3 Madonnen-Legenden nicht nur für Kinder

 

Die gewaltigen Abstürze der Glaubensspaltung des 16. Jahrhunderts, der sogenannten Aufklärung des 18. Jahrhunderts, der Technisierung des 19. Jahrhunderts und der Atheismen des 20. Jahrhunderts haben nicht vermocht, die Quelle, aus der das Volkstum schöpft, zum Versiegen zu bringen. Die den „Aberglauben“ des gläubigen Volkes zu jeder Zeit bekämpften und „Aufklärung“ als die Parole ausriefen flüchteten vielmehr selber restlos in die Mantik. Das gläubige Volk dagegen hielt der Überlieferung des Frommen die Treue. Die Geschichte der Frömmigkeit seit dem 16. Jahrhundert beweist, dass diese Treue zu den Brauchtumsüberlieferungen in ihm in dem Maß gestärkt wurde, je heftiger der Ansturm war, der sich gegen die Frömmigkeit richtete. Den Vorfahren war das alles wichtig und Kernstück ihres Volkstums und ihrer seelischen Kultur. Uns Nachgeborenen sind sie es nicht weniger. Auch und gerade die Legenden, Sagen, Geschichten und Mirakelerzählungen über Maria, unsere himmlische Mutter, sind uns in Fleisch und Blut übergegangen, und wir können uns, das Wesentliche genommen, davon nicht trennen, ohne uns religiös untreu zu werden.

 

Matthias Hergert

 

(Madonnen-Legenden von Hermann Moos, Verlag Deutsche Volksbücherei Goslar, 1947)

 

Müttermadonna

 

Musikantenmadonna

 

Traubenmadonna