Marien-Gärtlein

 

Memorare des heiligen Bernhard

 

Gedenke, o gütigste Jungfrau Maria: Noch niemals ist es erhört worden, dass jemand, der zu Dir seine Zuflucht nahm, Deinen Beistand anrief, um Deine Fürbitte flehte, von Dir verlassen worden ist. Beseelt von diesem Vertrauen nehme ich meine Zuflucht zu Dir, o Jungfrau der Jungfrauen, Maria, Mutter Jesu Christi; zu Dir komme ich, zu Dir eile ich, vor Dir stehe ich als sündiger Mensch seufzend und zitternd da. O Gebieterin der Welt, Mutter des ewigen Wortes, verschmähe doch meine Worte nicht, sondern höre mich gnädig an und erhöre mich Armseligen, der ich aus diesem Tal der Tränen zu Dir um Hilfe rufe; stehe mir bei in allen meinen Nöten, jetzt und allezeit, besonders in der Stunde meines Todes, o gütige, o milde, o süße Jungfrau Maria! Amen. 

 

Die Aufnahme in die Kunst-Akademie

 

(aus: Leben des Bartolomeo Estóban Murillo)

 

Es ist ein liebenswürdiger Zug des berühmtesten Malers der Spanier, Murillo, geboren zu Sevilla im Jahr 1617, aus dessen Werken uns überhaupt das reinste, liebevollste Gemüt anspricht, dass er, - zur Ehre, Ruhm und Reichtum gelangt, - es seine angelegenste Sorge sein ließ, im Gedenken an seine eigene harte, entbehrungsvolle Jugend, für die Zukunft und den Unterricht begabter Kunstjünger besser zu sorgen, als für ihn in seiner Vaterstadt gesorgt gewesen war.

 

Er gründete mit Aufopferungen aller Art in Sevilla eine Kunst-Akademie, für die er alle namhaften Künstler der Stadt als Lehrer und Mitwirker zu gewinnen suchte, und die sich auch durch seine unwiderstehliche Uneigennützigkeit und Liebenswürdigkeit gewinnen ließen. – Und wie Murillo selbst, gleich den meisten großen Malern Spaniens, seine Kunst als einen religiösen Dienst und die Pflege des Marien-Cultus als eine Herzenspflicht betrachtete; so setzte er als Bedingnis zum Eintritt in seine Kunst-Akademie: „Dass jeder Schüler, bei der Aufnahme in die Kunst-Akademie, sich zu dem Glauben an die unbefleckte Empfängnis der allerseligsten Jungfrau Maria feierlich bekennen musste.“

 

Ein Bild Mariä-Verkündigung

 

(aus: Charakteristik der Niederländischen Maler)

 

Hubert van Eyck hat in wunderlieblicher Weise die „Verkündigung Marias“ gemalt und es befindet sich das Bild auf dem Genter Altar. – Die Jungfrau kniet hier in holdseligster Anmut, scheint laut aus dem Gebetbuch zu lesen, wie die halbgeöffneten Lippen verraten, und trägt einen königlichen Mantel mit Juwelen besetzt und eine Krone von Juwelen, aus der Rosen, Lilien, Schneeglöckchen, Veilchen usw. hervorblühen; und aus diesen Blüten werden kleine Sonnen gleichsam ausgeduftet und schweben leuchtend über dem schönen Haupt. Das Wunderbarste von jungfräulicher Anmut, was erdacht werden kann, ist in diesem Moment der Verkündigung enthalten; man erblickt mit Andacht und Herzenshuldigung in Maria wahrhaft die „Braut des Heiligen Geistes“, die auch im Äußeren seiner würdiglich ausgeschmückt erscheint.

 

Sanct Alphons von Liguori zu Loretto

 

(aus: Leben des heiligen Alphons von Liguori von M. Jeancard)

 

Am 11. April 1762 kam der heilige Alphons von Liguori nach Rom, um vom Papst selbst zum Bischof von St. Agatha de Goti geweiht zu werden. Die Wohnung, die der Fürst von Piombino ihm in seinem Palast anbot, schlug er aus und zog in das Convent der Väter der frommen Werke, das an die Kirche „Unserer Lieben Frau vom Gebirge“ angrenzt.

 

Da der Papst eben zu Castel-Gandolfo sich aufhielt, beschloss St. Alphons, diesen Umstand zu benützen und eine Wallfahrt nach Loretto zu unternehmen. Als er merkte, dass sein Begleiter P. Andreas Villani keine Lust habe, dahin zu gehen, sprach der eifrige Diener Marias: „Wie, Sie zaudern!? Denken Sie doch nur an das Glück, unsere gute Mutter Maria zu besuchen, und es wird Ihnen nichts zu beschwerlich sein! Nie werden Sie eine günstigere Gelegenheit, ihr Ihre Ehrfurcht in jenem Haus zu bezeigen, wo das Wort Fleisch geworden ist, wiederfinden!“

 

Auf dieser Reise des heiligen Alphons entsprach alles der Heiligkeit des Beweggrundes, aus dem er sie unternahm. Da bemerkte man keine Pracht, keine Liebe zur Bequemlichkeit, keine Auszeichnung, keine Erschlaffung im strengen klösterlichen Leben, worin er immer ein Vorbild war. Er gestattete sich nicht einmal die gewöhnlichen Erholungen, noch die geringste Befriedigung der Neugierde. Während der Reise verharrte er immer im Gebet. Und wenn er in eine Stadt eintrat, so ging er alsbald in eine Kirche, um den Gottmenschen Jesus Christus, den Sohn Marias, im allerheiligsten Altarsakrament anzubeten, und schloss sich dann ein. In den Herbergen zeigte er sich mit allem zufrieden und erbaute bei Tisch durch seine äußerste Abtötung. Abends, ehe er sich zur Ruhe begab, brachte er mit seinem Begleiter noch im Gebet zu und unterließ nie, mit ihm den Rosenkranz zu beten.

 

Seine Lebensweise während der vierzehn Tage, die er zu Loretto verlebte, war nicht weniger bewunderungswürdig. – Morgens las er die Heilige Messe in der „Heiligen Kapelle“, wo immer seine Gebete und besonders die Danksagung lange Zeit einnahmen, und abends verbrachte er dort immer eine Stunde vor dem Sanctissimum. Er ging nie sonst aus und lebte in der tiefsten Zurückgezogenheit.

 

Der Gedanke, dass dieses Heiligtum durch die Bewohnung der Heiligen Familie Jesus, Maria und Joseph geweiht wurde, rief in seiner Seele eine lieb- und andacht-flammende Ehrfurcht hervor, und man wurde von Bewunderung und unwillkürlicher Rührung ergriffen, wenn man ihn in heiliger Freude und mit leuchtendem Antlitz vorangehen sah, um die kostbaren Reliquien der heiligen Familie zu küssen. Hier pflegte er lebhaften Verkehr mit dem Himmel. Sein größtes Vergnügen war es, wenn er bei diesen Gelegenheiten nur allein vor seinem Gott verweilen und Maria seine Herzenshuldigungen darbringen konnte. Als ihn eines Tages eine noch größere Inbrunst beseelte und er sah, dass außer P. Villani niemand in der Kirche sei, schickte er auch ihn fort, und blieb mehrere Stunden in diesem Gnadenort allein. Unmöglich kann man das Geheimnis aller Gnaden durchschauen, die ihm zuteilwurden, als er unablässig die unendliche Erniedrigung und die unaussprechliche Güte des göttlichen Wortes, die Jungfräulichkeit und Huld Marias und die diensttreue Sorgfalt St. Josephs betrachtete; und er dann noch erwog, wie der Eingeborene Sohn Gottes aus Liebe zu den Menschen es nicht verschmähte, dieses so arme Häuslein unter der Aufsicht Marias und Josephs zu bewohnen. – Er beschaute lebhaft die kleinsten Umstände dieses Hauses und man hörte ihn von Zeit zu Zeit in Ekstase ausrufen: „Hier ist das Wort Gottes Fleisch geworden! Hier hielt den Erlöser die heilige Jungfrau Maria in den Armen!“ – Man zeigte ihm auch den Schatz der Kirche und er fühlte eine unbeschreiblich große Freude, als er sah, wie viele Votiv-Zeugnisse der Andacht zur allerseligsten Jungfrau Maria sich in diesem allerehrwürdigsten Heiligtum vorfänden.

 

Unterdessen hatte St. Alphons erfahren, dass der Papst bald nach Rom kommen werde, und eilte deshalb dorthin. Es wurde ihm äußerst schwer, Loretto, diese von gar so vielen frommen Erinnerungen geheiligte Stätte, zu verlassen. Auf der Reise sprach er von nichts als von diesem heiligen Haus. So ganz erfüllt blieb er von den seligen Empfindungen, die ihn während seines Aufenthalts in dieser Stadt durchdrungen hatten. Oft jubelte er im andächtigsten Verzücktsein: „Heilige Maria, gib mir die Liebe, die du zum Jesuskind hattest! Heiliger Joseph, gib mir die Liebe, die du zu Maria hattest! O Gott, bewahre mich stets in der Liebe zu Jesus, Maria und Joseph!“

 

Die Pilgerin nach Loretto

 

(aus: Geschichte von Loretto von H. Turselin)

 

Johanna, eine Tochter des Kaisers Ferdinand von Österreich und Gemahlin des Großherzogs von Toskana, fühlte in ihrem Herzen eine unwiderstehliche Sehnsucht: im heiligen Haus zu Loretto der heiligen Muttergottes ihre Liebe, Andacht und Verehrung zu erweisen. Und sie folgte endlich diesem Drang ihres frommen Herzens.

 

Als sie von weitem des lauretanischen Hauses ansichtig wurde, sprang sie aus dem Wagen und fiel auf ihre Knie nieder, Maria ehrerbietigst zu begrüßen. Den noch übrigen Weg machte sie zu Fuß. In der Kirche von Loretto verschmähte Johanna die für sie bereitstehenden Kissen und Teppiche, und kniete zum Gebet auf den nackten Boden. Sie empfing mit der erbaulichsten Andacht die heiligen Sakramente, und brachte nicht nur den größten Teil des Tages in gottseligen Übungen zu, sondern verweilte auch drei Nächte nacheinander im innigsten Gebet vor dem Bild der allerseligsten Jungfrau. Die glühende Andacht ihrer Seele teilte auch dem Leib Kraft und Stärkung mit. Kaum konnte sie sich von der so überaus ehrwürdigen Stätte trennen. – Beim Abschied hing sie zwei Herzen von Gold um den Hals des Marianischen Gnadenbildes, und nahm sich vor, kein Jahr ohne die Gabe eines Geschenkes an das heilige Haus von Loretto vorübergehen zu lassen, und dieses welches Gelöbnis erfüllte sie auch getreu, solange sie lebte.

 

Der rechtmäßige Titel Marias

 

(aus einer Festpredigt von Johann R. Fasold)

 

Im Jahr 431 sah man eines Tages in der Stadt Ephesus eine unabsehbare Volksmasse hin- und herwogen. Man sah Einheimische und Fremde, man sah Geistliche und Laien, man sah Kinder und Greise, Reiche, Hohe und Niedere, man sah Gläubige aus allen Ständen und Klassen. Und wie ehedessen zu Jerusalem die Apostel auf die Ankunft des heiligen Geistes harrten, so harrten diese vielen Tausende auf die Entscheidung, auf den Ausspruch des im heiligen Geist versammelten Kirchenrates (Concilium) über den „rechtmäßigen Titel“ der allerseligsten Jungfrau Maria.

Der Tag hatte sich geneigt, es wurde Abend. Da öffneten sich die Türen der Kirche, in der mehr als zweihundert Bischöfe versammelt waren, und es erschien an der Spitze St. Cyrillus, Patriarch von Alexandrien, und verkündete dem Volk feierlichst:

 

„Die ketzerische Lehre des Nestorius ist verdammt,

die Ehre Marias wurde gerettet,

sie ist und heißt:

Mutter Gottes! Gottesgebärerin!“

 

Aller Augen glänzten von Tränen der Andacht und der Freude, aller Herzen schlugen laut vor Wonne, unbeschreiblich war der Jubel der Stadt, unbeschreiblich der Jubel des Volkes, unbeschreiblich der Jubel der ganzen Christenheit! Von Mund zu Mund, von Stadt zu Stadt, von einem Ende der Welt bis zum Ende der andern wiederhallte der Siegesruf:

 

„Der Feind der Jungfrau Maria ist besiegt!

Es lebe Maria!

Es lebe die große, die erhabene, die glorreiche Gottesgebärerin!

Es lebe die heilige Muttergottes!“

 

Der Titel, der Name „Muttergottes“ oder „Gottesgebärerin“ gehört zum Inbegriff der katholischen Glaubenslehre und gehört mit zum Grundstein des Gottesbaues der katholischen Kirche. Und wer kindlich fromm Maria diesen hocherhabenen, rechtmäßigen Titel verleiht, gehört zu den echten Bekennern des katholischen Glaubens.

 

Symbolisches in den Buchstaben des Namens "Maria"

 

(aus: Caesarius von Heisterbach von Dr. Alexander Kaufmann)

 

Caesarius von Heisterbach, der zwischen den Jahren 1240-50 starb, gehörte noch zu der alten, strengen Schule des Ordens der Zisterzienser; das Kloster, in dem er lebte, wurde ob seiner Zucht und Sittenreinheit besonders gerühmt; Männer der strengen Observanz bildeten seine Umgebung und seine Kritiker. – Unter den theologischen Schriften des Caesarius sind die gedruckten Homilien von Wichtigkeit. In der Bildersprache der Zeit geschrieben, meistens sinnig, oftmals tief und gedankenvoll, sind sie besonders, wo die Bilder dem Pflanzen- und Blumenleben entnommen worden, nicht ohne Anflug von Farbe und Poesie; allegorische Erklärungen der heiligen Schriften bilden den Hauptinhalt. Auch fehlt es nicht an Deutungen von Namen, Zahlen, selbst von Buchstaben der einzelnen Worte. Und so z.B. erklärt dieser treue Diener der heiligen Muttergottes ihren Namen Maria in folgender Weise:

 

Mater alma redemptoris, incentivum amoris!

Süße Mutter des Erlösers, Entflammerin der Liebe!

 

Maria advocata renatorum, imperatrix angelorum!

Maria, Fürsprecherin der Christen, Kaiserin der Engel!

 

Mater altissimi regis, integritatis auctrix!

Mutter des allerhöchsten Königs, Quelle der Heiligkeit!

 

Multum amabilis regi Iesu altissimo!

Viel-Geliebte Jesu, des allerhöchsten Königs!“

 

Marien Namen der Kirchen und Klöster zu Venedig

 

(aus: Aus dem Venediger und Longobardenland von Dr. S. Brunner)

 

Über die verschiedenen Kirchen und Klöster, die zu Venedig der allerseligsten Jungfrau Maria geweiht sind, die aber außerdem ganz eigentümliche Beinamen haben, die sich teils auf ihre Person, teils auf Ereignisse aus ihrem Leben, teils auf die Gnaden, die sie spendet, beziehen, - findet sich in den dortigen Urkunden insofern Aufschluss, als diese zeigen, wie die besagten Benamungen schon im fünfzehnten Jahrhundert üblich gewesen sind.

 

Die den Mauern nach – noch bestehenden, oder bereits zu anderen Zwecken verwendeten Kirchen und Klöster Marias tragen, wie eine köstliche Zierde, gar sinnvolle Beinamen. So findet man:

Die Kirche S. Maria de Nazareth;

das Kloster Jesus et Maria;

das Kloster S. Maria de planctu (von der Wehklage);

die Kirche S. Maria formosa (die Anmutige);

das Kloster S. Maria majoris (der Größeren);

das Kloster S. Maria de Virginibus (von den Jungfrauen);

die Kirche S. Maria de Salute (vom Heil);

die Kirche S. Maria de Charitate (von der Liebe);

die Kirche S. Maria Consolationis (des Trostes);

die Kirche S. Maria Gratiarum (der Gnaden);

die Kirche S. Maria Poenitentium (der Büßenden);

die Kirche S. Maria gloriosa (die Hochherrliche) usw. –

 

 

Lauter gar süße, hehre und eindringlich erhebende Beinamen, die im Herzen des sinnigen Wanderers, der da vorüber wallt, oder des frommen Beters, der da seine Einkehr hält, das allerkindlichste Vertrauen auf die Huld und Güte Marias zu erwecken vermögen! –

 

"Nun kann ich die schmerzhafte Muttergottes malen!"

 

(aus: Der Marien-Prediger von L. Gemminger)

 

Als der berühmte Maler Carlo Dolce einst an den Ufern der Tiber lustwandelte, war er Zeuge einer ergreifenden Szene. – Einer Mutter fiel das Kind in den Fluss und war nahe daran zu ertrinken. Von Angst und Schrecken ganz außer sich, lief die Frau hin und her, bis ein des Schwimmens Kundiger auf ihre Bitten hineinsprang, das Kind glücklich rettete und es lebend der Mutter zu Füßen legte. Vor Freude außer sich drückte die Mutter, mit den dankbarsten Blicken zum Himmel, das wiedererhaltene Kind an die Brust. – „Nun kann ich die schmerzhafte Muttergottes malen“, rief Carlo Dolce aus, indem er nach Hause eilte, „denn ich habe die Züge einer Mutter geschaut, die ihr Kind, ihr verlorenes, suchte und es wieder gefunden hat!“ – 

 

Mutter und Kind

 

(aus: Das Leben frommer Kinder)

 

Der gottselige Petrus Granger huldigte als Kind schon wahrhaft minniglich der Gebenedeiten des Herrn. – Einst, in einem frohen Augenblick, als seine Mutter mit ihm scherzte und ihn liebkoste, sprach er zu ihr: „Mutter, du liebst mich recht herzlich; doch eine andere Mutter hab ich im Himmel, die mich noch mehr liebt, als du! Es ist die heilige Muttergottes Maria!“ –

 

Die Schule auf freiem Feld

 

(aus: Leben der seligen Germana Cousin von L. Veuillot)

 

Die selige Germana Cousin, geboren im Jahr 1579 zu Pibrac im Stadtbezirk von Toulouse, wurde, sobald sie fähig war, von ihrer Stiefmutter, die sie nicht zu Hause dulden wollte, hinaus aufs Feld geschickt, die Schafe zu hüten. Und sie blieb eine arme Hirtin bis zu ihrem Tod.

 

Zu den frommen Werken, die Germana, von Liebe zu Jesus und Maria gedrängt, verrichtete, gehörte auch die schöne Gewohnheit, dass sie, wo sie nur konnte, die kleinen Kinder des Dorfes um sich versammelte, um sie in den Wahrheiten der Religion zu unterrichten. Sie redete ihnen alsdann sanft und liebevoll zu und ermahnte sie, Jesus zu lieben und seine göttliche Mutter Maria andächtig zu verehren. Man nannte deshalb diese Schule geradezu die „Jesus- und Maria-Schule.“ –

 

Welch ein Schauspiel, würdig der Bewunderung aller himmlischen Geister und angenehm in den Augen Gottes, diese kleine Schule hier, abgehalten im Schatten eines Gesträuches, versammelt auf freiem Feld, und oft singend ein schönstes Jesus- oder Marienlied! Es war dies eine Schule, in der der Lehrer, der selbst vielleicht nicht lesen konnte, seinen ungebildeten, noch rohen Zuhörern einen Unterricht erteilte, dem die berühmtesten Weltweisen aus dem Heidentum mit Staunen und Entzücken zugehört, der einem Plato über alles, wonach er forschte, Aufschluss gegeben und dem die größten Gelehrten der Kirche zuzulauschen sich nicht entwürdigt hätten!

 

Sicher waren die sorgfältigsten Bemühungen einer solchen bezaubernden Liebe nicht verloren, und der liebe Gott, der da gesagt hat: „Lasset die Kleinen zu mir kommen, denn ihrer ist das Himmelreich!“ hat ohne Zweifel auf die Fürbitten Marias alle die Seelen, die auf so sanfte Weise durch seine treue Dienerin ihm und Maria zugeführt wurden, auf dem Weg des Heiles bewahrt! –

 

Das aber weiß man bestimmt, dass die Marianischen Tugenden der demütigen Jungfrau Germana in dem Dorf einen tiefen Eindruck auf alle Gemüter machten. – Als lange Zeit nach ihrem Tod Gott in Wundern die Herrlichkeit seiner Dienerin der Welt zu offenbaren begann: da erinnerten sich die Bewohner noch recht wohl ihres demütigen Lebens, ihrer engelhaften Anmut und Milde. Sie erzählten, mit welch wunderbarem Glanz Germana umleuchtet schien, wenn sie der heiligen Messe anwohnte oder die heiligen Sakramente empfing; mit welchem Seligsein sie den Kindern die süßen Namen Jesus und Maria auszusprechen lehrte, und ihre emsigen Zöglinge geradezu ihre „Marien-Feldblümchen“ nannte. Es lebten alle der festen Überzeugung: dass die fromme Hirtin niemals durch irgendeine Handlung in ihrem Leben den kostbaren Schatz der Taufunschuld verloren habe. –

 

Der Zutritt zur Marienkapelle

 

(aus: Katholische Sonntagsblätter von H. Himioben, 1865)

 

In der Erziehungs-Anstalt zu Rüstroff befindet sich – außer der Kirche – noch eine kleine, der allerseligsten Jungfrau Maria geweihte Kapelle.

 

Es ist jedoch nicht allen Kindern gestattet, diese Kapelle zu besuchen. – In der genannten Anstalt gibt es nämlich einen besonderen Ehrentitel, „Tochter Marias“, mit dem nur diejenigen ausgezeichnet werden, die sich innerhalb einer bestimmten Zeit durch ihren frommen Sinn und ihr tugendhaftes, bescheidenes und auferbauliches Betragen hervorgetan haben, und am Ende des Schuljahres mit einer weißen Rosenkrone sind gekrönt worden. Diesen „Töchtern Marias“ allein ist der Zutritt zu der Marienkapelle gestattet.

 

Die Kapelle selbst ist einfach und ladet in ihrem blauen Gewand wie ein stiller Himmel, in dem im allerheiligsten Sakrament der Heiland und Freund der Kinder wohnt, die Unschuldigen, die Reinen, ein, auf deren Seele der himmlische Vater und Maria so freundlich herniederschauen. Beim Eintritt in dieses friedliche Heiligtum fühlt man sich gedrängt auszurufen: „O selige Wohnstätte meines göttlichen Erlösers, die durch keine Sünde entweiht ist! Da thronst du, mein Jesus, nicht nur im Tabernakel, sondern auch wahrhaft als ein König und königlich lohnend in so zarten, reinen Herzen, die deine gebenedeite Mutter Maria mit Wonne und Entzücken „ihre geliebten Töchter“ nennt.

 

Welch ein Antrieb zur Tugend muss dieser hehre Titel sein, mit dem man gewürdigt wird, einzutreten in den Kreis jener glücklichen „Marientöchter“ und mit ihnen in diese Kapelle, das weltabgeschiedene Heiligtum Marias!“

 

Unterricht über die Bilder durch ein Kind

 

(aus: Erklärung des Katechismus von A. Guillois)

 

Der heilige Vincenz von Paul hatte eben zwei Kalvinisten in den Schoß der wahren Kirche Jesu Christi zurückgeführt, als dem schönen Bund der beiden Neubekehrten ein dritter hinzutreten wollte.

 

Ehe die feierliche Handlung der Aufnahme begann, richtete St. Vincenzius die Frage an ihn: ob es noch sein ernstlicher Wille sei, in die Gemeinschaft der römisch-katholischen Kirche zurückzukehren? Der Gefragte antwortete, dass er bei diesem Entschluss beharre, aber noch eine Bedenklichkeit habe, die beim Anblick einer unkünstlerisch ausgeführten steinernen Statue der heiligen Jungfrau Maria in seiner Seele sich erhoben; nämlich: dass er nicht glauben könne, es sei irgendeine Kraft in diesem Stein vorhanden; er wies dabei auf die schlichte Marien-Statue, die ihm gegenüberstand.

 

St. Vincenzius erwiderte darauf mit großer Ruhe: dass – nach der Lehre der Kirche – in diesen Bildern keine andere Kraft sich vorfinde, als diejenige, die ihnen mitzuteilen Gott gefällt, so wie er es einst bei dem Stab des Moses tat, mittelst dessen er so große Wunder wirkte. Überdies sei diese Lehre unseres Glaubens so bekannt in der Kirche, dass ihn jedes Kind darüber unterrichten könne. – Sogleich rief er wirklich eines der anwesenden Kinder herbei, das auf die Frage: „Was hat man von den Bildern der Heiligen zu glauben?“ mit rührender Einfalt antwortete: „Es sei gut, solche Bilder zu haben, und ihnen die gebührende Ehre zu erweisen, nicht des Stoffes wegen, aus dem sie geformt sind, sondern – weil sie uns den göttlichen Heiland Jesus Christus, seine glorreiche Mutter Maria und andere Heilige des Himmels vorstellen, die, nachdem sie den Sieg über die Welt davon getragen, durch ihre Bilder uns stillschweigend auffordern, ihrem Glauben zu folgen und ihre guten Beispiele nachzuahmen.“

 

Diese Antwort aus dem Mund eines Kindes, würdig des Lehrers, der ihn in den ersten Wahrheiten der Religion unterrichtet hatte, öffnete vollends dem Calvinisten die Augen und er erklärte feierlich, zur Religion seiner Väter zurückkehren zu wollen.

 

Die Madonna über dem Brunnen

 

(aus: Unter Lebendigen und Toten, von Dr. Sebastian Brunner, 1862)

 

Die schönste Königsburg in deutschen Gauen ist Hohenschwangau in Bayern. Ähnlich einer goldenen Krone mit allerhand verwunderlichen Zacken liegt sie auf ihrem Hügel wie auf einem grünen Sammetpfühle.

 

Schon bei Eintritt in das Tor erhält man einen Gruß von dem bildlich dargestellten Lied:

„Gnadenquelle, sei gegrüßt!“

denn ober dem neuerbauten Quellbrunnen steht ein herrliches Madonnenbild auf goldenem Grund in Fresco gemalt, von Immergrün und verschiedenen anderen Gewächsen wie mit einem lebendigen Kranz umsponnen. Die Zweige ranken sich ringsum nieder und hängen sich ins Steinbecken hinein, mit Perlen geziert, die der niedersprudelnde Wasserstrahl ringsum auf die Blätter wirft.

 

Es ist ein erhebender Gedanke, dass der König von Bayern auch sein Lustschloss unter den Schutz derjenigen gestellt hat, die seit Jahrhunderten von seinem frommen katholischen Volk als die „Patrona Bavariae“ verehrt wird!

 

Die Andacht bei den Marien-Säulen

 

(aus: Die dreifache Krone Marias, P. Francois Poiré, 1853)

 

Eine Stunde von Grätz in Steiermark befindet sich eine berühmte Andachtsstätte, wo die glorreiche Himmelskönigin Maria sehr geehrt wird. – Ehe man dahin gelangt, erblickt man vierzehn Säulen, sieben auf der einen Seite des Weges und sieben auf der anderen, die zum Andenken an die hochwichtigen Geheimnisse im Leben der heiligen Muttergottes aufgerichtet sind.

 

 

Die genannte, so friedliche Stätte war der gewöhnliche Andachtsort Marias, der Gemahlin des Erzherzogs Carl und Mutter des Kaisers Ferdinand. – Diese fromme und unvergleichlich tugendhafte Fürstin kam gewöhnlich alle Samstage mit den Prinzessinnen, ihren Töchtern, dahin; und sobald sie sich der ersten Säule nahten, stiegen alle aus dem Wagen, knieten nieder und hörten die Muttergottes-Litanei, die mit Musikbegleitung gesungen wurde; dann wanderten sie von Säule zu Säule, und verrichteten vor jeder ihre Andacht, bis sie in die Marienkirche selbst eintraten.

 

Die Frage unter einem Marien-Bild

 

(aus: Katholische Rundschau, 15. Juni 1841)

 

Der Bischof von Verdun erzählt, dass er auf seiner ersten Wanderung nach Rom Zeuge eines rührenden Zuges von Vertrauen auf die heilige Jungfrau Maria gewesen sei.

 

Es gerieten nämlich zwei Männer in einem Wirtshaus in Streit. Da der Streit hitzig wurde, ergriff einer von ihnen ein Messer, das auf dem Tisch lag, und schickte sich an, damit auf seinen Kameraden loszugehen. Dieser flüchtete sich aber schnell. Verfolgt und fast eingeholt – erblickte er auf der Straße an einem Haus ein Madonnenbild. Er stellte sich nun unter das Bild, indem er zugleich seinem zornglühenden Gegner zurief: „Wirst du den Mut haben, mich vor den Augen unserer göttlichen Mutter zu verletzen?!“ – Da fiel dem Verfolger das Messer aus der Hand und sein Zorn war gedämpft. 

 

Die frommen Heldenbrüder

 

(aus: Der Pilger, eine religiöse Zeitschrift, 1846)

 

Das Volk der Korsen stellte sich, nach einer feierlichen Beratung, unter den Schutz der glorreichen Himmelskönigin Maria. In den letzten Kämpfen um seine sterbende Nationalität trug es ihr Banner, und die beiden Paoli, Pascal und Clemens, zwei große Feldherren, und in gleicher Weise von ganzem Herzen dem Dienst der Mutter des Herrn zugetan, verschafften diesem Banner Ehre und Hochachtung.

 

Pascal Paoli ließ zwei der heiligen Jungfrau Maria geweihte Kapellen erbauen, eine in dem Dorf Pastoreccia, die andere in dem Dorf Morosaglia. Er pflegte alle Tage die heilige Messe in einer dieser Kapellen zu hören. – Der berühmte General ließ auch, während seiner Verbannung, in England der heiligen Muttergottes eine Kapelle erbauen. –

 

Clemens Paoli ließ stets seine Soldaten, um sie dem Schutz Marias zu empfehlen, bevor sie in den Kampf gingen – auf ihren Knien liegend – den Rosenkranz beten. Einige Engländer, die sich über diese Sitte wunderten, bemerkten ihm bei einer Gelegenheit spöttisch: dass der Feind bereits auf sie losginge, und seine knienden Soldaten sich nicht verteidigen könnten. „Lassen Sie sie nur Beten, Mylords,“ antwortete Clemens mit seiner gewaltigen Stimme, „ich kenne meine Leute!“ – Nach dem beendigten Gebet erhoben sich die Korsen wie Löwen, und keiner wich dem Feind auch nur ein Fußbreit, denn – betende Soldaten, Marien-Söhne, fliehen nicht! –

 

Der Marianische Liebhaber

 

(aus: Christliche Symbolik, Dr. Wolfgang Menzel, 1854)

 

 

Bei den großen Marienfesten und den dabei stattfindenden Prozessionen befleißigt sich der fromme Sinn der Gläubigen, namentlich im Süden Europas und Amerikas, die göttliche Gnadenmutter in ihren mannigfachsten Beziehungen zum Erlösungswerk zu verehren und ihr die reichsten Attribute beizulegen. Jeder Stand, jede Zunft zieht mit besonderen Emblemen und Sinnsprüchen auf. – Eine eigentümliche Erscheinung dabei ist der „Marianische Liebhaber“; ein Jüngling, der sich dem Dienst Marias ausschließlich gewidmet hat und in der köstlichsten Kleidung und Ausschmückung an der Prozession teilnimmt, in der demnach die kindliche, volkstümliche Liebe zur allerseligsten Jungfrau als personifiziert ihren anmutigen Ausdruck findet.

 

Nachahmung der ärmlichen Kleidertracht Marias

 

(aus: Japanische Kirchengeschichte, P. Johannes Crasset, 1738)

 

Marentia, eine japanische Jungfrau, war verwandt mit König Bungo und ihr Vater einer der vornehmsten Hofherren. Im christlichen Glauben erzogen, den die Väter der Gesellschaft Jesu unter unsäglichen Mühen und Leiden in Japan verbreiteten, hatte sich Marentia schon in ihrem zwölften Jahr Gott durch ein Gelübde zu ewiger Jungfrauschaft verbunden. Auch den erlaubten Ergötzlichkeiten suchte sie sich, so viel es der Gehorsam und die Sitte des Anstandes erlaubten, zu entziehen. Ihre Freude und ihr Vergnügen war, von Gott und den lieben Heiligen, besonders von der allerseligsten Jungfrau Maria, zu reden, die sie zärtlich liebte, so dass sie ihr Bildnis nicht ansehen konnte, ohne aus Andacht die innigsten Tränen zu vergießen. Drei Tage vor und ebenso viele Tage nach den Festen Marias fastete sie in Wasser und Brot, und übte auch sonst – Jesus und Maria zu Ehren – die strengsten Bußwerke, die endlich ihre Beichtväter auf das Anhalten der Verwandten durch den Gehorsam zu mäßigen suchten.

 

Marentia trug in sich ein großes Verlangen, die Mutter des Herrn auch äußerlich in ärmlicher Kleidung nachzuahmen, und wollte sich kleiden, wie die japanischen Frauen, die der Welt entsagt hatten; allein ihre Verwandtschaft willigte nicht in dieses Begehren. Durch innigstes Bitten erlangte sie endlich doch die Erlaubnis: je an einem Tag der Woche ganz ärmliche Kleidung tragen zu dürfen. Sie fühlte hierüber die lebhafteste Freude. Und als sie die ärmliche Kleidung erhalten hatte, eilte sie mit ihr zu einem Bild der allerseligsten Jungfrau Maria, warf sich auf die Erde nieder, legte die Kleidung auf das Haupt, was bei den Japanern das Zeichen der Ehrerbietung ist, und dankte unter Tränen der heiligen Muttergottes für die Gnade: „dass sie jetzt, wenigstens einen Tag in der Woche, das Kleid der Armen tragen und ihr hierin nachfolgen dürfe.“

 

"Maria ist meine Braut!"

 

(aus: Leben des ehrwürdigen Gerhard Majella, C. Dilgskron, Wien 1879)

 

Der ehrwürdige Gerhard Majella, Laienbruder aus der Kongregation des allerheiligsten Erlösers, war ein ganz besonderer Verehrer Marias. Er unterließ bei keiner Gelegenheit, ihren Altar zu besuchen und ihr seine Verehrung zu bezeigen. „Maria“, rief er oft in seliger Begeisterung aus, „hat mein Herz bezaubert, und ich habe es ihr hingegeben!“ – Kam ein Marienfest heran, dann konnte er sich den ganzen Tag über nicht von ihrem Altar trennen. – Einst sah man ihn an einem solchen Fest ganz entflammt vor den Augen alles Volkes zum Marienaltar hineilen und einen Ring auf denselben legen. Um die Absicht dieses seines Tuns befragt, erwiderte er: „Ich habe mit der Reinheit der heiligen Muttergottes auch meine Reinheit vermählen wollen!“ Und gar oft, wenn dann von dieser Ehe die Rede war, rief er jubelnd aus: „Gott sei es gedankt, Maria ist meine Braut!“

 

Gerhard Majella hat auch die jungfräuliche Reinheit bis an seinen Tod bewahrt, und das Kleid der Unschuld seit der Taufe nie durch eine schwere Sünde befleckt. 

 

Die christliche Jungfrau

 

(aus: Das Familienleben, Leopold Kist, 1865)

 

Eine christliche Jungfrau wollte sich in eine Familie verehelichen, die ein großes Haus besaß, dessen Portal mit einem schönen Muttergottesbild geschmückt war.

 

Nun redeten die leichtsinnigen Jugendfreunde des Bräutigams auf ihn ein: dieses unzeitgemäße, mittelalterliche und ultramontane Bild entfernen zu lassen und durch einen berühmten Mann, z.B. Goethe, Schiller, oder Hecker (den Mann der Revolution), oder auch durch den heidnischen Gott Amor oder Bacchus zu ersetzen. Der Bräutigam billigte diesen Vorschlag und zeigte sich nicht abgeneigt, ihn in Ausführung zu bringen, setzte aber vorher seine Braut davon in Kenntnis.

 

Voll tiefer Entrüstung erklärte nun die christliche Braut: „Wenn das Bild der lieben Muttergottes, unter deren Schutz dieses Haus schon mehr als hundert Jahre stand, einem Menschen oder Götzen weichen muss, so werde ich niemals als christliche Frau in dieses Haus einziehen und nehme hiermit mein gegebenes Versprechen der Verehelichung zurück!“

 

Durch diese entschiedene Erklärung war das Muttergottesbild gerettet; und es steht heute noch da über dem Portal, und wirkt in diesem Haus dieselbe christliche Braut als christliche Hausfrau und Mutter, und erzieht durch ihr erbauliches Vorbild wahrhaft Marianische Kinder.

 

Ehre, dem Ehre gebührt!

 

Marianische Aussteuer

 

(aus: Die milden Stiftungen zu Brüssel)

 

Isabella Eugenia, Gemahlin des Statthalters von Belgien, suchte ihre Verehrung gegen die allerseligste Gottesmutter namentlich dadurch zu versichtbaren, dass auf ihre Veranlassung alljährlich in Brüssel eine feierliche Prozession gehalten und in dieser das Bild Marias herumgetragen wurde. Dabei musste immer ein Zug von armen, unbescholtenen Jungfrauen zunächst bei dem Bild einhergehen. Sie waren weiß gekleidet und jede trug eine brennende Wachskerze, die gleichfalls nur weiß sein durfte. – Hatten sie den besagten Dienst zwei Jahre nacheinander der gebenedeiten „Jungfrau der Jungfrauen“ geleistet, dann erhielten sie eine Aussteuer von etlichen hundert Gulden, um – je nach ihrem Beruf – in den Ehestand oder in ein Kloster treten zu können.

 

Damit auch nach ihrem Tod in dieser Weise zu Brüssel die „allerkeuscheste Jungfrau Maria“ geehrt und verherrlicht würde, so gründete die fromme Isabella mit einem ansehnlichen Kapital für immer eine „Marianische Aussteuer-Stiftung“.

 

Das Fest der Bräute

 

(aus: „Ein Jahr in Italien“, Adolph Stahr, 1854, Oldenburg Schulze)

 

Es war ein Sonntag und der 3. Mai, und wir sahen zu Perugia in der Kirche St. Maria Nuova das berühmte Bild von Nicolo Alunno, die „Verkündigung“. In der Mitte die Madonna an einem Betpult, vor ihr der Engelsbote, darüber Gott Vater mit singenden und musizierenden Engeln, unten eine Anzahl Heiliger. Der Ausdruck im Gesicht Marias ist still, sanft, keusch; und als höchst gelungen erweist sich der Ausdruck ehrfurchtsvoller Scheu, mit der der Verkündigungs-Engel der Gottesbraut sich nahet.

 

Draußen vor der Kirche rauschte plötzlich lustige Militärmusik empor; die hier in Garnison liegende Geschütz-Reiterei spielte kriegerische Weisen zu Ehren des heiligen Kreuz-Festes, an dem sechs Jungfrauen in der Kirche eine Aussteuer als „Marianischen Tugendpreis“ erhalten sollten. Bald darauf trat der Zug in die Kirche ein, gefolgt von zahlreichen Zuschauern aus allen Ständen. Ein Hochamt wurde gehalten, dann begann die Prozession durch und um die Kirche und über den stattlichen Platz in der Nähe. Voran die Marianische Bruderschaft, die zu der Kirche gehört, dann der Bischof, von Priestern begleitet, nach ihm städtische Beamte und Volk und allen voran die Militär-Musik. Alles befand sich im festlichen Putz. Die sechs Marien-Bräute, paarweise, geführt von Frauen aus den ersten Adelsgeschlechtern der Stadt, erschienen in grüne Seide gekleidet, mit weißen, lang vom Haupt herabwallenden Schleiern, fast alle bildschöne Mädchen, keine über zwanzig Jahre; das Skapulier bezeichnet sie als „Töchter Marias“. Die Brautkronen, die sie trugen, gehören der Kirche an und werden alljährlich bei diesem Fest gebraucht.

 

Das Fest ist die Stiftung eines wohlgesinnten Bürgers aus Perugia und frommen Verehrers der gebenedeiten Jungfrau Maria und ihrer Tugenden, der eine bedeutende Geldsumme zu diesem Zweck der Stadt hinterlassen hat, von deren Zinsen-Ertrag jährlich sechs junge Mädchen der ärmeren Volksklasse, die durch ihren unbefleckten Wandel in der treuen Nachfolge Marias sich empfohlen haben, eine Aussteuer erhalten. Über das sittliche Verdienst der Preisbewerberinnen entscheidet die Geistlichkeit.

 

Die junge Peruginerin, die uns diese Dinge erzählte, war, in ihrem Sonntagsstaat von schwarzblauem Samt und dunkelrotem Untergewand, vom langen, weißen Schleier umflossen, das lebendige Abbild einer Madonna Pietro Peruginos. 

 

Hehrer Gebrauch nach der Taufe eines Kindes

 

(aus: Christliche Volksgebräuche)

 

In vielen Gegenden Frankreichs geschieht es, dass fromme Mütter, wenn ihr neugeborenes Kind durch den Empfang des heiligen Sakramentes der Taufe Gottes Eigentum wurden, indem die heilige Gnadenflut in ihm die Erbsünde getilgt hat, es zum Altar der seligsten Jungfrau Maria tragen und es zu den Füßen ihres Bildes oder ihrer Statue andachtsvoll niederlegen. Sie leitet zu diesem Tun die Überzeugung: dass weil der göttliche Heiland zu seinen Aposteln sprach: „Lasset die Kleinen zu mir kommen!“ auch seine gebenedeite Mutter so sage. Und im Aufblick zu Maria pflegen sie zu beten: „Mutter der Christen, siehe hier eines deiner Kinder! Sei ihm freundlich und gnädig alle Tage seines Lebens, und am Ende seiner Laufbahn öffne ihm die Himmelspforte!“

 

 

Und um diese zweifache Huld, die man für das Heil des Kindes erflehte, auch äußerlich anzudeuten, werden dem Kind Kleider von weißer und blauer Farbe angetan, weil dies die Farben Marias sind, die Symbole nämlich ihrer unbefleckten Reinheit und demütigsten Demut.

 

Marianischer Lehrer-Verein

 

(aus: Münchener Sonntagsblatt von Dr. Ludwig Lang, 1866)

 

Im Jahr 1864 wurde im Bistum Osnabrück ein Marianischer Lehrer-Verein gegründet, der bereits über hundert Mitglieder zählt. Sie stellen sich und ihre Schulen unter den Schutz der heiligen Muttergottes, beten für sich und ihre Schüler an jedem Morgen das „Salve Regina“, und abends das Gebetlein: „Unter deinen Schutz und Schirm usw.“ nebst einem Ave Maria für die Anliegen der heiligen katholischen Kirche. – Stirbt ein Mitglied, so beten die Hinterbliebenen einen Rosenkranz und opfern den Empfang einer heiligen Kommunion auf für die Seelenruhe des Abgeschiedenen.

 

 

Unser glorreich regierender Papst Pius IX. hat am 25. Juni 1865 diesem Verein zum Preise Marias verschiedene Ablässe verliehen.