Betrachtung über die Einfalt des gottseligen Bruders Franz vom Christkindlein von 1833   - 1 -

 

Was wir von dem frommen Bruder Franz lernen können, sind seine gründlichen Tugenden der Einfalt, Demut und Geduld, und fortwährende Ausübung der Liebe Gottes und des Mitmenschen.

 

Die Einfalt

 

Diese Tugend ist so notwendig für jeden Christen, um Jesus nachfolgen zu können, um Gnade bei Gott zu erlangen, um im geistlichen Leben Fortschritte zu machen, und mehr noch, um es zur Vollkommenheit zu bringen, dass wir ohne diese Tugend entweder nur halbe Christen, oder Auswüchse, unfruchtbare Äste sind am Baum des Lebens, die allen Saft für sich verschlingen, und keine Knospen treiben, und weder Blüten noch Frucht bringen, sondern nur mit üppigem Blätterschmuck sich brüsten, d.h. dass wir unsere Ehre lieben, so gerne hier unter dem Schatten dieses Laubes liegen, oder von Eigennützigkeit beengt, uns auf den Vorteil des Tages ausstrecken und auf sterblichem Gebiet ruhen, überschattet vom süßen Duft irdischer Hoffnung, uns immer angeregt fühlen, die Aussaat der Unsterblichkeit zu vermehren - d.h. dass wir immer nur, sei es auch unter wechselnden Formen, uns suchen, und in uns ruhen, oder gar uns genießen wollen, vom Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen pflückend, und die Hand ausstreckend nach der verbotenen Frucht - d.h. dass wir

Das springende Pferd mit Palme ist Symbol des schnellen Laufens und siegreichen Kämpfens zur Erlangung des Zieles.

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über Gott uns erheben und sagen mit der Schlange des Paradieses: Ei! Wie kann das Gott verbieten? Es ist nicht so, wie Gott spricht! Genieße nur! Du wirst glücklich werden im Genuss des Lebens der Unzucht! Dass wir die heilige Scham, die Ehrfurcht, das Andenken, die Furcht des Herrn verlieren, und stolz nur uns glauben, uns lehren oder vielmehr täuschen! Gegen eine solche Verirrung sichert uns der Einfalt schützender Engel. Einfalt! O du heilige Tugend! Wie bist du jetzt so verkannt, so verbannt, so verachtet und verhöhnt! Du bist zunächst an der Wahrheit Residenz, und wirst so wenig gesucht und geliebt. Einfalt! Du bist vom Himmel geliebt, gesucht! Du bist erhaben vor dem Auge Gottes, das alles durchschaut - wie kann Dich der Mensch verachten? Einfalt! Du erhältst ungeteilt und im vollsten Maße den Brautschmuck des Herrn, als innigste Seherin und Freundin des Herrn. Und Deinen Reichtum, Deinen Adel hält man für Niedrigkeit jetzt, dass man Deinen Namen mit jener der Dummheit verwechselt, und dich als Einfältig verachten will? Aber Deine 

Unten sehen wir die Vertreibung der Stammeltern aus dem Paradies; hinter ihnen der Baum des Lebens, die Lilie der Unschuld, der Cherub mit flammendem Schwert, vor ihnen Disteln und Dornen; neben ihnen züngelt die Schlange. Doch alle Hoffnung ist nicht dahin: Schon leuchtet von ferne die Erlösungssonne. In der Mitte ladet der göttliche Hausvater uns alle in den Weinberg ein. Darüber fordert uns der Stationsheilige Laurentius zum heiligen Kampf in der Rennbahn des Gottesreiches auf und winkt uns schon mit Kranz und Palme zu!

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Verachtung brachte den Fall des ganzen Menschengeschlechtes. Man denke an Adams Verführung. Kain verwarf Dich, spottete Deiner, aber auch Gottes, und verlor alle innere Ruhe, alle wahre Freude des Lebens. Er irrte unstet umher, weil das Eine er verlor, das in Dir zum Himmel lenkt. Abel wurde glücklich durch Dich. Er opferte Gott, von Dir geleitet, und fand Gnade vor dem Herrn. Noe wurde gerettet, o Einfalt! durch Dich. Er klügelte nicht über das Eine Wort von Oben, das drohend vom Himmel kam, und der Sünde den Untergang ankündigte. Noes Auge war gleichsam nur für Gott gebaut, um nach Oben den Einen nötigen Blick zu tun, der wahrhaft beseligt. Sein Ohr horchte nur auf das Eine, das zwar in tausend Gestalten erscheint, redet und spricht, aber als Eines nur der Einfalt sich kund gibt, als erhaben über das All der Schöpfung, weil vor dem Anfang aller Dinge, ewig und unerschaffen, obwohl alles durchdringend, als Liebe und Gnade allerbarmend der Einfalt sich mitteilt, und Schätze der Gnade bietet, die das sinnende Auge selbstsüchtiger Tücke nimmer 

Die Übersetzung: Die Frucht des Baumes hat uns verführt, der Sohn Gottes hat uns erlöst.

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erblickt, niemals erspäht, vom heiligen Dunkel umgeben, das jener Schleier bewirkt, den keine menschliche Hand zu heben vermag, Worte des Heils, der Freundschaft und Liebe vom ewigen Vater spricht, die das Herz veredeln, beglücken, beseligen und süße Freuden himmlischen Trostes spenden, so wie sie nimmer kommen aus irdischer Quelle. Noe hörte und sah nur auf Gott, und fand Rettung. Nirgends zeigte sich in grässlicherer Gestalt der Verlust der Einfalt, als in jenen Trümmern von Babylon, wo die Menschen nimmer in Einfalt erkannten, dass Gott die Liebe sei, und nicht verlange, dass man durch Mauerwerke gegen Ihn sich schütze, oder etwa gar gegen ihn sich auftürme, wie Babylons Turm. Man glaube nur einfältig sein Wort, seine Verheißung, und hüte in Einfalt sich durch Erfüllung seiner Gebote vor seiner Drohung. Mitten im Verderben - auf Babylons Fluren, in Chaldäas Ebenen war Abraham, war nur die Eine Stimme der Rettung vom Verderben, die da vom Himmel sprach, und die Einfalt Abrahams es, wo sie Gehör fand, und aufgenommen wurde. Auf diesen Acker 

 Pfausymbol: Sinnbild der Unsterblichkeit, die der Christ aus der Eucharistie schöpft. Nach einem Motiv der Domitilla-Katakombe.

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der Einfalt säte Gott den Samen des Glaubens, dessen Früchte die Sterne des Himmels an Zahl übertreffen, und hierdurch Abraham zum Vater aller Gläubigen machen, seinen Blick freudig auf den Tag der Erlösung, auf den Tag des Herrn wenden, und seinen Namen auf alle Zeiten tragen, weil er damals, von aller Zeit weggewandt, nur das Eine ansah, das ihm erschienen, die Welterrettung ankündigend, und von der Vielheit der Dinge unzerstreut, nur auf die Stimme des Einen, des Ewigen hörte, glaubte, und folgte, von der Einfalt begleitet. War es nicht die Einfalt, die Gott gefiel, als Abraham auf dem Sterbebett lag und von Gott die tröstende Stimme vernahm: "In dir sollen alle Völker gesegnet werden!" So lebten auch Isaak und Jakob, und es war nur die Einfalt, zu der Gott gesprochen, und die seine Stimme angenommen und geglaubt hat. Jakob sah im Schlaf eine Himmelsleiter, an deren Spitze Gott stand, und er sprach in Einfalt: wahrhaftig dieser Ort ist heilig. Tausende von unserer Weisheit hätten vielleicht, betrogen von der vielgestaltigen Schlange eines Doppelsinnes, 

 Phönixsymbol: Sinnbild der Auferstehung. Nach Motiv eines Deckenmosaik der Taufkirche S. Johannes in Neapel. Inschrift aus Pseudo-Lactantius: "Er stirbt, um zu leben."

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getäuscht von verkehrender Zweizüngigkeit, und aufgedunsen von dem leeren Stroh ehrsüchtiger Erhebung, hier nur gelacht, gespottet, oder wären wenigstens leichtsinnig vorübergegangen, wo der Heilige in Einfalt anbetete, und zu seiner Seligkeit glaubte! Gottes liebende Flamme entzog sich dem Gewühle der Stadt, suchte die einsame Höhe des Berges Sinai, die Einfalt eines weidenden Hirten und brannte hier gegen Himmel. Hier schaute die Einfalt die göttliche Flamme, deren Licht alle Weisheit der Welt übertrifft. Moses zog seine Schuhe aus und ging gebeugt zum brennenden Dornbusch. Es ist nur der heiligen Einfalt eigen, von allem Eigenen entblößt, dem Ewigen nahen zu dürfen, und in Geheimnisse eingeweiht zu werden, die Millionen verborgen bleiben, und in die zu schauen auch Seraphine gelüstet. Späterhin war es der einfache Hirtenstab des Sohnes Isai, Davids, an dem Gott seine Herrlichkeit und Macht erglänzen ließ. In diesem hocherhabenen Gotteslicht, das in Einfalt in Elias feuriger Seele zum Himmel brannte, und von dorther Feuer 

 Symbol des Orpheus - Christus

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herniederrief zur Zerstörung jener Höhe, die sich gegen das Göttliche erhoben hatte, zeigte und offenbarte sich in allen Propheten das Eine Göttliche in Sprache, Blick, Verkündung der Gnade und künftiger Gerichte der Welt. Überall war es die kindliche Einfalt der Seele, der sich das Ewige erschloss, wars die kindliche Einfalt, die in Jeremias weh, wehe mir!, wie ein Knabe rief, als sich die Fülle der Geheimnisse Gottes ihm nur von weitem und noch in dunkler Ferne zu nahen begann - wars die Einfalt, die in Jesaias großer Seele kindlich um Reinigung der Zunge durch eine glühende Kohle zum Himmel rief, ehe die Worte des göttlichen Reiches, das nur noch von Ferne erst sollte angedeutet werden, ausgesprochen wurden. Immer und allzeit ist die Sprache der Einfalt vernommen und gehört worden, wenn einer Seele von Gott große Dinge angezeigt worden sind. "Wer bin ich, und was ist meines Vaters Haus", so rief selbst der unglückliche Saul aus, als er zum König von Israel erhoben wurde. Und Salomons hochsinnige Seele, übermannt von der Größe und Majestät Gottes 

 Symbol des Adlers: Triumph Christi und der Gläubigen über den Tod.

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und noch voll von göttlicher Einfalt, rief nach Vollendung des Baues im neuen Tempel zu Jerusalem, als Gottes Herrlichkeit in einer Wolke herniederschwebte, voll Staunen aus: "Wie sollte der, den die Himmel aller Himmel nicht fassen können, von diesem Tempel begrenzt werden können?" Dies sprach er nicht im Ton des Unglaubens, sondern im Gefühl begeisterter Anbetung, Liebe, Demut und Einfalt der Seele aus - dankend für die Nähe des Herrn. - Zu dieser Einfalt lenkte Gott das sinnige Gemüt des hochherzigen Gedeons, der mit geringer Anzahl von 300 Mann die Masse eines großen Heeres schlug. Nimmermehr wollte Gott dulden das Vertrauen auf Rosse und Mann, auf Schwert, Menschenhilfe und Freundschaft mit Verachtung der Anrufung seines Namens, mit Zurücksetzung der Erniedrigung unserer Seele vor den Stufen seines ewigen Thrones, mit Unterlassung der Beugung des Knies, das seine ewige Herrschaft anerkennen und darstellen sollte. Es ist keineswegs bigottischer Hass eines fanatischen Schwärmens, wenn der heilige Geist, die 

Lammsymbol: Die Kombination von Symbolen ergibt den Gedanken: Durch Opfer (Lamm) am Kreuz (Anker) erlangt die Seele (Taube) den Frieden (Ölzweig).

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Stimme Gottes, aus der hochbegeisterten Prophetenbrust sprach: Verflucht sei, wer auf Menschen vertraut; sondern göttliche Einfalt, die, wenn Gott nahet, nur auf seine Nähe merkt, und ihr den Zoll gebührender Achtung und den Vorzug gibt, den der Schöpfer vor dem Geschöpf notwendig haben muss. Sie, die Einfalt, lässt sich das nimmer nehmen, es ist ihre Natur; wenn sie auf Gott allein schaut, handelt sie naturgemäß, darum ihr auch der Schöpfer so geneigt und gewogen ist. Und als die Weisheit erschienen, auf die alle Völker geschaut und gewartet, stieg sie hernieder in Einfalt des Gottessohnes. Es leuchtete bei der Geburt nur ein Stern über der Krippe des Herrn. Weder in Nazareth noch in Bethlehem, weder in Joseph noch in der Maria Seele, weder in den einfältigen Hirten bei ihrer Anbetung des Jesuskindleins, noch in der Weisen Gemüt erschien etwas anderes, als göttliche Einfalt, die im Kind - Gott-Mensch geworden - glaubte und niederfiel auf die Knie zur Anbetung des göttlichen Kindes. Es ist gewiss mehr Weisheit in der Einfalt, die im Kind Gott glaubte und 

Das Bild stellt die drei Sämänner dar: Noe (mit seinen drei Söhnen, mit Arche, Regenbogen und Weinstock), Paulus als Prediger und Christus, als Weizen und Sämann in der Eucharistie.

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anbetete, als in der Weisheit der Welt, die, in Hochmut erhoben, sich dieses Glaubens schämt und dem göttlichen Kind keine Kniebeugung mehr erweist. O wie glücklich waren die Apostel, als der Herr sie aus ihren Fischerhütten zu seinem Reich berief, und sie mit dem Tau der übermenschlichen Weisheit sichtbar begoss, und zu einer unvergänglichen Herrlichkeit führte, die beim Rost des Eisens nicht verweilte, sondern in edler Einfalt glaubte, dass Gott erschienen in Christus Jesus, dass Gottes Reich sich naht, und die durch die Einfalt des Gehorsams und der Nachfolge Jesu neue Kreaturen, Gefäße der Auserwählung Gottes wurden, die hienieden aussäten und Garben ernteten, die kein Feuer mehr verzehren kann. Diese Einfalt war es auch, die Jesus an den Aposteln liebte und pries. Sieh, das ist ein wahrer Israelit, in dem kein Falsch ist! Dies war die Stimme Jesu bei Annäherung des Natanaels. Diese Einfalt, die da sprach: Wie kennst du mich?, vernahm die höhere Kenntnis Gottes: "Ich habe dich gesehen, da du noch unter dem Feigenbaum warst." Wenn es nur 

Das Täublein ein Vorbild der Christenseele.

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einfältig heißt: Wir haben den Herrn gefunden. Komm und sieh!, ruft der Herr auch sogar vom Fischernetz die Seele zu sich. Wenn der Herr nur wahrhaft noch von der Seele geliebt wird, wenn der Blick gerade zu Ihm geht, wenn das Gemüt aufrichtig ist, wenn die innerste Absicht des Geistes gerade zu Gott geht, wenn auch nichts so sehr beachtet wird von der Seele, als das Kommen zu Gott, das Gehen zu Ihm, das Trachten nach Ihm, dann ist Aufrichtigkeit da - Einfalt, die Gott liebt, Gott sucht und Gott findet! - Diese Einfalt hat etwas Göttliches, etwas Unnachahmliches, etwas Unerreichbares an sich. Die krummen Gänge der Selbstsucht, die Drohungen innerer Erhebung der Hoffart, mögen sie sich verstellen, wie sie wollen, sie erreichen die hohe Charakterstärke, die die Einfalt auszeichnet, und die Gott segnet, nimmermehr. Wir sehen dies auf vorzügliche Weise dargestellt in der Lebensgeschichte des Bruders Franz vom Jesuskindlein, der im hohen Grad mit dieser Tugend geziert war, und darum von Gott so sehr gesegnet wurde. Die Einfalt, diese so hohe Tugend, die Gott von

 Die Taube ist Symbol der Seele, der Ölzweig im Schnabel bedeutet die Erlösungsgnade (Friede).

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jeher so sehr ausgezeichnet hat, haben aber auch alle großen Geister, alle ausgezeichneten Männer und Frauen aller Jahrhunderte an sich gehabt. Johannes, der große Apostel des Herrn, der geliebte Freund von Jesus, der alle Geheimnisse wusste, der unter allen Aposteln in Ansehung der Geheimnisse Gottes die tiefste Einsicht hatte, sprach dennoch nicht am liebsten von dunklen Offenbarungen großer unbekannter Dinge, sondern stieg zur Einfalt kindlicher Liebe herab. Die Erinnerung nämlich, dass Jesus ihn geliebt, ihn auf seiner Brust ruhen ließ, rührte ihn mehr, als alles, und bewegte ihn und seine empfindsame Seele bis zu Tränen. Waren nicht die Worte der Einfalt dieses größten Sehers Gottes die ersten Worte seines Briefes? Die Worte nämlich: Mit unseren Augen haben wir Ihn gesehen, beschaut, mit unseren Händen betastet! O wie kindlich, o wie rührend ist eine solche Sprache! Und der Fürst der Apostel, oder Petrus feurige Seele - an was erinnerte sie sich, solange er noch ein offenes Auge hatte. Was presste ihm die süßesten und wehmütigsten Tränen aus - Zeit

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seines Lebens, so dass Tränenbäche über seine Wangen herabflossen? War es nicht die Sprache der himmlischen Einfalt Jesu: "Petrus, liebst du mich?" Uns sein "Herr, ich liebe dich!" oder "Herr, du weißt, dass ich dich liebe." Wie viele tausend Male wird er sich später, da Jesus schon längst von der Erde abgeschieden war, noch an diese Innigkeit göttlicher Einfalt erinnert haben! Wie oft wird, was der Herr so erhaben und doch herablassend zu Petrus gesprochen, später dem Apostel noch auf allen Wegen und zu allen Stunden nachgeklungen haben! Und der heilige Paulus, den Gott so sehr erleuchtete, dass er zum allgemeinen Völkerlehrer, zu einem auserwählten Gefäß der Gnade verwendet wurde, an was dachte dieser größte Menschenkenner am häufigsten? War es die Tiefe der Geheimnisse Gottes, die er in Entzückung im dritten Himmel sah? Oder vielmehr der einfache Gedanke der Wahrheit: Mir als Sünder ist Gottes Barmherzigkeit widerfahren? Er sagt ja selber, dass er im Vortrag, in der Rede nicht auf hohe Worte sehe, sondern auf die Kraft und Stärke der Wahrheit, die in der Einfalt spricht.

 

Im unteren Teil sehen wir Abraham und Isaak. Ihr Opfer lag im Willen, da Gott die Ausführung hinderte. Die Gottesliebe verzehrte beide: Vater und Sohn; so sehen wir sie von Flammen und Opferduft umgeben. In der Mitte geht Christus durch die Palmenstadt Jericho nach Jerusalem dem Opfertod entgegen; er zeigt hinauf zum Kreuz. Auch hier ist wieder die Liebe das Hauptmotiv des Weges. Oben ist die Liebe dargestellt als rosenbekränzte Jungfrau mit Seraphflügeln; sie begleitet ihr Lied mit Harfenklängen. Die Liebe ist größer als Glaube (Kreuz) und Hoffnung (Anker). Hienieden ist die Liebe oft ein schmerzlich brennendes Opferfeuer (unteres Bild), oder ein Kreuzweg (mittleres Bild), drüben kennt sie nur mehr Klänge ewiger Freude.

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War denn der apostolische Ausdruck: "Brüder, bedenkt, dass unsere Erlösung nicht bewerkstelligt wurde durch Vergießung des Blutes der Tiere, sondern Jesu Christi", nicht ein Ausdruck der Einfalt?

 

Der heilige Martyrer Polykarp, der Bischof von Smyrna, sprach vor seiner Marter, als man ihn aufforderte, Jesus zu lästern: Achtzig Jahre habe ich ihm gedient und er hat mir nichts zuleide getan - und nun sollte ich ihn verleugnen? Welche hohe Einfalt! Ignaz, der Martyrer, sprach: Ich möchte von wilden Tieren zerrissen werden; - welches Feuer der Liebe und welche Höhe des einen Gedankens und des einen Blickes zu Jesus setzt ein Christ voraus, der so reden kann? Der heilige Augustin, der an Gelehrsamkeit das größte Licht der Kirche genannt wird, der in seinen Schriften über die höchsten Geheimnisse der Religion den besten Aufschluss gab, war doch die lautere Einfalt kindlicher Liebe, wenn er mit seiner lieben Mutter, an das Gesimse des Fensters gelehnt, so innig und kindlich hindurchschaute in

 Abraham und Isaak werden von Gott gehindert das Opfer auszuführen.

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Gottes blauen Himmel, und sehnsuchtsvoll vom ewigen Leben sprach. Aber auch die neuere Zeit weist solche Seelen auf. O wie viele tausend Seelen hat das große Licht, der Apostel Bayerns, der unsterbliche Bischof von Sailer, gewonnen, wenn er bei all seiner Weisheit und tiefen Gelehrsamkeit den Jüngling, um ihn für das ewige Leben zu gewinnen, wie ein Vater seinen Sohn, sanft mit seiner Hand hielt, oder, wie ein zweiter Johannes, an seine heilige Brust drückte! Wie viele tausend Worte der Einfalt kamen vom Mund dieses großen Mannes, die jeden trösteten, der ihn näher kannte! O wie schonend waren seine Blicke, seine Worte - wie unnachahmlich seine Behandlung! Er war die Würze des Lebens, wo immer er war. Aß man mit ihm, so sah man nicht auf die Speisen, sondern nur auf ihn. Und warum? Gelehrte und weise Männer haben wir noch in Menge, aber Väter wenige! - Und noch weniger Männer voll der himmlischen kindlichsten Einfalt, die lauter Liebe und Demut sind. Man bemerkte an ihm den Gelehrten nicht, auch nicht den Vorstand oder Bischof. Da war ihm jeder gleich,

 Symbol des Adlers: Triumph Christi und der Gläubigen über die höllische Schlange.

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jeder willkommen, und man konnte nie in seiner Nähe sein, ohne die Stille und Ruhe und Seligkeit des Himmels zu kosten, die aus seinem Auge blickte, aus seinem Munde sprach. Ein anderes ist, wie Johannes reden, ein anderes, ein Johannes sein. Und wer liebte die Einfalt mehr, als der heiligmäßige Bischof Regensburgs - Wittmann? Kinder waren ihm die liebsten. Er blieb immer stehen, wenn die Kleinen kamen, ihm die Hand zu küssen. Warum? Er liebte die einfältigen Kinder, wie jede große Seele. Die Kinder liebten ihn auch. Jetzt noch nach seinem Tod bleiben die Kinder vor der Arbeitsstätte des Künstlers stehen, in der seine Büste steht, schauen so kindlich das Bild des abgeschiedenen Freundes an, und küssen es von Ferne mit winkenden Händchen. Er liebte aber auch die Einfalt dermaßen, dass er sogar im Vortrag Freude fand am armen Ausdruck Christi im Evangelium, und zu sagen pflegte: Christus hüllte die höchsten Wahrheiten in ein armes Kleid. Das heißt alle irdische Größe verschmähen, sogar auch aus Liebe zur Einfalt auf diese Ehre verzichten. Aber diese hohe Tugend, wird sie noch gesucht von der Mehrheit der Christen?

 

 Das Bild stellt die drei von der Kirche empfohlenen Fastenübungen dar: Gebet (ewige Lampe), Almosen (Opferstock), Fasten (Fisch); Fisch, Brot und Wein weisen zugleich auf die heilige Eucharistie als Seelennahrung hin.

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Die Einfalt wird derzeit nicht einmal mehr als Tugend recht erkannt, meistens verachtet, verlästert. Es ist doch der Anfang der Bekehrung - die Aufrichtigkeit - d.h. dass der Mensch redet, wie er denkt, dass er es in Einfalt sagt, wie ihm ums Herz ist, sei es gut oder böse. Das Böse nicht bemänteln, nicht bedecken, nicht leugnen, nicht entschuldigen, nicht verkleinern, nicht auf andere schieben, gehört schon zu den günstigen Umständen der Bekehrung. Seine Schwachheit erkennen, seine Fehler vorbringen, sich anklagen, sich erniedrigen, sich verdammen - das ist schon der größte Vorschub unserer Umänderung. Merken, was andere raten, sagen, denken, meinen, angeben - ist der Anfang; nicht widersprechen, oder recht haben wollen, noch andere verlachen wegen ihrer Meinung, stillschweigen, wenn man uns widerspricht, anklagt, verdammt, ist der Fortgang; Freude bezeugen an Lästerungen um Jesu willen, gerne der Letzte sein unter allen Menschen, Schmerz empfinden bei jeder Erhöhung ist das Ende der Aufrichtigkeit als Tugend, und Bestandteil der himmlischen Einfalt, die Gott 

Das Bild zeigt die Hauptgedanken des Aschermittwoch. Unten sehen wir den ersten Aschermittwoch an den Pforten des Paradieses. In der Mitte ist die Stationskirche Sta. Sabina; die zwei Krieger stellen uns dar, die wir in den Fastenkampf treten. Die würdigen Früchte der Buße sind Gebet, Fasten und Almosen. Oben sehen wir einen Mönch, der einsam "im Gesetz sinnt Tag und Nacht", das Bild unserer Seele in der Fastenzeit. Und schon reift die Frucht unserer Fastenarbeit "zur rechten Zeit".

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mit ewigen Gnaden überhäuft. Die Einfalt im Vater sieht beim Kind zuerst auf dessen ewige Versorgung, auf das Fromm- und Gutwerden hienieden, und auf das Seligwerden im anderen Leben. Die Einfalt der Mutter sieht im Kind zuerst auf die Kenntnis des ewigen Heils, und auf die Gnade und Tugend, diese kostbaren Kleider des Heils. Hier läuft sie, rennt, sorgt und kümmert sich, dass diese Kleider nicht zerreißen, oder zerrissen wieder verbessert werden. Vor allem hassen fromme Mütter der Einfalt die Lüge, Falschheit in den Kindern. Unnachsichtlich wird dieser Wurm getötet. Sie lügt aber auch nie vor ihren Augen. Fromme Mütter der Einfalt hassen den mutwilligen Spott der Kinder als den Ruß an den Kleidern der Unschuld. Denn das Auslachen ist Erhebung, Stolz - d.h. wer einen anderen auslacht, kann dies nicht tun, wenn er sich nicht für geschickter, besser hält, als andere. Wer sich aber erhebt, tötet die Aufrichtigkeit, d.h. er erkennt seine Schwäche nicht, hält sich für keinen Sünder, wird blind im Hochmut, und fällt aus der Einfalt und Gnade. Es ist daher eine große

Bild Nr. 1 entnimmt dem Psalm den Vergleich vom Baum am Wasser zunächst als Symbol des Gerechten (neutestamentlich: des Heiligen am Stamm der sakramentalen Gnade). Er ist beladen mit reichen Früchten guter Werke. Das im Hintergrund durchschimmernde Kreuz lenkt die Symbolik auf Christus, den wahren Gerechten, auf den Lebensbaum des Kreuzes, der uns die Frucht der Eucharistie bietet.

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Sünde, wenn Eltern ihre Kinder auf der Gasse ganze Tage herumlaufen lassen, wo sie dann das Schimpfen, Schreien, Lärmen und die Verachtung anderer Menschen lernen. Aber auch im Haus der Eltern werden die Kinder um das Kleinod der Unschuld - die Einfalt - gebracht, wenn sie gelobt werden; wenn sie aus Eitelkeit zum Reden angehalten werden - kurz: wenn sie merken, dass sie alles gelten, dass man sich ihretwegen rühmt. Offenherzigkeit steht in unzertrennbarer Verbindung mit der Aufrichtigkeit und Einfalt. Offen zu sein, steht einem jeden Menschen gut; besonders sollten Kinder diese Tugend schon frühzeitig lieb gewinnen. Eltern mögen daher mit Segen ihre Kinder ermahnen, ihnen alles zu sagen, was sie tun, denken, reden, hören - und dass sie ihnen nichts verschweigen. Kinder müssen eine Leitung, einen Führer, einen Freund haben, dem sie alles aufdecken, was ihnen begegnet, was sie angeht, sei es hernach ihnen schädlich oder nützlich. Und wer mag für Kinder ein besserer Freund sein, als der liebende Vater? Hat doch auch der Beichtvater ein ähnliches Geschäft

Bild Nr. 2 ist das Gegenbild. Der vom Sturm entblätterte Baum, dessen Laub vom Erdboden aufgewirbelt wird: Symbol des Gottlosen, dessen Tun vor Gott nicht Bestand hat.

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von Herrn übertragen, aus welch anderer Absicht, als dass in aller Aufrichtigkeit ihm jede Seelenwunde aufgedeckt, jeder Angriff des Satans auf die Seele, jeder Sündenschmutz unverhohlen angezeigt werde, um mit vereinter Kraft das Unreine wieder zu reinigen, das Zerbrochene wieder zu bessern, das Kranke gesund zu machen, das Wunde zu heilen? Die Offenheit ist ein Engel der Seele. Aber auch im erwachsenen Alter ist Aufrichtigkeit und Offenheit wie ein schützender Freund. Der Mensch hat keinen vernünftigen Grund, der ihn zur Schamhaftigkeit berechtigte, da zu schweigen, wo er reden sollte. Es gibt Fälle, wo das Reden besser als das Schweigen ist. Dies ist der Fall, wenn der Mensch von schweren Versuchungen zu leiden hat, wenn trübe Stunden des Unglaubens, Zweifels ihn quälen, wenn Anfechtung zur Sünde ihn plagt. Da sei er aufrichtig und offen, und übe die edle Einfalt, die spricht, was sie denkt, und in solchen finsteren Stunden fühlt und leidet. Wie viele Verführungen würden durch die Tugend der Einfalt abgewehrt werden! Der Knabe kommt

 

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von ungefähr in eine böse Gesellschaft, hört unzüchtige Worte, Lästerungen gegen die heilige Religion. Der Verführung wird vorgebeugt, ja sie wird unschädlich gemacht, wenn der Knabe ein offenes Gemüt hat, und den Eltern alles wieder erzählt, was er gehört oder gesehen hat. Würden die Christen alle so aufrichtig vor dem von Gott gesetzten Seelsorger sein, so würde weder die Welt, noch der Teufel mehr so sehr verführen können, weil in Einfalt die ersten Anfänge der Verführung zur Sünde offen aufgedeckt, und dadurch der Verführung vorgebeugt werden könnte. 

 

Allein durch Mangel an Einfalt, Aufrichtigkeit und Offenheit werden so viele tausend Menschen zugrunde gerichtet. Ein Geschwister verführt oft das andere, und das verführte schweigt, deckt also die Wunde nicht auf, weder der Mutter, noch dem Vater, noch dem Beichtvater, noch dem Seelensorger. Ältere Söhne verführen jüngere Brüder, ältere Schwestern ihre jüngeren, beide schämen sich und schweigen! Eltern sind meistens selbst

 Das Bild stellt "die zwei Oliven und zwei leuchtenden Kandelaber vor dem Herrn dar", so nennt das Stundengebet die zwei Stationsheiligen. Darüber schwebt der Geist der Liebe.

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schuld daran, wenn sie ihre Kinder nie gelehrt haben, offenherzig zu sein, oder wenn sie sie vielleicht gar zur Falschheit abgerichtet, zum Lügen, zur Verstellung, zum Heucheln angeleitet haben. O was ist es für ein Übel um die Falschheit in einem Haus, wo alle Vertraulichkeit, Offenheit, Kindlichkeit wie verbannt ist! Da kann der Satan im Trüben fischen. Jedes zieht sich zurück, verstellt sich, lügt, leugnet, da kann der Teufel morden. Es gibt drei Stufen dieses Verderbens der Falschheit, die die Aufrichtigkeit tötet und begräbt:

 

Die 1ste ist: Gegen die Lüge keinen Hass haben, den Kindern dieselbe nachsehen, sie nicht deswegen tadeln, sie nicht bestrafen.

 

Die 2te Stufe ist: Wenn die Eltern die Unaufrichtigkeit, Falschheit und Lüge durch ihr Beispiel predigen oder verteidigen, rechtgeben, gut heißen.

 

Die 3te Stufe ist: wenn die Eltern die Aufrichtigkeit sogar hassen, die Offenheit Dummheit nennen, die Kinder wegen der Aufrichtigkeit ausschimpfen, und strafen. Diese Sünde mag

Das Mittelstück des Bildes stellt den Messias-König dar, thronend auf dem Sionsberg in der heiligen Stadt, der Ecclesia. Mit der "virga ferrea" des heiligen Kreuzes stürzt er den teuflischen Drachen, die Verkörperung aller gottfeindlichen Macht. Christus hält eine Buchrolle, d.i. die evangelische Lehre, mit dem Psalmwort "Et nunc reges intelligite": Die Könige und mit ihnen alle Menschen sollen das göttliche Wort verstehen lernen. Die Hand des himmlischen Vaters, die vom Himmel herunterragt, ist ein oft vorkommendes, altchristliches Symbol. Hier erinnert sie an die Sendung des Vaters. Den Siegesgedanken verstärkt noch der Palmenkranz, der den inneren Kreis umfasst. 

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nicht wenige Eltern verdammen. Ich kannte einen Vater, der seinen Nachbar darüber öffentlich beschimpfte, ja sogar langwierige Feindschaft darüber trug, dass dieser ihm ein Laster, einen Fehler von seinem Sohn entdeckt hatte. Kinder, die Eltern von der Art haben, können selten in der Welt solche Verführer mehr antreffen, als ihre Eltern sind, die die Aufrichtigkeit hassen, die ihnen die Gefahr freundlich entdeckt.

 

Solche Eltern unterstützen das Verderben in den Kindern, und diese Blindheit ist zu beweinen, wenn jene Führer, die uns von Gott gegeben sind, uns in den Himmel zu führen, uns in die Hölle liefern. Das tun solche Eltern. Wer ist denn daran schuld, dass der Sohn im Verderben zugrunde geht, als der Vater, oder die Mutter, die aus Hoffart darüber aufgebracht werden, wenn man ihnen von ihren Kindern Böses entdeckt? Es wächst das Verderben, wenn die Eltern sogar zornig werden, wenn ihnen der Beichtvater ihre Pflichten über die Kinderzucht vorhält, oder wenn sie sogar den Priester öffentlich im Wirtshaus beschimpfen, 

"Vicit leo de tribu Juda." (Offenbarung 5,5) Hier wird der Siegesgedanke des Psalms in ein apokalyptisches Symbol gelegt

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kränken, tadeln, wenn er in der Predigt nur angedeutet, dass es Eltern gibt, die keine Kinderzucht mehr haben. So wie auch jene Eltern ein tiefes Verderben verraten, die ihre Kinder, wenn sie gefehlt haben, weder selbst strafen, noch strafen lassen. Wenn es vielmehr immer heißt: Meine Kinder, sind sie nicht recht, sind sie schlecht? Was geht es dich an? Noch versunkener sind, die Rache üben wollen an denen, die ihre ungezogenen, strafmäßigen Kinder auch nur gelinde getadelt oder gezüchtigt haben. Ich habe einmal einen Vater gekannt, der mit einem Stecken in die Schule kam, den Lehrer zu verprügeln, weil er seinen ungeratenen Sohn in der Kirche herauskommen ließ. Wie muss sich unser einer schämen! sagte der blinde Vater, und die Frau gibt auch keinen Frieden daheim, wenn ich das leide. - Wer trägt die Schuld an der Kinder Verblendung? Ich habe Eltern gekannt, die über den Regierungsbefehl schimpften, der ihren schulpflichtigen Kindern den Besuch der Wirtshäuser und Tanzplätze verbieten ließ. Ich kenne Eltern, die Seelsorger tödlich hassen, die ihren Kindern den Tanzplatz verbieten wollen. 

Das Bild illustriert die Isaislesung der Messe: 

Mitte: "Dein Licht wird aufgehen in der Finsternis, du wirst sein wie ein Quell, dessen Wasser nicht versiegt.

Du wirst ein Erbauer von Umfriedungen heißen."

Links: "Du wirst sein wie ein bewässerter Garten."

Rechts: "Du legst Grundmauern."

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Wer wird nicht versucht zu glauben, der Teufel stehe in Verbindung mit solchen Eltern, dass sie mit vereinter Kraft gegen Jesus und seine Diener auftreten? Und wie tötet erst die übertriebene Kleiderpracht die ländliche Einfalt, und vernichtet alle Demut, allen Gehorsam, alle Liebe und Geduld! Seit die Bauern-Mägde feine und seidene Kleider tragen, ist ihr Sinn und Herz vom Stolz und Hochmut aufgeblasen. Ach, mein Hochwürden! sagte eine brave Bäuerin zu mir, gestern war meine Magd um 12 Uhr Mitternachts noch nicht vom Tanz daheim. Krank bin ich gewesen, und weiß vor Mattigkeit noch nicht zu gehen. Wer füttert mir mein Vieh? Da sagte mein Mann nur ein Wort, dass sie Unrecht tue, dass sie so lange im Wirtshaus bleibe. Augenblicklich trat sie nun aus dem Dienst. Was soll ich tun? Man sagt freilich, auf das Kleid kommt es nicht an, sondern nur auf das Herz und die Gesinnung; nun ist aber eben das Herz und die Gesinnung von dem Gewandbeherrscht und verführt, d.h. hoffärtig und eitel gemacht worden. Was ist das für ein hoffärtiger Blick an einem Sonntag 

 

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beim Gottesdienst, der sich von Kleid zu Kleid wendet, und vom Kreuz wegzieht? Und wenn er nur nicht gar des unreinen Schnitters, der französischen Mode halber zur Unreinheit verleiten möchte! Was ist das für eine Sprache, so voll Trotz, Frechheit, Stolz, Kühnheit, so voll Verwerfung alles Höheren, alles Anstandes, jeder guten Sitte und Ehrbarkeit? Was ist das für ein auffahrendes Wesen, so voll des Zorns und der Rache bei der kleinsten Gegenrede, beim geringsten Widerspruch in der Arbeit, im Geschäft? - Niemand mehr will sich belehren lassen! Jeder will mehr verstehen, will Lehrer sein, den Meister machen, will befehlen, fast niemand mehr den Gehorsam erweisen, der bescheiden und sittsam ohne Murren und Gegenrede den Befehl des Vorgesetzten wie aus Jesu Mund vollbringt. Was ist das für ein hämischer Seitenblick, für ein gehässiges Lauern auf fremde Fehler, für ein niedriges Belauschen jedes fremden Trittes? Was ist das für ein Merken auf fremdes Tun und Lassen, seitdem man allenthalben in feinen und seidenen Kleidern einherstolziert? Wie 

Alte Münzen stellen das Labarum (Feldzeichen) Konstantins so dar mit dem besiegten Drachen. Auf der Fahnenstange waren Bilder des Kaisers und seiner Söhne angebracht; hier ist das Bild Christi, und zwar nach dem ältesten Bildnis, das in der Apsis der Laterankirche erhalten ist. Es ist hier als Schild dargestellt (Psalm 91). So will das ganze Bild den Sonntag symbolisieren: Christus besiegt die Höllenmacht (in seiner Versuchung, in uns) und ist zugleich unser Schild im Kampf der Fasten.

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horcht man auf, um zu vernehmen eine Neuigkeit, die oft nur unsere Eigenliebe befriedigt. Womit sehe ich nun vom Morgen bis zum Abend die Zunge beschäftigt? Lobt sie etwa ihren Schöpfer? Verflucht sie etwa die eigenen Sünden? Bittet sie etwa ab für vorausgegangene, geheime eigene Verbrechen? Bittet sie etwa um Versöhnung durch Christi Blut? Da irrst du dich. Sieh, der hoffärtige Mensch kniet nimmer vor Christi Kreuz als armer Sünder. Er klopft nimmer im Hoffartskleid beim heiligen Opfer auf reuige Brust - dessen schämt er sich. - Im seidenen Gewand scheint es ihm dumm, noch ein niedriges Kreuz zu machen, oder gar einfältig die Hände beim Gebet zu erheben. In dieser Situation ist er ganz anders geworden. Er hat selbst schon mit dem Kleid auch die Weisheit angezogen, und besitzt davon umso mehr, je schöner dasselbe glänzt. Das alte Sprichwort: man muss beten, um nicht in die Sünde zu fallen, kommt ihm überflüssig, abgeschmackt vor; denn er fällt ja nicht; die Ermahnung: Hüte dich vor der Eitelkeit, kommt ihm abgenutzt, wie veraltet, wie eine Sache

Das Bild illustriert Psalm 91: Das Gotteskind in Kriegsausrüstung geht in die Schlacht; von allen Seiten schwirren Pfeile; die Fallenden zur echten und Linken sind als Ägypter dargestellt, die Hand Gottes ist Zeichen seiner Hilfe; der einfassende Kreis ist der göttliche Schild: Engel stützen und tragen den Streiter und bedecken ihn gleichsam mit ihre Flügeln. Er aber schreitet furchtlos über Löwen und Drachen.

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vor, die unnötig scheint; denn er weiß es ja von selbst schon, weil er mit dem Kleid selbst alle Weisheit inne hat, alles selbst versteht und kennt. Das Sprichwort der Alten: Es ist nicht alles Gold was glänzt, ist besonders einfältig auf ihn angewendet, seit dem neuen Anstrich der grünen Fensterläden und der gefälligen Einfriedung des Gemüsegartens, und seitdem der Schneider die neue Haube verfertigte, und ein besonderes Sacktuch aus der letzten Dult die jetzige Nase putzt. Wer steht, sehe zu, dass er nicht falle - so hieß es oft in den alten Predigten - so darf man ihm nimmer sagen! Es braucht`s ja nicht; außerdem dass er für so schlecht nicht angesehen werden darf, als ob er fallen könnte, weiß er ja schon von selbst, was fallen heißt und stehen, und er bedarf keiner langen Ermahnung mehr. Die Zeiten haben sich geändert. - Die Leute sind dermalen, spricht er, so dumm nicht mehr, wie sonst. Alles ist jetzt pfiffiger geworden! - - Auch ein Geistlicher muss sich wohl hüten, ihm zu sagen, dass das sechste Kapitel im siebenten stehe, weil er jetzt viel verständiger geworden ist, und er

Eine Lesung handelt vom guten Hirten und ein Evangelium vom Völkerhirten beim Gericht. Da Bild vereinigt beide Gedanken. Das Motiv ist dem Mosaik im Mausoleum der Galla Placidia in Ravenna entnommen. Dieses Mosaik beweist, dass die alten Christen im Guten-Hirten-Motiv den Parusie-Gedanken sahen: Christus erquickt seine Schäflein auf himmlischer Weide. Darum die Worte: Kommt, ihr Gesegneten!, die sich hier auch auf die Katechumenen beziehen.

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einen solchen Aberglauben nimmer dulden würde. Jetzt ist es ganz anders geworden. Der alte Pfarrer im Grab dürfte nicht mehr aufstehen mit seinem Geschwätz nach seinen alten Ansichten vom alten Gewand aus Wolle und Leinwand, und von den hölzernen Häusern. Alles hat sich jetzt geändert, ist schöner d.h. verständiger geworden. Ach! wenn er aufstünde, und käme wieder zu predigen, ging ihm entweder niemand in die Predigt mehr, oder es ging jeder wieder hinaus, wenn er anfing mit seinem alten Gesage: Durch Bekanntschaften haben viele ihre Unschuld verloren. Ha! der alte Narr! Oder mit seinem: Eltern, lasst eure Kinder, Söhne, Töchter nicht auf Tanzböden gehen! Dieser Mann hat doch, oder scheint wenigstens gar keine Bildung der Zeit, gar wenig jetzigen Verstand gehabt zu haben. - Doch wenn er noch lebte, jetzt müsste er schon anders lehren, so hörte ihn ja niemand mehr an! Er könnte doch nicht wider alle Leute reden? Er müsste sich vielmehr nach den Leuten richten! Oder wenn er anfinge mit seiner Demut, Erniedrigung, da wüsste man gar nicht, was er damit wollte.

 

Auf dieser Initiale D sollen die Lanzen mit ihren Spitzen die Bedrängnisse andeuten, von denen der Psalmist spricht. Der Schild ist Bild des göttlichen Schutzes. Das Gottvertrauen des Sängers und besonders den Auferstehungsgedanken, den die Liturgie in den Worten "et exurrexi" liest, versinnbildlicht hier das uralte Auferstehungs- und Hoffnungs-Symbol des sagenhaften Phönix, der auf dem Palmbaum sein Nest aus wohlriechenden Hölzern gebaut hat, es an den Sonnenstrahlen entzünden und sich darin verbrennen lässt, um aus der Asche zu neuem Leben zu erstehen.

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"Es behaupte jeder seinen Charakter - verteidige seine Sache! - Nachgegeben habe ich nie, und ich habe immer recht gehabt. Ja das war eine finstere Zeit! jetzt dürfte er nimmer so frei reden! Was er sich abgeschrien hat wider die Trunkenheiten, und ich weiß gar nicht warum? Er wollte gar jeden Rausch verbieten? Und mit seiner ängstlichen Rechtschaffenheit hat er wirklich unverständige Verwirrung und Trübsinn verursacht. Er sagte immer: Jeder unrechte Heller müsse zurückgegeben werden. Da hat er nicht recht gehabt. Denn wie könnte das sein? Man hat oft die Sache nicht mehr. Oder, wenn man sie noch hat, ist sie schon zerbrochen. Man ist selbst arm, und der andere braucht sie nicht mehr. Und sein "im Feuer abbüßen" oder "Leiden dafür" hätte ich nimmer länger anhören können! Er vergällte einem alle Freude. - Ach, du lieber Gott! wenn das so wäre! - so kann es nicht sein! ind ja die meisten Leute jetzt so. - Also kämen alle? - ich will schweigen. - Am meisten zürnen wider ihn die Knechte, Mägde, kurz die ledigen Personen, die sich liebten, wie man sagt, diese wollten 

Das Bild zeigt die von den Rompilgern gerne getragene Nachbildung der Petruskette.

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sich von ihm ihre Freude nicht verbittern lassen. Die Liebe ist ja nicht Sünde, ist natürlich. Und lustig, ich muss es schon sagen, lustig bin ich auch gewesen. Und ich habe sein altes Geschwätz von Behutsamkeit, Vermeidung der Gelegenheit, Gedanken, Betastung, Wort und Werk nie recht anhören können. Es haben unser viele, die so recht Verstand gehabt haben, und die Sache besser wussten, meistens unter der Predigt sodenn geschlafen. Die Grobheit aber, uns manchmal aus dem Schlaf aufzuwecken, ginge ihm jetzt nimmer durch. Dort war aber eine andere unverständige, dumme Zeit! Am allermeisten ärgert mich sein Geschwätz von der Ehrabschneidung. Dort war er wirklich grob und übertrieben. Das kann Gott nicht fordern von mir, dass ich mir alles gefallen lasse. Am Ende träten ja die Leute auf einem mit Füßen herum! Und wenn man gar nichts sagen dürfte von anderen Menschen, müsste man ein rechter Maulaffe sein. Ich denke hierin so: Mit mir soll einer nicht anfangen! da käme einer übel durch! und wenn einer mich beleidigte, den überhäufte ich wieder mit tausend 

 Das Bild deutet den Gnadenregen an, von dem in der Heiligen Schrift die Rede ist.

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Schimpfwörtern, so dass einer ewig an mich denken müsste. Wenn das so wäre, wie dieser sagte, oder wie es stehen sollte, und wäre so zu verstehen, wüsste ich gar nicht mehr, wozu man die Zunge hätte. Meine Meinung ist: Man muss reden und reden lassen. Ja, es lässt sich schon nicht mehr so machen, wie er sagte, man würde brav ausgelacht werden, wen man ihm folgte."

 

Dies ist die herrschende Sprache im seidenen und persenen Gewand. Aber ach! was ist jetzt aus der Menschheit geworden! Das Kind spricht verständiger, als der Vater; der Unweise und der Tor gelehrter, als der Verständige. Das wäre schon recht, wenn es nur wahr wäre! Es ist vielmehr alles verkehrt, alles erlogen und betrogen. Um die Torheit zu vollenden, sehe ich einen großen Thron erhöht - was! ein Thron? für wen? wozu? ein Thron? Ja, ein Thron ist errichtet. Aber sage mir, mein Lieber, für wen der Thron gehöre? Soviel ich weiß, gehört der Thron nur für Gott, wenn er uns einst richten wird, oder für einen König, der Länder und 

Im liturgischen Sinn verstanden, spricht ein Palm von vier Gütern: Licht, Freude, Frieden und Hoffnung. Diese werden veranschaulicht: Das Licht durch die Sonne mit em Trinitätssymbol, die ihre Strahlen auf das Gotteskind richtet; die Freude durch die Weinranken und Ähren (der Psalm spricht von der Erntefreude); der Friede durch die Taube mit Ölzweig; die Hoffnung durch den Anker. Diesen Anker hält die symbolische Gestalt der Ecclesia umschlungen. Auf dem sicheren Felsen überlässt sie sich ruhig dem Schlummer. Sie ist die kluge Jungfrau, die in der Nacht mit der brennenden Lampe den Herrn erwartet (Taufgnade).

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Leute regiert, und Gericht hält. Für wen gehört denn dieser Thron? Es können doch nicht alle Könige sein? Oder wie sich erdreisten, auf den Thron zu steigen, wie Gott? Schweige mit deinen alten Fragen, die nur von Einfalt zeugen. Auf diesen Thron steigt jetzt jedermann, der ein bisschen Verstand hat, und ein Herz im Leib, um seinen Nebenmenschen zu richten. Aber darf man das? Du ängstlicher Mensch! sei doch kein altes Weib, nicht so einfältig! Man muss eine Unterhaltung haben. Und zudem wird nur gelacht; also ist es so übel nicht gemeint, wenn man von den Fehlern anderer Menschen redet. Ich freue mich schon auf künftigen Sonntag, da kommt Johannes Dambokus Springbrunn; dieser weiß immer unsern alten Schneider so gut nachzumachen, dass er veritabel getroffen ist, und alles lacht. Er macht es weiter jedem so; wohl nicht unters Gesicht, aber doch immer, wenn jemand fortgegangen. Ebenso unterhaltend ist auch unsere alte Hundschra auf der Hühnersteige. Man meint nicht, dass es möglich sei, wie sie alles, gar alles wissen könne. Zuweilen bringt 

Die Schlussvignette zeigt das Gegenbild; die Scheingüter der Weltgüter: Vergnügen, Putz und Tand, Reichtümer, Ehren und Titel, eitles Wissen, Genüsse. Diese Güter gleichen den Seifenblasen eines Kindes, verstricken ihre Anhänger in die Dornen der Sünde.

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sie freilich viel Gutes vor. Es ist ärgerlich, sagte sie neulich in der Kirche vor der Messe zur Nachbarin, dass die Leute nimmer beten mögen, dass sie sich schämen, den Rosenkranz in die Hände zu nehmen. So böse sei sie nie gewesen. Auch seufzte sie tief auf über die Jungfrau Margaretha, dass sie nun gewiss gehört habe, sie sollte schwanger sein. Man sollte gar nimmer leben, sagte sie vor der Wandlung. Der Diebstahl sei richtig, den der so brav und heilig erscheinende Gregoribauer gemacht hat. Wahrlich, sagte sie, da dürfte Gott immer verzeihen. Nach der Messe hatte sie noch etwas zu sagen der genannten Nachbarin, jedoch unter Verbot, es weiter zu verbreiten, nur bloß um die Leute kennenzulernen. Sie waren bald fertig geworden. Doch verging die Zeit so schnell, dass es in die zwei Stunden gedauert hat, denn sie hat mit der geläufigen Zunge die ganze Gemeinde durchlaufen, und jede Hausnummer besehen, wie sie geschrieben ist. Sie verstand auf dieser Reise alle Geschäfte, Arbeiten, ja sogar die geistlichen - von dem Beichtsitzen angefangen bis zur Begräbnis, und 

Im Bild lehrt uns Maria als Ancilla Domini die Erfüllung des Willens Gottes. Moses steigt zum Berg Gottes empor, wo er die Gesetzestafeln erhält. Elias zeigt uns die Wüstenwanderung in der Fastenzeit, aber auch die Nahrung. Christus, im Monogramm angedeutet, besiegt den Starken.

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von den Beichtstühlen, wie sie gemacht sein müssen. Überall wusste sie anzugeben, wie es sein soll, aber leider nicht ist. Um aber verständlich zu sein, gab sie, jedoch nur aus Liebe, immer jeden namentlich an, von dem sie meinte, er könnte nicht recht sein, oder dies und das könnte von ihm nicht gut sein. Um aber die Sache gleich auszumachen, und die Liebe zu vollenden, sagte sie immer, wenn sie eine Sache noch nicht recht wusste: Aber doch ist es so! Schlecht ist er genug dazu! So richtete sie, und gewann nach und nach viele Anhänger und Nachfolger, die sie nachahmten, aber bald an Kunst und Geschicklichkeit weit übertrafen. So richtet man und wird gerichtet, ohne zu bedenken die Lehre Jesu: "Richtet nicht, damit ihr nicht gerichtet werdet!" Was aber an meisten hierbei zu bedauern ist, ist der Verlust der seligen Einfalt, denn die Sucht, alles, was man sieht oder hört, zu richten, zu verdammen, zu beschnarchen, über unsern Leist zu ziehen, ertötet in uns die Haupttugend, die Liebe, schwächt die Demut, mindert die Geduld, verletzt die Gerechtigkeit, vereitelt die 

Die Initiale zeigt einen Leviten, der bei Sonnenaufgang die Tempelpforte zu öffnen hat. Er soll an den Kirchgang des Christen erinnern, der voll Freude über den neuen Erlösungstag die wahre göttliche Sonne (Christus) in ihrem Aufgang (Eucharistie) begrüßt.

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Sanftmut,