Maria, die Trösterin der Betrübten


Maria!

Kein Lied klingt so rein und hell wie dieses Wort.

Keines so innigtief und warm.

Nach dem Namen Jesus ist es der schönste Name,

den wir kennen und nennen.



Es gibt so bittre Stunden

im wirren Lebenslauf,

da brechen alte Wunden

mit neuen Schmerzen auf.

Der Frühling ist verdorben,

der Sonnenschein erstorben,

und trüb und schwer der Mut:

dann denk ich dein, Maria,

und gleich ist alles gut.


Und wenn mich niederzwingen

Unmut und Überdruss,

weil gar nichts will gelingen

von allem, was ich muss:

wag ich, zu Gott zu treten

und recht um Rat zu beten

in rechter Andachtsglut

und denke dein, Maria,

dann ist schon alles gut.

Friedrich Wilhelm Weber

 

St. Franziskus von Sales und seine Trostlosigkeit

 

Der heilige Bonaventura lehrt: „Schon damals, als Maria, die Mutter des Herrn, noch in diesem Jammertal lebte, war sie unsagbar liebreich und barmherzig zu den Bedrängten. Um wie viel mehr wird sie es jetzt sein, da sie glückselig im Himmel herrscht? Jetzt erschaut sie ja die Mühseligkeiten der Menschen umso klarer, und desto mehr gibt sie ihre große Barmherzigkeit durch ihren Beistand zu erkennen. Sie ist ja unsere Mutter; und kann wohl eine Mutter ihre Kinder vergessen?“

 

Diese Tröstung Marias empfing auch der heilige Franziskus von Sales, dieser große und berühmte Geistesmann und Seelenführer.

 

Durch Zulassung Gottes kam nämlich über diesen eifrigen Verehrer Marias eine harte Prüfung; denn es überfiel ihn tiefe Schwermut und große Trostlosigkeit, indem er meine: „er könne nicht selig werden“; und dieser schwarze Gedanke, der ihn nie verließ, sondern Tag und Nacht quälte, trieb ihn fast zur Verzweiflung. Sogar seine leibliche Gesundheit welkte dahin, und man hielt ihn allgemein als ein baldiges Opfer der Abzehrung. Was das Übel noch tiefer Wurzel fassen ließ, war der Umstand, dass der ganz verzagte und mutlos gewordene Jüngling auch niemand den Grund seines Seelenleidens anzuvertrauen wagte. Endlich kam ihm der Gedanke, in jene Kirche sich zu begeben, wo er das Gelübde der ewigen Keuschheit abgelegt hatte. Das erste, was hier seinem Auge begegnete, war ein Bild der allerseligsten Jungfrau Maria. Der Anblick dieses Bildes weckte in ihm wieder sein ehemaliges Vertrauen zu der „Trösterin der Betrübten“.

 

Er warf sich nun auf seine Knie nieder und flehte recht inständig zur heiligen Muttergottes: „sie wolle ihm die Gnade erbitten, dass er doch hienieden Gott über alles lieben möchte, da er dies nach seinem Tod nicht mehr tun könne, indem er in die Gesellschaft der Verdammten zu kommen fürchte“.

 

Auf dieses aufrichtigst gemeinte Flehen hin, war es ihm, als werde ein schwerer Stein von seinem Herzen abgewälzt; er fühlte sich wunderbar erleichtert und getröstet, sein vorheriges Vertrauen auf die Barmherzigkeit Gottes kehrte wieder zurück, und Gemüt und Körper wurden wieder gesund.

 

Maria, die „Trösterin der Betrübten“, hat auch ihn getröstet!

 

(Aus: Leben des heiligen Franziskus von Sales)

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Maria, die in der Not Kräftigende

 

Dem heiligen Hyazinth, Mitglied des Dominikaner-Ordens, genügte es nicht, die Städte seines Vaterlandes Polen durchwandert und durch seine Predigten die Sünder aus ihrem geistigen Schlaf erweckt zu haben. Sein Eifer für die Ehre Gottes und das Seelenheil seiner Mitmenschen zog ihn hinaus in die fernsten Länder, um auch den rohen Heidenvölkern die frohe Botschaft des Heils in Christus Jesus zu verkünden und sie in die Gemeinschaft der heiligen katholischen Kirche hineinzuführen.

 

So war er denn auch unter Gottes mächtigem Schutz und vertrauend auf die Fürbitte der heiligen Muttergottes, die er kindlich verehrte, nach Russland gekommen. Katholische Christen waren damals so wenige im Land, dass sie nicht einmal eine Kirche besaßen, überall fand er nur Götzendiener, Mohammedaner und Abtrünnige. Hyazinth durchwanderte zu Fuß dieses ungeheure Reich, überall Christus predigend und zur Buße ermahnend. Seine Bemühungen waren auch von Gott gesegnet, und trotz der so sehr feindlichen Gesinnung des Fürsten Wladimir konnte er zu Kiow, der damaligen Hauptstadt des Landes, nachdem er eine zahllose Menge von Ungläubigen und Abtrünnigen bekehrt hatte, ein Kloster stiften. Da brachen die Tartaren ins Land, erstürmten Kiow und verwandelten die Stadt in einen Schutthaufen. Während ringsum alles in Flammen stand und das Blut der Erschlagenen durch die Straßen der Stadt floss, nahm der Heilige den Speisekelch mit den konsekrierten Hostien aus dem Tabernakel, und hieß die Brüder ihm folgen. In der Kirche stand aber auch ein schönes Muttergottesbild aus Marmor gehauen, vor dem der Heilige oft sein Gebet verrichtet hatte. Als er nun die Kirche verlassen wollte und bei diesem Bild vorbeiging, hörte er aus ihm die klagsamen Worte: „Mein Sohn! Willst du deine Mutter hier den Feinden zum Raub und Spott überlassen?“ Auf sein Weinen und die Vorstellung der Unmöglichkeit, so schwere Last zu tragen, vernahm er die Erwiderung: „Mach den Versuch, ob dir nicht genügend Stärke gegeben sei!“ Nun hob er das Bild herab, fasste es in seine Arme und – wunderbar! – er fühlte keine Last. In der einen Hand den Speisekelch mit dem Hochwürdigsten Gut, in dem andern Arm das Bild der Gebenedeiten des Herrn tragend, eilte nun Hyazinth mitten durch die Flammen dem entgegengesetzten Tor der Stadt zu, ging ohne Schiff und Brücke trockenen Fußes über den Dnieperfluss und kam wohlbehalten nach Krakau, wo er mit Jubel empfangen wurde und die Statue der heiligen Jungfrau in der Klosterkirche aufstellte.

 (Aus: Heiligen-Legende)

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Maria, die rechtzeitig Weckende

 

Die heilige Rosa von Lima, die so treue Dienerin Marias, litt seit längerer Zeit an Schlaflosigkeit, und es war die völlige Zerrüttung ihrer Gesundheit zu befürchten, wenn nicht heilende Mittel dagegen angewendet würden. Es bedurfte aber dazu des Befehls ihres Beichtvaters, der, nach der Anleitung eines vielbewährten Arztes, ihr auftrug: an jedem Abend ein Gericht von schlafbringenden Kräutern zu genießen, und der zugleich auch die Zeit ihr bestimmte, wann sie sich am Abend zur Ruhe begeben sollte, und wann sie am Morgen aufstehen müsse.

 

Rosa kam dieser Vorschrift wohl pünktlich nach, aber ob der so lang geübten Gewohnheit, im Gebet halbe Nächte zu durchwachen, zögerte immer der Schlaf zur bestimmten Zeit sie zu umweben. Und stets erst gen Morgen begannen die Kräuter ihr Schlafbringen zu bewirken.

 

Da fühlte nun die fromme Jungfrau große Angst und Betrübnis, wenn sie nicht zur gehörigen Zeit erwachte, um ihr Berufswerk zur näher bezeichneten Zeit beginnen zu können. Sie klagte deshalb ihre Not der allerseligsten Jungfrau Maria, und bat eindringlichst: sie möchte doch, als der „wahre Morgenstern“, ihr zur Hilfe kommen. Und wie lieblich zeigte sich ungesäumt die Hilfe der huldreichen Mutter! Denn von diesem Augenblick an weckte Maria ihre geistliche Tochter, wenn die Stunde zum Aufstehen nahe und Rosa noch nicht erwacht war, mit lieber und freundlicher Stimme, und die Erwachte genoss dann auch noch das trostvolle Anschauen ihrer so gütigen Beschützerin, wie sie es selbst mit Freuden und Dankbarkeit bekannte.

 

(Aus: Leben der heiligen Rosa von Lima)

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Das scheu gewordene Maultier

 

P. Vincenz Morales verließ eines Tages die Stadt Numantia in Spanien, um in einem weit entlegenen Dorf einem schwer Erkrankten die Tröstungen der Religion zu bringen. Er ritt auf einem Maultier, um möglichst schnell sein Ziel zu erreichen. Auf einmal, ja plötzlich verließ das Maultier die gebahnte Straße und sprang, trotz allen Spornens, ins Dickicht des nahen Waldes durch alle Bäume und Hecken, über alle Zäune und Steine, von Felsen zu Felsen über einen jähen Abgrund tief hinunter und blieb dann ruhig stehen.

Als der Pater vom Schrecken sich erholt hatte, sah er eine Mutter mit ihrem Kind, das mit dem Tod rang. Sie hatten sich verirrt und waren herabgestürzt, und kaum hatte die Mutter die Hilfe Marias für ihr sterbendes Kind angerufen, als der Priester wundersamer Weise erschien, um es im Todeskampf zu stärken.

Maria hat dieses Kind angeblickt, und es an sich gezogen!

 

(Aus: Die Wunder Marias, Trösterin der Betrübten)

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