde. Er legte den Grund zu seinem Orden dadurch, dass er arme Jungen und Mädchen in der Gottseligkeit des christlichen Lebens unterrichtete und zur strengsten Enthaltsamkeit von allen irdischen Freuden und Lebensgenüssen anhielt. Im Jahr 1135 erbaute er 2 Männer- und 8 Frauenklöster, in denen er ca. 2000 Personen beiderlei Geschlecht unter seiner Aufsicht hatte und ihnen die strengsten Regeln aus allen damals bekannten Orden vorschrieb. Sie wurden die weißen Canonici des Gilbertus oder der Orden von Sempringham genannt, weil die Klöster auf dem Landgut dieses Namens errichtet waren. Die Ordensmänner und Nonnen führten ein sehr strenges, abgetötetes Leben, das in ununterbrochenem Gebet, Betrachtungen und Handarbeiten bestand. Sie enthielten sich von allen Fleisch- und Fischspeisen, genossen nur Früchte, Kräuter, Wurzeln und Wasser aus hölzernen Gefäßen, hatten Sommer und Winter nur eine Kleidung und schliefen auf dem bloßen Boden oder gewöhnlich sitzend mit dem Rücken an eine hölzerne Wand gelehnt.

 

Wegen seiner Strenge und Armut wurde dieser Orden und dessen Stifter von Geistlichen und Weltlichen verfolgt und verleumdet, und zwar so, dass Papst Eugenius gezwungen war, dessen Einrichtungen genau prüfen zu lassen, wobei alle Klagen und Beschuldigungen als falsch und erdichtet gefunden wurden und der Orden, als zum Seelenheil dienlich, im Jahr 1136 die kirchliche Bestätigung erhielt. Während eines verheerenden Krieges wurde der Bischof Alexander von seinem Bistum vertrieben, und der heilige Gilbertus und seine Mönche predigten unter den größten Gefahren und Verfolgungen den Gläubigen so unerschrocken das Wort Gottes und linderten die Drangsale des Krieges so unermüdet, dass bei seiner Rückkehr der Bischof aus Dankbarkeit dem heiligen Gilbert das Kloster zur heiligen Maria in Haverholm als Eigentum schenkte und den Orden durch den Papst neuerdings bestätigen ließ. Damals wurde der heilige Thomas, Erzbischof von Canterbury, grausam verfolgt und sogar vom König Heinrich II. aus England verbannt. Lange Zeit hindurch fand dieser unschuldige und fromme Oberhirt in den Klöstern des Gilbert Schutz gegen seine Feinde und als er seines Lebens nicht mehr sicher war und nach Frankreich überschiffte, unterstützte den Verfolgten nur dieser Orden in seiner Armut, weswegen er von dem gottlosen König hart misshandelt wurde.

 

Der heilige Gilbert starb im hohen Ruf der Heiligkeit am 4. Februar des Jahres 1189 und wurde schon nach dreizehn Jahren wegen der vielen Wunder, die sich bei seinem Grab ereigneten, unter die Zahl der Heiligen gesetzt.

 

Der heilige Joseph Desiderio von Leonissa, Kapuzinermissionar, Italien,

+ 4.2.1612 – Fest: 4. Februar

 

Apostelwege sind Heilandswege. Apostelberuf ist Heilandsberuf, zur Fortführung der großen Weltmission Jesu Christi, zur Ehre Gottes und dem zeitlichen und ewigen Wohl der Menschen durch alle Jahrhunderte. Gottes Vorsehung erweckt jedem Jahrhundert seine apostolischen Männer und Frauen, die mit Gottesgnade und Märtyrermut an einer Erneuerung der Welt im Geist Jesu Christi arbeiten, allen finsteren Höllenmächten zum Trotz.

 

Zum Missionar- und Apostelberuf hatte Gottes Vorsehung einen jungen, hochbegabten Studenten bestimmt. Gottes Wege sind aber nicht immer auch Menschenwege, und so träumten die Verwandten des frommen Jünglings von einer herrlichen weltlichen Laufbahn. Schon wurde die Zeit für seine Vermählung mit einem Edelfräulein von ausgezeichneter Schönheit und mit großem Reichtum bestimmt – da entfloh der junge Mann und bat in der Heimatstadt des heiligen Franziskus, in Assisi, um das Ordenskleid der Kapuziner. Die stille Paradiesesseligkeit des Novizen innerhalb der Klostermauern sollte bald gestört werden. Wilder Tumult vor dem Klösterlein. Leitern werden wie zum Sturm an die Gartenmauern angelegt. Eine Rotte wild erregter Männer stürzt in das Kloster. Es sind die Verwandten des Novizen, die ihren Vetter heimholen wollen. Bittere Vorwürfe und Drohungen hageln auf ihn nieder, Bitten und Versprechungen sollen ihn abtrünnig machen. Alles umsonst. Verblendet von leidenschaftlichem Zorn stürzte sich die tobende Verwandtschaft auf den Novizen, um ihn mit Gewalt fortzuschleppen. Doch der wehrt sich um seinen Beruf, ruft um Hilfe. Ein paar handfeste Klosterbrüder eilen herbei, und bald ist der äußere und innere Sieg erfochten, den der Himmel mit reichen Gnaden lohnte.

 

Die Vorbereitungsjahre zum Priestertum benützte der eifrige Ordenskleriker auch als Hochschule der klösterlichen und priesterlichen Tugenden. Hatte er sich seinen apostolischen Beruf mit heldenmütiger Standhaftigkeit gewahrt, nun wollte er auch den apostolischen Geist sich zu eigen machen. Sein Eifer wurde noch verdoppelt durch den Tod seines frommen Studiengenossen Frater Hieronymus von Visso. Der Verstorbene erschien bald nach dem Tod seinem Freund, als er betend auf seiner Zelle verweilte. Zuerst Erstaunen und Verwunderung, als der totgeglaubte Mitbruder leise in die kleine Zelle trat. „Bruder, bist du denn nicht gestorben? Wie sehe ich dich hier gegenwärtig?“ Hieronymus erwiderte: „Allerdings bin ich gestorben, aber nicht ohne den göttlichen Ratschluss bin ich zu dir hierhergekommen.“

 

Da sagte Joseph: „Tu es mir also kund, ich bitte dich, wie steht es mit dir?“ Der Freund antwortete seufzend: „O Joseph, wenn du es nur wüsstest, welch strenge Rechenschaft Gott beim Tod fordert! Wie schwer der Eingang in die Seligkeit ist!“

 

Nach den ersten Priesterjahren, in denen der liebeglühende Aposteleifer auch noch die wichtige Tugend der vollkommenen Hingabe und Ergebung in Gottes Fügung praktisch gelernt hatte, erhielt Pater Joseph vom Ordensgeneral die Erlaubnis, als Missionar nach dem Orient zu den Türken gehen zu dürfen. Die gefahrvolle Über- und Irrfahrt auf dem stürmischen Meer endete durch wunderbare Hilfe Gottes an der Küstengegend von Konstantinopel. Ganz verlassen und unbekannt in dieser wildfremden Gegend betete Pater Joseph. Da tauchte plötzlich aus dem Gebüsch ein holdseliges Kind auf, nahm den erstaunten Missionar bei der Hand und führte ihn in die Weltstadt hinein, durch Gassen und Straßen, und verschwand auf einmal wieder vor einem zerfallenen, alten Klostergebäude, worin einige vorausgereiste Kapuzinermissionare sich notdürftig eingerichtet hatten. Konstantinopel, das Ziel der apostolischen Sehnsucht, war erreicht. Wie blutete dem seeleneifrigen Missionar das Herz beim Anblick der Menschenmenge in den engen, schmutzigen Gassen, auf den breiten Straßen und großen Plätzen mit der Märchenpracht der Marmorpaläste am Goldenen Horn. Und dort trauerte unter dem Halbmond der Prachtbau der Hagia Sophia, der große, herrliche Ruhmestempel zu Ehren Jesu Christi, der menschgewordenen Weisheit. Kaiser Justinian rief einst bei der Einweihung dieser Riesenkirche in ihrem Wunderglanz von Marmor, Gold und Edelsteinen: „Salomo, ich habe dich übertroffen!“ – und im Jahr 1453 ritt Sultan Mohammed II. über die Leichenhaufen der erschlagenen Christen in diese Kirche und rief höhnend vor dem Hauptaltar: „Es ist kein anderer Gott als Allah, und Mohammed ist sein Prophet!“

 

Ein weites, doppeltes Arbeitsfeld bot in Konstantinopel überreiche, apostolische Missionswirksamkeit. Zu Tausenden schmachteten die armen Christensklaven in den Kerkern und wurden durch harte Misshandlung zum Übertritt in den Islam gelockt. An den Ruderbänken der Galeeren im Seehafen waren meist geraubte Christen mit eisernen Ketten angeschmiedet, von grausamen Aufsehern gepeinigt, bis sie unter der Ruderarbeit und den Peitschenhieben tot zusammenbrachen. All diesen Armen und Ärmsten erschien Pater Josef als ein vom Himmel gesandter Engel, mit der Sendung, ihr leibliches und seelisches Elend zu lindern. Noch reichlichere Ernte versprach die Bekehrung der Ungläubigen. Der Anfang schien ermutigend. Gelang es doch der Liebe und dem Eifer des Missionars einen hochgestellten türkischen Pascha zu bekehren, oder vielmehr zur Kirche wieder zurückzuführen. Der Unglückliche war Renegat geworden, d.h. er hatte als Christ, ja sogar als Erzbischof der griechischen Kirche, einst seinen Glauben abgeschworen. Dieser Erfolg ermunterte Pater Josef nach dem Beispiel seines heiligen Ordensvaters Franziskus sich an den Sultan selbst zu wenden, um wenigstens die Abschaffung der Todesstrafe zu erreichen, die auf die Annahme des Christentums gesetzt war. Mit heiliger Kühnheit suchte er in den Sultanspalast einzudringen, wurde aber von den Wachen schwer misshandelt und das zweite Mal in den Kerker geworfen und zu dem grausamen Tod des Hakengalgens verurteilt. Drei Tage und drei Nächte hing der fromme Dulder an den zwei Ketten des Galgens, an denen seine linke Hand und sein rechter Fuß mit zwei schrecklichen Haken durchbohrt befestigt waren. So wenigstens halb gekreuzigt, erwartete er in heiliger Sehnsucht den Märtyrertod, da erschien wieder jener geheimnisvolle Engelsknabe, befreite und heilte und belehrte ihn, dass Gottes Wille ihn jetzt zur inneren Mission unter den Christen berufen habe. Der Heilige kehrte mit jenem bekehrten Renegaten nach Italien zurück und beide empfingen in Rom den Segen von Papst Sixtus V., der eine als Bekenner Christi mit den Malen des Martyriums, der andere als reumütiger Büßer und wieder gefundener Sohn der katholischen Kirche.

 

In unermüdlichem Eifer setzte Pater Josef seine Missions- und Apostelarbeit in Italien fort, predigte oftmals an einem Tag vier- bis siebenmal, erschütterte mit den Flammenblitzen des göttlichen Wortes die verstocktesten Herzen. Wie einst in den Aposteltagen begleiteten seine Wirksamkeit auch Wunder und prophetische Weissagungen. Ein Wunder der göttlichen Gnade war der Heilige vor allem selbst durch seinen Heroismus in jeglicher Tugend, durch seine lächelnde Heiterkeit bei aller Bußstrenge, durch Demut bei Ehrungen und Schmähungen, durch die opferwillige Beharrlichkeit in seinem apostolischen Beruf, bis er im Alter von 58 Jahren von der Apostelarbeit zum Apostellohn abberufen wurde, im Jahr 1612. Als eben die Morgensonne ihre ersten Verklärungsstrahlen auf den Kranken warf, betete ihm ein Ordensbruder die kirchliche Tagzeit der Prim vor. Bei den Worten: „Kostbar in den Augen des Herrn ist der Tod seiner Heiligen. Heilige Maria und alle Heiligen bittet für uns!“ ging der Heilige ein in die ewige Herrlichkeit.

 

Durch die heilige Firmung ist jeder Christ zum Apostolat berufen in seinem kleinen Wirkungskreis. Christ sein, heißt Apostel sein. Vielfach sind die Wirkungsfelder, die die heilige Kirche dem Laienapostolat zugeteilt hat. Freilich nicht Laienregiment in der Kirche, wohl aber Laienapostolat durch Gebet, Wort und Tat, in den Werken der Barmherzigkeit, in Familie, Schule und Gemeinde, in der Presse und Jugendpflege, in der Sorge für die äußeren und inneren Missionen und nicht zuletzt in den Liebeswerken für die Armen Seelen im Fegfeuer. Alle ohne Ausnahme müssen Apostel sein für die große Weltmission der christkatholischen Kirche unter dem Wahlspruch: „Ehre Gott in der Höhe und Friede auf Erden den Menschen!“

 

Die heilige Johanna (Jeanne de Valois) von Valois,

Königin und Ordensstifterin in Frankreich,

Krüppel – Prinzessin – Heilige,

+ 4.2.1505 – Fest: 4. Februar oder 14. Februar

 

Eine verstoßene Tochter, gehasste Ehefrau und enterbte Königin wurde am 28. Mai 1950 von Papst Pius XII. zu einer Heiligen im Himmel erklärt.

 

Dies ist die Geschichte von Jeanne de Valois, der missgestalteten Tochter König Ludwigs XI. von Frankreich, „der wie eine Spinne in der Stille sein Netz spann und auf die unglücklichen Fliegen wartete, die er damit fangen wollte“. Jeanne, die am 23. April 1464 geboren wurde, hatte sich schon vom Tag ihrer Geburt an den Hass ihres Vaters zugezogen. Dieser Hass kam aus der Enttäuschung darüber, dass sie ein Mädchen war (zwei Söhne waren im Kindesalter gestorben), sowie wegen ihres jämmerlichen körperlichen Zustandes. Jeanne drückte es noch milde aus, wenn sie sagte: „Ich weiß, dass ich weder so schön bin noch eine so gute Figur habe wie andere Frauen.“ Sie hatte einen Klumpfuß, und ihr ganzer Körper war durch Rachitis entstellt. Die eine Schulter war niedriger als die andere, und dazu hatte sie einen offensichtlichen Buckel. Daher verurteilte der Vater sie zu einem Leben der Einsamkeit, zuerst in Amboise bei ihrer Mutter Charlotte von Savoyen und später, nach dem Tod der Mutter, im Herrenschloss von Lignières im Herzogtum Berry. Er entzog ihr jegliche Unterhaltung und ließ sie selbst die dringendsten und selbstverständlichsten Lebensnotwendigkeiten entbehren.

 

Was aber ihre Willensstärke betraf, war sie eine echte Tochter des “schrecklichen Königs“. Von frühester Jugend an verschmäht und abgesondert, brachte sie es schon als Kind fertig, ihren Vater einen ganzen Tag auf eine Entscheidung warten zu lassen, die er auf der Stelle von ihr verlangt hatte. Aber während all dieser Jahre der Absperrung entwickelte sich kein Hass gegen den Vater in ihr, sondern nur ein tiefer religiöser Eifer und eine Wesensgüte, die ihr eigentlich eine bessere Behandlung hätten sichern müssen.

 

Aus politischen Gründen war der Vater schon bei ihrer Geburt entschlossen, Jeanne mit ihrem Vetter Louis, dem Erben des Herzogs von Orléans, zu verheiraten. Am 4. Januar 1456, als Jeanne kaum ein Jahr alt war, wurde sie Louis, der auch erst ein Kind war, zur Ehe versprochen. Die Trauung sollte stattfinden, wenn das junge Paar das entsprechende Alter erreicht hätte.

 

Manche glauben, der König habe diese Verbindung aus Bosheit gewünscht, da er hoffte, dass das entstellte Mädchen kinderlos bliebe und so die Orléans aussterben würden. Weder Jeanne noch Louis wünschten diese Ehe, als sie heranwuchsen. Aber keines wagte, dem König zu widersprechen. Als Louis und seine verwitwete Mutter Einwände machten, drohte der König mit der Beschlagnahme ihres Eigentums und sogar mit körperlichen Strafen. Jeanne war schon oft das Opfer der Zornesausbrüche ihres Vaters gewesen. Bei einer Gelegenheit hatte er sogar befohlen, sie hinzurichten, ein andermal hatte er selbst das Schwert gegen sie erhoben.

 

Am 8. Oktober, als Jeanne neun Jahre alt und Louis kaum ein paar Jahre älter war, wurde der Ehevertrag erneuert. Drei Jahre später, am 8. September 1476, wurden die beiden getraut. Jeanne erklärte selbst: „Ich empfing den Ehesegen unter Tränen, da ich zu dieser Heirat gezwungen und nur mit Gewalt so weit gebracht worden war. Louis andererseits hatte Urkunden anfertigen und Zeugenaussagen schriftlich niederlegen lassen, dass diese Ehe gegen seinen Willen geschlossen sei.

 

So begann das 22jährige Martyrium, bei dem Jeanne de Valois die immer ergebene Frau eines Mannes blieb, der sie verabscheute und sie privat und öffentlich demütigte.

 

Die Ehe war ein entsetzlicher Fehler. Louis von Orléans war hübsch, heiter, stark und geschmeidig. Wenn er von seiner Ehe sprach, sagte er: „Ich wollte, ich wäre tot!“ Von Jeanne erklärte er: „Ich habe sie nie als meine Frau betrachtet.“

 

Zweiundzwanzig Jahre dauerte diese Verbindung, bis Karl VIII., der kurzlebige Nachfolger Ludwigs XI., im Jahr 1498 starb. Nun folgte Louis seinem Schwager und Vetter auf den Thron. Eine seiner ersten Taten war, dass er seine Ehe als erzwungen und von Anfang an ungültig erklären ließ.

 

Er verstieß Jeanne als Frau und Königin, gab ihr jedoch das Herzogtum Berry in Besitz. Hier regierte sie mit Umsicht und Entschlossenheit, so dass sie bald die Herzen ihrer Untergebenen gewann. Ihre Liebe zu den Armen und Kranken war grenzenlos. In den langen Jahren ihrer Ehe hatte sie niemals etwas Liebloses über Louis gesagt und ihm nichts Unrechtes angetan.

 

Als Louis als Mitglied einer Verschwörung gegen ihren Bruder, König Karl VIII., entdeckt und ins Gefängnis geworfen wurde, eilte sie ihm mit Nahrungsmitteln und Kleidern zu Hilfe. Durch beständiges Bitten bei ihrem königlichen Bruder erreichte sie seine Freilassung. Doch erwies er ihr keine Dankbarkeit dafür, sondern schrieb das Verdienst dem König selbst zu. Als Louis erkrankte, eilte Jeanne sofort an sein Lager, allerdings nur, um wieder von ihm weggeschickt zu werden.

 

Bis zu ihrem Tod betete sie unablässig für ihren Mann und für ihren Vater. Für beide ließ sie auch stets die Schwestern ihres Annunziatenordens beten, den sie im Jahr 1500 gegründet hatte, und trug selbst unter ihren königlichen Kleidern das Habit.

 

Jeanne starb am 4. Februar 1505 in Bourges. Das französische Volk verehrte sie bald als eine Heilige. Doch wurde sie erst am 21. April 1742 von Papst Benedikt XIV. seliggesprochen. Dann verhinderte die unruhige Geschichte Frankreichs für lange Zeit weitere Schritte zu ihrer Heiligsprechung, bis sie endlich 200 Jahre später erfolgte.

 

Die heilige Veronika von Jerusalem, Jüngerin Christi,

+ um 70 in Soulac / Frankreich - Fest: 4. Februar

 

Die Kirche feiert das Andenken dieser Heiligen am 4. Februar. Uns allen tritt diese edle Frauengestalt so oft lebendig vor Augen, so oft wir die 6. Station des heiligen Kreuzweges beten oder betrachten.

 

Wir können das Andenken der heiligen Veronika nicht besser feiern, als wenn wir recht innig die große feierliche Begebenheit betrachten, wie sie dem göttlichen Heiland das Schweißtuch darreicht.

 

1.

Achtzig Schritte von der Stelle, wo Simon von Cyrene zum Kreuztragen gezwungen wurde, stand ehemals das Haus der Veronika. Uralte Handschriften nennen diese Frau Berenice. Hier soll sie aber den Namen „Veronika“ behalten, denn Veronika heißt auf Deutsch „wahres Bild“ und weil Christus in ihr Tuch das wahre Bild seines Antlitzes eindrückte, so ging dieser Name „Veronika“ auch auf die Besitzerin des Tuches über. Man nimmt gewöhnlich an, dass sie bereits eine Jüngerin Jesu war und von seiner Unschuld, sowie von der Göttlichkeit seiner Sendung vollkommen überzeugt war, weshalb ihr sein Leiden um so tiefer zu Herzen ging.

 

Veronika tritt, als sich der Zug nähert, aus der Tür ihres Hauses auf die Straße. Sie trug um das Haupt ein Tuch, das über die Schulter herabhing. Solche Tücher, etwa dreimal so lang als breit, trugen nach damaliger Art die Frauen um Haupt und Nacken, auch ein zweites um die Schulter gewunden, beide von feiner Wolle. Es war auch Sitte, Trauernden und Weinenden oder Ermüdeten damit entgegenzutreten, um ihnen die Tränen oder Schweißtropfen vom Gesicht abzutrocknen. Veronika sieht Jesus mühselig einherschwanken. Seine Kräfte sind gebrochen, die Hitze der morgenländischen Mittagssonne brennt scharf auf sein dornenumflochtenes Haupt nieder, Blut und Schweiß mischen sich untereinander und fallen in schweren Tropfen von Stirn und Angesicht herab.

 

Von Liebe und Mitleid fast außer sich, dringt Veronika durch den Haufen der Soldaten, löst eilends ihr Tuch vom Haupt und hält es dem Heiland kniend als Schweißtuch entgegen. Der Herr nimmt es mit Wohlgefallen an, drückt es gegen sein schweiß- und blutbenetztes Angesicht und gibt es mit einem Blick des innigsten Dankes der Veronika wieder zurück.

 

Diese nicht achtend des Gespöttes wie der Flüche der grausamen Peiniger, drückt das Tuch wie ein hochgeweihtes Andenken an ihr Herz, eilt damit zurück in ihr Haus, legt es ausgebreitet auf den Tisch hin und sinkt mit einem Schrei der seligsten Überraschung auf ihre Knie nieder, denn auf dem Tuch erblickt sie das blutige Angesicht ihres armen Jesus in seiner Jammergestalt wunderbar abgedrückt. O welch ein kostbares und teures Geschenk seiner Liebe!

 

Nach den Angaben der Tradition kam das heilige Schweißtuch in den Besitz des heiligen Clemens, der nach Petrus der dritte Papst war. Es wurde durch die Jahrhunderte hindurch in großen Ehren gehalten. Papst Paul V. setzte es nach prachtvoller Prozession in der Peterskirche bei, wo es bis heute aufbewahrt wird. Am Karfreitag wird es alljährlich zur Verehrung ausgestellt.

 

2.

Der Heiland gibt sein Bild einer Frau, weil sie ihm auf dem Leidensweg in so liebevoller Weise beigestanden ist.

 

Welch ein preiswürdiges Vorbild ist die edle Veronika für alle christlichen Frauen und Jungfrauen!

 

Eilt auch ihr zu Jesus, weiht ihm eine Träne des Mitleids, bietet ihm das Schweißtuch dar, das heißt, tröstet ihn in den Kranken, helft ihm in den Armen, trocknet sein Blut und seine Tränen in den Unglücklichen, ihr könnt und sollt ihm diesen Dienst erweisen. „Was ihr dem Geringsten meiner Brüder getan, das habt ihr mir getan.“ Fürchtet nicht den Spott und die Missachtung einer ungläubigen Mitwelt. Seid stark im Glauben und in der Liebe zu Jesus. Der lebendige Glaube ist eure schönste Krone. Eine Frau ohne Glauben gleicht einem Stängel ohne Blume. Aus diesem Glauben kommt die wahre und reine Liebe. Das ist euer Schmuck. Eine Frau ohne die christliche Liebe ist gleich einer Blume ohne Farbe und Duft. Die Schöpferhand Gottes hat den Glauben und die Liebe als zarte Pflanzen in euer Herz gelegt, veredelt sie im Sonnenglanz der göttlichen Liebe Jesu und zieht sie groß.

 

Gott hat deshalb diese edlen Anlagen und Gefühle in eure Seelen gelegt, dass ihr sie pflegt und heiligt und sie ihm zum Opfer hingebt. Bringt ihm dieses Opfer und er wird euch belohnen wie Veronika, er wird die Züge seines heiligsten Bildes auch in eure Seelen drücken. Für den kleinen Dienst erhaltet ihr große Belohnung.

 

3.

Christliche Frau! Das Leiden ist ganz besonders dein Los und Anteil, du hast es in noch größerem Maß zu kosten als der Mann. Aber deine Stärke, dein natürlicher Adel ist das Mitleid mit den Leidenden. So trage dein Leiden Jesus zu Liebe und es wird versüßt: zeige das Mitleid wo und wie du kannst, dann wirst du eine wahre Veronika, das heißt, das „wahre Abbild“ Jesu Christi, dann wird das göttliche Passionsbild Zug für Zug in deine Seele gezeichnet, und dieses Bild wird sich verklären nach dem Bild der Herrlichkeit des göttlichen Sohnes. So steigst du empor zu deiner ursprünglichen Würde und Hoheit.

 

Euch, ihr christlichen Frauen und Jungfrauen, hat der Heiland mit seinem Bild beschenkt, weil er euch die Liebe und das Mitleid tief ins Herz gepflanzt hat. Darum gebt Acht auf diese zarten Regungen der Natur, helft, tröstet, leidet, das ist euer Ruhm, das eure Größe, das eure Zierde für Zeit und Ewigkeit.

 

Doch Ehre sei Gott und Preis seiner göttlichen Führung!

 

Die christliche Frau hat dieses Geheimnis erfasst, sie ist in der Tat die mitleidige Veronika. Sie opfert sich dem Dienst der kranken und leidenden Menschheit in den verschiedenen Orden der Wohltätigkeitspflege und hält so dem Herrn das Schweißtuch dar. Sie eilt in stiller Stunde in das arme Stüblein eines Verlassenen und bringt ihm Labung und Trost, Labung für den Leib, Trost für das Herz.

 

Sie sitzt Tage und Nächte lang am Krankenbett ihres Mannes, ihrer Eltern, ihrer Kinder, und ermüdet nicht in diesem opferreichen Beruf. Sie ist bemüht, die Schmerzen zu lindern, das Elend zu mildern, sie ist ein tröstender Engel der leidenden Menschheit. Und das ist ihre Stärke, ihr schönster Schmuck, ihr höchster Adel. Christliche Frauen, verleugnet niemals das angeborene Mitleid, seid entschlossen, wo es gilt, Gutes zu tun. Nehmt euch ein Beispiel an Veronika und euer Lohn wird groß sein im Himmel, und ihr werdet einst als Engel der Liebe und Erbarmung glänzen vor dem Thron des göttlichen Lammes.

 

4.

Veronikas Begegnung mit dem Heiland und die Darreichung ihres Schleiertuches ist eigentlich der einzige Lichtpunkt auf seinem Leidensweg, keine einzige Wohltat wurde dem armen Jesus erwiesen. Simon wurde zum Kreuztragen gezwungen und kam erst nach und nach zur Einsicht der ihm aufgenötigten Gnade, sogar die Begegnung mit seiner heiligsten Mutter war für ihn mit großem Leid verbunden, die mitleidigen Frauen von Jerusalem konnten ihn nicht trösten, sondern nur traurig stimmen, weil sie selbst keinen Trost zu bieten hatten – und so folgte im ganzen langen Lauf des Kreuzweges Schmerz auf Schmerz, Schmach und Entehrung, Todesangst und Schrecken bis zur letzten schlimmsten Verlassenheit auf dem Kreuzesstamm und dem „Consumatum est“ (Es ist vollbracht) des göttlichen Dulders.

 

Einzig schön und freundlich leuchtet Veronikas Liebestat aus all diesem Wehe hervor. Eine Tat so einfach, so voll des besten Willens, wie nur die liebende Seele sie erfindet und vollbringt. Und der Heiland hat sie angenommen, hat sie in seiner unendlichen Güte und Erbarmung verklärt und verewigt als eine ihm in höchster Bedrängnis erwiesene Wohltat.

 

Wo immer seither der Kreuzweg gebetet wird, wird auch der edlen Frau gedacht, ihre Tat bleibt in ständiger Erinnerung aller gläubigen Herzen, sie wird nie mehr vergessen werden für alle Zeiten!

 

*       *       *

 

Aus dem Lexikon für Theologie und Kirche:

 

Veronika von Jerusalem, Name einer legendären Frau, die in einer reichen und verworrenen Legendenentwicklung vom 4. bis 16. Jahrhundert immer neue, konkretere Züge erhält und im Spätmittelalter in Verbindung mit einem vielverehrten Christusbild zur volkstümlichen Heiligen wird. Anfang des 4. Jahrhunderts sehen die palästinensischen Christen in einer Bronzegruppe eines stehenden Mannes und einer knieenden Frau zu Paneas das Standbild, welches die blutflüssige Frau (Mt 9,20 u. Parall.) zum Dank für ihre Heilung dem Herrn habe errichten lassen und das man auf dem Lateransarkophag nachgebildet sehen möchte. Im Abendland wird die blutflüssige Frau mit Martha von Bethanien identifiziert; im Osten führt sie schon im 4. Jahrhundert den Namen Berenike oder Beronike und tritt als Zeugin gegen Pilatus auf. In der Weiterentwicklung der Pilatuslegende, vor allem in der norditalienischen Cura sanitatis Tiberii (zwischen 6. u. 8. Jahrh.) und der südgallischen Vindicta Salvatoris, wird in vielerlei Varianten berichtet, dass der schwerkranke Kaiser Tiberius, um Heilung durch Jesus zu finden, einen Boten nach Palästina schickte, der aber dort vom Kreuzestod des Herrn hörte, darauf Pilatus gefangen setzen ließ und die geheilte Blutflüssige mit einem Bild, das sie noch zu Lebzeiten Christi habe malen lassen, nach Rom brachte, wo der Kaiser beim Anblick alsbald geheilt wurde und sich taufen ließ. Das Bild habe der Kaiser in kostbare Steine fassen lassen. In dieser älteren Berichtsform, die vor allem die Bestrafung des Pilatus und der Juden betonen will, sind Veronika und ihr Bild nur von nachgeordneter Bedeutung. Eine jüngere Legende dagegen weiß, dass Veronika in Rom blieb, Umgang mit Petrus und Paulus hatte und das Christusbild beim Tod dem heiligen Klemens vermachte. Nach der Cura sanitatis Tiberii hat sie das Bild, auch Tuch der Veronika genannt, aus Verehrung für Christus malen lassen; nach jüngerer Version sei ihr, als sie mit dem Tuch zum Bemalen unterwegs war, Christus begegnet, habe es an sein Gesicht gedrückt und seine Züge ihm eingeprägt, nach anderer Fassung, erst nachdem Lukas 3mal vergeblich versucht, die Gesichtszüge festzuhalten. Wieder nach anderen habe Christus, als er ermüdet bei Veronika anlangte, ein Tuch zum Abtrocknen erbeten und darauf sein Bild hinterlassen. In dieser gesamten älteren Veronikaüberlieferung ist nie die Rede davon, wo dieses Bild verblieben ist. In Rom aber steht ein Christusbild in der Peterskirche, dessen Herkunft unsicher, dessen Identität mit einem dort schon im 8. Jahrhundert erwähnten nicht beweisbar ist, seit dem 12. Jahrhundert in hoher Verehrung. Es wurde im Oratorium S. Maria ad praesepe aufbewahrt und von Cölestin III. 1197 unter ein prächtiges Ciborium gebracht. Durch Tiberius sei es nach Rom gekommen, heißt Sudarium, womit der Herr seinen Blutschweiß im Ölgarten getrocknet, auch vultus effigies und im Volksmund Veronyca, Veronica; eine Beziehung zur älteren Veronikalegende wird abgelehnt, die Bezeichnung rühre vielmehr von einer Bildbeischrift vera icon her. Daraus auch die ganze Veronikalegende abzuleiten, geht nicht an, da sie viel älter ist. Nach J. Wilpert besteht das heutige Sudarium in St. Peter aus Linnen mit rostbraunen Flecken, auf das Ende des 12. Jahrhunderts ein eigentliches Bild Christi aufgelegt worden sei. Das römische Sudarium wurde oft nachgebildet; manche Repliken kamen wieder zu höchstem Ansehen, wie die von Jaen, Montreuilles-Dames, in S. Silvestro in Capite und S. Maria Maggiore in Rom, S. Bartolomeo degli Armeni in Genua, Cadouin.

 

Im weiteren Mittelalter besaß fast jede Kirche ein derartiges Bild, in Tafel- oder Wandmalerei oder in Stickerei. Lange nur einfache Darstellungen des lebenden, verklärten Heilandes, ohne Andeutung des Leidens, zeigen sie später die Spuren und Beigaben der Passion (Bluttropfen, Dornenkrone). Die Entstehung des Urbildes wird nun unter der für das Leiden Christi interessierten Zeitströmungen mit dem Kreuzweg in Verbindung gebracht; während desselben habe Veronika, erst in späterer Vorstellung eine der weinenden Frauen, dem Herrn ihr Tuch gereicht, um das vom Blutschweiß entstellte Gesicht abzutrocknen. Die Passionsspiele und die Itinerarien, die auf der Via dolorosa genau das Haus der Veronika und die Stelle der Tuchreichung verzeichnen, gestalten diesen Zug für die Volksvorstellung wie für die Kunst besonders fruchtbar. Das Bild Christi erscheint jetzt auf einem Tuch, gehalten von den Apostelfürsten, Engeln, meist von Veronika selber. Ihr legendäres Bild ist jetzt voll ausgereift; sie ist Heilige, deren Fest seit Ende des 15. Jahrhunderts am 4. Februar gefeiert wird, verehrt gegen Blutfluss. Nach anderer Legende ist sie Gespielin Mariens, kommt später mit ihrem Mann Amator nach Gallien und fördert dort das Missionswerk des heiligen Martial; ihr Leib wird in Soulac verehrt. Die kritische Forschung wie kirchliche Stellen haben früh den geschichtlichen Charakter der Veronikalegende abgelehnt. Unter Veronikas Schutz haben sich gestellt: Das Veronikawerk für katholische Pfarrhausangestellte in Baden und die Katholischen weltlichen Schwesternschaften Veronika in München. 

 

Der heilige Phileas von Thmuis, Bischof und Märtyrer in Ägypten,

+ 4.2.306 – Fest: 4. Februar

 

Phileas wurde zu Thmuis in Ägypten in einer adeligen und sehr reichen Familie geboren. Er erhielt eine ausgezeichnete Erziehung und wurde in der Folge durch seine wissenschaftlichen Kenntnisse und seine Beredsamkeit sehr berühmt. Als er die christliche Religion angenommen hatte, wurde er zum Bischof von Thmuis erwählt. Unter den Nachfolgern des Kaisers Diocletian wurde er verhaftet und in einen Kerker Alexandriens geworfen. Dieser gute Hirte, der einzig um seine Herde besorgt war, schrieb aus seinem Gefängnis einen Brief an sie, um sie zu trösten und sie zur Standhaftigkeit aufzumuntern. Er beschrieb darin die Qualen, die die Glaubensbekenner, die bei ihm waren, erdulden mussten. „Jeder“, sagte er, „konnte sie ungestraft verhöhnen und misshandeln. Wem es beliebte, konnte sie mit Ruten, Geißeln, ledernen Riemen oder gar mit dicken Knotenstöcken schlagen . . . Bald sah man einen von ihnen an einen Pfahl gebunden, Hände und Füße mit Stricken gefesselt, die mittelst vier Räder, die man schnell umdrehte, gewaltsam angezogen, ihre Glieder schauderhaft auseinanderrissen. Bald wurden einem anderen mit eisernen Haken der Leib, die Seiten, die Arme, die Beine und die Backen aufgeritzt. Diesen hängte man an einem Arm auf. Jenen band man an einen Pfeiler, doch so, dass die Füße die Erde nicht erreichen konnten, damit die Stricke, durch die Schwere des Körpers fest zusammengezogen, tief in das Fleisch einschnitten. Diese Qualen dauerten oft einen ganzen Tag lang. Mehrere wurden in den Stock gespannt, so dass die Beine bis an das vierte Loch ausgespreizt waren. Die meisten aber wurden wieder in das Gefängnis zurückgebracht, wo sie wegen ihrer vielen Quetschungen und Wunden nicht anders, als auf dem Rücken liegen konnten. Auch einige starben unter den Händen der Peiniger, usw.“ Der Statthalter Culcian (Unter dem Tyrann Maximin war er von der Statthalterstelle über Thebais, zu der über ganz Ägypten erhoben worden. Licinius ließ ihm 313 den Kopf abschlagen.) hatte in einem langen Verhör, das unser Heiliger bestehen musste, unter anderen Fragen auch diese an ihn gerichtet, ob Jesus Christus Gott sei? Phileas beantwortete ihm diese Frage mit Ja und bewies die Gottheit Jesu Christi durch die Wunder, die er gewirkt hatte. Culcian, der ihm viel Achtung sowohl seines Verdienstes, als auch seines Standes wegen, erzeigte, setzte noch bei: „Wenn du in der äußersten Not schmachten würdest und, um aus ihr befreit zu werden, von mir den Tod erbittest, würde ich nicht zögern, dir deinen Wunsch zu gewähren. Allein du bist reich und hast hinreichende Einkünfte zu deinem und deiner Familie Unterhalt. Du würdest sogar beinahe eine ganze Provinz mit den nötigen Lebensbedürfnissen versehen können. Ich habe daher Mitleid mit dir und versuche alles, um dich zu retten.“ Die anderen, die bei dem Statthalter waren, und durchaus Phileas am Leben erhalten wollten, sagten: „Er hat schon in dem Phrontisterium Opfer gebracht.“ (Dies war ein zu Geistesübungen bestimmtes Gebäude.) Der Heilige aber entgegnete: „Nein, ich habe keine Opfer dargebracht; sagt ihr jedoch bloß, ich habe geopfert, dann redet ihr Wahrheit.“ Dadurch gab er deutlich zu verstehen, dass er noch keine Tiere geschlachtet, sondern Gott ein geistiges Opfer dargebracht habe, nämlich das des Gebets oder der Eucharistie.

 

Seine Verwandten waren zugegen, wie auch mehrere andere ausgezeichnete Personen. Der Statthalter, in der Hoffnung, er würde sich durch die Gefühle der Natur erweichen lassen, redete in also an: „Blicke doch hin auf den bedauerungswürdigen Zustand, in den deine Frau versetzt ist.“ Der Märtyrer antwortete: „Jesus Christus, der Heiland der Seelen, der mich zu dem Erbe seiner Herrlichkeit berief, kann auch meine Frau, wenn es ihm gefällt, berufen.“

 

Die Anwälte von Mitleid gerührt, sagten zu Culcian: „Phileas bittet um Aufschub;“ sogleich wandte sich der Statthalter zu dem Heiligen mit den Worten: „Ich will dir ihn geben, damit du dich bedenkst, was du zu tun hast.“ – „Ich habe es schon lange überdacht,“ erwiderte Phileas, „und ich bleibe dem festen Entschluss, für Jesus Christus zu sterben, unwandelbar treu.“ Hierauf warfen sich die Richter, der Stellvertreter des Kaisers, der die erste Stadtbehörde war, und alle anderen Gerichtsdiener samt den Freunden des Phileas, zu seinen Füßen, und beschwuren ihn, sich doch einer trostlosen Familie zu erbarmen, und seine Kinder in einem Alter, wo sein Leben ihnen noch so nötig wäre, nicht zu verlassen. Der Heilige aber, gleich einem Felsen, den die Wut der Wellen nicht zu erschüttern vermag, erhob sein Herz zu Gott, und beteuerte, dass er nur die Apostel und Märtyrer für seine Verwandten anerkenne. Unter den Anwesenden befand sich auch ein Tribun, der damals Oberschatzmeister des Kaisers zu Alexandrien war. Dieser hatte einen besonderen Gerichtshof in der Stadt, wo er mit mehreren angesehenen Männern Rechtshändel schlichtete. Man nannte ihn Philoromus. Von Verwunderung über die Antworten des unerschütterlichen Bekenners, und von Unwillen über die Erbitterung seiner Feinde, die nur dessen Untergang suchten, durchdrungen, rief er aus: „Warum beharrt ihr so hartnäckig darauf, die Standhaftigkeit dieses Biedermannes zu besiegen? Warum sucht ihr ihn durch feigherzige Gefälligkeit seinem Gott untreu zu machen? Seht ihr nicht, dass er nur die Herrlichkeit des Himmels im Auge hat, und dass er auf alle Güter dieser Erde nur mit Verachtung hinschaut?“ Durch diese Vorwürfe wurde die Versammlung so sehr erbittert, dass sie den Tod des Phileas und des Philoromus forderte. Beide wurden hierauf zur Enthauptung verurteilt.

 

Als man sie an den Ort führte, wo sie getötet werden sollten, sagte der Bruder des Phileas, der unter der Zahl der Richter war: „Phileas bittet um Gnade.“ Culcian ließ ihn sogleich vor sich kommen und fragte ihn, ob dies wahr sei. „Das möge Gott verhüten,“ antwortete der Heilige. „Weit entfernt, die Zurücknahme des Urteils, das mich zum Tod verdammt, zu wünschen, bin ich im Gegenteil dem Kaiser und dir vielen Dank schuldig, weil ich heute noch zu dem Besitz des Reiches, das Jesus Christus mit mir teilen will, gelangen werde.“ Kaum hatte er diese Worte ausgesprochen, da brachte man sie an den Ort, der zu ihrem Tod bestimmt war, wo er, nachdem er die Gläubigen zur Standhaftigkeit ermahnt hatte, mit Philorom enthauptet wurde. Sein Märtyrertod fällt zwischen die Jahre 306 und 312. Man findet die Namen beider Heiligen in den alten Martyrologien. 

 

Der heilige Aventin von Troyes, Priester und Einsiedler,

+ 4.2.540 – Fest: 4. Februar

 

Dieser Heilige wurde zu Bourges von wenig bemittelten Eltern geboren. Der Ruf des heiligen Lupus zog ihn nach Troyes, wo er unter die Schüler, die der heilige Bischof zu den priesterlichen Tugenden heranbildete, aufgenommen wurde. In der Folge wurde er unter Camelian oder Camillan, dem Nachfolger des heiligen Lupus, zum Verwalter der Einkünfte der Kirche von Troyes erwählt. Seine außerordentliche Liebe zur Einsamkeit bewog ihn später, sich ganz dem Umgang der Menschen zu entziehen. Er begab sich daher auf eine öde Insel, wo er Gott durch Gebet und Fasten diente. Seine ganze Nahrung bestand in Gerstenbrot, Kräutern und Wurzeln, und sein Trank bloß in Wasser. Oft brachte er drei ganze Tage zu, ohne die kleinste Speise zu sich zu nehmen. Er trug ein raues Bußkleid und darüber einen Rock von geringem und schlechtem Tuch. Auf viel Drängen hin sah er sich bewogen, Schüler aufzunehmen, die er zu einer Genossenschaft vereinigte. Er starb um das Jahr 540. Als Vincentius, der Bischof von Troyes, eine Kirche unter seinem Namen hatte bauen lassen, wurde dort seine Verehrung sehr verbreitet. Seine Gebeine sind in der Stiftskirche zum heiligen Stephan in Troyes aufbewahrt. Doch hat man auch kleine Teile davon in verschiedenen anderen Kirchen.

 

Am 4. Februar verehrt man noch einen anderen heiligen Aventin, dessen Gebeine in der Pfarrkirche des heiligen Medard zu Chateau-Dun, in der Diözese von Chartres, aufbewahrt werden:

 

Der heilige Aventin von Dunois, Bischof und Bekenner von Chartres,

+ 4.2. nach 509 – Fest: 4. Februar

 

Er wurde zum Bischof von Chartres geweiht, da der heilige Solemnis, der gegen seinen Willen geweiht wurde, um der bischöflichen Würde zu entgehen, entflohen war. Als man den letzteren entdeckte und zu seiner Kirche zurückführte, wurde Aventin zum Chorbischof oder zum Aufseher von Dunois aufgestellt, mit der Vollmacht, die bischöfliche Verrichtung in dem ihm angewiesenen Bezirk auszuüben. Man findet seinen Namen in den Unterschriften der Konzilien jener Zeit, als Bischof, bald von Chartres, bald von Chateau-Dun. Ob er, nach dem Tod des heiligen Solemnis, an dessen Stelle trat, weiß man nicht. Der heilige Aventin von Dunois starb einige Zeit vor dem heiligen Aventin von Troyes. 

 

Der heilige Modan von Schottland, Abt und Bekenner von Dryburgh,

+ 7. Jahrhundert – Fest: 4. Februar

 

Modan hatte sich das Kloster von Dryburgh bei Mailros, eines der berühmtesten in Schottland, um das Jahr 522 ausgewählt, um sich da Gott in heiliger Abgeschiedenheit zu weihen. Überzeugt, dass die Übung des Gebets und der Betrachtung das kräftigste Mittel sei, zur evangelischen Vollkommenheit zu gelangen, verwendete er dazu jeden Tag sechs bis sieben Stunden. Da ihm ferner nicht unbekannt war, dass sich das wahre Gebet auf jene Reinheit des Herzens, die die Frucht der Selbstverleugnung, des Gehorsams und der Demut ist, als auf die sicherste Grundlage stütze, ergriff er jede Gelegenheit, sein Fleisch durch die strengsten Bußwerke abzutöten, erniedrigte sich durch die geringe Meinung, die er von sich selbst hatte, unter alle Geschöpfe und unterwarf sich mit solcher Bereitwilligkeit und Freude dem Willen seiner Obern, dass alle sagten, sie hätten noch nie einen Menschen gesehen, der sich selbst so ganz abgestorben sei. Nachdem ihn die Klostergeistlichen zum Abt gewählt hatten, leuchtete aus seinem ganzen Betragen die Wahrheit jenes Grundsatzes hervor, dass man, um gut zu regieren, zuerst müsse gelernt haben gehorsam zu sein. Sein Eifer für die Aufrechthaltung der klösterlichen Zucht war nicht derb, sondern immer durch Sanftmut und Liebe gemäßigt. Und seine Reden waren so salbungsvoll, dass man ihrer Kraft nicht widerstehen konnte. Die Vorwürfe verloren, wenn sie aus seinem Mund gingen, die ihnen sonst eigene Bitterkeit. Er predigte den Glauben zu Stirling, in der Nähe von Forth, und besonders zu Falkirk. Von Zeit zu Zeit unterbrach er seine apostolischen Arbeiten, um sich auf die Gebirge von Dunbarton zurückzuziehen, wo er dann 30 bis 40 Tage in Betrachtung zubrachte. Friedlich entschlief er in seiner Einsamkeit im 7. Jahrhundert. Jedoch setzten einige Schriftsteller seinen Tod in spätere Zeit. Seine Reliquien wurden ehehin zu Rosneith in einer Kirche, die seinen Namen trägt, aufbewahrt. Er ist auch noch der erste Schutzheilige der großen Kirche von Stirling oder Sterling, und wird zu Dunbarton und Falkirk besonders verehrt.

 

Gebet am 4. Februar

 

Wir bitten Dich, allmächtiger Gott, gib, dass die Fürsprache der heiligen Gottesmutter Maria, aller heiligen Apostel, Märtyrer, Bekenner und Jungfrauen, und aller Deiner Auserwählten uns überall erfreue, damit wir, ihre Verdienste feiernd, die Macht ihres Beistandes erfahren. Durch ihn, unseren Herrn Jesus Christus, Deinen Sohn, der mit Dir lebt und herrscht in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 

  

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Andreas Corsini

 

O Gott, der Du Deiner Kirche immer neue Beispiele der Tugend leuchten lässt, verleihe uns durch die Fürbitte des heiligen Andreas die Gnade, in seine Fußstapfen zu treten, dass wir auch zur ewigen Belohnung gelangen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Nach der Meinung vieler Schriftsteller geschah am heutigen Tag die Flucht der Heiligen Familie nach Ägypten. Heute wurde auch in den jungfräulichen Klöstern der Annonciaden in Frankreich das Fest der zehn Haupttugenden Mariä begangen, die da sind: ihre Keuschheit, Klugheit, Demut, Glauben, Andacht, Gehorsam, Armut, Geduld, Liebe, Mitleiden.

 

Andacht am 4. Februar:

 

Das Thema im Februar:

Von der Demut

"Wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden." (Lukas 14,11)

 

"Die Demut ist notwendig, nicht nur Tugenden zu erlangen, sondern auch um selig zu werden. Denn Christus sprach: Die Pforte des Himmels ist eng; und nur die Kleinen, nämlich die Demütigen, können durch sie eingehen!" (Der heilige Bernard)

Der heilige Philipp Neri pflegte zu sagen: "Die Seitenwunde Christi ist wohl sehr groß; erbarmt Er sich aber nicht meiner, so werde ich sie um ein Gutes vergrößern." Jeden Morgen bat er den Herrn: "Behüte mich, Herr, an diesem Tag; denn so Du mich nicht behütest, werde ich Verrat begehen an Dir, und irgend eine schwere Sünde auf mich laden." So oft er dass Haus verließ, in dem er wohnte, sprach er zu Gott: "Bewahre mich unter Deinem Schutz; sonst gehe ich als ein Christ aus, und kehre als ein Heide zurück."

Eine sehr fromme Seele sprach: "Ist es nicht klar und offenbar, dass wir nichts sind, nichts vermögen, und in großem Elend befangen liegen? Können wir je unsere Sünden aus den Augen verlieren, und uns genug demütigen? Muss etwa, wer eine Wunde an seinem Leib hat, die ihn schmerzt, erst nachdenken, dass er diese Wunde hat? Ach, er sieht und fühlt sie ja!"

 

Herr, der Du die Stolzen hasst, den Demütigen aber Deine Gnade gibst, verleihe mir vor allem die Demut; denn ohne sie beleidige ich Dich ohne Unterlass und gehe rettungslos verloren! Amen. 

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 4. Februar

 

"Du wirst ein großer Monarch sein,

wenn du deine Zunge zu beherrschen weißt."

 

gottsel. Ludwig von Granada OP

1504 bis 31.12.1588

 

Betrachtung am 4. Februar - Meide den Umgang mit Bösen

 

O lass mich, Jesus, von dir lernen

Mich unbefleckt erhalten in der Welt;

Und wachsam von dem Netze mich entfernen,

Das überall die Feinde aufgestellt.

 

1. Wenn dein ewiges Heil dir am Herzen liegt, so sei wachsam, allen näheren Umgang mit verkehrten und lasterhaften Menschen zu meiden. Denn nicht nur schadest du dadurch deinem guten Ruf bei allen Guten, sondern du selbst auch wirst bald werden wie diejenigen, mit denen du umgehst. Das Böse ist seiner Natur nach ansteckend, und wird leichter als das Gute angenommen. Denn unser eigenes Herz ist heimlich dazu geneigt, und es gelüstet ihm gern nach Verbotenem. Kein Kranker wird gesund, weil er mit Gesunden umgeht, aber gar leicht wird krank, wer viel mit Kranken umgeht.

 

2. Kein Verworfener ist in der ewigen Verdammnis, der nicht klagte, das böse Beispiel habe ihn dahin gebracht. Wer auch kann je lange unter unkeuschen Menschen sich rein erhalten? Wer lange mit Aussätzigen zusammen leben, ohne selbst aussätzig zu werden? Gern ahmt man solchen nach, die man achtet, und verlernt unter ihnen allmählich den Abscheu vor den Bösen, bis man zuletzt schlimmer wird als sie. Wie viele, die nichts weniger dachten, haben auf diese Weise Glauben und Sitten verloren. Wären also solche Menschen dir auch lieb wie deine Augen, notwendig wie deine Hände, nützlich wie deine Füße, so ermahnt dich dennoch der Herr, sie abzusondern und zu entfernen, wenn du nicht willst in das ewige Feuer geworfen werden.

 

3. Fürchte dich nicht, solchen zu missfallen, die Gott missfallen. Meide diejenigen, die von Gott sich entfernen, und von denen Gott sich entfernt. Beleidige die Gnade Gottes nicht dadurch, dass du in die Gefahr dich begibst, sie zu verlieren, denn die Gelegenheit ist eine mächtige Feindin, und viele fanden darin den Tod ihrer Seele. Wir selbst geben dem Feind Waffen gegen uns in die Hände, denn er ist nur stark durch unsere Schwäche, oder vielmehr durch unsere Vermessenheit. Wenig vermag er über uns, wenn wir nicht selbst in die Schlinge gingen, die er durch die Gelegenheit uns gibt. Jesus Sirach 13,1+13: "Wer Pech anrührt, dem klebt es an der Hand; wer mit einen Zuchtlosen umgeht, nimmt seine Art an. Gib acht, und sei vorsichtig, geh nicht mit gewalttätigen Menschen!" 

 

5. Februar

 

Die heilige Adelheid von Villich, Äbtissin von St. Maria in Köln,

+ 5.2.1015 - Fest: 5. Februar

 

Nach Aussage der Feinde unserer heiligen Kirche herrschte im Mittelalter dunkle Nacht über Deutschlands Ländern. Wir sehen aber in dieser angeblichen Finsternis so viele glänzende Sterne am Himmel der katholischen Kirche, dass wir mit Bewunderung und inniger Freude zu ihnen aufschauen. Insbesondere begegnen uns aus den höheren und höchsten Ständen wissenschaftlich und religiös gebildete Frauen und Männer, die der Welt Lebewohl sagten und hinter stillen Klostermauern nach höherer Vollkommenheit strebten.

 

Auch Adelheid, die Tochter des Grafen Megengoz von Geldern, schätzte schon in früher Jugend die Reichtümer und Eitelkeiten der Welt gering, und strebte nach nichts so sehr, als das Gewand der Unschuld rein zu bewahren, mit dem die Verklärten im Himmel dem Lamm folgen, wohin es geht. Zur Jungfrau herangereift, nahm sie den Schleier im Kloster zu St. Ursula in Köln. Wegen ihrer ausgezeichneten Tugenden erwählte man sie bald zur Äbtissin. Als ihre Schwester, die Äbtissin des Klosters zu St. Maria im Kapitol zu Köln, starb, musste sie auf Befehl des Erzbischofs auch die Verwaltung dieses Stiftes übernehmen. Ihr einziger Bruder wurde ebenfalls von Tod hingerafft. Die tiefbetrübten Eltern erbauten nun zu Villich bei Bonn eine ansehnliche Kirche nebst Kloster und beriefen ihre Tochter dorthin.

 

Hatte Adelheid bisher nach der Klosterregel des heiligen Hieronymus gelebt, so führte sie in dem neuen Kloster die Regel des heiligen Benedikt ein, weil ihr diese schärfer und vollkommener erschien. Viele fromme Jungfrauen schlossen sich ihr an, erbauten sich an dem musterhaften Leben ihrer Vorsteherin und wetteiferten mit ihr in Fasten, Gebet und gottseligen Werken.

 

In ihrer Stellung als Vorsteherin des Klosters leuchtete Adelheid allen Ordensschwestern durch ihre Vollkommenheit vor und hegte zu ihnen eine so fürsorgliche Liebe für ihr geistiges und leibliches Wohlergehen, dass alle freudig ihren Anordnungen und Ratschlägen folgten. Ihre Lebensbeschreiberin, die Nonne Bertha, zeichnet das hochherzige und gottgefällige Leben der heiligen Adelheid in kurzen Zügen so: „Da die hl. Jungfrau nach dem Tod ihres Vaters mit ihrem Eigentum frei schalten und walten konnte, so sorgte sie besonders dafür, dass keine Nonne durch irgend eine Not abgehalten würde, den Weg der Tugend zu gehen und die Satzungen des hl. Vaters Benedikt zu erfüllen. Sie tat alles, was eine Mutter tun konnte; sie verschaffte ihnen alles Notwendige, Kleidung und Nahrung, damit ihre Untergebenen in nichts Schaden litten. Zur Winterszeit, nach vollendetem Frühchorgebet, ging sie wieder in das Schlafzimmer zurück, besah fleißig die Betten der Mädchen und sorgte selbst zugleich, dass sie gehörig erwärmt wurden. Den kranken Schwestern erzeigte sie besondere Liebe und Sorgfalt. Diese vertraute sie nach den Ordenssatzungen nicht nur erfahrenen und zuverlässigen Schwestern an, sondern sah auch, wenn sie nicht gerade verhindert war, selbst nach, kniete vor ihre Betten hin, ordnete die Kissen und reichte ihnen freundlich Arzneien und Speisen. Dabei wurde sie von solchem Mitleid erregt, dass ihr die Tränen über die Wangen herabflossen, als ob sie die Mutter der Kranken gewesen wäre. Ihre größte Sorge war, die Kranken durch geistliche Gespräche zur Geduld und Ergebung in Gottes Willen aufzumuntern.“

 

Ihre barmherzige Liebe und mütterliche Sorgfalt beschränkte sich aber nicht auf die Nonnen ihres Klosters, vielmehr dehnte sie auch auf die Kranken und Armen der Nachbarschaft ihre wohlwollende und werktätige Liebe aus. Täglich ließ sie fünfzehn Armen außerhalb des Klosters Nahrung reichen, sorgte aber zudem noch für alle, deren Hilfsbedürftigkeit ihr bekannt wurde. Man verehrte sie deshalb allgemein als die gute Mutter der Armen. Damit sie auch nach ihrem Tod ihre Nächstenliebe fortsetzen könne, bestimmte sie zum Unterhalt von mindestens fünfzehn Notleidenden ein Landgut, das ihr durch Erbschaft zugefallen war.

 

Viele Jahre hatte die heilige Adelheid ihrem Kloster vorgestanden und einen reichen Schatz von Verdiensten für die Ewigkeit gewonnen, als ihr Gott in einer schmerzlichen Halskrankheit ihre baldige Befreiung von den Banden des Fleisches ankündigte. Mit großer Andacht empfing sie die heiligen Sterbesakramente, erweckte fromme Tugendübungen und verschied im Kloster St. Maria zu Köln im Jahr 1015, am 5. Februar. Die Klosterfrauen zu Villich baten den Erzbischof dringend, ihnen den Leib ihrer heiligen Äbtissin verabfolgen zu lassen, was er bereitwillig gestattete. Ihr Fest wird dort mit Oktav gefeiert.  

 

Die heilige Agatha, Jungfrau und Martyrin zu Catania, Sizilien,

+ 5.2.251 - Fest: 5. Februar

       

Wenige Martyrer sind berühmter als die heilige Agatha. Die Kirche begeht ihr Andenken sogar täglich im 1. Hochgebet der heiligen Messe.

 

Agatha war die Tochter sehr vornehmer Eltern. Sie besaßen große Reichtümer. Die ältesten Geschichten über sie erzählen, dass sie eine wunderschöne und sehr kluge Frau gewesen ist. Früh schon lernte sie den kostbaren Schatz des Christentums kennen und lieben, sie stand sogar in dem Ruf der christlichen Vollkommenheit. Zu dieser Zeit regierte Kaiser Dezius das Römische Reich und verfolgte durch noch strengere Gesetze die Christen. Da die kaiserlichen Statthalter diese Gesetze mit unmenschlicher Strenge ausführten, wurde viel kostbares Blut der Heiligen vergossen. Über Sizilien, wo Agatha lebte, war Quintianus zum Statthalter gesetzt worden. Sobald der Befehl zur Christenverfolgung erschien, begab er sich nach Katana, um da seine Untersuchungen zu beginnen. Bald bekam er heraus, wer Agatha war, dass sie eine Christin war und zugleich reich, vornehm und außerordentlich schön. Diese Vorzüge reizten den Statthalter Quintianus so sehr, dass er Agatha für sich gewinnen wollte. Er gab sich alle Mühe, die heilige Agatha in seine Gewalt zu bringen. Durch Verrat wurde ihr Aufenthalt entdeckt und sie musste vor ihm erscheinen. Der Anblick der jungen Frau betörte ihn vollends, so dass er sich nicht lange zurückhielt und ihr entsprechende Anträge machte. Die Heilige antworte ernst und entschlossen: „Ich werde weder dir noch dem Kaiser gehören!“ Quintianus wollte noch keine Gewalt anwenden, sondern verordnete, dass sie in das Haus der Aphrosia abgeführt würde. Diese war die berüchtigste Kupplerin des Ortes und verdiente sich dadurch ihren Unterhalt. Quintianus versprach ihr reiche Belohnung, wenn sie Agatha durch Geschenke und Versprechungen, und wenn das nicht fruchtet, durch Drohungen vom Christentum abbringen und ihn als Liebhaber empfehlen würde.

 

Dreißig Tage lang hatte die heilige Agatha den Kampf gegen diese wahrhaft teuflische Verführung zu bestehen. Aber vergebens: Weder Bitten noch Drohungen vermochten etwas auszurichten. „Mein Leben“, sprach sie zu der Verführerin, „ist auf einem Felsen gegründet, und dieser Fels ist Christus. Eure Worte sind Wind, eure Liebkosungen Regenschauer, eure Drohungen wilde Wasser; sie bestürmen das Fundament meines Glaubens, aber sie vermögen nicht das selbige zu erschüttern.“ Tag und Nacht betete sie und bat Gott mit Tränen, dass er sie für würdig halten möge, die Palme des Martyriums zu erringen.

 

Als die Kupplerin alle Versuche, den Felsensinn der jungen Frau zu erschüttern, scheitern sah, sprach sie zu Quintianus: „Entlasse mich aus diesem Auftrag, mit dem du mich belastet hast; leichter ist es den Marmor flüssig zu machen und das Eisen wie Blei zu biegen, als dieser Christin den Kopf zu brechen.“

 

Die Liebe des Statthalters verwandelte sich nun in bitteren Zorn. Er ließ Agatha vorführen, setzte sich auf den Richterstuhl, und hielt das öffentliche Verhör. „Wessen Standes bist du?“ fragte er sie. Die Heilige antwortete: „Ich bin eine Freie, eine Reiche, eine Edle.“ Der Richter sprach: „Wenn du frei, reich und edel bist, warum beträgst und kleidest du dich wie eine niedrige Sklavin?“ Agatha erwiderte: „Weil ich eine Magd Christi bin.“ „Wenn du frei geboren und vornehm bist, wie kannst du dich eine Magd nennen?“ fragte der Statthalter; und Agatha antwortete: „Christi Dienstbarkeit ist eben die wahre Freiheit, und übertrifft weit den Reichtum, den Hochmut und den Übermut der Könige.“ Quintianus sprach: „Wie, sind wir also nicht frei, die wir den Dienst Christi verachten und die Götter ehren?“ Agatha sagte: „Eure Freiheit führt euch zu einer solchen Knechtschaft, dass ihr nicht bloß Sklaven der Sünde, sondern dem Holz und den Steinen unterwürfig werdet.“ Sehr zornig sprach der Statthalter: „Wähle von Zweien Eines: entweder opfere den Göttern, oder sei der härtesten Marter gewärtig!“ Darauf antwortete sie: „Mögest du sein wie dein Gott Jupiter, und deine Frau wie deine Göttin Venus!“ „Wie“, rief der Statthalter, „darfst du den Richter des Volkes schmähen?“ und befahl den Dienern, sie ins Gesicht zu schlagen. Als das geschehen war, sprach Agatha: „Also mein Wunsch schien dir eine Schmähung? Was müssen das für Götter sein, mit welchen verglichen zu werden du dich schämst!“ Quintianus versetzte: „Spare die unnützen Worte; entweder opfere oder leide!“ Unerschrocken antwortete Agatha: „Lass nur deine Bestien auf mich los, durch Christi Namen will ich sie bändigen. Wirf mich in das Feuer, der Tau des Himmels wird die Flamme löschen. Spanne mich auf die Folterbank, der Geist, der mich beseelt, ist ein Geist der Kraft, der Zucht und der Liebe. Schlage mich mit Geißeln, mein Gott kann mich wohl deinen Händen entreißen.“ Quintianus, der vor dem Volk die Beschämung fürchtete, ließ sie ins Gefängnis führen, um sich da eines Besseren zu besinnen. Dahin aber ging sie freudig, wie sonst ein Mädchen zum Tanz geht.

 

Am folgenden Tag ließ der Statthalter sie wieder vor sich rufen, und sprach zu ihr: „Was hast du zu deinem Heil beschlossen?“ „Mein Heil ist Christus!“ antwortete sie. Darauf sagte Quintianus: „Wie lange willst du, Unglückliche, auf deinen törichten Sinn beharren? Verleugne Christus, ehre die Götter, bedenke deine Jugend, damit du nicht durch einen grausamen Tod zu Grunde gehst!“ Agatha erwiderte: „Verleugne vielmehr du deine Götter, die weiter nichts als Holz und Stein sind, und bete an den wahren Gott, deinen Schöpfer, dem du dein Dasein verdankst. Wenn du diesen verachtest, so werden die schwersten Strafen und ewiges Feuer dein Los sein.“ Quintianus war über diese Rede sehr erbittert. In der Hitze seines Zorns ließ er die standhafte Bekennerin auf die Folterbank legen und sie da auf die grausamste Weise quälen durch gewaltsames Auseinanderzerren der Glieder, durch Rutenstreiche, durch eiserne Hacken, mit denen ihre Seiten zerfleischt, und durch brennende Fackeln, mit denen sie gebrannt wurden. Während dessen redete er ihr beständig zu, dass sie Christus verleugnen und so ihr Leben erhalten sollte. Allein auch in diesen schrecklichen Martern verlor die heilige Agatha ihren freudigen Mut nicht. Sie rief jauchzend: „Heil mir! So ist dem zu Mute, der eine frohe Botschaft vernimmt; wie einer, der auf einmal den sieht, welchen er schon lange mit heißer Sehnsucht erwartet hat, oder wie der, der unvermutet einen großen Schatz findet, freue ich mich, dass ich dieser vergänglichen Leiden gewürdigt werde. Mag doch der Weizen nicht in die Scheune gesammelt werden, bis die Ähre auf der Tenne zertreten, und das Korn von jeder Spreu gereinigt wurde. Ebenso kann auch meine Seele mit der herrlichen Marterkrone nicht eingehen in das himmlische Paradies, wenn du nicht meinen Körper durch viele Plagen peinigen lässt.“ Den Richter verdross diese Freudigkeit. Nicht um der Marter ein Ende zu machen, sondern um sie noch grausamer fortzusetzen, ließ der Unmensch sie von der Folterbank wegnehmen, und einen Befehl geben, den man nicht ohne Grauen erzählen und hören kann. Er befahl nämlich in seiner unsinnigen Wut, sie an eine Säule anzubinden und ihr die Brüste wegzureißen. Mit bewunderungswürdigem Mut erlitt Agatha diese grausame Tat. „Gottloser, unmenschlicher Tyrann! So ist dir nicht einmal jener Ort mehr heilig, an welchem deine Mutter dich genährt hat? Doch ich habe in meiner Seele noch andere Nahrungsquellen, die du nicht verletzen kannst, durch die alle meine Sinne, die ich von Jugend auf Jesus Christus gewidmet habe, genährt und gekräftigt werden.“ Sie deutete auf den Glauben, die Zuversicht und die Gnade. Jetzt wurde sie ins Gefängnis zurück gebracht und das Verbot gegeben, dass ihr keine Nahrung und kein Wasser, noch viel weniger eine Linderung ihrer Schmerzen durch Arzneimittel zugelassen werden sollen.

 

Um Mitternacht öffneten sich die Türen des Kerkers mit hellem Glanz. Es trat ein Greis herein. Vor ihm ging ein Junge und trug eine brennende Kerze. Er selbst trug einen köstlichen Balsam in einer goldenen Büchse. Nachdem der Greis Agatha mit großer Freundlichkeit begrüßt hatte, sprach er zu ihr: „Liebe Tochter! zwar hat der Statthalter dich mit schlimmer Pein gequält und geängstigt! Du aber hast ihm noch heftigere Qualen und Angst gemacht durch deine Reden. Seine Wunden werden ewig bluten, die deinen aber komme ich zu heilen.“ Agatha sprach: „Bis jetzt habe ich der leiblichen Arznei nie bedurft; ich brauche sie auch heute nicht. Habe dank für deinen guten Willen!“ Der Greis sprach: „Warum willst du mir nicht erlauben, dich zu heilen?“ Sie antwortete: „Will mein Herr Christus, dass ich gesund werde, so kostet es ihn nur ein Wort.“ Lächelnd sprach nun der ehrwürdige Greis: „Ich bin sein Apostel, und im Namen unseres Herrn gebiete ich dir, dass du gesund wirst.“ Und augenblicklich verschwand er. Und siehe, Agatha war vollkommen geheilt. Mächtig gestärkt an Geist und Seele und mit ganz unverletztem Körper stand sie da, freute sich dankend, und pries Gott für diese Gnade, die er an ihr getan hatte. Die Wache des Gefängnisses war durch die Erscheinung des himmlischen Lichtes in solches Staunen und in so großen Schrecken versetzt, dass die Gefangene ungehindert aus dem Gefängnis hätte entweichen können. Allein sie wollte die nahe Marterkrone nicht verlieren.

 

Quintianus erfuhr, was mit Agatha im Kerker vorgegangen war. Er war aber zu sehr verblendet, als dass er daran die Macht des einzig wahren Gottes erkannt hätte. Vielmehr schrieb er die Erhaltung und die so wundervolle Heilung Agathas den Zauberkünsten zu, deren die Christen immer beschuldigt wurden. Nach vier Tagen ließ er sie wieder vor sein Gericht stellen und forderte sie auch diesmal auf, von ihrer Torheit abzulassen und den Göttern zu opfern, wenn sie nicht noch schrecklichere Marter erdulden wolle. Agatha antwortete ihm: „All dein Zureden ist eitel und fruchtlos, es ist gottlos und beleidigend. Unglücklicher! Wie kannst du doch so unverständig sein? Wie sollte ich wohl Stein zu meiner Hilfe anrufen und nicht vielmehr den höchsten und einzig wahren Gott, der mich von allen Wunden, die du mir schlagen ließest, so wundervoll befreit hat?“ „Wer hat dich geheilt?“ fragte der Statthalter. Agatha sprach: „Christus, der Sohn Gottes.“ Der Statthalter sagte: „Höre auf Christus zu bekennen, dessen Namen zu hören mir unerträglich ist.“ Agatha erwiderte: „Diesen Namen will ich mit Herz und Mund bekennen und preisen so lange ich lebe.“ Darauf sprach der zornige Richter: „Ich will doch sehen, ob dieser dein Herr Christus dir wird helfen können,“ und ließ jetzt in seiner rasenden Erbitterung allerlei spitze Scherben auf dem Boden ausbreiten, glühende Kohlen darunter mischen und Agatha entkleidet darauf herumwälzen. Gott stärkte sie auch in dieser sehr schmerzhaften Qual. Während diese unmenschlichen Martern an Agatha vollzogen wurden, erfolgte ein plötzliches Erdbeben. Die ganze Stadt wurde erschüttert und eine baufällige Mauer, die an den Richtplatz grenzte, stürzte ein und begrub zwei böse Ratgeber des Quintianus unter ihrem Schutt. Das Volk stürmte herbei und schrie: „Lass ab von dieser, du ungerechter Richter; die Götter rächen die Unschuld!“ So befahl er, sie in das Gefängnis zurückzuführen, und verbarg sich selbst, um der Wut des zornigen Volkes zu entkommen.

 

Kaum war die Heilige wieder im Gefängnis, als sie ihre Hände zum Himmel erhob und betete: „Herr, mein Schöpfer! mein Schutz und meine Stärke von Jugend an, der du alle böse Neigung aus meinem Herzen vertilgt und meinen Leib unversehrt bewahrt hast, der du mir in den Martern die Gnade großer Geduld und den Sieg über die Wut grausamer Henkersknechte, über die Schrecken des Kerkers und des Feuers verliehen hast, zu dir flehe ich, dass du meinen Geist aufnehmest, denn der Augenblick ist jetzt da, dass ich die Erde verlasse und zu dir, Barmherziger, kommen werde.“ Also gab sie betend ihren Geist auf im Jahr nach Christi Geburt: zweihundertdreiundfünfzig.

 

Sobald es bekannt wurde, dass die heilige Jungfrau gestorben sei, kamen die Christen, trugen die heilige Leiche heraus, und ordneten alles zu einem anständigen Begräbnis. Fromme Frauen salbten den Leichnam mit köstlichen Spezereien. Als sie ihn mit großer Ehrerbietung in das Grab legten, sah man einen jungen Mann, umgeben von einer Schar lieblicher Kinder, auf das Grab zugehen. Herrlich und majestätisch war er gekleidet. Die Kinder waren alle mit glänzendweißen Gewändern angetan und trugen Kränze auf dem Haupt. Der junge Mann trat zu dem Sarg und nachdem er zu dessen Haupt eine Tafel aus Marmor befestigt hatte, verschwand er mit seinem ganzen Gefolge. Auf der Tafel aber standen die Worte: „Mentem sanctam, + spontanam, honorem Deo + et Patriä liberationem.“

 

Es ist fromme Gewohnheit, diese lateinischen Worte auf ein Papier zu schreiben, dieses segnen zu lassen und aufzubewahren. Diese Worte, welche eine sehr passende Grabinschrift für die heilige Agatha sind, heißen: „Ein heiliges, leitsames Gemüt zur Ehre Gottes und Befreiung des Vaterlandes.“ Halten wir also lieber Glauben und Treue unserem Gott, lassen uns leiten durch das göttliche Gesetz, sind eifrig im Dienst Gottes und wagen Leib und Leben zur Erhaltung des wahren Glaubens, suchen nicht eigennützig bloß unseren Vorteil, sondern auch den Nutzen unserer Mitchristen, dann verdienen wir über unserem Grab die Aufschrift: Hier ruht die irdische Hülle eines Christen, der ein heiliges und lenksames Gemüt hatte, Gott zur Verherrlichung und seinem Land zum Heil.

 

Gott verherrlichte seine Dienerin Agatha durch viele Wunder, die er bei ihrem Grab geschehen ließ.

 

Quintianus gierte nun nach den Gütern der getöteten Agatha. Seiner ungerechten Habsucht sollte seine Grausamkeit zu Hilfe kommen. Er ließ nichts unversucht, die nächsten Verwandten der heiligen Agatha aufzusuchen und aus dem Weg zu räumen. Allein Gottes strafende Gerechtigkeit machte seinen Grausamen Umtrieben bald ein Ende. Als er nämlich in dieser Angelegenheit ausgeritten war und über einen Fluss übersetzen wollte, stürzte er ins Wasser, in dem er seinen durch unzählige Ausschweifungen gezeichneten Geist aushauchte.

 

Ein Jahr nach dem Martertod der heiligen Agatha hat der Berg Ätna mit solcher Gewalt Feuer ausgespien und so viel Lava ausgeworfen, dass die Stadt Katana in die größte Gefahr kam zu Grunde zu gehen. In dieser schrecklichen Not haben einige ein bei dem Grab der heiligen Jungfrau befindliches Tuch genommen und es dem Lavastrom entgegen gehalten. Dadurch sei dem Strom sogleich Einhalt geschehen und die Stadt vor dem drohenden Untergang gerettet worden. Auf diese Begebenheit hin gründete sich der Brauch, die heilige Agatha in Feuersgefahr um ihre besondere Fürbitte anzusprechen, wobei der Christ jedoch nie vergessen soll, dass die Hilfe selbst nur vom Herrn kommt.

 

Die am jährlichen Gedächtnistag der heiligen Agatha in der katholischen Kirche übliche Brotweihe soll uns daran erinnern, dass wir das liebe Brot und alle anderen Speisen und Getränke mit herzlichem Dank an Gott und mit christlicher Mäßigkeit genießen und gern auch unseren dürftigen Brüdern und Schwestern etwas davon mitteilen sollen, so dass durch den Genuss der irdischen Gaben unsere geistliche Vervollkommnung befördert und vermehrt werde.  

 

Der heilige Isidor, Soldat und Martyrer von Alexandria,

+ 249-251 – Fest: 5. Februar

 

Der heilige Isidor, in Alexandria geboren, war Soldat im Kriegsheer des Kaisers Decius zu jenem schrecklichen Zeitpunkt, als dieser heidnische Tyrann die Kirche Jesu mit Feuer und Schwert verfolgte. Isidor linderte, so viel er konnte, das traurige Schicksal der Gläubigen, besuchte sie in den Gefängnissen, sprach ihnen Mut zu während ihrer Leiden und beerdigte ihre Leichname. Dadurch wurde er des Christentums verdächtig und sein Hauptmann Julius, ein eifriger Götzendiener, verklagte ihn bei dem Obersten Numerius, der wegen seiner Grausamkeit der Liebling des Kaisers war. Als die Kriegsflotte, auf der sich Isidor befand, auf der Insel Chios im ägäischen Meer gelandet hatte, berief Numerius den christlichen Soldaten vor sein Gericht und fragte ihn nach seinem Glauben. Er bekannte freimütig, dass er den wahren Gott anbete und Götzen, von Menschenhänden gemacht, verachte. Darüber geriet der heidnische Oberst in Wut und sprach: „Du bist deines Lebens überdrüssig; denn dein Bekenntnis verdient die heftigsten Strafen und den Tod auf der Folter.“ Der christliche Bekenner erwiderte ihm: „O wie freue ich mich, dass ich es würdig bin, für die Ehre meines Gottes und Jesus Martern und den Tod zu leiden! Doch frohlocke nicht, Tyrann! Denn nur meinen Körper kannst du peinigen, meine unsterbliche Seele aber nicht. Zaudere also nicht und wende alle Qualen an, diesen hinfälligen Leib zu vernichten.“ Auf diese Worte befahl Numerius seinen Henkern, ihm die Zunge herauszureißen, seinen Körper auf der Folter auszudehnen und ihn unmenschlich zu zerfleischen. Die anwesenden Heiden überfiel ein Schauder bei dem Anblick dieser grässlichen Marter und sie hatten Mitleid mit dem Unglücklichen und baten ihn, den Göttern zu opfern und sich so einem gewalttätigen Tod zu entziehen. Aber Isidor erhob seine Augen und Hände zum Himmel empor und flehte um Standhaftigkeit, um sein Opfer zur Verherrlichung Jesu, seines Erlösers, vollenden zu können; und da sein Mut durch die heftigen Qualen nicht erschüttert werden konnte, sprach ihm der Richter das Todesurteil. Er wurde also auf den Richtplatz geführt, wo er sich vorher auf die Knie warf, Gott seine Seele empfahl und dann freudig dem Henker seinen Hals darbot, der ihn enthauptete am 5. Februar im Jahr 253. Sein Körper sollte auf den Befehl des Numerius den wilden Tieren preisgegeben werden. Aber Amonius, ein Christ und der innigste Freund des heiligen Martyrers, entriss ihn der Schande und beerdigte ihn in der Nähe der Richtstätte.

 

Nachdem die Verfolgung ein Ende hatte, erhoben die christlichen Bürger von Chios auf den Rat der frommen Frau Mirope den Leichnam des heiligen Isidors und erbauten ihm eine Kirche, in der er solange aufbewahrt wurde, bis Marcianus das prächtige Gotteshaus zu Ehren der heiligen Irene und Anastasia vollendet hatte, wohin er auch die Reliquien Isidors als einen kostbaren Schatz brachte. 

 

Der heilige Avitus von Vienne, Bischof und Bekenner,

+ 5.2.525 – Fest: 5. Februar

 

Dieser Heilige wurde in Auvergne in einer Senatorenfamilie von Rom geboren. Im Jahr 490 folgte er seinem Vater nach, dem Isychius, den man nach dem Tod des heiligen Mammert, auf den bischöflichen Stuhl von Vienne erhoben hatte. Wir finden in der Lebensgeschichte des heiligen Epiphanius aus Pavia, die Ennodius geschrieben hat, dass Avitus einen Schatz von Kenntnissen und Frömmigkeit besaß, und dass er eine große Anzahl Gefangener, die die Burgunder aus Ligurien fortgeführt hatten, loskaufte. Seine ausgezeichnete Tugend erwarb ihm die Verehrung Clodwigs, des Königs der Franken, und Gundebalds, des Königs von Burgund, obgleich der erste noch ein Götzendiener, und der zweite von der arianischen Ketzerei angesteckt war. Unser Heiliger hatte zu Lyon eine Unterredung mit den arianischen Bischöfen, die er gänzlich widerlegte und zum Stillschweigen brachte. Der König von Burgund, der auch dem Treffen beiwohnte, wurde durch den Triumph des katholischen Glaubens so sehr ergriffen, dass er ihn alsbald würde angenommen haben, wenn er sich nicht gefürchtet hätte, seine Untertanen gegen sich aufzubringen. Sigismund, der Sohn und Nachfolger Gundebalds, hatte mehr Mut als sein Vater. Er gab den inständigen Bitten des heiligen Avitus nach, der ihn drängte, der arianischen Ketzerei abzuschwören. Als dieser Fürst seine Hände mit dem Blut Siegrichs, seines Sohnes, befleckt hatte, der von seiner Stiefmutter fälschlich eines Verbrechens angeklagt worden war, stellte ihm unser Heiliger die ganze Strafwürdigkeit seines Betragens vor und erweckte mit ihm wahre Gesinnungen der Reue. Er erbaute wieder die Abtei von Agaunum, später St. Maurice genannt, trat selbst in den Klosterstand, und starb im Ruf der Heiligkeit. Im Jahr 517 hatte der heilige Avitus bei dem berühmten Konzil von Epauna den Vorsitz, wo man 40 Canons über die Kirchenzucht abfasste, und starb 525. Seinen Namen findet man im römischen Martyrologium. In der Kirche zu Unserer Lieben Frau von Vienne, wo er auch begraben liegt, feiert man sein Andenken am 20. August. Der heilige Avitus hat mehrere Werke verfasst, von denen uns einige erhalten geblieben sind. 

 

Der heilige Bertulf von Renty, Abt in Artois, Belgien,

+ 5.2.705 – Fest: 5. Februar

 

Der heilige Bertulf wurde in Deutschland von wenig bemittelten und dazu noch heidnischen Eltern geboren. Die Furcht, von dem Strom des Verderbens, das in seinem Vaterland herrschte, hingerissen zu werden, bewog ihn, sich in die Diözese von Terouane zurückzuziehen, wo er, nach erhaltenem Unterricht in der christlichen Religion, die Taufe empfing. Als im später der fromme Graf Wambert die Verwaltung seiner Güter anvertraute, stand er diesem Amt mit ebenso unbestechlicher Rechtschaffenheit als auch Klugheit vor. Dieser Edelmann erwies ihm bald große Hochachtung und sah ihn nicht mehr als seinen Diener, sondern als seinen Freund und eigenen Sohn an. In einer feierlichen Schenkungsurkunde vermachte er ihm sein Landgut von Renty. Der Heilige aber nahm es nur unter der Bedingung an, dass er dort eine Ordensgenossenschaft einsetze, deren Leitung er, obgleich er ein Laie war, übernahm. Allen gegenüber, die er aufgenommen hatte, erzeigte er sich als gütiger Vater und gab ihnen bei jeder Gelegenheit Beweise seiner aufrichtigen Zärtlichkeit. Seine Liebe zu den Armen war sehr groß. In einem vorzüglichen Grad besaß er auch den Geist des Gebetes und der Abtötung. Er starb am 5. Februar im Jahr 705. Seine Reliquien, die die Calvinisten später verbrannten, wurden mehrere Male versetzt. Man glaubt jedoch, dass ein Teil davon später noch in der Abteikirche des heiligen Petrus zu Gent sich befand.

 

Der heilige Vodoalus-Gudwal, Rekluse bei Soissons,

+ 5.2.720 – Fest: 5. Februar

 

Der heilige Vodoal, sonst auch heiliger Voel oder Voe, mit dem Beinamen Benedict, Einsiedler zu Soissons, stammte aus dem Land der Pikten in Schottland. Er verließ sein Vaterland, um Gott ungestörter zu dienen. Er durchwanderte mehrere Provinzen Frankreichs und widmete seine Beredsamkeit dem Unterricht des Volkes. Als er nach Soissons kam, ließ er sich dort in einem kleinen Haus nieder, das ihm die Äbtissin des Klosters zu Unserer Lieben Frau gegeben hatte. Da lebte er als Klausner, ging sonst nie aus, als um die heilige Messe zu lesen, oder dem Nächsten einen Dienst zu erweisen. Er machte sich zur Pflicht, ein strenges Stillschweigen zu beobachten, und alle Übungen, die bei den wahren Einsiedlern gebräuchlich sind, zu befolgen. Da später die Äbtissin zu Unserer Lieben Frau, die für seinen nötigen Unterhalt seither gesorgt hatte, sich gegen ihn hatte einnehmen lassen, fasste er den Entschluss, wieder nach Schottland zurückzukehren. Gott aber vereitelte seine geplante Reise. Er kehrte daher wieder nach Soissons zurück, wo er in seiner bisherigen Lebensweise zurückkehrte. Er starb im Jahr 720, am 5. Februar, und wurde in der Kirche zum heiligen Kreuz, die auf dem Kirchhof der Nonnen war, begraben.

 

Bei seinem Grab geschahen mehrere Wunder und man betete zu ihm in den Litaneien des 8. Jahrhunderts um seine Fürbitte. In den meisten neueren Martyrologien wird der Heilige am 5. Februar erwähnt. Sein Leib wird zu Unserer Lieben Frau in Soissons aufbewahrt. Man hatte auch einige Teile seiner Reliquien bei den Nonnen Pont-aux-Dames in der Diözese Meaux und bei denen von Val-de-Grace zu Paris. 

  

Gebet am 5. Februar

 

O Maria, hilf uns streiten,

Uns die Siegeskron bereiten;

Steh uns gnädig bei im Sterben,

Hilf, dass wir den Himmel erben!

 

Zu Gott auf die Fürbitte der heiligen Agatha

 

O Gott, Du hast durch Deine Gnade der heiligen Agatha den Sieg über die grausamsten Martern verliehen. Gib uns auf ihre Fürbitte den Sieg über alle Hindernisse des Heils, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Von den zehn evangelischen Tugenden der seligsten Jungfrau, von denen gestern berichtet wurde, wurde heute bei den Annonciaden in Frankreich die Oktav durch ein besonderes Offizium gehalten. 

 

Andacht am 5. Februar:

 

Das Thema im Februar:

Von der Demut

"Wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden." (Lukas 14,11)

 

"Die mächtigste Waffe, den Teufel zu besiegen, ist die Demut." (Der heilige Franz von Paula)

Die heilige Theresia von Avila konnte kaum begreifen, warum die Prediger so oft von der Notwendigkeit redeten, sich zu demütigen. "Ist es denn nicht klar," so sprach sie, "dass man sich keines Dinges rühmen kann; da niemand irgend etwas Gutes hat, das nicht von Gott käme? Wie können auch je armselige Menschen stolz sein, die so vielem Elend unterworfen sind und so viele Sünden begangen haben? Wollte ich auch irgend einer Sache wegen eitel sein, ich wüsste nicht, wie mir das möglich wäre!"

Der ehrwürdige Pater Alvarez verglich die Handlungen seines Lebens einer Weintraube, an der alle Beeren verdorben sind. "Kaum finden sich," sprach er, "unter einer so großen Anzahl Werke vier oder fünf, die nicht mangelhaft wären; und wehe mir," fügte er bei, "wenn der Herr sie streng untersucht!"

Wenn der heilige Dominikus in irgend einer Stadt predigen sollte, pflegte er sich vor den Pforten dieser Stadt niederzuknien und den Herrn zu bitten, dass Er nicht seiner Sünden wegen die Einwohner mit schweren Strafen heimsuchen möchte.

Der heilige Philipp Neri riet denjenigen, deren Seelen er leitete, falls sie in irgendeinen schweren Fehler verfallen waren, zu sagen: "Wäre ich demütig gewesen, so wäre ich nicht gefallen!"

 

Herr, nichts denn ein Sünder bin ich; und wehe mir, wenn Du mich richtest, wie ich es verdiene! Von einer Sünde in die andere falle ich, wenn Deine Gnade mir nicht beständig zu Hilfe kommt. O erbarme Dich meiner nach Deiner großen Barmherzigkeit! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 5. Februar

 

"Die Seele soll sich niemals über irgend einen Kampf betrüben und niemals irgendein Gebet,

irgend eine Andachtsübung unterlassen,

wenn sie auch nichts anderes vermag,

als vor dem Kreuz zu knien und zu rufen: Jesus! Jesus!"

 

hl. Katharina von Siena OP

1347 bis 29.4.1380

 

Betrachtung am 5. Februar - Von der innerlichen Trockenheit

und der Untröstlichkeit

 

Zage nicht in Angst und Grauen;

Denn es glänzt das Kreuz des Herrn

In der Nacht als heller Stern.

Dorthin richte dein Vertrauen,

Und bald wirst du Hilfe schauen;

Denn dein Heiland ist nicht fern.

 

1. Verwundere dich nicht, wenn du im Dienst Gottes zuweilen Trockenheit erfährst, und lass darum deinen Mut nicht sinken, denn wie im Äußerlichen, also gibt es auch im Innern eine Zeit des Sommers und eine Zeit des Winters, eine Zeit des Friedens und eine Zeit des Krieges, eine Zeit des Lichtes und eine Zeit der Finsternis, und notwendig ist die Abwechslung dieser Zeiten. Gerne wärst du immer im Trost, aber wenig Verdienste erwirbt eine Seele, die nicht durch Versuchungen geprüft wird. Leuchten muss in der innerlichen Nacht ihr Glaube, zeigen muss sich in der Verlassenheit ihr Vertrauen, und in der größten Trostlosigkeit ihre Liebe.

 

2. Eine Seele, die im Licht des Trostes lebt, irrt nicht selten. Sie glaubt, sie liebt den Gott des Trostes, und liebt doch nur den Trost Gottes. Aber wenn alles anfängt ihr zu verleiden, wenn sie fühllos für menschlichen Trost, und der Himmel ihr verschlossen ist, wenn sie den Wermutkelch trinken muss, der zur Prüfung ihr vorgesetzt wird, wenn sie das Kreuz umfangen soll, bei dessen Anblick Schauder sie durchrieselt, wenn innerliche Angst und schwere dämonische Versuchungen sie bedrängen, wenn die Natur zu murren, und der Glaube zu wanken beginnt, dann zeigt sich die uneigennützige Liebe in ihrem reinsten Licht.

 

3. Ein überaus strenges Fegefeuer ist dies für heilige Seelen, aber ein Feuer, worin ihre Liebe wie das Gold geläutert wird. Alle ihre Tugenden, ja auch sich selbst hält eine solche Seele für verloren. Doch niemals ist ihr Glaube fester als in diesem Streit gegen die Anfechtungen, nie ihre Geduld standhafter als im Erdulden dieser innerlichen Pein. Sie hält sich für verlassen, aber nie ist Gott ihr näher. Er zählt alle ihre Seufzer, segnet alle ihre Kämpfe. Er hält die Kraftlose in seinen Armen, und bereitet ihrer Treue eine Krone himmlischer Vergeltung. Gleichwie der Falter aus seinem Gefängnis, also tritt auch sie neu umgewandelt ins Leben und ruft dann freudig mit dem Propheten: "Herr, nach der Fülle meiner Angst, die ich in meinem Herzen empfand, haben deine Tröstungen meine Seele erfreut." (Psalm 94)

 

6. Februar

 

Die heilige Dorothea, Jungfrau und Martyrin von Cäsarea,

+ 6.2.304 - Fest: 6. Februar

 

Am 6. Februar des Jahres 304 nach Christi Geburt erlitt die heilige Dorothea den Martertod. Vorher hatte man sie bereits wegen ihres mutigen Bekenntnisses des christlichen Glaubens auf alle mögliche Weise erfolglos gequält und drangsaliert. Zuletzt übergab man sie ihren beiden leiblichen Schwestern Christa und Kallista. Diese beiden hatten sich durch die Androhung von Folter und Pein bewegen lassen, vom Glauben abzufallen. Die beiden sollten nun auch ihre Schwester Dorothea dazu bringen, den gleichen Schritt zu tun. Das Gegenteil jedoch trat ein, denn Dorothea führte die beiden zu Christus zurück. Darauf geriet der heidnische Richter dermaßen in Wut, dass er Christa und Kallista kurzerhand hinrichten ließ.

Es herrschte strenger Winter, als dieses geschah. Heute noch heißt eine Bauernregel: „Sankt Dorothe gibt den meisten Schnee.“ So war es damals auch. Fußhoch lag der Schnee. Frostig und schneidend blies der Wind. Der Himmel war mit grauen Wolken verhangen. Öde, trostlos und leer war der Tag, an dem Dorothea das Blutzeugnis für Christus ablegte.

Um die zehnte Stunde am Morgen holten die Henker das mutige Mädchen aus dem Gefängnis und führten es auf den öffentlichen Richtplatz. Viele Leute säumten den Weg und schlossen sich dem Zug an, so dass zuletzt wohl an tausend Menschen dabei waren. Dorothea aber befand sich in fröhlicher Stimmung wie eine Braut, die am Hochzeitstag dem Bräutigam freudig entgegengeht. Im scherzenden Ton sagte sie zu den Anwesenden:

„Kalt ist die Welt und freudenleer. Deshalb bin ich von Herzen froh, dass ich in jenes Land gehen darf, wo es keinen Winter und keinen Schnee gibt, wo die Sonne nie untergeht, wo allezeit die Felder grünen, wo im Garten meines Bräutigams Lilien und Rosen immer blühen und die schönsten Früchte das ganze Jahr hindurch reifen. Wie freue ich mich doch auf das Paradies!“

So sprach Dorothea an der Richtstätte. Es war da aber ein junger und reicher Mann anwesend, der Theophilus hieß, was auf Deutsch Gottlieb bedeutet. Auch er hörte die Rede der Blutzeugin. Und beim Hören lachte er laut auf, und mit spöttischen Lippen rief er über den Platz:

„He, du schönes Mädchen, sei doch so gut und schicke mir einige Rosen und Äpfel aus dem Garten deines Bräutigams! Es sollte mich freuen, wenn du es tätest, und gern würde auch ich dir dann in dein Paradies folgen.“

Als Dorothea die Worte hörte, schaute sie den Sprecher bedeutsam an und sagte, das wolle sie wohl tun, nur müsse er dann auch zu seinem Wort stehen.

Daraufhin entfernte sich Gottlieb eiligst, um seinen Freunden zu erzählen, welch einen lustigen Scherz er eben erlebt habe. Dorothea indessen nahm die Sache sehr ernst, und bevor sie ihr Haupt auf den Richtblock legte, betete sie ein Weilchen, und da stand auch schon ein überirdisch schöner Junge neben ihr, der ihr in einem Körbchen drei prächtige Rosen und drei eben gereifte rotwangige Äpfel brachte, mitten im Winter, in Eis und Schnee. Dorothea lächelte glücklich und schickte den Himmelsboten zu Gottlieb, während sie selbst tapfer den Todeshieb empfing.

Kaum war das geschehen, da stürmte Gottlieb heran, die Rosen und die Äpfel hatten ihm die Augen geöffnet. Mutig stand er zu seinem gegebenem Wort und bekannte laut vor dem Richter und vor allem Volk, dass auch er sich zu Christus bekenne und um den Martertod bitte. Sogleich wurde ihm die Bitte erfüllt, und wenige Augenblicke später folgte Gottlieb, durch die Bluttaufe von aller Schuld gereinigt, Dorothea ins Paradies.

Die Rosen und die Äpfel in der Legende sind ein Sinnbild der Gnaden, die Gott auf die Fürbitte der Heiligen hin den Menschen schenkt.

 

Dorothea und Theophilus

 

Gleich wie ein fruchtbarer Regen

Ist der Martyrer Blut,

Und Frucht durch Gottes Segen

Reichlicher bringen tut.

 

Durch`s Kreuz die Kirche bringet,

Und wächst ohn` Unterlass,

Durch Tod zum Leben dringet,

Wer herzlich glaubet das.

 

Aus guter Zucht und Namen

Sich gute Art erschwingt;

Von Gott die Frommen kamen,

Zu Gott der Fromme dringt.

 

Ist Dorothea geboren

Von Eltern keusch und rein,

So geht sie nicht verloren,

Und bleibt sie auch allein.

 

Die Heiden wollten zwingen

Sie zur Abgötterei;

Dem Feind wollt`s nicht gelingen

Christum bekennt sie frei.

 

Ein Urteil ward gefället:

Verdient hätt` sie den Tod.

Ritterlich sie sich stellet,

Vertrauet froh auf Gott.

 

Und Theophil dem Kanzler

Dem jammert die Jungfrau sehr;

Er sprach: "O schon dein Leben,

Verlass die falsche Lehr`,

 

Und rett` dein junges Leben!"

D`rauf Dorothea spricht:

"Ein bessres wird er geben,-

Und das vergehet nicht.

 

Zum schönen Paradiese

Komm ich nach meinem Tod,

Christo zu Ehr und Preise

Steh`n da viel Röslein rot;

 

D`raus wird mir Christ mein Herre -

Machen einen Ehrenkranz;

Der Tod geliebt vielmehre,

Als so ich ging zum Tanz."

 

Das Fräulein war gerichtet,

Da klopft es an sein Haus,

Der helle Morgen lichtet,

Ein Knäblein stehet draus.

 

Geschwingt mit golnen Flügeln

Reicht`s Rosenkörbchen dar,

Verschwindet auf den Hügeln,

Von wo es kommen war.

 

Und auf den Rosenblättern

Da steht geschrieben klar:

"Mein Christus ist mein Retter,

Und er mir gnädig war;

 

Ich leb` in Freud und Wonne,

In ew`ger Herrlichkeit!" -

"Mein Irrtum ist zerronnen!"

Theophilus sagt mein Freund.

 

Bald fing er an zu preisen

Dich Christus wahren Gott,

Und ließ sich unterweisen

Wohl in des Herrn Gebot;

 

Hat heil`ge Tauf empfangen

Und Christum frei bekennt,

Zur Marter ist gegangen

Und mit der Ros` verbrennt.

 

 

Der heilige Vedastus, Einsiedler bei Toul und Bischof von Arras,

+ 6.2.540 – Fest: 6. Februar

 

Nachdem König Clodoväus in jener merkwürdigen Schlacht bei Zülpich am Rhein im Jahr 496 die Heere der Sueven und Alemannen besiegt hatte, entschloss er sich, den christlichen Glauben anzunehmen und begab sich auf seiner Rückreise nach Toul, wo ein heiliger Priester, Vedastus mit Namen, unter Gebet und himmlischen Betrachtungen ein einsames Leben führte. Bei seinem Eintritt in dessen Zelle sprach der König: „Lange schon hat mich meine fromme Gemahlin Clotilde unter Tränen beschworen, an den wahren Gott zu glauben, der ein allmächtiger Schöpfer und Gebieter Himmels und der Erde ist, und ich Tor weigerte mich, ihre Bitte zu erfüllen, und opferte den ohnmächtigen Göttern des Heidentums. Aber während der Schlacht, als meine Soldaten schon zerstreut die Flucht ergriffen, flehte ich zu dem Gott der Christen und machte das Gelübde, wenn ich siegen würde, mich nicht nur allein taufen zu lassen, sondern auch das Christentum in meinem ganzen Reich einzuführen. Bald darauf sammelte sich mein Kriegsheer wieder um mich, ich drang in die Feinde und siegte. Und nun, heiliger Mann, unterrichte mich während der Reise an mein Hoflager in den Lehren deines Glaubens, damit ich die Taufe zur Vergebung meiner Sünden empfangen möge.“ Freudig begleitete der heilige Vedastus den heilsbegierigen König und gab ihm Unterricht in den Glaubenswahrheiten, die auf sein unverdorbenes Herz umso mehr Eindruck machten, da er sie durch ein Wunder bekräftigte. Denn auf dem Weg begegnete ihnen ein blinder Mann, der unter Tränen und Heulen den Priester um Hilfe bat. Das ganze Gefolge des Königs, das aus Heiden bestand, war äußerst begierig auf den Ausgang dieses Ereignisses und der Heilige, der hier die schönste Gelegenheit sah, die Götzendiener von der Macht des wahren, lebendigen Gottes zu überzeugen, sprach im Vertrauen auf Gott: „Zeige, o Jesus, deine Gewalt, damit diese Unglücklichen aus ihrem Verderben gerettet werden!“ Bei diesen Worten machte er das heilige Kreuz über den Blinden, der sogleich geheilt wurde und freudig den Namen Jesus bekannte. Voll des sehnlichsten Verlangens, ein Christ zu werden, eilte nun der König zu dem heiligen Bischof Remigius, wo er und alle Großen und Mächtigen seines Reiches die heilige Taufe erhielten.

 

Der heilige Vedastus begab sich wieder in seine Einsamkeit zurück, die er aber im Jahr 500 verlassen musste, denn der heilige Remigius ernannte ihn zum Bischof von Arras und erteilte ihm selbst die bischöfliche Weihe. Bei seinem Einzug in die Stadt, wo noch viele Heiden lebten, saßen am Tor noch zwei unglückliche Männer, der eine von Geburt blind und der andere lahm an Händen und Füssen und baten ihn um ein Almosen. Da sprach der Heilige zu ihnen: „Gold und Silber besitze ich nicht; was ich aber habe, das gebe ich euch: Steht auf im Namen Jesus des Gekreuzigten und dankt ihm eure Heilung!“ Dieses Wunder erfüllte die Heiden mit Staunen und Bewunderung und alle bekehrten sich zum Glauben an den wahren Gott. Die neue Christengemeinde unterstützte ihren Oberhirten mit so reichlichen Gaben, dass er in seinem Bistum die herrlichsten Gotteshäuser erbauen und alle Arme und Bedrängte versorgen konnte. Er selbst lebte als Bischof in der größten Armut, Abtötung und Demut und arbeitete rastlos an dem Seelenheil seiner ihm anvertrauten Herde. Über dreißig Jahre lang stand er als ein wahrer Apostel seinem Bistum vor und am Ende seines Lebens war dort keine Spur eines Götzendienstes mehr zu finden; denn das heilige Kreuz, das er allenthalben gepredigt und aufgepflanzt hatte, prangte siegreich auf allen Tempeln und Häusern. Beweint wie ein zärtlicher Vater von seinen dankbaren Kindern, wurde sein Leichnam in der Domkirche zu Arras beerdigt, wo ihn Gott mit unzähligen Wundern verherrlichte.

 

Der heilige Guarinus, Kardinal von Palestrina,

+ 6.2.1159 – Fest: 6. Februar

 

Der heilige Guarinus wurde am Ende des elften Jahrhunderts zu Bologna aus einer adeligen Familie geboren und erhielt von seinen frommen Eltern eine so gottesfürchtige Erziehung, dass er schon als zartes Kind alles Ansehen vor den Menschen und die irdischen Güter verachtete und nur nach Frömmigkeit und Tugend strebte. Nach dem Tod seiner Eltern beraubten ihn seine Blutsverwandten aller seiner Güter und zwangen ihn zum geistlichen Stand, obwohl er sich gemäß seiner tiefen Demut für zu unwürdig hielt, Gott am Altar zu dienen. Nach einer langwierigen Selbstprüfung erhielt er die heiligen Weihen und die Stelle eines Domherrn an der Kirche von Bologna; aber die freien Sitten und die weichliche Lebensart der dortigen Geistlichkeit erfüllte ihn mit einem solchen Widerwillen, dass er entfloh und in größter Armut teils in Einöden lebte, teils die einsamen Klöster besuchte, um sich durch das Beispiel und die frommen Gespräche gottseliger Ordensmänner immer mehr in seinem Vorsatz zu stärken, die Welt ganz zu verlassen und sich dem Dienst Gottes und dem Streben nach christlicher Vollkommenheit zu widmen. Diesen Entschluss führte er schließlich aus und wählte das Kloster Mortaria zu seinem Aufenthalt, wo er in einer armen Mönchskleidung eine Felsenhöhle bewohnte, in der er Tag und Nacht dem Gebet und der Lesung und Betrachtung der Heiligen Schrift oblag. Sein Gemüt wurde in dieser Zeit mit einem solchen himmlischen Trost erfüllt, dass er oft in der Folge unter Vergießung schmerzlicher Tränen versicherte, damals habe er die ganze Welt vergessen und seine Seele sei vollkommen mit Gott vereinigt gewesen.

 

Aus Gehorsam gegenüber seinen Oberen musste er schließlich seine Einsamkeit wieder verlassen und in seine Stelle als Domherr zurückkehren, wo sich bald der Ruf seines heiligen Lebens so sehr verbreitete, dass ihn die Geistlichkeit und die Gläubigen zu Pavia zu ihrem Bischof erwählten und ihn, weil es bekannt war, wie sehr er jede Würde und alles Ansehen floh, so lange in seiner Wohnung bewachen ließen, bis sie Anstalten gemacht hatten, ihn feierlich durch eine Gesandtschaft abholen zu lassen. Aber der demütige Diener Gottes entfloh seinen Wächtern dadurch, dass er bei Nacht durch ein Fenster stieg und wieder zu seinem Kloster eilte, das er endlich auf den ausdrücklichen Befehl des Papstes Lucius II. verlassen musste, indem er ihn im Jahr 1144 zum Cardinal-Bischof von Präneste ernannte, nachdem er vierzig Jahre lang als Ordensmann gelebt hatte. Weil der Papst als sein Landsmann die Armut des frommen Guarinus kannte, schenkte er ihm einen kostbaren Wagen mit prächtigen Pferden bespannt, samt dem ganzen Vorrat einer bischöflichen Einrichtung, damit er seiner Würde gemäß in Präneste seinen Einzug halten konnte. Aber der Heilige machte diese Geschenke zu Geld und verteilte es unter die Armen. Als Kardinal änderte er sein Leben nicht im Geringsten, als dass er noch demütiger und wegen der vielen kirchlichen Geschäfte noch wachsamer wurde. Als getreuer Nachfolger der Apostel, predigte er selbst seiner ihm anvertrauten Herde das Wort Gottes, spendete die heiligen Sakramente aus und tröstete die Kranken und Sterbenden auf ihren Schmerzenslagern. Mit eigenen Händen linderte er das Elend der Armen und deckte die Blöße der Witwen und Waisen. Kurz vor seinem Tod empfing er mit innigstem Verlangen nach der Vereinigung mit Jesus die heiligen Sterbesakramente und nachdem er seine Geistlichen, die sein Sterbelager umgaben, mit größter Rührung zu einem heiligen Lebenswandel ermahnt hatte, wurde er durch ein himmlisches Licht verherrlicht und seine reine Seele schied in das Reich der ewigen Seligkeit im Jahr 1159. Sein Leichnam wurde in der Kirche und neben dem Grab des heiligen Martyrers Agapitus beerdigt und Papst Alexander III. setzte ihn unter die Zahl der Heiligen.

 

Die heiligen japanischen Martyrer - Fest: 6. Februar

 

Heute soll das Gedächtnis der heiligen japanischen Martyrer gefeiert werden. Um das Jahr 1550 landete der heilige Franziskus Xaverius, der größte Heidenmissionar im Mittelalter, auch in Japan, das erst sieben Jahre vorher entdeckt worden war. Nur kurze Zeit blieb er im Land, aber es gelang ihm, einige kleine Christengemeinden zu gründen. So fanden die Missionare, die später in das ferne Inselreich zogen, den Boden für die Saat des Evangeliums bereits aufgelockert, und bald schoss das Christentum mächtig in die Halme, so dass sich die Zahl der Bekehrten vierzig Jahre später auf mehrere Hunderttausende belief. Dann brach jedoch eine blutige Verfolgung aus, und wie sich die japanischen Neuchristen bei dieser Gelegenheit benahmen, wird ein lauer Halb- oder bloßer Taufscheinkatholik nie begreifen.

Lange vorher sah man aus mancherlei Anzeichen den drohenden Sturm herannahen. Nicht die geringste Bestürzung zeigte sich deswegen unter den Christen. Alle bereiteten sich durch den Empfang der heiligen Sakramente und durch eifriges Gebet auf die Stunde der Bewährung vor und richteten die Sonntagskleider her, denn sie waren der Meinung, dass der Tag des Martertodes für sie das schönste Fest des ganzen Lebens sein werde. Als die Ächtungslisten angefertigt wurden, brauchte die Polizei nicht lange nach den Christen zu forschen, denn sie fanden sich aus eigenem Antrieb scharenweise selbst aus den entlegensten Dörfern ein. Manche brachten gleich ein Kreuz für die eigene Hinrichtung mit. Eine unbeschreibliche Freude hatte sich aller bemächtigt, selbst Kinder drängten sich zum Martertod, und groß war die Enttäuschung, als bekannt wurde, dass nur sechsundzwanzig von ihnen zum Tod um des katholischen Glaubens willen verurteilt würden. Es waren sechs spanische Franziskaner und zwanzig einheimische Japaner.

Am 3. Januar 1597 begann der Strafvollzug. Um die Bekenner auch äußerlich zu ächten, schnitt man ihnen das linke Ohrläppchen ab. Dann band man ihnen die Hände auf den Rücken, setzte sie auf Ochsenkarren und führte sie unter Gespött durch die Straßen der Hauptstadt Meako und anschließend sechsundzwanzig Tage lang als abschreckendes Beispiel in Eis und Schnee durch Dörfer und Weiler bis nach Nagasaki, wo die Kreuzigung erfolgen sollte.

Unmenschliche Leiden haben die Helden auf der Fahrt ertragen müssen. Es war ein langer Kreuzweg, der viel Ähnlichkeit mit dem Kreuzweg des lieben Heilandes nach Golgatha aufwies. Der Mut der Christusbekenner blieb indessen ungebrochen, und besonders die drei Jungen, die sich unter den Glaubenshelden befanden, Ludwig, Anton und Thomas, zeigten sich so heiter und froh, als ginge es zum Spiel und nicht in den Tod. Als sich unterwegs ein reicher Heide an den elfjährigen Ludwig heranmachte und ihm goldene Berge versprach, wenn er vom Glauben abfalle, antwortete der Junge: „Nie und nimmer! Das tue ich nicht, aber du tätest gut daran, wenn du auch Christ würdest.“ Zu solcher Heldengröße kann schon ein Elfjähriger heranwachsen.

Endlich näherte sich der Zug dem Ziel. Von weitem bereits sah man auf einer Anhöhe bei Nagasaki sechsundzwanzig hochaufgerichtete Kreuze. Wie Siegeszeichen standen sie dort. Singend und betend schritten die Verurteilten auf die Richtstätte zu. Als sie bei den Kreuzen anlangten, fragte Ludwig gleich, welches Kreuz das seine sei, und als man es ihm zeigte, lief er hin und umarmte voll Freude das kalte Holz, wie man den besten Freund begrüßt. Dann hob man die einzelnen zu den Kreuzen empor, band sie mit Stricken fest und durchbohrte mit scharfen Lanzen die Herzen der Helden, die bis zum letzten Atemzug beteten und sangen und Gott lobten und priesen für die Gnade, dass sie für Christus sterben durften. An jenem Tag, am 5. Februar 1597, hatte Japan die ersten Martyrer und die Kirche neue Heilige erhalten. 

 

Der heilige Amand von Maastricht, Missionar und Bischof,

+ 6.2.676 – Fest: 6. Februar

 

Dieser Heilige wurde in der Gegend von Nantes von sehr frommen Eltern geboren, denen zugleich dieses Land gehörte. In einem Alter von 20 Jahren verließ er die Welt und wählte ein Kloster auf der kleinen Insel Oye, in der Nähe von Rhe, zu seinem Aufenthaltsort. Dort hatte er kaum ein Jahr die Wonne der Einsamkeit verkostet, als er sich einer sehr gefährlichen Versuchung ausgesetzt sah. Da nämlich sein Vater seinen Aufenthaltsort entdeckt hatte, ging er zu ihm und wandte die dringendsten Gründe an, um ihn zu bewegen, das Kloster zu verlassen, und drohte ihm sogar mit Enterbung, wenn er das weltliche Kleid nicht wieder anlegen würde. Allein der Heilige antwortete ihm ehrerbietig, er verlange nichts anderes, als nur für Jesus Christus zu leben, den er einzig zu seinem Erbteil erwählt habe. Einige Zeit später besuchte er das Grab des heiligen Martin von Tours. Im folgenden Jahr zog er sich nach Bourges zurück, wo er fünf Jahre lang in einer kleinen Zelle, in der Nähe der Kathedralkirche, unter der Leitung des heiligen Bischofs Austregisil lebte. Dort übte er die strengsten Bußwerke aus, trug stets ein härenes Kleid und genoss keine andere Nahrung als Gerstenbrot, und keinen anderen Trank als Wasser. In der Folge machte er eine Wallfahrt nach Rom und kehrte dann wieder nach Frankreich zurück, wo er 628 zum Bischof geweiht wurde. Man wies ihm keinen besonderen Sitz an, sondern seine Amtsverrichtung sollte sein, den Ungläubigen das Evangelium zu predigen.

 

Der neue Bischof beschäftigte sich jetzt nur einzig mit den Mitteln, der Gnade seines Berufes zu entsprechen. Er trug die Leuchte des Glaubens nach Flandern und zu den Slaven in Kärnten, wie auch in die benachbarten Provinzen der Donau. Als er später vom König Dagobert, weil er ihm freimütig seine Ausschweifungen vorgehalten hatte, verbannt worden war, wandte er diese Zeit dazu an, die Gasconier und die Navarren in den Geheimnissen unserer heiligen Religion zu unterrichten. Seine Ungnade dauerte jedoch nicht lange, indem ihn Dagobert in kurzer Zeit wieder zurückberief. Demütig warf sich dieser König zu den Füßen des Heiligen nieder, bat ihn von Herzen um Verzeihung und den Sohn, den Gott ihm soeben gegeben hatte, zu taufen. Dieser Sohn war der heilige Siegbert, der als König von Austrasien starb. Amand, stets von Eifer für das Heil der Seelen glühend, unternahm jetzt eine Mission in das Gebiet von Gent, dessen Völker so barbarisch waren, dass man keine apostolischen Arbeiter fand, die es wagten, ihnen das Evangelium zu verkündigen. Dies war ein Beweggrund mehr, der unseren Heiligen antrieb, an dem Unterricht dieser Völker zu arbeiten. Anfangs fand er nur verstockte Herzen und von dem grässlichsten Aberglauben verfinsterte Geister. Man ging selbst so weit, dass man ihn mit Stöcken schlug und ins Wasser warf. Nichts aber war imstande, ihn in seinem Eifer irre zu machen. Er setzte seine Predigten fort, obgleich sie keine Früchte hervorbrachten, in der Hoffnung, dass der Augenblick des Erbarmens noch kommen würde. Er betrog sich auch wirklich nicht. Gott, um den von den Heiligen so sehnlich gewünschten Zeitpunkt zu beschleunigen, verlieh ihm die Gabe, Wunder zu wirken. Nachdem sich das Gerücht von dem Toten, den er erweckte, verbreitet hatte, entsagten die Barbaren ihrem Aberglauben, rissen die Tempel ihrer Götzen nieder, und eilten scharenweise herbei, um sich taufen zu lassen. Im Jahr 633 baute unser Heiliger mehrere Kirchen und gründete zwei große Klöster zu Gent, beide unter der Anrufung des heiligen Petrus. (Das eine wurde Blandinberg genannt, von dem Berg Blandin, auf dem es erbaut ist, und war eine der vier vornehmsten Abteien der Niederlande. Das andere nahm den Namen vom heiligen Bavon an, der zu dessen Stiftung das Grundvermögen gegeben hatte. Nachdem Gent zu einem bischöflichen Sitz erhoben worden war, machte man 1559 die Kirche dieses letzten Klosters zur Kathedrale.) Einige Jahre später baute er noch ein anderes Kloster drei Meilen von Tournay an dem kleinen Fluss Elnon, das seinen Namen erhielt und das man neben der Stadt, die sich dort bildete, Saint-Amand nennt.

 

Unser Heiliger wurde 649 zum Bischof von Maastricht erwählt. Allein er blieb nicht lange Zeit auf einem bischöflichen Stuhl, auf den er wider seinen Willen erhoben wurde. Der Rückblick auf seinen ersten Beruf und die Hoffnung, mehr Früchte außerhalb seiner Diözese hervorbringen zu können, bewogen ihn, das bischöfliche Amt niederzulegen, nachdem er ihm drei Jahre lang vorgestanden hatte. Er ernannte selbst den heiligen Remaclus, den Abt von Cougnon, zu seinem Nachfolger. Als er nun von allen Banden frei war, begann er von neuem seine apostolischen Arbeiten, und weihte seine übrigen Tage der Bekehrung der Heiden. Endlich, von Alter und Arbeiten niedergebeugt, zog er sich in die Abtei von Elnon zurück, der er etwas über vier Jahre als Abt vorstand, und wo er 675 in einem Alter von 86 Jahren starb. Sein Leichnam wurde in der Abtei des heiligen Peter von Elnon begraben. Ehehin erwies man ihm in England hohe Verehrung. Er hatte ein Officium mit neun Lectionen, in dem Brevier von Sarum. Die Reliquien des Heiligen blieben immer in der Abteikirche seines Namens. An diesem Tag wird auch seiner in dem römischen Martyrologium erwähnt.

 

Gebet am 6. Februar

 

Wir bitten Dich, o Herr: schütze uns vor allen Gefahren des Leibes und der Seele, und auf die Fürbitte der seligen und glorreichen, allzeit jungfräulichen Gottesmutter Maria, sowie des heiligen Joseph, Deiner heiligen Apostel Petrus und Paulus, des heiligen Vedastus und aller Heiligen, schenke uns gnädig Heil und Frieden, auf dass Deine Kirche nach Überwindung aller Hindernisse und Irrtümer in ungestörter Freiheit Dir diene. Durch ihn, unseren Herrn Jesus Christus, Deinen Sohn, der mit Dir lebt und herrscht in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 

 

Zur heiligen Dorothea

 

Heilige Dorothea, du hast uns in dem Beispiel eines reinen und heiligen Lebens Äpfel und Rosen hinterlassen. Bitte Gott für uns, dass wir, durch seine Gnade und durch dein Beispiel bewegt, uns bekehren, wie Theophilus, und in heiliger Freude und reinem Eifer unser Leben opfern im Glauben an Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Zu Gott auf die Fürbitte der heiligen Dorothea

 

Allmächtiger, ewiger Gott, für dessen Namen die glorwürdige Jungfrau und Martyrin Dorothea alle Martern besiegt hat, wir bitten Dich demütig, gib, dass wir durch ihre Fürbitte allen Gefahren entgehen, und ihre Hilfe in unseren Nöten erhalten, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Andacht am 6. Februar:

 

Das Thema im Februar:

Von der Demut

"Wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden." (Lukas 14,11)

 

"Wer demütig ist, niedrig von sich denkt, und es gern hat, wenn andere ihn verachten, der ist Gott wohlgefällig; zu dem neigt Er sich, zieht ihn an sich, schenkt ihm Seine Gnade und offenbart ihm Seine Geheimnisse." (Der gottselige Thomas von Kempen)

Der große heilige Apostel Paulus war in seinen Augen der Letzte aller Menschen. "Christus Jesus," spricht er, "ist in diese Welt gekommen, die Sünder zu retten, deren Erster ich bin." (1. Timotheus 1) Und abermals: "Mir, dem Mindesten der Christen, wurde diese Gnade verliehen." (Epheser 3) Anderswo nennt er sich "den Geringsten der Apostel, der nicht einmal würdig ist, ein Apostel genannt zu werden, weil er die Kirche Gottes verfolgt hat." (1. Korinther 15) Hatte er auch mehr gearbeitet als die übrigen Apostel, so achtete er doch dieses Namens sich nicht wert, weil seine früheren Vergehen ihm beständig vor Augen schwebten; da er hingegen an Anderen nur das Gute sah. Dies ist das Gepräge der wahren und vollkommenen Demut.

Nie vergaß die berüchtigte Thais, nach ihrer Bekehrung, ihre früheren Vergehen. Tief beschämt über ihr verflossenes Leben, wagte sie es nicht, den heiligen Namen Gottes auszusprechen; sondern ihr ganzes Gebet bestand in den Worten: "O Du, der Du mich erschaffen hast, erbarme Dich meiner!" Durch diese Demut wurde sie vor den Augen Gottes wohlgefällig, und gelangte in kurzer Zeit zu einer erhabenen Heiligkeit.

Ein großer Diener Gottes, den der heilige Ignatius sehr hoch achtete, sprach oftmals: "Wer da glaubt, er ist wenig wert, ist viel wert; wer aber glaubt, er sei viel wert, ist nichts wert."

 

Herr, nichts habe ich; nichts verdiene ich, nichts, ja weniger als nichts bin ich, da ich ein Sünder bin; meine einzige Zuflucht ist Deine Barmherzigkeit. Doch reich bist Du, dem Armen zu geben, der auf Dich hofft; darum bete ich zu Dir, erbarme Dich meiner nach der Größe meines Elends! Amen. 

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 6. Februar

 

"Durch eine Zulassung Gottes geschieht es gewöhnlich,

dass derjenige, der die anderen verurteilt,

in denselben Fehler fällt, den er ihnen vorwirft,

oder sogar in noch größere Fehler."

 

hl. Vincenz Ferrerius OP

1350 bis 5.4.1419

 

Betrachtung am 6. Februar - Vom geduldigen Tragen des Kreuzes

 

Herr, deine strenge Prüfung ist gerecht,

Du schlägst mich, dass du meine Wunden heilest.

Treu küsset deine Vaterhand dein Knecht,

Weil, nach der Strafe, Gnade du erteilest.

 

1. Warum brichst du in bitteren Unmut aus, wenn nicht alles nach deinem Wunsch ergeht? Weißt du etwa nicht, dass du hier im Land der Prüfungen bist, und dass ohne Kreuz keine Tugend, ohne Geduld kein Verdienst möglich ist? So trage denn das Kreuz, das Gott dir auferlegte, mit Geduld, denn keins ist dir heilsamer, keins deinen Kräften so angemessen. Nichts auch gewinnst du, wenn du es abwirfst, denn unfehlbar würdest du ein noch lästigeres finden. Wer ist je in dieser Welt ohne Kreuz? Du findest es in den Burgen der Könige, wie in den Hütten der Armen, denn da alle nur durch das Kreuz selig werden, stellte die göttliche Vorsehung es überall auf.

 

2. Gott züchtigt diejenigen, die er liebt. Liebte er dich nicht, so züchtigte er dich nicht, und nicht mehr gehörst du zur Anzahl seiner Kinder. Nie zürnt Gott einen Sünder schwerer, als wenn er ihn nicht mehr straft, denn er bestraft nur darum in der Zeit, damit er in der Ewigkeit schone. Immer auch sucht er mit seiner Gnade diejenigen heim, die er durch Strafen heimsucht, darum küsst eine geduldige Seele immer dankbar seine Vaterhand. Erschauderst du vor dem Kreuz, so entsagst du der Religion, deren Siegel das Kreuz ist, und entsagst dem Himmel, wohin nur die Fahne des Kreuzes führt.

 

3. Was also klagst du? Was verlangst du? Willst du auf einem anderen Weg in den Himmel eingehen, als auf dem, worauf Jesus mit seinen Heiligen eingingen? So ergib dich denn den Händen Gottes mit Vertrauen. Niemand meint es besser mit dir. Er sieht dein Leiden in seinem ganzen Umfang. Aber er sieht auch die Liebe oder den Unmut mit dem du es erträgst. Er ist mächtig und weise, er kann und wird dich auch befreien, wenn seine Weisheit es dir als heilsam erkennt. Erkennt sie aber das Gegenteil: wer bist du denn, ihm zu widerstehen? Ist er nicht dein allerhöchster Herr, dein Vater, dein Richter? Apostelgeschichte 14,22b: "Durch viele Drangsale müssen wir in das Reich Gottes gelangen."

 

7. Februar

 

Der heilige Romuald, Stifter und Abt der Kamalduenser, Italien,

+ 19.6.1027 - Fest: 7. Februar

 

Petrus Damianus, ebenfalls ein Heiliger, hat uns das Leben des heiligen Romuald fünfzehn Jahre nach dessen Tod beschrieben.

 

Sergius, aus herzoglichem Geblüt, ein ehrgeiziger und rachgieriger Mann, der in Ravenna lebte, forderte einen nahen Verwandten, von dem er sich beleidigt hielt, zum Zweikampf heraus. Die Herausforderung wurde angenommen. Und der junge Romuald, der als Sekundant seines Vaters Sergius bei dem Zweikampf dabei war, sah es, wie sein Vater den Vetter ums Leben brachte. Angst und Entsetzen überfielen ihn, und nur der Entschluss, für den Vater zu büßen, linderte in ihm die Gewissensqual. Da machte er es mit sich selbst aus, dass er für den Vater vierzig Tage in irgendeinem Kloster Bußübungen verrichten wollte, um des Vaters Blutschuld zu sühnen. So begab er sich unmittelbar nach dem Ende des Kampfes in das etwa eine Stunde von Ravenna entfernte Benediktinerkloster des heiligen Apollinars.

 

Romuald wurde geboren im Jahr 956. Außer dass er in allen ritterlichen Übungen bestens unterrichtet worden ist, sorgte man wenig für seine Erziehung. Im Gegenteil, er wurde durch Beispiel und Umgebung zu allem möglichen Müßiggang und zum sorglosen Genuss aller Freuden der Welt verleitet. Er wusste nichts davon, was es heißt, Verzicht und Bescheidenheit zu üben. Als er im Kloster des heiligen Apollinars dem Ende der vierzigtägigen Bußzeit mit großer Sehnsucht entgegensah, lachte er über die Idee eines Laienbruders, der ihn dazu bewegen wollte, im Kloster zu bleiben, und ihm die Gefahr für seine Seligkeit vor Augen führte, wenn er wieder in die Welt zurückkehren würde. Der Laienbruder sagte dann weiter in seiner frommen Einfalt zu Romuald: „Was würdest du mir geben, wenn ich dir unseren heiligen Apollinaris leibhaftig und lebendig zeigen würde?“ – „Wenn du mir den Heiligen so zu zeigen vermagst“, entgegnete Romuald, „so verspreche ich dir, im Kloster zu bleiben.“ Die darauf folgende Nacht bringen beide nach Verabredung in der Kirche zu. Als die Mitternachtsstunde schlägt, erhellt ein außerordentlicher Glanz die Kirche, und der heilige Bischof Apollinaris erscheint in seinem bischöflichen Ornat von himmlischem Schimmer umgeben, ein Rauchfass in den Händen, womit er alle Altäre beräuchert und danach wieder verschwindet. Romualdus, von diesem Gesicht ganz durchdrungen und erschüttert, wirft sich vor dem Altar der Mutter Gottes auf die Knie und gelobt da, von Stunde an im Kloster zu bleiben und ein Benediktiner zu werden.

 

Romuald war zwanzig Jahre alt, als er den Ordenshabit annahm. Lange weigerte sich der Abt und das Convent ihn aufzunehmen, aus Furcht vor dem Zorn seines mächtigen und grausamen Vaters. Endlich aber gaben sie seinem standhaften Verlangen nach. Aber nicht lange, so ärgerten sich seine Mitbrüder über seine große Zurückgezogenheit und Strenge. Man hatte von diesem vornehmen, ganz weltlich erzogenen und verweichlichten Jüngling einen so großen Bußeifer, so ungemeine Härte gegen sich selber und eine so besondere Abtötung nicht erwartet. Da Romuald merkte, dass seinetwegen Überdruss und Uneinigkeit in das Kloster kam, verließ er dasselbe und begab sich mit Erlaubnis seiner Oberen in eine Wildnis im venezianischen Gebiet, wo er den heiligen Einsiedler Marius, einen gutmütigen, aber rohen Mann, als seinen geistlichen Vorgesetzten anerkannte. Dieser trug ihm die schwersten und widersinnigsten Arbeiten auf. Täglich musste Romuald mit Marius den ganzen Psalter beten; und wenn er sich dabei im Geringsten etwas vertat, gab Marius seinem Schüler eine derbe Ohrfeige. Dieser hielt es willig aus und ohne die geringste Äußerung von Empfindlichkeit. Nur bat er endlich seinen Meister, er möchte ihm in Zukunft auf das rechte Ohr schlagen, damit er an dem linken das Gehör nicht gänzlich verliere. Jetzt erkannte Marius seine unnötige Strenge und behandelte von nun an seinen Schüler viel nachsichtiger. Zu dieser Zeit kam Urseolus, das Haupt der venezianischen Republik, zu Romuald in die Einöde. Diesen bewegte Romuald, weil er zum Tod seines Vorgängers Candianus viel beigetragen hatte, dass er die Stelle eines Oberhauptes der Republik aus freien Stücken niederlegte. Urseolus verließ mit Gradanus, seinem vertrauten Freund, Venedig. Beide schifften sich mit Romuald und Marius ein und begaben sich nach Katalonien. Im Kloster St. Michael zu Cason angekommen, blieb Urselous mit seinem Gefährten im Kloster unter der Leitung des Abts Quärinus. Romuald und Marius begaben sich in eine nahe Einöde, wohin ihnen viele andere nachfolgten, um dort mit ihnen gemeinschaftlich Gott zu dienen. Romuald gewann den Abt Junianus ebenfalls für seinen Oberen, und wurde von ihm angehalten, die Unterweisung seiner Gefährten auf sich zu nehmen. Er nahm sich vor, nach der Weise und Strenge der alten Einsiedler, deren Leben er fleißig las, in aller Einfalt zu leben. Er fastete immer fort, wachte fast die ganze Nacht hindurch, brachte seine Zeit mit Ermahnen, Unterweisen, mit Handarbeit, Lesen und dem Gebet zu, und hatte sehr viel von den Anfechtungen der höllischen Geister zu leiden.

 

Als Romuald gehört hatte, dass sein Vater aus Antrieb der göttlichen Gnade sich in ein Kloster begeben hatte, um dort für sein vorheriges Sündenleben zu büßen, wie ihm aber dieses Klosterleben verleidet sei, und er im Sinn habe, in die Welt zurückzukehren, da begibt er sich eilig zurück nach Italien, besucht seinen Vater in dem Kloster, und redete ihm so dringlich ans Herz, dass er doch in seinem Entschluss, Gott im Kloster sein noch übriges Leben zu dienen, weiter bleiben möchte, so dass der Vater einwilligte und auch bald darauf in Gegenwart des Sohnes bußfertig starb.

 

Sobald nun bekannt war, Romuald sei wieder in sein Vaterland zurückgekehrt, da strömten von allen Seiten Leute hinzu, die verlangten, unter seiner geistlichen Leitung zu stehen, so dass man wegen der großen Anzahl der Novizen einige andere Klöster errichten musste. Romuald stand dem Kloster Bagni vor, nicht weit von Sassia, aber nicht lange. Seine strenge und ernste Aufsicht erbitterte die Mönche so sehr, dass sie ihn sogar aus dem Kloster verstießen. Durchdrungen vom bitteren Schmerz, glaubte sich der Heilige für die geistliche Leitung anderer ganz untauglich, und nahm sich vor, von nun an sich nur seinem eigenen Seelenheil zu widmen. Er begab sich deshalb ganz allein nach Commaglio, von da in die Appeninen und endlich auf die kleine Insel Verra. Kaiser Otto der Dritte und der Erzbischof von Ravenna ließen ihn aufsuchen, und nachdem man ihn endlich gefunden hatte, musste er auf Verlangen der Religiosen neuerdings als Abt das Kloster zu Klassis regieren. Aber auch diesen war seine Regierung zu streng, und sie zwangen den Heiligen, sein Amt wieder niederzulegen. Indessen bekehrten sich auf sein Zureden viele vornehme Herren. Unter diesen der Graf von Alibam, der sich in das Kloster auf dem Berg Cassino begab. Mehrere Adlige folgten seinem Beispiel.

 

Der Fürsprache des heiligen Romuald hatte Tivoli es zu verdanken, dass diese Stadt der zürnende Kaiser nicht zerstörte. Denn in solchem Ansehen stand der Heilige bei dem Kaiser, dass dieser auf das Geheiß des heiligen Romuald von Rom aus barfuß auf den Berg Gangeno zu St. Michael wallfahrtete, um dadurch öffentlich kund zu tun, wie sehr er bereue, dass er den Senator Creszentius wider das gegebene Versprechen habe hinrichten lassen.

 

Romuald begab sich nach Pavenzo in Istrien in ein von ihm gestifteten Kloster, und blieb da drei ganze Jahre von allem Umgang mit der Welt entfernt; er hatte sich selber eingesperrt.

 

Hier nahm er durch Gebet und Betrachtung göttlicher Dinge in der Vollkommenheit des innerlichen geistlichen Lebens zu. Gott schloss ihm den Verstand der heiligen Schrift in schwierigen Stellen auf, und erteilte ihm die Gabe der Weissagung, so wie auch die Gabe einer so reumütigen Zerknirschung bei dem Andenken an die Sünden seiner Jugendjahre, dass er sich nicht mehr traute, öffentlich Messe zu lesen, weil ihm so leicht dabei ein lautes Schluchzen und Weinen ankam. Man hörte ihn wohl hundertmal den Tag hindurch laut seufzen und aufschreien im Übermaß der göttlichen Liebe, von der er durchdrungen war: „O mein süßer Jesus! O Gott meines Herzens! O mein liebster Heiland! Freund der Auserwählten! Du Trost der reinen Seelen! Süßester Jesus! Du einziges Ziel all meines Wünschens und Verlangens!“ – Nach den drei Jahren wurde er neuerdings genötigt, zu Arvinto ein Kloster zu stiften. Dort hörte er von dem Martertod seines Jüngers, des Heidenapostels Bonifatius; und nun machte er sich, versehen mit päpstlicher Vollmacht, voll hitzigen Verlangens sogleich auf nach dem Ungerland, um dort ebenso wie Bonifatius für seinen lieben Gott und Heiland sein Blut zu vergießen. Auf dem Weg wurde Romuald so sehr krank, dass er seine Reise beenden musste. Er musste zurückkehren, gedrängt von dem überall herbeiströmenden Volk, das ihn sehen und Gottes Wort von ihm hören wollte. Von allerhand Leiden gedrängt begab er sich in ein Kloster auf dem Berg Sykia, lebte da vier Monate in strenger Buße und schrieb eine Auslegung über die Psalmen. Die Handschrift des Heiligen wird jetzt noch in Kamaldoli aufbewahrt.

 

Damals geschah ihm Folgendes: In einem wilden unbesuchten Bergtal in den Appeninen im Florentinischen Gebiet schläft der heilige Romuald, als er den Berg Sykia verlassen, ermüdet von der beschwerlichen Reise. Außer dem Rauschen eines Waldbaches, an dessen Saum er eingeschlafen war, schweigt alles weit in der großen Wildnis um ihn her. Da werden dem Schwerbekümmerten die Augen des Geistes aufgetan, und er sieht, wie einst der Patriarch Jakob, der mit schwerem Herzen das Haus seiner Eltern verlassen hatte, eine Leiter, die von der Erde bis zum Himmel reichte. Die Leiter hinauf stiegen seine Jünger in weißen Kleidern. Romuald erwacht, eröffnet seinen Jüngern das Gesicht, gibt ihnen eine weiße Kleidung und stiftet nach dem Namen des Ortes Kamaldoli, wo er die Erscheinung hatte, den Kamalduenser-Orden.

 

Von Arbeiten und hohem Alter gebeugt begab sich Romuald in das Kloster zu Val de Castro. Da baute er sich eine eigene Zelle samt einer Kapelle, und bereitete sich auf seinen Tod vor, dessen Stunde er, von Gott erleuchtet, voraus sah. Obschon seine Schwäche zunahm, ließ er doch von seinen bisherigen strengen Bußübungen nicht ab, schlief auf bloßer Erde, und schickte, so viel er konnte, die Krankenwärter und alle, die ihm Erleichterung verschaffen wollten, von sich weg. Da dachte er bisweilen an sein voriges Leben zurück und wie wunderbar ihn der barmherzige Gott zu sich gezogen und geleitet habe; und wie er zur Zeit, da er noch ganz der Begierde dieser Welt diente und von Christentum und Religion wenig oder nichts kannte, wenn er während der Jagd sich in großen Wüsten und Wäldern verlor, eine unbeschreibliche, unerklärbare Sehnsucht in sich verspürte, in diesen wüsten Wäldern, entfernt von allen Menschen, sein Leben zuzubringen.

 

Am letzten Tag seines Lebens schickte Romuald die zwei Ordensbrüder, die gerade für ihn sorgten, von sich, und verlangte von ihnen, dass sie am morgigen Tag zurückkehren sollten. Diese aber wollten den heiligen Vater nicht beleidigen und doch den Kranken nicht in seiner Not verlassen. Sie blieben darum außerhalb der Zelle lauschend stehen und hörten, wie er durch Gebet und Liebesseufzer sich mit Gott eifrig unterhielt. Auf einmal wurde alles still, die Mönche eilten hinein und fanden den Heiligen soeben verschieden.

 

Der heilige Petrus Damian, der wie Romualdus aus Ravenna gebürtig war und ihn kannte und fünfzehn Jahre nach dessen Tod sein Leben beschrieb, sagt, dass der heilige Romuald hundertundzwanzig Jahre alt geworden sei. Er verschied am neunzehnten Heumonat 1032. Da aber auf den Tag das Fest der heiligen Martyrer Gervasius und Protasius trifft, wurde das festliche Andenken des heiligen Romuald vom Papst Clemens VIII. auf den siebten Februar versetzt, an dem Tag sein heiliger Leichnam im Jahr 1466 noch ganz unversehrt gefunden und zur Verehrung auf den Altar erhoben wurde.

 

Der heilige Parthenius,

Bischof und Bekenner von Lampsakus, Bethynien,

+ 4. Jhd. – Fest: 7. Februar

 

Der heilige Parthenius wurde im Anfang des 4. Jahrhunderts in der Stadt Melita geboren, wo sein Vater Christodulus Diakon war, der von Wissenschaften wenig kannte, aber beinahe die ganze Heilige Schrift auswendig wusste und als ein heiliger und gerechter Mann vor Gott lebte. Mit größter Sorgfalt erzog er seinen einzigen Sohn mehr durch sein Beispiel als durch Ermahnungen in der Furcht Gottes und in der christlichen Abtötung, und zwar so, dass Parthenius als ein junger Mann von achtzehn Jahren wegen seiner hohen Tugenden und besonders wegen seiner tätigen Liebe gegenüber den Armen allgemein bewundert wurde. Sein Ruhm vergrößerte sich durch die Wunder, die er an Besessenen und Kranken durch die Kraft des Namens Jesus wirkte, so sehr, dass ihm Philetus der Bischof von Melita, die Priesterweihe erteilte und ihm die Sorge für die Armen und Kranken seines Kirchensprengels übergab. Dieses Amt versah er mit unermüdlicher Treue und Liebe so lange, bis ihn der Erzbischof von Cyzicum, der heilige Ascholius, zum Oberhirten der bischöflichen Kirche in Lampsacus ernannte. Die Einwohner dieser Stadt waren noch größtenteils dem Götzendienst ergeben und lebten in Unzucht und Unmäßigkeit, in Zwietracht und Mord. Im Vertrauen auf Gott fing der heilige Bischof sein Bekehrungswerk an, duldete anfangs von den Heiden Spott und Verachtung, Misshandlungen und Verfolgungen, bis er eindrang in die felsenharten Herzen der Verblendeten durch seine apostolische Beredsamkeit und sie erwärmte mit den beseligenden Tugenden der Religion Jesu. Da flohen die heidnischen Laster des Geizes, der Mordsucht und Fleischeslust wie vertriebene böse Geister in die finsteren Winkel der Hölle zurück und Reinheit der Sitten, Bruderliebe, Frieden und Gerechtigkeit kehrten wieder in die Herzen der Menschen zurück. Parthenius zertrümmerte nun die Tempel und Altäre der Götzen, zu deren Opfern oft Menschenblut vergossen wurde, und ging zu dem christlichen Kaiser, Konstantin dem Großen, und bat ihn, dem allmächtigen Gott in der Stadt Lampsacus eine Kirche zu erbauen. Konstantin, der damals das Christentum schon als Staatsreligion erklärt hatte, nahm den heiligen Mann mit Ehrfurcht auf und beschenkte ihn so reichlich mit Gold und Silber, dass bald darauf die Christengemeinde zu Lampsacus die Einweihung eines der prächtigsten Gotteshäuser in der Christenheit mit Freude feierte.

 

Der heilige Parthenius wirkte rastlos und segensvoll bis in sein Greisenalter in seinem heiligen Amt. Er bildete fromme Geistliche, die er besonders zur Barmherzigkeit gegenüber den Armen ermahnte, sagte viele zukünftige Dinge voraus und machte die Verordnung, dass der größte Teil des Zehnten zur Unterstützung der Armen, Witwen und Waisen verwendet werden musste.

 

Der heilige Richard, König von England, + in Lucca, Italien,

+ 7.2.721 – Fest: 7. Februar

 

Richard stammte aus einem vornehmen Geschlecht der Angel-Sachsen und besaß während der Regierung des heiligen Königs Ina von Wessex in England so viele Reichtümer, Güter und Untertanen, dass er den Titel eines Königs erhielt. Er erzeugte im Ehestand zwei Söhne und eine Tochter, die er mit größter Sorgfalt in der christlichen Religion erzog und die die Kirche wegen ihrer ausgezeichneten Frömmigkeit und wegen ihres Eifers in der Verbreitung des Christentums als Heilige verehrt. Ihre Namen sind Willibald und Wunibald und Walburga. Nach dem Tod seiner Gemahlin Bonna, die eine Schwester des heiligen Bonifatius war, übergab Richard einen Teil seiner Güter seiner Tochter Walburga und den anderen Teil schenkte er aus Liebe zur Armut den Kirchen und Bedrängten und machte mit seinen Söhnen eine Wallfahrtsreise nach Rom, um an den Gräbern der Apostel und Martyrer zu beten. Auf dieser Reise erduldeten sie zu Wasser und zu Lande so große Beschwerden, Hunger und Not, dass Richard, vielleicht schon durch ein hohes Alter geschwächt, der drückenden Sonnenhitze Italiens unterlag und in Lucca starb im Jahr 722. Seinen Leichnam beerdigten seine frommen Söhne in der Kirche des heiligen Frigidian, wo Gott die Heiligkeit seines vollendeten Dieners durch viele Wunder verherrlichte.

 

Der selige Antonius von Stronconio,

italienischer Laienbruder, Franziskaner,

+ 7.2.1461 – Gedenktag: 7. Februar

 

Der gottselige Antonius von Stronconio, so genannt von seinem Geburtsort in Umbrien, verlangte in seinem 12. Lebensjahr schon in den Orden des heiligen Franziskus aufgenommen zu werden. Der Obere des Klosters, in dem er sich meldete, verlieh ihm aber, seiner Jugend wegen, nicht sogleich das Ordenskleid. Allein der Eifer des Ansuchenden bewog den Obern endlich, ihn ins Noviziat aufzunehmen, und dann zur Ablegung der Gelübde zuzulassen. Nachdem dieses geschehen war, übergab man ihn der Leitung des gottseligen Thomas Bellaccio, der ihn nach einigen Jahren auf die Insel Korsika schickte, wo er mehrere Klöster der Observanz errichtete. Nach seiner Rückkehr in Italien brachte er einige Zeit in Toskana zu, von wo er dann in sein Geburtsland zurückkehrte, um dort bis ans Ende seiner Tage zu beharren. Er lebte in den einsamsten Häusern und nährte sich bloß mit Brot, Wasser und Wermut. 14 Jahre brauchte er, nach eigenem Geständnis, um sich an die Bitterkeit dieser Pflanze zu gewöhnen. Seine Bußwerke waren äußerst streng, und dennoch erreichte er ein Alter von 80 Jahren. Der Herr wollte dann das zugleich reine und bußfertige Leben seines Dieners belohnen, indem er ihn im Jahr 1461 (1471) im Kloster von St. Damian bei Assisi zu sich in den Himmel aufnahm. Im Jahr 1769 machte die Versammlung der Ritus die Bestätigung der öffentlichen Verehrung des gottseligen Antonius bekannt, die Papst Alexander VIII. 1687 erteilte. Sein Fest ist am 7. Februar.

 

Der fromme Diener Mariens Herzog Wilhelm von Bayern,

+ 7.2.1626 – Gedenken: 7. Februar

 

Im Jahr 1626 ist gottselig abgeschieden der durchlauchtigste lobwürdigste Herzog in Bayern, Wilhelm, durch sein ganzes Leben ein großer Liebhaber Mariä.

 

Unter den Tugenden, die dem Herzog Wilhelm von Bayern die Liebe seiner Untertanen und die Achtung des Auslandes in so hohem Grad erworben, leuchtete auch seine Andacht zur Himmelskönigin und Mutter Gottes Maria hervor. Sie zeigte sich unter anderem durch seine zahlreichen und kostbaren Geschenke an das heilige Haus zu Loretto in Italien, und bei der Wallfahrt, die er im Jahr 1585 persönlich dahin machte. Der Fürst wollte nur als gewöhnlicher Pilger erscheinen und wünschte, ganz unbekannt zu bleiben. Vier Personen nur begleiteten ihn auf der Reise. In Loretto selbst zog er das arme Haus der Gesellschaft Jesu der prächtig eingerichteten Herberge vor, wo die hohen Standespersonen gewöhnlich Quartier nahmen, und begnügte sich bei den frommen Vätern mit einfacher Kost und Wohnung. Als der Vorsteher des Lauretanischen Hauses Kunde von der Anwesenheit des hohen Pilgers erhielt, beeilte er sich, ihm die seinem Stand gebührende Ehre zu bezeigen und ihm eine bequemere Wohnung in seinem Haus anzubieten. Aber alle seine Bitten blieben fruchtlos, denn der gottselige Herzog war nicht gekommen, um leibliche Gemächlichkeit zu suchen, sondern in stiller Sammlung seiner Andacht zu pflegen. Sein bescheidener und demütiger Sinn zeigte sich nicht minder in der Kirche als in der Herberge. Es war für ihn ein besonderer Sitz und Schemel bereitet, aber er machte davon keinen Gebrauch, sondern nahm seinen Platz mitten unter dem Volk, so dass er für einen aus ihnen gehalten werden konnte. Mit welchem Trost er in dem heiligen Haus verweilte, lässt sich daraus abnehmen, dass er einmal sieben ganze Stunden, vor der Himmelskönigin auf den Knien liegend, im Gebet verharrte, sich und sein Land in ihren mächtigen Schutz befehlend.

 

Schon früher, ehe er die Reise dahin machte, hatte Wilhelm wertvolle Geschenke nach Loretto abgesendet, aus Freude und Dank über die Genesung des Markgrafen von Baden, seines nahen Verwandten, von einer schweren Krankheit, andere brachte er selbst mit. Sie sind wahrhaft königliche Geschenke zu nennen. Unter ihnen befand sich ein silberner Leuchter, achtzig Pfund schwer, ein sehr zierliches und kunstreich gearbeitetes Werk. Er hatte vierundzwanzig Arme oder Nebenleuchter, welche ebenso viele Kerzen trugen. Dieser Leuchter wurde vor dem Altar der heiligsten Jungfrau aufgehängt, und der Herzog hatte durch eine eigene Stiftung gesorgt, dass an gewissen Tagen im Jahr, vierzig an der Zahl, vierundzwanzig Wachskerzen brennend erhalten werden konnten. Nicht minder merkwürdig ist ein anderes Opfer des frommen Fürsten: ein Büchlein von geschlagenem Gold, das dreifach zerteilt und in vier Blättern Siegel von Edelsteinen hatte und herrliche Bilder von kunstreicher Hand enthielt. Der Einband ist ebenfalls aus Gold, mit Perlen und Edelsteinen besetzt. Es hängt an drei goldenen Kettchen, die in einen goldenen Ring sich vereinigen, den ein großer Saphir einschließt. Das ganze große Werk wird auf achttausend Kronen geschätzt. Turfelinus, der Geschichtsschreiber des lauretanischen Hauses, bemerkt: „Es ist unter allen anderen lauretanischen Schätzen kaum einer, den die Fremden mit mehr Verlangen zu sehen begehren, als dieser. So sehr zieht nicht bloß die äußerliche Zier, sondern auch die Schönheit der Bilder und Siegel, worin Kunst und Reichtum miteinander wetteifern, die Augen der Beschauer an.“

 

Herzog Wilhelm stiftete außerdem viele Klöster und Kirchen, richtete sie ein und beschenkte sie reichlich, wodurch er sich einen gar hohen Namen gemacht hat. Nachdem er dann die Regierung an seinen Sohn Maximilian abgetreten hatte, zog er sich in klösterliche Einsamkeit zurück und brachte den Rest seiner Tage in höchster Demut und Andacht zu. Er erlebte auch an seinen Kindern, das einige von ihnen kaiserliche, königliche, kurfürstliche, oder Kardinals-Würden erhielten. Viele leuchteten im Leben und Sterben durch Heiligkeit und halfen viele tausend Seelen am christlichen Glauben erhalten zur Zeit, da die Reformation die Gemüter vom päpstlichen Stuhl und der einzigen Wahrheit abwendig zu machen suchte.

 

Sein Andenken bleibt in Segen.

 

Der selige Papst Pius IX.,

+ 7.2.1878 – Gedenktag: 7. Februar

 

Der Heilige Vater Papst Pius IX. hat auf eine gar innige Weise die heilige Jungfrau Maria verehrt und ist von ihr dafür mehrfach beschützt worden. Der heilige Papst Johannes Paul II. hat ihn, diesen hervorragenden Nachfolger des heiligen Apostels Petrus, im Jahr 2000 seliggesprochen. Dieser Heilige Vater Pius IX., der so ruhmvoll auf dem Stuhl Petri saß, war also einer der ergebensten Diener der Mutter Gottes, und erhielt sehr früh schon von der heiligen Jungfrau die hervorragendsten Gnadenbezeigungen. Er fühlte sich zum geistlichen Stand berufen, und er hatte selbst das Gelübde vor einer Madonna abgelegt, sich diesem Stand zum Ruhm und zur Ehre Gottes widmen zu wollen. Er hatte in Rom seine geistlichen Studien begonnen. Aber der bejammernswerte Zustand seiner Gesundheit ließ ihn befürchten, nicht mehr geziemend die Funktionen des heiligen Amtes verrichten zu können. Bevor er das Subdiakonat erhielt und eine unwiderrufliche Stelle annahm, besuchte er Papst Pius VII., seinen Verwandten, dem er besonders empfohlen war. Er setzte ihm schmerzlich bewegt seine Besorgnisse auseinander. Der Heilige Vater antwortete ihm: „Mein Sohn, habe Vertrauen; bete zur heiligen Jungfrau und du wirst immer vorwärts kommen.“

 

Auf die Worte des Papstes hin empfing er also das Subdiakonat und das Diakonat und doch war seine Gesundheit immer dieselbe. Acht Tage bevor er zum Priester geweiht wurde, und im Begriff sich zurückziehen zu wollen, besuchte er den Papst und teilte ihm seine Befürchtungen mit. Pius VII. antwortete ihm zum zweiten Mal: „Mein Sohn, habe noch Vertrauen, empfehle dich täglich der heiligen Jungfrau. Beginne heute ein neuntägiges Gebet zu ihrer Ehre, wir werden es auch tun. In dieser Zeit verbleibe in ruhiger Zurückgezogenheit, empfange in Ruhe und Vertrauen die Ordination, lies deine erste Messe mit Freude und zu wirst sehen, dass alles gut gehen wird.“

 

Der junge Mann zog sich ganz getröstet zurück. Er trat einen Augenblick in die Peterskirche, und betete am Grabmal des Fürsten der Apostel. Dann verrichtete er in seiner Zurückgezogenheit das neuntägige Gebet zur heiligen Jungfrau, empfing die Priesterweihe, hielt seine erste Messe unter Tränen der Frömmigkeit und Dankbarkeit, und seine Gesundheit war seitdem gut und günstig. Dies bewog einen seiner Lebensbeschreiber zu sagen, dass die heilige Jungfrau ihn zum Priester und Papst gemacht habe. Seine Liebe und sein Eifer zeigten sich glanzvoll, als er Bischof geworden war. Da war es seine Glückseligkeit, seine Herde mit der Milch der Frömmigkeit zu Maria zu nähren. Er ehrte und liebte alle Vorrechte seiner teuren Mutter, aber besonders entflammte sein Eifer, wenn es sich um die Unbefleckte Empfängnis handelte. Dieses allen christlichen Herzen so teure Vorrecht war für ihn der Gegenstand besonderer und ganz herzlicher Liebe, und er predigte ihn unablässig und empfahl ihn der Verehrung aller Gläubigen.

 

Als er Papst geworden war, erhielt sein Eifer für den Ruhm Mariens neuen Zuwachs. Die so sehnlichst gewünschte Erklärung von der Unbefleckten Empfängnis wurde seine wichtigste Angelegenheit. Er wendete nach dieser Richtung alle seine Sorgen und die ernstesten Gedanken. Er hatte lange mit Demut und Andachtsglut um Erleuchtung über die Bestimmung, die er treffen sollte, gebetet. Ein unnennbarer Trost kam in seine Seele, als er sah, wie wunderbar in der ganzen katholischen Welt der Wunsch erwachte, diese fromme Meinung zum Glaubenssatz erhoben zu sehen.

 

Während dieser Taten vertrieb ihn die Revolution von Rom aus seinen Staaten und veranlasste ihn, einen Zufluchtsort im Königreich Neapel zu suchen. Er vernachlässigte deswegen nicht seine große Angelegenheit, er dachte im Gegenteil, dass er sie lebhafter betreiben müsse. „Denn“, sagt er, „die heilige Jungfrau hat den Kopf der Schlange unter ihren Füßen zertreten. Erhaben über alle Chöre der Engel, ihren Platz einnehmend zwischen Jesus Christus und der Kirche, voll Gnade und Anmut, hat sie immer die Christen vor feindlichen Angriffen gerettet. Wir haben die süße Zuversicht, dass sie mit uns Mitleid haben wird gemäß jener unveränderlichen Zärtlichkeit, die ihr mütterliches Herz erfüllt, und dass sie von uns abwenden wird die grausame Not, die Plagen des göttlichen Zornes und den schrecklichen Sturm, der über die Kirche hereinbricht, und dass sie unsere Trauer in Freude verwandeln wird.“

 

Und er wiederholte die Worte des heiligen Bernhard: „Unser Vertrauen ist ganz auf die heilige Jungfrau gegründet, denn in ihr hat Gott die Fülle alles Guten niedergelegt.“ Er ermunterte zugleich alle Bischöfe, feierliche Gebete zu veranstalten, und er bat sie dringend, ihm zu schreiben oder vielmehr ihm zu sagen, wie beschaffen die Verehrung für die Unbefleckte Empfängnis in ihren Diözesen sei, welcher ihr Wille und Wunsch sei in Betreff dieser Erklärung.

 

Die Hoffnung, die der Heilige Vater auf Maria gebaut hatte, wurde nicht enttäuscht. Sie zerstreute den Sturm, der ihn von seinen Staaten fernhielt. Der Aufstand wurde durch die französischen Truppen unterdrückt, und um zu zeigen, dass dies das Wort Mariens war, ereignete sich dies am Tag der Heimsuchung Mariens, am 2. Juli. Zum Gedächtnis dieses Ereignisses erhob Pius IX. die Feierlichkeit dieses Festes zu einem Festtag zweiter Reihe nach dem Kirchengebrauch.

 

Endlich hat unser geliebter Papst beschlossen, dem sehnlichen Wunsch seines Herzens nachzukommen und so vielen frommen Aufforderungen Genüge zu leisten. 1854 wurden die Bischöfe der katholischen Welt eingeladen, sich nach Rom zu begeben zur Zeit des jährlichen Festes der Empfängnis Mariens, um die Huldigung, die er Maria darbringen wollte, feierlicher zu machen und die Bischöfe dem Triumph Mariens beiwohnen zu lassen. Und, um in reichlicherem Maße Erleuchtung und Beistand von Oben zu erhalten, ordnete er neue Gebete an, und gab einen Ablass ganz in Form eines Jubiläums. Es gab außerdem in diesem Jahr eine Menge Unglück. Hunger, Pest und Krieg verheerten die christliche Welt. Er hielt es für das größte Heilmittel dieser Übel, wenn er den Kult und den Ruhm der heiligsten und unbefleckten Jungfrau Maria vermehre.

 

Der schönste Tag seines Lebens war der 8. Dezember 1854. Jeder Teil der katholischen Welt hatte ihm einen seiner Bischöfe gesendet. Pius IX. brachte mitten unter ihnen das heilige Messopfer dar in der ungeheuren Peterskirche. Nach dem Evangelium bestieg der Papst seinen päpstlichen Thron. Die vierhundert Bischöfe und niederen Prälaten richteten ihre Augen auf ihn. Achtzigtausend Gläubige lauschten seinen Worten. Aber seine Stimme versagte ihm, Tränen benetzten sein Antlitz, seine Rührung hat den höchsten Grad erreicht. Er musste das Lesen einige Minuten aussetzen. Aber dann ist er überglücklich, endlich auf unwiderrufliche Weise das schönste Vorrecht Mariens verkünden zu können. 

 

Der heilige Theodorus Stratelates,

Heerführer und Märtyrer zu Heraklea im Pontus,

+ 7.2.319 – Fest: 7. Februar

 

Zur Zeit der Regierung des Kaisers Lizinius lebte zu Heraklea im Land Pontus ein edler Fürst, Theodorus mit Namen. Die Christgläubigen waren damals außerordentlich hart bedrängt, doch Theodorus, der selbst ein eifriger Christ war, wusste bisher durch sein kluges Wesen von seinem Gebiet die Verfolgungen abzuwenden. Auch bekehrten sich auf sein Zureden und wegen seines tugendsamen Lebens willen viele Heiden zum christlichen Glauben. Es werden vom heiligen Theodorus sehr viele ruhmreiche Taten erzählt. Bei Euchaida soll er einen ungeheuren Drachen erschlagen haben. Dieses Untier ängstigte die ganze Gegend, fraß viel Vieh weg, und bedrohte sogar Menschen. Das Volk schrie zu Theodorus um Hilfe. Aber der heilige Fürst schrie um Hilfe zu Gott. Es geschah, dass ihn, während er lange und inbrünstig betete, der Schlaf überwältigte. Im Schlaf erschien ihm der Engel Gottes, der ihn ermahnte, den Drachen anzugreifen im Namen des Herrn und zu erschlagen. Der Heilige stand sogleich auf, bestieg sein Pferd, und trug ein goldenes Kreuz in seiner Hand. Vor der Höhle des Drachen betete er nochmal inbrünstig zu Gott, dann erhob er sich, und rief mit starker Stimme: „Komm heraus, du grimmiger Drache! Ich beschwöre dich durch den Namen des ewigen Königs, meines Herrn Jesus Christus.“ Ein dumpfes Gebrüll erscholl aus der Höhle, das Ungeheuer kroch hervor, und bereitete sich, einen gewaltigen Anfall auf den Ritter zu wagen. Allein Theodorus besann sich nicht lange, rannte pfeilschnell hinzu, und bohrte dem Drachen seinen Speer mitten in die Brust. Nach dieser Heldentat lobte er den Allerhöchsten, und dankte für den Beistand des Himmels und ritt freudig wieder heim.

 

Um dieselbe Zeit kam Kaiser Lizinius nach Nikomedien, und hörte dort nicht ohne Neid den ausgebreiteten Ruhm des Theodorus, und nicht ohne Schadenfreude, dass er ein eifriger Christ sei. Der Kaiser ließ ihn durch Abgesandte zu sich berufen. Der heilige Theodorus behielt aber die Abgesandten drei Tage an seinem Hof, und entließ sie mit einem Schreiben an den Kaiser, in dem er ihn, seine Stadt zu besuchen und seine Untertanen mit seiner Gegenwart zu beehren, demütigst einlud. Denn Theodorus ahnte, dass seine Stunde für den Glauben zu sterben gekommen war. Und er wollte lieber unter den Seinigen das letzte Zeugnis seiner Liebe zu Jesus geben, um durch seine Marter sie im heiligen Glauben zu befestigen. Lizinius hielt mit seinen Hofleuten wegen des Briefes Rat, und entschloss sich schließlich, selbst nach Heraklea zu ziehen. Theodorus bereitete sich auf den Tod vor. Und als der Kaiser seinem Gebiet sich näherte, zog er ihm auf dem gleichen Ross entgegen, auf dem er den Drachen erlegt hatte. Der Kaiser stellte sich ihm gegenüber freundlich, und lobte ihn wegen seines Heldenmutes. Aber, sprach er nun, schwere Beschuldigung laste auf ihm, morgen müsste er sich vor dem kaiserlichen Richterstuhl verantworten.

 

Zur bestimmten Stunde erschien Theodorus vor dem Kaiser, der zu ihm sprach: „Höre Theodorus! Man sagt, dass du ein Christ bist. Es ist dir leicht, diesen Vorwurf zu entkräften. Hier habe ich die Götter Roms aufgestellt, opfere ihnen, damit jedermann sieht, dass du ihr treuer Verehrer bist.“ Der heilige Martyrer antwortete: „Lass die Götter in mein Haus tragen, und morgen, wenn es dir beliebt, sollst du sehen, wie sehr ich deine Götter ehre.“ Der Kaiser ließ es sich gefallen und versprach, Zeuge einer, wie er hoffte, feierlichen Opferhandlung zu sein.

 

Sobald Theodorus des Kaisers Götzenbilder in sein Haus erhielt, schlug er sie in Stücke, und teilte das Gold und Silber davon unter die Armen aus. Am folgenden Tag begab sich der Kaiser mit seinem ganzen Hofstaat in den Palast des Theodorus, um der feierlichen Anbetung seiner Götter beizuwohnen. Wer will nun das Erstaunen, den Ärger, die Wut des Kaisers beschreiben, als er statt seiner Götter nur herumliegende Trümmer fand! Er ließ den Theodorus alsbald entkleiden und so lange geißeln, bis er ganz mit blutigen Wunden bedeckt war. Höhnisch rief ihm der Kaiser zu: „Warte nur ein wenig, o Theodorus! Dein Gott wird dir bald helfen.“ Der Heilige antwortete: „Mich wird keine Angst, keine Marter von der Liebe Christi abwenden können.“ Der Kaiser ließ ihn mit Kolbenschlagen, dann schrie er ihm wieder zu: „Wo ist denn, o Theodorus, dein Gott hingegangen? Er kommt so lange nicht, dich aus meinen Händen zu erlösen.“ Der heilige Theodorus sprach: „Mein Gott und Herr, Jesus Christus, ist allzeit bei mir. Er ist es, der mir Mut und Kraft gibt, deine Wut zu verachten. Er ist es, der mich stärkt, die Marter mit Geduld zu ertragen, und der meinen Glauben bald mit einem unverwelklichen Siegeskranz belohnen wird.“

 

Diese heldenmütige Rede reizte noch mehr des Kaisers Zorn. Er gab die grausamsten Befehle, die Marter zu steigern, bis er sich selbst des Mitleids nicht mehr erwehren konnte. Er sprach: „Willst du denn nicht, o Theodorus, dass dir meine Güte in diesen schrecklichen Peinen zu Hilfe kommt?“ Der Heilige antwortete: „Der Herr ist mein Helfer, ich will nicht fürchten, was der Mensch mir tut.“ Um dieser Antwort willen wurde der Kaiser aufs Neue erzürnt. Er ließ Fackeln bringen und den mit Wunden bedeckten Theodorus sengen. Theodorus aber sprach mitten in der Pein: „Wenn du noch tausend Martern an mir versuchst, so frage ich nichts danach. Denn ich bin bereit, nicht allein den Leib, sondern auch meine Seele für den Glauben zu opfern, gleichwie mein Herr, Jesus Christus getan hat. Für die Ehre seines göttlichen Namens will ich gerne den allerbittersten Tod ausstehen.“ Der Kaiser versuchte durch noch grausamere Qualen die Standhaftigkeit des Heiligen zu besiegen, dann ließ er ihn in den Kerker abführen.

 

Mehrere Tage schmachtete er in dem Kerker. Er war vor Schwäche einem Sterbenden ähnlich. Der leise Atem war noch das einzige Lebenszeichen. Nun kamen die Schergen und schrien: „Erwähle zwischen Zweien Eines: entweder bete die Götter an, oder stirb am Kreuz!“ Theodorus sprach: „Christus ist mein Leben, sterben ist mein Gewinn!“

 

Da führten ihn die Schergen auf den Richtplatz, banden ihn an ein Kreuz, und richteten es auf. Dann spannten sie ihre Bogen und schossen eine Menge von Pfeilen auf ihn. Sie hatten Befehl, seinen Leib bis zum dritten Tag an dem Kreuz zu lassen. Der heilige Märtyrer war nun durch ein Wunder noch am Leben geblieben. Er sehnte sich nach Erlösung und betete: „O Herr Jesus Christus, du König aller Kreaturen, der du für uns arme Sünder am Kreuz gestorben bist, erhöre meine Stimme, und nimm auf meinen Geist! Lass nicht zu, dass meine Feinde sich rühmen und sagen: „Wo ist dein Gott?“ O Herr, der du zu mir gesagt hast: „Bleibe standhaft, denn ich bin bei dir“, komm mir zu Hilfe, dass der Fürst der Bosheit nicht an mir finde, ihm zugehörig zu sein. Denn du bist mein Gott, den ich geliebt und gesucht habe, und den ich anzuschauen heftig verlange. So steh mir denn bei, o Herr Jesus Christus, und nimm meinen Geist zu dir auf!“

 

Plötzlich schwebte in himmlischer Klarheit ein Engel herab, löste seine Bande und trug ihn sanft auf die Erde, sprechend: „Trost und Freude sei mit dir, o Theodorus! Siehe! Jesus Christus hat mich zu dir gesandt. Er ist und bleibt bei dir. Er hat es versprochen der Wahrhaftige! Zum Zeichen dessen macht er dich ganz gesund.“ Der Engel verschwand, und allsogleich fühlte sich der Heilige völlig stark und munter. Mit lautem Jubel sagte er seinem Erlöser Dank, und die Umstehenden begleiteten ihn voll froher Verwunderung. Als sie kaum fortgezogen waren, kamen zwei Abgeordnete des Kaisers, die den Leib des Theodorus vom Kreuz nehmen und begraben sollten. Das Kreuz fanden sie leer. Neugierig suchten sie umher, und trafen ihn schließlich auf dem Markt, umgeben von vielen Menschen, denen er das heilige Evangelium verkündete. Die Gnade Gottes erleuchtete die beiden, so dass sie wie mit einem Mund ausriefen: „Wahrhaftig, der Gott der Christen ist ein großer Gott!“ Sie fielen dem Heiligen zu Füßen, und begehrten die heilige Taufe. Nachdem Theodorus sie so gut als möglich unterrichtet hatte, wurden sie samt noch achtzig Seelen getauft.

 

Der Kaiser Lizinius wurde darüber bald informiert, und schickte sogleich vierzig Bewaffnete, die Neubekehrten und den Theodorus auf der Stelle umzubringen. Sobald sie der Versammlung der Christen, in deren Mitte Theodorus predigte, sich näherten, wurden sie uneins unter sich. Denn ihr Anführer Castus wurde mit einem Teil der Soldaten gläubig, und lobte laut Christus den Herrn. Die übrigen Soldaten kehrten unverrichteter Sache zurück. Theodorus ging aber umher, redete mit Begeisterung den Heiden zu, dass sie sich zu Christus wenden, und die falschen Götter verlassen sollten. Außerordentliche Wunder und Zeichen, die er an den Kranken tat, unterstützten seine Worte, und halfen zur Bekehrung vieler.

 

Der Kaiser war wütend, und schickte in großem Zorn einen seiner Schergen, der den Theodorus, wo er ihn immer antreffe, enthaupten solle. Theodorus redete eben mit einem seiner Freunde und bat, seinen Leib nach überstandener Marter wegzunehmen und zu Euchaide zu begraben. Jetzt kam der Henker mit gezücktem Schwert, und wollte den Heiligen töten. Theodorus erbat sich nur einige Augenblicke Frist, um zu beten. Da erhob er Augen und Hände mit großer Andacht zum Himmel, und sprach: „O du allmächtiger König, Herr Jesus Christus, durch dessen göttliche Kraft alle erschaffenen Dinge des Himmels und der Erde erhalten und regiert werden, erhöre mich und nimm zu dir meinen Geist. Errette mich aus der Gewalt des schrecklichen Fürsten der Finsternisse, und lass mich zu dir in Ruhe und Frieden kommen. Gedenke nicht an die Sünden meiner Jugend, und vergiss meine Unwissenheit. Sende deine heiligen Engel, dass sie meine Seele aufnehmen, und zu dir führen, der du mit dem Vater und dem Heiligen Geist lebst und regierst in Ewigkeit. Amen.“ Jetzt bezeichnete er sich mit dem Zeichen des heiligen Kreuzes, und der Henker schlug mit seinem Schwert, und das Haupt fiel, aber die schöne Seele fuhr auf in die ewige Freude.

 

Der fromme Eugerius erfüllte den Willen des heiligen Martyrers, und begrub den Leichnam auf seinem Landgut, wo später eine prachtvolle Kirche über sein Grab gebaut wurde.

 

Der heilige Moyses von Arabien,

Einsiedler, Bischof der Sarazenen und Bekenner,

+ 4. Jahrhundert – Fest: 7. Februar

 

Moyses, ein Sarazene von Geburt, lebte in jenem Teil von Arabien, der zur Zeit des Kaisers Konstantin des Großen zu Palästina gehörte, und wurde früh zur christlichen Religion bekehrt, wenn er nicht sogar von christlichen Eltern herstammte. Seine Lebensjahre fallen in die Zeit, in der die Wüsten seines Vaterlandes sich mit heiligen Einsiedlern bevölkerten, zu denen er sich auch aus frommem Antrieb hinzugesellte. Den Augen der Welt entzogen, lebte er lange in einer Einöde zwischen Ägypten und Palästina unter diesen Männern. Gott aber wollte ihn nicht länger vor den Menschen verborgen halten. Er wollte das Verdienst seines Glaubens und seiner Tugenden belohnen und machte ihn deswegen nicht nur zum Mittler des Friedens zwischen den Römern und Sarazenen, sondern selbst zum Gegenstand und zur Hauptursache dieses Friedens.

 

Diese Barbaren waren unter der Regierung Konstantins und Julians Bundesgenossen der Römer, brachen aber nach dem Tod ihres Königs diesen Bund. Mauvia, die Königin der Sarazenen, stellte sich an ihre Spitze, mit dem Heldenmut und der Gewandtheit eines alten Feldherrn, und verheerte furchtbar die Provinzen des römischen Reiches von Ägypten an bis gen Syrien. Sie schlug die Römer in mehreren Treffen und diese fanden sich nun genötigt, da sie im Norden und Osten Krieg zu führen hatten und in ihren Unternehmungen nicht sehr glücklich waren, der Königin Gesandte zu schicken und um Frieden, wie auch um die Wiederherstellung des alten Bündnisses zu bitten. Mauvia, die sich gerade zum christlichen Glauben bekehrt hatte, willigte ein, unter der Bedingung, dass man ihr den berühmten Einsiedler Moyses, der so viele Wunder an den Grenzen von Palästina und Ägypten tat, zum Bischof ihres Volkes und Landes gebe. Den Gesandten mochte wohl eine so leichte Bedingung nicht missfallen. Sogleich setzten sie den Kaiser davon in Kenntnis. Dieser, obgleich ein Begünstiger des Arianismus, sah diesen Vorschlag als eine besondere Gnade des Himmels an. Moyses wurde sogleich aufgesucht und nach Ägypten geführt, um dort zum Bischof der Sarazenen geweiht zu werden. Man stellte ihn dem falschen Patriarchen Lucas vor, der, nachdem er Petrus, den rechtmäßigen Nachfolger des heiligen Athanasius, vertrieben hatte, sich mit Hilfe der Arianer, deren Anhänger er war, auf den Patriarchensitz von Alexandrien unrechtmäßig geschwungen hatte. Aber der Heilige bediente sich dieser Gelegenheit, um seinen Eifer für die Reinheit des Glaubens und der katholischen Kirchenzucht an den Tag zu legen. Als sich Lucas ihm näherte, um ihm die Hände aufzulegen, erklärte er ihm, ohne Furcht vor den Arianern und dem Kaiser, ganz unverhohlen, er erkenne ihn nicht als wahren Hirten der Kirche an, er solle sich nicht unterstehen, ihm seine frevelhaften Hände, die mit dem Blut so vieler Heiligen befleckt seien, aufzulegen. Eine solche Handauflegung sei ungültig und vermag keineswegs die Kraft des heiligen Geistes zu erteilen.

 

Die obersten Feldherren, die kaiserlichen Offiziere und das Volk, noch vor Kurzem Zeugen seiner großen Demut, als man ihn beinahe zwingen musste, die Bischofswürde, deren er sich ganz unwürdig hielt, anzunehmen, erstaunten nicht wenig, als sie ihn nun mit solcher Kraft einem Mann sich widersetzen sahen, der sich durch seine Tyrannei und seine Grausamkeiten so furchtbar gemacht hatte. Der Patriarch selbst wurde durch diese edle Freimütigkeit des Heiligen bestürzt. Er verbarg seinen Verdruss und suchte ihn durch glatte Worte auf seine Seite zu ziehen. Er solle ihn ja nicht verdammen, sagte er ihm, da er seinen Glauben nicht kenne. Er wolle ihm darüber Rechenschaft ablegen und er solle ja nicht den falschen Gerüchten, sondern dem, was er nun hören werde, Glauben beimessen. „Deine Ränke werden mich nicht überlisten,“ antwortete Moyses mit heiliger Kühnheit, die der anwesenden Volksmenge Achtung einflößte und Stillschweigen gebot. „Deine Handlungen reichen allein schon hin, daraus deinen Glauben zu erkennen. So viele eifrige Diener Gottes, die du zu den Bergwerken verurteiltest, so viele Bischöfe, die du ins Elend schicktest, so viele Priester und Diakonen, die du den wilden Tieren vorwerfen oder den Scheiterhaufen besteigen ließest, bezeugen genügend die Gottlosigkeit deines Glaubens. Man kann nicht wahrhaft an Jesus Christus glauben und nur das Mindeste dieser Verbrechen begehen.“

 

Moyses endigte diese Vorwürfe mit einem öffentlichen Schwur, dass er sich niemals von einem solchen, der sich als Verfolger der Bischöfe und der Kirche erklärt hätte, werde zum Bischof weihen lassen. Noch nie war der Stolz des Patriarchen so sehr gedemütigt worden, wie dieses Mal, und er hätte sicher in der Wut seines Zornes den Heiligen zum Tode verurteilt, wenn er nicht den Kaiser gefürchtet hätte, dem er alles verdankte, und wenn es nicht das Wohl des Reiches gehindert hätte, das nur durch die Auslieferung des Heiligen den Frieden erhalten konnte.

 

Die Reichsobersten begleiteten nun den Heiligen nach seinem Wunsch zu den wegen der katholischen Religion verbannten Bischöfe. Diese weihten ihn und sahen ihn in doppelter Hinsicht als ihren Mitbruder an, weil er die heilige Weihe von ihnen empfangen hatte, und ein so glorwürdiges Bekenntnis der Wahrheit, mit Gefahr seines Lebens, vor einem allgemeinen Verfolger und Feind der Gottheit Jesu Christi, abgelegt hatte. Moyses begab sich sogleich an den Ort, wohin ihn der Herr berufen hatte. Durch seine Frömmigkeit, seine Lehre und Wunder bekehrte er eine zahllose Menge Ungläubige zur Religion Jesu. Durch seine Klugheit unterhielt er stets die Eintracht zwischen den Sarazenen und Römern. Es lässt sich mutmaßen, dass Moyses lange Zeit das Amt eines Bischofs verwaltete, indem die Geschichtsschreiber ihm eine Menge Bekehrungen in diesem Land zuschreiben. Jedoch haben wir keine genaue Kenntnis von den schönen Wirkungen seines unerschrockenen Eifers, und von den vielen Wundern, womit Gott sein Apostelamt bestätigte. Der einzige Umstand seines Lebens, den wir hier erzählt haben, erlangte ihm die Verehrung der Nachwelt. Die Kirche feiert sein Andenken am 7. Februar, obgleich weder der Tag, noch das Jahr seines Todes bekannt ist.

 

Gebet am 7. Februar

 

Allerheiligste Jungfrau, holdseligste Mutter und Fürsprecherin, die du alle Geschöpfe an Reinheit übertroffen hast, wunderbare Mutter ohne Sünde und ohne Makel, bitte für mich schwachen, zu allem Bösen geneigten Sünder, damit ich meinen Entschluss, deinen göttlichen Sohn durch keine lässliche Sünde freiwillig zu beleidigen, getreulich ausführe. Amen. 

 

Zu Gott für den Heiligen Vater

 

Gott, Du Hirt und Lenker aller Gläubigen, schaue gnädig herab auf Deinen Diener, unseren Papst, den Du zum Hirten Deiner Kirche bestellt hast: lass ihn, wir bitten Dich, durch Wort und Beispiel alle Glieder der Kirche fördern, dass er mit der ihm anvertrauten Herde zum ewigen Leben gelange, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

An diesem Tag wurde im Jahr 1098 durch Beistand der seligsten Jungfrau das Heer der Sarazenen von den Christen bei Antiochien in Syrien geschlagen.

 

Andacht am 7. Februar:

 

Das Thema im Februar:

Von der Demut

"Wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden." (Lukas 14,11)

 

"Ein einziger Tag, an dem der Mensch seiner Sünden und seiner Schwäche wegen sich tief vor Gott demütigt, gewinnt ihm mehr Gnaden als viele Tage, die er im Gebet zubringt." (Die heilige Theresia von Avila)

Der heilige Franziskus von Assisi verachtete sich als den größten Sünder, den die Erde trägt, und als der Hölle würdig. Als man ihm sagte, dass es ja Mörder gibt, Diebe, Ehebrecher und andere Lasterknechte, die Gott weit schwerer beleidigt haben, sprach er: "Meine Brüder, Wenn Gott diesen Menschen die Hälfte der Gnade verliehen hätte, die Er mir verliehen hat, sie würden Ihn ohne allen Vergleich mehr lieben und Ihm getreuer dienen, als ich unnützer und nichtswürdiger Sünder."

Der heilige Vinzenz von Paul löste sich beständig vor Gott in sein Nichts auf und sprach: "Eine Kette von lauter Sünden wäre mein ganzes Leben, wenn nicht Du, o Herr, alle meine Gedanke, Worte und Werke ordnen würdest!"

 

O Gott, nur Deines Zornes, Deines Fluches und Deiner Rache bin ich wegen meiner schweren Sünden und wegen des Missbrauchs Deiner Gnaden wert! Doch größer ist Deine Barmherzigkeit als meine Sünden! Darum bitte ich Dich: erbarme Dich eines so großen Sünders, der es nicht wagt, seine Augen zum Himmel zu erheben; und verwirf nicht ein demütiges und zerknirschtes Herz!" Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 7. Februar

 

"Liebt die Menschen sehr, habt eine große Liebe zu den Menschen,

verkehrt aber wenig mit ihnen."

 

hl. Katharina von Siena OP

1347 bis 29.4.1380

 

Betrachtung am 7. Februar . Von den bösen Wirkungen der Ungeduld

 

Wie schön, o Palme der Geduld,

Sind deine Früchte, die dich schmücken.

Auch winkt mir freundlich deine Huld,

Emporzusteigen, sie zu pflücken;

Denn diese Heilesfrucht erfreut

Nur den, der nicht die Arbeit scheut.

 

1. Halte für gewiss, dass du im Leben des Geistes noch nicht zugenommen hast, wenn du deine Ungeduld noch nicht besiegen gelernt hast. Denn woher kommt deine Ungeduld, außer von deiner ungeregelten Eigenliebe, die noch immer lebendig in dir herrscht, und keinen Zügel dulden will? "Der Ungeduldige", spricht die Schrift, "wirkt Narrheit; und er wird Schaden leiden!" Woher auch so viele voreiligen Schritte, so viele unbesonnene Reden, so viele blinde Urteile, so viele ungerechte Beleidigungen und wunderliche Entscheidungen? Daher, weil deine Ungeduld das Licht und den Frieden aus deinem Herzen vertrieb, und dich in Finsternis und Erbitterung zurückließ. 

 

2. Kein Fehler ist, - nicht nur der Frömmigkeit, - sondern auch der Vernunft so sehr entgegen als die Ungeduld, weil der Ungeduldige über zahllose Dinge erbittert wird, die sich weder vorhersehen, noch verhindern lassen, und die aus der Bedrängnis der Zeiten, aus Todesfällen geliebter Personen, aus feindlicher Bosheit und aus verborgenen Ursachen kommen, die die Weltkinder Zufall nennen. Wann aber wirst du ein Übel durch Erbitterung heilen? Murren, Klagen, Lärm, Schimpfworte sind nicht nur ohnmächtige Waffen gegen den Feind, sondern sie bringen auch uns selbst Unheil, weil sie sich gegen uns zurückwenden. "Der Herr hat`s gegeben, der Herr hat`s genommen!" So spricht wer weise ist, wer Gott sich ergeben hat. Von diesem Schild prallen alle Pfeile der Widerwärtigkeiten zurück.

 

3. Niemals wirst du zu wahren Tugenden gelangen, wenn du dir nicht Gewalt antust, und mit großer Geduld dich bewaffnest. Fasse also jeden Tag ernsthafte Vorsätze hierüber, und lerne im Buch des Kreuzes Jesu Christi Geduld in Liebe üben. Dringend ermahnt hierzu der große, von Gott erleuchtete Apostel, der die Ungeduld "eine Wurzel der Bitterkeit" nennt; weil aus ihr Eigensinn und Launen hervorgehen, die einer christlichen Seele unwürdig sind, und das Leben wahrhaft verbittern. Auch gibt er uns zu Führern die Liebe Gottes und die Geduld Jesu Christi (2. Thessalonicher 3,5). An einer anderen Stelle aber spricht er: "Er gebe euch in der Macht seiner Herrlichkeit viel Kraft, damit ihr in allem Geduld und Ausdauer habt." (Kolosser 1,11) Denn nur die Geduld erringt die himmlische Krone. Lukas 21,19: "Wenn ihr geduldig bleibt, werdet ihr das Leben gewinnen."

 

8. Februar

 

Der heilige Paulus, Bischof von Verdun und Einsiedler,

+ 631-649 – Fest: 8. Februar

 

Der heilige Paulus war der Sohn einer adeligen Familie in den Niederlanden und wurde in seiner Jugend in allen Wissenschaften gebildet. Weil er aber eine sehnliche Neigung zum einsamen Leben hatte, betete er ständig unter Tränen zu Gott, ihn den rechten Weg zu führen, auf dem er am sichersten zur Vollkommenheit des christlichen Lebens gelangen könne. Er erhielt schließlich eine Erleuchtung von Gott, dass er, wie einst Abraham, seine Verwandten und sein Vaterland verlassen und in der Einöde leben sollte. Sogleich verteilte er alle seine Güter unter die Armen, verzichtete auf Ansehen und auf alle Ansprüche, zu denen ihn seine hohe Geburt berechtigte, und floh auf unbekannten Wegen in ein anderes Land, in dem er sich bloß der Leitung der Vorsehung Gottes überließ. Auf den vogesischen Gebirgen fand er eine Wüste, die in früheren Zeiten fromme Einsiedler bewohnt hatten und da erbaute er sich eine Zelle, wo er unter Gebet und Abtötung seine Sinnlichkeit bekämpfte und durch heilige Betrachtungen sich dem näheren Umgang mit Gott weihte.

 

Auf diesen Gebirgen stand in weiter Ferne ein Kloster, Tholei mit Namen, das der heilige Paulus öfters besuchte, um dem Gottesdienst beizuwohnen und die heilige Kommunion zu empfangen. Die Ordensmänner, die mit dem Einsiedler jedes Mal fromme Gespräche führten, staunten über die gründliche Gelehrsamkeit und die tiefe Demut dieses Heiligen, und alle wünschten, ihn in ihrer Genossenschaft zu haben, um durch sein anziehendes Beispiel im gottseligen Leben erwärmt zu werden. Um ihr Verlangen zu erfüllen, berief ihr Abt den heiligen Paulus zu sich und bewies ihm, dass er in einem Kloster eben so einsam, wie in einer Wüste leben und unendlich mehr Gutes verbreiten könne unter seinen Mitbrüdern als ein Muster einer vollkommenen Tugend. Und dieses, setzte er hinzu, verlangt auch Jesus, wenn er sagt: „Lasst euer Licht leuchten vor den Menschen, damit sie eure guten Werke sehen und den Vater verherrlichen, der im Himmel ist.“ Der demütige Paulus warf sich zu den Füßen des Abtes und überließ sich ganz seiner väterlichen Leitung, der ihm nun das Ordenskleid reichte und ihn unter seine Jünger aufnahm. Bald übertraf er alle Ordensmänner in Abtötung, Wachen und im Gehorsam und der Ruf seiner Heiligkeit verbreitete sich so sehr, dass aus den entferntesten Gegenden Jünglinge und Männer in das Kloster kamen und den heiligen Paulus baten, sie als seine Schüler aufzunehmen und zur christlichen Vollkommenheit zu führen. Unter denen befand sich auch Grimo, ein Enkel des fränkischen Königs Dagobert, der aus Liebe zu Jesus Reichtümer und Ansehen vor den Menschen floh, die Armut wählte in den einsamen Mauern des Klosters und der innigste Freund seines heiligen Lehrers wurde.

 

Im Jahr 621 starb der Erzbischof Ermenfredus zu Verdun und der König Dagobert wusste keinen würdigen Mann zu dessen Nachfolger zu wählen, als den heiligen Paulus, um so viel mehr, da die Geistlichkeit und das Volk denselben einstimmig zu ihrem Oberhirten verlangten. Der demütige Diener Gottes weigerte sich lange, seine Einsamkeit zu verlassen, aber als er Gottes Willen erkannte, der ihn durch die Stimme des Volkes zu einem Licht seiner Kirche berief, empfing er die bischöfliche Weihe, nahm Besitz von seinem Erzbistum und um Ordnung und Sittlichkeit in demselben einzuführen, machte er den Anfang damit, dass er seine Domherren und Geistlichen nach den alten Kirchengesetzen zu einem gemeinsamen, klösterlichen Leben beschränkte, wodurch er nicht nur das Ärgernis eines weichlichen Lebens von Seite der Geistlichkeit entfernte, sondern auch Tugend und Gottseligkeit unter seiner Herde verbreitete. Er war ein Muster eines apostolischen Hirten und stand wegen seines heiligen Lebens bei König Dagobert in so großem Ansehen, dass dieser der christlichen Kirche auf dessen Bitte große Freiheiten bewilligte und viele Gotteshäuser und Klöster erbaute.

 

Der heilige Paulus starb in seinem Greisenalter am 8. Februar 649 und wurde zu Verdun in der Kirche des heiligen Saturnin, die er selbst erbaut hatte, beerdigt.

 

Der heilige Stephan von Thiers,

Priester, Abt und Ordensstifter, Frankreich,

+ 8.2.1124 – Fest: 8. Februar

 

Der heilige Stephan war der Sohn einer ansehnlichen und wohlhabenden Familie zu Thiers bei Clermont und seine frommen Eltern, Stephan und Candida, erzogen ihn durch Lehren und Beispiel in der Furcht Gottes und übergaben ihn als einen talentvollen und heilsbegierigen Jüngling der Leitung des heiligen Milo, Erzbischof in Benevent, der bei ihm den Grund zu seiner künftigen Heiligkeit legte. Zwölf Jahre lang genoss Stephan den Unterricht dieses gottbegeisterten Oberhirten und erwarb sich einen solchen Schatz von Kenntnissen in den Heilswissenschaften und eine solche römmigkeit, dass ihn der heilige Milo zu seinem Diakon weihte und zum Mitarbeiter im heiligen Amt erwählte. Nach dem Tod seines Lehrers begab er sich nach Rom und arbeitete vier Jahre lang unter ununterbrochenem Fasten und Gebet an dem Plan zur Errichtung eines neuen, strengen Ordens und nachdem er die Bestätigung vom Papst erhalten hatte, baute er auf dem Berg Murel, der in der Nähe von Limoges liegt, ein Kloster und nahm Jünger an, die er zur strengen Abtötung und Armut anhielt. Fünfzig Jahre lang lebte der Heilige mit seinen Ordensmännern in der größten Abgeschiedenheit von der Welt auf diesem Berg und nur erst dann verließ er das Kloster, als der Ruf seines heiligen Lebens eine Menge Menschen herbei zog, die bei ihm Rat und Hilfe in ihren Angelegenheiten und Bedrängnissen suchten. Er begab sich daher mit den Seinigen in die einsame Gegend von Grammont, und da er aus Demut seinem Orden keinen Namen gab, erhielt er die Benennung des Ordens von Grammont; denn er selbst pflegte zu sagen, er sei kein Mönch und kein Einsiedler, sondern ein unwürdiger Diener Gottes. Die Regel seines Ordens war einfach und forderte eine gänzliche Lostrennung von allem Irdischen. Seine Jünger lebten nur vom Almosen, das die Gläubigen freiwillig in das Kloster brachten, wo es nur die Laienbrüder in Verwahrung nehmen durften.

 

Der heilige Abt Stephan führte seine Schüler mehr durch sein Beispiel, als durch Befehle und Ermahnungen zu einem gottseligen Leben; denn er beobachtete stets das strengste Stillschweigen, war der Demütigste unter allen und diente den Niedrigsten wie seinen Herrn. Er trug zu jeder Jahreszeit ein altes, abgetragenes Kleid, hatte auf dem bloßen Leib einen eisernen Panzer und schlief auf der Erde. Seine Nahrung bestand nur in Brot und Wasser und von allen übrigen Speisen enthielt er sich sorgfältig und gab seinen Anteil den Armen und Kranken, die er seine Kinder nannte. Während des Gebetes warf er sich oft auf das Angesicht, dass die Haut seiner Knie und Hände so rau wurde, wie die der Kamele. Gott verherrlichte ihn schon während seiner Lebenszeit durch die Gabe der Wunder, die er aber äußerst selten und nur dann wirkte, wenn Armen und Unglücklichen durch Menschen nicht mehr geholfen werden konnte. Er starb im Jahr 1124 und wurde von Papst Clemens III. am 30. August des Jahres 1189 unter die Zahl der Heiligen gesetzt.

 

* * *

 

Der heilige Stefan von Thiers (von Muret; von Grandmont – französischer Name: Étienne)

* 1050 in Thires im Départemt Puy-de-Dôme in Frankreich - † 8. Februar 1124 in Muret in Frankreich - Fest: 8. Februar - Stefan wurde am 21. März 1189 durch Papst Clemens III. heiliggesprochen.

 

Lebensbeschreibung des heiligen Stefan von:

Dr. Räß, Professor der Theologie und Direktor im bischöflichen Seminar in Mainz,

und Dr. Weis, Geistlicher Rat und Canonicus am hohen Dom in Speier,

Mainz 1823, Band 2, S. 499 (aus dem Französischen)

 

Der heilige Stefan

Stifter des Ordens von Grandmont

 

(Stefan von Liciac, vierter Prior von Grandmont, schrieb die Lebensgeschichte dieses Heiligen im Jahr 1141; allein dieses Werk scheint verloren gegangen zu sein. Gerhard Ithier, siebenter Prior desselben Klosters, hat einen Auszug davon geliefert, den wir noch haben, und wovon Dom Martene eine gute Ausgabe veranstaltet hat, Vet. Script. Ampliss. Collect., tom. VI, p. 1043. Die Anmerkungen des gelehrten Benediktiners verbessern die Verstöße gegen die Zeitrechnung, und andere Fehler, in welche der Abkürzer gefallen ist. Martene hat auch, ibid., mehrere andre Aktenstücke in Betreff der Lebensgeschichte des heiligen Stefan von Grandmont bekannt gemacht. Sieh auch Rivet, Hist. littèr. De la France, tom. X, p.410, und die Gallia Christ. nova, tom. II, p. 646)

 

Jahr 1124

 

Der heilige Stefan war ein Sohn des frommen Grafen von Thiers, des ersten Edelmannes von Auvergne. Von seiner Kindheit an zeigte er schon viel Neigung zur Tugend, und ließ den Keim diese hohen Heiligkeit schon blicken, zu der er in der Folge heranreifte. Einem tugendhaften Priester, Milo genannt, der damals Dechant der Kirche von Paris war, übertrugen die Eltern die Sorge seiner Erziehung. Nachdem dieser zum Bischof von Benevent im Jahr 1074 erwählt worden, behielt er den jungen Stefan bei sich, und fuhr fort, ihn in der Kenntnis der heiligen Schrift und in den Wegen der Vollkommenheit zu unterrichten. Gerührt von dem seltenen Verdienst seines Schülers, entschloss er sich, ihn dem Altar zu weihen, und erteilte ihm das Diakonat. Nach Milos Tod 1076, ging der Heilige nach Rom, um da seine Studien zu beenden, wo er vier Jahre verweilte. Während dieser ganzen Zeit schien es ihm, als höre er eine innere Stimme, die ihm sagte, er solle die Welt verlassen. Die Betrachtungen, die er über die Gefahren, die die Seele umgeben, über die Notwendigkeit, ein bußfertiges Leben zu führen, und über die Vorteile der Einsamkeit anstellte, bestimmten ihn vollends, diesem innern Ruf zu folgen. Er wandte sich daher an den Papst Gregor VII. und begehrte von ihm die Erlaubnis, Einsiedler zu werden, und die Regel einer sehr strengen Genossenschaft, die er in Kalabrien kennen gelernt hatte, zu befolgen.

 

Als ihm der Papst sein Verlangen bewilligt hatte, kehrte er in das Schloss von Thiers zurück, um seine häuslichen Angelegenheiten zuerst zu ordnen. Er hatte von Seiten seiner Freunde, die sich mit aller Kraft seinen Absichten entgegensetzten, harte Kämpfe zu bestehen. Seine Eltern, die ihn allzeit als ein Kind des Segens angesehen hatten, das Gott ihrem Gebet gegeben hat, und die, weit entfernt seinen Wünschen Hindernisse zu legen, viel mehr zu ihrer Ausführung mitgeholfen hätten, lebten nicht mehr. Alles Widerstreiten war aber vergeblich. Er entfloh heimlich, und nachdem er in verschiedenen Wüsteneien umhergeirrt war, zog er sich an den Berg Muret zurück, in der Nähe von Limoges. Es herrschte da eine überaus große Kälte, und nur wilde Tiere hatten da ihre Wohnung. An diesem Ort entschloss sich der Heilige zu verbleiben, und sich dem Dienst des Herrn durch ein besonderes Gelübde zu widmen. Er drückte sich bei seiner Weihe also aus: „Ich Stefan entsage dem Teufel, und seiner Pracht; ich opfere und weihe mich unbedingt dem Vater, dem Sohn und dem Heiligen Geist, dem einzigen Gott in drei Personen.“ Er schrieb mit eigener Hand diese seine Verpflichtung, und bewahrte sie stets samt dem Ring, dessen er sich zur Versiegelung seiner Weihe bedient hatte. Er erbaute sich eine Art Hütte von geflochtenen Baumzweigen, um sich vor dem Ungemach der Witterung zu schützen, und brachte da sechsundvierzig Jahre zu in der Übung des Gebetes und der Buße. Die Abtötungen, die er ausübte, waren ganz außerordentlich, und meistens überstiegen sie die sich selbst überlassene menschliche Schwachheit. Anfangs nährte er sich von nichts als Kräutern; allein, da ihn Schäfer im zweiten Jahr seiner Zurückgezogenheit entdeckt hatten, brachten sie ihm aus Nächstenliebe von Zeit zu Zeit Brot. Nachher übernahmen Landleute  der Nachbarschaft dieses Werk, und fuhren fort, dem Heiligen, so lange er lebte, diesen Dienst zu erweisen. Nicht zufrieden, seinen Leib durch eine sehr strenge Buße zu züchtigen, trug er auf bloßem Leib ein härenes Kleid mit kleinen eisernen Ringen, über welches ein sehr schlechtes Obergewand hing, das er weder im Sommer noch Winter änderte. Wenn er sich einige Ruhe gestatten musste, schlief er auf Brettern, die er in Gestalt eines Sarges gelegt hatte. Die Zeit, welche er nicht mit Handarbeit zubrachte, widmete er auf der Erde liegend der Anbetung der göttlichen Majestät. Die Wonneempfindungen, die ihm in der Beschauung zu Teil wurden, bemächtigten sich so aller seiner Seelenkräfte, dass er öfters zwei bis drei Tage zubrachte, ohne nur an das Essen zu denken. Erst im Alter von sechzig Jahren ließ er sich bewegen, einige Tropfen Weines unter sein Trinkwasser, wegen der Schwäche seines Magens, zu nehmen.

 

Da der Ruf seiner Heiligkeit mehrere Personen in die Wüste gezogen hatte, war er bald genötigt, Schüler anzunehmen. Er liebte sie, wie seine Kinder; leitete sie mit bewunderungswürdiger Weisheit, die stets die Abtötungen nach den Kräften des Leibes und der Seele abmaß. So streng er gegen sich selbst war, so liebevoll und sanft behandelte er andere. Dessen ungeachtet bestand er immerhin fest auf der Erfüllung der wesentlichen Pflichten des Einsiedlerlebens, als da sind: das Stillschweigen, die Armut, und die Selbstverleugnung. Die Ermahnungen, die er an seine Schüler hielt, behandelten hauptsächlich die Notwendigkeit, sein Herz von allen Neigungen zu den Geschöpfen loszureißen. Jenen, die zu ihm kamen, um unter seiner Leitung zu leben, pflegte er zu sagen: „Hier ist ein Gefängnis, das weder Tür noch Öffnung hat; und aus demselben könnt ihr nicht anders kommen, wenn ihr in die Welt zurückkehren wollt, als dass ihr die Mauer durchbrecht. Wenn euch dieses Unheil widerführe, wäre ich nicht im Stande, jemanden euch nachzuschicken, da alle hier Wohnenden in der Welt eben so fremd sind, wie ich.“ Stefan sah sich als den Geringsten seiner Genossenschaft an, und nahm allzeit den letzten Platz ein. Er war ein Feind von allen Ehrenbezeigungen, die mit dem Amt eines Obern verbunden sind. Während seine Mitbrüder am Tisch aßen, saß er mitten unter ihnen auf der Erde, und las ihnen die Leben der Heiligen vor. Gott belohnte diese Demut mit der Gabe der Wunder und Weissagungen. Unter allen Wundern aber, die er wirkte, ist keines so staunenswürdig, als die Bekehrung so vieler verstockter Sünder. Man hätte beinahe sagen mögen, es sei unmöglich, dass jemand der Gnade, die alle seine Worte begleitete, widerstehe.

 

Unterdessen wurde durch den öffentlichen Ruf immer mehr und mehr die erhabene Heiligkeit des Dieners Gottes bekannt. Zwei Kardinäle, (einer dieser Kardinäle wurde in der Folge Papst unter dem Namen Innocenz II.) die als Legaten nach Frankreich geschickt wurden, begaben sich in seine Einöde, um ihn zu besuchen. In der Unterredung, die sie mit ihm hielten, fragten sie ihn nach seiner Lebensweise. Bist du Chorherr, fragten sie ihn, Mönch, oder Einsiedler? Ich bin nichts von allem diesen, entgegnete der Heilige; und da man in ihn drang, sich deutlich zu erklären, sprach er sich folgendermaßen aus: „Wir sind arme Sünder, die die Barmherzigkeit Gottes in diese Wüste geführt hat, um da Buße zu tun. Der Statthalter Christi selbst hat uns nach unsrer Bitte, zur Sühnung unsrer Sünden, die verschiedenen Übungen auferlegt, denen wir uns unterziehen. Wir sind zu unvollkommen und zu gebrechlich, als dass wir den Mut hätten, die glühende Inbrunst jener heiligen Einsiedler nachzuahmen, die durch die Beschauung so innig und unaufhörlich mit Gott vereinigt wurden, dass sie selbst ihrer leiblichen Bedürfnisse vergaßen. Ihr seht auch, dass wir weder das Kleid der Mönche, noch jenes der Chorherren tragen. Noch weiter sind wir davon entfernt, ihre Namen anzunehmen, weil wir weder den Charakter der einen, noch die Heiligkeit der anderen haben. Noch einmal, wir sind nur arme Sünder, die, durch die Strenge der göttlichen Gerechtigkeit geschreckt, mit Furcht und Zittern dahin arbeiten, dass uns Jesus Christus am großen Tag seiner Vergeltung gnädig sein möge.“ Die Legaten verließen den Heiligen, von tiefer Ehrfurcht ihm gegenüber durchdrungen, und durch alles, was sie gesehen und gehört hatten, sehr erbaut.

 

Acht Tage nach ihrer Abreise gab der Himmel dem Heiligen zu erkennen, dass sein Lebensende herannahe. Dies war für ihn ein neuer Beweggrund, seinen Eifer bei allen seinen Übungen zu verdoppeln. Als er einige Zeit nachher in eine Krankheit verfiel, der er erliegen musste, wandte er die wenigen ihm noch übrigen Augenblicke dazu an, seine Schüler in ihrem Beruf zu bestärken, und ihnen ein zärtliches Vertrauen auf Gott einzuflößen. Er redete mit ihnen in so lebhaften und rührenden Worten, dass er sie von der Unruhe befreite, in die sie bei dem Gedanken, was nach ihres Führers Tod aus ihnen werden sollte, verfielen. Hierauf ließ er sich in die Kirche tragen, wo er die heilige Messe hörte, und das Sakrament der letzten Ölung und des Altars empfing. Er starb den 8. Februar 1124, indem er die Worte aussprach: „Herr in deine Hände gebe ich meine Seele zurück.“ Er war beinahe achtzig Jahre alt (Er starb im sechsundvierzigsten Jahr seines einsamen Lebens nach der Erzählung Wilhelms Dandina, eines zuverlässigen Schriftstellers, welcher eine Lebensbeschreibung Hugo`s von Lacerta, der unter den ersten Schülern des Heiligen sehr berühmt war.); seine Schüler begruben ihn in der Stille, um dem zu großen Zusammenlauf des Volkes vorzubeugen; allein die Nachricht von seinem Tod hatte sich nicht sobald verbreitet, als man scharenweise zu seinem Grab herbeiströmte, wo Gott auch viele Wunder wirkte. Vier Monate nach seinem Tod, machten die Mönche von Ambazac, einer Priorei, die von der Abtei St. Augustin von Limoges, des Benediktinerordens abhing, auf Muret Anspruch, und forderten es zurück. Die Schüler des heiligen Stefan, welche den Geist und die Grundsätze ihres gottseligen Meisters ererbt hatten, wollten lieber ihren Wohnort abtreten, als sich dessen Besitz auf dem Wege des Rechts zu versichern. Sie zogen sich daher in die Wüste von Grandmont zurück, die eine Stunde von Muret entfernt liegt, und nahmen die kostbaren Überbleibsel (Reliquien) ihres heiligen Stifters mit sich. Von da haben sie den Namen Grandmontiner erhalten. Der heilige Stefan wurde von Clemens III. 1198, auf Begehren Heinrichs II., Königs von England, unter die Zahl der Heiligen gesetzt.

  

Der glühende Eifer der ersten Schüler des heiligen Stefan von Grandmont erwarb ihnen die Bewunderung aller, die sie kannten. Petrus von Celles nannte sie Engel, und sagte, dass er ein vollkommenes Vertrauen auf ihre Gebete setzte. Johann von Salisbury, ein gleichzeitiger Schriftsteller, stellt sie als außerordentliche Menschen vor, die, da sie sich über alles Sinnliche erhoben, ihre Leidenschaften und die Natur selbst bezähmt hätten. Stefan, Bischof von Tournay, erteilt ihnen auch das glänzendste Lob. Diesen Zeugnissen könnten wir leicht, wenn es notwendig wäre, noch mehrere andere beisetzen, die man ihrer Tugend erteilte.

 

Der Diener Gottes Philipp Jeningen aus der Gesellschaft Jesu,

+ 8.2.1704 – Gedenktag: 8. Februar

 

Vielleicht ist es gar noch nicht zu lange her, dass in deiner Heimat die letzte Volksmission gehalten wurde. Vielleicht hast auch du, wie so viele andere, etwas von ihren heiligen Wirkungen verspürt. Heute will ich dir nun von jenem Mann erzählen, der diesen frommen Brauch zuerst in Süddeutschland einführte.

 

Philipp Jeningen wurde am 5. Januar 1642 zu Eichstätt in Bayern geboren. Sein Vater war dort der Bürgermeister. Schon mit 16 Jahren wollte Philipp in die Gesellschaft Jesu eintreten. Der Provinzial machte die Aufnahme von der Erlaubnis des Vaters abhängig. Allein noch fünf Jahre sollte der Student kämpfen müssen, bevor er die Einwilligung des Vaters erhielt. Im Noviziat, das er 1663 bis 1665 in Landsberg machte, verlegte er sich in ganz besonderer Weise auf die Übung tiefer Demut und vollkommenen Gehorsams. „Ich will sein wie ein lebloses Bild,“ schrieb er sich damals vor, „das sich nicht bewegt, ob man es lobt oder schmäht. Ich will jeden Wink meiner Oberen befolgen und nicht erst ihre Befehle abwarten.“ Nach den ersten heiligen Gelübden lehrte er drei Jahre am Kolleg der Gesellschaft Jesu in Dillingen in den unteren Gymnasialklassen, vollendete in drei Jahren seine theologischen Studien, empfing 1672 in seiner Vaterstadt die heilige Priesterweihe und machte am berühmten Wallfahrtsort Altötting das dritte Noviziatsjahr, das nach der Bestimmung des heiligen Ignatius den letzten Gelübden vorausgehen soll.

 

Gleich im Anfang seines priesterlichen Wirkens trieb ihn die Demut zu einer bewunderungswürdigen Tat. Seit er vom heiligen Franz Xaver wunderbar geheilt worden war, entbrannte in seinem Herzen ein feuriges Verlangen, in die Fußstapfen des großen Apostels von Indien zu treten. Aber die Demut und Liebe zur Selbstverleugnung kämpften gegen den Drang nach apostolischer Tätigkeit, und die Demut blieb Siegerin. Er bat die Obern, ihm wiederum den Unterricht an den niederen Klassen in Dillingen zu übertragen. Sieben Jahre harrte er in großer Selbstverleugnung auf diesem unansehnlichen Posten aus, wo er in der Klasse wie im Privatverkehr die Knaben zu inniger Liebe des Heilandes und seiner gebenedeiten Mutter anleitete.

 

Im Jahr 1680 wurde Pater Philipp der kleinen Niederlassung der Gesellschaft Jesu in Ellwangen zugeteilt. Das freundliche Städtchen im heutigen Württemberg war der Hauptort des gleichnamigen geistlichen Fürstentums. Wie im Sturm eroberte sich der eifrige und leutselige Mann die Herzen. Besonders die Armen und Kranken erfuhren seine mütterliche Liebe. Viele geistliche und weltliche Herren begaben sich unter seine erleuchtete Seelenleitung. Seinem wunderkräftigen Gebet schrieb man es zu, dass in der 24 Jahren seiner Ellwanger Tätigkeit alle die vielen, die ihn zu ihrem Beistand in ihrem letzten Stündlein wählten, bei vollem Bewusstsein die heiligen Sterbesakramente empfingen.

 

Insbesondere wurde dem Pater Jeningen die Besorgung der kleinen Wallfahrtskapelle auf dem Schönenberg bei Ellwangen anvertraut, wo eine Nachbildung der Muttergottes von Altötting andächtig verehrt wurde. Er ruhte nun und rastete nicht, bis sich durch die Freigebigkeit des Fürstpropstes Freiherrn von Adelmann dort statt der bescheidenen Kapelle 1685 eine stattliche, prächtige Wallfahrtskirche erhob, die auf viele Geschlechter ein Mittelpunkt der Marienverehrung und des katholischen Lebens für die Umgegend wurde. Selbst von fern aus Bayern und vom Rhein, aus Tirol und Böhmen wallfahrtete man dorthin. Tausende versöhnte Pater Philipp in diesem Heiligtum der Mutter der Barmherzigkeit mit Gott. Besonders die Muttergottesfeste waren seine Triumphtage.

 

Aber die heiligen Pläne des seeleneifrigen Dieners Gottes waren viel umfassender. Er war es, der die so segensreiche Einrichtung der Volksmissionen in jene Gegenden verpflanzte. Die Stadt Ellwangen war gleichsam sein Hauptquartier. Von hier dehnte er seine Wirksamkeit als Missionar auf das Fürstentum und in immer weiteren Kreisen auf die vier Bistümer Augsburg, Würzburg, Eichstätt und Konstanz aus. Wir wissen allein von vierzig Pfarreien, die er im zweiten, von fünfzig, die er im dritten Jahr dieser Tätigkeit durchmissionierte. Wie viele mag er insgesamt in den 23 Jahren seiner Wirksamkeit als Missionar geheiligt haben?

 

Betend oder mit seinem Begleiter, dem frommen Laienbruder Simon, über Gott und göttliche Dinge redend, zog er, immer zu Fuß, von einer Mission zur andern. Oft brach er erschöpft am Weg zusammen, war aber nicht zu bewegen, deshalb seine Fasten zu unterbrechen, die Bußgürtel abzulegen, die Geißelungen zu mildern, die er selbst auf den Wanderungen im Dickicht des Waldes oder auf den Missionen nachts im stillen Kämmerlein vornahm, um von Gott Barmherzigkeit für die Sünder zu erflehen.

 

Betrat er eine Kirche, dann bestieg er nach kurzer Sammlung nüchtern die Kanzel. Voll Mitleid weinte er mit den Sündern im Bußgericht, so dass all die vielen getröstet und gestärkt von ihm schieden. Wie der heilige Franz Xaver, den er sich in seiner Missionstätigkeit zum Vorbild erkoren hatte, pflegte er eine innige Liebe zu den Kindern. Sie kamen ihm oft in Scharen weite Strecken entgegen. Er beschenkte sie mit Medaillen, Bildern, Büchlein usw. und hielt ihnen jeden Tag in der Kirche eine herzgewinnende Christenlehre.

 

Gott belohnte ihn schon hienieden mit wunderbaren Gaben. Schon während der Jahre der Vorbereitung auf das Apostolat hatte er ihm die Gabe der Beschauung verliehen, die immer erhabener und tiefer wurde. Auch viele Visionen, die ihm Kraft und Trost verliehen, berichtet der Diener Gottes in seinen Aufzeichnungen. Einmal z.B. bezeichnete ihn der Heiland in einem Gesicht mit dem Blut aus seinen heiligen fünf Wunden, indem er unter anderem dabei die Worte sprach: „Ich bezeichne dich durch meine heiligste Mutter mit diesem Zeichen des Heils, damit du selbst vor Sünde bewahrt wirst und viele zur Buße bekehrst.“ Oft unterstützte der Herr sein Wirken auch durch wunderbare Tatsachen. So sagte Pater Jeningen oft Einzelnen wie dem Volk freudige Ereignisse oder Heimsuchungen Gottes voraus.

 

Der schönste Lohn aber war es für Pater Philipp, dass er mit seinem gekreuzigten König leiden durfte. Zu den Mühsalen seiner Reise, zu den harten Bußwerken kamen Misshandlungen übelgesinnter Menschen, die ihn einmal wie tot am Weg liegen ließen. Sein guter Name und seine Wirksamkeit wurden hin und wieder herabgesetzt; so meinten einige, seine Predigten seien zu einfach. Zahlreich und außerordentlich heftig waren ferner die Versuchungen und Plagen, mit denen der Teufel ihn verfolgte. Aber in allem überwand der Soldat Christi, wie Pater Jeningen sich so gern nannte, mit heldenhafter Tapferkeit.

 

Dreißig Jahre der Arbeit am Heil der Seelen hatten ihm einmal in einer Offenbarung die Mutter Gottes versprochen. Diese Jahre hatten sich 1704 erfüllt. Er bereitete sich durch achttägige eifrige Exerzitien auf seinen Heimgang vor. Dieser erfolgte am 8. Februar.

 

Bewahre gut die Früchte der heiligen Mission. Bete und tue das Deine, damit sie auch in andern bleiben und fortwirken zum ewigen Leben. Denn, sagt Pater Philipp Jeningen: „Eine Seele ist mehr wert als die ganze Welt.“ „Wenn ich eine einzige Sünde verhindert habe, dann habe ich mehr getan, als wenn ich Ellwangen aus einer Feuersbrunst gerettet hätte . . . Kann man die Sünde genugsam beweinen, über die Christus selbst so sehr geweint hat?“

 

Der Seligsprechungsprozess für Pater Philipp Jeningen wurde eingeleitet.

 

Der heilige Paul von Verdun, Bischof und Einsiedler OSB,

+ 631-649 – Fest: 8. Februar

 

Der heilige Paul wurde in jenem Teil Frankreichs geboren, den der Verfasser seiner Lebensgeschichte den unteren nennt. Er lebte anfangs auf eine sehr erbauliche Weise in der Welt und arbeitete an seiner Heiligung durch Fasten, Beten, Ausübung der Sanftmut, Nächstenliebe und aller christlichen Tugenden. In der Folge zog er sich unter die Einsiedler der Vogesen, in der Nähe von Tier zurück. Nachdem er einige Zeit an dem Berg Gebenne gewohnt hatte, der später mit Namen Paulsberg genannt wurde, widmete er sich dem Klosterleben in der Abtei Tholey, in der Diözese von Trier. Allein man zog ihn wieder aus seiner Einsamkeit hervor, um ihn auf den Bischöflichen Stuhl von Verdun zu erheben. Er brachte einen neuen Geist in sein ganzes Bistum, wo verschiedene Missbräuche geherrscht hatten. Die Könige Dagobert und Siegbert, sein Sohn, erzeigten ihm besondere Hochachtung. – Er stand mit allen Bischöfen des ganzen Frankenlandes, die durch ihre Tugenden berühmt waren, besonders mit dem heiligen Desiderius von Cahors, dem heiligen Arnulf von Metz, dem heiligen Amand von Maastricht, dem heiligen Palladius von Auxerre, dem heiligen Cunibert von Köln, dem heiligen Eligius, dem heiligen Audon usw. in freundschaftlicher Verbindung. Er starb um das Jahr 631 und wurde in der Kirche zum heiligen Saturnin, die er zu Verdun hatte erbauen lassen, und die später seinen Namen erhielt, begraben.

 

Der heilige Cuthmann von Steyning, Bekenner in England,

+ 8.2.800 – Fest: 8. Februar

 

Der heilige Cuthmann stammte aus dem Volk der Angelsachsen und wurde im mittleren Teil von England geboren. Seine Eltern hielten ihn frühzeitig zur Frömmigkeit an und er machte es sich von Kindheit an zur strengen Pflicht, ihnen mit der größten Pünktlichkeit zu gehorchen. Seine erste Beschäftigung war, die Herde seines Vaters zu weiden, wobei er sich durch beständiges Gebet zu heiligen suchte. Die Gewohnheit, die er sich zu eigen gemacht hatte, allzeit mit Gott vereinigt zu sein, reinigte dergestalt alle seine Handlungen, dass er an keinem Erdengut mehr hing. Sein Gebet war um so wirksamer, als ihm kindliche Einfalt, christliche Selbstverleugnung, Sanftmut, Demut und vollkommener Gehorsam zugrunde gelegt waren. Nach dem Tod seines Vaters, sorgte er durch Handarbeit für die Lebensbedürfnisse seiner betagten Mutter. Er schämte sich sogar nicht, Almosen zu sammeln, um sie gehörig unterstützen zu können. Deswegen musste er auch öfters seinen Aufenthaltsort ändern. Er duldete mit wahrem Bußgeist alle Mühseligkeiten und Verdemütigungen seiner Lage. Zu Stenning erbaute er eine kleine Hütte, um da mit seiner Mutter zu wohnen. Das Leben, das er daselbst führte, war eher das Leben eines Engels, als eines Menschen. Kaum hatte er seine Hütte vollendet, als er den Plan zu einer Kirche entwarf, woran er sogleich zu arbeiten anfing. Die Einwohner des Landes, gerührt durch seine Gottseligkeit und seinen Eifer, leisteten ihm die zur Ausführung seines Vorhabens nötige Hilfe. Der Mann Gottes arbeitete den ganzen Tag, und widmete einen beträchtlichen Teil der Nacht dem Gebet. „Herr,“ sagte er, „hier ist der Ort meiner Ruhe, hierher will ich jeden Tag kommen, um dir meine Huldigungen darzubringen.“ Gott verherrlichte seinen Diener durch viele Wunder, sowohl in seinem Leben, als nach seinem Tod. Die Reliquien des heiligen Cuthmann wurden ehemals zu Stenning verehrt. Einen Teil von ihnen brachte man später in die Abtei Fecamp in der Normandie. Der heilige Eduard der Bekenner, schenkte Stenning dieser Abtei. Der heilige Cuthmann war ehehin erster Patron von Stenning oder Estenning. Man findet seinen Namen in dem alten Messbuch, dessen sich die Angelsachsen vor der Eroberung Englands durch die Normänner, bedienten. (Dieses Messbuch bewahrte man in der Abtei von Jumieges auf. Man findet darin am 8. Februar eine eigene Messe für das Fest des heiligen Cuthmann.) Hidres zählt die Reliquien des heiligen Cuthmann unter die, die von den Engländern, vor ihrer Trennung von der Kirche verehrt wurden. Unser Heiliger wurde am 8. Februar zu Fecamp und in den meisten Benediktinerabteien der Normandie verehrt. Er blühte gegen Ende des neunten Jahrhunderts. 

 

Gebet am 8. Februar

 

Barmherziger Gott, Du hast den guten Pater Philipp Jeningen zum Glaubensboten in unserer Kirche und Heimat berufen. In schwerer Zeit verkündete er mit aller Kraft und Hingabe die Frohe Botschaft Christi. Steh uns Tag für Tag mit den Gaben Deines Geistes bei. Lass uns im Glauben wachsen und aus dem Wort des Evangeliums leben. Darum bitten wir durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Zu Gott

 

Gott, Du widerstehst den Stolzen und gewährst den Demütigen Deine Gnade. Verleihe uns die Tugend wahrer Demut, als deren Vorbild Dein eingeborener Sohn sich selbst den Gläubigen vor Augen gestellt hat, und lass uns niemals durch Hochmut Deinen Unwillen herausfordern, vielmehr durch Unterwürfigkeit Geschenke Deiner Gnade erlangen. Durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Am heutigen Tag war die feierliche Übertragung eines Bildnisses der seligsten Mutter Gottes in die neue Kirche der Karmeliten zu Rom im Jahr 1587 unter Papst Sixtus V.

 

Andacht am 8. Februar:

 

Das Thema im Februar:

Von der Demut

"Wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden." (Lukas 14,11)

 

"Sei verächtlich in deinen Augen; habe deine Freude daran, wenn andere dich für verächtlich halten und erhebe dich nicht wegen der Gaben Gottes, so wirst du wahrhaft demütig werden." (Der heilige Bonaventura)

Der heilige Ludwig, König von Frankreich, wusch jede Woche am Sonnabend einer großen Anzahl Armen die Füße, trocknete sie dann und küsste sie. Oft diente er hundertzwanzig Dürftigen bei Tisch, die er gleich seinen Dienern bei Hof hielt. Immer speisten bei seiner eigenen Tafel drei hochbejahrte Bettler, denen er selbst von seinen Speisen vorlegte; ja, er aß sogar, was sie übrig ließen, von ihren Tellern; und er besuchte zu Paris und auch anderswo in den Spitälern die Kranken; und ließ weder von ihrer Missgestalt, noch von dem Gestank und Unreinlichkeit sich abschrecken. Meistens reichte er ihnen die Speisen auf den Knien. Also diente er auch in der Abtei Rochemont einem Klosterbruder, der ganz vom Aussatz verzehrt war, und kaum noch die Gestalt eines Menschen hatte. Diesem gab der wahrhaft demütige und hochsinnige König auf den Knien mit eigener Hand zu essen; worüber der Abt und die Ordensleute so sehr erstaunten und gerührt wurden, dass sie der Tränen sich nicht enthalten konnten. Dies hatte der heilige König in der Schule der Demut Jesu Christi gelernt, der sich sogar herabließ, seinen Jüngern die Füße zu waschen, und unter alle Menschen sich zu erniedrigen; da Er durch den Propheten in seinem Leiden sprach: "Ich aber bin ein Wurm und kein Mensch, der Leute Spott, vom Volk verachtet." (Psalm 22,7)

Die heilige Magdalena von Pazzi hielt sich für das niedrigste aus allen Geschöpfen, und war überzeugt, nichts auf Erden verdiene so großen Abscheu als sie. Ihre tiefe Demut regte sie an, ihre geringsten Fehler als ungeheuer zu betrachten, und sie auch als solche zu bekennen, damit die übrigen ebenso verächtlich von ihr dächten. Eine schwere Pein war es für diese so demütige Seele, wenn sie hörte, dass man sie lobte; und sah, dass man sie hochachtete. Trostlos wurde sie, als es ihr nicht möglich war, die besonderen und wunderbaren Gnaden zu verbergen, die Gott ihr aus ganz eigener Vorliebe verliehen hatte.

Eine andere Heilige maß ihren Sünden alles Böse bei, das andere begingen; und nannte sich, wegen ihrer Hoffart und Undankbarkeit, dem bösen Geist höchst ähnlich. 

 

"Herr, sieh barmherzig auf Dein boshaftes und sündhaftes Geschöpf herab, das über sein Elend, über seine Bosheit, seinen Undank und seine Treulosigkeit aus ganzem Herzen seufzt, und seine Sünden hasst und verabscheut, durch die es Dich, seinen Gott und milden Vater, beleidigte!" Amen. 

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 8. Februar

 

"Die Demut ist der kürzeste, der geradeste, der sicherste Weg,

um ohne Mühe die Liebe zu Gott und die Vollkommenheit aller Tugenden zu erlangen."

 

gottsel. Johannes Tauler OP

1300 bis 16.6.1361

 

Betrachtung am 8. Februar - Guter Same und Unkraut

 

Du richtest, Herr, die Erde wunderbar.

Du liebest gute Gaben auszuspenden;

Und duldest, dass die Bösen undankbar

Zu schaurigem Verderben sie verwenden.

Doch deine Langmut lässt den Sündern Zeit:

Denn, - kommt der Tag, - übst du Gerechtigkeit.

 

1. Der Sohn Gottes besäte den Acker seiner Kirche mit dem Samen des himmlischen Evangeliums. Der Feind alles Heils aber übersäte ihn mit Samen bösen Unkrautes. Die Wahrheit ist früher denn die Lüge, das Gute früher denn das Böse. Die Wahrheit und das Gute kommen von Gott. Die Lüge und das Böse vom Feind Gottes, dem bösen Geist und von seinen Knechten und Mägden, die, von ihm verführt, mit teuflischer Gier auch andere zu verführen suchen. Wann aber greift diese Verführung am meisten um sich? Wenn die Menschen den Todesschlaf der Sünde schlafen, ihren blinden Leidenschaften sich überlassen, und des göttlichen Gesetzes vergessen. Seien wir wachsam, dass nicht die arglistige Schlange auch uns verführt.

 

2. Fromme Menschen sind auf dem Acker der Kirche die gute Frucht, die Bösen dagegen das Unkraut; beide bestehen untereinander. Gottes Weisheit aber lässt die Bösen bestehen, damit durch sie die Guten in der Geduld geübt werden, und Gelegenheit erhalten, großmütige Tugenden zu üben und ihre Verdienste zu vermehren. Wären keine Tyrannen gewesen, so zählte die Kirche nicht so viele glorreiche Märtyrer. Auch lässt sie die Bösen bestehen, damit das Beispiel der Guten ihnen leuchte und auf ihre Herzen einwirke. Denn wandelt auch das Unkraut sich nie in Frucht, so wird doch mancher Böse in einen Gerechten umgewandelt. Ist dein eigenes Beispiel ein solches Licht?

 

3. Auch dein Herz ist ein Acker, worauf Gott den guten Samen vieler Gnaden und himmlischer Einflößungen ausgesät hat. Wie viele gute Belehrungen auch hast du gehört und gelesen, wie viele gute Beispiele gesehen? Wo sind die Früchte dieses guten Samens? Woher das Unkraut so vieler sündhafter Gedanken und Begierden? Säte nicht der Feind sie aus, als du geschlafen hast, als du nicht über dich selbst wachtest, als du deine Sinne umherschweifen ließest, und auf geringe Sünden nicht geachtet hast? So erwache denn, und tue Buße, damit du nicht am Ende mit den Bösen gesammelt und ins Feuer geworfen wirst. Epheser 5,14b: "Wach auf, du Schläfer, und steh auf von den Toten, und Christus wird dein Licht sein."

 

9. Februar

 

Die heilige Martyrin Apollonia,

+ 9.2.249,

und mehrere andere heilige Martyrer zu Alexandria - Fest: 9. Februar

 

Noch im Jahr vorher, als die Verfolgung unter Kaiser Dezius über die Christen hereinbrach, am Anfang des Jahres 249, erregten die Heiden in der Stadt Alexandria einen plötzlichen Aufstand, in dem sie gegen die Christen so unmenschlich wüteten, dass mehrere von ihnen, und unter ihnen auch die heilige Apollonia, im grausamen Martertod vollendet wurden. Der Urheber des Aufstandes war ein Wahrsager, der in seinem Hass gegen das Christentum das heidnische Volk aufwiegelte und in solche Wut versetzte, dass es sich ein desto größeres Verdienst zurechnete, je unmenschlicher es gegen das Leben der Christen raste. Der Bischof der Stadt, der heilige Dionysius war Augenzeuge dieser blutigen Auftritte, die er in einem Brief an Fabius, den Bischof von Antiochien, beschreibt. Den beträchtlichsten Teil dieses Briefes hat uns der Geschichtsschreiber Eusebius im sechsten Buch seiner Kirchengeschichte aufbewahrt. In diesem Brief beschreibt der heilige Bischof auch die Grausamkeiten, die während der Verfolgung des Dezius an den Christen in Alexandrien verübt worden sind. Auch in dieser Zeit der harten Prüfung haben viele ihr Bekenntnis zu Jesus Christus durch ihr Blut bekräftigt. Wir lesen hier wörtlich, was Dionysius sowohl von dem Volksaufstand, als auch von der Verfolgung schreibt:

 

„Das von dem Wahrsager in Wut versetzte Volk ergriff zuerst einen christlichen Greis, Metras, und wollte ihn zwingen, Lästerungen auszusprechen. Als er sich weigerte dies zu tun, schlug es ihn mit Knitteln, stach ihn mit spitzen Stäben ins Gesicht und in die Augen, schleppte ihn endlich vor die Stadt hinaus und warf ihn mit Steinen tot. Darauf führten die Rasenden eine Frau, Quinta mit Namen, in einen Götzentempel; und als sie sich dem Antrag, die Götzen anzubeten, mit Abscheu widersetzte, banden sie ihr die Füße zusammen, schleiften sie durch die Straßen der Stadt auf dem Steinpflaster, schleuderten sie an große Steine hin, schlugen sie mit Geißeln und steinigten sie endlich außerhalb der Stadt auf dem Platz, auf dem sie den Metras gesteinigt hatten.“

 

„Jetzt stürmten sie gewaltsam in die Häuser der Christen ein, ein jeder in das nächst beste, von dem er wusste, dass Gläubige darin wohnen. Diese Quälten sie, raubten was kostbar war, und warfen weg und verbrannten öffentlich auf der Straße die hölzernen Geräte und die Habseligkeiten von geringerem Wert. Alexandrien bot den Anblick einer von wilden Feinden eroberten Stadt.“

 

Die Gläubigen zogen sich zurück und flohen, so gut sie konnten, vor der Wut des aufgebrachten Pöbels. Freudig ertrugen sie den Verlust ihrer Habseligkeiten. Obwohl doch mehrere in die Hände der rasenden Verfolger gerieten, so war fast keiner darunter, der den Glauben verleugnete.

 

Die Heiden ergriffen auch eine betagte Jungfrau, Apollonia, gaben ihr solche Backenstreiche, dass sie ihr alle Zähne ausschlugen, schleppten sie dann zur Stadt hinaus, machten einen Scheiterhaufen, zündeten ihn an, und drohten, sie lebendig zu verbrennen, wenn sie nicht mit ihnen Lästerworte gegen Christus und den heiligen Glauben aussprechen würde. Die heilige Jungfrau blieb noch nachdenklich stehen. Die Henker meinten, sie wolle nachgeben und ließen sie los. Alsbald stürzte sie sich selbst in die Flammen und verbrannte. Sie, welche vom Feuer des Heiligen Geistes entzündet war, verachtete die Qualen des irdischen Feuers. Die Heiden selbst entsetzten sich, eine Frau zu erblicken, die bereitwilliger war zu sterben, als ihre grausamen Verfolger sie zu peinigen. Einen gewissen Serapion ergriffen sie in seinem Haus, marterten ihn auf die schrecklichste Weise, zerbrachen ihm alle Knochen, und stürzten ihn von dem obersten Stockwerk auf die Straße hinunter. Auf keiner Straße waren Christen sicher, in keinem Gässchen, weder bei Tag noch bei Nacht. Überall hörte man das wilde Geschrei, man müsse jeden, der nicht lästern wolle, herbeischleppen und verbrennen. Diese harten Drangsale dauerten noch längere Zeit, bis endlich die Heiden in Alexandrien unter sich selbst in Uneinigkeit gerieten, ihre Wut gegeneinander ausließen, und dadurch für die Christen Ruhe eintrat. Diese Ruhe aber dauerte nicht lange; denn kaum hatte Dezius den kaiserlichen Thron bestiegen, auf den er sich den Weg durch die Ermordung des Kaisers Philippus, dessen Herrschaft den Gläubigen sehr günstig war, gebahnt hatte, als sich das jammervolle Schauspiel grausamer Verfolgung der Christen in Alexandrien schon wieder erneuerte.

 

Das Verfolgungsedikt des Dezius, versetzte die Gläubigen in dieser Stadt in großen Schrecken, denn es war, wie Dionysius sagt, so grausam, dass selbst die Auserwählten, wenn es möglich wäre, hätten zaghaft werden können. Viele der Vornehmsten wurden auch wirklich zaghaft, so wie auch viele von denen, die öffentliche Ämter verwalteten. Einige wurden selbst von ihren Verwandten vor die Richtstühle geschleppt. Andere wurden namentlich aufgerufen und nahmen Teil an den Gräueln des Götzendienstes. Einige erblassten dabei und zitterten, als sollten sie selbst geopfert werden, und wurden daher, wenn sie opferten, vom heidnischen Volk verspottet. Andere traten frech hinzu und bezeugten, dass sie nie Christen gewesen seien. Diese waren größtenteils solche, die zu sehr an den Reichtümern des Lebens hingen, von denen der Herr vorhergesagt hat, dass es ihnen schwer sein werde, ins Himmelreich einzugehen. Die anderen folgten entweder denen nach, die den Götzen schon geopfert hatten, oder entzogen sich durch die Flucht, oder wurden ergriffen. Unter diesen erlagen manche schon im Kampf, sobald sie in Fesseln gelegt wurden. Manche beharrten längere Zeit im Kerker, verleugneten aber dennoch, bevor sie vor das Gericht geführt wurden. Einige erduldeten die ersten Martern, schwuren aber dennoch dem Glauben ab, aus Furcht vor härterer Peinigung.

 

Es fehlte indessen auch nicht an solchen, die durch Gottes Kraft gestärkt, als unerschütterliche Pfeiler der Kirche Gottes da standen und im heiligen Bekenntnis standhaft verharrten.

 

Julian, der von Gliederschmerzen so heftig gequält wurde, dass er weder stehen noch gehen konnte, musste von zwei Christen zum Richterstuhl getragen werden.

 

Einer von diesen beiden verleugnete sogleich Jesus Christus, der andere aber, der Chronion Eunus hieß, bekannte mit Julian den Sohn Gottes. Sie wurden deswegen auf Kamele gesetzt, durch die ganze große Stadt geführt, auf den Kamelen gegeißelt und zuletzt im Angesicht einer zahllosen Menge Volk in ungelöschtem Kalk verbrannt. Gegen Besas, einen Soldaten, der dabei stand, als sie zum Tod geführt wurden, und denen, welche jetzt noch die Bekenner misshandeln wollten, Einhalt tat, erhob sich das Geschrei des Volkes. Er wurde vor den Richterstuhl geführt und nachdem er Jesus Christus unerschrocken und standhaft bekannt hatte, enthauptet. Ein anderer mit Namen Maker, gebürtig aus Lybien, wurde von dem Richter auf alle mögliche Weise zum Abfall gereizt. Allein er blieb standhaft, und wurde lebendig verbrannt. Epimachus und Alexander waren lange Zeit in Fesseln gelegen, hatten vielerlei Peinen ausgestanden, waren mit schneidenden Werkzeugen und mit Geißeln zerfleischt worden und wurden jetzt in ungelöschtem Kalk verbrannt.

 

Auch Frauen bekräftigten ihren Glauben an Jesus Christus durch den Martertod. Ammonarium, eine sehr gottselige Jungfrau, wurde lange und sehr grausam gefoltert, weil sie erklärt hatte, dass sie nichts von dem sagen werde, was der Richter von ihr erzwingen wolle. Sie bestand in der Prüfung und wurde zum Tode abgeführt. Drei andere, nämlich Merkuria, eine ehrwürdige alte Frau, Dionisia, die Mutter mehrerer Kinder, die sie zwar zärtlich, aber doch nicht mehr als den Herrn liebte, und eine zweite Ammoniarium wurden enthauptet, ohne dass sie vorher andere Peinigung erdulden mussten, weil der Statthalter nicht noch einmal durch die Standhaftigkeit schwacher Frauen überwunden und beschämt werden wollte.

 

Jetzt wurden Heron, Ater und Isidorus, alle drei Ägypter, und mit ihnen Diskorus, ein Junge von fünfzehn Jahren, vor den Statthalter gebracht. Dieser versuchte den Jungen zuerst durch schmeichelndes Zureden zu gewinnen, dann durch Drohungen zu schrecken. Aber alles blieb fruchtlos. Die anderen wurden mit Schlägen grausam zerfleischt, und da sie standhaft verharrten, dem Feuer übergeben. Der Junge Dioskorus, welcher großen Mutes vor allen dastand und die ihm vorgelegten Fragen mit bewunderungswürdiger Geschicklichkeit beantwortete, wurde von dem Richter selbst bewundert, und mit dem Bescheid entlassen, dass er ihm seiner Jugend wegen Zeit zur Besinnung lassen wolle. Der heldenmütige junge Mann gesellte sich den übrigen standhaften Gläubigen bei, einen schwereren und länger dauernden Kampf erwartend.

 

Nemesius, ebenfalls ein Ägypter, wurde zuerst fälschlich beschuldigt, dass er ein Mitglied einer Räuberbande sei. Dann aber, als er diese arge Verleumdung widerlegt hatte, angeklagt, dass er ein Christ wäre. Gebunden wurde er dem Statthalter vorgestellt, der ihn doppelt so stark, als die Räuber, geißeln und peinigen, und dann mit diesen verbrennen ließ. Der heilige Kämpfer rechnete es sich zur besonderen Gnade, nach dem Beispiel seines göttlichen Meisters, unter Räubern sterben zu können.

 

Vier Soldaten, Ammon, Zeno, Ptolomäus und Ingenus, nebst Theophilus einem Greis, standen nicht fern vom Richterstuhl. Und als ein Christ vor dem Gericht bereit schien, den Namen Jesu zu verleugnen, winkten sie ihm, streckten die Hände nach ihm aus, und versuchten durch alle möglichen Bewegungen und Gebärden des Körpers den gefährdeten Bruder im Bekenntnis zu stärken. Aller Augen wurden auf sie gerichtet. Aber noch bevor sie ergriffen wurden, liefen sie selbst zum Richterstuhl und erklärten, dass sie Christen seien. Der Statthalter und die Beisitzer erschraken. Jene aber standen da mit freudiger Bereitwilligkeit, alles zu erdulden. Die Richter verloren darüber alle Fassung und die Soldaten gingen hinweg, froh über ihr Zeugnis und Gott preisend, dass er ihnen diesen herrlichen Triumph verliehen hatte.

 

Nicht nur in Alexandrien, sondern auch in anderen Städten und Flecken Ägyptens wurden viele Christen von den Heiden gewaltsam getötet, wie Dionysius in dem oben angeführten Brief noch weiter berichtet und davon Beispiele anführt. Ischrion stand als Verwalter im Dienst eines öffentlichen Beamten, der durch Befehle, durch Schmähungen und durch Misshandlungen ihn zwingen wollte, den Götzen zu opfern, und ihn, da er alles standhaft ertrug, tötete, indem er ihm einen Pfahl durch den Leib rammte.

 

Eine große Zahl von Gläubigen, die geflohen waren, irrten in den Gebirgen und Wüsten herum. Viele verhungerten, verdursteten oder erfroren oder starben hilflos an Krankheiten. Andere wurden von Räubern ermordet oder von wilden Tieren zerrissen. Die, welche unverletzt zurückkamen, zeugten von der ausharrenden Geduld und dem freudigen Tod der Mitchristen. Chäremon, ein hochbetagter Greis, Bischof von Nikopolis, floh auf das arabische Gebirge und kam von da nicht wieder zurück. Nach der Verfolgung suchten die Gläubigen nach ihm, fanden ihn aber nicht, auch nicht seine Leiche. Viele andere Christen wurden von den Sarazenen ergriffen und in die Sklaverei geschleppt, mehrere von ihnen aber um einen sehr hohen Preis wieder eingelöst.

 

Nachdem der heilige Dionysius in seinem Brief den Kampf der Martyrer erzählt hat, führt er in ihm noch an, dass mehrere von den gefallenen Christen, die ihren Abfall bereuten, auf die Fürsprache der heiligen Martyrer in die Kirchengemeinschaft wieder aufgenommen worden sein. Er sagt: „Die gottseligen Martyrer, welche nun Beisitzer Christi, die Mitgenossen seines Reiches und Richter mit ihm sind, haben (als sie noch lebten) einige der gefallenen Brüder, die den heidnischen Göttern geopfert hatten, mit Güte wieder aufgenommen, weil sie ihre Bekehrung und Buße sahen, und deswegen meinten, dass diese Buße demjenigen angenehm sein werde, der nicht den Tod des Sünders will, sondern, dass er sich bekehre. Sie haben daher solche aufgenommen, sie gesammelt, sie empfohlen (dem Bischof und dem Volk), sie teilnehmen lassen am Gebet und an den Liebesmahlen.“

 

Die Sünde ist ein Zustand des Todes und die Buße ist eine wirkliche Auferstehung von den Toten. Der ganze Himmel feiert, wie uns das Evangelium versichert, ein Auferstehungsfest, so oft ein Sünder Buße tut. Würde doch jeder Sünder aufwachen aus seinem Todesschlaf, erkennen den bejammernswürdigen Zustand seiner Seele und sich mit Reuesinn und Zuversicht Jesus Christus nahen, durch den allein kommt Erbarmen, Gnade, Vergebung der Sünden und ewiges Leben! Wie ermunternd schreibt der Apostel Johannes durch Eingebung des Heiligen Geistes im zweiten Kapitel seines ersten Briefes: „Meine Kinder! Solches schreibe ich euch, damit ihr nicht sündigt. Wenn aber jemand sündigt, so haben wir einen Fürsprecher beim Vater, Jesus Christus, den Gerechten, der selbst die Versöhnung für unsere Sünden ist, nicht allein aber für unsere Sünden, sondern auch für die Sünden der ganzen Welt.

 

Die katholische Kirche feiert das Gedächtnis des heiligen Metras am 30. Januar, der heiligen Quinata am 3. Februar, des heiligen Julian und Chronion am 19. Februar, des heiligen Makarius 8. Christmonat, des heiligen Epimachus, Alexander, der Ammonarium, Merkuria und Dionisia am 12. Christmonat, des heiligen Heron, Ater, Isidorius und Dioskorus am 14. Christmonat.

 

Der heilige Alto, Einsiedler-Mönch von Altomünster, Bayern,

+ 9.2.760 - Fest: 9. Februar

 

Von heiliger Begeisterung getrieben, ihren stammverwandten heidnischen Brüdern in Deutschland das Licht des Glaubens anzuzünden, und die christliche Kultur unter die barbarischen Völker zu tragen, verließen im siebenten und achten Jahrhundert viele fromme und edle Männer ihre schöne Heimat England und Irland und verkündeten unter vielen Anstrengungen und Opfern die Lehre des Heils in der westlichen Hälfte der deutschen Länder. Dem heiligen Virgilius schlossen sich der heilige Bischof Marinus und sein Diakon Theklanus, der Priester Lullus und der heilige Alto an. Die beiden ersten ließen sich nach vielem Hin- und Herziehen bei Freising nieder. Ihr Gedächtnis wird am 1. Dezember gefeiert, ihre Reliquien werden im Kloster Neustift bei Freising aufbewahrt. Lullus stiftete mit Unterstützung des bayerischen Herzogs Theobald das Kloster Ilmmünster.

 

Der heilige Alto entstammte einer sehr vornehmen Familie Schottlands. Schon von früher Jugend an reifte in ihm ein männlicher Ernst, die kurzen irdischen Genüsse setzte er hintan und strebte nur nach den dauernden Freuden des geistigen Lebens. Nicht die Pracht seines weiten Besitztums, nicht die Liebe seiner Eltern und Verwandten konnte ihn von seiner begonnenen Richtung ablenken, vielmehr ruhte sein Wille im Gesetz Gottes und in seinem Gesetz betrachtete er Tag und Nacht. Da sein Vorsatz mehr und mehr reifte und sein Streben nach Vollkommenheit immer glühender wurde, verließ er, in einer Erscheinung von Gott ermahnt, wie einst der Erzvater Abraham, seine Heimat und seine Verwandten, um im fernen Deutschland ein Ruheplätzchen aufzusuchen. So kam der Gottesmann nach Bayern, wo er sich in einem Wald eine Zelle baute und von seiner Hände Arbeit lebte, um niemand lästig zu fallen, eingedenk des Psalmwortes: „Glücklich wirst du sein, weil du isst von der Arbeit deiner Hände.“ (Psalm 127)

 

Da der Ruf seiner Heiligkeit zu den Ohren des Frankenkönigs Pipin drang, der für fremde und arme Gottesdiener väterlich sorgte, schenkte er dem heiligen Alto einen großen Teil des Waldes, in dem er wohnte. Daher kam es, dass von nah und fern viele Gläubige aus Bayern und Baden herbeieilten und wetteiferten, um ihn mit ihrem Vermögen zu unterstützen. Mit Hilfe dieser Wohltäter rodete er den größten Teil des ihm geschenkten Waldes, und verwandelte den Boden in fruchtbares Ackerland.

 

Als nach einigen Jahren die Arbeit seiner Hände durch eine reiche Ernte belohnt wurde und die Liebesgaben der Gläubigen in bedeutendem Maße zunahmen, erwog der Mann Gottes, wie er diese Wohltaten dem Geber alles Guten vergelten könnte. Und er baute ein Gotteshaus und ein Kloster und lud Liebhaber des geistlichen Lebens zu sich ein. Nach dem Gründer heißt dieses Kloster bis auf den heutigen Tag Altomünster.

 

Der heilige Bonifatius, der in jener Zeit das göttliche Wort mit dem gesegnetsten Erfolg verkündete, wurde durch ein göttliches Gesicht aufgefordert, schleunigst das neue Kloster Altomünster einzuweihen und zwar ein Mönchskloster und ein Frauenkloster. Freudig folgte der Apostel Deutschlands dem höheren Ruf und weihte beide Klöster.

 

Nachdem der heilige Abt Alto längere Zeit dem neuen Kloster in Heiligkeit vorgestanden und mit dem Glanz seiner Tugenden und Wunderwerke seinen Wirkungskreis erfüllt hatte, ging er im seligen Tod in die himmlische Wohnung, nach der er sich von Kindheit an gesehnt hat, und für die er allen Reichtum, alle Ehren und Annehmlichkeiten dieser Erde freudig geopfert hatte.

 

Nach dem Tod des heiligen Alto bemächtigte sich des Klosters ein Graf Welf, aber der Heilige sorgte noch vom Himmel her für sein Lieblingswerk. Er erschien einem frommen Mann im Traum und sprach zu ihm: „Gehe zu den Ältesten jenes Ortes, wo mein Leib ruht, und sage ihnen: Alto zürnt sehr, dass seine Ruhestätte vernachlässigt und kein Gottesdienst dort gehalten wird. Wenn sie dies bessern, werden sie großen Lohn empfangen, wenn sie es aber vernachlässigen, wird die Rache über sie hereinbrechen.“ Der Mann teilte die Erscheinung seiner Frau mit, die meinte, eine solche Botschaft könne ihm Ungelegenheiten verursachen. Deshalb schwieg er. Nach einigen Tagen erschien ihm der heilige Alto wieder und sprach: „Warum hast du meinen Befehl verachtet? Gehe sofort hin und verkündige, was ich dir gesagt habe, sonst wirst du Hartes erleiden.“ Aber auch dieses Mal verschob er den Auftrag.

 

Zum dritten Mal erschien ihm ein Mönch und sprach zu ihm: „Mein Herr hat mich zu dir gesandt, um zu fragen, weshalb du seine Befehle verachtest?“ Jener antwortete: „Wer ist dein Herr?“ Der Mönch antwortete: „Der heilige Alto ist mein Herr und er hat mich gesandt. Damit du dies einsiehst, wirst du augenblicklich die angedrohte Strafe fühlen.“ Und sogleich fühlte sich der Mensch am ganzen Leib so zerschlagen, als ob er mit Ruten gepeitscht wäre.

 

Nun säumte der Mann nicht länger, dem Grafen seine Erscheinung zu offenbaren. Welf stellte das verfallene Kloster wieder her, beschenkte es mit mehreren Grundgütern und gab ihm einen ausgezeichneten Vorsteher in dem Abt Rudolf, der mit aller Strenge auf die genaue Beobachtung der Ordensregeln achtete. Seine Nachfolger, die Äbte Eberhard und Heinrich, brachten die Stiftung des heiligen Alto zu immer schönerer Blüte. Auch die Mutter des Grafen, namens Itha, sowie seine Gemahlin Irmentrud vermehrten die Stiftungen des Klosters, so dass dies immer mehr im Ansehen stieg und eine Quelle des Segens für die ganze Umgegend wurde.

 

Gegen Ende des 15. Jahrhunderts war Altomünster ganz verfallen, aber Herzog Georg erhob es aus dem Schutt. In neuerer Zeit ist es nur noch Frauenkloster, in dem gottgeweihte Jungfrauen nach der Regel der heiligen Brigitta leben und dankbar das Andenken an den heiligen Alto feiern.

 

Der heilige Nicephorus, Laie und Martyrer von Antiochia,

+ 9.2.260 – Fest: 9. Februar

 

Zu Antiochia in Syrien lebten unter der Regierung des Kaisers Valerian Sapricius, ein Priester, und Nicephorus, ein gottesfürchtiger Christ, seit ihren Jugendjahren in der innigsten Freundschaft und einer suchte es dem anderen in der Frömmigkeit und guten Werken zuvor zu tun. Dieser edle Wettkampf wurde durch eine heftige Feindschaft unterbrochen, die aus einer geringen Veranlassung entstand, und in eine solche Erbitterung der Gemüter ausartete, dass jeder sich schämte, mit dem anderen ein Wort zu sprechen. Nach einiger Zeit wagte es Nicephorus, der ein sanfteres Herz hatte und diesem Ärgernis eines unchristlichen Hasses ein Ende machen wollte, einige seiner Bekannten zu Sapricius zu schicken und ihn um Verzeihung und um seine vorige Liebe bitten zu lassen; aber der hartherzige Priester fuhr sie mit rauen Worten an und wies trotzig jeden Antrag zu einer neuen Freundschaft ab. Aus Liebe zum Frieden ging schließlich Nicephorus selbst zu Sapricius, fiel vor ihm auf die Knie und beschwur ihn bei dem teuren Blut, das Jesus einst am Kreuz auch zur Versöhnung seiner Todfeinde vergoss, allen Groll auf die Seite zu setzen und sich wieder mit ihm auszusöhnen. Aber mit größter Erbitterung stieß dieser den demütig Bittenden mit den Füßen zurück und verharrte in seiner Bosheit.

 

Damals, es war im Jahr 260, erregten die Heiden eine Christenverfolgung in Antiochia und unter anderen wurde auch der christliche Priester Sapricius ergriffen und vor den heidnischen Richter gebracht, dem er unerschrocken gestand, dass er nicht nur ein Christ, sondern sogar ein Priester sei. Der Richter ermahnte ihn, die strengen Befehle der beiden Kaiser Valerian und Gallus zu erfüllen und den Göttern zu opfern, wenn er sich nicht den grausamsten Strafen aussetzen wolle. Ihm antwortete der Bekenner: „Wir Christen opfern nur dem alleinwahren Gott, der ein Schöpfer Himmels und der Erde ist, und verfluchen eure Götter als eine Erfindung der Geister der Hölle,“ Über diese Worte geriet der eifrige Heide in eine solche Wut, dass er ihn zu Boden reißen und mit den qualvollsten Martern zu peinigen befahl, die aber Sapricius mit freudiger Geduld ertrug und dem Barbaren zurief: „Meinen hinfälligen Körper kannst du vernichten, doch über meine unsterbliche Seele hast du keine Gewalt!“ Und als alle Martern fruchtlos waren, ihn zur Verleugnung seines Glaubens zu bewegen, und als der Martyrer laut Jesus den Erlöser als den wahren Gott verkündete, verurteilte ihn der Richter zur Enthauptung.

 

Sapricius frohlockte, dass ihn Gott der Martyrerkrone gewürdigt habe und ging mit vor Freude glänzenden Augen auf den Richtplatz. Mitten auf dem Weg dahin kam ihm Nicephorus entgegen und bat ihn unter vielen Tränen, seine Feindschaft nicht mit in die Ewigkeit zu nehmen. Und als ihn jener keiner Antwort würdigte, fiel er zu seinen Füssen und beschwur ihn nochmal im Namen Jesus, für dessen Ehre er sein Blut zu vergießen bereit sei, sich mit ihm vor seinem Tod noch auszusöhnen. Aber Sapricius achtete seiner Tränen und bewegenden Bitten nicht und trat standhaft in seinem Hass der Marter entgegen. Doch der barmherzige Gott sah an die Tränen des frommen und demütigen Nicephorus und strafte die Härte des stolzen Priesters dadurch, dass er ihm seine Gnade entzog. Denn als Sapricius auf der Richtstätte ankam und ihn der Henker ermahnte, sich auf seine Knie niederzulassen, damit er enthauptet werden können, überfiel ihn eine schreckliche Angst und er schrie laut auf: „Warum soll ich Unglücklicher denn enthauptet werden?“ – „Weil du“, entgegnete ihm der Henker, indem er das Schwert empor hob, „den Befehl des Kaisers verachtet und dich geweigert hast, den unsterblichen Göttern zu opfern.“ – „Ach, schont nur mein Leben“, rief der von Gott Verlassene in seiner Todesangst, „ich opfere und huldige den Göttern!“ Plötzlich trat aus der Menge Volkes Nicephorus hervor, umarmte den gefallenen Priester und sprach: „Mein Bruder, was tust du? Wo ist der Mut und die Standhaftigkeit, mit der du bisher deinen Glauben verteidigt und Jesus bekannt hast? Unglücklicher! So willst du die Krone, die du dir durch die Marter schon erworben hast, im letzten, entscheidenden Augenblick verlieren?“ Und als ihn Sapricius nicht hörte, bestieg er, entflammt von der Liebe zu Gott, mutig den Richtplatz und schrie mit lauter Stimme: „Ich bin ein Christ und bekenne öffentlich meinen Glauben an Jesus Christus, den jener zu seinem ewigen Verderben verleugnet hat. Mich also schlachtet für den Abtrünnigen!“

 

Die Gerichtsdiener erstaunten über den heldenmütigen Kämpfer und brachten dem Richter die Nachricht von dem Abfall des Sapricius und von dem Mut des Nicephorus, der sich freiwillig für seinen Glauben dem Henker auslieferte. Auf seinen Befehl wurde Nicephorus enthauptet und Sapricius erhielt die Freiheit und lebte noch wenige Jahre, verachtet von den Heiden und Christen und starb schließlich in Raserei und Verzweiflung.

 

Der heilige Ansbert, Erzbischof und Bekenner von Rouen,

+ 9.2.698 – Fest: 9. Februar

 

Ansbert wurde unter der Regierung des fränkischen Königs Clotar, eines Sohnes des Clodoväus und der Bathildis, aus einem vornehmen Geschlecht geboren und in seiner Jugend in allen Wissenschaften unterrichtet. Als ein sehr gebildeter und frommer junger Mann kam er an den königlichen Hof, wo er sich durch seine ausgezeichneten Sitten die Achtung und Liebe aller Menschen erwarb und von Rothbert, dem ersten Minister des Königs, so hoch geschätzt wurde, dass er ihm seine Tochter Angadeisina zur Gemahlin gab. Da aber sie schon in ihrer Jugend das Gelübde einer immerwährenden Enthaltsamkeit Gott gemacht hatte, überredete sie auch ihren Gemahl zur Haltung des Versprechens. Damit sie ihrem Entschluss getreu bleiben möchten, verließen sie den königlichen Hof, verzichteten auf alle Lebensfreuden und Reichtümer und wählten die klösterliche Armut. Ansbert begab sich in das Kloster zu Fontanelle, in der Gegend von Rouen und wurde von dem heiligen Abt Wandregisil mit väterlicher Güte empfangen und unter die Ordensmänner aufgenommen, unter denen er sich bald sowohl durch seine gründlichen Kenntnisse in den heiligen Schriften, als durch seine Demut und Liebe zum Gehorsam auszeichnete. Er verrichtete die niedrigsten und beschwerlichsten Dienste mit Freude und arbeitete eben eines Tages mit einigen Brüdern im Weinberg des Klosters, als Theodorich, ein junger Mann, der den König auf der Jagd bediente, den Heiligen um seinen Segen bat. Ansbert erteilte ihm den Segen nebst rührenden Ermahnungen zu einem gottesfürchtigen Leben und sagte ihm voraus, dass er in kurzer Zeit Regent des fränkischen Reiches werden würde.

 

Nach dem Tod des heiligen Abtes Wandregisil, der zwanzig Jahre lang mit allem Ruhm seinem Kloster vorstand, wurde Lantbertus zu dessen Nachfolger erwählt, der aber bald als Bischof nach Lion kam und bei seinem Abschied den Brüdern keinen würdigeren als Abt anzuempfehlen wusste, als den frommen Ansbertus. Übereinstimmend wählten sie ihn zu ihrem Oberen und er entsprach den Erwartungen vollkommen, die man sich von ihm gemacht hatte. Mit Sanftmut und Liebe behandelte er seine Mönche und war allen ein Muster in der christlichen Vollkommenheit. Streng gegen sich selbst, war er der liebreichste Vater aller Armen und Unglücklichen und stiftete zwei Häuser neben dem Kloster als eine Zuflucht für die Bedrängten und Verfolgten. Allenthalben verbreitete sich der Ruf des heiligen Abtes und als um diese Zeit der erzbischöfliche Stuhl von Rouen durch den Tod des heiligen Audönus erledigt wurde, ernannte Theodorich, der nun fränkischer König war, den heiligen Ansbert zu dessen Nachfolger, über dessen glückliche Wahl die Geistlichkeit und die Gläubigen frohlockten. Mit Demut und christlicher Liebe regierte der Heilige seine Herde, stiftete allenthalben Friede und Eintracht und beförderte Sittlichkeit und Tugend, bis er das Opfer seiner Feinde wurde. Damals gerieten die fränkischen Fürsten unter sich in Uneinigkeit und böse Menschen verklagten den heiligen Erzbischof bei dem Fürsten Pipin, dass er gegen ihn einen Anhang sammle, um ihn zu stürzen. Sogleich wurde er von seinem bischöflichen Sitz vertrieben und zur Verbannung verurteilt. Der unschuldige Heilige wanderte geduldig und ohne sich zu verantworten in das Elend und fand endlich eine Zuflucht in dem Kloster Hautmont im Hennegau, wo ihn der ehrwürdige Abt Halidulphus mit brüderlicher Liebe aufnahm. Da lebte er wie der geringste Laienbruder unter Gebet, Fasten und Wachen in einer engen Zelle in der größten Armut und bereitete sich auf ein seliges Ende. Als schließlich Pipin seine Ungerechtigkeit einsah und ihn auf seinen erzbischöflichen Stuhl zurückrief, bat ihn der Heilige um Erlaubnis, dass sein Leichnam nach seinem Tod in das Kloster zu Fontanelle überbracht werden dürfe. Da er die Bewilligung seiner Bitte erhalten hatte, wohnte er am folgenden Tag noch dem feierlichen Gottesdienst bei und nachdem er mit innigster Andacht die heilige Kommunion empfangen hatte, gab er sanft und ruhig seinen Geist in die Hände Gottes auf am 9. Februar 695, beweint von allen Frommen und verherrlicht von Gott mit den größten Wundern.

 

Die selige Anna Katharina Emmerick,

+ 9.2.1824 - Fest: 9. Februar

 

Vor vielen Jahren geschah es, dass einmal in dem Weiler Flamske bei Coesfeld in Westfalen ein kleiner Bauersmann, der eine geschickte Hand hatte, einem Nachbarn aus Gefälligkeit eine wackelige Holzbank ausbesserte und sie zum Teil mit neuen Brettern aus dem eigenen Besitz wiederherstellte. Dabei fielen Späne von den alten und den neuen Brettern. Ein siebenjähriges Mädchen, des schreinernden Mannes Tochter Anna Katharina, sammelte die Späne für den Hausbrand. Das Kind hob jedoch nur die Späne von den neuen Brettern auf und ließ die Späne von den alten Brettern liegen. Erstaunt beobachtete der Vater Anna Katharinas Tun und fragte, warum sie denn nicht alle Späne sammle. Darauf entgegnete die Angeredete, das tue sie deswegen nicht, weil die Späne von den alten Brettern doch nicht ihnen, sondern dem Nachbarn gehörten. Bei dieser Antwort schüttelte der Vater den Kopf, blickte betroffen die Mutter an und sprach: „Was haben wir doch ein wunderliches Kind!“

 

Besser hätte der Mann getan, wenn er gesagt hätte: „Was haben wir doch ein Wunderkind!“, denn wenn ein Kind eine solche Zartheit des Gewissens besitzt, wie sie Anna Katharina bei dem erwähnten Vorfall an den Tag legte, so ist das nicht wunderlich, sondern wundervoll.

 

Anna Katharina Emmerick war aber nicht nur wegen ihrer Ehrlichkeit, sondern ganz allgemein ein Wunderkind. Im Jahre 1774 wurde sie am Fest Mariä Geburt geboren, und gleich nach der Taufe erhielt sie als eine besondere Gnade Gottes den vollen Gebrauch der Vernunft. Die Engel spielten mit dem Kind. Gemeinsam sammelten sie Blumen auf den Wiesen und am Rand der Getreidefelder, wanden sie zu Kränzen und brachten die Kränze dem Jesuskind und seiner Mutter. Das alles sah Anna Katharina mit ihren hellen begnadeten Augen. Zuweilen begegnete ihr auch der kreuztragende Heiland, und die Armen Seelen umschwebten sie als leuchtende Flämmchen, und von all diesen Dingen plauderte Anna Katharina arglos, denn sie war der Meinung, dass alle Menschen ohne Ausnahme sähen, was sie allein schauen durfte. Erst als sie merkte, dass es sich nicht so verhielt, sprach sie auch nicht mehr von den Schauungen.

 

Früh musste Anna Katharina kräftig bei der Arbeit helfen, musste den Ackergaul von der Weide holen, musste mit dem Vater auf das Feld, musste das Pferd an der Leine führen, die Egge heben und andere Dinge tun. Weil auch der Vater ein frommer Mann war, beteten die beiden häufig miteinander. Wenn sie beim Ackern wendeten oder ein Weilchen ruhten, wies der Vater auf den Kirchturm hin und sagte: „Da wollen wir den lieben Heiland im Sakrament von weitem grüßen, und dann grüßt er auch uns und segnet unsere Arbeit.“

 

Nachdem Anna Katharina im Alter von sieben Jahren die erste heilige Beichte abgelegt hatte, erschien ihr immer häufiger der kreuztragende Heiland und forderte sie auf, ihm das Kreuz tragen zu helfen. Gern war sie dazu bereit, und es kamen daher mancherlei Beschwerden über sie, wie Kopf- und Zahnschmerzen, die sie zur Sühne für die Sünden der Menschen geduldig ertrug. Auch zähmte sie die Gaumenlust, indem sie auf Speisen, die ihr gut schmeckten, verzichtete, und weil sie ein solch gutes Herz hatte, dass sie keinen Menschen leiden sehen konnte, bat sie Gott, ihr die Krankheiten der anderen aufzulegen, was dann auch oft eintrat.

 

Als Anna Katharina mit vierundzwanzig Jahren einst in der Kirche betete, trat der göttliche Heiland sichtbar auf sie zu und bot ihr zur Wahl einen Blumen- und einen Dornenkranz. Sofort griff sie zu dem Dornenkranz , und von diesem Augenblick an wurde sie die Leidensbraut des Herrn; sie empfing, allen sichtbar, die heiligen Wundmale und hat bis zu ihrem Tod am 9. Februar 1824 unerhörte Schmerzen ausstehen müssen. Es geschah das zur Sühne für die Sünden der Welt in Vereinigung mit dem bitteren Leiden des lieben Heilandes, an das uns die Fastenzeit eindringlich erinnert.

 

Am 3. Oktober 2004 waren viele Blicke nach Rom gerichtet: Anna Katharina Emmerick, die "Mystikerin des Münsterlandes", wurde von Papst Johannes Paul II. selig gesprochen.

 

* * *

 

Josef Michels, Kirchenzeitung für das Bistum Aachen, 1956

 

Das Liebeswerk eines unablässigen Opfers für die leidende Welt gibt dem Landmädchen von Dülmen Anna Katharina Emmerick die Größe eines an Gnaden reichen Lebens, das uns mit Verehrung und Dankbarkeit erfüllt. Sie kannte nur den einen Wunsch, sich selbst mit allem, was Gott ihr an Kräften des Herzens und der Seele gab, den Notleidenden hinzugeben.

 

Als Tochter armer und frommer Bauersleute in Flamske bei Coesfeld im Bistum Münster am 8. September 1774 geboren, hatte sie schon von früh an ein inniges, ganz aus der Unschuld ihres Herzens gewonnenes Verhältnis zu Christus, seiner himmlischen Mutter und den Heiligen. Sie fühlte sich zu Orten hingezogen, an denen einmal schwere Schuld geschehen war und wo sie durch sühnendes Gebet für die Vergehen anderer büßen wollte. Als junges Mädchen ging sie für die Seelen der Verstorbenen in strenger Winternacht barfuß durch den Schnee den langen Kreuzweg bei Coesfeld. Meist verbrachte sie den größten Teil der Nacht im Gebet und nahm am Tag die schwersten Feldarbeiten auf sich. Von früher Jugend an erlaubte sie sich nur das Allernotwendigste an Schlaf und Nahrung und lag auf hartem Lager. Ihre Sehnsucht, in ein Kloster einzutreten, wurde bei ihrer Mittellosigkeit – das Ersparte schenkte sie immer wieder den Armen – erst nach mancherlei Schwierigkeiten erfüllt.

 

Schon vier Jahre vor ihrem Eintritt ins Kloster, und zwar in ihrem vierundzwanzigsten Lebensjahr, als sie in der Jesuitenkirche zu Coesfeld auf der Orgelbühne vor einem Kruzifix kniete, empfing sie die Wundmale der Dornenkrone. Nach ihrer Erzählung sah sie vom Altar her ihren himmlischen Bräutigam vor sich hintreten.

 

„Seine Linke hielt einen Blumenkranz, seine Rechte eine Dornenkrone, er setzte sie mir auf, und ich drückte sie mit beiden Händen auf den Kopf, worauf er verschwand und ich mit einem heftigen Schmerz rings um das Haupt wieder zur Besinnung kam.“

 

Wir entnehmen diesem Bericht der ergreifenden Lebensbeschreibung, die wir dem Dichter Clemens Brentano verdanken. Dieser berichtete auch, er habe das Niederströmen des Blutes über die Stirn und das Antlitz bei hellem Tag in vollkommener Nähe vor seinen Augen mehrmals in solchem Maß gesehen, dass das Blut ihr Halstuch reichlich überrann. (Brentano und mit ihm die späteren Chronisten gebrauchen die Schreibart Emmerich, während heute Emmerick gebräuchlich ist, wie auch der eigene Namenszug der Begnadeten sowie die Geburts- und Taufurkunden zeigen.)

 

Am 13. November 1802 wurde Anna Katharina als Novizin bei den Augustinerinnen in Dülmen eingekleidet, ein Jahr später legte sie die feierlichen Gelübde ab. Keine ihrer Mitschwestern, kein Priester und kein Arzt wussten um die Erscheinungsformen ihres inneren Lebens und die sichtbaren Zeichen. Indem sie versuchte, ihren Zustand geheim zu halten, und sich absonderte, galt sie als eigensinnig und setzte sich ungerechter Verfolgung aus. Sie ertrug alles mit Liebe und Geduld. „Ich hatte einen Stuhl ohne Sitz und einen Stuhl ohne Lehne in meiner Zelle, und sie war doch so voll und prächtig, dass mir oft der ganze Himmel darin zu sein schien.“

 

Ihr zarter Körper, von früh auf durch Entbehrungen noch mehr entkräftet, in jeder Zeit den schwersten Feldarbeiten hingegeben und unter Steigerung der seelischen Zustände von andauernder innerer Spannung ergriffen, erkrankte des Öfteren. Aber ihre Krankheiten hatten auch eine andere Veranlassung. Wir besitzen vor allem aus der späteren Zeit ihres Lebens, als sie immer hinfälliger wurde, viele Augenzeugenberichte, denen zufolge ein großer Teil ihrer Krankheiten und Schmerzen aus übernommenem Leiden für andere entsprang. Sie flehte die Krankheit eines anderen auf sich herüber und litt sie aus. Sie selbst sagte (Nach Brentano): „Ruhig leiden zu können, ist mir immer als der beneidenswerteste Zustand des Menschen erschienen, ja, wäre der Neid keine Unvollkommenheit, die Engel würden uns um das Leidensvermögen beneiden.“

 

Im Herbst 1811 wurde das Kloster aufgehoben. Anna Katharina bezog ein Kämmerchen bei einer armen Witwe des Ortes. Am 28. August empfing sie in der Ekstase das einem Muttermal ähnliche Zeichen eines Kreuzes in der Magengegend, das sich später öfter wie mit einer Brandblase bedeckte (so berichtet Brentano), die besonders abends sich öffnete und eine brennende, farblose Feuchtigkeit ergoss. Einige Wochen später wurde in einer ähnlichen Ekstase ein Gabelkreuz auf dem Brustbein sichtbar, und um Weihnachten erschien ein kleiner Fortsatz in gleicher Kreuzgestalt. Dieses Brustkreuz schwitzte anfangs jeden Mittwoch und später an den Freitagen Blut aus. Von 1814 ab wurde die Blutung seltener, erschien aber immer noch, besonders an den Karfreitagen. Am 29. Dezember 1812 sah sie die Lichtgestalt des Gekreuzigten, seine Wunden leuchteten, und sie fühlte den heißen Wunsch mitzuleiden; damals trat ihre Stigmatisation ein.

 

Clemens Brentano kam im September 1818 nach Dülmen und fand die Leidende in unwürdigen Zuständen der Schaulust der Menge preisgegeben. Er wurde zum Bewahrer der inneren Gesichte des stillen, opfervollen Heldentums. Bis zu ihrem Tod am 9. Februar 1824 saß Brentano an ihrem Lager und schrieb auf, was er an ihr bemerkte oder was sie ihm aus ihrem inneren und äußeren Leben erzählte. Es sind elf Manuskriptbände geworden; Brentano hat nur das „Leiden unseres Herrn Jesu Christi“ selbst herausgegeben. Zehn Jahre nach seinem Tod – er starb 1842 – erschien das „Marienleben“, 1858 das „Leben Jesu Christi“.

 

Wohl hat Brentano die Gesichte der Katharina Emmerick zu dichterischem Bild gerundet und aus fremden Aufzeichnungen manches hinzugetan, und er hat dieses auch der Luise Hensel gestanden. Der Wahrheitsgehalt des Dülmener Erlebens wird dadurch nicht in Frage gestellt. Von einer großartigen Schau- und Bildkraft sind diese Aufzeichnungen, zu denen Clemens Brentano sich nicht nur gedrängt fühlte um der Einmaligkeit dieses Lebens willen, sondern weil er überzeugt war, dass Gott sich durch seine Dienerin offenbarte in seiner Größe, Liebe und Unvergänglichkeit.

 

Der selige Marianus, 1. Abt des Schotten-Klosters in Regensburg,

+ 24.4. oder 9.2. 1083 oder 1088 – Gedenktag: 9. Februar / 24. April

 

Unter der Regierung Heinrich IV. kamen drei gottselige Männer, namens Marianus, Johannes und Candidus, geboren in Irland, nach Deutschland und hielten sich eine Zeit lang im Kloster auf dem Michaelsberg zu Bamberg auf. Von da begaben sie sich nach Regensburg. Dort fanden sie im Kloster Obermünster freundliche Aufnahme. Marianus hatte auf eine göttliche Mahnung hin den Entschluss gefasst, in dieser Stadt ein Kloster für seine Landsleute zu gründen. Die Äbtissin des Klosters Obermünster, Emma, überließ ihm zu diesem Zweck das St. Peters Kirchlein vor der Stadt, das zu ihrem Stift gehörte. Auch schenkte sie ihm einige Grundstücke zur Erbauung eines Klosters. So entstand das erste sogenannte Schottenkloster in Deutschland, und Marianus wurde sein erster Abt. Zum Dank für diese Hilfe und Freigebigkeit übergab der selige Marianus dem Kloster Obermünster sieben Exemplare der Heiligen Schrift, die er mit eigener Hand abgeschrieben und mit Erklärungen aus den Kirchenvätern begleitet hatte. Diese frommen Männer waren unermüdlich mit Gebet und Arbeit beschäftigt. Keine Stunde wurde müssig zugebracht. Außer diesen Bibeln schrieb der selige Marianus auch eine Geschichte seiner Zeit, die uns die besten Aufschlüsse über die damaligen Verhältnisse gibt, und Gebet- und Psalmenbüchlein, die er armen Leuten zum Geschenk machte. Einst hatte der Pförtner vergessen, bei einbrechender Nacht dem Abt Licht zu bringen. Erst spät erinnerte er sich seiner Pflicht und ging zum Abt, ihn um Verzeihung zu bitten. Da traf er den Abt schreibend. Die drei Finger, mit denen er schrieb, leuchteten ihm so hell, dass er eines Lichtes nicht bedurfte. Auch andere bemerkten dieses wunderbare Leuchten der Finger des Seligen und offenbarten es nach seinem Tod.

 

Marianus war nicht allein für sich tätig, sondern er hielt auch seine Untergebenen zu unablässiger Arbeit an. Sie folgten dem Beispiel ihres Abtes willig und freudig, denn die Sanftmut, mit der er sein Amt verwaltete und seine Befehle erteilte, gewannen ihm die Herzen aller. Dabei war er lauter Einfalt und ausgezeichnet durch kindliche Demut. Die von ihm verfasste Erklärung der Psalmen Davids nannte er „eine Sammlung weniger Tröpflein Wasser aus dem unerschöpflichen Meer der Schriften heiliger Väter“. Sein Tod fällt in das Jahr 1088. Bei seinem Grab wurden auf die Fürbitte des Seligen viele Wunder gewirkt. Selbes war im Kirchlein des heiligen Petrus. Als sich einst die Brüder am Grab des Seligen mit unnützem Geschwätz unterhielten, gewahrten sie auf einmal einen wunderlieben Geruch, der vom Grab aus sich verbreitete und sie auf andere Gedanken brachte. Daraus zogen sie die Lehre, dass man über einem Grab nicht schlafen und nicht schwätzen soll, denn da habe man Besseres zu tun.

 

Der heilige Teliaus von Landaff, Bischof und Bekenner in England,

+ 9.2.580 – Fest: 9. Februar

 

Teliaus wurde zu Monmouth im Fürstentum Wallis geboren. Er war Bruder der Anaumedis, die 490 Budic, den König der Armorikanischen Briten heiratete. Er wurde unter der Leitung des heiligen Dubricius, des Bischofs von Landaff, erzogen. Einige Zeit später, im Jahr 500, machte er mit dem heiligen David und dem heiligen Paternus, zweien seiner Mitschüler eine Wallfahrt nach Jerusalem. Das Bistum Dol, das die Geistlichkeit dieser Stadt und der König Budic ihm durchaus übertragen wollten, schlug er aus. Nach seiner Rückkehr nach England erhob man ihn gegen seinen Willen auf den bischöflichen Stuhl von Landaff, nachdem der heilige Dubricius auf den von Caerleon versetzt worden war. Seine Kirche blühte auf durch seine Wissenschaft, Frömmigkeit, seinen Eifer und seine strenge Behutsamkeit, keinen unter die Geistlichkeit aufzunehmen, der nicht die gehörigen Kenntnisse und Tugenden besitze. Sein Ansehen allein war hinreichend, alle Zwiste unwiderruflich zu entscheiden. Während einer ansteckenden Krankheit, die das Fürstentum Wallis verheerte, gab er die großmütigsten Beweise seiner Nächstenliebe. Er starb im Jahr 580 in einer Einöde, in die er sich zurückgezogen hatte, um sich zum Übergang in die Ewigkeit vorzubereiten. Die Archive von Landaff zählen unter seine berühmtesten Schüler den heiligen Oudoceus, seinen Neffen und Nachfolger, den heiligen Ismael, den er zum Bischof weihte, den heiligen Tyfhei, Märtyrer, u.a.m.

 

Gebet am 9. Februar

 

Ich grüße dich, o Maria, du bist die Hoffnung der Christen, der Schirm der Bedrängten, die Hilfe der Schwergeprüften. Vertreibe die Finsternis, die meinen Geist umgibt, und reinige mein Herz von allen irdischen Begierden. Hilf mir in allen Versuchungen und verteidige mich gegen alle Feinde meiner Seele, damit ich ungefährdet zur ewigen Glückseligkeit gelangen möge. Amen. 

 

Zu Gott

 

Dir haben wir, o Herr, unser Leben zu verdanken. Dir soll es auch ganz geheiligt sein, damit wir seine flüchtigen Augenblicke zu unserer Vervollkommnung in allem Guten gebrauchend, unsere irdische Bahn als wahre Jünger Jesu beendigen, und des uns versprochenen himmlischen Erbteils würdig werden, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Um diese Zeit hat sich die Buße und Versöhnung des Theophilus durch die Fürbitte der seligsten Jungfrau ereignet. Er führte ein so vorbildhaftes Leben, dass ihn das Volk zu Adana nach dem Tod ihres Bischofs, der ihn zum Hausmeister bestellt hatte, zum Nachfolger gewählt, das er aber von sich abgelehnt hat. Bei dem neuen Bischof wurde er verleumdet, und ein anderer an seine Stelle gesetzt, was den Theophilus so traurig machte, dass er durch Vermittlung eines jüdischen Zauberers beim Teufel Hilfe suchte, und sich ihm schriftlich, mit Verleugnung von Jesus und Maria, zu dienen versprach. Des anderen Tags änderte der Bischof seinen Sinn, und berief den Theophilus zu dem vorigen Amt. Da er es nun erlangt hatte, überdachte er seinen Fall, ging in eine Mutter-Gottes-Kirche, rief sie vierzig Tage lang mit Beten, Fasten und Weinen an, um Verzeihung von Gott zu erhalten. Diese hat er schließlich durch ihre Fürbitte erlangt, da sie ihm mehrmals erschienen ist, und zuletzt seine dem Teufel gegebene Handschrift wieder zustellte. Des anderen Tages erzählte Theophilus in der Kirche vor dem Bischof und Volk seinen Abfall und die erlangte Versöhnung. Der Schrecken überfiel die Zuhörer, und erweckte sie, Gott und die heilige Jungfrau zu preisen. Drei Tage danach verstarb Theophilus im Herrn, und wurde an dem Ort, wo ihm seine Handschrift übergeben worden war, begraben. Dieses geschah um das Jahr 537 unter Papst Vigilius und der Regierung des Kaisers Justinus II.

 

Andacht am 9. Februar:

 

Das Thema im Februar:

Von der Demut

"Wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden." (Lukas 14,11)

 

"Drei Bedingungen werden zur Demut erfordert, die Christus durch Wort und Beispiel uns so dringend empfohlen hat. Erstens muss sie uns überzeugen, dass wir den Tadel der Menschen verdienen; dann muss sie uns anregen, uns zu erfreuen, wenn sie unsere Fehler wahrnehmen und uns verachten; endlich muss sie dahin wirken, dass wir, wofern Gott in uns oder durch uns irgend etwas Gutes wirkt, es seiner Barmherzigkeit und dem Verdienst der anderen beimessen." (Der heilige Vinzenz von Paul)

Dieser Heilige nannte sich einen alten Sünder, der des Lebens unwürdig sei, und wegen seiner schweren Sünden der Barmherzigkeit Gottes mehr denn alle anderen bedürfe. Einst fiel er vor den Priestern seiner Versammlung nieder, die nicht wenig erstaunten, als er den Mund öffnete und sprach: "Wenn ihr wüsstet, wie schlecht ich bin, würdet ihr mich aus der Versammlung ausstoßen, der ich zur Last falle, die ich entehre und der ich schade!" Oft sprach er von seiner niedrigen Herkunft. Auch stellte er seinen Priestern und mehreren großen Herren seinen Neffen vor, der wie ein sehr dürftiger Landmann gekleidet war; und da er bei dieser Vorstellung einer großen Verlegenheit sich nicht erwehren konnte, klagte er sich mehrmals vor seinen Priestern über den Widerwillen an, den er dabei empfunden habe. Ob er auch oftmals Gelegenheit hatte, von seiner Gefangenschaft in Tunis zu sprechen, wo er den Herrn, dem er als Sklave diente, und der ein Renegat war, in den Schoß der Kirche zurückgeführt hatte, so kam doch nie ein Wort davon über seine Lippen, um desfalls aller Eitelkeit auszuweichen. Musste er aber aus irgendeiner Notwendigkeit oder Nächstenliebe von etwas Gutem reden, das er getan hatte, so eignete er den guten Erfolg eines solchen Werkes immer dem Eifer der anderen an.

Als einst der heilige Einsiedler Antonius in einer Entzückung des innerlichen Gebetes vernommen hatte, es lebe zu Alexandria ein sehr heiliger Mann, der seines Handwerks ein Gärber wäre, und ihn trotz seiner strengen Bußwerke und langen Gebete an Vollkommenheit überträfe, machte er sich alsbald auf den Weg dahin und forschte bei dem Mann um seine geistlichen Übungen und andere guten Werke; verhehlte es ihm auch nicht, dass er einzig darum aus der Wüste zu ihm gekommen sei, dies zu erfahren. Der einfache und fromme Mann fühlte über diese Frage sich beschämt; da er jedoch die höchste Ehrfurcht gegen den heiligen Einsiedler fühlte und ihm nichts verbergen wollte, sprach er zu ihm: "Vater, ich verwundere mich über eure Fragen; denn ich erachte nicht, dass ich jemals irgendetwas Gutes getan hätte. Darum auch spreche ich jeden Morgen, bevor ich an meine Arbeit gehe, zu mir selbst: Alle Einwohner dieser Stadt, vom Größten bis zum Kleinsten, verdienen durch ihre guten Werke den Himmel, indes ich für meine Missetaten die Hölle verdiene. Deshalb auch singe ich mir am Abend vom Grund meines Herzens!" - Nach dieser Antwort sprach der heilige Antonius: "Fürwahr du wirkst in deinem Haus als ein weiser Goldarbeiter und erlangst das Reich Gottes ohne Mühe; ich aber brachte meine Zeit in der Wüste gleichsam ohne wahre Besonnenheit zu, und bin dir noch nicht gleich geworden!"

 

Ach, aller Vorwürfe, aller Schmach, aller Verachtung, Erniedrigung und Strafe bin ich wert! Dies erkenne ich vor Dir, o Herr! Bereit bin ich auch, jede Züchtigung aus Deiner Hand anzunehmen; nur strafe mich als ein barmherziger Vater, und schone mich in der Ewigkeit! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 9. Februar

 

"Wenn andere sich in eurer Gegenwart verirren und Böses tun,

nehmt keinen Anteil an ihrer Schuld und bekümmert euch nicht um ihre Fehler."

 

sel. Heinrich Seuse OP

1298 bis 25.1.1366

 

Betrachtung am 9. Februar - Von den Ärgernissen

 

Sieh, schwarzen Samen streut in Gottes Reich

Mit seinen Knechten Satan aus,

Der furchtbar wuchert, bösem Unkraut gleich,

Zu Brennstoff für sein Feuerhaus.

 

1. "Wehe der Welt mit ihrer Verführung! Es muss zwar Verführung und Ärgernisse geben; doch wehe dem Menschen, der sie verschuldet." (Matthäus 18, 7) Führe diesen Ausspruch des Erlösers tief zu Gemüte, und betrachte die Größe dieses Übels. Denn sehr schwer muss allerdings die Sünde des Ärgernisses, schrecklich müssen seine Folgen sein, zumal da der Herr beifügt, es wäre einem solchen Menschen besser, er würde, mit einem Mühlstein um den Hals, in die Tiefe des Meeres geworfen. Worin aber liegt die Schwere dieses Lasters? Darin, dass das Ärgernis das Werk Jesu Christi, das Reich Gottes zerstört, das er durch sein Blut begründete, und die Frucht seiner Erlösung vernichtet, da es die schwache Tugend verführt, das Laster ermutigt, und das Sittenverderbnis in der ganzen Kirche verbreitet.

 

2. Das Ärgernis ist ein geistiges Schwert, das die Seelen tötet. Zahllose Seelen auch sind in der ewigen Verdammnis, die nur das Ärgernis dahin brachte, und die nun ihre Verführer ewig vermaledeien. Der Mensch, der Ärgernis gibt, verrichtet Satans Amt. Er ist ein wahres Werkzeug der Hölle. Er bringt Seelen um Unschuld, Religion, um Gottes Gnade, um den Himmel. Kann er je einen so unendlichen Schaden ersetzen? Was wird er antworten, wenn der ewige Richter zu ihm spricht: Gib Rechenschaft von dem Blut des Unschuldigen, den du ermordet hast, oder vielmehr gib Rechenschaft von meinem Blut, das du entheiligst, und dessen Kraft du vernichtest hast.

 

3. "Wehe dem Menschen, durch den das Ärgernis, durch den die Verführung kommt!" Ein unzüchtiges, ein irreligiöses Wort fällt oft wie ein Feuerfunke in ein unbefangenes Herz, und wächst zu einer Flamme, die oft nicht mehr zu löschen ist. Das Ärgernis ist ein Same alles Bösen. Es greift schnell um sich und wuchert mit schrecklicher Gewalt. Die Schuld aller dieser Übel aber trägt der Mensch, der das Ärgernis gibt. Und bereut er sogar seine Schuld, so besteht das Übel dennoch, und andere sündigen auf seine Rechnung fort und verbreiten das Böse weiter, das sie von ihm erlernten. So schrecklich als wahr ist dies. Und wer muss nicht darüber zittern? Wehe dir, "der du deine Bosheit und deine Wege auch anderen gelehrt hast." (Jeremia 2,29-37) 

 

10. Februar

 

Die heilige Scholastika, Äbtissin und Ordensstifterin,

+ 10.2.542?, Schwester des heiligen Benedikt - Fest: 10. Februar

 

Die heilige Scholastika ist die Zwillingsschwester des heiligen Ordensgründers Benedikt. Zusammen mit ihm erblickte sie im Jahr 380 in dem Städtchen Nursia, halbwegs zwischen Rom und Neapel, das Licht der Welt. Scholastika war ein fröhliches Kind, von Natur aus heiter veranlagt und immer lustig. Deswegen war sie auch bei den Leuten beliebt. Wenn man sie schnellen Schrittes dahineilen sah, freute man sich, wie man sich eben freut, wenn man zufällig eine schöne weiße Taube erblickt. Schon lange galt die weiße Taube als Sinnbild der Unschuld, und von Unschuld strahlte auch das Mädchen Scholastika.

 

Schon früh half Scholastika hilfsbedürftigen Menschen und war Fürsorgerin den Armen und Kranken in ihrem Heimatstädtchen Nursia. Da war sie auch am richtigen Platz, denn durch ihre Munterkeit machte sie alle Leute froh, und Freude ist bekanntlich die beste Medizin. Da war beispielsweise ein griesgrämiger alter Mann, der jeden Tag vierundzwanzig Stunden lang stöhnte. Oft besuchte Scholastika den Stöhnerich und erzählte ihm ein paar drollige Geschichten. Erst wollte der Alte überhaupt nicht lachen, dann musste er lachen, und schließlich lachte er sich gesund. Auf diese und ähnliche Weise tat Scholastika viel Gutes, und die Leute waren froh mit ihr.

 

Als später Sankt Benedikt das große Kloster auf dem Cassinoberg gründete, verließ Scholastika zum Leidwesen aller die Heimat, bezog am Fuß des Berges eine Wohnung und nahm sich der Arbeiter an, die das Kloster errichteten, kochte, wusch und flickte für sie und war wie eine Mutter gut zu allen. Und während der ernste Bruder in seiner Zelle betete und sich selten sehen ließ, flog Scholastika wie eine Taube auf der Baustelle umher und rief den Arbeitern manch lustigen Scherz zu, dass sie lachen mussten und dadurch leichter über die Mühen hinwegkamen, die mit der Arbeit unter der heißen südländischen Sonne verknüpft waren.

 

Ein einziges Mal nur im Jahr erlaubte der strenge Sankt Benedikt der Schwester, dass sie zu ihm kam und sich mit ihm unterhielt. Die beiden trafen sich auf einem Pachthof außerhalb des Klosters und redeten von diesem und jenem einen ganzen Tag lang. Scholastika kam es vor allem darauf an, von dem gelehrten Bruder zu erfahren, wie es im Himmel aussehe, denn dahin sehnte sie sich mit ganzer Seele. Und wenn dann der gelehrte Bruder von den Schönheiten des Himmels erzählt hatte, so war die Schwester wieder getröstet und gestärkt, um für das nächste Jahr das Leben in Freude auszuhalten und alle mit Freude anzustecken.

 

Jahr für Jahr geschah es so, und als sich die Geschwister wieder einmal trafen, fühlte Scholastika, die ziemlich krank und schwach geworden war, dass sie bei dieser Gelegenheit zum letzten Mal den Bruder auf der Erde sah. Deshalb bat sie ihn gegen Abend, als er sich erhob, um ins Kloster zurückzukehren, er möge doch bei ihr bleiben und ihr noch mehr vom Himmel erzählen. Der ernste Benedikt wollte ihr diese Bitte aber nicht erfüllen und verwies auf die strenge Ordensregel, die es nicht gestatte, dass ein Mönch auch nur eine einzige Nacht außerhalb der Zelle verbringe.

 

Scholastika war enttäuscht, aber nicht entmutigt und sagte still zu sich selbst: „Warte nur, Bruder, wenn du nicht willst, so wird Gott mir helfen.“ Schalkhaft beugte sie dann den Kopf in die Hände und tat so, als schäme sie sich, eine unpassende Bitte ausgesprochen zu haben. In Wirklichkeit betete sie jedoch herzinnig, Gott solle irgendetwas unternehmen, um den strengen Bruder zum Bleiben zu zwingen. Gott half auch sofort, denn mit Minutenschnelle ging ein Platzregen nieder, der die ganze Nacht anhielt, so dass Benedikt notgedrungen bis zum Morgen bleiben musste und Scholastika mit ihm reden konnte.

 

Drei Tage später starb sie, und Sankt Benedikt sah von seiner Zelle aus, wie ihre Seele in Gestalt einer weißen Taube zum Himmel emporstieg.

 

Sehr merkwürdig ist die letzte Zusammenkunft zwischen dem heiligen Benedikt und seiner Schwester Scholastika, die der heilige Papst Gregorius selbst beschrieben hat. Diese Zusammenkunft wird von einem freundlichen Sänger schön auf folgende Weise erzählt:

 

Scholastika, die gottergebene Nonne,

Des heil`gen Benediktus Schwester, pflegte

Einmal des Jahrs den Bruder zu besuchen.

Einst auch erschien sie zur gewohnten Zeit,

Und nach Gewohnheit stieg der Abt sofort

Von seinem Berg herab, um mit der Schwester

Im nächsten Dörfchen des Gesprächs zu pflegen.

 

Der Tag verging, die Sonne stand schon tief;

Noch immer wechselten Scholastika

Und Benediktus inhaltreiche Reden.

Die Sonne sank, die Abendröte glänzte;

Das fromme Paar, zum trauten Mahl sich setzend

Fuhr fort des heiligen Gesprächs zu pflegen.

Das Abendrot verblich, der Mond ging auf,

Vom heitern Himmel blitzten hell die Sterne;

Da sprach der fromme Abt: Spät ist die Stunde;

Der Herr sei mit dir, Schwester! fahre wohl!

 

Doch ahnend sprach Scholastika zu ihm:

Bleib bei mir, Bruder, diese einz`ge Nacht!

Wer weiß, wann wir uns wiedersehn? Wie bald

Ist eine Nacht dahin! Lass bis zum Morgen

Uns reden von des ew`gen Lebens Freuden.

 

Doch Benediktus sprach: Wie magst du solches

Begehren, Schwester! nicht geziemt dem Mönch,

Zu bleiben außer seines Klosters Ring

Die Nacht hindurch. Ich scheide. Fahre wohl!

 

Allein Scholastika, die Fromme, lehnte

Gefaltet auf den Tisch die Hände, barg

Ihr Antlitz in die Hände, und betete

Mit solcher Inbrunst, dass die Tränen reichlich

Durch die gekreuzten Finger niedertrofen.

 

Und ehe sie das Antlitz noch vom Tisch

Erhoben, trübte sich der heitre Himmel.

Der Donner krachte. Blitze flammten rings

Ein schwerer Sturm kam auf. Ein Wolkenbruch

Ersäufte nah und fern das bange Land.

Unmöglich war dem Abt und seinen Freunden

(Steil der Berg, der nasse Fußpfad schlüpfrig)

Für diese Nacht zum Kloster heimzukehren.

 

Unmutig sprach der Abt: Warum, Schwester,

Hast du mir das getan? wie wird der Mönch

Die Regel ehren, die der Abt nicht hält?

 

Scholastika sprach kosend: Trauter Bruder,

Dich bat ich, und blieb unerhört. Ich bat

Den Herrn, und er erhörte mich. Er weiß

Um meine Liebe. Lass uns fröhlich sein!

 

Und fröhlich war der Abt den Rest der Nacht

Mit der geliebten Schwester. Während draußen

Die Stürme brausten, und der Regen klatschte,

Ergötzte sich das gottergebne Paar

In himmlischen Gesprächen. Vieles sprachen

Sie von der Ewigkeit und ihren Freuden,

Und von der süßen Hoffnung, dermaleinst

Den Herrn von Angesicht zu seh`n, und ewig

Bei ihm zu bleiben samt den teuren Freunden.

 

Zu schnell entfloh die ganze Sommernacht.

Vorüber war der Sturm, die Sonne ging

Erquickend auf, und Benediktus schied

In Frieden jetzt von der geliebten Schwester.

 

Nach dreien Tagen starb Scholasika;

Und in dem Augenblick, worin sie starb,

Sah Benediktus, einer Taube gleich,

Zum Himmel ihre reine Seele schweben.

Da schlug das Herz ihm. Eine Stimme sprach:

Die Regel, Abt, ist aller Ehre wert,

Doch größrer Ehre würdig ist die Liebe.

 

Die heilige Austreberta, 1. Äbtissin von Pavilly, Frankreich,

+ 10.2.704 – Fest: 10. Februar

 

Unter der Regierung des fränkischen Königs Dagobert, wo die christliche Religion in Frankreich schon in der schönsten Blüte stand, zeichnete sich Badefridus, Pfalzgraf am königlichen Hof, durch eine besondere Frömmigkeit aus. Er war aus dem Geschlecht der alten fränkischen Könige entsprossen und hatte die Framehildis zur Gemahlin, die von den Königen der Alemannen abstammend, durch ihre besondere Schönheit, noch mehr aber durch ihr heiliges Leben berühmt war. Beide verwendeten ihre Reichtümer und ihre Macht zur Verbreitung und Verherrlichung der Religion Jesu, zum Trost der Armen und Loskaufung der Gefangenen, während sie selbst auf alle Lebensfreuden verzichteten, ein ärmliches Leben führten und unter Wachen, Beten und Ausübung guter Werke nach der christlichen Vollkommenheit strebten. Ihnen wurde eine Tochter, Austreberta mit Namen, geboren, die von zarter Kindheit an ihr Herz der Tugend weihte und nach dem Beispiel ihrer Eltern alles Irdische verachtete und nach den unvergänglichen Gütern einer besseren Welt trachtete. Als sie zu einer Jungfrau von seltener Schönheit herangewachsen war und junge Männer aus den angesehensten Familien um ihre Hand baten und als selbst ihre Eltern und besonders der König sie zu bereden suchten, durch eine Heirat das Glück ihres Lebens zu gründen, entschloss sie sich, lieber ihre teuren Eltern für immer zu verlassen, als das Gelübde einer ewigen Jungfräulichkeit, das sie ihrem Jesus gemacht hatte, zu brechen.

 

Schon wurden die feierlichsten Anstalten zu ihrer Vermählung getroffen, als sie mit ihrem unmündigen Bruder heimlich das väterliche Haus verließ und auf einem ihr unbekannten Weg entfloh. Aber zum Unglück kam sie an einen Fluss, dessen Brücke durch eine Überschwemmung weggerissen war und ihr den Übergang unmöglich machte. Im Vertrauen auf Gott bezeichnete sie sich mit dem heiligen Kreuz, ging über die Fluten und kam freudig zu dem heiligen Bischof Audomarus, der sie zuvor mit ihren Eltern versöhnte und sie mit deren Einwilligung im Jahr 656 in das Nonnenkloster Porte an der Somme brachte, wo sie den heiligen Schleier empfing und mit so großem Eifer die Ordensregeln befolgte, dass sie bald als ein Muster der Gottseligkeit allen ihren Mitschwestern vorleuchtete und durch Sanftmut und tätige Liebe ihre Herzen gewann.

 

Damals erbaute Amelbertus, ein reicher und mächtiger Mann, das Frauenkloster Pauilly und nachdem er es mit Frauen aus allen Ständen besetzt hatte, unter denen Unordnung und Unsittlichkeit herrschte, ernannte er auf den Rat des frommen Priesters Philibert die heilige Austreberta zur Äbtissin des Klosters, die sich alle Mühe gab, durch Ermahnungen und ihr Beispiel die Zügellosen zum notwendigen Gehorsam und zur klösterlichen Zucht zu bewegen. Aber statt sie zu bessern, zog sie sich den Hass ihrer Untergebenen und so schwere Verfolgungen zu, dass sie nur durch augenscheinliche Wunder dem Tod entging. Längere Zeit hindurch litt die Heilige mit himmlischer Geduld alle Misshandlungen, ohne sich je darüber zu beklagen, und siegte schließlich durch Tränen und Gebet über ihre Feinde. Ihr stilles Dulden und ihr sanftes Herz, das Böses mit Gutem vergalt, machten schließlich doch tiefen Eindruck auf ihre Mitschwestern und sie verehrten sie von nun an mit kindlicher Ehrfurcht und Liebe. Austreberta stand bis in ihr hohes Alter mit größtem Ruhm ihrem Kloster vor und führte ein so strenges und heiliges Leben, dass sie Gott mit auffallenden Wundern im Leben und im Tod verherrlichte. Sie starb am 10. Februar des Jahres 704.

 

Der heilige Wilhelm (Guilielmus),

Einsiedler und Ordensstifter von Maleval,

+ 10.2.1157 – Fest: 10. Februar

 

Guilielmus wurde in Poitou aus einem vornehmen Geschlecht geboren und mit Vernachlässigung aller Bildung bloß zum Soldaten erzogen, weswegen er sich auch als tapferer Anführer und Held auszeichnete, aber auch allen Ausschweifungen und Lastern ergeben war. Nur durch die eindringlichen Ermahnungen des heiligen Bernhard, Abt von Clervaux, erwachte er aus seinem Sündenschlaf und suchte einen heiligen Einsiedler in der Wüste auf, den er fußfällig bat, ihn auf den Weg des Heils zu führen. Aber dieser glaubte nicht an seine Bekehrung und prüfte ihn dadurch, dass er ihn wegen seines Lasterlebens mit harten Worten schalt und ihm schließlich gebot, als ein Unwürdiger seine Zelle zu verlassen. Da brach Guilielmus in Tränen und Schluchzen aus und sprach: „Heiliger Mann, habe Erbarmen mit mir und übergebe mich nicht der Verzweiflung! O könntest du in mein Herz blicken und sehen, wie es blutet vor Reue über meine Missetaten, könntest du fühlen die Unruhe und Vorwürfe meines Gewissens; du würdest mich nicht verstoßen, sondern mich um des barmherzigen Gottes willen meinem Verderben entreißen!“ Nun erkannte der Einsiedler, dass es ihm ernst mit seiner Bekehrung sei und zeigte ihm die Mittel an, wie er sich mit Gott und der Tugend wieder versöhnen und die Ruhe des Herzens wiedererlangen könne. „Mein Sohn“, so schloss er seine Ermahnungen, „meide jede Gelegenheit zur Sünde dadurch, dass du die Welt mit ihren Verführungen meidest, deine Begierlichkeit durch Entsagungen und Abtötungen bekämpfst und durch Gebet und Betrachtung dich näher Gott anschließt.“

 

Guilielmus kam in seinen Palast zurück, wo er sogleich seine Dienerschaft entließ, all sein Vermögen unter die Armen verteilte und in einem schweren, eisernen Panzer gehüllt, in größter Armut eine Wallfahrtsreise nach Rom machte, um vom obersten Kirchenhirten im Namen Gottes Verzeihung seiner Sünden zu erhalten. Papst Eugen III. sprach dem Büßer Worte des Trostes und Friedens in sein krankes Herz und gab ihm den Rat, um nicht wieder in die alten Laster zu fallen, sein Vaterland zu verlassen und als Pilger ins heilige Land zu gehen, wo er an dem Patriarchen in Jerusalem einen eifrigen und väterlichen Führer auf den Weg der Vollkommenheit finden würde. Freudig unternahm der Büßer diese lange und beschwerliche Reise, die er mit bloßen Füssen und von dem Almosen barmherziger Menschen sich nährend machte, und wurde mit inniger Freude vom Patriarchen aufgenommen. Er behandelte ihn wie seinen Gastfreund und bot ihm Wohnung und Nahrung in seinem Haus an. Aber Guilielmus, der sich zu einem strengen und abgetöteten Büßerleben entschlossen hatte, schlug dieses Anerbieten beharrlich aus und wählte eine finstere Höhle innerhalb des Eingangs des bischöflichen Hofes zu seiner Wohnung, die zum Aufenthalt solcher Unglücklichen bestimmt war, die den Aussatz oder ansteckende Krankheiten hatten. In diesem Winkel des Elends wohnte er neun volle Jahre, schlief auf der bloßen Erde, genoss keine andere Nahrung, als etwas schwarzes Brot und Wasser und beweinte Tag und Nacht seine Sünden. Am Ende seines Lebens begab er sich aus Palästina nach Hetrurien, wo er in einer wüsten, unbewohnten Einöde noch einige Zeit lebte und vor seinem Tod von einem Priester auf die Ermahnung eines Engels die heiligen Sterbesakramente erhielt. Er starb am 10. Februar des Jahres 1156 als ein strenger Büßer und an seinem Grab ereigneten sich so große Wunder, dass ihn Papst Innozenz III. unter die Zahl der Heiligen setzte.

 

Der selige Alois Stepinac, Erzbischof von Zagreb, Kardinal, Martyrer,

+ 10.2.1960 – Gedenktag: 10. Februar

 

Der Gefangene von Lepoglava

 

(von Dr. Franz Bergmann, aus „Die Furche, Wien, 1.1.1951)

 

So manchem Pilger, der im Heiligen Jahr (1950) nach Rom kam, mag im Straßenbild der Ewigen Stadt eine Gruppe von jungen Männern in hellroten Talaren aufgefallen sein. Es waren Theologiestudenten des „Germanicums“, die nach alter Tradition rot bekleidet sind. „I Rossi“, „die Roten“, nennt sie der römische Volksmund.

 

Während der Kriegsjahre beherbergte das Innsbrucker Canisianum die Studierenden und Professoren des „Collegium Germanicum“, des „Deutschen Kollegs“. Als sie nach Kriegsende nach Rom zurückkehrten, hielt man es, um nicht eine antideutsche Stimmung beim Anblick der Theologen des Collegium Germanicum zu wecken, für geraten, ihren roten durch den üblichen schwarzen Talar zu ersetzen. Doch die Stadtväter von Rom waren anderer Ansicht und ersuchten bald den Rektor des Hauses, die Germaniker sollten doch wieder ihre roten Talare tragen, sie gehören nun einmal so sehr zu Rom, dass man ihren Anblick nicht missen wolle. Seit dieser Zeit ist der hellrote Theologentalar wieder zu den Eigentümlichkeiten Roms geworden. Wenn man im Frühling über den Pincio wandert, hat es einen eigenen Reiz, gelegentlich dem leuchtenden Rot einer Gruppe raschen Schrittes zwischen den Büschen der Anlagen wandernder Germaniker zu begegnen. Ihre Tracht, der rote Talar mit dem schwarzen Zingulum, geht noch auf die Gründungszeit des berühmten Instituts vom Jahr 1552 zurück. Sie ist ein Unikum in der buntbewegten Stadt, so wie überhaupt das „Deutsche Kolleg“ ein Unikum ist. Es gibt in der Ewigen Stadt neben den großen Ordenszentralen 30 Nationalkollegien, die Priesterseminare der Franzosen, Engländer, Nord- und Südamerikaner, Portugiesen, Spanier, Griechen, Schotten und Ruthenen. Ihre Studierenden unterscheiden sich durch die verschiedene Farbe des Zingulums, aber nicht ihre Talare. Sie alle erhalten hier im Zentrum der katholischen Kirche in Harmonie mit der Überlieferung und im Geist ihres Heimatlandes ihre religiöse und geistige Formung. Von den meisten Studenten der Kollegien werden die theologischen Vorlesungen an der „Gregoriana“, der großen internationalen päpstlichen Universität, besucht. Diesen vielen nationalen theologischen Studienanstalten gegenüber ist das Germanicum eine Besonderheit dadurch, dass es im Grunde gar kein Nationalkollegium ist wie die anderen. Abgesehen davon, dass etwa 30 Jahre nach der Gründung des Germanicums mit ihm das Collegium Hungaricum vereinigt worden war – daher der offizielle Titel „Collegium Germanicum et Hungaricum“ – beherbergt es auch Studenten, die aus nichtdeutschen Gebieten stammen, sogar aus Ländern, für die ein eigenes Nationalinstitut besteht. Diese Auffallende Erscheinung findet ihre Erklärung darin, dass das Germanicum geschichtlich eben noch das letzte Wahrzeichen des alten Heiligen Römischen Reiches Deutscher Nation ist und dass es daher heute noch immer im Sinne seiner alten Überlieferung seine Pforten den Studenten aus solchen Diözesen öffnet, die aus diesem ursprünglich eine große Einheit bildenden Gebiet, dem übernationalen Reich von einst, stammen.

 

Wenn ich einen „Rosso“ in Rom anspreche, so steht es deshalb durchaus nicht von vornherein fest, dass er einer deutschen oder österreichischen Diözese angehört. Er kann ebenso ein Norditaliener mit italienischer Muttersprache, ein Ungar oder Schweizer, ein Slowake, Slowene oder Kroate sein, er kann aus dem westlichen Polen, dem Elsass, aus Siebenbürgen oder Ermland und sogar in einem seltenen Fall aus der holländischen Diözese Roermond oder aus Riga stammen.

 

Da die Leitung und der überwiegende Teil der Hausgemeinschaft aus Deutschen besteht, ist auch die Umgangssprache deutsch, die den Theologen auferlegte Probepredigt wird von den Studierenden aller Nationen in deutscher Sprache gehalten. So formt sich hier ein kleines Abbild der Völker und Sprachen umspannenden Ecclesia Catholica, eine lebendige Erinnerung daran, dass es schon einmal so etwas wie die Vereinigten Staaten von Europa gab.

 

In den Jahren 1924 bis 1933 beherbergte das Collegium Germanicum einen kroatischen Alumnus Alois Stepinac. Sieben Jahre lang trug der spätere Erzbischof und jetzige Gefangene von Lepoglava den roten Talar. Er hatte zuvor in seiner Heimat die Hochschule für Bodenkultur absolviert. Er war deshalb etwas älter als der Durchschnitt seiner Konsemester. Da die Aufnahme ins Germanicum von gewissen wissenschaftlichen und charakterlichen Eignungen abhängig ist, die das Maturazeugnis und eine entsprechende Empfehlung des Bischofs oder eines ehemaligen Germanikers beweisen muss, so war es nicht ein bloßer Zufall, der Stepinac in das Germanicum führte, um dort seinen philosophischen und theologischen Studien zu obliegen. Nach den alten Traditionen des Hauses wird ein größeres Maß von Philosophie- und Theologiestudium gefordert, als es sonst in den Priesterseminarien üblich ist. Heute ist es zum Beispiel nur bei äußerster Ausnützung der Zeit möglich, innerhalb von acht Jahren die theologische Doktorwürde zu erwerben.

 

Stepinac war ein liebenswürdiger, gefälliger, hilfsbereiter und fröhlicher Kamerad, eifrig, ausdauernd und gründlich in seinen Studien, wie es dem Geist des Hauses entsprach. Ein klein wenig ernster schien er zu sein als die anderen. Seine Kameraden meinten, es sei das Kriegserlebnis des ersten Weltkrieges gewesen, das den jungen Leutnant reifer gemacht hatte. Jeder wusste, dass er sich darauf verlassen konnte, wenn „Step“ etwas versprach. – Der damalige Spiritual des Hauses war der alte Ketteler- und Windthorst-Biograph P. Otto Pfülf S.J., in dem noch etwas vom Kampfgeist jener Männer steckte, die er so meisterhaft geschildert hat. Es war uns aufgefallen, dass Pfülf damals schon eine besondere Hochschätzung für den „alten Soldaten“ aus Zagreb hatte. Er kannte dessen Charakter, seine männlich gerade Art noch besser als wir. Die kernige, kompromisslose Haltung des Spirituals dürfte nicht ganz ohne Einfluss auf Stepinac gewesen sein.

 

Wenn die heißen Tage in Rom kommen und die Mehrzahl ihre Prüfungen abgelegt hat, dann ziehen die Studenten des Germanicums in die kühlere römische Campagna hinaus, in die Nähe des alten Palestrina, der Stadt mit der eindrucksvollen Kathedrale, den Resten des großen Fortunatempels. Es ist der Geburtsort Pierluigi Palestrinas. Etwa 30 Kilometer östlich von Rom, in der Nähe der Albanerberge und an der alten Via Praeneste, liegt der alte Sommersitz des Germanicums. Dort verbringen an die hundert junge, ideale Menschen die Sommermonate, mit Frohsinn und Ferientreiben bis zum Rand gefüllt. Der im Jahr 1944 hingerichtete ehemalige deutsche Botschafter am Quirinal, Freiherr von Hassel (Christian August Ulrich von Hassel war ein deutscher Kommunalpolitiker, Diplomat und Widerstandskämpfer des 20. Juli 1944. Er wurde am 8. September von den Nationalsozialisten in Berlin-Plötzensee hingerichtet. Hassel wurde nach zweitägiger Verhandlung unter Vorsitz von Roland Freisler vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und zwei Stunden später in Plötzensee mit einer Drahtschlinge erhängt.), ist in den Jahren vor dem letzten Krieg oft und gern in seinem Auto nach San Pastore, dem Ferienhaus der Germaniker, hinausgefahren. Er, der Protestant, liebte es, sich von der Heiterkeit und Unbeschwertheit – wie er sich ausdrückte – dieser singenden, spielenden, sporttreibenden jungen Menschen anstecken zu lassen. Die Germaniker hatten immer eine kleine Überraschung für den deutschen Botschafter bereit: einmal war es ein Handball- oder ein Fußballwettspiel, ein andermal ein heiteres Theaterstück oder eine Freilichtaufführung, ein flottes Orchester, das im Refektorium zu Ehren des Gastes alte Soldatenmärsche spielte – v. Hassel war Ulanenoffizier gewesen -, oder es kamen ihm zwei Theologen hoch zu Ross ein Stück des Weges entgegen, um dann in gestrecktem Galopp das Botschaftsauto bis zur Einfahrt zu begleiten. Soviel „Martialität“, äußerte einmal der Botschafter, hätte er bei katholischen Theologen nicht vermutet.

 

In dieser Ferienzeit pflegte Stepinac ganz aus sich herauszugehen. Er entwickelte sich zu einem überdurchschnittlichen Handballspieler. Bei den Wettspielen zwischen „Philosophen“ und „Theologen“ war Stepinac das As der Theologenmannschaft und sicherte seiner Mannschaft als die Seele von „links rückwärts“ in der Regel den Sieg. Seine besondere Stärke war es, die flachen, aus dem Spielfeld springenden Bälle noch einmal zurückzuholen, sie zu „retten“. Ich erinnere mich noch an ein Wettspiel in den Ferien vor seiner Subdiakonatsweihe. Die zahlreichen roten Schlachtenbummler, die „Step“ damals in Hochform sahen, haben ihm lebhaft applaudiert. Neben den Handballspielern gehörte Stepinac zu den „Bergfexen“. Sowohl in Rom wie vor allem in San Pastore gehörte er zu jener Gruppe „Verwegener“, die sich von immer schwierigeren und ferneren Bergzielen im Apennin locken ließ. Je schwieriger die Tour, je größer die geforderte physische Anstrengung und je knapper die Zeit, desto größer war bei Stepinac die Freude. Die Meisterung der Schwierigkeiten, innen und außen, war damals schon ein Kennzeichen seines Lebens.

 

Nach seiner Priesterweihe im Jahr 1930 und nach Beendigung seiner theologischen Studien im Jahr 1931 kehrte er in seine Heimatdiözese nach Zagreb zurück. Der Abschied vom Germanicum, das ihm eine zweite Heimat geworden war, wie er sich ausdrückte, fiel ihm sehr schwer. Er sagte, dass er nur den einen Wunsch habe, mitten in schwierigste Seelsorgearbeit hineingeworfen zu werden, er wünschte nur eines nicht zu werden: bischöflicher Sekretär oder Hofkaplan beim Bischof. Stepinac kam in die Seelsorge. Aber bald holte ihn der damalige Erzbischof ausgerechnet als seinen Sekretär und Zeremoniär zurück. Es mag ihm dies ein großes Opfer gewesen sein. Später wurde erzählt, Stepinac habe seinem Bischof gegenüber den Wunsch geäußert, in einen strengen Orden einzutreten. Der Erzbischof antwortete, er werde dafür sorgen, dass er das nicht tue. Es waren noch nicht die vom Kirchenrecht geforderten fünf Jahre seit der Priesterweihe vergangen, als die Nachricht ins Germanicum kam, Stepinac sei zum Weihbischof cum jure successionis in Zagreb ernannt worden. Ich war damals gerade im letzten Jahr meines theologischen Studiums, als Stepinac einige Monate später mit den Abzeichen seiner neuen Würde im Germanicum erschien, von den Alumnen stürmisch begrüßt. An seiner Schlichtheit, an seiner männlich entschiedenen Art hatte sich nichts geändert. Am nächsten Tag ging er in den Vatikan, um sich dort in der üblichen Weise vorzustellen. Nach seiner Rückkehr erzählte er uns folgende köstliche Episode: „Ich ging am späten Vormittag allein über den Petersplatz. Plötzlich stand ein kleiner römischer Junge vor mir mit ungewaschenem Gesicht und wirrem Haar. Er fragte mich mit sichtbarer Neugierde: Padre, che ora fa? (Hochwürden, wie spät ist es?). Erstaunt über die merkwürdige Frage des Kleinen blieb ich stehen und öffnete meinen Mantel, um nach der Uhr in meinem Talar zu langen. In dem Augenblick, als beim Öffnen meines Mantels das rote Zingulum und das bischöfliche Brustkreuz sichtbar wurden, sprang der Kleine im Nu, ohne die Antwort auf seine Frage abzuwarten, mit behenden Sätzen davon und rief seinem in der Nähe stehenden kleinen Kameraden zu: „Adriano, è veramente un vescovo! (Du, Adrian, es ist tatsächlich ein Bischof!) – Die beiden Jungen konnten es offenbar nicht glauben, dass der gar so junge, schlanke Mann, der eine grüne Schnur als Zeichen seiner Würde auf seinem breitkrempigen, schwarzen Hut trug, sonst aber nur einen schwarzen geschlossenen Mantel über seinem Talar anhatte, wirklich ein Bischof sein sollte. Ihre Vorstellung von einem Bischof gab ihnen hier ein Rätsel auf. Sie lösten das Problem auf die geschilderte Art.

 

Der selige Erzbischof Stepinac bei einem Interview im jugoslawischen Gefängnis

 

(Am 3. Oktober 1998 wurde Alois Stepinac in Kroatien von Papst Johannes Paul II. als Märtyrer des Glaubens seliggesprochen.)

 

Ich stehe dieser Möglichkeit meiner Freilassung absolut gleichgültig gegenüber, ob ich in ein Kloster gehen oder hierbleiben werde. Es ist mir gleichgültig, was mit mir geschehen wird. Diese Dinge hängen nicht von Marschall Tito ab. Sie hängen nur vom Hl. Vater, vom Papst, ab und von niemandem andern in der Welt. Ich weiß, warum ich leide. Es ist für die Rechte der katholischen Kirche. Ich bin nötigenfalls bereit, jeden Tag für die Kirche zu sterben. Die katholische Kirche kann nicht und wird nie die Sklavin eines Regimes sein.

 

Die heilige Soteres von Rom, Jungfrau und Märtyrin,

+ 10.2.304 – Fest: 10. Februar

 

Der heilige Ambrosius, der ein Anverwandter dieser heiligen Jungfrau war, wünschte seiner Familie Glück, dass sie eine so herrliche Blume hervorgebracht hat. Soteres zählte unter ihren Ahnen eine lange Reihe von Konsuln, Präfekten und Statthaltern der Provinzen. Allein ihr wahrer Ruhm besteht darin, dass sie aus Liebe für Jesus den Adel ihrer Geburt, den Glanz ihrer Schönheit, die Güter des Glücks, mit einem Wort, alle diese Vorzüge verachtet hat, die die Augen der Weltkinder so häufig blenden. Sie brachte Gott das Opfer ihrer Jungfrauschaft, und da sie ihre seltenen Reize großen Gefahren aussetzten, suchte sie diese ganz zu vernachlässigen und untersagte sich den Gebrauch alles durch die Eitelkeit erfundenen Schmuckes. Auf diese Weise bereitete sie sich vor, ein glorreiches Zeugnis für die Gottheit Jesu Christi zu geben. Die Gelegenheit bot sich ihr auch dar, gleich nach der Bekanntmachung der grausamen Gesetze, die Diokletian und Maximian gegen die Christen ergehen ließen. Soteres wurde verhaftet und vor die Obrigkeit geführt, wo sie unmenschlich in das Angesicht geschlagen wurde. Sie pries sich glücklich, gleich ihrem Erlöser, misshandelt zu werden, und ertrug mit bewunderungswürdiger Geduld die Backenstreiche, die man ihr versetzte. Da der Richter sah, dass diese Strafe keine Wirkung hervorbrachte, befahl er neue Martern anzuwenden, die ebenso unwirksam waren. Die Heilige duldete alles ohne den kleinsten Seufzer auszustoßen, oder nur eine Träne fließen zu lassen. Durch diese heldenmütige Standhaftigkeit einer schwachen Frau wurden die Richter beschämt, und verurteilten sie, um den Anblick dieser Heiligen los zu werden, den sie nicht länger aus Wut und Scham ertragen konnten, zur Enthauptung. Der Name dieser Märtyrin ist auch in den alten Martyrologien verzeichnet.

 

Gebet des heiligen Thomas von Aquin am 10. Februar

 

Glückseligste und süßeste Jungfrau Maria, die du voll von Barmherzigkeit bist, ich empfehle dir meine Seele und meinen Leib, meine Gedanken, meine Werke, mein Leben und meinen Tod. O meine Gebieterin, hilf mir und stärke mich gegen die Angriffe des Teufels. Erlange mir wahre und vollkommene Liebe, damit ich deinen geliebten Sohn, unseren Herrn Jesus Christus aus ganzem Herzen und nach ihm dich über alle Dinge liebe. O meine Königin und Mutter, mache durch deine mächtige Vermittlung, dass ich diese Liebe bis zu meinem Tod bewahre, worauf du mich alsdann ins Vaterland der Seligen führen wollest. Amen. 

 

Zu Gott auf die Fürbitte der heiligen Scholastika

 

O Gott, verleihe uns auf die Fürbitte Deiner heiligen Scholastika die Gnade, rein zu leben, damit wir in unseren Anliegen von Dir erhört werden, und Dich einst im Himmel sehen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Im Leben des heiligen Guilielmus oder Wilhelm, den der heilige Bernard zur Buße bekehrt hat, und dessen Fest man heute begeht, wird gelesen, dass er in den schweren Anfällen der Teufel, die ihn von seinem Bußleben abbringen wollten, und darum öfters sehr misshandelten, seine Zuflucht zur seligsten Jungfrau allezeit vertraulich genommen, und auch von ihr durch Erscheinung, Tröstung und Heilung seiner Wunden mehrmals erquickt worden ist.

 

Andacht am 10. Februar:

 

Das Thema im Februar:

Von der Demut

"Wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden." (Lukas 14,11)

 

"Immer sollen wir die anderen als unsere Vorgesetzten ansehen, , und selbst unseren Untergebenen uns unterwerfen, ihnen Achtung erzeigen und mit Eifer dienen; dies ist eine treffliche Übung; und wollte Gott, wir würden fest darin!" (Der heilige Vinzenz von Paul)

Ob auch der heilige Bernhard das erleuchtende Licht seines Jahrhunderts war, das alle Menschen wegen der Heiligkeit seines Lebens, des Glanzes seiner Wunder, der Vortrefflichkeit seiner Lehren und des großen Gewichtes seines Ansehens bewunderten, nannte er sich nichts desto weniger und hielt sich auch für einen unnützen Knecht und für einen unfruchtbaren Baum; und konnte nicht einsehen, worin er irgend jemand nütze; so, dass sein Geschichtsschreiber von ihm sagte: "Er, über den die Welt erstaunte, war der einzige, der den Glanz seines Ruhmes nicht wahrnahm." Sprechen konnte er mit dem heiligen Ijob: "Habe ich jemals die Sonne in ihrem Glanz betrachtet, oder den Mond in der Pracht seines Laufes ins Auge gefasst?" (Ijob 31)

Gegenüber jedem Menschen bezeigte der heilige Vinzenz von Paul Achtung. Alle anderen waren in seinen Augen besser, vollkommener und zu allen Geschäften geeigneter als er. Daher unterwarf er auch, ohne den geringsten Widerwillen, seine Meinung der Ansicht der anderen. In dieser wahrhaften Überzeugung, die übrigen seien besser als er, warf er sich auch in seinen Gedanken ihnen beständig zu Füßen.

Denke dir, Christus spräche diese Worte zu dir: "Wenn du zu einer großen Liebe gelangen willst, so setze dich in deinen Gedanken tief unter alle Geschöpfe; und glaube ernstlich, dass dies die Stelle sei, die dir gebührt!"

 

Wohl verdiene ich, Herr, tief unter allen Geschöpfen zu stehen, und habe durchaus keinen Grund, mich auch nur einem einzigen vorzuziehen; denn überaus strafwürdig bin ich, und gehe ohne Deine Barmherzigkeit verloren! O erbarme Dich eines zertretenen Erdwurmes, der sich erfrechte, Dich zu beleidigen, und Deine Gaben zu Deiner Beleidigung zu missbrauchen! Amen. 

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 10. Februar

 

"Das Gebet ist ein Weideplatz, ein Feld, auf dem alle Tugenden ihre Nahrung,

ihre Entwicklung, ihre Kraft finden."

 

hl. Katharina von Siena OP

1347 bis 29.4.1380

 

Betrachtung am 10. Februar - Ratschlüsse der göttlichen Gerechtigkeit

über die Begierden der Sünder

 

Wer ohne dich, Herr, sammelt, der zerstreut;

Denn ohne deinen Willen ist kein Segen;

Die Schuld hat niemals lange sich erfreut;

Denn immer trittst du rächend ihr entgegen.

 

1. Hüte dich, je etwas mit Ungestüm und gegen den Willen deines Schöpfers zu verlangen, sondern sprich: Wenn es dir so wohlgefällt, mein Gott, und es gut für mein Heil ist, so verleihe es mir in deiner Barmherzigkeit. Denn wunderbar ist Gottes Vorsehung. Zu ihrer Strafe lässt sie es zu, dass die Gottlosen zuweilen erlangen, wonach die Gier ihres Herzens zielt. Meinst du aber, sie sind deshalb glücklich? Vielmehr finden sie, statt Gewinn, Schaden; statt Ruhe, Sorgen und Plagen; statt Freuden, bitteren Kummer. So mancher verfluchte die Ehrenstelle, zu der er durch Ungerechtigkeit gelangte, so mancher und so manche das sogenannte Glück der Liebe, das sie in grenzenloses Elend und Verzweiflung stürzt. 

 

2. Gewöhnlich auch geschieht es aus Gottes gerechtem Ratschluss, dass gerade das Gegenteil dessen erfolgt, was der Mensch durch das Böse beabsichtigt. Josephs Brüder verkauften den unschuldigen Jungen, damit sein Traum nicht in Erfüllung ginge, und eben dadurch ging er in Erfüllung. Pharao befahl, alle neugeborenen Knäblein der Hebräer zu ertränken, um dadurch dieses Volk zu vertilgen, dadurch aber gab er Anlass zur Rettung des Mose, auf dessen Strafbefehl im Namen des Herrn alle Erstgeburt der Ägypter getötet wurde, und ihr ganzes Heer samt dem Pharao im Wasser umkam. Auch die Juden töteten den Herrn unter dem Vorwand, dass nicht die Römer kämen und ihr Volk und ihre Stadt zerstörten; und gerade dieses gottlosen Mordes wegen wurde ihr Volk und ihre Stadt durch die Römer zerstört.

 

3. Dies ist es, was der Herr durch den Propheten von den Gottlosen spricht: "Darum zeigt mein Auge kein Mitleid, und ich übe keine Schonung. Ihr Verhalten lasse ich auf sie selbst zurückfallen." (Ezechiel 9,10) Denn also geziemt es der allerhöchsten Majestät, die Beleidigungen schnöder Geschöpfe zu rächen, und ihre unendliche Weisheit zu rechtfertigen, damit niemand meine, seine Sicherheit sei in seinen Lastern aufgestellt. Dies bedenke und hüte dich auf alle Weise, gegen den Willen des Allerhöchsten etwas nachzustreben, damit er nicht in seinem gerechten Zorn es dir gewähre; und was du für ein Glück hältst, dir zum Untergang gereiche. Psalm Davids: "Der Herr ist gerecht in allen seinen Wegen, und heilig in allen seinen Werken."

 

11. Februar

 

Mariä Erscheinung zu Lourdes

 

Die heiligen Saturnius, Lektor und Martyrer von Karthago,

+ 11.2.304,

und Dativus, Lektor und Martyrer von Karthago,

+ 11.2.304,

zusammen mit mehreren anderen heiligen Märtyrern in Afrika

(49 Märtyrer der heiligen Bücher) - Fest: 11. Februar

 

Der Kaiser Diokletian hatte allen Gläubigen unter Todesstrafe befohlen, die heiligen Schriften zum Verbrennen herauszugeben. Und da die Christen diesem Befehl nicht gehorchten, begann eine grausame Verfolgung, wodurch ein ganzes Jahr hindurch Afrika mit dem Blut der Bekenner Jesu gefärbt wurde. Es gab zwar auch ängstliche Leute, die, um ihr Leben zu retten, der ungerechten Forderung gehorchten. Die große Mehrzahl der Christen wollte aber lieber sterben, als bei der Vernichtung der heiligen Bücher mitzuwirken. Abitine, eine Stadt der prokonsularischen Provinz Afrika, war einer der Hauptschauplätze im Krieg gegen die Christen.

 

Als Saturnin, Priester dieser Stadt, an einem Sonntag die göttlichen Geheimnisse im Haus des Octavius Felix feierte, eilte die Stadtobrigkeit mit einem Haufen Soldaten herbei und nahm neunundvierzig Christen beiderlei Geschlechts gefangen. Die Vornehmsten dieser Versammlung waren Saturnin mit seinen vier Kindern, der jüngere Saturnin und Felix, beide Vorleser, Maria, eine gottgeweihte Jungfrau, und Hilarion, der noch ein Kind war. Dann der Senator Dativ, Ampelius, Rogatian und Victoria. Dativ, die Zierde des Rates von Abitine, ging an der Spitze dieser geheiligten Schar. Saturnin, von einer gottgeweihten Familie umgeben, ging an dessen Seite. Alle übrigen folgten stillschweigend nach.

 

Vor den Richter bekannten sie Jesus mit einer solchen edlen Unerschrockenheit, dass selbst diese ihren Mut bewunderten. Auf solche Weise machten sie einigermaßen das Verbrechen ihres Bischofs Fundan wieder gut, der an demselben Ort feige die heiligen Bücher auslieferte. Doch da schon hatte der Himmel augenscheinlich unsere heiligen Urkunden verherrlicht, denn als Fundan sie ins Feuer warf, fiel aus heiterer Luft ein so starker Regen, dass er das Feuer auslöschte, worauf ein Hagel folgte, der alle Felder der Umgegend zerstörte.

 

Die Bekenner wurden nun gefesselt nach Karthago abgeführt, zum Sitz des Prokonsuls. Unterwegs sangen sie voller Freude Loblieder dem Herrn und dankten ihm, dass er sie gewürdigt habe, für den Namen Jesu gefangen zu sein. Der Prokonsul begann das Verhör mit Dativ, indem er ihn fragte, wessen Standes er sei, und ob er der Christenversammlung beigewohnt habe. „Ich bin ein Christ“, antwortete Dativ, „und habe den Versammlungen beigewohnt.“ Nach mehreren anderen Fragen, deren Beantwortung der Prokonsul jedoch nicht abwartete, ließ er ihn auf die Folter spannen und mit eisernen Krallen zerfleischen. Zu dieser schmerzvollen Marter verurteilte er auch die meisten der übrigen Bekenner. Alle erduldeten aber auch diese Peinigung mit unüberwindlicher Geduld. Selbst die Verschiedenheit des Geschlechts ließ keinen Unterschied des Mutes wahrnehmen. Vor allen glänzte Victoria. Sie hatte das Glück, von Jugend auf die Wahrheit zu kennen, und aus Liebe zu ihrem jungfräulichen Stand hatte sie einer sehr vorteilhaften Verbindung entsagt. Ihre ganze Begierde ging dahin, die Märtyrerkrone mit der jungfräulichen Reinheit zu vereinen. Da sie von edler Geburt war und die Schwester Fortunatians, eines eifrigen Verteidigers des Heidentums, bot der Prokonsul alles auf, sie vom Christentum abwendig zu machen. Er fragte sie zuerst um ihre Religion, worauf sie ihm mutig antwortete: „Ich bin eine Christin.“ Fortunatian wollte sie durch vorgebliche Verrücktheit entschuldigen. Allein Victoria, die nichts mehr fürchtete, als die Gelegenheit zu verlieren, ihr Blut für Jesus Christus zu vergießen, zeigte durch die Weisheit ihrer Reden, dass sie vollkommen bei Verstand sei, und frei und aus erkannter Ursache das Christentum angenommen habe. Der Prokonsul fragte sie dann, ob sie mit ihrem Bruder zurückkehren wolle, worauf sie erwiderte: „Ich kann dies nicht, weil ich eine Christin bin und keine anderen Brüder anerkenne, als die Gottes Gesetz halten.“ Der Richter bat sie nun mit den schmeichelhaftesten Worten, doch Mitleid mit sich selbst zu haben und ihr Leben zu erhalten, erhielt aber nichts anderes zur Antwort als: „Ich habe dir es ja schon gesagt, dass ich eine Christin bin und der Versammlung beigewohnt habe.“ Der Prokonsul aufgebracht, dass er sich überwunden sehen musste, ließ sie mit den anderen in das Gefängnis führen, bis er gegen alle kurze Zeit nachher das Todesurteil fällte.

 

An Hilarion, dem jüngsten Kind Saturnins machte der Prokonsul den letzten Versuch, in der Hoffnung, die Schwäche des kindlichen Alters werde da den gewünschten Sieg erleichtern. Bald aber sah er seinen Irrtum ein. Das heilige Kind, erhaben über alle Furcht, antwortete ihm: „Ich bin ein Christ, ich habe der Versammlung beigewohnt, und dieses aus freiem Willen und ohne Zwang.“ Der Prokonsul, der nicht wusste, dass Gott selbst in seinen Märtyrern jene Heldentaten wirkt, drohte ihm mit kleinen Kinderstrafen. Allein der Kleine lachte darüber. Und da er ihn mit den Worten schrecken wollte: „Ich werde dir die Nase und Ohren abschneiden lassen,“ entgegnete Hilarion: „Das kannst du, ich bin aber ein Christ.“ Der Prokonsul verbiss seinen Ärger und seine Beschämung und ließ das Kind in das Gefängnis zurückführen. Und dieses Kind sagte beim Weggehen: „Herr! Ich danke dir.“

 

Alle diese edelmütigen Kämpfer Jesu Christi starben in dem Gefängnis an den erlittenen Martern. Ihre Namen stehen an diesem Tag in den alten Martyrologien.

 

Wie groß war doch der Eifer der ersten Christen, den Tag des Herrn würdig zu begehen. Auf die Frage des Richters, warum sie trotz des kaiserlichen Verbotes sich versammeln, sagten sie sogar auf der Folter: „Dies geschieht, weil die Feier des Sonntags bei uns eine unerlässliche Pflicht ist.“ Wir erfüllen diese Pflicht, so oft es uns immer möglich ist. „Niemals fehlen wir in der Versammlung. Wir halten Gottes Gebote, sollte uns unsere Treue auch das Leben kosten.“ Dem heiligen Opfer, dem Religionsunterricht und den gemeinschaftlichen Andachtsübungen beiwohnen, hielten die wahren Christen zu allen Zeiten für eine ihrer heiligsten Pflichten. Es ist immer ein Beweis von tief gesunkener Religiosität, wenn die dem Herrn geheiligten Tage durch leichtfertiges Arbeiten, trägen Müßiggang oder Belustigungen entweiht werden. Der Mensch verwildert, wenn er Gott aus den Augen verliert.

 

Wie tief werden viele der heutigen Christen von ihren ersten Glaubensgeschwistern beschämt! Diesen war die Feier des hl. Opfers und der hl. Kommunion so wichtig, dass sie diese Feier, wenigstens am Sonntag, nicht unterließen, wenn dabei auch ihr Leben in Gefahr kam. Heute aber versäumen viele Menschen wegen geringster Hindernisse den sonntäglichen Gottesdienst. Die ersten Christen durften mit Zuversicht sagen: „Wir haben die heiligen Bücher in unseren Herzen.“ Aber wie vielen der heutigen Christen ist der christliche Glauben eine so gleichgültige Sache, dass sie sich um alles eher als um ihn kümmern? Mit welcher Scham werden sie neben jenen vor dem Gericht Gottes stehen!

 

Der heilige Severin, Abt von Agaunum-St. Moritz, Schweiz,

+ 506-512 – Fest: 11. Februar

 

Der heilige Severin wurde aus einem adeligen Geschlecht geboren und von seinen christlichen Eltern mit Sorgfalt sowohl in den Wissenschaften, als besonders in der Frömmigkeit erzogen. Die Sehnsucht nach einem einsamen Leben bewog ihn, als junger Mann auf die ansehnlichen Güter seiner Eltern zu verzichten und sich in das Kloster zu Agaunum im Walliserland zu begeben im Jahr 476, das damals wegen der vielen Wunder in einem großen Ruf stand, die am Grab des heiligen Martyrers Mauritius, eines heldenmütigen Glaubensbekenners von der thebaischen Legion, gewirkt wurden. Der fromme Severin erhielt willige Aufnahme von den Ordensmännern und machte solche Fortschritte in der Gottseligkeit des klösterlichen Lebens, dass ihn seine Mitbrüder nach dem Tod ihres Abtes zum Nachfolger erwählten, in welcher Würde er sich durch seine Leutseligkeit und Sanftmut die Liebe aller seiner Untergebenen erwarb und von Hohen und Niederen in Bedrängnissen und anderen wichtigen Angelegenheiten zu Rate gezogen wurde. Damals lag der fränkische König Clodoväus in einem gefährlichen Fieber krank und als ihn seine Ärzte als unheilbar erklärt hatten, verbreitete sich große Trauer am königlichen Hof und einige Mächtige, die ihr Vertrauen auf Gott setzten, baten den Kranken, den heiligen Abt Severinus zu berufen, damit er ihm durch sein Gebet, wie so vielen anderen, die Gesundheit erflehen möchte. Sogleich wurde eine ansehnliche Gesandtschaft zum Kloster des heiligen Mauritius abgeordnet, mit denen sich der Diener Gottes, nachdem er ihre Bitte vernommen hatte, mit freudiger Eile auf den Weg machte. In der Stadt Nivernum ging er in die Kirche und als er seine Andacht verrichtet hatte, wurde er von der dortigen Geistlichkeit gebeten, er möchte ihren kranken Oberhirten Eulalius besuchen, der schon seit einem Jahr auf dem Schmerzenslager dulde und der Sprache und des Gehörs beraubt sei. Der Heilige trat in das Krankenzimmer, warf sich auf den Boden auf das Angesicht und betete in der Stille; dann stand er auf und sprach zu dem Bischof: „Diener Gottes, öffne deinen Mund und rede!“ Und zum Erstaunen aller Anwesenden rief der Stumme: „Der Name des Herrn sei gebenedeit, der sich auf dein Flehen meiner erbarmt hat!“ Dann hob ihn Severin von seinem Bett mit den Worten: „Steh auf im Namen Jesu, denn heute musst du mit mir das allerheiligste Opfer verrichten und deine Gläubigen segnen!“ Und Eulalius stand auf und war geheilt und erteilte unter lautem Frohlocken seiner Gemeinde den Segen.

 

Am anderen Tag kam der Heilige an das Hoflager des Königs, der unterdessen in eine solche Schwäche gefallen war, dass er kaum mehr atmen konnte. Severinus betete vor dem Bett des Kranken eine Weile, dann bedeckte er ihn mit seinem Mantel, erhob Augen und Hände zum Himmel und befahl schließlich dem König, sich zu erheben. Plötzlich hatte ihn das Fieber und alle Schwäche verlassen und in voller Gesundheit warf er sich auf seine Knie und dankte Gott für die Gnade seiner Genesung. Ganz Paris ertönte vom Jubel der Einwohner und Clodoväus verteilte nicht nur ungeheure Summen unter die Armen, sondern ließ auch alle Gefangene, die kein todeswürdiges Versprechen begangen hatten, in Freiheit setzen. Bald darauf verließ der Heilige den königlichen Hof und kam auf seiner Rückreise bis nach Chateau Landon, wo eine aus Holz erbaute Kirche stand, in der zwei fromme Priester, Paschasius und Urficinus mit Namen, Gott Tag und Nacht dienten. Denen eröffnete Severinus seine Todesstunde und bat sie, seinen Leichnam in dem Gotteshaus zu begraben. Mit brennender Andacht empfing er die heiligen Sterbesakramente und verschied im Gebet um das Jahr 512. An seinem Grab geschahen viele Wunder und der König Childebert, ein Sohn des Clodoväus, erbaute über dem Grab eine prächtige Kirche, die er reichlich beschenkte.

 

Der heilige Kalocerus von Griechenland, Bischof zu Ravenna,

+ 1. Jhd. – Fest: 11. Februar

 

Kalocerus, aus Griechenland gebürtig, wurde im Götzendienst erzogen und kam nach Ravenna, wo er durch die Predigten und Wundertaten des dortigen Bischofs, des heiligen Apollinaris, zur christlichen Religion bekehrt wurde. Er bewies von dieser Zeit an einen solchen Eifer für die Ausbreitung des Christentums und zeichnete sich durch ein so frommes Leben aus, dass ihn der heilige Oberhirt unter die Zahl seiner Jünger aufnahm und ihn schließlich zum Priester weihte. In der Folge erregten die heidnischen Priester einen Aufruhr gegen den Bischof Apollinaris, wobei er so heftig gemartert wurde, dass man ihn als tot außerhalb der Stadt liegen ließ. Er aber erholte sich und reiste verkleidet in andere Provinzen, wo er das Evangelium predigte und viele Heiden zur Erkenntnis des wahren Gottes führte. Während seiner Abwesenheit, die über sieben Jahre dauerte, verwaltete der eifrige Priester Kalocerus mit unermüdlicher Sorgfalt das bischöfliche Amt und brachte schließlich durch sein Ansehen, das er sich bei den Heiden durch sein Mitleiden und seine Wohltaten gegenüber Unglücklichen und Armen erwarb, den heiligen Bischof wieder nach Ravenna zurück. Nach dem Tod des Apollinaris unterstützte er noch drei Bischöfe in ihrem beschwerlichen Amt und wurde endlich einstimmig von der Geistlichkeit und den Gläubigen zum Oberhirten der Kirche von Ravenna erwählt. Er erreichte ein Alter von 100 Jahren und durch seinen rastlosen Eifer hatte er in seinem Sprengel alle Spuren des Götzendienstes vertilgt und Tugend und Sittlichkeit befördert. Er starb im hohen Ruf der Heiligkeit unter der Regierung des Kaisers Hadrian. Probus, sein Nachfolger im bischöflichen Amt, erbaute in Ravenna eine herrliche Kirche, in der er die Leichname der Heiligen Apollinaris und Kalocerus zur öffentlichen Verehrung beisetzte.

 

Der heilige Benedikt von Aniane, Abt,

+ 11.2.821 – Fest: 11. Februar

 

Durch die Ungunst der Zeitverhältnisse waren im 8. und 9. Jahrhundert viele Ordenshäuser von der ursprünglichen Regel des hl. Benedikt von Nursia abgewichen. Insbesondere maßten sich die fränkischen Könige mancherlei Eingriffe in das Leben der Klöster an, betrachteten das Klostergut als Lehen, zogen die Einkünfte ein, um tapfere Soldaten damit zu belohnen, ließen sich selbst oder ihren Verwandten die Abtswürde übertragen, ohne die höhere Weihe des Mönchsstandes zu übernehmen und zwangen oft die Klostervorsteher zur Heeresfolge und zur Teilnahme an Staatsangelegenheiten. So kam es, dass in manchen Klöstern Prachtliebe, Weltsinn und Kriegslust überhandnahmen, während in anderen Häusern übermäßige Strenge und grausame Härte vorherrschten. Die Päpste und Kirchenversammlungen drangen solchen Missständen gegenüber auf Regularäbte und strenge Beobachtung der Ordensregeln, der Kaiser nahm die geheiligten Orte unter seinen besonderen Schutz und bestellte für jedes Kloster einen Schirmvogt, der im Namen des Klosters die weltlichen Angelegenheiten besorgte. Die innere Reform des Ordens vollendete unter Ludwig dem Frommen der hl. Benedikt von Aniane.

 

Aus dem Geschlecht der Grafen von Magelone in Languedoc um 750 geboren, lebte Benedikt in seiner Jugend am Hof Pipins und Karls des Großen, führte aber trotz seiner hohen Stellung ein sehr abgetötetes Leben und sehnte sich inmitten des Hoflebens und Waffendienstes nach einer stillen Klosterzelle. Ein plötzliches Unglück riss ihn vollends von der Welt los. Sein Bruder nämlich ertrank an seiner Seite, und während er ihn mit brüderlicher Aufopferung retten wollte, hätte er beinahe selbst sein Leben eingebüßt. Dieser Unglücksfall erschütterte Benedikt so tief, dass er auf den Rat eines frommen Einsiedlers, namens Widmar, im Jahr 774 in das Benediktinerkloster des hl. Sequanus in Burgund trat. Bald jedoch veranlassten ihn die in diesem Kloster herrschenden Missbräuche, es wieder zu verlassen. In seine Heimat zurückgekehrt, gründete er im Jahr 780 auf seinem Landgut an dem Flüsschen Aniane bei Montpellier ein kleines Kloster zu Ehren des Weltheilandes. Der erste, der sich seiner Leitung unterstellte, war der Einsiedler Widmar. Allmählich sammelten sich um ihn ungefähr einhundert Schüler.

 

Benedikt und seine gleichgesinnten Genossen führten eine sehr strenge Lebensweise, genossen nur Wasser und Brot und waren so arm, dass sie lange nur einen gläsernen Kelch bei der heiligen Messe benutzten; erst später konnten sie einen zinnernen kaufen. Der heilige und opferfreudige Geist des Ordensstifters Benedikt herrschte in dieser klösterlichen Genossenschaft und verbreitete den Ruhm von Aniane in immer weitere Kreise. Der Papst und Kaiser Karl der Große übertrugen ihm die Reform vieler Klöster in Gallien und Aquitanien. Er versuchte es, die Klöster im Frankenreich und Deutschland zu einer gleichen Lebensweise unter der Regel des heiligen Benedikt zu vereinigen, und sandte auf die Bitten vieler Bischöfe Mönche aus seiner Schule, gewöhnlich zwölf, in gesunkene Klöster, um die strengere Zucht und neuen Eifer wieder einzuführen. Auf Benedikts Werk ruhte sichtbar Gottes Segen. Ein frischer Wetteifer und glühende Begeisterung im hohen Streben zeitigte die schönsten Früchte.

 

Im Jahr 794 wohnte Benedikt der Synode von Frankfurt bei und verfasste mehrere Abhandlungen zur Verteidigung des Glaubens. Seine Aussprüche verehrte man als Stimme Gottes. König Ludwig der Fromme berief ihn (817) zu der berühmten Synode nach Aachen, wo sich die Äbte von ganz Deutschland und Frankreich unter Benedikts Vorsitz versammelt hatten. Um den ausgezeichneten Abt immer in seiner Nähe zu haben, stiftete Ludwig bei Aachen das Kloster Corneli-Münster und setzte ihm Benedikt als Abt vor. Dieser gründete unter dem Schutz und mit Unterstützung des Königs zunächst zwölf Klöster, die den übrigen als Muster vorleuchten sollten. Er besuchte alle Klöster, schärfte ihnen den Geist des Ordensstifters ein, fügte Erläuterungen und Zusätze bei, hob die Missstände auf und führte in allen seinen Klöstern mit Aufhebung der abweichenden Ortsgewohnheiten eine gleichmäßige Disziplin ein. Auch das Verhältnis der Klöster zum Staat ordnete er den Verhältnissen der Zeit angemessen. So wurde die Ordensregel Benedikts von Aniane nicht minder berühmt und verbreitet, als die ursprüngliche Regel des hl. Benedikt von Nursia. Nachdem der seeleneifrige und heilige Abt Benedikt mit unermüdlicher Sorge seinen Geist über alle Klöster des Reiches verbreitet und ein verjüngtes Ordensleben hervorgerufen hatte, ging er in seinem geliebten Corneli-Münster zur wohlverdienten Ruhe am 11. Februar 821, im 71. Lebensjahr.

 

Die gottselige M. Fidelis Weiß, Franziskanerin im Kloster Reutberg,

+ 11.2.1923 – Gedenktag: 11. Februar

 

„Die Geschichte der Schwester M. Fidelis vom Kloster Reutberg mutet an wie eine tiefe, blütenweiße Legende. Eine Seele, die die Erde nicht halten kann, himmelstürmend, in schwachem Körper, geht unentwegt ihren Pilgerpfad in schwerer Pflichterfüllung, strenger Klosterzucht.“ Ein solch herrliches Lob spricht eine Gräfin über unsere gottselige Schwester M. Fidelis aus.

 

Die Heimat dieser Schwester ist die schöne Stadt Kempten im bayerischen Allgäu, wo sie am 12. Juni 1882 von armen Eltern geboren und auf den Namen Eleonore getauft wurde. Der Vater starb schon 1890. Die Mutter verstand es auf ganz vorzügliche Weise, ihre Kinder zu erziehen. Sie selbst hatte recht viel zu leiden. Da hörten sie die Kinder oft still beten: „Mein Jesus, mach´s du wieder recht!“ Solche Geduld machte auf die Kinder besten Eindruck und sie nahmen darum auch willig ihre Mahnungen entgegen: „Kinder, man muss alles annehmen, was der liebe Gott schickt.“ Die Mutter erzählte den Kindern gern vom lieben Jesus und von der Himmelsmutter. Da spitzen die Kleinen ihre Ohren. „Mich dünkt“, sagte Eleonore später, „als ob niemand so gut erzählen könnte wie die Mutter!“ Die Mutter behütete die Kinder vor jeder Unreinheit, warnte vor der Lüge, ließ sie nie ohne Aufsicht fort, erzog sie auch zur Charakterfestigkeit. Wenn dem Kind eine Arbeit zu schwer schien und es klagen wollte: Mama, das kann ich nicht! da entgegnete die Mutter in aller Ruhe: „Das soll und darf man nie sagen, ich kann nicht; man kann alles, wenn man nur will! Nur einen guten Willen haben!“ Die Kinder wurden fleißig in die Kirche geschickt und meist ging die Mutter selbst mit.

 

Schon diese wenigen Züge besagen, dass Frau Weiß eine kluge Mutter war, von der manche Mütter lernen könnten.

 

Kein Wunder, wenn ein solches Kind wie ein Engel heranblühte, rein und unschuldig. Kein Wunder, wenn der liebe Gott dieses Kind besonders gnadenvoll heimsuchte. Er zog es schon im siebenten Lebensjahr an sich und gab ihm die Gnade des mystischen Gebetes. Als Erstkommunikantin geriet es in Verzückung und durfte Gott schauen. Aber auch die Leiden setzten jetzt schon ein und gaben dem Kind genug Gelegenheit, seine Treue zu zeigen.

 

Vom 16. bis 18. Lebensjahr war Eleonore Ladnerin. In der Arbeit war sie sehr gewissenhaft, nie duldete sie Zärtlichkeiten von gewissen Kunden, abends widmete sie mehrere Stunden dem Gebet. Von ihren Speisen teilte sie den Armen aus, allen Lohn gab sie der Mutter. Vom 18. bis 20. Lebensjahr weilte sie im Institut der Schulschwestern in Lenzfried, um sich auf den Ordensstand vorzubereiten. Sie hinterließ den Ruf eines Musterzöglings, fleißig in der Arbeit, gehorsam gegen die Vorgesetzten, demütig bei Widrigkeiten, eifrig im Gebet, glühend in der Gottesliebe, liebevoll mit den Mitzöglingen, heiter bei der Unterhaltung.

 

So vorbereitet, trat sie am 16. Oktober 1902 im Kloster Reutberg in Oberbayern ein. Anfangs hatte sie großes Heimweh, das aber rasch überwunden war. Die ersten Jahre führte sie ein strenges Leben. Gott verlangte es von ihr, der Seelenführer erlaubte es. Drei bis vier Jahre nahm sie als Frühstück nur einen kleinen Schluck Kaffee und einige Brosamen und aß nichts bis Mittag. Sie betete oft eine Stunde mit ausgespannten Armen, nahm oft bei der größten Kälte keinen Mantel. Im Sommer trank sie bei heftigem Durst selbst drei bis vier Wochen keinen Tropfen Wasser, kein Bier. Sie verdarb sich die Speisen, wie sie nur konnte. Den Leib rieb sie sich mit Brennnesseln ein. In die Schuhe legte sie kleine Steinlein. Beim Knien zog sie den Schemel so weit zurück, dass sie nur auf seiner Kante zu knien kam usw. Man darf ja solche Strenge nicht blindlings nachahmen. M. Fidelis konnte solche Opfer bringen, weil sie sich besonderer Gnaden erfreute. Sie hatte jahrelang das ununterbrochene Gefühl und die deutliche Erkenntnis der Gegenwart Gottes und genoss gleichzeitig eine beständige Liebesvereinigung. „Ich fühlte mich“, so sagte sie später selbst, „immer versenkt und ganz eingehüllt in den unendlichen Gott, ganz angefüllt von der Majestät Gottes. Keine Arbeit, kein Gespräch, keine Leiden, nichts Äußerliches war imstande, mich davon abzulenken.“

 

Auserwählte Seelen müssen viel leiden. M. Fidelis musste von 1908 bis 1911 und später von 1914 bis 1917 in den Tiefen ihrer Seele Schreckliches erdulden. Sie wurde in einen schauerlichen, qualvollen Zustand versetzt. „Vorher eine so erhabene Vereinigung mit Gott, jetzt plötzlich eine fürchterliche Verlassenheit. Die innerliche Lichtfülle verwandelte sich in kohlrabenschwarze finstere Nacht. Der bisherige innere Friede und die Seligkeit verwandelten sich in innere Schrecknisse und qualvolle Ängste und Trostlosigkeit.“ Dabei wurde die Schwester zwei Jahre vom Seelenführer nicht mehr verstanden, vier Jahre von einer Vorgesetzten misskannt und viele Jahre von anderen nichts weniger als verhätschelt. Es waren wirklich Jahre der schwersten Prüfung. Man kann es in wenigen Zeilen unmöglich schildern.

 

Aber alles war von Gott gewollt: das Herbe und das Süße. So wurde die Schwester für ihren erhabenen Beruf als Sühnopfer, als Kreuzesbraut vorbereitet. Im Herz-Jesu-Sendboten war einmal zu lesen: „Die Heiligen der letzten Jahrhunderte haben fast alle einen Zug gemeinsam, den wir bei den Heiligen früherer Zeit nicht in so ausgesprochener Weise finden, nämlich die Sühne für die Sünden und Frevel der Welt.“ Unsere M. Fidelis wurde von Gott auch als Sühnopfer erkoren. Hohe Schauungen bereiteten sie darauf vor. „Es war mir, als ob ich diese Woche die Sünde schauen tät. Es war kein Bild. Wenn ich es nur zum Ausdruck bringen könnte, was die Sünde ist, so wie ich es im Geist geschaut habe, dann würde kein Mensch mehr den lieben Gott beleidigen! Wenn die Menschen diesen meinen Seelenschmerz und die Seelenqual empfinden würden, würde kein Mensch mehr den lieben Gott beleidigen. Ich möchte es in die ganze Welt hinausrufen und den Menschen sagen, was es um die Sünde ist.“ Ansprachen vom Heiland steigerten ihren Eifer: „Ich liebe die Sünder und dürste nach ihren Seelen . . . Ich bin der gute Hirt für die Sünder und deshalb bin ich für dich als mein Opfer der gerechte Richter. Meine Erlöserliebe und Hirtensorge geht dem Sünder mit Langmut nach bis zum Tod, um ihn zu retten und selig zu machen. Denn ich liebe die Sünder.“

 

Schwester M. Fidelis musste unglaublich viel für die Sünder leiden. Es war ihr, als wäre sie selbst mit den abscheulichsten unreinen Sünden beladen, als wäre sie ein Freimaurer, Irrgläubiger, voll Hass gegen Priester und Kirche, als wäre sie ein Sterbender, der Jahrzehnte nicht mehr gebeichtet und den Glauben verloren hat, den der Teufel zur Verzweiflung treibt. So schwer waren diese Anfechtungen, dass sie, wenn sie die Wahl gehabt hätte, sich lieber hätte kreuzigen lassen oder lieber ins Feuer gesprungen wäre, als diese Anfechtungen auszuhalten. Dabei ließ es Gott zu, dass der böse Feind dieses Leiden noch außerordentlich steigerte. Wie ein gehetztes Wild flüchtete alsdann die gute Seele zum Priester oder zur Oberin. Aber am Schluss dieser Sühneleiden hatte sie stets die innere Erkenntnis, dass wieder Seelen gerettet seien.

 

Ihr Seeleneifer war unermüdlich. Sie machte auf Gottes Eingebung große Gelübde, um die christlichen Schulen zu retten, um nach der Revolution von den Klöstern die drohenden Gefahren abzuwenden. Sie opferte sich für die Priester und die heilige Kirche. Als echter Apostel hatte sie alle Seelen in ihr Herz eingeschlossen.

 

Im Eifer für Gott und die Seelen vergaß Schwester M. Fidelis alles Irdische. Sie wusste oft nicht mehr, ob sie schon gegessen habe und was. Sie wollte sich Buße auferlegen, indem sie sich vornahm, das Schlechtere zu essen. Aber jetzt kam sie in Verlegenheit, weil sie nicht wusste, was besser und was schlechter wäre. Einmal tat sie Wermut in die Speise, um sich abzutöten, aber während der Mahlzeit war sie halb der Welt entrückt und merkte nichts vom Wermut. Dann klagte sie: „Jetzt hilft mir der Wermut auch nicht mehr!“

 

M. Fidelis lebte jahrelang nur mehr für Gott. Ihre Liebe glich der eines Seraphs. „Ich tue ihn lieben und immer an ihn denken. Wenn ich stundenlang an ihn denke, kommt mir die Zeit so kurz vor. Es ist mir, als ob ich erst einen Augenblick an ihn gedacht hätte. Immer noch mehr, immer noch mehr möchte ich mich in ihn versenken!“ „Wenn ich Tag und Nacht an ihn denke, ist die Zeit noch zu kurz und ist mir wieder, als ob ich ihn noch gar nicht geliebt hätte.“

 

„Es ist gerade so, als ob die Liebe ein ganz wunderbares Ding, ein Zauberstück wäre. Wenn ich arm bin, ist der liebe Jesus mein ganzer Reichtum. Wenn ich gar nichts habe und das Herz ganz leer ist, dann ist der liebe Jesus meine Fülle. Wenn ich nichts, gar nichts bin, dann ist er dafür alles. Und das ist mir genug.“ M. Fidelis hegte nie einen Neid, außer wenn eine Mitschwester sterben durfte. „Wenn ich am Gottesacker vorbei gehe, denke ich immer: Da ist Ruhe und da ist es schön. Ich mag sein in der Zelle, in der Schule, im Refektorium, alles ist für mich ein Kerker, ein Verbannungsort. Im Chor drin ist allein der Himmel und alles schön. Zwei Orte gibt es bloß für mich, wo es schön ist: drunten vor dem Allerheiligsten und im Himmel droben.“

 

Diese seraphische Liebe brachte die gottselige Schwester sehr oft in Verzückung. In der heiligen Messe hörte und merkte sie nicht, wie alle anderen aufstanden. Es kam vor, dass man sie zehnmal und noch öfters laut anrief, ohne dass sie zu sich kam. Häufig musste sie wie ein zweiter Aloysius an die frische Luft gehen, wenn der Feuerbrand der Liebe in ihre Seele fuhr.

 

Am Karfreitag 1919 erhob der liebe Gott die Gottselige zum höchsten Grad der Vereinigung, die es auf Erden gibt, zur mystischen Vermählung. Jetzt war ihr Inneres noch mehr verklärt, seitdem schaute sie beständig Gott. Von da an durfte sie auch innerlich und geistiger Weise das Leiden Jesu miterleben. Jeden Donnerstag war es ihr in der Seele so wie dem Heiland vor Einsetzung des allerheiligsten Altarsakramentes. Die Liebe drängte ihn, es einzusetzen, aber die Misshandlungen und Sakrilegien, die seiner im Sakrament harren würden, wollten ihn abhalten. Doch die Liebe errang den Sieg. Vom Donnerstagabend an und an jedem Freitag folgte sie in tiefstem Seelenschmerz dem Heiland von Gethsemane bis Golgatha. An jedem Samstag trauerte sie mit Maria in ihrem unsagbaren Leiden des Karsamstags. „Im Donnerstags- und Freitagsleiden sind mir die Tiefen des Herzens meines Jesu erschlossen und ich schaue darin die Fülle der Gottheit, die in ihm thront. Ich schaue Leid und Schmerz, unermessliche Liebe zu den Seelen, unendliches Erbarmen zu ihnen ...“

 

Nach außen ließ Schwester M. Fidelis von ihren außerordentlichen Gnaden gar nicht merken. Sie betete mit den anderen Schwestern, arbeitete sehr fleißig, vermied alles Auffallende. Bei der Unterhaltung wollten alle um sie herum sein, weil sie es wie keine andere verstand, für Gott, für die Seelen, für das Gute zu begeistern.

 

Endlich kam die Zeit, wo Gott sie heimholte. Vier Monate war sie krank und litt sehr viel. Aber immer, wenn sie der Priester fragte, was ihr am meisten wehtue, gab sie zur Antwort: „Dass ich nicht heim (sterben) darf!“ Wirklich vornehm wie eine Königin lag sie da auf ihrem Schmerzenslager, sich selbst vergessend, alle erbauend, für Gott und die Seelen leidend, ohne Klage, voll Friede, voll Hoffnung. Am 11. Februar 1923 pflückte der Heiland diese reine Blume: „Heim möcht‘ ich!“ war ihr letztes Wort.

 

So übe auch du dich in der Sammlung und im Leben vor Gott und meide die dein ganzes Seelenleben zerstörende freiwillige Ausgegossenheit und Zerstreuung! Versuche still und bescheiden, gesammelt und in Gott versenkt zu sein, so wie Schwester M. Fidelis. Sprich, wie man sie sprechen gehört hat, wenn sie andere begeisterte für das Kreuz und das Opfer, wenn sie ermunterte zur Treue im Kleinen, wenn sie im apostolischen Seeleneifer zur Rettung der Sünder anfeuerte! Zeige auch du in den täglichen Kreuzlein wieder mehr Mut, hüte dich vor der kleinsten freiwilligen Untreue, erbarme dich der armen Sünder! Dass auch dein Herz es spüren würde, wie man es erlebt hat, wenn sie in himmlischer Begeisterung rief: „Er muss geliebt werden! Er muss geliebt werden!“ Sie zu, ob nicht deine Gottesliebe viel reiner, viel feuriger sein könnte!

 

Wer sich freuen will an großen Gnaden Gottes, wer sehen will, wie Heilige sich in der Tugend üben – radikal, unerschütterlich, wer für sich oder andere Belehrung will für die inneren Wege, wer will, dass sein Herz in feuriger Gottesliebe entzündet werde, wer die auffallenden Gebetserhörungen erfahren will, der lese die Lebensbeschreibung der gottseligen Schwester M. Fidelis. „Hier handelt es sich“, sagt ein Gelehrter, „um echte, erhabene, katholische Mystik, um tatsächliche, gnadenvolle Führungen Gottes. Wie einfach, kindlich, rein, demütig, voll feuriger Gottes- und Nächstenliebe, voll heroischer Leidensfreudigkeit war doch diese Seele! Aus der stillen Klosterzelle lohte ihre brennende Gottesliebe gen Himmel. Ihr ganzes Leben ist unserer kalten Zeit ein Fanal, das in vielen Seelen gleiches heiliges Feuer entzünden möge!“

 

Der Seligsprechungsprozess der gottseligen Schwester M. Fidelis Weiß wurde 1936 eingeleitet.

 

Der heilige Lucius von Adrianopel, Bischof und Märtyrer,

+ 11.2.348 – Fest: 11. Februar

 

Das Geburtsland des heiligen Lucius ist unbekannt. Nur wissen wir, dass er auf den bischöflichen Stuhl von Hadrianopolis, einer Stadt in Thracien, unter Constantin dem Großen erhoben worden ist. Man glaubt, er sei der Nachfolger des heiligen Eutropius gewesen, der nach Gallien geschickt worden war, um da den Glauben zu predigen, den er auch sowohl gegen die Heiden, als gegen die Arianer mutig verfocht, und deswegen durch die Umtriebe der Letzteren in die Verbannung verwiesen worden war, in der er auch als Bekenner der Gottheit Jesu gestorben ist.

 

Die Katholiken von Hadrianopolis hatten beinahe alle Hoffnung aufgegeben, wieder einen Oberhirten an ihrer Spitze zu sehen, besonders da die Arianer alles in Bewegung setzten, um dem heiligen Eutropius einen Nachfolger ihrer Sekte zu geben. Allein da kurz nach seiner Landesverweisung Basilina, Constantins Schwägerin und Mutter Julians des Abtrünnigen, starb, verloren diese Irrlehrer an ihr eine mächtige Stütze. Lucius, des heiligen Eutropius Nachfolger, war von demselben Eifer für die katholische Wahrheit beseelt, und verdiente deswegen dieselben Verfolgungen von Seiten der Arianer, die durch ihre Ränke sich allzeit wieder erholten, und durch ihren mächtigen Einfluss am Hof sogar seine Verbannung erwirkten. Bald aber (im Jahr 331) kehrte er aus derselben wieder zurück und schien neue Kräfte zum Bekenntnis des Glaubens gesammelt zu haben.

 

Indes verfolgten ihn die Arianer aufs Neue unter allerlei Vorwänden, und um ihn desto abscheulicher anzuschwärzen, nahmen sie ihre Zuflucht zu den schlimmsten Verleumdungen, vor denen ein christliches Herz schaudern muss. Ohne dass die Sache untersucht und der heilige Bekenner zur Verantwortung gezogen worden wäre, verwies man ihn neuerdings ins Elend, als hätte er das größte Verbrechen begangen. Lucius glaubte der Wahrheit und der Ehre der Kirche schuldig zu sein, in seiner Verbannung sich zu verteidigen und die Betrügereien der Feinde der Gottheit Jesu vor der ganzen Welt zu enthüllen. Er begab sich deshalb nach Rom, den gewöhnlichen Zufluchtsort der verfolgten Hirten, um sich mit Papst Julius darüber zu besprechen. Da fand er den heiligen Paulus, den Bischof von Konstantinopel, und den heiligen Athanasius, die sich ebenfalls dahin geflüchtet hatten, und wohnte 342 einer Synode zu Rom bei, von der er wieder in seine Rechte eingesetzt wurde. Im Jahr darauf kehrte er also wieder zu seiner Herde zurück.

 

Die Arianer setzten nun wieder alles in Bewegung, um die Ruhe zu stören. Der Heilige aber bewies sich stets als einen unerschütterlichen Anhänger der wahren Lehre. Da indessen das Konzil zu Rom nicht Ansehen genug gehabt hatte, um seine Beschlüsse gegen die Gewalttätigkeiten des Kaisers Constantius zu behaupten, der die Arianer allenthalben begünstigte und die Einsetzung der rechtmäßigen Bischöfe hintertrieb, konnte dem Unheil, das die Kirche Gottes zerrüttete, noch nicht gesteuert werden. Man versammelte einen allgemeinen Kirchenrat zu Sardica in Thracien, auf dem auch der heilige Lucius erschien und die Ketten vorzeigte, mit denen er für die katholische Wahrheit beladen gewesen war. Die Urheber dieser Verfolgungen wurden zwar verdammt und ihres Amtes enthoben, aber da die Arianer die Gunst des Kaisers besaßen, so blieben die Beschlüsse ganz ohne Erfolg. Ja dadurch wurden die Arianer nur noch übermütiger und rächten sich für die gegen sie erlassenen Beschlüsse durch neue und noch grimmigere Verfolgungen. Die Geistlichkeit und das Volk von Hadrianopolis waren das erste Opfer ihrer Rache, weil sie die Günstlinge dieser Sektierer nicht anerkennen wollten. Sie wurden dem Kaiser als Aufrührer geschildert. Der schickte alsbald den Comes Philagrius, einen grausamen und verschlagenen Mann, der allen Ränken der Arianer frönte, nach Hadrianopolis, wo er alle Gewalttätigkeiten, die er vorher zu Alexandrien gegen die Katholiken verübt hatte, mit gesteigerter Wut erneuerte. Er fiel zuerst über die Angesehensten der Stadt und über die Geistlichkeit her, die er gegen alle Gesetze von den Aufsehern der Schild- und Waffenschmiede richten, und enthaupten ließ.

 

Auch das arme Volk musste seines Glaubens wegen vieles erdulden. Vor allem aber übten die blutdürstigen Verfolger ihre Wut an dem gottseligen Oberhirten aus. Sie beluden ihn mit Ketten und wiesen ihm einen Verbannungsort an, wo, wie man glaubt, sie ihm das Leben durch einen gewaltsamen Tod abgekürzt haben.

 

Die katholische Kirche verehrte immer sein Andenken, wie auch das der Geistlichen, die auf des Philagrius Befehl den Martertod gestorben sind. Im römischen Martyrologium geschieht ihrer Erwähnung.

 

Gebet am 11. Februar

 

Unbefleckte heilige Jungfrau, demütigste unter allen Geschöpfen, du warst in deinen Augen so gering, aber so groß vor Gott, dass er dich zur hohen Würde seiner Mutter erhob, und deshalb zur Königin des Himmels und der Erde dich setzte. Ich armseliger Mensch schäme mich vor dir zu erscheinen, die du ungeachtet deiner Vorzüge so demütig bist. Gleichwohl wage ich es dich mit den Worten des Engels zu grüßen: Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade. Amen. 

 

Zu Gott

 

Erneuere, o Herr, in allen Kindern Deiner Kirche die glühende Andacht, die uns in Deiner Kirche vereint, um gläubig Dein heiliges Wort anzuhören, freudig Dein Lob zu singen, und durch unsere vereinigten Gebete von Dir alle Gnaden zu erlangen, wodurch wir immer, besonders aber an den Dir geheiligten Tagen, uns als Deine Kinder erweisen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Am heutigen Tag hat Papst Paul V. im Jahr 1613 den Samstagsablass dem Orden der Karmeliter bestätigt.

 

Andacht am 11. Februar:

 

Das Thema im Februar:

Von der Demut

"Wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden." (Lukas 14,11)

 

"Wer größer als die übrigen sein will", sprach der Herr, "der muss geringer werden als sie alle. Dies ist eine Wahrheit, die alle Christen glauben. Warum gibt es jedoch derselben so wenige, die ihr Betragen danach richten?" (Der heilige Vinzenz von Paul)

Die heilige Paula war, wie der heilige Hieronymus von ihr erzählt, aus wahrer Demut so tief in ihr eigenes Nichts versenkt, dass, wer sie nicht gekannt, und von ihrem glänzenden Ruf gehört hätte, bei ihrem Anblick gewiss nicht auf die Vermutung gekommen wäre, sie selbst sei es, die er vor sich sähe. Wenn sie von der ziemlich großen Anzahl frommer Jungfrauen umgeben war, die mit ihr zusammen lebten, so hätte jeder aus ihrem Äußerlichen, aus ihrer Sprache und Haltung geschlossen, sie sei die letzte aus all denen, deren Mutter und Vorbild sie war.

Der fromme Thomas von Kempis spricht in seinen Reden: "Viele sanken von dem Stand der Gottseligkeit in verschiedene Versuchungen des Teufels und in fleischliche Laster, weil sie die Grundfeste der wahren Demut nicht hatten, die den Menschen von zahllosen Schlingen des bösen Geistes befreit. Selig die Seele, die alle zeitliche Ehre verschmäht! Hütet euch, meine Brüder, dass ihr nicht euern ganzen Lohn durch die Hoffart verliert, damit ihr nicht mit dem Teufel in die Verdammnis und in das ewige Feuer kommt!"

 

Lehre mich, Herr, gering in meinen Augen zu sein und mich als den geringsten aus allen zu betrachten. Gib mir meine Unwürde und meine Undankbarkeit zu erkennen, und präge es mir tief ins Herz, wie sehr ich die Hölle verdiene, damit dieser Gedanke mich vor aller Hoffart bewahrt! Amen. 

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 11. Februar

 

"Die Bußübungen sind für die Seele das Mittel, nicht der Zweck.

Man muss sich wohl hüten, die Vollkommenheit nach der Buße zu bemessen.

Die Tugend und das Verdienst sind in der Liebe."

 

sel. Heinrich Seuse OP

1298 bis 25.1.1366

 

Betrachtung am 11. Februar - Von der reinen Absicht

 

Jeder Pulsschlag meines Herzens

Sei, mein Gott, nur dir geweiht.

Von dir bin ich ausgegangen;

Du auch nur bist mein Verlangen,

Hier und in der Ewigkeit.

 

1. Vergiss niemals, dass wir alle Gaben des Leibes, alle Fähigkeiten und Kräfte unseres Geistes von der unendlichen Majestät unseres Gottes empfingen, und dass Gott, der alles um seiner Ehre willen schuf, notwendig fordern muss, dass wir mit allen diesen Kräften und Fähigkeiten zu seiner Ehre wirken. Dies ist das Recht seiner Schöpfung und seiner allerhöchsten Oberherrschaft, die er niemals vergeben kann. Alle unsere Arbeiten, ja sogar alle unsere Gedanken müssen ihm geweiht sein, und nach seiner Ehre zielen, sonst können sie ihm nimmermehr wohlgefällig sein, und sind nicht nur ohne Wert für die Ewigkeit, sondern auch Spreu für das Reinigungsfeuer nach dem Leben.

 

2. Diese reine und heilige Absicht hingegen gibt allen, selbst unseren geringsten Werken, einen unendlichen Wert, und erwirbt uns eine höhere Stufe in der Glorie. Ja es ist dies auch der einzige Weg, uns zu heiligen. Denn heilig ist Gott, weil er als die allerhöchste Vollkommenheit sich selbst unendlich liebt und alles auf sich selbst bezieht. Gäbe es ein noch vollkommeneres Wesen als er selbst ist, so würde er seine unendliche Liebe auf dieses Wesen anwenden. Heilig sind auch die glückseligen Bürger des himmlischen Jerusalems nur dadurch, dass sie mit allen ihren glorreichen Werken nur nach dieser unendlichen Liebe zielen. 

 

3. Dies ist das hohe Ziel, nach dem wir aus ganzem Verlangen unseres Herzens streben müssen. Oft müssen wir, jeden Tag, unser Herz zu Gott erheben, und ihm uns selbst und unsere Werke aufopfern. Dies sind jene blühenden und vollen Tage, von denen der Psalm spricht (Psalm 72,7). Denn jede Sekunde darin ist voll, weil alle für Gottes Ehre verlebt wurden. Unser Gott sieht nicht darauf, ob unsere Werke groß oder klein sind, wohl aber, in welcher Absicht wir sie tun. Suchen wir Gott rein um seiner selbst willen, ohne der künftigen Belohnungen zu gedenken, dann ist unsere Absicht vollkommen, und unsere Belohnungen im Himmel werden, ohne dass wir es beabsichtigen, unendlich vergrößert. 1. Korinther 2,9: "Was kein Auge gesehen und kein Ohr gehört hat, was keinem Menschen in den Sinn gekommen ist: das Große, das Gott jenen bereitet hat, die ihn lieben."

 

12. Februar

 

Der heilige Antonius, Patriarch von Konstantinopel,

+ 12.2.895 – Fest: 12. Februar

 

Der Vater dieses Heiligen stammte aus Phrygien und wurde wegen seines Heldenmutes, den er im Krieg bewies, beim kaiserlichen Heer in Konstantinopel als Oberst angestellt, wo er in seiner Ehe mit einer frommen und christlichen Gemahlin einen Sohn erzeugte, der in der Taufe den Namen Anton erhielt. Mit diesem Kind wirkte auf eine besondere Weise die Gnade Gottes; denn als ein Junge von zwölf Jahren unterließ er schon alle kindlichen Spiele, liebte die Einsamkeit und unterhielt sich da mit Beten und Singen heiliger Psalmen, die er, da er nicht lesen konnte und keinen Lehrmeister hatte, nur auf Eingebung des Heiligen Geistes gelernt haben konnte, weshalb ihn auch seine Mutter nur das Gnadenkind nannte. In seinem zwölften Jahr hatte er schon mit männlicher Entschlossenheit über seine künftige Standeswahl entschieden und er verließ das väterliche Haus und begab sich in ein Kloster in Konstantinopel, in dem ein heiliger Abt lebte, der die künftige Größe des heilsbegierigen Jungen mit prophetischem Geist erkannte und ihn unter seine Jünger mit väterlicher Liebe aufnahm. Mit unendlicher Sehnsucht nach höherer Vollkommenheit widmete sich Antonius dem Gebet, der Lesung der eiligen Schriften und den Betrachtungen himmlischer Wahrheiten und überzeugte sich zuletzt, dass nicht das abgetötete Leben in der Einsamkeit jene Vollkommenheit sei, die Jesus fordert, sondern dass sie in einer tätigen Liebe gegenüber Gott und den Menschen besteht und dass in dieser Liebe der Grund aller Tugenden zu suchen sei. Von dieser Zeit an weihte er sich dem Dienst der bedrängten Menschheit; er besuchte täglich die Krankenhäuser und sprach den Leidenden Trost zu, indem er ihnen den unvergänglichen Lohn eines künftigen Lebens zeigte; er sammelte Almosen in den Häusern der Reichen und erquickte damit die Armen und Hungrigen; er suchte in allen Winkeln die verlassenen Witwen und Waisen auf und trocknete ihre Tränen des Jammers und Elends. Seine Barmherzigkeit beschränkte sich aber nicht bloß auf seine Vaterstadt allein, sondern verbreitete sich auch auf die anderen Provinzen. Er sendete den armen Einsiedlern in der Wüste reichliche Geschenke, er unterstützte die Scythen und Thracier bei einer Hungersnot mit Getreide und kaufte unzählige Gefangene los. Der Ruhm seiner Heiligkeit und tätigen Liebe wurde nun so groß, dass ihn die Bischöfe und Priester zu ihrem Patriarchen erwählten. Diese Wahl bestätigte Kaiser Leo VI. mit größter Freude.

 

Antonius änderte in dieser Würde seine bisherige Lebensweise nicht im geringsten; im Gegenteil wurde er noch demütiger gegenüber anderen und strenger gegen sich selbst. Er genoss als Patriarch keine andere Nahrung, als Brot in Öl getaucht und Wasser und alle seine großen Einkünfte flossen in die Hände der Armen. „Während seiner Regierung“, sagt ein alter Geschichtsschreiber, „herrschte allenthalben Friede, Ruhe und Eintracht; denn er wusste durch seine Beredsamkeit alle Menschen zu versöhnen. Damals klagte kein Armer über Not, weinte kein Waise, schluchzte keine Witwe, denn der Heilige war allen Vater, Helfer und Tröster.“ Ein hitziges Fieber beendete schnell sein tatenvolles Leben am 12. Februar im Jahr 895 und als die Glocken der Kaiserstadt seinen Tod verkündeten, ertönte in Konstantinopel ein allgemeines Jammern und Wehklagen.

 

Der heilige Meletius (der Große),

Patriarch und Bekenner von Antiochia,

+ 12.2.381 – Fest: 12. Februar

 

Als die Macht und das Ansehen der Arianer besonders dadurch immer größer wurde, dass sich selbst Regenten des Morgenlandes für diese Irrlehre erklärten und also offenbarer Widerstand gewöhnlich mit heftigen Verfolgungen und Verbannungen bestraft wurde, wagten es einige rechtgläubige Bischöfe, sich unter dem Schein der Freundschaft den Arianern zu nähern, um in ihre schändlichen Pläne gegen die heilige Religion eingeweiht zu werden und ihnen dann wirksam entgegen arbeiten zu können. Unter diesen eifrigen Verteidigern des reinen Christentums zeichnete sich besonders der heilige Meletius aus. Die Ketzer, die ihn für ihren Anhänger hielten, beförderten ihn durch ihre Empfehlungen auf den bischöflichen Stuhl zu Sebastia und später sogar zum Bischof von Antiochia, damit er mit größerer Macht die Rechtgläubigen verfolgen könnte. Im Jahr 360 kam Meletius nach Antiochia, wo er von den Katholiken und Ketzern mit Freude empfangen wurde und auch sogleich in seiner ersten Predigt zeigte, mit welcher Partei er es künftig halten würde. Mit erschütternder und gründlicher Beredsamkeit zeigte er die Unfehlbarkeit der römischen, katholischen Kirche, bewies aus der Kirchengeschichte, dass alle Neuerungen in Hinsicht der Religion ein Machwerk stolzer, boshafter und sittenloser Menschen waren und legte dann öffentlich das Bekenntnis ab, dass ihn weder Verfolgungen, noch Martern, noch der Tod von der Gemeinschaft der alleinseligmachenden katholischen Kirche trennen könne und dass er Tag und Nacht mit Tränen zu Gott flehen werde für die Bekehrung der verblendeten Irrgläubigen. Diese Worte machten einen wundervollen Eindruck auf die Zuhörer und viele Einwohner von Antiochia sahen ihren Irrtum ein und legten das katholische Glaubensbekenntnis ab. Aber die Arianer knirschten vor Wut und setzten alles in Bewegung, bis sie durch Verleumdungen die Absetzung des heiligen Oberhirten bewirkt hatten. Schon nach einigen Tagen wurde er aus Antiochia vertrieben und nach Armenien in das Elend geschickt. Als Kaiser Konstantius im Jahr 361 den morgenländischen Thron bestieg, rief er alle verbannten Bischöfe zurück und setzte sie wieder in ihre Bistümer ein und auch der heilige Meletius nahm wieder Besitz von seinem bischöflichen Stuhl im Jahr 362. Unter der Regierung der Kaiser Valentinian und Valens aber erhielten die Arianer wieder die Oberhand und alle rechtgläubigen Bischöfe schmachteten in der Verbannung, bis Kaiser Gratian auf den Thron kam und alle Bistümer seines Reiches mit katholischen Bischöfen besetzte. Der heilige Meletius arbeitete nun rastlos an der Sittenverbesserung seiner Gemeinde und durch seine Bemühungen bekehrte er den jüngeren Basilius und den großen Chrysostomus nebst seiner Mutter, denen er selbst die heilige Taufe erteilte.

 

Im Jahr 380 wohnte Meletius der Kirchenversammlung zu Konstantinopel bei, während welcher er in eine Krankheit fiel und starb. Der heilige Gregor von Nyssa hielt seine Leichenrede, in der er die Heiligkeit und die Verdienste dieses eifrigen Dieners Gottes für die katholische Religion mit rührender Beredsamkeit schilderte.

 

Der selige Reginald von Orleans, Priester im Dominikanerorden OPr,

+ 12.2.1220 – Gedenktag: 12. Februar

 

In Frankreich lebte ein berühmter Doktor namens Reginald, der fünf Jahre lang auf der Universität zu Paria canonisches Recht gelehrt hatte und Dechant des Kapitels von Saint-Aignan zu Orleans war. Im Jahr 1218 kam er nach Rom zum Grab der heiligen Apostel, mit dem Vorsatz, dann nach Jerusalem zu wandern, um am Grab des Erlösers zu beten. Diese doppelte Wallfahrt war jedoch nach seiner Absicht nur die Einleitung in ein neues Lebensverhältnis, dem er sich hingeben wollte. Gott hatte nämlich in ihm das Verlangen geweckt, alles hinzuopfern, um das Evangelium zu predigen, und er bereitete sich zu diesem Amt vor, ohne mit sich noch über die Art der Ausübung einig zu sein. Ein Kardinal, dem er zu Rom im vertraulichen Gespräch sein Herz eröffnete, machte ihn auf den eben entstandenen Orden der Predigerbrüder, von dem er noch keine Kenntnis hatte, aufmerksam, der sich gerade zum Zweck gesetzt hatte, die Übung der Armut mit dem Predigeramt zu verbinden, und dessen Stifter eben damals in Rom anwesend war.

 

Reginald suchte die Bekanntschaft des heiligen Dominikus, und bald war ihm sein Beruf klar und er entschlossen, in den Orden einzutreten. Das Missgeschick aber, das die Probe aller heiligen Entwürfe ist, versuchte sich auch bald an dem seinigen. Er erkrankte so heftig, dass seine Natur zu erliegen schien und die Ärzte an seiner Rettung verzweifelten. Der heilige Dominikus, voll Schmerz, einen Sohn zu verlieren, der ihm eigentlich noch nicht geboren war, wandte sich mit aller Inbrunst an die göttliche Barmherzigkeit, und sowohl er als der Kranke riefen eifrig den Beistand der Mutter Gottes an. Als nun so beide im Flehen zu Gott anhielten, erschien die heilige Jungfrau Maria, die Mutter Gottes und Herrin der Welt, in Begleitung zweier Jungfrauen (wie es schien, der heiligen Cäcilia und Katharina), strahlend im wunderbarem Glanz dem Meister Reginald, der von den Gluten des Fiebers verzehrt, wachte, und er vernahm von der Königin des Himmels die Worte: „Was willst du, dass ich dir tun soll? Ich bin gekommen, um dir deine Wünsche zu gewähren. Eröffne sie mir, du wirst das Erbetene erlangen.“ Durch das himmlische Gesicht wie außer sich, war Reginald zweifelnd und unentschlossen, um was er bitten sollte. Da flüsterte ihm eine der Begleiterinnen der heiligen Jungfrau zu, nichts Bestimmtes zu begehren, sondern sich gänzlich dem Willen der Mutter der Barmherzigkeit zu überlassen, die besser wisse, als er zu fordern verstehe, ihm das Zuträglichste zu geben. Diesen Rat befolgend, sagte der Kranke: „Gebieterin, ich begehre nichts. Ich habe keinen anderen Willen als den deinen. In deinen Willen und in deine Hände übergebe ich mich gänzlich.“ Darauf salbte ihm die erhabene Himmelskönigin mit ihrer jungfräulichen Hand die Augen, die Ohren, die Nase, den Mund, die Hände, die Lenden und die Füße und sprach dabei gewisse Worte aus, die dieser Salbung eigentümlich entsprachen. Sie zeigte ihm zugleich das Ordenskleid der Predigerbrüder, wie sie es später annahmen, denn Dominikus, der längere Zeit Canoniker von Osma (in Spanien) gewesen war, trug damals noch das Kleid der regulierten Chorherren und hatte es auch als den Habit seines neuen Ordens angenommen. Die Berührung von Mariens heiligen Händen äußerte eine solche Kraft, dass Reginald auf der Stelle gesund war und sich so gestärkt fühlte, als wäre er nie krank gewesen. Und (was noch mehr ist) zur Wohltat der wiederhergestellten leiblichen Gesundheit kam noch eine größere Gnade an der Seele hinzu, diese nämlich, dass er von jenem Tag an, so lange er lebte, in sich zu keiner Zeit, an keinem Ort und bei keiner Gelegenheit irgend eine fleischliche und unehrbare Bewegung empfand.

 

Nach diesem Ereignis zog Reginald zuerst nach seinem früheren Vorhaben in das Heilige Land. Nach seiner Rückkehr verkündete er in Italien und Frankreich das Evangelium mit wunderbarer Kraft und mit den glücklichsten Erfolgen, und war damals nach Dominikus das glänzendste Gestirn des neuen Ordens. Als er in Paris von der Krankheit ergriffen wurde, an der er starb, und man ihm die Gefahr mitteilte und ihn fragte, ob er nicht die heilige Ölung empfangen wolle, antwortete er: „Ich fürchte den Kampf nicht, ich erwarte ihn mit Freude. Und auch die Mutter der Barmherzigkeit erwarte ich, die mich zu Rom mit eigenen Händen gesalbt hat, und der ich mich gänzlich anvertraue. Damit es aber nicht scheinen möge, als achte ich die kirchliche Ölung gering, so will ich sie gerne empfangen und ich bitte darum.“ Er wurde in der Kirche Unserer Lieben Frau des Champs begraben. Mit seinen unter einem besonderen Denkmal ruhenden irdischen Resten war die Gabe der Wunderwirkung verbunden. 

 

Der heilige Alexius von Kiew, Metropolit in der Ukraine,

und der ganzen russisch-katholischen Kirche,

+ 12.2.1364 – Fest: 12. Februar

 

Dieser Heilige wurde in Russland von katholischen Eltern geboren, zu Anfang des vierzehnten oder am Ende des dreizehnten Jahrhunderts. In der heiligen Taufe erhielt er den Namen Eleutherius, den er später mit dem Namen Alexius vertauschte, als er in seinem sechzehnten Lebensjahr ins Kloster eintrat. Von dieser Zeit an waren Fasten, Wachen und Beten seine liebsten Beschäftigungen. Dadurch erwarb er sich allgemeine Hochachtung und sein hoher Tugendruf gelangte sogar bis zum Tron des russischen Fürsten Johannes, der ihm ausgezeichnete Verehrung bewies. In der Folge wurde er Metropolit von Kiew und der ganzen russisch-katholischen Kirche (Es ist bekannt, dass die Metropoliten der älteren Zeit rechtgläubig gewesen sind und mit dem apostolischen Stuhl in Verbindung gestanden sind.), in der Eigenschaft er den Glanz seiner Tugenden weit umher verbreitete.

 

Um jene Zeit herrschte in Scyten ein treuloser König mit Namen Berdeber, der seine eigenen Brüder ermordet hatte und die Christen mit unbändiger Wut verfolgte. Johannes schickte unseren Heiligen zu diesem Wüterich, um ihn zu milderen Gesinnungen zu bringen. Nach seiner Rückkehr in sein Bistum erbaute er viele Kirchen, die er mit großer Pracht ausstattete.

 

Der Ruf des Heiligen wurde allezeit größer und höher und verbreitete sich bis unter die Heiden. Sogar erscholl sein Ruf bis zu den Ohren des Türkenkaisers Amurathes, der diesen Bischof bei sich haben wollte. Er bedrohte darum bei Nichterfüllung seines Wunsches den Sohn des Johannes und damit seinen Nachfolger Demetrius mit der Verheerung seines Landes. So machte sich der heilige Bischof mit einigen Geistlichen auf den Weg und heilte am Ziel angekommen die Tochter des Kaisers von einer Blindheit.

 

Alexius bereitete mit eigenen Händen sein Grabmal in der Michaelskirche zu Kiew und starb nach der Mitte des vierzehnten Jahrhunderts. Er wird zu den Kirchenpatronen von Litauen gezählt. 

 

Gebet am 12. Februar

 

Jungfrau, der Jungfrauen Krone,

Auserwählt am Gottes Throne,

Herrscherin im Himmelreich: 

Lass von uns dein Lob erklingen,

Dich mit Herz und Mund besingen,

Unserm Flehn dein Antlitz neig!

 

Zum heiligen Patriarchen Antonius

 

Heiliger Antonius, bitte deinen göttlichen Lehrer für mich, dass er mich lehre, was ich noch nicht weiß, und das, was ich weiß, so anzuwenden und danach zu leben und zu sterben, wie es einem echten Jünger des Heiligen Geistes geziemt. Amen.

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Erste Gutheißung der Regel der geistlichen Jungfrauen, Annonciaden genannt, die der Andacht zur seligsten Jungfrau ganz ergeben sind. Ihre Regel ist aus den vier Evangelien zusammengetragen, und zuerst vom Papst Alexander VI. im Jahr 1501 gutgeheißen worden.

 

Andacht am 12. Februar:

 

Das Thema im Februar:

Von der Demut

"Wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden." (Lukas 14,11)

 

"Denke ja nicht, du bist auf dem Weg der Vollkommenheit fortgeschritten, wenn du dich nicht als den letzten von allen betrachtest, und wünschst, dass andere dir vorgezogen werden. Denn eigen ist es denen, die groß in den Augen Gottes sind, in ihren eigenen Augen klein zu sein." (Die heilige Theresia von Avila)

"Wir danken," spricht der heilige Basilius, "den Ärzten, die von körperlichen Krankheiten uns heilen; und halten sie für unsere wahren Wohltäter, obwohl sie uns auch sehr bittere Arzneien verordnen, ja sogar Eisen und Feuer anwenden, wenn dies zu unserer Heilung notwendig ist. Nun handeln wir aber gar sehr gegen die Vernunft, wenn wir nicht ebenso dankbar gegenüber denen sind, die unsere Seelen, wenn auch durch bittere Zurechtweisung, heilen. Mose besserte seine Fehler auf die Vorhaltungen seines Schmähers, den er doch weit an Weisheit übertraf, und zürnte ihm keineswegs. Also sollen auch wir, wenn wir sogar die weisesten aller Menschen wären, einsehen, dass wir irren können; und den Rat und die Zurechtweisung, selbst von ganz einfachen Menschen, dankbar annehmen und zu unserem Nutzen verwenden."

Ein Mönch sprach zu seinem Abt, dass er Gott nie aus seinen Augen verliert. Der Abt, der ein heiliger Mann war, antwortete ihm: dies ist eben nichts Besonderes; Großes aber würde es sein, wenn du dich selbst tief unter allen Geschöpfen sehen würdest. 

Man liest von der heiligen Theresia von Avila, dass ihr Blick immer dahin gerichtet war, ihre eigenen Fehler zu sehen und die Tugenden anderer zu bewundern. Wenn sie erfuhr, dass gewisse Leute irgendein gutes Werk getan hatten, sprach sie: "Wie glücklich sind doch die anderen! Alle sind eifrig Gott zu dienen, ich allein ausgenommen!"

 

Lass mich, Herr, meine Niedrigkeit, meine Schwäche und Unbeständigkeit, den Missbrauch Deiner Gnaden und meine Sündhaftigkeit nie aus den Augen verlieren! Dieser beständige Anblick soll mich anregen, mich selbst zu beschämen und meine Zuflucht zu Dir zu nehmen! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 12. Februar

 

"Fliehet die Welt, denn sie ist eine Betrügerin.

Statt Glück gibt sie den Kummer und Verdruss;

statt Ehre die Schande;

statt Treue den Betrug;

statt Reichtum das Elend;

statt wahres Leben den ewigen Tod."

 

sel. Heinrich Seuse OP

1298 bis 25.1.1366

 

Betrachtung am 12. Februar - Trübsale einer Feuerprobe der wahren Liebe

 

Die Trübsal ist ein Prüfungsfeuer,

Wo falscher Tugend Schein vergeht,

Doch echte Liebe weit getreuer

Als in des Friedens Lust besteht.

 

1. Nichts ist leichter, als Gott zur Zeit der Wohlfahrt und des Friedens zu lieben und zu loben. Aber wie mancher liebt zu solcher Zeit, gleich weltlichen Freunden, den Wohltäter nur seiner Wohltaten wegen. Wie oft auch versichertest du selbst, keine Trübsal, kein Leiden werde deine Liebe erschüttern. Kaum aber führt Jesus dich in den Garten seiner Todesangst, so schläfst du vor Überdruss ein. Abraham bewies Gott seine Treue am deutlichsten, als er ihm das Opfer brachte, das einem liebenden Vaterherzen am schmerzlichsten fällt. Also gab auch Jesus seinem himmlischen Vater den höchsten Beweis seiner Liebe, als er, zu dem schmerzlichsten Tod gehend, sprach: "Aber die Welt soll erkennen, dass ich den Vater liebe und so handle, wie es mir der Vater aufgetragen hat. Steht auf, wir wollen weggehen von hier." (Johannes 14,31)

 

2. Oft sucht die Eigenliebe sogar in Werken der Abtötung und der Buße sich selbst. Es sind also auch diese Übungen kein unfehlbares Zeichen einer wahren Gottesliebe. Aber wer in Krankheiten, Schmerzen und bitteren Drangsalen den Willen Gottes anbetet, und bereit ist, solche, solange er es will, ja auch das ganze Leben hindurch zu ertragen, der gibt Gott einen vollkommenen Beweis seiner Liebe, da das Geschöpf nichts Größeres tun kann, als sich selbst für die Ehre seines Schöpfers zu opfern. Mehr Verdienste erwirbt oft in diesem Stand der Aufopferung eine Seele in einer Stunde, als bei Ruhe und Frieden in vielen Jahren.

 

3. Unser Gott hat keine Freude an den Leiden seiner Geschöpfe, wohl aber an der Ergebung, an der Treue, an der Liebe, die sie in ihren Leiden üben. Und weil diese Tugenden am reinsten in der Trübsal geübt werden, darum sucht er auch seine geliebtesten Freunde mit den schwersten Trübsalen heim. Dies sehen wir im Leben der größten Heiligen. ganz besonders aber an Jesus, dem König aller Heiligen, der allein mehr gelitten hat, als sie alle zusammengenommen. Nach dem Maß aber, als wir hier an seiner Schmach und an seinem Kreuz Anteil nehmen, werden wir auch Anteil an seiner Glorie erhalten. "Schaut doch und seht, ob ein Schmerz ist wie mein Schmerz." (Klagelieder 1,12)

 

13. Februar

 

Der heilige Martinian, Einsiedler und Bekenner im Heiligen Land,

 + 13.2.400 - Fest: 13. Februar

 

Dieser Heilige wurde zu Cäsarea in Palästina, unter der Regierung des Constantius, geboren. In seinem achtzehnten Jahr zog er sich in eine nahe gelegene Einöde zurück, wo er sich in allen Tugenden übte. Bald erreichte er die erhabenste Stufe der Vollkommenheit; und das Gerücht von den Wundern, die er wirkte, machte seinen Namen überall sehr berühmt. In dieser Einsamkeit hatte er schon fünfundzwanzig Jahre gelebt, als Gott zuließ, dass er durch eine der gefährlichsten Versuchungen geprüft wurde. Der Geist der Finsternis suchte ihn durch die verabscheuungswürdigen Künste einer Buhlerin von Cäsarea, namens Zoe, zu Fall zu bringen. Diese boshafte Frau bedeckte sich mit ärmlichen, zerrissenen Kleidern, ging eines Abends zur Zelle des Heiligen und gab sich für eine arme Person aus, die sich in der Wüste verirrt habe. Sie befinde sich in der Gefahr, erbärmlich umzukommen, wenn ihr ein gastfreundliches Obdach verweigert werde. Martinian, durch ihren Jammer gerührt, nahm sie in seine Zelle auf.

 

Am folgenden Morgen warf Zoe ihre zerrissenen Kleider ab und stand in prachtvollem Schmuck da, den sie aus der Stadt mit sich gebracht hatte, und sagte zu dem Einsiedler, sie sei von Cäsarea in der Absicht gekommen, ihm ihre Person mit großem Reichtum anzubieten. „Der Antrag, den ich dir mache,“ sagte sie, „darf dich keineswegs erschrecken, er ist mit der frommen Lebensweise, die du führst, wohl vereinbar. Und du weißt wie ich, dass die Heiligen des alten Bundes reich waren und im Ehestand lebten.“ Martinian hätte ohne Zweifel, nach dem Beispiel des keuschen Josef, sein Heil durch schleunige Flucht suchen sollen; allein Gott ließ zu, vielleicht um ihn wegen eines geheimen Übermutes zu bestrafen, dass er diese verführerische Rede anhörte, und in seinem Herzen in den Vorschlag Zoes einwilligte. Als die Stunde nahe war, in der mehrere Personen zu ihm kamen, um seine Mahnungen und seinen Segen zu empfangen, ging er ihnen in der Absicht entgegen sie abzuweisen. Kaum war er aber wieder allein, als heilsame Gewissensbisse ihn aus dem Sirenen-Schlaf weckten. Errötet über seine Schwäche, kehrte er in seine Zelle zurück, zündete ein großes Feuer an und legte seine Füße hinein. Die Buhlerin lief herbei, als sie den Jammer hörte, den ihm der Schmerz auspresste. Wie groß aber war ihr Staunen, als sie ihn auf der Erde hingestreckt sah. Er war in Tränen zerflossen mit halbverbrannten Füßen. „Ach, sagte Martinian, wie werde ich das Feuer der Hölle vertragen, wenn ich dieses, welches doch nur ein Schatten davon ist, nicht auszustehen vermag?“ Zoe konnte einem solchen Augenblick nicht widerstehen. Die Gnade erweichte ihr Herz, und es wurde aus einer Sünderin eine Büßerin. Sie bat den Heiligen, sie auf den Weg des Heils zu führen. Martinian schickte sie in das Kloster der heiligen Paula zu Betlehem, wo sie ihre übrige Lebenszeit in den strengsten Übungen der Buße zubrachte.

 

Unser Heiliger hatte seine Füße so verbrannt, dass er lange Zeit nicht mehr gehen konnte. Als er sich wieder aufrecht zu halten vermochte, zog er sich auf einen steilen Felsen zurück, der auf allen Seiten vom Meer umgeben war, um sogar den Schatten der Gefahr von sich fern zu halten. Da lebte er unter freiem Himmel, allem Ungemach der Witterung preisgegeben, ohne irgend einen Menschen zu sehen, einen Schiffer ausgenommen, der ihm zwei Mal im Jahr Brot, Wasser und Palmblätter zur Arbeit brachte. Auf diese Weise brachte er sechs Jahre zu. Ein unvorhergesehener Vorfall störte aber auch hier wieder den Einsiedler. In einem Sturm scheiterte ein Schiff an seinem Felsen. Alles ging im Wasser zugrunde, mit Ausnahme eines Mädchens, das sich auf einem Brett rettete. Dieses nahm Martinian wahr und rief ihn um Hilfe an. Der heilige Einsiedler fühlte sich verpflichtet, einer Person, die in Todesgefahr schwebte, das Leben retten zu müssen. Er entschloss sich aber zugleich, seine Einsamkeit zu verlassen, aus Furcht, ein zweites Mal versucht zu werden. Da er noch Lebensmittel bis zur Rückkehr des Schiffers hatte, überließ er sie der Unglücklichen, die ein Muster wahrer Buße wurde, und später auf dem Felsen starb. Nach diesen Vorkehrungen stürzte sich Martinian im Vertrauen auf Gott ins Meer und erreichte durch Schwimmen das feste Land. Nach langer Irre in verschiedenen Wüsten kam er endlich nach Athen, wo er gegen Anfang des fünften Jahrhunderts, in einem Alter von ungefähr fünfzig Jahren, starb. Sein Name steht nicht im römischen Marterbuch; allein man findet ihn in den Menäen der Griechen. Er wurde im Morgenland und besonders zu Konstantinopel in einem nahe bei der Sophienkirche gelegenen Gotteshaus hoch verehrt.

 

„Rette deine Seele, und kämpfe für dein Heil! Wende dich von der Buße nicht mehr ab; denn keiner, der seine Hand an den Pflug legt und sich wieder umsieht, ist für das Reich Gottes tauglich! Sei auf deiner Hut; kehre nicht mehr zurück zu den Gelüsten der Welt! Harre aus in der Buße, damit deine Feinde dich nicht verspotten! Gott ist mit denen, die Buße tun.“

 

„Das zeitliche Feuer kann man mit Wasser auslöschen; jenes ewige Feuer aber löscht kein Wasser aus, jener Wurm in der Hölle stirbt nie, und die Teufel, welche die Menschenseelen peinigen, sind unbarmherzig.“

(Heiliger Martianus)

 

Der heilige Gregor II., Papst und Bekenner zu Rom,

+ 13.2.731 – Fest: 13. Februar

 

Der heilige Gregor war ein geborener Römer aus einer ansehnlichen Familie und erhielt seine Erziehung und Geistesbildung vom heiligen Papst Sergius, der mit inniger Liebe den unschuldigen und blühenden Jüngling unterrichtete und in sein zartes Herz den Grund zu allen den Tugenden legte, mit denen er als Mann die Kirche Gottes erleuchtete und verherrlichte. Wegen seiner Treue wählte ihn der Papst zum Schatzmeister der Kirchen in Rom und nahm ihn im Jahr 710 als seinen Begleiter mit auf einer Reise nach Konstantinopel und Nikomedia, wo Kaiser Justinian sein Hoflager hatte, der den Gregor wegen seiner ausgezeichneten Frömmigkeit und Gelehrsamkeit mit besonderer Achtung behandelte. Im Jahr 715 wurde der heilige Gregor von den Gläubigen und der Geistlichkeit einstimmig zum obersten Kirchenhirten erwählt und er erfüllte alle die Erwartungen vollkommen, die man sich in jenen unruhigen Zeiten von seinem Eifer und seiner Klugheit gemacht hatte. Er war ein getreuer Wächter der ihm durch Gottes Vorsicht anvertrauten Kirche und strafte ohne Ansehen der Person die Vergehen gegen das Christentum. Den Patriarchen Johannes in Konstantinopel, der die Ketzer unterstützte, schloss er aus der Gemeinschaft der Kirche aus und mehrere Bischöfe, die ihre Würde durch ein weichliches Leben entehrten, entsetzte er ihrer Bistümer, und hielt im Jahr 721 in Rom einen Kirchenrat, wo er die strengsten Verordnungen gegen das sittenlose Leben der Geistlichen machte. Mit unerschütterlichem Mut kämpfte er für die Freiheit der Kirche und für die Reinheit der christlichen Lehre und zwang den König der Langobarden, dass er alle der Kirche entrissene Güter zurückgab und einen ungerechten Krieg endigte. Damals richtete der ketzerische Kaiser, Leo Isaurus, durch seine Bilderstürmerei großes Unheil in der Kirche Gottes an und als ihn der heilige Gregor durch seine Gesandten ermahnen ließ, aufzuhören mit der schändlichen Verheerung der heiligen Bilder, dieser aber der Kirche den schuldigen Gehorsam versagte und sogar die päpstlichen Gesandten misshandelte, versammelte der heilige Papst die Bischöfe und belegte dem Patriarchen Anastasius von Konstantinopel mit dem großen Kirchenbann.

 

Um das Seelenheil der Gläubigen zu befördern und Unglauben und den Götzendienst zu vertilgen, sendete der heilige Gregor den heiligen Bonifatius und Korbinian nach Deutschland als Glaubensprediger, die unzählige Heiden zur Erkenntnis des wahren Gottes führten und überall christliche Gemeinden stifteten. Für die Kirchen in Italien weihte er während seiner Regierung einhundertfünfzig Bischöfe, fünfunddreißig Priester und vier Diakonen. Er verwendete hohe Kosten für die Zierde der Stadt Rom und erbaute nicht nur mehrere Gotteshäuser und Klöster, sondern schmückte mit größtem Fleiß die schon vorhandenen und verbesserte die Mauern der Stadt vom Grund aus. Eine Überschwemmung der Tiber, die Rom zu zerstören drohte, wies er durch sein Gebet in ihre Grenzen zurück und machte sie unschädlich. Der Ruhm seines heiligen Lebens verbreitete sich so weit, dass aus den entferntesten Ländern Menschen nach Rom strömten, um den Segen des Dieners Gottes zu empfangen. Unter diesen befand sich auch der bayerische Herzog, Theodor V., und die heiligen Könige von England, Richard und Ina, der in Rom für die Engländer eine Schule stiftete und eine Kirche erbaute. Der heilige Gregor starb am 13. Februar 731, nachdem er die Kirche Jesu fünfzehn Jahre und beinahe neun Monate mit apostolischer Treue regiert hatte.

 

Der heilige Kastor, Priester und Einsiedler zu Karden bei Trier,

+ 4. Jhd. – Fest: 13. Februar

 

„Das Geheimnis des Königs zu verbergen, ist gut, aber die Wunder Gottes zu verkünden, ist ruhmvoll.“ Wunderbar ist Gott in seinen Heiligen, wie wir es im Leben des heiligen Kastor beobachten können. Schon von Kindheit an erfüllte ihn die Gnade des Heiligen Geistes, so dass er mit seinem ganzen Geist mehr im Himmel, als auf der Erde weilte. Ein Tag in den Vorhöfen des Herrn war ihm lieber, als tausend in der Welt. Mit außerordentlichen Anlagen ausgestattet, trug der Junge das Spiegelbild seiner späteren Frömmigkeit in sich. Wäre es nötig, von seiner hohen Abkunft zu sprechen, da bei Gott kein Ansehen der Person gilt, vielmehr die Gottesfurcht und Rechtschaffenheit? Die Frömmigkeit der Eltern fand sich im Sohn wieder. Wären sie gottlos gewesen, wie hätten sie zu so guten Sitten ihren Sohn erziehen können? Als ihn seine Eltern studieren ließen, verlegte er seinen Fleiß nicht auf die Weltweisheit, da nach dem Ausspruch des Apostels die Weisheit dieser Welt Torheit vor Gott ist, vielmehr gab er sich ganz der Beobachtung der göttlichen und kirchlichen Gebote hin. Bald erwarb er sich einen solchen Schatz von Kenntnissen, dass er mit der Braut im Hohenlied singen konnte: „Mein König führte mich in die Weinkeller und ordnete in mir die Liebe.“ Die Liebe Gottes war in der Tat im Herzen des Gottesmannes so wohl geordnet, dass er Gott liebte aus ganzem Herzen, aus ganzer Seele, aus allen seinen Kräften und seinen Nächsten wie sich selbst. Erst lernte er das Himmlische lieben und dann das Irdische verachten.

 

Wie einst der Patriarch Abraham dem göttlichen Ruf folgte: „Geh aus deinem Land und deiner Verwandtschaft“, so eilte der gottbegeisterte junge Mann Kastor mit den Flügeln der Liebe aus seiner uns unbekannten Heimat zu dem hl. Bischof Maximinus II. von Trier, um unter der Führung des Heiligen selbst ein Heiliger zu werden. Als der Bischof die Liebe, die Enthaltsamkeit und Keuschheit des edlen Jünglings erkannte, erteilte er ihm nach und nach die niederen Weihen und beförderte ihn dann zum Diakon.

 

Als Prediger Christi erfüllte der Levit Kastor seinen Dienst mit großer Ehrfurcht und Demut und Herzensreinheit, so dass er dem hl. Maximin, der gesamten Geistlichkeit und dem katholischen Volk sehr angenehm war. Aller Mund floss von seinem Lob über, er selbst aber lenkte alle Lobsprüche von sich ab und wollte lieber das Kreuz Christi tragen, als an seiner Verherrlichung teilnehmen.

 

Um der Eitelkeit und den Verführungskünsten der trügerischen Welt zu entfliehen, beschloss Kastor, sobald ihn der Bischof Maximin zum Priester geweiht hatte, sich in eine Einöde zurückzuziehen. Nachdem er lange in Bergen und Wäldern umhergeirrt, in Höhlen und Felsenklüften verweilt, Hunger und Ungemach, Elend und Erschöpfung erlitten hatte, zeigte ihm Christus einen wüsten Ort, an dem später eine Stadt, namens Karden, entstand. Voll Freuden rief der Heilige aus: „Diesen Ort habe ich mir erwählt; hier will ich für immer ruhen.“ Das glänzende Licht konnte nicht verborgen bleiben, es sollte auch anderen leuchten. Um den ausgezeichneten, tugendreichen Einsiedler sammelten sich bald gleichgesinnte junge Männer, um von ihm Anleitung zur Vollkommenheit zu erlangen.

 

Gott verherrlichte seinen treuen Diener auch durch Wunder. Als einst ein mit Salz beladenes Schiff die Mosel hinauffuhr, an deren Ufer der heilige Einsiedler sich angebaut hatte, bat er die Schiffer, ihm etwas Salz für seine Brüder zu schenken. Die unbarmherzigen Schiffer verweigerten ihm jede Gabe. Da entstand plötzlich ein Sturm, so dass das Schiff dem Untergang nahe war. In dieser Not, die die Schiffer als eine gerechte Strafe Gottes für ihre Unbarmherzigkeit erkannten, bereuten sie ihre Sünde und erhielten Begnadigung. Der Diener Gottes machte das heilige Kreuzzeichen über das untergehende Schiff und sogleich erhob es sich wieder unbeschädigt aus dem Wasser. Dieses Wunder schrieb der Heilige nicht sich, sondern Gott allein zu, und hocherfreut rief er aus: „Deine Rechte, o Herr, zeigte Kraft; deine Rechte, o Herr, erhob mich.“

 

Der edle Bekenner Christi blieb an jenem Ort, bis er hochbetagt der Welt, der er schon lange abgestorben war, für immer Lebewohl sagte, um für den Himmel, in dem sein Geist schon von Jugend an lebte, wiedergeboren zu werden. Sein Todestag war der 13. Februar. Von den irdischen Banden befreit, vereinigte sich seine reine Seele mit seinem göttlichen Erlöser, dem er sein ganzes Leben in Heiligkeit geweiht hatte.

 

Wie auf göttliche Einladung kamen Geistliche und Christgläubige von allen Seiten herbei, um in Gebeten und Psalmen Gott zu verherrlichen, der in seinem verklärten Diener so großes getan, und die Fürbitte ihres geistlichen Vaters anzurufen. Unter großen Feierlichkeiten wurde die teure Leiche in der Kirche, die er zu Ehren Jesu Christi und seiner jungfräulichen Mutter Maria erbaut hatte, beigesetzt.

 

Nach den Verwüstungen durch die Hunnen und Normannen geriet das Grab und die Verehrung des hl. Kastor mehr und mehr in Vergessenheit. Zur Zeit des Bischofs Weomat von Trier gefiel es Gott, die verborgene Perle wieder ans Licht zu ziehen und von neuem zu verherrlichen. Er zeigte in einer Erscheinung einem heiligmäßigen Priester, namens Martius, wo der kostbare Schatz verborgen sei, und er solle dem Erzbischof von Trier seine Erscheinung offenbaren. Nachdem die Erscheinung zum zweiten und dritten Mal sich wiederholt hatte, erfüllte der überzeugte Priester den höheren Auftrag. Der Erzbischof Weomad in Begleitung zahlreicher Mönche und Geistliche und Laien beiderlei Geschlechts kam die Mosel herab, veranstaltete ein dreitägiges Fasten und Beten und erhob unter feierlichen Lob- und Jubelgesängen die Reliquien des heiligen Kastor. Ein Teil der hl. Gebeine verblieb in der St. Paulini-Kirche in Karden, ein Teil von ihnen wurde am 12. November 837 in die von Ludwig dem Frommen neu erbaute Klosterkirche in Koblenz übertragen, wo sie heute noch vom Volk in der prächtigen St. Kastorkirche hochverehrt werden.

 

Der selige Jordan Saxo (von Sachsen), Dominikanergeneral,

+ 13. Februar 1237 – Fest: 13. Februar

 

Das so vielgenannte und in schwerer Zeit so hartbedrängte Ruhrgebiet hat vor ungefähr 800 Jahren einen Mann hervorgebracht, der für die Kirche, insonderheit für den damals entstandenen Predigerorden von einflussreichster Bedeutung war. Bei dem Landstädtchen Ebersberg (Eversberg) liegen auf steilem Berg an der oberen Ruhr die Ruinen der Stammburg des vormals sehr begüterten und angesehenen Grafengeschlechtes der Eberstein. Aus dieser Familie entsprosste zu Borgentreich in der Nähe von Paderborn Jordanis Saxo, dessen Name nach nordischer Mundart „Eberhart“ bedeutet. Mit seltenen Geistesgaben ausgestattet, kam der lernbegierige und strebsame Schüler ums Jahr 1210 auf die hohe Schule nach Paris, wo er alle öffentlichen Studien durchlief und in der Theologie sich den Gelehrtengrad verdiente. Als der heilige Dominikus, der Stifter des Predigerordens, dorthin kam, fühlte sich Jordan sehr zu ihm hingezogen und bat um Aufnahme in die neue Ordensfamilie. Dominikus riet dem jungen heilsbegierigen Grafen noch einige Zeit der Vorbereitung an, bis ihm Reginald von Orleans, der Studien halber nach Paris geschickt worden war, am 12. November 1220 das Ordenskleid verlieh. Als Reginald bald unerwartet schnell starb, hatte ein Ordensbruder ein Traumgesicht. Er sah in seinem Kloster eine klare Quelle plötzlich versiegen, aber bald darauf an demselben Ort einen großen Bach entstehen, der durch die ganze Stadt strömte, von dort sich in alle Provinzen ergoss, alle tränkte und erfreute und immer wachsend endlich ins Meer floss. Ein treffliches Bild der Wirksamkeit des seligen Jordan im Orden.

 

Ungewöhnlich früh begann Jordan die Kraft seines Wirkens zu entfalten. Es war nicht allein bei dem erst aufgehenden Orden der Mangel an älteren Mitgliedern, als vielmehr die hervorragende Tugend und Gelehrsamkeit, der männlich kluge Eifer, das ungewöhnliche Rede- und Verwaltungstalent des „von der Gnade erfüllten, zu jedem guten Werk bereiten und geschickten“ Jüngers, was den heiligen Dominikus bestimmt haben mochte, den vielversprechenden Novizen zur Generalversammlung nach Bologna mitzunehmen und dort besonders auszuzeichnen. Dann begann Jordan auf der Hochschule in Paris mit außerordentlichem Erfolg die Lehrtätigkeit und das Predigtamt auszuüben. Auf der zweiten Versammlung im folgenden Jahr (1221) wurde der Orden in acht Provinzen geteilt und Jordan zum Provinzialprior der Lombardei ernannt. Im Jahr darauf, 1222, starb der heilige Stifter. Wen würden die Brüder für würdig erachten, an Stelle des Heiligen die ganze Ordensgemeinde zu leiten? Einstimmig wählte das Generalkapitel zu Paris den jugendlichen Jordan, der noch kaum zweieinhalb Jahre im Orden lebte, zu seinem ersten Generalvorsteher. Dieses schier beispiellose Vertrauen seiner Ordensbrüder auf seinen hohen Geist, seine tiefe Frömmigkeit und einzigartige Befähigung für das wichtige Amt des ganzen Ordens hat der Erwählte glänzend gerechtfertigt. Jordan Saxo hat dem Dominikanerorden als General seine endgültige Richtung gegeben und es verstanden, die verschiedenen, eine ziemliche Selbstständigkeit genießenden Provinzen und Klöster durch das Band einer hochsinnigen, die rechte Mitte innehaltenden Verfassung zusammenzuhalten.

 

Die Ausbreitung und Befestigung des Ordens forderte vom General viele und weite Reisen. Wohl nahm er seine Lehrtätigkeit in Paris mit gesteigerter Frucht wieder auf, aber die Sorge für den Orden führte ihn alljährlich in die entlegensten Länder. Neunmal machte Jordan den Weg von Paris nach Bologna, da zwischen beiden Staaten jährlich das Generalkapitel wechselte. Deutschland besuchte er dreimal. Zu Oxford in England hielt er 1230 die Fastenpredigten, wie er es schon in Bologna, Paris, Padua und an anderen Orten getan hatte. All diese beschwerlichen Reisen machte er immer zu Fuß, was begreiflicherweise die mannigfaltigsten Beschwerden mit sich brachte. Vorzüglich waren es die Orte hoher Schulen, die Jordan, dem selbst der Ruf großer Gelehrsamkeit vorausging, gerne aufsuchte. Auch seine Ordensbrüder waren gesuchte Lehrer, aus deren Schülern der Orden stets neuen Zuwachs erhielt. Unter den talentvollsten Studierenden, die der Selige mit Vorliebe aufnahm, sind der heilige Kirchenlehrer Albert der Große, 1223 zu Padua aufgenommen, und der bei seinem Eintritt erst zehnjährige Peter von Tarentaise, der spätere Papst Innozenz V., die berühmtesten. Über tausend Brüdern soll der selige General persönlich die Ordensgelübde abgenommen und gegen 250 neue Klöster in Europa, Asien und Nordafrika gegründet haben.

 

Eine besondere Gabe hatte Gott unserem Seligen verliehen, dass er nämlich dem Volk durch die Predigt, dem Einzelnen in liebevollem Verkehr eindringlichst zu Herzen reden konnte. Die Güte und Sanftmut seines Wesens, seine Klugheit und mildreiche Teilnahme fand den rechten Weg in die Herzen der Bedrängten, Versuchten und Sünder, wie er auch besonders für die Armen schon von Jugend auf eine offene Hand hatte. In Bologna führte man ihm einmal einen Novizen vor, der für alles andere eher als für das Ordensleben Sinn hatte. Weltlich erzogen, ganz verweichlicht in Kleidung, Nahrung und Vergnügungen, in religiösen Dingen ganz ungebildet, hatte den ungebundenen, zornmütigen Menschen nur die Neugierde und die Gewohnheit, alles zu tun, was ihn reizte, ins Kloster getrieben. Jetzt bereute er freilich seinen unüberlegten Schritt und war zu Tode betrübt und tief unglücklich. Der milde Geistesmann sprach nun, im Vertrauen auf Gottes Gnade, dem Novizen Mut zu, führte ihn zum Altar des heiligen Nikolaus und hieß ihn das Vaterunser beten. Dann legte er ihm die Hände aufs Haupt und bat Gott inniglich, er möge alle Hindernisse und Schwierigkeiten von dem Jüngling nehmen. Und siehe! Wie Jordan nach langem Gebet die Hände wieder zurückzog, war der Jüngling ein anderer Mensch. Er fühlte eine große Freude in sein Herz einkehren und es von Jordans Händen wie zum Himmel getragen werden. Freudig blieb er nun im Kloster und wirkte später viel für den Orden und sein eigenes Heil.

 

Ein Mann, der vom Glauben abgefallen war, sich aber wieder bekehrt hatte, wollte ernsthaft Gott im Predigerorden dienen. Der General war geneigt, ihm die Aufnahme zu gewähren, wenn die übrigen Brüder damit einverstanden wären. Nur ein einziger war dagegen. Jordan sagte ihm: „Jener Mann hat zwar viele Sünden begangen, vielleicht tut er aber noch mehr, wenn wir ihn nicht der Welt entreißen und in den Orden aufnehmen.“ Das kümmere ihn nicht, meinte darauf jener. Da sprach der mitleidsvolle Seelenfreund das schöne Wort: „In Wahrheit, Bruder, wenn du für jenen Sünder auch nur einen einzigen Tropfen Blut vergossen hättest, wie Christus für ihn all sein Blut hingegeben hat, dann würdest du dich wohl anders um ihn kümmern.“ Der Bruder war von der ernsten Antwort so beschämt, dass er sich reumütig niederwarf und gerne einwilligte.

 

Wie sein Meister Dominikus hatte der Selige auch eine hohe Wertschätzung für das Gebet. Er wusste, dass sein Arbeiten fruchtlos sein würde, wenn es nicht vom Tau des Himmels benetzt würde. Er betete darum viel, und zwar gewöhnlich frei kniend und stundenlang. So groß war seine Gebetssammlung, dass weder die vielfältigen Amtssorgen, noch andere Geschäfte ihn zerstreuen konnten. Selbst auf dem Weg war er in Betrachtung versenkt. Auf den längeren Reisen führte, wenn er nicht sein Brevier betete, mit seinen Begleitern ein frommes Gespräch oder überließ sich der Betrachtung. Da er hierbei gerne hinter seinen Reisegenossen zurückblieb, kam er öfters in Gefahr, vom Weg abzuirren. Den hierüber besorgten Seinen pflegte er zu antworten: „Seid ruhig! Wenn wir nur den Weg zum Himmel nicht verlieren.“ Die innige Vertiefung ins Gebet und die seelische Ergriffenheit Jordans äußerte sich auch oft in vielen Tränen, was ihm später ein schweres Augenleiden zuzog. Der wirkliche Verlust eines Auges zeigte seine ganze glaubensvolle Hochgesinnung. Er rief seinen Ordensbrüdern zu: „Sagt Gott Dank, dass ich einen Feind verloren habe.“ So sehr war er innerlich gerichtet, so sorgfältig pflegte er seine Sinne zu beherrschen, damit nichts den Glanz der Herzensreinheit betrübte, dass er das natürlich so harte Geschick als übernatürlichen Gewinn hinnahm.

 

Von Jordans Klugheit und Weisheit im Reden werden viele Beispiele erzählt. Gefragt, ob das Vaterunser im Mund eines Laien so viel gelte als im Mund eines theologisch Gebildeten, der es besser verstehe, antwortete er: „Ebenso viel als ein Edelstein in der Hand eines Menschen, der seinen Wert nicht kennt; er bleibt immer Edelstein.“

 

Die Predigten eines Ordensbruders Johannes von Vicenza brachten in Bologna großen Eindruck hervor. Die Bürger der Stadt baten daher den Ordensgeneral, er möge ihnen den Prediger für immer belassen, damit die Früchte seiner Predigten nicht wieder verloren gingen. Jordan lobte die gute Gesinnung der Bürger, gab aber zu bedenken, dass es nicht gebräuchlich sei, dass ein Sämann, wenn er ein Feld angesät habe, sich dort niederlege und abwarte, bis der Same Frucht trage. Er empfehle vielmehr Gott den Samen und gehe, ein anderes Feld zu bestellen. Selbst der Heiland habe gesprochen: Ich muss auch anderen Städten das Reich Gottes verkünden.

 

Ein Klosterbruder, der viel zeitliche Geschäfte zu besorgen hatte, bat um Enthebung von seinem Posten. Des weisen Oberen Antwort war: „Mit einem solchen Amt können zwei Dinge verknüpft sein: Nachlässigkeit und Ungeduld, aber auch zwei andere, Mühe und Verdienst. Von den ersten zweien entbinde ich dich, die anderen zwei aber lege ich dir zur Genugtuung für die Sünden auf.“

 

Die herrlichen Gaben an Geist und Gemüt, womit Gott den Seligen schmückte, noch weniger die Gabe wunderbarer Krankenheilung, die ihm zuteil war, würden ihm nicht die Heiligkeit gebracht haben, wenn er nicht die Krontugend der Heiligen, die Demut, besessen hätte. Der Mann aber, der durch die bezaubernde Liebenswürdigkeit seines Wortes Wunder der Bekehrung vollbrachte, war aufrichtig demütig. Ehren suchte er auszuweichen. Einmal wurde ihm beim Generalkapitel ein Fehler zur Last gelegt. Die Definitoren meinten, er könne sich rechtfertigen, wenn er wolle. Da erwiderte Jordan bescheiden: „Darf man wohl einem Schuldigen glauben, wenn er sich rechtfertigt?“

 

Das hohe Vermächtnis des Stifters für den Orden, die eifrige Verehrung der seligsten Gottesmutter, war auch dem Nachfolger heiliges Herzensgut, das er treulich wahrte. Vom Generalkapitel 1225 wurde das feierliche Singen des Salve Regina als tägliche Abendpflicht eingeführt. Dafür verlieh die Mutter der Gnade ihrem treuen Diener eine außerordentliche Gunst. Am Fest Mariä Reinigung sah er sie mit ihrem göttlichen Kind auf dem Altar in wunderbar mildem Antlitz erscheinen und mit dem Arm des Sohnes die versammelten Brüder segnen.

 

Der selige Jordan, der auch einige der Schrifterklärung und Erbauung dienende Bücher geschrieben hat, stand im fünfzehnten Jahr mit Umsicht und Weisheit seiner Ordensfamilie vor. Als er von einer Reise ins Heilige Land, das schon länger Ordensniederlassungen besaß, wieder zurückfuhr, geriet das Schiff in einen schweren Sturm, der den Seligen nebst der Schiffsmannschaft in den Wellen begrub, am 13. Februar 1237, nebst der Küste von Satalia. Sein Leichnam trieb an die syrische Küste und wurde im Dominikanerkloster Akka (Ptolemais) beigesetzt.

 

„Wenn du nur vom Weg zum Himmel dich nicht verirrst, alles andere hat wenig zu bedeuten.“ Diesem Grundsatz des seligen Jordan setzen die Weltmenschen den anderen Gegenüber: Suche in der Welt dein Glück zu begründen, alles Übrige mag dir gleichgültig sein! Doch was gilt mehr: Zeitliches Glück und ewiges Unglück oder zeitliches Unglück, danach ewiges Glück?

 

Der heilige Polyeuktus von Melitene, Hauptmann und Märtyrer,

+ 250 – 257 – Fest: 13. Februar

 

Polyeuktus war Hauptmann bei den Reichstruppen, die zu Melitene, in Klein-Armenien, ihren Standort hatten. Er war, obgleich ein Heide, mit Nearch, einem sehr eifrigen Christen durch die engsten Bande der Freundschaft vereinigt. Als das Feuer der Verfolgung aufloderte, bereitete Nearch sich vor, sein Leben für den Glauben hinzugeben. Allein es ergriff ihn ein lebhafter Schmerz bei dem Gedanken, dass er seinen Freund in den Finsternissen des Heidentums versenkt zurücklassen muss. Er redete daher mit ihm von der christlichen Religion, und zwar mit solchem Nachdruck, dass ihm schließlich die Augen geöffnet wurden. Sobald Polyeuktus die Wahrheit erkannt hatte, wünschte er nichts sehnlicher, als eine Gelegenheit, durch Vergießung seines Blutes für sie zeugen zu können, und bald wurde sein Wunsch erfüllt. Denn er wurde, nachdem er öffentlich erklärt hatte, dass er ein Christ sei, verhaftet, und zur peinlichen Folter verurteilt. Die Henker, endlich des Folterns müde, versuchten nun, ihn durch scheinbare Gründe zu verführen. Allein ihre Bemühungen waren fruchtlos. Ebenso wenig ließ sich der Märtyrer durch die Bitten und Tränen seiner Gattin Paulina, seiner Kinder und seines Schwiegervaters, erweichen. Diese Prüfungen dienten vielmehr nur dazu, seinen Glauben immer mehr zu festigen, und er hörte den Richterspruch mit Ruhe und Freude.

 

Während man ihr zum Tode führte, ermahnte er die Ungläubigen auf die rührendste Weise, ihrem Aberglauben zu entsagen, um Jesus Christus anzubeten, und er hatte den Trost, mehrere von ihnen zu bekehren. Nachdem ihn die Henker enthauptet hatten, beerdigten die Christen seinen Leib zu Melitene. Nearch sammelte sein Blut in leinene Tücher auf und schrieb später die Akten seines Märtyrertodes, der sich während der Verfolgung des Decius oder Valerian, das heißt, um das Jahr 250 oder 257 ereignete. Die Griechen begehen sein Fest mit großer Feierlichkeit am 9. Januar. Das dem heiligen Hieronymus zugeeignete Martyrologium und ein alter armenischer Kalender setzen es auf den 7. Januar, der wahrscheinlich der Tag seines Martyrertodes war. Allein das alte Martyrologium, das im 8. Jahrhundert von Rom nach Aquileja geschickt und von Adon und Usuard abgeschrieben wurde, erwähnt den heiligen Polyeuktus am 13. Februar. Er wird auch an eben diesem Tag in den römischen Martyrologien genannt.

 

Zu Melitene war im 4. Jahrhundert eine Kirche zum heiligen Polyeuktus, in der der heilige Euthymius oft sein Gebet verrichtete. Auch zu Konstantinopel war eine sehr prachtvolle diesem Heiligen gewidmet, unter Kaiser Justinian, wo, wie wir vom heiligen Gregor von Tours erfahren, die feierlichsten Eide abgelegt wurden. Derselbe Schriftsteller versichert gleichfalls, dass die fränkischen Könige des ersten Stammes ihre Verträge durch den Namen des heiligen Polyeuktus bekräftigten. 

 

Der heilige Fulcran von Lodeve, Bischof in Languedoc,

+ 13.2.1006 – Fest: 13. Februar

 

 

Fulcran stammte von der berühmten Familie der Grafen von Soustancion ab und wurde sorgfältig in der Gottesfurcht und den Wissenschaften gebildet. Man bemerkte allzeit bei ihm und schon in seinen frühesten Jahren, eine besondere Liebe für die Tugend der Keuschheit. Nach dem Tod Theodorichs, des Bischofs von Lodeve, wurde er einmütig zu dessen Nachfolger erwählt. Er ergriff zwar auch die Flucht und verbarg sich, aber er wurde entdeckt und nach Narbonne geführt, wo ihn Emmerich am 4. Februar 949 weihte. Der neue Bischof widmete sich ganz der Heiligung seiner Herde. Er verfolgte das Laster, schaffte die Missbräuche ab und begründete allenthalben das Reich der Gottseligkeit. Seine allumfassende Liebe zeigte ihm stets Mittel, allen Bedürfnissen der Kranken und Armen seines Sprengels abzuhelfen. Von der Liebe, die er zu den gottgeweihten Personen hatte, angetrieben, stiftete er das Kloster von St. Salvator, brachte mehrere andere wieder in guten Stand, und führte alle geistlichen Gemeinschaften zur Zucht und Ordnung. Den Kirchen und Spitälern erzeigte er ebenfalls große Wohltaten. Die Angst, die er hatte, er möchte durch Worte, wozu ihn die Lebhaftigkeit seines Eifers hingerissen hatte, zum Tod eines abtrünnigen Bischofs beigetragen haben, verursachte ihm die größten Gewissensunruhen. Er legte sich selbst eine sehr strenge Buße auf, und ging sogar nach Rom, um die Lossprechung von dem Fehler zu erhalten, dessen er sich schuldig glaubte. Er starb am 13. Februar 1006, nach siebenundfünfzig jähriger Verwaltung seines bischöflichen Amtes, und wurde in der Kathedralkirche begraben. Gott bekräftigte die Meinung, die man von seiner Heiligkeit hatte, durch Wunder, die er am Grab seines treuen Dieners wirkte. Man erhob um das Jahr 1127 seinen Leib, und er blieb unversehrt bis 1572, wo ihn die Hugenotten ins Feuer warfen. Man hat jedoch noch einige kleine Teile seiner Reliquien zu Lodeve, wo er als zweiter Patron verehrt wird. 

 

Gebet am 13. Februar

 

Ziehe mich zu dir, o allerseligste Jungfrau Maria, damit ich dem Wohlgeruch, den du verbreitest, nachlaufe. Ziehe mich zu dir, denn siehe, das Gewicht meiner Sünden und die Bosheit meiner Feinde halten mich noch zurück. Gleichwie niemand zu deinem Sohn gelangen kann, es ziehe ihn denn der himmlische Vater, so wage ich es zu behaupten, dass, sozusagen, niemand zu dir gelangt, wenn du selbst ihn nicht durch dein heiliges Gebet zu dir ziehst. Du, o Maria, bist jene, die die wahre Weisheit lehrt. Du bist es, die den Sündern die Gnade erlangt, denn du bist ja ihre Fürsprecherin. Du bist die, die ihren Verehrern den Himmel verheißt, indem du die Schatzmeisterin der Gnaden bist. Amen. 

 

Zu Gott

 

Herr des Himmels und der Erde! Deine Vorsehung ordne mit mir alles so an, wie es mir, Deinem niedrigen Knecht, zum Heil gereichen mag. Lass meine Seele nicht zugrunde gehen, sondern reiche mir Deine hilfreiche Hand, und sei mir der Weg zum ewigen Leben, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Zu Jesus Christus

 

Durchdringe uns, o Herr Jesus Christus, mit der großen Wahrheit, dass Du unser einziges Ziel und Ende bist, und verleihe uns die Gnade, dass wir sie in allen Verhältnissen unseres Lebens zur Richtschnur unseres Betragens nehmen, der Du lebst und herrschst mit Gott dem Vater in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

Zu Jesus Christus

 

Herr, siehe, ich bin bereit dazu, Dir das Kreuz nachzutragen, auch mit Dir, wenn du es forderst, in den Tod zu gehen. Stärke mich mit Deiner Gnade, ohne die ich nichts vermag, der Du lebst und herrschst mit Gott dem Vater in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Zu Paris in der Vorstadt wurde im Jahr 1645 eine Kirche unter Anrufung der seligsten Jungfrau und unter dem Titel: "Unserer Lieben Frau vom Frieden" erbaut.

Vom seligen Jordan, dessen Gedächtnis heute begangen wird, wird berichtet, dass er unter anderen Andachtsübungen zur seligsten Jungfrau die 5 marianischen Psalmen täglich gebetet hat.

 

Andacht am 13. Februar:

 

Das Thema im Februar:

Von der Demut

"Wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden." (Lukas 14,11)

 

"Durch starkmütige Übung wahrer Tugenden groß vor Gott, und nichts desto weniger klein und verächtlich vor sich selber sein: dies ist jene Demut, die vor Gott so wohlgefällig und bei den Menschen so selten ist." (Der heilige Bernhard von Clairvaux) 

Wenn die heilige Theresia von Avila der wunderbaren Gnaden gedachte, die sie von Gott empfing, wurde sie zur tiefsten Demut angeregt und sprach: "Dies sind Stützen, die meine Schwäche um so deutlicher zeigen; denn ein Haus ist um so schwächer, je mehrerer Stützen es bedarf."

Die erwähnte heilige Theresia sagte, zu was immer für einer hohen Stufe eine Seele im innerlichen Gebet erhoben wäre, sollte sie dennoch niemals unterlassen, sich selbst zu betrachten und die Augen fest auf das zu heften, was sie aus sich selbst ist. Sie fügte diesen Worten noch bei, diese Kenntnis ist das Brot, das man auf dem Weg des innerlichen Gebetes zu allen Speisen essen muss, wie köstlich sie auch sind; weil man ohne dieses Brot nie wohl genährt wird. An einer anderen Stelle ermuntert sie ihre Töchter dringend zu dieser Selbsterkenntnis und ermahnt sie, sie sich anzueignen und anzuwenden, ob sie auch bis in den dritten Himmel entzückt wären; weil, solange wir hienieden leben, nichts uns so notwendig ist als die Demut, zu der diese Selbsterkenntnis uns besonders hilft.

Es gibt keine Tugend, die man nicht an dem heiligen Vinzenz von Paul bewundert hätte; wie sehr er sich auch Mühe gab, alle seine Tugenden zu verheimlichen. Dessen ungeachtet war er, seiner Aussage gemäß, so arm an geistlichen Gütern, dass er nur den Namen des Armseligen verdiente; und dies war auch der Name, den er sich beilegte.

 

Ach, Herr, wer verdient den Namen eines Armseligen und eines Sünders mehr als ich, an dem nichts denn Elend und Sünde ist! Wann tat ich je ein Werk, das nicht voll der Mängel gewesen wäre! Zittern muss ich und die Verdammnis befürchten, wenn Du nicht nach Deiner Barmherzigkeit mich richtest! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 13. Februar

 

"Niemand genießt größeren Trost, als wer das Kreuz des Erlösers teilt;

die göttlichen Süßigkeiten ergießen sich in Fülle in die Seele,

die sich aus dem Becher seiner Bitterkeiten tränkt."

 

sel. Heinrich Seuse OP

1298 bis 25.1.1366

 

Betrachtung am 13. Februar - Vom Zeugnis des Gewissens

 

Ein Himmel ist das friedliche Gewissen,

Wo Gott in seiner süßen Liebe spricht;

Doch das des Frevlers wird von Angst zerrissen:

Er sieht die Hölle dort und das Gericht.

 

1. "Denn das ist unser Ruhm," spricht der Apostel, "das Zeugnis unseres Gewissens." (2. Korinther 1,12a) Beherzige diese Worte, denn wundersam erfreulich ist ihr Sinn. Also nämlich sprach der Apostel zu den ersten Christen, die von Juden und Heiden gehasst, verfolgt und als das Auskehricht der Welt verachtet wurden. Dennoch aber hatten sie Ruhm, und zwar überaus großen Ruhm. Dieser Ruhm war das Zeugnis ihres Gewissens. Denn das Zeugnis des guten Gewissens ist das Zeugnis Gottes selbst. Wenn nun die Weltkinder es für ihren höchsten Ruhm halten, von einem großen König gelobt zu werden, und auf ein solches Lob die Hoffnung ihres künftigen Glücks bauen: wie groß soll dann unsere Freude sein, wenn der himmlische König selbst uns lobt, in dessen Händen unsere zeitliche und ewige Glückseligkeit liegt.

 

2. Dieses Zeugnis eines guten Gewissens ist ein undurchdringlicher Schild gegen alle Trübsale und Schrecknisse dieser Welt. "Kein Unheil trifft den Gerechten," spricht die Schrift, und abermals: "Der Gerechte fühlt sich sicher wie ein Löwe." (Sprichwörter 12,21 und 28,1b) Was auch sollte ihn ängstigen? Die Sünden seines verflossenen Lebens? Er hat sie durch Werke der Gerechtigkeit aufgewogen. Was kann von der Liebe Gottes ihn trennen? Der Tod selbst führt ihn zu seinem Gott, nachdem sein Herz sich sehnt. Wie glorreich, wie sicher ist ein solches Gewissen, und wie großen Frieden gewährt es schon in diesem Leben.

 

3. Betrachte dagegen das Gewissen des Sünders. "Der Frevler flieht," sagt die Schrift, "auch wenn ihn keiner verfolgt." (Sprichwörter 28,1a) Vor wem also flieht er? Vor sich selbst! Die Schrecknisse seines Gewissens verfolgen ihn überall hin. Vergeblich sucht er, ihnen zu entfliehen, Gesellschaften, Zerstreuungen, Schauspiele, Belustigungen auf. "Der Schall des Schreckens," spricht die Schrift, "ist immerdar in den Ohren des Gottlosen". Ja er schreit oft so laut, dass mancher ruchlose Frevler Hand an sich selbst legte, dieser entsetzlichen Stimme zu entkommen, die Tag und Nacht ihn erschreckt. "Mein Sohn, lass beides nicht aus den Augen: Bewahre Umsicht und Besonnenheit. Dann werden sie dir ein Lebensquell, ein Schmuck für deinen Hals. Dann gehst du sicher deinen Weg und stößt mit deinem Fuß nicht an." (Sprichwörter 3,21-23) 

 

14. Februar

 

Der heilige Valentin, Priester und Martyrer von Rom,

+ 14.2.270 - Fest: 14. Februar

 

Eine alte Bauernregel sagt: „Sankt Valentin, hell und klar, gibt Korn und Wein für jedes Jahr.“ Zum Unterschied von verschiedenen Heiligen mit diesem Namen war Valentin, dessen heute die Kirche gedenkt, ein Priestermartyrer in Rom, der um das Jahr 270 seine Treue zu Christus mit der Hingabe des Lebens heldenhaft besiegelte.

 

Valentin wirkte also als Priester zur Zeit einer Christenverfolgung. Von einem behaglichen Leben konnte da keine Rede sein. Nicht einmal ein eigenes Heim besaß der Verfolgte, sondern nur eine Reihe von Schlupfwinkeln, die er jeden Tag wechselte, um die Polizei irrezuführen. Dabei schwebte der Gehetzte auch stets in Gefahr, verraten zu werden; denn in den Zeiten der Verfolgung sind Verräter eine billige Ware. Valentins Leben verlief daher in immerwährender Angst, und es mag wohl sein, dass manchmal Niedergeschlagenheit und Mutlosigkeit über ihn kamen. Wo blieb denn Gott mit seiner Allmacht? War der christliche Glaube wirklich der wahre Glaube? Jedenfalls war von einem Sieg der Wahrheit nichts zu sehen, aber umso augenscheinlicher triumphierten die heidnischen Verfolger.

 

Solche und ähnliche Gedanken mögen den gehetzten Priester Valentin gequält haben, der sich indessen weder durch die innere noch durch die äußere Not abschrecken ließ, seine priesterlichen Pflichten zu erfüllen. Er suchte die Christen auf und stärkte sie im Glauben. In den Katakomben feierte er zur nächtlichen Stunde die heiligen Geheimnisse, und in allen möglichen Verkleidungen brachte er den Gefangenen die heilige Wegzehr in den Kerker. Trotz der Lebensgefahr suchte er Heiden zu bekehren, um ihre unsterblichen Seelen für den Himmel zu retten. Selbstredend betätigte er sich auch ausgiebig als Jünger der Caritas. Valentin war ein ehrenwerter Priester in schwerer Zeit.

 

Eines Tages wurde Valentin verhaftet, kam in Untersuchungshaft, und wenige Tage später stand er dem Kaiser persönlich gegenüber. Man versuchte, ihn durch Gewalt und List von Christus und der Kirche abspenstig zu machen. Er sollte die Treue brechen. Wie aber kann ein aufrechter Mann treulos werden? Daher hielt Valentin die Treue, und die einzigartige Gelegenheit benutzend, predigte er vor der Hofgesellschaft so glänzend den Gekreuzigten, dass selbst der Kaiser von seinem Wort nicht unberührt blieb. Als dies die hohen Staatsbeamten bemerkten, ging eine Welle des Unwillens durch ihre Reihen, und dann knickte der feige Herrscher schwächlich zusammen und verurteilte Valentin zum Tod.

 

Der heilige Abraham (Abraames) von Carrä (Haran),

Bischof in Mesopotamien,

+ 422 – Fest: 14. Februar

 

Dieser heilige Einsiedler ging, voll des Eifers für die Ausbreitung des Reiches Jesu Christi, in ein Dorf des Berges Libanon, das noch in den Finsternissen des Heidentums versunken lag, um den Glauben zu predigen. Kaum aber hatten die Einwohner dieses Dorfes gehört, dass er gegen ihre Götter redet, beschlossen sie seinen Tod. Allein die Sanftmut und Geduld, womit der Heilige die härtesten Misshandlungen erduldete, rührte sie so sehr, dass sie ihm das Leben ließen. Als bald darauf die öffentlichen Steuereinnehmer dahin kamen, und die meisten Einwohner, die nicht zu zahlen vermochten, in das Gefängnis schleppen wollten, machte der Diener Jesu, gerührt durch das Los dieser Unglücklichen, ein Anlehen, und bezahlte für sie. Eine so großmütige Handlungsweise gewann ihm alle Herzen dieser armen Leute. Sie schlossen sich an ihren Wohltäter an, der ihr Vertrauen dazu benützte, sie in der christlichen Religion zu unterrichten. Abraham blieb drei Jahre bei ihnen, dann kehrte er wieder in seine Einsamkeit zurück, nachdem er einem tugendhaften Priester die Sorge für ihre geistlichen Bedürfnisse anvertraut hatte. Allein er genoss nicht lange die Ruhe, die er in seiner Zurückgezogenheit gefunden hatte, denn man erhob ihn auf den bischöflichen Stuhl der Stadt Carrä. Mit diesem neuen Stand änderte er nichts an seiner alten Lebensweise. Er bewahrte seine bisherige Geistessammlung, übte sich in strengen Bußwerken, und arbeitete mit unermüdlichem Eifer an der Zerstörung der Abgötterei und der Ausrottung aller daraus entstandenen Laster. Im Jahr 422 starb er zu Konstantinopel, wohin der Kaiser Theodosius der Jüngere ihn berufen hatte. Dieser Fürst bewahrte eines der Kleider, das der Heilige an gewissen Tagen zu tragen pflegte, aus Ehrfurcht seinem Andenken gegenüber. 

 

Der heilige Bruno von Querfurt – Bonifatius,

Erzbischof, Martyrer,

+ 14.2.1009 – Fest: 14. Februar

 

Bruno stammte aus einer der angesehensten Familien Sachsens und wurde um die Mitte des zehnten Jahrhunderts wahrscheinlich zu Querfurt geboren. Seine Erziehung erhielt er in der blühenden Domschule zu Magdeburg. In der heiligen Firmung empfing er den Namen Bonifatius und wird deshalb öfters mit beiden Namen benannt. Mit einem hohen Grad wissenschaftlicher Bildung und gediegener Frömmigkeit trat er frühzeitig in den geistlichen Stand, wurde Kanonikus zu St. Moritz in Magdeburg und baute in schönem byzantinischem Stil die Schlosskirche zu Querfurt. Kaiser Otto III. berief den talentvollen jungen Priester an seinen Hof und schenkte ihm sein besonderes Vertrauen. Als Kaiser Otto im Jahr 996 nach Rom zog, begleitete ihn Bruno. Im Bonifatiuskloster auf dem Aventin vernahm Bruno, dass der hl. Adalbert am 23. April 997 als Apostel der Preußen den Martertod erlitten habe, und sogleich entschloss er sich, in die vom hl. Romuald neugestiftete Benediktinerkongregation von Camaldoli einzutreten und sich zum Missionar unter den Preußen vorzubereiten. Unter der Leitung des fast hundertjährigen Romuald überbot er die strenge Ordensregel durch seinen glühenden Eifer. Oft aß er nur zweimal in der Woche und warf sich in Disteln und Dornen, um sein Fleisch zu kreuzigen.

 

Um diese Zeit bat Zoerard, der Bruder des Polenfürsten Boleslaw, Papst Silvester II. um Missionare für sein Vaterland. Auf den Rat des hl. Romuald schickte der Papst unseren Bruno als Missionar mit den nötigen Vollmachten ab. Im Winter des Jahres 1003 auf 1004 kehrte Bruno nach Deutschland zurück und erhielt vom Erzbischof Dagino von Magdeburg die Weihe zum Missions-Erzbischof. Indes verhinderte der Krieg zwischen Herzog Boleslaw und Kaiser Heinrich II. die Ausführung seines Planes. Bruno vermittelte zusammen mit dem Erzbischof von Magdeburg den Frieden zwischen den streitenden Parteien, ging dann nach Polen und wurde vom Herzog mit Ehren und Geschenken überhäuft, die er sogleich wieder an Arme und bedürftige Kirchen verteilte.

 

Die Zeitverhältnisse gestatteten Bruno nicht, sein Missionswerk in Preußen sofort zu beginnen, deshalb benutzte er die Zeit, um zunächst die Sprache der zu bekehrenden Völker zu erlernen. So vorbereitet, begann er mit 18 Gefährten im Jahr 1008 seine Mission in Preußen, um fortzusetzen, was der hl. Adalbert begonnen hatte. Man sagte den Missionaren den sicheren Tod voraus, sie aber ließen sich, durch himmlische Erscheinungen gestärkt, nicht abschrecken. Mit dem Kreuz in der Hand, mit glühender Liebe zu den Seelen im Herzen und unter Anrufung der Apostel überschritten sie die Grenze. Schon am dritten Tag kam ihr Leben in die größte Gefahr und nur durch ein Wunder wurden sie gerettet. Acht Tage lang hielten die heidnischen Bewohner des Landes die Missionare gefangen und geißelten sie grausam, entließen sie aber wieder auf den Wunsch einiger Fürsten. Innerhalb fünf Monaten bereisten sie dreiviertel des Landes, bekehrten aber unter dem hartnäckigen Volk kaum dreißig Seelen. Dem Fürsten Nethimis schleuderten sie seine Götzen ins Feuer, das sie rasch verbrannte. Aufs höchste erzürnt, ließ der Fürst einen großen Scheiterhaufen errichten und Bruno samt seinen Gefährten hineinwerfen. Bruno im bischöflichen Ornat ging mit seinen Gefährten in das lodernde Feuer und blieb so lange mit ihnen in den Flammen, bis sie sieben Psalmen abgesungen hatten. Über dieses Wunder höchst erstaunt, ließ sich der Fürst mit mehr als 300 Männern taufen.

 

Nicht lange nachher erregte ein feindseliger Fürst unter den Heiden einen Aufstand und ließ den heiligen Erzbischof nebst seinen Missionaren grausam martern. Der hl. Bruno wurde enthauptet, die anderen aufgeknüpft. Einem, namens Wipert, wurden die Augen ausgestochen. Jedoch entkam er trotzdem und berichtete in Rom den Martertod seiner Gefährten. Auf diese Kunde hin wollte der hl. Romuald noch die Bekehrung der heidnischen Preußen und Liefländer unternehmen, wurde aber durch plötzliche Erkrankung an der Ausführung dieses Planes gehindert.

 

Der Tod der hl. Blutzeugen erfolgte am 14. Februar 1009. Ihre hl. Leichname blieben unbeerdigt liegen, bis der Herzog Boleslaw ihr Schicksal erfuhr, sie kaufte und unter großen Ehren nach Polen bringen ließ. In Preußen soll später zu Ehren des ruhmreichen Martyrers Bruno die Stadt Brunsberg (Braunsberg) erbaut worden sein.

 

Was der hl. Adalbert begonnen, der hl. Bruno mit seinen Genossen unter den größten Schwierigkeiten fortgesetzt hat, haben 200 Jahre später die Deutsch-Ordens-Herren zu Ende geführt und dem Christentum die Herrschaft über die hartnäckigen heidnischen Preußen verschafft.

 

Die heilige Johanna (Jeanne de Valois) von Valois,

Königin und Ordensstifterin in Frankreich,

Krüppel – Prinzessin – Heilige,

+ 4.2.1505 – Fest: 4. Februar oder 14. Februar

 

Eine verstoßene Tochter, gehasste Ehefrau und enterbte Königin wurde am 28. Mai 1950 von Papst Pius XII. zu einer Heiligen im Himmel erklärt.

 

Dies ist die Geschichte von Jeanne de Valois, der missgestalteten Tochter König Ludwigs XI. von Frankreich, „der wie eine Spinne in der Stille sein Netz spann und auf die unglücklichen Fliegen wartete, die er damit fangen wollte“. Jeanne, die am 23. April 1464 geboren wurde, hatte sich schon vom Tag ihrer Geburt an den Hass ihres Vaters zugezogen. Dieser Hass kam aus der Enttäuschung darüber, dass sie ein Mädchen war (zwei Söhne waren im Kindesalter gestorben), sowie wegen ihres jämmerlichen körperlichen Zustandes. Jeanne drückte es noch milde aus, wenn sie sagte: „Ich weiß, dass ich weder so schön bin noch eine so gute Figur habe wie andere Frauen.“ Sie hatte einen Klumpfuß, und ihr ganzer Körper war durch Rachitis entstellt. Die eine Schulter war niedriger als die andere, und dazu hatte sie einen offensichtlichen Buckel. Daher verurteilte der Vater sie zu einem Leben der Einsamkeit, zuerst in Amboise bei ihrer Mutter Charlotte von Savoyen und später, nach dem Tod der Mutter, im Herrenschloss von Lignières im Herzogtum Berry. Er entzog ihr jegliche Unterhaltung und ließ sie selbst die dringendsten und selbstverständlichsten Lebensnotwendigkeiten entbehren.

 

Was aber ihre Willensstärke betraf, war sie eine echte Tochter des “schrecklichen Königs“. Von frühester Jugend an verschmäht und abgesondert, brachte sie es schon als Kind fertig, ihren Vater einen ganzen Tag auf eine Entscheidung warten zu lassen, die er auf der Stelle von ihr verlangt hatte. Aber während all dieser Jahre der Absperrung entwickelte sich kein Hass gegen den Vater in ihr, sondern nur ein tiefer religiöser Eifer und eine Wesensgüte, die ihr eigentlich eine bessere Behandlung hätten sichern müssen.

 

Aus politischen Gründen war der Vater schon bei ihrer Geburt entschlossen, Jeanne mit ihrem Vetter Louis, dem Erben des Herzogs von Orléans, zu verheiraten. Am 4. Januar 1456, als Jeanne kaum ein Jahr alt war, wurde sie Louis, der auch erst ein Kind war, zur Ehe versprochen. Die Trauung sollte stattfinden, wenn das junge Paar das entsprechende Alter erreicht hätte.

 

Manche glauben, der König habe diese Verbindung aus Bosheit gewünscht, da er hoffte, dass das entstellte Mädchen kinderlos bliebe und so die Orléans aussterben würden. Weder Jeanne noch Louis wünschten diese Ehe, als sie heranwuchsen. Aber keines wagte, dem König zu widersprechen. Als Louis und seine verwitwete Mutter Einwände machten, drohte der König mit der Beschlagnahme ihres Eigentums und sogar mit körperlichen Strafen. Jeanne war schon oft das Opfer der Zornesausbrüche ihres Vaters gewesen. Bei einer Gelegenheit hatte er sogar befohlen, sie hinzurichten, ein andermal hatte er selbst das Schwert gegen sie erhoben.

 

Am 8. Oktober, als Jeanne neun Jahre alt und Louis kaum ein paar Jahre älter war, wurde der Ehevertrag erneuert. Drei Jahre später, am 8. September 1476, wurden die beiden getraut. Jeanne erklärte selbst: „Ich empfing den Ehesegen unter Tränen, da ich zu dieser Heirat gezwungen und nur mit Gewalt so weit gebracht worden war. Louis andererseits hatte Urkunden anfertigen und Zeugenaussagen schriftlich niederlegen lassen, dass diese Ehe gegen seinen Willen geschlossen sei.

 

So begann das 22jährige Martyrium, bei dem Jeanne de Valois die immer ergebene Frau eines Mannes blieb, der sie verabscheute und sie privat und öffentlich demütigte.

 

Die Ehe war ein entsetzlicher Fehler. Louis von Orléans war hübsch, heiter, stark und geschmeidig. Wenn er von seiner Ehe sprach, sagte er: „Ich wollte, ich wäre tot!“ Von Jeanne erklärte er: „Ich habe sie nie als meine Frau betrachtet.“

 

Zweiundzwanzig Jahre dauerte diese Verbindung, bis Karl VIII., der kurzlebige Nachfolger Ludwigs XI., im Jahr 1498 starb. Nun folgte Louis seinem Schwager und Vetter auf den Thron. Eine seiner ersten Taten war, dass er seine Ehe als erzwungen und von Anfang an ungültig erklären ließ.

 

Er verstieß Jeanne als Frau und Königin, gab ihr jedoch das Herzogtum Berry in Besitz. Hier regierte sie mit Umsicht und Entschlossenheit, so dass sie bald die Herzen ihrer Untergebenen gewann. Ihre Liebe zu den Armen und Kranken war grenzenlos. In den langen Jahren ihrer Ehe hatte sie niemals etwas Liebloses über Louis gesagt und ihm nichts Unrechtes angetan.

 

Als Louis als Mitglied einer Verschwörung gegen ihren Bruder, König Karl VIII., entdeckt und ins Gefängnis geworfen wurde, eilte sie ihm mit Nahrungsmitteln und Kleidern zu Hilfe. Durch beständiges Bitten bei ihrem königlichen Bruder erreichte sie seine Freilassung. Doch erwies er ihr keine Dankbarkeit dafür, sondern schrieb das Verdienst dem König selbst zu. Als Louis erkrankte, eilte Jeanne sofort an sein Lager, allerdings nur, um wieder von ihm weggeschickt zu werden.

 

Bis zu ihrem Tod betete sie unablässig für ihren Mann und für ihren Vater. Für beide ließ sie auch stets die Schwestern ihres Annunziatenordens beten, den sie im Jahr 1500 gegründet hatte, und trug selbst unter ihren königlichen Kleidern das Habit.

 

Jeanne starb am 4. Februar 1505 in Bourges. Das französische Volk verehrte sie bald als eine Heilige. Doch wurde sie erst am 21. April 1742 von Papst Benedikt XIV. seliggesprochen. Dann verhinderte die unruhige Geschichte Frankreichs für lange Zeit weitere Schritte zu ihrer Heiligsprechung, bis sie endlich 200 Jahre später erfolgte.

 

Die heiligen Slawenapostel Cyrillus, + 14.2.869,

und Methodius, + 6.4.885 - Fest: 7. Juli

 

Was der heilige Bonifatius für die deutschen Stämme ist, das sind die beiden heiligen Brüder Cyrillus und Methodius für die große slawische Völkerfamilie. Da Papst Leo XIII. durch ein Rundschreiben vom 30. September 1880 ihr Fest auf die ganze Kirche ausdehnte, ist es geziemend, ihr Leben und Wirken näher kennenzulernen.

 

Die beiden Glaubensboten stammen aus einer reichen, hochangesehenen griechischen Familie zu Thessalonich (heute Saloniki) in Mazedonien. Methodius, der ältere, wurde im Jahr 827 geboren. Cyrillus, der ursprünglich Konstantin hieß, wahrscheinlich ein Jahr später. Die Studien begannen sie in ihrer Vaterstadt, die damals wegen ihres religiösen Sinnes, ihrer Kunstliebe und Pflege der Wissenschaft berühmt war. Frühzeitig begaben sie sich nach Konstantinopel, um sich den höheren Wissenschaften zu widmen. In kurzer Zeit machten sie große Fortschritte, besonders Cyrillus, dem sein außerordentliches Talent und seine Gelehrsamkeit den ehrenvollen Beinamen „der Philosoph“ erwarben. Er wurde Priester und erhielt das Amt eines Vorstehers der Bibliothek und Kanzlei des Patriarchen; später war er Lehrer der Philosophie und Theologie, bis er auf Betreiben des Patriarchen Ignatius von der Kaiserin Theodora um das Jahr 848 als Missionar zu den heidnischen Kazaren im südlichen Russland gesandt wurde. Er hatte dort große Erfolge. Während dieses Aufenthaltes fand er den Leib des heiligen Klemens, des Schülers und vierten Nachfolgers des Apostelfürsten Petrus. Klemens war dort im Jahr 101 in der Verbannung gestorben. Fortan behielt Cyrill diese Reliquie als kostbaren Schatz bei sich, bis es ihm gelang, sie nach Rom zu bringen. Nachdem er bei den Kazaren alles geordnet hatte, kehrte er nach Konstantinopel zurück und trat ein in die stille Zelle des Klosters Polychron am Berg Olympos, wo er seinen Bruder Methodius als Laienbruder traf. Dieser war zuerst Statthalter über verschiedene slawische Stämme gewesen, hatte aber dann den Staatsdienst aufgegeben und sich in das genannte Kloster zurückgezogen.

 

Inzwischen war das Gerücht über die Erfolge des Cyrillus bei den Kazaren bis an den Hof des mährischen Fürsten Rastislaw (846 bis 870) gedrungen. Sein Reich erstreckte sich weit über den Umfang des heute noch bekannten Mähren hinaus bis an die Donau und jenseits derselben. Er wünschte Missionare und wandte sich durch eine Gesandtschaft an den griechischen Kaiser Michael. Die beiden durch Kenntnisse und Tugenden ausgezeichneten Brüder Cyrillus und Methodius wurden nun zu dieser Mission bestimmt und in Mähren mit großer Freude aufgenommen. Da sie der slawischen Sprache mächtig waren, gelang es ihnen, viele zum Christentum zu bekehren. Cyrillus übersetzte auch die Heilige Schrift und die liturgischen Bücher und erfand dazu eine eigene Schrift. So wurde er Begründer der slawischen Literatur. Der gewöhnliche Sitz der Glaubensboten war wohl Welehrad, aus dessen Trümmern später Ungarisch-Hradisch entstanden ist. Auch weihte Cyrill sogleich die Kirche Sankt Peter in Ölmütz. Eifrig durchwanderten sie das ganze weite Reich, verkündeten überall die Frohe Botschaft des Evangeliums, unterrichteten das Volk, bekämpften die Laster und schritten gegen die abergläubischen, altheidnischen Gebräuche ein. Der Fürst selbst empfing die heilige Taufe, und das Christentum gelangte vollständig zum Sieg.

 

Als das Gerücht dieser Fortschritte nach Rom drang, lud Papst Nikolaus I. die seeleneifrigen Brüder zu sich ein. Gerne folgten sie diesem Ruf und nahmen die ihnen so teuren Reliquien des heiligen Klemens mit. Papst Hadrian II., der dem inzwischen gestorbenen Nikolaus gefolgt war, zog ihnen mit Klerus und Volk entgegen und nahm sie mit großen Ehrenbezeigungen auf. Nachdem die beiden Brüder über ihre Tätigkeit berichtet und geschworen hatten, dass sie im Glauben des heiligen Petrus und seiner Nachfolger beharrten, wurden sie von Hadrian zu Bischöfen geweiht (868).

 

Doch es war der Ratschluss der göttlichen Vorsehung, dass Cyrillus die Laufbahn seines Lebens in Rom beschließen sollte, mehr an Tugend als Alter reif. Er fühlte seine Kräfte schwinden und um sich echt christlich auf den Heimgang vorzubereiten, zog er sich wieder in die heilige Einsamkeit der Klosterzelle zurück, aus der ihn das Heidenapostolat herausgeführt hatte. Bei dieser Gelegenheit nahm er den Namen Cyrill an Stelle des bisherigen, Konstantin, an. Am 14. Februar des Jahres 869 verschied er selig im Herrn. Methodius wollte die Leiche auf den Berg Olymp heimführen, doch ließ er sich durch die inständigen Bitten der Römer bewegen, davon abzusehen. In der Ewigen Stadt, die er so liebte, an der Seite des Papstes, dessen Überreste er aus Cherson herbeigebracht hatte, sollte auch Cyrillus beigesetzt werden. In einem marmornen Sarg, unter Gesang von Hymnen und Psalmen, unter allgemeiner Beteiligung aller Klassen der Bevölkerung, wurde sein Leichnam zuerst in die Vatikanische Basilika von St. Peter und dann in die des heiligen Klemens gebracht. Das war kein Trauerzug. Dank gegenüber Gott war auf allen Gesichtern zu lesen. Ein Heiliger war gestorben. Die Verehrung Cyrills war seitdem mit der des Papstes Klemens unzertrennlich verknüpft. Im Jahr 1084 wurden beide Gräber unter den Ruinen der Basilika durch Robert Guiscard, dem Normannenherzog verschüttet, im Jahr 1863 aber wieder gefunden. Ein herrliches Gemälde in der Sankt-Klemens-Kirche erinnert heute noch an die heiligen Slawenapostel.

 

Methodius kehrte als Bischof nach Mähren und Pannonien zurück und setzte in diesen weiten Ländern sowie in den angrenzenden, Polen, Böhmen und Moskowien (Russland), Slawonien mit allem Eifer sein Apostolat fort. Er hatte vom Papst die erzbischöfliche Würde erhalten sowie den Titel und die Gewalt eines päpstlichen Legaten. Nach den Hauptländern seines Wirkungskreises wurde er ebensowohl Erzbischof des mährischen Reiches als Erzbischof von Pannonien genannt.

 

Der alte Feind alles Guten versuchte das so erfolgreiche Wirken des Heiligen zu verhindern, indem er Schwierigkeiten erweckte, wo man es am wenigsten erwarten sollte. Er nahm das Herz des Königs und einiger Bischöfe gegen Methodius ein, die sich in ihren Rechten beeinträchtigt glaubten. Eine Synode zu Regensburg verurteilte ihn und setzte ihn fast drei Jahre in Haft. Doch Papst Johann VIII. nahm sich des Bedrängten an und gab ihm seine Rechte zurück.

 

Als später wieder neue Klagen gegen Methodius erhoben wurden, kam er auf Wunsch des Papstes nach Rom, rechtfertigte sich und seine Predigt. In Friede und Liebe schied er vom Papst und setzte ungebrochenen Mutes seine apostolischen Arbeiten fort.

 

Am letzten Fest der Apostelfürsten, das er erlebte, weihte er die Kirche der Heiligen Petrus und Paulus zu Brünn. Am 6. April 885 schloss er, im 25. Jahr seines Amtes, sein tatenreiches Leben. Er wurde in seiner Haupt- oder Kathedralkirche, also in Welehrad, begraben; leider weiß man jetzt nicht mehr die genaue Stelle des Grabes.

 

Methodius und sein Bruder Cyrillus haben unter allen Missionaren am eifrigsten und mit dem größten Erfolg für die Ausbreitung und Befestigung des Christentums unter den Slawen gearbeitet. Sie sind das leuchtende Doppelgestirn, die wahren Väter und Hirten, die größten Wohltäter und Apostel der slawischen Völker. Mit dem Christentum dieser ist ihr Name für immer untrennbar verbunden. Sie schufen denselben auch die Schriftsprache und führten sie in die Reihe der gebildeten Nationen. Sind sie so mit Recht der Stolz der slawischen Welt, so sind sie vor allem der Ruhm der katholischen, der römischen Kirche. Von Rom haben sie ihre Sendung erhalten; nach Rom sind sie geeilt, um mit der Gewalt des Hirtenamtes bekleidet zu werden; in Rom wollte Cyrill bleiben, um an dieser heiligen Stätte seine Tage zu beschließen und seine letzte Ruhe zu finden. Rom prüfte das Bekenntnis ihres Glaubens und ihrer Predigt. In Rom suchte Method Trost und Ermunterung und Kraft gegen alle seine Feinde. Rom befreite ihn aus dem Kerker, schützte ihn mit der Macht seiner geistigen Waffen, übertrug und bestätigte ihm seine erzbischöfliche Würde und die eines päpstlichen Legaten. Rom hat ihr Fest in den allgemeinen Kirchenkalender eingetragen, und kein Geringerer als Papst Leo XIII. selbst hat bei diesem Anlass den Huldigungen und Gebeten der ganzen Kirche in den beiden Festhymnen würdigen Ausdruck gegeben:

 

„Besinget, Gläubige, der Kämpfer Brüderpaar, die der Himmel aufnahm in seine leuchtenden Sitze; besinget der slawischen Nation doppelte Stütze und Zierde.

 

Diese Brüder hat eine Liebe verbunden und der gleiche Seeleneifer hat sie der Wüste entführt, dass sie schleunig vielen des glückseligen Lebens Unterpfänder brächten.

 

Mit dem Licht, welches in des Himmels Räumen erstrahlt, haben sie die Regionen der Bulgaren, Mähren und Böhmen erfüllt; und die wilden Horden führten sie in zahlreichen Scharen zu Petrus hin.

 

Ihr traget die Krone, die euren Verdiensten gebührt, o lasst nicht ab, zu der Flehenden Tränen euch herabzuneigen; denn ihr müsset den Slawen die Gaben schützen, die ihr ihnen vor Zeiten gegeben.

 

Du jener edle Erdstrich, der zu euch ruft, möge die Reinheit des ewigen Glaubens bewahren; und das Heil, welches Rom zuerst gab, wird es immer geben.“

 

Der heilige Auxentius vom Berg Siopa (Oxia), Einsiedler-Abt in Bithynien,

+ 14.2.470 – Fest: 14. Februar

 

Auxentius stammte aus Persien und war in Syrien geboren. Sein Vater hieß Abdas. Er kam im Jahr 432 nach Konstantinopel, um dort am Hof des jüngeren Theodos, einen seiner Oheime zu besuchen. Obgleich dieser schon vor seiner Ankunft gestorben war, blieb er dennoch am Hof, wo er sich bald durch seine Geschicklichkeit und seine Tugenden allgemeine Hochachtung und Liebe erwarb.

 

Auxentius diente also zuerst unter der Leibwache des Kaisers Theodosius des Jüngeren, Dieser Stand, der der Tugend so manche Fallstricke legt, hinderte ihn nicht, Gott mit ganzer Treue zu dienen. Er war ein ebenso guter Christ, als tapferer Hauptmann. Alle Augenblicke, die ihm übrig blieben, widmete er den Übungen der Frömmigkeit. Oft besuchte er fromme Einsiedler, und brachte mit ihnen die Nächte in Wachen und Beten zu. Besonders vertrauten Umgang pflegte er mit einem frommen Ordensmann, Johannes genannt, der bei Konstantinopel als Klausner lebte, wie auch mit dem Priester Authimius, der ein Mann von ausgezeichneter Frömmigkeit war, und eine Kirche am Meer bediente. Die Furcht, den Versuchungen des eitlen Ruhmes zu unterliegen, wenn er in der Welt bliebe, bewog ihn, für allzeit dem Umgang der Menschen zu entsagen. Er zog sich daher auf einen Felsen des Berges Oria, dreieinhalb Stunden von Konstantinopel, zurück. Auf Befehl des Kaisers Marcian, wohnte er dem Konzil von Chalcedon bei, worauf er bei dieser Stadt auf dem Berg Siopa sich niederließ. Da wurde er von vielen frommen Personen besucht, die ihn um Rat fragten. Er starb im Jahr 470. Sozomenus erteilt dem heiligen Auxentius, der damals noch lebte, als er seine Geschichte verfasste, großes Lob. Der heilige Stephan der Jüngere weihte die Kirche seines Klosters ein unter Anrufung dieses Heiligen. Der Berg Siopa trägt heutzutage noch den Namen des heiligen Auxentius.

 

Aus anderer Quelle:

 

Der Abt Auxentius auf dem Berg Oxia in Bythinien, wurde wegen seiner großen Heiligkeit zur allgemeinen Kirchenversammlung nach Chalzedon berufen, und hat daselbst durch seine Lehre und Wunder die Gottheit Jesu Christi und die ewige Jungfräulichkeit der Mutter Gottes verteidigt. Er war von so großer und wunderbarer Geduld, dass er die Würmer, die aus einer faulenden Wunde an seinem Leib häufig hervorkrochen, jedes Mal wieder mit einer Sorgfalt sammelte und hineinlegte, wie wenn sie Edelsteine gewesen wären.

 

Der heilige Maro, Einsiedler-Abt von Syrien,

+ 14.2.433 – Fest: 14. Februar

 

Der heilige Maro zog sich auf einen, nahe bei der Stadt Cyrus gelegenen, Berg zurück, wo er fast immer unter freiem Himmel, jeder Witterung ausgesetzt, lebte. Er hatte zwar ein Gezelt von Ziegenfellen, um sich in der Regenzeit zu schützen, benutzte es aber nur sehr selten. Da er in seiner Einsamkeit einen Götzentempel gefunden hatte, weihte er ihn dem wahren Gott, und wählte ihn zu seinem Bethaus. Wegen des Hohen Rufes der Heiligkeit, den er sich erworben hatte, wurde er 405 zur Priesterwürde erhoben. Der heilige Chrysostomus, der ihn sehr hoch schätzte, schrieb ihm von Cucusa, wohin er verbannt war, um sich seinen Gebeten zu empfehlen.

 

Unser Heiliger kannte kein größeres Vergnügen, als sich mit Gott im Gebet zu unterhalten. Er war darin ein würdiger Schüler des heiligen Zebin, der alle Einsiedler seines Jahrhunderts an Beharrlichkeit im Gebet übertraf. Dieser heiligen Übung widmete er ganze Tage und Nächte, ohne jemals müde zu werden. Seine heilige Andachtsglut vermehrte sich im Gegenteil noch mit dem fortgesetzten Gebet. Seine Gewohnheit war, stehend zu beten, nur in seinem Alter erleichterte er sich dieses ein wenig, indem er sich auf einen Stab hinstützte. Mit denjenigen, die ihn besuchten, redete er wenig, aus Furcht, die Übung des Beschauens, in die alle seine Gedanken vertieft waren, zu unterbrechen. Nichtsdestoweniger nahm er sie mit Güte auf, und ermahnte sie, bei ihm zu bleiben. Allein wenige wollten die ganze Nacht stehend im Gebet mit ihm zubringen.

 

Gott belohnte die Bemühungen des heilige Maro durch reichliche Gnaden, und durch die Macht, Krankheiten des Leibes und der Seele zu heilen. Eine besondere Gabe hatte er, andere zur Tugend anzufeuern. Es strömte ihm eine große Menge Schüler zu, und er stiftete mehrere Klöster in Syrien. Theodoret sah jene frommen Ordensmänner, die in seinem Bistum verbreitet waren, als die Frucht der Unterweisungen unseres Heiligen an. Unter die berühmtesten Schüler des heiligen Maro zählt man den heiligen Jakob von Cyrus, der sich rühmte, von dessen Händen sein erstes Bußkleid empfangen zu haben.

 

Endlich als der Augenblick gekommen war, wo der Heilige hingehen sollte, seine Belohnung zu empfangen, nahm ihn Gott nach einer Krankheit von etlichen Tagen, von dieser Erde weg. Das Verlangen, seine sterbliche Hülle zu besitzen, erweckte einen frommen Wettstreit unter den benachbarten Provinzen. Die Einwohner eines sehr bevölkerten Fleckens erhielten zuletzt diesen köstlichen Schatz, und erbauten eine prachtvolle Kirche über sein Grab, die sie durch Mönche bedienen ließen. Die Griechen verehren den heiligen Maro am 14. Februar, die Maroniten aber feiern sein Fest am 9. Februar.

 

(Diesen Namen – Maroniten – empfing ein Völkchen im fünften Jahrhundert, von den Mönchen, die den heiligen Maro als Patriarchen anerkennen. Die Maroniten erklärten sich für die Entscheidung des Konzils von Chalcedon gegen die Eutychianer, und traten in Kirchengemeinschaft mit den Melchiten oder Königlichen, die für das Ansehen dieses Konzils stritten. Die Maroniten, die längs der Küste Syriens und um den Berg Libanon wohnen, haben einen katholischen Patriarchen, und erkennen den Papst für den ersten Hirten der Kirche an. Mehrere von ihnen fielen in die Irrtümer des Nestorius und Eutyches, und wurden auch in die Spaltung der Griechen verflochten. Allein sie kehrten unter den Päpsten Gregor XIII. und Clemens VIII. in den Schoß der Kirche zurück.

Der Patriarch der Maroniten, von Antiochien genannt, wohnt in dem Kloster Canobin, am Fuß des Berges Libanon. Er wird durch den Papst bestätigt, und hat fünf Metropoliten unter sich, die Erzbischöfe nämlich von Tyrus, Damaskus, Tripoli, Aleppo, und Nikosia in Cypern.

Das Seminar der Maroniten, das von Papst Gregor XIII. zu Rom gestiftet wurde, und ehehin unter den Jesuiten stand, hat gelehrte Männer hervorgebracht, die großes Licht über die orientalische Literatur verbreitet haben.)

 

Gebet am 14. Februar

 

O Maria, du wundervolle Mutter der Gnade. Ich komme zu dir mit herzlichem Vertrauen und verehre dich als das wahre Heil der Kranken, als die Trösterin der Betrübten. Ich bitte dich durch den Überfluss der Gnaden, die du von der allerheiligsten Dreifaltigkeit empfangen hast, du wollest dich meiner erbarmen, meine Not ansehen, mein Elend lindern und mir Hilfe und Heil hier und dort erwirken. Amen.

 

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Valentin

 

Wir bitten dich, o Herr, beschütze uns durch die Fürbitte des heiligen Martyrers Valentin vor allen Gefahren, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Zum heiligen Auxentius

 

Heiliger Auxentius, lehre mich durch dein Beispiel, wie ich mir alle Leiden und Schmerzen, die mir in meinem Leben zustoßen, recht wert und kostbar machen soll, auf dass jede Handlung von mir, mein Leben und mein Tod verdienstlich und kostbar vor Gott werde. Lass mich, ich bitte dich, von dir lernen zu leiden, zu leben, zu sterben. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Heute begeht man das Gedächtnis der von aller Makel der Sünde reinsten Jungfrau nach jenen Worten, die die Kirche auf sie anwendet: "Du bist ganz schön, meine Freundin, und kein Makel ist an dir."

 

Andacht am 14. Februar:

 

Das Thema im Februar:

Von der Demut

"Wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden." (Lukas 14,11)

 

"Das eitle Wohlgefallen und das Verlangen, dass man von uns spricht und uns lobt, ist ein Übel, das zur Gottvergessenheit führt und unsere heiligsten Werke vergiftet. Kein Laster ist verderblicher für diejenigen, die im geistlichen Leben wachsen wollen." (Der heilige Vinzenz von Paul)

Von seiner frühsten Kindheit an verabscheute der heilige Thomas von Aquin den Beifall der Menschen. Nie hörte man ein Wort aus seinem Mund, wodurch er irgendein Verlangen nach der Achtung der Geschöpfe gezeigt hätte. Er bekannte einst einem frommen Ordensmann, er wäre durch die Gnade Gottes nie vom Hochmut angefochten worden.

Der heilige Vinzenz von Paul hatte den Vorsatz gefasst, nie ohne Not etwas zu erzählen, wodurch er irgendeine Achtung von den Menschen gewinnen konnte. Da er nun einmal mit drei Priestern reiste, erzählte er zu ihrer Erheiterung etwas sehr Denkwürdiges, das ihm widerfahren war, allein mitten bei der Erzählung, wo die Neugier aufs Höchste gespannt war, klopfte er an seine Brust, nannte sich einen armseligen, vor Stolz aufgedunsenen Menschen, der immer nur von sich selbst spricht; und kaum waren sie angekommen, so fiel er vor ihnen auf die Knie und bat sie des bösen Beispiels wegen um Verzeihung, das er ihnen gegeben hat.

 

O demütiger Jesus, mein göttlicher Lehrer, spende mir Gleichgültigkeit gegenüber der Achtung der Geschöpfe, Abscheu vor allem Lob, Liebe zu Demütigungen, und zu Verachtung. Lass mich, Dir zu Liebe, gern unbekannt, vergessen und verschmäht werden. Gestatte nicht, dass ich je eitle Reden führe, noch aus Antrieb der Eitelkeit handle. Deine heilige Demut sei mein Gesetz und die Richtschnur meines Lebens! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 14. Februar

 

"Wenn deine Ohren der Stimme der Schöpfung geöffnet wären,

würdest du alle Geschöpfe in Übereinstimmung und um die Wette,

dich auffordern hören, den Herrn zu lieben."

 

gottsel. Ludwig von Granada OP

1504 bis 31.12.1588

 

Betrachtung am 14. Februar - Vom Gesetz der Furcht

und dem Gesetz der Liebe

 

Ein Licht hast, Herr, du angefacht,

Zu leuchten durch die Zeiten,

Um alle Pilger durch die Nacht

Ins Vaterland zu leiten.

Dies Licht, am Kreuze aufgestellt,

Erleuchtet nun die ganze Welt.

 

1. Gott, der den Menschen zu seiner Ehre erschuf, gab mit seinem Dasein ihm auch das Licht, das Ziel zu erreichen, für das er ihn erschaffen hatte. Denn nicht gleich einem Halbaffen erschuf er ihn, wie viele sinnlose Schwätzer unserer Zeit fabeln, dass er allmählich vom Tier zum Menschen sich herausbildete, sondern er erleuchtete ihn durch das Licht seines Angesichtes, legte das Sittengesetz ihm ins Gewissen, gab ihm Verheißungen, und lehrte ihn, seinen Schöpfer durch Opfer verehren, die bereits die ersten Menschenkinder dem Allerhöchsten als Huldigung darbrachten. Sieh also, wie der Dienst des wahren Gottes mit der Welt beginnt.

 

2. Dies Gesetz, das der Kindheit der Welt genügte, und damals schon durch die Hoffnung auf einen künftigen Erlöser sie tröstete, wurde im Jünglingsalter der Welt durch Gottes Weisheit deutlicher entwickelt, und durch Vorschriften, Opfer und Zeremonien erweitert, worin der verheißene Erlöser näher bezeichnet und geweissagt wird. Noch lebt das unsterbliche Volk, das die Gesetze in seinem Ursprung empfing, und durch Jahrtausende beobachtete. Aber auch dies Gesetz war noch unvollkommen. Es zeigte nur die Wunde des menschlichen Geschlechtes, ohne sie zu heilen, den Weg des Himmels, ohne die Kraft zu geben, ihn zu gehen. Es war auf steinerne Tafeln geschrieben, und ein Gesetz der Furcht. Die Vollendung des Gesetzes war dem Erlöser selbst vorbehalten.

 

3. Endlich erschien in der, von Gottes Ratschluss vorbestimmten Zeit dieser göttliche Erlöser, heilte die Wunden des menschlichen Geschlechtes, erfüllte die Opfer des Alten Bundes durch sein großes Sühnopfer, verlieh die Kraft, den Weg des Himmels zu gehen, hob das Gesetz der Furcht auf, und schrieb das Gesetz seiner Liebe in die Herzen. Wohltaten hatte Gott im alten Gesetz erzeigt, und dadurch die Gerechten der Vorzeit zur Wohltätigkeit belehrt, geopfert hat sich der Gottmensch auf dem Altar des Kreuzes, und nun lernt der Mensch sich opfern. Tausende vergossen ihr Blut, Gott ihre Liebe zu bezeigen, tausende andere in fernen Ländern, ihre Brüder zu seiner Liebe zu führen. Psalm 118,23: "Das hat der Herr vollbracht, vor unseren Augen geschah dieses Wunder."

 

15. Februar

 

Die heiligen Faustinus und Jovita, Märtyrer von Brescia,

+ 15.2.122 - Fest: 15. Februar

 

„Die Seelen der Gerechten“, so heißt es im Lied, „sind in Gottes Hand. Der Bösen Folterwerkzeug kann sie nicht erreichen. Sterbende waren sie in den Augen der Toren, sie aber sind im Frieden.“

 

In diesen wenigen Worten ist bereits das ganze Leben der beiden Heiligen zum Ausdruck gebracht.

 

Zunächst muss von Faustinus und Jovita festgestellt werden, dass sie leibliche Brüder und in einem norditalienischen Städtchen beheimatet waren. Um das Jahr 100 nach Christi Geburt kamen sie als Söhne christlicher Eltern in heidnischer Umgebung zur Welt. Schon in ihren jungen Jahren betätigten sich beide eifrig als Laienapostel. Trotz der herrschenden Christenverfolgung wollten sie kühn und draufgängerisch Freunde und Nachbarn für den Glauben an Christus gewinnen. Als später Faustinus zum Priester und Jovita zum Diakon geweiht wurden, kannte ihre Verwegenheit bald keine Grenzen mehr. Die beiden waren das Herz und die Seele in der langsam aufblühenden Christengemeinde ihrer Heimatstadt, bis sie verhaftet wurden. Am gleichen Tag begann auch ihr Martyrium, welches sich von den Folterqualen anderer Blutzeugen besonders dadurch unterscheidet, dass es von Wundern glanzvoll umsäumt war.

 

Zunächst sollten Faustinus und Jovita im Zirkus den wilden Tieren vorgeworfen werden. Man stelle sich ein großes Stadion vor mit Tausenden von aufsteigenden Sitz- und Stehplätzen, die alle ohne Ausnahme von einer erwartungsvollen Menschenmenge besetzt sind. Vor den Blicken der schwatzenden Neugierigen stehen in der Mitte des Zirkus hochaufgerichtet, ohne das geringste Zeichen von Angst zu zeigen, strahlenden Blickes die Brüder, der Priester Faustinus und der Diakon Jovita. Auf einmal erzittert die Luft von dem dröhnenden, grauenerregenden Gebrüll zweier ausgehungerter Löwen. Da verstummt auch gleich das Gemurmel der Zuschauer. Totenstille tritt ein. Die Spannung erreicht den Höhepunkt, als die wilden Tiere aus den sich öffnenden Käfigen hervorstürmen und sich mit blutgierigem Blick und fletschenden Zähnen auf ihre Opfer stürzen. Aber was ist das? Fünf Schritte vor Faustinus und Jovita stehen sie. Wie von einer geheimnisvollen Macht angehalten, stehen sie, still, ducken sich, kriechen winselnd näher und belecken wie liebkosend die Füße der Glaubenshelden. Sie tun dies eine ganze Weile lang, bis Faustinus befehlend die Hand ausstreckt und sagt: „Marsch, in den Käfig zurück!“ Kaum ist das Wort gefallen, da springen die Löwen auf und rennen in ihren Käfig zurück.

 

Doch in dem gleichen Augenblick, als dies geschieht, löst sich die unerträgliche Spannung in der Zuschauermenge und knallartig ertönt aus tausend Kehlen der Ruf: „Zauberei! Zauberei! Ins Feuer mit den Zauberern! Ins Feuer! Ins Feuer!“

 

In aller Eile errichtet man im Zirkusrund einen Scheiterhaufen, auf dessen Spitze die beiden Brüder an Pfählen angebunden werden. Und als man den Holzstoß anzündet, legt sich erneut eine atemlose Stille auf die Zuschauermasse. Gierig fressen die Flammen das trockene Reisig und plötzlich umlodert das Feuer die Glaubenszeugen mit einem lebensgroßen leuchtenden Heiligenschein, sie selbst aber bleiben unverletzt.

 

Wieder entlädt sich die maßlose Enttäuschung der Menge durch einen neuen Sprechchor: „Zauberei! Zauberei! Ins Meer mit den Zauberern! Ins Meer! Ins Meer!“ Sofort folgt dem Ruf die Tat. Faustinus und Jovita werden ins Meer geschleudert. Aber die Wellen tragen die beiden spielend ans Land zurück, wo man sie gleich danach enthauptet und sie dadurch der Himmelskrone teilhaftig macht. Da endlich ist der Hass der Menge gesättigt, aber viele von den Zuschauern, jene, die nachdachten und tiefer schauten, bekehrten sich auf die Wunder hin, die sie mit eigenen Augen gesehen hatten, zu Christus. So bestätigte sich wieder einmal die bekannte Tatsache, dass das Blut der Martyrer zum Samen wird, aus dem die vielfältige Frucht neuer Christen erwächst.

 

Gott versteht es wirklich ausgezeichnet, aus allem Bösen etwas Gutes zu gestalten.

 

Der heilige Claudius de la Colombière aus der Gesellschaft Jesu,

der Apostel der Herz-Jesu-Andacht,

+ 15.2.1682 – Fest: 15. Februar

 

Mit der Geschichte und Förderung der Herz-Jesu-Andacht ist für immer der Name des heiligen Paters Claudius de la Colombière verbunden, dieses würdigen Dieners Gottes, der beinahe mit der verdienten Krone des Bekenners auch die des Märtyrers hätte verflechten können.

 

Geboren zu St. Symphorien d’Ozan in der Diözese Grenoble in Südfrankreich am 2. Februar 1641, verlebte Claudius seine Kindheit in Unschuld und Heiligkeit. Im Jesuitenkolleg zu Lyon zeichnete er sich durch Frömmigkeit wie durch seine Talente unter den Studiengenossen aus und trat 1658, 17 ½ Jahre alt, zu Avignon ins Noviziat der Gesellschaft Jesu ein. Da legte er den Grund zu jener außerordentlichen Vollkommenheit, die ihn befähigte, der Gewissensrat jener auserwählten Seele zu werden, deren sich Gott bedienen wollte, seiner Kirche die Andacht zum Herzen seines Sohnes zu empfehlen, und so die Liebe zu ihm, der aus Liebe zu uns das allerheiligste Altarsakrament einsetzte, in den erkaltenden Herzen aufs neue zu entflammen.

 

Nachdem Pater Claudius Colombière seit 1671 in Lyon als trefflicher, gemütvoller Prediger segensreich gewirkt hatte, wurde er 1675 als Oberer nach Paray le Monial berufen. Es war jene Zeit, in der Margareta Maria Alacoque bitterster Seelennot und peinigendsten Zweifeln anheimgegeben war, nachdem mehrere Geistesmänner, denen sie sich im Gehorsam eröffnen musste, ihre Gnaden und Offenbarungen verworfen hatten. In dieser auch für ein ganz selbstloses und gotterfülltes Gemüt harten Prüfung gab ihr der Heiland selber Ende 1674 die trostvolle Verheißung, er werde ihr „einen seiner Diener“ senden, der der Vertraute all ihrer Gedanken und Geheimnisse sein und ihr alle nötige Klarheit und Ruhe geben werde. Welch eine Ehre für den ehrwürdigen Colombière, aus dem Mund des Herrn selber als sein Diener bezeugt zu werden! Wird der, den Gott ausdrücklich zum Führer einer Heiligen und zum Sachwalter der Offenbarung der Liebe des göttlichen Herzens sandte, nicht selbst ein Mann von ausgezeichnetster Tugend gewesen sein? Und der so Auserwählte bewährte sich auch sowohl als klugen Seelenkenner wie als beharrlichen durch nichts beirrbaren Apostel der ihm übertragenen Aufgabe.

 

Schwester Alacoque, die durch das vorher Erlebte hinsichtlich offener Aussprache vorsichtig geworden sein mochte, war entschlossen, bei dem neuen außerordentlichen Beichtvater Pater Colombière nichts Tieferes zu berühren. Doch ein Wort, ein leises Zeichen verriet die Herzensqual der Jüngerin der Liebe und ihr Ringen nach Klarheit. Aber nur zurückhaltend ging sie auf entsprechende Fragen ein. Als ihr dann die Oberin den Auftrag gab, ihre ganze Seele dem erleuchteten Priester zu eröffnen, da fühlte sie einen unsäglichen Widerwillen dagegen. Demütig bekannte sie dies auch dem Seelenführer. Darauf entgegnete dieser, es freue ihn, ihr Gelegenheit zu einem Opfer für Gott durch ihre Aussprache zu geben. Dies Wort allein genügte, nun jedes, auch das leiseste Bedenken zu zerstreuen, und nun erfuhr zum ersten Mal ein Menschenherz, außer der Oberin, welch eine Fülle von Gnaden der Heiligen zuteil geworden war, ohne dass diese noch über die Wunder des göttlichen Herzens gesprochen hätte. Friede und Ruhe war der Lohn ihrer Offenheit. Der seelenkundige Geistesmann aber zeigte kein Erstaunen über das Gehörte. Seine Antwort waren nur schlichte Hinweise auf das unendliche Erbarmen Gottes, Aufforderungen zur Demut und zur Treue gegen die Gnade, zur vollen Opferhingabe. Mit Sicherheit und Klarheit wusste er die auserwählte Seele zu führen, ohne irgendwie der menschlichen Eigenliebe die Möglichkeit zu lassen, Gottes Pläne zu stören. So bereitete sich der Heiland selber das Feld für den großen Saatwurf vor, und sein treuer Diener Claudius durfte die menschliche, mitpflügende Hand leihen. In der Fronleichnamsoktav, 13.-20. Juni 1675, gab der göttliche Erlöser der heiligen Margareta die bekannte große Offenbarung mit dem Verlangen, am Freitag nach der Oktav ein eigenes Fest zu Ehren seines heiligsten Herzens zu begehen und durch Kommunion und feierliche Abbitte Ehrenersatz für jede unwürdige Behandlung zu leisten. Als dabei Margareta den Herrn bat, ihr doch auch die Mittel zu gewähren, damit sie sein Verlangen befriedigen könne, da befahl ihr der Meister, sich an Pater Colombière zu wenden, dass er die ganze Kraft aufbiete, seinem göttlichen Herzen Freude und Ehre zu verschaffen. Er möge sich nicht entmutigen lassen durch alle auftauchenden Schwierigkeiten und Bedenken, das alles vermöge, wer sich selbst gänzlich misstraue und seine Hoffnung auf den Herrn setze.

 

So war abermals der ausdrückliche Ruf Jesu an seinen ergebenen Diener ergangen. Pater Colombière war nicht leichtgläubig, aber er hatte bereits zu starke Beweise für die erprobte Tugend der Schwester Margareta Maria in Händen, als dass er an dieser Einladung hätte irre werden sollen. Darum begann er zunächst damit, in seiner eigenen Person das Reich des Herzens Jesu zu begründen. Er weihte sich dem heiligsten Herzen mit der ganzen Inbrunst seiner lauteren Seele am 21. Juni, dem Freitag nach der Fronleichnamsoktav, und da gewiss auch gleichzeitig Margareta ihre Hingabe erneuerte, war dies das erste, freilich in noch geheimnisvoller Stille begangene Herz-Jesu-Fest. Was kostete es aber noch an Verdemütigungen für die Jüngerin der Liebe, wieviel stille und umsichtige Mitarbeit ihres opfervollen Beraters, der seine hohe Aufgabe nie mehr aus den Augen ließ, bis die Eroberungen des liebenden Gottesherzens weitere Kreise zogen!

 

Noch schien Colombières vertraute Mission nicht vollendet, da setzte ihn die Vorsehung auf eine nicht minder verantwortungsvolle Stelle. Im Herbst 1676 beriefen ihn seine Oberen zum Hofprediger der Herzogin von York nach London. Diese fromme Fürstin, eine Herzogin von Modena, hätte den Schleier der Krone vorgezogen und ging nur auf ausdrücklichen Wunsch des Papstes nach dem gefährlichen England, um dort die Beschützerin der Katholiken zu werden. Jedermann ahnte damals, dass ein Sturm gegen die Katholiken in England unmittelbar bevorstehe. Trotzdem nahm Pater Colombière sofort seine gefahrvolle Wirksamkeit im Palast des heiligen Jakob, der zum Mittelpunkt und Asyl des katholischen Glaubens wurde, auf, vielleicht von der Hoffnung angelockt, die Märtyrerpalme erringen zu können.

 

Das Leben am Hof war für den Geistesmann nichts weniger als ein Hof- und Weltleben, es war eher ein Bußleben, eine Schule der strengsten Abtötung bei den vielerlei Gelegenheiten hierzu in solcher Stellung. Liebte er doch und erkannte er gar wohl den Wert der Abtötung für einen echten Jünger Jesu. Die nach englischer Art gekochten Speisen verursachten ihm Unwohlsein. Nur mit Widerwillen konnte er sie genießen. Trotzdem ließ er sie sich nicht anders zubereiten. Der ungewohnte, kalte Winter setzte ihm sehr zu, und dennoch ließ er sich das Zimmer nicht heizen und unterbrach keinen Tag seine gewohnten Bußwerke. Inmitten aller äußeren Zerstreuungen war er gesammelt und mit Gott im Gebet und steten Gedenken vereint. Man nannte ihn im Palast einfach den „Heiligen“. Seinem unermüdlichen Seeleneifer gelang es, viele Katholiken zu einem besseren Leben zu bekehren, eine große Zahl Abgefallener wieder zurückzuführen und Irrgläubige in die Kirche aufzunehmen. Eben diese rühmenswerte Tätigkeit, wie auch seine Vertrautheit mit dem ehrwürdigen Colemann, dem Sekretär der Herzogin von York, der als erstes Opfer der Verfolgung am 3. Dezember 1678 das Blutgerüst besteigen musste, waren die Veranlassung, die auch ihn, den Prediger der Herz-Jesu-Andacht, die er in England zum ersten Mal in begeisterter Rede verkündete, vor die englischen Gerichte brachte. Zwar kannte der „Entdecker“ der Verschwörung Titus Oates den heiligen Claudius de la Colombière nicht, aber ein anderer Verräter fand sich, ein junger Franzose, den der Pater unterstützte, den er aber dann ob seiner schlechten Aufführung fallen lassen musste. Dafür wollte der Ehrlose sich rächen, indem er die erfolgreiche Wirksamkeit des würdigen Hofpredigers, besonders unter den Protestanten, als Verbrechen zur Anzeige brachte. Pater de la Colombière wurde verhaftet. Um 2 Uhr Mitternacht drang man in sein Zimmer im St.-James-Palast und brachte ihn ins Gefängnis. Die Rücksicht auf den französischen König ließen offenbar von einem eigentlichen Gerichtsverfahren und dem Todesurteil gegen den Häftling, der ja Franzose war, absehen. Stattdessen hatte er aber fast drei Wochen die Qual eines englischen Gefängnisses damaliger Zeit zu ertragen. Das strenge Leben und das ungewohnte raue Klima hatten ihm ein schweres Brustleiden mit wiederholtem Blutsturz gebracht. Die verpestete Gefängnisluft versetzte den Kranken vollends in Lebensgefahr, so dass er, als die Strafe der Verbannung gegen ihn ausgesprochen wurde, unfähig zur Reise war. Erst nach zehn Tagen verließ er England, wo er sich die Märtyrerpalme erhofft hatte, die bald so viele seiner Mitbrüder schmücken sollte. Bei Gott wird der Wille für die Tat angenommen worden sein, wie ihn denn die heilige Margareta Alacoque „einen glorreichen Märtyrer durch sein Verlangen nach dem Märtyrium“ nennt. Auch scheint das Kerkerleiden sein Brustübel unheilbar gemacht und ihm so Gelegenheit zu fortwährendem Leiden gegeben zu haben.

 

Ins Vaterland als Schwerkranker zurückgekehrt, sah der heilige Diener Gottes sein geliebtes Paray le Monial wieder und erschien abermals der Jüngerin des heiligsten Herzens als willkommener Helfer. Denn durch Zurücksetzungen von vielen Seiten und durch harte Prüfungen seitens einer neuen Oberin, die sich den Ausnahmeübungen der Heiligen scharf entgegenstellte und sich lange nicht von der Bedeutung und Echtheit der geheimnisvollen Vorgänge in ihr überzeugen konnte, hatte Margareta Bitteres zu leiden. Aber der kundige Meister der Seelen konnte nur sein früheres Urteil befestigen, dass Margareta Maria voll außerordentlicher Demut und Fügsamkeit, voll Liebe zum Kreuz und zum Nächsten war, dem sichersten Zeichen echter Tugend.

 

Allmählich hinsiechend und sich opfernd, dem Herzen Jesu Liebe und Sühne zu verschaffen, starb Pater Colombière am 15. Februar 1682 in Paray gleich einem Heiligen. War er nun der erste Vertreter der geliebten Sache im Himmel, so war sein Wort und Einfluss auch für die Erde noch nicht verstummt. Nach zwei Jahren wurden Colombières Schriften herausgegeben, in denen die Offenbarungen des Herzens nicht die letzte Stelle einnahmen, wenn auch die noch lebende Margareta Maria Alacoque nicht geradezu genannt wurde. Der Eindruck der Veröffentlichung besonders in Paray war ein tiefer. Die Herz-Jesu-Verehrung begann nun öffentlich ihren Lauf, wenn auch die Widerstände in- und außerhalb des Klosters anhielten.

 

Claudius de la Colombière wurde 1929 seliggesprochen und 1992 von Papst Johannes Paul II. heiliggesprochen.

 

„O wie süß ist es zu sterben, wenn man voll treuer Andacht zum Herzen desjenigen war, der uns richten soll.“ Marg. M. Alacoque

 

Der gottselige Michael della Fonte, Jesuit – Gedenken: 15. Februar

 

Michael della Fonte war im Jahr 1538 zu Valencia in Spanien von vornehmen Eltern geboren, die nicht nur wegen ihres hohen Adels und großer Reichtümer, sondern auch wegen ihres gottseligen Wandels in hohem Ansehen standen. Michael zeigte auch von Kindheit an, dass das Beispiel und die Unterweisungen solcher Eltern Frucht an ihm brachten. Noch während er den niederen Studien oblag, verlor er seine beiden Eltern durch den Tod, und die genossene gute Erziehung scheint noch lange in ihm fortgewirkt zu haben, bis er endlich mehr herangewachsen und in jenes Alter getreten war, wo alles in und außer dem Menschen sich vereinigt, ihn auf schlüpfrige Pfade zu locken. Bei Michael verlor sich anfangs die Andacht, die Liebe zum Gebet und andere fromme Übungen, und mit ihr verminderte sich auch die Furcht Gottes, die Zartheit des Gewissens. Aus der Erzählung seiner Lebensgeschichte scheint hervorzugehen, dass er bereits auf die breite Straße eingelenkt, aber doch von gröberen Ausschweifungen, sei es aus Anstand oder durch einen Rest von Frömmigkeit, sich bisher bewahrt hatte. Aber einmal verleitete Leichtsinn und Leidenschaft ihn zu einem nächtlichen Ausgang, bei dem seine Unschuld und vielleicht auch das leibliche Leben der größten Gefahr ausgesetzt war.

 

Als er auf diesem unseligen Gang, ganz in die Eitelkeiten der Welt und in die Träumereien des jugendlichen Leichtsinnes versenkt, dahin wandelte, glaubte er auf einmal den Ruf vernommen zu haben: „Wo gehst du hin?“ Weil er aber niemanden sah und noch sonst etwas vernehmen konnte, ging er seines Weges weiter. Kaum hatte er einige Schritte getan, da hörte er dieselben Worte rufen aber zweimal wiederholt: „Wo gehst du hin? Wo gehst du hin?“ Michael war sehr betroffen, und fühlte im Bewusstsein seiner Schuld die Angst des Gewissens und sich innerlich zur Umkehr angetrieben. Aber als ein anderer Saulus, „der gegen den Stachel ausschlug,“ suchte er sich bald wieder den Ruf auf natürliche Weise zu erklären, fing an, sich seiner Furcht zu schämen, und ging weiter. Aber Gottes Langmut ermüdete nicht, das verirrte Schäflein zurückzurufen. Zum dritten Mal erscholl der Ruf, aber weit stärker und eindringlicher. Der Gewarnte widerstand nicht länger. Unverzüglich kehrte er um und ging geraden Weges der Kirche zu, die man „Unsere Liebe Frau de los Desemperados“ – d.i. der Verlassenen – nennt, trat, da er sie offen fand, ein, und warf sich, nachdem er zuvor seinen Degen abgelegt hatte, vor dem Muttergottesaltar nieder und verharrte die ganze Nacht im Gebet. Deutlich zeigte sich ihm da der Zustand seiner Seele, und er betete unter Tränen zur Mutter der Verlassenen, dass sie durch ihre mächtige Fürbitte ihn auf den Weg seiner Jugend zurückführen, und hier sich als Mutter eines Verlassenen erzeigen wolle.

 

Michael fand sich auch wunderbar getröstet. Sein Herz war voll Dank gegenüber Gott und seiner gnadenreichen Mutter. Er war fest entschlossen, auf den verlassenen Weg der Tugend zurückzukehren und allen Eitelkeiten der Welt zu entsagen. Die Predigt eines eifrigen Priesters, der damals in Valencia große Frucht bei seinen Zuhörern schaffte, vollendete das Werk der Gnade. Michael ging nach der Predigt geraden Weges nach Hause, zog seine prächtigen Kleider aus, hüllte seinen bisher so weichlich gepflegten Leib in ein raues Bußgewand, das er mit einem Strick um die Lenden befestigte, und begab sich in diesem Aufzug mit großer Sittsamkeit auf die öffentlichen Straßen. Es konnte nicht fehlen, dass die einen ihn bemitleideten, die anderen sich über ihn lustig machten, während alle Guten, die ihn kannten, sich an ihm ebenso erbauten, als sie sich vorher betrübt und geärgert hatten. Der junge Büßer blieb mit der Gnade Gottes und dem Beistand Mariens taub und unempfindlich für Spott und Überredungskünste. Als einmal einer bei seinem Anblick zu seiner Umgebung so laut, dass es auch Michael hören konnte, höhnisch sagte: „Ei seht nur, was der Kavalier Michael della Fonte nicht für ein Narr geworden ist!“ wendete er Augen und Herz zum Himmel und sprach bloß die Worte des heiligen Apostels: Wir sind Toren um Christi willen.

 

Als er einst durch die Stadt ging, fiel von einer Mauer ein großer Stein auf ihn herab, jedoch so, dass er nicht ihn selbst, sondern nur die Krempe seines Hutes traf. Da er nun sah, dass er kaum vier Finger breit vom Tod entfernt gewesen war, erhob er seine Augen zum Himmel und sprach: „Herr, ich verstehe dich. – Du hast mir schon ziemlich deutlich zugeredet; zuerst mit Worten, jetzt durch die Tat; es genügt.“ Sprachs und begab sich geraden Weges in das Kollegium der Gesellschaft Jesu und bat inständig um Aufnahme. Da seine Lebensänderung und sein seitheriger Wandel bekannt waren, erfüllte man bereitwillig seine Bitte, und er trat in den Orden im einundzwanzigsten Jahr seines Alters.

 

Mitten in seinem seeleneifrigen Wirken wagte sich manchmal der Versucher an ihn, und suchte ihn besonders durch die Erinnerung an die Sünden seines früheren Lebens und durch den Gedanken an Gottes strenge Gerechtigkeit mutlos zu machen. Aber immer nahm er seine Zuflucht zur Mutter seines beleidigten Gottes und Richters, und immer fand er durch sie Trost und Beruhigung und neuen Mut. Als er einmal, schwer erkrankt, mitten unter ungläubigen Soldaten lag, und beim Andenken an das Gericht, vor das ihn nach seiner Meinung bald der Tod führen würde, ihn die furchtbarsten Zweifel marterten, ob ihm wohl Gott seine Sünden wirklich verziehen habe, zeigte sich ihm der göttliche Heiland mit Blut überronnen, aber ganz hellglänzend und mit liebevollem Angesicht und sprach: „Sieh Michael, all dieses Blut bin ich bereit, für dich meinem himmlischen Vater aufzuopfern, und du zweifelst noch, ob dir deine Sünden verziehen sind? Nun, so wisse, dass sie dir nicht nur verziehen sind, sondern dass du nach deinem Tod sogleich in die Glorie des Himmels eingehen wirst, ohne die Peinen des Fegfeuers zu fühlen.“ Nach diesen Worten verschwand die Erscheinung vor dem Geist und zugleich alle Verwirrung und Angst aus dem Gemüt Michaels, ja auch leiblich genas er von seiner Krankheit.

 

Auch die allerseligste Jungfrau tröstete sichtbar ihren Liebhaber, da er in seinen Bemühungen für die Bekehrung der ungläubigen Heiden und der schlechtgläubigen Christen nicht bloß innerliche, sondern auch vielfache äußerliche Leiden zu dulden hatte.

 

Nachdem er von seinem Obern aus Indien nach Valencia zurückberufen worden ist und auch im Vaterland durch mannigfaltige Bemühung für das Heil der Seelen, besonders durch Missionen in und um Valencia, großen Gewinn für den Tag der Ernte gemacht, und endlich dieser für ihn angekommen war, sah er gleichsam den Himmel selbst zu sich auf die Erde herabkommen, ehe seine Seele sich in den Himmel schwang. Ein großer Diener Gottes und Guardian, der Barfüßer-Franziskaner bei St. Johann della Ribera, sagte und bezeugte es gerichtlich, er habe die Mutter des Herrn, begleitet von drei ehrwürdigen Männern, in denen er die heiligen Apostel Petrus und Johannes und den heiligen Ordensvater Ignatius erkannte, in sichtbarer Gestalt zum Bett des sterbenden Paters treten und nach seinem Verscheiden eine überaus schöne und kostbare Krone auf sein Haupt setzen sehen. 

 

Der heilige Siegfried von Schweden, Bischof OSB,

+ 15.2.1002 – Fest: 15. Februar

 

Der heilige Anscharius hatte den Schweden im Jahr 830 das Evangelium gepredigt. Allein diese Völker verfielen in der Folge wieder in die Abgötterei. Olaf Skautkonung, ihr König, der die christliche Religion wieder in seinen Staaten einführen wollte, wandte sich deshalb nach England, und bat den König Edred, ihm einige Missionare zu schicken. Dieser Fürst warf sein Augenmerk auf einen heiligen Priester von Yorck, namens Siegfried, und der Erfolg rechtfertigte seine Wahl. Sobald Siegfried in Schweden angekommen war, fing er an, das Heidentum mit allem Mut zu bekämpfen. Er predigte zuerst in Växjö in Smaland, wo er einen bischöflichen Sitz errichtete. Dann durcheilte er Süd-Gothland, Westro-Gothland und mehrere andere Provinzen, die er alle zum heiligen Glauben führte. In allem bewies er sich als einen treuen Nachfolger der Apostel. Durch seine Nächstenliebe und Uneigennützigkeit erwarb sich unser Heiliger selbst die Verehrung der Heiden. Folgender Zug mag zum Beweis dienen, wie vollkommen er diese zwei Tugenden besaß. Drei seiner Neffen, die er zu Växjö zurückgelassen hatte, während er den andern Provinzen das Evangelium verkündigte, wurden von den Götzendienern auf unmenschliche Weise ermordet. (Ihre Namen waren Sunaman, Unaman und Wiaman. Sie werden als Märtyrer verehrt.) Der König, entrüstet über eine so schwarze Tat, die gefährliche Folgen haben konnte, wenn sie unbestraft bliebe, fasste den Entschluss, die Mörder zum Tod zu verurteilen. Als der Heilige von dem Vorfall Kunde erhielt, legte er so nachdrückliche Fürbitte für sie ein, dass er ihnen die Erhaltung des Lebens erlangte. Der Fürst verurteilte sie jedoch zu einer großen Geldstrafe zum Vorteil Siegfrieds. (Bei diesen Völkern waren, wie bei unseren deutschen Vorfahren, die Geldstrafen für Todschläge zur Entschädigung der Verwandten durchgehend üblich.) Allein er ließ sich durch nichts bewegen, nur das Mindeste anzunehmen, obgleich er sehr arm war und des Geldes zur Gründung der neuen Kirche sehr bedurft hätte.

 

Unser Heiliger starb um das Jahr 1002 und wurde in der Kathedralkirche von Växjö beerdigt, wo sein Grabmal durch viele Wunder berühmt wurde. Papst Hadrian IV., der selbst mit viel Eifer an der Bekehrung von Norwegen und mehreren anderen Gegenden des Nordens gearbeitet hatte, setzte ihn im Jahr 1158 unter die Zahl der Heiligen. Die Schweden haben den heiligen Siegfried, so lange sie katholisch waren, als ihren Apostel verehrt. 

 

Der heilige Walfried von Palazzuolo, Abt in Etrurien, Italien, OSB,

+ 15.2.765 – Fest: 15. Februar

 

Zur Zeit des Langobardenkönigs Haistulf, der vom Jahr 750 bis 756 regierte, fing Walfried oder Waltfred, in Pisa geboren, schon an, berühmt zu werden. Er lebte im Ehestand und war für seine Gemahlin und fünf Kinder ein Muster der Frömmigkeit, der Sanftmut und Nächstenliebe. Und da er reich an zeitlichen Gütern war, bewährte er sich als den zärtlichsten Vater der Armen und Notleidenden. – In der Folge nahm er sich vor, dem Klosterleben sich zu widmen, gesellte sich zwei Gefährten zu, nämlich Fortis aus Korsika und Gunduald aus Lucca, der mit Walfried verwandt war, und erbaute ein Kloster auf dem Berg Mons viridis, später Palazzuolo genannt. Auch für ihre Frauen errichteten diese drei Männer Gottes eine Genossenschaft in der Umgegend.

 

Walfried wurde dem neuerbauten Männerkloster als Abt gegeben, in welcher Eigenschaft er einen solchen Glanz von Heiligkeit um sich verbreitete, dass in einigen Jahren schon sechzig Mönche unter seiner Leitung standen. Er war eine Zeit lang schweren Versuchungen gegen die Reinheit ausgesetzt, die er aber männlich besiegte durch die Kraft dessen, in dem wir alles vermögen. Auch hatte er den Schmerz, dass sein Sohn Gimfried, der auch einer seiner Ordensgenossen war, das Kloster verließ. Nicht lange aber währte des Vaters Trauer, denn Gimfried kehrte bald wieder zurück, und wurde darauf zweiter Abt des Klosters, nach dem Tod seines Vaters, der am 15. Februar um das Jahr 764 in die Herrlichkeit Gottes einging.

 

Gebet am 15. Februar

 

Heilige Maria, du bist unsere Führerin auf der Reise durch das Leben, unsere Kraft in der Schwachheit, unser Reichtum in der Armut, das Heilmittel unserer Wunden, unsere Zuflucht in der Trübsal und unsere Seligkeit durch Jesus Christus. O Maria, du bist mächtig genug die Sünder zu retten, weil du die Mutter Gottes bist. Gebrauche also deine Macht und rette meine Seele. Amen. 

 

Zu Gott auf die Fürbitte der heiligen Brüder Faustin und Jovita

 

Wir bitten Dich, o Herr, erhöre unser demütiges Bitten, und hilf uns, dass wir auf unsere Gerechtigkeit nicht vertrauen können, durch die Verdienste und Fürbitte der heiligen Märtyrer Faustinus und Jovita, die ein Dir wohlgefälliges Leben geführt haben, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Zu Jesus Christus

 

Herr, jetzt bist Du noch Heiland und Mittler. Hilf uns, dass wir die Wohltat Deiner Erlösung und Deines Mittleramtes so benützen, dass wir Dein Gericht nicht zu fürchten haben. Hilf uns mit Deiner Gnade dazu, der Du lebst und herrschst mit Gott dem Vater in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

An diesem Tag kann man der Vermählung der seligsten Jungfrau gedenken nach jenen Worten des weisen Sirachs, die buchstäblich der ewigen Weisheit zukommen, von der Kirche aber auf die seligste Mutter Gottes angewendet werden: "Ich bin von Anfang und vor allen Jahrhunderten erschaffen worden, und werde bis zum künftigen Jahrhundert nicht aufhören. Ich bin von Ewigkeit und von den ersten Zeiten her erwählt worden, ehe die Erde erschaffen worden ist." 

 

Andacht am 15. Februar:

 

Das Thema im Februar:

Von der Demut

"Wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden." (Lukas 14,11)

 

"Was liegt uns daran, dass wir von den Menschen verachtet, verleumdet, beleidigt werden, wenn wir vor dem Herrn schuldlos und ihm wohlgefällig sind? War es doch die größte Freude seiner Heiligen, in aller Herzen gering und verächtlich zu sein." (Die heilige Theresia von Avila)

Ein großer Diener Gottes erhielt einst in einer großen Stadt den Auftrag, Almosen für die Armen einzusammeln, was er auch mit seiner gewöhnlichen, jedoch seltenen Demut und Nächstenliebe tat. Da er nun in einen Gasthof kam, seine demütige Bitte vorzutragen, und einem Tisch sich näherte, die Gabe der Barmherzigkeit zu empfangen, war einer der Gäste entrüstet, fing an, empörende Reden gegen den ehrwürdigen Stand des Einsammlers auszustoßen und spuckte ihm endlich schamlos ins Gesicht. Der Gottesmann aber sprach, heiter wie ein Engel lächelnd: "Lieber Herr, Sie waren nun so gütig, mir zu geben, was mir gebührt, und ich danke Ihnen dafür; bitte Sie aber auch nun um eine Gabe für die Armen!" - Der Lästerer aber wurde von dem Gewicht so großer Demut zermalmt, blickte wie versteinert zu dem Bittenden auf, fand kaum Worte, ihn um Verzeihung zu bitten; und der Diener Gottes ging mit reichen Geschenken für seine Armen davon.

Herr Camus, Bischof von Bellay, klagte einst bei dem heiligen Franz von Sales über eine schwere Beleidigung, die ihm widerfahren war. Der Heilige antwortete ihm: "Man hat allerdings grob gefehlt, Sie so zu misshandeln, denn billig hätte man Ihre Würde in Ehren halten sollen. Nur in einem Punkt finde ich Sie strafbar!" - "Und worin?" fragte der Bischof von Bellay. - "Darin," sprach der Heilige, "dass Sie nicht so klug sind, als Sie es billig sein sollten; denn es geziemt Ihnen, hierüber zu schweigen." Da sah der Freund des Heiligen seinen Fehler ein und schwieg.

 

Mein göttlicher Heiland, Dir allein verlange ich zu gefallen; und gern will ich um Deinetwillen Schmach, Verleumdung und Erniedrigung ertragen. Wofern ich nur in Deinem Herzen lebe, ist es mir höchst gleichgültig, wie immer ich von den Menschen beurteilt werde! Amen. 

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 15. Februar

 

"Lasset die Sanftmut und den Frieden auf eurem Angesicht leuchten,

die Bescheidenheit und die Demut in eurer ganzen Erscheinung;

überlasst euch niemals weder einem Übermaß der Freude

noch einer äußersten Traurigkeit."

 

gottsel. Johannes Tauler OP

1300 bis 16.6.1361

 

Betrachtung am 15. Februar - Das Senfkorn der Gnade

 

O Licht und Feuer, unerschaffne Macht,

Die tief du durch des Herzens Falten dringest:

Und alle seine Triebe sanft bezwingest:

Dein Licht durchdringe meine alte Nacht,

Damit ich deine heil`ge Glut empfinde;

Und, Licht durch dich, den Weg zum Himmel finde.

 

1. Preise den Herrn, der in sein heiliges Licht dich führte, und sei dankbar für seine Gnade, denn nicht allen hat er also getan. Nicht allen verleiht er die Gnade der Heiligung. Teils weil sie kein Verlangen danach haben, teils weil sie ihr Herz nicht dazu bereiten. Allen jedoch, sogar den größten Sündern, verleiht er, und zwar sogar gegen ihren Willen, die wirkliche Gnade, die bald gleich einem Blitzstrahl ihr Inneres erleuchtet, und aus der Sünde sie aufschreckt, bald gleich einer vorübergehenden Flamme zur Liebe der Gottseligkeit sie entzündet. Offenbarung 3,20: "Ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten."

 

2. Wie kostbar sind diese Augenblicke für Seelen, die auf die innerliche Stimme des Herrn achten. Lass dies Senfkorn der Gnade ja nicht in dir ersticken, pflege es durch heilige Treue, fördere sein Wachstum in der Einsamkeit und im Gebet, und es wird zu einem Baum hoher Vollkommenheit erwachsen, wo selbst andere gottesfürchtige Seelen Trost und Rat finden können. Kein leichter Verlust ist der Verlust auch nur einer Gnade, denn viele andere hat sie in ihrem Gefolge, und verlierst du diese eine, so verlierst du mit ihr auch die übrigen. Fürchte auch nicht zu tun, wozu sie dich anregt, denn nicht nur erweckt die himmlische Gnade zum Guten, sondern sie hilft auch das Gute vollbringen, und zwar leicht, gut und mit Liebe vollbringen.

 

3. Herr, ich vernehme deine Stimme. Ach, schmerzlich lässt sie meine Untreue gegen deine himmlische Gnade mich fühlen. Wie viele deiner heiligen Einflößungen ließ ich fruchtlos an meinem Herzen vorübergehen, und zu welcher hohen Vollkommenheit hätten sie mich erhoben. Ich zittere, Herr, bei diesem Anblick. Denn fürchten muss ich, dass einst viele Heiden im Gericht gegen mich aufstehen werden, die mit der Hälfte der Gnaden, die deine Barmherzigkeit mir verliehen hat, sich bekehrt hätten und vielleicht Heilige geworden wären, indes ich noch immer in meiner Lauheit schmachte. Ach, mein Gott, habe Erbarmen, und verleihe mir ein gelehriges Herz. Psalm 119,33: "Herr, weise mir den Weg deiner Gesetze. Ich will ihn einhalten bis ans Ende."

 

16. Februar

 

Die heilige Juliana, Jungfrau und Martyrin von Nikomedia,

+ 16.2.304 - Fest: 16. Februar

 

Juliana war zu Nikomedien in Bithynien geboren. Ihr Vater Afrikanus war ein Heide , ihre Mutter aber weder der heidnischen noch einer anderen Religion zugetan. Die Tochter, ein Mädchen mit ausgezeichneten Gaben des Verstandes und des Herzens, überzeugte sich von der Torheit der heidnischen Götterlehre, besuchte zuerst heimlich die Versammlungen der Christen, und bekannte sich bald darauf öffentlich zur Religion des Gekreuzigten. Als sie erst neun Jahre alt war, wurde sie von ihrem Vater einem vornehmen jungen Mann, Eleusius mit Namen, zur Ehe versprochen. Als sie das achtzehnte Jahr erreicht hatte, sollte die eheliche Verbindung vollzogen werden. Allein Juliana gab ihre Einwilligung dazu nur unter der Bedingung, dass Eleusius, der indessen Stadtvogt geworden war, ebenfalls das Christentum annehme. Dazu wollte er sich aber nicht entschließen.

 

Der Vater versuchte zuerst durch zärtliche Worte und durch schmeichelhaftes Zureden seine Tochter zu bereden, und dann, als er seine Bemühungen fruchtlos sah, durch harte Behandlung und Schläge sie zu zwingen, dass sie die eheliche Verbindung eingehe. Juliana aber blieb standhaft bei ihrem Entschluss.

 

Auch Eleusius wollte sie durch Beweise verführerischer Zärtlichkeit und durch glänzende Versprechungen doch noch für sich gewinnen. Allein sie blieb unerschüttert und wiederholte immer nur die Bedingung, dass sie ihn ehelichen werde, wenn er zum christlichen Glauben sich bekenne. Eleusius fing schließlich an zu drohen. Und als Juliana auch davon unbeeindruckt blieb, sollten seine Drohungen Wirklichkeit werden. Er ließ sie entkleiden, auf den Boden werfen und mit Ruten sehr grausam schlagen. Dann ließ er sie, weil sie im Bekenntnis Jesu des Gekreuzigten standhaft blieb, an den Haaren aufhängen. Durch sechs volle Stunden schwebte sie in so qualvoller Marter zwischen Himmel und Erde. Sie flehte zu Jesus Christus um Stärke und blieb so unerschütterlich im Glauben. Darüber geriet Eleusius in die höchste Erbitterung. Er ließ sie herunternehmen, wieder auf den Boden werfen und mit angezündeten Stoppeln und kleinen Reisern ihren Körper überschütten. Endlich wurden glühende Eisen durch ihre Schenkel gestochen und danach die unerschütterte Dulderin ins Gefängnis geführt. Voll Inbrunst flehte sie da zu Gott um Hilfe. Ihr Flehen wurde erhört. Sie erlangte freudigen Trost für ihren Geist und große Linderung für ihren schmerzlich misshandelten Körper.

 

In dem Gefängnis wurde Juliana von dem bösen Geist, der selbst den göttlichen Heiland auf die Probe zu stellen sich erlaubte, in eine sehr schwere und gefahrvolle Versuchung geführt. Aber auch aus diesem Kampf ging sie als siegreiche Heldin hervor.

 

Nach einiger Zeit wurde sie wieder dem Eleusius vorgestellt. Er hatte gehofft, dass die Schrecken des Gefängnisses ihren Sinn ändern werden, und war daher nicht wenig betroffen, als er sie mit erneuertem Mut vor sich stehen sah. Fruchtlos blieben auch diesmal sein Zureden und seine Drohungen. Er schritt deswegen wieder zu den Martern, die er auf die schrecklichste Weise an ihr vollziehen ließ. Sie wurde auf ein Rad, das mit Eisenspitzen versehen war, gebunden, über einem Feuer herumgewälzt, und danach mit geschmolzenem Blei gequält. Gottes wunderbare Macht zeigte sich herrlich an der Schwachen. Juliana überstand diese fürchterlichen Martern, blieb bei dem Bekenntnis des Glaubens und in der Lobpreisung Gottes. Endlich wurde sie enthauptet zusammen mit mehreren anderen Christen, die durch die unerschütterliche Standhaftigkeit Julianas und durch den wundervollen Beistand Gottes, den sie bekannte, zu Jesus Christus sich bekehrt hatten.

 

Der Martertod der heiligen Juliana fällt in die Zeit des Kaisers Maximin Daja, zwischen den Jahren 304 und 311.

 

Der heilige Onesimus,

Sklave, Apostelschüler, Bischof von Ephesus und Martyrer,

+ 16.2.95-110 – Fest: 16. Februar

 

Onesimus war ein Knecht des Philemon, der unter den Kolossern wohnte, und als er aus diesem Dienst getreten war, begab er sich nach Rom, wo gerade der heilige Paulus im Gefängnis schmachtete. Er bediente Paulus, der ihn auch zum Christentum bekehrte. Nach einiger Zeit schickte ihn der Apostel wieder an Philemon und erteilte ihm in einem Brief folgendes Lob: „Ich, Paulus, ein alter Mann, der jetzt für Christus Jesus im Kerker liegt, ich bitte dich für mein Kind Onesimus, dem ich im Gefängnis zum Vater geworden bin. Früher konntest du ihn zu nichts gebrauchen, doch jetzt ist er dir und mir recht nützlich. Ich schicke ihn zu dir zurück, ihn, das bedeutet mein eigenes Herz. Ich würde ihn gern bei mir behalten, damit er mir an deiner Stelle dient, solange ich um des Evangeliums willen im Gefängnis bin. Aber ohne deine Zustimmung wollte ich nichts tun. Deine gute Tat soll nicht erzwungen, sondern freiwillig sei. Denn vielleicht wurde er nur deshalb eine Weile von dir getrennt, damit du ihn für ewig zurückerhältst, nicht mehr als Sklaven, sondern als weit mehr: als geliebten Bruder. Das ist er jedenfalls für mich, um wieviel mehr dann für dich, als Mensch und auch vor dem Herrn. Wenn du dich mir verbunden fühlst, dann nimm ihn also auf wie mich selbst! Wenn er dich aber geschädigt hat oder dir etwas schuldet, setz das auf meine Rechnung! Ich, Paulus, schreibe mit eigener Hand: Ich werde es bezahlen – um nicht davon zu reden, dass du dich selbst mir schuldest. Ja, Bruder, um des Herrn willen möchte ich von dir einen Nutzen haben. Erfreue mein Herz; wir gehören beide zu Christus. Ich schreibe dir im Vertrauen auf deinen Gehorsam und weiß, dass du noch mehr tun wirst, als ich gesagt habe.“ (Phlm 9b-21) So schrieb der heilige Paulus an seinen Freund Philemon, der dem Onesimus sogleich die Freiheit gab und ihn wieder an den Apostel zurücksandte.

 

Onesimus verdiente auch das Lob, das ihm sein Lehrer erteilte. Mit kindlicher Liebe hing er an dem großen Apostel und teilte alle Leiden und Verfolgungen mit ihm. Nicht Armut, nicht Verfolgungen der Feinde Jesu konnten seinen Eifer schwächen. Er hielt aus in Trübsal und Jammer als ein apostolischer Jünger und wurde für würdig gehalten, der Nachfolger des heiligen Timotheus auf dem bischöflichen Stuhl zu Ephesus zu werden. Unerschrocken predigte er vor Juden und Heiden Jesus den Gekreuzigten, bis ihn schließlich der Statthalter in Asien ergreifen und als Gefangenen nach Rom führen ließ, wo er unmenschlich misshandelt wurde und 18 Tage lang in einem unterirdischen Gefängnis schmachtete. Da er aber in allen diesen Leiden unerschütterlich blieb, wurden ihm alle Glieder zerschlagen und frohlockend gab er seinen Geist auf, indem ihn die Heiden todsteinigten am 16. Februar im Jahr 95 oder 110.

 

Die heiligen Elias, Jeremias, Isaias, Samuel und Daniel,

Martyrer von Cäsarea, Palästina,

+ 16.2.309 – Fest: 16. Februar

 

Elias, Jeremias, Isaias, Samuel und Daniel wurden in Ägypten von heidnischen Eltern geboren und als sie sich zum christlichen Glauben bekehrten, legten sie sich die Namen der Propheten bei und dienten den Christen in Cilicien, die in die Bergwerke verdammt waren. Nach einiger Zeit kehrten sie nach Cäsarea in Palästina zurück, wo sie mehrere Götzendiener zum Christentum führten und unter der Regierung des Kaisers Galerius Maximian von dem Statthalter Firmilianus gefangen genommen wurden. Nachdem sie längere Zeit Hunger, Not und alle Mühseligkeiten im Kerker standhaft erduldet hatten, wurden sie vor ein öffentliches Gericht geführt, wo sie sich unerschrocken als Christen bekannten und durch keine Versprechungen noch Drohungen zum Abfall gebracht werden konnten. „Wir sind Jünger von Jesus dem Gekreuzigten“, antworteten sie einmütig, „und sind als solche zu allen Martern bereitet; denn der Knecht ist nicht besser als sein Herr, der sein Blut am Kreuz vergossen hat!“ Der Statthalter ließ sie unmenschlich foltern und während dieser Qualen verkündeten die Martyrer das Lob Gottes, sangen Psalmen und halbtot wurden sie auf den Richtplatz geschleppt und enthauptet am 16. Februar des Jahres 309. Porphyrius, ein christlicher Diener des heiligen Pamphilus, ging beherzt zum Statthalter und verlangte die Leichname der heiligen Martyrer, um sie der Entehrung zu entreißen und nach christlicher Sitte zu beerdigen. Mit ihm vereinigte sich Seleucus, ein christlicher Soldat aus Cappadocien gebürtig. Er sammelte das Blut der Heiligen, küsste ihre Leichname und bedeckte sie mit seinem Mantel. Aber beide wurden dadurch als Christen erkannt, zur Marter verurteilt und der eine durch das Schwert, der andere mit Feuer getötet. Ihre Leiber lagen lange unversehrt auf der Richtstätte, bis sie fromme Gläubige in der Stille begruben.

 

Der ehrwürdige Dominikus von Jesus Maria, Karmeliterordens-General,

+ 16.2.1630 – Gedenktag: 16. Februar

 

Es war im Jahr 1620. Das altehrwürdige deutsche Kaiserreich schien im entfesselten Sturm politischer und religiöser Leidenschaften in Trümmer zu gehen. Für das österreichische erzherzogliche Haus war wohl eine der schwierigsten Lagen gekommen. Ferdinand II. hatte eben die Krone des Reiches erlangt, da erhob in fast allen Erbländern die Rebellion kühn ihr Haupt. Das aufständische Böhmen ging am weitesten und bot seine Krone einem fremden Fürsten an, dem kalvinischen Friedrich von der Pfalz. In dieser gefahrvollen Lage erbat sich der Kaiser die Hilfe der Liga, jenes katholischen Fürstenbundes, dessen Führer, der treffliche Herzog Maximilian I. von Bayern, so erfolgreich die katholische Sache verteidigte. Dieser zog mit seinem Heer nach Oberösterreich, das eben in hellem Aufruhr stand. „In Schärding“, so schreibt der protestantische Geschichtsschreiber O. Klopp, „stieß noch eine Verstärkung zu seinem Heer. Es war ein einzelner Mann, aber eine moralische Kraft von höchster Bedeutung, Pater Dominikus a Jesu Maria, Ordensgeneral der Barfüßer-Karmeliter. Er brachte mit sich volles Vertrauen auf das Gelingen.“

 

Dieser von Gott gesandte Retter des Reiches, den wir unter die Heiligen Österreichs zählen dürfen, hatte seine Wiege fern im Süden, im schönen Spanien. In Calatayud, in der Provinz Aragonien, war Dominikus Ruzzola am 16. Mai 1559 geboren. Sein Leben lässt tiefe Einblicke tun in das geheimnisvolle Gebiet der übernatürlichen Wege Gottes. Schon die Tage der zarten Kindheit waren von wunderbaren Ereignissen und geheimnisvollen Erscheinungen umwoben. Der Knabe, den man in der Schule scherzweise den „kleinen Seneca“, den Weisen, nannte, liebte vor allem das Gebet und hatte eine innige Andacht zur lieben Mutter Gottes. Mit dem heiligen Schutzengel verkehrte er wie mit einem vertrauten Freund. Kaum recht den Knabenjahren entwachsen, fühlte er sich schon zum Orden der Karmeliten mächtig hingezogen. Da hörte er einmal, vor dem Bild des Gekreuzigten kniend, den Heiland ihn anreden: „Steh auf, Dominikus, fürchte dich nicht! Du sollst mir in dem Orden meiner Mutter dienen!“ In Saragossa begann er das Noviziat. Mit der Vermehrung der geistlichen Übungen und der dadurch sich steigernden Gottesliebe nahmen auch die mystischen Zustände in seinem Leben, besonders Verzückungen und Gesichte an Dauer und Stärke zu. So streng war sein Leben, dass er nachts nur zwei Stunden zu schlafen pflegte, die übrige Zeit brachte er betend vor dem Allerheiligsten zu. Wem Gott besondere Gnadenauszeichnungen verleiht, den lässt er auch zur Erhaltung in der Demut durch die Flut der Leiden und Prüfungen gehen. Dominikus hatte sie reichlich zu kosten. Quälende Geistesdürre und Trockenheit suchten ihn heim. Der böse Feind tat das Mögliche, um den begnadeten Streiter Christi vom rechten Weg abzubringen. Professe (1575) und Priester (1584) geworden, galt er bald allgemein als vorbildlicher Ordensmann und vollendeter Heiliger. In seinem Verlangen nach größtmöglicher Vollkommenheit ging er im Alter von dreißig Jahren zu den unbeschuhten Karmeliten über, die von der heiligen Theresia und dem heiligen Johannes vom Kreuz zur ursprünglichen Strenge des Ordens zurückgeführt worden waren. Er weilte in den Häusern zu Madrid, Alcala, Barcelona, Toledo u.a., wo er durch seine andauernden mystischen Zustände Erstaunen, Erbauung und Bewunderung, nicht weniger aber auch Bedenken und Anfeindungen erregte. Der Ordensgeneral unterwarf daher den Gewissenszustand des außergewöhnlichen Ordensmannes einer genauen Prüfung, wozu er ihm streng auftrug alle besonderen Ereignisse seines Lebens, seine heroischen Tugendakte, Offenbarungen und Wunder aufzuzeichnen. Der Ausgang dieser und anderer Prüfungen war der, dass der ehrwürdige Dominikus von Jesus Maria im allgemeinen Ansehen nur noch höher stieg. In der Tat steht er „in Bezug auf Dauer und Heftigkeit der Ekstasen fast einzig in der Geschichte der Heiligen da.“

 

Größer und wenigstens bekannter wurde der Ruhm des für Gottes Ehre begeisterten Karmelitermönches durch sein entscheidendes Eingreifen in die Wechselgeschichte des furchtbaren Dreißigjährigen Krieges auf offener Walstatt. Papst Klemens VIII. wollte die Unbeschuhten Karmeliten für die Mission in Persien gewinnen. Unter den hierzu zur Stärkung der italienischen Provinz nach Rom berufenen, bewährten Ordensmitgliedern befand sich auch Dominikus, der hier vom Amt eines Novizenmeisters, Generaldefinitors und Priors 1617 zur höchsten Würde des Generalates aufstieg. Ein eigenartiges Missionsfeld jedoch, ein nicht minder wichtiges, hatte die Vorsehung für ihn vorbereitet. Der Ruf des heiligmäßigen Ordensmannes war auch nach Deutschland gedrungen. Herzog Maximilian von Bayern war 1613 mit Dominikus in brieflichen Verkehr getreten und erbat nun, 1620, seine persönliche Mitwirkung an den öffentlichen Bedrängnissen der deutschen Länder. Kaiser Ferdinand unterstützte die Bitten des Herzogs. Der schon sechzigjährige Ordensmann antwortete dem Papst Paul V., der ihm die Gefahren eines Feldzugs nicht zuzumuten wagte: „Heiligster Vater, Eure Heiligkeit werden erkennen, ob es zum Dienst der heiligen Kirche und zum Wohl der katholischen Völker gereicht, wenn Sie mich zur katholischen Armee nach Deutschland senden. Meine Person kommt dabei gar nicht in Betracht. Mir wird es keine Bürde, sondern der größte Trost sein, wenn ich mit meinem Leib und Leben der heiligen Kirche dienen und Eurer Heiligkeit Befehl gehorsam vollziehen kann.“ Während des ganzen böhmischen Feldzuges war Dominikus Begleiter und guter Berater des Heerführers der katholischen Bundesarmee. Einen längeren Aufenthalt in Linz nützte er für die seelsorgliche Tätigkeit im Heer aus, dessen Großteil aus seiner Hand die heiligen Sakramente und das Karmeliterskapulier erhielt. Maximilian und der wackere Führer Tilly gingen mit leuchtendem Beispiel voran. Auf Grund einer Vision, die Dominikus am Fest Mariä Himmelfahrt in Linz hatte, sagte er dem Herzog zum wiederholten Mal den Sieg auf das bestimmteste voraus. Indessen hatte die Armee in Niederösterreich in einem durch beständige Kriege vielfach verwüsteten und verödeten Marschgebiet empfindlichen Mangel an Lebensmitteln zu leiden. Ein bösartiges Fieber richtete in den Truppenbeständen bedenkliche Verheerungen an. Da zeigten sich die Tugenden, der Seeleneifer und Opfermut des gottseligen Feldpaters und geistlichen Führers in glänzendem Licht. Um das Elend der Soldaten zu lindern, nahm er jedes Opfer auf sich. Er sorgte für Nahrungsmittel und Arzneien, besuchte und tröstete die Kranken und ermutigte durch Wort und eigenes Beispiel die verzweifelten Soldaten. Endlich kam man nach Prag, wo die Böhmen auf den Höhen des Weißen Berges eine sehr günstige und gesicherte Stellung bezogen hatten. Die Truppen des katholischen Bundes waren müde. Wie sollte man mit ihnen einen Angriff wagen können? Im Kriegsrat waren die Meinungen geteilt. Uneinigkeit war zu fürchten in einem Augenblick, wo alles auf geschlossenste Einheit ankam. Da trat Dominikus zu den Beratenden. Mit unwiderstehlicher Überzeugungskraft sprach er zu den Kriegsherren und munterte sie zum Vertrauen auf Gott und die gerechte Sache auf. „Morgen muss die Schlacht geschlagen werden und die katholische Armee wird den Sieg erringen“, sprach er. Der ganze Kriegsrat entschied für den Kampf. Als Parole wurde „Maria“ ausgegeben, und das Salve Regina vor der Schlacht gesungen. Dominikus, unter Tillys Scharen, begeisterte die Soldaten, als Panier ein Muttergottesbild hochhaltend, das er bei der Belagerung von Pilsen unter den Trümmern des Schlosses Strakonitz gefunden hatte, und dem von den Irrgläubigen die Augen ausgestochen waren. Die Entscheidung schwankte anfangs. Als schon der rechte Flügel zu weichen begann, flehte der Diener Gottes unter Tränen zum Lenker der Schlachten um Hilfe. Da kam plötzlich ein panischer Schrecken über die Böhmen, die sechstausend Ungarn begannen zu fliehen, die Mähren und Schlesier, die standhielten, wurden niedergemacht. Der Sieg des katholischen Heeres war ein glänzender und vollständiger; seine Tragweite unübersehbar. Der 8. November 1620 ist der denkwürdige Tag. Unter das Mutter-Gottes-Bild, mit dem der vertrauensvolle Feldpater sich bewaffnet und die Seinen geschützt hatte, ließ Kurfürst Maximilian die Inschrift setzen: Clypeus est sperantibus in se – Denen, die auf sie hoffen, ist Maria ein Schild.

 

Dominikus wurde bei seinem Besuch in München und Wien vom Volk festlich empfangen und als „Sieger vom Weißen Berg“ gefeiert. Der Kaiser beriet sich mit ihm in eigenen Gewissensangelegenheiten und zog ihn bei Fragen der Kirchenpolitik im Privatrat bei. Im Auftrag des Papstes musste Dominikus dann in Lothringen als Friedensvermittler zwischen den Herzögen und als päpstlicher Bevollmächtigter am französischen Hof tätig sein. Wieder nach Rom zurückgekehrt, bemühte er sich, das Missionswerk der Karmeliten in Indien und Persien auf jede Weise zu fördern und nahm auch hervorragenden Anteil an der Gründung der Propaganda, dem so überaus segensreichen Weltinstitut für Glaubensverbreitung, 1622.

 

Auf wiederholte Bitten des Kaisers Ferdinand, obwohl geschwächt durch vorausgehende längere Krankheit, reiste Pater Dominikus 1629 nochmals nach Wien, wo er in der königlichen Hofburg Wohnung nehmen musste, damit der Kaiser sich dauernd seines Umgangs erfreuen konnte. Im Streit um die Erbfolge im Herzogtum Mantua zwischen Österreich und Spanien vermochte er den Frieden zu vermitteln. Am Weihnachtstag wurde der ganze Hof Zeuge einer der Ekstasen des so mystisch begnadeten Mannes. Während er über das Geheimnis der Kindheit Jesu sprach, geriet er in Verzückung, erhob sich von seinem Sitz und schwebte ganz frei, seiner Sinne benommen. Weder durch Anruf noch Anrühren konnte er zu sich gebracht werden. Man ließ seinen Beichtvater rufen. Es bedurfte von dessen Seite nur eines leisen Anrufes und der Ehrwürdige kam wieder zu sich, und zwar sofort und wie im Augenblick. Anwesend und somit Augenzeugen des wunderbaren Vorfalls waren auch der Kaiser Ferdinand und seine Gemahlin Eleonora, Ferdinand, König von Ungarn, Erzherzog Leopold Wilhelm und mehrere Prinzessinnen.

 

Die Kränklichkeit des ehrwürdigen Dominikus nahm in Wien wieder zu. Anfang 1630 war sein Ableben zu befürchten. „Mein Testament ist schon gemacht,“ sprach er, „meinen Leib lasse ich den Wölfen, meine Seele habe ich allezeit in die barmherzigen Hände meines Schöpfers gelegt und ihm übergebe ich sie auch jetzt.“ Am 16. Februar schloss er seine Augen für diese Zeitlichkeit, nachdem er sie beim Verrichten der Sterbegebete nochmals geöffnet und mit ungemein lieblichem Ausdruck auf den Anwesenden, namentlich dem Kaiserpaar, hatte ruhen lassen – der Sprache war er schon seit sieben Tagen beraubt. Sogleich galt sein Grab als das eines Heiligen, und verschiedene Gebetserhörungen verstärkten diese Meinung. Die Überreste, die ursprünglich in der Karmeliterkirche ruhten, wurden erst 1903 in die neue Kirche des Ordens nach Döbling übertragen.

 

Der Seligsprechungsprozess des Paters Dominikus wurde schon öfter in Angriff genommen, aber immer wieder unterbrochen, nicht aber aufgegeben. Auch ein großes aszetisches Werk über den „Weg der Reinigung, Erleuchtung und Vereinigung“ ist uns von ihm überliefert.

 

Die Haupttugend des Gottesmannes war sein felsenfestes, auf dem Glauben begründetes Gottvertrauen. Mit fast unwiderstehlicher Gewalt wusste er dies auch anderen einzuflößen, und darin lag das Geheimnis seines Erfolgs. Das Gottvertrauen sollte auch uns in den großen Nöten unseres Vaterlandes die Kraft sein, die alles überwindet.

 

Die selige Philippina (Philippa), Jungfrau und Äbtissin bei Rieti in Italien,

+ 13.2.1236 – Gedenktag: 16. Februar

 

Die gottselige Philippina, von Mareria benannt, war von edlen und reichen Eltern geboren. In ihrer Jugend hatte sie das Glück, den heiligen Franziskus zu kennen und zu hören, der ihr auch einen so großen Ekel gegen die Welt und deren Eitelkeiten einflößte, dass sie den Entschluss fasste, sich gänzlich davon zu trennen. Nachdem sie sodann alle Schwierigkeiten, die ihre Familie ihrem Vorhaben entgegensetzte, überstiegen hatte, zog sie sich auf den Berg Mareria, bei ihrer Geburtsstadt, im Bistum Rieti, zurück, um daselbst mit einigen Gefährtinnen in den Bußübungen ihr Leben zuzubringen. Ihr Bruder, ergriffen von ihrem heiligen Mut, ließ ihr in der Nähe der Ortskirche ein Haus erbauen, worin die fromme Dienerin Gottes die Regel der heiligen Clara einführte, und Äbtissin wurde. Der unglückliche Zustand der Sünder ging ihr tief zu Herzen, und sie strebte immerdar durch Gebete, Bußwerke und Ermahnungen die Verirrten zu Gott zurück zu führen. Ihr Tod, den sie vorhergesagt hatte, erfolgte am 13. Februar 1236. Am 16. eben dieses Monats wird durch Gestattung des Papstes Pius VII., der die Verehrung dieser gottseligen Jungfrau gutgeheißen hat, ihr Fest im Orden des heiligen Franziskus gefeiert.

 

Der heilige Tanco von Verden, Bischof und Märtyrer, OSB,

+ 16.12.815 – Fest: 16. Februar

 

Tanco war anfangs Mönch zu Amabarie in Schottland und verdiente wegen seiner Gelehrsamkeit, noch mehr aber wegen seiner Frömmigkeit, zum Abt erhoben zu werden. Allein sein glühendes Verlangen, für Jesus Christus sein Blut zu vergießen, flößte ihm den Entschluss ein, sich nach Deutschland zu begeben, um da nach seines Vorfahrens Patto Beispiel, der Bischof von Verden geworden war, das Evangelium zu verkündigen. Er dachte nicht, dass er zu dessen Nachfolger auf den bischöflichen Stuhl dieser Stadt würde erwählt werden. (Er war der dritte Bischof von Verden.) Durch die Handauflegung wurde sein Eifer zu neuer Tätigkeit angefeuert. Er beschäftigte sich nun einzig mit der Erweiterung des Reiches Jesu. Von Schmerz durchdrungen beim Anblick der Unordnung schlechter Christen, hielt er ihnen ihre Vergehen auf das Nachdrücklichste vor, und suchte dadurch in ihnen einen heilsamen Abscheu gegen das Laster zu erwecken. Allein einige Bösewichte, die in ihrer Lasterhaftigkeit verhärtet waren, konnten es nicht länger dulden, dass der heilige Oberhirt so öffentlich ihren Lebenswandel verdammte. Sie stürzten deswegen mit Wut über ihn her, und einer von ihnen versetzte ihm einen Lanzenstich, an dem er im Jahr 815 starb.

 

Gebet am 16. Februar

 

O meine Mutter, überlasse mich nicht mir selbst. Denn alsdann würde ich mich ins Verderben stürzen. Bewirke hingegen, dass ich immer bei dir Hilfe suche. Errette du mich, meine Hoffnung. Bewahre mich vor der Hölle, behüte mich besonders vor der Sünde, denn nur sie kann mich zur Hölle führen. Amen. 

 

Zu Gott auf die Fürbitte der heiligen Juliana

 

Wir bitten dich, o Herr, gib uns durch die Fürbitte Deiner heiligen Jungfrau und Märtyrin Juliana, dass wir uns ihres immerwährenden Schutzes erfreuen, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Man begeht heute das Gedächtnis der vollkommensten Jungfräulichkeit Mariä vor, in und nach der Geburt ihres göttlichen Sohnes. Es ist gut und richtig, dass alle Christen, besonders die Geistlichen, die seligste Jungfrau an diesem Tag andächtig verehren, nach dem Beispiel des heiligen Ildephons und anderer Heiligen, die durch Mund und Schriften diese ewige Jungfräulichkeit belobt und verteidigt haben. 

 

Andacht am 16. Februar:

 

Das Thema im Februar:

Von der Demut

"Wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden." (Lukas 14,11)

 

"Wenn ein Mensch nach Ehre giert und die Verachtung flieht; wenn er, im Fall er verfolgt oder verachtet wird, in Traurigkeit versinkt und sich in Klagen ergießt, so sei versichert, dass so einer, sogar wenn er Wunder wirkte, sehr weit von der Vollkommenheit entfernt, und dass seine Tugend ohne Grundfeste ist." (Der heilige Thomas von Aquin)

Dieser Heilige hatte eine Abscheu vor Ehren und Lobsprüchen. Als Clemens IV. ihm das Erzbistum Neapel antrug, weigerte er sich nicht nur, es anzunehmen, sondern er erbat auch von dem genannten Papst noch eine andere Gnade, nämlich, dass man ihm nie eine geistliche Würde antragen würde. Nur weil er durch den Gehorsam dazu verpflichtet war, nahm er die Doktorwürde an. Es erfreute ihn sehr, dass einer seiner Mitschüler, der während seiner Studienjahre ihm zum Wiederholen beigegeben wurde und den er an Kenntnissen weit übertraf, ihn einen stummen Ochsen nannte, und sein ernstes Stillschweigen seiner Unwissenheit und seinen geringen Kenntnissen zuschrieb. Einst, als er während des Mittagmahles öffentlich vorlas, wurde er getadelt, dass er ein Wort nicht richtig ausgesprochen hätte. Augenblicklich wiederholte er es und betonte es, wie ihm befohlen wurde; obwohl er auch wusste, dass der Vorgesetzte irrte. Als danach hiervon die Rede war, sprach er zu seinem Gefährten: "Es liegt wenig daran, ob man eine Silbe kurz oder lang ausspricht; aber gar sehr liegt daran, dass man demütig und gehorsam ist!"

 

Zerknirsche, Herr, mein Inneres, damit ich bei Zeichen äußerlicher Ehre und Hochachtung viel mehr Betrübnis als eitles Wohlgefallen empfinde; denn ich erkenne fürwahr, dass ich meiner schändlichen Sünden wegen, wodurch ich Deine göttliche Majestät beleidigte, den Hass und die Verachtung aller Geschöpfe verdiene! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 16. Februar

 

"Der Mensch erlangt die Tugend,

wenn er seine Schwachheit und die Güte Gottes erkennt.

Diese Erkenntnis ist vollkommener zur Zeit der Versuchung."

 

sel. Heinrich Seuse OP

1298 bis 25.1.1366

 

Betrachtung am 16. Februar - Über die göttliche Unermesslichkeit

 

Wie glorreich, Herr, thronst du im Licht

Der wunderbaren Ewigkeit.

Dich fasst kein Raum, dich keine Zeit;

Ja selbst der Himmel fasst dich nicht.

Das höchste Lob, das dir der Mensch erzeigt,

Ist, wenn er tief anbetend vor dir schweigt.

 

1. In Anbetung versenkt und von heiliger Freude zitternd, erhebt sich mein innerer Blick zu dir, unendliche Majestät, mein Gott, dein glorreiches Dasein zu betrachten. Und staunend rufe ich mit dem königlichen Seher aus: "Wohin könnte ich fliehen vor deinem Geist, wohin mich vor deinem Angesicht flüchten? Steige ich hinauf in den Himmel, so bist du dort; bette ich mich in der Unterwelt, bist du zugegen. Nehme ich die Flügel des Morgenrots und lasse mich nieder am äußersten Meer, auch dort wird deine Hand mich ergreifen und deine Rechte mich fassen." (Psalm 139,7-10) Ja flöge der erhabenste Cherub im schnellsten Gedankenflug Jahrtausende in die Höhe oder in die Tiefe, so ist er dennoch immer im Anfang, und kommt in alle Ewigkeit an kein Ende. Das Auge des Sterblichen erblindet in diesem unendlichen Licht.

 

2. Wie mächtig erhebt diese Betrachtung meine Seele über sich selbst. Dein Ohr, o Gott, vernimmt jeden Laut im Himmel, auf Erden, in den Abgründen, auf allen einzelnen, zahllosen Sternen, in allen Teilen deiner unermesslichen Schöpfung. Du bist der allgegenwärtige Zeuge, der allmächtige Richter aller freien Geister, die deine Hand erschaffen hat. Denn im ganzen Weltall bist du zugleich, in jedem einzelnen Wesen ganz und ungeteilt gegenwärtig, ja alle diese unzählbaren Wesen schweben in dir wie die Fische in den Fluten des Ozeans. Und was auch ist diese ganze unermessliche Schöpfung anderes, als ein kaum sichtbarer Punkt, der in deiner göttlichen Unermesslichkeit verschwindet.

 

3. O unerschaffenes, unendliches Licht, wie wunderbar bist du. Ewig, einfach, allumfassend, unzerteilt, unwandelbar ist dein unendlicher Blick. Er dringt in die tiefste Nacht. Ja die dichteste Finsternis ist vor dir gleich dem hellsten Mittag. Du durchschaust die geheimsten Gedanken aller deiner Geschöpfe, und klar liegt vor dir entfaltet, was nun und künftig ist. Diese Wahrheit, mein Gott, sei mein Schild. Sie behüte mich vor sündhaften Gedanken, Begierden und Werken. Sie eifere mich zu deinem heiligen Dienst an. Psalm 86,8: "Herr, unter den Göttern ist keiner wie du, und nichts gleicht den Werken, die du geschaffen hast."

 

17. Februar

 

Der heilige Polychronius, Bischof und Martyrer von Babylon,

+ 17.2.251 – Fest: 17. Februar

 

Der grausame Kaiser Decius hatte im Jahr 251 die Perser besiegt und erregte nun auch in diesem Land eine heftige Verfolgung gegen die Christen. Er gab die strengsten Befehle, überall die Gläubigen aufzusuchen, sie nicht nur allein ihrer Güter zu berauben, sondern sie auch zu töten oder als Sklaven zu verkaufen. Mit unerschütterlicher Wut behandelte er besonders die gefangenen Mönche und Priester, unter denen sich auch der heilige Polychronius befand. Er war Bischof in Babylon und erfüllt mit dem Heiligen Geist, ein Muster aller Tugenden, die der Apostel Paulus von einem Seelenhirten fordert. Mit Liebe und christlicher Wachsamkeit regierte er seine Gemeinde und bekräftigte sie durch Lehre und Beispiel. Durch seinen Eifer in Verkündigung des Evangeliums und noch mehr durch das anziehende Beispiel seines heiligen Lebens hatte er viele Ungläubige zur Erkenntnis des wahren Gottes geführt, und die Christengemeinde zu Babylon befand sich, umlagert von Feinden und Verfolgern, in einem blühenden Zustand. Aber der Hirt wurde geschlagen und die Herde zerstreute sich. Polychronius wurde als ein Gefangener vor Gericht geschleppt und aufgefordert, den Göttern zu opfern. Der Heilige antwortete auf diesen Antrag kein Wort, sondern erhob seinen Blick zum Himmel empor. Aber Parmenius, sein Diakon, nahm das Wort und erklärte dem heidnischen Richter, dass ein christlicher Priester nur dem allein wahren Gott opfere und nicht Götzenbildern, die zum Andenken schändlicher und lasterhafter Menschen aus Holz und Steinen errichtet wurden. Von Zorn und Wut entflammt über diese Rede, befahl der Richter, dem Diakon die Zunge herauszureißen, und weil ihm während dieser Marter der heilige Polychronius Mut zusprach, ließ er diesen solange mit Steinen auf das Haupt schlagen, bis er den Geist aufgab.

 

Der heilige Silvinus, Missionsbischof in Belgien und Frankreich,

+ 17.2.718 – Fest: 17. Februar

 

Der heilige Silvinus wurde aus einem hohen Geschlecht zu Toulouse geboren, in der Gottesfurcht erzogen und in allen Wissenschaften unterrichtet. Seine Eltern, die von einigen Schriftstellern für den Pipin und die Plektrudis gehalten werden, versuchten ihn zu einer ansehnlichen Heirat zu bereden, wodurch er sich den Weg zu den höchsten Würden und Ehrenstellen bahnen konnte. Aber der heilige Jüngling, der sich seinem Jesus von zarter Kindheit an geweiht hatte, verließ Reichtümer, Ansehen und das väterliche Haus und begab sich nach Terouanne, wo er ein einsames und karges Leben führte und schließlich vervollkommnet in jeder Tugend, die Einsamkeit verließ und unzählige Heiden zum Christentum bekehrte. Er besuchte mit großer Andacht Jerusalem und alle heiligen Orte, die Jesus durch seine Geburt, durch sein Leben und Leiden berühmt machte, und wurde nach seiner Rückkehr zum Bischof von Terouanne gewählt. Vorbereitet durch strenges Fasten und ununterbrochenes Gebet, trat er mit größter Demut das heilige Amt an und widmete sich mit Ausschließung aller Sorge für das Zeitliche dem Seelenheil seiner ihm anvertrauten Herde. Mit Begeisterung predigte er das heilige Evangelium, besuchte die Kranken auf ihren Schmerzenslagern und tröstete die Gefangenen. Er erbaute Kirchen und Armenhäuser und wirkte in der Heilung von Geburt unglücklicher Menschen viele Wunder. Er selbst lebte so arm, dass er nur ein einziges raues Kleid besaß, stets auf bloßer Erde schlief und vierzig Jahre lang nie eine andere Nahrung genoss, als Wurzeln und Kräuter. Ungeachtet dieser strengen Lebensweise hatte er gegen schwere Versuchungen zu kämpfen, die er gewöhnlich dadurch besiegte, dass er seinen Körper bis auf das Blut geißelte, oder dass er schwere Steine und andere Lasten meilenweit trug. Auf seinem Krankenbett litt er mit unsagbarer Geduld die langwierigsten Schmerzen und entschlief schließlich unter Weinen und Beten am 17. Februar im Jahre 718.

 

Der heilige Evermod, 1. Bischof von Ratzeburg, Prämonstratenser,

+ 17.2.1178 – Fest: 17. Februar

 

Der heilige Evermod stammte aus Belgien. Er schloss sich 1120 dem heiligen Norbert an, als der in Cambrai predigte, und wurde sein Lieblingsschüler. Zu Prémontré in den Orden aufgenommen, begleitete er den heiligen Norbert nach Antwerpen zur Bekämpfung der Tanchelinischen Irrlehre und folgte ihm auch nach Magdeburg. Dort wurde er Propst des Marienstiftes und unterstützte den heiligen Norbert bei seinen apostolischen Arbeiten und Reformen. Auch in der letzten Krankheit wich er nicht von ihm und stand ihm bei bis zum Tod. Eine Zeitlang war Evermod auch Propst des Stiftes Gottesgnaden. Voll Eifer für Predigt und Seelsorge wurde er erster Bischof von Ratzeburg, wo er mit zwölf Prämonstratensern in das neugegründete Domstift einzog. Am 13. Juli 1154 wurde er zum Bischof geweiht und erhielt vom Herzog Heinrich dem Löwen die Investitur. Sein Bischofssitz war auf dem Georgsberg bei Ratzeburg. Er erscheint auf zwei Urkunden (18. Oktober 1163 und 9. September 1171) als Zeuge. Als Bischof Vicelin zu Faldera starb (12. Dezember 1154), hielt Evermod die Leichenfeier. Im Jahr 1172 weihte er mit dem Bischöfen Walo von Havelberg und Berno von Schwerin in Gegenwart des Herzogs am St. Johannistag den Bischof Heinrich von Lübeck.

 

Das strenge apostolische Leben des heiligen Evermod und seiner Ordensbrüder bewirkte, dass das halsstarrige heidnische Volk, das so oft zuvor die Bemühungen der christlichen Missionare mit blutiger Hand zunichte gemacht hatte, sich unter das christliche Gesetz beugte. Er soll auch mit Herzog Heinrich ins heilige Land gezogen sein und von dort Reliquien für die Domkirche in Ratzeburg mitgebracht haben. Durch sein eifriges Wirken vermehrten sich die Kirchen im Land der Polabeni. Evermod führte ein gottseliges Leben bis zu seinem Ende. Auch Wunder werden von ihm erzählt. Einst hatte Graf Heinrich von Ratzeburg zwei vornehme Friesen in Gefangenschaft. Da er sie auf tyrannische Weise quälte, hatte Evermod Mitleid mit ihnen und bat den Grafen, er solle sie frei lassen. Aber die Bitten waren vergebens. Unterdessen kam Ostern heran und die gefangenen Friesen wohnten dem Gottesdienst bei, jedoch in Fesseln und von Wächtern begleitet. Als nun der Bischof die Gemeinde mit Weihwasser besprengte, benetzte er mitleidsvoll die Fesseln der Gefangenen, indem er die Worte sprach: Der Herr richtet die Gebeugten auf, der Herr löst die Gebundenen. Und alsbald zersprangen die Fesseln mit großen Geräusch und die Befreiten priesen Gott. Ein anderes Mal war Evermod mit Erzbischof Hartwig von Hamburg in Diethmarsen bei einer Besprechung. Evermod feierte die Messe in Gegenwart des Erzbischofs. Zur selben Zeit verübte ein Einwohner einen Totschlag an einem Vornehmen. Als dies der Bischof Evermod erfuhr, versuchte er Versöhnung zu stiften, und zwar wie es damals Sitte war, bei der Messe und bat den, dessen Verwandter getötet worden war, flehentlich, er solle seinem Nächsten vergeben, indem er sich auf die Worte des Vaterunser berief: Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern. Da jedoch der Mann nicht darauf achtete, schritt der Bischof von seinem Sitz herab und warf sich, die Reliquien in den Händen haltend, zu seinen Füßen. Da aber jener mit schrecklichen Eiden bei Gott, der seligsten Jungfrau und den Heiligen schwur, er werde nie verzeihen, gab der Bischof dem Widerspenstigen einen mächtigen Schlag auf die Wange. Da gewährte jener sogleich mit erhobenen Armen das Verlangen des Bischofs und versöhnte sich mit seinem Nächsten. Evermod starb am 17. Februar 1178 und wurde in der Domkirche zu Ratzeburg begraben.

 

Ein Mensch bewahrt Zorn gegen den anderen und von Gott verlangt er Heilung? Nichts fällt der Natur schwerer als zu verzeihen und die zu lieben, die uns Böses getan haben. Aber gedenke der Furcht Gottes und vergib dem Nächsten, dann wird auch dir vergeben werden.

 

Die heiligen Sieben Stifter des Servitenordens,

+ 13. /14. Jhd. - Fest: 17. Februar

 

Das heutige Fest der heiligen sieben Stifter des Servitenordens ist aus einem ähnlichen Anlass wie die Feier von der Erscheinung der unbefleckten Jungfrau Maria zu Lourdes entstanden. Wie nämlich die liebe Mutter Gottes der heiligen Bernadette erschien und damit den Anstoß zur Gründung des Gnadenortes Lourdes in Frankreich gab, so ähnlich erschien Maria sechs Jahrhunderte früher in Italien sieben Männern und legte dadurch das Fundament zu einer neuen Ordensgemeinschaft, deren Mitglieder sich Serviten nennen, was auf Deutsch Marienritter heißt. Somit ist der heutige Tag, an dem wir das Fest der heiligen sieben Stifter des Servitenordens begehen, eigentlich auch wieder ein Marienfest. Wie kam denn die Ordensgründung der Marienritter zustande?

 

Im 13. Jahrhundert lag ganz Italien im Streit, Stadt gegen Stadt, Bürger gegen Bürger, Familie gegen Familie. Städte gingen dabei in Rauch auf und sanken in Trümmer, und Blut floss in Strömen.

 

In Florenz war es am schlimmsten. Es lebten dort aber damals sieben Männer, reiche und angesehene Kaufherren, die sich außerdem durch einen gottesfürchtigen Lebenswandel so sehr auszeichneten, dass sie ruhmwürdig genannt werden. Die Sieben, die sich zu einer losen Gebetsgemeinschaft vereinigt hatten, gaben sich alle erdenkliche Mühe, die streitenden Parteien zu versöhnen, ohne dass sie indessen einen dauernden Erfolg erzielten. Da erkannten die Sieben schließlich, dass die Ursache alles Übels die Sünde sei, Stolz, Eigensinn, Trotz, Hass, Geldsucht und Herrschsucht. Wie aber sollten sie, die nicht Priester waren und nicht gegen die Laster predigen konnten, gegen die Sünde vorgehen und kämpfen?

 

Lange dachten die edlen Männer über die schwere Frage nach, viel beteten sie auch um klare Einsicht, und da geschah es am Hochfest Mariä Himmelfahrt des Jahres 1233, dass die Himmelskönigin jedem einzelnen erschien und sie insgesamt aufforderte, zu Ehren ihrer Sieben Schmerzen einen neuen Orden zu gründen und durch ihr Beispiel allen Streitenden den Weg zum wahren Frieden zu weisen.

 

So sprach Maria, und sogleich entsprachen die sieben Männer dem Wunsch, verschenkten Hab und Gut an die Armen und bezogen wenige Wochen später ein kleines Haus in der Umgegend von Florenz, wo sie betend und büßend lebten und die Mutter mit den sieben Schwertern im Herzen hoch verehrten.

 

Natürlich gab es ein großes Gerede, und alle Tage strömten Neugierige in Menge herbei und störten die Sieben in ihrem gottesfürchtigen Tun, bis es den heiligen Männern zu bunt wurde. Eines Tages zogen sie weit weg in eine menschenleere Einöde hoch in den Bergen. Dann hatten sie Ruhe, denn die Neugierigen scheuten den weiten Weg und hielten sich fern. Dafür fanden sich andere ein, ernstdenkende Männer, die aus der friedlosen Welt flüchteten und sich in wachsender Zahl dem neuen Orden anschlossen, dessen Einfluss sich mit der Zeit im Hader der Parteien immer mehr bemerkbar machte. Und wenn sich langsam die Wogen des Bürgerkrieges glätteten und sich endlich auch der Friede einstellte, so gebührt ein Hauptverdienst an dieser glücklichen Wendung der Dinge den Marienrittern, die durch das Beispiel der Weltentsagung und der Abkehr von der Sünde den rechten Weg wiesen.

 

Wieder einmal hatte in den gefahrvollen Zeiten des 13. Jahrhunderts Maria, die Hilfe der Christen, durch den neuen Orden der Marienritter segensreich eingegriffen und vielen Menschen Heil und Gnade verschafft. Es war ein neuer Beweis dafür, dass Maria immer hilft, denn sie ist die milde und gütige Mutter aller Menschen. Daran soll man denken in jeder Not und Gefahr.

 

Streben wir danach, uns mit allem Eifer, wie die sieben heiligen Stifter des Ordens der Diener Mariä, wahre Diener dieser mächtigen Königin aller Heiligen, gute Kinder dieser liebenswürdigen Mutter Jesu und unserer Mutter, echte Verehrer der heiligsten Jungfrau und Gottesgebärerin und treue Nachfolger ihrer Tugenden zu sein. So wird sie uns allezeit als ihre Kinder erkennen. Sie wird sich für uns als eine gütige Mutter und mächtige Beschützerin zeigen, besonders in der so wichtigen Stunde des Todes. Sie wird für uns Fürsprechen, dass wir Gottes Gnade und die ewige Seligkeit erlangen.

 

Der heilige Flavian von Konstantinopel, Patriarch und Märtyrer,

+ 18.2.449 – Fest: 17. Februar

 

Flavian, Priester und Schatzmeister der Kirche von Konstantinopel, wurde nach dem Tod des heiligen Patroklus zum Erzbischof dieser Stadt erwählt. Diese Wahl missfiel aber dem Eunuchen Chrysaphius, dem Kämmerer des Kaisers Theodosius des Jüngeren, der damals, weil er gegen Flavian eingenommen war, schon den Entschluss fasste, ihn ins Verderben zu stürzen. Er bewog daher den schwachen Kaiser, den er sich ganz abhängig gemacht hatte, von dem Erzbischof für seine Weihe irgendein Geschenk zu erbitten. Der heilige Oberhirt schickte ihm nach dem damaligen Kirchengebrauch die Eulogien oder gesegneten Brote, zum Zeichen des Friedens und der Gemeinschaft. Der arglistige Chrysaphius ließ ihm sagen, er müsste ein Geschenk anderer Art schicken. Flavian, ein erklärter Feind von allem, was auch nur den Schein einer Simonie hatte, antwortete mit fester Entschlossenheit, dass die Einkünfte der Kirche zu anderen Zwecken bestimmt seien und dass sie einzig zur Verherrlichung Gottes und zur Unterstützung der Armen dürften verwendet werden. Der Kämmerer, aufgebracht über eine so edelmütige Antwort, beobachtete nun keine Schranken mehr und entschloss sich, alle Triebfedern in Bewegung zu setzen, um Flavian seines bischöflichen Stuhles zu berauben. Da er aber wusste, dass er von Pulcheria, der Schwester des Kaisers, die alle Macht in Händen hatte, beschützt sei, suchte er zuerst diese Fürstin von den Geschäften zu entfernen. Er überredete daher den Theodosius durch die Kaiserin Eudoxia, von dem Erzbischof zu begehren, dass er die Pulcheria zur Diakonissin weihe. Flavians Weigerung, sich zum Werkzeug der Hofränke gebrauchen zu lassen, schien seinen Feinden ein Verbrechen zu sein, und sie unterließen es nicht, es mit den schwärzesten Farben zu schildern. Als unser Heiliger später die Irrtümer des Eutyches, der mit Chrysaphius verwandt war, verdammt hatte, geriet dieser vollends in Wut und ließ sich zu allen Gewalttätigkeiten hinreißen, die ein Mensch, der der Leidenschaft des unversöhnlichsten Hasses sich hingibt, auszuüben vermag.

 

Eutyches war Priester und Abt von dreihundert Mönchen in der Nähe von Konstantinopel. Er hatte sich durch ein regelmäßiges Leben einen gewissen Ruf erworben. Im Grunde aber war er ein unwissender, stolzer und auf seinen eigenen Meinungen sehr starrsinnig haftender Mann. Ein übertriebener Eifer gegen Nestorius, der die Einheit der Person in Jesus Christus leugnete, stürzte ihn in den entgegengesetzten Irrtum, und er ging so weit, dass er lehrte, es sei nur eine Natur in Christus. Eusebius, der Bischof von Doryläum, ehemals sein Freund, klagte ihn in einem von Flavian 448 versammelten Konzil an. Die Väter der Versammlung ließen dem Angeklagten mehrere Vorladungen zustellen, auf die er aber nicht einmal antwortete. Endlich erschien er doch, allein von zwei Hofbeamten und einer Schar Soldaten begleitet. Als ihm die Bischöfe Rechenschaft hinsichtlich des fraglichen Punktes abforderten, erklärte er, dass er nur eine Natur in Christus anerkenne. Und da man ihm die Gottlosigkeit seiner Lehre vorstellen wollte, gab er zur Antwort, er sei nicht gekommen, um zu streiten, sondern nur um Rechenschaft seines Glaubens abzulegen. Das Konzil sprach dann den Bannfluch über ihn aus und setzte ihn ab. Flavian fällte den Spruch, den dreiunddreißig Bischöfe und dreiundzwanzig Äbte, von denen achtzehn Priester waren, unterschrieben. Als Eutyches sich verurteilt sah, sagte er mit leiser Stimme zu seiner Wache, dass er sich auf die Bischöfe von Rom, Jerusalem und Ägypten berufe. Er schrieb auch zu gleicher Zeit einen verfänglichen Brief an den heiligen Papst Leo, um ihn gegen das Konzil von Konstantinopel einzunehmen. Dieser Brief brachte aber die gehoffte Wirkung nicht hervor. Der heilige Leo fiel nicht in die gelegte Schlinge. Er wurde über das wahre Verhältnis der Sache durch den heiligen Flavian belehrt, der ihm einen genauen Bericht vom ganzen Hergang zusandte. Hierauf schrieb der allgemeine Vater der Christenheit einen sehr schönen Brief an unseren Heiligen, in dem er mit ebenso viel Klarheit als Bündigkeit den von dem neuen Irrlehrer angefochtenen Glaubenssatz erklärte. Dieser Brief wurde später in die Akten des Konzils von Chalcedon eingereiht, das feierlich die Irrtümer des Eutyches verdammte.

 

Indes befahl der Kaiser auf Betreiben des Chrysaphius eine neue Durchsicht der Akten des von Flavian zu Konstantinopel versammelten Konzils, und zu diesem Ende wurde im April des folgenden Jahres eine Synode gehalten. Thalassius von Cäsarea hatte den Vorsitz, weil sonst Flavian als Richter und Klagebeteiligter hätte können angesehen werden. Die angestellte Untersuchung fiel zur Beschämung des Eutyches aus, und diente nur dazu, das gerechte Verfahren des Erzbischofs von Konstantinopel in ein helleres Licht zu setzen. Da dieser aber später von seinen Feinden als Begünstiger des Nestorianismus angeklagt wurde, rechtfertigte er sich vollkommen, indem er dem Kaiser ein Glaubensbekenntnis einreichte, worin er die gottlose Lehre des Nestorius und die des Eutyches zugleich verwarf. Chrysaphius, dessen Pläne nun gescheitert waren, ließ sich dessen ungeachtet nicht zurückschrecken, sondern setzte andere Triebfedern in Bewegung, um seinen Endzweck zu erreichen.

 

Er schrieb an Dioskor, den Patriarchen von Alexandrien, einen stürmischen und gewalttätigen Mann, und versicherte ihn seiner Freundschaft und seines Schutzes, wenn er die Verteidigung des Eutyches auf sich nehmen und sich mit ihm gegen Flavian und Eusebius von Doryläum verbinden würde. Als er sich des Patriarchen versichert hatte, suchte er die Kaiserin Eudoxia zu gewinnen, was ihm um so leichter gelang, als sie sich freute, eine Gelegenheit zu haben, die Pulcheria zu kränken, die, wie sie wusste, dem Patriarchen ergeben war. Da das ganze Truggewebe recht angezettelt war, überredete man den Kaiser, ein Konzil zu Ephesus versammeln zu lassen, um, wie man sagte, alle Streitigkeiten zu beenden. Theodosius, der leicht zu hintergehen war, beschäftigte sich ernsthaft mit der Einberufung dieses Konzils, dessen vorgebliche Notwendigkeit man ihm so dringend dargestellt hatte. Er befahl nun auch dem Dioskor den Vorsitz zu führen und zehn Metropoliten seines Patriarchats, zehn andere Bischöfe und den Archimandriten Barsumas, der gänzlich Flavians Feinden ergeben war, mit sich zu bringen. Die anderen Patriarchen und der heilige Papst Leo waren auch zu dem Konzil eingeladen, allein der Letztere empfing erst sehr spät die Briefe des Kaisers. Er schickte jedoch vier Legaten als seine Stellvertreter. Diese Legaten waren Julius, Bischof von Puzzuolo, Renatus, ein Priester, der unterwegs starb, Hilarius, ein Diakon, und Dulcitius, ein Schreiber. Sie hatten einen Brief an Flavian, in dem der heilige Leo die Unwissenheit des Eutyches ans Licht stellte und die katholische Lehre auf die bündigste und lichtvollste Weise auslegte.

 

Am 8. August 449 wurde das Konzil von Ephesus eröffnet, das in der Geschichte unter dem Namen des Räuberkonzils bekannt ist, wegen der Gewalttätigkeiten, die da verübt wurden. 130 Bischöfe aus Ägypten und dem Orient fanden sich ein. Eutyches kam auch nach Ephesus mit zwei kaiserlichen Befehlshabern und einem Haufen Soldaten. Gleich anfangs konnte man schon leicht einsehen, dass alles durch Kabale betrieben werde, und Eutyches eine mächtige Partei für sich habe. Den Legaten des Papstes wurde nicht einmal gestattet, die mitgebrachten Briefe zu lesen. Zuletzt sprach Dioskor das Absetzungsurteil aus gegen Flavian und Eusebius von Doryläum. Die Legaten des heiligen Leo taten Einspruch gegen dieses Urteil und unter anderen rief der Diakon Hilarius mit lauter Stimme: Contradicitur, wir widersprechen. Dieses lateinische Wort wurde in die Akten des Konzils eingereiht. Als Dioskor anfing den Spruch vorzulesen, warfen sich ihm mehrere Bischöfe zu Füßen und beschwuren ihn mit den dringendsten Worten, nicht weiter zu gehen. Allein weit entfernt sich erweichen zu lassen, erhob er sich von seinem Sitz und rief den Bevollmächtigten des Kaisers. Die Pforten wurden sogleich geöffnet und Proklus, der Prokonsul von Asien, trat mit einer Abteilung Soldaten in die Versammlung, die Ketten, Stöcke und Schwerter trugen. Die meisten Bischöfe, durch diesen Anblick erschreckt, unterschrieben alles, was Dioskor und seine Anhänger wollten. Die Legaten des Papstes blieben allein unerschütterlich und widersprachen bis ans Ende diesen unerhörten Gewalttätigkeiten. Einer von ihnen wurde ins Gefängnis geworfen. Der Diakon Hilarius machte sich, nachdem er nicht ohne große Mühe sich gerettet hatte, auf den Weg ins Abendland und gelangte endlich in Rom an. Flavian berief sich auf das Urteil der Heiligen Stuhls und überreichte seine schriftliche Erklärung den päpstlichen Legaten. Dioskor wurde darüber so aufgebracht, dass er mit Barsumas und anderen seiner Anhänger über ihn herfiel, ihn auf die Erde warf und so grausam mit Füßen trat, dass er kurze Zeit danach zu Hypäpas in Lydien, wo er in der Verbannung lebte, starb.

 

Der gottlose Dioskor ließ es aber dabei noch nicht bewenden. Er war noch so vermessen, dass er im Einverständnis mit zwei ägyptischen Bischöfen den heiligen Papst Leo in den Bann tat. Allein Gott ließ nicht zu, dass sich die Ungerechtigkeit lange ihres Sieges freute. Der Kaiser tat endlich die Augen auf, Chrysaphius, der Urheber so vieler Übel, fiel in Ungnade und wurde später zum Tode verurteilt. Eudoxia wurde selbst genötigt, sich nach Jerusalem zurückzuziehen. Diese glückliche Veränderung brachte die Zurückberufung der Pulcheria hervor. Als im folgenden Jahr, nach dem Tod des Theodos, der als Büßer starb, diese Prinzessin den Thron bestieg, befahl sie, dass der Leib unseres Heiligen in feierlichem Zug nach Konstantinopel gebracht und von den Erzbischöfen, seinen Vorgängern, beigesetzt werde. Der heilige Leo schrieb, nachdem er den ganzen Hergang der Sache zu Ephesus erfahren hatte, an Flavian, um ihn zu trösten. Allein er war tot, als der Brief anlangte. Er hatte auch für ihn an Theodos, Pulcheria und die Geistlichkeit von Konstantinopel geschrieben. Das 451 zu Chalcedon gehaltene allgemeine Konzil setzte Flavian unter die Zahl der Heiligen und Märtyrer, und erzeugte seinem Andenken große Ehre. Auch Eusebius von Doryläum wurde wieder auf seinen bischöflichen Stuhl gesetzt. (Dasselbe Konzil verdammte den Dioskor, der 454 zu Gangres in Paphlagonien, an dem Ort seiner Verbannung starb, ohne die Irrtümer des Eutyches widerrufen und ohne seine anderen Verbrechen durch die Buße gesühnt zu haben.) Papst Hilarius, der Legat des heiligen Leo zu Ephesus war, hatte eine solche Verehrung für den heiligen Erzbischof von Konstantinopel, dass er seinen Märtyrertod in der Kirche malen ließ, die er zu Ehren des heiligen Kreuzes erbaute.

 

Wie ruhmvoll ist es für den heiligen Flavian, dass er für die Verteidigung der Menschwerdung des ewigen Sohnes Gottes gestorben ist! Er wusste, dass dieses Geheimnis die Grundlage unseres Glaubens ist und dass es folglich uns ganz besonders wichtig erscheinen muss. Wir glauben zwar alle dieses Geheimnis; aber ach! Unser Glaube ist ein unfruchtbarer Glaube, der unser Herz nicht rührt und es unempfindlich lässt. Haben wir wohl jemals recht darüber nachgedacht, dass Gott besonders in dem Geheimnis der Menschwerdung die unaussprechliche Größe seiner Macht, Weisheit und Barmherzigkeit in so herrlich strahlendem Licht zeigt? Ach! Wenn wir doch unseren Geist mit diesen großen Wahrheiten durchdringen würden, wie müsste man uns nicht von Liebe und Dankbarkeit gegen Gott, von Eifer für die Ehre Jesu Christi, für die treue Erfüllung der Lehren des Evangeliums, erfüllt sehen. Mit einem Wort, wie müssten wir nicht ganz andere Christen sein! Der Heiland unserer Seelen wird jetzt mehr als jemals von Gottlosen und Religionsspöttern verachtet und wahrhaft misshandelt, indem sie ihn nicht nur seiner göttlichen Würde, sondern auch sogar seiner sittlichen Größe zu berauben, und ihn heidnischen Weisen gleich zu setzen, oder selbst unter sie herabzuwürdigen suchen. Er lädt uns ein, durch unsere Liebe den schrecklichen Kaltsinn dieser Unglücklichen zu ersetzen, wie lange wollen wir ihm diese wohl noch versagen? Allein, da die Menschwerdung das Geheimnis eines demütigen, gleichsam vernichteten Gottes ist, so können wir ihn so lange nicht wahrhaft ehren, als wir unser Herz nicht von aller Eitelkeit und allem Stolz reinigen. Dieses Laster entstellt die besten Handlungen und stürzt diejenigen, die sich ihm ergeben, in das größte Verderben. Eutyches litt aus keiner anderen Ursache am Glauben Schiffbruch und starb in der Unbußfertigkeit, als weil er von dünkelhaftem Stolz beherrscht war. Was soll uns demnach mehr zur Demut führen und in der Ausübung dieser Tugend begründen, als eben dieses schreckliche Beispiel dieses schrecklichen Falles?

 

Gebet am 17. Februar

 

Wie überaus mild und barmherzig bist du meine liebste Mutter Maria, stets bereit die Betrübten zu trösten, die Kranken zu heilen, allen Unglücklichen zu helfen. Sieh auch ich bin einer, der im Tal der Tränen pilgert und täglich deines Schutzes bedarf. O meine Herrin, dir schenke ich mich ganz, dir weihe ich heute meine Augen, meine Ohren, meinen Mund, mein Herz, mich ganz und gar. Bewahre mich, o Mutter, als dein Eigentum, jetzt und immer. Amen.

 

Zu Jesus Christus auf die Fürbitte der Sieben Stifter des Servitenordens

 

Wir bitten Dich, Herr Jesus Christus, lass uns auf die Fürbitte Deiner sieben Diener, an die Schmerzen, die Deine heiligste Mutter bei Deinem Leiden und Sterben ausgestanden hat, so oft und nützlich denken, dass wir dafür ewig getröstet zu werden verdienen, der Du lebst und regierst mit Gott dem Vater, in Einigkeit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.

 

Zu Gott

 

Liebevollster Vater, wir wollen nie vergessen, dass besonders in dem Geheimnis der Menschwerdung Deines Sohnes, die Größe Deiner Allmacht, Weisheit und Barmherzigkeit hervorstrahlt. Dieses große, zu unserer Erlösung vollbrachte Werk soll immer der Gegenstand unserer Betrachtung sein, damit wir dadurch stets zu innigen Gefühlen der Liebe und Dankbarkeit angeregt werden, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Der heilige Alexius Falconerius, dessen Fest heute begangen wird, war als einer von den 7 Stiftern von der seligsten Jungfrau berufen, den Serviten-Orden zur Beförderung der Ehre der Mutter Gottes im Jahr 1232 zu errichten. Er hat noch am letzten Tag seines Lebens, der ein Samstag war, sie mit 100 Ave Maria zu begrüßen nicht unterlassen, und ist bei seinem Ende im 110 Lebensjahr mit der Gegenwart Jesu Christi und der Engel erfreut worden.

 

Andacht am 17. Februar:

 

Das Thema im Februar:

Von der Demut

"Wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden." (Lukas 14,11)

 

"Die höchste Stufe der Demut besteht darin, dass man an Demütigungen und Erniedrigungen eben so sehr Freude hat, als eitle Gemüter an großen Ehren sich erfreuen." (Der heilige Franz von Sales)

Als einst der heilige Franz Xaver auf ein Schiff ging, um nach Indien abzusegeln, weigerte er sich standhaft, irgend welchen Vorrat und einen Diener mit sich zu nehmen; wie sehr auch Graf Castagnetta, der die Oberaufsicht über die indische Flotte führte, deswegen ihn bat. Da der Graf nicht nachließ, ihm klarzumachen, er erniedrige seine Würde als apostolischer Legat, und er würde auch weder die Achtung noch das Vertrauen derjenigen gewinnen, zu deren Bekehrung er nach Indien reist, wenn sie ihn seine eigene Wäsche reinigen und seine Kost sich zubereiten sähen, antwortete ihm der große Diener Gottes: "Glauben Sie mir, Herr Graf, die Kirche kam nur dadurch in so bedrängte Zeiten (es geschah dies um die Zeit der sogenannten Reformation), weil die höhere Geistlichkeit darauf ausging, durch weltliche Pracht und Aufwand sich Ansehen zu erwirken. Lassen Sie mich daher immerhin meine dürftige Wäsche waschen und meine einfache Speise bereiten; denn ich hoffe dadurch selbst Vertrauen zu erwecken, wenn ich niemand lästig bin und dem Heil der Seelen mich unablässig weihe." - Der Erfolg bewies die Richtigkeit dieser Bemerkung; denn der Heilige taufte Millionen Menschen und führte sie in den Schoß der katholischen Kirche.

Der heilige Dominikus wohnte mit weit größerem Vergnügen im Bistum Carcassonna als im Bistum Tolosa, wo er eine große Anzahl Irrgläubiger bekehrt hatte. Als er hierüber befragt wurde, antwortete er: "Man erweist mir im Bistum Tolosa allerlei Ehre! zu Carcassonna hingegen werde ich verabscheut, verfolgt und geschmäht!"

"Ohne Vergleich lieber wäre mir es", sprach der heilige Felix aus dem Kapuziner-Orden, "mich in Roms Gassen verachtet, beschimpft und misshandelt zu sehen, als daselbst von dem Volk geachtet und verehrt zu werden."

 

Gestatte nicht, o Gott, dass das Lob, die Achtung und der Beifall der Menschen mir zu Fallstricken gereichen! Von Dir allein verlange ich geehrt und geliebt zu werden; denn Dir allein suche ich wohlzugefallen. Amen. 

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 17. Februar

 

"Warum seid ihr in Sorgen für euch? Lasst die Vorsehung walten.

In Mitte der größten Gefahren ruhen ihre Augen auf euch;

sie lässt euch niemals zu Grunde gehen."

 

hl. Katharina von Siena OP

1347 bis 29.4.1380

 

Betrachtung am 17. Februar - Die Sünde ist eine Beleidigung Gottes

 

Woher die Übel, die die Welt bedecken?

Woher des Abgrunds ewig neue Schrecken?

Sie alle gingen aus von einem Tor:

Der Sünde Frevel brachte sie hervor.

 

1. Es gibt nur ein Übel in der Welt, aus dem alle anderen hervorgehen, und dieses Übel ist die Sünde. Fasse dieses schreckliche Übel wohl ins Auge, damit du es aus deiner ganzen Kraft hassen und verabscheuen lernst, das Gott selbst ewig hasst und verabscheut. Denn die Sünde ist eine Empörung des Geschöpfes gegen seinen allerhöchsten Herrn. Durch sie tritt der Sünder Gott frech gegenüber, reißt von seiner Oberherrschaft sich los, und tritt alle Gesetze Gottes, alle Anordnungen seiner unendlichen Weisheit mit Füßen, sich selbst sein eigener Gott zu sein.

 

2. Die unendliche Größe der Sünde liegt in der Schmach und Verachtung, die der unendlichen Majestät dadurch widerfährt. Verachtete der Sünder Gott, seinen ewigen Wohltäter und Vater, einem anderen, eben so unendlichen und liebreichen Gott anzuhangen, der ihm einen glorreicheren Himmel, größere Belohnungen und selbst ein glänzenderes Los auf dieser Welt verhieße, so fände er noch einige Entschuldigungen. So aber verachtet er die ewige Majestät eines schnöden Geldgewinnes, eines Schattens vergänglicher Ehre, eines verächtlichen Geschöpfes wegen, bietet dazu alle Kräfte auf, die Gott zu seiner Verherrlichung ihm gegeben hat, widersetzt sich, diese Dinge zu erlangen, seinem ausdrücklichen Willen, stößt seine Gesetze um, und achtet weder seiner Wohltaten, noch seiner Drohungen, noch seiner Strafen, noch seiner Belohnungen.

 

3. Daher auch ist diese Beleidigung so unendlich groß, dass alle Verdienste der Engel und Menschen es in Ewigkeit nicht vermöchten, auch nur eine einzige Sünde aufzuwiegen, so dass selbst eine göttliche Person zwischen Gott und den Menschen als Mittler treten musste, diese unendliche Schmach zu ersetzen, und den Menschen von dem ewigen Untergang zu erretten, den er dadurch verschuldet hatte. Alles auch, was dieser göttliche Mittler tat, alle Quellen des Heils, die er einsetzte, alle seine Lehren und Anordnungen zielen dahin, die Sünde zu tilgen. Wer kann demnach über die ewige Strafe erstaunen, mit der Gott dies Ungeheuer bestraft? Psalm 51,3+4: "Gott, sei mir gnädig nach deiner Huld, tilge meine Frevel nach deinem reichen Erbarmen! Wasch meine Schuld von mir ab, und mach mich rein von meiner Sünde!"

 

18. Februar

 

Der heilige Simeon, Bischof und Martyrer von Jerusalem,

+ 18.2.106 - Fest: 18. Februar

 

Der heilige Simeon, dessen wir heute gedenken, war ein Cousin des lieben Heilandes, und überdies war er der Bruder der heiligen Apostel Jakobus des Jüngeren und Simon Thaddäus.

 

Simeon soll nach der Legende sieben oder acht Jahre älter gewesen sein als Jesus. Er gehörte zu den zweiundsiebzig Jüngern, die der Heiland auswählte und aussandte, und als der Apostel Jakobus der Ältere und nach ihm der Apostel Jakobus der Jüngere, die zwei ersten Bischöfe von Jerusalem, den Martertod erlitten hatten, wurde Simeon mit fast achtzig Jahren ihr Nachfolger.

 

In die Zeit seiner bischöflichen Regierung fällt unter anderem auch die grauenvolle Zerstörung Jerusalems im Jahre 70 nach Christi Geburt, ein Strafgericht Gottes, das allen Menschen aller Zeiten eine eindringliche Mahnung bleiben wird, Gott nicht herauszufordern, weil er seiner nicht spotten lässt.

 

Auf der Höhe des Ölberges hatte der Heiland einst vor dem feierlichen Einzug in Jerusalem am Palmsonntag über die Stadt bittere Tränen geweint, weil sie den Tag der Heimsuchung nicht erkannte. Er hatte mit dem Untergang gedroht, und die Leute hatten ihn verlacht. Siebenunddreißig Jahre später stand an der gleichen Stelle auf dem Ölberg der römische Feldherr Titus, und als man ihm die Einnahme der verwüsteten Stadt meldete, weinte auch er wie ehedem der Heiland und sagte, nicht er habe gesiegt, sondern eine höhere Macht habe hier gerichtet. In Jerusalem lachte damals keiner mehr.

 

Für dreißig Silberlinge, den gewöhnlichen Preis für einen Sklaven, hatten die Juden von dem Verräter den Heiland gekauft. Siebenunddreißig Jahre später wurden Tausende von gefangenen Juden als Sklaven verschachert, dreißig für einen Silberling.

 

Jerusalem hatte das unschuldige Blut des Erlösers im frevlen Übermut auf sich und seine Kinder herabgerufen. Siebenunddreißig Jahre später floss in den Straßen der Stadt unschuldiges Blut in Strömen.

 

Christus, das Brot des Lebens, hatten die Juden abgelehnt. Siebenunddreißig Jahre später starben in der Stadt Zehntausende den Hungertod.

 

Christus, den Eckstein, hatte man verworfen. Siebenunddreißig Jahre später blieb in der Stadt kein Stein mehr auf dem anderen.

 

Jerusalem hatte den Messias außerhalb der Stadt auf Golgatha gekreuzigt. Siebenunddreißig Jahre später erhoben sich vor den Ringmauern Hunderte von Kreuzen, an denen täglich Hunderte von Juden gekreuzigt wurden.

 

Wahrlich, Gott lässt seiner nicht spotten, und es ist gut, dass man sich diese Tatsachen merkt und sie alle Tage vor Augen hat.

 

Alles das geschah zu jener Zeit, da der heilige Simeon Bischof von Jerusalem war. Allerdings hatte er mit der Christengemeinde, der Mahnung des Heilandes eingedenk, die Stadt vor der Zerstörung verlassen und war nach Pella im Ostjordanland geflohen. Dort wartete er das göttliche Strafgericht ab, und als es sich verzogen hatte, kehrte er nach Jerusalem zurück, wo auch er später das Martyrium durch den Kreuzestod erlitt. Mit ihm starb der letzte von denjenigen, die den Herrn mit eigenen Augen sahen.

 

Insgesamt fünfundvierzig Jahre hatte Simeon die Kirche zu Jerusalem regiert, während dieser Zeit unzählige Arbeiten und Leiden überstanden, und das seltene Alter von einhundertzwanzig Jahren erreicht, als er ein freudiges und edles Opfer der Verfolgung wurde, die unter dem römischen Kaiser Trajan in Judäa und ganz Syrien wütete. Die Römer suchten alle Abkömmlinge aus dem Geschlecht Davids auszurotten, weil die Juden einen König und Erlöser aus diesem Haus erwarteten. Der heilige Simeon wurde als ein Sprössling aus Davids Geschlecht bei dem Statthalter Artikus angegeben, und zugleich auch als Christ und als Bischof der Christen angeklagt. Artikus zog den ehrwürdigen Greis vor seinen Richterstuhl und ließ mehrere Tage nacheinander die schmerzlichsten Martern an ihm vollziehen, um ihn zur Abschwörung des Christentums zu bewegen. Allein dieser erduldete die grausamsten Peinen mit einer solchen Standhaftigkeit, dass selbst der hartherzige Richter in Erstaunen und Verwunderung geriet. Endlich wurde der heilige Greis, gleich seinem Herrn und Meister Jesus Christus, gekreuzigt im Jahr einhundertsieben.

 

Diejenigen, die aus Hass den heiligen Simeon bei dem Statthalter Artikus angeklagt hatten, wurden überführt, dass sie ebenfalls aus Davids Geschlecht abstammen, und deswegen auch getötet. So empfingen sie die verdiente Vergeltung für ihren boshaften Verrat.

 

Bis zum Tod des heiligen Simeon hatte sich die Kirche zu Jerusalem in jungfräulicher Reinheit, wie sich Eusebius ausdrückt, erhalten, indem bis dahin alles Unkraut falscher Lehre entweder in seinem Keim schon erstickt, oder doch an seinem Aufwachsen gehindert wurde. Jeder Irrlehrer musste verstummen, weil ihm Christen entgegenstanden, die selbst hörten und sahen, was Jesus gelehrt und getan hatte. Nachdem nun aber die heiligen Apostel und die unmittelbaren Schüler des Herrn durch verschiedene Todesarten der Kirche Jesu Christi entrissen waren, erhoben die Irrlehrer ihr Haupt empor. Und von dieser Zeit an musste die Kirche durch alle Jahrhunderte gegen sie sehr schwere Kämpfe bestehen, und mit der größten Sorgfalt beständig auf der Hut sein, dass nicht die reine Lehre des Heils durch falsche Lehre verdunkelt werde. Nur durch den Beistand, den Jesus seiner Kirche verheißen und von Zeit zu Zeit so reichlich und sichtbar bewiesen hatte, war es möglich, die heilige Lehre unverfälscht zu erhalten. Dafür sei hochgelobt und laut gepriesen unser himmlischer Lehrmeister Jesus Christus von Ewigkeit zu Ewigkeit.

 

Dem heiligen Simeon folgte in der bischöflichen Amtsführung zu Jerusalem Justus, ein gläubiger Jude. Zu dieser Zeit bekehrten sich sehr viele Juden zum Glauben an Jesus Christus, wie der Geschichtsschreiber Eusebius versichert.

 

Die heiligen Leo und Paregorius, Martyrer zu Patara in Lycien,

+ 4. Jhd. – Fest: 18. Februar

 

Der heilige Paregorius kam nach Patara Lycien und vergoss da sein Blut für seinen göttlichen Heiland. Der heilige Leo, der Zeuge seines Kampfes war, empfand dabei einerseits die herzlichste Freude über das Glück seines Freundes und andererseits bittere Traurigkeit, dass er noch nicht, wie sein Freund, sich in gleichen Leiden bewähren konnte. Aber bald fand er Gelegenheit, das Licht seines Glaubens leuchten zu lassen. Während der Abwesenheit des Prokonsuls von Asien, der den Kaisern einen Besuch abstattete, wollte der Statthalter von Lycien, der zu Patara seinen Sitz hatte, seinen Eifer für die Verehrung der Götzen beweisen. Er verordnete deshalb ein feierliches Fest zu Ehren des Serapis, mit dem Befehl, dass alle Einwohner von Patara ihm opfern sollten. Die Menschenfurcht bewog mehrere Christen, sich den Ungläubigen anzuschließen. Tief schmerzte den heiligen Leo sowohl die Feigheit der einen, als die Verblendung der anderen. Als er eines Tages seine Wohnung verlassen hatte, um am Grab des heiligen Paregorius zu beten, trug er kein Bedenken, am Tempel des Serapis, wo man ihm gerade Opfer brachte, vorüberzugehen. Die Heiden erkannten an seinem demütigen und bescheidenen Äußeren, dass er ein Christ sei. Er hatte sich auch wirklich von seiner Jugend auf an alle die strengen Übungen des einsamen Lebens gewöhnt und besaß, neben allen übrigen Tugenden, in einem besonders hohen Grad die Tugend der Keuschheit und Mäßigkeit. Sein Gewand war von grobem Zeug, von Kamelhaaren. Auf seinem Rückweg beschäftigte ihn der Gedanke an das glorreiche Ende seines Freundes und ganz darin vertieft, schlief er ein und hatte eine Erscheinung, in der Gott ihm zu erkennen gab, dass er denselben Kampf, wie der heilige Paregorius, werde zu bestehen haben. Das brachte ihm eine unaussprechliche Freude. Indessen fuhr er fort das Grab seines Freundes zu besuchen und anstatt weit entfernte Nebenwege einzuschlagen, ging er vielmehr mitten über den öffentlichen Platz.

 

Eines Tages, als er seinen Weg durch das Tycheum oder den Tempel der Fortuna genommen hatte, sah er diesen durch eine große Anzahl Fackeln erleuchtet. Von Mitleid und Schmerz hingerissen über die Blindheit der Heiden und von Eifer glühend für die Ehre des wahren Gottes, löschte er die Fackeln aus und zertrat sie mit den Füßen in Gegenwart des Volkes. „Wenn eure Götter“, sagte er zu ihnen, „diese Verunehrung empfinden, so mögen sie mich nur dafür bestrafen.“ Das Volk, durch die Götzenpriester angefeuert, schrie sogleich: „Wenn man diese Freveltat nicht bestraft, beehrt Fortuna unsere Stadt nicht mehr länger mit ihrem Schutz.“ Als der Statthalter von dem Vorfall Kunde erhielt, befahl er, dass man den Heiligen vor ihn führen sollte, was auch sogleich geschah. „Alter Bösewicht“, sprach er zu ihm mit zorniger Stimme, „deine gottesschänderische Tat beweist, dass du entweder die Macht der unsterblichen Götter nicht kennst, oder dass du die Befehle der Kaiser verachtest, die wir als Gottheiten und Retter der zweiten Ordnung ansehen.“

 

„Ihr seid Kinder des Irrtums“, erwiderte ihm der Martyrer, „indem ihr mehrere Götter anbetet; es ist nur ein Gott des Himmels und der Erde, der dieser unwürdigen Verehrung, die ihr euren Götzen zeigt, nicht bedarf. Das angenehmste Opfer, das man ihm darbringen kann, ist ein demütiges und zerknirschtes Herz.“

 

Der Statthalter: „Antworte auf die gegen dich vorgebrachte Anklage, statt uns dein Christentum zu verkündigen; den Göttern sei es gedankt, dass sie uns dich nach einer solchen Gräueltat finden ließen. Wähle also: entweder opferst du ihnen mit dem hier versammelten Volk, oder es trifft dich die Strafe, welche dein Frevel verdient.“

 

Der Martyrer: „Die Furcht vor den Qualen wird mich niemals zu einer Pflichtverletzung verleiten; ich bin bereit, alles, was du über mich verhängen wirst, geduldig zu ertragen. Deine Peinen erstrecken sich nicht über dieses sterbliche Leben hinaus; es gibt aber jenseits ein ewiges, zu dem man nur durch Leiden, gemäß der Grundlehre unserer göttlichen Schrift, gelangen kann: Schmal ist der Weg, der zum Leben führt.“

 

Der Statthalter: „Wohlan denn, wenn er schmal ist, so verlasse ihn und betrete unseren, der ist breit und bequem.“

 

Der Martyrer: „Ich nannte ihn schmal, weil man auf ihm Leiden und Verfolgungen der Gerechtigkeit wegen zu ertragen hat. Jene aber, die ihn großmütig gehen, ersteigen die Beschwerden durch den Glauben, der zur Ausübung aller Tugenden aufmuntert. Und selbst dieser Weg wird eben und angenehm für die, die ihn beständig gehen. Viele haben das schon erfahren.“

 

Leo redete noch weiter von der Wahrheit der christlichen Religion; aber ein verwirrtes Geschrei, das die Juden und Heiden erhoben, unterbrach ihn. „Man gebiete ihm Stillschweigen“, riefen sie. „Ich erlaube ihm im Gegenteil“, erwiderte der Statthalter, „so viel zu reden, wie er will; ich biete ihm sogar meine Freundschaft an, wenn er nur unsere Götter anerkennen will.“ Hierauf antwortete ihm Leo: „Es scheint, dass meine vorigen Worte vergessen hast, denn wie kannst du verlangen, dass ich die Wesen für Götter erkenne, die von Natur nichts Göttliches haben?“ Über diese letzten Worte wurde der Statthalter so wütend, dass er den Heiligen grausam geißeln ließ. Während ihn die Schergen ganz unbarmherzig zerfetzten, sprach der Statthalter zu ihm: „Dies ist erst der Anfang der Qualen, die ich für dich bereite. Wenn du willst, dass ich bei diesem Versuch aufhöre, so musst du unseren Göttern opfern.“

 

Der Martyrer: „Ich muss also noch einmal, was ich schon so oft gesagt habe, wiederholen. Ich erkenne eure Götter nicht und werde mich nie entschließen, ihnen zu opfern.“

 

Der Statthalter: „Sage nur, dass die Götter groß sind, dann will ich dich frei lassen, denn ich bemitleide dein hohes Alter.“

 

Der Martyrer: „Ich würde dies gerne sagen, wenn es sich von der Macht handelte, die sie haben – ihre Anbeter ins Verderben zu stürzen.“

 

Der Statthalter: „Nun werde ich dich über Kieselsteine schleifen lassen, bis dein ganzer Leib zerstückelt sein wird.“

 

Der Martyrer: „Es liegt mir wenig daran, wie ich sterbe, weil mir der Tod die Pforten des ewigen Lebens öffnen und mich in die Gemeinschaft der Seligen einführen wird.“

 

Der Statthalter: „Gehorche und sage, dass die Götter die Erhalter der Welt sind, oder du musst sterben.“

 

Der Martyrer: „Deine Drohungen sind eitel; warum lässt du sie nicht in Erfüllung gehen?“

 

Da das Volk sich indessen zusammenrottete, sprach der Statthalter das Urteil aus: der Heilige soll nämlich an einen Fuß gebunden über die Steine bis an die Todesstätte geschleift werden. Als nun Leo seine Wünsche erfüllt sah, hob er seine Augen zum Himmel und verrichtete folgendes Gebet: „Ich danke dir, o Gott! Du Vater meines liebevollen Heilandes, dass du mich sobald mit deinem Diener und meinem Freund Paregorius vereinigst. Ich freue mich, dass ich durch deine Gnade ein Mittel gefunden habe, meine alten Missetaten zu sühnen. Meine Seele übergebe ich in die Hände deiner heiligen Engel mit der Zuversicht, dass sie sie dorthin geleiten werden, wo nichts mehr vom Bösen zu fürchten ist. Herr, der du nicht den Tod, sondern die Bekehrung der Sünder willst, gib, dass meine Feinde und Mörder dich erkennen und Verzeihung ihrer Verbrechen durch die Verdienste deines eingeborenen Sohnes Jesus Christus, unseres Heilandes, erlangen. Amen.“ Noch einmal sagte er dieses Amen und seine Seele schied von seinem Leib.

 

Seinen Leichnam warf man in eine Schlucht über einen hohen Felsen; aber er wurde durch diesen Fall nicht zerschmettert, sondern nur gering verletzt. Und was noch mehr ist, es wurde dieser Ort, der vorher ein schrecklicher Abgrund war, dessen bloßer Anblick den Reisenden Grausen einjagte, vollkommen gangbar. Der Boden wurde fester und man konnte ihn, ohne sich der geringsten Gefahr auszusetzen, betreten. Die Gläubigen nahmen den Leichnam des standhaften Kämpfers Jesu Christi und beerdigten ihn. In seinem Angesicht bemerkten sie noch die Lebensfarbe und seine Hoffnung und ein sanftes Lächeln sprach noch aus seinen Zügen.

 

Die heilige Konstantia, Prinzessin und Jungfrau von Rom,

+ 4. Jhd. – Fest: 18. Februar

 

Konstantia, eine Tochter des Kaisers Konstantin des Großen, hatte von Geburt an eine schwache Gesundheit und bekam schließlich eine langwierige Krankheit, von der sie ungeachtet der zärtlichen Pflege und der Kunst der Ärzte nicht befreit werden konnte. Damals geschahen große Wunder und Zeichen am Grab der heiligen Martyrin Agnes in Rom und auch die kaiserliche Prinzessin hörte davon. Obwohl sie noch nicht getauft war, machte sie zur Nachtzeit eine Wallfahrt zu dem Grab und bat die Heilige unter vielen Tränen, ihr durch ihre mächtige Fürbitte bei Gott die Gesundheit zu erflehen. Plötzlich umstrahlte ein himmlischer Glanz die betende und weinende Jungfrau und vor Schrecken erhob sie sich vom Boden und fühlte sich ganz geheilt. Freudig und jubelnd eilte sie in den kaiserlichen Palast zurück, erzählte das Wunder ihrer Heilung, empfing die heilige Taufe und bekannte sich von nun an zum christlichen Glauben. Das Ereignis dieses Wunders bewährte sich dadurch, dass Konstantin der Große über das Grab der heiligen Agnes sogleich eine Kirche erbauen ließ, die im 7. Jahrhundert noch stand und von Papst Honorius I. verschönert wurde.

 

Konstantia war unterdessen zur Frau herangewachsen und blühte in reizender Schönheit, als die wilden Skythen in Thrakien einfielen und der Alleinherrschaft Konstantins ein Ende zu machen drohten. Er versammelte seine sieggewöhnten Heere und wählte zu ihrem Anführer den heldenmütigen Gallicanus, der öfters schon durch seine Tapferkeit das Schicksal der Schlachten entschieden hatte. Dieser berühmte Held stammte aus einem hohen Geschlecht und war mit reiner Liebe der Konstantia ergeben und ehe er ins Feld rückte, sprach er zum Kaiser: „Ich liebe schon lange deine Tochter aus ganzem Herzen und wenn ich mir Verdienste um das Reich gesammelt habe und wenn ich aus diesem Krieg als Sieger zurückkehre, wirst du mich beglücken mit der Hand deiner Konstantia?“ Der Kaiser gab ihm zum Zeichen seiner Einwilligung in Gegenwart der Mächtigen und Kriegsobersten den Handschlag und Konstantia übernahm mit mütterlicher Liebe während seiner Abwesenheit seine zwei Töchter aus erster Ehe, Attica und Artemia, und bat ihn, zu seinem Schutz ihre beiden christlichen Diener, Paulus und Johannes, mit in den Krieg ziehen zu lassen.

 

Als Gallicanus mit seinem Heer auf die Skythen traf, sah er mit Schrecken, dass sie dreimal stärker als er anrückten und geriet in volle Verzweiflung. In dieser schrecklichen Lage trösteten ihn Paulus und Johannes und sagten ihm mit Gewissheit den Sieg voraus, wenn er den Gott der Christen anrufen und das feierliche Gelübde machen würde, sich taufen zu lassen und dem Götzendienst zu entsagen. Der Feldherr schwur im Angesicht seiner ganzen Armee: „Du mächtiger Gott der Christen, zu dir rufe ich in meiner Not um Beistand und Hilfe! Und wenn ich diese wilden Horden, die deinen Namen lästern und entehren, bezwungen habe, will ich und die Meinigen deine Herrlichkeit verkünden den Völkern und leben nach deinen heiligen Geboten!“ Die Schlacht entbrannte und das Heer der Skythen wurde gänzlich geschlagen. Gallicanus feierte seinen Triumph in Rom und nachdem er die Taufe empfangen hatte, entsagte er allen Freuden des Lebens und lebte als Einsiedler in einer Wüste in Ägypten.

 

Konstantia, Attica und Artemia nahmen den heiligen Schleier, gelobten nebst mehreren vornehmen Römerinnen ewige Jungfräulichkeit und bewohnten ein Haus neben der Kirche, die über das Grab der heiligen Agnes gebaut war. Da ertönten Tag und Nacht heilige Psalmen zur Ehre des allmächtigen Gottes, da fanden Unglückliche Trost und Arme Erquickung, da wohnte selbst Papst Liberius während der Christenverfolgung.

 

Die heilige Konstantia von Rom, Prinzessin, eine Tochter Konstantins des Großen,

+ 4. Jhd. – Fest: 18. Februar

(aus: Marianischer Festkalender, Regensburg 1866)

 

Konstantia war eine Tochter des berühmten Kaisers Konstantin des Großen, der das Christentum als Staatsreligion erklärt und den Verfolgungen der Christen ein Ende gemacht hatte. Im Heidentum geboren und erzogen, wurde Konstantia in früher Jugend mit einem Aussatz behaftet, der ihren ganzen Leib überzog und den kein Arzt zu heilen im Stande war.

 

Als sie nun vernahm, dass viele Kranke an dem Grab der heiligen Märtyrin Agnes Hilfe gefunden hatten, fasste sie Vertrauen und entschloss sich, den gleichen Schritt zu versuchen. Hier auf den Knien betend, wurde sie bald von ihren Schmerzen befreit und schlief ein. Im Schlaf erschien ihr die heilige Agnes und redete sie mit den Worten an: „Sei standhaft Konstantia, glaube an Jesus Christus, den Sohn Gottes und Erlöser der Welt! Er wird dich befreien von deinen Schmerzen und reinigen von deinem Aussatz.“ Konstantia erwachte und war geheilt. Voll Freude kehrte sie in den Palast zurück, ließ sich im Christentum unterrichten und mit vielen Verwandten und Dienerinnen taufen. Und um ihrem Retter noch mehr zu gefallen und sich dankbar zu bezeigen, legte sie das Gelübde der Jungfräulichkeit ab, um so in die Fußstapfen der jungfräulichen Gottesmutter Maria zu treten.

 

Nicht lange darauf begehrte Gallikanus, der oberste Feldherr des kaiserlichen Heeres und ein Heide, die Kaisertochter zur Gemahlin. Man kam nun überein, Gallikanus solle zwei der getreuesten Diener Konstantins, Johannes und Paulus, beide Christen, mit sich nehmen, noch zwei uneroberte Provinzen dem Kaiser unterwerfen, seine beiden Töchter, Attica und Artemia, (denn Gallikanus war Witwer) der Obhut und Pflege Konstantias überlassen und wenn er siegreich heimgekehrt wäre, die Hand der Erwählten erhalten. Konstantia aber flehte aufs innigste zu Gott, die Sache zu seiner Ehre zu leiten. Dies geschah. Die beiden Töchter des Brautwerbers wurden für das Christentum gewonnen und gelobten sogar beständige Keuschheit. Gallikanus geriet in Gefahr, wurde aber gerettet, nachdem er geschworen hatte, im Fall des Sieges Christ werden zu wollen und gelobte noch überdies, nicht mehr zu heiraten. So fand das Gebet Konstantias seine volle Erhörung.

 

Konstantia blieb Jungfrau und wurde Vorbild und Vorsteherin einer großen Anzahl christlicher Jungfrauen, die in christlicher Einsamkeit Christus dienen und durch ausgezeichnete Tugenden die Gläubigen erbauten. Die letzten Jahre ihres Lebens brachte sie in Gesellschaft ihrer beiden Gefährtinnen, die sie zum Christentum bekehrt hatte, zu, ganz abgesondert vom Palast in einem kleinen Häuschen neben einer prächtigen Kirche, die sie zu Ehren der heiligen Agnes hatte erbauen lassen. Nach ihrem Tod, sie starb in ihrem achtzigsten Lebensjahr, wurde ihr heiliger Leichnam in einen porphyrnen Sarg gelegt und in der Kirche der heiligen Agnes zur Erde bestattet. Noch jetzt wird ihr Grabmal als ein Gnadenort und ihr Grabmal als ein Denkmal christlicher Kunst von Freunden und Einheimischen besucht.

 

Der heilige Franz Regis Clet, Märtyrer von China,

Lazaristen-Missionspriester,

+ 18.2.1820 – Fest 18. Februar

 

Am 27. Mai 1900 hat Papst Leo XIII. siebenundsiebzig Blutzeugen von Anam und China in feierlicher Seligsprechung die Verherrlichung als christliche Märtyrer zuerkannt. Mögen diese starkmütigen Streiter das Missionsfeld China segnen! Papst Johannes Paul II. hat den Missionar Franz, dessen Festtag wir heute begehen, mit 119 anderen Märtyrern in China heiliggesprochen. Zeitgemäß und Pflicht der Dankbarkeit zugleich dürfte es sein, der Namen dieser Helden immer wieder zu gedenken. Das verdient ganz besonders ein Sohn der Missionsgesellschaft der Lazaristen, die heute noch wie früher unter den Glaubensboten des „Reiches der Mitte“ einen ganz hervorragenden Platz einnehmen und die überdies in dem großen, liebenswürdigen heiligen Vinzenz von Paul ihren Vater verehren, nämlich der heilige Franz Regis Clet.

 

Dieser wahrhafte Diener des Herrn ist des Gedenkens und der Verehrung aller Guten nicht bloß wegen seines mutigen Opfertodes wert, er hat auch während seines ganzen Lebens ein bewundernswertes Beispiel zarter Frömmigkeit, andauernden Opfergeistes, tiefer Demut und heroischer Liebe gegeben. In Grenoble, der alten Hauptstadt des südöstlichen Alpengebietes von Frankreich, schien ihm am 20. März 1748 zum ersten Mal das Licht dieser Welt. Von den fünfzehn Kindern seiner frommen und vornehmen Eltern haben zwei in strengen Orden sich Gott geweiht. Franz aber trat nach einer makellos durchlebten Jugend 1769 zu Lyon der genannten Missionsgesellschaft bei, wurde 1773 Priester und wurde zum Lehrer der Moraltheologie im Seminar zu Annecy bestimmt. Klarheit und Tiefe zeichneten den Professor aus. Nach fünfzehn Jahren wurde er ins Mutterkloster St. Lazarus in Paris als Novizenmeister berufen, zu welchem wichtigen Amt ihn seine große Tugendhaftigkeit empfahl. Seine segensvolle Wirksamkeit wurde aber schon im folgenden Jahr, 1789, durch die große Revolution jäh unterbrochen. Das friedliche Missionskloster wurde von den geld- und blutgierigen Freiheitsmännern gänzlich zerstört, selbst die fünfzigtausend Bände zählende Bibliothek vernichtet, mehrere Ordensmitglieder starben unter dem Fallbeil der „freien und brüderlichen Nation“, die Genossenschaft verfiel der Auflösung, ihr Besitz dem Staat.

 

Franz Clet hatte all die unsäglichen Wirren mitgemacht. Sein bloßes Leben hatte er gerettet, aber tiefes Weh über das Unheil seines Vaterlandes und die Leiden seiner Ordensfamilie erfüllten sein Herz. Nun bat er seine Oberen, ihn zu den Heiden zu senden, um ihnen das in Frankreich so missachtete Evangelium zu bringen. Das wäre ja schon längst sein sehnlichster Wunsch gewesen. Aber wie die Ordensleitung schon seither glaubte, eine so tüchtige Kraft der Erziehung des Ordensnachwuchses vorbehalten zu müssen, so zögerte sie auch jetzt noch, gerade in dieser schwierigen Zeit des stillen Wiederaufbaus ihn wegzulassen. Da fügte es die Vorsehung, dass 1791 vor der Absendung dreier Missionare nach China unversehens einer erkrankte. Franz bestürmte von neuem seine Oberen, ihn als Ersatz zu senden, und nun fand seine Bitte Gehör.

 

Noch einen ungeahnten schweren Kampf hatte der nach dem Heilswerk der Heidenbekehrung sich sehnende Priester zu bestehen, den Kampf mit dem eigenen Blut. Eltern wie Verwandte suchten ihn von seinem Vorhaben abzubringen und im Vaterland zurückzuhalten. Der Heilige aber folgte dem Zug seines Herzens und dem Ruf des „Herrn der Ernte“. „Mein Entschluss reut mich nicht“, schrieb er vor seiner Abreise einer Schwester, „weil ich dem Fingerzeig der über mir waltenden Vorsehung zu entsprechen glaube. Allerdings macht die Natur ihre Rechte geltend und ich scheide nicht von euch ohne den Schmerz der Trennung zu fühlen; aber „Gott will es“, das ist mein Wahlspruch und du selbst hattest nie einen anderen. Ist sodann nicht auch der Gedanke, dass dein Bruder zum apostolischen Dienst auserkoren ist, eine Beruhigung? Mir gibt er die Gewissheit meiner Vorherbestimmung für den Himmel.“ Ja, auch die gottbegeisterten Seelen fühlen die Schwere ihrer Opfer; aber die Liebe überwindet alles.

 

Freudepochenden Herzens hatte Pater Clet seinen ersten Missionsposten in der Provinz Kiangsi angetreten. Hatte er von vornherein sich Gott zum Opfer gebracht, so sollte er doch nur zu bald erfahren, dass der Herr, statt die gewöhnlichen und erwarteten Opfer zu verringern, sie eher vermehrte, um ihn zum letzten großen Opfer zu befähigen. Das ungewohnte Klima wirkte schädlich auf seine Gesundheit ein. Und trotzdem! Gerade an ihm zeigte sich, was heiliger Berufseifer, ausdauernde Willenskraft und besonders Gottes Gnade auch im schwachen Menschen vermögen. Der heilige Franz Clet konnte in seinem zweiten und eigentlichen Arbeitsfeld in Hou-Kwang, einem über zweihundert Meilen ausgedehnten, ungesunden und fast ganz heidnischen Bezirk, dem Herrn das Jubelopfer als getreuer Arbeiter darbringen. Schon im ersten Jahr erlagen die zwei europäischen Priester, die ihn in der Seelsorge von etwa zehntausend weit zerstreuten Christen und in der Gewinnung von Neubekehrten unterstützen sollten, den Anstrengungen, Entbehrungen und dem Klima. Franz Clet arbeitete fünf Jahre allein unverzagt weiter, auch als Bürgerkrieg und Unruhen allen Erfolg in Frage stellten. Zwei schon betagte eingeborene Priester brachten nur geringe, ein Ordensgenosse jedoch von 1810 an tatsächliche Unterstützung. Nach acht Jahren aber erlag auch dieser den aufreibenden Mühen des Apostolates. Wieder stand Franz Clet allein da, zuletzt als Prokurator der ganzen weiten Provinz, und blieb es. Fast immer kränkelnd, zeitweilig von einem schweren Fußleiden heimgesucht, scheute er doch keine Anstrengung, keine Nachtwachen, war beständig auf Reisen, da unter Christen, sie bestärkend, dort inmitten der Heiden, sie belehrend, umgeben von Gefahren für Leib und Leben.

 

Fünfundzwanzig Jahre lang hatte so der gottbegeisterte Apostel Chinas auf hartem Missionsfeld treueste Arbeit geleistet, würdig des ewigen Lohnes. Mit vollstem Recht konnte ihm beim Seligsprechungsprozess das ehrende Zeugnis ausgestellt werden: „Clet scheute weder vor Mühen zurück, noch vor Nachtwachen, noch vor langwierigen, beschwerlichen Reisen, noch ließ er sich durch Gefahren und Drohungen einschüchtern, soviel Menschen als möglich für Christus zu gewinnen.“

 

Da brach die Verfolgung aus. Unbeirrt ging der Missionar seiner Pflicht nach. Ein Preis von tausend Taels wurde auf seinen Kopf gesetzt. Doch wusste er sich lange Zeit in Wäldern und Berghöhlen den Augen der Späher zu entziehen. Als man seine Fährte entdeckte, schien ihm die angrenzende Provinz Hunan ein Asyl zu gewähren. Doch der hohe Preis verleitete einen treulosen Christen, den mutigen Missionsoberen zu verraten. Am Fest der allerheiligsten Dreifaltigkeit, am 16. Juni 1819, wurde er, als er eben im Wohnhaus eines Christen das heilige Messopfer gefeiert hatte, von Soldaten überfallen und samt seinem Herberggeber gefangen genommen. Die achtmonatige Gefangenschaft war reich an Entbehrungen und Leiden. Schon der Kerker in Nam-Yang-Fu, ein dunkles, kaltes und feuchtes Loch, war für den vom Alter gebeugten, von Anstrengung erschöpften, von Unpässlichkeit geschwächten Missionar ein Ort der Qual, die durch Unbilden jeder Art vermehrt wurde. Nächte hindurch musste der Märtyrer mit gefesselten Beinen bewegungslos auf dem Boden liegen. Oft erhielt er beim Verhör mit einer Ledersohle bis an dreißig Backenstreiche, die so heftig waren, dass seine Wangen zerschlagen und seine Kleider blutbefleckt wurden. An anderen Tagen musste er stundenlang mit bloßen Knien auf eisernen, von zwei Pflöcken gehaltenen Ketten knien, wobei die Arme an einen in der Höhe angebrachten Balken gebunden waren. Durch ihre lange Dauer wirkte diese Tortur höchst qualvoll. Ohne ein Wort der Klage ertrug Franz alle Misshandlungen.

 

Nach fünf Wochen wurde der heilige Märtyrer, an Händen und Füßen gefesselt und, gleich einem Tier in einem Bambuskäfig eingeschlossen, nach Wu-Tschang-Fu gebracht, 140 Meilen weit. Todesschwach kam der Greis in der Hauptstadt an. Die Verhöre und Martern erneuerten sich. Doch hatte er den Trost, im Kerker einen einheimischen Priester namens Chen und andere Christen zu treffen, so dass sie sich gegenseitig stärken und zur Beharrlichkeit ermuntern konnten. Überdies erhielt der Bekenner von einem anderen Priester, der verkleidet in das Gefängnis kam, die heilige Eucharistie, die wirksamste Speise für Leben und Tod, den köstlichsten Trost für den Märtyrer. Wenn der Richter den ebenfalls standhaft im Glauben verharrenden Mitbruder Chen züchtigen lassen wollte, eilte Clet herbei und bat eindringlich, ihn statt seines Gefährten zu peitschen. Bewunderung ergriff da die Herzen selbst der rohen Henker. Etwas Großes ist es geduldig zu leiden, aber größer noch ist sich freiwillig für andere zum Leiden anbieten. Ist es ja die Nachahmung dessen, was der Herr getan hat, der „unsere Krankheiten trug und unsere Schmerzen auf sich lud“.

 

Nachdem so acht Monate harter Marter den starkmütigen Bekenner nicht erschüttern und umstimmen konnten, wurde endlich das Urteil gefällt: „Wegen Verführung des Volkes soll der Europäer Lieou (sein chinesischer Name) am ein Kreuz gebunden und erdrosselt werden.“ Mit freudigem Entzücken vernahm der Heilige diese längst ersehnte Kunde. Am 18. Februar 1820 wurde das Urteil in grauenhaftester Weise vollzogen. Der Henker drehte den Strick zusammen und schon rang der Märtyrer bewusstlos mit dem Tod. Da stellte der Unmensch seine Arbeit wieder ein. Mühsam schöpfte die Lunge des Sterbenden Luft und langsam kehrte das Bewusstsein wieder. Schmerzlich, wie fragend blickte er umher; aber jetzt drehte der Scherge den Strick wieder zu, von neuem begann der Todeskampf. Noch war die Grausamkeit des Henkers nicht ersättigt; ein zweites Mal drehte er auf und erst beim dritten Mal machte er seinem entsetzlichen Spiel ein Ende. Doch was war das? Das Antlitz des Erstickten war auf einmal nicht mehr angeschwollen, nicht mehr rot und blau: nein, es leuchtete wie verklärt und durchströmt von himmlischem Licht. Der Glanz der Seele schien sich schon jetzt, noch vor dem Auferstehungsmorgen dem Leib mitgeteilt zu haben.

 

Franz Clet zählte bei seinem Tod zweiundsiebzig Lebensjahre, von denen er einundfünfzig im Orden, siebenundvierzig im Priestertum und neunundzwanzig im Apostolat für das Heil der Seelen zugebracht hatte. Er hinterließ das leuchtende Beispiel heldenhaften Mutes und unerschütterlicher Beharrlichkeit, jener Beharrlichkeit, die nicht aus großen Erfolgen entspringt, sondern aus dem Bewusstsein getreuer Pflichterfüllung, jenes Mutes, der sich nicht auf fremde Hilfe und nicht auf eigene Kraft allein, sondern vor allem auf Gottes Gnade stützt.

 

Der Leichnam des Märtyrers erhielt später die gleiche Ruhestätte mit den Überresten des seligen Perboyre und wurde zugleich mit ihm im Jahr 1859 nach Frankreich übertragen, wo er im Mutterhaus St. Lazarus in Paris dereinst der seligen Verbindung mit der Seele harrt, während ihn inzwischen die Liebe der Gläubigen mit kostbaren Gaben ziert.

 

„Ich habe den Vater gebeten und er gibt mir die Völker zum Erbe“, spricht der Herr. Dem Herrn der Herrlichkeit, dem König der Ewigkeiten, dem Unsterblichen, der durch sein Blut die ganze Welt erlöst hat, ihm soll die Welt auch gehören! Die Stunde der Entscheidung ist da. Die ernste Stunde soll keinen zur Mitarbeit unentschieden finden! Horch! Die Märtyrer rufen, die Bannerträger Christi, des Weltkönigs, die Heldenzeugen seiner Größe!

 

„Herr, wer sind die, die den Himmel stürmen,

Ihn an sich reißend mit des Glaubens Kraft?

Sie sind es, so die böse Erde schirmen,

Dass nicht dein Zorn ihr neue Sündflut schafft.

 

Wer sind die, die das Meer, den Felsen zwingen,

Dass es entweicht, dem Fels entströmt die Flut?

Der Dorn muss Feigen, Distel Rosen bringen.

Wenn es ein Herz begehrt, das in dir ruht.

 

Wer sind sie, die dir alles hingeben,

Was deine Hand einst selber ihnen gab?

Sie sehn im Leben Tod, im Tode Leben,

Und jauchzend grüßen sie ihr Blutig Grab.

 

Wer sind sie, deren Leiber nicht verwesen?

Der Auferstehung Primeln duften schon;

Wer gläubig sie berührt, der ist genesen,

Und Schmerz und Siechtum ist vor ihm geflohn.

 

Die treuen Zeugen sind´s, die dir gefielen,

Weil sie durch Blut und Tod von dir gezeugt;

Einst sitzen sie auf hohen Richterstühlen,

Wo dann die Welt vor ihrem Spruch sich beugt.“

(L. Hensel)

 

Der heilige Helladius von Toledo, Erzbischof in Spanien,

+ 18.2.632 – Fest: 18. Februar

 

Dieser Heilige lebte am Ende des sechsten und im Anfang des siebenten Jahrhunderts und bekleidete am königlichen Hof in Spanien ein hohes Amt. Dessen ungeachtet suchte er sehr heilsam in den Klöstern zu wirken und in ihnen den wahren Geist des zurückgezogenen, klösterlichen Lebens zu wecken und zu unterhalten. Durch ihn wurde auch der heilige Ildephons in den Klosterstand aufgenommen. Da Helladius durch das Weltgetümmel in seinem gottseligen Leben zu sehr zerstreut wurde, ließ er sich in die klösterliche Einsamkeit aufnehmen, um desto ungestörter dem Drang seines sehnenden Herzens sich zu weihen. Er trat demnach 597 oder 602 ins Kloster Agallia ein, wo er 605 laut einer Chronik zum Abt erwählt wurde. Tief gebeugt von Jahren wurde er auf den erzbischöflichen Stuhl von Toledo erhoben, den er noch durch seine Tugenden verherrlichte bis in das Jahr 632, in dem er am 18. Februar starb. Seinen Namen liest man im römischen Martyrologium.

 

   Der heilige Angilbert von St. Riquier, Abt in Frankreich,

+ 18.2.814 – Fest: 18. Februar

 

Der heilige Angilbert, auch Engelbert und Inglevert genannt, wurde aus einer der vornehmsten Familien Frankreichs geboren und wurde in den Wissenschaften vom berühmten Alcuin unterrichtet. Karl der Große, an dessen Hof er erzogen wurde und der ihn sehr hochschätzte, gab ihn seinem Sohn Pipin, dem König von Italien, als ersten Minister an die Seite und erlaubte ihm seine Tochter Berta zur Ehe. (Aus dieser Ehe wurde der Geschichtsschreiber Rithard geboren.) In der Folge verließ er die Welt mit Zustimmung seiner Gemahlin und trat in das Kloster von St. Riquier (St. Richar), wo er später zum Abt erwählt wurde. Dort setzte er die Regel wieder in ihre ursprüngliche Wirksamkeit, was ihm desto leichter gelang, da er das, was er von den anderen forderte, zuerst ausübte. Karl der Große rief ihn mehrere Male aus dem Kloster, um ihn bei wichtigen Angelegenheiten um Rat zu fragen und ihm Geschäfte zu übertragen, die auf das Wohl der Kirche und des Staates Bezug hatten. Er bestimmte ihn auch zum Vollzieher seines Testaments. Aber wenige Wochen nach Karl dem Großen starb auch er am 18. Februar im Jahr 814.                      

  

Gebet am 18. Februar

 

Unbefleckte und hochgebenedeite Jungfrau Maria, weil du die Ausspenderin der göttlichen Gnaden bist, so bist du auch die Hoffnung aller, so bist du auch meine Hoffnung. Ich danke dir, meine Königin, dass du selbst dich mir zu erkennen gegeben hast, dass du mich die Mittel hast erkennen lassen, die ich anwenden muss, um die Gnade Gottes zu erlangen und dereinst selig zu werden. Steh mir bei durch deine Fürbitte jetzt und in der Todesstunde. Amen.

 

Zu Gott

 

Lass uns, o unendlicher Gott, zu unserer heilsamen Beschämung die sträfliche Feigheit in Deinem Dienst erkennen, deren wir uns so oft schuldig machen. Möge das Beispiel unserer Väter im Glauben uns endlich belehren, wozu uns der Ehrenname eines Christen verpflichtet, damit wir auch Deiner Verheißungen teilhaftig werden, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Zu Gott auf die Fürbitte der heiligen Leo und Paregorius

 

Allmächtiger Gott, halte auf die Fürbitte deiner heiligen Märtyrer Leo und Paregorius unseren Mut in den Bedrängnissen aufrecht, die wir so oft in Deinem heiligen Dienst zu bestehen haben. Lass uns durch das Beispiel Deiner treuen Diener gekräftigt erfahren, dass für die, die Dich lieben, alles nicht nur möglich, sondern sogar leicht ist. Durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

In diesen Tagen wurde zu Acren bei Ath in Niederlanden seit fast 600 Jahren ein wegen vieler Wunder berühmtes Muttergottesbild mit großem Zulauf des Volkes verehrt. Die schnelle Herstellung eines sehr verletzten Auges im Jahr 1629, aus dem 18 Jahre lang, da die gesund gemachte Person der Danksagung wegen dorthin kam, zum Zeichen der ehemals erhaltenen Gnade, das unschädliche Blut geflossen ist, hat die Andacht ungemein vermehrt. Der damalige Erzbischof von Cambray hat die Begebenheit untersucht und bestätigt.

 

Andacht am 18. Februar:

 

Das Thema im Februar:

Von der Demut

"Wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden." (Lukas 14,11)

 

"Wer wahrhaft demütig ist, kann nie überzeugt werden, dass ihm, worin immer es sei, Unrecht widerfährt. Bedenken wir die große Verkehrtheit, dass unser Schöpfer so viele Beleidigungen von seinen Geschöpfen erträgt, indes ein leichtes Schmähwort uns verwundet! Wenig liegt daran, ob man uns achtet oder nicht; ob Gutes oder Böses von uns gesprochen wird. Ehren sollen uns mehr weh tun als Beleidigungen und Beschimpfungen." (Die heilige Theresia von Avila)

Einer der heiligen Altväter der Thebaidischen Wüste pflegte zu sagen: "Je tiefer ein Mensch durch die Demut sich erniedrigt, um so höher wird er erhoben werden. Stiege auch die Hoffart in den Himmel hinauf, sie müsste von dort in die Tiefe der Hölle gestürzt werden; und erniedrigte sich die Demut bis in die tiefste Hölle, so wird sie dennoch von dort bis in den Himmel erhöht."

Als der heilige Franz von Sales sah, dass seine Freunde betrübt wurden, weil man sie verleumdet hatte, sprach er zu denen, die ihm ihren Unmut darüber bezeugten: "Dazu habe ich euch nicht berechtigt; lasst sie tun; dies ist ein Kreuz, das aus Worten, eine Trübsal, die aus Wind besteht und mit dem Schall der Worte verwehen soll. Man müsste wohl über die Gebühr zärtlich sein, wenn man den Stich einer Mücke nicht aushalten könnte. Was tut man uns denn für Unrecht an, wenn man schlecht von uns denkt?, sollen wir doch selbst schlecht von uns denken!"

 

Nimmermehr widerfährt mir Unrecht, mein Gott, wie sehr ich auch misshandelt werde; denn verdient habe ich durch meine Sünden, dass alle Geschöpfe sich gegen mich erheben, die Empörung zu rächen, deren ich gegen Dich, meinen Schöpfer, mich anmaßte! Leiden also will ich mit Geduld, wenn Du mich nur nicht auf ewig verwirfst! Amen. 

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 18. Februar

 

"Viele Handlungen scheinen Liebeswerke zu sein;

weil die Ordnung der christlichen Klugheit aber nicht darin waltet,

ist der Herr nicht dabei."

 

hl. Antonius OP

1389 bis 2.5.1459

 

Betrachtung am 18. Februar - Vom Leben in Gottes Gegenwart

 

Bestrahle mich mit deinem Licht

Und sei mir, Herr, zur Seite.

Dass ich vor deinem Angesicht

Auf deinem Wege schreite:

Dein Blick flößt Mut und Liebe ein,

Und macht das Leben süß und rein.

 

1. Wo immer du sein magst, bist du in Gottes heiliger Gegenwart. Und so ganz einzig gedenkt er deiner, als ob er keines anderen Geschöpfes weder im Himmel noch auf Erden zu gedenken hätte. Ja innig nahe ist er dir, "denn in ihm leben wir, bewegen wir uns und sind wir." (Apostelgeschichte 17,28) Zu jeder Zeit, bei Tag und bei Nacht, sind die Augen des Herrn auf dich gerichtet, und nichts, was immer du tun magst, ist vor ihm verborgen. Dies Bewusstsein drängte den heiligen Dulder Ijob zu dem Ausruf: "Sieht Gott denn meine Wege nicht, zählt er nicht alle meine Schritte?" (Ijob 31,4)

 

2. Präge diese Wahrheit tief in dein Herz, denn sie wird vor vielen Sünden und Fehlern dich bewahren. Wie auch, mein Gott, sollte ich es wagen, in deiner Gegenwart selbst, in der Gegenwart meines Schöpfers und Vaters, in der Gegenwart des Richters meiner Ewigkeit Böses zu tun? Bist du von dieser Wahrheit durchdrungen, dann wird es dir leicht werden, jede Anfechtung des Versuchers, jeden Widerwillen der Natur zu überwinden und in kurzer Zeit eine hohe Vollkommenheit zu erreichen. Denn die Kraft dieses göttlichen Lichtes wird dein Herz beständig zu ihm erheben, und deine Aufmerksamkeit schärfen, alle deine Werke zu seiner Ehre, und daher mit großer Freude und Liebe zu wirken.

 

3. Diese heilige Aufmerksamkeit auch wird dich zu der innigsten Ansprache mit deinem Schöpfer belehren. Das Leben in der Gegenwart ihres Gottes war die höchste Freude heiliger und gerechter Menschen. In zartester Liebe opferten sie ihm alle ihre Werke, alle ihre Leiden und Trübsale auf, erweckten ohne Unterlass Akte dieser göttlichen Liebe. Und der Gedanke, dass Gott sie beständig sieht, wurde für sie ein Quell des seligsten Vertrauens, und eiferte sie auch beständig an, alle ihre Gedanken, Begierden und Werke also zu ordnen, dass sie der göttlichen Gegenwart würdig seien. Daher auch nennt der Apostel solche Gerechte "nicht mehr Gäste und Fremde, sondern Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes". "Ich habe den Herrn beständig vor Augen. Er steht mir zur Rechten, ich wanke nicht." (Psalm 16,8)

 

19. Februar

 

Der heilige Konrad, Einsiedler,

+ 19.2.1351 - Fest: 19. Februar

 

Konrad wurde zu Piacenza in Italien geboren. Seine frommen Eltern erzogen ihn mit aller Sorgfalt in aller Gottesfurcht und drangen in ihn, nachdem er zum Mann herangereift war, sich mit einer tugendhaften Jungfrau zu vermählen. Seine Wahl fiel auf Euphrosyne, eine Zierde der christlichen Töchter ihrer Vaterstadt; Unschuld und Sittsamkeit waren der vorzüglichste Schmuck und Brautschatz, den sie in den Ehestand mitbrachte.

 

Konrad lebte glücklich und gottesfürchtig, doch hafteten ihm manche Schlacken der Unvollkommenheit an, die ihm gefährlich werden konnten. Noch hing sein Herz gar sehr an irdischem Besitz, und besonders war er dem Vergnügen der Jagd leidenschaftlich ergeben. Von diesen Dingen wollte ihn der Herr reinigen.

 

Eines Tages ging Konrad wieder auf die Jagd, konnte aber kein Wild finden; um es aufzutreiben, zündete er das Gesträuch an. Aber plötzlich erhob sich ein starker Wind und von seiner Gewalt wurde das Feuer so heftig angefacht, dass auch der nahegelegene Wald davon ergriffen wurde und gänzlich niederbrannte. Mit Mühe hatte der erschreckte Jäger sich unbemerkt in die Stadt schleichen und so der Strafe entgehen können. Die Obrigkeit forschte nach dem Täter und der Verdacht fiel auf einen alten Mann, der in der Nähe des brennenden Waldes bemerkt worden war. Er wurde in das Gefängnis geworfen und auf die Folter gespannt. Von den Schmerzen der Folter überwältigt, gab sich der Unglückliche wirklich als Täter an und wurde zum Tode verurteilt. Jetzt regte sich in Konrad die Stimme Gottes und trieb ihn an, den Unschuldigen um jeden Preis zu retten; und Konrad ging mutig hin und zeigte sich selbst als den Urheber des Schadens an und erklärte sich bereit, ihn zu ersetzen. Es kostete ihn fast sein ganzes Vermögen.

 

Der Sieg der Gnade Gottes über Konrads Herz war vollständig. Es ergriff ihn ein tiefer Ernst. Er erkannte die Eitelkeit aller irdischen Dinge und beschloss, auch sein noch übriges Vermögen den Armen zu geben und sich ganz dem Dienst des Herrn zu weihen. Als er diesen Gedanken Euphrosyne mitteilte, willigte sie mit Freuden ein und ließ sich in ein Kloster der Klarissinnen aufnehmen.

 

Konrad ging nach Rom und trat in den III. Orden des heiligen Franziskus ein. Von Rom zog er nach Sizilien, wo er sich dem Krankendienst weihte. Später begab er sich mit einem frommen Einsiedler auf einen Berg, um sich ganz dem beschaulichen Leben zu widmen und sich auf einen seligen Tod vorzubereiten. Der Ruf der Heiligkeit dieser Männer verbreitete sich weitum, so dass selbst der Bischof von Syrakus sich aufmachte und sie besuchte und sich mit eigenen Augen von dem überzeugte, was er gehört hatte. Sie aßen nur trockenes Brot und Feldfrüchte und schliefen auf bloßer Erde. Weil aber die Armen Konrad auch in der Einsamkeit aufsuchten und ansprachen, so suchte er durch Handarbeit etwas zu verdienen, um ihnen etwas geben zu können; überdies sammelte er alle Wochen in der nahen Stadt für sie Almosen. Konrad war ausgezeichnet durch die Gabe der Wunder und Weissagung. Einen guten Freund heilte er augenblicklich durch sein Gebet. Ebenso machte er ein gebrechliches Kind, das ihm begegnete, auf der Stelle durch das Zeichen des heiligen Kreuzes gesund. Drei Tage vor seinem Tod begab er sich zu seinem Beichtvater in die Stadt und empfing von ihm die heiligen Sakramente. Er bat ihn dann, nach drei Tagen in seine Klause zu kommen. Der Priester erschien wirklich zu dieser Zeit. Konrad kam ihm entgegen, verkündete ihm seinen nahen Tod, warf sich dann, vom Fieber ergriffen, vor dem Kruzifix nieder, betete für alle seine Wohltäter und gab kniend seinen Geist auf am 19. Februar 1351 im 61. Jahr seines Alters.

 

Der heilige Auxibius, 1. Bischof und Bekenner von Cypern,

+ 19.2.102 – Fest: 19. Februar

 

Der heilige Auxibius wurde in der 2. Hälfte des ersten christlichen Jahrhunderts in Rom aus einer ansehnlichen und reichen Familie geboren und von seinen heidnischen Eltern im Götzendienst erzogen. Er hatte eine äußerst sanfte Gemütsart und machte in den Wissenschaften glänzende Fortschritte, wodurch er sich ganz von seinem einzigen Bruder Themistagora unterschied, der ein aufbrausender, den Lastern der Wollust und Unmäßigkeit ergebener junger Mann war. Auxibius überzeugte sich entweder durch seine Vernunft, oder durch das heilige und tugendvolle Leben der Christen von der Schändlichkeit des Heidentums und erwartete mit Sehnsucht eine Gelegenheit, den Unterricht in der christlichen Religion zu bekommen. Seine hohe Gelehrsamkeit und vortreffliche Bildung vereint mit Tugenden, denen selbst die Heiden ihre Achtung nicht versagen konnten, bahnten ihm den Weg zu den höchsten Staatsämtern. Seine Eltern hatten Anstalten getroffen, ihn mit einer römischen Jungfrau aus einem der ältesten Geschlechter zu vermählen. Aber Auxibius, dessen Streben auf ganz andere Güter, als auf Reichtum und Ansehen vor den Menschen, gerichtet war, weigerte sich ernstlich, eine Heidin zur Gemahlin zu nehmen und um den Drohungen eines aufgebrachten Vaters und den Bitten einer zärtlichen Mutter zu entgehen, verließ er Rom und schiffte sich nach Rhodos ein, von wo er sich auf die Insel Cypern begab und auf einem Landgut sich durch die Handarbeit ernährte.

 

Damals predigten Barnabas und Markus den Juden und Heiden das Evangelium Jesu und bekehrten die Völker zur Erkenntnis des wahren Gottes. Aber die Einwohner von Cypern, die noch ganz in den Götzendienst und Unglauben versenkt waren, empörten sich wider die Heiligen und ermordeten den Barnabas und Markus rettete sich durch die Flucht. Drei Tage lang verbarg er sich vor der Wut der Heiden in einer Höhle und fand schließlich Schutz auf dem Landgut, wo sich der fromme Auxibius befand, der in größter Armut ein heiliges Leben führte, aber noch keine Gelegenheit gefunden hatte, die heilige Taufe zu erhalten. Mit inniger Liebe empfing er den Apostel Jesu und äußerte ihm gegenüber sein sehnliches Verlangen, unter die Zahl der Kinder Gottes aufgenommen zu werden. Markus unterrichtete ihn in den Wahrheiten der christlichen Lehre und nachdem er ihn getauft hatte, fand er ihn so erfüllt mit der Gnade des heiligen Geistes, dass er ihn zum Bischof von Solus weihte. „Mein Sohn“, sprach der Apostel beim Abschied zu seinem Jünger, „erinnere dich stets an die Lehren und Ermahnungen, die ich dir zu deinem und dem Heil deiner Mitmenschen gegeben habe. Wirke unermüdet mit der Gnade des heiligen Geistes, die du durch die Handauflegung empfangen hast, und führe die Herde, die Gott dir anvertraut hat, aus ihrer Verblendung zum Licht des Evangeliums. Wenn du nach Solus kommst, erbittere durch zu großen Eifer nicht die dortigen Einwohner, sondern behandele sie wie Kinder, deren Zutrauen zuerst durch zuvorkommende Liebe und Wohltaten muss gewonnen werden. Niemand darf dich zu Anfang als einen Glaubenslehrer erkennen, denn die Menschen hängen zu sehr am Aberglauben und an Vorurteilen. Suche zuerst ihre Freundschaft und dann wirst du Eingang in ihre Herzen finden. Beobachte bei deinen Belehrungen und Predigten den Gang der Natur und schreite vom Leichteren zum Schwereren. Milch ernährt die Kinder und bereitet ihren Körper zur nahrhafteren Speise vor.“ So sprach Markus und nachdem er seinem Jünger den Kuss des Friedens gegeben hatte, ging er mit Timon und Rhodon nach Alexandria und Auxibius trat die Reise nach Solus an.

 

Vor dem Tor der Stadt Solus stand ein Götzentempel, dem Jupiter geweiht, neben dem ein heidnischer Priester wohnte, der zur bestimmten Zeit dem Götzen opfern musste. Als der den heiligen Auxibius an seinem Haus vorbeigehen sah, rief er ihn zu sich, erquickte ihn mit Speise und Trank und erkundigte sich, woher er komme und welche Geschäfte er in der Stadt zu besorgen habe. Der Heilige antwortete ihm, dass er ein Römer und deswegen hierhergekommen sei, um einige Zeit lang die angenehme Lage dieser Gegend zu genießen. Der Priester bot ihm Wohnung und Tisch als seinem Gastfreund an und wurde bald zum christlichen Glauben bekehrt. Durch seine Empfehlung fand Auxibius bald Zutritt in mehreren Häusern in der Stadt und nach einem Jahr hatte er schon viele Jünger und Schülerinnen, die im Geheimen der christlichen Religion anhingen. Als das der heilige Apostel Paulus hörte, sandte er an den Heraclydes, Erzbischof von Cypern, einen Brief, worin er ihm befahl, den eifrigen und frommen Auxibius in der Stadt Solus feierlich als Bischof einzuführen. Heraclydes fand den Bischof im Haus des bekehrten Götzenpriesters und er begab sich mit ihm in die Stadt, bestimmte einen Ort zu einem christlichen Gotteshaus, stellte ihn der Christengemeinde als ihren Oberhirten vor und befahl ihm, dass er künftig das Evangelium öffentlich verkünden sollte. Unterstützt durch reichliche Gaben von den Neubekehrten, erbaute der heilige Auxibius eine herrliche Kirche und predigte das Wort Gottes mit einem solchen Eifer, dass er bald eine große Menge Heiden zur Erkenntnis des wahren Gottes brachte. Noch größer wurde die Anzahl der Gläubigen, als der Heilige die Wahrheit seiner Lehre mit Wundern bekräftigte. Aus allen Gegenden brachte man zu ihm die Besessenen, Kranken und Bedrängten, die er im Namen von Jesus heilte und die sich alle taufen ließen.

 

Der Ruf von den Wundertaten und der Heiligkeit des Bischofs Auxibius verbreitete sich bis nach Rom und sein Bruder Themistagoras machte sich mit seiner frommen Gemahlin Timo sogleich auf den Weg, um ihn zu besuchen. Schon nach einigen Tagen wurde er durch das heilige Leben und durch die gottseligen Gespräche des Oberhirten so sehr gerührt, dass er die heilige Taufe empfing und mit einem brennenden Eifer die Pflichten des Christentums erfüllte. Mit Einwilligung seiner Gemahlin, die den heiligen Schleier als Diakonissin nahm, wurde er Diakon und weihte sich ganz dem Dienst Gottes. Fünfzig Jahre lang verwaltete der heilige Auxibius segensreich sein heiliges Amt und starb, verehrt von allen Menschen und von Gott mit Wundern verherrlicht, im hohen Greisenalter.

 

Die selige Elisabeth Picivarda (Picenardi),

Nonne von Mantua, Italien, III. OSM, Servitin,

+ 19.2.1468 – Gedenken: 19. Februar

 

Am 19. Februar des Jahres 1468 verlor die Stadt Mantua die ehrwürdige Maria (Elisabetha) Picivarda, aus dem Serviten-Orden.

 

In ihrer Jugend wurde Elisabeth von vielen reichen und vornehmen jungen Männern zur Ehe begehrt. Doch sie schlug jeden Antrag aus, denn der himmlische Bräutigam, Jesus Christus war es, dem sie ihre jungfräuliche Keuschheit verlobt hatte. Um diesen kostbaren Schatz vor den Verführungen der Welt sicher zu stellen, trat die edle Jungfrau entschlossen in den dritten Orden der Dienerinnen Mariä, wo sie durch strenges Leben, durch Kasteiung ihres Leibes, durch Fasten und Abtötung der Gelüste des Fleisches siegreich bekämpfte. In Nachahmung der heiligen Einsiedlerinnen trug sie ein raues Bußkleid unter dem Klosterhabit und einen eisernen vier Finger breiten Bußgürtel auf bloßem Leib. Überdies geißelte sie mehrmals die Woche ihre zarten Glieder bis aufs Blut.

 

Neben diesen Bußübungen pflegte sie gar innige Andacht zur seligsten Jungfrau Maria und vertraute ihr mit kindlicher Offenheit jede Angelegenheit ihres Lebens an, redete mit ihr, wie mit einer Freundin, und erwirkte sich selbst und anderen eine Menge Gnaden und Wohltaten, als deren Spenderin Maria gepriesen wurde. Wer immer von einer Not bedrängt oder von einem Übel schwer heimgesucht war, wandte sich an Elisabeth, sprach sie um ihr Gebet und ihre Vermittlung an und fand dann Erhörung. So kam es, dass sie in der Folge nur die Berichterstatterin (referendaria) Mariä genannt wurde, weil sie in frommer Kühnheit jedes Anliegen dieser Helferin der Christen berichtete und vortrage und ihr nichts, um was sie gebeten, abgeschlagen wurde.

 

Unter Gebet und Betrachtung, in Verehrung der Gottesmutter und in Befolgung der Ordensregeln schwanden der tugendhaften Servitin die Lebenstage dahin. Als dann die Stunde des Scheidens nicht mehr sehr fern aber doch allen noch unbekannt war, erkannte Elisabeth durch höhere Erleuchtung, dass eben der 19. Februar ihr Todestag werde. Noch vor ihrem Hingang wurde sie gewürdigt Jesus und Maria mit ihren leiblichen Augen in einem Gesicht zu schauen. Und als dann ihre Seele von hinnen schied, da blieb ihr Angesicht unentstellt, mehr noch: es wurde schön und glänzend – wie dies bei Heiligen so häufig angetroffen wird, und alsbald geschahen an ihrem Grab mehrere Wunder, die in den Annalen des Serviten-Ordens sorgfältig aufgezeichnet sind.

 

In demselben Jahr wurde auch – wie eine alte Chronik erzählt – der Leib eines gottseligen „Dieners Mariä“ erhoben, Jakob mit Namen, dessen Leib nach 140 Jahren ganz unverwest mit allen Gliedern aufgefunden wurde: die Haut, das Fleisch, die Haare, der Bart, die empfangenen Wunden am Kopf, das Kleid – kurz alles war ganz und gar unversehrt.

 

Schon ehe Jakob das Licht der Welt erblickt, begab sich Wunderbares mit ihm: der Mutter dünkte nämlich, ihr Kind werde einst eine zusammenstürzende Kirche vom Untergang erretten. Ein andermal war ihr, als sollte sie eine purpurfarbene Lilie zur Welt gebären, was die doppelte Bedeutung hatte, dass ihr Sprössling große Liebe zur Keuschheit tragen und dass er werde gemartert werden.

 

In seiner Jugend war sein ganzes Tun: die Kirchen besuchen, den heiligen Gottesdiensten beiwohnen, den Armen, Waisen, Fremdlingen Hilfe und Liebe erzeigen. Und da er einmal in der Kirche den Bibelspruch vernahm: „Wer nicht Vater und Mutter und alles, was er hat, um meinetwillen verlässt, der kann mein Jünger nicht sein“ – da teilte er sein Vermögen unter die Armen aus und begab sich in den Orden der Serviten.

 

Die Legende erzählt von ihm weiter, dass er in späteren Jahren das Recht seines Klosters gegen die Gewaltigen wacker verteidigte und hierbei einmal mit einem gar Widerspenstigen zu tun bekam, der seine Klage gegen den Servitenmönch Jakob in Rom beim Papst anbrachte. Allein die Entscheidung fiel zugunsten der schwächeren aber gekränkten Partei aus und so war Jakob der Rache des Mächtigen preisgegeben. Durch bestellte Mörder lässt er dem armen Mönch auflauern und ihn meuchlings aus dem Leben schaffen. Den unbegrabenen Leib fanden die Hirten mitten im Winter bei einem grünen Baum und als sie den Vorfall anzeigten, stritt man sich um den Leichnam, denn jede der benachbarten Kirchengemeinden wollten den frommen gottseligen Diener Mariä, der um der Gerechtigkeit willen den Tod erleiden musste, innerhalb ihres Gotteshauses zur Erde bestatten. Er kam zuletzt in eben jene Spitalkirche zur Beerdigung, wegen deren Güter der Streit seinen Anfang genommen hatte. Sein Grab leuchtete mit Wunderzeichen. 

 

Der heilige Barbatus von Benevent, Bischof und Bekenner,

+ 19.2.682 – Fest: 19. Februar

 

Barbatus wurde in der Gegend von Benevent in Italien gegen Ende des Pontifikats des heiligen Gregor des Großen geboren, d.h. am Anfang des 7. Jahrhunderts. Seine gottesfürchtigen Eltern wendeten alles an, um ihrem Sohn eine christliche Erziehung zu geben. Und sie hatten auch den Trost zu sehen, dass ihre Sorgen nicht fruchtlos waren. Von seinen ersten Jahren an zeigte der junge Barbatus schon die Anlagen, die den hohen Grad der Heiligkeit, den er erreichte, nicht undeutlich vorhersehen ließen. Kaum hatte er das kanonische Alter erreicht, als er sich in den geistlichen Stand aufnehmen ließ. Er hatte sich dieser Ehre durch eine große Liebe für die Kenntnis der Heiligen Schrift, durch die Einfalt und Unschuld seiner Sitten und durch den außerordentlichen Eifer, mit dem er stets auf dem Pfad der Tugend voranschritt, würdig gemacht. Da er mit seinem seltenen Rednertalent begabt war, beauftragte ihn sein Bischof, dem Volk die Lehren des Heils zu verkündigen und ernannte ihn einige Zeit danach zum Pfarrer in der Kirche zum heiligen Basilius in Mercone, einer kleinen Stadt unweit von Benevento. Der Heilige sah bald ein, dass er es mit einem Volk zu tun hat, das von keiner Besserung hören wollte. Und in der Tat, seine Pfarrkinder waren ganz unbeugsam und allem Guten abgeneigt. Ganz in den Pfuhl des Lasters versunken, verschlossen sie hartnäckig das Ohr der Ermahnungen ihres Hirten, der sie zur Buße zu bewegen versuchte. Sie beschuldigten ihn sogar der Störung ihrer öffentlichen Ruhe und nahmen daher Gelegenheit, ihn zu misshandeln. Voll Zorn, dass sie durch dieses Mittel ihren Zweck nicht erreichen konnten und sehen mussten, dass der Heilige ihrer Bosheit nur bescheidene Demut und eine unveränderliche Geduld entgegensetzte, nahmen sie ihre Zuflucht zur Verleumdung. Schließlich kam es soweit, dass Barbatus sich gedrängt sah, seine Kirche zu verlassen. Von seinem bisher verwalteten Amt hatte er jedoch wenigstens den Vorteil, die von Gott ihm zugesandten Prüfungen dazu benützt zu haben, sein Herz durch eine immer vollkommenere Lostrennung von der Welt und seiner selbst zu reinigen. Er kehrte nach Benevento zurück, wo er von allen, die seinen heiligen Wandel kannten, mit Freuden aufgenommen wurde.

 

Die Kirche von Benevento (Die Überlieferung dieser Kirche sagt, dass der heilige Pothin, den der heilige Petrus geschickt hat, ihr erster Bischof gewesen ist. Aber man kennt seine Nachfolger nicht bis zum heiligen Januarius, der im Jahr 305 gemartert wurde.) seufzte damals unter der Last eingerissener Missbräuche. Mehrere ihrer Kinder entehrten die Heiligkeit des Christentums durch verschiedene Arten des Aberglaubens, der von den Langobarden abstammte. Barbatus fühlte sich beim Anblick dieser Unordnungen von heiligem Eifer ergriffen. In seinen Predigten bekämpfte er sie mit allem Nachdruck und suchte mit ihnen zu beweisen, wie sehr Gott sie verabscheut. Der anfangs geringe Erfolg konnte ihn nicht mutlos machen. Er fuhr fort, über dieses Thema zu predigen und da er wusste, dass die Bekehrung der Herzen eine Wirkung der Gnade ist, suchte er seinerseits die göttliche Barmherzigkeit durch intensive Gebete und strenges Fasten zu besänftigen. Um endlich die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer zu wecken, verkündigte er ihnen die Drangsale, die das Heer des Kaisers Constans über ihre Stadt bringen würde. Dieser Fürst kam auch wirklich nach Italien, belagerte Benevento und stürzte die Bewohner in die äußerste Not. Die Bürger, von Schrecken ergriffen, wurden gelehrig, gingen in sich und versprachen, den Irrtümern und dem Aberglauben abzuschwören, denen sie sich so blind ergeben hatten. Der Heilige benützte diese glückliche Stimmung, belebte mit neuer Kraft durch Worte des Trostes die niedergeschlagenen Gemüter und versicherte sie, dass der Kaiser die Belagerung der Stadt aufheben wird, was auch durch den Ausgang als Vorhersage bestätigt wurde.

 

Diese verschiedenen Umstände brachten eine große Umänderung in den Sitten hervor. Barbatus wurde in der Folge als ein Mann angesehen, dessen sich der Himmel augenscheinlich annehme. Man setzte daher ein gänzliches Vertrauen auf ihn, und dadurch wurden ihm die Mittel erleichtert, alle Missbräuche abzuschaffen. Hildebrand, der Bischof von Benevento, war während der Belagerung dieser Stadt gestorben. Die erste Sorge nach erhaltenem Frieden war, dass man Barbatus zu seinem Nachfolger erwählte. (Der bischöfliche Sitz zu Benevento wurde um das Jahr 965 von Papst Johannes XIII. zu einem erzbischöflichen Stuhl erhoben.) Der neue Bischof, der am 10. März im Jahr 663 geweiht wurde, verdoppelte seinen Eifer, um das große Werk, das er so glücklich begonnen hatte, zu immer höherer Vollkommenheit zu führen, und es gelang ihm auch alles, was den Aberglauben seither begünstigt hatte, von Grund aus zu zerstören. Im Jahr 680 wohnte er einem Konzil zu Rom bei, und im folgenden Jahr dem 7. Allgemeinen Konzil, das zu Konstantinopel, auf Veranlassung des Monothelismus, gehalten wurde, auf dem derselbe verdammt wurde. Er starb am 19. Februar 682 in einem Alter von ungefähr siebzig Jahren. Seinen Namen findet man im römischen Martyrologium. Die Kirche von Benevento verehrt ihn als einen ihrer ersten Schutzheiligen.

 

Schon manche Sünder hat die Furcht vor den Übeln dieses Lebens zur Besinnung gebracht. Wie kommt es aber, dass die Furcht vor den Übeln des zukünftigen Lebens dies nicht vermag, oder beinahe gar keinen Eindruck auf uns macht? Die Ursache hiervon ist, weil wir sie nur in der Ferne oder mit einem flüchtigen Blick betrachten oder weil wir als sinnliche Menschen die Strafen der Ewigkeit nicht mit leiblichen, sondern nur mit den geistigen Augen des Glaubens zu schauen vermögen. Es ist demnach unmöglich, dass selbst die schrecklichsten Wahrheiten kräftig auf unser Herz wirken, wofern wir sie nicht stets unserm Geist vorhalten und sie uns durch reifliche Betrachtung vergegenwärtigen. Daher kommt es, dass die Bekehrungen, die in der Krankheit geschehen, fast niemals aufrichtig sind. Man sehe nur auf das Verhalten derjenigen hin, denen Gott die Gesundheit wieder geschenkt hat. Fallen sie nicht stets wieder in dieselben Fehler, in dieselben Gewohnheitssünden? Der heilige Augustin erzählt uns deshalb eine Begebenheit, die hier angeführt zu werden verdient. Zu Konstantinopel sah man eine außerordentliche Lufterscheinung, die Anlass gab, dass einige prophezeiten, die Stadt würde durch Feuer vom Himmel verzehrt werden. Die Bewohner, von Schrecken ergriffen, taten Buße nach dem Beispiel der Niniviten: sie verließen mit dem Kaiser die Stadt und zogen an einen entfernten Ort. Als der bestimmte Tag, an dem die Erfüllung dieser Vorhersage geschehen sollte, vorüber war, schickte man hin um zu sehen, was aus der Stadt geworden sei. Da sie hörten, dass die Stadt noch steht, kehrten sie zurück und fuhren fort zu leben, wie vorher. Dies ist das Bild der Sünder, von denen wir geredet haben. Ihre guten Entschlüsse verschwinden, sobald die Gefahr vorüber ist.

 

Der heilige Gabinus von Rom, Priester und Märtyrer,

+ 19.2.296 – Fest: 19. Februar

 

Gabinus oder Gabinius stammte aus Dalmatien von einer sehr vornehmen Familie, da er mit Kaiser Cajus Valerius Diokletian verwandt war. Er hatte einen Bruder, mit Namen Cajus, es war derselbe, der 280 auf den apostolischen Stuhl erhoben wurde. Auch sein Vater hieß Cajus und bekannte sich, wie seine Mutter, zur christlichen Religion. Unter der strengen Aufsicht ihrer Eltern genossen die Kinder eine sehr gottselige Erziehung und wurden früh schon zu allen schönen Wissenschaften angeleitet. In der Folge zogen sie nach Rom, wo der Vater eine Höchst ehrenvolle Würde bekleidete. Da verband sich Gabinius mit einer edlen und christlichen Jungfrau, die ihm eine einzige Tochter, Susanna, gebar. Der gottesfürchtige Vater, der alle damals die Christen bedrohende Gefahren kannte, suchte seine Tochter davor zu verwahren und in den unwandelbaren Grundsätzen des Glaubens zu bestärken. Dieser Eifer wurde durch den Märtyrertod belohnt, den Susanna für ihre Religion und zur Bewahrung ihrer Jungfrauschaft erlitt.

 

Die tätige Liebe des Heiligen erstreckte sich nicht nur auf die ihm vom Himmel anvertraute Pflanze der Unschuld, auch andere suchte er für die Wahrheit zu gewinnen. So führte er einen vornehmen Römer, Claudius, mit dessen Gemahlin Präpedigna und ihren zwei Söhnen, Alexander und Cutias, nebst Maximin, dem Bruder des Claudius, in den Schoß der Kirche Jesu Christi ein.

 

Nach dem Tod seiner Gattin empfing Gabinius die heilige Priesterweihe, und mit dem Geist Gottes ausgerüstet, begann er erneuten Mutes die Lehre Jesu zu verbreiten. Dadurch zog er sich den Hass des Kaisers Diokletian zu, der ihn verhaften ließ. Im Jahr 296 starb er des Märtyrertodes. 

 

Der selige Bonifatius von Lausanne, Bischof in der Schweiz OCist,

+ 19.2.1266 - Gedenktag: 19. Februar

 

Bonifatius wurde in Brüssel um das Jahr 1188 geboren und 1205 nach Paris geschickt, um dort seine Studien zu vollenden. Hier bewahrte er, mitten unter den vielen schlechten Beispielen einer ausgelassenen Jugend, seine Unschuld durch seine Liebe zur Tugend, durch seine Frömmigkeit und seinen Eifer für die Wissenschaften, die ihm keine Zeit ließen, dem Müßiggang sich hinzugeben, gefährlichen Umgang zu pflegen und Anteil an den Zerstreuungen zu nehmen, in die seine Gefährten ihn verwickeln wollten und in denen er Gelegenheit zur Sünde zu finden glaubte. Die Zeit, die ihm der Besuch seiner verschiedenen Lehrstunden übrigließ, brachte er teils zu Hause mit Studieren, teils in der Kirche mit Beten, teils bei frommen Männern zu, die er über die Wissenschaft des Heils befragte. Er hielt sich 30 Jahre an der Universität zu Paris auf, wo er in den sieben letzten Jahren die Theologie mit großem Beifall lehrte. Dass er Rektor der Universität gewesen war, bezeugt uns Thomas von Cantimpré, der zu seiner Zeit lebte. (Thomas Cantipratanus, ein gelehrter Niederländer, geboren 1186 oder nach anderen Quellen 1201, in der Gegend von Brüssel, war anfangs regulierter Chorherr zu Cantimpré bei Cambrai, dann Dominikaner zu Köln unter Albertus Magnus, hierauf Subprior im Jakobinerkonvent zu Paris und schließlich Rektor in Löwen.) Dieser Schriftsteller meint aber, er sei es erst nach Niederlegung seiner Bischofswürde geworden. Henschenius hingegen glaubt, er sei es während seines 30jährigen Aufenthaltes zu Paris gewesen, also, bevor er zum Bischof von Lausanne erwählt wurde. Deswegen verbesserte er auch den gedruckten Text von Thomas, jedoch ohne seine Verbesserung aus irgendeinem Manuskript zu rechtfertigen.

 

Als er zum Priester geweiht worden war, betrat er die Stufen des Altars mit einer engelhaften Reinheit, die er von seiner Taufe an unverletzt erhalten hatte und um die er nicht wenig besorgt war, indem er seinen Leib durch Fasten und härene Bußkleider abhärtete und alle seine Sinne abtötete, so dass man ihn bei dem geringsten Gegenstand, der seine Schamhaftigkeit beleidigen konnte, betroffen sah. Wegen einiger Streitigkeiten, die zwischen den Professoren und den Schülern der Universität entstanden waren und in die er, obgleich unschuldig, verwickelt wurde, wie auch wegen der Nachlässigkeit, mit der man seine Vorlesungen besuchte, legte er sein Lehramt zu Paris nieder, verließ 1237 Stadt und Reich, und lehrte nun zu Köln, wo noch keine Universität war (Sie wurde dort erst im Jahr 1388 gestiftet.). Zwei Jahre später wurde er gegen seinen Willen zum Bischof von Lausanne erwählt. Die ganze Zeit seiner Bischöflichen Würde hatte er nichts als Trübsal und Verfolgung zu erdulden, weil er sich kühn gegen das Laster erhob und durchaus keine Gemeinschaft mit Gottlosen und Unbußfertigen haben wollte. Auch waren die Offiziere des Kaisers Friedrich II. gegen ihn sehr eingenommen und versuchten ihn auf alle mögliche Weise zu kränken. Als dieser Fürst erfuhr, dass auf dem ersten zu Lyon im Jahr 1245 vom Papst Innozenz IV. gehaltenen allgemeinen Konzil, Bonifatius sich laut für seine Exkommunikation erklärt habe, schickte er einige hundert Soldaten nach Lausanne, ihn zu verhaften und zu töten. Der Heilige wurde gefangen genommen, entkam aber den Händen der Soldaten auf eine ganz unverhoffte Weise und durch bloße Fügung der göttlichen Allmacht. Jedoch musste er noch manche Verfolgung erleiden von solchen, denen er ihre Laster und Schandtaten vorwarf. Diese zettelten gegen ihn eine Verschwörung an und warteten die Zeit ab, wo er die Messe lesen würde, um ihn zu meucheln. Ein Franziskaner erfuhr es und schrie in allen Straßen von Lausanne um Hilfe für den heiligen Bischof. Die ganze Stadt geriet in Bestürzung, man eilte dem Bischof zu Hilfe und befreite ihn aus der ihn bedrohenden Gefahr.

 

Da Bonifatius sah, dass alle seine Mühen vergeblich waren und die Schlechten sich immer mehr und mehr gegen ihn erzürnten, ging er 1247 nach Rom, um bei Papst Innozenz IV. um die Niederlegung seiner bischöflichen Würde anzuhalten. Seine Bitte wurde ihm mehrmals abgeschlagen. Schließlich erhielt er mit vieler Mühe die Erlaubnis hierzu, nachdem er ein volles Jahr in Rom zugebracht hatte. Der Papst ließ ihm neben dem Charakter eines Bischofs alle Rechte und alle Gewalt, die mit der bischöflichen Würde verbunden waren, und bot ihm zwei andere Bistümer nacheinander an. Allein Bonifatius entschuldigte sich, er könne sie nicht annehmen und kehrte wieder nach Paris zurück. Hier wurde er mit allen Ehren empfangen, die man seinen Verdiensten und seiner Würde schuldig zu sein glaubte. Man meint, dass er damals auch Rektor der Universität geworden sei. Einige Zeit darauf (1249) kehrte er in seine Heimat zurück, um dort seine verbleibenden Lebenstage in Ruhe und in Bußübungen zuzubringen. Er zog sich in ein Nonnenkloster zurück, das nahe bei Brüssel lag und den Namen Cambre zur heiligen Maria (Camera B. Mariae) führte, wo er die Nonnen durch seine Frömmigkeit und seinen Unterricht erbaute. Nach anderen Quellen soll er in ein Zisterzienserkloster eingetreten sein, jedoch hat diese Meinung wenig Glaubwürdigkeit. Sicher ist jedenfalls, dass er seinen Lebenslauf in dieser Einsamkeit heilig vollendet hat. Er starb am 19. Februar 1266. Man beerdigte ihn im Chor der Kirche von Cambre und errichtete ihm dort ein marmornes Grabmahl mit einem marmornen Brustbild. Daselbst flehte ihn das Volk um seine Fürbitte bei Gott in verschiedenen Krankheiten an. Einige Jahre darauf feierte man jährlich mit großem Gepränge den Gedächtnistag seines Todes. Diese Andacht bestand bis 1603, in dem Jahr der Erzbischof von Mecheln eine Verordnung herausgab, in der seine öffentliche Verehrung nicht zwar als Heiliger, sondern als Seliger erlaubt wurde. Ebenso wurde er in der Schweiz verehrt, wie dies aus dem Schreiben des Bischofs Johann Dorotheus, in dem er dem Papst Paul V. über den Zustand der Kirche zu Lausanne benachrichtigt, hervorgeht, denn in diesem Schreiben nennt er den Bonifatius heilig und bezeugt, dass sein Fest in der ganzen Diözese gefeiert wird. Die Abtei von Cambre wurde neben der Kirche von den Aufrührern in Flandern und Holland 1581 abgebrannt und das Grabmal des seligen Bonifatius zerstört. Als die Nonnen, die sich während dieser Verfolgungen nach Brüssel geflüchtet hatten, 18 bis 19 Jahre darauf ihre Kirche und ihr Kloster wieder aufbauen wollten, fanden sie alles in so schlechtem Zustand, dass sie die Reliquien des seligen Bonifatius im Jahr 1600 auf den Altar der Kapelle zur heiligen Barbara durch die beiden Äbte von Camberonne und Hautmont versetzen ließen. Diese feierliche Übertragung geschah am 25. Juni.

 

Gebet am 19. Februar

 

Meine liebe Mutter Maria, siehe, ich will dich nicht allein weinen lassen, nein, auch ich will mit dir weinen. Ich bitte dich heute um die Gnade, dass ich immer mit zärtlicher Andacht an das Leiden Jesu und an deine Schmerzen denke, damit ich alle meine noch übrigen Tage dazu verwende, deine Schmerzen, o meine liebe Mutter, und die Leiden meines Erlösers zu beweinen. Amen. 

 

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Konrad

 

Herr, erhöre unsere demütigen Bitten, damit uns, die wir auf unsere Gerechtigkeit nicht vertrauen, durch die Fürbitte Deines heiligen Bekenners Konrad geholfen werde, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

An diesem Tag wurde im Jahr 1219 das Bildnis der seligsten Jungfrau, das der heilige Lukas gemalt haben soll, von der Kirche der Klosterfrauen der heiligen Maria jenseits der Tiber zu Rom in die Kirche des heiligen Sixtus mit den Klosterfrauen diesseits der Tiber übertragen. Nun wird es in der Kirche des heiligen Dominikus in großer Verehrung gehalten. Es soll dies das Bild sein, das der heilige Papst Gregor bei Gelegenheit der zu Rom wütenden Pest hat in der Stadt herumtragen lassen. 

 

Andacht am 19. Februar:

 

Das Thema im Februar:

Von der Demut

"Wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden." (Lukas 14,11)

 

"Wenn ein demütiger Mensch erniedrigt wird, so erniedrigt er selbst sich noch mehr; und wenn Verachtung über ihn kommt, so freut er sich darüber. Wird er zu niedrigen und verachteten Beschäftigungen verwendet, so erkennt er, dass ihm dadurch noch mehr Ehre angetan wird als er verdient, und vollbringt sie herzlich gern. Nur vor ausgezeichneten Ämtern und Ehren flieht er." (Die heilige Franziska von Chantal)

Als einst ein Mann von hohem Adel in solchen Zorn geriet, dass er den heiligen Vincenz von Paul in schamlosen Ausdrücken schmähte, fiel dieser Heilige ihm zu Füßen, und bat ihn um Verzeihung, dass er ihm Anlass gegeben hatte, so mit ihm zu sprechen.

Als einer der Urheber jenes unseligen Irrtums, der zur Zeit des genannten Heiligen so viele Uneinigkeiten gebar, ihm die falschen Lehrsätze vortrug, die eben damals geläufig waren, und ihn dahin bringen wollte, sie anzunehmen, weigerte dieser Heilige sich dessen sehr ernsthaft. Da nun jener sah, dass er nichts ausrichtete, beschimpfte er ihn auf die schlimmste Weise, nannte ihn unter anderem einen Dummkopf und sprach, er wundere sich über die Maßen, dass seine Kongregation einen solchen Menschen zum obersten Vorsteher erwählt hat. - "Ich wundere mich darüber gewiss noch mehr", antwortete Vincenz, "denn ich bin weit dümmer als Sie es sich vorstellen können.

 

Verleihe mir, Herr, in Demut zu leben und Schmach und Beleidigungen nach Deinem heiligen Beispiel mit Freude zu ertragen; denn nicht größer ist der Jünger denn sein Meister; und billig ist es, dass ich unnützer Knecht Anteil an dem Kelch meines göttlichen Herrn erhalte! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 19. Februar

 

"Gedenkt, dass die Tugend ein sehr hoher, sehr steiler,

sehr schwer zu ersteigender Berg ist

und dass es vieler Mühen und vieles Schweißes bedarf,

um auf den Gipfel der Ruhe zu gelangen."

 

sel. Heinrich Seuse OP

1298 bis 25.1.1366

 

Betrachtung am 19. Februar - Von der Selbstkenntnis

 

Willst nicht du fremd in deinem Hause sein?

Geh in dein Herz mit der Erkenntnis Licht;

Denn viele Fremde gehn dort aus und ein;

Und du, der Herr des Hauses, weißt es nicht. 

 

1. Die Demut ist die Grundveste aller Tugenden. Die Selbstkenntnis aber ist die Grundveste aller Demut. Notwendiger als die Kenntnis aller Geheimnisse der Natur ist uns daher die Kenntnis unser selbst. Denn so lange wir uns selbst, unsere innerlichen Regungen, Neigungen und Triebe nicht erkennen, täuschen wir uns selbst beständig, halten uns für stark, da wir doch eitel Schwäche sind, bereden uns, dass wir wollen, was wir in der Tat nicht wollen. Und umgekehrt, verblenden uns selbst über unsere Leidenschaften, und über die geheimen Schlingen, die sie uns legen, sind ohne Unterlass mit uns selbst im Widerspruch, und erkennen weder unser Elend, noch unsere Abhängigkeit von Gott in allen Dingen. 

 

2. Eine große Gnade ist daher diese Selbstkenntnis, denn sie ist der erste Schritt zur christlichen Weisheit, und wird nur dem andächtigen Gebet verliehen. Gott allein, der unser Herz erschaffen hat, durchschaut alle Gedanken, Regungen, Begierden, Widersprüche, alle Selbsttäuschungen und Schlangenwindungen des Herzens vollkommen: und auch nur er kann uns die wahre Erkenntnis des Herzens verleihen. Der Eitle, der Unzüchtige, der Ungerechte sind so fern von der Selbstkenntnis, dass sie den verweslichen Leib weit höher achten, als die unsterbliche Seele. Alles für den Leib tun, die unsterbliche Seele aber mit größter Gleichgültigkeit der ewigen Verdammnis preisgeben.

 

3. Kein Sünder kann in diesen Spiegel der Selbstkenntnis blicken, ohne vor sich selbst zu erschaudern, und vor den Folgen seiner Missetaten zu zittern. Hier auch kennt der Gerechte genau, was er aus sich, was er durch die Gnade ist, und wie vieles ihm noch zu seiner Vollkommenheit fehlt. Wer sich wohl erkennt, der ist auf seiner Hut vor sich selbst. Er flieht vor der Gefahr. Ja auch die ganze Welt vermag es nicht, ihn zur Hoffart zu verleiten, wie groß immer die Gaben sein mögen, mit welchen Gott ihn geschmückt hat. Darum beten wir innig zum Herrn um diese Gnade, und üben wir uns täglich, uns selbst besser zu erkennen, denn nimmer sonst werden wir zur wahren Vollkommenheit gelangen. 1. Timotheus 4,15-16: "Dafür sollst du sorgen, darin sollst du leben, damit allen deine Fortschritte offenbar werden. Achte auf dich selbst und auf die Lehre; halte daran fest! Wenn du das tust, rettest du dich und alle, die auf dich hören."

 

20. Februar

 

Der heilige Sadoth, Bischof und Martyrer von Seleucia, Persien,

und seine 128 Gefährten,

+ 20.2.342 - Fest: 20. Februar

 

Einen ergreifenden Einblick in die Leidensgeschichte der persischen Christen gewährt der alte Marterbericht vom heiligen Sadoth und seinen 128 Gefährten. König Sapor II., der von 310 bis 380 regierte, wollte das Perserreich in seiner alten Größe wiederherstellen. Kein Mittel erschien ihm geeigneter als die Anhebung des Sonnendienstes und der Krieg gegen die Grenznachbarn die Römer. Eine blutige Christenverfolgung war die unmittelbare Folge davon. Sie richtete sich besonders gegen Geistliche, Mönche und Nonnen. Am 13. April 344 wurde der greise Bischof von Seleucia und Ktesiphon, Simon Bar Sabbae, mit mehr als 100 Gefährten glorreich vollendet. Schon ein Jahr darauf kam die Reihe an seinen Nachfolger. Der alte Marterbericht erzählt hierüber folgendes:

 

Sadoth, der an Stelle Simons in den Städten Seleucia und Ktesiphon Bischof geworden war, sah eines Tages ein wunderbares Gesicht. Voll Staunen berief er seine Priester und Diakone, die sich verborgen hielten, und sprach: „Ich sah heute in nächtlichem Gesicht eine prächtige Leiter, die von der Erde bis zum Himmel aufgerichtet war. An ihrer Spitze stand der selige Simon in großer Herrlichkeit. Ich aber stand unten auf der Erde. Er rief mir in großer Freude zu: `Steige herauf, Sadoth, steige herauf zu mir und fürchte dich nicht! Ich stieg gestern herauf, du steigst heute herauf.´ Das bedeutet, dass er im vergangenen Jahr getötet wurde und ich in diesem getötet werde.“ Sadoth ermutigte sie mit den Worten des Apostels und sprach: „Seid stark im Herrn und in der Festigkeit seiner Kraft. Ziehet an die Rüstung Gottes. Denn durch diese Dinge erscheint ihr den Menschen als Leuchtende und durch das Wort des Lebens seid ihr behütet. Lasst uns also nicht fürchten und zittern vor dem uns bevorstehenden Tode. Wer stirbt, kämpft als Held, und wer lebt, erscheine tapfer. Denn für Christus und unsere Wahrheit werden wir getötet. Solange das Schwert gezückt ist, kommt, lasst uns eifrig sein. Solange das Schwert glänzt, kommt, lasst uns Geschäfte machen. Bis die Sonne aufgeht in der Nacht, lasst uns wandern zu den Wohnungen des Reiches. Namen und Ruhm in Ewigkeit gewinnen wir, und den kommenden Geschlechtern lassen wir große Ruhmestaten zurück.“ Außerdem sprach er: „Betet, dass die Bedeutung des Gesichtes sich rasch erfülle. Wie ersehnt ist die Ankunft des Todes für den, der geistig lebt; wie furchtbar aber und schrecklich ist seine Kunde für den, der fleischlich wandelt. Die Eifrigen folgen ihm, um das Leben zu erlangen, die Lässigen sehen ihn und verbergen sich. Die Gottliebenden gehen zu Gott; die die Welt lieben, bleiben in der Welt. Der eine geht in die Freuden, der andere in die Peinen.“

 

Im zweiten Jahr unserer Verfolgung war der König in Seleucia. Da wurde der herrliche Sadoth ergriffen, dessen Name „Freund des Königs“ bedeutet. Er liebte nämlich den himmlischen König wahrhaft aus ganzer Seele und aus ganzer Kraft. Er war lauter und rein, wahrhaftig und heilig, und seinem Vorgänger, dem heldenmütigen seligen Simon gleich.

 

Mit ihm wurden aus den Städten, wie aus den Dörfern und Ortschaften der Umgebung 128 Priester, Diakone, Mönche und Nonnen ergriffen. Alle wurden in Ketten geworfen und in einem harten, bitteren Gefängnis fünf Monate lang eingeschlossen. Man befragte sie drei Mal und brachte sie in böse Folter und harte Schrauben, damit sie die Sonne anbeteten, indem man ihnen im Auftrag des Königs sagte: „Wenn ihr meine Befehle tut, sollt ihr nicht sterben.“ Der selige Sadoth antwortete aus dem Munde aller: „So antwortet dem, der euch gesendet: Wir stehen in einer Kraft, einer Wahrheit, einem Willen, und in einem Glauben verkünden wir einen Gott, und ihm dienen wir mit ganzer Seele. Aber die Sonne, die er geschaffen und gemacht hat, beten wir nicht an. Das Feuer, das er uns zum Dienst gab, verehren wir nicht. Deinem bösen Befehl gehorchen wir nicht mit Übertretung unseres guten Befehls, und wegen deiner Drohungen werden wir unserem Gesetz nicht untreu. Du hast das Schwert, wir den Nacken. Du hast den Tod, wir das Leben. Verzögere unsere Hinrichtung nicht einen Tag. Warte nicht eine Stunde, unser Blut zu vergießen. Denn deine Langmut verdirbt, die sich ihr fügen.“ Als das alles dem König gemeldet wurde, sandte er ihnen folgende harte Antwort: „Wenn ihr meinen Befehlen nicht gehorcht, so kommt sofort die böse Stunde eures Verderbens über euch!“

 

Die Heiligen antworten einstimmig: „Wir gehen unserem Gott nicht zugrunde, noch sterben wir seinem Christus. Er wird uns zu neuem Leben erwecken und im Himmelreich erneuern. Bringt nunmehr euren Tod, wie er auch immer sei. Denn wir sind bereit, tapfer für unseren Gott zu sterben. Wir beten nicht die Sonne an, noch gehorchen wir eurem Befehl, der die Seelen der Kinder Gottes tötet!“

 

Danach wurden sie zur Hinrichtung hergerichtet und zum Tod bereitet, weil das Urteil des Schwertes über alle gleichmäßig ergangen war. Die Henker mit den Beamten des Königs führten sie in Ketten aus der Stadt zum Tode. Die Seligen aber psallierten mit einmütiger und froher Stimme: „Richte, o Gott, unser Gericht und fordere unsere Rache von dem erbarmungslosen Volk und erlöse uns von den Blutvergießern und Betrügern“ und so fort (Psalm 42).

 

Und als sie an den Richtplatz kamen, sprachen sie: „Gepriesen sei Gott, der uns diese Krone gab, auf die wir schauten, und der uns dieses Erbe, das wir begehrten, nicht vorenthielt! Gepriesen sei sein Christus, der uns nicht in dieser Welt ließ, sondern uns rief und vor sich stellte in der Versöhnung unseres Blutes!“ Und das Lob erstarb nicht in ihrem Mund, bis der letzte von allen getötet war.

 

Die Herrlichen wurden am 20. Februar getötet. Den seligen Sadoth brachte man in seinen Ketten nach Bet Lapat in Bet Huzaje. Dort wurde er enthauptet und in Christus, seinem Vertrauten, gekrönt.

 

Der heilige Eleutherius, Bischof von Tournay, Frankreich,

+ 20.2.532 – Fest: 20. Februar

 

Der heilige Eleutherius wurde im Jahr 456 zu Tournai in den Niederlanden von christlichen Eltern geboren, die der heilige Piatus vom Götzendienst zur Erkenntnis des wahren Gottes geführt hatte. Sein Vater hieß Serenus und Blanda seine Mutter. Als König Clodoväus die Römer bekriegte, mussten sie ihre Güter in Tournai verlassen und sich nach Blandine flüchten, wo sie zu Ehren des heiligen Apostels Petrus eine Kirche erbauten. Mit größter Sorgfalt erzogen sie ihren einzigen Sohn in allen Tugenden und ließen ihn, weil er seltene Geistesgaben zeigte, in allen Wissenschaften bilden, in denen er mit dem heiligen Medardus, der sein Jugendfreund war, unterrichtet wurde. Beide machten sowohl in den Heilswissenschaften und in der Frömmigkeit so glänzende Fortschritte, dass sie zu Priestern geweiht wurden und Eleutherius während der Regierung des Theodoricus, Bischof zu Tournai, mit größtem Segen das Predigtamt versah. Im Jahr 487 starb Theodoricus und die Geistlichkeit und das Volk wählten den frommen Eleutherius zu ihrem Oberhirten. Diese Würde begleitete er 44 Jahre lang mit unermüdlichem Eifer und apostolischer Treue. Rastlos kämpfte er wider die feindlichen Angriffe der Heiden und besonders der Arianer und wurde von denen nicht nur zum Gefängnis verurteilt und heftig verfolgt, sondern auch dreimal gegeißelt und wie ein Verbrecher aus Tournai verwiesen, wo er dann neun Jahre lang zu Blandine in der Verbannung lebte. Einer seiner heftigsten Verfolger war der heidnische Statthalter von Tournai, dessen Tochter zu dem Heiligen von unkeuscher Liebe entbrannt war und als sie ihn eines Tages zur Sünde anreizte, von einer schrecklichen Krankheit befallen wurde. Der heilige Oberhirt flehte in seiner Verbannung unter Gebet und vielen Tränen um die Bekehrung der Bürger von Tournai und besonders des Statthalters und seiner unglücklichen Tochter stets zu Gott und sein Flehen wurde endlich erhört. Die Verfolgung nahm ein Ende und Eleutherius kehrte auf seinen bischöflichen Stuhl zurück und brachte es in kurzer Zeit durch seine Predigten und Wundertaten dahin, dass er im Jahr 497 in einer Woche elftausend Menschen taufte, unter denen sich auch der Statthalter mit seiner Tochter befand, die durch die Händeauflegung des heiligen Oberhirten sogleich von ihrer Krankheit geheilt wurde.

 

Zweimal reiste Eleutherius nach Rom in Geschäften der Kirche und besonders wegen der Unterdrückung der Irrlehre des Arius und nach seiner zweiten Rückkehr hielt er im Jahr 527 zu Tournai eine Versammlung seiner Bischöfe, auf der das von ihm verfasste Glaubensbekenntnis als allgemein gültig angenommen und die Verdammung der arianischen Ketzerei neuerdings ausgesprochen wurde. Darüber gerieten die Arianer in eine solche Wut, dass sie den heiligen Bischof auf dem Weg zur Kirche überfielen und ihn so sehr misshandelten, dass er ganz verwundet und halbtot nach Hause getragen wurde. Fünf Wochen lang litt er mit christlicher Geduld die fürchterlichsten Schmerzen an seinem zerschlagenen Körper, betete stets um Verzeihung und die Bekehrung seiner Feinde und starb am 20. Februar 531 im 75. Jahr seines Alters und im 44. Seines bischöflichen Amtes.

 

Der heilige Eucherius, Bischof und Bekenner von Orleans, OSB,

+ 20.2.743 – Fest: 20. Februar

 

Der heilige Eucherius wurde zu Orleans von adeligen, reichen und frommen Eltern geboren. Als seine Mutter mit ihm in der Hoffnung ging, opferte sie ihn täglich dem Herrn, der ihr Gebet zu ihrem Trost erhörte. Denn Eucherius folgte von Kindheit an mehr den Eindrücken und Bewegungen der göttlichen Gnade, als den natürlichen Neigungen zum Bösen, und machte als aufblühender Jüngling in der Tugend und in den Wissenschaften große Fortschritte. Sein inniges Bestreben nach wahrer Weisheit und Erkenntnis Gottes können wir schon daraus abnehmen, dass er täglich zum Trost seines Herzens in der Heiligen Schrift, besonders in den Briefen des heiligen Apostels Paulus, las.

 

Als er in den Briefen einmal die Stelle beherzigte: „Die Zeit ist kurz; daher bleibt nichts übrig, als dass die, die Frauen haben, sind, als hätten sie keine, und die da weinen, als weinten sie nicht, und die da kaufen, als besäßen sie nichts, und die diese Welt genießen, als würden sie sie nicht genießen; denn die Gestalt dieser Welt vergeht“, 1. Korinther 7,29-31; so machten diese letzten Worte einen so tiefen Eindruck auf sein Herz, dass sie für seine Standeswahl entschieden. Er sah im Licht der Gnade in ihrer Riesengröße die Ewigkeit, und in ihrer ganzen Nichtigkeit die Torheit der Welt, und begab sich daher in das Kloster zu Jumieges in der Normandie.

 

Hier gelangte er bald zu so großer Vollkommenheit, dass er nach dem Tod des Bischofs zu Orleans, der seines Vaters Bruder war, im Jahr 721 gegen seinen Willen einstimmig zu dessen Nachfolger erwählt wurde. Er empfing die bischöfliche Weihe unter vielen Tränen, als man die Bestätigung dieser Wahl von dem damaligen Reichsverwalter, Karl Martel, erhalten hatte.

 

Als Bischof war er die Zuflucht der Betrübten, ein Vater der Armen, für die er den größten Teil seiner bischöflichen Einkünfte verwendete, und ein ermunterndes Vorbild für alle. Die Geistlichen hielt er zu einem geistlichen Leben an, und den Weltlichen predigte er das Evangelium, ohne auf das Ansehen der Person Rücksicht zu nehmen. Als Karl Martel, um die Kriegskosten bestreiten zu können, die geistlichen Güter angriff, verwies er ihm mit Ehrfurcht und Würde dieses Benehmen. Durch diese Freimütigkeit zog er sich aber den Hass dieses Fürsten so sehr zu, dass er auf Betreiben seiner Feinde mit seinen Verwandten zuerst nach Köln, und hierauf, weil man ihm die Liebe der dortigen Einwohner missgönnte, nach Lüttich verbannt wurde. Eucherius, der schon lange das Himmelreich als sein eigentliches Vaterland angesehen hatte, ertrug freudig diese Schmach um Jesu willen.

 

Der Herzog Robert, dessen Verwahrung er anvertraut wurde, schätzte ihn aber sehr hoch, machte ihn zu seinem Almosenpfleger, und erlaubte ihm, sich in das Kloster von St. Tron zu begeben. Hier lebte er unter frommen Übungen allein für Gott, und starb mit freudigem Angesicht den 20. Februar im Jahr 743, 6 Jahre nach seiner Ausweisung. Während dieser Zeit hörte man niemals von ihm die geringste Klage weder über Karl Martel, noch über seine übrigen Feinde, so sehr sie ihn auch verleumdeten und lästerten.

 

Der gottselige Jordan Mai, Franziskanermönch,

+ 20.2.1922 – Gedenktag: 20. Februar

 

Jordan Mai wurde zu Buer in Westfalen, am Rand des sogenannten Kohlenpotts, als der Sohn des Sattlermeisters Mai im Jahr 1866 als vorletztes von zehn Kindern geboren. Wo in einem Haus zehn Geschwister sind, da muss sich der Vater alle Tage sputen, um die hungrigen Mäulchen zu stopfen, und die Mutter muss jede Woche ungezählte Hosen und Kleider und Strümpfe flicken, da müssen ebenfalls die Kinder früh schon in ernster Arbeit mitschaffen und mitsorgen.

 

So war es bei der Familie Mai in Buer auch. Heinrich, so lautete des späteren Ordensmannes Taufname, musste Holz und Wasser holen, die Stube fegen und beim Spülen das Geschirr trocknen. Es gibt leider manche Jungen, die so stolz und eingebildet sind, dass sie diese Art von Arbeit empört als mädchenhaft ablehnen. Heinrich Mai tat das nie, denn er wollte der vielgeplagten Mutter helfen, und da war ihm jede Arbeit recht.

 

Auch dem Vater in der Werkstatt ging Heinrich tüchtig zur Hand, und als er die Volksschule verließ, verstand er bereits so viel von der Sattlerei, dass es unklug gewesen wäre, ihn etwas anderes lernen zu lassen. Heinrich wurde daher des Vaters Lehrling, wurde nach drei Jahren Geselle und machte schließlich die Meisterprüfung im Sattlerhandwerk.

 

Heinrich Mai war ein stiller junger Mann, er war wortkarg und sagte nicht viel, aber was er sagte, hatte Hand und Fuß.

 

Der Sattler Heinrich Mai war dazu ein frommer junger Mann. Gern betete er auch unter der Arbeit, machte täglich die gute Meinung, ging oft zu den heiligen Sakramenten und betätigte sich eifrig im Gesellenverein. Immer mehr erfasste ihn mit der Zeit die Sehnsucht nach dem Kloster, aber bis sich dieser Wunsch erfüllte, verging noch eine lange Weile, denn der Vater erkrankte schwer, so dass man Tag und Nacht bei ihm wachen musste. Heinrich übernahm diesen Dienst jede zweite Nacht.

 

Nach des Vaters Tod konnte Heinrich Mai endlich die Welt verlassen und fand als Laienbruder mit dem Ordensnamen Jordan Aufnahme bei den Franziskanern. Damals war er fast dreißig Jahre alt. Ungefähr die gleiche Zeit verbrachte er im Kloster, hauptsächlich zu Dortmund im Ruhrgebiet. Mit großer Treue hielt er die Ordensregel, tat gewissenhaft die Arbeiten, die man ihm auftrug, und führte dabei ein Leben immerwährenden Gebetes. Die Obern mussten ihm das Zeugnis ausstellen, dass er ein rechter Ordensmann war, der ernstlich nach Heiligkeit strebte.

 

Am 20. Februar 1922 schlug seine Stunde. Ganz eigenartig ging es bei seinem Sterben zu. Nach dem Nachtessen hielt ein Pater den Hausgenossen einen religiösen Lichtbildervortrag, dessen letztes Bild eine Darstellung des Todes als Knochenmanns bildete mit der Unterschrift: „Es kommt die Nacht, in der niemand mehr wirken kann.“ Kaum leuchtete das Bild von der Leinwand, da sagte Bruder Jordan selbstvergessen: „Diese Nacht ist für mich gekommen.“ Die Mitbrüder versuchten ihm den Gedanken auszureden, doch alles Reden war umsonst. Man ging zu Bett, und eine Stunde später klopfte Bruder Jordan seinen Beichtvater aus dem ersten Schlaf mit der Bitte, ihn zu versehen, es sei soweit. Sagt`s, geht zurück in seine Zelle, legt sich hin, und als der Pater kommt, liegt der Bruder bereits im Sterben und verscheidet sogleich, nachdem er die heilige Ölung empfangen hat.

 

Wenige Tage später wurde Bruder Jordan Mai begraben. Von diesem Augenblick an geschehen an seinem Grab Gebetserhörungen ohne Zahl, und es scheint, dass der schlichte Ordensmann eines Tages wohl heiliggesprochen wird, denn der Seligsprechungsprozess wurde bereits eingeleitet.

 

Der heilige Tyrannion, Bischof und Martyrer von Tyrus,

+ 20.2.304 - Fest: 20. Februar

und andere heilige Blutzeugen aus verschiedenen Ländern

 

Wir wollen hier Eusebius selbst hören, was er als Augenzeuge von diesen heiligen Martyrern erzählt:

 

„Eine große Anzahl Christen aus Ägypten, die in Palästina und in Tyrus wohnten, gaben den glänzendsten Beweis ihrer unerschütterlichen Anhänglichkeit an den Glauben. Man warf dieselben, nachdem sie grausam mit Ruten geschlagen wurden, grimmigen Leoparden, Bären, Ebern und Stieren vor. Ich selbst sah wie gegen sie diese Tiere losgelassen wurden, die es gewöhnt waren, sich von Menschenblut zu ernähren. Doch weit entfernt sie anzufallen, wie man von ihrer Natur erwartet hatte, blieben sie ganz ruhig. Sie schienen die heiligen Martyrer zu verehren. Was zugleich aber ganz offenbar die Kraft Jesu Christi beweist, ist, dass sie auf die Heiden losstürzten, die sich auf dem Platz befanden. Umsonst wurden sie von den Martyrern gereizt, schüchtern zogen sie sich zurück, ohne ihre Beute zu berühren. Manchmal jedoch stürzten sie wirklich mit Ungestüm auf sie los, aber eine geheime und göttliche Kraft hielt sie plötzlich zurück. Dieses geschah immer wieder, wodurch die Zuschauer ganz in Staunen versetzt wurden. Da die ersten Tiere nicht angriffen, ließ man zwei bis drei Mal andere los. Aber auch diese wollten nicht über die Christen herfallen. Indessen blieben die Martyrer stets unerschütterlich, obgleich nur wenige Greise unter ihnen waren. Besonders aber zeichnete sich bei ihnen ein junger Mann aus, der noch nicht sein zwanzigstes Jahr erreicht hatte. Mitten auf dem Kampfplatz sah man ihn die Augen zum Himmel richten mit kreuzweise erhobenen Armen. Er blieb unbeweglich, obwohl ein Bär und ein Leopard wutschnaubend ihn zu zerreißen herbeistürmten. Aber auch diese Tiere zogen sich, ohne ihn zu verletzen, wieder zurück. Auf andere ließ man einen wütenden Stier los, der plötzlich einige Heiden mit seinen Hörnern ergriff, in die Luft empor hob, und sie dann halbtot auf dem Kampfplatz niederwarf. Nur die Martyrer verschonte er. Vergebens stieß man ihn mit einem glühenden Eisen in die Seite. Er aber scharrte wütend den Boden, dass rechts und links der Sand aufstäubte, und weigerte sich vorwärts zu gehen, so als hielte ihn eine unsichtbare Kraft zurück. Man ließ noch andere Tiere los, aber auch ohne jeden Erfolg. Schließlich tötete man die Martyrer mit dem Schwert und warf ihre Leiber in das Meer. Mehrere andere wurden zum Feuertod, andere noch zu anderen Todesstrafen verurteilt. Alle diese heldenmütigen Kämpfer Jesu Christi erlitten unter Diokletian im Jahre 304 den Martertod.“

 

Die Kirche verehrt an eben diesem Tag auch andere Heilige, welche die Martyrerkrone im gleichen Jahr empfingen. Der ausgezeichnetste unter ihnen war Tyrannion, Bischof von Tyrus. Er war Zeuge des Kampfes der Heiligen, von denen eben die Rede war, und hatte sie selbst dazu gestärkt, standhaft für den Glauben zu streiten. Man brachte ihn von Tyrus nach Antiochien mit dem Priester Zenobius, wo er verschiedene Qualen erdulden musste und warf ihn zuletzt in das Meer. Was Zenobius betrifft, so starb dieser auf der Folter unter den Händen der Schergen, die ihm mit eisernen Hacken die Seiten aufrissen. Silvan, Bischof von Emesa in Phönizien, wurde in seiner bischöflichen Residenzstadt mit zwei anderen Glaubensbekennern von den wilden Tieren, denen man sie vorwarf, zerrissen. Peleus und Nilus, Priester aus Ägypten, wie auch einige andere Christen, starben durchs Feuer zu Cäsarea in Palästina. Silvian, Bischof von Gaza, wurde Anfangs zu den Bergwerken verurteilt, in der Folge aber mit 39 anderen Gläubigen enthauptet.

 

Das römische Martyrologium nennt an diesem Tag den heiligen Tyrannion mit jenen, welche zu Tyrus im Jahre 304 gemartert wurden. Die anderen Martyrer haben besondere Tage, nämlich der heilige Zenobius, Priester und Arzt aus Sidon, am 29. Januar, der heilige Silvan von Emesa, dem das griechische Menologium mehrere Gefährten beigesellt, am 6. Februar, und der heilige Silvian von Gaza am 4. Mai.

 

In allen Jahrhunderten hat man Menschen gesehen, die der Welt entsagten, um allein für Jesus Christus zu leben. Solche Beispiele zeigt Gott der Welt, um die Macht seiner Gnade zu erweisen und den Glauben an eine so hohe Vollkommenheit bei den schwachen Menschen zu erhalten. Am Ende der Zeiten wird die Kirche stets solche Muster der Gottseligkeit aus allen Bereichen und Altersstufen aufzuweisen haben. Diese werden die Lauheit so mancher, die sich Christen nennen, aber ihren Sitten nach Heiden sind, beschämen. Die Standhaftigkeit der Heiligen und Martyrer auf der Folter und angesichts der wilden Tiere und mitten in den Flammen war begründet in der Liebe zu ihrem göttlichen Heiland und seiner lieben Mutter Maria, die in ihren Herzen so siegreich triumphierte. Diese Liebe bewog manche von ihnen, Ehren, Reichtümer, Vergnügungen und alle, was ihnen teuer war, zu entsagen, um den mühevollen Weg der Buße zu gehen. Jeder von uns rühmt sich zwar, Jesus Christus zu lieben, aber wie sehr täuschen wir uns! Die Liebe offenbart sich durch Werke. Was tun wir aber für unseren Heiland? Gern gehen wir allem aus dem Weg, was unserem Geist und unserem weichen Herzen als Einschränkung und Zwang erscheint. Sobald die Religion Opfer verlangt, werfen wir feige die Waffen weg. Erkennen wir lieber die Gefahr unserer Haltung und erbitten wir die Hilfe der Gnade durch die Verdienste unseres Erlösers. Bitten wir den Herrn, dass er uns eine göttliche Liebe schenken und sein Reich in unseren Herzen begründen möge, damit wir nur ihm allein leben.

 

Gebet am 20. Februar

 

Gebenedeite und unbefleckte Jungfrau und Königin, unsere Mutter Maria, Zuflucht und Trost aller Elenden, sieh mich mit meiner ganzen Familie hier vor deinem erhabenen Thron auf den Knien, siehe, ich erwähle dich heute zu meiner Gebieterin, zu meiner Mutter und Fürsprecherin bei Gott. Mit all den Meinen weihe ich mich immer deinem Dienst, und bitte dich, o Mutter meines Gottes, mich unter die Zahl deiner Diener aufzunehmen, uns allen deinen mächtigen Schutz angedeihen zu lassen, und uns im Leben und hauptsächlich in der Stunde unseres Todes beizustehen. Amen. 

 

Zu Jesus Christus auf die Fürbitte des heiligen Eucherius

 

Herr Jesus Christus, der Du den heiligen Eucherius erweckt hast, Deine und Deiner Kirche Sachen und Anliegen mit unüberwindlicher Geduld zu verteidigen, verleihe uns durch seine Fürbitte, dass uns nichts von der Treue, die wir Dir schuldig sind, abhalten möge, der Du lebst und herrschst mit Gott dem Vater in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

Man kann sich heute an die Vorzüge und Auszeichnungen der seligsten Jungfrau vor allen Geschöpfen erinnern. Der heilige Bonaventura führt in einem Büchlein, das er das Lob Mariä betitelt, alle Bilder an, unter denen die Vorzüge Mariä enthalten sind. Viele von ihnen kommen in der Lauretanischen Litanei vor.

 

Andacht am 20. Februar:

 

Das Thema im Februar:

Von der Demut

"Wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden." (Lukas 14,11)

 

"Missionare müssen es gern sehen, wenn gesagt wird, dass sie von niedriger Herkunft sind, und wenig Talent und Tugend haben. Verachtet man sie, oder wird ihre Kongregation irgendwie gedemütigt, so sollen sie sich darüber freuen; denn dadurch werden sie in den Stand gesetzt, ihre Fortschritte in der Demut zu erkennen." (Der heilige Franz von Paula)

Dieser Heilige, der gar wohl wusste, wie nützlich Demütigungen sind, wenn sie christlich ertragen werden, liebte sie so sehr, dass ein sehr würdiger Priester, der ihn genau kannte, von ihm sagte, er habe keinen Ehrsüchtigen gekannt, der mit solcher Gier nach Ruhm und Ehre gestrebt hat, als dieser demütige Diener Gottes nach Erniedrigungen und verächtlichen Misshandlungen; so dass man hätte glauben mögen, er sammle sie als seinen größten Schatz hienieden auf. 

 

Lass, o mein Heiland, diese Tugend meinen größten Schatz auf Erden sein, und gib mir, dass ich ihn täglich durch heilige Geduld vermehre, Dich in Trübsalen und Erniedrigungen preise und fortwährend in Demütigungen mich übe! Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 20. Februar

 

"Jesus Christus unser großes Vorbild, hat viel für uns gelitten.

Ertragen wir unsere Trübsale mit Freude,

weil wir durch sie das Glück haben, ihm ähnlich zu sein."

 

sel. Heinrich Seuse OP

1298 bis 25.1.1366

 

Betrachtung am 20. Februar - Von der wahren Weisheit

 

Mein Gott, vor dessen Thron die Weisheit steht,

O sende einen Strahl aus ihrem Lichte:

Auf dass mein Geist nach ihrem Wink sich richte,

Da ohne sie er ewig irre geht.

 

1. Wunderbar ist der menschliche Scharfsinn. Er unterwirft sich die ganze Natur, durchschifft auf geradem Weg das Meer, misst den Himmelsraum aus und wägt die Planeten ab. Und dennoch ist dieser große Scharfsinn - sich selbst überlassen, - ohne wahre Weisheit. - Denn worin besteht dies himmlische Licht? Allerdings darin, dass der Mensch die Dinge nach ihrem wahren Wert schätze, das Ewige höher denn das Vorübergehende, das Himmlische höher denn das Irdische achte, und diesem richtigen Urteil gemäß lebe. Wer dagegen nur für die Sinne lebt, und nur Vergängliches sucht: dem fehlt, besäße er auch alle Wissenschaften, das Licht der Weisheit. Und darum auch nennt die Schrift die Sünder: Blinde und Toren.

 

2. "Die Furcht des Herrn ist der Anfang der Weisheit" (Psalm 111,10), ihre Vollendung aber ist die Liebe Gottes. Wer immer Gott fürchtet, ist weise, weil er sich fürchtet, etwas zu tun, das seinen Augen missfällt. Und diese heilige Furcht führt ihn zur Liebe. Darum ist, trotz aller natürlichen Wissenschaft, der Sünder unweise, denn er fürchtet Gott nicht, sondern er fürchtet sich vor Gott, gleichwie der böse Geist, der, ungeachtet er durch seine geistige Natur an Kenntnissen und Wissenschaften alle Sterblichen ohne Vergleich übertrifft, dennoch ohne einen Funken wahrer Weisheit ist, weil er in unendlicher Ferne von der wesentlichen Weisheit irrt, die Gott selbst ist. 

 

3. Die wahre Weisheit hat nur ein Ziel, und dahin richtet sie alle Dinge als Mittel: nämlich, zu Gott, ihrem Urquell zu gelangen. Wir lächeln über Kinder, die Häuser bauen, die der leichteste Wind umwirft, oder in ihren Spielen über den Vorzug ringen, und streiten, wer von ihnen König sein soll. Sind aber die Spiele der Erwachsenen, die festere Häuser bauen, und um Ehre und Reichtum streiten, um vieles vernünftiger, weil sie den Spielplatz etwas später verlassen? Wahrlich, ein altes, verachtetes Mütterchen, das Gott liebt, seine Gebote hält, und die Ewigkeit im Auge hat, ist unendlich weiser, als die gelehrtesten Männer der Welt, die alles, außer das einzig Notwendige, wissen. Kohelet 13,13: "Fürchte Gott, und achte auf seine Gebote!"

 

21. Februar

 

Der heilige Germanus, Abt und Martyrer von Grandval bei Basel,

+ 21.2.666 – Fest: 21. Februar

 

In stiller Waldeinsamkeit erblüht manche schöne Blume, die dem Auge der Menschen verborgen bleibt, aber der Tau des Himmels begießt sie und die goldenen Strahlen des Tagesgestirns begrüßen sie und ruhen darauf mit innigem Wohlgefallen. Eine solche stille Waldblume war der heilige Germanus, ein Sohn des adligen und hochangesehenen Bürgermeisters Othmar von Trier. Von den vier talentvollen Söhnen Othmars bekleidete sein gleichnamiger Sohn eine hohe Stelle am Hof des Königs Dagobert, Sigebert widmete sich mit Auszeichnung dem Kriegsdienst, Numerian trat in den Orden des heiligen Benedikt, wurde später Bischof von Trier und ein großer Heiliger, der jüngste Sohn, German, zeichnete sich schon als Junge durch Demut, Gehorsam und Frömmigkeit aus.

 

Seiner frommen Eltern durch den Tod beraubt, verteilte der siebzehnjährige German sein reiches Erbe unter die Armen und suchte unweit Remiremont den heiligen Eremiten Arnold auf, der zuvor Bischof von Metz und Minister des Königs Dagobert I. gewesen war. Dieser Einsiedler prüfte den jungen Mann, der sein Schüler zu werden begehrte, mit strengen Bußübungen und riet ihm, das Ordenskleid des heiligen Benedikt im Kloster Remiremont zu nehmen. German fügte sich bereitwillig dem Rat des heiligen Einsiedlers und nahm so sehr an allen Tugenden zu, dass er seinen Ordensbrüdern zum Muster diente.

 

Einst besuchte ihn sein Bruder Numerian, der die Freuden des Lebens noch in vollem Maße verkostete. German redete ihm so liebevoll und eindringlich zu, dass er sich sofort entschloss, die Welt und ihre Freuden zu verlassen, um mit seinem Bruder innerhalb der Klostermauern nach Vollkommenheit zu ringen.

 

Um der Ehre zu entgehen, die ihm wegen seiner Anspruchslosigkeit und Demut zuteilwurde, verließ German Remiremont und bat um Aufnahme im Kloster Luxeul, dessen frommer und gelehrter Abt Walbert die seltenen Tugenden Germans bald entdeckte und ihn nötigte, sich zum Priester weihen zu lassen.

 

Als das Kloster Granfel am Fuß des Juragebirges von dem elsässischen Herzogs Gondon neu hergestellt wurde, schickte Walbert aus seinem Kloster mehrere Mönche dorthin und stellte ihnen den geliebten German als Abt vor. Zugleich übertrug er seiner Leitung noch die beiden Klöster St. Ursitz im Kanton Bern und St. Paul zu Schönenwerth im Kanton Solothurn. Durch seine kluge Umsicht und liebevolle Fürsorge brachte German die ihm anvertrauten Klöster zu hoher Blüte. Die Klosterbrüder und das benachbarte Volk ehrten ihn wie einen Vater.

 

Wie allen treuen Dienern Gottes, sollten auch dem hochverdienten Abt German schwere Prüfungen nicht erspart werden. Der Nachfolger des frommen Herzogs Gondon, der rohe und schwelgerische Herzog Bonifatius, beraubte die Kirchen und Klöster, die Städte und das Land. Unter erlogenen und nichtigen Vorwänden ließ er durch sein Raubgesindel das Münstertal verwüsten und ausplündern. Um der drohenden Gefahr zu entgehen, eilte German mit seinem Prior, dem heiligen Randoald, zum Herzog, um ihn durch Bitten, Vorstellungen und Geschenke zu bewegen, von seinen Ungerechtigkeiten abzustehen. Schon unterwegs wurden er und sein Begleiter von den Soldaten schwer misshandelt. Kaum gelang es ihm, zum Herzog zu kommen. Diesem klagte er freimütig die unerschwinglichen Brandschatzungen und Rohheiten seiner Söldlinge und beschwor ihn, Kloster und Volk zu schonen.

 

Der hinterlistige Herzog heuchelte Reue über das Geschehene, versprach Schadenersatz und entließ die Mönche mit scheinbarem Wohlwollen, aber auf der Rückkehr fielen die Soldaten über die beiden her, misshandelten sie mit teuflischem Mutwillen und durchbohrten sie mit ihren Lanzen am 21. Februar 666. Ihre Leichname wurden in der Klosterkirche beigesetzt und durch viele Wunder verherrlicht. Als in der Reformation 1531 das Kloster verwüstet wurde, flüchteten die Mönche und brachten die Reliquien des heiligen Germanus nach Delsberg im Berner Jura, wo sie in der Pfarrkirche noch heute verehrt werden.

 

Der gottselige Martin Guitarez,

Ordenspriester und Oberer in der Gesellschaft Jesu SJ, 

+ 16. Jahrhundert – Gedenken: 21. Februar

 

Dieser fromme Diener Gottes und Mariens war seiner Geburt nach ein Spanier und glich schon in der Jugend einem Gewächs, von dem man sich viele herrliche Früchte versprechen darf. Als er aber zum jungen Mann herangereift in die Gesellschaft Jesu trat, tat er es an strenger Einhaltung der Regel, an Wissenschaft und Frömmigkeit gar vielen seiner Gefährten zuvor, insbesondere zeichnete er sich durch die innigste Andacht zur Gottesgebärerin Maria aus, deren Verehrung er gleichsam mit der Muttermilch eingesogen zu haben schien. Auch gab sie ihm nicht wenige Beweise ihrer Gegenliebe, indem sie ihm mancherlei Gnaden bewirkte und sich ihm öfter durch eine liebliche Erscheinung sichtbar machte.

 

Einmal zeigte sie sich ihm mit einem reichen weiten Mantel umgeben, unter dem die ganze Gesellschaft Jesu, das heißt alle Mitglieder dieses Ordens gelagert waren, wodurch Maria andeutete, dass sie als Schutzfrau der Jesuiten wolle angesehen und verehrt werden.

 

Oft betete Martin zum Herrn empor, ihm nicht nur die Seligkeit, wie die Jünger auf dem Berg Tabor sie gekostet hatten, sondern auch den bitteren Schmerz empfinden und einige Tropfen aus dem Leidenskelch am Ölberg trinken zu lassen und so auch Anteil zu nehmen an der Bitterkeit, die Jesus und seine göttliche Mutter erfahren mussten. Sein Gebet wurde erhört.

 

Pater Martin war nämlich im Jahr 1573 Oberer im Professhaus zu Valladolid, und weil damals der heilige Franziskus Borgias starb, so wurde er mit mehreren anderen Oberen nach Rom abgesandt, um dort für die Gesellschaft Jesu einen neuen General zu wählen. Nachdem sie nun wie ihnen geraten wurde, ihre Reise durch Frankreich angetreten und schon einige Meilen zurückgelegt hatten, kam ihnen die Kunde, dass die ketzerischen Hugenotten jener Gegend ihnen nachspürten und sie gefangen zu nehmen trachteten. Sie lenkten deshalb vom Weg ab und glaubten bereits in Sicherheit zu sein, da geschah es, dass die Reisenden, deren ihrer vier waren, plötzlich von einer Rotte bewaffneter Hugenotten überfallen, gefangen genommen, ausgeplündert und unter vielen Schmäh- und Lästerreden auf eine benachbarte Burg geschleppt wurden. Hier erfuhren sie gar mancherlei Übles, und wurde den Jesuiten besonders vorgeworfen, dass sie es gewesen sind, die in Frankreich und anderwärts den Hugenotten am schärfsten entgegengetreten und ihre Lehre am hartnäckigsten bekämpft hätten. Nach unzähligen Plagereien und Drohungen begehrten die Wüteriche eine ungeheure Summe als Lösegeld und da die vier Patres hierauf sich nicht einlassen konnten, gaben die Räuber ihren Worten durch grausame Misshandlung dieser Wehrlosen größeren Nachdruck. Einer von ihnen versetzte dem armen Pater Martin einen derben Streich und Stich mit seinem Degen, und da er von schwacher Leibesbeschaffenheit war und hier weder Hilfe noch Pflege erhielt, so geschah es, dass er nach wenigen Tagen, immer noch im Kerker, von seinen Freunden umgeben aus dem Leben schied. So überraschend dieser Todesfall auch den Brüdern kam – Martin Guitarez war darüber wenig verwundert. Denn als die kurz vor ihrer Gefangennahme bei einer Marien-Kapelle vorbeireisten und dort Halt machten, und ihr Gebet zur Gottesmutter verrichteten, da wurde ihm die innere Erleuchtung und Prophezeiung, dass er innerhalb acht Tagen das Zeitliche segnen werde. In Erwartung nun, dass dieses Wort sich erfülle, bereitete sich Pater Martin Guitarez andächtig auf den Tod vor und Maria ließ ihren Günstling in der Tat nicht länger als verheißen, auf dieser Erde warten.

 

Ja, die Gunst Mariens zu ihrem frommen Verehrer erstreckte sich noch über seinen Tod hinaus, wie die Legende erzählt. Als nämlich Pater Martin Guitarez am frühen Morgen aus dem Leben geschieden war, da erschien auf einmal im Kerker eine züchtige, ernsthafte Frau in würdiger Kleidung, näherte sich dem Pater Suarez, der dieses berichtet und mit von der Gesandtschaft war, und verlangte von ihm die Auslieferung des Leichnams, um ihn nach Gebühr bestatten zu können. Darauf zog die Matrone ein schönes weißes Tuch hervor, wickelte den Leichnam darein, blickte ihn mitleidig an, gab ihm den Segen und entfernte sich, ohne von den Patres Geld oder Dank weiter anzunehmen. Weder die Ankunft noch der Abgang dieser barmherzigen Frau war von den Wachen oder anderen Leuten bemerkt worden und doch hätte selbe an mehreren vorüber schreiten müssen. Die Vertraulichkeit, mit der Maria ihren Liebling im Leben behandelt hatte, brachte die Zeugen dieser Tat auf den Gedanken, dass die Gottesmutter in eigener Person besagte Dienste ihm nach seinem Hinscheiden erwiesen habe. Sie allein mag entscheiden, ob dies wirklich der Fall gewesen war, oder ob sie einem sterblichen Geschöpf den Gedanken eingab, ihrem Verehrer diesen letzten Liebesdienst zu tun.

 

Pater Suarez fügt in einem Brief, wo er obigen Vorgang berichtet, die Worte an: „Wollte Gott, meine Seele käme auch dahin, wo ich glaube, dass die seinige sei.“ Auch wir werden dies hoffen dürfen, wenn wir – das tun, was Pater Martinus tat. 

 

Der heilige Petrus Damiani, Kardinal von Ostia, Kirchenlehrer,

+ 22.2.1072 - Fest: 21. Februar

 

Der spätere Kardinal, Kirchenlehrer und Heilige Petrus Damiani war als Kind ein unglaublich armer Junge. Seine Jugend war so bitter, hart und schwer, wie sie zum Glück und dank guter Eltern nur ganz wenige Menschen durchmachen müssen. Diese Tatsache allein schon sichert dem Heiligen einen warmen Platz in allen mitfühlenden Herzen.

 

Als Jüngster kam Petrus im Jahr 1006 in einer kinderreichen Familie zur Welt. Als er nach der Geburt zu schreien begann, sprang der älteste Bruder, der anstatt des Herzens einen Stein in der Brust hatte, böse auf und schrie in rauer und ungehöriger Weise die arme Mutter an. Er schimpfte, was ihr denn einfalle, es wären doch schon genug Kinder im Haus und die armselige Erbschaft werde kleiner und kleiner, so dass er und seine Geschwister schließlich leer ausgingen, weil alles aufgeteilt werden müsse.

 

Das waren harte Worte, und so sehr schnitten sie der Mutter ins Herz, dass sie für eine Weile einfach den Verstand verlor. Sie nahm Peter aus der Wiege, trug ihn aus dem Haus, legte ihn draußen auf eine Holzbank und sagte, sie wolle sich um den Jungen überhaupt nicht mehr kümmern.

 

Zum Glück handelte es sich damals bei Peters Mutter nur um eine vorübergehende Verwirrung. Bald kam sie wieder zu sich, holte den Jungen von draußen in die Wiege zurück und zog ihn als ihren Jüngsten mit Liebe groß. Leider starb die Frau allzu früh, und der Vater starb auch, und Peter war schon als kleines Kind Vollwaise.

 

Was geschah dann? Die Familie löste sich auf, die Geschwister zogen in die Welt, und nur der Älteste, der sich inzwischen verheiratet hatte, blieb im Haus und erhielt als lästige Erbschaft auch den jüngsten Bruder. Da hatte Peter nichts zu lachen, nie hörte er ein gutes Wort. Vorwürfe und Beschimpfungen gab es jeden Tag von früh bis spät und Schläge obendrein. Die Brotschnitten, die der Hungrige bekam, waren fast so dünn wie Papier. Nie bekam er ein neues Kleid, nie trug er Schuhe an den Füßen, und arbeiten musste er wie ein erwachsener Knecht.

 

In diese Zeit fällt ein Ereignis, das unbedingt erwähnt werden muss. Eines Tages nämlich fand Peter auf der Straße zufällig ein Goldstück. Peter freute sich königlich und überlegte hin und her, was er sich für das Geld kaufen sollte. Zunächst wollte er sich Brot kaufen, Brot und nochmals Brot, um sich wenigstens einmal satt zu essen. Schon hatte er die Türklinke zum Bäckerladen in der Hand, als ihm einfiel, dass man Gefundenes dem Verlierer zurückgeben müsse. Wie ein Schlag traf den Jungen diese Erkenntnis, aber gleich entschloss er sich, auf das heißbegehrte Brot zu verzichten und den Eigentümer des Geldes zu suchen. Zwei Tage lang fragte der ehrliche Junge überall die Leute, aber der Verlierer war nicht aufzutreiben. Nun durfte Peter das Geld behalten, aber Brot hat er sich dafür trotzdem nicht gekauft. Was hat er denn mit dem Geld gemacht? Das gute Kind hat damit für die verstorbenen Eltern einige heilige Messen bestellt. So ehrlich und so edel war der junge Peter Damiani.

 

Mittlerweile war einer von Peters übrigen Brüdern Priester geworden. Dieser nahm sich seines kleinen Bruders liebend an, sorgte gut für ihn und schickte ihn auf die höhere Schule. Und weil Peter sehr klug und wissbegierig war, lernte er leicht und schnell und ist später ins Kloster gegangen und Priester und Bischof und Kardinal geworden und ein gefeierter Kirchenlehrer und ein Heiliger, der im Kirchengebet als Salz der Erde und als Licht der Welt bezeichnet wird.

 

Wie das Beispiel des heiligen Petrus Damiani zeigt, kann auch aus dem ärmsten Kind etwas Gutes und Erfolgreiches werden, wenn sie sich durch ihr hartes Geschick nicht verbittern lassen und wenn sie trotz größter Armut ehrlich bleiben. Alle anderen Kinder aber, die ihre Eltern haben und denen es gut geht, sollten zu den Kindern, die das alles nicht haben, stets besonders liebevoll sein.

 

Der heilige Severian von Scythopolis,

Bischof und Märtyrer im Heiligen Land,

+ 21.2.452 – Fest: 21. Februar

 

Der heilige Abt Euthymius, so wie der größte Teil der Mönche Palästinas, hatten unter der Regierung Marcians und der heiligen Pulcheria die Beschlüsse des Konzils von Chalcedon angenommen, das die eutychianische Ketzerei verdammte. Allein die Anhänglichkeit an den Irrtum dauerte in mehreren Klöstern, die durch den gottlosen Theodosius verdorben worden waren, noch immer fort. Dieser elende Mönch, so herrschsüchtig, als unwissend, trotzte auf den Schutz der Kaiserin Eudoxia, der Witwe von Theodosius des Jüngeren, die damals in Palästina lebte. Er ging so weit, dass er sich sogar auf den bischöflichen Sitz von Jerusalem schwang, nachdem er den Patriarchen Juvenal von ihm verdrängt hatte. Er verfolgte die Katholiken auf das grausamste und färbte Jerusalem mit ihrem Blut. Von einer wütenden Rotte Soldaten begleitet, brachte er die Verwüstung über das ganze Land. Indes fanden sich doch viele Katholiken, die starkmütig genug waren, sich dem reißenden Strom zu widersetzen, unter anderen auch Severian, der Bischof von Scythopolis. Allein sein Eifer hatte keine andere Wirkung, als dass er sich dadurch die Märtyrerkrone verdiente. Die Soldaten bemächtigten sich seiner Person, schleppten ihn aus der Stadt und töteten ihn auf eine unmenschliche Weise im Jahr 452. Der heilige Severian wird am 21. Februar im römischen Martyrologium genannt.

 

Palästina, das vor allen anderen Ländern vorzugsweise, das Licht der wahren Religion zu empfangen auserwählt, durch die Geburt, die Arbeiten, die Erniedrigungen und die Leiden des Gottmenschen geheiligt, und besonders als die Wiege der christlichen Kirche und als das Vaterland einer zahllosen Menge Heiliger geehrt wurde; Palästina, sage ich, wurde in der Folge der Schauplatz der schrecklichsten Ärgernisse und kam schließlich unter das tyrannische Joch eines Volkes, das sich zu den gottlosesten und ungereimtesten Lehren bekennt. Das übrige Morgenland geriet in dasselbe Verderben. Nun sieht man da nicht mehr jene berühmten Kirchen, die von den Aposteln gegründet, mit dem Blut so vieler tausend Märtyrer begossen, einst von einem Ignatius, Polykarp, Basilius, Chrysostomus und dergleichen großen und heiligen Männern geleitet worden sind. Der Unglaube, mit allen ihn begleitenden Lastern, herrscht heutzutage in diesen Ländern, die einst dem Himmel so zahlreiche Bürger gaben. Eine so beweinenswerte Umwandlung sollte uns wohl Stoff zu den heilsamsten Betrachtungen geben und uns zum Mitleid bewegen gegen so viele Unglückliche, die in den Finsternissen des Todes versunken dahinleben. Erzittern wir bei dem Anblick der unergründlichen Urteile Gottes. Wer da glaubt festzustehen, der sehe zu, dass er nicht falle. Bewahre, was du hast, sagt der Heilige Geist zu jedem von uns, damit nicht ein anderer dir die Krone entreißt. 

 

Der selige Natalis Pinot, Pfarrer, Märtyrer,

+ 21.2.1794 - Gedenktag: 21. Februar

 

Eine Verfolgung der Kirche zeitigt Helden und Martyrer. Einen der schrecklichsten Stürme, wie er in christlichen, zivilisierten Ländern nirgends verderbenbringender gewütet hat, sah Frankreich zu Ausgang des 18. Jahrhunderts über sich dahinbrausen. Alles alteingewurzelte Volks- und Lebensgut wurde zerstört, das ganze gesellschaftliche Gefüge des Staates zerrissen. Dem armen, besitzlos gewordenen Volk suchte man das Letzte und Höchste, seinen Gott, aus dem Herzen zu reißen. War doch vollständige Austilgung der katholischen Religion eines der Ziele jener furchtbaren Revolutionsperiode. Die Priester waren gezwungen ihr Wirkungsfeld zu verlassen, die Ordensleute wurden aus ihren Klöstern vertrieben. Manche erlagen dem unerhörten Ansturm. Tausende zählten aber jene, die ihrem Glauben die Treue wahrten und deshalb ein Opfer menschlichen Wahnsinns wurden.

 

Unter den vielen treuen Hirten, die man schlug, um die Herde zu zerstreuen, ragt Natalis Pinot hervor. Seitdem die Kongregation der Riten das Urteil verkündete, das Martyrium des Dieners Gottes stehe fest und sei aus Hass gegen den Glauben erfolgt, wurde die 1926 erfolgte Seligsprechung erwartet.

 

(Natalis, französisch Noel, bedeutet Geburtsfest (Christi), Weihnachten. In romanischen Ländern herrschte der Brauch, statt Namen von Heiligen auch solche von Festgeheimnissen zu geben, z.B. Natalis, Natalie, Paschalis (dies = Ostern), Annuntiata (Verkündigung Mariä), Dolorosa, span. Dolores (Schmerzhafte Mutter Gottes). Auch Toussaint (tous saints = Allerheiligen) erscheint als Name.)

 

Noel Pinot waltete als Pfarrer von Louroux-Beconnais mit apostolischem Eifer seines priesterlichen Amtes. Wegen seiner großen Mildtätigkeit, seines Seeleneifers, seines frommen, heiligmäßigen, der Arbeit und Abtötung ergebenen Lebens stand er beim Volk wie bei seinen Mitbrüdern in hohem Ansehen. Mit tiefer Trauer verfolgte er das planmäßige Umsichgreifen des Unglaubens, das Schwinden der Achtung vor der Obrigkeit; er sah, wie der Geist der Revolution immer gefahrdrohender sein Haupt erhob. Der treue Hirte bereitete sich selbst durch anhaltendes Gebet und seine Pfarrkinder durch Belehrung und Ermunterung auf die kommenden Gefahren vor.

 

Diese kamen. Schon hatte die französische Nationalversammlung das gesamte Vermögen der katholischen Kirche zugunsten des Staates eingezogen, 1789. Nun griff man auch in den inneren Bestand und die göttliche Einrichtung der Kirche ein. Die Ordensgelübde wurden für aufgehoben erklärt. Die Kirche selbst sollte durch Losreißen von ihrem gottgesetzten Fundament, dem Heiligen Stuhl zu Rom, dem Untergang überantwortet werden. Am 12. Juli 1790 wurde unter dem Einspruch der Bischöfe und dem mutigen Widerstand nicht weniger Abgeordneten die sogenannte „Zivilkonstitution des Klerus“, d.h. die rein bürgerliche Verfassung der Kirche beschlossen. Die Bischöfe und Pfarrer sollten durch die weltlichen Abgeordneten gewählt werden; der Papst könne keinen Bischof bestätigen. Auf diese Verfassung sollten die Geistlichen durch einen Eid, den „Bürgereid“, verpflichtet werden. Durch diese Revolutionsgesetzgebung wurde die französische Kirche vom Mittelpunkt der Einheit losgerissen. Sie hörte auf katholisch zu sein und wurde bloße Landeskirche, unterstellt der Willkür des „Volkes“. Kein Priester konnte einer solchen, allen göttlichen und kirchlichen Gesetzen widerstreitenden Verfassung seine Zustimmung geben. Klar erkannte Pfarrer Pinot ihren schismatischen Charakter. Am entscheidenden Tag, am 30. Januar 1791, ließ er deshalb dem in der Kirche anwesenden Gemeinderat erklären, er werde niemals sein Gewissen unter Bestimmungen beugen, die unrecht und vor Gott nichtig seien. In seinem tiefen Schmerz aber leistete sein Vikar den vorgeschriebenen Eid.

 

Nach einigen Wochen, an einem Sonntag, war der Revolutionsrat abermals auf seinem Horchposten. Der mutige und gewissenhafte Hirte predigte. Er belehrte seine Pfarrkinder und suchte sie zu festigen gegen die Gefahren des Schismas, der Trennung der Kirche von ihrem Oberhaupt. So weit es an ihm lag, sollte das Ärgernis, das durch die Schwäche seines Vikars dem Volk gegeben worden war, wieder gutgemacht werden. Klar und bestimmt, voll innerer Bewegung klang sein Wort, sein letztes. Es war von Gott gesegnet. Der Vikar widerrief später öffentlich seine Eidesleistung und bat Gott und die Gläubigen um Verzeihung ob seiner Untreue gegen die Kirche. Noel Pinot aber wurde in der Nacht des 4. März durch eine Abteilung der Nationalgarde ergriffen und vor das Revolutionstribunal in Angers gebracht. In aller Bescheidenheit, aber unerschrocken wies er dort die gewöhnlichen Vorwürfe einer Verschwörung gegen den öffentlichen Frieden, einer Rebellion gegen die Staatsgesetze als unberechtigt ab und rechtfertigte sein Verhalten mit solcher Bestimmtheit und Kraft, dass die Richter zögerten, ein Schuldig zu sprechen. Die allgemeine Meinung der ganzen Stadt sprach für den Angeklagten, die sichtliche Lauterkeit und Unantastbarkeit seines priesterlichen Lebens ließen ihn unangreifbar erscheinen. So begnügte sich das Gericht mit der Strafe ihn auf zwei Jahre aus seiner Pfarrei zu verbannen.

 

Doch, wo immer auch der ehrwürdige Priester sich aufhalten mochte, er fühlte sich seinem Beruf verpflichtet. Der aller geistlichen Hilfe beraubten Bevölkerung spendete er den Trost der Heilsmittel, und während er so die ausgewiesenen Priester ersetzte, konnte er drei unglückliche, „eidleistende“ Mitbrüder wieder mit der Kirche versöhnen. Wie ein neuer Athanasius richtete er durch das leuchtende Beispiel seines unerschütterlichen Glaubens und seiner glühenden Gottesliebe allerorts die Entmutigten wieder auf.

 

Im entmenschten Frankreich stieg der Freiheits- und Gleichheitstaumel zum vollen Wahnsinn. Bei den berüchtigten Septembermorden in Paris floss das Blut in Strömen. Am 21. Januar 1793 war das Haupt des Königs unter dem wilden Jubelgeschrei des Umsturzpöbels zum Entsetzen von ganz Europa gefallen. Im Nationalkonvent, der allgewaltigen Landesregierung, hatte die radikale Bergpartei die Oberhand gewonnen. Im Westen des Landes entbrannte der Bürgerkrieg. Die Vendée, die Landschaft südlich der Loire an ihrer Mündung in den Atlantischen Ozean, von einem einfachen, arbeitsamen, dem alten Glauben und dem König treuen Volk bewohnt, erhob sich im März 1793 gegen die ungerechte und Gottlose Blutregierung des Konventes. Ihre siegreichen Armeen wurden Herren der Ufer der Loire bis Nantes. Im Juni 1793 bemächtigten sie sich auch der Stadt Angers, der Vaterstadt unseres Glaubenshelden. Angstvollen Herzens verfolgte er den Kampf um die Freiheit der Kirche und des Volkes. Dem Erfolg der Vendéer galt sein Gebet; irgendwelchen tätigen Anteil am Krieg aber hat der ganz seinem geistlichen Beruf und der eigenen Heiligung lebende Priester nicht genommen. Da ihm aber nun der Weg in seine Pfarrei offenstand, hieß ihn die Pflicht und der priesterliche Eifer unverzüglich dorthin zurückkehren, ohne Beachtung dessen, was menschliche Klugheit nahelegte.

 

Groß war die Freude der treugebliebenen Pfarrkinder von Louroux über die Rückkehr ihres geliebten Vaters. Doch nur wie ein Sonnenstrahl zwischen zwei dräuenden Wolken war sein Bleiben und Wirken. Ein zweites Unwetter brach herein, furchtbarer als das erste. Zehn Tage nach Pinots Rückkehr in seine Pfarrei misslang der Angriff der Vendéer auf Nantes. Ihr heldenmütiger Führer wurde tödlich verwundet und damit begann der Sieg sich den republikanischen Waffen zuzuneigen. Das arme Land traf ein furchtbares Schicksal. Dörfer und Weiler wurden niedergebrannt, die ganze Bevölkerung ausgerottet. Lähmender Schrecken legte sich auch auf den benachbarten Bezirk, zu dem Louroux gehörte. Natalis Pinot sah sich nun der äußersten Gefahr gegenüber. Wohl hätte er in der Fremde einen Zufluchtsort suchen können; allein sein Leben gehörte seinen Pfarrkindern. Auch von den fünf umliegenden, ihrer Seelsorger beraubten Pfarreien schmachteten die armen Sterbenden nach dem Trost der Sakramente. Ihnen wollte der treue Nachfolger des göttlichen Guten Hirten seine letzten Kräfte weihen. Das Martyrium war ihm gewiss; darauf bereitete er sich täglich. Die Pfarrei von Louroux-Beconnais mit ihren vielen kleinen Dörfern, den weit zerstreuten, hinter Busch und Wäldern geschützten Pacht- und Meierhöfen bot sichere Schlupfwinkel. Auf die Treue und Verschwiegenheit der braven Leute konnte der Pfarrer zählen. Bei Tag hielt er sich in Ställen, auf den Heuböden oder den Speichern der Häuser verborgen. Im Dunkel der Nacht nahm er seine seelsorgerlichen Gänge auf, oft unter den größten Beschwerden, im Winter bei Schnee und Eis, meist allein. Er stärkte die Gläubigen, taufte und lehrte die Kinder, tröstete die Kranken und Sterbenden und segnete die Ehen ein. Um Mitternacht feierte er, unter ständigem Wechsel des Ortes, die heilige Messe, oft in einer Scheune, in einem Stall, selten in einem entsprechenderen Raum. Inmitten solcher Armut und Niedrigkeit stieg der allmächtige Gott, beständig das Geheimnis von Bethlehem erneuernd, auf das Wort seines verfolgten Dieners hernieder, um seine verlassenen Kinder zu beglücken. Noel – traute, geheimnisreiche Weihnacht! Ihren süßen Namen trug nun so würdig der mutige Glaubensbekenner. Mit jeder neuen Nacht aufs Neue geopfert mit dem göttlichen Opferlamm! Wie heilsbegierig lauschten die wenigen Teilnehmer den trostvoll aufrichtenden Worten des Martyrerpriesters! Wie reichlich strömten die Tränen der Freude und des Schmerzes zugleich, als der hochgestimmte und wieder leidbekümmerte Hirte gar einmal einem Dutzend Erstkommunikanten die Quelle der Kraft und Beharrlichkeit für die drangsalvolle Zeit eröffnete!

 

Acht Monate hindurch dauerte dieses beispiellose Opferleben. Die Nachforschungen der Polizei wurden verdoppelt, auf die Anzeige des Verstecks wurde eine Belohnung ausgesetzt. Zweimal entging Pinot knapp den Hausdurchsuchungen der Nationalgarden; das erste Mal konnte er noch glücklich hinter einem Waschtrog, das andere Mal unter der Futterraufe des Stalls im Heu versteckt werden. In einem dritten Fall, wo der Pfarrer in Louroux selbst einen Kranken versehen sollte, entkam er den Spürnasen der Häscher, die von einem Spion geführt wurden, nur dadurch, dass dieser sich etwas im Zeitpunkt irrte. Doch schließlich ließ die göttliche Vorsehung auch für ihren abgemühten, in heroischer Nächstenliebe und bewunderungswürdigem Glaubenseifer erprobten Diener „die Stunde der Finsternis“, für ihn selbst wahrlich die Stunde der Sehnsucht kommen. Es war ein Sonntag, der 9. Februar 1794. Erst in der Morgenfrühe hatte er, wie jetzt häufig, seinen Aufenthalt gewechselt und in dem Häuschen einer frommen Witwe ein Asyl gefunden. Nachdem er sich den Tag über in einem armseligen Verschlag eingeschlossen gehalten hatte, wollte er bei einbrechender Dunkelheit noch etwas Luft im Gärtchen schöpfen. Da ging noch spät ein Zimmermann von seiner Arbeit heim; mit einem Blick erspähte und erkannte er den Pfarrer, von dem er früher manche Guttat empfangen hatte. Nun verriet er seinen Wohltäter. Gegen Mitternacht fielen starke Schläge gegen die Tür; die Nationalgarden begehrten Einlass. Kaum blieb so viel Zeit, dass der Verfolgte die schon für die heilige Messe bereitgelegten Gewänder und Gebrauchsgegenstände in eine große Truhe barg und dann selbst hineinschlüpfte. Die Soldaten brachen herein. Wütend, unter Schimpfen und Fluchen durchstöberten sie das ganze Haus. Schon erwog der edle Flüchtling sich selbst zu entdecken, um die mutige, verschwiegene Herberggeberin vor großen Schwierigkeiten zu bewahren, da hob ein Nationalgardist den Deckel der Truhe, um ihn aber sogleich wieder beim Anblick des blassen Antlitzes des Martyrerpriesters fallen zu lassen. In unwillkürlicher Anwandlung eines besseren Gefühls zögerte er, den Gefundenen zu überliefern. Aber ein anderer Gardist hatte die Bewegung und Verwirrung seines Kameraden bemerkt. Fluchend lief er hinzu, riss die Truhe auf und zog mit roher Hand den Armen heraus. Willig ließ der Bekenner sich binden und gleich seinem göttlichen Meister unter Misshandlungen zur ersten Leidensstation, an seinen Pfarrort, führen. Man versäumte auch nicht, die miterbeuteten Paramente, den Kelch und das Kreuz als Belastungsmittel mitzunehmen.

 

Das Ortsgericht in Louroux-Beconnais musste sich damit begnügen, den Gefangenen dem Revolutionskomitee der Bezirkshauptstadt Angers zu überweisen. Gemeine, niedrige Subjekte jedoch durften sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, den Diener des Herrn zu quälen und zu misshandeln, wie die Schergen den lieben Heiland vor dem Hohenpriester. Als man ihm die Daumen zusammenklemmte, dass das Blut unter den Nägeln hervorsprang, hatte der Sanftmütige nur das mahnende Wort: „Unglücklicher, ich habe dir doch niemals etwas anderes getan als Gutes!“ Ein viel herberer Schmerz jedoch als seine persönlichen Leiden, wahre Ölbergqualen, stürzten auf den treuen Nachfolger des Gekreuzigten ein. Er trug wie gewöhnlich einige Partikel des hochheiligen Fronleichnams Christi bei sich, um jederzeit Schwerkranken die heilige Wegzehrung reichen zu können. Die von Wein und Gottlosigkeit trunkenen Helfershelfer des Bösen fanden die heiligen Hostien auf der Brust des Priesters, nahmen sie in ihre ruchlosen Hände und reichten sie unter schrecklichen Blasphemien einer dem andern. Qualvolles Martyrium für den wehrlosen Diener der heiligen Eucharistie! Sein Herz blutete. Er schloss die Augen, um die Untat nicht schauen zu müssen, er betete für die Frevler.

 

Neue Verhöhnungen brachte der Marsch nach Angers. Dort rangen eben die Radikalen mit den Gemäßigten um die Macht. Noel Pinot musste in einem dunklen Kerker bei Wasser und Brot auf die Entscheidung warten. So zarten Gewissens war der charaktervolle Mann, dass er bessere Speisen, die gute Leute ihm zubrachten, zurückwies, weil er hierin der staatlichen Macht gehorchen wollte, so sehr diese durch die erbärmlichsten Kreaturen entehrt wurde. Die Militärkommission eröffnete ihre errungene Herrschaft in einem Ausbruch vermehrter Raserei. Achthundert Personen waren schon vorher erschossen worden. Pfarrer Pinot war jetzt eines der ersten Opfer dieser neuen Reihe von Mordtaten. Am 21. Februar stand er vor den Schranken des Blutgerichtes. Doch wie musste er auftreten? Der Glaubensbekenner trug die volle priesterliche Gewandung: Talar, Albe, Stola und Messgewand. Geschah das Ungewohnte zur Verhöhnung des katholischen Kultes? Müssen wir nicht darin eine merkwürdige Fügung der Vorsehung, einen bedeutungsvollen, symbolischen Akt erkennen? Gerade der Priester war es ja, der Diener Jesu Christi und Fortsetzer seines göttlichen Opfers, den man in der Person Noel Pinots richten, verurteilen und hinrichten wollte. Standhaft und entschieden antwortete der sonst so gehorsame Staatsbürger den Männern der Treulosigkeit und des Unrechts auf den Vorhalt, warum er dem Gesetz zuwidergehandelt habe, dass er Gott gehorchen musste, der ihm die Sorge für seine Pfarrei übertragen habe. Das Todesurteil war rasch gesprochen: Noel Pinot, geboren in Angers, siebenundvierzig Jahre alt, eidweigernder Priester, wird zum Tode verurteilt. Das ist der wahre und einzige Grund für die Todesstrafe des Dieners Gottes, dass er den Eid auf eine kirchenfeindliche Verfassung nicht leistete und seinem priesterlichen Beruf treu blieb.

 

Urteile eines Revolutionsgerichtes pflegen rasch vollzogen zu werden. Die Hinrichtung Pinots fand noch am selben Tag statt, an dem das Urteil erging, am 21. Februar 1794. Um dem Aufzug einen besonderen Pomp zu geben, fragte man ihn, ob er nicht in den geistlichen Gewändern gehen wollte. „O ja,“ antwortete der Priester, „das wird mir eine große Freude sein.“ Wie er so oft und gerne zum heiligen Opfer sich gerüstet, so zog er jetzt durch die Straßen der Stadt zur Richt- und Opferstätte hinaus. Er betete in tiefer Sammlung. Angesichts des Schafotts war seine Haltung vollkommen ruhig. Seine reine Stirn erstrahlte von der Freude der Auserwählten. Schon war er geschmückt „zur Hochzeit des Lammes“ mit der weißen Albe, dem Feierkleid der Unschuld und Freude. Das Kreuz des Messgewandes kennzeichnete ihn als Opfer des Glaubenshasses, als Sühneopfer für die Gräueltaten der Zeit. Wie eine himmlische Einsprechung schien der Gedanke an diese erhabene Berufung ihn zu ergreifen. Die Augen zum Himmel erhebend, rief er mit zitternden Lippen: „Introibo ad altare Dei – Hintreten will ich zum Altar Gottes!“ Zu Gott, der sein reines edles Leben in „Jugendfreude erneuerte“, trat der Martyrer. Festen Schrittes stieg er, nachdem man ihm das Messgewand abgenommen hatte, aber noch mit der Albe angetan, die Stufen des Blutgerüstes empor und legte sein Haupt unter das Fallbeil. Es war um die dritte Stunde nachmittags, in der auch unser Herr Jesus Christus am Kreuz seine Seele aushauchte. Unter den Kleidern des ehrwürdigen Priesters fand man ein raues Bußhemd. Durch das heilige Salböl der Kirche zum Diener des Herrn geweiht, hat Natalis Pinot durch starkmütige Glaubenstreue, lebendige Gottesliebe und exemplarische Lebensstrenge sich zu einem leuchtenden Vorbild in schlimmer Zeit emporgerungen. Die Revolution hat ihn zum Martyrer gemacht.

 

Selig der Tod im Kuss des Herrn, in Vereinigung mit Christi Opfertod! Ist der Sterbende wenigstens durch den einfachen Gnadenstand mit Christus vereint, verdient der Tod schon den Namen: Heiliger Tod. Wenn der sterbende Christ noch durch einen ausdrücklichen Akt des Glaubens, der Hoffnung und der Liebe mit Christus sich verbindet, wird sein Tod ein kostbarer sein. Wenn aber ein Gerechter den Tod freiwillig, um Christi willen leidet, wenn er ihn als Fortsetzung des Opfers Christi willig auf sich nimmt, so ist dieser Tod der kostbarste, der Martyrertod. Der Priester soll täglich diesen mystischen Tod sterben, wenn er täglich hintritt das heilige Opfer zu feiern. Sein leiblicher Tod wird dann zum dies natalis, zum Geburtstag für den Himmel. Noel!

 

Natalis Pinots Seligsprechung erfolgte am 10. Oktober 1926 durch Papst Pius XI.

 

Gebet am 21. Februar

 

O Mutter der heiligen Liebe, unser Leben, unsere Zuflucht, unsere Hoffnung, du weißt es wohl, dass dein Sohn Jesus nicht zufrieden war, selbst unser Fürsprecher beim ewigen Vater zu werden, sondern dass er auch wollte, dass du dich bei ihm verwendest, um für uns die göttliche Barmherzigkeit zu erlangen. Mögen alle mich vergessen, wenn nur du, o Mutter Gottes, mich nicht vergisst. Sage Gott, dass ich dein Diener bin, sage ihm, dass du mich verteidigst, alsdann werde ich gewiss selig. O Maria, auf dich setze ich mein Vertrauen. In dieser Hoffnung lebe ich, in dieser Hoffnung will ich sterben. Ich will nicht müde werden, auszurufen: Jesus ist meine einzige Hoffnung, und nach Jesus setze ich all mein Vertrauen auf die allerseligste Jungfrau Maria. Amen.

 

Gebet des heiligen Petrus Damianus

 

O Maria, geliebte Fürsprecherin, weil du ein so liebevolles Herz hast, so kannst du unser Elend nicht ansehen, ohne von Mitleid bewegt zu werden. Weil du aber auch zu gleicher Zeit so mächtig bist bei Gott, um alle, die du verteidigst vom Untergang zu retten, so bitte ich dich, da ich alle Hoffnung auf dich setze, du wollest dich meiner annehmen. Sollte dich meine Bitte nicht zum Mitleid bewegen, so möge doch wenigstens deine große Macht dich bestimmen, mir beizustehen, da Gott dich deshalb so mächtig gemacht hat, damit, je mächtiger du bist, uns zu helfen, du auch um so barmherziger sein mögest, uns deine Hilfe zukommen zu lassen. Amen. 

 

Zu Jesus Christus

 

Herr, wenn wir nicht fähig sind, solche heldenmütigen Opfer darzubringen, die wir an Deinen Heiligen bewundern, so wollen wir wenigstens mit Deinem Beistand treu die Pflichten unseres Standes erfüllen, damit wir der Krone würdig werden, die Du Deinen standhaften und treuen Dienern versprochen hast, der Du lebst und herrschst mit Gott dem Vater in der Einheit des Heiligen Geistes, Gott von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen. 

 

Zu Gott auf die Fürbitte des heiligen Petrus Damiani

 

Wir bitten Dich, o Herr, lass uns auf die Fürbitte des heiligen Petrus die guten Beispiele, die wir selbst in bösen Zeiten sehen, nachahmen, und stets nach Deinem heiligen Gesetz, nach dem wir einst werden gerichtet werden, leben, durch Jesus Christus, unseren Herrn. Amen.

 

Andenken an die seligste Jungfrau

 

An diesem Tag hat Godefridus, Herzog von Lothringen, im Jahr 1092 beim ersten Kreuzzug am Fluss Pharpfar durch den Beistand der seligsten Jungfrau einen herrlichen Sieg über die Türken erhalten, denen im zweiten Kreuzzug die Städte Nicäen und Laodicäen abgenommen wurden. Zu verwundern war, dass bei dem großen Kriegsheer der Christen, das über dreihunderttausend Mann zählte, die Lebensmittel im Überfluss und nicht teuer waren. 

 

Andacht am 21. Februar:

 

Das Thema im Februar:

Von der Demut

"Wer sich selbst erniedrigt, wird erhöht werden." (Lukas 14,11)

 

"Demütigung und Verachtung auf wahrhaft christliche Weise ertragen: dies ist der Probierstein der Demut und zugleich der wahren Tugend; denn dadurch wird der Christ Christus, dem wahren Vorbild aller gründlichen Tugend, gleichförmig." (Der heilige Franz von Sales)

Als einst der heilige Franz von Borgia eine Reise machte, begegnete ihm ein Grand von Spanien, der einst sein vertrauter Freund gewesen war. Da der nun sah, wie der Heilige in einfachem Ordenskleid zu Fuß ging und aller Bequemlichkeiten entbehrte, deren er als Herzog von Gandia war gewohnt gewesen, bedauerte er ihn herzlich und redete freundlich mit ihm, er möchte doch etwas mehr Sorge für sich tragen. Der Heilige aber antwortete ihm mit lächelndem Mund: "Seien Sie meinetwegen unbesorgt; ich bin nicht so dürftig, als Sie es wohl erscheinen mag; denn jeden Tag sende ich einen Diener voraus, der mir den besten Tisch und das trefflichste Nachtlager besorgt." Da aber der Hofmann ungläubig hierüber lächelte, fuhr der Heilige fort: "Dieser Diener ist die Erkenntnis meiner selbst und der Gedanke, dass ich für meine Sünden die Hölle verdient habe. Diese Betrachtung aber wirkt so kräftig, dass, wo immer ich hinkomme, und wie schlecht ich auch beherbergt werde, es mir immer so vorkommt, es ergehe mir besser als ich es verdiene."

Von dem heiligen Amonius wird erzählt, er sei zu einer so hohen Vollkommenheit gelangt, dass er gleich einem Stein gefühllos gegen alle verächtlichen Misshandlungen war, die man ihm antun mochte, und sich nie in den Sinn kommen ließ, man habe ihm Unrecht getan.

"Beleidigungen ertragen, ohne darüber zu klagen: dies ist die Tür, durch die unsere Väter hindurch gingen, zu Gott zu gelangen!" sprach ein heiliger Abt zu seinen Mönchen; "die Übung erleichtert und versüßt sogar, was anfangs sehr schwer erschien."

 

Herr, wohl bin ich es wert, verachtet zu werden, da ich Deine Gebote verachte; beleidigt zu werden, da ich alle Deine Vollkommenheiten beleidigte; von allen mit Füßen getreten zu werden, da ich einwilligte, ein Leibeigener des bösen Geistes zu werden! Dieser Gedanke gebe, kraft Deiner Gnade, mir Verlangen nach Demütigungen ein. Amen.

 

Ein Gedanke heiliger Dominikaner am 21. Februar

 

"Die Demut ist ein fester Turm, der allen Angriffen Trotz bietet

und vor dem alle Feinde genötigt sind,

sich zurückzuziehen und zu fliehen."

 

gottsel. Ludwig von Granada OP

1504 bis 31.12.1588

 

Betrachtung am 21. Februar - Von täglichen Opfern

 

Kreuze, Plagen, Schmach und Mühen

Sind die Saat der Pilgerzeit;

Denn nur solcher Saat entblühen

Früchte für die Ewigkeit.

 

1. Willst du Gott wahrhaft lieben, und seine Liebe verdienen, so suche nicht in der Ferne, was er selbst in deine Nähe legte, denn seine Vorsehung, die unsere Heiligung will, vermittelt dir jeden Tag vielfältige Gelegenheiten, deine Liebe ihm zu bezeigen, deine Sünden abzubüßen und reiche Schätze für die Ewigkeit zu gewinnen. Jeden Tag sendet sie mit dem täglichen Brot uns zugleich unser tägliches Kreuz, jeden Tag ergibt sich entweder einen bitteren Verdruss zu ertragen, eine lästige Pflicht zu erfüllen, harte Worte, Abweisungen oder Demütigungen zu erdulden, und vieles zu tun, wobei wir uns überwinden, unseren Willen brechen, und manches leiden müssen, das wir nicht abwenden können. 

 

2. Gottes Vorsehung ordnete das Leben so, dass wir aneinander üben, dass wir einander ein gegenseitiges Kreuz sind, dass wir einander oft wider Willen betrüben, damit wir dadurch zur Geduld, zur Sanftmut, zur Nächstenliebe, zur Selbstüberwindung, zur Abtötung unseres Willens, unserer Eigenliebe, unserer Eitelkeit, zum Tragen unseres Kreuzes und zur Nachahmung unseres göttlichen Vorbilds belehrt werden. Ja oft auch, ohne aus uns selbst herauszutreten, haben wir manches von uns selbst zu dulden. Bald peinigt uns ein körperliches Leiden, bald nagt ein geheimer Kummer an unserem Herzen, bald müssen wir unserem Geschmack entsagen, unser Urteil unterwerfen, kurz uns selbst Gewalt antun.

 

3. Was sind aber alle diese Dinge, wenn nicht Quellen großer Verdienste, Gelegenheiten zu großmütigen Opfern, wirksame Mittel, uns zu heiligen, ja zu einer großen Heiligkeit zu gelangen? Opfer eines lieblichen Wohlgeruchs sind sie, wenn wir sie mit geduldigem Herzen, und aus wahrer Gottesliebe ertragen. Es sind Talente, die uns hundertfältigen Gewinn bringen, wenn wir sie nach Gottes gütiger Absicht verwenden, der uns dadurch eben so viele kostbare Edelgesteine vermitteln will, unsere himmlische Krone zu schmücken. So nehmen wir sie denn mit großer Liebe und Danksagung aus seiner Vaterhand an, opfern wir sie ihm täglich auf, und wir werden mit unermesslichem Reichtum in das Haus unserer Ewigkeit eingehen. 2. Korinther 4,17: "Denn die kleine Last unserer gegenwärtigen Not schafft uns in maßlosem Übermaß ein ewiges Gewicht an Herrlichkeit."

 

22. Februar

 

Stuhlfeier des heiligen Petrus zu Antiochien

Fest: 22. Februar

 

Bevor der heilige Apostelfürst Petrus Bischof von Rom und somit zum ersten Papst wurde, war er sieben Jahre lang Bischof von Antiochien, und weil alle Umstände im Leben des ersten Papstes von Wichtigkeit sind, deshalb erinnert die Kirche heute durch ein eigenes Fest an jenen Tag, an dem der heilige Petrus den bischöflichen Stuhl zu Antiochien bestieg. Es war sicher sehr richtig, dass die Hauptstadt des Orients, wo die Gläubigen zuerst den Namen Christen angenommen haben, den Fürsten der Apostel zum ersten Bischof hatte.

Die Stuhlfeier des heiligen Petrus ist sehr alt. Das Fest kommt schon in einem Kalender vor, den man um das Jahr 354 unter dem Papst Liberius verwendete. „In der ersten Kirche nämlich feierten die Christen, besonders aber jene im Orient, den Jahrestag ihrer Taufe. Sie erneuerten an diesem Tag auch die Gelübde, welche sie Gott gemacht haben, und dankten ihm, dass er sie aus Barmherzigkeit in die Zahl seiner Kirche aufgenommen hat. Auch die Bischöfe hatten den frommen Gebrauch, den Jahrestag ihrer Weihe zu feiern. So haben wir noch drei Reden, welche der hl. Leo am Jahrestag seiner Erhebung auf den päpstlichen Stuhl gehalten hat. Das Volk fuhr oft fort, selbst nach dem Tod der Bischöfe den Tag zu feiern, an dem sie geweiht worden sind. Dies ist der Ursprung der Stuhlfeier des hl. Petrus. Wir müssen“, sagt der hl. Leo, „dieses Fest mit ebenso großer Freude feiern, als wir den Martertod des Fürsten der Apostel feiern. Wir erinnern uns an demselben sowohl an seinen herrlichen Eintritt in den Himmel, als auch an seine Erhöhung zur Würde des ersten Hirten der streitenden Kirche.“

 

Danken wir Gott für die Gründung seiner Kirche und bitten wir ihn gleichzeitig um ihre Verbreitung. Sie ist jenes geistliche Reich, welches zu stiften Jesus Christus auf die Erde gekommen ist, und das er noch immer durch die sichtbaren Häupter der Kirche regiert. Wenn wir Jesus Christus wahrhaft lieben, wenn wir wünschen, dass er stets mehr verherrlicht wird, wenn uns das Heil unserer Schwestern und Brüder am Herzen liegt, so beten wir um die Bekehrung derer, die nicht glauben, so viel wir können. Gehen wir aber in unserer Liebe noch weiter. Wie viele Glieder der Kirche gibt es, die es mit dem Glauben und der Nachfolge Christi nicht ernst nehmen! Bitten wir Jesus, dass er sie durch seine Gnade belebe und das Reich seiner heiligen Liebe in allen Herzen fest begründe. Bitten wir auch darum, dass wir nie durch die Sünde von ihm getrennt werden, sondern in Gottes Liebe immer mehr befestigt werden.

 

Aus einem alten Kalender von 1823:

 

Nachdem der heilige Petrus den Geist der Finsternis im Morgenland besiegt hatte, eilte er auch nach Rom, ihn in der Person des Zauberers Simon zu bekämpfen. Gewiss ein großer Mut wurde zu einem solchen Unternehmen erfordert, weil es darum ging, die Abgötterei sogar auf ihrem Thron anzugreifen. Diesen Mut flößte der Heilige Geist dem Jünger ein, der einst vor der Stimme einer Magd gezittert hat. Dem Fürsten der Apostel war es vorbehalten, den Glauben in einer Stadt auszusäen und zu pflanzen, deren Macht durch Fügung des Allerhöchsten zur leichteren Verbreitung des Christentums sich beinahe über die ganze Welt erstreckte, und die, nachdem sie lange Zeit der Mittelpunkt alles heidnischen Aberglaubens gewesen war, in den Ratschlüssen des Ewigen zum Mittelpunkt der katholischen Einheit bestimmt wurde. Kaum war der heilige Petrus in dieser ewigen Stadt angekommen, als er anfing Jesus Christus zu predigen und seinen bischöflichen Sitz aufschlug.

 

Es unterliegt keinem Zweifel, dass der Apostelfürst das Evangelium zu Rom gepredigt und die römische Kirche gestiftet hat. Alle Schriftsteller, die dieser Zeit am nächsten gelebt haben, stimmen in Bezeugung dieser Tatsache miteinander überein. Und sollte man wohl ihr Zeugnis über Tatsachen, die ihnen nicht unbekannt sein konnten, weil sie zu wichtig für sie waren, und die sie nicht entstellen konnten, weil sie zu offenkundig waren, verwerfen? Hierauf gründen sich die Vorzüge und Rechte, deren die römische Kirche, seit den ersten Jahrhunderten des Christentums, sich erfreut. Nein, nie wären ihr diese Auszeichnungen zugestanden worden, ohne die feste Überzeugung, dass der heilige Petrus zu Rom seinen Stuhl errichtet hat. Das Andenken an dieses wichtige Ereignis wird heute gefeiert. Dies ist auch ein Überbleibsel der alten Sitte, jedes Jahr den Gedächtnistag der Weihe eines jeglichen Bischofs zu begehen. Dieses Fest findet man auch in den ältesten Martyrologien aufgezeichnet. 

 

Es war nicht mehr als billig, dass die Christen alle Jahre das Andenken der Gründung dieser Kirche, welche die allgemeine Mutter aller Gläubigen ist, feierten. Um aber dem Geist dieses Festes zu entsprechen, müssen wir Gott danken für die besonderen Erbarmungen und Gnaden, die er dieser Kirche erwiesen hat, und ihn bitten, er möge ihr stets diesen seinen Schutz angedeihen lassen. Vergessen wir dann aber auch nicht, ihm unsere Dankbarkeit zu bezeigen für die unschätzbare Gnade, die er uns zuteil werden lässt, dass wir in der Gemeinschaft dieser Kirche, die der Mittelpunkt der katholischen Einheit ist, leben. Beschwören wir ihn, dass die Anzahl der Kinder dieser heiligen Mutter durch Ausrottung der Spaltungen, Vernichtung der Irrlehren, und Bekehrung der Ungläubigen sich vermehrt. Flehen wir zu ihm, dass er Hirten nach seinem Herzen, das heißt, apostolische Männer erweckt, die in unseren Tagen mehr als je Not tun, um den Glauben anzufachen, der allenthalben erlischt, und das Antlitz der Erde, die von einer Sündflut der Laster überschwemmt ist, zu erneuern. Vor allem aber denken wir in unseren Gebeten unseres Heiligen Vaters, des Papstes, der so viele Kämpfe für die Sache Gottes und der Menschen, für die auf den Felsen gegründete Religion Jesu, bestehen muss, und gegen den, als den Statthalter Gottes, der verderbliche Geist des Stolzes und der Sinnlichkeit, der unsere Zeit mehr, als irgendeine der verflossenen beherrscht, sich wutvoll empört. Flehen wir für ihn diesen Geist des Eifers, der Stärke und Weisheit herab, der das unterscheidende Merkmal jedes Nachfolgers des Apostelfürsten sein soll. 

 

Petri Stuhlfeier

 

Gen Antiochia aber kehrte

Petrus zuerst und lehrte.

Jedoch der Vogt in diesem Land,

Theophilus, zornentbrannt,

Mit seiner Lehre unzufrieden,

Ließ in den Kerker schmieden

Den guten Mann, und er verbot,

Dass weder Wasser noch Brot

Man ihm sollte Tragen.

Petrus wollte schon verzagen,

Da rief ihm eine Engelstimme zu:

"O Petrus, Petrus, wähnest du,

Dass dein vergesse Gottes Gemüte?

Verzweifle nicht an seiner Güte;

Er hilft dir noch zu rechter Zeit,

Er ist in höchster Not bereit!"

 

Die Hilfe kam denn auch zur Stund`.

Es wurde Sankt Paulo kund,

Dass Petrus gefangen lag;

Darob er sehr erschrak,

Denn er war zu dieser Frist

Kein Christenfeind mehr, nein, ein Christ.

Er fuhr nach Antiochien geschwind

Und ward Theophilus` Ingesind.

Er fand Petrus beinahe tot.

Da hub sich Jammer und Not

In seinem getreuen Herzen

Um seines Freundes Schmerzen,

Der nah` schon war dem Lebensziel.

Um seinen Hals er ihm fiel:

"O Petrus, lieber Bruder mein,

Du der Welt wonniglicher Schein,

Du Wahrer reiner Lehre,

Du meine Freude, meine Ehre,

Mein Vater du zu aller Frist,

Meine halbe Seele du bist;

O sprich zu mir ein einzig Wort!"

 

Als Petrus dies vernahm, sofort

Schlug er die Augen auf zum Munde,

Der ihm brachte so freundliche Kunde.

Er erkannte, dass es Paulus wär`;

Doch war sein Herz zu schwer;

Er konnte nicht sprechen, konnte nur weinen; 

Daran ließ er wohl erscheinen

Seinen freundlichen Sinn.

 

Da Paulus dies sah, ging er hin

Und holte Wasser zur Stund`,

Goss es in seinen heiligen Mund,

Davon er wieder Stärke nahm.

Kaum dass Petrus zu sich kam,

Da drückte er Paulum an sich.

Sie halsten sich gar minniglich

Und weinten noch sehr.

 

Doch Paulus dachte nunmehr,

Wie er ihn lösete gar Klug.

Er suchte rechten Fug,

Zum Fürsten hinzukommen,

Und sprach so, ihm zum Frommen:

"O Theophilus, Herre gut,

Verdenke es nicht meinem Mut,

Dass ich mit dir will reden,

Nicht um dich zu befehden!

Warum willst du deine Ehre schwächen

Und dich an Unschuldigen rächen,

Wie Petrus ist, der gute Mann,

Der schon so vielen wohlgetan?"

Da sprach Theophilus: "Wohlan,

Hat er so vielen Hilfe getan,

So schenke er mir auch meinen Sohn,

Der gestern starb; im Grabe schon

Liegt er. Gibt er ihm das Leben,

Will ich ihm auch die Freiheit geben."

 

Was dieser wünschte, das geschah.

So ward Theophilus allda

Mit Antiochien dem Land

Dem Christenglauben zugewandt.

Ein Münster bauete man Gott

Und sprach den alten Göttern Spott.

Man stellte einen Stuhl hinein,

Drin Petrus sitzend klar und rein

Die Lehre lehrte sieben Jahr.

Darum beging man auch fürwahr

Das Fest in Antiochia,

Das heißet "Petri Kathedra".

Es ist in jedem Christenland

Als "Petri Stuhlfeier" bekannt.

Ein Heidenfest war es vorher,

Nun dient der Tag zu Petrus` Ehr`.

 

(Aus: "Goldene Legende der Heiligen"

von Richard von Kralik

München 1902)

 

Der heilige Maximian, Bischof und Bekenner von Ravenna, Italien,

+ 22.2.556 – Fest: 22. Februar

 

Maximian wurde im Anfang des sechsten Jahrhunderts zu Pola einer Stadt in Istrien geboren und zeigte schon in früher Jugend seine künftige Heiligkeit. Er vermied alle kindlichen Spiele und hatte sein größtes Vergnügen in einem einsamen Zimmer, in dem ein Altar errichtet war, vor dem er oft mehrere Stunden im Gebet verharrte. Als er ein junger Mann wurde und sich täglich mehr von den Freuden der Welt zurückzog, überzeugten sich seine Eltern von seinem Beruf und widmeten ihn dem geistlichen Stand. Maximian vereinigte das Studium der Gottesgelehrtheit mit ununterbrochenen Betrachtungen und Gebeten und zeichnete sich durch einen so keuschen und heiligen Lebenswandel aus, dass ihn der Kaiser Justinian zum Bischof von Ravenna ernannte und ihm Papst Vigilius im Jahr 546, wo er gerade in Konstantinopel war, die bischöfliche Wei