Unsere Liebe Frau zu Leyerndorf in Niederbayern

 

Das Filialdorf Leyerndorf, Pfarrei Schierling, mit seiner schönen Wallfahrtskirche, liegt an der fruchtbaren Ebene des Labertales.

 

Über die Entstehung der Wallfahrt liegen zwar keine authentischen Urkunden vor, jedoch, da sie nicht viel über hundert Jahre besteht, wird allgemein folgende Sage mit gutem Glauben angenommen:

 

Im nahen Wald jenseits der großen Laber, befand sich in einem alten Baum, dessen Stelle noch gezeigt wird, ein gutgeschnitztes Marienbild mit dem Jesuskind auf den Armen. Zu diesem Bild, das ein diese Gegend öfters bereisender Handelsmann in den Waldbaum gesetzt hatte, wallten die Leute in der Umgebung aus Andacht. Nachdem dann durch auffallende Gebetserhörungen der Zulauf der Andächtigen immer mehr zunahm, wollte man das Marienbild in die gegenüberstehende Filialkirche nach Leyerndorf bringen, wo es auf einem Seitenaltar von einem künstlich gearbeiteten eisernen Gitter umschlossen, sich noch befindet. Am Kirchengewölbe ist die feierliche Prozession abgebildet, in der die Übertragung des Gnadenbildes stattfand. Vorher wurde noch auf frommes Verwenden der Freifrau von Ruhland, die in Leyerndorf ein Schloss besaß und das Benefizium daselbst fundierte, „zu Ehren Unserer Lieben Frau“ die Kirche neugebaut.

 

Wie sehr die Wallfahrt besucht wurde und welche wunderbaren Gnadenerweisungen die frommen Pilger erfuhren, davon zeugen die vielen Votivtafeln, besonders aus den Jahren 1760, 1792 und 1800. Davon zeugen auch die beträchtlichen Votivopfer, davon zeugt die Notwendigkeit eines Wallfahrtspriesters.

 

Am Kirchengewölbe ist die wunderbare Befreiung eines Besessenen dargestellt, wovon die alten Leute jetzt noch reden, wie sie es von ihren Eltern gehört haben. Eine Person litt am Beinfraß. Alle angewandten Mittel halfen nicht mehr. Sie verlobt sich zur Gnadenmutter nach Leyerndorf und der Fuß fing zu heilen an. Eine Votivtafel vom Jahr 1857 sollte diese Gnadenhilfe bekunden. Ein Kind verschluckte eine Fischgräte. Dem Ersticken nahe, verlobten es die Eltern zur Gottesmutter nach Leyerndorf, und das Kind war gerettet. Viele suchten und fanden Hilfe in Sünden- und Seelennot durch besondere Erleuchtung und Tröstung.

 

Hat nun auch der große Zulauf von Wallfahrern abgenommen, so wird die Wallfahrt doch noch immer andächtig besucht, besonders an Sonn- und Feiertagen von Ostern bis zur Erntezeit. Auch werden alljährlich vier Wallfahrtstage eigens gefeiert mit zahlreichem Konkurs, nämlich am Fest Mariä Himmelfahrt, am Vorabend des zweiten Sonntags im Oktober, Sonntag selbst und Montag darauf. An diesen Tagen wird in dem eine halbe Stunde nahen Hellering die Wallfahrtsfeier zur heiligen Ottilia gehalten bei großem Jahrmarkt.

 

(Aus: Marianischer Festkalender, Regensburg 1866)