Alte kirchliche Sitten und Gebräuche

 

Im Unterschied zu den Hochgebildeten hat das Volk von jeher seine Art, sich die religiöse Lehre zurecht zu legen, Frömmigkeit zu üben und den sittlichen Forderungen des Glaubens gerecht zu werden. Dem Landvolk vor allem, das in der "Scholle" verwurzelt ist, ist das Leben ein Dasein in überlieferter Sitte, also nicht persönlich erworbenes Gut, sondern Erbe der Vorzeit. Das Mittelalter der Votivmessen, Segnungen, Weihungen und Exorzismen, der Bittgänge, Prozessionen und Wallfahrten besteht fort. Nach wie vor beschäftigt sich die Kirche mit den Erscheinungen der Dämonen, nach wie vor gebietet und verbietet sie ihnen. Immer noch verbindet das gläubige katholische Volk seine frommen Bräuche mit den Festen seiner Kirche, nach wie vor lässt es, was es erarbeitet hat und genießt, von der Kirche segnen, bezieht es, was es leidet, auf Gott und seine Vorsehung. Wie vor 1500 Jahren zum ersten Mal schreiten ihm die Heiligen zur Seite und gleich den Vorfahren setzt es seine Hoffnung auf die Gebetsfürbitte der befreiten Seelen, wenn es selbst in Not kommt. Die gewaltigen Abstürze der Spaltung des 16., der Aufklärung des 18., der Technisierung des 19. Jahrhunderts und des sich verbreitenden Unglaubens des 20. Jahrhunderts haben nicht vermocht, diese Quelle, aus der das Volkstum schöpft, zum Versiegen zu bringen. Allerdings wage ich keinen Ausblick auf das 21. Jahrhundert. Die den "Aberglauben" des gläubigen Volkes in den nicht zu leugnenden Missbräuchen des Sakramentalienwesens bekämpften und "Aufklärung" als die Parole ausgaben, flüchteten vielmehr selber restlos in die Mantik. Das gläubige Volk hielt der Überlieferung des Frommen die Treue. Die Geschichte der Volksfrömmigkeit seit 1600 beweist, dass diese Treue zu den Brauchtumsüberlieferungen beim gläubigen Volk in dem Maß gestärkt wurde, je heftiger der Ansturm war, der sich gegen das Zeremonienwesen der Kirche richtete. Den Vorfahren waren diese Zeremonien und Brauchtumsüberlieferungen Kernstück ihres Volkstums und ihrer seelischen Kultur. Und Nachgeborenen sind sie es nicht minder. Sie sind uns in Fleisch und Blut übergegangen, und wir können uns, das Wesentliche genommen, davon nicht trennen, ohne uns religiös untreu zu werden.

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Die strenge Klausur und die Pflege der Kultur in Klöstern

 

Unter der Äbtissin von Göß, Regina von Schrattenbach (1602-1610), wurde die erste strenge Klausur eingeführt. In früheren Zeiten besuchten die Äbtissinnen auch den Landtag. Die Nachfolgerin Regina von Schrattenbachs war Margareta Freiin von Khuenberg (1611-1640). Ihre Eltern waren protestantisch. Im Alter von 18 Jahren kam sie nach Göß, wahrscheinlich, um hier eine Erziehung zu genießen. Gegen den Willen ihrer Eltern nahm sie den Nonnenschleier. Ihr Bruder Hans Jakob, Hofmarschall des Erzherzogs Karl in Steyr, versuchte alle Mittel, um sie davon abzubringen, den Schleier zu nehmen!

 

Diese Äbtissin führte ein, dass beim Essen im Konvent strenges Schweigen beobachtet würde. Es durfte nur durch das Gebet und Lesungen unterbrochen werden. Das Mitnehmen von Speisen aus dem Refektorium wurde gleichfalls untersagt. Niemand durfte außerhalb der festgesetzten Zeit Speise und Trank zu sich nehmen. Verschied eine Äbtissin, wurde sie in ihrem gewöhnlichen Habit in der Flocke in einer Kapelle beigesetzt, wo sie drei Tage verblieb. Während dieser Zeit hat der Konvent bei Tag und Nacht psalmiert. Am vierten Tag wurde eine Leichenpredigt gehalten. Der Todesfall wurde dem Erzbischof von Salzburg berichtet. Ihre gewählte Nachfolgerin, Johanna Gräfin Kollonitsch (1640-1657), bat kniefälligst, man wolle von ihrer Wahl absehen, doch der gesamte Konvent sprach ihr zu, die Wahl anzunehmen. Auch diese Äbtissin war im evangelischen Glauben erzogen worden. In ihrem 19. Lebensjahr trat sie zum Katholizismus über und 1623 kam sie ins Kloster nach Göß. 1629 empfing sie die Profess und zugleich die Benediktion, weil die Bauern im Land ob der Enns „rebellisch“ geworden waren und man im Kloster sich Sorgen machte, der Konvent werde von Göß flüchten müssen. Den 21. Juli 1640 wurde diese Äbtissin Konfirmiert. Die Konfirmation war die feierliche Bestätigung der Wahl durch den kirchlichen Vorgesetzten, sie erfolgte im Parlatorium der Abtei: dreimal wurde ausgerufen, ob jemand gegen die Wahl etwas einzuwenden habe. Meldete sich niemand, wurde die Neugewählte zum Schwur gegen die Simonie herangezogen. Der Konfirmation folgte die Weihe, bei der Torsten (Fackeln, von Edelknaben getragen) brannten. Die Untertanen mussten die Reichssteuer leisten. – 1643 wurde zu Göß die erste Apotheke errichtet. Die Klosterapotheke barg eine Sammlung heilsamer Kräuter. Auch „mineralische Medizinen“ kannte man. Vielfache Verwendung fanden zerriebene Edelsteine(!). Die „Mischungen“ besorgte eine Frau, die „Apothekerin“, die Tränklein und Pulver verabreichte und Wissenschaft von den Symptomen einzelner Krankheiten haben musste.

 

Nach den Bestimmungen des Konzils von Trient durfte kein Mädchen vor dem vollendeten 16. Lebensjahr in ein Kloster aufgenommen werden. Kaiserin Maria Theresia bestimmte 1770, dass man erst im Alter von 18 Jahren in einem Kloster Aufnahme finden durfte. Jede Aufgenommene musste eine Probezeit ablegen: das Noviziat. Bei der Profess erhielt die Novize das Ordenskleid. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts hatte sich in Benediktiner-Frauenklöstern der Missbrauch bemerkbar gemacht, dass sich die Nonnen gleich weltlichen Frauen lange Haare wachsen ließen. Papst Klemens IV. (1265-1268) erteilte dem Erzbischof Ladislaus den Auftrag, den Missbrauch unter Anwendung von Kirchenstrafen abzustellen. Über dem Schleier trug jede Nonne den Unterschleier. Die Flocke oder Cuculla ist das Ordenskleid gewesen. Zuerst trug es nur die Äbtissin, später, im 17. Jahrhundert, wurde dieses Kleid für alle Nonnen eingeführt, jede erhielt es bei der Profess. Der Sturz, im Mittelalter „Aufleger“ genannt, war ein leichter Schleier aus schwarzem Wollstoff. Leintücher und „Pfaidten“ mussten aus Wolle sein, wie eine Visitation am Nonnenberg 1581 besagte.

 

In den Klöstern besorgte man nützliche Arbeiten aller Art. Einige fertigten künstliche Blumen an, andere führten den Pinsel. Nonnen besorgten damals auch den Unterricht bei der weiblichen Jugend, sie waren Erzieherinnen, kannten fremde Sprachen, so dass die Klöster also Kulturstätten waren, die unabsehbaren Nutzen stifteten, der sich freilich in Zahlen nicht nachweisen ließ, aber moralisch auf der Hand lag. Auch die lateinische Sprache wurde von den Nonnen gepflegt. Der Erzbischof von Salzburg bestimmte 1640 eine Nachmittagsstunde zur Erlernung des Lateins in Nonnenklöstern. Weiter wurde Choral und Musik eifrig hinter den Klostermauern gepflegt. Die Orgel wurde von Nonnen in Frauenklöstern bedient. Die Kononsen oder Laienschwestern mussten die niederen Dienste besorgen, die Gärten bearbeiten, die Hühner beaufsichtigen, es werden eigene „Hühnermädels“ genannt, auch „Hühnerdirndl“ hießen sie. 1777, sagt die Chronik, wurde bei einer Jubelprofesstafel eine Pastete in der Gestalt eines Auerhahnes aufgetragen, gemacht von einer Bauerntochter, die in Göß „Hühnermädel“ war.

 

Den armen Studenten zu Leoben wurden vom besagten Stift jährlich 31 fl. 12 kr. Gegeben, den Dominikanern gab man am Florianitag zwei gelbe Vierting Kerzen, ein Pfund Haar und 2 fl. in Geld bar. Das Gleiche wurde auch nach Trofaiach, Veitsberg und in das St. Elisabeth-Spital in Leoben abgegeben. In der Hofküche durften 300, in der Konventküche 150 Hühner gehalten werden. Zu Ostern gab man rote Eier und den Eierkäs hinaus, diese Bräuche verloren sich aber, als die Zeiten schlechter geworden waren, im 18. Jahrhundert. 1679 wurden unter der Äbtissin Maria Benedikt Gräfin Schrattenbach (1657-1695) Öfen in den Konventzellen gesetzt, vorher hatte man in den Zellen keine Öfen. Wahrscheinlich machten die strengen Winter im Steirer Oberland diese Neuerung notwendig. 1683 hatte es die Arbeiterschaft Obersteiermarks auf die Güter der Jesuiten u. dgl. abgesehen. Selbst die Bürger fürchteten um ihr Hab und Gut. Die „Spitaler Kathl“, eine fromme Frau, riet dem Bürgermeister von Leoben, Paul Egger, er möge wegen der drohenden Gefahr (Türkennot) eine Wallfahrt nach Maria-Zell anordnen.

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Räume, Festlichkeiten und so manches Gebäck im Kloster

 

Unter der Äbtissin von Göß, Regina von Schrattenbach (1602-1610), wurde die erste strenge Klausur eingeführt. In früheren Zeiten besuchten die Äbtissinnen auch den Landtag. Die Nachfolgerin Regina von Schrattenbachs war Margareta Freiin von Khuenberg (1611-1640). Ihre Eltern waren protestantisch. Im Alter von 18 Jahren kam sie nach Göß, wahrscheinlich, um hier eine Erziehung zu genießen. Gegen den Willen ihrer Eltern nahm sie den Nonnenschleier. Ihr Bruder Hans Jakob, Hofmarschall des Erzherzogs Karl in Steyr, versuchte alle Mittel, um sie davon abzubringen, den Schleier zu nehmen!

 

Diese Äbtissin führte ein, dass beim Essen im Konvent strenges Schweigen beobachtet würde. Es durfte nur durch das Gebet und Lesungen unterbrochen werden. Das Mitnehmen von Speisen aus dem Refektorium wurde gleichfalls untersagt. Niemand durfte außerhalb der festgesetzten Zeit Speise und Trank zu sich nehmen. Verschied eine Äbtissin, wurde sie in ihrem gewöhnlichen Habit in der Flocke in einer Kapelle beigesetzt, wo sie drei Tage verblieb. Während dieser Zeit hat der Konvent bei Tag und Nacht psalmiert. Am vierten Tag wurde eine Leichenpredigt gehalten. Der Todesfall wurde dem Erzbischof von Salzburg berichtet. Ihre gewählte Nachfolgerin, Johanna Gräfin Kollonitsch (1640-1657), bat kniefälligst, man wolle von ihrer Wahl absehen, doch der gesamte Konvent sprach ihr zu, die Wahl anzunehmen. Auch diese Äbtissin war im evangelischen Glauben erzogen worden. In ihrem 19. Lebensjahr trat sie zum Katholizismus über und 1623 kam sie ins Kloster nach Göß. 1629 empfing sie die Profess und zugleich die Benediktion, weil die Bauern im Land ob der Enns „rebellisch“ geworden waren und man im Kloster sich Sorgen machte, der Konvent werde von Göß flüchten müssen. Den 21. Juli 1640 wurde diese Äbtissin Konfirmiert. Die Konfirmation war die feierliche Bestätigung der Wahl durch den kirchlichen Vorgesetzten, sie erfolgte im Parlatorium der Abtei: dreimal wurde ausgerufen, ob jemand gegen die Wahl etwas einzuwenden habe. Meldete sich niemand, wurde die Neugewählte zum Schwur gegen die Simonie herangezogen. Der Konfirmation folgte die Weihe, bei der Torsten (Fackeln, von Edelknaben getragen) brannten. Die Untertanen mussten die Reichssteuer leisten. – 1643 wurde zu Göß die erste Apotheke errichtet. Die Klosterapotheke barg eine Sammlung heilsamer Kräuter. Auch „mineralische Medizinen“ kannte man. Vielfache Verwendung fanden zerriebene Edelsteine(!). Die „Mischungen“ besorgte eine Frau, die „Apothekerin“, die Tränklein und Pulver verabreichte und Wissenschaft von den Symptomen einzelner Krankheiten haben musste.

 

Nach den Bestimmungen des Konzils von Trient durfte kein Mädchen vor dem vollendeten 16. Lebensjahr in ein Kloster aufgenommen werden. Kaiserin Maria Theresia bestimmte 1770, dass man erst im Alter von 18 Jahren in einem Kloster Aufnahme finden durfte. Jede Aufgenommene musste eine Probezeit ablegen: das Noviziat. Bei der Profess erhielt die Novize das Ordenskleid. Gegen Ende des 13. Jahrhunderts hatte sich in Benediktiner-Frauenklöstern der Missbrauch bemerkbar gemacht, dass sich die Nonnen gleich weltlichen Frauen lange Haare wachsen ließen. Papst Klemens IV. (1265-1268) erteilte dem Erzbischof Ladislaus den Auftrag, den Missbrauch unter Anwendung von Kirchenstrafen abzustellen. Über dem Schleier trug jede Nonne den Unterschleier. Die Flocke oder Cuculla ist das Ordenskleid gewesen. Zuerst trug es nur die Äbtissin, später, im 17. Jahrhundert, wurde dieses Kleid für alle Nonnen eingeführt, jede erhielt es bei der Profess. Der Sturz, im Mittelalter „Aufleger“ genannt, war ein leichter Schleier aus schwarzem Wollstoff. Leintücher und „Pfaidten“ mussten aus Wolle sein, wie eine Visitation am Nonnenberg 1581 besagte.

 

In den Klöstern besorgte man nützliche Arbeiten aller Art. Einige fertigten künstliche Blumen an, andere führten den Pinsel. Nonnen besorgten damals auch den Unterricht bei der weiblichen Jugend, sie waren Erzieherinnen, kannten fremde Sprachen, so dass die Klöster also Kulturstätten waren, die unabsehbaren Nutzen stifteten, der sich freilich in Zahlen nicht nachweisen ließ, aber moralisch auf der Hand lag. Auch die lateinische Sprache wurde von den Nonnen gepflegt. Der Erzbischof von Salzburg bestimmte 1640 eine Nachmittagsstunde zur Erlernung des Lateins in Nonnenklöstern. Weiter wurde Choral und Musik eifrig hinter den Klostermauern gepflegt. Die Orgel wurde von Nonnen in Frauenklöstern bedient. Die Kononsen oder Laienschwestern mussten die niederen Dienste besorgen, die Gärten bearbeiten, die Hühner beaufsichtigen, es werden eigene „Hühnermädels“ genannt, auch „Hühnerdirndl“ hießen sie. 1777, sagt die Chronik, wurde bei einer Jubelprofesstafel eine Pastete in der Gestalt eines Auerhahnes aufgetragen, gemacht von einer Bauerstochter, die in Göß „Hühnermädel“ war.

 

Den armen Studenten zu Leoben wurden vom besagten Stift jährlich 31 fl. 12 kr. Gegeben, den Dominikanern gab man am Florianitag zwei gelbe Vierting Kerzen, ein Pfund Haar und 2 fl. in Geld bar. Das Gleiche wurde auch nach Trofaiach, Veitsberg und in das St. Elisabeth-Spital in Leoben abgegeben. In der Hofküche durften 300, in der Konventküche 150 Hühner gehalten werden. Zu Ostern gab man rote Eier und den Eierkäs hinaus, diese Bräuche verloren sich aber, als die Zeiten schlechter geworden waren, im 18. Jahrhundert. 1679 wurden unter der Äbtissin Maria Benedikt Gräfin Schrattenbach (1657-1695) Öfen in den Konventzellen gesetzt, vorher hatte man in den Zellen keine Öfen. Wahrscheinlich machten die strengen Winter im Steirer Oberland diese Neuerung notwendig. 1683 hatte es die Arbeiterschaft Obersteiermarks auf die Güter der Jesuiten u. dgl. abgesehen. Selbst die Bürger fürchteten um ihr Hab und Gut. Die „Spitaler Kathl“, eine fromme Frau, riet dem Bürgermeister von Leoben, Paul Egger, er möge wegen der drohenden Gefahr (Türkennot) eine Wallfahrt nach Maria-Zell anordnen.

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Wahre Seelengröße und Demut

 

Gegen Ende des 17. Jahrhunderts waren in einer theologischen Frage in Spanien und Frankreich die Geister arg in Streit geraten. Auch zwei hochberühmte Bischöfe Frankreichs, an deren Namen sich die Blüte der französischen Literatur knüpft, Bossuet und Fenelon, gerieten darüber in eine schriftliche Fehde, die von Bossuet nicht ohne Gereiztheit geführt wurde. Die Sache erregte das größte Aufsehen, der französische Hof und die Universität Paris, ja ganz Frankreich und die gebildete Welt mischten sich in den Streit. Schließlich wandten sich beide Parteien an den Papst um die letzte Entscheidung. Sie fiel zu Ungunsten Fenelons aus. 23 Sätze aus einer seiner Schriften wurden zwar nicht als Häretisch, aber als verwegen und gefährlich verworfen und das Urteil durch ein Breve vom 12. März 1699 verkündet. Fenelon erhielt das päpstliche Breve als er gerade am Mariä Verkündigungstag in seiner Kathedrale zu Chambrai die Kanzel besteigen wollte. Er hielt nicht die vorbereitete Predigt, sondern verkündete das Breve seiner eigenen Verurteilung und predigte über die den Obern gebührende Unterwerfung in solcher Weise, dass alle Zuhörer vor Achtung, Bewunderung und Rührung aufs tiefste ergriffen wurden. Er bat seine Diözesanen, sein Buch nicht weiter zu verteidigen. Überdies erklärte er noch in einem eigenen Hirtenbrief seinen Diözesanen die Unterwerfung, und zwar „einfach, absolut und ohne jeden Schatten des Vorbehaltes“. Er ermahnte die Diözesanen zu der gleichen Unterwerfung. Die Welt staunte über die Demut und Seelengröße des Bischofs, dessen Name in der Kirchen- und Literaturgeschichte Frankreichs ewig glänzen wird, und der Papst anerkannte mit großen Lobsprüchen seinen Seelenadel.

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Der Ring der Mutter Gottes

 

Auf einer meiner Reisen besuchte ich auch ein Wallfahrtskirchlein in Steiermark. Darin befand sich eine Muttergottes-Statue, an deren gebogenem Finger sich ein Ring befand. Über den Ursprung dieses Ringes hörte ich dann die folgende Sage:

 

Großen Lärm hörte man schon am frühen Morgen in dem weiten Hof der herrlichen Burg des Ritters Ferdinand. Geschäftig eilten die Diener hin und her, die Rosse stampften, die Hunde zerrten an der Leine. Ungeduldig wartete alles auf den Herrn, den stolzen Ritter, der für den heutigen Tag eine Jagd zu Ehren seiner Freunde und Zechgenossen veranstaltete. Geräuschvoll ging das Leben in der Burg zu, denn der Ritter Ferdinand sah es gerne, wenn zahlreiche Gäste um ihn versammelt waren und die Zechgelage dauerten bis spät in die Nacht. Und Worte des Übermutes und Worte des Frevels hörte man und Glaube und Frömmigkeit waren verbannt aus dem Schloss. Jetzt eilte ein Diener herbei und gab ein Zeichen, denn die Jagdgäste nahten sich, voran der stolze Burgherr. Alles schwang sich auf die Rosse und fort ging es, dem Wald zu.

 

Ein kühler Abend folgte dem heißen Tag. Müde schlugen die Jagdgäste den Heimweg ein. Mit reicher Beute beladen folgten die Diener. Plötzlich hörte man ein lustiges Plätschern. Ein silberheller Quell sprudelte aus dem Gestein. Ritter Ferdinand stieg vom Pferd, um sich an dem frischen Wasser zu laben und die Ritter folgten seinem Beispiel. Da ertönte Glockenklang vom nahen Kirchlein. Nun erinnerte sich Ferdinand, gehört zu haben, dass sich in dieser Kirche eine wunderschöne Marienstatue befände. Er wurde neugierig und machte seinen Freunden den Vorschlag, in das Kirchlein einzutreten, um diese Statue anzusehen. Lachend stimmten ihm die Männer bei und folgten ihm ins Kirchlein. Wirklich sahen sie eine reizende Muttergottes-Statue, die das Jesuskindlein auf dem Arm hielt und gütig lächelnd vom Altar herabsah. Voll Übermut nahte sich jetzt der leichtsinnige Ritter Ferdinand der Marienstatue, nahm seinen Ring vom Finger, steckte ihn an den Finger der Mutter Gottes und versprach, sich nie zu vermählen. Kaum waren diese Worte gesprochen, da – o Wunder – lächelnd bog Maria den Finger und der Ring ging nicht mehr herab. Tief ergriffen, stürzte der Ritter nieder und staunte das Wunder an, das einen solchen Eindruck auf ihn gemacht hat, dass er gelobte, sein Wort zu halten und ein frommer Mensch zu werden. Und er hielt es auch, wurde fromm und gottesfürchtig und ließ Kirchen und Klöster bauen zur Ehre Gottes.

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Die zehn Gebote Gottes

 

lauten:

 

1. Du sollst allein an einen Gott glauben.

 

2. Du sollst den Namen Gottes nicht eitel nennen.

 

3. Du sollst den Feiertag heiligen.

 

4. Du sollst Vater und Mutter ehren, auf dass du lange

    lebst und es dir wohlergehe auf Erden.

 

5. Du sollst nicht töten.

 

6. Du sollst nicht Unkeuschheit treiben.

 

7. Du sollst nicht stehlen.

 

8. Du sollst kein falsches Zeugnis geben wider

    deinen Nächsten.

 

9. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Frau.

 

10. Du sollst nicht begehren deines Nächsten Gut.

 

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Die sieben Sakramente

 

die unser Erlöser Jesus Christus zum Heil unserer Seele eingesetzt hat, sind:

 

1. Die Taufe.

 

2. Die Firmung.

 

3. Das Sakrament des Altares.

 

4. Die Buße.

 

5. Die letzte Ölung (Krankensalbung).

 

6. Die Priesterweihe.

 

7. Die Ehe.

 

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Die fünf Gebote der Kirche

 

lauten:

 

1. Du sollst die gebotenen Feiertage halten.

 

2. Du sollst an Sonn- und Feiertagen die heilige Messe mit gebührender Andacht hören.

 

3. Du sollst die gebotenen Fasttage halten.

 

4. Du sollst deine Sünden dem verordneten Priester jährlich wenigstens einmal beichten und zur österlichen Zeit das allerheiligste Sakrament des Altares empfangen.

 

5. Du sollst zu den verbotenen Zeiten keine Hochzeit halten.

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Die sechs Grundwahrheiten

 

 

die ein jeder Christ wissen muss, wenn er zum Gebrauch der Vernunft kommt, lauten:

 

1. Dass ein Gott ist.

 

2. Dass Gott ein gerechter Richter ist, der das Gute belohnt und das Böse bestraft.

 

3. Dass drei göttliche Personen einer Wesenheit und Natur sind: der Vater, der Sohn und der heilige Geist.

 

4. Dass die zweite göttliche Person Mensch geworden ist, um uns durch den Tod am Kreuz zu erlösen und ewig selig zu machen.

 

5. Dass die Seele des Menschen unsterblich ist.

 

6. Dass die Gnade Gottes zur Seligkeit notwendig ist, und dass der Mensch ohne die Gnade nichts Verdienstliches zum ewigen Leben wirken kann.

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Der wichtigste Augenblick des Lebens

 

Der Augenblick, von dem die ganze Ewigkeit abhängt, ob ewige Freude oder ewiges Leid, ist der Augenblick des Todes.

 

Ist in diesem Augenblick deine Seele in guter Verfassung, ausgesöhnt mit Gott, innige Reue im Herzen, losgesprochen von allen Fehlern und Sünden durch den Priester, den Stellvertreter Gottes, dann ist alles gut, ein gnadenreicher Augenblick! Ist die Seele nicht ausgesöhnt mit Gott, ist keine Reue im Herzen, will man keinen Priester rufen, ja verachtet man sogar diese große Gnade, den Empfang der heiligen Sakramente der Buße und des Altares und der heiligen Ölung, dann ist alles schlecht, ein schrecklicher Augenblick! Es steht eine furchtbare Ewigkeit vor dir!

 

Wenn also jemand krank ist und der Tod ans Sterbebett klopft, wenn es heißt, heimgehen, um Rechenschaft abzulegen, was sollst du tun?

 

1. Bete zuerst für einen solchen Kranken.

 

2. Spreche ihm ruhig und liebevoll zu, die heiligen Sakramente zu empfangen, sie sind ja oft auch zur Gesundheit des Leibes.

 

3. Rufe einen Priester.

 

4. Bete recht oft die innige Reue mit dem Kranken, kurz und innig.

 

5. Flöße dem Kranken recht viel Vertrauen auf die Barmherzigkeit Gottes ein.

 

6. Wiederhole hier und da ein kleines Stoßgebetlein.

 

(O Jesus! Alles dir zu Liebe! Mein Jesus! Barmherzigkeit! – Süßes Herz Mariä, sei meine Rettung! – Heiliger Schutzengel, meine heiligen Patrone, bittet für mich! - Es segne mich und alle Menschen der dreieinige Gott, der Vater +, der Sohn + und der Heilige + Geist. Amen.)

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Die Hervorsegnung oder Aussegnung der Wöchnerinnen

 

Im Alten Bund war gesetzlich bestimmt, dass eine Mutter, wenn 40 Tage nach der Geburt eines Jungen, und 80 nach der Geburt eines Mädchens vorüber waren, sich im Tempel einfinden und das vorgeschriebene Opfer darbringen musste, worauf sie vom Priester für wieder rein erklärt wurde. Auch Maria, wiewohl sie als die immer reine Jungfrau diesem Gesetz nicht verpflichtet war, unterwarf sich in ihrer Demut dem Gesetz und kam mit ihrem göttlichen Sohn in den Tempel und brachte das vorgeschriebene Opfer, wie bei der Erklärung des Festes Mariä Reinigung angegeben und dort zugleich mit einigen Worten auf die Bedeutung des ersten Kirchgangs christlicher Ehefrauen nach der Geburt eines Kindes hingewiesen worden ist. Dieser erste Kirchgang, gewöhnlich Hervorsegnung oder Aussegnung der Wöchnerinnen genannt, verdient jedoch eine nähere Erklärung.

 

Dass die Hervorsegnung der christlichen Mutter eine ganz andere Bedeutung hat, als ehemals die Darstellung der jüdischen Mutter im Tempel, geht schon aus dem hervor, dass das jüdische Zeremoniengesetz mit den Vorschriften rücksichtlich der körperlichen Unreinheit für die Christen aufgehoben ist, denn das Christentum nennt unrein nur die Sünder. Es ist daher jene fromme Sitte der Kirche, die Wöchnerinnen hervorzusegnen, nur eine Nachahmung des jüdischen Gebrauchs. Die Absicht ist zunächst, die gläubigen Mütter, die es in Demut verlangen, feierlich in die Kirche einzuführen, um wieder mit den übrigen die gewöhnlichen Gebete zu verrichten und der Wohltaten des öffentlichen Gottesdienstes teilhaftig zu werden, wie die dabei vorkommenden Zeremonien nachweisen.

 

Schon das Erscheinen der Mutter an der Schwelle der Kirchtür, wo selbe, wenn es füglich geschehen kann, niederkniet und so den Priester erwartet, drückt die demütige Bitte aus, von den Sünden, die sie in den Verhältnissen der Ehe möchte begangen haben, erledigt und durch den Priester in die Kirche geleitet zu werden. Sie hält dabei eine brennende Kerze in der Hand, um anzudeuten ihren Glauben an Jesus Christus, das Licht der Welt, und zugleich ihren Vorsatz, ihren Säugling, den Sie als Geschenk Gottes anzusehen hat, und für das sie dankt, durch Wort und Beispiel zur Ehre Gottes im wahren Glauben zu erziehen. Den Säugling mit zur Kirche zu bringen, ist an vielen Orten gebräuchlich und auch zu empfehlen, denn die Mutter kommt ja auch, um ihn dem Herrn geistiger Weise aufzuopfern, und es wird umso inniger geschehen, wenn das Kind gegenwärtig auf ihren Armen ist.

 

Wenn der Priester in Begleitung eines Kirchendieners, der ein Weihwassergefäß trägt, im Chorrock und weißer Stola bei der Kirchentür angekommen ist, so besprengt er die Wöchnerin mit Weihwasser und betet nach vorausgeschicktem Versikel: „Unsere Hilfe ist im Namen des Herrn,“ worauf der Kirchendiener antwortet: „Der Himmel und Erde geschaffen hat“, den 23. Psalm, in dem unter andern die Worte vorkommen: „Wer wird hinaufsteigen den Berg des Herrn, oder wer wird stehen an seinem heiligen Ort? Wer unschuldig an Händen und rein von Herzen ist, seine Seele nicht gebraucht zum Eitlen und nicht fälschlich schwört seinem Nächsten: der wird den Segen vom Herrn erlangen, und Barmherzigkeit von Gott, seinem Heiland“. – Dann reicht der Priester der Wöchnerin das Ende der Stola, zum Zeichen, dass sie nur durch die Verdienste Jesu Christi gottgefällig leben könne und nur um dieser willen Erhörung im Gebet hoffen dürfe, und führt sie in die Kirche ein, sprechend: „Tritt ein in das Haus Gottes; bete an den Sohn der allerseligsten Jungfrau, der dir eine Leibesfrucht geschenkt hat.“ – Angekommen bei einem Altar, kniet die Wöchnerin auf der Stufe nieder und der Priester betet über sie nach mehreren Versikeln und Responsorien folgendes Gebet: „Allmächtiger, ewiger Gott! Der du durch die Geburt unseres Herrn aus der allerseligsten Jungfrau Maria die Schmerzen der Gebärenden in Freude verwandelt hast: schau gnädig hernieder auf diese deine Dienerin, welche mit dankbarem und freudigem Herzen deinem Altar genaht ist, und verleihe, dass sie nach diesem Leben durch die Verdienste und die Fürbitte der allerseligsten Jungfrau Maria mit ihrem Kind zu den Freuden der ewigen Seligkeit gelangen möge durch Christum, unsern Herrn! Amen.“ Hierauf besprengt er sie wieder mit Weihwasser in Gestalt des Kreuzes und spricht dabei: „Der Friede und Segen des allmächtigen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes steige über dich herab und bleibe allezeit bei dir! Amen.“

 

Aus dem ganzen Wesen dieser Segnung geht hervor, dass der Ort, wo sie erteilt werden soll, nur die Kirche sei, und es ist auch ohne oberhirtliche Erlaubnis sie sonst vorzunehmen, und eitel ist die Furcht mancher Mütter, dass sie allerlei bösen Einflüssen ausgesetzt seien, bevor sie nicht hervorgesegnet sind.

 

Wie wichtig soll diese Stunde einer Wöchnerin sein, welche Gefühle des Dankes, welche heiligen Vorsätze, welche Bitten sollen da in ihr erwachen und genährt werden! Gefühle des Dankes für die glückliche Geburt des Kindes, für die Erholung ihrer Gesundheit, für das liebe Kind, das ihr Gott schenkte und zur heiligen Taufe gelangen ließ; - heilige Vorsätze, das ihr anvertraute Unterpfand, das sie der göttlichen Obhut und Gnade aufopfert, so zu schätzen, zu lieben, mit mütterlicher Sorgfalt zu pflegen und zu erziehen, von allem Bösen abzuhalten und zum Guten zu ermuntern, dass es als rechtschaffener Christ zur Ehre und zum Wohlgefallen Gottes, wie zur Erbauung seiner heiligen Kirche heranwachse, und selber auch immer eifriger dem Herrn zu dienen; - innige Bitten um die Gnade und den Beistand des Herrn, diese Vorsätze zu ihrem und des Kindes ewigem Heil treu ausführen zu können. Würden alle Mütter die Bedeutung der Hervorsegnung recht begreifen und sich öfter aufmerksam an sie erinnern, gewiss! es stünde besser um die Erziehung vieler Kinder. Viele würden nicht ein Raub der Verführung und so entrissen dem Herrn, dem sie beim ersten Kirchgang der Mutter aufgeopfert worden sind. O welch seliges Gefühl für eine Mutter, wenn sie in Wahrheit sagen kann: Herr! keins von denen, die du mir anvertraut hast, ist durch meine Schuld verloren gegangen.

 

(aus: „Kalender für katholische Christen auf das Jahr 1847“, Sulzbach in der Oberpfalz)

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Der außergottesdienstliche Segen eines Bischofs oder Priesters

 

Schon im Zeitalter der Patriarchen ist der Segen des Vaters, wegen dessen Ansehen und der ihm damals zukommenden priesterlichen Würde überaus hoch geschätzt, ja als Gottes Stimme angesehen worden, indem er vielfältig zugleich Weissagungen enthielt, wie es unter anderem deutlich aus dem Segen erhellt, den der Patriarch Jakob seinen zwölf Söhnen erteilte. Auch den priesterlichen Segen finden wir schon in derselben Zeit, denn Melchisedech, König von Salem, der ein Priester Gottes des Allerhöchsten war, segnete den Abraham. Im mosaischen Gesetz hat Gott selbst eine Segensformel vorgeschrieben. So heißt es im 4. Buch Mose 6,22-27: „Und der Herr redete zu Mose und sprach: Rede zu Aaron und deinen Söhnen: Also sollt ihr die Söhne Israels segnen und ihnen sagen: Der Herr segne dich und behüte dich: der Herr zeige dir sein Angesicht und sei dir gnädig: der Herr wende zu dir sein Angesicht und gebe dir den Frieden! Und sie sollen anrufen meinen Namen über die Söhne Israels, und ich will sie segnen.“

 

Im Gesetz der Gnade segnet Jesus, der ewige Priester, selbst die Kinder und seine Jünger. Er erteilte den 12 Aposteln und 72 Jüngern den Auftrag, dass, wenn sie auf ihren Missionen in ein Haus treten, sie es grüßen und sagen sollen: Der Friede sei mit diesem Hause!, und der heilige Apostel Paulus schließt seinen zweiten Brief an die Korinther mit dem Segenswunsch: „Die Gnade Jesu Christi und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen! Amen.“ – Daher erteilen die Bischöfe und die Priester nicht nur bei gottesdienstlichen Handlungen, sondern auch außerhalb derer den Segen, und so ist es von den apostolischen Zeiten her immer gehalten worden, wie die Schriften der heiligen Väter nachweisen. Alle Gläubigen, selbst die Kaiser, neigten das Haupt vor dem segnenden Bischof nicht nur in der Kirche, sondern auch wenn er irgendwo einzog und dgl. Und wer hat noch nicht vom außergottesdienstlichen Segen des sichtbaren Oberhauptes der Kirche gehört, nicht gehört, mit welcher Sehnsucht und Ehrfurcht die Gläubigen in Rom ihn empfangen? – Auch bei uns drängt sich das gläubige Volk hin, wenn ein Bischof einzieht oder ein Priester sein 50jähriges Jubiläum feiert oder ein neugeweihter Priester ankommt, um von ihnen den Segen, den sie besonders hochachten, zu empfangen, wiewohl auch sonst fromme Gläubige, wenn sie einem Priester begegnen, den Segen von ihm verlangen. Woher wohl jene besondere Hochachtung? Der Christ weiß, dass der Glaube und die Frömmigkeit desjenigen, der den Segen spendet, dabei hoch anzuschlagen ist, und setzt nun voraus, dass ein Bischof, als Oberhirt, in dieser Hinsicht ausgezeichnet sei, dass ein Priester, der bereits 50 Jahre dem Herrn gedient hat, sich viele Verdienste für die Ewigkeit gesammelt habe, und ein Neugeweihter den heiligen Vorsatz nähre, mit der erhaltenen Gnade immer treu und unbefleckt zu wirken. Der fromme Gläubige verlangt auch den Segen anderer Priester, indem ihm bekannt ist, dass der Bischof, als sie die Priesterweihe empfingen, ihre Hände gesalbt und dabei gebetet hat, dass gesegnet werde, was immer sie segnen.

 

Der Bischof segnet gewöhnlich durch dreimalige Bildung des Kreuzzeichens bald mit einer Formel, bald ohne solche. Wenn ein Jubelpriester oder ein Neugeweihter den Segen erteilt, geschieht es gewöhnlich so, dass er dem Gläubigen die Hände auflegt, dabei spricht: „Durch die Auflegung meiner Hände und die Anrufung aller Heiligen segne dich mit aller himmlischen und irdischen Segnung der allmächtige Gott, der Vater, der Sohn und der Heilige Geist! Amen. Der Friede sei mit dir!“ – und vor dem Schluss das Zeichen des heiligen Kreuzes mit der rechten Hand bildet.

 

Wird wohl ein Segenswunsch, wenn der Spendende und der Empfangende gehörigen Glauben und Herzensreinheit besitzen, von Gott unberücksichtigt bleiben? Christliches Volk! Halte treu an deinen geistlichen Vätern und ehre ihren Segen; trenne dich nicht von der wahren Kirche, dieser guten, sorgsamen Mutter; denn außer ihr vertrocknet die Quelle des Segens; die vom Weinstock getrennte Rebe verdorrt.

 

(aus: „Kalender für katholische Christen auf das Jahr 1847“, Sulzbach in der Oberpfalz)

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Vom Zeichen des heiligen Kreuzes

 

Da alle Segnungen durch das heilige Kreuzzeichen, als das Zeichen der Erlösung, geschehen, weil aller Segen, auch im Zeitlichen, nur durch die Erlösung bedingt ist: so dürften hier einige erklärende Worte über dieses heilige Zeichen wohl an der rechten Stelle sein.

 

Seit den ersten Jahrhunderten finden die heiligen Väter nicht Worte genug, dieses Siegeszeichen zu preisen und allen zur Verehrung anzuempfehlen. Sie sehen im Kreuz den Grundstein des Glaubens, den Anker der Hoffnung und das Siegel der göttlichen Liebe. Darum machten schon die ersten Christen das Zeichen des heiligen Kreuzes so vielfältig, denn sie fingen kein Gebet an und schlossen keins ohne das Kreuzzeichen. Sie gingen nicht aus, ohne ihre Stirn damit zu bezeichnen. Sie unternahmen überhaupt kein Geschäft, ohne es zuvor durch das Kreuzzeichen zu heiligen. Man darf den Gebrauch, in einem heiligen Glauben an den für uns gestorbenen Erlöser das Kreuzzeichen zu machen, mit vollem Recht von den Aposteln herleiten. Und nicht nur sich selbst, sondern auch ihre Häuser, all ihre Geräte und Habseligkeiten bezeichneten die ersten Christen mit dem heiligen Kreuz. Es war dies das Kennzeichen der Rechtgläubigkeit, und es ist bemerkenswert, dass alle Irrlehrer der Vorzeit, sobald sie vom wahren Glauben abgefallen waren, das Zeichen des heiligen Kreuzes, sowie den Lobspruch: Gelobt sei Jesus Christus!“ unterließen.

 

In der katholischen Kirche wird das heilige Kreuz auf zweierlei Art gemacht. Die erste Art besteht darin, dass man mit der flachen rechten Hand, während die linke unter der Brust ruht, von der Stirn bis unter die Brust, und dann von der linken Schulter zur rechten fährt. Dieses Zeichen nennt man das große oder lateinische Kreuz, weil es gewöhnlich von denen gemacht wird, die sich einer lateinischen Formel bedienen. Die zweite Art besteht darin, dass man, während die linke Hand auf der Brust ruht, mit dem Daumen der rechten, die etwas geschlossen ist, Stirn und Mund und Brust mit einem kleinen Kreuz bezeichnet, was man gewöhnlich das deutsche Kreuz nennt, indem man dabei die deutsche Formel gebraucht: „Im Namen Gottes, des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes. Amen.“ Wie viel sprechen wir durch eine solche Bezeichnung aus! Möchte dies wohl erwogen werden! Sind diese Worte nicht ein klares und offenes Bekenntnis des Glaubens an das Geheimnis der allerheiligsten Dreieinigkeit? Wir sagen: „Im Namen Gottes“, und bekennen dadurch, dass nur ein Gott ist, und nennen dann die drei göttlichen Personen, die eins in der Gottheit sind. Wir bilden das Zeichen des Kreuzes, um zu bekennen, dass wir an Jesus Christus, der wahrer Gott und wahrer Mensch und am Kreuz zu unserer Erlösung gestorben ist, fest und standhaft glauben. Wir bilden es auf die Stirn, um zu zeigen, dass wir uns des gekreuzigten Heilandes nicht schämen. Wir bilden es auf den Mund, um zu zeigen, dass wir bereit sind, unseren Glauben auch in Worte vor Freunden und Feinden unerschrocken zu bekennen. Wir bilden es auf die Brust, um zu zeigen, dass wir entschlossen sind, die Lehre des Gekreuzigten mit Eifer und Liebe zu befolgen. Eine andere Bedeutung der Bekreuzung der Stirn, des Mundes und der Brust ist auch die, dass wir dem dreieinen Gott alle unsere Gedanken, Worte und Werke weihen und ihn zugleich bitten, um der Verdienste des Gekreuzigten willen uns Gnade zu verleihen, als seine echten Jünger leben zu können.

 

Im heiligen Kreuzzeichen liegt auch eine besondere Kraft, denn es ist eine Abbildung jenes heiligen und kostbaren Kreuzes, an dem Jesus Christus für das Heil der ganzen Welt gestorben ist. Wie nun an diesem Kreuz Christi alle Macht des Satans gebrochen und uns dagegen ewiges Heil geworden ist, so können wir auch jetzt noch durch das Zeichen des heiligen Kreuzes uns dem Einfluss des Satans entziehen und dagegen verschiedene Güter sowohl an der Seele, als am Leib erlangen. "Was hast du noch zu fürchten, wenn du deine Stirn mit dem Kreuzzeichen bewaffnet hast? Dieses Zeichen, das wir auf der Stirn tragen, ist ja ein Zeichen, durch das wir geheilt und gerettet werden", schreibt der heilige Kirchenvater Augustinus. Vorzüglich aber ist es ein kräftiges Mittel gegen die Versuchungen und Anfechtungen zur Sünde. Denn da Jesus Christus durch das Kreuz den Satan überwunden hat, so fürchtet sich der Erzböse und flieht davon, sobald er das Zeichen dieses heiligen Kreuzes erblickt. Daher schreibt der obige Kirchenvater: "Durch die Kraft des Kreuzes werden alle Anfälle Satans vernichtet." Deswegen machen fromme Christen dieses Zeichen so häufig, machen es besonders in jeder Versuchung. Es ist ja das kräftigste Mittel gegen böse Gewohnheiten, gegen den Zorn und andere Leidenschaften, und schützt vorzüglich bei Anzreizung zur Unreinheit. Wenn es aber heilsam sein soll, so muss es mit einem großen Glauben, mit Reinheit des Herzens, mit Andacht und festem Vertrauen auf die Verdienste Christi gemacht werden.

 

Wir machen jedoch das Kreuz nicht nur über uns, sondern auch über andere Dinge, damit uns der Gebrauch der Dinge nicht schade, sondern vielmehr zum Heil gereiche. Denn, wie der heilige Chrysostomus sagt, "das Kreuzzeichen, dieses Bild des Todes Jesu, ist die Quelle eines großen Segens".

 

Heilig sei uns immerdar das Siegeszeichen unseres Herrn und Heilandes. Wir wollen uns des Kreuzes nie schämen, uns damit nicht nur im Glauben und Vertrauen bezeichnen, sondern das Bild des Kreuzes auch in unseren Wohnungen ohne Scheu aufstellen und verehren, denn wo das Kreuzbild aus den Häusern entfernt wird, da zieht der arge Weltgeist mit seinem bösen Gefolge ein.

 

"Es sei fern von mir, mich zu rühmen, außer im Kreuz unseres Herrn Jesus Christus, durch den mir die Welt gekreuzigt ist, und ich der Welt." (Gal 6,14)

 

(aus: „Kalender für katholische Christen auf das Jahr 1847“, Sulzbach in der Oberpfalz)

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