Unsere Liebe Frau zu Schnals in Südtirol

 

(Aus: Marianischer Festkalender, Regensburg 1866)

 

Im Pfarrdorf Schnals, das in einem Seitental des Untervintschgaues liegt, stand schon um das Jahr 1303 an der Stelle, wo sich jetzt die Pfarrkirche befindet, eine Kapelle unserer Lieben Frau mit einem wunderbaren Gnadenbild. Eine alte Überlieferung erzählt die Entstehung dieses Gnadenortes also:

 

Zwei Pilgrime kamen einst in das Tal. Einsam auf einem Hügel betend, bemerkten sie unweit von sich in der dunklen Waldung eine ungewöhnliche Helle. Heiliger Schauer ergriff die Betenden. Wie von einer unsichtbaren Macht angezogen, näherten sie sich ehrfurchtsvoll der Stelle, und siehe, ein zierlich aus Holz geschnitztes Bild, das Maria mit dem Jesuskind, auf einem Baumstock sitzend, vorstellte, leuchtete ihren erstaunten Blicken entgegen. Voll heiligen Entzückens eilten sie in die nächsten Bauernhöfe über den gefundenen Schatz Kunde zu geben. Kaum erscholl die frohe Botschaft, als Jung und Alt in den Wald zum Wunderbild lief. Man trug es in die nächste Hütte herab, aber bald war es aus dem unlieben Ort an die alte Stelle verschwunden. Als sich diese Erscheinung öfters wiederholte, entschloss man sich, der Himmelskönigin eine geziemende Wohnung in der Tiefe des Tales zu bauen, jedoch vergebens. Der Bau konnte aller Anstrengung ungeachtet nicht vor sich gehen, und als die hartnäckigen Bauern sich durchaus nicht von ihrem Plan abbringen lassen wollten, so nötigten sie wiederholte Unglücksfälle, dem Wink des Himmels und den Vögeln zu folgen, die die vom Blut der verunglückten Arbeiter geröteten Hobelspäne auf den Hügel emportrugen. So entstand die ebengenannte, vielbesuchte Kapelle.

 

Nicht lange blieb das Heiligtum allein. Der Wald wurde gelichtet, fromme Landbewohner siedelten sich an, die sich vertraulich der Gottesmutter nahten, und unter ihrem Schutz in kurzer Zeit zu einer Gemeinde heranwuchsen, die von der Kapelle den Namen zu „Unserer Lieben Frau“ annahm.

 

Schon im Jahr 1361 wurde daselbst ein Priester angestellt, ein Prämonstratensermönch aus dem Stift Steingaden in Bayern, abhängig von dem Pfarrer in Tschars. Die Pfarre Tschars gehörte damals diesem bayerischen Stift und so wurde auch der Gnadenort Schnals in Bayern bekannt. Im Jahr 1746 wurde die alte Kapelle abgebrochen und die jetzige Kirche erbaut. Das Hauptfest wird am Tag der Himmelfahrt Mariä gefeiert und viele andächtige Pilger aus den benachbarten Tälern finden sich dabei ein.