Unsere Liebe Frau zu Radna im Bistum Raab in Ungarn

 

Maria Radna ist der bedeutendste katholische Wallfahrtsort der Diözese Temeswar und eine päpstliche Basilika in Radna, einem Stadtteil der Kleinstadt Lipova im Kreis Arad im Westen Rumäniens (früher Ungarn).

 

Das Gnadenbild zu Radna hatte vor einigen hundert Jahren Vrichonassa, ein Bosnyak, ein achtzigjähriger Greis, für seine häusliche Andacht von einem mit Bildern handelnden Italiener an sich gebracht und zu Hause lange verehrt. Später wurde es auf dem Altar der auf den Radnaer-Bergen befindlichen Kapelle ausgesetzt und alsbald von den in der Nähe wohnenden Gläubigen hoch verehrt. Die Verehrung dieses Gnadenbildes nahm aber zu nach dem Jahr 1695. Als der türkische Sultan Mustapha in diesem Jahr nach Wiedereroberung der Festung Lippa die ganze Gegend am Fluss Marosch mit Feuer und Schwert verheerte, ist auch die Kapelle in Rana ein Raub der Flammen geworden. Die Türken haben zuerst alles Gerät von der Sakristei und von den Altären samt dem Altarbild in der Mitte der Kirche auf einen Haufen zusammengeschleppt und angezündet. Dann verbrannten sie auch die ganze Kapelle. Allein das Marienbild, obwohl es nur auf Papier gemalt war, ist mitten unter den Flammen unversehrt geblieben, nur dass es vom Rauch etwas braun geworden ist, wie man es noch heutzutage bemerkt. Bei dieser Gelegenheit sind zur allgemeinen Verwunderung vom Dach der Kirche, bei einer vollkommenen Windstille, die brennenden Schindeln über die Marosch gegen Lippa geflogen, und haben dort unter den staunenden Türken eine jämmerliche Niederlage verursacht, so dass der türkische Befehlshaber die gottesräuberischen Mordbrenner zu verhaften und hinzurichten befahl.

 

Eben damals geschah es auch, dass, als ein Spahi oder türkischer Reiter gegen die Kirche in der Absicht geritten war, um sie neuerdings anzuzünden, sein Pferd in einen Stein, der wie Wachs erweicht worden war, versunken ist, und nicht weiter fortschreiten konnte. Dieser Stein mit den eingeprägten Hufeszeichen ist annoch in der Kirchenmauer zu sehen.

 

Nicht lange darauf wurde Radna durch den Frieden von Karlowitz vom türkischen Joch befreit, und der Franziskaner Pater Stephan Novoselich beeiferte sich seit dem Jahr 1722 mit unermüdlichem Fleiß um die äußere und innere Aufnahme der Kirche. Er ließ ihre Lage ebnen, erweiterte das Gebäude, und sorgte für eine geziemende innere Einrichtung. Auch haben ihn viele Augenzeugen versichert, dass sie oft nächtlicher Weile um das Gotteshaus eine solche Beleuchtung sahen, als wäre die ganze Kirche in Flammen gestanden. Selbst die Türken von Lippa und die griechisch nicht unierten Bewohner der Umgegend haben diesen anhaltenden Glanz zu wiederholten Malen gesehen; woher die frommen Gläubigen Anlass nahmen, ihnen die Würde der heiligen Mutter Gottes zu verkünden. Hieraus entstand der Gebrauch, dass sich nach der Kirche von Radna nicht nur Katholiken und unierte Griechen und Walachen, sondern auch Nichtunierte in großer Anzahl begaben.

 

Als im Jahr 1732 in der Gegend von Arad die Pest grausam wütete, hielten die Arader in der Radnaer-Kirche eine Prozession, und hierauf ließ die Wut des Übels sogleich nach. Aus Dankbarkeit für diese Hilfe gelobte die erwähnte Stadt, vier Mal des Jahres nach Radna zu wallfahrten. Aber auch aus weiter Ferne pilgern scharenweise Gläubige dahin, deren Seelenheil eifrige Franziskaner-Väter besorgen.

 

Im Jahr 1767 wurde das Gnadenbild in der jetzigen neuerbauten Kirche durch den Cszanáder Bischof Anton Franz mit eigener Hand getragen und auf den Altar gesetzt. Alexander Rudnay, Erzbischof von Gran machte zu Anfang dieses Jahrhunderts reiche Geschenke und erhielt das erzbischöfliche Pallium in dieser Kirche, die noch immer zahlreich besucht wird.

 

mariaradna

 

(Aus: Marianischer Festkalender, Regensburg 1866)