Die sieben Himmelsfreuden Marias

 

Im dreizehnten Jahrhundert lebte im Zisterzienser-Kloster zu Villiers ein schlichter Laienbruder Namens Arnold, ein frommer Sohn Marias, mit dem sich in mütterlicher Milde und Güte die glorreiche Himmelskönigin mehr als ein Mal unterhielt.

Unter vielen anderen Andachtsübungen, mit denen Arnold seine geliebte Herrscherin zu ehren pflegte, oblag er auch gar oft der Betrachtung der sieben freudenreichen Ereignisse ihres Lebens auf Erden.

Als er nun wieder eines Tages dieselben Ereignisse erwog und ein seliges Lächeln der herzlichsten Teilnahme an ihnen sein Antlitz verklärte, erschien ihm, das Ziel seiner Gedanken, die heilige Jungfrau selbst und sprach zu ihm: "Arnold, geliebter Freund! Warum begnügst du dich, meine sieben freudenreichen Erlebnisse auf der Erde zu betrachten? Betrachte auch die sieben Freuden, die meine Glorie im Himmel bilden!" Und zugleich teilte sie ihm diese sieben glorreichen Freuden ihres himmlischen Aufenthaltes mit, wie sie es schon mit den sieben Erdenfreuden beim heiligen Thomas von Canterbury getan hatte.

Sie sprach nämlich:

"Meine erste Freude ist, - dass ich beim Eintreten in den Himmel alles dort gefunden habe, was ich zu besitzen hoffte, und was ich von der Wohnung der ewigen Seligkeit erwartete.

Meine zweite Freude - dass ich das ewige Zion mit meiner Klarheit und den Strahlen meiner Glorie erfüllt habe, wie an einem schönen Sommertag die Sonne mit ihrem Glanz die Erde, deine Heimat, erfüllt.

Meine dritte Freude - den himmlischen Heerscharen zu befehlen.

Meine vierte Freude - bei der unzertrennlichen und anbetungswürdigsten Dreieinigkeit überaus mächtig zu sein.

Meine fünfte Freude - dass Gott meinen Dienern und Schützlingen alles auf Erden und im Himmel bewilligt, was ich von ihm erbitte.

Meine sechste Freude - dass ich nächst Gott über alle Seligen erhöht und von allen Auserwählten umgeben bin.

Meine siebente Freude - die Gewissheit, dass sich meine Herrlichkeit und meine Seligkeit niemals mindern werden." -

Man erzählt auch, dass, als Arnold einmal gebetet und den heißen Wunsch gestammelt habe, doch einmal die Pracht des Paradieses sehen zu dürfen, ihm Jesus Christus erschienen sei. Der göttliche Heiland zeigte ihm die Herzen aller Engel, der Patriarchen, der Propheten, der Apostel, der Märtyrer, der Beichtiger, der Jungfrauen, und fragte ihn dann: "Arnold! Bist du jetzt zufrieden?" Und als der fromme Zisterzienser es verneint hatte, da er nicht befriedigt sein könne, indem er ja die göttliche Mutter nicht gesehen habe, so ließ Jesus Christus allsogleich die Herrlichkeit Marias vor den Blicken seines Dieners erscheinen; ein wunderseliger Anblick, der ihn dann außer aller Fassung brachte; er genoss im Geist des Schauens einen mystischen Tropfen der himmlischen Glückseligkeit. -