Unsere Liebe Frau zu Haindling in Niederbayern

 

Der Wallfahrtsort Haindling, eine Viertelstunde südöstlich von Geiselhöring, hat einen bereits tausendjährigen Bestand.

 

Den Beweis für das hohe Alter des marianischen Gnadenortes liefert das Gnadenbild selbst. Die fromme Einfalt und der Geschmack des neunten Jahrhunderts leiteten die Hand des Meisters, der dieses Bild aus Holz geschnitzt hat. Das Angesicht Mariens ist sichtbar und nicht halb eingebunden nach der Manier späterer Jahrhunderte. Auf der rechten Hand trägt sie das göttliche Kind mit dem Zepter. Das Haupt ist mit einer von Holz verfertigten, oben zugespitzten Krone bedeckt. So war es die Weise des frommen Altertums. Die Kleidung besteht aus einem Mantel und Überrock und einem zwischen beiden herablaufenden Gürtel. Das göttliche Kind trägt die Weltkugel in der linken Hand, die rechte scheint zu segnen. Die spätere Zeit übermalte das Bild zu Haindling und bedeckte es mit prunkenden Kleidern. Der hochselige Bischof Ernest, Graf von Wartburg, jedoch entfernte allen Flitter, bloß über die hölzernen Kronen brachte er goldene an und gab sowohl der Mutter als dem Kind Zepter von eben dem Metall in die Hand. An das mit Silber überzogene Fußgestell aber befestigte er eine silberne Platte mit den Worten: „Albert Ernest, Graf von Wartburg, Bischof von Laodizäa und Weihbischof von Regensburg, schmückte dieses wunderbare Bildnis der allerseligsten Jungfrau im Jahr 1715.

 

Das schön geschnitzte Gnadenbild, ein Original des neunten Jahrhunderts, lockte eine Menge Andächtiger in seine Nähe. Die ursprüngliche Kapelle wurde bis zum Jahr 1439 fünf Mal erneuert und machte sodann im genannten Jahr einer Kirche Platz. Abt Wolfgang Mohr fand den Raum zu eng. Er ließ 1719 die im Jahr 1439 gebauten Kirche wiederum abtragen und begann den Bau der jetzigen prachtvollen Frauen-Kirche, die 1721 vollendet wurde. Sie ist 114 Schuh lang und 60 Schuh breit. Der Hauptaltar ist geweiht zur Ehre Mariä-Himmelfahrt. Am Ende des hohen Chores befinden sich zwei Seitenaltäre. Der rechte ist der allerheiligsten Dreifaltigkeit gewidmet und in dessen vergoldetem Tabernakel thront das wundertätige Bild. Der andere ist dem heiligen Sebastian geweiht.

 

Im Jahr 1722, am zweiten Sonntag nach Ostern, weihte Langwert von Simmern, Weihbischof von Regensburg, das marianische Gotteshaus feierlich ein. Gegenwärtig ist, wie früher der Zudrang der Wallfahrer nach dem Gnadenort Haindling ein sehr großer.

 

Einige Gnadenerweisungen der hohen Himmelskönigin mögen hier ihren Platz finden und zum Vertrauen ermuntern.

 

Im Jahr 1769 verlobte Walburga Spadin, Häuslerin von Walting, ihre mit der hinfallenden Krankheit behaftete Tochter Elisabeth nach Haindling. Hierauf verlor sich die Krankheit nach und nach ohne Anwendung weiterer Mittel. Im genannten Jahr wurde Peter Blümlhuber, Söldner zu Haindling von einer gefährlichen Wassersucht befallen, die ihm dem Tod nahebrachte. Er ließ sich deshalb mit den heiligen Sakramenten versehen und bereitete sich zu einem guten Tod vor. Als er an einem Sonntag die auf Anraten seines Beichtvaters schon öfters gebeteten drei Ave Maria zur Ehre der unbefleckten Empfängnis Mariä wieder verrichtete, schlief er ein. Nach drei Tagen konnte er gesund aufstehen.

 

1770 verlobte sich bei einer bösartigen ansteckenden Krankheit Baptist Pillmaier und Anna Maria, dessen Gemahlin, von Wörth an der Donau, nach Haindling und blieben verschont. 1776 verlobte Adam Punder, Bauer von Oberparkstetten, seinen zwölfjährigen Sohn, der schon seit drei Wochen sein Gehör verloren hatte, nach Haindling. Maria erhörte ihn und der Junge erhielt sein voriges Gehör zurück.

 

Ein hohes Wunder der neuesten Zeit, das die Beschreibung des schönen und fruchtreichen Wallfahrtsortes schließen soll, ist die wunderbare Rettung des gegenwärtigen Pfarrers (1866) zu Haindling.

 

Er schreibt die Erhaltung seines von der Cholera und dem Nervenfieber bedrohten Lebens dem Schutz Mariens zu, nicht minder aber auch seine Führung auf die Pfarrei Haindling, wo er noch gegenwärtig seine mächtige Beschützerin mit Wort und Tat verherrlicht.

 

(Aus: Marianischer Festkalender, Regensburg 1866)

 

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