Unsere Liebe Frau zu Altbunzlau in Böhmen

 

Dieses Bild soll der heilige Glaubensbote Cyrillus der heiligen Fürstin Ludmilla bei ihrer Taufe verehrt haben. Diese schenkte es kurz vor ihrem Tod ihrem Enkel, dem heiligen Wenzeslaus. Nach dessen Ermordung durch seinen Bruder soll es sein treuer Diener Podowin zu sich genommen und an der Stelle, wo jetzt die Kirche steht, vergraben haben.

 

Aufgefunden wurde dieses Bild erst unter der Regierung des Königs Wladislawin in Böhmen im Jahr 1160. Als nämlich ein Bauer in dieser Gegend ackerte, und die Pferde an den Platz hinkamen, wo das Bild vergraben lag, fielen sie nieder, beugten sich und konnten auf keine Weise mehr fortgetrieben werden.

 

Da sah sich der Bauer um und fand vor den Pferden ein überaus schönes Bildnis der seligsten Jungfrau Maria samt dem Jesuskindlein. Der Bauer hob das Bild mit Freude auf und brachte es den Chorherrn von Bunzlau. Diese ließen an jenem Ort eine Kirche bauen und stellten das wundervolle Bild zur Verehrung auf. Später wurde anstatt des hölzernen Kirchleins eine größere Kirche von Stein errichtet, die bis zum Anfang des siebzehnten Jahrhunderts ziemlich gut erhalten blieb. -Im Jahr 1617 wurde auch diese Kirche zu klein, und da die Kaiserin Anna einen beträchtlichen Beitrag leistete, sah man sich imstande, die jetzige prachtvolle Kirche zu erbauen, die 1630 vollendet wurde.

 

Bei einem Einfall der Sachsen in Böhmen wurde das Gnadenbild von Lorenz Freiherrn von Hofkirchen geraubt, nach Prag gebracht, und da er sich endlich in seiner Meinung, das Bild sei aus Gold gefertigt, getäuscht sah, auf dem Altstädter Ring an den Galgen gehängt. Bei seinem Abzug schleppte er das Bild nach Sachsen. Zur Strafe für diese Freveltat erlitt er bald darauf bei Altbunzlau eine große Niederlage und fiel in die Gefangenschaft der Schweden. Das Gnadenbild löste der fromme Kaiser Ferdinand II. mit einer großen Geldsumme im Jahr 1635 wieder aus. Von Leipzig kam es nach Prag, von wo es im Jahr 1638 in Begleitung des Kaisers Ferdinand III. wieder feierlich in die Gnadenkirche nach Altbunzlau übertragen wurde. Als später die Schweden die ganze Gegend überschwemmten, war das Bild bereits in den sicheren Händen der Fürstin Katharina von Lobkowitz, und wurde später in die kaiserliche Hof-Kapelle nach Wien übertragen. Im Jahr 1646 wurde das heilige Bild durch Erzherzog Ferdinand nach Prag und noch im selben Jahr durch den Kardinalerzbischof Harras abermals nach Altbunzlau mit großer Feierlichkeit übertragen. Von nun an hatte das Bild in der prachtvoll hergestellten Kirche sein ruhiges Verbleiben. Kaiser und Fürsten brachten dort der Himmelskönigin ihre Huldigung dar, und zahlreiche Scharen von Wallfahrern von nah und fern kommen alljährlich dahin, um dort in verschiedenen Nöten des Lebens Hilfe und Trost zu suchen.

 

(Aus: Marianischer Festkalender, Regensburg 1866)