Stiftung der Abtei Grotta ferrata

 

Von Marino immer weiter hinab und sachte hinan schlängelt sich der Weg durch hohe, üppige Hecken, die an der einen Seite Weinberge und Gärten, an der anderen steile Abhänge decken, vorbei an wunderschönen Baumgruppen und einer uralten, zur Laube gezogenen Linde. Diese Linden-Laube ist eine Kapelle, und aus der gewaltigen knorrigen Höhle des Hauptastes blickt dem Wanderer ein blumenbekränztes Marienbild entgegen, und ein Eremit tritt uns, mit seiner Büchse klappernd und „per la santissima Madonna“ Almosen fordernd, in den Weg. – Wir reichen unsere Spenden. –

 

Aber schon rauscht und braust es unter uns in der Tiefe, und von der Höhe des Waldpfades hinab sahen wir zu unseren Füßen das Mühlental von Grotta ferrata mit seinen silberumschäumten Pfaden. Durch den Mühlenhof steigt der beschwerliche Fußpfad aufwärts nach Grotta ferrata, das jetzt mit all dem Zauber mittelalterlicher Romantik, der seine krenelierten Türme und zinnengekrönten Mauern umgibt, vor unseren Blicken lag. Die stattliche Abtei Grotta ferrata sieht aus wie einer jener kriegerischen Bischöfe und Äbte des Mittelalters, die über ihrem Ordensgewand Stahlpanzer und Eisenharnisch trugen.

 

Der Stifter des Klosters und der Kirche ist der heilige Rilus, der, als Vorstand eines griechischen Klosters bei Gaeta, um das Jahr 1000 vor den Einfällen der auf Sizilien hausenden Sarazenen, auf Einladung des Kaisers Otto III. nach Rom flüchtete. – Auf seinem Weg dahin, den er mit dem gottseligen Bruder Bartholomäus zusammen machte, erschien beiden die heilige Muttergottes auf einem Wolkenthron, als sie eben an der Stelle, wo jetzt das Kloster steht, von ihren Reisebeschwernissen ausruhten, und tat dem heiligen Rilus, indem sie ihm einen goldenen Apfel überreichte, ihren Willen kund: „hier eine Kirche zu besitzen.“ –

 

Diese Stiftungs-Legende ist denn auch in den berühmten Fresko-Gemälden verewigt, mit denen Domenichino auf Befehl des damaligen Abtes, Kardinal Odoardo Farnese, die Kirche geschmückt hat.

 

Das letzte Fresko-Bild zeigt die heilige Jungfrau Maria, wie sie auf einem von Engeln getragenen Gewölk, mit dem Jesuskind auf dem Arm, den beiden Heiligen erscheint, und dem St. Rilus den goldenen Apfel reicht. Und damit die Stätte offenbar werde, an der die Madonna ihre Kirche gegründet haben will, schiebt der eine der schwebenden Engel mit beiden Händen die Wolken zurück, die die Aussicht auf Grotta ferrata bedecken. –

 

Auf einem anderen Bild heilt St. Rilus einen unglücklichen, besessenen Jungen, den der Vater zu ihm geleitet hat. Die Heilung geschieht durch einige Tropfen Öl aus der vor dem Bild der Madonna brennenden Lampe, die der Heilige mit dem Finger auf die Zunge des Besessenen bringt. –

 

(Aus: Ein Jahr in Italien von Adolph Stahr)