Unsere Liebe Frau von Seckau

 

Ein Wallfahrtsort auf luftiger Höhe

 

(Von Anton Krenn, „Ave Maria“, Heft 1, 1913, S. 7)

 

Zwei Wegstunden von Knittelfeld, einem größeren Industrieort des oberen Murtales, entfernt, liegt auf bergenumrankter Hochebene die ehrwürdige Benediktinerabtei Seckau. Dieses Kloster, gleich ausgezeichnet durch den erbauenden Chorgesang der Mönche wie durch die tiefsinnige Marienverehrung, die dort so warm gepflogen wird, ist zu einer Gnadenstätte der seligsten Jungfrau auserkoren. Denn alle Sonntage ziehen die Mönche nach der Vesper in die Gnadenkapelle, wo ein wundertätiges Gnadenbild „Unsere Liebe Hausfrau von Seckau“ durch Gebet und Lied verehrt wird. Eine Nachbildung dieses Gnadenbildes befindet sich nun auch in dem schmucken Bergkirchlein auf der Hochalm, zu dem man in drei Stunden von Seckau aus leicht hinaufkommen kann. Die Hochalm ist ein Ausläufer eines größeren Gebirgsstockes und hat eine Höhe von 1816 Meter. Auf so hohem Bergeskamm thront schon seit über 350 Jahren die Königin des Himmels und der Erde, denn man schrieb den 10. Mai 1660, als man daranging, für die „Halter“, denn so bezeichnet man im Volksmund die Hirten, eine Kapelle zu errichten. Der damalige Stiftsprälat Maximilian Ernst von Glaispach gab selbst die Erlaubnis und die Mittel zur Erbauung des Marienheiligtums. Schon im Juli desselben Jahres war die Kapelle vollständig fertig gebaut und man gab ihr bei der Einweihung den Titel: Maria Schnee, jedenfalls deshalb, weil den größeren Teil des Jahres dort oben Schnee liegt. Das Kirchlein, das 20 Meter lang und 9 Meter breit ist, steht auf einem vorspringenden Bergesgipfel und diese kahlen Kapellenwände stechen passend ab von den grünbemoosten Steinen, die in Unordnung am Boden liegen. Im Jahr 1904 wurde auch ein gewaltiger Turm aufgeführt, in dessen unterstem Raum die Sakristei untergebracht ist. Sinnvoll weist dieser Turm auf hoher Bergeskuppe himmelan als ein Zeichen dafür, dass der eigentliche Thron der Gottesmutter droben im Himmel ist, wo sie als regina coeli et terrae an der Seite ihres göttlichen Sohnes immer fürbittend für die bedrängte Menschheit waltet. Im Jahr 1905 wurde der Hochaltar neu hergerichtet, der, grottenartig aufgebaut, in einer Felsnische das Gnadenbild „Unserer Lieben Hausfrau von Seckau“ birgt. Auf beiden Seiten stehen dann in kleineren Nischen die beiden Statuen des Heiligen Vaters Benediktus und des hl. Josef. Ein Seitenaltar ist dem heiligen Leonhard, dem Patron der Viehherden, geweiht. Auf diesen Altar sind schon an die 200 Weihegeschenke gelegt worden, die ob ihrer seltenen Ausführung einigermaßen Wert und Bedeutung haben. Diese ex voto-Geschenke sind nämlich aus Blech hergestellte Abbildungen von Tieren und stammen sicherlich schon aus dem 17. Jahrhundert. Schon von der ersten Zeit des Bestandes des Alpenkirchleins an pilgern bis auf den heutigen Tag alljährlich zahlreiche bedrängte Menschenkinder aus nah und fern zu dem Sitz der „Alpenkönigin“ hinauf, um bei ihr, die sie doch als die consolatrix afflictorum in der Lauretanischen Litanei gepriesen wird, Schutz, Hilfe und Tröstung zu suchen. Oft hat auch die Gnadenmutter von der Hochalm Beweise ihrer wundertätigen Hilfe gegeben. So kann man nach einem noch vorhandenen Votivbild entnehmen, dass der Chorherr P. Ferdinand Paumann auf die Fürbitte der Gottesmutter hin eine besessene Frau geheilt hat und als im Jahr 1714 die Pest in dieser Gegend wütete, war es nur dem wundertätigen Beistand der Gnadenmutter von der Hochalm zu danken, dass diese Seuche bald wieder aufhörte. Damals machte auch die Seckauer Gemeinde das Gelübde, alljährlich am Fest Mariä Heimsuchung auf die Hochalm zu wallfahren. Als aber im Jahr 1782 durch das Klosteraufhebungsedikt Josefs II. das Augustiner-Chorherrenstift Seckau auch geräumt werden musste, da trat nicht nur im Kloster zu Seckau, sondern auch in dem Hochalmkirchlein Verwaisung und Stille ein und traurig war es seither auf der Hochalm geworden und wo früher so oft im Jahr der fromme Gesang der Pilgerscharen zum Himmel emporstieg, hallte die ganze Gegend nur mehr von dem Blöken der Rinder wider. Etwas Leben herrschte später einmal auf der Hochalm, als der Fürstbischof von Seckau Graf von Attems im Jahr 1858 am 2. Juli im Beisein von nahezu 5000 Menschen eine heilige Messe zelebrierte und vier Jahre nachher, als man neun Tage hindurch das zweihundertjährige Jubiläum des Hochalmkirchleins feierte. Damals sollen an die 15.000 Menschen dieses so hoch gelegene Marienheiligtum besucht und 4000 auch die heiligen Sakramente der Buße und des Altares empfangen haben. Dann geriet dieser Wallfahrtsort wieder in Vergessenheit, bis im Jahr 1883 die Beuroner Benediktiner das alte, fast zerfallene Kloster wieder erneuerten und auch das Alpenkirchlein einer vollständigen Renovierung unterzogen und die Wallfahrten zur Gnadenmutter auf der Hochalm neu belebten. Im Jahr 1910 feierte man in prunkvoller, erhebender Weise das 250jährige Jubiläum des Bestandes des Hochalmkirchleins, zu welchem Fest von weit und breit die Pilger herbeiströmten. Wer je einmal Lust hat, auf hohem Bergesgipfel die Gottesmutter so recht vom Herzen zu verehren, der komme nach Seckau und steige auf die Hochalm hinauf und in kräftiger, würziger Bergesluft wird er nicht nur seinen Leib stärken, sondern auch seine Seele, die wieder Labung und Tröstung findet bei dem wundertätigen Gnadenbild Unserer Lieben Hausfrau von Seckau.

 

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